1890 / 250 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 17 Oct 1890 18:00:01 GMT) scan diff

Grafen von Hochberg wurden mit ganz besonders lebhaftem Beifall 8 2 aufgenommen. Ueberall machten in den Leistungen des Chors der frische und edle Stimmenklang, die Kraft der Tenöre auch im Falsett, die Präzision in der Jasammenwirkung, sowie die feinsinnige Schattirungsweise wiederum den günstigsten Eindruck. Die wohl⸗ klingende Baritonstimme des Dresdner Gastes kam noch besonders in drei Liedern mit Klavierbegleitung von Lindner und Schubert zur Geltung, welche der geschätzte Feünstter mit tief empfindender und schwungvoller Ausdrucksweise vortrug. Concerthaus. Kapellmeister Karl Meyder veranstaltet am Sonnabend eine musikalische Gedächtnißfeier für den Kaiser Friedrich. Das Programm dieses Abends enthält die Quverture über den Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Nicolai, „Ave Maria“ von Bach⸗Gounod, „Marcia funebre“ aus der Sinfonia eroica von Beethoven. „Trauermarsch“ von Chopin, „Largo“ von Händel, „Trauerklänge“ von Möllendorff, „Lerne leiden ohne zu klagen“ für

Gornet⸗A⸗Piston von Holländer (Hr. Richter) u. s. w. 8

Mannigfaltiges.

Die 7. deutsche Brieftauben⸗Ausstellung ist heute in pen Räͤumen des Grand Hotel Alexanderplatz eröffnet worden. Dem GCroͤffnungsakt wohnte in Vertretung Sr. Majestät des Kaisers SGa. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold bei. Auch Se. Hoheit der Erbprinz von Sachsen⸗Meiningen war er⸗ sFienen. Das Militär⸗Nachrichtenwesen war durch den Chef der Mikitär⸗Telegraphie General Küster vertreten. Das Kriegs⸗Ministerium äsatte den Chef der Festungsabtheilung Obersten Paulus und den -Major von Keiser entsandt; mit ihnen hatten sich zahlreiche Offiziere aller Chargen und Fortifikationsbeamte eingefunden. Die Ausstellungsräume sind in reichster Weise geschmückt. An den Wänden des großen Lichthofes sind die Namenschilder aller 24 Städte ange⸗ bracht, welche für die deutsche Brieftaubenzucht von besonderer Be⸗ deutung sind. Auf der großen Freitreppe, die zu den inneren Sälen hinaufführt, steht unter einem roth drapirten Baldachin, inmitten vpon Zierpflanzen, die Büste Sr. Majestät des Kaisers, Aller⸗ höchstwelcher dem Verbande deutscher Brieftaubenliebhaber⸗Vereine als Protektor vorsteht. Die Ausstellung ist ungemein reich und gut beschickt. Insgesammt sind 1296 Brieftauben von 399 Ausstellern aus 64 Orten und 93 Vereinen zur Schau gebracht. Mit 53 Aus⸗ stellern sind allein die 7 Aachener Vereine erschienen. 23 Aussteller zählen die 4 Kölner Vereine, 21 die 3 Berliner, 18 die 3 Elberfelder, 15 die 3 Bochumer, 29 die 5 Solinger, 12 die 2 Dortmunder, 11 die beiden Barmer Vereine. Gleich rechts am Ein⸗ gang findet man die 25 Militär⸗Brieftauben, welche das Königliche Kriegs⸗Ministerium ausgestellt hat; sie repräsentiren die Jahrgänge von 1883 an. Sodann folgen als erste Klasse die Preistauben, welche über 600 km in einer Tour zurückgelegt haben. Es sind dies 218 Vögel und 58 Tauben. 860 km ist die höchste Leistung dieser Klasse und der Schau überhaupt; als bestes Thier aber wurde die unter 117 ausgestellte rothe Taube, ein 6 jähriges Thier, anerkannt, welches seinem Besitzer, Hrn. Wimar Gasten aus Köln, den Kaiserpreis einbrachte. Die meisten der in dieser Eliteklasse ausgestellten Thiere sind unverkäuflich, der Preis der verkäuflichen steigt bis 200 Die zweite Klasse, die mit 272 Thieren beschickt ist, umfaßt 204 Vögel und 68 Tauben, welche Strecken von 451 600 km durchflogen haben. In der dritten Klasse finden wir die Thiere, die 301 450 km zurückgelegt haben, 350 Vögel und 106 Tauben, und in der vierten Klasse endlich sind die 174 Vögel und 93 Tauben vereinigt, welche eine Leistung von 200 300 km auf⸗ zuweisen haben. Mit der Schau ist eine Ausstellung von Geräthen für Zucht und Dressur der Brieftauben verbunden, die manches Inter⸗ essante enthält und auch der Literatur Rechnung trägt.

Die Einrichtung von Brausebädern in den hiesigen Ge⸗ meindeschulen beschäftigte, wie die „N. A. Z.“ erfährt, die städtische Baudeputation in ihrer letzten Sitzung. Auf einen dahinzielenden

Antrag beschloß die Deputation, beim Magistrat die Einrichtung von Brausebädern in den Gemeindeschulen zu beantragen und zunächst in den jegn neu zur Ausführung gelangenden Schulbauten solche Anstalten erzustellen.

In einem neu erbauten großen Saale der Gewehr⸗ prüfungskommission bei Spandau ist eine Sammlung vieler Hunderte von Handfeuerwaffen eingerichtet worden. Die Samm⸗ lung stellt, dem „Anz. f. d. H.“ zufolge, die Entwickelung der Schuß⸗ waffen bis in die neueste Zeit dar und enthält nicht allein Waffen des Inlandes, sondern auch fremdländischer Armeen.

Nordhausen, 14. Oktober. Der „Mogdb. Ztg.“ schreibt man: Der älteste Baum unserer Gegend ist wohl die „Merwigs⸗ linde“, welche auf der Höhe des über unserer Stadt belegenen Geiersberges, dicht neben dem Gehege, steht. Ihr gegen 8 m im Umfange haltender Stamm ist neuerdings, um ihm Halt und Stand zu verleihen, mit Steinen ausgemauert und mit Cement verstrichen worden. Die Bewohner Nordhausens zeigen ihren Gästen diesen alten Baumriesen gern als eine Merk⸗ und Sehenswürdigkeit der Stadt.

Straßburg, 16. Oktober. Zur Feier des 90. Geburts⸗ tages des Grafen Moltke wird in Straßburg in dem festlich eschmückten Tivolisaale ein Kommers stattfinden. Die Festrede bält wie wir der „Straßb. P.“ entnehmen, Professor Ziegler, bei dessen etwaiger Verhinderung Rechtsanwalt Freiherr Schott von Schottenstein. Die patriotische Feier, zu welcher ein öffentlicher Aufruf alle Kreise der Bevölkerung zur Betheiligung einladen soll, wird Gesanglvon Liedern, Musik, von der Sachsenkapelle gestellt, Vorträge des Straßburger Männergesangvereins und des Gesangvereins „Lieder⸗ kranz“ u. s. w. umfassen. Das lebhafte Interesse, welches von An⸗ fang an dem Plane dieser Feier in den weitesten Schichten des Publi⸗ kums und besonders in den Vereinen entgegengebracht worden, der Eifer, mit welchem man von allen Seiten an die Vorbereitungen ge⸗ gangen ist, und die vielversprechende Art der Feier selbst stellen ein Fest von erhebender Weihe in Aussicht, bei welchem Vaterlands⸗ d und patriotische Dankbarkeit zu schönvereintem Ausdruck gelangen werden.

Belfast. Der Bürgermeister von Belfast hat der „A C.“ zu⸗ folge, auf Freitag eine Versammlung einberufen, um den Plan, Ir⸗ land mit Schottland mittelst eines Tunnels von der Küste von Antrim nach der von Wigtonshire zu verb inden, öffentlich zu

besprechen.

Spandau.

Nach Schluß der Redaktion eingegangen Depeschen.

Halle a. S., 17. Oktober. (W. T. B.) Sozialisten⸗ Kongreß. Die am 15. d. gewählte Organisations⸗Kom⸗ mission unterbreitete den von ihr umgearbeiteten Organi⸗ sations⸗Entwurf. In demselben ist die dauernde materielle Unterstützung der Partei als Vorbedingung für die Angehörig⸗ keit zur Partei gestrichen; die Wahl von weiblichen Delegirten zu Parteitagen wird zugelassen. Für die Parteileitung werden 12 an⸗ statt bisher 5 Mitglieder verlangt; beantragt wird, daß die Partei⸗ leitung künftig nach eigenem Ermessen über die Gelder ver⸗ fügt. Die in den §§. 14— 18 enthaltenen Kontrolbestimmungen, insbesondere, daß die Fraktion die Geschäfte des Partei⸗ vorstandes zu überwachen hat, werden beseitigt. Der neue Ent⸗ wurf bestimmt, daß die Parteileitung die Parteigeschäfte besorge. Der Chef⸗Redacteur des hiesigen „Generalanzeigers“ erklärt in der heutigen Nummer dieses Blattes, daß er den von Singer in der gestrigen Sitzung des Kongresses in Abrede gestellten

eheimen Berathungen mit den französischen Delegirten per⸗ sönlich beigewohnt habe. amburg, 17. Oktober. (W. T. B.) Heute Vormittag 10 Uhr fand eine feierliche Sitzung der Handels⸗ kammer statt, in welcher die Ueberreichung eines lebens⸗ großen Bildes Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm an die Handelskammer erfolgte. Dasselbe ist ein Ge⸗ schenk der deutschen Handelskammern, kaufmännischer Korporationen und wirthschaftlicher Vereine und vom Maler Gussow gemalt. Die Ueberreichung erfolgte in An⸗ wesenheit des preußischen Gesandten Freiherrn von Thiel⸗ mann, der Bürgermeister Mönckeberg und Petersen, zahl⸗ reicher städtischer Honoratioren, von Vertretern der Handels⸗ kammern von Altona, Augsburg, Barmen, Berlin, Bremen, Breslau, Chemnitz, Crefeld, Düsseldorf, Elberfeld, Frank⸗ furt a. M., Halle, Köln, Leipzig, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Mühlhausen, München, Rostock, Schweidnitz, Stettin, Stuttgart. Geheimer Kommerzien⸗Rath Frentzel übergab das Bild mit einer warmen Ansprache als ankeszeichen und Andenken an das vorjährige Zu⸗ des deutschen Handels anläß⸗ lich des Zollanschlusses Hamburgs, dessen Kaufmann⸗ schaft stets bestrebt sei, neben dem hamburgischen auch den deutschen Handel zu fördern. Präsident Hinrichsen drückte den Dank der Handelskammer aus und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm. Bürgermeister Mönckeberg hob in seiner Rede den engen Zusammenhang des Hamburger Handels mit der städtischen Regierung hervor, wie er durch die bauliche Vereinigung des Rathhauses mit der Börse ausgedrückt sei, und sprach den Dank der Stadt für diese dem Hamburger Handelsstande dargebrachte Ovation aus. An die Feier schloß sich eine Sitzung des Ausschusses des Deutschen Handelstages an, zu welcher 39 Vertreter an⸗ gemeldet waren.

Konstantinopel, 17. Okober. (W. T. B.) Wie die „Agence de Constantinople“ meldet, hätte die Pforte auf die vom griechischen Patriarchat erhobenen Forderungen entgegenkommend geantwortet und mehrere der letzteren ohne Weiteres bewilligt, einige andere abgelehnt. In diplomatischen Kreisen sei man der Ansicht, die Ant⸗ wort der Pforte biete eine geeignete Grundlage für einen Ausgleich, insofern auch Seitens des Patriarchats der gute Wille herrsche, den Zwist beizulegen. Die Pforte ließ die an die Ertheilung der Konzession für die Bahnlinie Salonichi Karaferia Monastir geknüpfte Be⸗ dingung der Herstellung der Zweiglinie Karaferia bis zur türkisch⸗griechischen Grenze fallen. Die Erbauung einer Zweiglinie an die serbische Grenze war nicht gefordert worden.

New⸗York, 17. Oktober. (W. T. B.) Die „Pavonia“⸗ Straßenbahnen und Omnibusgesellschaften hatten gestern die bei ihnen bediensteten Personen entlassen und neue Leute angestellt. Die Kutscher rotteten sich darauf zusammen, warfen mit Steinen nach den Wagen der Gesell⸗ schaften und verletzten mehrere Fahrgäste. Es wurden in Folge dessen einige Verhaftungen vorgenommen und im Uebrigen strenge Maßregeln Behufs Herstellung der Ordnung getroffen.

sammensein der Vertreter

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Haparanda.

CTork Queens⸗-

im Norden. witter.

*) Abends Gewitter.

Balkanbhalbinsel erstreckt, liegen zwei Depressionen,

Wetterbericht vom 17. Oktober 1890, Morgens 8 Uhr.

V

V Wind.

enegne

elsius

OUOo2S[H50 C. = 40R

5 bedeckt 6 wolkig 1 Nebel 2 Dunst 2 beiter

5

Stationen.

Temperatur

red. in Millim. in °6(.

Bar. auf 0 Gr u. d. Meeressp.

WNW WNW SSW SSW

SO

1 still Regen etersb. SO 2 Nebel SO 1 bedeckt

Kopenhagen. Stockholm

WNW lI bedeckt WNW 7 bedeckt NW 5 bedeck1¹) S 1 halb bed. SSW 3 bedeckt²) SSW 3 heiter SW 2 bedeckt ³) 3 Regen 2chalb bed. 5 bedeckt⁴) 4 Regen 2 bedeckt) 6 bedeckte) 4 halb bed./*) 1 2 halb bed. 2 bedeckt 5 heiter 1 3 wolfige)

¹) Abends Gewitter. ²) Abends Wetterleuchten ²) Abends Regen. ⁴) Nachm. Ge⸗ ⁵) Gestern und Nachts Gewitter. ⁸) Nachts Than. ³⁵) Gestern öfters Regen.

towan.. Cherbourg

—1 —',——öN— ¶ꝗ Sn 002—8—ß

00oC Iemnw ID;

Regen. ⁷)

Uebersicht der Witterung.

In einer breiten Zone niedrigen Luftdrucks, welche sich vom Norwegischen Meere südostwärts nach der

eine über dem Skagerak und Umgebung, und eine andere über Galizien. Wegen des nach Westen hin stark ansteigenden Luftdrucks herrschen über den Britischen nseln, theilweise auch über der Nordsee starke nordwestliche Winde, während in Deutschland mößige südliche und füdwestliche Luftströmung bei kühler und regnerischer Witterung vorberrschend ist. Das barometrische Maximum im Westen scheint la n ostwärts zu dringen, wobei die nordwest⸗ liche Puftströmung sich weiter nach Osten bin aus⸗ breiten dürfte. n Nordwestdentschland fanden Ge⸗

Theater⸗Anzeigen.

Königliche Fchauspiele. Sonnabend: Opern⸗ haus. Keine Vorstellung.

Im Theaterraum: Erster Sinfonie⸗Abend der Königlichen Kapelle. Dirigent: Hr. Kahl, König⸗ licher Kapellmeister. Solistin: Fr. Emilie Herzog, Königl. Hofopernsängerin. 1) Sinfonie Nr. 3 „Erosca“, L. v. Beethoven. Allegro con brio. Marcia tunebre. Adagio assai. Scherzo. Allegro vivace. Finale. Allegro molto. 2) Ouvertüre zu Körners „Zriny“, Ludwig Deppe 3) a. Arie aus „Zemire und Azor“, Ludwig Spohr. b. Clärchens Lied „Freudvoll und leidvoll“, L. [v. Beethoven. c. „Der Hirt auf dem Felsen“, Franz Schubert, instrumentirt von C. Reinecke. Solo⸗Clarinette: Hr. Schubert. Frau Herzog. 4) Sinfonie C-dur, Rob. Schumann. Sustenuto assai. Allegro ma non troppo. Scherzo. Allegro vivace. Adagio espressivo. Allegro molto vivace. Anfang 7 ½ Uhr.

weiter Sinfonie⸗Abend am 7. November.

Schauspielhaus. Keine Vorstellung.

Sonntag: Opernhaus 207. Vorstellung Lohen⸗ grin. Romantische Oper in 3 Akten von Wagner. Anfang 7 Uhr.

Schauspieldaus 211. Vorstellung. Die Quitzow'’s. Vaterländisches Drama in 4 Aufzügen von Ernst von Wildenbruch. Anfang 7 Uhr.

Beutsches Thrater. Sonnabend: Götz von Berlichingen.

Sonntag: Die Haubenlerche.

Montag: Faust I. Theil.

Die nächste Aufführung von Faust’s Tod find am Mittwoch statt.

Verliner Theater. Sonnabend: Keau. Sonntag: Nachm. 2 ½ Uhr: Maria Stuart. Abends 7 ½ Uhr: Die Jungfrau vo Orleans. Montag: Kean.

Tessing-Theater. Sonnabend: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann.

Anfang 7 Uhr. 8 Sonntag: Das eite Gesicht. Luftspiel in Schauspiel

4 Akten von Oekar Blumenthal. Montag: Der Fall Clémenceau. in 5 Akten von A. Dumas und A. d'Artois. Wallner-Theater. Sonnabend: Gastspiel Felix Schweighofers. Zum 12. Male: Der Bauern⸗ voktor. Genrebild mit Gesang in 1 Akt von Ed. Dorn. (Lorenz Dollinger: Felix Schweighofer, a G.) v* Zum 12. Male: Pension Schöller. Posse 3 Akten von Carl Laufs. (Klapproth: Felix

Schweighofer, a G.) Anfang 7 Ubr. Sonntag und die folgenden Tage: Gastspiel Felir

witter statt. Denutsche Seewarte.

8—

Modernes Moszkowski und Rich Ballet von

Die Million. 12 Bildern von Alex. Nathanson. Musik von C. A. Raida. Gredelue. Anfang 7 ½ Uhr. Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Friedrich-Wilhelmstädtisches Thrater. Direktion: Julius Fritzsche. Sonnabend: Die Fledermans. Komische Operette in 3 Akten, nach Meilhac und Halevy, bearbeitet von C. Haffner und R. Genee. Musik von Strauß. Regie: Hr. Binder. Dirigent: Hr. Kapellmeister Federmann. Hierauf: Zum 57. Male mit durchaus neuer Aus⸗ stattung: Die Puppenfee. Pantomimisches Diver⸗ tissement von J. Haßreiter und F. Gaul. Musil von Jos. Bever. Arrangirt von J. Haßreiter, K. K. Hofballetmeister aus Wien. Dirigent: Hr. Kapellmeister Wolfheim. Anfang 7 Uhr. 1 Sonntag: Die Fledermaus. Hierauf: Die Puppenfeer.

Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Sonnabend: Zum 36. Male: Ferréol. Pariser Sittenbild in 4 Aufzügen von Victorien Sardou. In Scene gesetzt von Sigmund Lauten⸗ burg. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag: Dieselbe Verstellung.

Belle-Alliance-Theater. Direktion: W. Hasemann. Sonnabend: Gastspiel von Mitgliedern des Wallner⸗Theaters. Zum 18. Male: Mein junger Mann. Posse mit Gesang in 4 Akten von Leon Treptow und L. Herrmann. Musik von Th. Leprez. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag und die folgenden Tage: Mann.

Adolph Ernst-Theater. Sonnabend: Zum 43, Male: Unsere Don Inans. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Görß. Musik von Franz Roth und Adolph Ferron. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Mein junger

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße 30. irettion: E. 8. Sonnabend: Die Stroh⸗ . Ehebaee 3 Akten von Robert Misch und Wilhelm Jacoby. Zum Schluß: „Cassis Pascha. Posse mit Gesang in einem Akt von

[Treumann. Anfang 7 ½ Uhr, 115 Jaan 2. Male: Die Reise auf

gemeinschaftliche Kosten und Cassis Pascha. Die nächste Aufführung pon

Schweighofers. Der Bauerndoktor. Peusivn

Sabinerinnen findet Dienstag statt.

Hictoria-Theater. Sonnabend: Zum 54. Male: Ausstattungsstück in

Der Raub der

Concert⸗Anzeigen. 8”

Concert-Haus. Sonnabend: Carl Meyder⸗ Concert. Gedächtniß⸗Feier für Sr. Majestät Kaiser Friedrich III.

Singakademie. Sonnabend: Anfang 7 ½ Uhr:

Concert des Klaviervirtuosen Paul Pabst (aus Moskau) mit dem Berliner Philharmonischen Orchester.

Mraniag, Anstalt fuͤr volksthümliche Naturkunde.

Am Landes⸗Ausstellungs⸗Park Bahnhof). Geöffnet von 12—11 Uhr. Päglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlag⸗

zettel.

Familien⸗Nachrichten.

Verlobt: Frl. Auguste Luther mit Hrn prakt. Arzt Georg Schwarzlose (Westeregeln Egeln). Frl. Martha Sommer mit Hrn. Lehrer Adolf’ Burghardt (Görbersdorf Fellbammer). Frl. Elisabeth Flatten mit Hrn. Dr. Emil Erwig (Königswinter Kalk⸗Köln). Frl. Luise Völker d Friedrich Ehlers (Hermannsburg

elle).

Verehelicht: Hr. Dr med. Tannen mit Frl. Hedwig Bogen (Michelstadt, Odenw.). Hr. Gerichts⸗Assessor Max Geißler mit Frl. Marie Reimann (Breslau). Hr. Lieutenant z. See v. Dambrowski mit Gräfin Elisabeth. Bassewitz (Berlin). Hr. Paul Riemann mit Frl. Maria Falk (Königsberg). Hr. Emil Schliack mit Frl. Klara Altmann (Sorau N.L).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Gutsbesitzer Schorr (Ulbersdorf b. Goldberg). Hrn. Emil Scholz (Berlin). Hrn. Gerichts⸗Assessor Hartmann (Ostrowo). Eine Tochter: Hrn. Oskar von Eberstein (Bendorf a. Rh.) Hrn. Landgerichts⸗ Rath v. Hinüber (Lüneburg). Hrn. R. Bruno Neumann (Leipzig⸗Reudnitz). Hrn. H. Alten⸗ burg (Naumburg a. S.). Hrn. B. H. Tubbe (Bremen). Hrn. Paul Petow (Berlin).

Gestorben: Hr. Lieutenant a. D. Franz Reich (Breslau). Frau Auguste Farenholtz, geb. von Uelar (Goslar). Hr. Königlicher Steuer⸗Rath a. D. Druckenbrodt (Schöneberg). Hr. König⸗ licher Landgerichts⸗Kanzlei⸗Sekretär a. D. Alexander v. Radziewski (Liegnitz). Frau Katharina Metz, geb. Fendel (Düsselborf), Frau Ober⸗Stabsarzt Dr. Braune, geb. Schultze (Friedrichsort). Hr. Kaufmann Hugo Arnold (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee. Berlin: Verlag der Expedition (Scholz). Druck der Nordbeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt, Berlin 8 W., Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen 8 (einschließlich Börsen⸗Beilage),

zum

Deuls en Reichs⸗Anz

Berlin, Freitag, den 17. Oktober

eiger und Königlich Preußi

Königreich Preußen.

Auf Ihren Bericht vom 28. v. M. will Ich den in 28. Dezember v. J. verzeichneten wissenschaftlichen Beamten

lungen den Rang der 5. Klasse der höheren Beamten der Provinzialbehörden hierdurch verleihen.

Helgoland, den 10. August 1890. 1 von Boetticher.

Herrfurth.

1“ ““

An den Präsidenten des Staats⸗Ministeriums und die Minister für Landwirthschaft ꝛc.,

der geistlichen ꝛec. Angelegenheiten und für Handel und Anlage A.

Frhr. Lucius von Ballhausen. Für den Minister für Handel und Gewerbe: 8

der Anlage A des Berichtes vom staatlicher Institute und Samm⸗

kommen folgende Beamte in Betracht.

Wilhelm R. von Goßler.

Gewerbe 8 77

Behörde.

Für die Rangverleihung kommen folgende Beamte in Betracht.

I. Ressort des Prä

Staatsarchiv zu Wiesbaden Hannover 8 Schleswig Marburg Geheimes Staatsarchiv zu Berlin Staatsarchiv zu Wiesbaden Münster 28 Stettin Posen Marburg Königsberg i. Pr.

22 Münster I Hannovbbs

2 /

Navigationsschulen. Baugewerkschule zu Nienburg. Zeichen⸗Akademie zu Hanau.

Geologische Landesanstalt und Berg⸗Akademie zu Berlin.

und Forsten.

Lehranstalt für Obst⸗ und Weinbau in eisenheim a. Rh. .

Pomologisches Institut in Proskau.

II. Ressort des Ministeriums für Handel und

29 Lehrer bei den Navigationsschulen.

6 Lehrer an der Baugewerkschule.

8 hen⸗ 4 Lehrer an der Zeichen⸗Akademie.

Königliche Porzellan⸗Manufaktur zu Berlin. 1 der chemisch⸗technischen Versuchs⸗ anstalt.

1 1 Chemiker. 1 Modellmeister. 1 Malerei⸗Vorsteher.

III. Ressort des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten.

5 Bezirksgeologen. 1 Bibliothekar.

IV. Ressort des Ministeriums für Landwirthschaft, Domänen

1 Lehrer der Chemie zuglei der Versuchsstation für den Regierungs⸗

Bezirk Wiesbaden. 1 Lehrer der Botanik.

1 Lehrer der Botanik.

»Ministeriums.

1

Gewerbe.

Akademie zu Münster.

Dirigent

Universität zu Königsberg.

Königliche Bibliothek zu Berlin. Geodätisches Institut zu Berlin. Meteorologisches Institut zu Berlin.

Astrophysikalisches Observatorium zu Berlin.

V. Ressort des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts⸗ und G Medizinal⸗Angelegenheiten. 3

4 Kustoden an der Bibliother. 1 Prosektor am anatomischen Institu

3 Kustoden an der Bibliothek. 3 e u. Assistent am anatom. Institut ustos 271 2 21 2 8 1 Kustos am pathologischen Institut. 2 v am physiologischen nstitut. cnn 5 Kustoden an der zoologischen Sammlung. 1 Kustos am zoologischen Institut. 1 Kustos am botanischen Garten. 1 Kustos am hygienischen Institut. 2 Kustoden am botanischen Museum. 2 ö an der mineralogischen Samm⸗ ung. 2 Assistenten an der Sternwarte. 1 h am Rechen⸗Institut der Stern⸗ warte.

3 Kustoden an der Bibliothek. 1 Prosektor am anatomischen Institut.

3 Kustoden an der Universität. 1 Prosektor am anatomischen Institut.

3 Kustoden an der Bibliothek. 1 Prosektor am anatomischen Institut.

3 Kustoden an der Bibliothek. 1 .Sne am anatomischen Institut. 1 Observator an der Sternwarte.

7 Kustoden an der Bibliothek. 1 Prosektor am anatomischen Institut.

3 Kustoden an der Bibliothek. 1 Prosektor am anatomischen Institut.

4 Kustoden an der Bibliothek. 1 Observator an der Sternwarte. 1 Prosektor am anatomischen aa geahr

1 Kustos an der Bibliothek. 1 1 Sekretär an der Bibliothek.

8 Kustoden. 4 Assistenten. 1 Assistent. 1 Assistent.

Der Oder⸗Spree⸗Kanal und seine Banten.

Ueber die Art der Bau⸗Ausführung und die Kosten des Oder⸗ Spr ee⸗Kanals entnehmen wir dem neuesten Heft der „Zeitschrift für Bauwesen“ (40. Jahrg., Heft 10 12) im Anschluß an die in Nr. 178

es „R.⸗ u. St.⸗A.“ vom 25. Juli d. J. nach derselben Quelle ge⸗ ebenen Mittheilungen noch folgende Angaben:

Mit der Oberleitung der Bau⸗Ausführung wurde der Regierungs⸗ nd Baurath Mohr beauftragt. Der vielen Bauwerke und der Länge er Strecken halber erschien es angezeigt, vier verschiedene Bau⸗Abthei⸗ ungen einzurichten, jede mit einem besonderen Abtheilungs⸗Baumeister, nter dem die einzelnen Strecken⸗Baubeamten arbeiteten. Dem Haupt⸗ ureau war ferner ein Regierungs⸗Baumeister als Hülfsarbeiter für den

Oberleitenden und eine Feldmesser⸗Abtheilung beigegeben. Am 1. Oktober 1886 wurde das Hauptbureau in Fürstenwalde eingerichtet

und sofort mit dem Abstecken der Kanallinie Fürstenwalde —Seddin⸗

See, dem auf dieser Strecke nothwendigen Grunderwerb und der Auf⸗ ahme der Querprofile Behufs Verdingung der Arbeiten vorgegangen. benso wurde sofort die Bearbeitung der Einzelentwürfe für die auf

dieser Strecke vorkommenden Bauwerke in Angriff genommen, sodaß es

mo lich war, bereits im Frühjahr 1887 mit den eigentlichen Bauarbeiten zu beginnen. Noch im Baujahr 1887 wurde ein Theil der Strecke Große

Tränke —Seddin⸗See fertig gestellt, ebenso die Schleuse bei Große Tränke

im Mauerwerk bis zur Hälfte der Höhe gebracht und ein Theil der

Brücken und Dücker ausgeführt. Im nächsten Jahre wurde diese Strecke dann im Wesentlichen mit ihren sämmtlichen Bauten beendet, ebenso die Schleuse am Kersdorfer See und die Bauwerke auf der

Strecke Kersdorfer See— Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanal. Auch wurde in

diesem Baujahre mit der Vertiefung und Verbreiterung der im Zuge

des Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanals liegenden Strecke und der Strecke

Schlaubehammer Fürstenberg begonnen sowie zugleich ein Theil der

dort auszuführenden Bauwerke beendet. Die Bagger⸗ und Gerade⸗

legungs⸗Arbeiten an dem benutzten Theil des Spreelaufs nahmen ebenfalls im Jahre 1888 ihren Anfang.

Die Strecken Große Tränke Seddin⸗See und Kersdorfer See Müllroser Kanal konnten bereits im Baujahr 1889 dem Verkehr übergeben werden. In demselben Zeitraum wurden auch die Bau⸗ werke im Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanal und auf der Strecke Fürsten⸗ berg —Schlaubehammer bis zur ersten Fürstenberger Schleuse mit Einschluß dieser letzteren zur Vollendung gebracht; letztere konnte auch noch im Laufe des Baujahres bis 5 km oberhalb der ersten Fürstenberger Schleuse mit Wasser gefüllt werden. Der Bau der zweiten Schleuse in Fürstenwalde und die damit verbundenen Hafen⸗ und Banhofsanlagen kamen ebenfalls in dem gedachtem Jahre zur Ausführung. Der rüstige Fortschritt der Erdarbeiten in dem unteren Theil des Kanals bei Fürstenberg ermöglichte auch den Beginn des Baues der beiden unteren Schleusen sowie der Brücke der Nieder⸗ schlesisch⸗Märkischen Eisenbahn und der Oderdeichbrücke.

Im letzten Baulahre, dem gegenwärtigen, sind diese Strecken und Bauten theils völlig beendet, theils steht ihre Beendigung bevor. Ebenso ist der Wehrdau bei Große Tränke in der Spree sowie auch die Tieferlegung der Freiarche bei Fürstenwalde vollendet. Die Durch⸗ stichsarbeiten bei der Geradelegung der Spree zwischen Fürstenwalde und Kersdorf sind ebenfalls fertig, sodaß nur noch ein Theil der Baggerungen und Uferbefestigungen auf dieser Strecke aussteht. Die Eröffnung des Kanals für die Schiffahrt, die zum Theil bereits er⸗ feigh ist, soll noch im Laufe des Herbstes in ihrem ganzen Umfange tattfinden.

Die Kosten der Ausführung der Kanalbauten erforderten ins⸗ gesammt ungefähr 12 600 000 ℳ, nämlich: Grunderwerb und Nutzungsentschädigung 1 260 000 ℳ, Erd⸗ und Böschungsarbeiten 4 510 000 ℳ, Bauwerke 5 040 000 ℳ, Buhnen und Uferbefestigungen 715 000 ℳ, insgemein 1 075 000

Dafür sind an Bauwerken zur Ausführung gekommen: 7 massive Schleusen, 1 Wehr, 4 Sicherheitsthore, 23 Brücken (ausschließlich derjenigen über die Schleusen), 8 Dücker, 8 kleinere massive Bau⸗ werke, der Umbau der Freiarche in Fürstenwalde, 9 Schleusenmeister⸗ bezw. Buhnenmeistergehöfte und die Gebäude des Bauhofs zu Fürsten⸗ walde. Außerdem sind ungefähr 6 000 000 chm Erde ausgehoben, 75,000 chm Packwerke gefertigt und schließlich rund 740 ha Grund und Boden angekauft sowie drei größere Mühlenbesitzungen und die Wasserkraft zweier anderer Mühlen erworben worden. Die Bau⸗ leitungskosten mit Einschluß des Aufwandes für Schreib⸗ und Zeichen⸗ hülfe, Bauaufsicht, Beschaffung von Bureaus ꝛc. haben rund 500 000 ℳ, also ca. 4 % der ganzen Bausumme betragen.

Sttatistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Am gestrigen vierten Verhandlungstage des Parteitages der deutschen Sozialdemokraten in Halle nahm vor Eintritt in der Tagesordnung Reichstags⸗Abgeordneter Singer (Berlin) zu der Erklärung das Wort, es sei dem Halle'schen „Generalanzeiger“ die Verleumdung mitgetheilt worden, die deutschen Führer hätten mit den französischen eine geheime Berathung in einem Hotel gehabt. Da der Berichterstatter des „Gener.⸗Anz.“ das Gastrecht schnöde mißbraucht habe, möge er sich als aus dem Saale ausgewiesen betrachten.

Alsdann wird in die Debatte über das Parteiprogramm einge⸗ treten. Es liegen eine Reihe von Anträgen zu diesem Punkt der Tagesordnung vor, von welchen die folgenden angeführt sein mögen: Frau Ihrer in Verbindung mit anderen Frauen heantragte in Bezug auf die Kinderarbeit: Verbot der gewerblichen Arbeit von Kindern unter 14 Jahren; ferner Beschränkung aller die Gesundheit be⸗ sonders schädigenden Arbeit auf höchstens 6 Stunden täglich; für die gewerbliche Frauenarbeit weibliche Beamte. Der Wahlverein des fünften Berliner Reichstagswahlkreises beantragt, die Revision des Parteiprogramms nicht zu verschieben, dagegen das Programm dahin zu ändern: 1) Die Forderung: Erklärung der Religion zur Privatsache wird statt an die sozialistische Gesellschaft an den heutigen

taat gestellt. 2) Der die Produktiv⸗Associationen betreffende Satz wird gestrichen. 3) Jede Beschränkung von Frauenarbeit im Unterschied von der Männerarbeit fällt. Die Forderung des gesetzlichen leichen Lohnes für Mann und Frau fällt, weil ihre Durchführung thatsächlich zur Verdrängung der Frauen⸗ arbeit führt. Nur das Verbot der Nachtarbeit verheiratheter Frauen ist zu fordern. 4ü) Die Forderung des politischen Wahlrechts der Frauen wird in das Programm aufgenommen und zwar unter die erangee an den heutigen Staat. 5) Abschaffung der Gesindeordnung. 6) Verbot der Naturalien⸗ löhnung an die ländlichen Arbeiter. 7) In den die Einkommen⸗ steuer betreffenden Passus wird die Steuerfreiheit der Einkommen unter 3000 aufgenommen. Stern (Stuttgart) deantragte:

1) Hem letzten Thell des Programms (Forderungen vom heutigen [ verlieren, es müsse in de

Staat) die weitere Forderung anzufügen: Der Staat hat die Pflicht, allen Erwerbslosen aus Staatsmitteln ausreichenden, den heutigen Kulturverhältnissen entsprechenden Unterhalt zu gewähren, ohne Be⸗ einträchtigung ihrer politischen Rechte. 2) Im allgemeinen Theil des Programms von der Sozialdemokratie neben dem Charakter der Klassenbewegung auch den Charakter der Kulturbewegung zu betonen. Dr. Rüdt (Heidelberg) beantragte, daß bei der Ausarbeitung der Programmvorlage in Erwägung gezogen werde, die Forderung „Religion ist Privatsache“ folgendermaßen zu ersetzen: „Die soztalistische Arbeiterpartei Deutschlands greift zwar in die religiöse Ueberzeugung der einzelnen unmittelbar nicht ein; sie steht aber als revolutionäre Partei auch in religiöser Beziehung auf dem Boden der freien, wissenschaftlichen Forschung. In Folge dessen verwirft sie prinzipiell jeden Dogmenglauben als eine Quelle geistiger Knechtschaft und als gewaltiges Hinderniß des Emanzipationskampfes des Prole⸗ tariats und bekämpft jede Kirche, die auf Grund der Glaubensdogmen den sozialen und politischen Befreiungsbestrebungen der Urgeiterklnffe entgegentritt.“

Der erste Redner Guttenstein (Karlsruhe) hält es nicht für möglich, daß dieser Parteitag über das Programm definitiv äußern könne und betont namentlich, daß auch die wissenschaftliche sozialdemokratische Literatur unter der Wirkung des Sozialistengesetzes so wenig verbreitet werden konnte, daß man über die neueren sozia⸗ listischen Theorien, welche doch in dem Programm ihren Platz finden müssen, sich noch nicht genügend unterrichten konnte. Thierbach (Königsberg) ich im Wesentlichen den Ausführungen Liebknecht’ 8 an. Reichstags⸗Abgeordneter Blos (Stuttgart) äußerte sich nach dem Bericht der „Volks⸗Ztg.“ folgendermaßen: Der Passus von der Religion habe der Partei sehr gute Dienste geleistet, streiche man ihn, dann gebe man dem Centrum eine Waffe in die Hand, welche dasselbe noch nicht besaß; denn es würde dann dem Centrum leicht werden, die Massen zu religiösem Fanatismus zu entflammen. Die sozialdemo⸗ kratische Partei sei nicht dazu da, freireligtöse Geschäfte zu betreiben; ebenso gut könnten die Vegetarianer kommen und dasselbe verlangen. Das Programm müsse namentlich bezüglich der Landbevölkerung prak⸗ tische Dinge ins Auge fassen, man werde den Bauern die Ueberzeu⸗ gung beibringen müssen, daß das vielgerühmte „patriarchalische Ver⸗ hältniß⸗ auf dem Lande eine große Lüge sei, und man werde besonders auf Abschaffung der Gesinde⸗Ordnung für das ländliche Proletariat hinwirken müssen. Auerhach (Berlin) sprach im Sinne des Antrages des fünften Berliner Wahl⸗ kreises. Erhardt (Ludwigshafen) wandte sich gegen die Hal⸗ tung der Berliner, welche immer die größere Einwirkung auf die ländliche Bevölkerung im Munde führen, mit ihren endlosen Be⸗ rathungen Über die Religion aber den ländlichen Agitatoren einen Knüppel zwischen die Beine werfen. Es mache einen geradezu er⸗ bärmlichen Eindruck, wenn ein ländlicher Agitator in eine Centrums⸗ versammlung komme und die Bauern lesen ihm dann mit Entsetzen vor, welche entsetzlichen Dinge die Berliner Sozialdemokraten mit der Religion im Sinne haben. Dann müsse man immer erst den Ber⸗ liner Unrath wieder auskehren, ehe man daran gehen koͤnne, den Heuten die sozialdemokratischen Grundsäͤtze klar zu legen. Redner wünscht schließlich, daß über den sosialdemokratischen Zukauftsstaat sohald als moöͤglich eine kleine Broschüre herausgegeben werde. Man wisse nicht, wie lange die heutige sogenannte Freiheit noch dauere. Keine Minute sei zu K ddchsten Jadren so diel geutbeitet werdem