1889 / 140 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 15 Jun 1889 18:00:01 GMT) scan diff

Morgen, , wird auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs in allen Kirchen in Verbindung mit dem Hauptgottesdienst eine Gedächtnißfeier veranstaltet, in den Schulen wurde der Bedeutung des Tages schon heute in vürdiger Weise gedacht. Für die Truppen der Garnison ist angeordnet worden, heute kein Spiel gerührt werden darf.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats⸗ Minister Graf von Bismarck⸗Schönhausen, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Derselbe wird während seiner Abwesenheit durch den Unter⸗Staatssekretär, Wirklichen Geheimen Legations⸗Rath Grafen von Berchem vertreten.

Der Kaiserliche Botschafter am österreichisch⸗ungarischen Hofe, Prinz Reuß, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Wien fungirt der Legations⸗Raͤth Graf von Monts als Geschäftsträger.

Der Kaiserliche Gesandte am Königlich belgischen Hofe, Wirkliche Geheime Rath von Alvensleben, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Brüssel fungirt der Legations⸗Rath Graf Metternich als Geschäftsträger.

Der Chef des Generalstabes der Armee, General der Kavallerie Graf von Waldersee, General⸗Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, und die Ober⸗Quartier⸗ meister, General⸗Lieutenants Graf von Haeseler, Graf von Schlieffen und von Holleben haben sich zur Theil⸗ - an der Großen Generalstabsreise nach Nördlingen egeben.

Der Direktor des Departements für das Invaliden⸗ wesen im Kriegs⸗Ministerium, General⸗Lieutenant von Grol⸗ man ist unter Stellung zur Disposition zum Gouverneur des Invalidenhauses Berlin ernannt worden.

Se. Großherzogliche Hoheit der Prinz Maximilian von Baden ist zum Second⸗Lieutenant à la suite des Garde⸗Kürassier⸗Regiments ernannt worden.

Kassel, 14. Juni. (W. T. B.) Se. Majestät der Schah besuchte heute Mittag um 12 ½ Uhr die Ausstellung und besichtigte eingehend während einer Stunde die historische und die Fischerei⸗Abtheilung. Heute Nachmittag begab sich der Schah nach Wilhelmshöhe, um die Wasserkünste zu be⸗ sichtigen. Nach der Rückkehr von dort fand im Stadtschlosse ein Diner statt, zu welchem die Spitzen der Behörden Einladungen erhalten hatten. Am Abend besuchte der Schah das Theater.

Bayern. München, 13. Juni. (Allg. Ztg.) Der Trauergottesdienst für König Ludwig II. wurde heute Vormittag in der St. Michaels⸗Hofkirche, wo die irdischen Ueberreste des höchstseligen Monarchen ruhen, gefeiert. Im Presbyterium der Kirche war ein großer Katafalk mit den Insignien der Königswürde errichtet, von bren⸗ nenden Kerzen umgeben. Zu beiden Seiten des⸗ selben hielten während des Gottesdienstes Hartschiere in großer Gala Wache. Um 10 ½ Uhr begann die Auffahrt der hichsten Würdenträger, Beamten und Offiziere, nach 10 ¾4 Uhr die Anfahrt der Angehörigen des Königlichen Hauses. Um 11 Uhr begann das Requiem; während desselben gelangten durch die Königliche Hofkapelle ein Requiem von Ett und das Libera von Reutter zur Aufführung. Im Schiff war eine Abtheilung Infanterie aufgestellt.

Kissingen, 14. Juni. (W. T. B.) Der Herzog von Edinburg ist heute zu längerem Kurgebrauch hier eingetroffen.

Sachsen. Dresden, 14. Juni. (Dr. J.) Beide Kammern traten gestern Abend zu ihrer ersten öffentlichen Sitzung zusammen, in welcher die Mitglieder der einzelnen Deputationen in der Ersten Kammer von den Mitgliedern der Finanz⸗Deputation gewählt wurden. Beide Kammern traten alsdann zu einer geheimen Sitzung zusammen.

Heute hielt die Erste Kammer abermals eine geheime Sitzung ab, in welcher die gemäß den gestern von beiden Kammern in geheimer Sihung gefaßten Beschlüssen abgefaßte ständische Schrift zur Feststellung gelangte.

In der Sitzung der * eiten Kammer gelangte das

Königliche Dekret, betreffend die Bewilligung von Unterstützungen in Bezug auf die durch heftige Gewitter und Wolkenbrüche in verschiedenen Theilen des Landes verursachten Wasserschäden, zur allgemeinen Vorberathung. In dem Dekret sucht die Staats⸗ regierung die Ermächtigung nach, bei den in der jüngsten Zeit in Folge von Wasserschäden in verschiedenen Gegenden des Landes eingetretenen Nothständen durch Beihülfen aus der Staatskasse nach Maßgabe der bei ähnlichen früheren Vor⸗ gängen befolgten Grundsätze unterstützend einzutreten, erklärt es jedoch für unthunlich, eine bestimmte Summe anzugeben, auf welche sich die beantragte Ermächtigung zu erstrecken haben wird, oder unbedingt bindende Normen für die zu bewilligen⸗ den aufzustellen, und will nur in jedem Fall daran festhalten, daß es nicht die Absicht sein könne, jeden durch die Ueberschwemmung verursachten Schaden durch eine Unterstützung auszugleichen, sondern daß nur die⸗ jenigen Schäden in Rücksicht gezogen werden könnten, welche einen Nothstand zur Folge Fehaht haben. Der Vize⸗ Präsident Georgi dankte als Vertreter einer von Wasser⸗ schäden besonders schwer heimgesuchten Gegend für die Vorlage. Schon der jüngste Besuch des Königs habe bei der betheiligten Bevölkerung das Gefühl des Trostes und der innigsten Dankbarkeit hervorgerufen. Es würde in der That uunmöglich sein, eine zutreffende Summe aufzustellen, und es mnerde sich also eine allgemeine Ermächtigung empfehlen, wobei er jedoch bat, eine nicht allzu enge Auslegung sanfinden zu lassen, z. B. auch sanitäre Maßregeln zu unterstützen. Redner beantragt, die Vorlage dur sorage Schluß⸗ berathung, ohne Bestellung von Berichterstattern, zu erledigen. Die Abgg. Bebel und Gen. brachten den Antrag ein, die beantragte Färeegmng auch auf ähnliche Nothstände aus⸗ zudehnen, welche im Laufe dieses Sommers aus gleichen Ursachen entstehen könnten. Nach längerer Debatte wurde der Antrag Georgi einstimmig angenommen. In der nun folgenden Schlu 8.h wandte sich Vize⸗Präsident Streit gegen den Antrag Bebel als unnöthig, worauf die von der Staats⸗ regierung erbetene Ermächtigung einstimmig ertheilt, der An⸗ trag Bebel und Gen. gegen 12 Stimmen abgelehnt wurde. 15. Juni. (W. T. B.) Die Herzogin von Genua ist heute früh hier eingetroffen und wurde von dem König

und der Königin, sowie von dem italienischen Botschafter, Grafen de Launay, auf dem Böhmischen Bahnhofe begrüßt.

Württemberg. Stuttgart, 14. Juni. (St.⸗A. f. W.) Gestern Nachmittag 2 Uhr fand bei Ihren Königlichen Majestäten im Landhause Rosenstein aus Anlaß des bevor⸗ stehenden fünfundzwanzigjährigen Regierungs⸗

fubiläums eine Heftsel siatt, an der Se. Königliche oheit der Prinz Wilhelm und Se. Königliche Hoheit Herzog Albrecht theilnahmen und zu welcher nächst dem König⸗ lichen Staats⸗Ministerium und dem Hofstaat die Mitglieder der Ständeversammlung geladen und nahezu vollzählig er⸗ schienen waren. -

Während der Tafel brachte Se. Majestät der König folgenden Trinkspruch aus:

„Ich wünsche, mit Meinen versammelten Gästen diesen Tag recht herzlich zu begehen. Furchtlos und treu theilten wir zusammen in diesen’ 25 Jahren Freud und Leid. Gott erhalte Seinen Segen auch ferner unserer Heimath. Das edle Wort Meines Ahnen Eber⸗ hard im Bart bewährt sich auch heute noch, daß der Landesvater Sein Haupt in den Schoß eines jeden Seiner Unterthanen legen kann. Heil und Segen der Heimath!“ 8

Der Präsident der Kammer der Standesherren, Fürst von Waldburg⸗Zeil⸗Trauchburg, brachte darauf einen Trinkspruch auf Se. Majestät den König, der Präsident der Kammer der Abgeordneten, Landgerichts⸗Direktor von Hohl, einen solchen auf Ihre Majestät die Königin aus.

Ihre Majestäten haben aus Anlaß der vorgestern zur Feier des bevorstehenden Regierungs⸗Jubiläums auf der Silberburg, im Liederhallegarten und im Stadtgarten ab gehaltenen⸗Kinderfeste den Vorständen der Museums⸗ Gesellschaft, des Liederkranzes, der Schützengilde und der Bürgergesellschaft Höchstihre volle Befriedigung und Höchst⸗ ihren Dank aussprechen zu lassen geruht.

Baden. Karlsruhe, 13. Juni. (Karlsr. Ztg.) Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin begab sich heute Nach⸗ mittag zum Besuch Ihrer Mazestät der Kaiserin und Königin Augusta nach Baden⸗Baden und gedenkt für einige Tage das Großherzogliche Schloß daselbst zu beziehen. Ihre Königlichen Hoheiten der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin sind heute Vormittag nach Freiburg zurückgekehrt.

Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Weimar, 14. Juni. (Th. C.) Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog, die Groß⸗ herzogin und der Erbgroßherzog begeben sich am 17. nach Dresden, um den Festlichkeiten anläßlich des Wetti⸗ ner Jubiläums beizuwohnen. Am 19. erfolgt die Rückkehr und am 22. die Abreise der Großherzoglichen Herr⸗ schaften zu den Hochzeitsfeierlichkeiten nach Berlin, wäh⸗ rend Se. Königliche Hoheit der Erbgroßherzog sich zur Jubiläumsfeier nach Stuttgart begiebt.

Sachsen⸗Meiningen. Meiningen, 11. Juni. (Cob. Ztg.) Auf Anordnung des Herzoglichen Staats⸗ Ministeriums soll am 15. Juni d. J. bei der Morgen⸗ andacht der Schulen und der Sabbathfeier in den Synagogen, sowie am nächstfolgenden Sonntage im Gottesdienst der christlichen Gemeinden der Bedeutung des Tages als des Todestages des Kaisers Friedrich III. in feierlicher Weise gedacht werden, gleichwie am 9. März d, J. zur Er⸗ innerung an den Tod des Kaisers Wilhelm I. eine entsprechende Anordnung getroffen worden war.

Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Coburg, 13. Juni. (Cob.

88g.) Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzessinnen von dinburg sind gestern Abend, Se. Königliche Hoheit der

Prinz Alfred von Edinburg heute Nachmittag wieder

hier eingetroffen.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 15. Juni. (W. T. B.) Das heutige Amtsblatt veröffentlicht die Suez⸗Konvention.

Pest, 13. Juni. (Wien. Abdp.) Das Oberhaus er⸗ ledigte sämmtliche Gesetzentwürfe unverändert bis auf das Gesetz betreffs des Szegediner Anlehens, welches mit einem unwesentlichen Amendement angenommen wurde.

Im Unterhause theilte der Präsident mit, daß der Schluß der Session morgen erfolgen und die Er⸗ öffnung der neuen Session am Sonnabend stattfinden werde. Das Haus wird an diesem Tage die Wahl der Vize⸗ Präsidenten, der Schriftführer und des Quästors, Sonntag die Wahlen in die Fachausschüsse vornehmen. Sodann wird die Verfügung betreffs der Delegationen erfolgen.

Großbritannien und Irland. London, 14. Juni (Allg. Corr.) Die Flottenrevue auf der Rhede von Spit⸗ head zu Ehren Sr. Majestät des Deutschen Kaisers ist vom 27. Juli auf Montag den 5. August verschoben worden. Wenige Tage vor der Revue trifft der Groß⸗ herzog von Hessen, begleitet von dem Erbgroßherzog und der Prinzessin Alix, zum Besuche des englischen Hofes in Osborne ein.

15. Juni. (W. T. B.) Die meisten Morgen⸗ blätter begrüßen mit Befriedigung die Unterzeich⸗ nung des Samoavertrages. Die „Times“ sagt hier⸗ über: Wir können den Fürsten Bismarck und die deutsche Regierung nur beglückwünschen zu dem versöhnlichen Geist, den sie bei der Lösung dieser schwierigen Frage bekundet haben.

Frankreich. Paris, 14. Juni. (W. T. 87 Der Senat lehnte heute den Antrag Leon Say's über die Ausgaben für den Volksschulunterricht mit 162 gegen 99 Stimmen ab.

Dem „Journal des Déebats“ zufolge fand heute Vormittag in der Wohnung der Frau Bontou eine Haus⸗ suchung statt, bei welcher eine Anzahl Schriftstücke und von oulanger an das National⸗Comité ge⸗ richteter Briefe beschlagnahmt wurden.

In Gondrecourt (Meuse) fand heute eine ernstliche Schlägerei zwischen französischen unditalienischen Eisenbahnarbeitern statt. Anlaß hierzu war die an⸗ gebliche Tödtung eines Franzosen durch Italiener. Bei dem Zusammenstoß wurde ein italienischer Arbeiter verwundet; mehrere Schankstätten wurden zerstört. Seitens der Behörden sind Vorkehrungen getroffen, um eine Wiederholung der Ruhe⸗ störung zu verhindern. Der italienische Botschafter Graf Menabrea hatte wegen dieses Zwischenfalls heute eine Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen, Spuller.

Spanien. Madrid, 14. Juni. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer wählte Alonso Martinez mit 237 gegen 117 Stimmen zum Präsidenten. Die nicht für Alonso Martinez abgegebenen Stimmzettel waren unbeschrieben.

Rumänien. Bukarest, 14. Juni. (W. T. B.) In der Deputirtenkammer interpellirte Jonescu die Regierung, was sie im Falle eines Krieges Oesterreich⸗ Ungarns und Deutschlands gegen Rußland thun würde. Der Minister⸗Präsident Catargi erwiderte darauf, daß die Beziehungen Rumäniens zu allen Mächten gute seien. Die Politik der Regie⸗ rung bestehe in der Beobachtung einer strengen Neu⸗ tralität. Dem Deputirten Palladis gegenüber, welcher das Verlangen stellte, den Pruth schiffbar zu machen, erklärte der Minister⸗Präsident, es bestehe darüber zwischen Oesterreich⸗ Ungarn, Rußland und Rumänien eine Konvention. Er werde in Betreff der beantragten Arbeiten Vorbesprechungen

einleiten.

Amerika. Washington, 14. Juni, Abends. (W. T. B.) Der Staatssekretär Blaine hat dem Ministerrath die heute erfolgte Unterzeichnung der Samoa⸗Konvention mitgetheilt.

Philadelphia, 12. Juni. (Allg. Corr.) Die Re⸗ gierung des Staates Pennsylvanien übernahm heute die Verwaltung von Johnstown. General Hastings begann die Wegräumung der Trümmer in dem Strome oberhalb der Johnstown⸗Brücke. Der General verlangt 20 000 Rationen für 15 Tage zur Speisung der Nothleidenden im Thale.

Zeitungsstimmen.

Dem Todestage Sr. Majestät des Kaisers Friedrich widmen fast alle Blätter ihre ; Betrach⸗ tungen, indem sie zugleich einen Rückblick auf das erste Regierungsjahr Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm werfen. So schreibt der „Hannoversche Courier“, indem er auf das unendliche Mitgefühl hinweist, welches die Krank⸗ heit und alsdann das Hinscheiden des Kaisers Friedrich vor einem Jahre hervorrief:

„War es doch ein Geschick, so tragisch, wie es die Welt⸗ geschichte bis dahin noch nicht gesehen, daß Friedrich III., ein Fürst voll großer schöpferischer Ideen, während seiner kräftigsten Mannes⸗ jahre in verhältnißmäßiger Unthätigkeit verharren mußte, und daß, als er endlich die Zügel der Regierung ergriffen, seine Kraft durch tückische Krankheit schon gebrochen war und während der wenigen Wochen, die ihm auf dem Deutschen Kaiserthron vergönnt waren, sich in dem aussichtslosen Kampf gegen das furchtbare Leiden von Tag zu Tag zusehends erschöpfen mußte. Aber gerade der Heldenmuth, mit welchem der ruhmgekrönte Feld⸗ herr von Königgrätz, Wörth und Sedan auch das namenlose Unglück zu tragen wußte, welches über ihn hereinbrach, wird sein Gedächtniß im Herzen aller Deutschen zu einem unauslöschlichen machen; wie wir heute nach Jahresfrist nur in Wehmuth, in Liebe und Verehrung Seiner gedenken können, so werden, wenn sein Name genannt wird, die nämlichen Empfindungen im deutschen Volke wach gerufen werden bis in die spätesten Zeiten. Aber der 15. Juni ist nicht nur der Todestag des Kaisers Friedrich, er hat uns auch in unmittelbarer Folge jenes Trauerfalles den Regierungsantritt Kaiser Wilhelm's II. ge⸗ bracht Erst ein Jahr ist heute vergangen, seit Kaiser Wilhelm II. an der Spitze des Reichs und Preußens steht, und doch, wie theuer, wie allverehrt hat dies eine Jahr den jungen Herrscher uns bereits gemacht, mit welchem Vertrauen blicken wir heute zu ihm auf, von dessen Eigenschaften und Plänen vor Jahresfrist über den kleinen Kreis besonderer Vertrauter wenig bekannt war. Das Wort, mit dem er die Regierung übernahm, daß er regieren werde im Geiste und im Sinne seines unvergeßlichen Großvaters, mußte ihm von vornherein die Sympathien aller wohlgesinnten Deutschen erobern, und selten ist ein Kaiserwort gewissenhafter gehalten worden, als dies.“

Die „National⸗Zeitung“ erinnert sich 8 der großen Hoffnungen, welche das deutsche Volk auf seinen „Kronprinzen“ setzte und untersucht die Ursache derselben, wobei sie zu folgendem Ergebniß kommt:

. . Solche Hoffnungen zu erwecken, bedurfte es mehr, als der Liebenswürdigkeit des Wesens und der Pracht der Erscheinung, die den Kronprinzen auszeichnete: es bedurfte eines dreißig⸗ jährigen Lebens im Angesicht des Volkes, im Dienste des Vater⸗ landes und des Kaisers. Allen voran gab der Kronprinz in jeder Lage und Stimmung das Beispiel unwandelbarer Pflicht⸗ erfüllung. Dem Rufe seines Vaters zu folgen, fühlte er keine Ermüdung und keine Unlust. Auf all seinen Wegen begleitete ihn das Glück. Wie im Sturm erwarb er sich die Herzen der Süd⸗ deutschen. Keiner hat so fest wie er den bayerischen Stamm an das Reich geknüpft... . Ncoch ist Allen unvergeßlich, welche Wirkung auf dem Jubelfeste der Heidelberger Universität von seiner Persön⸗ lichkeit ausging, wie seine Rede Jung und Alt, die Fremden wie die Deutschen elektrisirte. Seine Freundlichkeit und Humanität milderte die Förmlichkeit, die seine Stellung ihm auferlegte, und die Rauhheit, die das Schlachtfeld forderte. Ueber den kriegerischen Lorbeer hinaus schien er einzig nach der Palme des Friedens zu trachten. Dies Bild kann nicht durch die schmerzlich⸗melancholische Schattengestalt des todtkranken Kaisers verdrängt werden, die Erinnerung an den blühenden Kronprinzen wird in der deutschen Volksseele immer die erste sein. Nur einen schwermüthigen Zug trägt das letzte Leidens⸗ jahr in das leuchtende Bild hinein, die Tragik des Menschengeschicks, mit dessen Herbheit gerade in diesem erschütterndsten Falle der Heroismus versöhnt, mit dem der Dulder schweigend zu leiden wußte.“

Centralblatt für das Deutsche Reich. Nr. 25. Inhalt:

Konsulatwesen: Ernennung. Ermächtigung zur Vornahme von Civilstands⸗Akten. Exequatur⸗Ertheilung. Bankwesen: Status der deutschen Notenbanken Ende Mai 1889. Finanzwesen: Nach⸗ weisung der Einnahmen des Reichs für das Etatsjahr 1888/89. Statistik: Aufnahme des Artikels „Speisezwiebeln“ in das statistische Verzeichniß der Massengüter. Zoll⸗ und Steuerwesen: Bestellung eines Stations⸗Kontroleurs. Veränderungen in dem Stande oder den Befugnissen der Zoll⸗ und Steuerstellen. Abänderungen zu dem Verzeichnisse der zur Abstempelung von Spielkarten befugten Zoll⸗ und Steuerstellen. Polizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 2. Juni bis inkl. 8. Juni cr. zur Anmeldung gekommen: 265 Eheschließungen, 963 Lebendgeborene, 33 Todtgeborene, 1042 Sterbefälle.

Nach dem amtlichen Verzeichniß des Personals und der Studirenden der Königlichen Universität zu Greifswald im Sommero⸗Semester 1889 sind im Winter⸗ Semester 1888,89 853 immatrikulirt gewesen; von diesen ist 1 ver⸗ storben, 275 mit Exmatrikel abgegangen und 3 wurden aus sonstigen Gründen gestrichen, sodaß 574 verblieben. Hierzu sind in diesem

ommer⸗Semester 313 gekommen, es beträgt daher die Gesammt⸗ zahl der gegenwärtig immatrikulirten Studirenden 887, von welchen 308, und zwar 250 Preußen und 58 Nichtpreußen, auf die theolo⸗ gische Fakultät, 71, und zwar 67 Preußen und 4 Nichtpreußen, auf

Aufnahme finden dürfte.

e - ät. zwar 386 Preußen und 36 Nicht⸗ preußen, auf die medizinische Fakultät und 86, und zwar 53 Preußen mit dem Zeugniß der Reife, 25 Preußen ohne Zeugniß der Reife nach §. 3. der Vorschriften für die Studirenden der Landes⸗Universitäten vom 1. Oktober 1879 und 8 Nichtpreußen, auf die philosophische Fakultät kommen. Von den 782 immatrikulirten Preußen sind 22 aus Ost⸗ preußen, 63 aus Westpreußen, 86 aus Brandenburg, 249 aus Pom⸗ mern, 71 aus Posen, 72 aus Schlesien, 53 aus Sachsen, 4 aus Schleswig⸗Holstein, 29 aus Hannover, 72 aus Westfalen, 12 aus Hessen⸗Nassau und 48 aus der Rheinprovinz gebürtig; von den 106 immatrikulirten Nichtpreußen 87 aus den übrigen Reichsländern, und zwar 6 aus Anhalt, 3 aus Baden, 1 aus Bayern, 7 aus Braun⸗ schweig, je 2 aus Bremen und Elsaß⸗Lothringen, je 3 aus Hamburg und dem Großherzogthum Hessen, 4 aus Lippe, 15 aus Mecklenburg⸗Schwerin, 7 aus Mecklenburg⸗Strelitz, 4 aus Olden⸗ burg, je 1 aus Reuß älterer Linie und aus Reuß jüngerer Linie, 16 aus dem Königreich Sachsen, 3 aus Sachsen⸗Altenburg, 1 aus Sachsen⸗Coburg⸗Gotha, je 2 aus Sachsen⸗Weimar, Schaumburg⸗ Lippe und Schwarzburg⸗Rudolstadt, schließlich je 1 aus Schwarzburg⸗ Sondershausen und Waldeck, 13 aus den übrigen europäischen Staaten, und zwar 1 aus den Niederlanden, 4 aus Rußland, 7 aus der Schweiz und 1 aus Ungarn, und 6 aus den außereuropäischen Staaten, und zwar 3 aus Afrika, 1 aus Amerika und 2 aus Asien. Außer den im⸗ matrikulirten Studirenden haben 20 nicht immatrikulationsfähige Preußen und Nichtpreußen vom Rektor die Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen erhalten, sodaß die Gesammtzahl der zum Hören der Vorlesungen Berechtigten sich in diesem Sommer⸗Semester auf 907 beläuft. Gegen das vorige Sommer⸗Semester sind gegenwärtig 162 weniger immatrikulirt.

Jena, 14. Juni. Die Zahl der Studirenden in Jena be⸗ trägt in diesem Sommersemester 654 49 mehr als im vorigen Winter. Den thüringischen Staaten des Ernestinischen Hauses ge⸗ hören 237, Preußen 203 an. Die stärkstbesuchte Fakultät ist die medizinische (251), dann folgt die philosophische (166), die theologische zuletzt die juristische Fakultät (104 Studenten).

Kunst, Wissenschaft und Literatir9r.

Das Hohe Lied vom Deutschen Kaiser Friedrich III. Sein Leben und seine Thaten. Dichtung in drei Gesängen nebst einem Vorgesang an Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. Von O. Benze von Benzenhofen. Mit einem Anhange, enthaltend ein Verzeichniß der Schriften, welche über Ihre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin Friedrich erschienen sind. Verlag von Moritz u. Münzel (J. Moritz). Wiesbaden und Leiptig 1889. Das vor⸗ liegende Buch ist den Manen des hehren Dulders, Friedrich's III., gewidmet, welcher heute vor einem Jahre von seinen Leiden erlöst wurde. In liebevoller Weise entwirft der Ver⸗ fasser ein anziehendes, poetisch gehaltenes Bild von der Persönlichkeit und den Thaten des zweiten Deutschen Kaisers, den er in seinen Eigen⸗ schaften als Held und Fürst, Förderer von Kunst und Wissenschaft, Gatte und Vater würdigt und preist. Sein Andenken im deutschen Volk bewahren zu helfen, ist der Zweck dieses Buches, welches in patriotischen Kreisen sicherlich freundliche Es hat folgenden Inhalt: Nach der ein⸗ gehenden Vorrede eröffnet ein Vorgesang: An Se. Majestät den Deutschen Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II. den Cyklus der Dichtungen. Dann folgt der erste Gesang: Kaiser Wil⸗ helm's I. Tod und Friedrich's Thronbesteigung; der zweite ist betitelt: Kaiser Friedrich's Leben und Thaten. Der dritte schildert Kaiser Friedrich's Tod.,. Der Anhang zählt diejenigen Werke auf, welche über Kaiser Friedrich und seine hohe Gemahlin erschienen sind. Der Ladenpreis des vornehm ausgestatteten Buchs beträgt 2 Der ge⸗ sammte Ertrag des Buches ist für die Kassen zur Errichtung des Kaiser Friedrichs⸗Denkmals in Berlin und Charlottenburg bestimmt.

Graf Moltke. Ein Bild seines Lebens und seiner Zeit. Von Hermann Müller⸗Bohn. Mitt zahlreichen Illustrationen von ersten deutschen Künstlern. Sr. Excellenz dem General⸗Feld⸗ marschall Grafen von Moltke gewidmet. Vollständig in etwa zwölf Lieferungen zu 50 ₰. Berlin W., Verlag von Paul Kittel. Von diesem Werk liegt uns die dritte Lieferung vor. Dasselbe lehrt uns den Grafen Moltke als Reise⸗ und Sittenschilderer kennen. Moltke's Ausflüge von Konstantinopel aus in die Umgegend und an die klassischen Stätten Klein⸗Asiens sowie die eigenthümlichen Sitten und Gebräuche der Türken und ihre öffentlichen Einrichtungen werden uns hier geschildert; fesselnd geschrieben, bietet auch dieses Heft dem Leser eine anregende Unterhaltung, welche durch die interessante Person, die hier in Betracht kommt, noch an Anziehung gewinnt. Die Hinzufügung von Illustrationen ist eine angenehme Beigabe. In diesem Heft werden folgende Bilder geboten: Die berühmte Kirche in Konstan⸗ tinopel „Hagia Sophia“, die Moschee Selim's II. in Adrianopel, Mosul in Hoch⸗Mesopotamien; ferner das Generalstabsgebäude zjzu Berlin, in welchem der General⸗Feldmarschall seinen Wohnsitz hat, gezeichnet von O. Schultz. Mit Interesse werden die Leser zwei Bilder des berühmten Strategen betrachten. Das eine stellt Graf von Moltke im 22. Lebensjahr als Second⸗ Lieutenant im 8. Infanterie⸗(Leib⸗‚Regiment dar, nach einer Zeichnung im Besitz des Herrn von Moltke, Landrath in Gleiwitz, angefertigt von R. Hoberg; das zweite führt uns Graf von Moltke im 50. Lebens⸗ jahr als Chef des Generalstabes des IV. Armee⸗Corps zu Magdeburg vor, gezeichnet von R. Hoberg nach einem im Besitz des General⸗Feld⸗ marschalls befindlichen Gemälde. Das dritte Porträt ist dasjenige der Gemahlin des Grafen von Moltke, gleichfalls gezeichnet von R. Hoberg. Das vorliegende Werk wird im Ganzen 12 Lieferungen enthalten, von denen die letzte zu Ende September d. J. erscheinen soll. Jede Lieferung kostet 50 ₰.

Zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Düsseldorf, für welches 200 (00 zur Verfügung stehen, ist, wie die „Kunst für Alle“ mittheilt, eine Konkurrenz mit einem ersten Preise von 4000 ℳ, einem zweiten von 3000 und drei weiteren Preisen von je 1000 ausgeschrieben worden. Die Entwürfe sind bis zum 1. Dezember 1889 an den Ober⸗Bürgermeister Lindemann in Düsseldorf ein⸗ zureichen. Die Schiedsrichter sind die Professoren Schaper in Berlin, umbusch in Wien, Gebhard und Bendemann in Düsseldorf und

ber⸗Baurath Dr. von Leins in Stuttgart. Die Betheiligung an der Konkurrenz für das in Hildesheim zu errichtende Bischof Bernward⸗Denkmal ist eine ziemlich rege gewesen. Es haben zu derselben sieben Künstler neuen Entwürfe eingesandt, und zwar die Bildhauer Küsthardt (Hildesheim) und Fuchs (Köln) je zwei, die Bildhauer Kuno von Uechtritz (Berlin), Rassau (Dresden), F. Hartzer (Berlin), Moritz Wolff (Berlin) und Joseph Füllhaus (Düsseldorf) je einen. Ueber den Zusammentritt der Jury in Berlin und die öffentliche Ausstellung der Entwürfe in Hildesheim und Berlin ist Näheres noch nicht bekannt geworden. Die Jury für das in Stettin zu errichtende Kaiser Wilhelm⸗ und Kriegerdenkmal hat ihre Entscheidung getroffen. Von den zahlreich eingegangenen Entwürfen sind sieben zur engeren Wahl gestellt, nämlich die von Brunow (Berlin), R. Felderhoff (Berlin), Ernst Herter (Berlin), H. Hidding (Berlin), Karl Hilgers (Charlottenburg), Max Kruse (Berlin) und Seffner (Leipzig). Aus diesen wurde dem Entwurf von Karl Hilgers der erste Preis von 5000 ℳ, dem des Bildhauers Brunow der zweite Preis mit 3000 und dem von Seffner der dritte Preis mit 2000 zuerkannt. Trotz dieser Preiszuertheilung wurde kein Entwurf als für die Ausführung geeignet befunden, vielmehr war beschlossen worden, unter den drei prämiirten Künstlern und unter Zuziehung von Felderhoff und Hidding nochmals eine engere Kon⸗ rrenz zu veranstalten. Nachdem Hilger erklärt hat, sich an der in Aussicht genommenen engeren Konkurrenz nicht betheiligen zu wollen, at man ihn mit der Ausführung des Dentmals betraut.

Im Verlage von Alexius Kießling in Berlin §8, Branden⸗ burgstraße 64, erschien soeben in neunzehnter Auflage: Kieß⸗ ling's allbekannte Topographische Karte der Umgegend von Berlin im Maßstabe 1: 150 000, ein Terrain von 85 Quadrat⸗ meilen um Berlin umfassend, in sauberem Farbendruck ausgeführt, mit Ortsverzeichniß, Preis 1 Ein besonderer Vorzug der Karte

juristische Fakultät, 422,

sind d konzentrischen Kreise, welche die Entfernungen in Zwi chen⸗ V

räumen von je ½¼ Meile (vom Dönhoffplatz aus gerechnet) in anschau⸗ licher Weise zur Darstellung bringen.

Land⸗ und Forstwirthschaft.

„St. Petersburg, 14. Juni. (W. T. B.) Obwohl in einigen Distrikten der Getreidestand gegenwärtig ein ungünstiger ist, so haben sich doch nach dem Regen der letzten Tage die Felder im Wolgagebiet zusehends erholt.

Sanitäts⸗, Veterinär⸗ und Quarantänewesen.

Portugal.

„Durch in Nr. 125 des „Diario do Governo“ vom 4. Juni 1889 veröffentlichte Verfügungen des Königlich portugiesischen Ministeriums des Innern sind die seit dem 1. März d. J. für von Gelbfieber ver⸗ seucht bezeichneten Häfen von Bahia und Cear à (Reichs⸗Anzeiger Nr 91 und 96 vom 13. und 20. April 1889), und zwar der erstere Hafen als seit dem 2. Mai, der letztere als seit dem 1. April d. derselben Krankheit verdächtig erklärt worden.

Gewerbe und Handel.

Berlin, 14. Juni. Amtliche Preisfeststellung für Butter, Käse und Schmalz. Butter: Hof⸗ und Genossen⸗ schaftsbutter Ia. 92 95 ℳ, IIa. 88 —- 91 ℳ, IIIa. 84 87 ℳ, do. abfallende 80 ℳ, Land⸗, Preußische 77 80 ℳ, Netzbrücher 77 80 ℳ, Pommersche 77 80 ℳ, Polnische 77 80 ℳ, Bavyerische Sennbutter ℳ, do. Landbutter ℳ, Schlesische 77 80 ℳ, Galizische 72 75 Margarine 45 70 Käse: Schweizer Emmenthaler 85 90 ℳ, Bayerischer 60 70 ℳ, do. Ost⸗ und West⸗ preußischer Ia. 55 65 ℳ, do. IIa. 45 55 ℳ, Holländer 75 85 ℳ, Limburger 32 38 ℳ, Quadratmagerkäse 15 23 Schmalz: Prima Western 17 % Ta. 43,00 ℳ, reines, in Deutsch⸗ land raffinirt 46,50 ℳ, Berliner Bratenschmalz 49,00 52,00 Fett, in Amerika raffinirt 42,50 ℳ. in Deutschland raffinirt 44,50 46,50 Tendenz: Butter: Zurückhaltung der Käufer und un⸗ verändert starke Zufuhren veranlaßten ferneren Preisrückgang. Schmalz: Große Schweinezufuhren schwächten den Markt etwas ab.

Vom oberschlesischen Eisen⸗ und Metallmarkt berichtet die „Schles. Ztg.”: Für die Erzeugung von Roheisen standen wie bisher 28 Hohöfen in regelmäßigem Betriebe. Die Anfuhr einheimischer Erze war bei den guten Wegen recht lebhaft, auch auswärtige Erze langten in großen Mengen an; die Abröstung Ciheh Thoneisensteine wurde sehr flott be⸗ trieben. Das Ausbringen der ee war innerhalb der durch den Gehalt der Beschickung gegebenen Bedingungen zufriedenstellend. Von Roheisen gingen mehrfache Bezüge besserer Sorten zu heraufgesetzten Preisen nach dem Auslande. Auf den Eisengießereien verblieben in Folge nicht unbedeutender Bestellungen die Cupol⸗ und Flammöfen in flottem Betriebe; in Gußeisen wie Flußstahl (Produkt der Siemens⸗Martin⸗ öfen) kamen ansehnliche Partien von Gußstücken vor dem Feste zur Versendung. Im Bereiche der Walzeisen⸗ Fabrikation gehen auf mehreren Walzwerken die Neu⸗ einrichtungen zur Herstellung profilirter Spezialartikel ihrer Voll⸗ endung entgegen; auch der Ausbau von Martinofen⸗Anlagen ist be⸗ deutend gefördert, und weitere Anlagen dieser Art sind geplant, sodaß die Flußstahlfabrikation in Oberschlesien eine erhebliche Ausdehnung erfahren dürfte. Von profilirtem Grob⸗ und Baueisen fanden zu Eisenbahn⸗, Hallen⸗ und Brückenbauten große Posten Ab⸗ satz; außerdem zeigten sich mit großen Bezügen in Handels⸗ und Schlossereisen die Abnehmer der größeren Plätze bestrebt, theils die ihnen aus der Betriebseinstellung der westdeutschen Walzwerke erwachse⸗ nen Ausfälle zu ergänzen, theils sich mit größeren Vorräthen zu versehen. Waggon⸗ und Maschinenbau.⸗Anstalten, Fabriken in Sachsen und in Stettin standen unter den Abnehmern von ins Ge⸗ wicht fallenden Pestes in erster Reihe. So sehr der augen⸗ scheinliche Bedarf des Marktes dem Geschäft eine zuversicht⸗ liche Stimmung verleiht, so erheben sich dennoch in den Verbrauchskreisen Bedenken gegen weitere Preiserhöhungen für Walz⸗ eisen. Preise: Stabeisen 145 150 ℳ, Kesselbleche 175 180 ℳ, Stahlschienen für Gruben 120 125 Auf dem Metallmarkt fanden in Rohzink und Blei nicht unbedeutende Bezüge Seitens inländischer wie auswärtiger Werke statt. Die Wasserver⸗ ladungen waren in Folge des ungünstigen Wasserstandes etwas schwächer. Die bisherigen Preisaufbesserungen wurden gut behauptet. Ila Zink bedang 36,80 ℳ, andere Raffinate 35,20 35,50 ℳ, Ia Blockblei 26,25 26,50

In der Generalversammlung der Vereinigten Karls⸗ ruher, Mühlburger und Durlacher Pferde⸗ und Dampf⸗ bahn⸗Gesellschaft vom 13. d. M. wurden Bilanz und Bericht genehmigt und dem Vorstande Entlastung ertheilt. Die Einnahmen des abgelaufenen Jahres haben ein Plus von 9840 gegen das Vorjahr erbracht. Die Dividende beträgt 4 ½ % gegen 2 ½ % fae 1887.

Stettin, 15. Juni, Vorm. (W. T. B.) Wollmarkt. Die Zufuhr ist schwach; es sind nur wenige Käufer anwesend. Wäsche ziemlich befriedigend; der Markt wurde beinahe geräumt. Preise er⸗ zielten gegen das Vorjahr einen Aufschlag von 3 bis 8

Frankfurt a. M., 13. Juniji Getreidemarktbericht von Joseph Strauß. Das Geschäft in Weizen haet sich seit 8 Tagen kaum verändert. Bei geringer Konsumfrage und fehlender Spekulationslust blieben die Umsätze in den allerengsten Grenzen; ab Umgegend 18 ¼ ℳ, frei hier 18 ¼ ½ ℳ, noorddeutscher und kurhessischer über Cours gefordert, ungarische und russische Sorten 19 ½ 20 ½ In Roggen steht der befriedigenden Bedarfsfrage nur zurückhaltendes Angebot gegenüber, sodaß die Preishaltung dauernder Befestigung zuneigt; hiesiger 14 ¼ ½ ℳ, von kleinen Provinzmühlen bezahlt, russische Sorten in größeren Posten zum Course von 14 ½ gehandelt. Tendenz fest. Gerste bleibt noch immer reichlich angeboten, Ried⸗, Wetterauer und Frankengerste (Ochsen⸗ furter Gau) 14 ¼ ¼¾ käuflich. Hafer hat schleppenden Verkehr bei unveränderten Preisen, die Notiz 14 ½¼ 15 bleibt, exquisiter viel darüber. Mais (mixed) begegnete nur ganz vereinzelt geringer Frage, Prima⸗Sorten 11 ½ detaillirt. In Chilisalpeter be⸗ wegte sich das Geschäft in engen Grenzen bei nur unnesentlichen Schwankungen, Käufer per Februar, März 1890 treffen hier einen guten Markt. Die Preise für Mehl haben nirgends eine fühlbare Reaktion erlitten. Die Handelsmühlen finden die Preise zu niedrig, um sich auf Engagements einzulassen. Kleie weichend, Spelz⸗ spreu flauer. Berliner Roggenmehl stramm gehalten; die größeren pfälzischen Mühlen geben den Ton an. Nr. 0 31 32 ℳ, Nr. 1 29 30 ℳ, Nr. 2 24 ½ 25 ½ ℳ, Nr. 3 23 ½ 24 ½ ℳ, Nr. 4 19 20 ℳ, Nr. 5 17 Milchbrot⸗ und Brotmehl im Verbande 53 55 Norddeutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 25 ½ Hiesiges Roggenmehl Nr. 0 24 ½ 25 ℳ, Nr. 0/1 22 ½ 23 ℳ, Nr. 1 21 ½ ℳ, Nr. 2 17 18 Roggenkleie 9 ½ ℳ, Weizenkleie 8 ½ ℳ, Malzkeime 9 ½ ℳ, Spelzspreu 3 Rüböl im Detail 61 Die Preise verstehen sich per 100 kg ab hier, häufig auch loco auswärtiger Stationen.

Neubrandenburg, 14. Juni. (W. T. B.) Wollmarkt. Die Zufuhren betrugen 6000 Ctr. Wäschen gut. Wegen höherer Forderung eröffnete der Markt ruhig, nach eingetretener Ermäßigung lebhaft. Vormittags 11 Uhr war der Markt bis auf wenige Stämme geräumt. Bezahlt wurden 135 bis 143 ½ ℳ, gegen das Vorjahr ein Aufschlag von 5 bis 10

Wien, 15. Juni. (W. T. B.) Ausweis der Oesterreichisch⸗ ungarischen Staatsbahn in der Woche vom 4. bis 10. Juni: 642 030 Fl., Mehreinnahme 41 612 Fl.

Paris. Ueber den Strike der Kutscher wird vom 14. Juni berichtet: Delegirte der strikenden Kutscher und der Arbeit⸗ Pber hielten in Anwesenheit des Ministers des Innern heute eine

ersammlung ab, in welcher jedoch ein Einvernehmen nicht erzielt werden konnte. Am Abend beschloß eine Versammlung von 1200 Kutschern den allgemeinen Strike.

Turin, 14. Juni. (W. T. B.) Die strikenden ländlichen Arbeiter haben die Arbeit wieder aufgenommen; dagegen drohen die Bäckergehülfen, morgen die Arbeit einzustellen.

Mailand, 14. Juni. (W. T. B.) Die Einnahmen des Italienischen Mittelmeer⸗Eisenbahnnetzes während der ersten Dekade des Monats Juni 1889 betrugen nach proviso⸗ rischer I im Personenverkehr 1 371 033 Lire, im Güter⸗ verkehr 1 663 954 Lire, zusammen 3 034 987 Lire gegen 2 979 424 Lire in der gleichen Periode des Vorjahres, mithin mehr 55 563 Lire.

Lausanne, 14. Juni. (W. T. B.) Der Verwaltungsrath der Schweizer Westbahn und der Simplonbahn genehmigte das ihm vorgelegte Fusions⸗Projekt mit der Jurabahn und der Bern⸗Luzernbahn ohne jegliche Veränderung, immerhin unter ausdrücklicher Voraussetzung, daß dasselbe wesentlich die Interessen der Simplonbahn zum Zweck haben werde.

New⸗York, 14. Juni. (W. T. B.) Baumwollen⸗Wochen⸗ bericht. Zufuhren in allen Unionshäfen 5000 Ballen; Ausfuhr nach Großbritannien 16 000 Ballen; Ausfuhr nach dem Kontinent 14 000 Ballen; Vorrath 239 000 Ballen.

6 Verkehrs⸗Anstalten.

Von jetzt ab können im Verkehr zwischen Deutschland und Japan außer nach den Orten Hiogo oder Kobe, Kokodate, Kioto, Nagasaki, Osaka, Tokio und Yokohama auch nach den im Innern Japans durch die deutschen Postanstalten

ahlungen bis zum Betrage von 500 Franken im Wege der Postanweisung vermittelt werden. Die Gebühr beträgt 20 für je 20 oder einen Theil von 20 ℳ, mindestens jedoch 40 Z.

Schwerin, 13. Juni. Die Verhandlungen wegen Ankauf der mecklenburgischen Privatbahnen werden fortgeführt. Neuerdings sind der Rostock⸗Wismarer, Güstrow⸗Plauer und Wismar⸗Karower Bahn, welche sämmtlich auf eine Reihe von Jahren von dem Herrn Lenz in Stettin gepachtet sind, Angebote zugegangen. Dem Vernehmen nach hat die Regierung für die Aktien der Wismar⸗Rostocker Bahn 90 % in Konsols und 5 % in Baar, und für die Aktien der Güstrow⸗Plauer Bahn 75 % in Konsols geboten. Die Wismar⸗Karower Bahn beabsichtigt die Regierung nicht zu erwerben, sondern nur gegen Zahlung eines jährlichen Betrages an

die Gesellschaft zu betreiben.

Hamburg, 14. Juni. (W. T. B.) Der Schnelldampfer „Augusta Victoria“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesellschaft ist heute früh 8 ½ Uhr nach einer Reise von 19 Stunden in Southampton eingetroffen, mit der bisher unübertroffenen Schnelligkeit von Dover nach Southampton in 3 ½ Stunden.

14. Juni. (W. T. B.) Der Postdampfer „Rhaetia“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell⸗ schaft hat, von New⸗York kommend, heute Mittag Lizard passirt.

15. Juni. (W. T. B.) Der Postdampfer „Gellert“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Artiengesell⸗ schaft ist, von Hamburg kommend, gestern Nachmittag in New⸗

YVork eingetroffen.

London, 13 Juni (Allg. Corr) Einem in London ein⸗ getroffenen Telegramm zufolge hat die chinesische Regierung endlich beschlossen, dem Englaͤnder Archibald Little eine Konzession zu ertheilen, den Vangtse von Ichang bis Chungking mit Dampfbooten zu befahren.

Der Sekretär für Schottland, Marquis von Lothian, begab sich gestern mit einer Anzahl Beamten nach den westlichen Hebriden, um zu untersuchen, inwieweit durch den Bau von Eisenbahnen und Anlage von Häfen und Quais die Fischerei⸗ Industrie der Inseln gefördert werden könne.

15. Juni. (W. T. B.) Der Union⸗Dampfer „Moor“ ist gestern auf der Ausreise von Southampton abgegangen.

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1 Trheater und Musik. 8

Im Deutschen Theater wird morgen „Der Pfarrer von Kirchfeld“ und am Montag: „Weh dem, der lügt!“ gegeben. Das weitere Repertoire der nächsten Woche ist folgendermaßen festgestellt: Dienstag, 18.: „Don Carlos.“; Mittwoch, 19.: „Doctor Klaus“; 20: „Das Käthchen von Heilbronn“; Freitag, 21.: „Götz von Berlichingen“; Sonnabend, 22.: „Der Compagnon“; Sonntag, 23.: „Die Welt, in der man sich langweilt!“ Den „Don Carlos“ spielt Hr. Kainz am nächsten Dienstag wahrscheinlich zum letzten Mal. Auch die Auf⸗ führungen von „Weh dem, der lügt!“, „Das Käthchen von Heilbronn“ ad „Götz von Berlichingen“ können nur noch in dieser Woche statt⸗ nden.

Kroll's Theater. In der am Dienstag mit Etelka Gerster in der Titelrolle stattfindenden Aufführung der „Lucia von Lammer⸗ moor“ singt der Tenor der braunschweigischen Hofoper, Max Pichler, der morgen als Tamino auftritt, den „Edgardo“. Eine neue Coloratursängerin Fr. Francisca Riazzi debütirt morgen als „Königin der Nacht“. Für Montag ist wieder der beliebte „Trom⸗ peter von Säkkingen“ angesetzt.

Der Friedrich⸗Wilhelmstädtische Concertpark ist

bendlich von einem zahlreichen distinguirten Publikum besucht.

Mannigfaltiges.

In der Pfingstwoche war der Besuch der Ausstellung für Unfallverhütung, wie vorauszusehen, ein ganz enormer. Tau⸗ sende von Fremden füllten schon im Laufe des Tages die weiten Räume des Parks und der zahlreichen Ausstellungsgebäude. Am 3. Feiertag war zu Ehren des Brauerfestes eine umfangreiche benga⸗ lische Beleuchtung in Scene gesetzt worden. Das Pergamon⸗ Panorama, die Plätze an den Teichen, die Kuppel am Haupt⸗ ausstellungpalast erglänzten in bunten Lichtreflexen. Der Eindruck wurde noch erhöht durch die allabendlich von der Firma Siemens u. Halske betriebenen Scheinwerfer, welche von der Zinne der Kuppel weithin ihre magische Lichtwirkung ausüben. Auch für den Laien hat die Ausstellung fortgesetzt ihre Reize, die be⸗ sonderen Anziehungspunkte des großen Unternehmens, das Bergwerk, der Taucher, der Gefrierschacht erwiesen sich bei der beispiellosen Hitze der letzten Tage als willkommene Zufluchtsorte, während gleichzeitig das Terrain um die Brauerei und das Braustübl die darsigen Be⸗ sucher in großen Massen vereinigten. Den Hauptanziehungspunkt bietet nach wie vor das Theater, welches während der halbstündigen Dauer des Stücks und bei der guten Ventilation des Zuschauerraums ein angenehmer Aufenthalt ist.

Rennen zu Hoppegarten. Freitag, 14. Juni. Se. Majestät der Kaiser erschien heute nicht zu dem Großen Armee⸗ Jagdrennen, und ½ erreichte Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Leopold in Ver etung Allerhöchstdesselben den Ehrenpreis, eine Feldausrüstung für nen Offizier. Für den Zweiten war ein Pokal und für den Dritten ein Besteck in Etui Seitens der Proponenten e worden. Das Rennen war nicht so besetzt, wie man dies seit Jahren gewöhnt war; auch der Besuch war, den Gevpflogenheiten ent⸗ gegen, ein nur schwacher, wenigstens kein so bedeutender, wie dies sonst stets der Fall gewesen ist.

„I. Maiden⸗Rennen. Klubpreis 3000 Für Zweijährige. Dist. 1000 m. Hrn. V. May's F.⸗St. „Märzblüthe“ v. Dalham a. d. May Bush 53 kg 1., Hrn. O. Oehlschläger's br. H. „Notar“ 2, Hrn. 8 Bothe's Sch.⸗St. „Landmädchen“ 3. Nach Kampf um einen Hals gewonnen; „Landmädchen“ ebensoweit hinter „Notar“ Dritte und eine Länge vor „Nymphe.“ Der Rest angehalten. 3000 der Siegerin, 1400 dem Zweiten, 100 der

ritten.

II. Offizier⸗Rennen. Union⸗Klubpreis 1000 dem ersten,

500 dem zweiten Pferde. Dist. 1800 m. Lt. Schlüter’s F.⸗St.