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Resormationssest, eine kirchliche Feier mit entsprechendem Festgottesdienst stattfindet. Das kirchliche Fest ist am vorher⸗ gehenden Tage, Mittags 12 Uhr, mit allen Glocken einzuläuten.
Oesterreich ⸗ Ungarn. Wien, 20. Juli. Das
„Prager Abendblatt“ schreibt unterm 19. Juli: Der
Kaiser weilt wieder in der reizenden Sommer⸗ frische Ischl, um neben der fast rastlosen Besorgung der Staatsgeschäfte auch eine karg zugemessene Zeit dem Familienleben und der Erholung von den Beschwerlichkeiten einer zur Zeit der größten Sommerhitze unternommenen Reise widmen zu können.
— Das XXXVIII. Stück des Reichs⸗Gesetzblattes enthält unter Nr. 130 die Verordnung des Handels⸗Ministers vom 16. Juli 1883, betreffend die Ausführungsbestimmungen zu den Grundzügen für die Organisation des K. K. Post⸗ sparkassen⸗Amtes.
— Die „Wiener Presse“ schreibt über die Staats⸗ sinanzen: Nachdem die Präliminarien der einzelnen Länder⸗ stellen für das Jahr 1884 bereits zum großen Theile ein⸗ gelaufen sind, ist man jetzt in den Ressort⸗Ministerien mit der Aufstellung der Budgetvoranschläge für das nächste Jahr be⸗ schäftigt. Der Entwurf des Gesammtbudgets dürfte bis Ende August vollendet sein und wird voraussichtlich im September dem Ministerrathe zur Prüfung vorgelegt werden. Der Steuerausweis für das zweite Quartal 1883 ist gleichfalls in der Zusammenstellung begriffen und soll gegen Ende der nächsten Woche publizirt werden. Schon aus den bisher von den einzelnen Landesdirektionen eingelaufenen Nachwei⸗ sungen ist ein günstiges Resultat der Steuereingänge im zweiten Quartal ersichtlich.
Prag, 19. Juli. (Prag. Ztg.) In der heutigen Sitzung des Landtages wurden die Gesetzentwürfe in Be⸗ treff der Bewilligung zur Einhebung von Gebühren für die Aufnahme in den Gemeindeverband sowie bezüglich der Unterstützung des Baues der böhmisch⸗mährischen Transversalbahn aus Landesmitteln in dritter Lesung angenommen.
Zara, 19. Juli. (Wien. Ztg.) Der Landtag genehmigte heute unter Anderem die Präliminarien pro 1883.
Großbritannien und Irland. London, 18. Juli (Allg. Corr.) Der Wechsel in der Person des französischen Botschafters am Hofe von St. James beschäftigt die ge⸗ sammte englische Presse. Dem aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Botschafter Hrn. Tissot wird von der „Times“ die Anerkennung gezollt, daß er seine schwierigen Pflichten in einer anerkennenswerthen, geschäftsmäßigen und von diplomatischen Winkelzügen freien Weise erfüllt habe, und daß man ihn mit Bedauern scheiden sehe. In der Wahl Hrn. Waddingtons zu seinem Nachfolger erblicken der „Stan⸗ dord“, der „Daily News“ und andere leitende Blätter ein willkommenes Zeichen des aufrichtigen Bestrebens der franzö⸗ sischen Regierung, Alles zu thun, um jeden Schatten einer übelwollenden Gesinnung zu entfernen und die Beziehungen zwischen Frankreich und England auf den alten Fuß der Freundschaft zu setzen.
— 19. Juli. (Allg. Corr.) Die Arbeitseinstellung im Sheffielder Eisendistrikte ist so gut wie beendet. Die Arbeit wurde gestern in den meisten Gußwerken wieder aufgenommen und man rechnet, daß ein Dritel aller Ar⸗ beiter wieder in Thätigkeit ist; dieselben bedauern, daß sie sich irreleiten ließen. Die Polizei hat alle erforderlichen Vor⸗ kehrungen getroffen, um die Ausübung jedes weiteren Zwanges Seitens der noch feiernden Arbeiter und alle Gewaltthaten zu verhindern.
Die indische Post wird nunmehr in Folge der in Brindisi in Kraft getretenen Quarantänebestimmungen nicht mehr dort ausgeladen, sondern direkt nach Plymouth geschafft werden.
Die Wahl Mr. Redmonds zum Abgeordneten für Wexford (Irland) und der eklatante Sieg, welchen er über den liberalen Kandidaten, O'Conor Don, errang, wird von der Presse allgemein als ein neues Zeichen der unumschränkten Gewalt betrachtet, welche Mr. Parnell in Irland übt.
Der Bericht des gemeinsamen Ausschusses der beiden Häuser des Parlaments über das Kanaltunnelprojekt wurde heute veröffentlicht. Es heißt darin: „Der Ausschuß prüfte die ihm vorgelegten Berichte; es zeigte sich jedoch, daß sich der Ausschuß in Bezug auf keinen derselben vollständig zu einigen vermochte. Die Majorität des Ausschusses ist jedoch der Anschauung, daß es nicht gerathen erscheint, dem Projekte einer unterseeischen Verbindung zwischen Frankreich und England die parlamentarische Zustimmung zu ertheilen“.
— 20. Juli. (W. T. B.) Unterhaus. Der Unter⸗ Staatssekretär Lord Fitzmaurice erwiderte auf eine Anfrage bezüglich der Cholera, Dr. Hunter sei nach Egypten ab⸗ gegangen und werde dort vom Dr. Mackie und dem englischen Mitgliede des egyptischen Gesundheitsrathes unterstützt werden. Der Vertreter Englands sei angewiesen, einen Druck auf die egyptische Regierung auszuüben, um derselben begreiflich u machen, daß gesundheitliche Reglements zur Unterdrückung er Cholera weit wichtiger seien, als Kordons, Lazarethe und Quarantänen.
Der Antrag der Regierung, daß der Sergeant at arms der auf die gerichtliche Klage Bradlaughs an ihn ergangenen Vorladung Folge leisten solle, wurde vom Hause ange⸗ nommen.
Der erste Botschafts⸗Sekretär bei der englischen Botschaft in Berlin, Sir John Walsham, ist zum Botschafts⸗ Sekretär in Paris ernannt worden.
„Simla (Indien), 18. Juli. (Allg. Corr.) In heutiger Sitzung des vizeköniglichen Rathes wurde eine Bill ein⸗ gebracht, welche die Eiführung einer lokalen Selbstver⸗ waltung in Britisch⸗Birma verfügt.
Melbourne, 18. Juli. (Allg. Corr.) Dem zur Vor⸗ lage gelangten Budget der Kolonie Victoria zufolge werden für das Finanzjahr 1883/84 die Einnahmen auf 6 000 000 Pfd. Sterl., die Ausgaben auf 6 060 000 Pfd. Sterl. veranschlagt. Im abgelaufenen Jahre betrugen die Ein⸗ nahmen 5 770 000 Pfd. Sterl., die Ausgaben 5 690 000 Pfd. Sterl. Die für öffentliche Zwecke aufgenommene Summe wurde auf 1 000 000 Pfd. Sterl. eingeschränkt und zu Eisen⸗ bahnbauten verwendet. Zur Zahlung der fällig werdenden Staatsschuldbeträge beantragt der Finanz⸗Minister die Auf⸗ nahme einer neuen Anleihe von 3 000 000 Pfd. Sterl. Die Gesammtschuld Victoria's beträgt 26 000 000 Pfd. Sterl.
Frankreich. Paris, 19. Juli. (Köln. Ztg.) Lord
8. Lvyons, der auf seine beabsichtigte Reise nach Vichy verzich⸗
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tet hat, begiebt sich morgen nach London. — Im heutigen Ministerrath wurde beschlossen, die Wähler für die General⸗ räthe zum 12. August zu berufen; es ist demnach kein beson⸗ deres Gesetz nöthig.
Nach Berichten aus Bordeaux sind von der Kolonne des Obersten Borgnis⸗Desbordes, der bekanntlich den Feldzug am oberen Senegal ausführte, 130 Mann umge⸗ kommen. Ungefähr 50 fielen vor dem Feinde, die übrigen starben am Typhus. Im Ganzen bestand die Kolonne aus 250 Mann. Borgnis⸗Desbordes blieb am Senegal, da er der Gouverneur dieser Kolonie werden soll.
Eine größere Anzahl von Prozessen sind in der Provinz gegen jene Royalisten angestrengt worden, welche das Nationalfest durch feindliche Kundgebungen gestört hatten. In Paris sah man vorgestern auch einmal das weiße Lilien⸗ bemmer. Es war auf einem Pappelbaum am Pont Neuf auf⸗ gehißt.
— 20. Juli. (W. T. B.) Senat. Der Herzog von Broglie zeigte dem Minister des Auswärtligen, Challemel⸗ Lacour, an, daß er über den Kriegszustand, in dem man sich mit Tonkin und Madagaskar befinde, sowie darüber eine Anfrage an ihn zu richten beabsichtige, hve. 88 er, ohne die Kammern zu Rathe zu ziehen, den Krieg herbeigeführt und ob er die auswärtigen Regierungen von dem Kriegszustande Frank⸗ reichs mit Tonkin und Madagaskar benachrichtigt habe. Der Minister acceptirte die Verhandlung über die Anfrage des Herzogs von Broglie für morgen. Hierauf wurde die Be⸗ rathung über die Gerichtsreformvorlage fortgesetzt, der Justiz⸗Minister trat für die Vorlage ein. Nach dem Schlusse der Generaldiskussion wurde die vom Justiz⸗Minister für die Vorlage beantragte Dringlichkeit mit 139 gegen 127 Stimmen angenommen und mit 169 gegen 114 Stimmen beschlossen, zur Berathung der einzelnen Artikel der Vorlage überzugehen.
Lesseps hat den Ingenieur für die Kanalarbeiten in Suez telegraphisch aufgefordert, sich mit den Plänen für den projektirten zweiten Kanal sofort hierher zu begeben, damit baldigst mit der Ausgrabung des zweiten Kanals vorgegangen werden könne, der Suezkanalgesellschaft seien jetzt die finanziellen Mittel zur Ausführung des Kanals gesichert, sei es durch das von der englischen Regierung gemachte Anerbieten, sei es durch andere ihr zur Verfügung gestellte Mittel. Gutem Vernehmen nach hat die englische Regierung die Zulassung von 5 englischen Administratoren in den Verwaltungsrath der Suezkanalgesellschaft verlangt, anstatt 3, wie ursprünglich bestimmt war.
— 21. Juli. (W. T. B.) Gestern Abend kam es in Roubaix in Folge Anschlagens von Plakaten, in welchen das Volk zum Kampf gegen die besitzenden Klassen aufgereizt wurde, zu einem neuen Auflauf. Die Gensd'armerie schritt ein und zerstreute die Zusammenrottungen.
Spanien. Madrid, 21. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat den Gesetzentwurf wegen Reduktion des zehnprozentigen Zuschlages auf Eisenbahnpassagier⸗ Billette angenommen.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 21. Juli. (W. T. B.) Wie die deutsche „St. Petersburger Zeitung“ erfährt, wäre ein ins Ausland gereistes Mitglied der Juden⸗ kommission vom Grafen Pahlen, dem Präsidenten der Kommission, beauftragt worden, sich genau über die Frage der bürgerlichen Rechtsstellung der Juden in Deutschland, Frank⸗ reich und England zu informiren und hierüber eine Denk⸗ schrift auszuarbeiten, die auch die historische Seite der Frage berücksichtigen soll.
In der neuesten Gesetzsammlung wird der Wortlaut der ministeriellen Deklaration über die gegenseitige Anerkennung von Gehaltscertifikaten russischer und französischer Handels⸗ schiffe veröffentlicht.
— Im Kaukasus herrschte, wie der „Pol. Corr.“ ge⸗ schrieben wird, schon seit mehreren Monaten unter der Be⸗ völkerung eine nicht unbedeutende Aufregung, hervorgerufen durch den Beschluß der russischen Regierung, das im euro⸗ päischen Rußland bestehende System der Pferdeconscription für Militärzwecke auch im Kaukasus einzuführen. Die Kaukasier, welche bekanntlich auf ihre Pferde einen überaus hohen Werth legen, setzen der Durchführung dieser Maßregel hef⸗ tigen Widerstand entgegen. In der letzten Zeit hat nun, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, die Aufregung Dimensionen angenommen, welche in Petersburg einige Besorgnisse her vor⸗ rufen. Es sollen bereits verschiedene Ruhestörungen stattge⸗ funden haben, welche ein energisches Einschreiten der Behörden nothwendig gemacht hätten. Wie es heißt, hat die Regierung be⸗ schlossen, eine Spezialkommission nach dem Kaukasus zu ent⸗ senden, welche die Angelegenheit in einer den Tendenzen der Regierung entsprechenden, gleichzeitig aber auch den Wünschen der Bevölkerung des Kaukasus Rechnung tragenden Weise regeln soll.
Amerika. New⸗York, 20. Juli. (W. T. B.) Einer Depesche aus Lima zufolge erhielt der General Lynch einen Brief des Obersten Grostjago, datirt aus der Nähe von Huanuco vom 10. d. M., in welchem gemeldet wird, daß die vereinigten Streitkräfte des Caceres und anderer peruanischer Führer in einem zweitägigen Kampfe unter⸗ legen seien. Caceres soll nahe an 1000 Mann verloren haben, von den Anführern aber Niemand verwundet sein.
Asien. Die „North China Daily News“ bringen einen Bericht über eine Christenmetzelei, welche in Nunnan 89 stattgefunden hat, und in der Uebersetzung, wie folgt, autet:
„Yunnan⸗Fu, 14. April.
Ich bin in Yunnan⸗Fu angekommen, nachdem ich die Reise von der Hauptstadt von Shansi in fünfthalb Monaten zurückgelegt hatte. Hier empfingen mich traurige Nachrichten. Ein großes Christen⸗ gemetzel hat im Gebiet von Lung⸗Kang⸗Hsien, einige Fagemärsche westlich von Ta⸗Li⸗Fu, stattgefunden. Ein junger, französischer Priester und einige Familien von neubekehrten Eingeborenen sind als Opfer der Volkswuth gefallen und alle den Christen gehörigen Häuser zwischen Lung⸗Kang und Ta⸗Li sind durch Feuer zerstört worden. Es scheint, daß sich schon seit langer Zeit eine große Gehässigkeit gegen die Kirchen der Eingeborenen gezeigt hat und Drohungen worden sind, alle Christen zu erschlagen und ihr Besitzthum zu zerstören. Die Krisis ist vor ungefähr 13 Tagen ausgebrochen. Eine Bande von 200 Individuen griff den Pater Terrasse und sieben bei ihm befindliche Christen an und massakrirte sie. Die Meuterer setzten hierauf ihr Zerstörungswerk fort und ihre Zahl nahm immerfort zu. Sie ermor⸗ deten alle Bekehrten, auf die sie stießen, und verbrannten alles Eigenthum der Christen während 5—6 Marschtagen bis Ta⸗Li Fu, wo der Bewegung glücklicherweise Einhalt gethan wurde. Diejenigen, welche mir dieses erzählten, sagten, daf sich die Christen an gewissen Punkten mit solcher Energie vertheidigten, das ihnen ihre Angreifer nichts anhaben konnten. YPunnan⸗Fu befindet sich in einem Zustande
schrecklicher Aufregung, und man befürchtete für den gestrigen Tag ein
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zweites Gemetzel, aber die Uebelthäter wurden zum Glück von den Behörden daran gehindert, die ohne Zweifel Maßregeln ergreifen
werden, um die, wie man sagt, wohlbekannten Rädelsführer dieser
Missethaten zu verhaften.“
Zeitungsstimmen.
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Die „Wiesbadener Zeitung“ äußert in einem „Wir⸗ kungen der Wirthschaftspolitik“ überschriebenen Artikel:
... Wenn es hier und da in den letzten Monaten, vielleicht auch sogar bei den letzten Reichstagswahlen, schien, als ob die neue Wirthschaftspolitik wieder etwas in Mißkredit gerathen sei, so waren daran keineswegs die Wirkungen dieser Politik, sondern allein die mit viel Geschick in die Massen geworfenen und unablässig wieder⸗ holten und schließlich hier und da geglaubten Schlagworte von der Vertheuerung der Lebensmittel durch die Zölle, von dem Nutzen der Wirthschaftspolitik nur für die Unternehmer und Arbeitgeber, nicht für die Arbeiter, und ähnliche Phrasen Schuld.
„Gegenüber diesen allgemeinen Redensarten und Schlagworten ist es ein großes Verdienst, welches sich der Verein zur Förderung des Wohles der Arbeiter mit einer von aller Tendenz freien, genauen, statistischen Untersuchung über die thatsächliche Lage der Arbeiter und aller für die Arbeiter ins Gewicht fallenden Verhältnisse erwirbt. Was diese mühsamen Untersuchungen über Lebensmittelpreise an den einzelnen Orten, über die Löhne und Arbeitszeiten zu Tage gefördert haben, ist das gerade Gegentheil von den kühnen, mit glänzenden Farben und großer Beredtsamkeit vorgetragenen Behauptungen der Freihändler, die überall — freilich ohne thatsächliches Beweismaterial beizubringen — einen un⸗ geheuren Rückgang in den Verhältnissen der Arbeiter und eine enorme Erhöhung der Lebensmittelpreise sehen wollen. Schon die vorjährigen Veröffentlichungen in der Zeitschrift des gedachten Vereins, in der „Concordia“, zeigten, daß die Behauptungen der Freihandelspartei bezüglich der Vertheuerung der Lebensmittel völlig haltlos sind und in der Luft schweben. Die neuesten Untersuchungen, welche sich vor⸗ nehmlich auf die Arbeitslöhne und Arbeitszeiten erstreckt haben, und die jetzt gleichfalls in der „Concordia“ veröffentlicht werden, beweisen, daß es in diesem Punkte mit den freihändlerischen Phrasen nicht besser steht.
Der Verein hat am 1. Oktober vorigen Jahres über die letzt gedachten Fragen in 514 Orten Deutschlands (wovon 319 auf Preußen fallen) Erkundigungen eingezogen und stellt das Resultat derselben den Ergebnissen gegenüber, welche am 1. Juli 1882 ermittelt worden sind. Es wurden hierbei besonders das Baugewerbe, die vier Kleingewerbe der Schlosser, Schreiner, Schneider und Schuster, von der Fabrik⸗ industrie die Maschinenschlosser, Maschinenweber, Wollspinner, sonstige gelernte Fabrikarbeiter und Fabriktagelöhner, sowie die Tagelöhner in der Landwirthschaft berücksichtigt. Es ergiebt sich nun aus der Zu⸗ sammenstellung, daß der durchschnittliche Wochenlohn am 1. Oktober zwar derselbe (also kein niedrigerer) war wie am 1. Juli — nämlich 13,1 ℳ, daß aber die eigentlich maßgebende Ziffer, nämlich diejenige des Lohnes per Arbeitsstunde am 1. Oktober höher war, als am 1. Juli, — auf die Arbeitsstunde kamen am 1. Juli 19,6 ₰, am 1. Ok⸗ tober 20 ₰, — auf den Arbeitstag, zu 10 Stunden gerechnet, wür⸗ den hiernach 4 ₰ mehr Lohn entfallen. Die Differenz ist zwar keine große, 19 beweist doch aber, daß eher eine Tendenz der Steigerung der Arbeitslöhne als das Gegentheil vorhanden ist. Bemerkenswerth ist, daß bei allen vorhin aufgeführten Kategorien jene kleine Steigerung gleichmäßig zu Tage tritt.
Was die Lebensmittelpreise anbetrifft, worüber auch eine ver⸗ gleichende Zusammenstellung zwischen dem 1. Juli und dem 1. Okto⸗ ber vorigen Jahres in der „Concordia“ vorliegt, so hat ein Rückgang der Preise für 1 kg Roggenbrod, Roggenmehl und Weizenmehl von 24 beiw. 31 und 39 Pfennigen (am 1. Juli) auf 23, bezw. 28 und 38 Pfennige (am 1. Oktober) stattgefunden und zwar in durchschnittlich 500 Orten. Die Kartoffel⸗ und die Fleischpreise haben sich etwas erhöht, aber nur um ein sehr geringes, z. B. bei Schweinefleisch per Kilo um 3 ₰, bei Speck um 1 ₰. Daß der Zoll hierbei nicht in die Wageschale fällt, versteht sich von selbst. Dafür aber sind die Preise für Petroleum von 24 ₰ für 1 1 am 1. Juli auf 22 ₰ am 1. Oktober (in durchschnittlich 500 Orten) zurückgegangen, obwohl der Zoll, der beim Petroleum doch eine wesentliche Rolle spielt, derselbe geblieben ist.
Aus diesen sorgfältigen Ermittelungen ergiebt sich zum Min⸗ desten das Eine, daß die neue Wirthschaftspolitik für die Arbeiter aller Karegorien weit entfernt ist, nachtheilig zu wirken; im Gegen⸗ theil läßt sich der belebende und segensreiche Einfluß derselben auch an den nitgetheilten kleinen Zahlen nicht verkennen. Jene Ermitte⸗ lungen aber — darüber dürfte ein Zweifel nicht möglich sein — haben weit mehr Werth als die blendenden Phrasen der falschen Propbeten des Freihandelsthums, die zur höheren Ehre ihrer Theorie eben nur mit haltlosen Behauptungen, aber nicht mit beweiskräftigen Zahlen operiren.
— An die von uns in Nr. 163 mitgetheilte Aeußerung des Rektors der Cornell⸗University, Hrn. White, knüpft das „Posener Tageblatt“ folgende Bemerkungen:
Hierin ist gleich gesagt, weshalb die Opposition den Vorwurf des „Despotismus“ erhebt: sie will die Regierungsgewalt unter die Herrschaft des Parlaments bringen, sie will den englischen Konstitu⸗ tionalismuz, und da sie ihn nicht hat und nicht haben kann, wird
Ach! und Weh! über unsere politischen Zustände geschrieen. —
Doch in einem Punkte giebt auch Hr. White sich einem
Irrthum hin. Fürst Bismarck leitet die Regierung nicht⸗ „im Gegensatz zur Majorität.“ Alle Gesetze, die zu—
Stande gekommen sind, sind es durch Majoritäten, wenn auch durch verschiedenartige und wechselnde; wo eine Majorität im Parlament nicht vorhanden war, ist nichts geschehen, was auf ein Regieren gegen den Willen „der Maäjorität“ hindeuten könnte. Was die fortschrittliche Opposition als Streben nach „despotischer Regie⸗ rungsforen“ bezeichnet, ist weiter nichts als ein Widerstand gegen das demagogische Treiben der radikalen Opposition und gegen ihr Streben, unsere Verfassungszustände nach ihrem Parteiideal umzumodeln. Aber gerade hierin steht dem Fürsten Bismarck sowohl die Majorität in den parlamentarischen Körperschaften, wie im ganzen Volke zur Seite, und hierin wird sich das Polk auch durch das unsinnigste aller Schlagworte „despotische Regierungsform“ gewiß auch in Zukun
nicht beirren lassen. ““
— Die „Deutsche Reichspost“ schreibt:
Es ist nicht so lange her, seit in der manchesterlichen Oppositions⸗ presse mehrere Wochen hindurch die „verheerenden Wirkungen der neuen Schutzzollpolitik“ an dem „unvermeidlichen Ruin“ der deutschen Seehandelsplätze, namentlich auch an der Ostsee „haarscharf“ be⸗ wiesen wurden. Insbesondere der Handelsplatz Königsberg wurde damals als schwer betroffen hingestellt, schaudernd vernehmen die Leser des Stuttgarter „Beobachters“ und stammverwandter Organe, wie die neue Schutzzollära den Handels⸗ platz Königsberg vollständig lahmlege, wie die Russen einen Kon⸗ kurrenzhafen gegen Königsberg errichten, wie dadurch viele Tausende von Menschen nicht nur in Königsberg selbst, sondern im ganzen, mit Königsberg in geschäftlichen Beziehungen stehenden Hinterlande unfehlbar und rettungslos der Verarmung und dem pölligen Ruin entgegengehen u. s. w.. ..
Wie sind nun jene düsteren Prophezeiungen und „Berechnungen“ in Erfüllung gegangen? Dem Jahresbericht des Vorsteheramts der Kaufmannschaft zu Königsberg i. Pr. pro 1882, welcher erklärt, es stelle sich in jeder Beziehung heraus, „daß Handel und Schiffahrt im Allgemeinen wieder bei uns im Wachsen sind“, und welcher zugleich konstatirt, de der Vortheil davon für die Einwohnerschaft im Allgemeinen und für die arbeitenden Klassen im Speziellen außer Zweifel stehe, entnehmen wir folgende Ausführungen: Bei der Königsberger städtischen Sparkasse ist die Zahl der Sparkassenbücher wieder um mehr als 8000, nämlich von 34 850 auf 43 186, und der Gesammtbetrag der Spareinlagen um mehr als 900 000 ℳ, von
1 11394 567 auf 12 315 300 ℳ gestiegen. Besonders interessant ist,
daß sich das Vorsteheramt der Kaufmannschast dahin ausspricht, daß der gute Ausfall der Ernte immer noch stärkere Wir⸗ kungen auf die materielle Lage der Bevölkerung aus⸗ übe, bis alle Wandlungen der Politik, mit anderen Wor⸗ ten, daß der vielgeschmähte Zolltarif, von dessen Einführung freihändlerischerseits der Untergang des Königsberger Handels pro⸗ phezeit wurde, in Wahrheit den Handel nicht beeinträchtigt hat, und daß im Jahre 1880, wo ein erheblicher Rückgang im Getreidegeschäft zu bemerken war, allein die schlechte Ernte daran Schuld war. Die guten Ernten der Jahre 1881 und 1882, namentlich des letzteren, haben das Königsberger Getreidegeschäft dem Umfange nach ansehnlich gesteigert. Die Getreideverschiffungen über See betrugen 1882 502 094 t, 1881 282 071, 1880, 191 299, 1879 386 662, 1878 567 077, 1877 593 451 t, also im Jahre 1882 fast so viel, wie zur Zeit des russisch⸗türkischen Krieges, wo wegen der Sperre des Schwarzen Meeres fast alles russische Getreide über die Ostsee⸗ häfen exportirt werden mußte. Ebenso ist das Holzgeschäft erbeblich an Umfang gestiegen; die Zufuhr stieg von 180 000 Festmetern im Vorjahre auf 249 000 im Jahre 1882; die Ausfuhr von 87 000 auf 159 000 Festmeter. Die Zufuhr war also eine ungleich größere, der Zoll erwies sich demnach als ungenügend. Die Konsumtionsfähigkeit der Provinz hat ebenfalls bedeutend zugenommen. Allein an Kaffee wurden 3000 Ctr. mehr verbraucht, als 1881. Der Eisenbahnverkehr steigerte sich von 716 448 lt und 88 327 Stück Vieh im Jahre 1881 auf 911 066 t und 166 824 Stück Vieh. Der Schiffs⸗ verkehr in Königsberg belief sich im Jahre 1881 auf 1578 eingehende und 1549 ausgehende Schiffe, im Jahre 1882 auf 2118, beziehungsweise 2078. Im Vorhafen Pillau liefen 1881 ein 1884 und aus 1860 Schiffe, im Jahre 1882 2498, bezw. 2429. „Die seit dem Jahne 1871 stetig behauptete Frequenz unseres Vorhafens von mehr als 2000 Schiffen, unter welcher nur die beiden Jahre 1880 und 1881 zurückblieben, ist also wieder erreicht.“ Einen Rück⸗ gang konstatirt der Bericht nur im Theehandel und im Petroleum⸗
geschäft mit Rußland; die Ursache hiervon ist eine sehr einfache: die
direkten Theezufuhren nach Rußland von China über Odessa haben sich vermehrt, und das kaukasische Petroleum macht dem amerikanischen jetzt mächtige Konkurrenz.
Statistische Nachrichten.
Summarische Uebersicht über die Zahl der Stu⸗ direnden auf der Königlichen Rheinischen Friedrich⸗
Wilhelms⸗Universität zu Bonn im Sommersemester 1883.
Im Wintersemester 1882/83 sind immatrikulirt gewesen laut Nach⸗ weisung vom 23. November 1882 973, nach Aufstellung dieser Nach⸗ weisung wurden noch immatrikulirt 8, zusammen 981; davon sind ab⸗ gegangen 339, es sind demnach geblieben 642; dazu sind in diesem Semester gekommen 523, die Gesammtzahl der immatrikulirten Stu⸗ direnden beträgt daher 1165. Die evangelisch⸗theologische Fakultät zählt Preußen 101, Nichtpreußen 8, zusammen 109. Die katholisch⸗ theologische Fakultät zählt Preußen 75, Nichtpreußen —, zusammen 75. Die juristische Fakultät zählt Preußen 277, Nichtpreußen 18, zu⸗ sammen 295. Die medizinische Fakultät zählt Preußen 214, Nicht⸗ preußen 20, zusammen 234. Die phisosophische Fakultät zählt a. Preußen mit dem Zeugniß der Reife 315, b. Preußen ohne Zeug⸗ niß der Reife, nach §. 3 der Vorschriften vom 1. Oktober 1879, 74, mithin Preußen 389, dazu c. Nichtpreußen 63, zusammen 452, im Ganzen 1165. Unter den Immatrikulirten der philosophischen Fa⸗ kultät befinden sich 68 Preußen und 10 Nichtpreußen, zusammen 78, welche der landwirthschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf angehören. Außer diesen immatrikulirten Studirenden besuchen die hiesige Uni⸗ versität als nur zum Hören der Vorlesungen berechtigt, mit spezieller Genehmigung des z. Rektors 63. Es nehmen mithin an den Vor⸗ lesungen überhaupt Theil 1228.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Stettin, 20. Juli. (Osts. Ztg.) Gestern Abend starb der hiesige Archidiakonns an St. Jacobi, Gustav Adolf Schiffmann n Groß⸗Tabarz in Thüringen. Derselbe ist geboren in Stettin am 31. Juli 1814, hat in Halle und Berlin studirt und wurde 1843 als Diakonus und 1854 als Archidiakonus an St. Jacobi installirt.
— In dem Verlage von Franz Vahlen, Berlin, ist kürzlich der dritte Band des von dem Geheimen Ober⸗Justiz⸗Rath Reinhold Johow und dem Kammergerichts⸗Rath Oskar Küntzel herausgegebenen Jahrbuches für Entscheidungen des Kammergerichts in Sachen der nichtstreitigen Gerichts⸗ barkeit und in Strafsachen erschienen. Preis geheftet 5 ℳ, gebunden 6 ℳ 50 ₰. — Für die Sachen der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit, in denen früher jedem Appellationsgericht
für seinen Bezirk die endgültige Entscheidung zustand, sind jetzt die Ober⸗Landesgerichte in der Regel nicht mehr
Beschwerdeinstanz. Für die Verhandlung und Entscheidung
über die Rechtsmittel in den Angelegenheiten, welche durch das
reußische Ausführungsgesetz zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz
den Amtsgerichten zugewiesen worden, sind die Landgerichte zu⸗
siändig. Gegen die Entscheidung der Landgerichte findet aber das neu eingeführte Rechtsmittel der weiteren Beschwerde statt und die Verhandlung und Entscheidung über dasselbe ist dem Kammergericht
ausschließlich überwiesen, — mit der Einschränkung, daß dasselbe
unter den im Gesetz bezeichneten Voraussetzungen die Verhandlung und Entscheidung demjenigen Ober⸗Landesgericht zu überweisen hat, zu dessen Bezirk das Landgericht gehört, welches die angefochtene Ent⸗ scheidung erlassen hat bezw. diesem Ober⸗Landesgericht überweisen kann gs. 25 ff., 40, 51 und 56 des qu. Gesetzes vom 24. April 1878). erner bildet das Kammergericht die Centralinstanz für die in §. 50 des citirten Gesetzes angeführten Strafsachen, und ist dasselbe nach dem Ausführungsgesetz zum deutschen Gerichtskostengesetz für gewisse Entscheidungen in Kostensachen ausschließlich zuständig. Das Jahr⸗ buch ist bestimmt, die in Folge der gedachten gesetzlichen Bestim⸗ mungen erlassenen wichtigeren Entscheidungen des Kammergerichts zu sammeln. In einem Anhang sollen auch Abhandlungen über Fra⸗ gen aus dem Gebiete der nicht streitigen Gerichtsbarkeit, Anzeigen von literarischen Erscheinungen auf dem Gebiet der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit und des Landesstrafrechts, sowie Entscheidungen, welche, ohne in den Rahmen der Hauptaufgabe des Jahrbuchs zu fallen, mit derselben in besonders naher Berührung stehen, veröffent⸗ licht werden. Unter den letzteren sind namentlich die auf das Rechts⸗ mittel der weiteren Beschwerde ausnahmsweise von einem anderen Ober⸗Landesgericht als dem Kammergericht gefällten Entscheidungen ins Auge gefaßt. Dieser Aufgabe entsprechend umfaßt der vorliegende Band 163 Entscheidungen, welche folgende Materien betreffen: I. in Sachen der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit: die allgemeinen Grundsätze über die Rechtsmittel der Beschwerde und der weiteren Beschwerde, andelsregister, Erbbescheinigungs⸗ und Nachlaßsachen, Vormundschaftssachen, Grundbuchsachen, Kosten⸗ und Stempelsachen; IJ. in Strafsachen: das Verfahren, gewerbe⸗polizeiliche Vor⸗
schriften, Stempel⸗ und Steuergesetze, Vereinsgesetz, Chaussee⸗,
Straßen⸗ und Kanalpolizei⸗Gesetze und. Verordnungen, Kir⸗ chengesetze, Sanitäts⸗ und Veterinärpolizeigesetze, Forst⸗ und Vorfluthgesetze, sonstige landesrechtliche Vorschriften, Strafgesetzbuch. Der Anhang enthält einen Beschluß des Ober⸗Landesgerichts zu Breslau vom 5. Oktober 1882, betreffend §. 131 der Grundbuch⸗ ordnung, und eine Abhandlung über die Rechtsmittel gegen Straf⸗ festsetzungen im Ordnungsstrafverfahren bei Handelsregistersachen. Ein ausführliches Sachregister sowie ein Verzeichniß der in Bezug genommenen Gesetze, Verordnungen, Instruktionen ꝛc. sind dem Bande beigegeben.
8 Gewerbe und Handel.
In Folge eines Gutachtens des Kaiserlich russischen Reichsrathes, welches am 13. Mai d. J. die Sanktion des russischen Kaisers er⸗ halten hat, ist verordnet worden:
1) die Einsuhr gereinigten Salpeters aus dem Auslande nach Rußland zu gestat sti
1“
en und demgemäß die Bestimmung der
8 4 — zu Art. 130 des allgemeinen Zolltarifs außer Kraft zu setzen:
2) In Abänderung des Art. 130 des allgemeinen Zolltarifs, stick⸗ stofffaures Kali (Salpeter) in jeder Gestalt mit fünfzig Kopeken Metall pro Pud zu verzollen.
— Das Exportmusterlager Stuttgart versendet seinen Jahresbericht, welchem wir Folgendes entnehmen: Der Verein zählt heute 454 Mitglieder, darunter sämmtliche exportfähige württember⸗ gische Industriellen und steht unter dem Protektorat Sr. Hoheit des Prinzen Hermann zu Sachsen⸗Weimar. Der Jahresbeitrag beträgt 25 ℳ und steht dafür jedem Mitglied das Recht zu, seine Muster auszustellen und seine Firma in den Katalog aufnehmen zu lassen. Die in der Gewerbehalle arrangirte ständige Ausstellung württembergischer Fa⸗ brikate giebt den fremden Käufern Gelegenheit, sich rasch über die In⸗ dustrieerzeugnisse des Landes zu orientiren und ihre Aufträge zu ertheilen. Im Juli vorigen Jahres eröffnet, wurde das Lager bis Ende März von 170 Personen besucht. vüser von Leipzig, Hamburg, Berlin, Wien, Paris, London, Barcelona, Madrid, Lissabon, Mailand, Odessa, St. Petersburg, Moskau und anderen größeren europäischen Handelsplätzen kamen noch Käufer von Costa Rica, Mexiko, Buenos Ayres, Puebla, Pernambuco, Portland, Quitc, Rio de Janeiro, Valparaiso, Valdivia, St. Jago, Caracas, Para, Mmacaibo, Bahia, Bolivia, Manila, Adelaide, Lagos, Calcutta, Bombay, Batavia, Alexandrien, Kairo, Jerusalem, Smyrna, New⸗York und Philadelphia. Diese 170 Besucher ertheilten ca. 60 Auf⸗ träge für 42 Fabrikanten, ein befriedigendes Anfangsresultat, wenn man berücksichtigt, daß während der Hauptbesuchszeit Juli — Oktober vorigen Jahres sich blos ca. 120 Musterkollektionen auf dem Lager befanden. Am meisten bestellt wurden Blech⸗ und Metall⸗ waaren, Mundharmonikas, Konditoreiwaaren, Corsette, baumwollene Decken, Uhren, Holzwerkzeuge, Leder, Hüte ꝛc. Häufig gefragt wurde nach Taschenuhren, Ziehharmonikas, billigen Messern und Lederwaaren, sowie leichten gefärbten und bedruckten Baumwollzeugen, letzterer Artikel ist besonders für den Export nach Afrika wichtig. Sämmt⸗ liche Fremde, welche das Musterlager besuchten, sind mit Preis⸗Cou⸗ ranten und Adreßkarten versehen worden. Diejenigen Besucher, die sich für einzelne Artikel speziell interessirten, wurden den betreffenden Fabrikanten aufgegeben, damit sie eventuell direkt mit denselben ver⸗ kehren können. Die Zahl der bezüglichen Avise an die Mitglieder ist 950 und ist sicher zu erwarten, daß viele dieser Herren über kurz oder lang Aufträge ertheilen werden. Briefe liefen im ersten Jahre 1800 ein und wurden 1300 abgesandt; in den letzten 2 Monaten gingen 650 Briefe ein, also mehr als ein Drittel der ganzen vorjährigen Correspondenz, ein Beweis, wie schnell sich die Verbin⸗ dungen ausdehnen. Mustersendungen wurden im abgelaufenen Ge⸗ schäftsjahre ca. 50 gemacht; jetzt werden beinahe täglich Muster und Preiscourante verlangt. Seit 1. April d. J. sind ca. 50 Bestellungen
aufgenommen worden. — Um nicht blos hier auf dem Lager, sondern
auch auswärts durch direkte Offerte für den Verkauf württembergischer Fabrikate zu wirken, wurden Pertreter an verschiedenen größeren Plätzen wie Hamburg, Berlin, Leipzig, Kopenhagen, Mailand, Madrid, Barcelona, Belgrad, Braila, Triest, Athen, Salonich, Alexandrien und Cairo engagirt. Von ca. 60 weiteren Agenten liegen Anträge vor und werden nach und nach in allen großen Städten Ver⸗ treter aufgestellt werden. Der Verwaltungsausschuß hat im ver⸗ flossenen Jahre 4, die Verwaltungssektion 25 Sitzungen gehalten, in denen die laufenden Geschäfte erledigt wurden.
— Die neueste von dem Londoner Board of Trade herausgegebene statistische Uebersicht über die Lage der englischen Industoie gelangt, wie wir der „B. Börs. Ztg.“ entnehmen, zu sehr wensg befriedigenden Resultaten. Das Eisengeschäft liegt dar⸗ nieder; das Kohlengeschäft leidet an Ueberproduktion und in Folge dessen an gedrückten Preisen; das Baumwollengeschäft bewegte sich in Liverpool innerhalb sehr enger Grenzen, in Manchester war der Markt im Allgemeinen leblos, und ähnliche Be⸗ richte kommen aus den anderen Baumwollplätzen. In der Tuch⸗ und Wollenbranche melden die Bradforder Markt⸗ berichte „schwache und unregelmäßige Preise’“. „Die Mehrheit der Fabrikanten findet es schwierig, ihre Maschinen ständig zu beschäftigen, und sie müssen häufig mit Preisen vorlieb nehmen, welche weit ent⸗ fernt sind, lohnend zu sein.“ Leicester berichtet, daß die dortigen Spinnereien wenig Aufträge und große Lagervorräthe haben, sowie daß die Schuh⸗ und Stiefelfabrikation in Noth sei. Nottingham klagt über Geschäftsstille in der Spitzenindustrie und Strumpfwirkerei. Viele Maschinen arbeiten nur mit Unterbrechungen, andere feierten ganz. In Birmingham herrscht grözßere Geschäftsstille als seit Jahresfrist, weil es fast ganz an Bestellungen von den amerikanischen, europäischen und afrikanischen Absatzmärkten fehlt.
Nürnberg, 19. Juli. (Dopfenmarktbericht von Leopold Held.) Seit Beginn dieser Woche war das Hopfengeschäft keiner Veränderung unterworfen. Wenn auch die Preise nicht einen weiteren Rückschlag erlitten und die Umsatzziffer sich auf durchschnitt⸗ lich 30 Ballen pro Tag erhöhte, blieb doch die Tendenz eine matte. Es ging hier bereits ein Bällchen Steiermarker ne te ein und wurde um 400 ℳ abgesetzt.
Verkehrs⸗Anstalten. 8
Bremen, 21. Juli. (W. T. B.) Der Dampfer des Nord⸗ deutschen Lloyd „Werra“ ist gestern Abend 10 Uhr in New⸗York und der Dampfer „Ohio“ derselben Gesellschaft ist gestern in Bimore alteingetroffen.
Sanitätswesen und Quarantänewesen.
London, 19. Juli. (Allg. Corr.) Die städtische Verwaltung der City von London hat beschlossen, Vorsichtsmaßregeln gegen den Ausbruch der Cholera zu treffen. Die Kanalöffnungen sollen in der ganzen Stadt täglich desinfizirt, der Kehricht aus allen Häu⸗ sern soll täglich entfernt, die Kanäle häufiger und stärker ausgespült und den Hausmiethern die fleißige Anwendung von Karbolsäure empfohlen werden. Zugleich wird eine Kommission ernannt, der es obliegt, die Logirhäuser zu inspiziren und die thunlichste Reinhaltung derselben zu überwachen.
Paris, 20. Juli. (W. T. B.) Das Zeitungsgerücht von dem Ausbruch der Cholera auf den Baleagrischen Inseln wird von der „Agence Havas“ für unbegründet erklärt.
Berlin, 21. Juli 1883.
Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) 8
Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 4. Klasse 168. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen:
1 Gewinn von 90 000 ℳ auf Nr. 6325.
1 Gewinn von 30 000 ℳ auf Nr. 88 253.
1 Gewinn von 15 000 ℳ auf Nr. 90 955.
2 Gewinne von 6000 ℳ auf Nr. 23 933. 74 330.
32 Gewinne von 3000 ℳ auf Nr. 2324. 4680. 6971. 12 327. 12 901. 13 207. 14 987. 16 476. 18 338. 19 202. 20 825. 22 113. 23 141. 34 834. 38 209. 40 431. 41 730. 42 667. 45 103. 51 192. 53 394. 55 326. 56 252. 61 854. 86 154. 68 278. 70 447. 71 516. 77 001. 79 740. 89 375.
0 540.
55 Gewinne von 1500 ℳ auf Nr. 10. 1378. 2086. 3076. 8438. 8964. 9507. 16 512. 16 567. 22 253. 22 427. 24 122. 24 250. 24 415. 24 614. 26 846. 26 940. 28 575. 29 292. 32 758. 33 378. 33 552. 34 109. 34 428. 34 539. 36 423. 38 941. 39 678. 39 749. 41 224. 43 280. 43 394. 43 907. 48 539. 50 982. 52 093. 55 876. 57 723. 57 792. 61 795. 62 012. 63 188. 72 090. 75 104. 75 210. 76 049. 77 417. 80 040. 81 859. 84 770. 85 058. 85 324. 86 394.
90 002. 93 519.
76 Gewinne von 550 ℳ auf Nr. 952. 1822. 4941.
5676. 6034. 8252. 10 085. 10 512. 10 586. 14 054. 14 836.
15 478. 16 938. 18 450. 19 138. 20 353. 21 013. 21 366. 21 721. 21 956. 22 768. 25 552. 26 116. 27 408. 28 836. 30 998. 32 661. 32 734. 32 754. 36 649. 40 413. 41 393. 42 569. 44 370. 47 340. 47 663. 47 797. 48 033. 48 466. 50 010. 50 309. 51 146. 53 152. 54 326. 55 243. 56 781. 57 341. 57 997. 58 386. 58 725. 59 945. 60 463. 60 825. 61 152. 62 260. 63 800. 63 920.é. 68 616. 69 660. 70 762. 71 103. 72 194. 72 221. 72 383. 75 255. 76 564. 79 124. 79 718. 81 279. 84 732. 85 974. 86 244. 87 357. 88 766. 89 358. 90 741
Ueber Dr. P. Güßfeldts amerikanische Forschungs⸗ reise 1882/3 entnehmen wir A. Woldts wissenschaftlicher Cor⸗ respondenz:
Mit kühnem Muthe machte sich Dr. Güßfeldt an die Ersteigung des seither für unersteigbar gehaltenen höchsten Berges von Amerika, des Aconcaguag, und es gelang ihm in zwei Versuchen, nicht nur die Möglichkeit seiner Ersteigung nachzuweisen, sondern auch bis auf einige hundert Meter unterhalb der höchsten Spitze vorzudringen, und damit eine Höhe zu erklimmen, die zu den höchsten gehört, bis zu der jemals Menschen zu Fuß emporgedrungen sind. Die von ihm erreichte Höhe beträgt 6400 m oder etwa 20 400 rh. Fuß.
Die erste Expedition fand am 20. und 21. Februar 1883 statt und wurde mit Zuhülfenahme einer Mondnacht ausgeführt. Güß⸗ feld folgte bei diesem Aufstieg nicht einem der Thäler, die ihren Ur⸗ sprung direkt am Aconcagua nehmen, sondern einem anderen Thal, welches er das „Penitente⸗Thal“ nennt. Hier erstieg er, an der einzig möglichen Stelle dee rechte Thalwand und gelangte durch ein in die schroffen Felswände eingelassenes Schuttcouloir zu dem „Portezuelo del Penitente“, der etwa 4840 m hoch ist. Hierher hatte ihn die Rekognoszirung des 19. Februar geführt, und hier stand er wieder Nachts halb 11 Uhr am 20. Zwei Leute waren mit ihm, von denen einer sich im Laufe der Expedition beide Füße erfror und liegen blieb, den anderen brachte er bis zu den oben arwähnten 6400 m. Auf dem Porte⸗ zuelo del Penitente steht man dem Dach des Aconcagua gegenüber, und zwar der Nordwestseite; ein Firnfeld von 2 ½ Stunden Breite erstreckt sich von hier bis zur ca. 5000 m hoch liegenden Basis des eigentlichen Berges. Alles ist hier anders als in unseren Bergen, Schnee wie Felsen, minder gefährlich, länger, ermüdender, minder sympathisch. Der Berg selbst ist ganz merkwürdig geformt; nämlich er besteht auf der Nordwestseite aus Schutthalden, welche von dem verschiedenartigsten Gestein durchbrochen sind; erst ganz oben setzt eine solide Felsmauer auf und trägt den Gipfel. Eine der überraschendsten Thatsachen ist die Schneelosigkeit der Nordseite gegenüber der schnee⸗ reichen Südseite; es muß das aus den klimatischen Verhältnissen erklärt werden.
„Ich hätte, — schreibt Dr. Güßfeldt — am 21. Februar die Spitze erreichen können, nahezu ohne Schnee zu berühren, abgesehen von dem betr. Firnfeld; aber schon während des Nachtmarsches hatte ich große Schwierigkeiten, die Leute vorwärts zu bringen, sie warfen sich alle Augenblicke nieder und wurden dann durch die fühlbare Kälte von 12 Grad nur um so verzagter. Ich verspürte die Berg⸗ krankheit von 5500 m an, schreibe aber ein gut Theil davon auf die prekäre, morslische Lage, in welche die Schlaßheit meiner Leute mich versetzte. Immerhin ist die Bergkrankheit ein hartes Ding; ich rechne von 5800 m an für jeden weeiteren Schritt aufwärts die sechsfache Zeit, die man in Europa für schwierige Besteigungen rechnet. Dreizehn Stunden nach dem Ver⸗ lassen des 4840 m hohen Portezuelo — ich war schon seit mehreren Stunden mit nur einem Mann allein — umwölkten sich die Spitzen des Aconcagua und Unwetter brach los. Ich befand mich in der Höhe der höchsten Spitze der Ramadakette, d. h. nach vorläufiger Berechnung circa in 6450 m; mein Chilene drängte nun zur schleu⸗ nigsten Umkehr. Hätte ich einen schweizer Führer bei mir gehabt, so wäre ich hier die Nacht geblieben und hätte die fehlenden 350 m am folgenden Tage gemacht. Die Vorspitze der (höchsten) Nordspitze des Aconcagua lag gerade über mir, und ich konnte die Steine zählen, aus denen sie, einem Steinmann ähnlich, aufgebaut ist. Wir traten unseren Rückweg um 2 Uhr N. an und erreichten unter ziehenden Nebeln und Schneefall Nachts den Fuß des Portezuelo und mußten dann noch mehrere Stunden reiten, um das Bivouak zu erreichen.“ In den folgenden Tagen schneite Dr. Güßfeldt mit seiner Karawane vollständig ein, und mußte auf 5 Tage thalwärts ins Valle hermoso flüchten; hier vermaß er die Ramadakette und fand u. A. auf einem seiner Ausflüge in 4000 m Höhe drei schöne Ammonike, welche Versteinerungen er seiner Sammlung einverleibte. Ende Februar kehrte er wieder zum Aconcagua⸗Bivouak zurück, kampirte in der Nacht vom 4./5. März in 5300 m Höhe auf dem Aconcagua und machte am anderen Morgen den zweiten Versuch einer Besteigung des höchsten Gipfels. Es war dasselbe Spiel: Ein Mann blieb liegen, der andere drängte bei der ersten fallenden Schnee⸗ flocke zur Umkehr; so daß diesmal nur die Höhe von 6200 m erreicht wurde; Dr. Güßfeldt hielt selbst die größten Strapazen aus. Dieser zweite Nichterfolg machte unseren Landsmann nicht muthlos, er hält im Gegentheil aufs Bestimmteste an der Ansicht von der Besteigbarkeit des Aconcagua fest und glaubt, daß mit zwei guten Führern an jedem günstigen Tage der Gipfel zu erreichen sei.
Graf Serurier, einer der Vize⸗Präsidenten des französischen Rothen Kreuzes. ist zur Besichtigung der Hygiene⸗Ausstellung von Paris hier eingetroffen.
Trotz des ungänstigen Wetters in den letzten Tagen ist der Besuch der Ausstellung ein sehr reger, namentlich von solchen Per⸗ sonen gewesen, welche dieselbe aufsuchen, um in ihr zu studiren.
Die Exercitien der Feuerwehr wurden vor 14 Tagen wegen der großen Hitze eingestellt; eine abermalige Unterbrechung der Uebungen an den Donnerstagen findet nicht statt.
Im Bureau der Ausstellung häufen sich die auf dem weiten Terrain gefundenen Gegenstände, was allein dadurch zu erklären ist, daß die Verlierer es unterlassen, ihr Eigenthum im Bureau zu reklamiren.
Aus Rom schreibt man dem „Hamb. Corr.“: In Mazzara entdeckte der Archäologe Marzo mehrere kostbare Marmorstatuen, sowie auch verschiedene Reliefs, welche kirchengeschichtliche Scenen darstellen. Als ihren Autoren vermuthet man den berühmten lom⸗ bardischen Skulpteur Domenico Gagini, der im 15. Jahrhundert in Mazzara gewirkt hat. Dafür spricht der ganze Stil dieser herrlichen Kunstwerke, welche denen der besten italienischen Meister an die Seite gestellt werden müssen. Sie werden im National⸗Museum zur Auf⸗ stellung gelangen.
St. Petersburg, 20. Juli. (W. T. B.) In der hiesigen Pulverfabrik fand heute Vormittag eine Explosion statt, durch welche die Anreibekammer gänzlich zerstört und 9 Personen ge⸗ tödtet, 2 andere schwer verwundet wurden.
Ferdinand Wachtel wiederholt morgen, Sonntag, in Krolls Theater zum letzten Male den „Postillon von Lonjumeau“, sowie am Dienstag den „Troubadour“, da das in Leipzig geschlossene En⸗ gagement für das hiesige Gastspiel des jungen Kuͤnstlers nur noch wenige Abende übrig läßt. Am Montag findet eine Reprise des „Fidelio“ statt.
— Im Belle⸗Alliance⸗Theater soll „Steeple chase“, das jetzige Repertoirstück dieser Bühne, im Laufe dieser Woche durch das Lustspiel „Durchlaucht haben geruht!“ von Fritz Brentano abgelöst werden. In dem prächtigen Sommergarten hat die neu engagirte Tyroler⸗Gesellschaft Pitzinger jun. sich die Gunst des Publikoms rasch Feungem..