“
Auch in diesem Falle
Gewicht. London, 17. Juni.
Lissabon abgegangen.
Theater und Musik. e“
Die Gesammt⸗Aufführungen der Wagner’'schen O welche im Königlichen Opernhbause am 3.
“
Isolde“ und „die Meistersinger“ zur Darstellung.
hörten wir gestern den „Siegfried“.
Siegfried zu den eigenthümlichsten
gegen Von höchst poetischer Wirkung
anlassung giebt.
ausbrach. Fr.
währten ihre anerkannte Vortrefflichkeit.
Erda übernommen und dieselbe recht befriedigend ausgeführt. Orchester und das Ensemble ließen nichts zu wünschen übrig.
Abend dicht vor Schluß der Saison noch Art, nämlich R. von Gottschall'’s Wenn dieses Werk das seinen Grund in einigen recht bedeutenden Fehlern, welche bei der Darstellung so recht in die Augen sprangen. Ein wesentlicher Mangel beruht zunächst darin, daß diese Tragödie
keinen eigentlichen Helden hat, auf den wir unser Hauptaugenmerk
richten können, dessen Schicksale uns ergreifen und erschüttern, um den sich die Handlung aufbaut, von dem sie bestimmt und geleitet wird. Keiner der hier auftretenden Charaktere ist zu wahrhaft tragischer Größe herausgearbeitet, sie haben alle den Ansatz zum Heldenhaften, kommen aber über das Wollen nicht hinaus. Arabella schwankt un⸗ ausgesetzt zwischen der heldenhaften Jungfrau aus Fürst⸗ lichem Geblüt, welche kühnen Sinns nach der Königskrone greift, und dem zaghaften Weibe, welches eine gluͤckliche Ehe mit dem geliebten Mann in bescheidener Zurückgezogenheit für ihr schönstes erstrebenswerthes Glück hält. Dieses Schwanken wird ihr Verderben, denn als sie sich endlich gegen die Tyrannei des Königs aufrafft, erliegt sie der Macht, gegen welche die erforder⸗ lichen Mittel anzuwenden ihre Unentschlossenheit und ihr Unvermögen nicht gestatten. Ihr Geliebter Sir William Seymour kommt über Phrasen kaum hinaus, auch er krankt an dieser Lauheit, auch er schwankt zwischen Liebhaber⸗ und Heldenthum und bringt, nachdem er einen vergeblichen Versuch zu kühner Waffenthat gemacht, sich selbst seiner Liebe zum Opfer; er vergiftet sich, um Arabella's fernerem Glück nicht mehr im Wege zu stehen. Diesem Liebes⸗ paar steht ein zweites gegenüber, dessen Schicksal ohne zwingende Nothwendigkeit in das des ersten verflochten ist: Der Günstling Robert Carr und Lady Francis Howard⸗Essex, beide sehr wenig sympathische Personen; der erstere eine wenig noble Natur, dem es nur darauf an⸗ kommt, sein Glück zu machen, die zweite eine vornehme Buhlerin, welche nicht vor einem Mord zurückschreckt, wenn ihr durch enselben ein Vortheil erwächst. Durch dieses zweite Liebes⸗ wird unsere Aufmerksamkeit in bedenklicher Weise
dem ersten abgelenkt, und das Interesse, welches wir lediglich diesem zuwenden möchten, richtet sich zum Theil auf die gleichgültigeren Personen Carr und Francis Howard. Aber noch einer andern Person hat der Dichter eine für die Oekonomie seines Werks verhängnißvolle Bedeutung beigelegt. In seinem Be⸗ streben, uns den Charakter des Königs Jakob zu schildern, ist er zu weit gegangen; einen so breiten Vortrag all der Eigenthümlich⸗ keiten jenes absonderlichen Fürsten verträgt der knappe Rahmen einer Tragödie nicht, deren Namen schon andeutet, daß sie uns, wenn nicht ausschließlich, so doch vorwiegend mit Arabella Stuart beschäftigen soll. Der zweite Akt, in welchem Jakob auftritt, wird fast durch ihn selbst ausgefüllt, die Handlung stockt, eine fremde Erscheinung tritt mit ihm auf und nimmt mit ihrem ganzen Wesen und Wirken den Raum ein, welcher ursprünglich Personen gehört, die Urheber und Träger der Handlung sein sollen und müssen. Gewiß ist dies Bestreben des Dichters, uns ein wahrhaftes und interessantes Bild des Königs zu geben, anerkennenswerth, aber er konnte dies an einer anderen Stelle thun, nicht hier, wo er die Entwickelung und den Gang der Tragödie
nur die gewöhnliche Einsammlungs⸗ stört gebühr zu entrichten, also ein Betrag von 15 ₰ bis zum Gewicht von 5 kg und von 20 ₰ für Packete von höherem
1b (W. T. B.) Der Union⸗Dampfer „ Athenian“ ist heute auf der Heimreise in Southampton an⸗ gekommen. — Der Union⸗Dampfer „Moor“ ist heute auf der
ern, Juni mit „Rienzi“ begonnen haben, brachten hierauf in kürzeren Zwischenpausen „den fliegenden Holländer“, „Tannhäuser“, „Lohengrin“, „Tristan und 8 Von der den ge⸗ nannten Werken sich anschließenden „Nibelungen⸗Trilogie“, die gleich den andern Opern an dieser Stelle bereits besprochen worden ist, Der um die Direktion der Wagner'schen Opern so verdiente Kapellmeister Hr. Sucher hatte auch hierbei die Leitung übernommen. Eine besondere Anziehungs⸗ kraft bietet dieses Werk durch die mit frischer Lebendigkeit sich fortbewegende Handlung, sowie durch die höchst ergötzliche Erscheinung des „Mime’, dessen Unmuth über das mißlungene Schwert schon zu Anfang der Oper sehr drastisch wirkt, und dessen fortgesetzte Tücke Situationen Ver⸗ ist dagegen die Erscheinung der Brünnhilde, deren Auferweckung durch Siegfried wiederum so ungemein ergreifend dargestellt wurde, daß das sehr zahl⸗ reich CCö1ö6“] in einen nicht endenwollenden Beifallssturm ucher als Brünnhilde, sowie die Hrrn. Heinrich
Ernst (Siegfried), Liban (Mime), Betz (Wotan), Schmidt (llberich), Biberti (Fafner) und Frl. Herzog (Waldvogel) be⸗ Frl. Schönprunn, eine junge, noch wenig bekannte Sängerin, hatte als Gastin die as
— Das Königliche Schauspielhaus brachte am gestrigen eine Gabe ernster „Arabella Stuart“. einen vollen Erfolg nicht erzielte, so hat
n Ha zerfallen läßt. Auch in den folgenden Akten tritt die Person des Königs zu lsehr in den Vordergrund und lenkt durch ihre bizarren Launen und Einfälle unser Interesse [von den Hauptpersonen ab. Was nun die Handlung selbst angeht, so läßt sich aus der Charakteristik der oben angeführten Personen erkennen, daß dieselbe keine einheitliche sein kann; die Oekonomie des Werkes ist keine tadellose. Die Handlung steigt nicht auf, sie ent⸗ behrt daher auch der Peripetie, die letzten Akte fallen ab, der Schluß ist theatralisch, statt wahrhaft tragisch. Großartige Konflikte, interessante Komplikationen fehlen, ohne steigenden Effekt reiht sich Scene an Scene. Die Machinationen der Lady Francis Howard verfehlen ihre Wirkung, durch keine wahrhaft großartige Handlung, sei es in gutem oder bösem Sinne, werden wir aus unserer Ruhe aufgeschreckt und ohne Ergriffenheit sehen wir selbst den Tod der schönen Arabella, welchean der Leiche ihres Geliebten sich selbst den Tod giebt; wohl hat sie eine tragische Schuld auf sich geladen, aber diesen wichtigsten Punkt der Handlung hat der Dichter nicht genügend betont. Sehen wir von diesen Fehlern ab, so müssen wir doch zugestehen, daß das Gottschall'sche Werk reich an schönen Scenen und Alles in allem eine achtenswerthe Lei tung ist. Die Darstellung war eine recht tüchtige. Fr. von Hochenburger ver⸗ fügte in reichem Maße über die erforderlichen Mittel zur Wiedergabe der Arabella, nur in den Momenten der leidenschaftlichsten Erregung müßte sie mehr Feuer zeigen und auch ihr Organ zu etwas größerer Kraftanstrengung heranziehen. Die beste Leistung bot Hr. Kahle, dem als Jakob I. auch die dankbarste Rolle defcle war, auf welche er denn auch außerordentlichen Fleiß verwandt hatte. Recht wacker spielte Hr. Keßler den Carr, während Frl. Meyer als Miß Howard einen schweren Stand hatte, denn der Charakter dieser Partie ist ihrem Wesen fremd; immerhin hat sie sich mit Geschick ihrer Aufgabe entledigt. Hr. Purschian hatte als Seymour wenig Gelegen⸗ heit, hervorzutreten; dasselbe gilt von Hrn. Reicher. Hr. Krause traf als Overbury nicht den rechten Ton für diesen Intriguanten. Ein recht überflüssiges betagtes Ehepaar wurde von Hrn. Sauer und Fr. Seebach gegeben; es wäre für die Dichtung von Vortheil, wenn diese beiden komischen Alten ganz gestrichen würden; in der gestrigen Darstellung konnte man recht erkennen, wie störend sie in diesem „Trauerspiel“ wirken. Das Publikum verhielt sich im Allgemeinen der Gottschall'schen Tragödie gegenüber wohlwollend.
Kroll's Theater. Etelka Gerster's zweiter angekündigter Gastspielabend ist für Freitag angesetzt und bringt die „Traviata“. Am Sonnabend folgt das erste Auftreten Theodor Reichmann's in der Neuaufführung des „Vampyr“ von Marschner. Herr Mavx Pichler setzt am Donnerstag sein höchst erfolgreiches Gastspiel als George Brown in der „Weißen Dame’ fort.
Mannigfaltiges.
Preußische Klassenlotterie “ (Ohne Gewähr.) 8 Bei der gestern fortgesetzten Ziehung der 3. Klasse 180. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Nachmittags⸗Ziehung: 1 Gewinn von 10 000 ℳ auf Nr. 59 949. 1 Gewinn von 5000 ℳ auf Nr. 105 629. 3 Gewinne von 3000 ℳ auf Nr. 26 687. 104 025. 121 874. 1 Gewinn von 1500 ℳ auf Nr. 128 583. 8 Gewinne von 500 ℳ auf Nr. 36 251. 69 524. 78 819. 97 307. 111 930. 116 840. 171 524. 175 818. 18 Gewinne von 300 ℳ auf Nr. 7700. 14 687. 27337. 28 105. 29 385. 34 650. 41 338. 50 563. 74 178. 87 605. 91 904. 106 269. 110 709. 112 795. 141 643. 164 092. 184 312. 187 452.
Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 3. Klasse 180. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Vor⸗ mittags⸗Ziehung:
1 Gewinn von 10 000 ℳ auf Nr. 101 529. 2 Gewinne von 5000 ℳ auf Nr. 165 146. 188 078. 2 Gewinne von 1500 ℳ auf Nr. 42. 69 228.
8 Gewinne von 500 ℳ auf Nr. 37 463. 46 819. 64 326. 90 382. 120 792. 121 047. 128 879. 132 318.
21 Gewinne von 300 ℳ auf Nr. 576. 22 741. 30 195. 44 808. 63 632. 70 538. 73 845. 85 807. 97 199. 101 322. 103 960. 105 276. 106 236. 113 656. 132 031. 133 150 135 093. 137 945. 156 767. 168 534. 186 702.
Rennen zu Hoppegarten. Montag, den 17. Juni.
„I. Berggeist⸗Handicap. Preis 3000 ℳ Für Zweijährige. Dist. 1000 m. Hrn. V. May’s schwbr. H. „Königs⸗Lieutenant“ 59 ½ kg 1., Kapt. Joë's F.⸗H. „Maat“ 54 kg 2., Hrn. Hewald's br. St. „Nymphe“ 53 kg 3., Hrn. Oehlschläger’'s br. Hengst „Notar“ 57 kg 4. Mit einer halben Länge, „Nymphe“ ebensoweit zurück Dritte, drei Längen vor „Notar“. Werth 3000 ℳ dem Sieger, 710 ℳ dem Zweiten, 440 ℳ der Dritten.
„II. Silberner Schild Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I. und Staatspreis 10 000 ℳ Dist. 2400 m. Kgl.
Hpt.⸗Gestüt Gradit s. 3iähr. F.⸗St. „Erbtante- H51 Kg 1., Me. G.
Johnson'’s 3jähr. F.⸗H. „Anarch“ 52 ½ kg 2., Frhrn. Ed. v. heim's 3jähr. schwbr. H. „Battenberg“ 52 ½ kg 3. „EPrhtanze whie vom Fleck weg vor „Anarch“ das Rennen auf, während Frei maurer“ in der Nachhut lag. Im Einlauf war letzterer zuerst ge⸗ schlagen, dagegen behauptete die Graditzerin sich durchweg in und endete dreiviertel Längen vor „Anarch“, der „Battenberg“ um einen Hals für den zweiten Platz schlug. „Durchgänger“ und „Anarch“ pullten lahm auf. Werth Ehrenpreis und 13 400 ℳ der Siegerin, 1200 ℳ dem Zweiten, 200 ℳ dem Dritten.
III. Morgenstern⸗Rennen. Preis 2000 ℳ Dist. 1000 m Hrn. F. Nolda's 3jäbr. F.⸗H. „Weltkind“ (1000 ℳ) 51 ½ kg 1. Hrn. J. Kenschel's 4jähr. br. H. „Hammerfest“ (2000 ℳ) 58 kg 2. Mr. G. Sopp's 3jähr. dbr. St. „Patience“ (2000 ℳ) 52 ½ kg 3 Um einen Hals herausgeritten; zwei Längen weiter zurück Patience Dritte. „Weltkind“ wurde für 1500 ℳ zurückgekauft. Werth 2870 ℳ
IV. Hymenaeus⸗Rennen. Preis 2000 ℳ Dist. 1600 m Hrn Oehlschläger's 3jähr. F⸗H. „Corsar“ 55 kg 1., Kgl. Haupt⸗ Gestüt Graditz 3jähr. br. St. „Fledermaus“ 55 ½ kg 2., Hrn Ehrich's Zjähr. F.⸗H. „Vagabund“ 59 kg 3. Siegte sicher mit einer Länge; fünfzehn Längen dahinter der niedergebrochene „Vagabund“ Werth 2000 ℳ dem Sieger, 250 ℳ der Zweiten, 80 ℳ dem Dritten.
V. Trost⸗Handicap. Preis 2000 ℳ Dist. 1800 m. Hrn. E. Lindner's 4jähr. br. H. „Ambrosius“ 57 ½ kg 1., Major v. Mol⸗ lard's 5jähr. br. H. „Gubat“ 59 ½ kg 2., Hrn. C. Kizitaff's 5jähr br. H. „Casino“ 50 ½ kg 3. Zum Schluß leicht mit zwei Längen ge⸗ wonnen; einen Kopf weiter zurück der Dritte. Werth 2600 ℳ dem Sieger, 600 ℳ dem Zweiten, 80 ℳ dem Dritten.
„VI. Offizier⸗Handicap⸗Jagd⸗Rennen. Preis 2000 ℳ Dist. 4000 m. Lieut. K. v. Arnim’'s a. br. W. „M. C.“ 70 kg Lieut. v. Sydow 1. Kam allein ein. Werth 2380 ℳ
Der Berliner Verein für häusliche Gesundheits⸗ pflege, der unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich steht, hielt gestern Abend unter Vorsitz des Dr. von Bunsen im Café Bellevue seine 10. Jahresversammlung ab. Der Verein und seine Spezial⸗Comités haben auch im letzten Jahre wieder eine ungemein reiche Thätigkeit entfaltet. Das Comité für die Ferienkolonien entsandte 849 Kinder in Halbkolonten und 803 in Vollkolonien, und zwar von letzteren 241 Kinder in eigentliche Ferienkolonien, 75 in Rekonvaleszentenkolonien, 25 in Stahl⸗ bäder, 275 in Soolbäder, 127 in Seebäder und 60 in Einzelpflege. Von den Kindern in den Halbkolonien sind 13 641 Bäder genommen. In diesem Jahre hofft man genügende Mittel zu erhalten, um die Zahl der auszusendenden Kinder um 200 erhöhen zu können. Gemeldet haben sich gegen 4000 Kinder. Das Bezirks⸗Comité der Stadtbezirke 1—5 unterhält eine von 38 Mädchen besuchte Flickschule und vertheilte 7612 1 Milch, 329 kg Riadfleisch, 1204 Volksküchenmarken und 14 Flaschen Wein. In der vom Bezirks⸗Comits Süd⸗Osten unterhaltenen Polyklinik für kranke Frauen wurden 272 Patientinnen in 1379 Berathungen behandelt, die Poliklinik für Kinderkrank⸗ heiten wies eine Frequenz von 394 Patienten bei 997 Konsul⸗ tationen auf. Vertheilt wurden im Bezirk 755 Fleisch⸗ und 1373 Milchmarken, 65 Flaschen Wein u. s. w. Die Thätigkeit des Bezirks⸗ Comités „Königsviertel“ erstreckte sich auf die sachgemäße Bewilli⸗ gung von Stärkungsmitteln. In der Frauenklinik der Rosenthaler Vorstadt wurden 326 Frauen 3817 Tage lang verpflegt, in der Kinderklinik 2391 Kinder behandelt. Die Badeanstalt des Bezirks wurde von 500 Frauen und Kindern benutzt, außerdem unterhält der Bezirk eine Flickschule. — Am lebhaftesten war die Frequenz der Poliklinik des Bezirks⸗Comités in der Steinmetzstraße. Die Anstalt wurde von 3978 Kranken aufgesucht. Die vom Bezirk unterhaltenen zwei Schwestern besuchten außerdem 431 Kranke au 5703 Tagen. Für Milch wurden im Bezirk 10 235 ℳ verausgabt, von welcher Summe allerdings 7824 ℳ zurück⸗ erstattet wurden. Auch dieser Bezirk unterhält eine Bade⸗ anstalt. Neu gebildet ist das Bezirks⸗Comité „Stralauer Viertel“ durch Abzweigung vom Königsviertel. Der Bezirk besitzt u. A. eine Verleihanstalt von Geräthschaften zur Krankenpflege. Der Haupt⸗ verein hatte eine Einnahme von 18 726 ℳ und eine Ausgabe von 22 1699 ℳ Die Ausgaben des Bezirks⸗Comité's betrugen 38 294 ℳ gegen 30 520 ℳ im Vorjahre, für die Ferienkolonien wurden 61 668 ℳ verausgabt.
Schwerin, 16. Juni. Bei dem hier stattfindenden Musik⸗ fest, bei welchem im Ganzen 579 Personen mitwirken, kommen heute Judas Maccabäus von Händel, am 17. d. Achilleus von Bruch, am 18. d. die Sinfonie Nr. 7 A-dur von Beethoven und eine Reihe von Chören, Liedern und Arien zur Aufführung. Die Solo⸗ partien sind in den Händen der Fr. Schmitt⸗Csänyi von hier, Fr. Heink⸗Rößler vom Stadttheater in Hamburg, Frl. Minor vom Grohßherzoglichen Hoftheater hierselbst, der Hrrn. van Dyck von der K. K. Hofoper in Wien, Dierich vom Großherzoglichen Hoftheater hierselbst, Wulff, Concert⸗ sänger aus Altona, Reichmann, K. K. Kammersänger aus Wien, und Gillmeister vom Hoftheater in Hannover. Als Festdirigent fungirt der Hofkapellmeister Alois Schmitt von hier. — Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat für die Festaufführungen die Reitbahn des Groß⸗ herzoglichen Marstalls zur Verfügung gestellt.
cht vom 18. Juni Morgens.
* 8 —
Bar. auf 0 Gr u. d. Meeressp. red. in Millim in °Celsius 50 C. ů= 40 R
Temperatur
1
Intensität zugenommen und übersteigt über der nörd⸗ lichen Nordsee 769 mm. in Deutschland liegen bei vielfach heiterem Wetter und mäßiger nördlicher Luftbewegung meist unter der normalen; im äußersten Osten und im Süden fiel stellenweise Regen. lichen Richtungen.
9*
C1“ Die Morgentemperaturen Victoriä-Cheater.
Obere Wolken ziehen aus nörd⸗ Deutsche Seewarte.
Unterwelt.
wolkenlos wolkig heiter heiter halb bed. halb bed.
Mullaghmore
Aberdeen.. Christiansund Kopenhagen. Stt. Petersbrg.
Moskau...
Cork, Queens⸗ 1 toww.. Cherbourg elder.. Gohltk. Hamburg.. Swinemünde Neufahrwasser Memel...
1 ünster. Karlsruhe. Wiesbaden München.. Chemnitz. Berlin.. Breslau... Ile d'Aix. Nizza ..
¹) Thau. ²) Abends Gewitter.
Uebersicht der Witterung. Das Minimum über der nördlichen Ostsee hat seine Lage und Tiefe seit gestern wenig verändert. Der hohe Druck im Nordwesten Europas hat an!
8
haus.
heiter Dunst wolkig wolkig heiter heiter bedeckt bedeckt
wolkenlos wolkig wolkenlos wolkenlos bedeckt wolkig ¹) heiter wolkenlos
wolkig wolkenlos
wiederholt:
Donnerstag:
Vorspiel. und Liebe.
Donnerstag:
efreregesceeecwereecedse
Donnerstag: Freitag:
Theater⸗Anzeigen.
Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern⸗ 154. Vorstell. Die Hochzeit des Komische Oper in 4 Akten von von Beaumarchais.
Uhr.
Schauspielhaus. 162. Vorstellung. Zum 1. Male Arabella Stuart. 5 Akten von Rudolf v. Gottschall. Anfang 7 Uhr. Opernhaus.
Der Ring des Nibelungen. Götterdämmerun Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. (Luise: Frl. Burska, vom Königlichen Landestheater zu Prag, als Gast.) Anfang 7 Uhr.
Heutsches Theater. Mittwoch: Doctor aus. Das Käthchen von Heilbronn. Freitag: Götz von Berlichingen.
Berliner Theater. Mittwoch: Demetrins. Feenhände.
40. Abonnements⸗Vorstell. und seine Frau.
zündende Funke. Anfang 7 ½ Uhr.
cobson.
Doppel⸗Concert. Auftreten
igaro. ozart. ichtung
Tanz von E. Graeb. Anfang der Vorstellung 7 Uhr.
Donnerstag: Im Theater:
Trauerspiel in
Ballets. 155. Vorstellung. Ge⸗
5 „Dritter Abend: in 3 Aufzügen und einem
Kabale Hr. Kammersäͤnger Pichler a. G.)
Freitag: Traviata.
163. Vorstellung.
8 *
“
Belle-Alliance-Theater. Vorstellung bei ermäßigten Pyritz. und Justinus. Im herrlichen Sommergarten: Concert.
Sokrates Ritter Blaubart. Der
In der Kinderstube.
Mittwoch: Die Kinder
des Kapitän Grant. Ausstattungsstück in 12 Bil⸗ dern von d’'Ennery und Jules Verne. Donnerstag: Studenten⸗Vorstellung. Zriny. —
Friedrich -Wilhelmstädtisches Theater. Mittwoch: Neu einstudirt: Orpheus in der
„Blurleske Oper in 4 Bildern von
Hector Crémieux, neu bearbeitet von Eduard Ja⸗
Musik von Jacques Offenbach.
Im prachtvollen Park um 6 Uhr: Großes Elite⸗ jeben). erster Gesangs⸗ und —
Instrumental⸗Virtuosen und des Ballets.
Orpheus. Im Park: Großes Elite⸗Doppel⸗Concert. erster Gesangs⸗ und Instrumental⸗Künstler und des
Sonnabend: Großes Parkfest.
sammt⸗Aufführung der Wagnerschen Musik⸗Dramen. 1ö181“ 8 Aroll’'s Theater. Mittwoch: Undine. Donnerstag: Die weiße Dame. (George Brown:
Gastspiel von Etelka
Täglich: Bei günstigem Wetter vor und nach der 1— Vorstellung, Abends bei brillanter elektr. Beleuchtung des Sommergartens, großes Doppel⸗Concert. Anfang des Concerts 5 ½, der Vorstellung 7 Uhr.
Mittwoch: Volks⸗ 8 n Preisen. 8— Posse mit Gesang in 3 Akten von Wilken Musik von Michaelis
Großes Doppel⸗ Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. An⸗ fang des Concerts 6, der Vorstellung 7 ½ Uhr.
Donnerstag: Kyritz⸗Pyritz. Im herrlichen Sommergarten: Großes Doppel⸗Concert. Auftreten
Anf. 7 ⅞ Uhr. sämmtlicher Spezialitäten.
Familien⸗Nachrichten.
Verlobt: Freiin Esther von Eberstein mit Hrn⸗⸗ Lieutenant Ernst Schartow (Wiesbaden). — Verw⸗ F Else von Quast, geb. von Diest, mit Hrn. Rittmeister a. D. Wilhelm von Quast (Radens⸗
— Frl. Else Goßler mit Hrn. Gerhard Reißbrodt (Naumburg a. S.).
Verehelicht: Hr. Eugen Freiherr von Wolf⸗Rad⸗ schütz mit Frl. Margaretha von Sichart (Straß⸗ burg i. Els.).
Gseboren: Ein Sohn: Hrn. Pastor Hans Reuter (Nörten). — Eine Tochter: Hrn. Amts⸗
1 richter Otto Schwanert (Rosenberg O.⸗S.).
1 Gestorben: Hr. General⸗Major z. D. Julius 1 Kayser (Frankfurt a. O.). — Hr. Finanz⸗Rath
Wilhelm Sigel (Stuttgart). — Hr. Oberst a. D.
Eduard von Pressentin (Frankfurt a. O.). — Hrn.
Unter⸗Staatssekretär von Marcard Sohn Adolf
(Hildesheim).
Anfang
Auftret.
Gerster. La
Redacteur: J. V.: Dr. H. Klee.
Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen 6
(eenschließlich Börsen⸗Beilagee, und die Inhaltsangabe zu Nr. 5 des öffent⸗ lichen Anzeigers (Kommanditgesellschaften auf
Aktien und Aktiengesellschaften) für die Woch vom 11. bis 15. Juni 1889.
Kyritz⸗
1
Erste Beilag
tReichs⸗Anzeiger und Königlich Preuß
s⸗Anzeiger.
Deutsches Reich.
Bekanntmachung.
Die Postverbindungen nach den Nordsee⸗Inseln Norderney, Borkum, Juist, Langeoog, Spiekeroog und Vangeroog gestalten sich in der Zeit vom 1. bis einschl. 15. Juli wie folgt:
I. Nach Norderney.
1) Von Norden nach Norderney über Norddeich mittels Güterpost bezw. Dampfschiffs in etwa 2 Stunden:
am 1. Juli 10,45 Vorm., am 2. Juli 11,30 Vorm. und 155 Nachm, am 3. Juli 11,30 Vorm und 1,55 Nachm. am 4. Juli 155 Nachm., am 5. Juli 2 Nachm., am 6. Juli 2,15 Nachm., am 7 Juli 4,30 früh und 3,15 Nachm., am 8. Juli 5 früh und 4,3 Nachm., am 9. Juli 6 früh und 5,30 Nachm, am 10. Juli 7 früh und 6 Abends, am 11. Juli 8,40 früh und 6,30 Abends, am 12. Juli §früh und 10,30 Vorm., am 13. Juli 10,30 Vorm., am 14. Juli 10,30 Vorm., am 15. Juli 10,45 Vorm. 1
Wegen der postseitig nicht benutzten Dampfschiffsfahrten wird auf den Fahrplan verwiesen.
2) Von Norden nach Nerderney über Hilgenriedersiel mittels Wagen durch das Watt in etwa 3 ¾ Stunden (Briefpost):
am 1. Juli 4,25 Nachm., am 2. Juli 4,25 früh, am 3. Juli 5 früh, am 4. Juli 5,35 früh, am 5. Juli 6,15 früh, am 6. Juli 7 früh, am 9. Juli 10,35 Vorm., am 10. Juli 11,35 Vorm., am 11. Juli 12,40 Nachm., am 12. Juli 1,55 Nachm., am 13. Juli 2,10 Nachm. am 14. Juli 3 Nachm., am 15. Juli 3,30 Nachm.
II. Nach Borkum.
1) Von Leer nach Borkum vom 1. vom 9. bis einschl. 15. Juli 9 Vorm, am 7. Dampfschiffs in etwa 4 Stunden.
2) Von Emden nach Borkum regelmäßig täglich 12 Mittags, außerdem am 14. Juli 9 Vorm. mittels Dampfschiffs in etwa 3 Stunden.
bis einschl. 6. Juli und 3,15 Nachm. mittels
III. Nach Juist.
Von Norden nach Juist über Norddeich mittels Güterpost bezw. Dampfschiffs in etwa 2 Stunden:
am 1. Juli 10,45 Vorm., am 2. Juli 11,30 Vorm,, am z. Juli 11,30 Vorm., am 4. Juli 1,55 Nachm, am 5. Juli 2 Nachm., am 6. Juli 2,15 Nachm., am 7. Juli 4,30 früh und 3,15 Nachm., am 8. Juli 5 früh und 4,30 Nachm., am 9. Juli 6 früh, am 10. Juli 7früh, am 11. Juli 8,40 früh, am 12. Juli 8,45 früh, am 13. Juli 9,15 Vorm., am 14. Juli 10,30 Vorm., am 15. Juli 10,45 Vorm.
IV. Nach Langeoog. Von Esens Bhf. nach Langeoog über Bensersiel mittels Pr'zatpersonenpost bezw. Dampfschiffs in etwa 1 ½ Stunden: am 1. Juli 12 Mitt, am 2. Juli 12 Mitt,, am 3. Juli 1 Nachm., am 4. Juli 1,15 Nachm., am 5. Juli 2. Nachm., am 6. Juli 3 Nachm., am 7. Juli 3,30 Nachm., am 8. Juli 4,45 Nachm., am 9. Juli 5,30 früh, am 10. Juli 6 früh, am 11. Juli 7,15 früh, am 12. Juli 8 früh, am 13. Juli 9 Vorm., am 14. Juli 10,30 Vorm., am 15. Juli 11 Vorm. V. Nach Spiekeroog. Von Esens Bhf. nach Spiekeroog über Neuharlingersiel mittels Privatpersonenpost bezw. Fährschiffs in etwa 2 ½ Stunden: am 1. Juli 12,15 Nachm., am 2. Juli 1 Nachm., am 3. Juli 1,30 Nachm., am 4. Juli 2 Nachm, am 5. Juli 2,45 Nachm., am 6. Juli 3,15 Nachm., am 7. Juli 4 Nachm., am 8. Juli 4,30 Nachm., am 9. Juli 5,30 Nachm., am 10. Juli 8,15 früh, am 11. Juli 9,15 Vorm., am 12. Juli 10 Vorm., am 13. Juli 10,45 Vorm., am 14. Juli 11,30 Vorm., am 15. Juli 12,30 Nachm.
VI. Nach Wangervoog.
Von Karolinensiel nach Wangeroog mittels Fährschiffs in etwa 1 ½ Stunden: 1
am 1. Juli 11 Vorm., am 2. Juli 11,30 Vorm., am 3. Juli 12 Mitt., am 4. Juli 12,30 Nachm., am 5. Juli 1,30 Nachm., am 6. Juli 2 Nachm., am 7. Juli 3 Nachm., am 8. Juli 4 Nachm., am 9. Juli 6 früh, am 10. Juli 7,30 früh, am 11. Juli 8 früh, am 12. Juli 8,30 früh, am 13. Juli 9,30 Vorm., am 14. Juli 10 Vorm., am 15. Juli 10,30 Vorm.
Im Weiteren wird das wochentäglich in der Regel später als das Fährschiff von Karolinensiel nach Wangeroog abgehende Dampf⸗ schiff zur Briefpostbeförderung benutzt, soweit damit Vortheile zu er⸗ reichen sind. —
Wegen der Verbindungen vom 16. Juli ab bleibt weitere Be⸗ kanntmachung vorbehalten.
Oldenburg, 14. Juni 1889.
Der Kaiserliche Ober⸗Postdirektor. Starklof.
Statistische Nachrichten.
Sterblichkeits⸗ und Gesundheitsverhältnisse. Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund⸗ heitsamts sind in der Zeit vom 2. bis 8. Juni cr. von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchschnitt berechnet, als gestorben gemeldet: in Berlin 39,2, in Breslau 41,9, in Königs⸗ berg 45,6, in Köln 30,5, in Frankfurt a. M. 23,3, in Wiesbaden 13,2, in Hannover 22,6, in Kassel 18,3, in Magdeburg 38,5, in Stettin 36,6, in Altona 30,4, in Straßburg 24,4, in 18- 13,3, in München 32,3, in Nürnberg 31,8, in Augsburg 29,3, in Dresden 24,6, in Leipzig 27,5, in Stuttgart 15,2, in Karlsruhe 13,3, in Braun⸗ schweig 28,1, in Hamburg 30,8, in Wien 27,9, in Pest 32,4, in Prag 32,6, in Triest 21,4, in Krakau 31,8, in Amsterdam 29,8, in Brüssel 21,0, in Paris 23,3, in Basel —, in London 15,7, in Glasgow 23,5, in Liverpool 18,1, in Dublin 21,3, in Edinburg 15,0, in Kopenhagen 25,4, in Stockholm 15,9, in Christiania 16,2, in St. Petersburg 27,3, in Warschau 24,8, in Odessa 24,3, in Fom —, in Turin —, in Venedig 24,4, in Alexandria 42,6. — Ferner in der Zeit vom 12. bis 18. Mai cr. in New⸗York 25,1, in Philadelphia 21,1, in Baltimore 15,0, in Kalkutta 20,7, in Bombay 29,3, in Madras 46,2. 8 8 Die Sterblichkeitsverhältnisse der meisten europäischen Großstädte gestalteten sich in der Berichtswoche ungünstiger und wurden fast allgemein höhere, aus einer ganzen Zahl deutscher Städte aber sehr erheblich größere Sterblichkeitszahlen mitgetheilt. Einer sehr geringen Sterblichkeit (bis 15,0 pr. Mille und Jahr) erfreuten sich nur Wies⸗ baden, Metz, Karlsruhe und Edinburg. Recht günstig (bis 20,0 pr. M.) war die Sterblichkeit nur in Aachen, Düsseldorf, Kassel, Stutt⸗ gart, Stockholm, Christiania, London, Liverpool, mäßig hoch (etwas über 20,0 pr. M.), blieb sie in Hannover, Bremen, Elberfeld, Brüssel, Triest, Dublin. Hohe Sterblichkeittziffern (über 35,0 r. M.) melden aus den deutschen Städten Berlin, Stettin, anzig, Magdeburg, Breslau, Königsberg, Charlotten⸗ burg. — Unter den Todesursachen haben namentlich Darm⸗ katarrhe und Brechdurchfälle fast in allen größeren Orten unter
der Einwirkung der andauernd hohen Temperatur der Luft (das Thermometer zeigte vielfach einen Stand von 30 ° C. und erreichte in Berlin mehrmals die Höhe von über 32 — 330 C., eine sehr be⸗ deutende Steigerung erfahren und eine ansehnliche Zahl von Todes⸗ fällen veranlaßt. Besonders groß war die Zahl der letzteren in Berlin, wo diesen Krankheitsformen 378 Kinder erlagen, ferner in Breslau, München, Königsberg, Köln, Magdeburg, Dresden, Leipzig, Danzig, Nürnberg, Stettin, Mannheim, Paris, Wien, Amsterdam, Pest, St. Petersburg u. a. O. In Folge dessen war auch der Antheil des Säuglingsalters an der Sterblichkeit im All⸗ gemeinen ein sehr gesteigerter, in München jedoch ein etwas vermin⸗ derter. Von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Berlin 230, in München 124 Säuglinge. Dagegen haben akute Ent⸗ zündungen der Athmungsorgane an den meisten Orten weniger Todesfälle verursacht. — Das Verhalten der Infektionskrankheiten blieb im Allge⸗ meinen ein der Vorwoche ähnliches. Etwas häufiger wurden Todesfälle an Masern, Unterleibstyphus und Keuchhusten, etwas weniger an Schar⸗ lach, Diphtherie und Pocken gemeldet. — Sterbefälle an Masern waren in Breslau, Frankfurt a. M., Elberfeld, Nürnberg, Kassel, London, Wien, Glasgow und Paris zahlreicher, in München, Köln, Barmen, Amsterdam, St. Petersburg sel⸗ tener. Neue Erkrankungen kamen aus Breslau, Nürnberg, Pest in gesteigerter, aus Wien in fast gleich hoher, aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf, Christiania und St. Petersburg in etwas verminderter Zahl zur Meldung. — Das Scharlachfieber hat in München, London und St Petersburg etwas mehr, in Paris etwas weriger Opfer gefordert. Neue Erkrankungen blieben in Berlin, Hamburg. Wien und St. Petersburg in fast gleicher Zahl wie in der Vorwoche. — Die Sterblichkeit an Diphtherie und Croup war in Berlin, Frank⸗ furt a. M., Breslau, Hamburg, Hannover, Nürnberg, Pest, London, St. Petersburg, Lyon und Christiania eine gesteigerte, dagegen in Königsberg, Danzig, Magdeburg, Braunschweig, Stettin, München, Leipzig, Wien, Prag, Paris u. a. eine verminderte. Neue Erkrankungen gelangten aus Berlin, Breslau, Nürnberg, Wien, St. Petersburg in geringerer, aus Hamburg, dem Regierungsbezirk Schleswig, aus Stockholm und Christiania in vermehrter Zahl zur Anzeige. — Die Zahl der Sterbefälle an Unterleibstyphus war in Paris und St. Petersburg fast die gleich hohe wie in der Vorwoche. Neue Erkrankungen haben in St. Petersburg etwas abgenommen. An Flecktyphus kamen aus St. Petersburg 1, aus Edinburg und Odessa je 2 Todesfälle, aus St. Petersburg auch 8 Erkrankungen zur Mittheilung. — Ein Todesfall an epidemischer Genickstarre wurde aus Köln, 1 an Rotz aus St. Petersburg berichtet. — Dem Keuchhusten erlagen in Berlin und London etwas weniger, in Kopenhagen, Liverpool, Glasgow, Paris, Prag, St. Petersburg etwas mehr Kinder. Erkrankungen waren in Hamburg und Wien zahlreich. — Vereinzelte Todesfälle an Pocken kamen aus St. Petersburg und Lyon, aus Lemberg und Warschau je 3, aus Venedig 5, aus Prag 7 zur Meldung; Erkran⸗ kungen je 1 aus Breslau, Wien, Pest und dem Regierungsbezirk Han⸗ nover, 2 aus dem Regierungsbezirk Königsberg und 7 aus St. Petersburg. b
Die andauernd außergewöhnlich hohe Temperatur der Luft, die in der Berichtswoche in Berlin vorherrschte, wobei der Thermometer an verschiedenen Tagen eine Höhe von über 300 C. (am 2. und 8. Juni sogar von 32,7 bzw. 33,60 C. erreichte), übte einen äußerst nachtheiligen Einfluß auf das Auftreten von Darmkatarrhen und Brechdurchfällen bei Kindern aus, welche Krankheiten auch in 378 Fällen zum Tode führten. Sonst war der Gesunbheitszustand ein ziemlich normaler. Akute Entzündungen der Athmungsorgane waren vermindert. Das Vorkommen der Infektionskrankheiten blieb meist ein be⸗ schränktes. Erkrankungen an Unterleibstyphus, an Masern und Scharlach kamen in sehr mäßiger Zahl zur Anzeige und traten in keinem Stadttheile in nennenswerther Zahl auf. Auch Er⸗ krankungen an Diphtherie wurden weniger gemeldet und zeigten sich nur im Stralauer Viertel häufiger. Erkrankungen an Keuchhusten haben abgenommen, die Zahl der durch ihn hervorgerufenen Sterbe⸗ fälle sank auf 9. Erkrankungen am Wochenbettfieber kamen nur ver⸗ einzelt zur Kenntniß. Nur rosenartige Entzündungen des Zell⸗ gewebes der Haut veranlaßten mehr Erkrankungen. Das Vorkommen von rheumatischen Beschwerden aller Art zeigte gegen die Vorwoche keine wesentliche Veränderung.
— Das Kuratorium der 1851 ins Leben getretenen Allgemeinen Landesstiftung „Nationaldank für Veteranen“, bestimmt zur Unterstützung hülfsbedürftiger Veteranen aus den Befreiungs⸗ kriegen und den denselben vorangegangenen Kämpfen, hat vor einiger Zeit eine Uebersicht über die in den Jahren 1854 bis 1887 gewährten Unterstützungen veröffentlicht. Wir entnehmen jenen Nachweisungen folgende Angaben von allgemeinem Interesse. Die Anzahl der hülfs⸗ bedürftigen Veteranen betrug im Jahre 1854, in welchem die Wirk⸗ samkeit der Stiftung begann, 64 368; sie fiel bis Ende 1886 auf 313 und betrug am Schluß des Jahres 1887 gar nur noch 172 Köpfe. Der Betrag der von 1854 bis einschließlich 1887 gezahlten Unter⸗ stützungen erreichte eine Höhe von 6 984 069 ℳ; im Jahre 1887 wurden 81 470 ℳ ausgezahlt, sodaß durchschnittlich auf jeden um die Mitte des genannten Jahres Bezugsberechtigten rund 335 ℳ entfielen. Folgende Zustammenstellung zeigt, wie sich die Beträge der ö Unterstützungen auf die einzelnen Kommissariate (Regierungsbezirke) in den letzten vier Jahren bezw. in der ganzen
Berichtszeit vertheilten: 1884 1885 1886 1887 1854 — 1887 44 871 42 536 43 948 40 456 1 534 629 Reg.⸗Bez. Königsberg 2 494 2 362 1 945 3 329 258 131 Gumbinnen 1 130 1 331 1 109 1 084 157 125 Danzig.. 742 719 — — 104 135 Marienwerder 1 950 1 177 1 055 — 144 944 Stettin 1 472 1 283 542 496 195 048 Stralsund. 562 596 617 772 76 062 Köslin. 1 330 1 316 1 494 1 517 98 489 Posen 2 509 2 340 2 053 1 655 154 991 Bromberg 1 566 721 1 285 1 080 67 304 Breslau 10 865 10 418 8 178 8 233 685 584 Liegnitz 6 728 5 672 5 144 4 241 447 493 18,9 “” 600 2 418 2 303 332 782 „ Potsdam 3 456 1 693 1 689 1 552 366 508 Stadtbezirk Berlin 3 952 4076 3 980 3 434 320 143 Reg.⸗Bez. Frankfurt a. D. 3 131 3 788 3 570 2 816 252 394 Magdeburg 1 173 1 012 937 870 216 540 Merseburg 2 861 2079 1 590 1 564 218 541 Erfurt. 1 160 1 060 942 994 114 430 Münster . . 1 211 1316 934 961 179 016 Minden. 105 117 60 65 92 032 Arnsberg . 2 968 2107 1 659 1 179 253 060 Düsseldorf 2 786 2 317 1 944 — 317 183 SII 1878 919 805 745 103 800 Koblenz . . 508 434 407 289 87 843 Aachen. 1 834 1 894 1 144 1085 77 927 Iriee 333 96 138 50 061 Sigmaringen. 148 145 163 112 11 523 Lüneburg . . 1 647 654 695 500 55 903 Aurich. 239 — — — 10 448 Summa 107 927 81 470 6 984 069
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Centralverwaltung . .
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Preise aber auch den Fabrikanten bei richtiger Behandlung Vortheile ver⸗
Ein gewisser C. Kaylor in London, 1 America Square, erbietet sich durch Zeitungsannoncen zur Vermittelung von Stellen. Derselbe läßt sich einen Kosten⸗ vorschuß einsenden, nimmt es aber, wie aus einem uns bekannt gewordenen Falle zu ersehen, mit der von ihm über⸗ nommenen Gegenleistung nicht genau. Kaylor hat in neuerer Zeit seine vorgedachte Wohnung, wo er einen kleinen Taback⸗ aden besaß, verlassen und soll nach Cable Street ver⸗ zogen sein.
— Berliner Wollmarkt. 18. Juni. Die Zufuhren mehren sich, auf dem Wollmarktsterrain langsam, auf den Stadtlägern be⸗ deutender, doch wird wohl das Gesammtquantum gegen das Vorjahr einen bedeutenden Abschlag ergeben. Neben den ganz unmesentlichen Beständen aus dem Vorjahre auf den Lägern dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß viele Wolle in letzter Zeit schwarz geschoren ist, weil sich für diese ungewaschenen Wollen verhältnißmäßig gute für die Produzenten erzielen ließen, die andererseits
sprachen. Ob dies für die betreffenden Kontrahenten von Vortheil, lassen wir dahingestellt. Wir haben eben einfach Thatsachen zu registriren. An Zufuhren gelangten bis jetzt zur Lagerung auf dem offenen Markt: per Ostbahn 4254,88 Ctr., Niederschlesisch⸗Märkische Bahn 424,32, Nordbahn 101,60, Hamburger Bahn 682,30, Stettiner Bahn 3020,26, Potsdamer Bahn 205,14 Ctr. Insgesammt sind eingelagert etwas über 12 000 Ctr., angemeldet ca. 16 000 Ctr. — Nach amtlicher Ermittelung betrugen die Gesammt⸗ läger in Berlin am Nachmittag des 17. Juni 24 491 Ctr., mithin also erheblich weniger als im Vorjahre um dieselbe Zeit. Geschäfte haben bisher nicht stattgefunden, obwohl sich bereits die inländische Fabrikantenkundschaft zahlreicher eingefunden hatte und die Läger nach ihren bekannten Stämmen sonderten. Vorläufig gehen Forderungen und Gebote noch zu weit auseinander, um nennenswerthe Abschlüsse zu ermöglichen.
Königsberg i. Pr., 18. Juni, Vormittags. (W. T. B.) Mehrere Großhändler verließen bereits gestern den Wollmarkt. Die Zufuhr betrug bis jetzt ca. 5000 Ctr. und ist bis auf einige zu hoch limitirte oder schlecht behandelte Partien geräumt. Es fehlen noch ca. 1000 bis 1500 Ctr. Wäsche ausgezeichnet; die Stimmung war mit Rücksicht auf die heute beginnende Londoner Wollauktion eine abwartende.
Leipzig, 17. Juni. (W. T. B.) Die Zufuhren zum Woll⸗ markt betrugen etwa 600 — 700 Ctr., d. i. ungefähr die Hälfte des im vergangenen Jahre an den hiesigen Markt gebrachten Quantums. Der Markt wurde bis auf etwa 50 Ctr., welche mangelhaft in der Wäͤsche waren, am Vormittag geräumt. Die Käufer sind sächsische Fabrikanten. Für Landwollen wurde bis 132 ℳ, für Schäfereiwollen 140 — 150 ℳ bezahlt.
Warschau, 17. Juni. (W. T. B.) Vom Wollmarkt wird berichtet: Rach der vollständigen Ruhe, welche während der beiden ersten Tage geherrscht hatte, begannen die Käufer heute thätiger zu werden. Ausländische Händler und Fabrikanten unternahmen größere Transaktionen, welche bis heute Mittag noch nicht beendet waren. Die verkauften 100 Ctr. abfallender Waare blieben ohne Einfluß auf den Preissatz. Inländische Fabrikanten zeigten sich höchst zurück⸗ haltend. Die Hefudren nehmen allmählich ab. Die Gesammtzahl derselben beträgt bis heute 53 178 Pud gegen 44 830 Pud im Vorjahr.
— 18. Juni. (W. T. B.) Wollmarkt. Bis gestern Abend sind 7000 Pud mit Preisabschlag von 4 bis 8 Thlr. per Centner verkauft. Ausnahmsweise gute Partien erzielten die vorjährigen Preise; die Zufuhren betrugen bis jetzt 61 913 Pud gegen 45 462 Pud im Vorjahre; es werden noch bedeutendere erwartet. Die Käufer operiren nur langsam. 8
— Der Cours für die hier zahlbaren Oesterreichischen Silber⸗Coupons ist auf 170,50 ℳ für 100 Fl. österreichisches Silber herabgesetzt worden. 1
— In der außerordentlichen Generalversammlung der Preußi⸗ schen Hypotheken⸗Aktien⸗Bank vom 15. d. M. wurde be⸗ schlossen, das Aktienkapital um 3300 Aktien à 1200 ℳ, sohin um 3 960 000 ℳ zu erhöhen. Von diesen Aktien soll die Hälfte den älteren Aktionären, und zwar eine neue Aktie auf je 6 alte, zur Ver⸗ fügung gestellt werden. Der Emissionscours soll nicht unter 105 be⸗ tragen und das Agio dem Reservefonds überwiesen werden. Da vor der Emission die Genehmigung der Staatsregierung einzuholen ist, wurde das Kuratorium schließlich ermächtigt, s. 3. den definitiven Emissionscours sowie die sonstigen Modalitäten zu bestimmen.
— In der ordentlichen Generalversammlung der Vereinigten Arader und Csanader Eisenbahnen vom 15. d. Mts. wurden die Direktionsanträge — also auch die Festsetzung der Dividende pro 1888 auf 6 ½ % — einstimmig angenommen.
Frankfurt a. M., 18. Juni. (W. T. B.) Der Strike der Zimmerleute ist beendet; dieselben haben heute früh die Arbeit auf allen Plätzen wieder aufgenommen. Obwohl der größte Theil der Meister die Bedingungen der Zimmerleute nicht in v llem Maße anerkannt hat, hat der achttägige Strike doch zu einer Lohn⸗ aufbesserung von 2 bis 3 ₰ per Stunde geführt.
London, 17. Juni. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen⸗ ladung angeboten. 1
Glasgow, 17. Juni. (W. T. B.), Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 5200 gegen 10 400 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres.
Bradford, 17. Juni. (W. T. B.) Wolle, neue Schur, ruhig, aber stetig, feine Kolonialwolle, Kreuzzuchten, tops stramm, Garne und Stoffe thätig, wesentlich theurer.
Paris, 18. Juni. (W. T. B.) Die strikenden Kutscher haben in einer 1164“*“ die Arbeit bis auf Weiteres durchweg wieder aufzunehmen. 1 8
88 8 Petersburg, 18. Juni. (W. T. B.) Einer amtlichen Veröffentlichung zufolge sorllen Wollenlumpen und Wollen⸗ abfälle mit einem Einfuhrzoll von einem Goldrubel, Schieß⸗ pulver und Explosivstoffe mit einem solchen von 1,40 resp. 3 Goldrubeln per Pud belegt werden. Der Zoll auf Rohwolle, Kunstwolle und auf gekämmte, gesponnene und gedrehte Wolle soll um 20 bis 100 %, auf Stärke um 7 %, auf Wachs um 25 % erhöht, dagegen der Zoll auf Reis um 20 % ermäßigt
den. G (W. T. B.) Die Betriebseinnahmen
Luzern, 17. Juni. — d otthardbahn betrugen im Mai cr. für den Personen⸗ .o b 8 für den Güterverkehr
verkehr 440 000 (im April 453 000) Fr., 1 1 710 000 (im April 672 500) Fr., verschiedene Einnahmen 30 000 Fr. (im April 30 000 Fr.), zusammen 1 180 000 Fr. (im April 1 170 050 Fr.). Die Betriebsausgaben betrugen im Mai cr. 485 000 Fr. (im April 470 000 Fr.). Demnach Ueberschuß 695 000 Fr. (im April 700 000 Fr.). Der Betriebsüberschuß im Mai 1888 betrug 594 500 Fr.
e 17. Juni. (W. T. B.) Visible Supply an Weizen 17 631 000 Bushels, do. an Mais 11 215 000 Bushels.