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Jauszusprechen.
Ullerhöch stdieselbe gegen die Herren des Hülfscomités äußerst anerkennend über die getroffenen Maßregeln aus und gab dem Ober⸗Bürgermeister Müller und dem Vor⸗
sitzenden des Provinzial⸗Hülfscomités, Grafen Posadowski,
gegenüber dem tiefen Bedauern darüber Ausdruck, daß Se. Majestät der Kaiser nicht persönlich nach Posen habe kommen können. Ihre Majestät äußerte schließlich: man dürfe sich wohl der Hoffnung hingeben, daß es der staatlichen und pri⸗ vaten Hülfe gelingen werde, das Unglück, welches die Provinz betroffen habe, zu lindern. Sodann begab Sich die Kaiserin nach den Kasernements des Leib⸗Husaren⸗Regiments Kaiserin, Nr. 2, verabschiedete Sich daselbst und fuhr nach dem Bahn⸗ hof. Dort hatten sich inzwischen wieder die Spitzen der Be⸗ hörden, darunter der kommandirende General, der Erzbischof und der Ober⸗Bürgermeister zur Verabschiedung eingefunden. Um 5 ⅛ Uhr reiste die Kaiserin ab. Die Aufnahme des Allerhöchsten Besuchs war in allen Schichten der Bevölkerung eine einmüthig überaus begeisterte. Ihre Majestät nahm Ver⸗ anlassung Allerhöchstihre außerordentliche Befriedigung darüber Die Rückreise nach Charlottenburg erfolgte mittelst Extrazuges über Bentschen, Schwiebus und Frank⸗ furt a. Oder.
Landsberg a. W., 9. April. Der „Neumärkischen Zei⸗ tung“ zufolge sagte Ihre Maäjestät die Kaiserin bei Ihrer heutigen Anwesenheit zu dem Landrath Jakobs: „Ich beauftrage Sie, Allen, die sich bei der jetzigen Gefahr hülf⸗ reich betheiligt haben, den Dank Sr. Majestät des Kaisers sowie den Meinigen auszusprechen. Wir nehmen den tiefst⸗ empfundenen Antheil an dem Unglückund hoffen, was Menschen⸗ hülfe lindern kann, zu lindern“. Zu Herrn von Klitzing sagte Ihre Majestät: „Ich danke Ihnen persönlich und soll Ihnen, im Namen Sr. Majestät des Kaisers, der leider durch Krankheit verhindert ist, Selbst herzukommen und Mich des⸗ halb gesendet hat, besonders aussprechen, daß sich die märkische
Treue wie immer so auch diesmal und, Gott sei Dank, mit
Erfolg bewährt hat.“
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— Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Handel und Verkehr und für Eisenbahnen, Post und Tele⸗ graphen, sowie der Ausschuß für Justizwesen hielten heute Sitzungen.
— Auf der Tagesordnung der am Mittwoch, den 11. d. M., Vormittags 11 Uhr, stattfindenden 41. Plenar⸗ sitzung des Hauses der Abgeordneten stehen folgende Gegenstände: Zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Regulirung der Stromverhältnisse in der Weichsel und Nogat. — Erste und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erweiterung der Stadtgemeinde und des Stadt⸗ kreises Harburg. — Erste und zweite Berathung des Gesetz⸗ entwurfs, betreffend die Verfassung der Realgemeinden in der Provinz Hannover. — Erste und zweite Berathung des Gesetz⸗ entwurfs, betreffend die Vereinigung der Landgemeinden Geestemünde und Geestendorf.“
— In Bezug auf §. 224 des Strafgesetzbuchs, wonach eine schwere Körperverletzung vorliegt, wenn sie zur Folge hat, daß der Verletzte in Siechthum verfällt, hat das Reichsgericht, II. Strafsenat, durch Urtheil vom 13. Januar d. J. ausgesprochen, daß der Begriff des Ver⸗ fallens in Siechthum einen chronischen Krankheitszustand er⸗ fordert, welcher den gesammten Organismus ergreift, eine erhebliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, ein Schwinden der Körperkräfte und Hinfälligkeit zur Folge hat, welcher zwar nicht unheilbar zu sein braucht, dessen Heilung aber überhaupt oder doch der Zeit nach sich nicht be⸗ stimmen läßt.
— Aus Anlaß einer Anfrage hat das Reichs⸗Versiche⸗ rungsamt unter dem 10. März d. J. (Nr. 511) sich dahin aus⸗ gesprochen, daß auch die Wege⸗ u. s. w. Bauarbeiten, welche mittelst Leistung von Gemeindediensten (Frohnden) ausgeführt werden, als versicherungspflichtige Bauarbeiten der betreffenden Gemeinde (§. 4 Ziffer 4 Absatz 1 des Bauunfallversicherungs⸗ gesetzes), und die Gemeindemitglieder, welche hierbei Hand⸗ oder Spanndienste u. s. w. leisten, als versicherte Arbeiter der Gemeinde anzusehen sind.
— Se. Durchlaucht der Prinz Friedrich von Hohenzollern, General⸗Major à la suite des 2. Garde⸗ Dragoner⸗Regiments und Commandeur der 3. Garde⸗Kavallerie⸗
Brigade, ist von Urlaub nach München hierher zurückgekehrt.
— Der General⸗Lieutenant Mischke, General⸗Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Inspecteur der Kriegsschulen, hat eine Dienstreise zur Inspizirung von Kriegsschulen, zunächst nach Glogau, angetreten.
— S. M. Kanonenboot „Iltis“, Kommandant Kapitän⸗ Lieutenant von Eickstedt, ist am 8. April cr. in Amoy eingetroffen und beabsichtigt, am 11. dess. Mts. wieder in See zu gehen.
Bayern. München, 10. April. (W. T. B.) In der gestrigen Sitzung des Finanz⸗Ausschusses der Ab⸗ geordnetenkammer, in welcher der Militär⸗Etat be⸗ rathen wurde, antwortete der Kriegs⸗Minister von Hein⸗ leth auf eine bezügliche Anfrage: der Kriegs⸗Minister sei der erste Offizier der Armee und stehe dienstlich selbst über dem General⸗Inspecteur; seine Vertretung liege daher dem nächst⸗ höchsten General ob. Bei seiner jüngsten Beurlaubung habe seine Vertretung daher dem Prinzen Leopold obgelegen; die Verantwortlichkeit habe er selbst weiter behalten resp. ge⸗ tragen. Schließlich wurde das erste Kapitel des Militär⸗Etats genehmigt.
Sachsen. Dresden, 8. April. (Dr. J.) Der König ist heute früh, von Riva zurückkehrend, hier eingetroffen und hat sich nach der Königlichen Villa zu Strehlen begeben. — Der Prinz Georg hat sich mit den Prinzen Johann Georg und Max und der Prinzessin Mathilde heute früh nach Süddeutschland begeben.
Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 9. Avpril. (Th. C.) Die Großherzogin beging gestern ihren Geburtstag. Die Feier desselben beschränkte sich auf den Kreis der Großherzoglichen Familie, da mit Rücksicht auf die tiefe Betrübniß, in die das Großherzogliche Paar durch den Heimgang Kaiser Wilhelm's versetzt ist, von jeder größeren Festlichkeit Abstand genommen worden war. — Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg⸗Schwerin, welcher am Sonnabend hier eingetroffen war, kehrte heute Abend nach Potsdam zurück, doch wird seine Gemahlin, Herzogin Elisabeth, noch einige Tage hier verweilen.
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Schaumburg⸗Lippe. Bückeburg, 8. April. Se. Durchlaucht der Fürst empfing am heutigen Tage in feierlicher Audienz den in Oldenburg residirenden, bisherigen Königlich preußischen außerordentlichen Gesandten und bevoll⸗ mächtigten Minister am Fürstlichen Hofe, Kammerherrn von Normann, welcher die Thronbesteigung Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedrich notifizirte und seine neuen Akkreditive überreichte.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 9. April. Das „Prager Abendblatt“ schreibt: Die meritorischen Verhandlungen, be⸗ treffend die Erneuerung und Reform des Wehrgesetzes, werden jetzt zwischen den beiderseitigen Landesvertheidigungs⸗ Ministern fortgesetzt. Dieser wichtige Gesetzentwurf dürfte diesmal, nicht so wie vor zehn Jahren, lediglich eine Erneue⸗ rung des 1868er Wehrgesetzes bilden, sondern mehrere Modifi⸗ kationen von wesentlicher Bedeutung enthalten. So soll von der ziffermäßigen Fixirung des Kriegsstandes der gemein⸗ samen Armee Umgang genommen werden. Eine weitere wichtige Anordnung des Wehrgesetzes wird, der „Bud. Corr.“ zufolge, die Bestimmung bilden, daß die Wehrpflicht anstatt mit dem 20., mit dem 21. Lebensjahre beginnt. Wesentliche Aenderungen werden ferner bezüglich der Einjährig⸗Freiwilligen⸗ Institution geplant. Namentlich sollen die Einjährig⸗ Freiwilligen im Gesetz ausdrücklich verpflichtet werden, mit Ende ihres Dienstjahres die Offiziersprüfung ab⸗ zulegen, da sie sonst noch ein zweites Jahr dienen müßten. Diese Aenderungen des Wehrgesetzes wurden übrigens von den Wiener Blättern bereits vor einigen Monaten als bevorstehend signalisirt. Der „B. Corr.“ zufolge dürfte im neuen Wehr⸗ gesetz auch ausgesprochen werden, daß der Reichs⸗Kriegs⸗ Minister in bestimmten Fällen im Frieden den Stand einzelner Regimenter provisorisch in der Weise erhöhen kann, daß z. B. blos die Reservisten des jüngsten Jahrganges und außerdem die Ersatz⸗ reservisten zu ihrer Truppe einberufen werden. — Die Verhand⸗ lungen zwischen den beiderseitigen Ministerien werden übrigens noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen und dürften die betreffenden Gesetzvorlagen erst im Herbst in den Parlamenten zur Unterbreitung gelangen.
Pest, 9. April. (Prg. Abdbl.) Der Finanzausschuß verhandelte heute über den Lloydvertrag. Nächster Tage
beginnt die Debatte über die Spiritussteuer.
Großbritannien und Irland. London, 9. April. (W. T. B.) Das Unterhaus nahm in seiner heutigen Sitzung mit 184 gegen 109 Stimmen in erster Lesuͤng die Bill an, durch welche dem parlamentarischen Unter⸗ Staatssekretär für Irland ein Gehalt bewilligt wird. Bei der hierauf fortgesetzten Budgetberathung erklärte
Gladstone: er behalte sich die Darlegung seiner Ansicht über
die neuen Steuern einstweilen noch vor. Die Opposition werde sich wahrscheinlich verpflichtet sehen, in Betreff der Erbschaftssteuer die Gleichstellung derselben bei beweglichem und unbeweglichem Vermögen zu beantragen, während jetzt das bewegliche Vermögen stärker besteuert werden solle. Der Schatzkanzler Goschen erklärte: die Regierung werde seiner Zeit bereit sein, einen solchen Antrag zu diskutiren; Gladstone übersehe, daß der Werth des Grundbesitzes stark gefallen sei. — Der Unter⸗Staatssekretär Fergusson antwortete auf eine bezügliche Anfrage: die Anleihe, die Egypten jetzt aufzu⸗ nehmen beabsichtige, betrage 2 Millionen egyptische Pfund; die⸗ selbe habe keine Priorität vor früheren Anleihen und berühre die für letztere verpfändeten Sicherheiten in keiner Weise. — Der Kanzler der Schatzkammer, Goschen, erklärte: die Stempel⸗ steuer von 6 Pence für Schlußnoten solle auf solche Schlußnoten beschränkt bleiben, bei denen es sich um den Betrag von 100 Pfund übersteigende Abmachungen handele; für alle anderen Schlußnoten solle die Stempelsteuer von 1 Penny bestehen bleiben.
— 10. April, früh. (W. T. B.) Bei der im Unter⸗ hause fortgesetzten Budgetberathung wurden sämmtliche Budgetanträge angenommen. Der Kanzler der Schatzkammer, Goschen, erklärte im Laufe der Berathung: er sei bereit, jeden Vorschlag bezüglich eines besseren Modus für die Be⸗ steuerung fremder Sicherheiten einer Prüfung zu unterziehen, glaube indeß, den besten Modus gewählt zu haben. Betreffs der Rad⸗ und Wagensteuer werde er, wenn irgend möglich, eine Ermäßigung eintreten lassen.
— 10. April, früh. (W. T. B.) Der Prinz von Wales ließ dem Lord-Mayor gestern für die von den Ueber⸗ schwemmungen in Preußen Heimgesuchten den Betrag von 100 Pfd. Sterl. mit einem Handschreiben zugehen, in welchem Se. Königliche Hoheit seine Befriedigung über die vom Lord⸗Mayor veranlaßte Bildung eines Hülfsfonds aus⸗ spricht. Von dem Bankhause Rothschild wurden dem Lord⸗ Mayor 300 Pfd. Sterl., von der Firma Schröder 500 Pfd. Sterl. für den Hülfsfonds übersendet.
Frankreich. Paris, 8. April. (Köln. Ztg.) General Warnet, der Nachfolger Boulanger's in dem Kommando des 13. Armee⸗Corps, hielt gestern seinen Einzug in Clermont⸗ Ferrand, wo er von vielen Einwohnern wohlwollend be⸗ grüßt wurde. In seinem Tagesbefehle sagt Warnet: „Ver⸗ eint in dem gleichen Geiste der Ergebenheit gegen die republi⸗ kanische Regierung werden wir zusammenwirken, um die Sicherheit und Größe derselben zu schützen, und niemals ver⸗
essen, daß der Soldat nichts im Herzen haben darf als die egeisterung für die Pflicht, das Gebot der Ehre und die Liebe zum Vaterlande.“
— 9. April. (W. T. B.) Ein heute veröffentlichter Brief Boulanger's an seine Wähler im Departement Dordogne dankt für die großartige Kundgebung, welche der Patriotismus derselben aus freien Stücken für ihn ins Werk gesetzt habe. Jedermann werde begreifen, daß es sich hier nicht mehr um einen Mann handelte, sondern um das Vaterland, um dessen Würde und Zukunft. Man werde wissen, daß das Dordogne⸗Departement nicht geneigt sei, sich von einem Parlament mit Beschlag be⸗ legen zu lassen, dessen Unfruchtbarkeit und Ohn⸗ macht schließlich die Republik dem Gespött Europas ausliefern würde. Die gestrige Wahl bestätige die Nothwendigkeit der Auflösung der Kammer und der Revision der Verfassung. „Das allgemeine Stimmrecht,“ heißt es weiter in dem Schrei⸗ ben, „ist unser Herr; es ist unerträglich, wenn Politiker, die keine Achtung mehr genießen, sich anmaßen, dasselbe zu ihrem Diener zu machen. Die Wirkung der gestrigen Wahl ist eine ungeheure. Ich habe Sie nicht um Ihre Stimmen ersucht, ich habe mich verpflichtet, die Kandidatur für das Nord⸗Departement anzunehmen. Am nächsten Sonntag werden
sich die Stimmen dieses Departements mit Ihren Stimmen vereinigen zu einer neuen bezeichnenden Protestkundgebung. Sie werden Ihre Stimmen nur Männern geben, welche wie ich die nationale und republikanische Politik ohne Kompromiß und ohne Schwäche unterstüzen. Die Stunde ist gekommen, wo alle Franzosen ohne Unterschied ihrer Landschaften und Provinzen sich vereinigen müssen in der alleinigen Idee und zu dem einzigen Zwecke der Größe des Landes.“
Italien. Rom, 9. April. (W. T. B.) General San Marzano meldet telegraphisch aus Massovah u. d. 8. April: Heute früh hier eingegangene Nachrichten bestätigen, daß Ras Alula in Ungnade gefallen ist und es als fast sicher angesehen werden kann, daß Ras Agos an seine Stelle treten werde. Außerdem heißt es, daß der Rückzug der be⸗ waffneten Massen heute früh begonnen habe, nachdem das Gepäck des Negus und der Anführer der Truppen bereits nach Adua abgeschickt war. Die zahlreichen unbewaffneten Einwohner, welche dem Heere gefolgt waren, sind fast sämmt⸗ lich in ihre heimathlichen Wohnsitze zurückgekehrt.
— 9. April. (W. T. B.) In Bernalda (Provinz Potenza) kam es wegen der Kopfsteuer zu einem thätlichen Konflikt zwischen den Bauern und Gendarmen. Letztere waren genöthigt, von der Feuerwaffe Gebrauch zu machen, wobei 4 Bauern getödtet und mehrere verwundet wurden. Auch von den Gendarmen wurden mehrere verwundet. — Am Sonnabend, Sonntag und heute sind die österreichischen Pilger hier eingetroffen.
Spanien. Madrid, 9. April. (W. T. B.) Die Königin⸗Regentin empfing heute den außerordent⸗ lichen Abgesandten des Kaisers Friedrich, Fürsten Radziwill, in feierlicher Audienz, welcher die Minister bei⸗ wohnten.
Türkei. Konstantinopel, 9. April. (Prag. Abdbl.) Die „Agence Havas“ meldet: Die Nachrichten über die Bewegung in Kreta sind übertrieben. Es ist unrichtig, daß die Muselmanen in einem Telegramm die Absetzung der Regierung verlangten; jedoch trifft hier eine Deputation von Muselmanen ein, um bei der Pforte Beschwerden vorzu⸗ bringen.
Rumänien. Bukarest, 9. April. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer verlas der Minister des Auswärtigen, Carp, eine ministerielle Er⸗ klärung, welche besagt, der König habe die dermaligen Minister zu ihren Posten berufen, weil dieselben den Parteien vollständig neutral gegenüberständen und stets unparteiisch sein würden. Was die auswärtige Politik angehe, so sei es Legende, wenn man behaupte, die Politik Rumäniens sei lediglich im Schlepptau Deutschlands. Insofern als Deutsch⸗ land keine Politik auswärtiger Einmischungen treibe, sondern sich wesentlich in seiner auswärtigen Politik von den Ideen leiten lasse, die es für seine inneren Verhältnisse verfolge, sei die Regierung allerdings eine Anhängerin deutscher Politik, weil auch sie die Verbesserung der inneren Lage des Landes ausschließlich im Auge habe. Der Minister legte darauf das Programm der vom Ministerium verfolgten inneren Politik dar und bemerkte betreffs der Neuwahlen zu den Kammern, es sei unmöglich, dieselben während der jetzigen Agitation vorzunehmen, man müsse eine Beruhigung der Geister abwarten, dann erst werde die Regierung zur Auflösung der Kammern schreiten. Gleichzeitig forderte der Minister die Kammern zur Votirung des Budgets auf, die Regierung werde den desfallsigen Beschluß nicht als ein Vertrauensvotum ansehen, sondern als einen patriotischen Akt.
Zeitungsstimmen.
Verleumdung der deutschen Wirthschafts⸗
Ueber die Lirthscha „Deutsche volkswirthschaftliche
politik bemerkt die Correspondenz“: Wenn in Deutschland hin und wieder einmal der Vorwurf er⸗ ben wird, daß gewisse deutsche Politiker, namentlich auf wirth⸗ ftlichem Gebiet, ihrer Unzufriedenheit mit den ihren Wünschen entsprechenden Zuständen, in etwas ungezügelter Weise Ausdruck n, wenn der Vorwurf gemacht wird, ihr Vorgehen wäre ein un⸗ iotisches und unwürdiges, so wird Zeter und Mordio über die blichen Reaktionäre geschrieen, die sich nicht entblöden“, gute Unter⸗ en mit dem Vorwurf der Reichsfeindschaft zu belegen. Von ner wirklichen Reichsfeindschaft der oppositionellen liberalen Parteien un ja nicht wohl die Rede sein, und ist auch in diesem Sinn nie die Rede gewesen. Dagegen muß das Verhalten der freihändlerisch⸗ freisinnigen Partei in der Presse des In⸗ und Auslandes mit dem Ausdruck des höchsten Unpatriotismus, als eine verleumderische Rück⸗ sichtslosigkeit gegen die deutsche Regierung und das deutsche Volk bezeichnet werden b wir, was in einem Wiener Blatt, dem „Börsen⸗ und ein „Berliner Correspondent“ für wunderliche An⸗ auskramt, und es wird von allen Unparteiischen zugestanden „daß eine solche Handlungsweise obige Bezeichnung in vollem ße verdient. Es wird zunäͤchst hervorgehoben, daß „Deutsch⸗ land an der Verschlimmerung der Verhältnisse die Haupt⸗ schuld trägt“. Die Gründe dafür werden in dem Nicht⸗ zustandekommen eines „neuen, beiden (Oesterreich und Deutsch⸗ land) zusagenden und vortheilhaften Handelsvertrags“ und in dem Ablauf des deutsch⸗ schweizerischen Handelsvertrags gesehen. Aber diese Argumente sind bekannt, und es lohnt sich nicht, darauf hinzuweisen. Indeß hat der Korrespondent bessere in petto, er weist zur Verurtheilung der deutschen Handelspolitik nämlich auf — Bulgarien hin. „So hat z. B. Bulgarien“, heißt es, „den bisber bestehenden Salzzoll beinahe verdoppelt, indem es in Zukunft bei der Einfuhr von Salz statt des bisherigen Zolles von 6 Fr. für 100 Oca, hinfert einen solchen von 11 Fr. erheben wird. Und nicht genug daran, hat es noch eine fernere Bestimmung getroffen, welche dahin geht, daß das in den Niederlagen in Bulgarien befindliche Salz, sobald seine Menge 1000 Oca übersteigt, einer weiteren Ergänzungsabgabe vor 5: Fr. für je 100 Oca unterliegt. Diese Verdoppelung ist so schön und herzgewinnend, daß sie selbstverständlich nicht auf die Zukunft beschränkt bleiben darf, sondern daß das kleine Bulgarien in dieser Beziehung auch das Beispiel des großen Deutschland nachahmt, indem es der Zollerhöhung rückwirkende Kraft beilegt, und von dem gegen⸗ wärtig in den Zollniederlagen befindlichen Salz bei dessen Eintritt in den freien Verkehr ebenfalls 11 Fr. für je 100 Oca an Zoll ent⸗ richten läßt. ; Die Türkei kann selbstverständlich, so fährt der Bericht fort, hinter diesem erfreulichen Beispiel ihres bulgarischen Vasallen nicht zurückbleiben und hat deshalb eine Verordnung veröffentlicht, derzu⸗ folge sie bei der Durchfuhr von ausländischen Waaren nach Bulgarien und Ost⸗Rumelien in Zukunft einen Werthzoll und zwar von 1 % des Werthes erheben wird. Wie in dieser Beziehung der Großherr der Türkei das in Bulgarien eingeführte deutsche Beispiel nachahmt, so ahmt er in einem anderen Fall auch französisches nach, welches in Deutschland ebenfalls eingeführt werden sollte, aber nach langwierigen Ver⸗ e nicht zur Ausführung gekommen ist; wenigstens nicht 97.
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da der Reichstag augenblicklich unter Kaiser Friedrich nicht
(Deutschland, noch dazu in Berlin, einen so „klugen“ Mann giebt, das glaubt. 2s 381 L
tirmal den Versuch wagte, auf der wirklichen Duroführung dief
Beispiels zu bestehen. Die Türkei hat natürlich nicht nöthig, sich um solche Kleinigkeiten zu kümmern, und deshalb hat die hohe Pforte einfach verordnet, daß Dampfer unter fremder, d. h. nicht türki⸗ scer Flagge die Küstenschiffahrt im Marmarameer nicht mehr aus⸗ üben dürfen. Es kann gin der ganzen Welt nichts Absurderes ceben, als das Vorgehen Bulgariens und der Türkei auf die Nach⸗ Ebmung des deutschen Beispiels zurückzuführen. In Bulgarien und am goldenen Horn weiß man ständig nicht, wo das Geld ber⸗ unehmen ist, jede Maßregel zur Erlangung ist gut. Mit zoll⸗ volitischen Reformplänen zum Schutz der einheimischen Industrie und Landwirthschaft sich zu beschäftigen, daran denkt kein Würdenträger der Türkei in dem gegenwärtigen Augenblick. Man würde sich am
Tü Bosporus und in Sofia gewiß sehr wundern, zu erfahren, daß es in 2 hc 8
— Zur Frage der Postsparkassen führt der „Hanno⸗ versche Courier“ aus: 1
Der Segen der Postsparkassen ist in den Ländern, wo dieselben
führt sind, längst erkannt, und wird, je weiter sich die Betheili⸗
n dieser Einrichtung in den unteren Volksschichten ausbreitet,
öher geschätzt. In Italien, wo die Postsparkassen sich durch⸗
ebürgert haben, sind die Erfolge dieses Instituts wahrhaft
Die Zahl der Sparer hat sich außerordentlich vermehrt,
em Nationalvermögen sind sehr bedeutende Summen erkalten,
verzettelt und meist in die Wirthshäuser getragen
Dabei hat sich erwiesen, daß die bereits be⸗
älteren Sparkassen und Volksbanken nicht allein
befürchtet wurde, nicht zurückgegangen, sondern
Tempo fortgeschritten sind. Bekanntlich ist bei
ähnlichen Befürchtungen das Postsparkassengesetz zu Falle
— man hat dadurch die so außerordentlich wichtige Weckung
des Sparsinns in den unteren Volksschichten hintangehalten, ohne den
ommunalen Sparkassen das Geringste zu nützen. Wie sollen Spar⸗
kassen Arbeitern, Dienstboten ꝛc., kurz allen den Elementen aus dem
8 8 t
Prbeitenden Volk, denen Zeit Geld ist, nützlich sein, wenn sie ihre Weforten alle Woche wenige Male und dann auch nur auf wenige
Stunden aufthun? Wer da Geld belegen will, kann nter Umständen mehrere Stunden warten, so viel Stun⸗ hen, wie sie der einzelne Arbeiter kaum den ganzen Tag ber für seine Essens⸗ und Erholungszeit hat! Damit ist der Arbeiter en diesen Sparinstituten so gut wie ausgeschlossen. Wie sehr cklagenswerth das ist, ergiebt sich aus den neuesten Veröffent⸗ 1 n der italienischen General⸗Postdirektion über die Bewegung er Postsparkassen im Jahre 1887. 150 neue Postämter wurden mit parkassenzahlstellen errichtet, so daß jetzt im ganzen Königreich 237 solcher Zahlstellen vorhanden sind, welche im verflossenen Jahre 920 000 Einzahlungs⸗ und 1069 000 Auszahlungsakte vornahmen. interlegt wurden 159 ½ Millionen Lire (à 80 ₰) und zurückgezogen 46 ¼ Millionen, so daß der Ueberschuß der eingezahlten Summen ionen beträgt. Von der Gründung der Kassen im Jahre 1876 an bis
des vorigen Jahres wurde im Ganzen ungefähr eine
zahlt, wovon 700 Millionen wieder herausgenommen
dem kurzen Zeitraum von 10 Jahren betragen demnach
bei den Postkassen niedergelegten und noch vorhandenen Er⸗ ungefähr 300 Millionen Franken, eine Summe, die um so edeutender erscheinen muß, als Italien keineswegs zu den reichen Pändern gehört, und die Postsparkassen hauptsächlich nur von der meren Bevölkerung benutzt werden. — In Deutschland würde sich die acche ohne Zweifel ganz ahnlich gestalten, so daß die Einführung der st varkassen einen weiteren wichtigen Fortschritt auf dem Wege der
taltung unserer sozialen Einrichtungen bildete.
Statistische Nachrichten.
Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund⸗ eitsamts sind in der Zeit vom 25. bis 31. Mär
1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt ber
e emeldet: in Berlin 21,7, in Breslau 30,2, in Königsberg
8,1, in Frankfurt a. M. 23 2, in Wiesbaden 28,6, in Han
n Kassel 17,8, in Magdeburg 24,0, in Stettin 19,1, in Altona 34,4,
n Straßburg 30,1, in Metz 29,5, in München 27,8, in Nürnberg 31,8
Augsburg 25,9, in Dresden 29,1, in Leipzig 18,9, in Stuttgart 23,8, in
6,3, in Braunschweig 24,2, in Hamburg 25,1, in Wi
3, in Pest 39,2, in Prag 35,0, in Triest 36,7, in Krakau
t Amsterdam 23,4 in Brüssel 26,1, in Paris 26,8, i s
London 20,3, in Glasgow 27,5, in Liverpool 22,4, in Dublin
inburg 22,8, in Kopenhagen 29,6, in Stockholm *
ania 2, in St. Petersburg 37,4, in Warschau 2, in
21,9, in Rom 30,7, in Turin 26,3, in Venedig 31,6, in Ferner in der Zeit vom 4. März bis 10. März
in Ne⸗ rk 27,9, in Philadelphia 19,4, in Baltimore 22,7,
alkutta 2, in Bombay 23,2, in Madras 2.
. ichkeitsverhältnisse blieben in der Berichtswoche in städten Europas ähnliche wie in der vorhergegangenen gering war die Sterblichkeit in Essen (noch nicht und Jahr berechnet). Recht günstig (noch nicht
ille und Jahr erreichend) war die Sterblichkeit in Leipzig, Bremen, Frankfurt a. O., Aachen, Düffeldorf, Elberfeld, lsruhe, Kopenhagen; mäßig hoch (etwas über 20,0 pro Jahr) war sie auch in Berlin, Barmen, Darmstadt, dessa. Eine sehr hohe Sterblichkeitsziffer (über Mille und Jahr) meldet von den deutschen
— Erheblich seltener als in der Vor⸗
an vielen Orten akute Entzündungen der
zum Vorschein und führten auch weniger
efälle herbei; dagegen haben Darmkatarrhe und Brechdurchfälle
* Kinder vielfach Skreichere Sterbefälle bervorgerufen, wie in
erlin, Breslau, München, Dresden, Altona, Wien, Paris,
t. Petersburg. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterb⸗
m Allgemeinen eine etwas gesteigerte (in München eine
erlin 87, in
berminderte). Von se 10 000 Lebenden starben aufs Jahr berechnet in
München 92. — Von den Infcktionskrankbeiten fäll Masern, Scharlach, Diphtherie, typhösen Fiebern vielfach seltener gemeldet, nur der Keuchhusten raffte . er als in der Vorwoche hin. — So haben Sterbefälle an Fasern in Hamburg, Straßburg, Prag, Paris, London, St. Peters⸗ eg weniger Sterbefälle veranlaßt, nur in Wien war die Zahl der cdesfälle eine etwas vergrößerte. Erkrankungen wurden gleichfalls * dibnt meisten Orten seltener, nur aus Pest und Edinburg häufiger Das Scharlachfieber hat in Danzig, Wien, St. ehervos weniger, dagegen in Prag und London etwas mehr Todes⸗ 2 in brperufen Neue Erkrankungen blieben in Berlin, Breslau, Ham⸗ 8 dd eschränkter Zahl; in Wien, St. Petersburg und Kopenhagen p drese en jedoch noch zahlreich. Die Sterblichkeit an Diphtherie vobeoup war in Hamburg, Leipzig, Hannover, Nürnberg, eeeburg, Wien, Kopenhagen, London eine verminderte, in Berlin, en die gleiche wie in der Vorwoche; sie hat dagegen in Dresden, Er⸗ a. M., Danzig, Pest, Paris, St. Petersburg zugenommen. „Erkrankungen wurden aus Berlin, Hamburg, Nürnberg, den Flerungsbezirken Hildesheim und Schleswig, ferner aus Wien und g in größerer, aus Kopenhagen und St. Petersburg in geringerer Haur Anzeige gebracht. — Der Unterleibstyphus forderte aarg, Altona, Chemnitz (20 Todesfälle in der Berichtswoche), 884 e Petersburg weniger, in London fast die gleiche Zahl von hädten, aus; der Vorwoche. Neue Erkrankungen haben in den An Flectt denen Mittheilungen vorliegen, gleichfalls abgenommen. Pelere- vphus kamen aus Magdeburg, Braunschweig, London, 4 Erk je 1, aus Prag 4 Todesfälle, aus St. Petersburg ep idenn ngen zur Anmeldung. Aus Nürnberg wird 1-Erkrankung ndun 8 cher Genickstarre mitgetheilt. Rosenartige Ent⸗ tseltesen des Zellgewebes der Haut waren in Berlin und Wien len. — Dem Kindbettfieber erlagen in London eine größere
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Zahl von Frauen. — Die Zahl der Sterbefälle an Keuchhusten war in Paris, London, Dublin, Glasgow, Liverpool eine gesteigerte, in Berlin eine etwas verminderte; in Hamburg, Wien und Kopenhagen lamen zahlreiche Erkrankungen zur Mittheilung. — Vereinzelte Todes⸗ fälle an Pocken wurden aus Wien und St. Petersburg, mehrfache aus Triest und Paris (je 4), aus den Vororten Wiens (5), aus Prag 18 demeldet, neue Erkrankungen kamen aus Pest 1, aus St. Petersburg 2, aus Wien 6 zur Anzeige.
Die sanitären Verhältnisse in Berlin blieben auch in dieser Berichtswoche günstige, die Sterblichkeit fast die gleich bohe wie in der vorangegangenen Woche. Etwas häufiger als in der Vorwoche kamen akute Entzündungen der Athmungsorgane und Katarrhe der Luftwege zum Vorschein, doch war die Zahl der durch sie hervor⸗ gernfenen Sterbefälle eine kleinere als in der vorhergegangenen Woche. Sehr zahlreich kamen auch in dieser Woche Darmkatarrhe und Brech⸗ durchfälle der Kinder zur ärztlichen Behandlung und führten auch in etwas gesteigerter Zahl zum Tode. Von den Infektionskrank⸗ heiten blieb das Vorkommen von Unterleibstyphus, von Masern und Scharlach in allen Stadttheilen ein beschränktes; Erkran⸗ kungen an Diphtherie wurden, besonders aus dem Stralauer Viertel und aus dem Schöneberger Vorstadtbezirk etwas häufiger als in der Vorwoche zur Anzeige gebracht. Weitere Erkrankungen an Pocken sind nicht gemeldet worden, an Kindbettfieber 2. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut zeigten keine wesentliche Ver⸗ änderung in ihrem Vorkommen. Erkrankungen an Keuchhusten waren häufig, die Zahl der Sterbefälle nur wenig gegen die Vorwoche ver⸗ mindert. Rheumatische Erkrankungen der Muskeln und namentlich an akutem Gelen is s b ärztlichen Beobachtung.
Kunst, und Literatur. 9. April. (W. T. B.) Der Kustos der Gemälde⸗ Kaiserlichen Hauses, Maler Schellein, ist gestorben. kehrswege im Dienste des Welthandels. raphische Untersuchung sammt einer Einleitung für von den geographischen Entfernungen“ von.
. Götz, Dozenten der Technischen Hochschule München. †Karten in Farbendruck. Stuttgart, Verlag von Ferdinand 1— 8. — Zu dem vorstehend bezeichneten Werke, dem Ergebniß erstaunlichen Fleißes und umfassendster Studien, welches die Lehre von den Fortschritten in der Ueberwindung geographischer Entfernungen für die Eütergewinnung und „Vertheilung oder von der Zunahme der praktischen gegenseitigen Annäherung räumlich distanter Punkte der Erdoberfläche für genannten Zweck einzuleiten bezweckt, hat der Verfasser aus dem Passus in Ratzel’'s „Anthropogeo⸗ graphie“: „eine Wissenschaft der Entfernungen zu abstrahiren sei das erste Erforderniß der Geographie, wenn diese sich als Wissenschaft der räumlichen Anordnungen auf der Erde bethätigen solle, und sie werde sich eines Tages als gebieterische Nothwendigkeit aufdrängen,“ die Anregung gewonnen. — Inhalts⸗ angabe: Theoretische Einleitung. — Die Verkehrswege im Welthandel. Entwickelungsphasen (6): I. Periode (3000 — 850 v. Chr.): A. Die Länder mit der frühesten Förderung des Verkehrslebens. B. Oestliche Kulturheimstätten. Ergebnisse. — II. Periode (850 — 264 v Chr.): I. Assprische und babylonische Gebiete. II. Länder des Perserreichs und Alexander's des Großen lexkl. Phönike) III. Arabischer Küsten⸗ und Binnenverkehr. IV. Phönike. (Tyrus. Handelsbetrieb.) Karthago 221. N. Länder des Nilgebiets. VI. Die Gebiete am Aegeischen Meere. VII. Punisches Afrika. VIII. Italien und seine Nachbargebiete im NW. und N. IX. Verkehr nach Mitteleuropa. X. China. Er⸗ gebnisse. — III. Periode (264 v. Chr. bis 400 n. Chr.): I. Handels⸗ gebiete des römischen Reichs. II. Indien. China. Innerasien. Er⸗ gebnisse. — IV. Periode (400 — 1493 n. Chr.): I. Europa. II. Die Länder des Mittelmeers. III. Vom Rothen Meer und Euphrat zum Großen Oiean. IV. China und Innerasien. Ergebnisse. — X. Periode (1493—1819 [1807)): I. Amerika. II. Ozean⸗ Schiffahrt. III. Asien. 1V. Afrika. V. Europa (inklusive Mittelmeer). Ergebnisse. — VI. Periode (1819 — 1887 n. Chr.): I. Europa. II. Asien. III Afrika. IV. Amerika. V. Australien. — Weg um die Erde. Ergebnisse und Aufgaben. — Schlußwort. — Sachregister. — Personenregister. — Sicherlich wird dieses so gediegene und vortreffliche Werk nicht nur in den wissenschaftlichen, sondern auch in den kaufmännischen Kreisen, deren Handelsverbindungen über unseren Erdtheil hinausgreifen, einer anerkennenden Aufnahme begegnen, da dasselbe so manche beachtenswerthe Anregungen für die intensivere Ausgestaltung des Welthandels enthält.
— Die gesetzlichen Bestimmungen über die Natural⸗ leistungen für das Heerwesen, also derjenige Theil der militärischen Vorschriften, welcher auch bei Civilbehörden, Gemeinde⸗ Verwaltungen ꝛc. fortwährend zu Gebrauch kommt, haben in den letzten Jahren so vielfache und tief eingreifende Veränderungen er⸗ fahren, so daß auf Veranlassung des Königlich preußischen Kriegs⸗ Ministeriums eine handliche Zusammenstellung und sachgemäße Er⸗ äuterung aller soeben dahingehörigen Gesetze neu veröffentlicht worden ist (Verlag der Königlichen Hofbuchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn, Berlin, Kochstraße 68 —- 70. Preis 5 Nℳ). 5
Dahin gehören also alle auf die Quartierleistung im Frieden bezüglichen einzelnen Landesgesetze; das Naturalleistungsgesetz, das Kriegsleistungsgesetz, das Pferde⸗Aushebungsreglement und das Festungsrayongesetz. Die seit Erlaß dieser Gesetze ergangenen Einzelbestimmungen sowie die zur Erläuterung und Vergleichung dienlichen Stellen anderer Gesetze sind als Kommentar überall hinzugefügt.
— Die Nr. 14 von „Schorer's Familienblatt“ (redigirt von Dr. Franz Hirsch) hat folgenden Inhalt: Die kleine Louison. — Aschenbrödel. Roman von H. Schobert. (12. Fortsetzung.) — Kaiser Friedrich als Soldat. — Die Herzensg te des Kaiserpaares. — Was ist Blutvergiftung? Von Sanit Dr. Cohnheim. — Etwas von der Jugend. Bismarck's Geburtstag. Gedicht von Johannes Trojan. — Die Hohenzollern und das Deutsche Reich. I. Mit einer Vignette und 2 Bildnissen. — Die Modistin. Novelle von D. Duncker. — Plauderecke. — Kunstblätter: Kaiser Friedrich. — Die Trauung des jetzigen Kaiserpaares. —. Der Kaiser auf dem Paradefelde in Stettin. Beilage: Das Kaisermärchen. Gedicht von Ulrich Meyer. — Schwu Treue für Kaiser Friedrich in der Ruhmeshalle. Originalzeichnung .Dettmann. ꝛc.
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Land⸗ und Forstwirthschaft.
Mittheilungen über den gegenwärtigen Stand der Saaten in der preußischen Monarchie. Provinz Westpreußen.
Reg.⸗Bez. Marienwerder: Ein einigermaßen sicheres Urtheil über den Stand der Saaten kann z. Z. nicht abgegeben werden. Durch Winterkälte werden dieselben im Allgemeinen nicht gelitten haben, weil sie fast ununterbrochen durch eine außergewöhnlich starke Schneedecke geschützt waren. An der Frühjahrsbestellung konnte während des verflossenen Viertel⸗ jahres noch nicht gearbeitet werden.
Provinz Brandenburg. 1 Reg.⸗Bez. Frankfurt: Ob die Saaten den Winter gut überstanden haben, läßt sich noch nicht beurtheilen. Mit der Frühjahrsbestellung hat noch nicht begonnen werden können.
Provinz Pommern. Reg.⸗Bez. Stralsund: Die Saaten haben sich in Fol ge des ungewöhnlich langen und strengen Winters nur mäßig entwickelt, waren aber überreich mit Schnee bedeckt. Nachd em
derselbe geschmolzen ist, läßt sich erkennen, daß die Saaten
einen befriedigenden Stand zeigen. bestellung hat noch nicht begonnen werden können. Provinz Posen.
1) Reg.⸗Bez. Posen: Die Wintersaaten bieten ein nur theilweise befriedigendes Bild; sie sind bei der im Spätherbst herrschenden Dürre vielfach nur langsam und ungleich auf⸗ gegangen, so daß dieselben bei Eintritt des Frostes zum Theil noch sehr wenig entwickelt waren. Die Schneedecke, soweit sie lag, hat jedoch die Winterung gut geschützt, so daß die Hoff⸗ nung auf Kräftigung dieser Saaten durch jetzt eintretende warme Witterung noch als unbenommen gelten kann. Zu beklagen ist die Verspätung der Frühjahrsbestellung.
2) Reg.⸗Bez. Bromberg: Ueber den Stand der Saaten läßt sich gegenwärtig, wo dieselben kaum von Schnee und Eis befreit und vielfach noch in Folge der ausgedehnten Ueber⸗ schwemmungen von Wasser bedeckt sind, ein sicheres Urtheil nicht abgeben. Auf den höher gelegenen Feldern ist der Stand schwach bis mittelmäßig, auf den niedriger belegenen Aeckern wird die lange Bedeckung der Saaten mit Eis und später mit Wasser voraussichtlich empfindlichen Schaden ange⸗ richtet haben. An sich waren die Saaten durchweg nur schwach bestockt in den Winter gekommen; der in überreichem Maße gefallene Schnee hat ihnen nicht vollen Schutz gewähren können, weil er bei stark bewegter Luft ungleichmäßig fiel. Die Feldarbeiten haben bis jetzt nicht wieder aufgenommen werden können.
Mit der Frühjahrs⸗
Provinz Schlesien.
Reg.⸗Bez. Breslau: Die hohe Sch ige, welche den ganzen Winter hindurch fast ununterbro die Felder bedeckte, hat bisher ein sicheres Urtheil über die Dur iterung der Saaten noch nicht durchweg gestattet. die letzteren zu Tage treten, zeigen sie eine graue Farbe, doch scheinen die Wurzelstücke nicht erheblich gelitten zu haben, so daß bei an⸗ haltend mildem Frühlingswetter wenigstens eine Mittelernte wohl noch zu erwarten ist. Die Bestellung der Sommerfrüchte kann bedauerlicherweise noch nicht vorgenommen werden, da die Felder überaus naß sind.
Provinz Sachsen.
1) Reg.⸗Bez. Magdeburg: Die jungen Saaten, welche allerdings zum Theil schon im Herbst zu wenig bestockt waren 8 sind ohne erheblichen Schaden durch den Winter gekommen, auch haben in den mehreren frostfreien Perioden alle noch rückständigen Vorbereitungen für di Frühjahrsbestellung bequem ausgeführt werden können. Die Bestellungsarbeiten selbst konnten bislang noch nicht begonnen werden und dürften dieselben auf den meisten Boden nicht vor Mitte April in Angriff zu nehmen sein. Es steht danach für die Wintersaaten im Allgemeinen eine gute Ernte in Aussicht, während für die Sommerfrüchte wegen der späten Bestellung eine solche nur bei einem ganz besonders günstigen Frühjahrs⸗ und Sommerwetter erwartet werden kann. 8
2) Reg⸗Bez. Merseburg: Die lange anhaltende rauhe und kalte Witterung hat die Vegetation sehr zurückgehalten, so daß sich zur Zeit ein einigermaßen sicheres Urtheil über den Stand der Wintersaaten und die Ernteaussichten nicht abgeben läßt. Nur so viel ist jetzt schon erkennbar, daß das Wintergetreide in den Niederungen durch das Hochwasser arg geschädigt ist. Auch auf höher gelegenen Theilen hat mit Bestellung der Felder bezw. der Frühjahrseinsaat noch nicht begonnen werden können.
23) Reg.⸗Bez. Erfurt: Ueber den Stand der Winter⸗ saaten läßt sich ein definitives Urtheil zur Zeit nicht abgeben. Im Allgemeinen kann wohl angenommen werden, daß die den größten Theil des Winters vorhanden gewesene Schneedecke immerhin für die Saaten von Vortheil war. Mit den Früh⸗ jahrs⸗ und Bestellungsarbeiten hat bis jetzt noch nicht begonnen werden können. 1 Provinz Schleswig⸗Holstein. Reg⸗Bez. Schleswig: Zur Zeit ist nicht anzugeben, o der in wie weit der Frost den jungen Saaten Schaden gethan hat, und wie dieselben durch den Winter gekommen sind. Die Saaten ruhten freilich gewöhnlich unter einer schützenden Schneedecke, doch hat der Ostwind gegen Ende März manche Felder derselben beraubt, und es liegt die Be⸗ fürchtung nahe, daß die starke Kälte dem Winterkorn stellen⸗ weise nachtheilig gewesen ist. Die Frühjahrsarbei haben bis jetzt nicht begonnen werden können. 1 Provinz Hannover.
1) Reg.⸗Bez. Hannover: Die Wintersaa unter der S gehalten. J der Roggen hat etwas mehr gelitten. Die Entwickelung der Saaten aber ist bedeutend zurückgeblieben. Am meisten Besorgniß um seine Saaten hat gegenwärtig der Land⸗ wirth in der unbedeichten Marsch. Die erste Ueberschwemmung hatte der Weizen gut überstanden; wie die Bestände nach der gegenwärtigen zweiten sich halten werden, muß die Zeit ern lehren. Der Klee ist zart und fein, aber gesund. Die Bestellungsarbeiten sind weit zurück, nur auf ganz leichtem Sandboden sind vereinzelt erste Versuche mit dem Ackern ge⸗ macht, in den Gegenden mit schwererem Boden ruhen Pflug und Egge bislang noch ganz. 1 2) Reg.⸗Bez. Hildesheim: Die Weizen⸗ und Roggen⸗ felder zeigen im Allgemeinen nur eine mäßige Entwickelung, doch läßt sich vor Abgang des hohen Schnees ein bestimmte⸗ res Urtheil darüber nicht abgeben; es scheint, als wenn Weizen⸗
Bei schnellem Auf⸗
„Bez. Han — Lintersaaten haben sich chneedecke im Allgemeinen in befriedigender Weise Insbesondere ist dies vom Weizen zu bemerken;
felder hin und wieder gelitten haben. thauen der gefallenen starken Schneemassen ist ein Austreten der bereits angeschwollenen Flüsse und Bäche und dadurch eine erhebliche Schädigung der Saaten in den Niederungen durch Ueberschwemmung zu fürchten. . 3., Reg.⸗Bez. Lüneburg: Es liegt zu einer Befürchtung, daß der lange Winter den Saaten geschadet hätte, keine Ver⸗ anlassung vor, und auch in den Ueberschwemmungsgebieten darf man hoffen, daß der Acker nach dem Ablaufen des Hoch⸗ wassers noch mit Sommerfrüchten wird bestellt werden können. Den höher gelegenen Geestländereien hat der Winter jeden⸗ falls nicht geschadet. Die Frühjahrsbestellung kann zwar erst jetzt beginnen und wird sich theilweise etwas verspaäͤten; die Saaten dagegen sind durch den Schnee vor dem Frost geschützt worden, fangen jetzt an, sich zu entwickeln und lasse auf eine gute Ernte hoffen. 1 14) Reg⸗Bez. Stade: Aus den Geestdistrikten wird ge⸗ meldet, daß der Roggen den Winter im Ganzen gut über standen habe. Sein Aussehen ist zwar kein besonders üppiges, doch darf man hoffen, daß die Pflanzen sich bald vollkommen erholen werden. In den Marschen sind Weizen, Roggen Gerste, Klee und Raps gut überwintert und zeigen ein voll⸗ kommen gesundes Aussehen. Wegen der Nässe des Bodens