1886 / 228 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 28 Sep 1886 18:00:01 GMT) scan diff

8 8 Lee 13“*“ 88

ö““

Cession, Delegation u. s. w. voraussetzt, haben die e papiere, in welchen der Aussteller nicht einem bestimmten Gläubiger, sondern jedem Inhaber oder Vorzeiger desselben eine Leistung verspricht, wie in Rechtslehre und Judikatur an⸗ erkannt wird, den juristischen Charakter, daß das Papier die Obligation gleichsam verkörpert enthält, daher die Gläubiger⸗

schaft an dessen Besitz sich knüpft und mit der Tradition

derselben übergeht. Aus diesem Wesen des Inhaberpapiers folgt aber, daß dasselbe nicht schon dadurch, daß es von dem Aussteller aus irgend einem. rechtlichen Grunde zurückerworben wird, seine Kraft, den Besitzer zum Gläubiger zu machen, verliert. Allerdings muß so lange, als das Papier in den Händen des Ausstellers sich befindet, weil nun kein Gläubiger vorhanden ist, das Obligationsverhältniß ruhen; wenn dann aber der Aussteller, dessen Verpflichtungs⸗ wille sortdauert, das Papier wieder weiter begiebt, so setzt

sich mit letzterem das dadurch begründete ursprüngliche Schuld⸗ verhältniß des Ausstellers fort, wie wenn die Zwischenperiode niemals eingetreten wäre. Dieser letztere Fall liegt nun nach dem, was thatsächlich feststeht, hier vor. Wie das Ober⸗Landes⸗ gericht hervorhebt, sind die fraglichen Schuldverschreibungen von der Klägerin in der Absicht eingelöst, daß die⸗ selben im Handelsverkehr, in welchen sie durch die

ursprüngliche Ausgabe eingeführt waren, verbleiben 8bu und dasselbe stellt ferner fest, daß der Wille der Klägerin, aus den Schuldverschreibungen verpflichtet zu sein, niemals aufgehört hat. Hiernach konnte jene Einlösung nur die Wirkung haben, daß die Inhaber als Gläubiger aus dem Obligationsverhältnisse ausschieden, während die Schuldver⸗ schreibungen selbst ihre Kraft behielten. Wenn daher auf der festgestellten thatsächlichen Grundlage das Ober⸗Landesgericht angenommen hat, daß durch die Weiterbegebung der ein⸗ gelösten Verschreibungen ein neues Schuldverhältniß nicht entstanden sei und deshalb eine Emission derselben im Sinne

der Nr. 3 des mehrgenannten Tarifs nicht vorliege, so ist da⸗ mit rechtlich nicht verstoßen worden.“

Der Kaiserliche Botschafter am Königlich großbritan⸗ nischen Hofe, Graf von Hatzfeldt⸗Wildenburg, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit von London fungirt der Botschafts⸗ Rath Frhr. von Plessen als interimistischer Geschäftsträger.

Der Großherzoglich hessische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Wirkliche Geheime Rath Dr. Neidhardt, ist vom Urlaube nach Berlin zurückgekehrt und hat die Ge⸗ schäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der General⸗Lieutenant von Lewinski, Inspecteur der 2. Feld⸗Artillerie⸗Inspektion, ist vom Urlaub zurückgekehrt.

Sämmtliche Militär⸗Aerzte, welche zu der hier stattgehabten Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte eingetroffen waren, haben Berlin wieder verlassen.

Zu einem 10tägigen Informations⸗Kursus bei der Militär⸗Schießschule ist eine größere Anzahl Stabs⸗ offiziere gestern hier eingetroffen, ebenso Stabsärzte der Armee und Marine zu einem hier stattfindenden 20tägigen

militär⸗ärztlichen Fortbildungs⸗Kursus.

Als Aerzte haben sich niedergelassen die Herren: Dr. Groß in Strausberg, Dr. Krecker in Ohlau, Dr. Hirsch in Henete Dr. Schulte am Esch in Herne, Dr. Wiefel in Wengern, Bootz in Bahnhof Welwer, Dr. Riedel in Bitterfeld.

S. M. Kreuzer⸗Fregatte „Gneisenau“, Kom⸗ mandant Kapitän zur See Valois, ist am 27. September cr. in Kiel eingetroffen.

Kiel, 27. September. (W. T. B.) Se. Königliche

Hoheit der Prinz Heinrich hat Sich nach Baden⸗Baden

begeben.

Bayern. Nürnberg, 27. September. Die Münchener „Allgemeine Ztg.“ meldet: Heute Vormittag 11 Uhr 20 Mi⸗ nuten erfolgte die Ankunft Sr. Königlichen Hoheit des Prinz⸗

Regenten mit seinem Gefolge. Auf dem Bahnhofe war der Magistrat und das Gemeinde⸗Kollegium zum Empfange ver⸗ elt, ferner die Vertreter der Staatsbehör den, die Gene⸗ ität, Vertreter der Universität Erlangen u. A. m. Nach einer begrüßenden Ansprache des Ersten Bürgermeisters Freiherrn von Stromer, und nachdem der Prinz⸗Regent die Front der aufgestellten Ehren⸗Compagnie abgeschritten, wurden die Wagen bestiegen, und unter dem Geläute sämmtlicher Glocken und dem Donner der Geschütze erfolgte der Einzug in die Stadt und die Fahrt nach der Burg. Die Straßen, durch welche der Zug ging, waren überfüllt mit Menschen; aus der Um⸗ gegend waren Tausende und Tausende hierher geströmt, um dem Einzug beizuwohnen. Vor und hinter dem Wagen des Prinz⸗Regenten ritt je eine halbe Schwadron des hier liegenden Chevauxlegers⸗Regiments; die Generalität mit ihren Adju⸗ tanten begleitete den Wagen. Auf dem Wege bis zur Burg bildeten Vereine, Innungen und Schulkinder, letztere gegen 4000 an der Zahl, Spalier. Die Straßen, besonders auch der Bahnhof und das Stadtthor, waren auf das prächtigste geschmückt. Die kolossale Volks⸗ menge jubelte aus voller Brust mit ununterbrochenen Hochrufen dem Prinz⸗Regenten auf dem ganzen Wege zu. Die hiesigen Blätter bringen schwungvolle, warmempfundene Begrüßungs⸗ artikel. Das Wetter war günstig. 28. September. shn T. B.) Der Prinz⸗Regent besuchte im Laufe des gestrigen Tages verschiedene Anstalten und Kirchen. Im Germanischen Museum, wo Se. Königliche Hoheit von dem Direktor Essenwein und dem gesammten Ver⸗ waltungsausschuß empfangen wurde, übernahm der Prinz⸗Regent auf die an ihn gerichtete Bitte das Protektorat der Anstalt. Um 2 Uhr fand auf der Burg ein Festmahl statt, zu welchem an sämmtliche hervorragende Persönlichkeiten Nürnbergs Ein⸗ ladungen ergangen waren. Dem Abends im Rathhaussaale von der Stadt veranstalteten Festconcert wohnten gegen 700. geladene Gäste bei. Später brachten die hiesigen Gesangvereine dem Prinz⸗Regenten auf der Burg eine Serenade, an die sich

eein großer Zapfenstreich schloß. Die ganze Stadt war pracht⸗

voll erleuchtet. Den Armen der Stadt überwies der Prinz⸗ Regent 4000

Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 27. September. (Th. C.) Der Landtag wird seine Thätigkeit im Laufe des

nächsten Monats wieder aufnehmen und in einigen Wochen zu

Ende führen. Später tritt die Landessynode zu einer Sitzung zusammen.

————

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 26. September. Die „Wiener Abendpost“ meldet: Das Herrenhaus des Reichsraths tritt am Sonnabend, den 2. Oktober, um 11 Uhr Vormittags zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung befinden sich folgende Gegenstände: Mittheilung des Einlaufs; erste Lesung des Gesetzentwurfs, womit die Einverleibung von Realitäten in das bestehende Johann Baptist Graf Pergen’'sche Realfideikommiß Aspang in Nieder⸗Oesterreich bewilligt wird; Wahl von 9 Mitgliedern in die Kommission zur Vorberathung der Gesetzesvorlage, be⸗ treffend die Unfallversicherung der Arbeiter; Wahl eines Mit⸗ gliedes in. die Staatsschulden⸗Kontrol⸗Kommission.

Schweiz. Genf, 27. September. (W. T. B.) Der Antrag der konservatiso⸗klerikalen Partei, sämmt⸗ liche Volksabstimmungen und Wahlen in den Ge⸗ meinden, anstatt in einheitlichen größeren Versammlungen, vornehmen zu lassen, ist bei der gestrigen Volksabstimmung mit geringer Majorität angenommen worden.

Großbritannien und Irland. London, 27. Sep⸗ tember. (W. T. B.) Die erste Sitzung der Kommission zur Untersuchung des Umlaufs von Gold und Silber soll am 12. Oktober stattfinden.

28. September. (W. T. B.) Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Sydney, von heute: den jüngsten Nachrichten aus Noumea zufolge habe der französische Aviso⸗Dampfer „Du⸗ chaffaut“ die Nachricht überbracht, daß die Franzosen in Sila, auf der zu den Neuen Hebriden gehörigen Sand⸗ wich-Insel, einen drittenmilitärischen Posten errichtet hätten und augenscheinlich eine Niederlassung zu gründen be⸗ absichtigten.

(A. C.) Aus Birma Bureau“ folgendes Telegramm:

Rangun, 24. September. Sir Charles Bernard wird sich am 27. d. von hier nach Mandalay begeben. Die mit dem Bau der Eisenbahn zwischen Mandalay und Tunghu betrauten Ingenieure sind angewiesen worden, sich zum Aufbruch nach Ober⸗ Birma am 10. Oktober bereit zu halten, woraus man auf einen baldigen Beginn der Arbeiten schließt.

Kalkutta, 24. September. (R. B.) Das 7. benga⸗ lische Kavallerie⸗Regiment segelte gestern von hier nach Birma ab.

Wellington (Neuseeland), 24. September. (R. B.) Der Gouverneur von Neuseeland, General⸗Lieutenant Sir W. Jervois, hat dem Prinzen von Wales auf tele⸗ graphischem Wege für den Vorschlag gedankt, anläßlich des bevorstehenden Regierungs⸗Jubiläums der Königin ein permanentes Reichs⸗, Kolonial⸗ und Indisches Museum in London zu gründen. Auch hat der Gouverneur sich mit den übrigen Kolonien in Verbindung gesetzt, um ein Einvernehmen in dieser Angelegenheit zu erzielen.

Frankreich. Paris, 25. September. (Köln. Ztg.) Die Beschlüsse des gestrigen Budget⸗Ausschusses stoßen das ganze System des Finanz⸗Ministers um. Der Ausschuß beschloß einstimmig (von 33 Mitgliedern waren freilich nur 11 an⸗ wesend): 1) die Umwandlung der Obligationen von kurzer Ver⸗ fallzeit, 466 Millionen, zu verwerfen; 2) den Schuldentilgungs⸗ betrag von 100 Millionen aufrecht zu erhalten; 3) das außerordentliche Budget der öffentlichen Bauten (69 Millionen) aufrecht zu erhalten; 4) die außerordentlichen Ausgaben des Kriegs⸗Ministeriums 405 Millionen) auf das außerordentliche Budget einzuschreiben. In dem heutigen Ministerrath kam es zu einer längeren Erörterung über diese Beschlüsse des Budgetausschusses und man beschloß, für das Budget des Finanz⸗Ministers Sadi Carnot einzutreten und die Kammer über die Sache entscheiden zu lassen.

25. September. (Fr. C.) Dem heute früh im Auswärtigen Amt abgehaltenen Kabinetsrath wohnten sämmtliche Minister, mit Ausnahme des Handels⸗Ministers Lockroy, der eine fünftägige Urlaubsreise angetreten hat, bei. Gegenstand der Berathung war fast ausschließlich die Finanzlage, insbesondere das Budget für 1887. Der Finanz-⸗Minister theilte die Beschlüsse des Budget⸗ Ausschusses mit und erklärte: er werde voraussichtlich noch einmal mit dem Ausschusse verhandeln müssen, da derselbe seine Gegenvorschläge zur Ausgleichung des Budgets noch nicht im Einzelnen aufgestellt habe; es sei immerhin möglich, daß der Ausschuß, nachdem er sich überzeugt haben werde, daß es keinen besseren Weg zur Ordnung des Staats⸗ haushalts gäbe, als den vom Minister befürworteten, doch schließ⸗ ich denselben gutheiße. Jedenfalls will Sadi⸗Carnot seinen Budgetplan gegen den Ausschuß vor der Kammer vertheidigen und erst dann zurücktreten, wenn diese (was nach den Stimmen der Ptosse längst außer Zweifel steht) die Meinung ihres Ausschusses theilt. Der Beginn der Herbstsession ist, vorbehaltlich der Zustimmung der beiden Kammervorsitzenden, auf den 14. Oktober angesetzt, und der Minister wird der Kammer so bald als möglich Gelegenheit geben, zwischen seiner Finanz⸗ politik und der des Kammer⸗Ausschusses zu wählen. Der Admiral Aube wird am nächsten Dienstag dem Stapel⸗ lauf des Panzerschiffs „Hoche“ in Lorient beiwohnen.

26. September. (Köln. Ztg.) Der Budget⸗ ausschuß begiebt sich morgen unter Führung des Kriegs⸗ Ministers Boulanger nach dem Aisne⸗Departement, um den Versuchen mit dem neu entdeckten Wurfgeschoß an⸗ zuwohnen. Wie verlautet, hat der Kriegs⸗Minister be⸗ schlossen, den Luftschiffahrtsdienst von der technischen Abtheilung des Genies und der Militärtelegraphie zu trennen. Acht Luftschiffahrtsparks sollen in Toul, Verdun, Epinal, Belfort, Montpellier, Arras, Grenoble und Ver⸗ sailles errichtet und jedem Armee⸗Corps eine voll⸗ ständige Luftschiffahrtsausrüstung zugetheilt werden. Bou⸗ langer beabsichtigt, für diesen neuen Dienst, an dessen Spitze General Boudet gestellt werden soll, von der Kammer drei Millionen zu fordern. Gestern wurde in Luc⸗en⸗Diois der Behte der Arbeiten für die Durchstechung des Col de Cabre, der Grenze der Departements Drôme und Ober⸗ alpen, festlich begangen. Dieser neue Alpen⸗Tunnel, dessen Länge auf 3800 m berechnet ist, hat insofern eine hervor⸗ ragend strategische Bedeutung, als er Mittelfrankreich über Gap und Briancçon mit der italienischen Grenze verbindet.

27. September. (W. T. B.) Der Conseils⸗Prä⸗ G de Freyeceinet ist heute Abend nach Toulouse ab⸗ gereist.

Der Wiederzusammentritt der Kammern ist definitiv auf den 14. Oktober festgesetzt.

Verschiedene Abendblätter melden: im Ministerium des Innern sei eine Depesche eingegangen, welche das Er⸗ scheinen karlistischer Banden an der spanisch⸗französi⸗ schen Grenze melde.

erhielt das „Reuter'sche

Spanien. Madrid, 27. September. (W. T. B) Wie das „Diario de Barcelona“ meldet, hätte eine Truppen. abtheilung bei Espinavell einen Haufen von 38 Re⸗ publikanern angegriffen und über die französische Grenze getrieben. Die Soldaten hätten hierbei 2 Todte gehabt. In Coruna sollen wegen des Verdachts der Theil⸗ nahme an einer Verschwörung 4 Unteroffiziere verhaftet worden sein.

Türkei. Konstantinopel, 27. September. (W. T. 8) Der französische Botschafter, Graf von Montebbello vollzog heute, umgeben von dem Botschaftspersonal und den Offizieren und Mannschaften des hier stationirten französischen Kriegsschiffs, die Einweihung der katholischen Kirche auf der Insel Prinkipo. Der apostolische Delegirte Rotelli welcher die kirchliche Feier vollzog, wies in seiner Rede auf die Verdienste hin, welche sich Frankreich im Orient um die Civilisation und vorzüglich um die römische Kirche erworben habe, und gedachte mit lebhafter Anerkennung der toleranten Gesinnungen des Sultans.

Bulgarien. Sofia, 27. September. (W. T. B. Rußland hat nunmehr in Betreff seiner mehrfach erwähnten Forderungen durch seinen Agenten Kaulbars eine Er⸗ klärung überreichen lassen, welcher zufolge Rußland die ohne eine längere Wahlperiode Ein⸗ berufung der großen Sobranje als illegal ansieht und alle von derselben gefaßten Beschlüsse als nicht ge⸗ schehen betrachten würde. Kaulbars hat der Regierung angerathen, die Vornahme der Wahlen möglichst zu ver⸗ schieben, damit dem Lande möglich sei, aus dem gegenwär⸗ tigen Zustande der Unruhen herauszukommen und eine Wahlperiode von ausreichender Dauer festzusetzen, weil ohne eine solche das Land sich nicht frei aussprechen könne. Ferner ertheilte Kaulbars der Regierung den Rath, den Belagerungs zustand sofort aufzuheben und die ver⸗ hafteten politischen Gefangenen in Freiheit zu setzen. Ein Antwortschreiben der hiesigen Regierung wird erst nach weiteren Berathungen erfolgen. Das von Kaulbarz dem Minister Natschewitsch überreichte Beglaubigungsschreiben ist vom Minister von Giers unterzeichnet. Die türkischen Kommissare Madjid Pascha und Abro Effendi sind abgereist.

Asien. Japan. Yokohama, 22. September. (R. B.) Die Unterhandlungen zur Revision des britisch⸗ japanischen Handelsvertrages werden fortgesetzt. Bis jetzt sind dieselben aber nicht so weit gediehen, daß eine baldige Unterzeichnung des Vertrages in Aussicht steht.

Afrika. Egypten. Kairo, 27. September. (W. T. B) Ein russischer Unterthan, Namens Lavison, Agent des ehemaligen Khedive Ismail, bemächtigte sich gestern mit Hülfe bewaffneter Albanesen des Palais Ismailia hier⸗ selbst, in welchem gegenwärtig Mukhtar Pascha wohnt. Dieses Gebäude gehört zu den von dem Khedive Ismail für sich reklamirten. Auf Intervention des russischen Konsuls zog Lavison die Albanesen zurück. Der Beweggrund Lavison'’s soll gewesen sein, die Gerichte zur Kenntniß von der Reklama⸗ tion Ismail's zu zwingen. In Folge dieses Zwischenfalls hat Drummond Wolff seine Rückkehr beschleunigt und wird bereits morgen hier wieder eintreffen.

Zeitungsstimmen.

Der „Reichsbote“ schreibt: 8 Das englische Handelsamt veröffentlichte soeben seinen Bericht über das englische Eisenbahnwesen für das Jahr 1885, dem wir einige der interessantesten Angaben entnehmen. Danach ergiebt sich, daß, obgleich der Eisenbahnbau im Vereinigten Königreich im Wesent⸗ lichen vollendet ist, doch während der letzten sechs Jahre das in den Bahnen angelegte Kapital eine Vermehrung von ca. 1800 Mill. Mark erfahren und daß auch das Erträgniß sür dieses Anlagekapital keine oder doch keine nennenswerthe Verminderung ergeben hat. Es haben nämlich betragen durchschnittlich: das Kapital das Reinerträgniß 728 316 000 £ 4,17 % 745 527 000 4,46 767 899 000 L“ 784 921 000 4,41 801 464 000 4172, 6666“ 4,13 1 Die Vermehrung des Kapitals zeigt eine derartige Stetigkeit, daß vorauszusetzen ist, auch in den nächsten Jahren werde der Eisen⸗ bahnbau in dem gezeigten mäßigen Umfang fortschreiten. Was aber das Erträgniß betrifft, so möchten wir gelegentlich dessen hinweisen auf den Lärm der freihändlerischen Presse über den auch bei den deut⸗ schen Eisenbahnen, insbesondere den preußischen Staatsbahnen, vorüber⸗ gehend vorgekommenen Ertragsrückgang und über die daraus von jener Presse gezogenen Schlüsse gegen die deutsche Wirthschafts⸗ und Eisenbahnpolitik. Wir sehen, der Rückgang findet sich im freihändle⸗ rischen England auch. Ja, noch mehr es findet sich sogar nach einem Emporgang des Ertrages im Jahre 1881 ein stetiger Rück⸗ gang, wovon in Deutschland, wo die letzten Monate sowohl in Preußen als in Bayern wieder Fortschritte der Einnahmen gezeigt haben, keine 6 denn der Rückgang erstreckte sich hier nur auf wenige konate Im Güterverkehr beträgt die Verminderung des Ertrages fast 10 %. Es ergab sich nämlich Ertrag für die (engl.) Zug⸗Meile im Jahre v. Güterverkehr 75,32 Pence

v. Personenverkehr 1875 60,06 1876 58,63 1877 1878 1879 1880 1881 1882 1883 1884 1885 2. 1 1 Also Rückgang trotz des Freihandels. Allerdings sie hh dn Betriebskosten gesunken, doch weniger erheblich; nämlich bei 5 Bahnunterhaltung von 7,49 auf 5,50 Pence, beim Lokomotivbetrieh von 9,91 auf 8,20, bei der Unterhaltung und Erneuerung von 3²9 auf 3,05, bei den Betriebsausgaben von 10,94 Pence 1875 auf 9, Pence 1885 für jede Zugmeile.

Die „Rheinisch⸗Westfälische Zeitung“ aͤußert in einem Artikel: „Die Fachvereine ein Herd der Soziab⸗ demokratie“: u

Es ist nicht ohne besonderes Interesse, daß in der Freitche sitzung des Reichstags in vergangener Woche von sozialdemo ratis 9 Seite, und zwar durch Hrn. Bebel, das Eindringen der Sozialdeme kratie in die Fachvereine ausdrücklich zugegeben worden ist.

Man hätte dieses Zugeständniß freilich nicht erst bedurft, um eine offenlundige Thatsache, die vor Aller Augen liegt, zu erhärten. .Içrndessen bietet der Zwischenfall eine recht beredte Illustration zu den Verhandlungen des Kösener Handwerkertages über die Fachvereine dar, und die dort gefaßte Resolution, nach welcher die letzteren einer „verschärften Beaufsichtigung durch die Sicherheitsorgane“ dringend empfohlen werden, erscheint in diesem Lichte um so berechtigter. In der That gestaltet sich das Wirken der Fach⸗ vereine im gewerblichen Leben immer bedenklicher und droht den sozialen Frieden ernstlich zu gefährden. Den Haupttheil ihrer Kraft nehmen die Fachvereine aus den Krankenkassen (eingeschriebene Hülfskassen) her, die sie über den ganzen Kreis ihrer Genossen aus⸗ zudehnen sich bemühen und durch die sie sodann eine fast unbeschränkte Herrschaft innerhalb dieses Kreises ausüben..

Großindustrielle und Handwerker wissen gleichermaßen davon zu reden. Die etwa vorhandenen Ausnahmen sind von so geringer ahl, daß sie auch hier die Regel nur bestätigen. Insbesondere behen die Innungskrankenkassen darunter zu leiden. Viele Innun⸗ gen, die es an Bemühungen und Opfer zur Errichtung eigener Krankenkassen nicht fehlen lassen, müssen. die Er⸗ fahrung machen, daß die Gesellen sich weigern, in dieselben einzutreten. Der Terrorismus, den die Fachvereine in dieser Richtung ausüben, geht so weit, daß selbst diejenigen Gesellen, die gern den Innungskrankenkassen sich anschließen würden, dies doch nicht wagen dürfen, aus Furcht vor ihren Genossen. Es giebt Innungen, die nur ihre Lehrlinge in den Krankenkassen haben, und selbst diese treten aus, sobald sie Gesellen werden, weil sie sich dann dem Zwange der Fach⸗ vereine wohl oder übel unterordnen müssen. In einem uns bekannten Falle mußte die sehr gut dotirte und schon seit einer Reihe von Jahren vortrefflich funktionirende ältere Krankenkasse einer Innung sogar aufgelöst werden, weil die Gesellen, ob⸗ schon sie vorher eine nothwendig gewordene Neuregulirung der Beiträge gut geheißen hatten, doch zuletzt auf Weisung des betreffenden Fachvereins sich weigerten, dieselbe ins Leben treten zu lassen. Die ihnen ertheilte Ordre lautete einfach dahin: „Die Kasse soll auffliegen!“ Den Schaden hatten in diesem Falle die Gesellen zu tragen. Sie gestanden dies auch selbst zu, aber sie wußten nicht, sich dem zu widersetzen, und das Schlimmste war, auch das bis dahin bestandene gute Einvernehmen zwischen Meistern und Gesellen war gestört. Selbst den Arbeitsmarkt und die internen Arbeitsverhältnisse beherrschen die Fachvereine nahezu absolut. So war es einem Kunsthandwerker, der für seine Werkstatt in Folge größerer Aufträge das Arbeitspersonal vermehren mußte, unmöglich, trotz verschiedener Inserate in den Zeitungen, auch nur einen einzigen Gehülfen zu erlangen. Er erhielt keine Offerten, bis endlich einer seiner älteren Arbeiter sich erbot, durch das Central⸗ blatt des betreffenden Fachvereins ihm Gehülfen zuzuführen; aber das Gesuch dürfe nicht von dem Meister selber ausgehen. Es half nichts, der Letztere mußte sich fügen, jedoch erhielt er wenigstens innerhalb kurzer Zeit so viel Leute, wie er brauchte. 1

Die Beispiele dieser Art ließen sich leicht vermehren; sie beweisen alle, daß die Fachvereine zu immer größerer Macht gelangen, zu einer Macht, vor der die Gesellen selber sich fürchten, der sie aber nicht entrinnen können. Und diese Macht, die den sozialen Frieden gefährdet, stützt sich hauptsächlich auf die Krankenkassen der Fachvereine, für die das Gesetz über die eingeschriebenen Hülfskassen große Freiheiten ge⸗ währt, neben den Einschränkungen, welchen die Innungskrankenkassen unterliegen

Die „Staatsbürger⸗Zeitung“ „Arbeit und Arbeiter“ überschriebenen Artikel:

.. Was treibt die Internationalität der sozialistischen Führer doch für sonderbare Blüthen! Ganz Kinder ihrer Zeit, machen es jetzt diese „Führer“ schon den Sängerinnen und Concertgebern nach: wenn daheim die Geschichte nicht mehr so recht vorwärts will und wenn das ewig aufgewärmte und vorgesetzte Gericht nicht mehr rechte Anziehungskraft auf die Hungrigen ausübt, dann setzt man ihm eine Dosis überseeischen Pfeffers hinzu und macht eine „Tournée“ durch Amerika. Die Kunstreise nach Amerika trat seiner⸗ zeit Eduard Lasker an, als es mit seiner Herrlichkeit in Deutschland zu Ende war; dieselbe Kunstreise macht jetzt der Sozialist Liebknecht unter Führung seines Impresario Aveling. Wozu? so fragen wir. Hat die deutsche Arbeiterschaft nicht ein Recht, von denen, die ihre Führer sein möchten, zu verlangen, daß sie in emsiger Arbeit hier im Lande helfen? Statt dessen geht Hr. Liebknecht nach Amerika, hält Reden, in denen er ganz genau weiß, daß die Chikagoer Sozialisten ungerecht verurtheilt sind und doch hat er gerade erst ein paar Tage in Amerika hingerochen. Das sind „Führer“ deutscher Ar⸗ beiter! Wir lassen uns durch diesen Humbug nicht über den Zweck solcher Kunstreisen täuschen. Der verblassende Schein eines lange aufrechterhaltenen Nimbus soll durch ein Bischen Theater⸗ feuerwerk wieder aufgefrischt werden; der Erfolg wird aber das Gegentheil sein. Denn der deutsche Arbeiter hat näher liegende hfüstseloße er wird sich um die Kunsttouren seiner „Führer“ wenig ümmern

sagt in einem

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund⸗ heitsamts sind in der Zeit vom 12. bis 18. September cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 36,1, in Breslau 42,4, in Königsberg 34,4, in Köln 31,3, in Frankfurt a. M. 21,9, in Wiesbaden 16,9, in Hannover —, in Kassel 21,9, in Magdeburg 26,9, in Stettin 30,8, in Altona 31,8, in Straßburg 39,9, in Metz —, in München 38,2, in Nürnberg 31,3, in Augsburg 35,7, in Dresden 32,8, in Leipzig 23,8, in Stuttgart 18,7 in Karlsruhe 23,8, in Braunschweig 24,4, in Hamburg 36,2, in Wien 19,9, in Pest 34,6, in Prag 24,9, in Triest —, in Krakau 23,2, in Basel 14,7, in Amsterdam —, in Brüssel 23,8, in Paris 21/5, in London 17,6, in Glasgow 24,2, in Liverpool 26,2, in Dublin 27,5, in Edinburg 13,9, in Kopenhagen 33,5, in Stockholm 17,5, in Christiania 21,4, in St. Petersburg 25,4, in Warschau 28,2, in Odessa 37,9, in Rom 17,5, in Turin 19,6, in Venedig 27,9, in Madrid —, in Alexandria 53,9. Ferner in der Zeit vom 21. August bis 27. August cr.: in New⸗York 28,3, in Philadelphia 19,9, in Balti⸗ more 22,3, in San Francisco —, in Kalkutta 26,6, in Bombay 21,1, in Madras 43,9. „Ddie Sterblichkeitsverhältnisse gestalteten sich in der Berichtswoche in den meisten Großstädten Europas ein wenig günstiger, obwohl die ungewöhnlich hohe Temperatur der Luft, die bis zum 15. September vorherrschte, sodann der plötzliche auffallende Umschlag der Witterung, die Sterblichkeit in ungünstiger Weise beeinflußte. Nur aus wenigen Städten, wie aus Stuttgart, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Kassel, Barmen, Wien, London, Paris, Basel, Edinburg und Christiania werden kleine Sterblichkeitszahlen gemeldet, während dieselben in Auc sburg, Mainz, Kopenhagen, Odessa auffällig gesteigert waren. Insbesondere riefen Darmkatarrhe und Brechdurchfälle noch allgemein zahlreiche Todesfälle hervor, namentlich in Berlin, Hamburg, Breslau, Augsburg, München, Dresden, Leipzig, Königsberg, Frankfurt a. M., Bremen, Danzig, Straßburg, Nürnberg, Magdeburg, Altona, Düffeldorf, London, Wien, Pest, Paris, Kopenhagen, Warschau, St. Petersburg, Odessa u. A. Doch beginnt in vielen der genannten Städte die Zahl der Sterbefälle an diesen Krankheitsformen abzunehmen. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war noch immer eine bedeutende. Von 10 000 Lebenden starben aufs Jahr berechnet in Berlin 220, in München 234 Säuglinge. Auch akute Entzün⸗ dungen der Athmungsorgane zeigten vielfach eine Steigerung. Unter den Infektionskrankheiten haben Masern, typhöse und Kindbett⸗ fieber, Keuchhusten und Pocken etwas weniger, Scharlach und Diphtheritis dagegen mehr Todesfälle veranlaßt. —. Sterbefälle an Masern haben in Elberfeld, London, Paris ab⸗, in Berlin und St. Petersburg ein wenig zugenommen. Masern⸗Erkrankungen waren in Frankfurt a. D., Hamburg und im Regierungsbezirk Schleswig

nicht selten. Das Scharlachfieber hat in Hamburg, Köln, Danzig, London, Glasgow, Odessa mehr Opfer gefordert, während in Pest, St. Petersburg, Warschau die Zahl der Sterbefälle geringer wurde. Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Frank⸗ furt a. M., Danzig, Nürnberg, Altona, Wien, London, Prag, St. eee. Warschau, Odessa eine größere, in Hamburg, Dresden, Köln, Magdeburg, Wien, Pest eine geringere als in der Vorwoche. Erkrankungen waren außer in den genannten Städten auch im Regierungs⸗ bezirk Schleswig sehr häufig. Typhöse Fieber zeigten sich meist in beschränkter Zahl, in Berlin, London und Turin war die Zahl der Sterbefälle ein wenig größer, in Hamburg, Paris, Lyon, St. Peters⸗ burg gleich groß oder etwas kleiner als in der Vorwoche. An Fleck⸗ typhus kam aus St. Petersburg 1 Todesfall, aus dem Regierungs⸗ bezirk Marienwerder 3, aus St. Petersburg 2 Erkrankungen, an Rück⸗ fallsfieber 1 Todesfall und 4 Erkrankungen aus St. Petersburg zur Berichterstattung. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut führten in Paris und London mehrfach zum Tode. Der Keuchhusten zeigte in Berlin, Paris, London, Glasgow eine Abnahme, in St. Petersburg eine Zunahme der Sterbefälle. An Pocken ge⸗ langten aus Wien und Paris je 1, aus Rom 2, aus Warschau 3, aus Pest 32 Todesfälle, ferner aus Breslau 1, aus Hamburg und Wien je 5, aus St. Petersburg 10, aus Pest 103 Erkrankungen zur Meldung. Die Cholera hat in Pest größere Ausdehnung ge⸗ wonnen. In der Zeit vom 18. bis 24. September erkrankten 139 Personen, von denen 65 starben. In Triest erkrankten in derselben Zeit 33 Personen, in Fiume 10, von denen 6 beziehungsweise 5 Fälle tödtlich endeten. In Istrien hat die Epidemie etwas abgenommen, doch werden aus Pola und Rovigno mehrere Cholerafälle gemeldet, wie auch aus Schloß Mira⸗ mare. In der Provinz Görz⸗Gradiska kamen vom 27. Juli bis 17. September nur 18 Erkrankungen mit 13 Todesfällen vor. In der Vicegespanschaft Fiume sowie in Kroatien zeigte sich die Seuche in beschränkter Weise. Aus Italien liegen nur unvollständige, bis zum 16. September reichende Berichte vor, nach denen sowohl in Venetien wie auch in den meisten anderen Provinzen die Cholera in der Abnahme begriffen ist. In Torre Annunziata (Neapel) waren vom 10. bis 14. September noch 36 Erkrankungen mit 16 Todes⸗ fällen vorgekommen, doch soll die Epidemie seit dem 16. Septe daselbst erloschen sein. b

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Von der fünften, vermehrten und verbesserten Auflage der „Civil⸗ Prozeßordnung für das Deutsche Reich, nebst den auf den Civilprozeß bezüglichen Bestimmungen des Gerichtsverfassungsgesetzes und den Einführungsgesetzen“, erläutert vom Geh. Ober⸗Justiz⸗Rath ꝛc. Struckmann und dem Geh. Ober⸗Finanz⸗Rath ꝛc. Koch, ist zu Berlin und Leipzig im Verlage von J Guttentag (D. Collin) vor Kurzem die 3. Lieferung erschienen. Dieselbe enthält von Buch 2 (Verfahren in erster Instanz) Abschn. 1 (Verfahren vor den Land⸗ gerichten), Fortsetzung und Schluß des 5. Titels (allgemeine Bestim⸗ mungen über die Beweisaufnahme), ferner Tit. 6—12 (Beweis durch Augenschein, Zeugenbeweis, Beweis durch Sachverständige, Beweis durch Urkunden, Beweis durch Eid, Verfahren bei der Abnahme von Eiden, Verfahren vor den Amtsgerichten); endlich von Buch 3 (Rechts⸗ mittel) den 1. Abschnitt (Berufung) vollständig und einen Theil des 2. Abschn. (Revision). Wie in den beiden voraufgegangenen Lieferun⸗ gen, so ist auch in der vorliegenden dritten der Text von einem reich⸗ haltigen und lehrreichen Kommentar begleitet. Einleitende Vor⸗ bemerkungen zu den einzelnen Abschnitten und Titeln orientiren den Leser über die leitenden Gedanken. Bei den Bestimmungen, um welche sich bereits eine Spezial⸗Literatur gesammelt hat, ist diese voran⸗ gestellt. In der Erläuterung selbst ist die sorgfältige Benutzung der Rechtsprechung des Reichsgerichts und der Obersten und Ober⸗Landes⸗ gerichte, sowie der reichen Literatur, namentlich auch der sämmtlichen Kommentare und ihrer neuesten Ausgaben und der neueren Lehrbücher des gemeinen und preußischen Rechts überall erkennbar. Auch die logische und übersichtliche Anordnung des Stoffes innerhalb der reich⸗ haltigen Anmerkungen ist zu loben. So entspricht das Werk in seiner neuen Gestalt allen berechtigten Anforderungen der Praxis an einen wissenschaftlichen Kommentar. Die neue (5.) Auflage der Civilprozeß⸗ ordnung für das Deutsche Reich gewährt ein treues Spiegelbild des heutigen Civilprozesses, wie er sich auf der Grundlage der Civil⸗

rozeßordnung in Deutschland gestaltet hat. Die 5. Auflage er⸗ cheint in 7 Lieferungen à 3 und soll bis Ende dieses Jahres voll⸗ ständig vorliegen.

Land⸗ und Forstwirthschaft.

Washington, 27. September. (W. T. B.) Das Bureau des landwirthschaftlichen Departements hat im Einver⸗ nehmen mit den Staatsbehörden umfassende Maßregeln gegen das Umsichgreifen der Lungenseuche getroffen.

Veterinärwesen.

8 Rußland. In Wilna ist die Rinderpest ausgebrochen.

Gewerbe und Handel.

Die Regierung von Guatemala hat durch Verfügung vom 30. Juli d. J. angeordnet, daß vom 1. Oktober d. J. ab auf die in den Zollämtern lagernden und die späterhin einzuführenden Waaren ein neben den bestehenden Eingangszöllen*) in derselben Weise zu ent⸗ richtender Zuschlagszoll von 15 % vom Werth der Waare gezahlt werden soll.

Vor der Hand sind indessen die Zollbehörden angewiesen worden, den Zuschlagszoll nur von den bisher mit 75 % des Tarwerthes be⸗ lasteten Artikeln der 5. und 6. Tarifklasse zu erheben.

Die „New⸗Yorker Hdls⸗Ztg.“ schreibt in ihrem vom 17. d. M. datirten Wochenbericht: Für den zunehmenden Auf⸗ schwung des Geschäfts liegen jetzt so zahlreiche und überzeugende Beweise vor, daß eine Aufzählung der hervorragendsten derselben wohl von Interesse sein dürfte. Die Umsätze der Clearing Houses in den leitenden Geschäfts⸗Centren innerhalb der Vereinigten Staaten waren im August d. J. um 20 % größer als in demselben Monat 1885, und dies trotz der ungewöhnlichen Stille an der Fondsbörse. Die Raten für Call Loans in New⸗York sind von 1 2 % plötzlich und beträchtlich gestiegen, mit der Wahrscheinlichkeit, si unter dem Finuß des bedeutenden Geldabzuges nach dem Innern für Mobilisirung der Ernten u. s. w., für die nächsten Mo⸗ nate wenigstens, auf 5 —6 % zu halten. Und diese plötzliche Ver⸗ steifung des Geldmarktes ist ohne irgend welche ernstliche Störung vor sich gegangen. Viele der leitenden Bahnen, im Osten sowohl wie im Westen, sind seit mehreren Wochen kaum im Stande gewesen, den sich ihnen darbietenden Verkehr, unter Heranziehung alles nur irgend⸗ wie disponiblen Betriebsmaterials, prompt zu bewältigen. In den Betriebsergebnissen der Eisenbahnen spiegelt sich diese Verkehrs⸗Zu⸗ nahme, wie auch die Herstellung eines besseren Einverständnisses zwi⸗ schen den Gesellschaften und dadurch ermöglichte Erzielung lohnen⸗ derer Transportraten, wieder. Die Kohlen⸗ und Eisen⸗Industrien zeigen einen markanten Aufschwung, namentlich die erstere, welche eine Erhöhung der Produktion und der Preise aufzu⸗ weisen hat. Aehnlich verhält es sich mit Manufakturwaaren und den leitenden Stapelartikeln. So z. B. sind die Umsätze in Kaffee am hiesigen Platze in letzter Zeit ganz enorm gewesen, und dabei die Preise für Rios um 2 ½ Cents per Pfund gestiegen. Der effektive Ausfall der Weizen⸗ und Mais⸗Ernten ist besser, als allgemein erwartet worden, und dies hat stimulirend auf den Begehr für Waaren in den Getreide exportirenden Staaten eingewirkt. Im legitimen Geschäft liegen somit die Verhältnisse so günstig wie nur möglich, wenn unsere Geschäftswelt dieselben des Ferneren mit Vorsicht zu benutzen versteht und wir vor übertriebener Spekulation, besonders an den Fonds⸗ und Getreidebörsen, bewahrt bleiben. Das Geschäft am Waaren⸗ und Produktenmarkt

*) cfr. „R.⸗Anz.“ von 1886 Nr. 174.

hat sich etwas lebhafter gestaltet. Weizen und Mais, die unter dem Druck einer stetigen Zunahme der in Sicht befindlichen Vorräthe im Werthe zurückgegangen sind, begegneten in der letzten Hälfte der Woche zu den etablirten niedrigeren Preifen stärkerer Exportfrage, an der auch Weizenmehl partizipirte, welches in der letzten Hälfte der Woche ebenfalls in williger Tendenz verkehrte. Das Befrachtungs⸗ geschäft verlief ruhig, bei im Ganzen genommen ziemlich gut behaup⸗ teten Raten. Baumwolle stellte sich in Sympathie mit Liverpool im Werthe höher und fand Seitens einheimischer Spinner und vorübergehend auch für Export mehr Beachtung. Der Wollmarkt war fest trotz immer noch beschränkter Nachfrage, deren Be⸗ lebung jedoch binnen Kurzem erwartet wird. Brasil Kaffees sind bei bedeutenden Umsätzen abermals erheblich gestiegen, schließen aber in etwas ruhigerer Haltung. Reinschmeckende Sorten verkehrten eben⸗ falls in steigender Tendenz. Für Rohzucker gab sich unter dem Ein⸗ fluß zunehmenden Begehrs Seitens Raffineurs eine entschieden festere Stimmung kund. Am Theemarkt standen Oolongs in recht guter Nachfrage zu festen Preisen; andere Sorten sind unverändert. Von Provisionen ist Schmalz äußerst still gewesen und im Werthe fast ununterbrochen zurückgegangen; auf den meisten anderen Gebieten ging eine Anfangs, bei lebhafterem Geschäft, etablirte Avance gegen Schluß zum Theil wieder verloren. Terpentinöl war, wenn auch ruhig, doch etwas fester, während Harz schleppenden Verkehr hatte und im Preise ohne wesentliche Aenderung geblieben ist. Raff. Petroleum ist ½ C. höher und in regem Begehr. Pipe lines Certificates konnten die gestern erzielte Avance bis 66 C. nicht be⸗ haupten und schlossen heute in matter Tendenz zu 64 ½ C. Gd. u. Br. Am Metallmarkt schließen Eisen, Zinn und Kupfer in fester, Zink und Blei dagegen in williger und matter Haltung. In fremden und einheimischen Manufakturwaaren nahm das Geschäft einen befriedigenden Verlauf. Der Import fremder Webstoffe beträgt für die heute beendete Woche 2 781 490 Doll. gegen 2 291 295 Doll. in der Parallelwoche des Vorjahres.

Leipzig, 27. September. Die „Leipz. Ztg.“ berichtet von der Messe: In baumwollenen und halbwollenen Rock⸗ und Hosenstoffen war der Absatz ein ziemlich beschränkter, da diese Artikel zum Herbst weniger gekauft werden. Diese Branche ist indeß gegenwärtig, soweit größere, leistungsfähige Fabriken in Frage kommen, einigermaßen für den Export, hauptsächlich für Süd⸗Amerika beschäf⸗ tigt, wodurch die stille Periode im deutschen Geschäft leichter über⸗ wunden wird. Die Preise verhalten sich ziemlich stabil und können durchgehends als gedrückt bezeichnet werden, so daß eine kleine Auf⸗ besserung wohl erwünscht wäre, zumal die Garnpreise aufwärtsstrebende Tendenz zu verfolgen scheinen.

Wien, 27. September. (W. T. B.) Ein Konsortium, bestehend aus der Deutschen Bank in Berlin, dem Bankhaus Erlanger in Frankfurt a. M., der Länderbank und der Escompte⸗Gesellschaft in Wien, hat mit dem galizischen Boden⸗ kreditverein in Lemberg ein Uebereinkommen abgeschlossen wegen Konversion der 5prozentigen Pfandbriefe in 4 ½⸗ und 4prozentige. Im Umlaufe befinden sich Pfandbriefe im Betrage von circa 55 Millionen. Die Konversion soll Anfang Dezember beginnen.

Rotterdam, 28. September. (W. T. B.) Bei der heute von der Niederländischen Handelsgesellschaft abgehaltenen Auktion über 22 115 Blöcke Bankazinn wurden 61¼ à 62 ¼, durchschnittlich 612, und über 1000 Blöcke Billitonzinn 61 gezahlt.

London, 27. September. (W. T. B.) Bei der am Sonn⸗ abend abgehaltenen Wollauktion herrschte bessere Tendenz. Heute Stimmung matt.

Bradford, 27. September. (W. T. B.) Wolle fest, Garne

thätig und fester, für Stoffe besserer Begehr.

Washington, 27. September. sekretär macht die Amortisirung einer weiteren Reihe von Zprozentigen Obligationen im Betrage von 15 Millionen Dollars bekannt. Die Verzinsung dieser Obligationen hört mit dem 1. November d. J. auf. Der Schatzmeister Jordan hat sich dahin ausgesprochen, daß, wenn die Staatseinnahmen fortfahren, in dem bis⸗ herigen Umfang einzugehen, sämmtliche 3 prozentige Obligationen binnen Jahresfrist amortisirt sein werden.

Submissionen im Auslande.

Italien.

1) 4. Oktober, Neapel. Schiffsbau⸗Direktion des II. See⸗ departements. Kupfer in Blättern, Stangen und Klumpen. Vor⸗ anschlag 55 290, Kaution 5530 Lire.

2) 4. Oktober, Präfektur von Porto Maurizio. der Kunstbauten und Eisenbojen im Hafen daselbst. 79 588, Kaution prov. 2750 Lire, defin. 10 %.

Näheres an Ort uno Stelle.

Verkehrs⸗Anstalten.

Hamburg, 28. September. (W. T. B.) Der Postdampfer „Borussia“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrti⸗ Aktiengefellschaft ist, von Hamburg kommend, am 22. d. M. in Colon eingetroffen. 3

Triest, 27. September. (W. T. B.) Zur Feier des fünfzig⸗ jährigen Jubiläums des österreichisch⸗ungarischen Lloyd fand heute der feierliche Stapellauf des neu erbauten größten Lloyddampfers „Imperator“ statt.

Instandhaltung Voranschlag

Berlin, 28. September 1886.

Jubiläums⸗Kunstausstellung.

Als eine der ausgezeichnetsten Leistungen von den in der Aus stellung gebotenen ikalienischen Werken muß die Aquarelle „Mein arme Maria“ von Augusto Corelli (Rom) bezeichnet werden. Di Charakteristik der in dem Bilde dargestellten Figuren ist von aus nehmender Wirksamkeit: der Schmerz des am Sarge knienden Bur schen, die Scheu der vor der Thür Stehenden, der Schrecken der Kastanienrösterin, das Alles kommt vorzüglich zum Ausdruck. Di koloristischen Feinheiten stehen der Zeichnung in nichts nach. Ettore Tito (Venedig) führt uns den Markusplatz vor, hat ihn aber mit Figuren aus dem vorigen Jahrhundert bevölkert, wodurch der Reiz des Unmitielbaren, Frischen Einbuße leidet. Ansprechender ist seine „Stille Betrachtung“, welche uns an einer Kaimauer ein ent⸗ fernt von einander stehendes, sich verstohlen beobachtendes Paar zeigt, ein Bild von vielen Vorzügen in Zeichnung und Farbe. G. Favretto (Venedig) zeigt sich in seinen beiden Bildern: „Susanne und die beiden Alten“, sowie in dem „Lästigen Dritten“ als achtenswerther Genremaler. V. Bressanin lieferte ein ansprechendes Genrebild: „Eine spannende Erzählung“. F. Vinea (Florenz) hat zwei weibliche Bildnisse ausgestellt, deren eines, welches eine Dame der feinen Gesellschaft darstellt, „Sehnsucht“ betitelt ist, während das andere uns ein Blumenmädchen vorführt; beide reizen durch das eigenartige Kolorit des Gesichts und Fein⸗ heit der Ausführung. Mehr noch als sie dürfte jedoch die „Plauderei“, eine anmuthige Genrescene, Anspruch auf Anerkennung haben. Derb realistisch ist RNinaldo Giudici's (Venedig) „Volksküche“, welche uns in kräftiger Ausführung die Armen, welche sich in dem kahlen Raum sättigen, an einzelnen charakteristischen Figuren anschaulich vergegen⸗ wärtigt. Rafael Senet (Romh) hat ein Gemälde von gewaltigem Umfang ausgestellt, das er betitelt: „Da sind sie!“ Der anmuthige, wirkungsvoll behandelte Stoff hätte auch in kleinerer Ausführung den⸗ selben Erfolg erzielt. Ein eigenartiges, den Zuschauer ergreifendes Bild rührt von Luigi Nono (VPenedig) her. Es zeigt uns ein betendes, von inneren Qualen zerrissenes Mädchen, das vor einem Heiligenbild kniet. Diese lebenswahr ge⸗ zeichnete Figur wird in ihrer Wirksamkeit erhöht durch den in abend⸗ licher Beleuchtung prächtig gemalten architektonischen und landschaft⸗ lichen Hintergrund. Francesco Jacovacci erregt durch seine theatral sch gehaltene Leistung in dem „Letzten Tag der Venetia⸗ nischen Republik“ zu wenig das Interesse durch den höchstens für di Benetianer anziehenden Stoff. Nos Bordignon (Venedig) zeigt

9