selben wächst, um so mehr liegt die Gefahr nahe, daß bei der Ver⸗ theilung der Gaben ohne Kenntniß der örtlichen Verhältnisse verfahren wird und bald eine zu starke Anhäufung von Gaben, bald eine Nicht⸗ berücksichtigung bedürftiger Stellen eintritt.
Ich habe deshalb die Bildung eines Central⸗Comitéss mit dem Sitz in Lüneburg in Aussicht genommen, welches unter meinem Vorsitz unter steter Verbindung mit den Lokalbehörden und den im Ueber⸗ schwemmungsgebiet gebildeten Hülfscomités eine planmäßige Verthei⸗ lung der Gaben sich zur Aufgabe zu stellen hat.
Demgemäß richte ich an Alle, welche zur Linderung des Noth⸗ standes beizusteuern gewillt sind, das Ersuchen, von der direkten Zu⸗ sendung von Gaben an einzelne Gemeindevorsteher oder private
zülfscomités abzusehen bezw. dieselben nicht ohne Kenntniß und Zu⸗ stimmung des Central⸗Comités dorthin gelangen zu lassen.
Namens des letzteren werden Geldsendungen an den Schatz⸗ meister, Banquier Marcus Heinemann hierselbst, erbeten, während die Zusendung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken, die bei dem jetzigen Stande der Sache weniger erwünscht ist, an die Herren Land⸗ rath Albers zu Dannenberg und Landrath von Hertzberg zu Bleckede zu richten ist.
Löüneburg, den 1. April 1888. Der Regierungs⸗Präsident. Lodemann.
Nichtamtliches. Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 4. April. Se. Majestät der Kaäiser und König empfingen gestern um 2 ½ Uhr den Finanz⸗Minister Dr. von Scholz, den Münzdirektor Conrad und den Modelleur Weigand.
Um 6 ½ Uhr nahmen Se. Majestät den Vortrag des Ober⸗Ceremonienmeisters Grafen zu Eulenburg entgegen.
Heute hörten Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski. “ 1 “ — Den Kammerherrendienst bei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Augusta haben die Königlichen Kammerherren, Ceremonienmeister Graf Vitzthum von Eckstädt und Werner von Gustedt übernommen. — Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz empfing gestern um 11³¾ Uhr den Baumeister Ihne und nahm um 12 ½ Uhr mehrere militärische Meldun⸗ en entgegen.
Nach einer Spazierfahrt im Thiergarten mit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Kron⸗ rinzessin besuchte Se. Kaiserliche Hoheit mit Höchstderselben as Atelier des Bildhauers Professor Begas und nahm dort en Monumental⸗Brunnen in Augenschein.
Nachmittags stattete der Kronprinz Ihrer Königlichen Hoheit der Erbprinzessin von Sachsen⸗Meiningen im bisherigen Kronprinzlichen Palais einen längeren Besuch ab.
1
— Das „Militär⸗Wochenblatt“ ist in die Lage gesetzt, nachstehende aus der Allerhöchsteigenen Initiative her⸗ vorgegangene, an den Kriegs⸗Minister gerichtete Allerhöchste Kabinetsordre zu veröffentlichen: Gleich Meines in Gott ruhenden Herrn Vaters Majestät will Ich unverweilt und unausgesetzt Meiner Armee Meine Fürsorage zu⸗ wenden. Das von Sr. Majestät dem Kaiser und König Wilhelm gegebene und wiederholt zeitgemäß geänderte Exerzier⸗Reglement der Infanterie, welches sich bis zum heutigen Tage in seinen Grundsätzen durchaus bewährt hat, wird bei den Ansprüchen, welche die fort⸗ geschrittene Technik der Feuerwaffen jetzt an den Soldaten stellt, einer Vereinfachung bedürfen, um Zeit und Raum zu schaffen für eine noch gründlichere Einzelausbildung und für eine einheitlichere und strengere Erziehung in der Feuer⸗ und Gefechts⸗Disziplin. In diesem Sinne will Ich als für künftig zum Wegfall besonders geeignet vor Anderem die dreigliedrige Aufstellung bezeichnen, welche im Kriege nicht gebraucht wird und im Frieden zu entbehren ist. Jedoch will Ich die hiernach erforderlichen Aenderungen des Reglements so gestellt wissen, daß zum Dienst zur Fahne einberufene Mannschaften des Beurlaubtenstandes sich ohne besondere Einübung in der Schule des Reglements zurechtfinden. Ich sehe in dieser Angelegenheit baldigst Ihrem Vortrage entgegen. 1 1
Charlottenburg, den 26. März 1888
Friedrich. An den Kriegs⸗Minister. “
— Se. Majestät der König von Italien hat die Gnade gehabt, zur Vertheilung unter die nothleidenden Ueber⸗ schwemmten in Deutschland den Betrag von 40 000 Francs auf Seine Chatoulle anzuweisen, und wird diese Summe durch Vermittelung der Kaiserlichen Botschaft in Rom hierher überwiesen werden.
— Die dem Hypothekgläubiger durch §. 41 Abs. 2 des Grundeigenthum⸗Erwerbs⸗Gesetzes anläßlich der Veräußerung des Grundstücks gestellte einjährige Frist für die Kündigung der Hypothek behufs Erhaltung seines persönlichen Forde⸗ rungsrechts gegen den Veräußerer des Grundstücks, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Civils., vom 21. No⸗ vember v. J., auch dann einzuhalten, wenn das Grundstück innerhalb dieser Frist zur Subhastation gestellt worden ist. Ist aber innerhalb dieser Frist die Versteigerung und der Zu⸗ schlag des Grundstücks erfolgt und dabei auch die betreffende Hypothek untergegangen, so bedarf es zur Erhaltung des per⸗ sönlichen Forderungsrechts gegen den Veräußerer nicht der Einhaltung der im §. 41 vorgeschriebenen Frist.
. — Das Reichs⸗Versicherungsamt hat in einer Rekursentscheidung vom 27. Februar d. J. (Nr. 506) den Grundsatz anfgestellt, daß ein verhältnißmäßig kurzer Zeit⸗ raum, während dessen ein Descendent durch äußere Um⸗ stände zeitweise behindert wird, die sonst gewährten Leistungen eines einzigen Ernährers im Sinne des §. 6 Ziffer 2 b des Unfalversicherungsgesebes einem bedürftigen Ascendenten gegen⸗ über fortzusetzen, für sich allein — zumal bei nachweislich estandener Absicht der Fortgewährung nach Fortfall der Be⸗ hinderung — noch nicht ausreicht, um den Descendenten während jener Zeit der Eigenschaft des einzigen Ernährers zu entkleiden. (Vergleiche Entscheidungen 396 und 498 Schluß⸗
absatz, „Amtliche Nachrichten des R.⸗V.⸗A.“ 1887 Seite 210,
1888 Seite 195.)
— Nach einem Spezialerlaß des Ministers des Innern und des Finanz⸗Ministers, vom 9. Februar d. J., ist nach ge⸗ richtlichen Erkenntnissen auch die unentgeltliche Verab⸗ folgung von Branntwein 8 solcher Kaufleute, welche keine Konzession zum Ausschanke geistiger Getränke besitzen, als unerlaubter Schankbetrieb zu betrachten, wenn aus den Umständen erhellt, daß dem be⸗ treffenden Kaufmann hieraus ein Vortheil, im Besonderen in der Weise erwächst, daß durch die Aussicht auf Bewirthung mit Branntwein Personen veranlaßt werden, in sein Geschäft einzutreten und Waaren aus demselben zu entnehmen.
— Am 31. März verstarb zu Cintra bei Lissabon der Kaiserliche Gesandte am portugiesischen Hofe, von Schmidt⸗ Geboren 1829, trat von Schmidthals als Referen⸗ darius im Jahre 1857 in den auswärtigen Dienst ein und⸗ wurde zunächst bei den Gesandtschaften in München und Dresden als Attaché beschäftigt. Nach bestandener diplomatischer Prüfung im Jahre 1860 zum Legations⸗Sekretär ernannt, fungirte er als solcher in Turin, Stockholm, London, Madrid und im Haag und erhielt durch Patent vom 28. Mai 1872 den Cha⸗ rakter als Legations⸗Rath. Im August 1882 wurde ihm der Posten des Gesandten in Lissabon übertragen, den er bis zu seinem Ableben inne hatte.
Auf diesem Posten, gleichwie in seinen früheren Stellungen, hat sich der Verewigte durch Pflichttreue und Diensteifer be⸗ währt und erhielt noch im vorigen Jahre zum Ordensfest ein durch Verleihung des
an Kunden von Seiten
Zeichen Allerhöchster Rothen Adler⸗Ordens zweiter Klasse mit Eichenlaub. ehrendes Andenken ist ihm allseitig gesichert.
— Der Ober⸗Küchenmeister von Roeder, Introducteur Kammerherr und Mitglied des Herrenhauses, ist gestern nach kurzer Krankheit gestorben.
— Der Herzoglich braunschweigische Minister⸗Resident am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Freiherr von Cramm⸗Burg⸗ dorf, hat einen ihm von seiner Regierung bewilligten kurzen Urlaub angetreten.
— Der hiesige siamesische Gesandte, Phya Damrong, hat sich behufs Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens an Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn, auf einige Wochen nach Wien begeben.
— Als Aerzte haben sich niedergelassen die Herren: Birnbaum in Palmnicken, Dr. Dietrich in Kalkberge Rüdersdorf, Biesendahl in Neubrück, Rosenberg in Neustettin, Dr. Jcachim in Bromberg, Dr. Neuber Dr. Herm. Hoffmann in Wüstewaltersdorf, Schönberg (Holstein), Dr. Haß in Estebrügge.
— Das Schulgeschwader, bestehend aus S. M. Schiffen „Stein“, „Gneisenau“ und „Moltke“, Geschwader⸗Chef Contre⸗Admiral von Kall, ist am 3. April cr. in Southampton eingetroffen.
— Das „Marine⸗Ver.⸗Bl.“ veröffentlicht folgende Nach⸗ richten über Schiffsbewegungen (das Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselbst, nach dem Orte Abgang von S. M. Kreuzer „Adler“ 7./1. Apia. (Poststation: Apia S. M. Kreuzer „Albatroß“ Wilhelmshaven.) — (Poststation: bis 13./4. — [Virginia N. S.].) S. M. S. „Bayern“ 22./11. 87 Kiel. (Poststation: M. Knbt. „Cyclop“ 10,/2. station: Kamerun.) — S. M. Knbt. „Eber“ 28./1. Point de Galle 1./2. — 16.,2. Batavia 18./2. — 7./3. Cooktown 20./3. Apia [Samoa⸗Inseln]. Walfischbay 3.,3. — 22./3. Kapstadt. „Hansa“ Kiel. (Poststation: S. M. Knbt. „Iltis“ 26./3. Manila 27. 3. (Post⸗ station: Hongkong.) — S. M. Fahrzeug „Loreley“ 9./9. 87 Kon⸗ stantinopel. — Letzte Nachrich Konstantinopel.) — S. M. S. station: Kiel.) —
Anerkennung
des diplomatischen Corps,
Hans Krüger in Delten,
in Prausnitz,
Samoa⸗Inseln].) — Plymouth. (Poststation:
„Ariadne“ 18./3. La Guayra 21./3. St. Thomé
(Poststation: — S. M. Kreuzer station: Kamerun.) — S. M. S. Kiel.) —
von dort 24.,3. (Poststation:
M. Kreuzer „Möwe“ 16./1. Kapstadt 17. 3. (Poststation Aden.) — S. M. Pnzrfahrzg. „Mücke“ 2. 8. 87 (Poststation: Wilhelmshaven.) — S. M. Kreuzer „Nautilus“ 15.,3. Zanzibar. (Poststation: Zanzibar.) S „. Wilhelmshaven.
M. Knbt. „Wolf“ 21./12. (Poststation: Singapore.) (Flaggschiff, „Olga“, S. M. S. „Bismarck“ 9./3. 18.,3. Nagasaki 29. 3. E
Wilhelmshaven.
station: Wilhelmshaven.) — S 15.,/3. Nagasaki 29. 2
87 Hiogo 12. — „Bismarck“
— Kreuzergeschwader: S. M. S. „Carola“, „Sophie“.
7
„Sophie“ 6. — 24.,3. Nagasaki 29./3. — S. M.
„Olga“ ist in Apia verblieben. (Poststation: a. für S. M. „Bismarck“,
S. M. G.J8
„Molike“ [England]).
Bayern.
„Carola“ 26./3. Hongkong 19.3.
—] 8
Hongkong; Schulgeschwader: Adalbert“, „Gneisenau“, Madeira 21/3. (Poststation: Southampton
„Sophie“:
Singapore.) (Flaggschiff),
G
München, Prinz⸗Regent wird seine Reise zum Besuch der Rhein⸗ pfalz nach nunmehr getroffener Anordnung in der zweiten Das Reiseprogramm befindet sich
31. März. (Allg. Ztg.)
Hälfte des Mai antreten. in der Ausarbeitung.
Württemberg. Stuttgart, 30. März. Der „St.⸗A. f. W.“ meldet: „Ihre Königlichen Majestäten haben laut Mittheilungen aus Florenz am vergangenen Mittwoch den Besuch Ihrer Majestät H von Großbritannien und Irland empfangen. Höchstwelche b Aufenthalt der Villa Palmieri
der Königin Victoria
Maäjestät, mehrwöchent⸗ angekommen Wohnung genommen traf mit Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Beatrix von Battenberg, begleitet von Lady Churchill und Miß Phipps, sowie von dem General Sir H. Ponsonby, gegen 5 Uhr Nachmittags in Villa Quarto ein. der König, empfing Ihre Mäjestät im Eingang der Villa und geleitete Höchstdieselbe sowie die gelegenen
Se. Majestät
Prinzessin Beatrix Königlichen mächer, wo Ihre Majestät die Königin Olga, durch einen verstauchten Fuß im Gehen gehindert, den hohen Besuch Zwischen den höchsten Herrschaften fand die herz⸗ lichste Begrüßung statt, und die Königin Victoria verweilte mit der Prinzessin Beatrix gegen eine Stunde bei Ihren Majestäten. Vor der Abfahrt erfolgte noch die gegenseitige Vorstellung des Schon am Tage nach der Ankunft der Königin
von England hatten Se. Majestät, Höchstwelche durch Gesund⸗ heitsrücksichten noch an das Haus gebunden sind, Höchst⸗ ihren General⸗Adjutanten nach der Villa Palmieri gesandt, um Ihre Majestät im Namen des Königs zu begrüßen und am Montag hatte Sich die Königin Olga zur Be⸗ grüßung der Königin Victoria dahin persönlich be⸗ geben. — An letzterem Tage empfingen Ihre Maje⸗ stäten den Besuch des Prinzen und der Prin⸗ zessin von Battenberg. Am letzten Dienstag waren der Herzog und die Herzogin von Edin⸗ burg, Höchstwelche gleichzeitig mit der Königin Victoria hier eingetroffen sind, nebst ihrem Sohn, dem Prinzen Alfred, bei Ihren Majestäten zum Diner eingeladen. — Das Be⸗ finden Sr. Majestät des Königs ist im Laufe des zu Ende gehenden Monats im Ganzen befriedigend gewesen. Die Genesung von der neuerdings aufgetretenen entzündlichen Erkrankung der Athmungsorgane macht ungestört Fortschritte, und der Kräftezustand Sr. Majestät beginnt sich nach und nach in erfreulicher Weise wieder herzustellen. — Ihre Maäjestät die Königin hat Sich, wie oben erwähnt, eine leichte Verstauchung am linken Fuß zugezogen, welche aber schon jetzt im Rückgang begriffen ist und voraussichtlich in wenigen Tagen, ohne weitere Folgen nach sich zu ziehen, verschwunden sein wird“.
Mecklenburg⸗Schwerin. Schwerin, 1. April. Der Großherzog nimmt an dem Unglück, welches durch die Elb⸗ überschwemmung für Dömitz sowie für Boitzenburg und Umgegend eingetreten ist, den regsten Antheil. Se. Königliche Hoheit läßt sich nicht nur über den Verlauf der Katastrophe und die von der Großherzoglichen Regierung in Bezug auf dieselbe getroffenen Anordnungen fortlaufend in Cannes Bericht erstatten, sondern hat auch bereits namhafte Geldbewilligungen für die Ueberschwemmten aus der Grosß⸗ herzoglichen Schatulle gemacht. — Am heutigen Tage tritt der General⸗Lieutenant von Holstein, der Chef des Großherzog⸗ lichen Militär⸗Departements hierselbst, in den Ruhestand. Der
General, der auch Vorsitzender des Mecklenburgischen Landes⸗:
Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger war, wird in der Leitung des Militärkabinets durch den General⸗Lieutenant und General⸗Adjutanten des Groß⸗ herzogs, Freiherrn von Brandenstein, hierselbst ersetzt. — 3. April. (Mecklb. Nachr.) Herzog Friedrich Wilhelm, welcher mit seinem militärischen Begleiter, den Lieutenant zur See von Dombrowski, von Dresden vorgestern
Morgen zu kurzem Besuch hier eingetroffen war, ist Zweckt
Eintritts in die Kaiserliche Marine gestern Abend mit Let⸗ terem von hier nach Kiel abgereist.
Reuß ä. L. Greiz, 29. März. (Leipz. Ztg.) Auf Mittwoch, den 4. April, ist der Landtag des Fürstenthums zu einer außerordentlichen Session einberufen worde
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 3. April. (W. T. B) Wie die „Polit. Corresp.“ meldet, wurde auf Vorstellungen des österreichischen und italienischen Botschafters in Kor⸗ stantinopel eine Wiederaufnahme des Prozesses gegen den Mörder des Jesuitenpaters Pastore vor den Gericht in Konstantinopel verfügt, in Folge dessen der An⸗ geklagte neuerdings verhaftet wurde.
Fiume, 3. April. (W. T. B.) Die Nacht „Greif⸗
mit dem Kronprinzen, der Kronprinzessin sowie dern
Erzherzogen Ferdinand d'Este und Otto an Bord, ist bei der Nordostspitze der Insel Pago auf eine Sandbank gerathen
Von hier und von Zengg gingen Dampfer ab, um die Herrschaften abzuholen. Eine Gefahr ist nicht vorhanden.
Fraukreich. Paris, 3. April. (W. T. B.) Das neue Kabinet, in welchem Ferouillat an Stelle R⸗⸗ card’'s das Justiz⸗Ministerium und Deluns⸗Montaud an Stelle Loubet's das Arbeits⸗Ministerium übernommen ha⸗, ist nunmehr konstituirt und trat um 2 Uhr unter Vorstz des Präsidenten Carnot zu einer Berathung zusammen, in welcher der Wortlaut der Minister⸗Erklärung festgestel wurde, die heute in der Deputirtenkammer zur Verlesung ge⸗ langte. Dieselbe lautet:
Das Ministerium, welches sich Ihnen vorstellt, appellirt an alr Parteien republikanischer Gesinnung. Die Persönlichkeiten, aus deren das Ministerium besteht, dienen der Republik schon lange Zeit, de Demokratie kennt ihre Namen. Sie wagen zu glauben, daß ma Vertrauen zu ihnen hat und hoffen, daß das Parlament ihnen nitt seine Unterstützung unter Umständen versagen wird, welche die Verei⸗ gung der Republikaner gebieterisch verlangen. Indem der Präsident der
Republik die Leitung des Kabinets demjenigen anvertraute, welcher seit dir 8
Jahren die Leitung der Kammerdebatten hatte und sich so an die Ur⸗ parteilichkeit gewöhnte, wollte er zeigen, daß derselbe Geist den Hard lungen seiner Regierung inne wohnen würde. Aber nicht in de Unbeweglichkeit, noch weniger in dem Rückwärtsschreiten wollen mur und will das Land eine Aussöhnung der Republikaner, sondern in Vorwärtsschreiten und in der regelrechten Entwickelung unserer Ei⸗ richtungen, welche vorübergehende und überflüssige Agitationen nie zu nichte machen werden. Die Regierung, welche vor keim sorgsam ausgearbeiteten Resorm zurückschreckt, will sich mr an die Spitze einer republikanischen Majorität stellen, um f auf diesen Weg zu führen und in ihren Reihen eine freiwillig Disziplin wieder herzustellen, und so nach und nach die Hoffnungn zu verwirklichen, welche die Nation auf die Republik gesetzt hat. Abc die Freiheit, welche nicht die Wege der Diktatur einschlägt, kann kei plötzlichen Umwandlungen versprechen; sie bedarf, um ihr Werk
vollenden, der täglichen Zustimmung der öffentlichen Gewalten un
dn 8*
verlangt Diskussionen, welche, wenn sie auch bisweilen Erfolg hemmen, ihn doch sicherer und dauerhafter mache Was die Frage der Revision der Verfassung angeht, elas⸗ der Kammer vorgelegt wird, so ist es eine von denjenigen Frage⸗ welche die größte Ruhe und Ueberlegung erfordern. Diejenigs Mitglieder des Kabinets, welche sich als Anhänger einer solte Revision gezeigt haben, werden nicht wünschen, daß ein Wer von solcher Wichtigkeit, das bestimmt ist, unsere politische Orgar⸗ sation in volle Uebereinstimmung mit den republikanischen Prinziric zu bringen, unter Bedingungen unternommen werde, welche es kor promittiren könnten. Die Regierung wird Sie ersuchen, es ihr † überlassen, den günstigen Augenblick anzugeben und das nothwendes
93
Einvernehmen zwischen beiden Kammern vorzubereiten. De
Präsident der Kammer sagte Ihnen kürzlich, daß heute — .
n1 gänd
dies ist nur natürlich — Probleme, welche politische Vorgä berühren, die Nation weniger lebhaft interessiren als Fragc
welche ihre eigensten großen Angelegenheiten, ihre öffentlicat
Finanzen, ihre Industrie, ihren Handel, das Loos ibt⸗ Arbeiter, ihre militärischen Zustände und ihre internationalen De ziehungen betreffen, und daher wird eine Reihe von Gesetzvorlage welche sich auf diese großen Fragen beziehen, Ihnen zugehen, und r werden Sie ersuchen, sie je nach der Dringlichkeit zu berathen. 9 Regierung wird die Berathung hierüber aufmerksam verfolgen un wird stets die Lösungen, die am meisten den demokratischen Interefa
konform sind, unterstützen; sie wird Ihnen einen Gesetzentwer
über Genossenschaften nterbreiten, der nothwendig ist für
Sie als Gesetzgeber wie für das Land, um eine destinitive Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat herbei⸗ zuführen, hierauf wird die Einsetzung der weltlichen Gerichts⸗ karkeit für die Kirche, welche von der französischen Revolution in⸗ augurirt und von der dritten Republik wieder aufgenommen ist, ins Auge gefaßt werden müssen. Die finanziellen Fragen werden alsdann zu ihren Hauptbeschäftigungen gehören. Hoffen wir, daß beide Kammern reiflich das Budget der Legislaturperiode prüfen und wichtige Reformen dabei einführen werden, hauptsächlich solche, die die Regelung der Getränkesteuer und das Erbrecht betreffen. Wir werden den Senat um die Wiederaufnahme der Diskussionen über die Militärgesetze, welche von der Kammer genehmigagt sind, ersuchen; es ist zu hoffen, daß eine Lösung dieser Frage um so rascher erfolgen werde, als der Minister, welcher beauftragt ist dieselben vor jener Versammlung zu vertheidigen, Vor⸗ sitzender der Kommission gewesen ist, welche die Prüfung hieruüber beendigt hat. Die neue Organisation unserer nationalen Kräfte, die darin besteht, daß wir unsere Defensivmaßregeln vermehren, gestattet uns nicht nur, uns der Achtung versichert zu halten, welche man uns schuldet — sie ist auch eine Garantie für die Aufrechthaltung des Friedens, dem wir aufrichtig zugethan sind. Rüsten wir uns also im Innern und nach Außen hin zur Feier des ruhmvollen bundertsten Fahrestages von 1789, zu dem Frankreich Gelehrte, Industrielle und Arbeiter der ganzen Welt eingeladen hat.
Die Kammer wurde dann bis 4 Uhr zur Wahl eines Präsidenten vertagt. 8
Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurden bei der Wahl eines Präsidenten 390 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf Brisson 156, auf Clémenceau 116, auf Andrieux 113. Eine Stichwahl war daher nöthig. Das Resultat der zweiten Abstimmung stellte sich folgendermaßen: Clémen⸗ ceau 169, Brisson 151, Develle 37, Andrieux 10 Stimmen. Eine dritte Abstimmung ist demnach erforderlich.
— 4. April. (W. T. B.) Der Kriegs⸗Minister de Freycinet
wird wahrscheinlich den General Warnet zum Chef des Generalstabes ernennen. Es verlautet, daß die Oppor⸗ tunisten alsbald eine Interpellation über die allgemeine Politik des Kabinets in der Kammer einbringen würden. Von den Journalen billigen nur die radikalen Blätter die Erklärung des Ministeriums an die Kammer. Das „Journal des Débats“ und die „République Francaise“ machen der Erklärung zum Vorwurf, daß sie die Demagogie aufmuntere. Der „Figaro“ hofft auf eine baldige Allianz der Rechten mit den Opportunisten.
Italien. Rom, 3. April. (W. T. B.) Der König ließ dem Minister⸗Präsidenten Crispi 40 000 Fr. für die durch die jüngsten Ueberschwemmungen in Deutschland Betroffenen zustellen. Der Summe war ein Schreiben des Ministers des Königlichen Hauses, Viale, beigefügt, in welchem der Wunsch des Königs aus⸗ gesprochen wird: Deutschland seine Dankbarkeit auszudrücken für die vielfachen Beweise der Sympathie, welche die deutsche Nation bei den verschiedensten Gelegenheiten für Italien be⸗ kundet habe. Crispi übergab die Summe dem deutschen Botschafter, welcher ihn ersuchte, dem König im Namen der deutschen Regierung seinen Dank auszusprechen.
— 3. April, Abends. (W. T. B.) Dem ‚Fanfulla“ zu⸗ folge sandte der König dem Reichskanzler Fürsten Bismarckzum Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. In dem Glückwunschschreiben heißt es: der König ergreife diese Gelegenheit, um seine innigsten Wünsche für die völlige Wieder⸗ genesung Sr. Majestät des Kaisers auszusprechen. — Der Reichskanzler dankte für das Interesse, welches ihm der König auch bei dieser Gelegenheit bekunde: es ge⸗ reiche ihm das zu ganz besonderer Genugthuung. Es liege ihm ob, bei dieser Gelegenheit auszusprechen, ein wie großes Gewicht der Kaiser darauf lege, daß König Humbert wisse, wie dankbar er für diesen Freundschaftsbeweis sei. Das Telegramm schließt: der Kaiser hoffe noch lange genug zu leben, um die Folgen eines Einvernehmens zu ver⸗ wirklichen, welchem er stets die größte Wichtigkeit beigelegt habe und beilege. — Auf die Glückwünsche Crispi’s sprach Fürst Bismarck seine Genugthuung über die Freundschaft aus, die ihn mit dem Führer der italienischen Regierung verbinde, mit dem er in politischer Hinsicht voll⸗ kommen übereinstimme, was nicht nur für die beiden bethei⸗ ligten Nationen und deren Zukunft ersprießlich sei, sondern auch für den europäischen Frieden. — Crispi wird diese beiden Depeschen dem Ministerrath mittheilen.
— 4. April. (W. T. B.) Nach Meldungen der „Agenzia Stefani“ aus Massovah ist Ras Alula mit den Abessiniern in der Richtung gegen Ghinda und Aͤsmara abgezogen, und ist die Ebene von Sabarguma seit gestern fast vollständig geräumt. Es sei sicher, daß der Negus, welcher vorgestern in Ghinda übernachtete, den Rückzug angeordnet habe. General Marzano schätzt die Streitmacht
der Abessinier auf 70 000 bis 80 000 Mann.
Türkei. Konstantinopel, 3. April. (Prag. Abdbl.) „Reuter's Bureau“ meldet: Der französische Botschafter Graf Montebello überreichte am Samstag der Pforte eine Note mit dem Inhalt der Suezkanal⸗Konvention. Der Minister⸗ rath wird sich am Mittwoch mit derselben beschäftigen.
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Rumänien. Bukarest, 3. April. (W. T. B.) Das neue Kabinet ist in folgender Weise konstituirt: Rosetti, Präsidium und Inneres; Carp, Auswärtiges; Ghermani, Finanzen; Prinz Stirbey, öffentliche Arbeiten; Alexander Marghiloman, Justiz; General Barßzi, Krieg; Majoresco, Unterricht und interimistisch Handel. Die verhafteten Depu⸗ lirten Fleva, Philippesco und Castaforo wurden freigelassen.
Almerika. Washington, 3. April. (W. T. B.) Der Finanzausschuß der Repräsentantenkammer hat, bevor er den Entwurf, betreffend Ermäßigung des Zoll⸗ tarifs, der Kammer vorlegte, den Artikel desselben ge⸗ strichen, welcher die Gewährung von Zucker⸗Export⸗ Prämien untersagt. Die Berathung des Gesetzentwurfs in der Kammer dürfte, wie verlautet, in etwa 14 Tagen ihren Anfang nehmen.
Zeitungsstimmen.
Die „National⸗Zeitung“ äußert über den Amnestie⸗ Erlaß:
„Zur Würdigung des Umfangs und der Wirkungen des Gnaden⸗ Erlasses vom 31. März wird vielfach an die Amnestie vom 12. Januar 1861, nach der Thronbesteigung König Wilhelm's, angeknüpft, als ob diese Amnestie bisher die letzte gewesen wäre. Das ist indeß nicht der Fall; eine solche wurde auch am⸗20. September 1866, am Vor⸗ abend des Siegekeinzugs, erlassen. Diese beiden Gnadenakte unter⸗ schieden sich von dem vom 31. März insofern, als sie politisch bedeutsamer und umfangreicher waren, als der soeben erfolgte, während dieser ver⸗ möge seiner Ausdehnung auf nichtpolitische Uebertretungen und Ver⸗
† 9
n jedenfalls einer erheblich größeren Anzahl Personen milderung oder Straferlaß gewährt.
Die Amnestien von 1861 und 1866 umfaßten, was bei jetzigen nicht der Fall ist, auch Hoch⸗ und Landesverrath. Im 1861 lag bierin ihre hauptsächliche Bedeutung, denn es wurde dadurch den geflüchteten Kompromittirten des Jahres 1848 die Rückkehr in das Vaterland ermöglicht; im Zusammenhang damit wurde auch den⸗ jenigen Flüchtlingen, welche sich der Verurtheilung durch Aus⸗ wanderung entzogen hatten, die Rückkehr gestattet. Die politische Bedeutung der Amnestie von 1866 lag darin, daß dadurch der Verfassungsstreit der Vergessenbeit übergeben werden sollte. Gegenwärtig konnte es sich nach Lage der Dinge nicht, wie 1861 und 1866, darum handeln, das Siegel der Königlichen Gnade auf eine abgeschlossene Periode politischer⸗Kämpfe zu drücken; die politischen Verurtheilungen, deren Wirkungen unterm 31. v. M. aufgehoben oder gemildert wurden, sind solche, wie sie durch Ausschreitungen im öffentlichen Leben mehr oder weniger zahl⸗ reich beständig herbeigeführt werden. Die Begnadigung von Hoch⸗ oder Landesverrath dagegen würde sich gegenwärtig wohl ausschließlich auf den Verkauf von Staatsgeheimnissen an das Ausland und auf anarchistische Unternehmungen bezogen haben; es wird allgemeine Zu⸗ stimmung finden, daß solche Begnadigungen nicht erfolgt sind.
In den kurzen Bemerkungen, welche wir am Sonntag nur noch zu dem Amnestie⸗Erlaß machen konnten, wurde bereits hervorgehoben, daß er sich u. A. nicht auf die Bestimmungen des Strafgesetzbuchs bezieht, auf Grund deren in den letzten Jahren mehrfach Verurthei⸗ lungen wegen der geheimen Agitation der Sozialdemokratie erfolgt sind. Das Gleiche gilt betreffs der Verurtheilungen — und natürlich auch der polizeilichen Maßnabmen — auf Grund des Sozialistengesetzes, während die positiven Bestimmungen des Gnaden⸗Erlasses, z. B. betreffs aller durch die Presse begangenen Delikte, sich selbstverständlich auch auf solche von sozialdemokratischer Seite, erstrecken. Ganz müßig ist die in der konservativen Presse aufgeworfene Frage, ob die Sozialdemokraten von der Amnestie, so weit sie davon betroffen werden, Gebrauch machen werden. Die im Gnadenwege erlassenen Strafen bleiben selbstverständlich unvoll⸗ streckt, gleichviel, ob die dazu verurtheilten Personen dies wünschen oder nicht.
Ueber die Amnestien von 1861 und 1866 geht, wie schon er⸗ wähnt, die von 1888 hinaus, indem sie sich auf alle Uebertretungen und auf alle dieenigen Vergehen erstreckt, wegen welcher auf Geld⸗ strafen bis zu 150 ℳ oder auf Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen erkannt worden. Alles hier Gesagte aber bezieht sich nur auf Ver⸗ urtheilungen durch Civilgerichte. In den Erlassen von 1861 und 1866 waren Begnadigungen betreffs der Verurtheilungen durch Militärgerichte ausdrücklich auf den Antrag der betr. militärischen Behörden vorbehalten. Der Erlaß vom 31. März enthält ni Derartiges; möglicherweise sind in dieser Beziehung bes ordnungen ergangen. Auch ob ein spezieller Gnaden⸗Erla für Elsaß⸗Lothringen beabsichtigt ist, steht noch dahin.
— Die „Deutsche volkswirthschaftl respondenz“ schreibt über die Geburtstagsfeier kanzlers:
Ein seltsa dreiundsiebzigste zlers 8 mit dem To der isti zus ungewöhnlich gzer Winter ist überstanden, mit dem Erwachen der Natur, mi a ersten Strahlen einer wärmeren Frühlingssonne sind nicht nur S und Eis hinweggeschmolzen worden, auch das Elend und die Sorge machen ihre Herrschaft weniger schroff geltend und werden neuen Hoffnungen in den Hintergrund gedrängt. Gerade de rz stellte sich in diesem Jahre mit allen Attri⸗ buten der strengsten Winterzeit ein, in einer Weise, wie dies in den allerseltensten Fällen zu geschehen pflegt. Und für Deutschland war dieser Monat ein ganz besonders schmerzlicher; eben in diesem sonst der Freude und der Verehrung für den geliebten Herrscher gewidmeten Monat ereilte uns der Tod des greisen Kaisers Wilhelm, und, wie die Natur neuerlich in Erstarrung und Nacht versunken war, so trauerten die Herzen des gesammten deutschen Volks, trüber Ahnungen voll, um den Dahingeschiedenen. Allein mit dem Verschwinden der winterlichen Landschaft, mit dem Beginne des Frühlings ist auch in unsere von Trauer und Sorgen erstarrten Gemüther der Strahl neuer Hoffnung gedrungen. Kaiser Friedrich, der glorreiche Sohn des großen Verstorbenen, hat die Zügel der Regie⸗ rung mit kräftiger Hand ergriffen, und seine ersten Regierungs⸗ handlungen haben dem deutschen Volke gezeigt, daß er die Wege nich zu verlassen gedenkt, auf denen der in Gott Entschlafene das durch gewaltige Anstrengungen wieder aufgekichtete Deutsche Reich nach Außen wie nach Innen gefestigt hat.
Und seine erste wahrhaft erhebende That auf deutschem Gebiet war jene That der Pietät und der Gerechtigkeit, welche si den ersten und treuesten Diener des verstorbenen Kaisers,
Verehrung und Liebe des gesammten Volkes getragenen
den Reichskanzler Fürsten von Bismarck wendete.
undzwanzig Jahre einer ununterbrochenen Arbeit, eines lang
gegen Parteipolitik und Sonderinteressen sind dem ersten Staats⸗Minister Preußens und dem Kanzler des Deutschen Reichs unter dem Hochseligen Kaiser Wilhelm dahingegangen, fünfundzwanzig Jahre, während welcher Zeit dem großen Staatsmanne bei noch unabgeschlossenem Wirken widerspruchslos die Unsterblichkeit zuerkannt wurde. Und nach dem Tode des greisen Heldenkaisers zaudert der Dreiundsiebzigjährige keinen Augenblick, die Ruhe und Bequemlichkeit des Alters zu opfern, sein Leben und seine geistige Kraft dem erhabenen Sohne des Verstorbe⸗ nen in aller Ehrfurcht zur Verfügung zu stellen, wiederum mit aller Macht gegen reichsfeindliche Sonderinteressen zu kämpfen, das Reichsschiff nach Außen hin durch die aufgeregten Wogen in den sicheren Hafen zu retten und alle jene Institutionen zu vertreten, welche bisher der inneren Konsolidirung des Reichs zum Segen und Nutzen gereicht haben. Und darum dürsen wir denn das Geburtsfest des Reichskanzlers und das Osterfest mit doppelter Freude und Genugthuung feiern in dem frohen Ge⸗ danken, daß Kaiser Friedrich sich nicht minder Eins weiß mit seinem ersten Diener, wie es zu Kaiser Wilhelm's Zeiten gewesen, und in der Hoffnung, daß das deutsche Volk noch viele Jahre sich des Zu⸗ sammenwirkens des Herrschers und des großen Staatsmannes zum Heile des Reichs und zum Vortheil des Volks erfreuen werde. Aller⸗ dings, es ist nicht zu leugnen, niemals als eben jetzt haben die Vertreter der allezeit bereiten Opposition sich so sehr als Gegner derjenigen Politik entpuppt, welche mit dem verstorbenen Kaiser durch den Reichskanzler Fürsten von Bismarck zur Ausführung gelangte, niemals haben sie offener ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß ein vollkommener Systemwechsel ihnen das einzige Mittel erscheine, um von nun an die politischen wie wirthschaftlichen Geschicke des Reichs zu fördern. Ins⸗ besondere aber was die wirthschaftlichen Grundsätze anbelangt, so glaubten jene Herren den Zeitpunkt für gekommen, dem Reich wiederum die Rolle des Nachtwächters zuzuerkennen, im Uebrigen aber dem Individuum freie Hand zu lassen, dem nach ihrer Ansicht keinerlei Pflichten gegen das Staatswesen obliegen, wenn es nur von Ver⸗ gehungen sich fernhält und seinen Steuerbeitrag entrichtet. Es ist auffallend, wie gerade jetzt derartige Bestrebungen sich kühn an die Oeffentlichkeit wagen; allein es ist noch auffallender, daß trotz alle⸗ dem der Indifferentismus in denjenigen Kreisen, welche Grund haben, solchen Bestrebungen gegenüber sich zu verbinden, nicht weicht, daß diese Kreise es gehen lassen, wie Gott es will, ohne zu bedenken, daß sie durch ein solches Verhalten der praktischen Wirthschaftspolitik die Erringung des Sieges wesentlich er⸗ schweren. Angesichts solch' mächtiger Gegner, die sich ja auch als Feinde unseres großen Staatsmannes entpuppt haben, ist es nicht genug, gewollt zu haben, doppelt nothwendig wird ein enges Zu⸗ sammenschließen, ein gegenseitiges Unterstützen all' jener Elemente, die durch dieselben Grundsätze verbunden sind, dies umsomehr, als unsere Widersacher zweifellos dahin bestrebt sein werden, die Erreichung der Ziele, welche die herrschende Wirthschaftspolitik anstrebt, mit vereinten
Kräften zu verhindern.
Verkehrs⸗Anstalten.
3. April. (W.; richten zufolge Dampfschiffahrten zwischen Warnemünde ser wegen Eises wieder eingestellt.
(W. T. B.) Der Union⸗Dampfer der Heimreise von Southampton Castle⸗Dampfer „Methven Castle“ ist er Ausreise in Capetown angekommen, der Dampfer Ausreise Madeira
Chicago, 3. April. (W. T. B) Die Bediensteten der deren Mittelpunkt Chicago ist, fahren fort, dem Verkehr auf der Chicago⸗Burlington⸗OQuincy⸗Eisenbahn mehreren Strecken werden Gewaltakte diejenigen gemelde
Eisenbahnen,
Hindernisse zu bereiten; vo⸗ der strikenden Bahnbediensteten g rbeit fortsetzen.
welche die
Theater und Musik. Wallner⸗Theater war den Feiertagen Der von Moser⸗Thunsche vieraktige B testen Stimmung.
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ausverkauft. mazone“ erhielt das Publikum in der animir hl das Stück als auch die Darstellung fanden eine so überaus hme, daß die Repertoiredauer der Novität bi dieser Saison gesichert erscheint.
stertage veranstaltet
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Wilbelmine in London, velchem sich nur eine en hatte, welches aber eine größere Frl. Tremelli ist
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schen Theater ein Concert,
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ims wohl verdient hätte. Fr. er eine ganz ungewöhnliche Kraft der Stimme esitzt einen tiefen, mächtigen Alt, de rrascht und
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und künstlerische . italienischen Arie aus Donizett!'s „Favoritin“ und gia“ vortrefflich zur Geltung.
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der „Lucrecia
glänzenden Mittel nicht voll ihre Wir⸗ Vertiefung der Empfin⸗ elli wirkte in dem Concert Frl. Leonore zweier Soli sich
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kung thun, vielleicht weil es an der wahren Neben Frl. Tre welche durch den g ausgezeichnete Harfenistin bewies. „Feenlegende“ allseitigen und wohlverdienten Beifall. trug einige Klavierstücke vor, wohl nur in Vertretung gebliebenen Violinisten und ohne auf den Charakter eines T Anspruch zu erheben. — Hr. und Fr. Feinin 5. April (7 ½ Uhr) im Saale wirkung der Herren H. Hasse ( Tello) eine musik zu derselben Zeit im Hötel de Neugebauer unter Mitwirku sowie des Violinvirtuosen — Am Freit harmonische Concert unter in der Philharmonie statt. 2) Klav.⸗Conc. H-moll, Hummel. ischer Zug (Orch.), Mosz für Klavier von Beethoven. stersing.⸗Vorspiel“ Wagner.
dung fehlte. ickten Vortrag Namentlich fand die
nstalten am Akademie in Ad. Müller (Viola) Friedrich Koch ische Abendunterhaltung; tsängerin Frl. Olga lId ein Concert.
ndet das letzte (X.) von Dr. Hans von Bülow gramm lautet: 1) Ouv. Egmont, I. 3) a. Lustspiel⸗Ouv., wski. 4) a. Andante
d. 6. April (
neu, Taubert, b. Fanta b Variat. C-moll, Brahms. 6) Auf Wunsch
Hans von Bülow.)
Mannigfaltiges. Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) fortgesetzten Ziehung 178. Königlich preußischer Klassenlotterie in der Nachmittags⸗Ziehung: 1 “
2 Gewinne von 1500 ℳ auf Nr. 79 978. 121 361. 2 Gewinne von 300 ℳ auf Nr. 70 799. 157 617.
er gestern
Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 1. Klasse 178. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Vor⸗ mittags⸗Ziehung:
1 Gewinn von 15 000 ℳ auf Nr. 5834.
1 Gewinn von 5000 ℳ auf Nr. 16 591.
1 Gewinn von 1500 ℳ auf Nr. 181 970.
2 Gewinne von 500 ℳ auf Nr. 121 075. 1
2 Gewinne von 300 ℳ auf Nr. 145 330. 165 350.
rzu Ehren Bernhard von Langen⸗ r Philharmonie von der Berliner der Deutschen G chaft für Chirurgie zu einer großartigen Der Saal trug ernsten Schmuck. Auf der Bühne schaute vom schwarzen Sockel herab die Kolossalbüste des Gefeierten, umgeben von einem Wald exotischer Ger drapirte Rednertribü In und einem Hyazinthenkranz, der Ehren herzogin von Baden, geschmückt. N den Bühnenraum ab. Eine überaus zahlreiche illustre Deutschen Fürsten in der großer waren durch die Minister v. Goßl und v. Friedberg, durch Unter⸗Staatssekretär L Direktor Greiff u. A. vertreten. Kriegs⸗Minister General des Garde⸗Corps v. Pape, den Stadtk Berlin, Graf Schlieffen, den General⸗Qu Zu Seiten der Rednertribüne nahmen die er der beiden dem Gebiet
veranstaltet war, g heimgegangenen Gele
schwarze Vo
Certretung der herzog von Baden. igsloge Platz Die Civilbehörden ucanus, Ministerial
Von hohen Militärs sah man den kommandirenden omwandanten
Schellendorff,
Vorstandsmitglieder, im — Gesellschaften Platz. -Alles, was Namen und Ruf a der deutschen Medizin und Chirurgie besitzt, war erschienen, wir nennen nur die Berliner von Helmholtz, Dubois⸗Reymond, Bardeleben, Lieb⸗ reich, Zeller, Hirsch, Waldever, Gerhardt, Koch, Esmarch aus Kiel Thiersch aus Leipzig, König aus Göttingen, Trendelenburg Die Ehrenplätze vor dem Podium waren der Familie des Heim⸗ Hier hatten der Sohn Major von Langenbeck
und die beiden Töchter, die Gräfin Hardenberg und Frau von Bode, mit
den übrigen Verwandten Platz genomme
gegangenen eingeräumt.
n. Die Galerie war von zahlreichen N. — :. —22 . A 1.7 —
Die Sänger der Königlichen Hochschule für Musik stimmungsvollem Sang: Alsdann betrat Prof. von Berg⸗ mann die Tribüne, um Langenbeck's Verdienste mit begeisterten Worten Er erinnerte daran, daß Langenbeck
Vorsitzender der Berliner Medizinischen Gesellschaft 34 Jahre an der Spitze der Berliner chirurgischen Universitäts gestanden, daß seiner Anregung vor Allem Chirurgie ihre Entstehung verdankt. Er war, so un keiner jener Denker und Entdecker, welche durch neue wegungen schufen oder ungeahnte Schätze der der deutschen Chirurgie ein eigenartiges ihr eine neue Ep trauernd vor dem Grabe seines größten Kaisers. kühnes Wollen im Sturm der Schlachten errun emporgeschossen,
Wilhelm's — ich nachgekommen. Chirurgie, daß sie nicht hin
Damen besetzt. 2 eröffneten die ernste Feier mit Mendelssohn's u ihn herniederschweben“.
zu würdigen. Jahre hindurch
Deutsche Gesellschaft für führte Redner aus, Ideen neue geistige Be⸗ der Wissenschaft erschlossen,
Deutschland ieses Helden
und Gedeiben
genossen Kaiser Langenbeck seinem Arbeits⸗
den deutschen Waffen zurückblieb.