mittelungsantrag eingebracht, wonach nur die Kinder solcher
Eltern unentgeltlichen Schulunterricht genießen sollen, welche ein Jahreseinkommen bis zu 1000 ℳ versteuern; bei den höher Besteuerten solle das Schulgeld nach Art der preußischen Klassensteuern abgestuft werden. Dieser Antrag wurde mit 75 gegen 67. Stimmen angenommen. 8 1““] 8
Detmold, 11. Oktober. In der heutigen Sitzung des Landtages wurde, obwohl der Kabinets⸗Minister von Wolffgramm sich gegen die Abänderungsanträge zum Paragraphen 5 ausgesprochen hatte, dieser Paragraph in ab⸗ geänderter Form mit 12 gegen 9 Stimmen angenommen. In Folge dieses Beschlusses zog der Minister, wie „W. T. B. meldet, die ganze Regentschaftsvorlage zurück.
Oesterreich⸗Ungarn.
Wien, 11. Oktober. Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth ist, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern in Marseille eingetroffen und wird sich, wie es heißt, von dort über Toulon
Nizza begeben. 8 nach Uene⸗ dis gestern erwähnte Sitzung des Finanz⸗Ausschusses des ungarischen Abgeordnetenhauses, in welcher das
Budget des Handels⸗Ministeriums und Fragen der Handelspolitik verhandelt wurden, entnehmen wir der „Wiener Abendpost“ folgende nähere Mittheilungen: Helfy fragte den Handels⸗Minister mit Rücksicht darauf, daß im künftigen Jahre die Handelsverträge ablaufen, in welcher Richtung er seinen Einfluß auf den äußeren Handel zur Geltung zu bringen gedenke uuund was in dieser Richtung geschehen sei. — Der Handels⸗ Minister von Baross antwortete, die Regierung wisse es ganz gut, daß sie im Jahre 1892 nicht unvorbereitet sein dürfe, die Regierungen der Monarchie haben bei Zeiten diejenige Richtung zu bestimmen gesucht, welche auf dem Gebiete des Aasecen Handels gegenüber der europäischen Lage befolgt werden müsse. Die Regierung halte auch heute die Befolgung einer freisinnigen Handelspolitik und bei Inbetrachtnahme unserer Interessen den Abschluß von Verträgen für richtig und wolle dies auch mit ganzer Kraft. Allein dies hänge nicht von ihr allein ab. Mit Bulgarien seien Verhandlungen im Zuge; der Minister sei aber nicht in der Lage, hierüber nähere Aufklärungen zu geben. Auch mit der Türkei dauern die Verhandlungen fort, und sei zu hoffen, daß dieselben ein ünstiges Resultat ergeben werden. Betreffs der serbischen Angelegenheit seien Verhandlungen im Ackerbau⸗Ministerium etzt im Zuge, und hoffe er, daß der Status quo her⸗ gestellt werden könne; allein die Regierung lege ein so großes Gewicht auf den Stand der Veterinär⸗Verhältnisse, daß sie, wenn sie erfahren würde, daß die hierauf bezüglichen Bestim⸗ mungen nicht eingehalten würden, wieder zu den nöthigen Maßregeln schreiten müßte. Was die amerikanischen Ver⸗ hältnisse betreffe, sei die ungarische Regierung geneigt, an jeder Aktion Theil zu nehmen. Schließlich sagte der Minister, er habe auf dem Gebiete der Handelspolitik kein anderes Prinzip als das: die Interessen des Landes unter den ge⸗ gebenen Verhältnissen zu wahren. — Der Ausschuß beschloß, in den Bericht aufzunehmen, daß die Erklärung des Ministers, er sei bestrebt, mit den auswärtigen Staaten das Vertragsverhältniß aufrecht zu erhalten, zustimmend zur Kenntniß genommen wurde.
Wie aus Pest gemeldet wird, erklärte der Handels⸗ Minister von Baroß in der gestrigen Sitzung des Finanz⸗ Ausschusses, die Anlegung vondoppelspurigen Bahnen werde stufenweise erfolgen. Ferner sei die Regierung prin⸗ zipiell geneigt, die Angelegenheit der ungarischen See⸗
s Biffaves event. durch Auflösung des Vertrages mit dem
„Oesterreichischen Lloyd“, soweit sich derselbe auf Ungarn
8e zu ordnen. Bezügliche Verhandlungen seien bereits im Zuge.
Großbritannien und Irland.
London, 11. Oktober. Wie die „Times“ aus Neapel erfährt, hätten die englisch⸗italienischen Unterhand⸗ lungen zu keinem Ergebniß geführt, weil Italien die Annahme der englischen Vorschläge, nach denen es zwar einen beträchtlichen Theil des Sudan, aber ohne Kassala, erhalten sollte, verweigert habe.
Gegen die (wie unter den letzten gestrigen Nachrichten mitgetheilt) flüchtig gewordenen nationglistischen Ab⸗ geordneten William O'Brien und Dillon sind Ver⸗ haftsbefehle erlassen worden.
Lord Rosebery erklärte sich bei dem Jahresfestmahl des Vereins der Industriellen in Glasgow in einer Erwiderung des Trinkspruchs auf beide Häuser des Parlaments wiederum für eine durchgreifende Reform des Oberhauses, die aber am besten in Zeiten der politischen Ruhe stattfände. An der Reform hätten beide Parteien ein Interesse. Die Stellung und Zusammensetzung des Hauses der Lords brächten es mit sich, daß die talentvollsten jungen Mitglieder des Adels dem politischen Leben entfremdet würden. 1 1
Im Wahlkreis Eccles in Lancashire wird demnächst eine grz2 ab. zum Unterhause stattfinden. Das Resultat der Wahl wird namentlich davon abhängen, wie die Bergleute stimmen werden. Der liberale Kandidat Roby hat sich verpflichtet, im Parlament für die gesetzliche Einsührung des achtstündigen Arbeitstages zu wirken, während sein kon⸗ servativer Gegner Egerton sich geweigert hat, auf diese Arbeiterforderung einzugehen. 8 1“
v14“*“
Paris, 10. Oktober. Wie der „Temps“ meldet, wird der Minister des Aeußern Ribot der Deputirtenkammer demnächst einen Bericht über die Lage in Tunis vor⸗ legen. Dieser Bericht, welcher durch das Gesetz von 1884 be⸗ dingt ist, wird jetzt zum ersten Male erstattet.
Die Forsthuͤter des Bezirks Belfort sowie die Grenz⸗ aufseher find mit Lebel⸗Gewehren ausgerüstet worden.
Der vormalige Lieutenant in der französischen Armee Bonnet ist, wie man dem „W. T. B.“ aus Nancy meldet, wegen Spionage zu 5 Jahren Gefängniß und einer Gelbd⸗ buße von 5000 Frcs. verurtheilt worden.
Der Generalrath der algerischen Provinz Oran hat 8½ 73 zu Gunsten des Projektes der Transsahara⸗
ahn gefaßt.
Das englische Geschwader ist von Algier nach Gibraltar, das französische Süteerde swab2 von Smyrna nach Beyrut abgesegelt.
1“
Eine halbamtliche Note der „Agence Havas“ antwortet auf die gestern von uns erwäyhnten Angriffe gegen den Finanz⸗Minister Rouvier Folgendes:
„Ein Abendblatt nimmt die Rentenkäufe der Sparkassen, welche das Steigen der Rente zur natürlichen Wirkung haben, zum Vorwand, um dem Herrn Finanz⸗Minister dieses Steigen zuzuschreiben Das betreffende Blatt würde diesen Irrthum nicht begangen haben, wenn es erwogen hätte, daß ein veraltetes Gesetz, welches den Sparkassen⸗Einlegern den mißbräuchlichen, ü ertriebenen Zinsfuß von 4 % gewährt, und welches abzuschaffen das Parlament nicht den Muth hatte, die Sparkassen zwingt, Rente zu kaufen. Die Beibehaltung dieses Zinsfußes führt den Sparkassen massenhaft Kapitalien zu, welche, in Rente angelegt, nur eine Ver⸗ zinsung von 3 ½ % finden. Die Sparkassen sind also gezwungen, Rente nach Maßgabe ihres Baarbestandes zu kaufen, um nicht mehr als die Differenz zwischen den 4 %, die sie ihren Einlegern bezahlen, und den 3 ¼ %, welche ihnen die Rente (zum jetzigen Cours) einbringt, zu verlieren. Das fragliche Blatt würde die Interessen der Spar⸗ kassen schlecht vertheidigen, wenn es verlangte, daß dieselben ihre Ein⸗ lagen in der Kasse behielten und so anstatt ¾ % 4 % veclören.“
Die radikalen Blätter verlangen immer lebhafter, daß man Rochefort und die wegen des Ausstandes verurtheilten Arbeiter begnadige, weil man sonst nicht verantworten könne, daß man die Mitschuldigen Boulanger'’s unrerfolgt lasse.
Das „Amtsblatt“ veröffentlicht heute ein Dekret, be⸗ treffend die Körperschaft der vereideten Börsen⸗ makler („Wechselagenten“). Zunächst wird bestimmt, daß nur Franzosen, die mindestens 25 Jahre alt, im Besitz ihrer bürgerlichen und politischen Rechte sind und dem Gesetz über die Dienstpflicht genügt haben, durch Dekret zu Börsenmaklern ernannt werden können. Sie haben eine Bürgschaft zu hinterlegen und werden vereidet. Die Börsen⸗ makler, die an derselben Börse angestellt sind, bilden einen Fach⸗ verein (Chambre syndicale), der über die Mitglieder Tadel, zeit⸗ weisen oder dauernden Ausschluß verhängen kann, Streitig⸗ keiten derselben untereinander oder mit Dritten schlichtet, die gemeinsamen Rechte und Interessen vertritt, die gemeinsame Kasse verwaltet und, wenn drei Mitglieder es verlangen, die Finanz⸗ lage und Bücher jedes Börsenmaklers zu untersuchen befugt ist. Die Makler dürfen unter sich keine geschäftlichen Vereinigungen bilden. Das Dekret enthält ausführliche Bestimmungen über den Verkehr der Makler unter sich und mit ihren Kunden. Diese Bestimmungen entsprechen im Allgemeinen den bisherigen Gepflogenheiten.
Rußland und Polen. 8 St. Petersburg, 11. Oktober. Die russische „St. Peters⸗ burger Zeitung“ bespricht, dem „W. T. B.“ zufolge, die be⸗ vorstehende Wahl eines neuen orthodoxen Patriarchen für Jeru salem und bemerkt dabei: die Vertreter Rußlands in Konstantinopel und Jerusalem seien bereits mit darauf bezüglichen Instruktionen versehen. Die meisten Aussichten, gewählt zu werden, werden von der „St. Petersburger Zeitung“ dem Bischof Petrus vo rabi zugeschrieben. 11“
Madrid, 6. Oktober. Wie die „Wiener Ztg.“ erfährt, dürfte Ihre Majestät die Königin⸗Regentin bis zum 20. d. M. in San⸗Sebastian verweilen und sodann mit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Erzherzogin Elisabeth nach Madrid zum Winteraufenhalte übersiedeln. 1
Nach einer Meldung des „Temps“ hat der hiesige italienische Gesandte wegen der Angriffe, die von mehreren karlistischen Rednern auf dem Katholiken⸗Kon⸗ greß in Saragossa gegen den König von Italien ge⸗ richtet wurden, Vorstellungen bei der spanischen Regierung erhoben.
Portugal. Man schreibt der „Pol. Corr.“ aus Rom: Der päpst⸗
liche Nuntius in Lissabon, Kardinal Vannutelli, welcher
dieser Tage in Rom erwartet wurde, hat seine Abreise aus Lissabon verschoben. Es ist bekannt, daß ein Theil des Klerus und der portugiesischen Katholiken dem englisch⸗portugiesischen Vertrage bezüglich Afrikas nicht zustimmt. Der päpstliche Nuntius hat nun aus dem Vatikan Instruktionen erhalten, im versöhnlichen Sinne bei den Gegnern der Konvention einzuwirken und die Vereinigung aller dynastischen Elemente zu fördern. In der Abschiedsaudienz des Herrn Martens Ferrao beim Papste gab Se. Heiligkeit den besten Wünschen zur Lösung der gegen⸗ wärtigen Krisis Ausdruck und versprach dem Gesandten, was die Haltung des Klerus und der Katholiken anbelangt, keine
Nühe zu scheuen, um die Beruhigung der inneren Wirren in Portugal herbeizuführen.
Schweiz.
Bern, 10. Oktober. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom Mittwoch Abend in Betreff der Wiedereinsetzung der alten Regierung im Kanton Tessin noch keinen Beschluß gefaßt. Der Bundeskommissär Künzli ist am Donnerstag wieder nach dem Tessin abgereist, wo er, wie der „Bund“ meint, noch längere Zeit wird verbleiben müssen. Die aus dem Tessin heimkehrenden Bataillone 38 (Oberaargau) und 39 (Unteremmenthal) wurden am Mittwoch Abend in Bern festlich empfangen.
Der vom Stände⸗ und Nationalrath nunmehr definitiv vereinbarte Bundesbeschluß, betreffend die be⸗ waffnete Intervention des Bundes im Tessin und die politische Lage dieses Kantons, hat folgenden Wortlaut:
„Die Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht einer Botschaft des Bundesraths vom 22. und der Er⸗ klärung desselben vom 29. September 1890, beschließt: 1) Die vom Bundesrath im Tessin getroffenen Maßnahmen werden genehmigt. 2) Der Bundesrath wird ermächtigt, diese W provisorisch aufrecht zu erhalten und wenn nöthig, en Bestand der Okkupationstruppen zu vermehren. Er wird eingeladen, seine Anstrengungen fortzusetzen, um den Kanton Tessin baldmöglichst einem verfgssungsmäßigen r . entgegenzuführen, welcher 1. nöthigen Garantien für die Aufrechthaltung des Friedeng 31 er öffentlichen Oeene bs9n Len Bundesrath wird mit der Autz⸗
ührung dieses usses beauftragt.
g Ver Nationalrath hat heute den Zolltarif voll⸗ ständig durchberathen und mit 74 gegen 14 Stimmen an⸗ —2 Morgen erfolgt der Schluß der Bundes⸗
e ev ona, vom 9. Oktober, wird dem „Bund“
erichtet: g „Was das sogenannte absolute Mehr für die Abstimmung anbe⸗ trifft, so bestätigt sich immer mehr, das die Einsprache der Ultra⸗ montanen ein . tiger Vorwand ist. istenz steht nicht fest, vaß das absolute Mehr derlich ist. Solvati und anbere Tessiger
Juristen sagen, das sei nicht nothwendig. Zweitens geben
8 111“
daß die Bejahung der Haupt⸗ frage das absolute Mehr erreicht habe. Diittens ist das⸗ selbe auch für die dritte Frage (Verfassungsrath) vor⸗ handen, sobald, wie das Gesetz für alle Fälle vorschreibt, weiße und ungültige Zettel abgezogen werden. Die Arbeiten für die Vereinigung und Publikation der Abstimmung sind soweit vorgeschritten, daß der Kommissar, der auf Mittag erwartet wird, wohl heute noch endgültig entscheiden kann. Die Konservativen haben gestern in der Partei⸗ versammlung in Locarno beschlossen, auf keine Verhandlungen der Friedenskonferenz einzugehen, bis daß die alte Regierung wieder in Funkeion gesetzt sei.“
auch die Ultramonkanen iu 5
Niederlande.
Haag, 10. Oktober. Einem Communiqé des „Staats⸗ Courant“ zufolge ist in dem Befinden des Königs beinahe keine Aenderung eingetreten. Der König leidet wenig, ist aber beständig matt. Die Ernährung ist befriedigend.
Griechenland.
1 9. Oktober. Der Kron prinz und die Kron⸗ prinzessin werden, der M. „A. Z.“ zufolge, am 13. Ok⸗ tober von ihrer bisherigen Sommerresidenz in Schloß Tatoi aus die Reise nach Deutschland über Patras und Brindisi antreten, sodaß Ihre Königlichen Hoheiten am 18. Oktober in Berlin eintreffen dürften. Das Kronprinzliche Paar wird der Vermählungsfeier der Prinzessin Victoria von Preußen und des Prinzen zu Schaumburg⸗Lippe beiwohnen und darauf der Königin Victoria von England einen mehr⸗ wöchigen Besuch abstatten 3
Die Ernennung des Genie⸗Oberst⸗Lieutenants Tsamados zum Kriegs⸗Minister hat, wie dem „Mil. Woch. Bl.“ geschrieben wird, in der Armee, deren Wunsch es schon lange war, an Stelle des Civil⸗Kriegs⸗Ministers einen Militär zu sehen, freu⸗ dige Bewegung hervorgerꝛufen. Es verlautet auch, daß der neue Kriegs⸗Minister bestimmt der nächsten Kammer bedeutsame Organisationsvorschläge unterbreiten wird.
Neun Offiziere, die im Frühjahre wegen des vorjährigen Vorfalls auf Larissa zur Disposition gestellt wurden, sind mittelst Königlichen Dekrets wieder reaktivirt worden.
Nachdem die Holzbaracken an der türkischen Grenze durch das letzte Unwetter stark gelitten haben und als Winter⸗ unterkunft nicht mehr geeignet sind, hat sich das Kriegs⸗ Ministerium entschl ssen, an Stelle derselben kleine Kasernen aus Ziegelsteinen aufführen zu lassen.
Serbien.
Belgrad, 10. Oktober. In Betreff der jüngsten Ver⸗ letzung der serbischen Grenze durch die Albanesen schlug der hiesige türkische Gesandte der serbischen Regie⸗ rung eine freundschaftliche “ des Zwischen⸗ falls in kurzem Wege vor. Die serbische Regierung beab⸗ sichtigt Angesichts der Zustände an der Grenze im Einverneh⸗ men mit der Türkei einen Militär⸗Cordon zu errichten.
Die Waffenübungen der Infanterie des stehenden Heeres sammt Reserve finden in der Zeit vom 25. September bis 4. Oktober, und die der Kavallerie des stehenden Heeres und der Miliz⸗Kavallerie vom 25. September bis 15. Oktober (alten Stiles) statt. Nach den Waffenübungen sollte, wie dem „Mil. Wch.⸗Bl.“ geschrieben wird, sowohl die Mannschaft der Miliz⸗Infanterie (25 Bataillone) als auch die der Miliz⸗ Kavallerie (Männer von 30 bis 40 Jahren) ihre Waffen nach Hause mitnehmen. Hiermit wird der langjährige Wunsch der gegenwärtig am Ruder stehenden radikalen Partei erfüllt.
Bulgarien.
Die Neubewaffnung mit dem Mannlichergewehr
der ersten Brigade (Sofia) und der zweiten (Widdin) ist erfolgt, und des Reserve Jahrgang 1882/83 zur vierzehntägigen Waffenübung mit dem neuen Gewehr einberufen.
Schweden und Norwegen.
F) Christiania, 8. Oktober. Die Ueberschüsse der “ haben im letzten Verwaltungsjahre (1. Juli 1889 bis 30. Juni 1890) 2 030 379 Kronen gegen 1 140 800 Kronen Voranschlag und 1 786 169 Kronen im Jahre 1888/89 betragen. h“ 8
Dänemark. 8 8 b
F openhagen, 9. Oktober. Im Landsthing fans h din erste Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die ansteckenden Krankheiten bei den Hausthieren, statt. Wie in den Motiven bemerkt wird, ist der schon in der vorigen Tagung zur Berathung gekommene Gesetzentwurf den Wünschen des Folkethinges entsprechend abgeändert worden. Es soll u. a. die Schweinediphtheritis, sowohl in ihrer akuten wie in ihrer chronischen Form, zu den bösartigen ansteckenden Krankheiten gerechnet werden. „Da es be⸗ sonders mit Rücksicht auf unsere Ausfuhr nach heißt es in den Motiven, von Bedeutung sein muß, daß möglicher⸗ weise vorkommende Fälle von Maul⸗ und Klauenseuche bekämpft werden können, bevor die Seuche Zeit zu weiterer Ausbreitung erhält, so sind hierauf hinzielende Be⸗ stimmungen ausgenommen. Bezüglich der Tuberkulose ist die frühere Bestimmung, welche die Ausfuhr von Thieren nach dem Auslande zu verhindern bezweckte, die von der ge⸗ nannten Krankheit angegriffen worden, ausgelassen, nachdem das Ministerium des Innern bezüglich der Beaussichtigung der Ausfuhr nach Großbritannien verschärfte Bestimmungen er⸗ lassen hat.“ In der Verhandlung bemerkte der Minister des Innern, daß man bezüglich des Gesundheitszustandes unserer Hausthiere wohl etwas zu weit gehe. Die Ent⸗ wickelung unserer Landwirthschaft habe wohl einige schwache Punkte herbeigeführt; die starke Ausfuhr be⸗ weise, daß der Gesundheitszustand doch ein guter sei. Ueberall würden auf Rechnung des Staats durch dazu geeignete Thierärzte Untersuchungen vorgenommen. Vielleicht werde es schwierig sein, die nöthige Anzahl Specialisten an⸗ zuschaffen, er lhoe es aber doch. Der Minister hob schließlich hervor, daß die Tuberkulose, so gefährlich sie auch sein könne, doch nicht zu den gefährlichsien ansteckenden Krankheiten gehöre. Das Thing beschloß den Uebergang des Gesetzentwurfs zur zweiten Lesung und die Verweisung desselben an einen
Ausschuß. sgu⸗
ositioneller Seite ein provisorisches Finanzgese für bor nusenbe Budgetlahr eingebracht worden. Bekanntli fh in ver letzten Tagung kein ordentliches Finanzgesetz zu Shea. gekommen. Nach Auffassung der Linken sollte die Regierung vas provisorische Budget dem Folkething gleich bei bessen Zusammentritt vorlegen. Da dies Seitens - Ministerlums nicht geschah, bringt die Linke die Vorlage selbst ein, ein Verfahren
Feltentin ist, wie wir vder saeocg. 8 9e entnehmen,
rechtigt angesehen wird.
schen Verpflichtung, als
bdas von der Regierung als unbe⸗
Amerika.
Vereinigte Staaten. Washington, 8. Oktober Der Graf von Paris und seine Begleiter besuchten, wie „R. B.“ meldet, gestern das Grab Washington's in Mount Vernon. Am Abend fuhr der Graf mit dem Dampfer nach Norfolk. Nach seiner Rückkehr wird ihm zu Ehren in Wasbhington ein großartiges Festmahl veranstaltet werden.
Im Territorium Mexico wurde gestern über die neue Verfassung für den Eintritt des Gebiets in den Staatenverband der Union abgestimmt. Die ameri⸗ kanischen Ortschaften stimmten für, die mexicanischen gegen die Verfassung, letztere wegen der Bestimmungen über die konfessionslose Volksschule. Es ist zweifelhaft, ob unter diesen Umständen Neu⸗Mexico fürs Erste ein Staat der Union werden wird.
Der General⸗Konsul der Vereinigten Staaten in Apia, Sewall, hat unter Mitwirkung des ihm zu dem Zweck von Seiten des Marine⸗Ministers beigegebenen Lieutenants zur See Parker ein etwa 50 ha großes Stück Land an der ge⸗ schütztesten und sonst geeignetsten Stelle des Hafens von Pago⸗Pago auf der Insel Tutuila Behufs Anlegung einer Flottenstation angekauft. Dies ist, wie das „Army and Navy Journal“ schreibt, der einzige gute Hafen auf den Samoa⸗Inseln; er ist nach Süden offen, zieht sich zuerst etwa 2,2⸗ km weit nordwärts, biegt dann scharf im rechten Winkel nach Westen um und zieht sich, allmählich enger werdend, ebenfalls noch 2,2 km weit hin. An dieser Stelle, und zwar am Südufer, liegt das fragliche Gebiet; es schließt den schon früher als Kohlennieder⸗ lage benutzten „Swimming Point“ ein. Nahe dem Ufer, das sich zur Anlage von Ladebrücken u. dergl. eignet, ist tiefes Wasser und vortrefflicher Ankergrund. Die Errichtung von Vorraths⸗ und anderen Häusern ist in Aussicht genommen, und es sollen Kohlen und sonstige Ausrüstungsgegenstände für die im süd⸗ lichen Stillen Ozean stationirten Vereinigten Staaten⸗Schiffe vorräthig gehalten werden. Die Herstellung von Reparatur⸗ werkstätten und einem Trockendock bleibt späterer Zeit vor⸗ behalten. Es ist dies die erste auswärtige Flottenstation,
welche die Vereinigten Staaten anlegen.
Kunst und Wissenschaft.
✕ Verein Berliner Künstler im Architektenhaus.
Am Sonntag wird das Kolossalgemälde „die Flagellanten“ von C. Marr in München in der Oberlicht⸗ Rotunde des Architektenhauses zur Ausstellung gelangen. C. Marr führt uns einen jener Auswüchse des religiösen Fanatisnms vor Augen, wie sie die Zeit der Kreuzzüge in ihren Kindertruppen u. s. w. neben manchem Guten gebar. Die Flagellanten, auch Flegler oder Bengler genannt, suchten durch Selbstpeinigung Vergebung der Sünden, wie es noch heutzutage die Fakire Indiens, nur in viel grau⸗ samerer Weise, shun. Als religiöse Brüderschaft durch⸗ zogen sie in endlosen Prozessionen Italien und zur Zeit der Pest 1348 auch Deutschlands Fluren. Das durchaus solide und naturalistisch gemalte Bild zeigt uns eine Straße in Rom, durch welche sich die halbentkleidete Brüder⸗ schaft, vom weiten Wege beschmutzt, mit zerrissenen Kleidern und von Geißelhieben blutenden Gliedmaßen, drängt. Der Straßenverkehr ist geh⸗mmt, und die in Italien eine so große Rolle spielenden Straßenverkänfer flüchten eiligst, um ihre Waaren in Sicherheit zu bringen. Der Künstler hat es ver⸗ schmäht, durch künstliche Licht⸗ und Schattenvertheilung die Hauptsachen zu heben und das Ganze abzurunden; er giebt uns das Licht so zerstreut, wie wir es im Freien zu sehen gewöhnt sind, und sucht Haltung und künstlerisches Gleichgewicht dadurch zu geben, daß er den Schwerpunkt, nämlich die Dunkelheit, nach der Mitte verlegt. Hier sehen wir die Gugelmänner (Mönche, welche sich durch eine über⸗ gezogene und mit Augenlöchern versehene Kapuze unkenntlich machen), welche brennende Lichte und auf den Schultern das Kruzifix tragen. Zwischen ihnen und dem Zuschauer steht ein schwarzer, nicht zur Prozession gehöriger Geistlicher, ein präch⸗ tiger Charakterkopf, der darüber nachzusinnen scheint, ob diese Neuerung wohl auch wirklich dienlich sein, ob dieser Weg wohl auch wirklich dem Seelenheil förderlich sein möchte. Weiterhin sehen wir eine ergreifende Scene. Ein kaum den Kinderschuhen entwachsener Knabe hat sich in jugend⸗ licher Ueberschätzung seiner Kräfte der Prozession angeschlossen und wird nun, zu Tode krank, von den Geißelbrüdern auf einer Bahre mitgeführt, während seine Angehörigen ihr ver⸗ loren geglaubtes Mitglied erkennen und sich herandrängen, den Gang der Prozession störend. Eröffnet wird der ganze Zug durch einen zur Buße auffordernden und heftig gestiku⸗ lirenden Zeloten.
Es moöge dahingestellt bleiben, ob der Künstler — in einer an Materialismus geradezu k anken Zeit, in einer Zeit, in der die von unseren Vätern errungenen Ideale in Gefahr zu schweben scheinen, wieder verloren zu gehen — recht gethan hat, ein abschreckendes Beispiel des Gegentheils zum Vorwurf für sein Gemälde zu wählen. Es steht jedoch Niemandem zu, ein Thema an sich zu kritisiren, es fragt sich immer nur, was der Künstler uns hat verbildlichen wollen und wie ihm dies gelungen ist. Von diesem Standpunkt aus müssen wir sagen, daß wir eine sehr tüchtige Leistung vor uns haben, wenn⸗ gleich eine Hauptaufgabe der bildenden Kunst, nämlich in das schwere und triviale Alltagsleben Momente des Genusses zu legen und dadurch unser Dasein zu einem menschen⸗ würdigeren zu gestalten, in dem Gemälde nicht erreicht und auch nicht einmal angestrebt ist. Für das Gebiet des Schönen ist kein Platz auf dem Bilde gelassen worden, und doch wäre
dies so leicht gewesen. Möchte das anstrebende Talent, dessen
Werk wir vor uns sehen, sich in Zukunft auch seiner morali⸗ „Erzieher der Menschheit auf ästhetischem Gebiet zu wirken“, bewußt werden. 8 An neu aufgestellten anderen Gemälden befindet sich nur wenig Nennenswerthes im Verein der Künstler. Eine Gruppe betender Juden von M. Gottlieb wirkt bei etwas auf⸗ uschender Technik recht harmonisch im Kolorit, die Köpfe sind durchaus in richtigem Typus gehalten, dagegen ist die Licht⸗ wirkung zu wenig einheitlich; es liegt auf diesem Wege für en Künstler die Gefahr vor, in Zukunsft in chinesische, un⸗ perspektivisch flache Manier zu gerathen. Eine Fischerfamilie von E. Hausmann, welche mit banger Sorge durch die
Fenster ihrer Hütte den wachsenden Sturm beobachtet, dessen
ade der Ernährer ausgesetzt ist, zeichnet sich olorit und energische Charakteristik aus.
Gnade oder Un durch kräftiges
FTheater und Musik. 8
Königliche Schauspiele.
Am Montag findet im Königlichen Opernhause die zweite Wiederholung der Marschner'schen Oper „Der Vampyr“ mit den Damen Hiedler, Herzog und Weitz, sowie den Hern. Bulß, Krauß, Mödlinger und Krolop statt. Der Dienstag bringt die „Meister⸗ singer“ mit dem Gast Frl. Malten als Eva, mit Fr. Staudigl und den Hrrn. Gudehus und Betz. In der Donnerstags⸗Vorstellung des ev wird Fr. Sucher als Elisabeth zum ersten Mal wieder auftreten.
Wegen Unpäßlichkeit des Frl. Poppe hat die Sonntags⸗Vor⸗ stellung des „Gottfried von Berlichingen“ im Königlichen Schau⸗ spielhause durch „Wilhelm Tell“ ersetzt werden müssen. Am Dienstag geht anläßlich der Enthüllung des Berliner Lessing⸗Denk⸗ mals „ NRathan der Weise“ in theilweise neuer Besetzung und mit Hrn. Direktor Devrient in der Titelrolle neu eingeübt in Scene.
Der Spielplan der Oper für die Zeit vom 12. bis 18. Ok⸗ tober lautet: Sonntag: „Die Hugenotten“’. Montaa: „Der Vam⸗ pyr“. Dienstag: „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Frl. Malten als Gast). Mitwoch: „Das Nachtlager in Granada“. „Wiener Walzer“. Donnerstag: „Tannhäufer“ Freitag: „Alessandro Stra⸗ della. Solotanz. Sonnabend: 1. Sinfonie der Königlichen Kapelle.
„Für das Schauspiel: Sonntag: „Wilhelm Tell“. Montag: „Bürgerlich und romantisch“ Dienstag (neu einstudirt): „Nathan der Weise“. Mittwoch: „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen“. Donnerstag: „Verlorene Liebesmüh“. Freitag: „Othello“. Sonn⸗
abend geschlossen. 1 Deutsches Theater.
Morgen wird „Das Wintermärchen“ und übermorgen „Die Haubenlerche“ gegeben. Das weitere Revertoir dieser Woche ist folgendermaßen festgestellt: Dienstag: „Das Wintermärchen“, Mitt⸗ woch: „Der Pfarrer von Kirchfeld“, Donnerstag: „Die Haubenlerche“, Freitag: „Das Wintermärchen“, Sonnabend: „Götz von Berlichingen“, Sonntag: „Die Haubenlerche“.
Berliner Theater.
Der Wochenspielplan bringt am Montag „Kean“ mit Ludwig Barnay, am Dienstag „Mein neuer Hut“ und „Doctor Wespe“ mit Friedrich Mitterwurzer, am Mittwoch „Maria Stuart“ mit Franziska Elmenreich. Die zweite Hälfte der Woche steht unter dem Zeichen der „Jung⸗ frau von Orleans“, die am Donnerstag zum ersten Mal an dieser Bühne in glänzender Ausstattung in Scene geht und Freitag und Sonntag Abend wiederholt wird. Die Reihe der klassischen Vorstellungen wird am Sonnabend durch das Luftspiel „Rosenkranz und Gülden⸗ stern“ unterbrochen. Die Sonntag⸗Nachmittagsvorstellung beginnt dieses Mal um 2 ½ Uhr und bringt „Maria Stuart“ in unveränderter, bewährter Besetzung.
b Lessing⸗Theater.
Das Lessing⸗Theater bringt im Laufe dieser Woche abwechselnd Wiederholungen des Lustspiels „Das zweite Gesicht“ und des Schau⸗ spiels „Im Spiegel“, das auch bei der zweiten Vorstellung den unge⸗ theilten Beifall des vollen Hauses gefunden hat Nur am Mittwoch findet eine Wiederaufführung von Hermann Sudermann’s Schauspiel „Die Ehre“ statt.
Wallner⸗Theater.
Das Wallner⸗Theater hat nun wieder sein Zugstück und ist daher auf lange Zeit aller Repertoiresorge enthoben. Tarl Laufs' Schwank „Pension Schöller“ erzielte bisher allabendlich volle Häuser.
Victoria⸗Theater.
Am Dienstag, 14. d. M, findet die funfzigste Aufführung „der Million“ statt; das beliebte Ausstattungsstück hat sich bisher einer ungeschwächten Anziehungskraft zu erfreuen gehabt. Außer der animirten Darstellung sind es die reizend arrangirten und graziösen Ballets, welche allabendlich den Beifall des zahlreichen Auditoriums
erringen.
Belle⸗Alliance⸗Theater. „Das Gastspiel der Mitglieder des Wallner⸗Theaters hat sich bisher als eine glückliche Kombination erwiesen. Nicht nur, daß die Darsteller sich täglich der größten Auszeichnungen erfreuen, sind auch die Kassenresultate die denkbar günstigsten. „Mein junger Mann“, die neueste Posse von L. Treptow und 2. Hermann, wird demnach an dieser Bühne voraussichtlich recht alt werden.
Sing⸗Akademie.
Am Donnerstag fand der erste Kammermusik⸗Abend der Hrrn. Kruse, Markees, Müller und Dechert statt. Mit muster⸗ hafter Präzision im Zusammenspiel und schwungvoller Vortragsweise führten die Künstler das wundervolle Quartett (F-dur) von Beethoven aus. Der letzte Satz mit seinen originellen und schwierigen Röythmen gelang so vortrefflich, daß ein lange anbaltender Beifall erfolgte. Ein zweites Quartett, ein Werk des in Leipzig als Lehrer und Komponist weilenden, durch seine weit verbreitete „Harmonie⸗ lehre“ bekannten Prof. Ja dassohn, machte den Beschluß des Abends. Dieses Weik, das zehnte des Autors, zeichnet sich aus durch sichere und klare, den klassischen Mustern folgende Formgestaltung, die jedoch nie als eine Fessel der freien Phantasie erscheint. Das Allegretto (ein Scherzo⸗Satz) erfreute sich besonders günstiger Aufnahme. Wir möchten jedoch, was Driginalität der Motive und geisreiche Durchführung betrifft, das Finale für den tiefsten und bedeutendsten Theil des ganzen Werkes halten. Der reiche Beifall galt zugleich dem Komponisten. Der Barvtonist Hr. R. von Milde, ein in unseren Concerten stets gern gehörter Künstler, erfreute durch den Vortrag dreier Lieder von Schubert: „An die Musik“, „An die Leyer“ und „Gruppe aus dem Tartarus“. Mit der an ihm stets gerühmten edlen und tief eingehenden Ausdrucks⸗ weise brachte der Künstler, dessen Stimme an diesem Abend von un⸗ vergleichlichem Wohlklang war, diese Lieder so vorzüglich zur Geltung, daß ein nicht endenwollender Beifall und mehrmaliger Hervorruf dar⸗ auf folgte. Der zweite Quartett⸗Abend findet am Sonnabend, den 31. Januar 1891 statt.
Am Freitag gab die Pianistin Frau Dory Burmeister⸗ Eä aus Baltimore unter Mitwirkung des Philharmonischen
esters ein Concert. Die hier bisher noch unbekannte Virtuosin besitzt eine sehr bedeutende technische Fertigkeit und eine staunens⸗ werthe Kraft des Anschlags, die sich selbst durch die rauschendsten Orchester⸗ massen hindurchzuarbeiten versteht. Auch ist ihre Behandlung des Tons im Vortrag der melodiösen Stellen stets weich und gesasgreich Diese Vorzüge brachte sie zunächst in einem hier zum ersten Mal gehörten Klavier⸗Concert von Richard Burmeister, ihrem Gatten, zur Geltung, einem Werke, das im Ganzen zu wenig Einheit des Stils erkennen läßt, und in dessen Orchesterpartie die ee Verwen⸗ dung des Blechs oft störend wirkt. Am gelungensten erschien uns der erste Satz. Nach der in jeder Beziehung lobenswerthen Ausführung dieses schwierigen Concerts von Seiten der Pianistin und des Orchesters erschallte lebhafter Applaus, der auch dem Vortrag des öfter gehörten Concerts (Es-dur) ron Liszt zu Theil wurde. Unter Leitung des Hrn. Kogel spielte das Hicheffer noch die Duvertüre zur „Genoveva“ von Schumann und ein Menuett von Bizet, welche Piecen gleichfalls mit großem Beifall aufgenommen wurden.
Concerthaus.
Morgen gelangen die Ouverturen zu „Die Stumme von Portici“ von Auber, „Leonore III“ von Beethoven, „Tell“ von Rossint, „Leichte Kavallerie“ von Suppé, „Aufforderung zum Tanz“ von Weber, „Rosen aus dem Süden“, Walzer von Strauß, Potpourri aus „Mikado“ von Sullivan, Solis für die Harfe (Frl. Lemböck), Violine (Hr. Concertmeister Wolff), Piston (Hr. Richter) u, s. w. zur Aufführung. Am Montag veranstaltet Hr. Kapellmeister Meyder den ersten Strauß⸗Suppé⸗⸗Offenbach⸗Abend in dieser Saison.
Dienstag, den 14. Oktober, Abends 8 Uhr, findet in der Christus⸗ kirche (Königgrätzerstraße) ein Geistliches Concert zum Besten eines seit mebreren Jahren erblindeten Familienvaters unter gütiger Mitwirkung der Concertsängerin Fr. Hedwig H. Wolfradt, des Vio⸗ linisten Hrn. Alfred Werth, des Königlichen Kammermusikers Hrn. Fritz Maneke (Cello), des Organisten Hrn. Adolf Friedrich und eines
statt.é Billets à 1 ℳ sind zu haben in der Hof⸗Musikalienhandlung
gang der Kirche. Mannigfaltiges
Der „FEvang. Kirchl. Anzeiger“ bringt nun ebenfalls die in Nr. 237 des vxee u. St.⸗A.“ mitgetheilte Meldung, daß sich hier ein Comité gebildet hat, welches das Andenken der Kaiserin Augusta durch ein in der Reichshauptstadt zu errichtendes Denkmal ehren will. Das genannte Blatt theilt mit, daß man das Denkmal gern am südlichen Schiffahrtskanal, dem Ziel der täglichen Spazier⸗ gänge der hoben Frau in den sechziger und siebziger Jabren, als sicht⸗ bares Erinnerungszeichen an das mildtkätige, stets hülfsbereite Wirken der hohen Frau aufstellen würde. Die Königin⸗ und die Kaiserin⸗ Augustastraße tragen dort bereits den Namen der entschlafenen
Herrscherin.
In der,National⸗Zeitung“ hatte sich Jemand über den angeblich sich schneckenhaft hinziehenden Bau des dritten und vierten Ge⸗ leises auf der Strecke Berlin —Zehlendorf“, der kein Analogon in den Annalen des Bahnbaus? finde, beklagt. Darauf ist dem genannten Blatt von sachverständiger Seite die folgende, auch an sich interessante und belehrende Zuschrift zuge angen:
„Es ist auch für den Nichtfach mann wohl erklärlich, daß der voll⸗ ständige Umbau der Geleise einer Bahn, auf welcher täglich etwa 200 Züge verkehren und die längste Pause zwischen zwei Zügen Nachts nur etwa zwei Stunden beträgt, mit ganz außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft ist; die äußerst komplizirten, die Sicherheit des Bahn⸗ betriebes gewährleistenden mechanischen Vorkehrungen dürfen nicht für die Fahrt auch nur eines Zuges außer Thätigkeit gesetzt werden. Um eins der Geleise aus seiner jetzigen Lage in die zukünftige zu bringen, sind meist zablreiche mühevolle Geleiseverlegungen erforderlich, welche nur in den kurzen Pausen zwischen den Zügen in der Nacht aus⸗ geführt werden können. An nicht weniger als 22 Stellen sind Brücken für die Bahn kreuzende Wege herzust ellen. Jedes dieser Bauwerke ist, da der Betriep auf den Geleisen nicht gestört werden darf, nur stückweis ausführbar. Nur ein Geleis nach dem andern kann in die definitive Lage gebracht werden. Zur Herstellung dieser Brücken müssen die Geleise, auf denen heute die Züge fahren, größten Theils, je nach der Beschaffenheit des Baugrundes, hart an den Köpfen der Bahnschwellen 5—6 m tief durch senkrechte Bohl⸗ wände seitwärts abgesteift werden. Jeder der zahlreichen Reisenden der Potsdamer Bahn hat im Vorbeifahren gewiß schon mit einem stillen Grausen in die bergmännisch ausgezimmerten Tiefen der hart an den Geleisen liegenden Baugruben bhineingeschaut. Etwa 60 derartige, nur äußerst vorsichtig herzustellende Geleise⸗ absteifungen sind bis jetzt bereits ausgeführt. Jede Absteifung erfordert in der Regel drei Nächte mühevollster, verantwortungsschwerer Arbeit. Forciren läßt sich wahrlich eine derartige Ausführung nicht! Eine falsch eingesetzte Strebe gefährdet Hunderte von Menschen. Der Schreiber der Eingangs aufgeführten Notiz dürfte völlig Recht haben, wenn er sagt, ein Analogon für diesen Bau finde sich nicht in den Annalen des Bahnbaues. Die Ausführung desselben ist in der That, wie oben geschildert, mit ganz außerordentlichen Schwierigkeiten und sehr zeitraubenden Arbeiten verbunden. Die bezüglichen Umbauten und E. weiterungsbauten sind im Uebrigen derart gefördert, daß die Inbetriehnahme des dritten und vierten Geleises zum 1. Oktober nächsten Jahres zu erwarten steht.“
Bekanntlich hatte die Stadtgemeinde Berlin zur deutschen allgemeinen Ausstellung für Unfallverhütung im Jahre 1889 die Summe von 100 000 ℳ gespendet. Jetzt 14 sich der Vorstand dieser Ausstellung, der „Nat. Ztg.“ zufolge, wiederum mit dem Ersuchen an den Magistrat gewendet, dieser möge aus städtischen Mitteln noch weitere 31 400 ℳ für den Verbrauch an Gas und Wasser und 26 841 ℳ, welche seiner Zeit für die nothwendig ge⸗ wordenen Aenderungen der Parkanlagen erforderlich waren, ge en. Der Magistrat hat indessen den Antrag abgelehnt.
Das Diakonissenhaus „Bethanien“ feierte heute das 43. Jahresfest, Haus und Kirche waren aus diesem Anlaß mit Lanb⸗ gewinden reich geschmückt. Um 5 Uhr begann im Gotteshause der Anstalt die kirchliche Feier, der im Auftrage Ihrer Maserät der Kaiserin Fll. von Gersdorff und der Kabineissekrelär Frhr. v. b. Rech be wohnten. Die Festpredigt hielt Hofprediger Bavyer, alsdann vollzog Feftfr Nebms die Einsegnung von 9 Schwestern zum Dia⸗ onissenamt. Dat Mutterhaus zählt 3 Zt. über 200 Schwestern und unterhält 32 Außenstationen. Das mit der Hauptanstalt ver⸗ bundene Krankenhaus beherbergt z. Zt. 300 Kranke.
Ueber das Brandunglück in der riedrichstraße 134 liegen, nach dem „D. Tagebl.“, Anzeichen 8 vor, daß n. Ent. stehung des Brandes möglicherweise auf die elektrische Beleuch⸗ tungsanlage zurückzuführen und eine Fahrlässigkeit Seitens der Fuchs schen Familienmitglieder nicht anzunehmen ist.
Trakehnen, 9. Oktober. Der „N. A. tg.“ 2 Die ostpreußische Pferdezucht ist ei-Se unserem enger Vaterlande, sondern wohl in der ganzen Welt ehen und sogar berühmt. Als ein erneuter Beweis dafür — einer amerikanischen Zeitung angesehen werden, daß ein Einwohner van Milwaukee, Namens Heil, zwei echte Trakehner Zuchtb dort⸗ hia ün t habe, welche auf der gerade — ausstellung mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurden.
Danzig, 11. Oktober. Ueber den Eisenbahn⸗Unfal Güldenk oden (vgl. Nr. 244 d. Bl.) theilt das Könta gliche u — amt Danzig Folgendes mit: „Am gestri Tag gleisf Schnellzuge Nr. 3 auf der Strecke Elbing von denen 2 in der Mitte, 5 am Ende nicht verletzt, die Wagen nicht erheblich jedoch auf 500 m Länge zerstört. nes 2. . Uhr 1 nfallstelle umsteigen. ie S st j der Entgleisung hat noch Untersuchung noch nicht beendigt ist. Wie die Aufräumungsarbeiten an der Entaler⸗ während der Nacht bei Fackellicht fortgesetzt
Verkehr ist beute in vollem Umfange passiren die Zäge jene Stelle in 1
†t Schweidnitz, 10. Oktober. Die gestrige State Versammlung beschäftigte sich mit der 3 Lom⸗ . 7 bilden, S 8 ůber klIektrischer eleuchtung. erste Bürgermeister Thiele begründene vdi Vorlage, indem er ausführte, wie der —2 Fasanstalt e. heblicher Ausfall darurch zu erwarten stehe. d — Etablissements am biesigen Ort elekerisches Sicht en sammlung entschied sich einstimmig für duie Er Beleuchtung und wätlte eine 8 die Herstellung eines Der Plan hat lebhaften eignet ist, die fortschreitende Gemeinwesens wirksam zu unterstüßzen.
Landeck, 9. Oktober. In der Nacht vom 8. zum 9 fiel, wie die Schweidnitzer „Tägliche Nundschau⸗ bericter — rrlaree erste roßen Schneeberge Berge
Kag liegen blieh. Die Teaperatar itt barenas worden; das Thermometer zeigte am Mongen des
gemischten Chors unter Leitung des Direktors Hrn. Max Dahms
ur 1⁰0 + R.
von Bote u. Bock, Leipzigerstr. 37, und am Concertabend am Ein..