2
Ende des 18. Jahrhunderts. — jen in der preußischen
weiten Hälfte des 17. bis zum Snh ü 89 Recht der Polizeiverordnun . . Monarchie. — Köhne, P. Das Reichsgesetz, etreffend die Kranken⸗ versicherung der Arbeiter vom 18. Juni 1883, nebst dem Gesetze vom 28. Januar 1885 und den Ausführungsvorschriften herausgegeben und erläutert. — Aschrott, P. F. Das englische Armenwesen in seiner historischen Entwickelung und in seiner heutigen Gestalt. 2n Tern. schriftenüberschau. — D. Neue Erscheinungen. — ¹) Deutsche — umd Brochuren; 2) Ausgaben von Gesetzen; 3) wichtige au lündische Werke.
— Die in Leipzig
17
und Berlin den 27. d. M. erscheinende Nr. 2226 der „Illustrirten Zeitung“ enthält folgende Ab⸗ bildungen: Ein unbekanntes Goethe⸗Bildniß von „Zoh Soseph Schmeller aus dem Jahre 1829. Kreidezeichnung im Besitz . Keichsfreiherrn von Gagern zu Pogein. — Goethe⸗Bildniß 1,s J. Raabe aus dem Jahr« 1811. — Hinterriß in Tirol. Jagdschloß des Herzogs Ernst von Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Nach einer Zeichnung von M. Kuhn. — Richard von Volkmann (Leander). — Das neue herzogliche Museumsgebäude in Braunschweig. Hrloinalleichnung vnn Robert Geißler. Lathyrus odoratus („Vesuv“), blumif ische Neuigkeit. — Interessante Lektüre. Nach einem im sitze 8½ Hrn. Ernst Kühne in Leipzig befindlichen Gemälde von W. A. I 2 Das niederländische Kirmesfest der Künstlergenossenschaft im Künstler⸗ hause zu Wien. Originalzeichnung von W. Gause. (Tweiseitig) 8 Joseph Joachim. Nach einer Photographie von J. C. Schaarwäch er in Berlin. — Die Jonaskanzel zu Reinerz in Schlesien. Nach photographischen Aufnahme von K. Rother in Reinerz. b u (Greisstachler) im Aquarium zu Havre. — Vorder⸗ 2 85 1 uß des Cuendu. — Polytechnische Mittheilungen⸗ Patentirte stangen. Dampframme mit direkt wirk em D ampfbär. — Moden: Promenadenanzug. Ballkleid. 8
Gewerbe und Handel.
Verwaltungsbericht der Sparkasse der Stadt efür das Jahr 1885 entnehmen wir folgende Angaben: 1884 betrugen die Einlagen der Interessenten sind neu belegt 12 8 564 ℳ, 885
insen 989 680 ℳ, so daß sich als Gesammtsumme ergeben 19 “ S Zurückgenommen sind einschließlich Zinsen 11 098 6965 ℳ, mithin am 31. Dezember 1885 belegt geblieben 32 075 116 ℳ Die Einlagen haben sich daher vermehrt um 2 260 548 ℳ. Sparkassenbücher waren ult. 1884 ausstehend 69 729. Stck., im Jahre 1885 wurden neu ausgefertigt 12 200 Stck., zrückgenommen im Fahre 1885 wurden 8395 Stck., so daß ult. 1885 ausstehend blieben 73 534 Stck. (+ 3805 Stck.). Darauf sind im Ganzen belegt 32 075 116 ℳ, also auf jedes Buch durchschnittlich 436,19 ℳ, d. i. gegen das Vorjahr mehr 8,61 ℳ Einschließlich des Kapitalverkehrs sind bei der Kasse eingegangen 18 917 837 ℳ; ausgegeben sind 17 763 134 ℳ; mithin har ein Geldumsatz stattgefunden von 36 971 ℳ 1. “ “ Die „New⸗Yorker Hdls.⸗Ztg.“ schreibt in ihrem vom 12. d. M. datirten Wochenbericht: Die diesseitige Lage von In⸗
5 2 . : 2 % 4 9
8 ; 18 Beziehung eine weit e und Handel ist gegenwärtig in mancher Bezi
dustri 8 Einem größeren Aufschwung
ls in den beiden letzten Jahren. C qher Sesfen außer der Silberwirr, Hindernisse E11 entgegen. In erster Reihe sind unsere Fabriken in vielen Branchen, wie ja auch unsere Farmer, jetzt auf Befriedigung eines weit größeren Bedarfs eingerichtet, als das eigene Land bietet, und dabei ist man noch weit von dem vollen Verständniß dessen entfernt, daß wir 88 Absatzgebiete im Auslande erschließen, und wo dies selbst der Fall, 88 wir dieselben in der von den betreffenden Märkten verlangten Art 8 Weise befriedigen müssen, und nicht von den dortigen Ee bean pruchen können, einfach die Waaren zu nehmen, wie sie 85 en hiesigen Markt hergestellt werden. Dann ist es auch die Furcht 99 der überhand nehmenden Macht der Arbeiterorganisationen, 8 e unsere Fabrikanten von neuen Unternehmen, selbst von Umgesta 1 ihrer Betriebsanlagen, abhält, so lange sie gewärtigen müssen, 8 re Pläne plötzlich durch fremde Diktatur durchkreuzt und vernichtet zu sehen. ie in der ganzen übrigen gebildeten Welt, so bedarf es jetzt auch bei uns einer einsichtsvollen, von allen Interessenten “ nützig geförderten Regulirung des Verhältnisses zwischen Frlhrtt Arbeit. Der Geldmarkt bietet andauernd dasselbe il einer Ueberhaͤufung mit brachliegendem Kapital, welches in Call Loans temporäre Anlage sucht, und in solcher, gegen acceptables Unterpfand, mit einer Verzinsung von 1½— 2 6 Pe e. sich zufrieden geben muß. Vom Wechselmarkte ist die fe e Tendenz nicht gewichen, welche derselbe seit längerer Zeit aufzuweisen gehabt hat. — Am Waaren⸗ und Produktenmarkt ist T Geschäft ruhig geblieben. Weizen in effektiver Waare fand für Ex⸗ port wieder sehr wenig Beachtung und konnte ebenso wie S die höchsten Notirungen der Woche nicht ganz behaupten. M zais, von dem der Platzvorrath sich unter Kontrole weniger Fir⸗ men befindet, stellte sich loco und für Feret. rung er⸗ heblich höher, und hat auch für die späteren Monate 188 zogen, begegnete zu dem Avanz jedoch nur sehr beschrän er Frvortfrage. Weizenmehl stand in schleppendem Verkehr. Petroleum⸗ frachten sind fester, Getreidefrachten dagegen flau und weichend ge⸗ wesen. Baumwolle hatte lebhaften Terminhandel und iin Sym⸗ pathie mit Liverpool überwiegend weichende Tendenz. holte jedoch am Schluß unter dem Einfluß animirter Nachfrage behufs Deckung von Blanco⸗Verkäufen einen Theil der vorher erlittenen Einbuße wieder ein. Brasil⸗Kaffees waren still, aber fest; von reinschmeckenden Sorten sind westindische zu etwas niedrigeren Preisen ziemlich lebhaft gehan⸗ delt worden. Rohzucker begegnete fast gar keiner Frage und hat im Werthe nominell keine Veränderungen erfahren. Am e markt ist die Tendenz stetig geblieben. Provisionen „ha en sich im Preise eine Kleinigkeit niedriger gestellt, verkehrten jedoch in den letzten Tagen bei zunehmendem Exportbegehr für Schmalz neuerdings in festerer Haltung. Terpentinöl war ruhig, aber fest. Von Harz begegneten die geringeren Grade recht guter Frage, während die besseren Sorten bei reichlichem Angebot flau waren. Raff. Petroleum in Fässern und Kisten ist niedriger und flau. Pipe line Certificates haben sich vom niedrigsten Punkte der Woche nur wenig erholt, schlossen zu 76 %0 G. übrigens in festerer Tendenz. Von Metallen schließen Eisen, Blei und Zink fest, Kupfer still und inn williger. Der Import fremder Webstoffe beträgt für die te beendete Woche 3 464 670 Doll. gegen 2 185 795 Doll. in der Parallelwoche des Vorjahres. Hamburg, 24. Februar. (W. T. B.) Generalversammlung der Kommerzbank wurde anstatt, wie vorgeschlagen, auf 6, auf 6 ⅛6 % festgesetzt. Glasgow, 24. Februar. (W. T. B.) In einer Ver⸗ sammlung von Eisenproduzenten wurde ein Antrag auf Er⸗ mäßigung der Produktion günstig aufgenommen.
“
Dem Macö hatr 1“ Am Schluß des Jahres 29 814 568 ℳ Im Jahre 1885
heutigen
In der her Dividende
die
1u
Submissionen im Auslande.
8
Niederlande. ““ Lieferung von 22 000 kg
1) Steenbergsche Landbouw⸗Vereeniging:
die Hugns. 1886 einzusenden an C. Timmers in Heen,
Strenßergen (Praggg, Wa.gah lih. Kolonial⸗Ministerium, Tech⸗
“ Hücecun im gece escbaume und Barrièren,
S.2habatvanisirten gisecdfaht Z chhändle M. Nyhoff, Haag, Nobagstrfgt Mür⸗ 1886, Mittags 12 Uhr.
Wymbritseradeel in Sneek, Provinz Friesland:
Deichverwaltung vom
Amsterdam⸗Merw
vom . vorz Tage ab aus dem Hafen von Rio de
Lieferung eines
neuen Wege von ÜUtrecht nach Vreeswyk (Theil der Werke für den ede⸗Kanal). Taxwerth - Hauptingenieur Wellan in Utrecht,
Näheres beim
4*
— im Königrei vom 29. Mai 1878
wenn sie nicht eine liegenden, von
Königlich
des
Alexandria vom 9. Provinz Venedig
und der Schiffsman
4) 17. März 18 ttag Waterstaat, Handel und Nyverheid im
Nr. 6, und beim Ingenieur Kemper in Utrecht,
Sanitätswesen und Quarantänewesen.
Quarantäne⸗Verordnung Nr. 4. 2 Durch Erlaß des Königlich italienischen Ministeriums des Innern 16. Februar 1886 ist angeordnet worden,
eitspasse versehenen Schiffe der durch die Verordnung (Nummer 9)
Krankheit befreiten Hafen bereits durchgemacht haben.
Durch eine unterm 16. Februar 1886 veröffentlichte Verfügung
vortugiesischen 8 2d. Quarantäne far Scchigte welche aus den bisher für choleraverdächtig gehaltenen französischen Häfen am auf 24 Stunden herabgesetzt worden.
Zufolge Beschlusses des
Besichtigung, verbunden mit Desinfektion der Wäsche der Passagiere
886, Vormittags 11 Uhr. Ministerium vom
Haag. 8
eisernen Oberbaues für die Drehbrücke auf dem 21 850 Gulden.
Schoolstraat
Parkstraat Nr. 32.
Ftalien. 1“
daß die von diesem Janeiro und dessen Um⸗ e Italien anlangenden, mit unreinem Gesund⸗ Quarantäne unterworfen werden,
iebenen Shle. 8 dazwischen
entsprechende Quarantäne in einem
Portugal.
Ministeriums des Innern ist die
Atlantischen Ocean kommen,
Egypten. 8 1 internationalen Gesundheitsrathes zu
Februar 1886 werden die Ankünfte aus der von dem gedachten Tage ab einer ärztlichen
nschaft, unterworfen.
GEöu. 8 88 8
schen Garten
Die
stadt, bereitwilligst
müsse mehr als der Bantuno, ihre Eigenschaften. — He besprach die populärer 2 unter Vorsitz
busch, Pastor Fise 6 Jahre in de D. Grundemann uü⸗ evangelische Volk f
Berührung bringe
verausgabe für Mi nur 5220 ℳ. betrage 2855, das
der Mittel werde dritte Gabe des heit, während
für das verständen es,
— *
auf dividualität an. E
In der englischen äußere Formen üb
In dem Jahrbuchs der
von Marlborough
als Bildniß der als „heilige Doro
in der Linken ringste Aehnlichke
Konterfei des Meisters, nach In fesselnder, eing Vergleichung des falls sogenannten zuzusprechen ist.
Hochätzungen
der zweiten Hälf fort. Er besprich
dem höchst anmut
Lieferung von 1875 Last Säulenbafalt. 1“ Nähefer beim Dyksopziener in Schuilenburg bei Hindeloopen. “ 1“
liner Sammlung
Se. Lanigi bbein deha nh von seinem Jagdausfluge zurückgekehrt ist, ha da braunen Bären mitgebracht und denselben dem Zoologi⸗ als Geschenk überwiesen. Abtheilung des großen Bärenzwingers als Wohnung erhalten.
veriodischen Kunstvereins für das a. M. vom 1. bis 11. April, 2. Mai, zu Hanau vom 9. bis bis 16. Juni, zu Wöin. vom 18. Juli bis 8. August, . t b 5. September, zu Baden⸗Baden vom 12. September bis 3. Oktober und zu Freiburg i. B. vom 10. bis ober erei
zu Büden⸗Baden, Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim veranstalten ö p wird durch die einzelnen Kunstvereine 1 enten hei⸗ nischen Kunstvereins, Geheimen Ober⸗Baurath Dr. Müller zu Darm⸗
8 stern Abend ihren Brandenburg hat gestern Abend ih Anf nmen. Hof⸗ Stöcker begrüßte die im Stadtmissionshause zahlreich ver⸗ sammelten Konferenztheilnehmer in einer Ansprache, in welcher er auf die erweiterten Aufgaben hinwies,
Colonialpolitik erwachsen seien. De H. Schritte auf diesem Gebiete begleitet. Das Volk
Superintendent Merensky
die Helfer zu einer Konferenz ng; (A.Döbern Pastor Fliegenschmidt (Alt⸗Döbern . 1 Feune Fferchenr sten. Um 11 Uhr begann die Hauptkonferenz tz des Pastors D. Grundemann⸗Mörs mit einer religiösen
Ansprache des Hofpredigers Bayer.
ie sprachliche Begabung eichnete der Redner die sprachliche Begabung, † fachhe hes Anspruchslosigkeit, die den Deutschen weit näher mit dem Volke in
als den Engländern
s † 8 issio 8 Das Durchschnittsgehalt eines deutschen Missionars
Fremde,
sie so weit zu schonen, Der Engländer nivellire,
während der Engländer einen Eifer zeige, daß die Christianisirung eines
Erfolgen geltend, und die Folge sei,
kürzlich
untersucht Dr. Julius Meyer den Ursprung des schöͤnen Frauenbildnisses des Sebastiano del Piombo, welches
die Berliner Galerie erworben worden ist. 1 98 4 4 „ 424 Körbchen mit Aepfeln und Rosen veranlaßt, welches die junge Frau
im Palazzo Barberini in Rom, das
und dem erst neuerdings bekannter gewordenen „Violinspieler“ im Pa⸗ lazzo Sciarra nachzuweisen,
der Reichsdruckerei im — Wilhelm Bode tzt Skulpturen der Renaissance in den ’ mit G weiteren Kapiteln: VI. Die Florentiner Marmorbildner in
in sich aber nicht entscheiden, ob dieselben d b 1. bnh 8g Benedetto da Majano zuzusprechen sind. Dagegen steht bei
heberschaft des Jacopo Sanf ” . Uabeberschaf vber Bode auch ein paar andere werthvolle Reliefs der Ber⸗
8
Berlin, 25. Februar 1886.
Wilhelm, Höchstwelcher hat u. A. auch einen
Das Thier hat eine
Ausstellungen des rheinischen Jahr 1886 werden stattfinden: zu Offenbach 8 zu Darmstadt vom 18. April bis 23. Mai, zu Heidelberg vom 30. Mai 20. Junt bis 11. Juli, zu Mannheim
zu Karlsruhe vom 15. August bis
31. Oktober. — Die Kunstvereine
Ausstellungen. — Näheres und den Präsidenten des rhei⸗
mitgetheilt werden.
8 Missionskonferenz für die Provinz Anfang genommen. Hof⸗
die der Mission durch die neue Der konfessionelle Hader habe leider is die Mission unterstützen. — Missions⸗ sodann über die Völkerschaft Verbreitung und ihre zum Theil edlen geisti en ute Vormittag traten unter Vorsitz des Pastors Koller zusammen. Pastor Bublitz⸗Börnicke Aufbringung von Missionsbeiträgen, referirte über die Verbreitung
Nachdem Superintendent Kieke⸗ und Oberpfarrer v. Köln von Neuem auf gewählt waren, sprach Pastor „Welche Gaben hat das deutsche
Als solche Gaben be⸗ sodann die Einfachheit
her n Vorstand ber die Frage: „2 ür die Heidenmission?“
und ihm eine viel größere Beweglichkeit verleihe und Amerikanern. Die amerikanische, Mission ssionen 12 820 ℳ, die englische 12 620, die deutsche
der Londoner Missionare 7000 ℳ Die Knappheit allerdings auch zuweilen ein Hemmschuh. Eine
Deutschen sei die nationale Bescheiden⸗ der Engländer überall seine Mizachtung
nichtenglische kund gebe. Die Deutschen die Eigenthümlichkeiten der Völker einzugehen und als es das Christenthum nur irgend gestatte. der Deutsche erkenne den Werth der In⸗ die gesunde geistige Nüchternheit, der vollständig übersehe, Volkes nur allmählich erfolgen könne. Mission mache sich immer ein Drängen nach daß der Engländer sich leicht, durch er die wirkliche Annahme der Christenthums täusche.
ine vierte Gabe sei
erschienenen 1. Heft VII. Bandes des Preußischen Kunstsammlungen
Königlich
aus der Sö;ʒ 95 Idennse in Schloß Blenheim bei Orford in England für “ Dort galt es bekanntlich der Geliebten Rafaels, dargestellt
ornarina“ f 82* 1 Benennung war offenbar durch das
thea“. Letztere
hält. Das Bild zeigt aber nicht die ge⸗ it mit jenem berühmten Porträt der Fornarina seit lange für das echte schönen Bäckermädchens, der Geliebten des einer weit verbreiteten Sage, gegolten hat. ehender Darstellung sucht der Verfasser sodann, unter Berliner Gemäldes und seiner Faktur mit der eben⸗ Fornarina in der Tribuna der Uffizien zu Florenz
daß dasselbe dem Sebastian del. Piombo Untersuchung ist eine prachtvolle Heliogravüre nach dem Original beigegeben, während zwei Text die anderen Bilder veranschaulichen. setzt seine Abhandlungen über die italienischen in den Königlichen Museen zu Berlin
Der
te des Quattrocento, und VII. Jacopo Sansovino, t zunaͤchst zwei Madonnen⸗Reliefs (mit Abbildungen), dieselben dem Antonio Rossellino
higen bemalten Madonnen⸗Relief der Sammlung die 1 ovino außer Zweifel. Auf diesen Künstler
sind in den Text geätzte —2ööö— eingedruckt, von dem bemalten Relief aber ein prächtig gelungener, farbiger fügt. — Fin anderer Beitrag betrifft das Rathhaus zu rührt noch von dem im vorigen Jahre verstorbenen Kunstdenkmäler, Geheimen ReFermps.Raff Heinrich Rotfelser, her und ist einem T
pistlichen ꝛc. Angelegenheiten entnommen.
Lichtdruck der Reichsdruckerei beige⸗ osen. Ders onservator der von Dehn⸗ eericht desselben an den Minister der Der Verfasser rechnet das osener Rathhaus den bedeutendsten, künstlerisch werthvollsten Ge⸗
bäuden der Frührenaissance im preußischen Staate zu. Es enthält im Innern noch spätgothische Theile, fassungen, welche die Jahreszahl 1508 tra stalt und auch die architektonische Durchbi 1 1 erhielt es v. erst nach einem verheerenden Brande im Jahre 1536 durch
darunter reichgegliederte Thürein⸗ en; seine jetzige äußere Ge⸗ dung der Haupt⸗Innenräume
inen fast vollständigen Neubau des damaligen Posener Stadtbau⸗ ine Giovanni Battista de Quadro aus Lugano. Die mit drei Thürmen und phantastischen Zinnen gekrönte Hauptfront ist in ihrer ganzen Breite durch drei offene Bogenhallen über einander, von sehr gediegener, reich verzierter Architektur ausgestattet. In jedem der drei Stockwerke der Arkadenhallen zeigen die Eckpfeiler in Bogen⸗ blenden noch jetzt ziemlich deutlich die Posträtfifeen polnischer Könige; ähnliche Bilder scheinen sich auch in den acht Bogenblenden an der Mauer über den Hallen befunden zu haben, jedoch sind jetzt davon kaum noch die Spuren zu erkennen. Deutliche Reste von ornamentalen und heraldischen Malereien sind dagegen noch an dem hohen Friese des ersten Geschosses zu sehen. Im Innern sind namentlich der jetzt leider in zwei Theile ge⸗ trennte große Hauptsaal mit seinen reich verzierten Tonnengewölben sowie der große Si ungssaal des Magistrats mit seiner farbenprächtig bemalten Gewölbedecke und den Porträts pol⸗ nischer Köͤnige in den Hohlkehlenflächen bemerkenswerth. Von dem System der Decke des Hauptsaals ist dem Aufsatz eine Zeichnung bei⸗ gefügt. Dem Vernehmen nach wird Seitens der städtischen Behörden eine innere Restauration und ein Vergrößerungsbau des Rathhauses beabsichtigt. Außerdem aber erscheint, wie es am Schluß des Berichts heißt, eine gründliche und pietätvolle Restauration aller Außenfassaden dringend geboten, weil die Stuck⸗Ornamente und der Putz immer schadhafter werden und die Freskogemälde immer mehr verschwinden, womit werthvolle und kunstgeschichtlich bedeutende Formen und Kunst⸗ werke verloren gehen würden. Auf einer beigegebenen Heliogravürt (aus der Reichsdruckerei) sind die Reste der Wandmalereien nach einer Abbildung aus dem vorigen Jahrhundert in größerer Schärfe wieder⸗ hergestellt, so daß die imposante Front mit ihren offenen Loggien dadurch noch bedeutender und reizvoller erscheint. — In dem Heft beginnt ferner eine eingehende kunstgeschichtliche Untersuchung über „das Pferd in der Kunst des Quattrocento“, von H. Weizsäcker. Der mitgetheilte erste Abschnitt beschäftigt sich aus⸗ schließlich mit Vittor Pisano (dazu mehrere Text⸗Abbildungen). — Vieles Anregende und Neue bieten endlich die „empirischen Betrach⸗ tungen über Michel⸗Angelo's Malereien am Rande der Decke in der Sixtinischen Kapelle“ von W. Henke. Der Verfasser hat diese groß⸗ artigen Kunstwerke von seinem Standpunkt als Laie und Anatom betrachtet und zwar mit einer Unbefangenheit, welche der richtigen Beurtheilung und Würdigung der Absichten des Künstlers nicht selten weit näher kommt als die Untersuchungen der Kunstgelehrten von Fach. Er beginnt damit, den Aufbau und die verschiedenen Typen der Einzel⸗ figuren an den Zwickeln zu beschreiben, aus denen sich am Ende die Sibyllen und Propheten als die dominirenden Hauptpersonen heraus⸗ heben, die, wie er sagt, in ihrer individuellen Ausprägung alle einzeln gewürdigt und studirt sein wollen. Er bespricht zunächst die „Rüpel (so nennt er die nackten hockenden Männergestalten, welche in brauner Farbe, wie gemalte Holzschnitzereien in den dreieckigen Enden der Zwickel angebracht sind), dann die Doppelkaryatiden von Knaben an der Stirnfläche, die aufrechtstehenden größeren Kindergestalten in der unteren dreieckigen Spitze; ferner die kräftigen jugendlichen Männergestalten (ge⸗ wöhnlich als „Sklaven“ bezeichne!) welche über den Pilasterm auf dem oberen Rande der Zrwickel sitzen und mit der An⸗ bringung einer Dekoration beschäftigt 8 erscheinen. In 8 Bezug auf die letzteren Gestalten newentlich gelangt Henke von seinem Standpunkt aus zu Ansichten, welche von denjenigen Springers und Burckhardts wesentlich abweichen, aber in vieler Hinsicht für sich einnehmen. Die interessanten Ausführungen des Verf. sind durch die Umrißbilder von 4 dieser Gruppen illustrirt. Die Fortsetzung der Abhandlung soll von den Hauptfiguren, also den Sibyllen und Pro⸗ pheten, welche in der Mitte der Zwickel, riesig und majestätisch, rings über den Wänden des ganzen heiligen Raumes thronen, sowie von den Kinderfiguren handeln, die ihnen wie persönliche Diener beigeordnet und, mit ihnen auf ihren Sitzplätzen untergebracht sind. Später soll dann auch der Charakter der Fantäljenbelter besprochen werden, welche in den Nischen zwischen den Zwickeln sowohl in ihrer Ueberwölbung als an den Wandstücken über den Fenstern 8 einem bescheidenen Hintergrund (gegen jene) zurücktreten und nach de Tradition die Vorfahren der Maria repräsentiren sollen. — Das „Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstsammlungen escheint 1 vierteljährlichen Heften im Verlage der Grote schen Verlagsbuchhand⸗ lung hierselbst (Preis für den Jahrgang: 30. ℳ.).
Im Belle⸗Alliance⸗Theater finden heute und morgen die letzten Vorstellungen der „Schönen Helena statt, da an Sonnabend die erste Aufführung von „Pariser Leben angesetzt ist An der Darstellung betheiligen sich die besten Kräfte der Bühne.
Im Saale der Sing⸗Akademie veranstalteten am gestrigen Abend Hr. Hugo Becker und Frl. Jeanne Becker 8 inh zahlreichen Publikum ein Concert unter gefälliger Mitwir üeng Hrn. von Zur⸗Mühlen. Das Programm war ein gewöh6⸗ und wurde eröffnet durch die Sonate A-dur für Pianoforte und ch lo von L. v. Beethoven. Gleich diese erste Nummer bot dem 8 2 paar Gelegenheit, Zeugniß von seinem tüchtigen Können abzu egen Das Cellospiel des Hrn. Hugo Becker zeichnet sich durch 8 Klang aus und erfreut durch Reinheit und ungekünstelte Frücch während Frl. Becker durch sauberen Anschlag und vollendete 88* nik anspricht. Der von der Dame ausgeführte Vortrag 5 drei Concertstücke: Rhapsodie von Joh. Brahms, Etüde von F Chopin und Gavotte von Pirani, zeugte von groher Uise on h feinsinnigem Verständniß und trug ihr unbedingte Aner kürnnng 8 Hr. Becker betheiligte sich an dem Programm weiter mit dem orsin für Violoncell (I. Satz) von J. Raff, mit einer Cadenz vem Coßmann. Auch hier bewies der Künstler seine tüchtige Schg G und ausnehmende Fertigkeit und wurde allen Feinheiten, se st 8 schwierigen Anforderungen, welche die Coßmannsche Cadens seinen Bogen stellte, durchaus gerecht. Drei Cellovorträge machiet den Beschluß des Concerts, und es waren drei 89 gewählte Nummern, an welchen Hr. Becker hts 5 ü8 zeigte. Der spanische Karneval von D. Popper te ang e 98 allen seinen charakteristischen Eigenthümlichkeiten zu vollende 5 n druck, die Bachsche Air wurde zart wiedergegeben, und das 8 32 1 schwierige Spinnlied von D. Popper war sehr geeignet, 82 nehmende Gewandtheit und technische Durchbildung pieh⸗ fmn ihrem ganzen Glanze zu zeigen. Der vokale Theil des Concess in Hrn. von Zur⸗Mühlen einen sehr geeigneten Vertreter. dhag übermäßig große, aber gut geschulte Organ brachte die Schön 78 der gewählten Lieder von Schubert und Schumann hübsch zum Aus druck. Die Klavierbegleitung zu den meisten Concertnummern Hrn. Conrad Hausberg verdient Anerkennung. 88
mmn
Redacteur: Riedel.
Verlag der Expedition (Scholz).
Druck: W. Elsnef. Sechs Beilagen 8
(ältere Erwerbungen) zurückführen. Von den letzteren
(einschließlich Börsen⸗Beilage).
Urco,
1 „ 1
B 1
Anzei
ge
Berlin, Donnerstag, den 25. Februar
ger und Königlich Preußischen
—
Preußen. Berlin, 25. Februar. In der gestrigen (27.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten stand die erste Berathung der Vorlage, 8 die Anstellung
nd das Dienstverhältniß der Lehrer und Lehre⸗ rinnen an den öffentlichen Volksschulen im Ge⸗ biet der Provinzen Westpreußen und Posen und des Regierungsbezirks Oppeln, zur Verhandlung. Nachdem der Abg. Dr. Porsch die Vorlage, namentlich deren Ausdehnung auf Oberschlesien hekämpft hatte, erklärte der Abg. Dr. von Bitter: im Gegensatz zu dem Vorredner wolle er betonen, daß man hoffe, gerade durch Förderung der deut⸗ schen Sprache 8 bewirken, daß sich die Herzen der polnisch redenden Bevölkerung wieder dem Staate zuwendeten. Bei den Verhandlungen über die Nothstände in Oberschlesien sei man einstimmig der Ansicht gewesen, daß für die Schule noch unendlich viel zu thun sei. Die in Oberschlesien müsse zunächst aus ihrer sprachlichen Verschiedenheit herausgeführt werden. Die Anstrengungen für die deutsche Sprache hätten dort noch nicht Erfolge gehabt. Wenn der Vorredner meine, auch diese Vorlage richte sich gegen den Katholizismus, so täusche er sich, diese Vorlage erstrecke sich auch auf die deutsche Bevölkerung, es werde vollkommen mit gleichem Maße gemessen. Daß auch diese Vorlage von den Polen und dem Centrum bekämpft werde, wundere den Redner nicht, die Stellung der freisinnigen Partei stimme aber nicht überein mit ihren Erklärungen bei Berathung des Antrages Achenbach. Damals habe der Abg. Rickert ge⸗ sagt, auf dem Gebiete der Schule müßte etwas geschehen, und er würde jeder solchen Vorlage zustimmen. Gestern aber habe der Abg. Hänel erklärt, diese Vorlage sei durch⸗ aus schlecht. Das sei stets dasselbe Spiel. Die Frei⸗ sinnigen suchten stets den Glauben zu erwecken, daß sie an den positiven Maßnahmen mitwirken wollten, und nachher, wenn dieselben aus dem Rahmen der theoretischen Erörterung herausträten zur praktischen Durchführung, so ge⸗ fielen ihnen die Mittel nicht. Dahinter verschanzten sich die⸗ selben stets. Seine (Redners) Partei habe ja auch im Ein⸗ zelnen Bedenken gegen die Vorlage, diese werde man in der Kommission zu beseitigen bemüht sein; und man glaube, daß man die Kommission nicht verlassen werde, ohne daß Etwas zu Stande gekommen sei. Der Abg. Hänel habe gestern gesagt, man solle den Polen den Nachweis führen, daß ihnen eine Trennung von Preußen nur zum Schaden gereichen würde Kenne denn der Abg. Hänel die Geschichte nicht? Seit 1815 habe man die Polen auf dem Fuße der Gleichberechtigung be⸗ handelt, die Antwort darauf seien die Revolutionen von 1846, 48 und 63 gewesen. Große Völkerfragen löse man nicht mit unschäd⸗ lichen Hausmittelchen. Es habe durch die gestrige Rede des Abg. Hänel wieder das alte Rezept hindurchgeschimmert, mit dem die Freisinnigen die Einigung Deutschlands zu Stande bringen wollten. Der ganze Völkerzug gehe allerdings von Osten nach Westen. Wie komme aber der Abg. Hänel dazu, zu behaupten, daß dies nur auf Kosten der Deutschen stattgefunden habe? Polnische Arbeiter gebe es jebt in der ganzen Welt; in Berlin und an anderen Orten habe man polnische Kolonien. Die Polen nähmen eher einen stärkeren Abzug nach dem Westen, als die Deutschen. Der Abg. Hänel habe wahrscheinlich dem Buche des Hrn. von Randow seine Angaben entnommen; für das Vordringen des Polonismus müßten aber doch noch andere Gründe vorhanden sein. Von der polnisch⸗nationalen Partei werde eben eine ganz geschlossene, energische, systema⸗ tisch organisirte Agitation gegen das Deutschthum getrieben; die Frucht sei die Vermehrung des Polonismus. Der Abg. Hänel verlange, man solle in diese Provinzen ultur hineinbringen; das sei eben außerordentlich schwer. Der Abg. Hänel meine ferner, die Auswande⸗ rung läge an den kommunalen Verhältnissen. Es gehöre wirklich die ideale vgbe eines deutschen Professors dazu, um anzunehmen, daß ein Mann seine Scholle verlassen werde, weil ihn die kommunalen Verhältnisse nicht befriedigten. Der Grund der Auswanderung, die sich auch auf gut situirte
Provinzen, auf Schleswig⸗Holstein, Hannover erstrecke, sei einfach der, daß es der Landwirthschaft so miserabel gehe, daß die Leute nicht mehr prosperirten und lieber das bischen Habe versilberten und über den Ozean gingen. Das Gesetz sei aller⸗
dings eines der einschneidendsten, sein mirklicher Zweck sei aber
von dem Vorredner noch nicht genügend klargestellt worden. Es solle durch dasselbe der Regierung das Anstellungsrecht in Bezug auf die Lehrer gegeben werden, um einerseits tüchtige Kräfte, die voraussichtlich die Aufgaben des Schulwesens gehörig fördern wür⸗ den, in Stellen zu bringen, und andererseits der Regierung die Mög⸗ lichkeit zu geben, auch diejenigen Elemente des Lehrerstandes, welche sich in ihrem Amt nicht bewährten, ihren Aufgaben nicht gewachsen seien, aus ihren Stellen herauszubringen.
Allerdings würden durch dieses Gesetz Jahrhunderte alte Rechte
entzogen; ohne einen solchen Schritt gehe es aber nicht, und
namentlich die Besitzer, die auf Seiten des Staates in dieser
Frage ständen, würden diese Opfer im Interesse der guten
Sache bringen. Dieses Opfer sei für die Grundbesitzer min⸗
destens ebenso groß, wie für die Städte, die jetzt das Schul⸗
patronat hätten. Das Patronatsrecht auf dem Gebiete der
Schule und Kirche sei noch das einzige, das die Gutsbesitzer
von allen ihren früheren Rechten behalten hätten. Auch dieses
solle ihnen jetzt genommen werden, und sie würden das Opfer bringen, wenn es ihnen auch schwer werde. Die ganze Schul⸗ frage könne nicht in wünschenswerther Weise gelöst werden, wenn nicht der Staat erhebliche Mittel dazu hergebe. Der
Staat müßte viele neue Schulen errichten und den
Lehrern höhere Dotirung verschaffen. Die 88e
elbst seien dazu völlig außer Stande. In den fün egierungsbezirken, um die es sich hier handele,
gebe es 5081 Schulen. Was die Vertheilung der evangelischen und katholischen Lehrer an diesen Schulen betreffe, so sei das
Verhältniß derselben wie 1:2, das heiße: 2000 evangelische
und 4000 katholische Lehrer. Die Anzahl der Kinder betrage
50 000 evangelische und 400 000 katholische. Die Frequenz
und steige sogar auf mehr als 200 Kinder. Wenn man solche Zustände sehe und ferner bedenke, daß ein Lehrer in zwei Sprachen unterrichten solle, so werde man zugeben, daß, wenn hier nicht mit großen Mitteln eingegriffen werde, nichts erreicht werden werde. Das Schulaufsichtswesen sei thatsächlich gegen⸗ über den dortigen Verhältnissen einflußlos. Es seien ganz be⸗ stimmte Anweisungen an die Lehrer und Gemeindemitglieder von polnischer Seite ertheilt worden, wie sie sich den deutschen Lehrern gegenüber verhalten sollten. Es werde durch eine ganz bestimmte und bewußte Agitation angestrebt, daß den Kindern die deutsche Sprachfertigkeit nur mechanisch bei⸗ gebracht werden solle. Es sei das aktenmäßig nachgewiesen! Die Lehrer seien angewiesen worden, dafür zu sorgen, daß die Kinder in den Geist der Sprache nicht eindrängen. Daß die Verhältnisse in der That so lägen, sei dem Redner von Leuten, die mit den Verhältnissen ganz genau bekannt seien, versichert worden. Es habe ihm nämlich ein Revisor, der in die Schule eingetreten sei und die Kinder in deutschem Unterricht habe examiniren lassen, folgendes erzählt: Er habe einen Lehrer im Deutschen examiniren lassen; es sei gerade Anschauungs⸗ unterricht gewesen, und er habe dem Lehrer gesagt, derselbe solle die Kinder fragen, was die Gegenstände auf dem Anschauungs⸗ bilde seien. Darauf habe ein Kind gesagt: Das erste sei ein Pferd, das zweite ein Haus, das dritte zwei Schweine. Das sei vollkommen richtig gewesen. Nun gut, habe der Revisor gesagt, jetzt werde er mal den Stock in die Hand nehmen, und er habe nun in anderer Reihenfolge gefragt. Kein Kind habe ihm antworten können. (Zuruf von den Polen: Falsche Methode!) Ja, Methode sei darin von polnischer Seite! Es sei hohe Zeit, hierin Wandel zu schaffen, damit die deutsche Sprache in ihr Recht eingesetzt werde. Seit dem Jahre 1882 habe sich in diesen Provinzen eine weitere Vermehrung der der deutschen Schulbildung gänzlich entbehrenden Polen gezeigt. Redner mache dem Lehrerstand durchaus keinen Vorwurf, die Lehrer seien nur ein Werkzeug der national⸗polnischen Agitation. Das vorliegende Gesetz solle den Lehrerstand aus einer der⸗ artigen Lage herausbringen, die Lehrer sollten sichergestellt werden gegen solche polnischen Einflüsse. Man wolle den Kin⸗ dern durchaus nicht ihre Muttersprache rauben. Die Mutter⸗ sprache, die in dem Elternhause gesprochen werde, sei ein heiliges Vermächtniß, an dem man nicht rütteln wolle. Man wolle nur, was das Hauptziel der Schulverwaltung von jeher gewesen sei, und was Minister von Ladenberg in den Erläuterungen zur revidirten Verfassung vom 5. Dezember 1848 so prägnant ausgedrückt habe: „Als oberster Grundsatz muß das Recht des Staates gelten, von jedem seiner Glieder die geistige und sittliche Bildung zu fordern, die durch die Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte bedingt wird.“ Das verlange man von allen preußischen Unterthanen, und von den Polen um so mehr, als diese aus erklärlichen Grüünden dem Eindringen der deutschen Sprache widerstrebten. Die Polen brächten nur polnische Blätter in die Massen. Die polnischen Blätter, Versammlungen und Vereine lehrten Alles, was die deutsche Regierung und das deutsche Volk thue, verunstaltet, durch die polnische Brille betrachtet, als ob die Polen es wirklich mit Tyrannen und Barbaren zu thun hätten. Die Massen sollten die richtige Anschauung gewinnen, — dann sei es mit der Macht der Führer zu Ende; denn der polnische Bauer sei erkenntlich für die Wohlthaten der Regierung. Der Abg. von Schorlemer habe neulich gefragt, was die polnischen Landestheile der preußischen Regierung zu verdanken hätten. Nun, Alles! Wie habe es zur Zeit der Einverleibung in Westpreußen ausgesehen? Verwüstete Städte und Dörfer, versumpfte Aecker, verwilderte Wälder, keine Verbindungen, keine Schulen, überall die sprichwörtliche polnische Wirthschaft! Was daraus heute geworden sei, verdanke man der Weisheit der preußischen Könige, der deutschen Arbeit. Man habe den Polen die Städte aufgebaut, ihnen zur Kultur verholfen, — und mit den Waffen, die der Deutsche ihnen geschmiedet, wollten sie die Deutschen bekämpfen. Die polnischen jungen Leute gingen auf deutsche Hochschulen, um nachher als polnische Aerzte, Apotheker, Landwirthe ꝛc. gegen Deutschland zu agitiren. Und nach Allem, was der Deutsche gethan, solle er auf die Seg⸗ nungen seiner Arbeit verzichten? Diese Vorlage solle zum Herzen des polnischen Volkes sprechen! Den §§. 112 und 124 der Verfassung widerspreche das vorliegende provisorische Nothgesetz nicht. Eine andere Frage sei die der etwaigen Ein⸗ schränkung des Wirkungsgebiets dieses Gesetzes. Unter allen Umständen sei es nicht wohlgethan, in die großen Schul⸗ organisationen der Stadtkreise einzugreifen. Ueber eine Modifikation nach der Richtung der Gemeinden hin werde die Kommission Erwägungen anzustellen haben. Im Uebrigen sei man bereit, in weitere Erwägungen einzutreten, ob man, sei es mit Rücksicht auf andere Städte resp. Kreise, etwas nachlassen könne. Ein gewisser Spielraum müsse der Regierung bleiben. Einer Beschränkung des Gesetzes blos cuf polnische Kreise könne man nicht zustimmen. Der §. 3 des Gesetzes und seine Ausführung sei mit dem bestehenden Rechtszustand viel⸗ leicht schwer vereinbar — aber auch darüber behalte man sich nähere Aussprache in der Kommission vor. Auch die Frei⸗ konservativen hätten also die Bedenken gegen das Gesetz ein⸗ gehend geprüft, aber trotzdem träten sie mit dem vollen Be⸗ wußtsein in die Kommission und vor das Plenum, etwas zu Stande bringen zu wollen, das den Erfolg für sich habe. Der Abg. von Schorlemer sehe in der Vorlage eine Gefahr für Monarchie und Dynastie: dieses Gesetz bedeute vielmehr die Stärkung beider! Man werde damit die jetzt widerstrebenden polnischen Unterthanen zu guten Preußen machen. Es werde daraus eine gute Frucht zum Segen für die polnische Bevölkerung und zum Heil für Staat und Reich hervorgehen!
Abg. Dr. Virchow bemerkte, seine Partei sei weit entfernt davon, in diesen Dingen blos Worte zu machen und ein Spiel zu treiben. Der Minister⸗Präsident und die Regierung ver⸗ dankten nur der Fortschrittspartei die Einführung des Schul⸗ kußfsichtsgesetes Hätte die Regierung ernsthaft und konsequent diesen Weg weiter betreten, so würde sie jetzt weiter sein. Auch er verlange, daß jedes polnische Kind die Schule verlasse
der Schulen auf dem platten Lande sei durchschnittlich für eine Lehrkraft 77 Kinder, an einzelnen Theilen ehr als 80,
mit Kenntniß der deutschen Sprache; er verlange dies aber
ohne Te d er Gern anisirung, sonder im wirthschaftlichen
Interesse der Leute selbst. Eine gewaltsame Germanisirung halte er für verderblich. Liege denn eine so dringliche, große europäische Gefahr vor, um mit einem Male zu einem so kolosfalen gewaltsamen Mittel zu greifen? Sei es nicht besser, die Germanisirung dem allmächtigen Gestaltungs⸗ prozeß zu überlassen, wie in der Mark und im Herzog⸗ thum Pommern, das ohne jeden Druck, mit Hülfe einer deutschen Einwanderung von Westen nach Östen, in zwei Jahrhunderten deutsch geworden sei? Seien nicht auch die Kaässuben in kurzer Zeit deutsch geworden? Wie wolle man mit einem Male eine Bevölkerung, welche in einer ganz bestimmten Weise national entwickelt sei, in ihr Gegen⸗ theil verwandeln? Der Gedanke des Minister⸗Präsidenten, die Polen mechanisch zu verdrängen durch Ausweisungen, Expropriationen, sei ja eines großen Staatsmannes, vielleicht nicht dieser Zeit, würdig. Aber alles Andere sollte doch zuge⸗ schnitten werden auf die langsame Entwickelung, auf eine ganz natürliche Kulturentwickelung. Er begreife nicht, wie die Regierung in ihrer Antipathie gegen einzelne Bezirke auch ihre Freunde züchtigen wolle, auch diejenigen Schulen unter das Gesetz werfe, welche bisher die deutsche Kulturarbeit in diesen Gegenden allein besorgt hätten. Städte wie Danzig Thorn und Elbing seien seit dem Deutschen Orden die Mittel⸗ punkte der nationalen Entwickelung gewesen. Es scheine, als ob die Regierung die Gelegenheit benutzen wollte, um einmal einen recht großen Rückschritt auf dem Gebiete der Schulgesetzgebung zu beginnen. Er frage nochmals: Dränge eine ungeheuerliche europäische Gefahr, hätten die Polen vor, nächstens das groß⸗ polnische Reich zu proklamiren? Er unterschätze die polnische Agitation keineswegs. Die Hartnäckigkeit, mit welcher die Polen hier nicht blos an ihrer Sprache, sondern auch an ihren Plänen für die Zukunft festhielten, mache den Eindruck, daß derartige Meinungen in den Herzen der Polen nicht erloschen seien. Es gebe aber auch wenig Nationen, die so schwer, nicht blos vom Schicksal, sondern auch von den Staatsmännern getroffen worden seien, und er beklage es tief, daß der Minister⸗ Präsident neulich so sehr nicht blos die ganze polnische Bewegung lächerlich zu machen, sondern auch der deutschen Nation einen schweren Vorwurf anzuhängen gesucht habe. Die Freiheit sei ja heut zu Tage kein Gegenstand des Strebens mehr. Er begreife ja auch, daß es den Herren von der „nationalen“ Seite schwer werde, für solche Leute sich zu begeistern. Damals sei man aber so naiv gewesen, und er werfe keinen Stein auf diese Naivetät, er erinnere sich mit Rührung der Bewegung, welche durch die Gemüther gegangen seis und er behaupte, ohne diese Bewegung würde man viel⸗ eicht nicht hier sitzen, die Verfassung nicht haben und andere Dinge vielleicht nicht zu Stande gebracht haben. Das Alles sei die einfache historische Konsequenz der Bewegung (Zuruf von rechts: „Von 1848!°) — ja wohl, von 1848, das sei ein sehr großes Jahr gewesen, was die Rechte wahrscheinlich heute noch nicht begreife. Sie vermöge eben vor lauter Partei⸗ fanatismus gar nicht, sich in einfache historische Vorgänge hineinzudenken und zu begreifen, wie es zugegangen sei, daß Preußen zu einer Verfassung gekommen sei. Polen habe sich damals erhoben wegen der unerhörtesten Mißhandlungen, welche es durch die russische Regierung erfahren habe. Redner habe in den Verhandlungen von 1863, derentwegen der Minister⸗Präsident seine Partei neulich so heftig angegriffen habe, gesagt: wenn die Regierung Einfluß auf das russische Kabinet und den Kaiser habe, dann solle sie doch darauf hinwirken, daß er auf jener Seite auch Institutionen gebe, wie sie die Polen in Preußen hätten, dann würden die Gründe für die Revolution wegfallen und auch keine Kartellkonvention nöthig sein. Die Gefahr, welche sich nach seiner (Redners) Vorstellung in der europäischen Entwickelung zeige, liege nicht in einer nationalen polnischen Bewegung, sondern im Panslavismus, der bekannt⸗ lich gerade das Gegentheil von Polonismus sei. Wer diese Gefahr nicht sehen wolle, müsse allerdings an einer starken Verdunkelung der Hornhaut leiden. Er habe sogar seine Hand schon an die HOberschlesier und Lausitzer gelegt, sie seien ausdrücklich offiziell in die Bewe⸗ gung mit aufgenommen. In immer breiterer Weise mache sich der Panflavismus in Oesterreich geltend, und überall suche er unsere deutschen Landsleute in Rußland und Oesterreich nicht nur zu drücken, sondern auch zu unterdrücken. Das Centrum der Bewegung sei ohne Zweifel in St. Peters⸗ burg (Zuruf: „Moskau!“) nun, oder in Moskau. Hin und wieder komme eine Reprimande, etwas stiller zu 38 aber noch nie sei eine definitive Unterdrückung der panslavi⸗ stischen Agitation oder eine Beseitigung der leitenden Persön⸗ lichkeiten erfolgt. Da liege die Gefahr für das Deutschthum, und Redner möchte dem Minister⸗Präsidenten gegenüber be⸗ merken, daß dies der Grund sei, warum die liberale Partei seit lange mit Mißtrauen auf die russische Regierung sehe. Er wolle dabei hervorheben, er gehe nicht so weit, etwa das ganze russische Volk zum Gegenstand seines Gö“ oder Angriffes zu machen, sondern er wisse, daß da vor⸗ zügliche Elemente und große Parteien existirten, mit denen man in jeder guten Kulturbewegung zusammen arbeiten könne. Aber der russischen Regierung müsse er den Vorwurf machen, daß sie die Unruhe in Europa erhalte. Da liege auch der Grund, welcher das Haus 1863 erregt habe, als die Bewegung jenseits der Grenze begonnen habe. Er müsse sich aufs Entschiedenste dagegen verwahren, als ob, was man damals gethan, von irgend einem Gefühl des Hasses oder Neides gegen den damals leitenden Staatsmann bestimmt worden wäre. Man habe sich nur bemüht, auf ihn einzu⸗ wirken. Damals habe eine Reihe von zusammenhängenden Beschwerden vorgelegen, welche die Haltung der preußi⸗ schen Regierung gegenüber Rußland seit 1817 be⸗ trafen und die berühmte Kartellkonvention. Der Minister⸗Präsident habe damals auseinandergesetzt, daß er ein Jahr vorher mit dem Kaiser von Rußland, entgegen dem damaligen allmächtigen Kanzler Gortschakoff, zu einem Ein⸗ verständniß gekommen sei, das in einer bestimmten Konven⸗ tion Ausdruck gefunden habe. Redner wisse ja, daß die ganze Politik des Minister⸗Präsidenten auf diesem russischen Einver⸗ nehmen beruhe, und er wolle darüber hier keine Kritik eintre⸗
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ten lassen. Daß das Haus von dem geschlossenen Schut⸗
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