1884 / 106 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 05 May 1884 18:00:01 GMT) scan diff

1 vom 24. Januar 1884 (Gesetz⸗Samml. S. 11) in

ie Verwaltung des Staates übergegangen sind.“

3) Der Ueberschrift des Gesetzentwurfs den Zusatz zu geben:

zund die Kündigung der Prioritätsanleihen der auf den Staat übergegangenen früheren Privatbahnen.“ Der Abg. von Strombeck vertheidigte diesen Antrag, während der Abg. von Wedell⸗Malchow denselben bekämpfte. Derselbe wurde hierauf abgelehnt und §. 5 wie die folgenden Paragraphen des Gesetzes genehmigt. Bei Schluß des Blattes begann die Fortsetzung der Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen über Er⸗ hebung der auf das Einkommen gelegten direkten Kommunalabgaben.

Der Begriff der Pflegeeltern im Sinne des Reichs⸗Strafgesetzbuchs (§. 174) ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strassenats, vom 11. Februar d. J., nach der einschlägigen Landesgesetzgebung zu bestimmen. Ist aber das pflegeelterliche Verhältniß landesgesetzlich, wie z. B. im Gebiet des französischen Civilrechts, nicht direkt geordnet, so genügt ein thatsächlich bestehendes Pflegschaftsverhältniß, und es sind dann solche Personen als Pflegeeltern anzusehen, welche sich der Pflege und Erziehung eines fremden Kindes, gleichwie eines eigenen Kindes, thatsächlich unterzogen haben.

Ein Tarif, nach welchem die Hafenabgaben in Sonderburg hbis auf Weiteres zu erheben sind, ist unterm

29. April d. J. Allerhöchst bestätigt worden.

Nach Schluß der im Kriegs⸗Ministerium stattgehabten Sanitäts⸗Konferenz sind die zur Theilnahme an der⸗ selben kommandirt gewesenen General⸗Aerzte I. Klasse von hier wieder abgereist.

Als Aerzte haben Colemann in Neuhof, Dr. pari in Brüssow, Dr. hoeffer in Saarbrücken.

Kiel, 3. Mai. (W. T. B.) Die Korvette „Elisabeth“ hat heute die Reise nach Ostasien angetreten.

Bayern. München, 2. Mai. (Allg. Ztg.) Die Königin⸗Mutter begiebt sich am Dienstag von Elbigenalp nach Hohenschwangau, wohin auch das Hoflager Ihrer Majestät von hier verlegt wird.

Buaden. Karlsruhe, 2. Mai. (Karlsr. Ztg.) Der Großherzog hat den Oberst⸗Kammerherrn Frhrn. von Gem⸗ mingen beauftragt, gestern nach Heidelberg zu reisen, um die Kaiserin von Oesterreich bei ihrer Abreise nach Amster⸗ dam im Namen Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin zu begrüßen. Ihre Majestät nahm diese Begrüßung auf dem Bahnhof entgegen und reiste Mit⸗ tags 1 Uhr 45 Minuten nach Mannheim“ ab. In einigen Tagen gedenkt die Kaiserin wieder nach Heidelberg zurückzu⸗

kehren und dann mit der Erzherzogin Valerie, welche inzwischen dort verweilt, nach München zu reisen.

Heute Nachmittag 3 Uhr 35 Minuten traf Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen, aus Darm⸗ stadt kommend, bei den Großherzoglichen Herrschaften zum Besuch ein; Höchstderselbe beabsichtigt einige Tage hier zu bleiben. Der Prinz wurde von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog und Sr. Großherzoglichen Hoheit dem Prinzen

Ludwig Wilhelm am Bahnhof empfangen und nach dem Schlosse geleitet. Abends findet Hoftafel zu Ehren des

Prinzen statt. * Mai. (W. T. B.) Der Großherzog wird am Montag früh zu einem dreiwöchigen Kurgebrauch nach Kissingen abreisen. Heute Abend empfing Se. Königliche Hoheit in Gegenwart des Staats⸗Ministers in feierlicher Audienz den russischen Gesandten von Staal, welcher sein Abberufungsschreiben überreichte.

Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen und Se. Großherzogliche Hoheit der Prinz Ludwig haben sich heute auf mehrere Tage zur Auerhahn⸗ jagd nach Herrenwies begeben.

Die Zweite Kammer hat den Antrag angenommen: die Regierung möge sich für eine ergiebige Besteuerung der Börse von Seiten des Reichs verwenden.

sich niedergelassen die Herren: .Frerich in Dorstfeld, Dr. Cas⸗ Josephsohn in Runkel und Duden⸗

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 3. Mai. Der Branntweinsteuerausschuß hat Theil der Beschlüsse des Herrenhauses ohne genommen.

Prag, 4. Mai. (W. T. B.) Die Kaiserin Maria Anng ist heute Nachmittag um 5 Uhr 10 Minuten gestorben. Die Erzherzöge Ludwig Victor und Wilhelm befanden sich am Sterbelager.

Pest, 3. Mai. (Wien. Ztg.) Das Unterhaus hat die Vorlage, betreffend den Bau eines neuen Parlaments⸗ gebäudes, mit 148 gegen 100 Stimmen angenommen. Das O berhaus genehmigte nach einer kurzen Generaldebatte, in welcher sich sämmtliche Redner für die Vorlage erklärten, den Gesetzentwurf über die Spiritussteuer⸗Reform mit den vom Ausschusse beantragten Aenderungen.

Frankreich. Paris, 2. Mai. (Fr. Corr.) Der Präsident der Republik empfing heute die Mitglieder der internationalen Konferenz zur Bestimmung der I“ Einheiten, welche augenblicklich in Paris agt.

Durch Entschließung des Präsidenten, vom 24. April, welche heute im „Journal officiel“ erschienen ist, wurde der Kriegs⸗Minister, General Campenon, vom 4. Mai ab in den Cadre der Reserve des Generalstabes der Armee einge⸗ behält das Recht, bei gewissen

(Pr. Ztg.) den restlichen Aenderung an⸗

reiht. General Campenon Gelegenheiten die Militäruniform zu tragen und bleibt zur Disposition der Regierung, welche ihm in Krieszeiten ein aktives Kommando übertragen kann.

Die Kammer wird sich im Laufe ihrer mit der Frage zu beschäftigen haben, liche Kriegsbudget, und ursprünglich als

nächsten Session ob das außerordent⸗ welches heute unter diesem Namen nd ursp Liquidationsconto die Summen für das riesige Werk geliefert, das bald beendigt sein wird, abge⸗ schafft werden soll. Die Kostenüberschläge für die Wieder⸗ herstellung des französischen Kriegsmatexials wurden durch verschiedene Gesetze definitiv auf die Summe von 2 293 971 451 Francs festgesetzt. Bis zum 1. Dezember 1884 sind da⸗ von verausgabt oder angewiesen: 2 107 571 485 Fr. und bleiben demnoch noch 276 399 969 Fr. zu bewilligen, von

lionen verlangt, so daß für das Jahr 1886 und die darauf folgenden noch 191 399 969 Fr. Ausgaben zu vertheilen blieben. Es wurden bisher bezahlt für Approvisionirung und Ausrüstung 1 089 130 337 Fr., für Festungsbauten 569 865 125 Fr., für Subsistenzen 70 526 901 Fr., für Hospitäler und Ambulanzen 18 791 583 Fr., für Remonten und Sattelzeug 25 437 710 Fr., für Bekleidung 213 599 022 Fr., für Transport u. s. w. 25 560 692 Fr. Der Rest von etwa 5 ½ Millionen vertheilt sich auf verschiedene Dienstzweige. Von den noch auszuwerfenden 276 Millionen sollen 97 Mill. für Approvisionirung und Ausrüstung, 132 Mill. für die Vollendung des französischen Fortifikations⸗ systems, 28 Mill. für Bekleidung und 15 Mill. für Sub⸗ sistenzen verwendet werden. Bisher wurden die betreffenden Ausgaben aus Anleihen bestritten, und die Kammer wird sich nun darüber zu äußern haben, ob nicht von 1885 der Rest, auf die einzelnen Budgets vertheilt, in das ordentliche Budget aufzunehmen sei, um dadurch die Aufnahme eines Anlehens zu beseitigen. Wie es heißt, wird Hr. Ribot einen Antrag in diesem Sinne stellen. 3. Mai. (W. T. B.) Den letzten Vorgängen im Pekinger Kaiserpalast und den Personalveränderungen im großen Geheimen Rath wird, nach hier vorliegenden Mel⸗ dungen, jetzt auch chinesischerseits jede Bedeutung mit Bezug auf die äußere Politik Chinas abgesprochen. Fest steht, daß der Vizekönig Li Hung Tchang die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Frankreich betrieben hat und dieselben auch ferner beeinflussen wird. 4. Mai. (W. T. B.) Die internationale Elek⸗ trizitätskonferenz hat, wie das „Journal offis: meldet, ihre Arbeiten mit der Annahme von dr⸗ ionen beendet, welche sich auf die sogenannte-. aiszer gseiten, auf die elektrischen Strömungen und düs Norimnaukaß für das elektrische Licht beziehen. Ueber Vorvereinbarungen, auf welcher Grundlage die Wiederaufnahme der französisch⸗chinesischen Verhand⸗ lungen erfolgen soll, verlautet nichts; es wird nur gesagt, daß Letztere zunächst „in andere Bahnen“ als die früheren geleitet werden würden. 5. Mai, früh. (W. T. B.) Bei den gestern hier stattgehabten Munizipalwahlen wurden 7 von der Rechten gewählt, darunter der Sohn Dufaure's, ferner 16 un⸗ abhängige Republikaner oder Opportunisten, darunter der Chirurg Despreées, welcher gegen die Ausschließung des geist⸗ lichen Elements von der Verwaltung der Hospitäler protestirte, und 24 Autonomisten oder Intransigenten. Auserdem sind 33 Stichwahlen erforderlich. 5. Mai. (W. T. B.)

Weiszer

T. B.) Der neue Munizipal⸗ rath von Paris dürfte sich nicht wesentlich von dem früheren unterscheiden, ausgenommen etwa, daß das auto⸗ nomistische Element der Versammlung mehr hervortreten wird. Dagegen geht aus den Meldungen aus den Provinzen hervor, daß in den großen Städten die gemäßigten Repu⸗ blikaner über die Intransigenten gesiegt haben dürften. Der Wahlkampf hat übrigens in dem weitaus größten Theil des Landes einen lokalen Charakter gehabt, und die Zusammen⸗ setzung der neuen Munizipalräthe scheint anzudeuten, daß sich dieselben mehr mit munizipalen als mit politischen Angelegen⸗ heiten befassen werden. In politischer Hinsicht dürften die⸗ selben im Allgemeinen republikanisch sein.

Italien. „Rom, 4. Mai. (W. T. B.) Der König und der Kronprinz sind von Turin hierher zurückgekehrt;

die Königin wird noch einige Tage in Turin verweilen.

Zeitungsstimmen.

Von dem Präsidenten des Deutschen Kolonialvereins ist, wie die „Neue Preußische Zeitung“ mittheilt, dem Reichskanzler das nachstehende Schreiben zugegangen:

. FFrankfurt a. M., den 27. April 1884. Ew. Durchlaucht beehre ich mich im Namen des Vorstandes des Deutschen Kolonialvereins den ganz ergebensten Dank des letzteren auszusprechen für die dem hohen Bundesrath gemachte Vorlage, betreffend die Verwendung von Geldmitteln aus Reichsfonds zur Einrichtung und Unterhaltung von Postdampfschiffs⸗Verbindungen mit überseeischen Ländern. Der Vorstand des Vereins erblickt mit freudigster Genug⸗ thuung in diesem Gesetzentwurf, ohne sich ein Urtheil über die Einzelheiten desselben beizulegen, einen wichtigen Schritt zur Förderung des nationalen Antheils am Welthandel und des deutschen Einflusses in den überseeischen Gebieten. Mit dem auf⸗ richtigen Wunsche, daß die weittragende Bedeutung dieses Gesetz⸗ entwurfes für die Entwickelung und zukünftige Stellung Deutsch⸗ lands unter den seefahrenden Nationen eine allseitige sympathische Aufnahme und kräftige Förderung in unserem Volke und seinen Ver⸗ tretern finden möge, erlaube ich mir den Ausdruck meiner größten Ergebenheit zu verbinden, mit der ich die Ehre habe zu sein Euer Durchlaucht ganz ergebenster Fürst zu Hohenlohe⸗Langenburg.“

Das „Leipziger Tageblatt“ schreibt über das Sozialistengesetz:

„Der Grundsatz „gleiches Recht für Alle“ der Voraussetzung einen Sinn, daß die, welche auch ihre Pflichten kennen und üben. ordnung durchbricht, macht sich dadurch Richter gestellt, das ist der gewöhnliche Lauf der Dinge, aber anders liegt die Sache, wenn eine ganze Kakegorie von Staatsbürgern den Umsturz der bestebenden staatlichen Ordnung als Ziel ihrer Bestrebun⸗ gen öffentlich verkündigt. Das ist ein außerordentlicher Vorgang, welcher in den Rahmen der bestehenden staatlichen Ordnung nicht hineinpaßt und deshalb auch mit außerordentlichen Mitteln bekämpft werden muß. Als ein solches Mittel ist das Sozialistengesetz von den Bundesregierungen im Jahre 1878 in Vorschlag gebracht und von der Mehrheit der Volksvertretung als zweckmäßig anerkannt worden. Die Bewegung hat nach Bereitstellung dieses Mittels nachgewiesener⸗ maßen an Schärfe und Gewaltsamkeit erheblich eingebüßt, an die Stelle wüsten Geschreies und wahnwitziger Forderungen ist die parlamentarische Diskussion getreten, die Sozialisten haben sich den bestehenden gesetzlichen Vorschriften anzupassen gesucht und lassen es sich daran genügen, ihre Forderungen im Reichstag geltend zu machen. Man sollte meinen, daß diese Wirkung des Sozialisten⸗ gesetzes den Erwartungen, welche man darauf vernünftiger Weise setzen konnte, durchaus entsprochen hat. Nun kommen aber das Centrum und die freisinniee Partei mit der durch nichts bewiesenen Behauptung daß das Sozialistengesetz nicht nur nichts genützt, sondern direkt ge⸗ schadet habe, und Hr. Fugen Richter führt als Beweis dieser Be⸗ hauptung das angeblich beabsichtigte Attentat auf dem Niederwald an. Die Sozialdemokraten weisen bekanntlich jede Gemeinschaft mit den Dynamitpolitikern weit von sich und verlangen, daß man einen durch nichts auszufüllenden Unterschied zwischen beiden Kategorien mache. Das soll dankend acceptirt werden, aber gerade deshalb ist es auch geboten, daß beide Formen der auf Veränderung oder Umsturz des Bestehenden berechnete Bestrebungen scharf von einander getrennt gehalten und deshalz auch mit durchaus verschiedenen Mitteln bekämpft werden. Wohin die schrankenlose Duldung der sozial⸗

hat nur unter Rechte beanspruchen, Wer die bestehende Rechts⸗ straffällig und wird vor dem

denen der Kriegs⸗Minister für das kommende Jahr 85 Mil⸗

Möchten auch die beiden Attentate gegen Koiser Wilhelm damit in keinem unmittelbaren Zusammenhang gestanden haben, was mindestens be⸗ stritten werden kann, so war doch auch abgesehen davon der durch die zügellose sozialdemokratische Presse und das schrankenlos von der Partei für ihre Zwecke benutzte Vereins⸗ und Versammlungsrecht herbeigeführte Zustand so unerträglich geworden, daß er der Abhilfe dringend bedurfte. Diese Abhilfe hat das Sozialistengesetz gebracht, und wir verzeichnen es als die wichtigste und die Hauptwirkung dieses Gesetzes, daß die Sozialdemokraten jede Gemeinschaft mit den Anarchisten laut und entschieden von sich weisen. Weil wir aber wünschen, daß zwischen beiden feindlichen Kategorien nicht im Laufe der Zeit eine Brücke gebaut wird, auf welcher sie sich die Hände reichen, daß sich nicht eines Tages Anknüpfungspunkte finden, welche heute noch nicht vorhanden sind, deshalb wollen wir die bestehenden Vorsichtsmaßregeln gegen Massenausschreitungen der Sozialisten aufrecht halten und stimmen deshalb für Verlängerung des Sozialistengesetzes. Gegen die Verfolgung des Mißbrauches von Sprengstoffen außerdem haben wir mit dem Abg. Richter nichts einzuwenden.

Die „Berliner Börsen⸗Zeitung“ entnimmt dem Jahresbericht der Zittauer Handels⸗ und Gewerbekammer für 1883 folgende Charakteristik der allgemeinen Lage des Handels und der Gewerbe in dem Bezirk dieser Kammer:

Das Gesammtergebniß der Wahrnehmungen und Berichte, be⸗ treffend den Geschäftsgang und die Lage des Handels und der In⸗ dustrie in dem die Königlich sächsische Kreishauptmannschaft Bautzen begreifenden Kammerbezirke während des Jahres 1883 ist erfreulicher Weise ein nicht unbefriedigendes. Von den für den Kammerbezirk vorzugsweise wichtigen Industriezweigen hat die in den vorausge⸗ gangenen Jahren blühend gewesene Fabrikation baumwollener Rock⸗ und Hosenstoffe allerdings während eines Theiles des Jahres 1883 eine nicht unerhebliche Einbuße erfahren, einzelne schon in den letzten Jahren wenig begünstigte leinene und halbleinene Weh⸗ artikel für den Erport, sowie wollene und halbwollene Waaren hatten einen Aufschwung nicht, die Muͤhlenindustrie nur eine vor⸗ übergehende Besserung zu verzeichnen. Dafür ist in anderen wich⸗ tigen Artikeln nnd Branchen der verhältnißmäßig nicht ungünstige Stand des Jahres 1882 im Wesentlichen behauptet, theilweise auch verbessert worden. Konnte in den diesseitigen Berichten über die „Jahre 1881 und 1882 konstatirt werden, daß, von 1881 beginnend, eine langsame, aber stetige Besserung der Verhältnisse im Bezirke sich bemerkbar gemacht habe, so wird sich vom Jahre 1883 im Allgemeinen sagen lassen, daß es wenigstens nicht hinter seinem Vorgänger zurückblieb: daß es zwar nicht allenthalben ein gleiches Fortschreiten der Besserung zu verzeichnen hatte, die gewonnene günstige Position der Industrie aber im Wesent⸗ lichen gewahrt hat. Erfreulich war, daß über Mangel an Be⸗ schäftigung Seitens der Arbeiter wenig zu klagen gewesen ist. Die an⸗ dauernde, auch bei den Handwebern nicht wie sonst haͤufige Unterbrechun⸗ gen erfahrende Beschäftigung hat Ersatz bieten müssen und wohl auch wirklich geboten für die leider nicht allgemein durchzuführen ge⸗ wesene Arbeitslohnerhöhung, welcher die preisdrückende starke Kon⸗ kurrenz der Fabrikanten untereinander dauernd entgegensteht. Wenn im Jahre 1883 eine recht erhebliche Zahl neuer Anlagen und Er⸗ gänzungsbauten projektirt, errichtet und bezw. in Betrieb genommen wurde, zum Theil Anlagen, welche seither im Bezirke nicht vertreten waren, so darf daraus wohl nicht mit Un⸗ recht geschlossen werden, daß man in industriellen Kreisen Ver⸗ trauen in den Bestand der derzeitigen Lage hat.

Die „National⸗Zeitung“ begrüßt die heim⸗ kehrende deutsche Cholerakommission, wie folgt:

Geheimer Regierungs⸗Rath Dr. Robert Koch und seine tapferen Genossen, mit denen gemeinsam er die Cholera in ihrer indischen Heimath aufgesucht hat, um durch die Ergründung ihres Wesens zu den Mitteln zu ihrer Bekämpfung zu gelangen, treffen an diesem Sonnabend vollzählig wieder in Berlin ein. Sie sind glücklicher als ihre französischen Kollegen, deren einer der Krankheit zum Opfer ge⸗ fallen ist. Die Kunde von der großen Errungenschaft, welche die „deutsche Cholerakommission“ mit in die Heimath bringt, ist ihr längst vorausgeeilt und sichert ihrem Fuͤhrer und seinen Getreuen den Empfang, welchen Sieger verdienen. Einem der furchtbarsten Feinde der Menschheit galt der Feldzug. In jener klaren, ruhig überlegenden, nüchternen Art, die, vor jeder Spekulation zurückscheuend, nur dem Thatsächlichen sich zuwendet, ist Robert Koch zum Siege gelangt, es ist ein Sieg, denn aus der erkannten Natur des Feindes wird die rast⸗ lose Wissenschaft unserer Tage auch die Waffen zu seiner Vernichtung gewinnen. Wenn Robert Koch schon einmal ein Wohlthäter der Menschheit hat genannt werden dürfen, als er in klassischer Methode den „Schwindsucht⸗Baccillus“ entdeckte, so hat er diesmal ein nicht minder hohes Anrecht auf diesen Ehrentitel erworben. Als ein solcher Wohlthäter jei er hier begrüßt, als einen solchen ihn zu grüßen rüsten sich Staat und die Männer der Wissenschaft. Vor Kurzem nun erzählte an öffentlicher Stelle einer der höchsten Beumten es Reichs, mit welch lebhafter Theilnahme der Kaiser dem „genialen Manne“ auf seinen Wegen gefolgt sei. Wie der große Reisende Nordenskjöld damals in Berlin gefeiert wurde, so und noch edler wird der Landsmann gefeiert werden, welcher, zur höheren Ehre seiner Nation, der ganzen Menschheit zum Heile gewirkt hat. Wir rufen dem ausgezeichneten Manne, dem großen und doch so be⸗ scheidenen Forscher ein herzliches Willkommen zu.

Centralblatt für das Deutsche Reich. Nr. 18. Jn⸗ halt: Zoll⸗ und Steuerwesen: Befugnisse von Steuerstellen. Militärwesen: Verzeichniß der zur Ausstellung von Zeugnissen über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militär⸗ dienst berechtigten höheren Lehranstalten; desgl. der provisorisch be⸗ rechtigten Anstalten. Handels⸗ und Gewerbewesen: Erstes Ver⸗ zeichniß der, regelmäßigen Untersuchungen unterliegenden und den Anforderungen der Reblaus⸗Konvention entsprechend erklärten Garten⸗ bau⸗ ꝛc. Anlagen. Polizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete. Central⸗Blatt der Abgaben⸗Gesetzgebung und Ver⸗ waltung in den Königlich preußischen Staaten. Nr. 9. Inhalt: Anzeige der in der Gesetz⸗Sammlung und im Reichs⸗Gesetzblatte erschienenen Gesetze und Verordnungen. Allgemeine Verwaltungs⸗ gegenstände: Veränderungen in dem Stande und in den Befuanissen der Zoll⸗ und Steuerstellen. Registrirung der Kosten der Unter⸗ suchungshaft. Indirekte Steuern: Abänderung des Regulativs für Theilungsläger. Personalnachrichten. Archiv für Post und Telegraphie. Nr. 7. Inhalt: Aktenstüͤcke und Aufsätze: Die geschichtliche Entwickelung des britischen Postwesens. Der Postverkehr mit den Badepostanstalten in Reinerz und Landeck. Statistische Mittheilungen über den Stand und den Betrieb der Stadt⸗Fernsprecheinrichtungen im Reichs⸗Postgebiete. Das schweizerische Telegraphenwesen im Jahre 1882. Handel, Ge⸗ werbe und Industrie in Oberschlesien. Kleine Mittheilungen: Sind die Inhaber von Posthülfsstellen in Bezug auf ihre postamt⸗ liche Thäͤtigkeit als Beamte im Sinne des Reichs⸗Strafgesetzbuchs anzusehen? Ein Beitrag zur älteren Geschichte der Leipziger Lokalpresse. Nachruf. Zeitschriften⸗Ueberschau. Centralblatt der Bauverwaltung Nr. 18. Inhalt: Amtliches: Personal⸗Nachrichten. Nichtamtliches: Die Preis⸗ bemwerbung fuͤr generelle Entwürfe zur Bebauung der Museumsinsel in Berlin. III. Wanderungen in der Mark Brandenburg. (Fort⸗ setzung) Verstärkung eines Plattensieles. Vermischtes: Ab⸗ aänderung der Prüfungsvorschriften für das Staats⸗Bau⸗ und Maschinenfach. Hagen⸗Denkmal. Architekten⸗ und Ingenieur⸗ Verein in Hamburg. Wilhelm Frhr. von Engerth. Technische Hochschule in Wien. Prozeß der Gotthardbahn⸗Direktion. Die Ueberwachung der Theater und Musikhallen in England. Tweddels fahrbare bydraulische Nietmaschine. Versuche über die Druck⸗ festigkeit des Eises. Petroleumrückstände als Brennmaterial für Lokomotiven und stationäre Kessel. Bücherschau. Recht⸗

demokratischen Agitation führt, haben wir im Jahre 1878 gesehen.

sprechung.

genauen Prüfung und Sichtung zu unterwerfen und mit dem neuen

Wilhelm Scherers sich anreihende „Studien über Goethe“. Dieselben lie⸗

Statistische Nachrichten.

Von den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Sta⸗ tistischen Amts ist soeben derjenige Band der Berufsstatistik er⸗ schienen, der die Berufsstatistik der Großstädte des Deut⸗ schen Reichs (unter diesen alle Städte von mehr als 100 000 Ein⸗ wohnern verstanden) enthält. Der fünfte Jahrgang (1884) des wegen seiner Uebersichtlichkeit und seines reichen Inhalts so beliebt geworde⸗ nen Statistischen Jahrbuchs für das Deutsche Reich soll baldigst zur Ausgabe gelangen.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Ergänzungen und Erläuterungen des Allgemeinen Landrechts für die preußischen Staaten durch Gesetzgebung und Wissenschaft. Unter Benutzung der Justiz⸗ ministerialakten und der Gesetzrevisionsarbeiten. Siebente Ausgabe, neu bearbeitet von Dr. Ludwig von Rönne, Appellationsgerichts⸗ Vize⸗Präsidenten a. D. Erster Band. 1. Lieferung. Bogen 1 bis 25. geb. 5 % Berlin. R. v. Decker’'s Verlag, Marquardt & Schenck. Die Beliebtheit, deren sich die „Ergänzungen“ als anerkannt reich⸗ haltigste Sammlung von Material erfreuen, hat schon vach Verlauf weniger Jahre das Erscheinen einer neuen Auflage volhwendig gemacht. Wie die jünst erschienene 1. Lieferung zeigt, hat sich der Verfasser nicht damit begnügt, die inzwischen erschienene Literatur und ergangenen Urtheile an den entsprechenden Stellen nachzutragen: er hat sich viel⸗ mehr der mühevollen Arbeit unterzogen, das bisberige Material einer einheitlich zu verarbeiten. Daß dieses Ziel erreicht worden, dafür bürgt schon der Name des Verfassers. Da auch die Verlagshandlung für gute Ausstattung und für korrekten, den Augen wohlthuenden Druck gesorgt hat, so wird auch die neue Auflage bei den Behörden, Juristen und Verwaltungsbeamten Anerkennung und weite Ver⸗ reitung finden.

g —as Maihest der „Deutschen Rundschau“ (Verlag von Gebr. Pätel, Berlin) eröffnet die Fortsetzung des im Aprilheft be⸗ gonnenen Romans von Ossip Schubin: „Unter uns“. Auf dem bunt⸗ farbigen Hintergrunde der österreichischen aristokratischen Gesellschaft in Rom spielt sich eine Herzenstragödie ab, deren weitere Entwicke⸗ lung große Spannung erregt. Bewundernswerth ist die meister⸗ hafte Schilderung der einzelnen Personen, die vor unsern Augen fast Leben gewinnen. Ein fesselndes Kulturbild finden wir an zweiter Stelle, und zwar in der von Ernst Curtius über ⸗Athen und Eleusis“ zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers in der hiesigen Universität gehaltenen Rede. Ein anregender litera⸗ rischer Beitrag ist F. von Sarburgs Aufsatz über „Alessandro Man⸗ zoni“. Er beschäftigt sich eingehend und verständnißvoll mit der Leben und den Werken des Dichters. Heinrich Jaques bietet einen Artikel über: „Die Entschädigung unschuldig Verurtheilter in Deutschland und Oesterreich.“ Von einschneidender Bedeutung sind

fern einen neuen hochwillkommenen Beitrag zum Verständnisse der un⸗ terblichen Dichtung, indem sie ein Prinzip der Erklärung vertreten, wel⸗ ches noch immer nicht genügend anerkannt und in seinen Konsequenzen verfolgt ist. Scherer beschäftigt sich speziell mit den fehlenden Seenen und den wechselnden Plänen im „Faust“ und sucht, indem er sie rwägt, zur Einheit des Kunstwerkes vorzudringen, welche Goethe zwar vorschwebte, die er aber bei der Ausführung nicht völlig erreichte. Wir können leider hier nicht näher auf die hervorragende Arbeit des berühmten Literarhistorikers eingehen, sie wird aber entschieden das Verständniß des „Faust“ erleichtern. Den in der „Rundschau be⸗ gonnenen liebenswürdigen Jugend⸗Erinnerungen von Gastav zu Putlitz reiht sich ein neues Kapitel: „Die Pforte des Alumnats Die Fortsetzung der „Reise nach Ostindien“ von Prof. J. Jolly ist roller Feffeinder Reiseeindrücke und Beobachtungen; von besonderem Inter⸗ esse sind die Betrachtungen über Delhi und die Mittheilungen über die alten indischen Fürstengeschlechter. Der Cvelus der heiteren und feinsinnigen Skizzen von Salvatore Farina, dem gefeierten ita⸗ lienischen Dichter, hat wohl mit der vorliegenden, „Großvater“ be⸗ titelten, seinen Abschluß erreicht. Einer unserer ersten Kunstschrift⸗ steller beschäftigt sich sodann in einem kurzen Essay mit der jet häufig angeregten Frage: „Sollen wir unsere Statuen bemalen? und begründet darin sein verneinendes Urtheil. Die „Politische; und die umfangreiche „Literarische Rundschau“, sowie literarische und bibliographische Notizen schließen das an Anregungen reiche Heft ab.

Gewerbe und Handel.

Vom Berliner Pfandbrief⸗Institut sind bis Ende April 1884 510 600 3 ½ ⁄ige, 17 963 100 4 %0ige, 44 346 0,0 4 ½ %oige und 9 317 700 5 %ige, zusammen 72 137 400 Pfand⸗ briefe ausgegeben, wovon noch 510 600 3 ½ %ige, 17 638 200 4 % ige, 35 050 200 4 ½ % ige und 6 599 100 5 %ige, zusammen 59 798 100 Pfandbriefe verzinslich sind. Es sind zugesichert, aber noch nicht abgehoben 478 500 ℳ, im Laufe des Monats April 1884 angemeldet 1 Grundstück mit einem Feuerversichungswerthe von

bb Die „Leipz. Ztg“ bringt folgende weitere Berichte von der Leipziger Messe: Das Geschäft in Kleiderstoffen war wenig belangreich. Viele waren nur mit kleinen Lagern resp. Musterkasten

erschienen, von sächsischen Häusern waren nur Meeraner, diese wenig,

Glauchau fast gar nicht vertreten. Etwas lebhafter gestaltete sich die Messe für die hiesigen größeren Häuser mit sortirten Lägern. In Modesachen zeigte sich Begehr für brochirte Genres. Carreaux, wie Beiges und dergleichen wurden fär das Geschäft gekauft.

ebenso halbwollene Unisstoffe,

knapp und

Lustregenres wurden in besseren Qualitäten lebhaft gekauft. J. Zephirs, sowie in Shawls und Tüchern entwickelte sich das Gesch nur unbedeutend. Ueber Baumwoll⸗ und wird berichtet: die Meßbesucher beeilen sich no gewöhnlich, so daß diese Ostermesse noch früher Rohkattune waren begehrt und wurden hierin gemacht. Es notiren 34“ 19/17 22 ¼ per Konditionen; 36 Warpcops und 42 Pincops ½ kg. Veredelte Baumwollwaaren hielten

218

dls Meter,

sich im

gut

Hor8

fabrikation, ebenso wie Dowlas begegneten besonders

fest. aus dem Markt genommen. derten, jedoch festen Notirungen.

Feinere Leinen verkehrten zu

sich zur Wäschefabrikation eignet, einführte, erzielte

Erfolg.

das guten

guten Absatz.

weißleinener Monopoltaschentücher und

besseren Marken 1 er In Hessians

Leinenbatisttücher kate gekauft, ren Zollsatze das Geschäft. verlangt und gegeben. n. taten der Messe zufrieden sein. Danzig, 5. Mai.

Für Rohleinen und Sackleinen wurden (W g, 3. Mai. (Ho

r

ά₰ 8 4 2 Der Hopfenmarktverkeh 8 Verk b

gegenübersteht. rände r gekauft wurden vornehmlich gute und beste Hopfen in der Preis⸗ lage von 180 193 Die Stimmung ist ruhig fest. Die Notirungen lauten: Württemberger prima 190 195 ℳ, do. mittel 180 185 ℳ; Hallertauer prima 187 190 ℳ, do. mittel 175 182 ℳ; Polen prima 187 190 ℳ; Elsässer prima 187 190 ℳ, do. mittel 175— 182 ℳ; Gebirgshopfen 185 190 ℳ; Marktwaare 175 182 ℳ; Aischgründer 175 185

auktion waren Preise unverändert.

Roheisen in den Stores belaufen sich auf 592 600 Tons, gegen 581 100 Tons im vorigen Jahre. Hochöfen 97

bank wird bekannt gemacht, daß, vorbehaltlich der endgültigen Re⸗ partirung der Zeichnungen, diejenigen, welche auf die neue russische Eisenbahnanleihe über 1000 Pfund gezeichnet haben, morgen die von ihnen gemachten Depots bis zu Dreiviertel des Betrages derselben

New⸗York, 4. Mai.

Bunte größere Reinwollene Unisstoffe aus Gera und Greiz waren wenig begehrt, dagegen waren dortige Koafektionsstoffe gesucht und in denen die Nachfrage das Angebot übertraf und zu zahlreichen Aufträgen führte. Englische

In

Leinenwaaren noch etwas mehr wie sonst verlief. größere Abschlüsse Berliner 100 bis 102 pro Preise und war der Begehr darin normal. Bessere Hemdentuche zur Wäsche⸗ guter Nachfrage, dagegen war der Begehr in baumwollenen Foulards ein geringer. Für Leinengarne verlief, was deutsche Gespinnste anlangt, die Ten⸗ denz fortgesetzt steigend und auch englische Leinengarne verkehrten Gewebe aus Tow⸗Garnen wurden zu höheren Preisen gerne unverän⸗ Eine hiesige Firma, welche unter der Bezeichnung American Linen ein. neues feingarniges Gewebe, b damit Leinengebilde sind in sehr schönen Ausführungen, namentlich in Gedecken und Theedecken, vertreten gewesen und fanden Das Leinen⸗Taschentüchergeschäft bewegte sich in mäßi⸗ gen Grenzen bei sehr festen Preisen, namentlich in Bezug auf die

feinerer wurden vorzugsweise deutsche Fabri⸗ nur in den geringeren Packleinen, die noch zum niedrige⸗ eingehen, machte Dundee, der billigeren Preise halber, höhere Preise Im Allgemeinen konnte man mit den Resul⸗

Einnahmen der im Al d. S.

von Leopold der gehenden ziffern sich auf

Der Preisstand ist vollständig unverändert. Gesucht

(W T. B.) Bei der gestrigen Woll⸗ Vorräthe

London, 3. Mai.

Glasgow, 3. Mai. (W. T. B.) Die von Zahl der im Betriebe befindlichen egen 114 im vorigen Jahre. 8 St. Petersburg, 5. Mai. (W. T. B.) Von der Reichs⸗

zurückerstattet erhalten. 8Z18“ (W. T. B.) Der Schatzsekretär Folger beruft 10 Milliionen Dollars 3Zprozentiger Obli⸗ gationen zum 20. Juni c. ein. Der Werth der in der ver⸗ flossenen Woche importirten Waaren beträgt 8 394 000 Dollars. Mit den Dampfern „Waesland“, „Arizona“ und „Celtic“ sind im Ganzen 811 000 Dollars in Silber nach Europa verschifft worden. Verkehrs⸗Anstalten.

D. Der Hamburg⸗Amerikanischen

New⸗York kommend, 7 Uhr Kap Lizard passirt. 8 8 Hamburg, 5. Mai. (W. T. B.) Der Postdampfer Gellert“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗ Iktiengesellschaft hat, von New⸗York kommend, heute Morgen Uhr Kap Lizard passirt.

Postdampfer Packet⸗ heute

Hamburg, 4. Bohemia“ der n ahrt⸗Aktiengesellschaft hat, üh 7

H

von 22221

9 9 4

Berlin, 5. Mai 1884.

Konsulatsberichte.

Budapest, den 25. April 1884. Der amtlichen „Közgazdasägi Ertesitö« (Volkswirthschaft⸗ licher Anzeiger) vom 24. April 1884 Nr. 17 bringt den in Uebersetzung untenstehenden Bericht über den Stand der Saaten: ö Die Herbstsaaten stehen dort, wo die späten Fröste und die andauernde Trockenheit keinen Schaden verursachten, im Ganzen genommen befriedigend. Dies bezieht sich auch auf die Frühjahrssaaten. b Die jüngsten Fröste haben in den oberen Gegenden in den Komitaten Neograd, Liptau, Neutra, Zemplin, dann in den Komitaten jenseits der Donau: Weißenburg, Raab, Somogy, Oedenburg und Zala, in den Herbstsaaten und Reps namhaften Scheden verursucht, Größeren Schaden hat der Frost den Obstgattungen zu⸗ gefügt, insbesondere den Pfirsichen. Im Komorner Komitat sind z. B. ⁄19 der Pfirsichbäume erfroren. In den siebenbürgischen Theilen stehen die Herbstsaaten sehr gut, an manchen Stellen ausgezeichnet. Die Frühjahrs⸗ arbeiten sind zum großen Theile im Zuge; an manchen Stellen haben sie noch nicht begonnen. 1 Der Rost zeigt sich laut eingelangten Berichten in größerem Maße in den Komitaten Borsod und Jäasz⸗Nagy⸗ Kun⸗Szolnok. 3 Die Hessenfliege zeigt sich im Osallöközer Theile des Ko⸗ morner Komitats in größerem Maße. 3 Mäuse haben im Neograder Komitat namhaften Schaden verursacht. Das Ungeziefer hat in den Komitaten Wiesel⸗ burg und Temes, namentlich im Korn, große Verheerungen angerichtet, so zwar, daß der Boden an manchen Stellen um⸗ geackert wurde. Amtliche Berichte aus den Königlichen Kunstsammlungen. Jahrbuch der Königlich preußischen Kunstsammlungen, eft 2, Verlag der Weidmannschen Buchhandlung, Berlin.) I. Königliche Museen in Berlin. A. Gemäͤldegalerie. In dem Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1883 sind in den Besitz der Galerie durch Schenkung übergegangen: 1 1) Angeblich von Puccio Capanra (Schüler Giotto's, um 1350 in die Florentiner Malerzunft aufgenommen), vielleicht von einem Pisaner Meister aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts: Maria, das Kind auf dem Schoße haltend, sitzt vor einem Vorhange, den in der Höhe zwei Engel halten. Das Kind berührt mit dem Mittelfinger der Rechten die ausgestreckte Hand einer Heiligen (Clara 2), welche zur Rechten knieet; zur Linken ein Heiliger, der ein Hackbeil hält. Zu den Füßen der Maria in kleiner Figur eine an⸗ betende Heilige (die Donatorin 2). Auf Pappelholz, h. 0,38, br. 18 Der Galerie von Hrn. Adolf von Beckerath überwiesen. 1 2) Angeblich von Marco Palmezzano, wohl von einem Künstler aus den Marken um 1500 unter venezianischem Einfluß: Maria zur Rechten knieend verehrt das am Boden liegende Kind; hinter ihr Joseph; ganz zur Linken ein knieender Hirte, anbetend dem Kinde zugewendet; in gebirgiger Landschaft. Letztere ist in der Zartheit des lichten Tons, sowie in der feinen Formenbildung von besonderem Reiz Auf Pappelbolz, h. 0,36, br. 0,275. Der Galerie wie das vorige von Hrn. Adolf von Beckerath überwiesen. 1t 3) Giovanni di Paolo (Meister von Siena, thätig von 1423— 1457). Maria, das Kind auf dem Schoße haltend, zieht es mit der Rechten an sich; weiter zurück zur Rechten die hl. Katharina von Siena, zur Linken ein hl. Bischof. Gut erhalten; ein anziehendes und charak⸗ teristisches Werk aus der Schule von Siena um 1440— 1450. Auf Pappelholz, h. 0,405, br. 0,0. Von Herrn Direktor Bode der ie überwiesen. 1“ uüie. Dezember ist mit der Auswahl und Bezeichnung derjenigen Bilder begonnen worden, welche zur Abgabe an⸗ Provin⸗ zial⸗Galerien in Vorschlag zu bringen sind; auch die Vorbereitungen getroffen, um dieselben für die weitere Berathung der Angelegenheit zur Aufstellung zu bringen. Zu diesem Zwecke sind die Depots wieder umzuräumen und aufs Neue zu ordnen. Jul. Meyer.

(Aus dem

B. Sammlungen der Skulpturen und Gipsabgüsse. I. Abtheilung der antiken Skulpturen. .

Die Abtheilung hat im Quartal Oktober bis Dezember 18 einen höchst ansehnlichen Zuwachs erhalten, indem die Königlis Akademie der Wissenschaften die sämmtlichen Originale zund Formen den Königlichen Museen überwies, welche von der im Auf⸗ trage der Akademie von den Herren Humann, Puchstein und von Luschan im Sommer 1883 cvusgeführten Expedition nach dem Nem⸗ rud⸗dagh in Kurdistan heimgebracht waren. Eine besondere Be⸗ willigung aus dem Dispositionefond Sr. Majestät des Königs hatte die Mittel für diese Unternehmung gewährt. In Bezug auf die mo numentale Ausstattung des Grabmals Antiochus I. von Commagen auf dem Nemrud⸗dagh kann auf den grundlegenden Bericht von Puch

7 9 8

zember, verwiesen werden. 1 dagh außer geringfügigen Oriainalproben, welche indessen und Technik zu zeigen immerhin des Antiochos mit kolossalen Löwen. Andere Erwerbungen machten die Reisenden in Mar'asch und in Orte Saktsche⸗gözü, welcher etwa eine Tagereise weiter südlich gelegen ist. Aus Mar'asch kamen in die Abtheilung außer einigen Originalproben die Abgüsse von vier Reliefs und einem Löwen, zum Theil mit Inschriften, aus Saktsche⸗gözü aber ein wohl erhaltenes Originalrelief, 1,18 m hoch und etwa aus drei Platten bestehend, eine Löwe darstellend. Hiermit ist der Anfang einer aus der nordsyrischen Region, auf welche thesen neuerlich allgemeiner die Aufmerksam

platten des Perxes, Herakles und des

einem kleinen

erfreulicher Weise gemacht.

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gefördert. r Dienstleistung

2

2 nee. 1

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8

bereits im Museum befin schriften.

mehrere dankenswerthe

vom Anfang des XV.

abgüsse der

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schönen

wärts eilenden Krieger m aus Klein⸗Asien.

Lieutnant Max Schütz wiesen. Athen. mit einer Amazone. Styles aus Thessalien Sammlung zugeführt.

8 SIe J. Masse,

Diese tellt werden. funden

lung,

Erwerbungen sind fünf

Sammlung überwiesen

Im Viertelja Münzsammlung e balten: von

Hamburg.

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prägt.

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zukamen,

treten ist. 8 Von römischen Aurei des Brutus, M 200 Kaiser⸗Asses aus Kapitän Sandes, von

plare auszumerzen. Auch einige

ogen denen einer die Gruppe

Woche ein durchgehends ruhiger. 1 ca. 300 Ballen, welchem Umsatz ei hohe

beinahe gleich

Zufuhr

188

stein in dem Sitzungsbericht der Königlichen Akademie der Wissen⸗

kommen erhalten, zeigt.

C.

schaften vom 11. Januar 1883, sowie Re. Vortrag desselben in der Philologischen Wochenschrift 1883, 1.

auf ein Referat über einen

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In die Abtheilung gelangten vom Nemrud⸗

dlichen Ar

genügen, 1 Helios,

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des

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Antiochos

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dem gelangte

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Conze.

Skulpturen.

centobüsten junger

Darstellung von zwei Ringerpaaren, nach als Geschenk desselben

An Bronzen erwarb die Sammlu 1 Relief, cinen Tisch, zwei Gefäße, welche als Graburnen Dazu gehört eine Anzahl einzelner gen Krör Nadeln, Schmuck aus Glasfluß und Bernstein, Perlen aus weißlicher

güsse von drei bekannten Mormorbüsten in seinem Besitz, rocchio, Mino und Desiderio, Hr. Courajod die Abgüsse italienischen Quattro u ihm unterstellte Abtheilung des Louvre be

gem 21

Erwerbungen wurden im rerflossenen Quartal nur gemae Schenkungen schenkte eine Buchsbaumstatuette der Madonna, e vorragendes Stück in seiner Art; wahrschein Jahrhunderts. zustave Dreyfuß und Louis Courajod G Sammlung zum Geschenk gemacht: Hr. Dreyfuß die Ab⸗ von Ver⸗

Hr. Dr. Weber in seltenes un lich niederländische Sodann haben die zu Paris verschiedene

von

Bode.

Antiquarium. Die Terrakottensammlung wurde durch zwei werthvolle Gegen⸗ stände bereichert, eine Relieftafel mit Charon, Hermes und einem Mädchen und die Statuette einer Komödienfigur, welche einen vor⸗ it Maske darstellt.

Roide Ststek, erde Stuüucke

seinen nicht ergänz

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Material die Abgüsse der Relief⸗ mit

sehr 2,70 m lang, n assirisirendem Style ammlung von Skulpturen che durch wissenschaftliche Hypo⸗

keit gelenkt ist, in höchst

Die Museumsverwaltung bereitet eine Ausstellung der sämmt⸗ lichen auf dieser einen Erpedition gewonnenen Stücke im Treppen⸗ hause des neuen Museums vor, wie die Akademie eine Publikation der Reiseergebnisse im Ganzen. Sonst sind in diesem Quartal nur zwei kleine Abgüsse der „Ajax blesse“ genannte Kopf (Nr. 172 des Katalogs in der Eremitage zu St. Petersburg, Theilen hellenistischer Art verwandt, aber vielleicht doch modernen Ursprungs ist, und der Abguß eines Ephebenkopfes römischer Her⸗ kunft im Berliner Privatbesitze. 1 8 In der Werkstatt war man vornehmlich mit den Erwerbu aus Kurdistan und Nordsyrien beschäftigt, auße b 8 höchst merkwürdig aus zahlreichen Splittern wieder zusammenges Göttin aus der pergamenischen Gigantomachie zur Aufstellung. Die Katalogisirungsarbeiten wurden für die Orizinale durch Arn. Dr. Puchstein, welcher seit dem 1. Oktober 1— sistent angestellt ist, und für die Gipse durch Hrn. Dr. Wolters Hr. Dr von Domaszewski t ig nach Vollendung der 2

der Wissenschaften

erworben, von 1865) ten

n

als Direktorial⸗

at am 1. Oktober aus ommsenschen Ausgabe Monumentum Ancyranum aus; die Abgüsse der letztgenannten Inschrift sind in einem eigenen Schranke für die wiseenschaftliche Benutzung bequem geordnet untergebracht.

Der Direktor war während des Quartals auf einer nach Pergamon abwesend; die am 6. Mai v d 2- und zunächst bis zum gleichen Termine dieses Jahres fortzuführenden

Dienstreise F. wieder begonnenen

Ausgrabungen daselbst liefern immerfort Ergänzungsstücke zu den chitekturen, Skulpturen und

II. Abtheilung der mittelalterlichen und Renaissance⸗

Hrrn.

Gips⸗

zwel

Frauen, welche die

stammen

In das Vasenkabinet kam eine Ampbora mit schwarzfiguriger

ach dem Testament des Herrn

Erworben wurde eine Kanne mit schwarzen Figuren Ein Krieger kämpft über einem am Bod To Eine Anzahl von Vasenscherben alterthümlichen ist als Geschenk durch Hrn. Dr. Lolling der

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en liegenden

3

Tod

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dem Museum über⸗

aus

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einen Sessel mit getriebenem gedient haben.

Gegenstände, Ringe, Knöpfe,

r die Sammlung geschnittener in Hannover) erworben worden, mit iblichen . Ferner sind Abgüsse der in der Breslauer Universitätssamm⸗ sowie im Königlichen n zu ag Eremplare der Gattung der sogen. Inselsteine erworben worden. Von den bei der zweiten Expedition na

Museum

Siegelsteine

werden gleichzeitig mit de

ünfzehn antike Bronzemünzen, we r. Puchstein aus Kurdistan mitgebracht haben.

Unter den angekauftea Münzer

ist denen der macedonischen Könige Bildniß G“ des Flamininas, und auf der Kehrseite die Nike Stater Alexanders des Großen. Demnach ist sie wohl in Mace nien, nicht in Griechenland, dem römischen Feldherrn zu Ehren ge llkommen erhaltene Erxemplar ist das dritte bekannte, und in Athen besitzen

Unter einer Anzahl kleinasi befinden sich einige Münze der lycaonischen Stadt

Münzen

der

ann de

worden. Der Vasenkatalog schreitet im Druck fort, und die Thorngefäße euen Nummern versehen

moderner aill, der Numismatischen Gesellschaft in Vie Herren von Maack in Kiel, Hofmedailleur Kullrich, Regierungs⸗

und Ueberreste von Thongefäßen. er Grabfund aus Chiusi win

5

Steine ist z wel

zu Kopenhagen

nordsyrischen

E. Curtius.

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Wien,

MN 5 [43871 der Wissenschaften

die Herren Dr.

R

d im Miscellaneensaale aus⸗ ein Cameo (ge⸗ weiblichen Profil⸗ befindlichen

Nemrud⸗dagh gemachten Fundorts der

Dezember 1883 hat die Medaillen zum Geschenk er⸗ von

den

ath

Brakenhausen, Professor Dr. Kirchhoff in Halle, von Ohlendorff in Die Königliche Akademie I

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überwies Humann und

befindet sich der Goldstater des

nacedonischen Siegers. Di ähnlich; sie hat das Bil nur die öffentlichen Sammlungen in Paris

; „maons Philadelphus ahlin des Ptolemaeus Philadelphus, Tetradrachmon Aleranders des

Ein

den

berühm

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jatischer Münzen, die u werthvolle; aus Paris gelangte Ilistta in die Sammlung, einer Stadt, welche erst seit ganz kurzer Zeit in die Reihe der Prägstätten ge⸗

waren . Antonius,

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Weise, indem es möglich wird, eine Anzah

zeichnen sich

mit einer Nike

willkommene der Kaiserin

Sammlung

Julia

unvollkommener

3 8 9 niaten wurden erworben,

leider nich

Die Münze niß und

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nen des thracischen Königs Mostis und der Arsinoe,

durch

statt des

ns aus S nyrna uns aus Smyrn.

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Bereicherungen: Domna. englischen elcher wir schon früher beträchtliche Abthei⸗ lungen erworben haben, vervollständigten unsere Reihen in erwünschter

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