Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: auf Grund des §. 28 des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883 (Ges.S. S. 195) den Regiärungs⸗Assessor Busenitz in Posen zum Stellvertreter des zweiten ernannten Mitgliedes des Bezirksausschusses zu Posen auf die Dauer
eines Hauptamts am Sitz dieser Behörde, und G den bisherigen außerordentlichen Professor an der Fried⸗ ich⸗Wilhelms⸗Universität Berlin, Geheimen Sanitäts⸗Rath Dr. Ernst Küster, unter Verleihung des Charakters als Geheimer Medizinal⸗Rath, zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg zu ernennen;
owie em Zimmermeister Heinrich Neumann zu Königs⸗ “ das Prä ines Königlichen Hof⸗Zimmer⸗
meisters zu verleihen.
Se. Majestät der nig haben Allergnädigst geruht:
den Pfarrer Fliegenschmidt in Bobersberg zum 11 der Diözese Krossen a. O. II, Reg⸗Bez.
Frankfurt a. O.,
inisterium der geistlichen, Unterrichts⸗ und .“ Medizinal⸗Angelegenheiten.
Am Schullehrer⸗Seminar zu Usingen ist der bisherige vnnnehürisah Hülfslehrer Michling definitiv als Hülfs⸗
ehrer angestellt. 89 “
ustiz⸗Ministerium.
Dem Ober⸗Landesgerichts⸗Nath, Geheimen Justiz⸗Rath Schmitz in Köln ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt. - 8 bün Ober⸗Landesgerichts⸗Rath Belian in Königsber ist in Folge seiner Ernennung zum Geheimen ö
und Mätalied der Hauptverwaltung der Staatsschulden aus dem Justizdienst geschieden. Venen sind: der Amtsgerichts⸗Rath Dr. Peters in Schwedt als Landgerichts⸗Rath an das Landgericht in Pots⸗ dam, der Amtsrichter Kroenig in Gütersloh als Landrichter an das Landgericht in Paderborn, der Amtsrichter Stude⸗ mund in Kosten an das Amtsgericht in Zeitz, der Landrichter Steiner in Bartenstein als Amtsr chter an das Amtsgericht aselbst und der Landrichter Dr. Stoeckel in Gnesen als mtsrichter an das Amtsgericht I in Berlin. — Dem Amtsgerichts⸗Rath Schaede in Züllichau ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt. . . Dem Notar, Justiz⸗Rath Schlacke in Rogasen ist die achgesuchte Entlassung aus dem Amt als Notar ertheilt. In der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: der Rechts⸗ anwalt Hellweg bei dem Amtsgericht in Laasphe und der Rechtsanwalt Lehmann bei dem Amtsgericht in Gumbinnen. In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: der Rechtsanwalt Dr. Gabriel aus Glogau und der Rechtsanwalt Brühl aus Grätz bei dem Landgericht I in Berlin, der Gerichts⸗Assessor de Weldige⸗Cremer bei dem Landgericht in Paderborn, der Gerichts⸗Assessor Max Neumann bei dem Amtsgericht und bei dem Landgericht in Allenstein, der Gerichts⸗Assessor Louis Rothenberg bei dem Amts⸗ gericht und bei dem Landgericht in Danzig, der Notar Weis⸗ weiler in Wassenberg bei dem Amtsgericht in Heinsberg, der Gerichts⸗Assessor Nippen bei dem Amtsgericht in Rhein⸗ bach und der Gerichts⸗Assessor Eisenecker bei dem Amts⸗ gericht in Waldenburg. Der Amtsrichter Jaekel in Samter, der Rechtsanwalt Knottnerus in Aurich und der Rechtsanwalt Binge in Frankfurt a. M. sind gestorben. 8
MNichtamtliches. Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 25. Oitrober.
Se. Majestät der Kaiser und König trafen am onnerstag kurz nach 5 ½ Uhr Abends mit Sonderzug in lankenburg ein, wo Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht,
Regent von Braunschweig, Allerhöchstdenselben auf dem Bahn⸗
ofe empfing und nach dem Schlosse geleitete. Dort fand um 6 Uhr Diner und um 9 Uhr Theatervorstellung statt. Gestern Vormittag brachen Se. Majestät und die Aller⸗ höchsten und Höchsten Herrschaften um 9 Uhr zur Jagd im Wienröder und Blankenburger Revier auf. Die Rückkehr von der Jagd erfolgte um 4 Uhr; um 5 uh fand Diner statt. Nach Besichtigung der Strecke im Schloßhof war um 7 Uhr Abends wieder Theater und darauf Thee im grauen Saal. Heute früh erfolgte der Aufbruch zur Jagd nach dem Heimburger Revier um 9 Uhr. Um 4 ½ Uhr sollte die Tafel stattfinden und um 6 ½ Uhr Abends die Abfahrt Sr. Majestät ach Station Wildpark erfolgen. —
„W. T. B.“ berichtet aus Blankenburg am Harz: Se. Majestät der Kaiser erlegte bei der gestrigen Treibjagd im Wienröder Revier 35 Stück Schwarzwild, darunter 3 an⸗ gehende Schweine, 6 dreijährige Keiler, 18 zweijährige Keiler und 8 Ueberläufer. Insgesammt wurden von der Jagdgesell⸗ schaft 109 Stück Schwarzwild, 10 Stück Rothwild und 1 Fuchs erlegt. Im Blankenburger Revier brachte Se. Majestät der Kaiser 8 Hirsche, 5 Stück Wildpret, 10 Schweine und 1 Hasen zur Streck.
Gestern Nachmittag 5 Uhr 4 Minuten ist der General⸗ Fldmarsan Graf von Moltke in bestem Wohlsein auf dem ahnhof Friedrichstraße hier eingetroffen. Nach kurzem Auf⸗ enthalt in den Kaiserlichen Wartezimmern bestieg derselbe den bereitstehenden Wagen und begab sich, von dem Publikum lebhaft begrüßt, nach dem Generalstabsgebäude.
Feldmarschall Graf Moltke vollendet am Sonntag sein neunzigstes Lebensjahr.
Dem Willen Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Seiner hohen Verbündeten und dem inneren Drange aller Schichten des Volkes entsprechend, feiert ganz Deutschland diesen Geburtstag als einen nationalen Festtag. Denn den Thaten des greisen Feldmarschalls verdankt es die Nation zu einem sehr wesentlichen Theile, daß sie geeint ist in einem starken Reich, daß sich ihr Ansehen unter den Völkern Europas mächtig gehoben, und daß sie sich nun schon seit Langem den Arbeiten des Friedens un⸗ gestört widmen kann. Es ist ein schuldiger Tribut für den ruhmgekrönten, nie besiegten und trotzdem auch durch Einfachheit und Bescheidenheit großen Feldmarschall, wenn Fürsten und Volk an diesem Ehrentage einmüthig ihm ihren Dank in würdigster Weise zu erkennen geben.
Neunzig Jahre eines köstlichen, aber auch mühe⸗ und arbeitsvollen, segensreichen Lebens liegen hinter ihm. Sie bilden ein Spiegelbild der Geschicke Deutschlands. Mecklen⸗ burg hat die Ehre, wie die unvergeßliche Königin Luise und den Nationalhelden der Befreiungskriege, Fürsten Blücher von Wahlstatt, so auch den größten Feldherrn der Jetztzeit dem Vaterlande geschenkt zu haben. Seinem Vater, der preußischer Hauptmann a. D. war und damals in Parchim wohnte, wurde Hellmuth Karl Bernhard von Moltke am 26. Oktober 1800 als dritter Sohn geboren. Von frühester Jugend an mußte „unser Moltke“ durch eine schwere Lebensschule gehen; schon als sechsjähriger Knabe lernte er in Lübeck, dem damaligen Wohnsitz seiner Eltern, die Schrecken des Krieges kennen, da bei der allgemeinen Plünderung dieser Stadt durch die Franzosen auch das Haus seiner Familie nicht verschont blieb. Spätec, als sein Vater das Rittergut Augustenhof bei Kiel gekauft hatte, kam er in die Kadetten⸗Akademie zu Kopenhagen, wo ihm eine bis zur Härte strenge Erziehung zu Theil wurde. Als er dann die Offiziers⸗ prüfung als der Beste bestanden hatte, mußte er völlig mittellos, nur auf sein Gehalt angewiesen, als dänischer Infanterie⸗ Lieutenant in Rendsburg leben. Da die Beförderungs⸗ aussichten in Dänemark ungünstige waren, Moltke auch einen unwiderstehlichen Drang nach seiner Heimath und zu den Helden fühlte, die den großen Befreiungskampf so glorreich durchgefochten hatten, erbat er seine Uebernahme in die preußische Armee, die ihm 1822 nach noch einmal abgelegter und glänzend bestandener Offiziersprüfung durch Auf⸗ nahme als Second⸗Lieutenant in das 8. Leib⸗ Infanterie⸗Regiment gewährt wurde. In Preußen brachten ihn sein eiserner Fleiß, seine Gewissenhaftigkeit und hohe Begabung bald in den Generalstab, wo er nach den Vertrauensstellungen als Adjutant des Prinzen Heinrich von Preußen, des Bruders König Friedrich Wilhelm's III., und des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, nachmaligen Kaisers Friedrich, schon im Jahre 1857 als einer der jüngsten General⸗Majors durch Ernennung zum Chef des Generalstabes der Armee die leitende Stelle übernahm, die ihm zum Segen des Vaterlandes über dreißig Jahre ver⸗ bleiben sollte. In dieser Zeit lenkten die unvergleichlichen kriegerischen Erfolge des preußischen Heeres in den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 die erstaunten Blicke des deutschen Volkes, ja der ganzen Welt auf Moltke, den weisen Ben ht des sieggewohnten Helden auf Preußens Königs⸗ thron.
Im dänischen Kriege 1864 ist Moltke’'s Name mit dem kühnen Entwurf zur Eroberung der Insel Alsen für immer unzertrennlich verbunden.
Sein Wahlspruch: „Erst wägen, dann wagen!“ bewährte sich in glänzender Weise im Feldzuge 1866, als er mit dem
ielfach angefochtenen Plan, die Armeen von den verschiedensten Stellen in das feindliche Land einrücken zu lassen und auf einem Punkte zu sammeln, der nur nach Niederwerfung feind⸗ licher Streitkräfte zu erreichen war, hervortrat und diesen Plan in richtiger Schätzung der eigenen Truppen und deren sowie in zutreffender Würdigung der Schwächen des egners bis zum Hauptschlag von Königgrätz mit beispiel⸗ losem Erfolge durchführte.
Im Feldzuge von 1870/71 kam der schon 1866 zur An⸗ wendung gebrachte Grundsatz Moltke’s: „Getrennt marschiren und vereint schlagen“ zur vollen Geltung. Der in kürzester Zeit ohne jede Störung ausgeführte Aufmarsch einer mit allen Kriegserfordernissen ausgerüsteten deutschen Armee von 450 000 Mann an der Westgrenze des Reichs, die Ein⸗ schließung einer starken, auf die Festung Metz gestützten feindlichen Armee, sowie die großartige Rechtsschwenkung der Kron⸗ prinzlichen Heeres⸗Abtheilung und der Maas⸗Armee bei Chalons, die zur Katastrophe von Sedan und zur Gefangennahme des Kaisers Napoleon mit der letzten im Felde stehenden fran⸗ zösischen Armee führte, die Einschließung und Aushungerung der Niesenfestung Paris und die Waffenstreckung der Armee von Bourbaki auf schweizer Gebiet erfüllten die Welt mit Bewunderung und lieferten den Beweis, daß eine gut aus⸗ gebildete Armee unter einem König wie Wilhelm I. mit einem Moltke als Rathgeber auch den schwierigsten Aufgaben gewachsen ist.
Wie die Schlachtpläne seinem Kopf entsprangen, so war auch die Ausbildung des Generalstabes sein Werk. Als dans nach den blutigen Kriegen wieder der Fe einzog, widmete sich der Feldmarschall in rastloser Arbeit der weiteren Vervollkommnung des Generalstabes und bildete eine Schule von Generalstabs⸗ Offizieren heran, die Deutschland das Gefühl der Sicherheit giebt, daß für ernstere Aufgaben, die zukünftig an die Armee herantreten, sich Führer finden werden, die es verstehen, Moltke's Lehren in Thaten umzusetzen. Beruhigt sieht ganz Europa auf Deutschland, dem durch die Pflege der Kriegskunst nach Moltke'scher Schule die Erhaltung der Segnungen des Friedens erleichtert wird.
Moltke's Bedeutung ist aber nicht allein militärische Ark. Seit der Begründung des Norddeutschen Bundes erfüllt er mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit die Pflichten eines Volksvertreters. Als solcher hat er im Reichstage vornehmlich in militärischen Fragen bei entscheidenden Anlässen, wenn es sich um die Erhaltung und Stärkung der Wehrkraft handelte, wiederholt das Wort genommen und dann gewöhnlich durch seine einfache, durchschlagende, in klassischem formvollendeten Stil bei gespanntester Aufmerksamkeit des Hauses vorgetragene Rede den Ausschlag gegeben. 1
Auch als Schriftsteller ist Graf Moltke hervorragend. Die unter seiner Leitung von Seiten des Generalstabes heraus⸗ gegebenen Werke sind mustergültig durch die Reinheit der Sprache, die Klarheit der Darstellung und die immer objektive und sachliche Auffassung. In dem Geschichtswerke über die unter seiner Mitwirkung geführten Kriege hat er sich ein un⸗ vergängli ees Denkmal gesetzt.
Die höchsten Auszeichnungen, die König und Vaterland
u vergeben haben, sind dem großen Manne zu Theil gewor⸗
en. Die größten Städte, Universitäten und wissenschaftliche
Gesellschaften haben gewetteifert, ihn zu ihrem Ehrenmitglie
zu ernennen, um hiermit sich selbst zu ehren. Aber das Be⸗ dürfniß, ihm zu seinem Ehrentage neue Zeichen der Dankbar⸗ keit und Verehrung darzubringen, macht sich allenthalben geltend. Des Kaisers und Königs Majestät haben Allerhöchstselbst eine würdige Feier in den Schulen des
Landes befohlen und den Feldmarschall ersucht, zu den
für ihn in Aussicht genommenen festlichen Veranstaltungen nach der Reichshauptstadt zu kommen, um hier des Kaisers
Huld und Gnade und des Volkes begeisterungsvollen Dan persönlich entgegenzunehmen. Se. Majestät haben ferne für die Beglückwünschung des Feldmarschalls durch Allerhöchst
ihre Person, durch die Generalität und durch die Prinzen Bestimmungen getroffen, welche als eine ganz besondere Aus⸗
zeichnung für den Gefeierten gelten müssen und Zeugniß ab⸗ legen von der hohen Werthschätzung des großen Manne
durch Se. Majestät. Die Fürsten und Regierungen der übrigen deutschen Staaten haben gleichfalls Anordnungen für Schul⸗
feierlichkeiten getroffen, und in ganz Deutschland wetteifern
Städte, Vereine und Gesellschaften in erhebenden Kund⸗
gebungen für den greisen Feldherrn.
Aber über alle äußeren festlichen Veranstaltungen hinaus wendet sich der Blick mit Dankgebeten empor für das, was
der Himmel dem deutschen Volke in und mit unserem Moltke geschenkt, aber auch mit dem Segenswunsche, daß es dem greisen Feldmarschall noch lange vergönnt sein möge, sich der
dankbaren Gesinnung seines Königs und des Vaterlandes zu erfreuen, und daß es der deutschen Nation und dem deutschen Heere noch lange beschieden sein möge, ihn als leuchtendes
Vorbild unter den Lebenden wandeln zu sehen.
Einem süddeutschen Blatte war unter dem 8. d. M. von angeblich „sachkundiger Seite“ geschrieben worden, daß die Auffassung, 70 Jahre alte Personen würden schon bei dem Inkrafttreten des Invaliditäts⸗ und Altersversiche⸗
rungsgesetzes Altersrenten erwerben, unzutreffend sei, „da laut §. 157 des Gesetzes vom 22. Juni 1889 die
kritischen 4 Jahre des §. 32 nach Inkrafttreten des Gesetzes zurückgelegt sein müssen, mithin regelmäßig ältere Personen, als solche, die bei Inkrafttreten des Gesetzes 66 Jahre alt
sind, nicht in Betracht kommen werden“.
Diese Ansicht beruht auf einem Mißverständniß. Der
Wortlaut der in Betracht kommenden Bestimmungen des
Gesetzes und die bereits jetzt reichhaltige Literatur über das⸗ selbe schließen jeden begründeten Zweifel in dieser Be⸗ 3
ziehung aus.
Nach §. 157 a. a. O. wird nämlich unter gewissen Vor⸗
aussetzungen die normale Wartezeit für die Altersrente bei
denjenigen Versicherten, welche bei dem Inkrafttreten des Ge⸗ setzes älter als 40 Jahre sind und daher bis zum 70. Lebensjahre
nicht mehr 30 volle Jahre hindurch Beiträge entrichten können,
um so viele Beitragsjahre vermindert, als ihre Lebensjahre zur Zeit der Inkraftsetzung des Gesetzes die Zahl 40 über⸗
steigen.
Haben aber diese Personen die so verminderte Wartezeit zurückgelegt, so haben sie den Anspruch auf die Altersrente nur den in §. 157 a. a. O. vorgesehenen Nachweis erbringen, daß
sie während der letzten drei Jahre vor dem Inkrafttreten des G⸗
setzes in einem Arbeits⸗ oder Dienstverhältniß, das an sich die Versicherungspflicht begründen würde, während dessen sie also
namentlich nicht bereits invalid im Sinne des §. 4 Abs. 2
a. a. O. gewesen sind, thatsächlich gestanden haben und nach dem Inkrafttreten des Gesetzes thatsächlich „versichert“ waren,
sodaß für sie mindestens ein Beitrag auf Grund der Versicherungs⸗ Dazu bemerken die Motive
pflicht entrichtet worden ist. (S. 142) ausdrücklich:
„Hiernach können z. B. Personen, welche zur Zeit des Inkraft⸗ tretens dieses Gesetzentwurfs 70 oder mehr Jahre alt
sind und eine versicherungspflichtige Thätigkeit ausüben, einen
Anspruch auf Altersrente sofort erheben, sobald sie für die diesem Zeitpunkt unmittelbar vorausgehenden drei Jahre den
Nachweis einer solchen Beschäftigung führen.“
Hieran ist durch die von der Kommission des Reichstages
beschlossene Einschiebung der Worte in den 5 157: „unbe⸗ schadet der Vorschriften des §. 32“ nicht das N
gesagt worden war.
Der §. 32 enthält nämlich nur Bestimmungen über Bei⸗ tragsleistung, gilt also nur für die Zeit nach dem In⸗ krafttreten des Gesetzes, denn erst mit dem letzteren Zeitpunkt kann naturgemäß die Verpflichtung zur Beitragsleistung be⸗ nachträgliche Er⸗ begrün⸗
nicht
§. 32 behandelt das durch Beitragsleistung einmal künftige Rente, bereits
ginnen. Der löschen einer deten Anwartschaft auf
aber den Verlust eines erwor⸗
benen Anspruchs auf Rente; ebensowenig enthält er eine Voraussetzung für die Erwerbung solcher Renten, welche
ohne langjährige Beitragsentrichtung erworben werden. Die
Vorschrift des §. 32 findet daher lediglich Anwendung auf solche Personen, welche, um eine Rente zu erwerben, ver⸗ pflichtet waren, längere Zeit hindurch Beiträge zu entrichten, diese Beitragsentrichtung aber fortgesetzt unterlassen haben. c bei dem
alt sind,
So wird z. B. solchen Personen, welche Inkrafttreten des Gesetzes erst 50 Jahre nach den oben angeführten Bestimmungen des §. 157. die Wartezeit für die Altersrente nur um 50 —40 =
10 Beitragsjahre vermindert; sie müssen also, um den Anspruch bis zur Vollendung des 70. Lebensjahres die ihnen an der dreißigjährigen Wartezeit noch fehlenden 20 Lebensjahre hindurch noch thatsächlich Beiträge entrichten. Versäumen sie dies in dem Maße, daß sie während 4 aufeinander folgender Kalenderjahre insgesammt für weniger als 47 Wochen Beiträge leisten, so ist für sie allerdings — aber durch ihre eigene Schuld — der Anspruch auf Alters⸗
auf Altersrente zu erwerben,
rente bis auf Weiteres hinfällig geworden. Solchen Personen
aber, welche um deswillen, weil sie bei dem Inkrafttreten des Gesetzes bereits 70 oder mehr Lebensjahre zählen, den Anspruch auf Altersrente durch einen einzigen, auf Grund einer versicherungspflichtigen Beschäftigung entrichteten Bei⸗ kann und soll dieser bereits
trag bereits erworben haben 8
Sitzung zur Vorbereitung der Berathungen und zwar unter Zuziehung einiger nicht zu den Räthen des
elbst bereits erworben, sofern sie
indeste geändert worden. Durch die Bezugnahme auf den §. 32 wird vielmehr nichts Anderes zum Ausdruck gebracht, als dasjenige, was in dem Gesetzentwurf durch die Worte: „unbeschadet ihrer Bei⸗ tragspflicht für die Zeit nach dem Inkrafttreten des Gesetzes“
eryworbene Rentenanspruch nicht nachträglich um des⸗ weiillen entzogen werden, weil sie spätere Beiträge nicht mehr entrichten. .
Hieraus ergiebt sich, daß die überaus humane Uebergangsbestimmuna des §. 157 a. a. O. nicht nur auf die bei dem Inkrafttreten des Gesetzes 66 Jahre alten
Personen, sondern auf alle bereits 70 und mehr Jahre alten Versicherten in vollem Umfange Anwendung
Verschiedene Blätter bringen, anscheinend nach einer Mit⸗ theilung in der „Staaten⸗Correspondenz“, die Nachricht, daß die Enquete⸗Kommission zur Vorberathung der Reform des höheren Schulwesens am Donnerstag ihre Sitzungen im Kultus⸗Ministerꝛ um begonnen habe. Diese Notiz ist in der Hauptsache unrichtig. Wie schon viel⸗ fach, so hat auch an dem genannten Tage eine stattgefunden,
Ministeriums gehöriger Herren. Die Enquete⸗Kommission selbst kann mit Rücksicht auf den nahen Zusammentritt des Landtages erst dann einberufen werden, wenn die ersten Lesungen des Abgeordnetenhauses über die großen Reform⸗ gesetze beendigt sind und den Nächststehenden die Möglichkeit gegeben ist, an den Berathungen der Kommission persönlich
Theil zu nehmen
Der Königlich schwedisch⸗norwegische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe von Lagerheim hat einen ihm von seiner Regierung bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Berlin fungirt der Legations⸗ Sekretär Gude als Geschäftsträger.
In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „R. u. St.⸗A.“ wird ein Privilegium wegen Ausfertigung auf den Inhaber lautender Anleihescheine der Stadt Halber⸗ st füht. Magdeburg im Betrage von 600 000 ℳ ver⸗ öffentlicht.
8 Breslau, 24. Oktober. Der Fürst⸗Erzbischof von Prag
Kardinal Graf von Schönborn stattete, wie die ,Schles.
Ztg“ berichtet, gestern bald nach seiner Ankunft dem Ober⸗
Präsidenten von Seydewitz einen Besuch ab. Nachmittags fand im fürstbischöflichen Palais zu Ehren des Kardinals ein, Diner statt. Heute hat sich der Kardinal nach Schloß Pförten in der Lausitz begeben.
Heinrichau, 24. Oktober. Dr. Peters traf gestern, wie wir der „Schles. Ztg.“ entnehmen, zum Besuch Sr. König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs von Sachsen mit Dr. Schröder⸗Poggelow hier ein und wird, soviel bis jetzt ver⸗ lautet, bis morgen hier verweilen. — Der Großherzog wird sich morgen früh nach Berlin begeben.
Sigmaringen, 24. Oktober. Ihre Königlichen Hoheiten der Graf von Flandern und der Prinz Balduin von Flandern haben, nach einer Meldung des „W. T. B.“,
heute die Rückreise nach Brüssel angetreten. Ihre Hoheit
die Herzogin von Anhalt und Se. Durchlaucht der J . Eduard von Anhalt sind nach Dessau zurück⸗ gekehrt.
Bei dem Bankett am Vorabend der Enthüllung des
Denkmals für den Fürsten Karl Anton ging an Se. Majestät den Kaiser folgende Depesche ab: 8 „Mehr als 300 Männer aller Stände, versammelt zur Vorfeier der Enthüllung des Denkmals für den bochseligen Fürsten Karl Anton von Hohenzollern, senden Ew. Majestät das Geloöbniß, im Geiste jenes edlen deutschen Fürsten und Vaterlandsfreundes allezeit in unerschütterlicher Treue und Hingabe einzustehen für Kaiser und ist, d hw. Merk
Hierauf ist, dem „Schw. Merk.“ zufolge, gestern von
Berlin folgende Antwort eingetroffen: „Se. Majestät der Kaiser und König lassen für die loyale Kundgebung der zur Vorfeier der Enthüllung des Denkmals für weiland den Fürsten Karl Anton versammelten Festgesellschaft bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der Geheime Kabinets⸗ Rath von Lucanus.“
Sachsen.
Dresden, 24. Oktober. Ihre Majestät die Königin ist, wie das „Dr. J.“ meldet, von Sigmaringen zurückkehrend, heute Vormittag in Schloß Wermsdorf eingetroffen. Se.
Königliche Hoheit der Prinz Christian von Schleswig⸗
Holstein ist heute Vormittag hier angekommen. Ihre
Hoheit die Prinzessin Feodora von Schleswig⸗ Holstein war zur Begrüßung des hohen Verwandten auf dem Böhmischen Bahnhofe erschienen.
Mecklenburg⸗Schwerin.
Schwerin, 24. Oktober. Von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog sind, wie die „Meckl. Nachr.“ mittheilen, Nachrichten aus Athen eingetroffen. Die Ankunft daselbst erfolgte am 22. d. M. früh, die Ueberfahrt war gut, das Be⸗ finden Sr. Königlichen Hoheit leidlich. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden sind heute Nachmittag nach Berlin zurückgekehrt.
Oldenburg.
H.) Oldenburg, 23. Oktober. Der neuernannte bischöfliche Official Grobmeyer in Vechta ist heute in sein Amt eingeführt. Se. Königliche Hoheit der Großherzog
hat demselben den Titel Geheimer Ober⸗Kirchen⸗Rath ver⸗ liehen und “ zum Vorsitzenden des katholischen Ober⸗Schulkollegiums in Vechta ernannt. Nachdem der Commendatore Michelangelo Pinto zum italienischen General⸗Konsul mit dem Amtssitz in Hamburg ernannt worden und demselben das Exequatur Namens des Reichs ertheilt ist, hat das Großherzogliche Staats⸗Ministerium solches mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß dem Amtsbezirk des italienischen General⸗ Konsulats zu Hamburg, wie bisher, das Großherzog⸗ hum Oldenburg zugewiesen und der Commendatore dichelangelo Pinto zur Ausübung konsularischer Funktionen m Großherzogthum zugelassen sei. Sachsen⸗Meiningen.
Meiningen, 23. Oktober. Der Landtag hat gestern, wie die „Weim. Ztg.“ berichtet, die Verhandlung über die Staaterechnungsprüfung fortgesetzt, eine Nachwahl genehmigt
und einige Kommissionswahlen vorgenommen. Der eingebrachte Nachtrags⸗Etat fordert folgende “ 3250 ℳ für einen Registrator und einen Hülfskanzlisten im Staats⸗ Ministerium, 3350 ℳ für einen Revisor des gerichtlichen Kostenwesens, für die Volksschule 11 500 ℳ zu dem jetzt mit 51 000 ℳ bestehenden Zuschuß aus der Landeskasse, für Ver⸗ stärkung des Personals bei der Katasterführung 8400 ℳ, für Uniformirung der Steueraufseher 2000 ℳ, zur Entschädigung jüngerer Forstbeamten, welche durch Einziehung der Ober⸗ förstereien in Nachtheil kommen, 1090 ℳ
Parlamentarische Nachrichten.
Der Landrath von Lösch, Mitglied des Hauses der Abgeordneten für den 6. Liegnitzer Wahlbezirk (Jauer⸗ Bolkenhain⸗Landeshut), hat nach der „Köln. Ztg.“ sein Mandat niedergelegt.
— Dr. Krebs, Mitglied des Hauses der Ab⸗
geordneten für den 2. Aachener Wahlbezirk (Eupen⸗Aachen⸗ Stadt Aachen), ist gestorben.
“ Moltke⸗Feier.
Das „Militär⸗Wochenblatt“ widmet dem Jubilar folgenden Beglückwünschungs⸗Artikel:
Am 26 Oktober vollendet General⸗Feldmarschall Graf von Moltke sein neunzigstes Lebensjahr. Ein seltener Freudentag für⸗ wahr, ein neunzigster Geburtstag, sonst zumeist still und gedanken⸗ voll im kleinen Kreise begangen — heute wird er zum Festtage für das preußische Heer, dem der Feldmarschall als der Erste nach dem obersten Kriegsherrn angehört, für Alldeutschland, das dankbar und stolz den greisen Helden den Seinen nennt.
Nicht noch einmal soll versucht werden, unserecs theuren Feld⸗ marschalls Tugenden und Verdienste, seine Feldherrngröße zu schildern heut gilt es nur zu wünschen und zu danken.
u wünschen gilt es, daß dem Helden, der auf ein köstliches Leben, ein Leben voll Mühe und Arbeit zurückschaut, Gottes Gnaden⸗ sonne den Lebensabend mild erheiternd und erwärmend bestrahle, damit er, das hehre Vorbild jeglicher Mannes⸗ und Soldatentugend, der Armee und dem Volke noch lange als hellleuchtendes Beispiel erhalten bleibe.
Zu danken gilt es dem Allmächtigen, der ihn so geformt, wie die Welt ihn kennt, und ihn uns gegeben hat zum Heil des Vater⸗ landes, zum Wiederaufbau des Reichs, zum Lehrer und Führer der Führer des Heeres. Zu danken gilt es unseren Herrschern, zuerst Kaiser Wilhelm dem Siegreichen, der ihn an die Stelle setzte, wo er Unsterb⸗ liches schuf, dann den erhabenen Nachfolgern des großen Kaisers, die wie dieser nach echter Hohenzollernart die Helden nach Verdienst und neidlos ehrten. Zu danken schließlich gilt ihm, dem heut Gefeierten, selbst für das, was er gethan, nicht um des eigenen Ruhmes willen, sondern von Kopf bis Fuß ein kategorischer Imperativ der Pflicht Hührcgönis und Vaterland: allezeit treu bereit für des Reiches Herr⸗ ichkeit.
Manch goldenes Wort verdanken wir ihm, und sein Wappen⸗ spruch: „Erst wägen, dann wagen“ ist in Aller Munde. Aber der Spruch sollte auch Allen, dem ganzen deutschen Volk, eine Lehre, ein Leitstern sein. Mögen wir Alle, als Einzelne wie als Nation, wägen, ob unser Wollen vor Gott bestehen kann, ob es wahrhaft, gerecht und treu ist. Ist unser Wollen so gewogen, dann hat es mit dem Wagen keine Noth. Dann kann das Volk in Waffen, das Heer, geführt von seinem erhabenen Kriegsherrn, geleitet in Moltke⸗ schem Geiste, getrost den Kampf wagen für die heiligen und edlen Güter, die von der Vorsehung ihm zu schützen aufgegeben sind, für Altar und Thron, für Gesittung, Ehre und gutes Recht gegen die finsteren Mächte, die dräuend ihre Gorgonenhäupter erheben. Dann wird in jedem einzelnen Streiter ein Hauch Moltke'schen Geistes wehen, ein Jeder wird dann tüchtig sein, und, wie der Feldmarschall sagt: „Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige“.
Der „Hannoversche Courier“ schreibt in seinem Fest⸗ artikel:
Der größte der lebenden Strategen, einer der gewaltigen Männer, deren Namen neben demjenigen des großen Kaisers die Geschichte unverwischbar in ihre Blätter eingetragen hat, Helmuth Graf Moltke, vollendet morgen sein 90. Lebensjahr. Wir glauben, daß aus diesem Anlaß eine Würdigung seiner Bedeutung, ein Abriß seines Lebensganges unseren Lesern willkommen sein wird. Den Rückblick auf eine großartige Thätigkeit können wir dabei mit der Freude darüber verbinden, daß der von Gott Begnadete trotz seiner neunzig Jahre auf die Mitarbeit zum Heile des Vaterlandes keineswegs ganz zu verzichten brauchte. Dem Heere ist der große Feldmarschall, nachdem er gerade 18 Jahre nach den ersten, für den ganzen Erfolg des ruhm⸗ vollen Krieges grundlegenden Siegen auf französischem Boden die Leitung des Generalstabes in die Hand eines seiner Schüler ge⸗ legt, ja als Präses der Landesvertheidigungskommission, als solcher Nachfolger des edlen Dulders Kaisers Friedrich, erhalten geblieben, und oft noch hat der greise Feldmarschall auch nach seinem Rücktritt vom Amt im Reichstage unter lautloser Stille die Macht seiner Rede für die bere tigten Forderungen der Armee wirken lassen. Ist das Heerführerthum auch das glänzendste der Verdienste des großen Mannes, so erschöpft es diese doch bei Weitem nicht; in Moltke haben wir auch den Organisator, den Staatsmann und den Schriftsteller zu feiern. Die Leistungen der Armee im Kriege sind der Prüfstein für das Schaffen im Frieden, und nimmer wird man es leugnen wollen, daß neben dem großen Kaiser Moltke die Seele dessen gewesen, was an Fortschritten auf dem Gebiete der Tattik, der Kriegsvorbereitung, Organisation, militärischen Ausnutzung und Einrichtung des Eisenbahnnetzes und für die großen Grundzüge der Landesvertheidigung geleistet worden ist. Scharf denkend, erst wägend; dann aber auch wagend, was er mit strenger Logik erwogen, sah Graf Moltke in der Kriegsführung nicht eine zu erlernende Wissenschaft, sondern eine Kunst der Ausführung; syste⸗ matisch wurde das Werkzeug geschmiedet, das dann mit klarer Ueber⸗ sicht der gesammten Lage, mit scharfer Abwägung der beiderseitigen Verhältnisse, mit unerschütterlichem Beharren auf dem einmal ge⸗ faßten Entschluß, die sichere Hand zerschmetternd auf den Gegner niederfallen ließ. Der Feldherr mußte aber auch Staatsmann sein, denn der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit den Mitteln der Gewalt. Brauchen wir besonders zu betonen, daß der Feldmarschall die politische Gesammtlage über⸗ sah? Herrschte nicht tiefste Stille im Reichstage, wenn er in seiner klaren bündigen Weise Streifblicke auf die innere wie äußere Politik warf? Auf literarischem Gebiet hat uns der Feld⸗ marschall, auch abgesehen von den unter seiner Oberleitung und auf seine Anregung geschaffenen Werken des Großen Generalstabes, Gaben von unschätzbarem Werthe geboten, Gaben, wie sie nur der zu bieten vermag, der wie er aus der reichen Quelle schärfsten Denkens, reichsten Wissens und gereiftester Erfahrung schöpft... 1
Mit Schrift und Wort ist der große Stratege eingetreten dafür, daß Deutschland nur dann seine Größe erhalten könne, wenn es den Willen zeige, eventuell Alles an Alles zu setzen; die Annahme der Wehrgesetznovelle hat auf des großen Kaisers und Moltke's Appell geanwortet. Sollen wir an die denkwürdige Rede des großen Schweigers in der letzten Reichstagssitzung erinnern? Sie zeigt, daß sein Geist hell, seine Rede klar, sein Wille ungebrochen ist, seine Worte haben wahrlich den Eindruck nicht verfehlt. Hunderte von Thatsachen beweisen, wie hoch der Enkel des großen Kaisers den Feldmarschall schätzt, und die neuen Ehren, welche
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er dem an Ehren Reichen zum morgigen Tage mit pietätvollem Sinn zugedacht, legen abermals Zeugniß dafür ab. Auch nachdem der groß Schlachtendenker die Leitung des Generalstabes, der in seiner heutigen Gestalt sein Werk ist, niedergelegt, wiegt sein Rath schwer; so lange der General⸗Feldmarschall athmet, wird sein Wort gehört werden. Alldeutschland aber ist einig in dem Wunsche, den die Kabinets⸗Ordre des großen Kaisers vom 8. März 1879 aussprach: Möge der siegreiche Schlachtendenker dem Kaiser, der Armee und dem Vaterlande noch
viele Jahre erhalten bleiben!
Sämmtliche heutigen Londoner Morgenblätter widmen, wie „W. T. B.“ meldet, dem Grafen Moltke höchst anerkennende Leitartikel. Der „Standard“ sagt: Andere Soldaten hätten nur Ruinen hinterlassen, während Moltke bei Gründung eines Reichs wesentlich geholfen habe; kein Lob könne groß genug sein für einen solchen Mann, keine Aus⸗ eichnung übertrieben; Moltke sei eine Ehre, nicht nur sur Deuschland, sondern für die Menschheit überhaupt. Die „Morning Post“ schreibt: Der Abend seines Lebens sei so glänzend, wie sein Anfang; die Engländer möchten sich mit den Deutschen vereinigen, um einer Lauf⸗ bahn zuzujubeln, welche ebenso glänzend wie fleckenlos Die „Times“ äußert sich dahin: Kein Heerführer, selbst Wellington nicht, scheine weniger Fehler gemacht zu haben; so lange die Kriegskunst studirt werde, würden Moltke’s Feldzüge ebenso den Gegenstand der Aufmerksamkeit bilden, wie die italienischen Feldzüige Napoleon’'s. Das Geschick scheine Moltke nichts versagt zu haben. Es gewährte ihm eine lebens⸗ volle Jugend, ein glückliches häusliches Leben, Erfolge ohne Gleichen im Beruf, die höchsten soldatischen Ehren, zahlreiche Freunde, die Zuneigung und das Vertrauen seines Souveräns, ein ruhiges Alter. Ein ehrwürdiger Feldherr, schaue er heute auf ein für solche Leistungen und einen so erhabenen antiken Charakter dankbares Volk. Die „Daily News-“ fassen ihr Urtheil dahin zusammen: Die deutsche Einheit sei ohne Bismarck schwer denkbar, ohne Moltke jedoch positiv undenkbar.
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„Im Generalstabsgebäude ist man noch in voller Thätigkeit, um die Räume für die N8g86gg fest⸗ lich zu schmücken. Die Vorfahrt unter dem großen Balkon wird mit Gehängen verkleidet und mit Topfgewächsen verziert und so eine Art Zelt gebildet werden, unter dem der Zubilar heute Abend während des Fackelzuges auf einem er⸗ höhten Podium Platz nehmen wird. Das große Treppen⸗ haus wird reich mit prächtigen Pflanzen geschmückt. Der große Saal des Generalstabsgebäudes, in dem der feierliche Akt der Beglückwunschung sich vollziehen wird, ist nach den Angaben des Architekten Hoffacker in ebenso reicher wie sinniger Weise geschmückt worden. Hinter dem Kriegerrelief des Kamins erheben sich ver⸗ goldete Palmen, den Kamin zieren die Büsten der drei Kaiser; zwischen den Säulen ziehen sich altgoldene Gehänge hin, über die sich vergoldete Palmenwedel legen; an den Säulen selbst sind mächtige goldene Cartouchen mit deutschen Adlern angebracht, vie von deutschen und preußischen Fahnen umrahmt sind. Die Ecken des Saales und die Kaminwand sind außerdem reich mit Pflanzen geschmückt. Bereits jetzt sind auch schon viele schöne und kostbare Geburtstagsgeschenke für den Grafen Moltke eingetroffen, welche in den nach dem Königsplatz zu belegenen Zimmern aufgestellt worden sind. Heute Vormittag 10 Uhr sind die Fahnen des Gre⸗ nadier⸗Regiments Graf Gneisenau (2. Pomm.) Nr. 9, dessen Chef Graf Moltke ist, auf dem Stettiner Bahnhof ein⸗ getroffen und durch eine Sektion des Regiments nach dem S . Schlosse gebracht worden.
n den Schulen fiel auf Allerhöchsten Befehl heute der Unterricht aus; die Schüler versammelten sich in allen höheren und niederen Anstalten zu einem Festakt, in dem durch Rede, Deklamation und Gesang auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. Vielfach wurden Bücherprämien vertheilt, welche auf den General⸗Feldmarschall und seine Verdienste Bezug haben.
In Spandau veranstalten die bei den dortigen staat⸗ lichen Anstalten kommandirten Offiziere zur Feier des Ge⸗ burtstages des General⸗Feldmarschalls Grafen Moltke am Sonntag Abend ein Festessen.
„In Schleswig veranstaltete heute Vormittag die Bittors'sche Töchterschule eine Gedächtnißfeier am Grabe der Mutter des Grafen Moltke. Der Divisionspfarrer Büttel hielt eine Ansprache über die Mutterliebe. Zum Schluß der Feier sangen die Kinder zwei Choräle und sehehh. da⸗ Gnes ünt
Eine öffentliche oltke⸗Feier ist in Stuttgart für Montag, den 27. Oktober, geplant. Das Comité füs die⸗ selbe, bestehend aus Ober⸗Bürgermeister Dr. von Hack, dem Reichstags⸗Abgeordneten Siegle und Landtags⸗Abgeordneten Stalin, Mitgliedern des Gemeinderaths, Bürgerausschusses und Liederkranzes, trat gestern Abend im großen Rathhaus⸗ saal unter Vorsitz des Stadtvorstandes zusammen und berieth die Einzelheiten der Feier, welche im Festsaal der Liederhalle stattfindet. Die Festrede wird Professor Otto Güntter halten,
In Rostock finden, wie „W. T. B.“ von dort meldet, heute Abend Vorfeiern der Militärvereine u. s. w. statt. Morgen vereinigt die Offiziere des Füsilier⸗Regiments Nr. 90 ein Festmahl. Stadt und Hafen legen Flaggenschmuck an.
Heute Abend findet in Braunschweig eine öffentliche Feier des Geburtstages des Grafen Moltke statt.
Auch Mülhausen i. E. wird eine Moltke⸗Feier haben. Der dortige Kriegerverein hält heute Abend eine Versammlung ab, zu der alle Vereine Mülhausens ein⸗ geladen worden sind.
In Helgoland wird heute Abend aus Anlaß des Geburtstages des General⸗Feldmarschalls Grafen Moltke ein Festcommers abgehalten werben.
Die deutsche Kolonie in Moskau übersandte dem Grafen Moltke einen Prachtband mit Ansichten von Moskau und Aquarellen sowie Darstellungen über den Besuch des Feld⸗ marschalls in der alten Czarenstadt.
Die deutsche Kolonie in Belgrad veranstaltet morgen Abend ein Festbankett zur Feier des Geburtstages des General⸗ Feldmarschalls.
Aus dem „Wolff'schen telegraphischen Bureau“ liegen ferner heute schon folgende Berichte über festliche Veranstal⸗ tungen im In⸗ und Auslande vor:
Königsberg i. Pr. Heute Vormittag fanden anläßlich des Geburtstages des General⸗Feldmarschalls Grasen Moltke in allen Volksschulen und höheren Lehranstalten Festakte statt. Der Ober⸗Bürgermeister ist
nach Berlin abgereist, um dem Grafen Moltke den Ehren⸗