1888 / 99 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 16 Apr 1888 18:00:01 GMT) scan diff

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16. April. (W. .) Der Postdampfer „Hungaria“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell⸗ schaft hat, von Westindien kommend, heute Lizard passirt. 16. April. (W. T. B.) Der Postdampfer „Moravia“⸗

r Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell aft hat, von New⸗York kommend, heute früh 7 Uhr Lizard

ssirt. Norddeutscher Lloyd in Bremen. (Letzte Nachrichten uüͤber die Bewegungen der Dampfer.) New⸗York⸗ und Baltimore⸗Linien: Bestimmung Bremen 13. April in Bremerhaven. Bremen 7. April von New⸗York. Bremen 11. April von New⸗York. New⸗York 9. April in New⸗York. New⸗York 13. April in New⸗York. New⸗York 9. April von Southampton. New⸗York 12. April von Southampton. New⸗York 14. April von Bremerhaven. Bremen 4. April von Baltimore. Bremen 8. April von Baltimore. Bremen 13. April von Baltimore. Baltimore 5. April Dover passirt. Baltimore 11. April von Bremerhaven. Brasil⸗ und La Plata⸗Linien:

Vigo, Bremen 13. April St. Vincent pass. Antwerpen, Bremen] 13. April St. Vincent pass. Brasilien 26. März in Bahia.

b La Plata 27. März in Montevideo. „Ohio“ La Plata 23. März Las Palmas pass. eidsig. . La Plata 7. April Las Palmas pass. „Baltimore’“. Brasilien 12. April St. Vincent pass. „Condor“ Rio, Santos 10. April Dover pass.

„Straßburg“. - Bi9 dnch ue 14 April von Antwerpen Linien nach Ost⸗Asien und Australien: Bremen 11. April von Port Said. Bremen 11. April von Shanghai. Ost⸗Asien 12. April in Singapore. Ost⸗Asien 8. April von Southampton. Bremen 12. April von Genua. b Bremen .April von Adelaide. „Hohenzollern“. Australien 10. April in Adelaide. „Hohenstaufen“ Australien 10. April von Suez. Triest, 15. April. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Thalia“ ist gestern mit der ostindischen Post aus Alexandria hier eingetroffen. London, 14. April. (W. T. B.) Der Castle⸗Dampfer „Roslin Castle“ hat auf der Heimreise heute Lissabon passirt.

„Trave“ 1 „Elbe“ 1S ⸗-Ems. E= „Werra“. 8 F „Aller“ 9.S .Eider“ „Saale“ „Fulda“ „Rhein“ „Hermann“ „Donau“ „America“

„Main“

„Köln“ Weser „Gr. Bismarck“ „Frankfurt“.

„Sachsen“ „Preußen“ „Bayern“ „Necarkr. „Habsburg“. „Salier“

e

.“

Theater und Musik.

Im Königlichen Schauspielhause gab man am Sonn⸗ abend Goethe's „Egmont“, in welchem Frl. Hok als Klärchen zum ersten Male an dieser Kunststätte vor dem hiesigen Publikum erschien.

Die Dame bringt für die Rolle alle äußerlichen Erfordernisse, wie Jugend, eine angenehme Erscheinung, Anmuth und ein sympathisches Organ mit; aber in nicht geringerem Maße besitzt sie offenbar schau⸗ spielerische Beanlagung und eine vorzügliche Schulung. Trotz alledem war die vorgestrige Leistung keine einheitliche und entsprach nicht ganz den hohen Erwartungen, welche die ersten Momente erweckten. In der großen Secne des letzten Aktes erschienen die Stimmmittel nicht völlig ausreichend; es machte sich eine gewisse Härte des Tones geltend, obgleich die Stimme im Uebrigen der Modulations⸗ und Ausdrucksfähigkeit für die Empfindungen der Freude und des Schmerzes nicht entbehrt. Auch in den Bewegungen und im Spiel der Geberden worde nicht immer künstlerisches Ebenmaß innegehalten; aber trotz dieser Ausstellungen im Einzelnen darf der Leistung der Künstlerin in ihrer Gesammtheit fast unbedingte Aner⸗ kennung gespendet werden; das frische, lebendige Spiel und das erkennbare völlige Aufgehen in der darzustellenden Person konnten ihre Wirkung nicht verfehlen; gerade hierdurch wird es beinahe unzweifelhaft, daß die junge Künstlerin durch fortgesetztes Studium sich zu einer hervor⸗ ragenden Vertreterin des Fachs der „jungen Liebhaberinnen“ durch⸗ arbeiten wird. In allen übrigen Theilen zeigte die Vorstellung die gewöhnliche künstlerische Durchführung; Hr. Ludwig schien mit seiner Kraft absichtlich etwas haushälterisch umzugehen, bot aber ein schönes Gesammtbild; lobenswerth wirkten auch die Herren Nesper, Sauer, Krause, Vollmar u. A. zum schönen Gelingen des Ganzen mit. Gegenüber der Notiz in Nummer 89 des „Berliner Fremden⸗ blatts“, welche von einem herben, dem Königlichen Schauspiel⸗ hause bevorstehenden Verlust durch den Abgang des Künstler⸗ paares Kahle⸗Keßler spricht, geht uns von authentischer Seite die Nachricht zu, daß zwar das genannte Künstlerpaar seine Pensionirung beantragt hat, daß aber die Königliche General⸗Intendantur durchaus nicht gewillt ist, auf diesen Wunsch einzugehen, sodaß die in Rede stehenden Differenzen auf die allereinfachste Weise ihre Lösung finden. „— Einen angenehmen Abend hat das Friedrich⸗Wilhelm⸗ städtische Theater am vergangenen Sonnabend seinen Besuchern bereitet. Zur Aufführung gelangte Offenbach's zweiaktige Operette Wie Schwätzerin von Saragossa“. Dieses kleine, weniger bekannte Werk zeigt die Vorzüge der Offenbach'schen Muse ohne die

Schattenseiten, wie sie sich in seinen berühmter gewordenen Operetten vorfinden. Die Handlung ist einfach und äußerst harmlos; frei von allen Schlüpfrigkeiten, unterhält sie den Zuschauer in angenehmer Weise und zeichnet sich’ durch einen gefälligen, sinnigen In⸗ halt aus. Die Musik weist die Feinheit und den Wohl⸗ laut auf, welche wir an Offenbach gewohnt sind. Die treffliche Besetzung trug dazu bei, dem Werk eine freund⸗ liche Aufnahme zu sichern. Frl. Stubel und Frl. Offenay waren gleich wacker, Erstere in ihrer frisch gespielten Rolle als Schwätzerin, Letztere durch ihre flotte Wiedergabe des abenteuerlichen Roland. Der Fleiß und die Gewandtheit, welche die letztere Dame hierbei bezeigte, verdient besondere Anerkennung. Frl. Drucker als Ines verdient gleichfalls lobend erwähnt zu werden. Hr. Wellhof hatte als Alcalde reichlich Gelegenheit, sein komisches Talent zu be⸗ thätigen, ung die wirksame Unterstützung durch Hrn. Hanno machte die Darstellung dieser beiden humoristischen Rollen zum Anlaß unaus⸗ gesetzter Heiterkeit für das Publikum. Hr. Broda fand sich in recht zufriedenstellender Weise mit seiner Partie ab. Den Beschluß des Abends bildete die Aufführung des kleinen Liederspiels: „Am Wörthersee“ von Thomas Koschat. Von der Handlung ist nicht viel zu berichten, sie entspricht dem Charakter eines Liederspiels; die Lieder selbst sind hübsch komponirt, die Inscenirung war eine tüchtige. Von den Mitwirkenden nennen wir Frl. Stubel, welche ihre gefälligen Weisen hübsch vortrug, ferner die Herren Wellhof und Hanno. Freundlicher Beifall lohnte auch diese Aufführung.

Zur Unterstützung der Ueberschwemmten im Deutschen Reich war in Kroll's Theater am Sonnabend eine Wohlthätigkeits⸗Soiree veranstaltet, welche hohe musikalische Genüsse bot. Künstler ersten Ranges hatten ihre Mitwirkung zuge⸗ sagt, und so waren denn die weiten Räume des Theaters mit einem eleganten Publikum vollständig gefüllt. Die Soirée wurde eröffnet mit einem, von dem Königlichen Hofschauspieler Hrn. Richard Kahle tiefbewegten Herzens vorgetragenen, schwungvollen Prolog von Ernst von Wildenbruch, dem eine von Fr. Joachim gesungene und von der ganzen Versammlung stehend angehörte Hymne auf Se. Majestät den Kaiser Friedrich folgte. In bunter Reihenfolge wechselten nunmehr auserlesene Piecen, welche von den Herren Arthur Friedheim, Theodor Wachtel, A. Fricke und Richard Kahle, sowie von den Damen Sigra. Teresina Tua, Frl. Pattini und Fr. Joachim mit Meisterschaft vorgetragen wurden und rauschenden Beifall fanden. Neu und von ergreifender Schönheit war eine Dichtung von Ernst von Wildenbruch: „Des todten Kaisers Roß“, welche, ebenfalls von Hrn. Kahle declamirt, die Versammlung zu Thränen rührte.

Die zweite Soirée des Kotzolt'schen Gesangvereins, der nunmehr 39 Jahre hindurch den a cappella-Gesang gepflegt und zu einer seltenen Vollenduug gebracht hat, fand gestern im Saale der Sing⸗Akademie statt und brachte wiederum eine reiche Anzahl von Chorgesängen überwiegend neuerer Komponisten zu Gehör. Nach einer im Programm nicht genannten, einleitenden Motette von Mendels⸗ sohn: „Herr, nun lässest Du Deinen Diener in Frieden fahren“, folgte das fünfstimmige Madrigal von Antonio Lotti (1665), das einzige Werk, welches diesmal den altitalienischen Stil repräsentirte. Hieran schlossen sich Chorlieder von Moritz Hauptmann, Wilhelm Taubert, Vierling, Nikolai von Wilm, Rob. Franz, Franz von Holstein und Mendelssohn. Die Verschiedenartigkeit des Inhalts brachte zugleich die mannigfachsten Anforderungen an die Leistung des Chors mit sich, und es wurde von demselben, was Klangschönheit der Stimmen und feinsinnige Schattirung betrifft, so Ausgezeichnetes geleistet, wie es auf diesem Gebiet sehr selten dem Publikum dargeboten wird. Die Präzision in der Zusammenwirkung, die Anfangs etwas zu wünschen ließ, erreichte sehr bald wieder ihre volle Sicherheit und bewährte sich noch besonders in dem neueinstudirten Quartett von Wilm: „Das Burgfräulein von Windeck“ und in dem gleichfalls neuen „Oster⸗ liede“ von Vierling: Kompositionen, in denen eine treffende Wiedergabe des Textes mit sehr feiner und geschickter Be⸗ handlung des vier⸗ und fünfstimmigen Satzes vereinigt erscheint. Unterstützt wurde das Concert durch die beliebte Concertsängerin Fr. Helene Krüger und den Pianisten Hrn. Sally Liebling. Erstere erwarb sich durch den Vortrag mehrerer Lieder von Weber, Brückler, Franz, Taubert und d'Albert einen so außerordentlichen Beifall, daß die Künstlerin noch ein heiteres Lied von Max Stange hinzuzufügen sich bewogen fühlte. Hr. S. Liebling trug mit größter technischer Sicherheit und eindringlicher Ausdrucksweise einige Klavierstücke vor, die ebenfalls mit sehr lebhaftem Beifall aufgenommen wurden. Dem Dirigenten des Vereins, Hrn. Zellner, gebührt ganz besondere An⸗ erkennung sowohl für die interessante Auswahl der Chorlieder, als auch für seine umsichtige und energische Leitung.

Mannigfaltiges.

Vaterländischer Frauen⸗Verein. In Folge unseres Aufrufs zur Beseitigung der Nothstände in den durch Ueberschwemmung heimgesuchten Gegenden sind in der Zeit vom 9. bis 11. d. M. bei unserem Schatzmeister ferner ein⸗ gegangen von: Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin⸗ Mutter Augusta (zweite Gabe) 1000 ℳ, von Ihren Königlichen Hoheiten dem Großherzog und der Großherzogin von Baden 1000 ℳ, von Frau Herzogin von Ratibor 500 u. s. w.; zusammen 80 089 45 und mit Berücksichtigung der fruͤher eingegangenen 50 553 94 zusammen 130 643 39 ₰.

Die in unserer Bekanntmachung vom 5. d. M. verzeichneten 100 sind nicht vom Zweigverein Körlin, sondern von dem Zweig⸗ verein Köslin eingesendet worden.

Ausstellung ist vom 5. worden.

„Mit aufrichtigem Dank für diese Spenden bemerken wir, diß täglich dringende Unterstützungsgesuche eingehen, zu deren Befriedigung wir fernere Gaben unserem Schatzmeister, Herrn Bankier von Kraust Leipziger Straße Nr. 45 hier, einzusenden bitten.

Berlin, den 13. April 1888. Der Vorstand des Vaterländischen Frauen⸗Vereins. Charlotte Gräfin von Itzenplitz.

Der unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stehende Hauptverein für Knaben⸗ Handarbeit hielt am Sonnabend in der Aula des Dorotheen⸗ städtischen Realgymnasiums unter dem Vorsitz des Abg. von Schenken⸗ dorff die 2. Generalversammlung ab, welcher der Geheime Ober⸗Regie⸗ rungs⸗Rath Schneider aus dem Kultus⸗Ministerium, der Geheime Ober⸗ Regierungs⸗Rath Rösing aus dem Reichsamt des Innern und zahl. reiche Abgeordnete beiwohnten. Der im November 1886 begründet, Verein zählt dem, vom Vorsitzenden erstatteten Bericht zufolg⸗ bereits 250 Mitglieder und unterhält zur Zeit zwei Schüler⸗ werkstätten. Die für den Westen der Stadt bestimmt, Werkstatt im Falk⸗Realgymnasium ist im April 1887 a⸗ öffnet worden und zählte seitdem in den einzelnen Quartalen 56, 44 118 und 114 Schüler; außerdem wurde hier im vorigen Jahre ein Ferialkursus mit 42 Schülern abgehalten. Die zweite Werkstatt, fir den Norden bestimmt und im Lessing⸗Gymnasium belegen, besteht seit Oktober 1887 und wurde im ersten Quartal von 75, im zweiten vo 80 Schülern besucht. Der Verein verfügt über 40 ausgebildete Lehrer, vor denen 14 in Thätigkeit sind. Zur Förderung der Vereinszwecke überwies das Kultus⸗Ministerium 800 ℳ, das Handels⸗Ministerium 1000 ℳ, der Centralve rein für das Wohl der arbeitenden Klassen 500 und das Kuratorium der Gewerbeausstellungs⸗Stiftung 400 An sonstigen Zuwendungen gingen 1190 ℳ, an Beiträgen 1804 und an Unter. richtsgeld 4165 ein; insgesammt wurden somit 9859 einge: nommen. Verausgabt wurden für Organisation und Agitation 2312 und für Unterrichtszwecke 7559 ℳ, insgesammt somit 9881 Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. Lehrer Groppler erläuterte sodann die im Saal ausgestellten Schülerarbeiten. Zum Schluß sprach Direktor Grunow über die allgemeinen Ziele des Knaben⸗Handarbeits⸗ unterrichts.

Trabrennen zu Weißensee. Sonntag, 15. April. Der zum Besten der Ueberschwemmten eingelegte Renntag erfreute sich in Folge des schönen Wetters eines sehr lebhaften Besuchs. Die Rennen begannen um 2 ½ Uhr und verliefen wie folgt:

1I. Begrüßungs⸗Handicap. Preis 800 Trab⸗Fahren Dist. 260 m Kapt. Done's⸗Berlin Sch.⸗H. „Dobrinow“ a. (2700 m. Lehmann 1. Hrn. C. Liebert's⸗Berlin schw. H. „Tscherkeß“ a. (2700 m) Eitner 2. Kapt. Done's⸗Berlin schw. H. „Poppe“ a. (2600 m) Reimann 3. „Dobrinow“ siegte zuletzt sicher. Zeit: 4 Min. 46 Sek. für den Sieger, 4 Min. 48 Sek. für den Zweiten.

II. Sonntag⸗Rennen. Preis 600 Trab⸗Fahren. 2spännig, Dist. 3000 m. Hrn. F. Grunow's Sch.⸗H. „Granit“ 63. und desselben Sch.⸗H. „Diwin“ 6j. Hr. Decker 1. Hrn. B. Schönwetter's⸗Berlin br. W. „Matador“ a. und desselben Sch.⸗St. „Czesma“ a. Hr⸗, Reinert 2. „Granit“ und „Diwin“ siegten wie sie wollten. Zeit: 6 Min. 23 Sek. für die Sieger, 6 Min. 38 Sek. für die Zweiten.

III. Frühlings⸗Trab⸗Reiten. Preis 800 Handicap. Gestüt Mariahall's⸗Sprendlingen br. W. „Bob Johnson“ (2825 n) L. Raymer 1. Hrn. A. Jacob's⸗Berlin Sch.⸗H. „Kochany“ a. (2675 m) Peters 2. Siegte leicht. Zeit: 4 Min. 36 Sek. für den Sieger, 4 Min. 37 Sek. für den Zweiten.

IV. Handicap. Vereinspreis 2000 Trabfahren. Distanz 3500 m. Gestüt Mariahall's⸗Sprendlingen F.⸗St. „Blue Belle“ a. (3500 m) L. Raymer 1. Société Unions⸗Berlin Sch.⸗St. „Djelowaja' a. (3350 m) Hr. Barthel 2. Kapt. Done’'s⸗Berlin Sch.⸗H. „Dobri⸗ now“ a. (3300 m) Lehmann 3. Société Unions⸗Berlin schw. H. „Padorock“ a. (3375 m) Hr. Dunger 4. „Blue Belle“ siegte nach Gegenwehr. Zeit: 5 Min. 33 Sek. für die Siegerin, 5 Min. 35 Sek⸗

für die Zweite.

V. Tribünen⸗Handicap. Preis 600 Trab⸗Fahren. Distanz 3000 m. (6 Unterschr.) Société Unions⸗Berlin schw. H. „Padorock“ a. (2875 m) Hr. Dunger 1. Kapt. Done'’s⸗Berlin schw. H. „Pope“ a. (2800 m) Reimann 2. Herren Gebr. Beermanns⸗ Berlin schw. H. „Orlik“ a. (2875 m) Hr. J. Beermann dist. „Padorock“ gewann nach Belieben. „Orlik“ fuhr gegen den Distanz⸗ pfahl und brach aus. Zeit: 5 Min. 35 Sek. für den Sieger.

VI. Handicap für geschlagene Pferde. Preis 500 Trabfahren. Dist. 2600 m. (8 Unterschr.) Gestuͤt Mariahall?⸗ Sprendlingen schw. W. „Pat“. „Dempsey“ a. (2875 m) L. Raymerl. Hrn. C. Libert's⸗Berlin schw H. „Tscherkeß“ a. (2725 m) Eitner 2. Kapt. Done's⸗Berlin schw. H. „Pope“ a. (2600 m) Reimann 3. Zeit: 4 Min. 46 Sek. für den Sieger, 4 Min. 51 Sek. für den Zweiten. 1

Potsdam, 16. April. (W. T. B.) Der Hofprediger D. Strauß ist heute Vormittag nach kurzem Krankenlager hier ver⸗ storben.

Paris, 14. April. (W. T. B.) Der Erfinder des Dynamit, Nobel, ist in Cannes gestorben.

Brüssel, 15. April. (W. T. B.) Die Eröffnung der auf den 19. Mai d. J. verschoben

Theater⸗Anzeigen. Königliche Schauspiele. Dienstag:

Opern⸗ haus. 79. Vorstellung. Der Waffenschmied. Komische Oper in 3 Akten von A. Lortzing. An⸗ fang 7 Uhr. Schauspielhaus. 84. Vorstellung. Othello, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in 5 Akten von Shakespeare. Anfang 7 Uhr. Mittwoch: Opernhaus. 80. Vorstellung. Martha, oder; Der Markt zu Richmond. Romantisch⸗ komische Oper in 4 Akten von Fr. von Flotow. Dichtung (theilweise nach dem Plan des St. Georges),

Jules Verne.

Bictoria-Theater. Halbe Preise! Letzte Woche! Dienstag: Zum 633. Male: Welt in 80 Tagen, Die Wette um eine Milllion. stattungsstück mit Ballet von A. d'Ennery und

Mittwoch und folgende Tage: die Welt in 80 Tagen.

Walhalla-Theater. Dienstag: 38. Gesammt⸗ Gastspiel der Münchener Mitglieder des Königl.

Belle-Alliance-Theater.

HEa des Reservisten. in 4

Die Reise um die

nebst einem Vorspiel:

Großes Aus⸗ Mittwoch und folgende Tage:

des Reservisten.

Die Reise um

Die Himmelsleiter. von W. Mannstädt.

Dienstag: Posse mit Gesang Aükten nach Chivot und Duru von F. Zell. Im 4. Akt Einlage: Couplet von Ed. Jacobson. Die Hochzeit

Central-Theater. Dienstag: Zum 43. Male: Gesangsposse in 4 Akten 1 Anfang 7 ½ Uhr. Mittwoch: Die Himmelsleiter.

von W. Friedrich. Anfang 7 Uhr.

Theaters am Gärtnerplatz, unter Leitung des Kgl. b.

spiel in 1 Akt von Paul Heyse.

Augier, 1. Male: Coeur⸗Dame.

Moser und E. Thun.

Schauspielhaus. 85. Vorstellung. Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. In Scene gesetzt vom Direktor Anno. Anfang 7 Uhr.

1 Schmidt.

Beutsches Theater. Dienstag: Zum 1. Male: Zwischen Lipp' und Bechersrand. Trauer⸗ 1 1 Zum 1. Male: Der Schierling. Lustspiel in 2 Akten von Emile deutsch von Arthur Fitger. Zum Lustspiel in 1 Akt von

Dienstag:

Max Bernstein.

Mittwoch: Goldfische.

Donnerstag: Zwischen Lipp' und Bechers⸗ rand. Der Schierling. Coeur⸗Dame. Die nächste Aufführung von Faust findet am Freitag, den 20. April, statt.

mann. Wörthersee. von Thomas

Wallner-Theater. Dienstag: Zum 18. Male:

Die Amazone. Schwank in 4 Akten von G. v.

oser 2 Vorher: Die Schul⸗

reiterin. Lustspiel in 1 Akt von Emil Pohl. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Francillon. (Sohn).

Hof schauspielers Hrn. Max Hofpauer. Im Austragstübchen. Gesang und Tanz von Hans Neuert und Maximilian

Mittwoch: Im Austragstübchen.

Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Neu in Schwätzerin von Saragossa. Komische Operette in 2 Akten nach dem Französischen von Carl Treu⸗ Vorher: Kärnthnerisches Liederspiel in 1 Akt as Koschat. Mittwoch: Die Schwätzerin von Saragossa. Vorher: Am Wörthersee.

Residenz-Theater. Dienstag: Zum 105. Male: Schauspiel in 3 Akten von A. Dumas Deutsch von Paul Lindau. Anfang 7 ½ Uhr. Mittwoch: Zum 106. Male: Francillon.

um 9. Male:

Concert-Haus. olksstück mit

Dienstag: Ländliches 75 Künstler 50 Künstler.

(10 Solisten).

Concert des Kapellmeisters Herrn Karl Meyder, Streich⸗Orchester

Mittwoch: Gesellschafts⸗Concert.

Freiin von Vincke (Berlin). Hr. Assistenzarzt Dr. Otto Praetorius mit Frl. Anna Steiner (Schwerin). Hr. Heinrich Blatzbecker mit Frl. Adolphine Scherpel (Neuhaus —Köln). Hr. Hauptmann Henry Steiniger mit Frl. Addy von Götzen (Elberfeld). 1 Geboren: Ein Sohn: Hrn. Hülfs⸗Staats⸗ anwalt Walcher (Rottweil). Hrn. Amtsrichter Goldschmidt (Strehlen). Hrn. Hauptmann der Reserve Hudemann (Steinrade b. Rendsburg). Eine Tochter: Hrn. Dr. Karewski (Berlin.) 89 Pfarrer Dieterich (Ruppertshofen b. Ils⸗ ofen). Hrn. Lehrer Blunk (Burg i, D.). Hrn. Landrichter Dr. Elsässer (Stuttgart). Gestorben: Frau Adele von Kurowsky, geb⸗ Gräfin Rittberg (Berlin). Frau Auguste Vogel, geb. Höhne (Berlin). Frau Wilhelmine Goebel, geb. Wollenberg (Berlin). Frau Friederik Wille, geb. Gottschalk (Berlin). Frau Rentiere

Die

Gesellschafts⸗

Auguste Fmmermaͤnn, geb. Schleusener (Landde⸗ berg a. W.). Hr. Gutsbesitzer Lewin Tu

Scene gesetzt: Die

Verlobt: Frl. Minna Wiebel

Zum 4. Male: Am

Kleve). Frl. Margarethe

1

dorf— Berlin). Verehelicht: Hr.

Familien⸗Nachrichten.

Georg von Below (Elberfeld). rethe Taendler mit Herrn Dr. Ritterband (Posen Berlin). Frl. Louisa Emily von Fervier mit Hrn. Dr. phil. Alexander Schmitz (Stuttgart

1 Ptarzes mit Hrn. Otto Werth (Berlin—Dom. Döllstädt). Frl. Hedwig von Frisch mit Hrn. Lieut. Wilh. von Woyna (Klocksin). Frl. Lina von Boltenstern mit Hrn. Polizei⸗Lieut. Wilh. Hartmann (Watten⸗ 1“

Kammergerichts⸗Referendar Alexander Hempel mit Frl. Katharina Schleip (Berlin). Hr. Karl von Behr mit Frl. Diana

(Welsleben). Frau Gertrude von Windheim, geb. Armbruster (Berlin). Hr. Apotheker Otto Kupffender (Bromberg). Hr. Dr. Ludwig Schir⸗

mit Hrn. Dr. macher (Königsberg).

Frl. Marga⸗

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagt Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Berlin:

8

zum Deutschen Reichs⸗Anzeiger und Königlich Preußischen

Erste Beilage

Berlin, Montag den 16. April

8 8

Staats⸗Anzeiger. 1888.

Deutsches Reich

8 Nahweisunng 1“ 5* ““ der Einnahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reich für die Zeit vom 1. April 1887 bis zum Schlusse des Monats März 1888.

1. 2.

4. 5.

Einnahme im Monat

Ober⸗Post⸗Direktions⸗Bezirke. März

Hierzu Einnahme Vormonaten.

In 1887/88 + mehr

weniger

Einnahme in dem⸗ selben Zeitraume des Vorjahres (Spalte 4).

den Zusammen.

I. Im Reichs⸗Postgebiete.

1) Königsberg

2) Gumbinnen

3) Danzig.

4) Berlin.

5) Potsdam 8 6) Frankfurt a. O.. 7) Stettin

8) Köslin.

9) Posen

10) Bromberg.

11) Breslau

12) Liegnitz.

13) Oppeln.

14) Magdeburg

15) Halle a. S.

1⁰) Erfurt.

17) Kiel.

18) Hannover.

19) Münster

20) Minden

21) Arnsberg. IIgbe8H 23) Frankfurt a. M. 24) Köln 3 25) Aachen.

26) Koblenz

27) Düsseldorf. Frier

29) Dresden

30) Leipzig.

2 603 14 251 7 432 13 001 6 001 12 146 3 269

5 7577

2777

1 764 5 170 13 770 4 315 25 942 15 432 6 507 3 744 36 833 12 176 33 968

104 137 40 34 590 50 91 745 30

777 538 34 446 64 555 69 969 14 557 48 853 25 822

143 548 81 730 * 51 916 *

142 153 72 912

124 787 52 020 65 452 21 362 50 305 167 624 53 409 295 163 157 961 80 284 35 576 411 220 17 095 139 395 421 792

117 428 60 38 012 20 109 649 20 852 520 20 35 654 71 235

113 065 37 669 99 169

846 823 37 378 69 901 75 158 16 027 53 164 28 425 157 800 89 162 57 296 155 155 78 913 136 933 55 290 71 230 23 126 55 475 181 394 57724 321 106 173 393 86 792 3 39 321 448 054 18 391 151 572 455 760

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31) Karlsruhe.

32) Konstanz

33) Darmstadt. 34) Schwerin i. M..

*35) Oldenburg.

36) Braunschweig.

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6 485

11 046

2 608 3 051

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12 098

212 166 4 374 117 567 24 121 37 874 57 077 153 374

228 606 70 860

128 613 26 729 40 925 61 677

165 473

225 165

68 328 125 584 25 754 42 777 66 280 148 876

COoc tdoo-FSbv

37) Bremen

38) Hamburg 8

39) Straßburg i. E. . 11A6*

58 323 15 013 3 059

665 709 171 912 32 509

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673 654 190 459 1 39 971

724 032 186 925 35 568

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IIlrlrlIrlnIgenns

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471 478 48 451 20 818

Summe I. II. Bayern. III. Württemberg

5 388 614 I I 568 455 616 906 + 27 468 236 151 60

5 860 093 5 743 418 + 116 675

256 970 + 13 280

540 748

Ueberhaupt Berlin, im April 1888. Bekanntmachung,

betreffend die Untersuchung von Farben, Ge⸗ spinnsten und Geweben auf Arsen und Zinn.

Vom 10. April 1888.

Auf Grund der Vorschriften im §. 1 Absatz 3 und §. 7 Absatz 2 des Gesetzes, betreffend die Verwendung gesundheits⸗ schädlicher Farben bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 5. Juli 1887 (R⸗G.⸗Bl. S. 277) bestimme ich, daß bei der Feststellung des Vorhandenseins von Arsen und Zinn in den zur Herstellung von Nahrungs⸗ und Genußmitteln verwendeten Farben und bei der Ermittelung des Arsengehalts der unter Benutzung arsenhaltiger Beizen hergestellten Gespinnste und Gewebe nach Maßgabe der beiliegenden Anleitung zu verfahren ist.

Berlin, den 10. April 1888.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. 8 von Boetticher.

CFFleirung 1“

für die Untersuchung von Farben, Gespinnsten und Geweben auf Arsen

und Zinn (§. 1 Abs. 3, §. 7 Abs. 2 des Gesetzes, betreffend die Ver⸗

wendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung von

Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 5. Juli 1887).

A. Verfahren zur Feststellung des Vorhandenseins von Arsen und Zinn in gefärbten Nahrungs⸗ oder Genuß⸗ mitteln (§. 1 des Gesetzes).

I. Feste Körper. 1 86 1) Bei festen Nabrungs⸗ oder Genußmitteln, welche in der Masse gefärbt sind, werden 20 g in Arbeit genommen, bei oberflächlich gefärbten wird die Farbe abgeschabt und ist soviel des Abschabsels in Arbeit zu nehmen, als einer Menge von 20 g des Nahrungs⸗ oder Genußmittels entspricht. Nur wenn solche Mengen nicht verfügbar gemacht werden können, darf die Prüfung auch an geringeren Mengen vorgenommen werden. Weis 2) Die Probe ist durch Reiben oder sonst in geeigneter Weise fein zu zertherlen und in einer Schale aus echtem Porzellan mit einer zu messenden Menge reiner Salzsäure von 1,10 bis 1,12 spez. Gewicht und soviel destillirtem Wasser zu versetzen, daß das Verhältniß der Salzsäure zum Wasser etwa wie 1 zu 3 ist. In der Regel werden 25 cem Salzsäure und 75 cem Wasser dem Zweck eit btechen . Man setzt nun 0,5 g chlorsaures Kalium hinzu, bringt die Schale auf ein Wasserbad und fügt sobald ihr Inhalt die Temperatur des Wasserbades angenommen hat von 5 zu 5 Minuten tehiiete kleine Mengen von chlorsaurem Kalium zu, bis die Flüssigkeit hellgelb, gleichförmig und dünnflüssig geworden ist. In der Regel wird ein Zusatz von im Ganzen 2 g des Salzes dem Zweck entsprechen⸗ Das verdampfende Wasser ist dabei von Zeit zu Zeit zu er een enn man den genannten Punkt erreicht hat, so fügt man nochmal 05 g chlorsaures Kalium hinzu und nimmt die Schale alsdann von dem Wasserbade. Nach völligem Erkalten bringt man ihren Inha auf ein Filter, läßt die Flüssigkeit in eine Kochflasche von etwa

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Haupt⸗Buchhalterei des Reichs⸗Schatzamts.

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Biester.

400 cem völlig ablaufen und erhitzt sie auf dem Wasserbade, bis der Geruch nach Chlor nahezu verschwunden ist. Das Filter sammt dem Rückstande, welcher sich in der Regel zeigt, wäscht man mit heißem

Wasser gut aus, verdampft das Waschwasser im Wasserbade bis auf

etwa 50 cem und vereinigt diese Flüssigkeit sammt einem etwa darin entstandenen Niederschlage mit dem Hauptfiltrate. Man beachte, daß die Gesammtmenge der Flüssigkeit mindestens das Sechsfache der an⸗ gewendeten Salzsäure betragen muß. .25 ce verwendet wurden, so muß das mit dem Waschwasser vereinigte Filtrat mindestens 150, besser 200 bis 250 cem betragen.

3) Man leitet nun durch die auf 60 bis 800 C. erwärmte und auf dieser Temperatur erhaltene Flüssigkeit. 3 Stunden lang einen langsamen Strom von reinem, gewaschenem Schwefelwasserstoffgas, läßt hierauf die Flüssigkeit unter fortwährendem Einleiten des Gases erkalten und stellt die dieselben enthaltende Kochflasche, mit Filtrirpapier leicht bedeckt, mindestens 12 Stunden an einen mäßig warmen Ort. 1 1 v16““

4) Ist ein Niederschlag entstanden, so ist derselbe auf ein Filter zu bringen, mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser auszuwaschen und dann in noch feuchtem Zustande mit mäßig gelbem Schwefel⸗ ammonium zu behandeln, welches vorher mit etwas ammoniakalischem Wasser verdünnt worden ist. In der Regel werden 4 cem Schwefel⸗ ammonium, 2 cem Ammoniakflüssigkeit von etwa 0,96 spez. Gewicht und 15 cem Wasser dem Zweck entsprechen. Den bei der Behand⸗ lung mit Schwefelammonium verbleibenden Rückstand wäscht man mit schwefelammoniumhaltigem Wasser aus und verdampft das Filtrat und das Waschwasser in einem tiefen Porzellanschälchen von etwa 6 cm Durchmesser bei gelinder Wärme bis zur Trockne. Das nach der Verdampfung Zurückbleibende übergießt man, unter Bedeckung der Schale mit einem Uhrglase, mit etwa 3 cem rother, rauchender Salpetersäure und dampft dieselbe bei gelinder Wärme behutsam ab. Erhält man hierbei einen im feuchten Zustande gelb erscheinenden Rückstand, so schreitet man zu der sogleich zu beschreibenden Behand⸗ lung. Ist der Rückstand dagegen dunkel, so muß er von Neuem so lange der Einwirkung von rother, rauchender Salpetersäure ausgesetzt werden, bis er in feuchtem Zustande gelb erscheintt.

5) Man versetzt den noch feuchten Rückstand mit fein zerriebenem kohlensaurem Natrium, bis die Masse stark alkalisch reagirt, fügt 2 g eines Gemenges von 3 Theilen kohlensaurem mit 1 Thei salpetersaurem Natrium hinzu und mischt unter Zusatz von etwas Wasser, so daß eine gleichartige, breiige Masse entsteht. Die Masse wird in dem Schälchen getrocknet und vorsichtig bis zum Sintern oder beginnenden Schmelzen erhitzt. Eine weitergehende Steigerung der Temperatur ist zu vermeiden. Man erhält so eine farblose oder weiße Masse. Sollte dies ausnahmsweise nicht der Fall sein, so fügt man noch etwas salpetersaures Natrium hinzu, bis der Zweck erreicht ist. ¹) 8 8

6) Die Schmelze weicht man in gelinder Wärme mit Wasser auf und filtrirt durch ein nasses Filter. Ist Zinn zuͤgegen, so be⸗ findet sich dieses nun im Rückstande auf dem Filter in Gestalt weißen Zinnoxy’s, während das Arsen als arsensaures Natrium im Filtrat enthalten ist. Wenn ein Rückstand auf dem Filter verblieben ist, so muß berücksichtigt werden, daß auch in das Filtrat kleine Mengen

¹) Sollte die Schmelze trotzdem schwarz bleiben, so rührt dies

in der Regel von einer geringen Menge Kupfer her, da Schwefel

kupfer in Schwefelammonium nicht ganz unlöslich ist.

Wenn z. B. 25 ccm Salzsäure

Zinn übergegangen sein können. Man wäscht den Rückstand einmal mit kaltem Wasser, dann dreimal mit einer Mischung von gleichen Theilen Wasser und Alkobol aus, dampft die Waschflüssigkeit soweit ein, daß das mit dieser vereinigte Filtrat etwa 10 ccem beträgt, und fügt verdünnte Salpetersäure tropfenweise hinzu, bis die Flüssigkeit eben sauer reagirt. Sollte hierbei ein geringer Niederschlag von Zinnoxydhydrat entstehen, so filtrirt man denselben ab und wäscht ihn wie oben angegeben aus. Wegen der weiteren Behandlung zum Nach⸗ weise des Zinns vgl. Nr. 10. 1 b

7) Zum Nachweise des Arfens wird dasselbe zunächst in arsenmolybdänsaures Ammonium übergeführt. Zu diesem Zwecke vermischt man die nach obiger Vorschrift mit Salpetersäure an⸗ esäuerte, durch Erwärmen von Kohlensäure und salpetriger Säure efreite, darauf wieder abgekühlte, klare (nöthigenfalls filtrirte) Lö⸗ sung, welche etwa 15 cem betragen wird, in einem Kochfläschchen mit etwa gleichem Raumtheile einer Auflösung von molybdänsaurem Ammonium in Salbpetersäure) und läßt zunächst 3 Stunden ohne Erwärmen stehen. Enthielte nämlich die Flüssigkeit in Folge man⸗ gelhaften Auswaschens des Schwefelwasserstoff⸗Niederschlages etwas Phosphorsäure, so würde sich diese als phosphormolybdänsaures Ammonium abscheiden, während bei richtiger Ausführung der Opera⸗ tionen ein Niederschlag nicht entsteht.

8) Die klare bezw. filtrirte Flüssigkeit erwärmt man auf dem Wasserbade, bis sie etwa 5 Minuten lang die Temperatur des Wasser⸗ bades angenommen hat. ³) Ist Arsen vorhanden, so entsteht ein gelber Niederschlag von arsenmolybdänsaurem Ammonium, neben welchem sich meist auch weiße Molybdänsäure ausscheidet, Man gießt die Flüssigkeit nach einstündigem Stehen durch ein Filterchen von dem der Hauptsache nach in der kleinen Kochflasche verbleibenden Niederschlage ab, wäscht diesen zweimal mit kleinen Mengen einer Mischung von 100 Theilen Molybdänlösung, 20 Theilen Salpeter⸗ säure, von 1,2 spez. Gewicht und 80 Theilen Wasser aus, löst ihn dann unter Erwärmen in 2 bis 4 cem wässeriger Ammonflüssigkeit von etwa 0,96 spez. Gewicht, fügt etwa 4 cem Wasser hinzu, gießt, wenn erforderlich, nochmals durch das Filterchen, setzt ½ Raumtheil Alkohol und dann 2 Tropfen Chlormagnesium⸗Chlorammonium⸗Lösung hinzu. Das Arsen scheidet sich sogleich oder beim Stehen in der Kälte als weißes, mehr oder weniger krystallinisches arsensaures Ammonium⸗Magnesium ab, welches abzufiltriren und mit einer möglichst geringen Menge einer Mischung von 1 Theil Ammoniak, 2 Theilen Wasser und 1 Theil Alkohol auszuwaschen ist. 1“ G

9) Man löst alsdann den Niederschlag in einer möglichst kleinen Menge verdünnter Salpetersäure, verdampft die Lösung bis auf einen ganz kleinen Rest und bringt einen Tropfen auf ein Porzellanschälchen, einen anderen auf ein Objektglas. Zu ersterem fügt man einen Tropfen einer Lösung von salpetersaurem Silber, dann vom Rande aus einen Tropfen wässriger Ammonflüssigkeit von 0,96 spez. Gewicht; ist Arsen vorhanden, so muß sich in der Berührungszone ein rothbrauner Streifen von arsensaurem Silber bilden. Den Tropfen auf dem Objektglase macht man mit einer möglichst kleinen Menge wässriger Ammon⸗ flüssigkeit alkalisch; ist Arsen vorhanden, so entsteht sogleich oder sehr bald ein Niederschlag von arsensaurem Ammonmagnesium, der, unter dem Mikroskop betrachtet, sich als aus spießigen Kryställchen be⸗ stehend erweist. 3 8 8 1

10) Zum Nachweise des Zinns ist das, oder sind die das Zinnoxyd enthaltenden Filterchen zu trocknen, in einem Porzellan⸗ tiegelchen einzuäschern und demnächst zu wägen.4) Nur wenn der

Rückstand (nach Abzug der Filterasche) mehr als 2 mg beträgt, ist

eine weitere Untersuchung auf Zinn vorzunehmen. In diesem Falle bringt man den Rückstand in ein Porzellanschiffchen, schiebt dieses in eine Röhre von schwer schmelzbarem Glase, welche vorn zu einer langen Spitze mit feiner Oeffnung ausgezogen ist, und erhitzt in einem Strom reinen, trocknen Wasserstoffgases bei allmählich gesteigerter Temperatur, bis kein Wasser mehr auftritt, bis somit alles Zinnoxyd reduzirt ist. Man läßt im Wasserstoffstrom erkalten, nimmt das Schiffchen aus der Röhre, neigt es ein wenig, bringt wenige Tropfen Salzsäure von 1,10 bis 1,12 spez. Gewicht in den unteren Theil desselben, schiebt es wieder in die Röhre, leitet einen langsamen Strom Wasserstoff durch dieselbe, neigt sie so, daß die Salzsäure im Schiffchen mit dem reduzirten Zinn in Berührung kommt, und erhitzt ein wenig. Es löst sich dann das Zinn unter Entbindung von etwas Wasserstoff in der Salzsäure zu Zinnchlorür. Man läßt im Wasserstoffstrom erkalten, nimmt das Schiffchen aus der Röhre, bringt nöthigenfalls noch einige Tropfen einer Mischung von 3 Theilen Wasser und 1 Theil Salzsäure hinzu und prüft Tropfen der erhaltenen Lösung auf Zinn mit Quecksilberchlorid, Gold⸗ chlorid und Schwefelwasserstoff, und zwar mit letzterem vor und nach Zusatz einer geringen Menge Bromsalzsäure oder Chlorwasser.

Hraite beim Behandeln des Schiffchen⸗Inhalts ein schwarzer Rückstand, der in Salzsäure unlöslich ist, so kann derselbe Anti⸗ mon sein.

II. Flüslgkeiten Friebhtgklees u d9ö38.

11) Von Flüssigkeiten, Fruchtgelées und dergleichen ist eine solche Menge abzuwäͤgen, daß die darin enthaltene Trockensubstanz etwa 20 g beträgt, also z. B. von Himbeersyrup etwa 30 g, von Johannis⸗ beergelée etwa 35 g, von Rothwein, Essig oder dergleichen etwa 800 bis 1000 g. Nur wenn solche Mengen nicht verfügbar gemacht werden können, darf die Prüfung auch an einer geringeren Menge vorgenommen werden. 8 919) Fruchtsäfte, Gelses und dergleichen werden genau nach Ab⸗ schnitt I mit Salzsäure, chlorsaurem Kalium u. s. w. behandelt; dünne, nicht sauer reagirende Flüssigkeiten konzentrirt man durch Ab⸗ dampfen bis auf einen kleinen Rest und behandelt diesen nach Ab⸗ schnitt I mit Salzsäure und chlorsaurem Kalium u. s. w.; dünne, sauer reagirende Flüssigkeiten aber destillirt man bis auf einen geringen Rückstand ab und behandelt diesen nach Abschnitt I mit Salzsäure, chlorsaurem Kalium u. w. In das Destillat leitet man nach Zusatz von etwas Salzsäure ebenfalls Schwefelwasserstoff und vereinigt einen etwa entstehenden Niederschlag mit dem nach Nr. 3zu erhaltenden. 1 1u“

B. Verfahren zur Feststellung des Arsengehalts in Gespinnsten oder Geweben (§. 7 des Gesetzes).

13) 5) Man zieht 30 g des zu untersuchenden Gespinnstes oder Gewebes, nachdem man dasselbe zerschnitten hat, drei bis vier Stunden lang mit destillirtem Wasser bei 70 bis 800 C. aus, filtrirt die

²) Die oben bezeichnete Flüssigkeit wird erhalten, indem man 1 Theil Molybdänsäure in 4 Theilen Ammoniak von etwa 0,96 spez. Gewicht löst und die Lösung in 15 Theile Salpetersäure von 1,2 spez. Gewicht gießt. Man läßt die Flüssigkeit dann einige Tage in mäßiger Wärme stehen und zieht sie, wenn nöthig, klar ab. 1

³) Am sichersten ist es das Erhitzen so lange fortzusetzen, bis sich Molybdänsäure auszuscheiden beginnt.

⁴) Sollte der Rückstand in Folge eines Gehaltes an Kupferoxyd schwarz sein, so erwärmt man ihn mit Salpetersäure, verdampft im Wasserbad zur Trockne, setzt einen Tropfen Salpetersäure und etwas Wasser zu, filtrirt, wäscht aus, glüht und wägt erst dann.

⁵5) Es bleibt dem Untersuchenden unbenommen, vorweg mit dem Marsh'schen Apparate an einer genügend großen Probe festzustellen, ob überhaupt Arsen in dem Gespinnste oder Gewebe vorhanden ist. Bei negativem Ausfalle eines solchen Versuchs bedarf es nicht der

weiteren Prüfungen nach Nr. 13 ꝛc., 16 ꝛc.