8 8 6 9 8
31. Dezember 1888 auf 332 073 912 Fr. Ende, 1889. Von den neueingetretenen Sparern waren 169 922 Männer, 123 644 27 % der Einlagen wurden für Minderjährige, 14 von
rundeigenthümern und Rentnern, 15 von Handwerkern, 12 von Dienstboten gemacht. 42 % der Sparkassenbücher lauteten auf 20 Fr. und weniger, 29 % auf 21 bis 100, 9 % auf 101 bis 200, 12 % auf 201 bis 500, 15 % auf 501 bis 2000 Fr. und der Rest auf höhere
Beträge.
Kunst und Wissenschaft
In Künstlerkreisen herrscht über die Frage, ob in Berlin 1891 eine internationale Ausstellung zu veranstalten sei, noch keine Einmüthigkeit. Der Verein Berliner Künstler gat sich noch nicht bindend und für die Ausführung entschie⸗ den; eine mächtige Förderung hat aber der Ausstellungsplan da⸗
durch erhalten, daß der Kultus⸗Minister, wie die „N. A. Z.“ hört, auf die Anfrage des Vereins erklärt hat, er sei bereit, dem Be⸗ schluß der Akademie der Künste beizutreten, Geldmittel im Be⸗ trage von ungefähr 25 000 ℳ zur Ausschmückung des Ausstellungs⸗ gebäudes zu bewilligen und sei geneigt, den Reichskanzler und die betreffenden anderen Minister für den Plan zu interessiren. Auf Grund dieser Erklärung ist man jetzt damit beschäftigt, ein Pro⸗ gramm für die Ausstellung auszuarbeiten, auf Grund dessen man dem Kultus⸗Minister den vollständigen Plan zur Prüfung unterbreiten kann. Erst nachdem dieser die Genehmigung erhalten, wird die endgültige Beschlußfassung möglich sein.
— Einen in Rom ausgegrabenen Marmorsarkopbag, der an seinen Außenflächen eine Reliefdarstellung aus der Geschichte von Jason und Medea enthält, haben, der „N. A. Z.“ zufolge, die hiesigen Königlichen Kunstsammlungen erworben. Das aus der Kaiserperiode stammende Werk wird gegenwärtig von Künstlerhand zusammengesetzt und erhält später einen Platz im Alten Museum.
— Im Namen der Geographischen Gesellschaft in Kopenhagen überreichte, wie „W. T. B.“ meldet, deren Vize⸗ Präsident gestern im Beisein des Königs und des Prinzen Wal⸗ demar dem Entdeckungsreisenden Nansen die goldene Medaille
in Anerkennung seiner Forschungen auf Grönland. Nansen dankte für die Auszeichnung und theilte mit: er beabsichtige im Juni 1892 eine Fahrt nach dem Nordpol zu unternehmen. Mit einem leichten Schiffe wolle er von der nordsibirischen Küste stromwärts nach Spitz⸗ bergen gehen; er berechne die Ausführung seines Planes auf die Dauer von zwei Jahren, nehme jedoch Proviant auf 5 Jahre und ferner
einen Ballon mit.
8 — Die vom New⸗York Herald“ verbreitete. in Nr. 266 des „R.⸗ u. St.⸗A.“ erwähnte Nachricht, daß die französische Regierung Millet's „Angelus“ zurückgekauft habe, ist, wie man der „Voss. Ztg.“ berichtet, erfunden. Die Wahrheit ist, daß
Chauchard, der Mitbesitzer des Louvre⸗Magazins, das Bild für seine rivatgalerie erstanden hat 3
6
Literatur.
* Deutschland nach Ostenl! von Paul Dehn. Der II. und III. Theil dieses im G. Franz'schen Verlag (J. Roth) in München und Leipzig erscheinenden Werks, dessen I. Theil sich mit Land und Leuten auf der Balkan⸗Halbinsel beschäftigte, „Oesterreich⸗Ungarn im reichsfreundlichen Licht“, will in Deutschland das Inter⸗ esse und zugleich das Verständniß für die eigenthümlich schwierigen und verwickelten inneren Zustände der österreichisch⸗ ungarischen Monarchie wecken und fördern. Eine eingehende Kenntniß dieser eigenthümlichen Verhältnisse ist nur denen zu erwerben möglich, welche sich an Ort und Stelle eingehender Studien befleißigen, und aus diesem Umstande erklärt sich hinlänglich das geringe Ver⸗ ständniß für die Vorgänge in Oesterreich⸗Ungarn und deren falsche Auffassung, wie sie in Deutschland noch vielfach zu sind. Auf Grund eines neunjährigen Aufenthalts der österreichisch⸗ ungarischen Monarchie sucht nun der Verfasser diesem Uebelstande durch eine möglichst objektive, von Parteiinteressen unbeeinflußte Darlegung der staatsrechtlichen Verhältnisse zwischen Oesterreich und Ungarn, in Böhmen, Galizien, Kroatien u. s. w., wie sie sich im Leben entwickelt haben, abzuhelfen. Zu diesem Zwecke führt er den Leser in die nationalen Gegensätze und Parteikämpfe der Monarchie ein und eröffnet zugleich Ausblicke in die künftige Gestaltung des Landes und seiner einzelnen Bestand⸗ theile. Wir lernen die nationalen Kämpfe und Parteiungen in Oester⸗ reich wie in Ungarn, die tschechoslavischen und polnischen Staatsideale mit ihren panslavistischen Unterströmungen kennen, die ruthenische Frage wird erörtert und die Zustände im kroatisch⸗slavonisch⸗dalma⸗ tinischen Königreich werden einer genauen Untersuchung unterzogen, wodurch vieles klar gemacht und in das rechte Licht gesetzt wird. „Von besonderem Interesse ist die eingehende Besprechung der so⸗ zialpolitischen Zustände. Der Verfasser bedauert, daß alle sozialen Reformen, mit denen die Regierung vorgegangen ist, bei den öster⸗ reichischen Deutschliberalen, den Polen und Altczechen auf einen so zähen und eifrigen Widerstand gestoßen, und daß außer der Einführung der Fabrikinspektion und der Verschärfung des Arbeiterschutzes nennens⸗ werthe Erfolge kaum zu verzeichnen seien und Oesterreich somit in dieser Beziehung noch hinter Deutschland zurückstehe.
Was das Verhältniß Oesterreich⸗Ungarns zu Deutschland an⸗ betrifft, so spricht sich der Verfasser dahin aus, daß die vielen seit Jahrhunderten dort vor sich gehenden politischen und sozialen Um⸗ wälzungen weder das Land noch die Leute in den deutschen Theilen der Monarchie in ihrer Art zu verändern vermocht haben und auch in Zukunft keine Aenderung werden bewirken können. Oesterreich werde immer zu Deutschland stehen, dafür bürge schon der Umstand, daß der Staat sich ohne die allergrößte Gefahr für sich selbst niemals in Widerspruch mit dem Bewußtsein des zablreichsten und tüchtigsten seiner Volksstämme setzen werde, dessen offenbarer
ille ein ewiger Bund mit Deutschland“ sei. Aber auch die übrigen Völkerstämme der Monarchie stehen nach Ansicht des Verfassers dem Deutschen Reich keineswegs feindselig gegenüber, auch Diejenigen nicht, welche mit den Deutschen innerhalb der Monarchie streiten, wenn
auch nicht wie die Deutschen aus vollem Herzen, so doch aus Verstandes⸗
rücksichten und aus kühler Ueberlegung.
Der zweite Theil des Wertes ist einer sehr gründlichen Er⸗ örterung des wirthschaftspolitischen Verhältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn gewidmet. Nach einem historischen Ueberblick über die Zollverhältnisse beider Staaten zu einander und einer Statistik des Verkehrs zwischen beiden Ländern, aus welcher sich er⸗ giebt, daß nur zwischen wenigen Ländern so innige und so lebhafte Verkehrsbeziehungen bestehen, als zwischen den beiden großen mittel⸗ europäischen Reichen, sowohl hinsichtlich des Personen⸗ als des Nachrichten⸗ und Güterverkehrs, kommt der Verfasser auch auf die in jüngster Zeit das allgemeine Interesse mehr als bisher in Anipruch nehmende Frage einer Zolleinigung zwischen beiden Ländern. Eine solche mwürde seiner Ueberzeugung nach für beide Reiche eine Reihe bedeutender nicht zu unterschätzender Vortheile mit sich bringen. Für Deutschland würden die Vortheile hauptsächlich in der Erweiterung des Absatzmarktes der deutschen Industrie auf Oesterreich⸗Ungarn bestehen. Ermünscht würde ferner auf Grund der reichlichen Produktion der österreichisch⸗ ungarischen Landwirthschaft die Sicherung vor allzugroßer Ver⸗ theuerung der Lebensmittel sein, welche ebenso im Interesse der deutschen Industrie und ihrer Arbeiterernährung wie in dem der deutschen Landwirthschaft liege, welche, da sie den Bedarf an Getreide allein nicht decken könne, im Fall von Mißernten und Theuerung eine Aufhebung der Getreidezölle nicht mehr zu befürchten haben würde, weil Oesterreich⸗Ungarn den Ausfall beschaffen könnte. Außerdem würde sich für eine Reihe deutscher Industrien die Möglichkeit billigerer Beschaffung der Rohstoffe und dem deutschen Kapital ein neues, weites Feld der Thätigkeit darbieten. In Oesterreich⸗Ungarn würden die „Vortheile einer Zolleinigung hauptsächlich der Landwirthschaft zu Gute kommen, aber auch das industrielle Leben daselbst würde gewinnen, namentlich in den deutschen Alpenländern,
und wo mit Hülfe von deutschen Unternehmungs⸗ und Arbeitskräften; allerlei industrielle Anlagen geschaffen werden könnten. Gewinnen würde endlich die österreichisch⸗ungarische Industrie auf dem Welt⸗ markt, indem sie sich dem Aufschwung anschlösse, welchen Deutschlands Handel und Industrie auf diesem Gebiet genommen. Als einen weiteren Vortheil bezeichnet der Verfasser schließlich die wirthschaftspolitische Wiedereroberung der Balkanstaaten, welche seit dem Krimkriege allmählich an die englische und französische Konkurrenz verloren gegangen seien.
Zei dem beschränkten zu Gebote stehenden Raum haben wir hier nur kurz die Hauptpunkte des interessanten Werkes hervorheben können, dessen eingehendes Studium Allen, welchen die Fortentwicke⸗ lung des jetzigen Verhältnisses zwischen beiden Völkern am Herzen liegt, mancherlei Neues bringen wird.
= Von „Neumann⸗Spallart“ erscheint jetzt eine neue Ausgabe in Lieferungen; nach dem Tode des Verfassers wird das Werk, dessen Titel „Uebersichten der Weltwirthschaft“ (Verlag für Sprach⸗ und Handelswissenschaft, Dr. P. Langenscheidt in Berlin) lautet, von dem bekannten Statistiker Regierungs⸗Rath von Juraschek, der auch Hübner's statistisches Tabellenwerk fort⸗ setzt, herausgegeben. Die Lieferung kostet 1 ℳ; es sind deren 12 — 15 in Aussicht genommen. Es bedarf wohl keiner ausdrücklichen An⸗ preisung des Werkes mehr, mit welchem der verstorbene Verfasser sich auf volkswirthschaftlichem Gebiete berühmt gemacht hat. Auch der Name des neuen Herausgebers bürgt für die Gediegenheit der neuen Ausgabe, von welcher soeben die 1. Lieferung erschienen ist. Die Zahlen der letzten Ausgabe, die vor fünf Jahren erschien, sind vielfach veraltet, das Bedürfniß einer Fortführung des Werks nach dem gegenwärtigen Stande der statistischen Ermittelungen kann nicht bestritten werden; sie wird jedem Wirthschaftspolitiker willkommen sein. Obwohl an der Form und an dem wesentlichen Inhalt des Werks nichts geändert ist, so ist es von Hrn. von Jura⸗ schek doch vollkommen neubearbeitet worden, da die fruͤher publizirten Zahlen zu prüfen waren und den großen Fortschritten, welche sich in der Zwischenzeit auf dem Gebiet der Statistik geltend gemacht haben, Rechnung getragen werden mußte. Die Neubearbeitung wird den Werth des bekannten statistischen Nachschlagebuchs wesentlich erhöhen.
* Die Maxime des Arbeitsschutzes. Programmbemer⸗ kungen zur sozialen Reform in Deutschland. Berlin, Verlag von Siemenroth u. Worms. Der ungenannte Verfasser tritt mit Ent⸗ schiedenheit für eine Verkürzung der Arbeitszeit mit Hülfe der Staats⸗ gewalt ein. Durch eine solche, je nach den Bedingungen der Produk⸗ tion und der Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Industriezweige ver⸗ schiedene Normirung glaubt er, daß nicht nur der Degeneration der Arbeiter Stillstand geboten werden könne, sondern auch die Zahl der Arbeitslosen vermindert werden würde. Auch die Großindustrie würde seiner Ansicht nach durch eine Verkürzung der Arbeitszeit angestachelt werden, das Produktionsfeld für die zuschüssigen Arbeiter⸗ hände zu erweitern oder durch Vervollkommnung der technischen Ein⸗ richtungen den Ausfall an Arbeitsstunden zu ersetzen. Behufs Fest⸗ stellung, bis zu welchem Punkte der Arbeitstag des Lohnarbeiters ver⸗ kürzt werden könne, hält der Verfasser eine wissenschaftliche Kritik der Bilanzen für erforderlich, welche zu diesem Zwecke in besonderen Konten die Summe der gezahlten Arbeitslöhne, die Steuern, die Zinsen, die Gewinne bezw. den Verlust, die Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter und die Dauer der üblichen Arbeitszeit nach bestimmten Zeitabschnitten aufzuführen hätten. Aus diesen Daten würden sich dann die nothwendige Arbeits⸗ zeit, d. h. die Arbeitszeit, welche der Arbeiter im gegebenen Falle braucht, um das Aeguivalent des Werthes seiner Arbeitskraft sowie die Bruch⸗ theile der Mehrarbeit für die Produktion, der Steuern, Zinsen⸗ und Gewinnquote zu produziren, berechnen lassen. Des weiteren setzt der Verfasser dann auseinander, daß die Arbeiterschutzfrage in keinem inneren Zusammenbange mit den Zoll⸗ und Steuerfragen stehe, und daß der Arbeiterschutz besonders kräftig und erfolgreich unter der Initiative und Leitung eines angestammten Monarchen an der Spitze eines verfassungsmäßigen Staatswesens gefördert werden könne.
— Wie nährt sich der Arbeiter? Eine kritische Betrach⸗ tung der Lebensweise der Arbeiterfamilien auf Grund der Angaben der Broschüre der Volkswirthschaftlichen Sektion des Freien Deutschen Hochstifts, „Frankfurter Arbeiterbudgets“ von Otto Rademann.
Frankfurt a. M., Druck und Verlag von Gebrüder Knauer. (Preis 75 ₰). — In der vor wenigen Monaten erschienenen Broschüre „Frankfurter Arbeiterbudgets“ wird die Lage der arbeitenden Klassen sehr düster geschildert. Obgleich alle drei Familiendäter in Frank⸗ furt a. M., deren Budgets mitgetheilt werden, während des Beobach⸗ tungsjahres ständig bei cinem Durchschnittslohn in Arbeit waren, wie ihn viele Arbeiter und auch sehr viele kleine Handwerker nicht erreichen, so kam doch keine dieser Familien trotz Vermeidung jeglicher unnützen Aus⸗ gaben mit ihrem Einkommen aus Alle balanzirten ihr Budget mit Hülfe der Privatwohlthätigkeit, ohne welche sie hätten Schulden machen müssen. Den Grund für diese unliebsame Erscheinung erblickt der Verfasser der vorliegenden Broschüre, indem er seine Ausführungen auf Be⸗ rechnungen der Näbrwerthe der hauptsächlichsten Nahrungsmittel stützt, nicht in einer Unzulänglichkeit der Löhne, sondern darin, daß der städtische Arbeiter durchweg unrationell lebt, für sein sauer er⸗ worbenes Geld minderwerthige Nahrungsmittel kauft und seinen Körper völlig unzureichend nährt, ohne eine Ahnung von der Verkehrt⸗ heit seiner Lebensweise zu haben. Da urzweifelhaft durch eine richtige, d. h. gute und doch billige Ernährungsweise der Arbeiter dem sozialen Uebel wesentlich mitvorgebeugt werden könnte, so sei dieses Schriftchen der Würdigung aller derer, welche sich für das Wohl der arbeitenden Klassen interessiren, bestens empfohlen.
* Ein Vorschlag zur Loösung handelspolitischer Wirren von Heinrich Schwerin. Berlin, Buchdruckerei Hans Mamroth. — Das Mittel, um aus dem latenten wirthschaftsihew Kriege herauszukommen, in welchem sich die civilisirten Länder schoa seit einer Reihe von Jahren befinden, und welcher durch die süngsten Maßnahmen der amerikanischen Regierung zu einem offenen zu werden droht, findet der Verfasser in einem Aufgeben des Prinzips der schrankenlosen Konkurrenz und dem Uebergang zur Kooperation. Um dies Ziel zu erreichen, bält er eine Zolleinigung sämmtlicher eunropäischer Staaten für nothwendig, da nur durch eine solche die übersceische Konkurrenz überwunden werden könne, vwie andererseits die Rehabilitirung des Silbers als Währungsmistel, und sucht die Richtigkeit seiner Ansicht an einzelnen Hauptnegenständen des Handels und der Konfumtion, wie Weizen und Zucker zu beweisen.
— Vie Hoffnung der Getreidebohrsenz Offenes Schreiben an die Redaktionen der „Kölnischen Zeitung“ und Berliner „National⸗ Zeitung“. Von Immanuel Hof w nh. Kgl. preuß Regierungs⸗ Rath. Verlag von Felix Bagel. Dssseidorf, 1890. (Preis 50 ₰.) — Nach den heutigen gesetzlichen Westimmungen wird für Getreide, welches Deutschland exporkirt, der Vetrag des Eingangszolls zurück⸗ gezahlt, sobald der Nachweis gesübrt ist, daß dieses Getreide auch nach Deutschland eingeführt war, also identisch mit dem zu exportirenden ist. Die „Hoffnung der Getreidebörsen“ beruht nun nach der Ansicht des Verfassers auf der Annahme, daß durch Aufhebung dieses Identitätsnachweises, wie solche jetzt mehrfach angeregt wird, der Preis des Getreides eine unberechenbare Steigerung zur Folge haben muß, aus welchem Grunde auch eine Anzahl Großgrundbesitzer einer solchen Maßregel beistimmen; denn eine Preissteigerung, meinen sie, müsse auch ihnen zu gute kommen. Die vorliegende Broschüre be⸗ zweckt, den ziffern⸗ und zahlenmäßigen Nachweis beizubringen, welch ungeheueren Nachtheil die breiten Massen des Volkes sowohl, wie in letzter Linie auch die Landwirthschaft durch ie A Identitätsnachweises erfahren würden.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ 8 Maßregeln. . 1
Frankreich.
Die von der französischen Regierung für Ankünfte aus Aden an⸗
in denen noch immer bedeutende Wasserkräfte ungenützt verflößen,
geordnete Quarantäne ist am 3. Oktober 1890 aufgehoben worden.
Vereinigte Staaten von Amerika.
Die Gesundheitsbehörde des Staats Louisiana hat unter dem 25. September 1890 beschlossen, daß vom 1. Oktober d. J. ab die Beobachtungsdauer für alle in Quarantäne liegenden Schiffe, bei der Ankunft gute Gesundheitsverhältnisse an Bord haben, von fünf auf drei Tage herabzusetzen ist. (Vgl. „R.⸗A.“ Nr. 135 vom 25. Mai 1888.)
Cypern
Die Quarantäne für Herkünfte aus dem Golf von Alexandrette ist bis Beyrut, jedoch mit Ausschluß dieser Stadt, ausgedehnt worden.
Gibraltar. Die Quarantäne für Ankünfte aus Barcelona ist auf 21 Tage ausgedehnt.
Handel und Gewerbe.
Tägliche Wagengestellung zu 10 t für Kohlen und Koks
an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 6. d. M. rechtzeitig gestellt 9974, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen. In Oberschlesien wurden am 5. d. M. rechtzeitig gestellt 4181, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.
— Der „Zeitsch. f. Spir.⸗Ind.“ entnehmen wir folgenden Bericht über den Handel mit Stärke nach Mittheilungen der Ver⸗ trauensmänner in der Zeit vom 29. Oktober bis 4. November 1890: Im Laufe der Berichtswoche sind nachstehend angegebene Abschlüsse in Kartoffelfabrikaten mitgetheilt worden. Es wurden verkauft an: Kartoffelmehl und trockener Kartoffelstärke 500 Sack prima zu 23 ℳ netto Kasse, prompte Lieferung, ab Station in Anhalt; 200 Sack zu 22 ℳ gegen Kasse, prompte Lieferung, ab schlesischer Oder⸗Station; 600 Sack prima zu 23 ℳ, provisionsfr lieferbar bis Herbst 1891, frei Station in der Priegnitz, 150 Sret prima zu 25 ℳ netto Kasse, successive Lieferung, frei Station an der Bahn Halle —Sorau — Guben; 500 Sack prima zu 23,25 ℳ per sofort, ab Station im Braunschweigischen; 800 Sack prima zu 23,50 ℳ per Januar⸗April⸗Lieferung und 700 Sack geringerer Qualität, sekunda B, zu 18,50 ℳ prompt, beides ab Station an der Bahnstrecke Srendal — Oebisfelde; 550 Sack prima, Lieferung Anfang November, zu 22,75 ℳ gegen Kasse, und 600 Sack, Lieferung November⸗Dezember, zu 23 ℳ gegen Kasse, beides frei Station an der Bahnstrecke Bremen — Stendal; ferner an feuchter Kartoffelstärke: 250 Sack zu 11,75 ℳ frei Fahrik in der Neumark; 300 Sack zu 11,50 ℳ frei Bahnstation im Mecklenburgischen; 500 Sack zu 11,20 ℳ frei Sta⸗ tion an der Bahnstrecke Stargard—Glasow; 100 Sack zu 11,35 ℳ frei Station an der Bahnstrecke Neustettin —Schneidemühl.
— Die „Schl. Ztg.“ berichtet vom oberschlesischen Stein⸗ kohlenmarkt: Das Steinkohlengeschäft hat diejenige Regsamkeit, welche in früheren Jahren zur gleichen Jahreszeit stets vorhanden ge⸗ wesen, immer noch nicht erreicht. Die Verladung ist eine wesentlich schwächere und sehr unregelmäßige; die Förderung einzelner Gruben gelangt nämlich flott zur Versendung, während andere Gruben einen bedeutenden Theil derselben in Bestand stürzen müssen. Der ein⸗ heimische Verbrauch an Kohle, besonders an geringeren Sorten ist Dank dem regen Betriebe der oberschlesischen Eisenindustrie noch immer in demselben Umfange geblieben, wie er vor Monaten ge⸗ wesen ist. Der kumulative Verkauf ist zwar nach Beendigung der Feld⸗ arbeiten etwas stärker geworden, hat aber der bestehenden milden Witterung zufolge noch immer nicht in dem erwünscten Maße zu⸗ genommen. Von den zur Verladung kommenden Quantitäten gehen namhafte Posten nach Oesterreich, und zwar dauptsächlich für Zuckerfabriken; der Export nach Rußland hat dagegen fast ganz auf⸗ gehört. Der Schiffahrtsverkehr von der Pöpelwitzer Ümschlagstelle aus ist ein fortgesetzt lebhafter. Die Kohlenpreise haben im örtlichen Ver⸗ kauf keine Aenderung erfahren. Bessere Marten notiren: Stück⸗, Würfel⸗ und Nußkohlen I. 42 — 48 ₰, Nuß I. 38 — 42 ₰, Förder⸗ kohlen 38 — 43 ₰. Klein⸗ und Erbskohlen 25.—30 ₰, Staubkohlen 8 — 14 ₰;, Secunda⸗Marken Stück⸗ und Würfelkohlen 38 bis 42 ₰, Nußkohlen 36— 40 ₰, Förderkohle 32 — 36 ₰, Erbs⸗ und Kleinkohlen 20 — 25 ₰, Staubkohlen 8 —80 ₰ ab Grube. — Die Koksanstalten erhalten die Produkrion auf der bisherigen Höhe, ihr Fabrikat findet, weil fest verschloßten, schlanken Absatz. Nennens⸗ werthe Bestände sind nirgends zu Fuaden. Die Zufuhr von auslän⸗ dischem Koks geht regelmäßig weiter
— Die nächste Börsenversemmlung zu Essen findet am 10. November 1890 im „Berline Hof“ statt. 1
Frankfurt a. M. 6. Hecember. (Getreidemarktbericht von Joseph Strauß) Weizen begegnete normalem Bedarfs⸗ begehr, Offerten nicht deh nd. Preise behauptet; ab Umgegend 19²/10 — 410 ℳ, frei hier 1. —1,10 ℳ, norddeutscher und kurhessischer 198,10— ½ ℳ, frei Stetbdes der oberhessischen und Weser⸗Bahn⸗Route Gelnhausen⸗Büdingen Sisten Friedberg 19 — ¼⁄10⁰ ℳ, russische Sorten 21 ⅜ - 22 ½ ℳ — Keghen wenig angeboten, hielt seine bis⸗ herigen Preise en die Berliner Course stimuliren, hiesiger 17 — ½ ℳ, Ekee 171— 18 ℳ — Gerste weniger be⸗ gehrt; wir witzt Franken (Ochsenfurter Gau)⸗Ried, Wetterauer und Pfälter der 48.219 ½ ℳ, ungarische, in Regensburg prompt abzu⸗ laden, dürse 8 daselbst (verzollt) à 18 ½ ℳ zu erzielen sein. — Im Hafer sid die dringendsten Bedürfnisse erledigt; manfängt an, den Einflatz, des auten Ernte zu spüren; Angebot reichlicher, die Notiz 14 ½ — 15 ⅝ ᷑UMeiht. — Raps verlassen, zu schätzen auf 28— 27 ℳ — Mais (mrs Zukuhren anhaltend sehr geringfügig, sodaß das immer noch 8 Hecouvert sich bei der Haussepartei decken muß, letzter Cours 9. La Plata 13 ℳ, Kränkliches viel darunter. — Spelzspreu (Ersatz für Roggenstroh) pr. Ctr. ca. 1 ℳ — Roggenkleie 10 ℳ, Keizenkleie 9 ℳ, unbedeutende Preisbewegung, Tendenz flauer. — Cbhilisalpeter begegnete sehr mäßiger Frage, Preise voll behauptet, per Februar⸗März 1891 8 ½ ℳ per Cours; Käufer treffen hier einen guten Markt. — In Mehl bewegte sich der Verkehr in ruhigem Geleise bei unver⸗ ändert fester Tendenz; die Exportfrage ist zwar nicht überaus lebhaft, absorbirt jedoch das vorhandene Angebot jederzeit; von den auswärtigen Offerten ist ein Druck nicht zu befürchten. — Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 33 — 34 ℳ, Nr. 1 31 — 32 ℳ, Nr. 2 27 ⅛ — 28 ½ ℳ, Nr. 3 27 — 28 ℳ, Nr. 4 23 — 24 ℳ, Nr. 5 18 ℳ — Milchbrot⸗ und Brotmehl im Verbande 58 — 60 ℳ — Nord⸗ deutsche und westfälische Welzenmehle Nr. 00 27 — 28 ℳ. — Roggenmehl loco hier Nr. 0 27 ½ —- 28 ½ ℳ, Nr. 0/1 26 — 27 ℳ Nr. 1 23 — 24 ℳ — (Obige Preise verstehen sich per 100 kg ab hier, häufig jedoch auch loco auswärtiger Stationen.)
Leipzig, 6. November. (W. T. B.) Kammzug⸗Termin⸗ handel, La Plata. Grundmuster B. pr. November 4,52 ½ ℳ, per Dezember 4,52 ½ ℳ, per Januar 4,40 ℳ, per Februar 4,40 ℳ6, per März 4,32 ½ ℳ, pr. April 4,32 ½ ℳ, pr. Mai 4,32 ½ ℳ, pr. Juni 4,32 ½ ℳ, pr. Juli 4,32 ½ ℳ, pr. August 4,32 ½ ℳ, pr. September 4,32 ½ ℳ — Umsatz 315 000 kg. Fest.
Wien, 6. November. (W. T. B.) Eine Communiqus der Länderbank bestätigt den Uebergang der böhmischen Domäne Benatek mit der zugehörigen Zuckerfabrik und Eisenbahn, sowie des Prager Palais des Grafen Thun in den Alleinbesitz der Länderbank. Der dafür gezahlte Preis beträgt 3 900 000 Fl., der Ertrag des Besitzes belief sich im letzten Jahre auf netto 223 000 Fl.
London, 6. November. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen⸗
ladung angeboten. (W. T. B.) Die Bank von England
— 7. November. hat heute den Diskont von 5 auf 6 % erhöht. 2
Bradford, 6. November. (W. T. B.) Wolle ruhig, feine Kolonialwolle stetig, Garne ruhig, Stoffe ruhiger.
Verkehrs⸗Anstalten.
Hamburg, 6. November, (W. T. B.) Der Postdampfer
Thuringia: der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗
Aktiengesellschaft hat, von New⸗YPork kommend, heute Morgen
Lizard passirt.
welche getroffen.
8 welcher gestern im großen Saal der Brauerei Friedrichshain festlich
— 6. Nobennber. (W. T. B.) Der Postdacfer „Francia“⸗ der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell⸗ schaft ist, von New⸗York kommend, heute in St. Thomas ein⸗
8 8I
Norddeutscher Lloyd in Bremen. etzte Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer.) EI 8 ork⸗ und Baltimore⸗Linien: 1 estimmung. Bremen Bremen Bremen New⸗ York New⸗York New⸗York New⸗York Bremen Bremen
Nov. von Southampton. Nov. von New⸗York. Nov. von New⸗York. .Rov. in New⸗York. . Okt. von Southampton. .Nov. Lizard passirt. Nov. Dover passirt. Nov. in Bremerhaven. 85 Ter von 1u“ Baltimore 23. . von Bremerhaven. Baltimore 30. Okt. von Bremerhaven. rasil⸗ und La Plata⸗Linien! „Grf. Bismarck“ Bremen]/ 2. Nov. von Lissabon. „Hermann’“. . .Nov. St. Vincent pass. „Köln-. (Bigo lntwerven. 4. Nov. von Babin.
Bremen 1 „Frankfurt“ .Nov. in Montevideo.
Brahlüen Okt, in Baht Zrasilien 1 .. in Bahia. 1 9. Okt. in Rio.
„Weser“ 1“ Brasilien x 8 La Plata Okt. in Rio. ⸗Stüttgart . Okt. St. Vincent pass.
„Berlin“. Rio, La Plata
Rio, Monte⸗ - Har, das Patine Se „Hannover“ video, . Nov. Las Palmas pass. 8 — Buenos Aires ' .
Brasilien 4. Nov. von Lissabon.
Brasilien Nov. Las Palmas pass. Rio, La Plata 5. Nov. von Vigo. Mainn Rio, Santos 30. Okt. von Bremerhaven. „Kronpr. Fr. W.“ Kamerun 17. Okt. Sta. Cruz pass. Linien nach Ost⸗Asien und Australien:
Bremen 5. Nov. von Antwerpen. Bremen 1. Nov. von Singapore. Ost⸗Asien .Nov. in Shanghai. Ost⸗Asien 4. Nov. in Suez.
Bremen 6. Nov. von Antwerpen. „Hohenstaufen“. Bremen 1. Okt. in Colombo. „Habsburg’. . Bremer 5. Nov. von Sydney. „Kaiser Wilh. II.“ Australien 8 Okt. in Colombo. Elbe“
„Lahn“ „Eider“ „AMller „Werra“. „Saale“. „Ems“ „Trave“ „America“ „Hohenzollern“. „Nürnberg“. . ö1
wlcumvan⸗uco, 022 üSeSEnCSn
Baltimore“ „Rbe „Straßburg’“ .
„Bayerne Neckakxk. „Braunschweig“ „Sachsen“.. „Dresden“.
„Elbe 1““ Australien Nov. von Southampton. „Karlsruhe’.. Australien 10. Okt. von New⸗Pork.
London, 6. November. (W. T. B.) Der Union⸗Dampfer „Mexican“ ist gestern auf der Ausreise in Capetown an⸗ gekommen; der Castle⸗Dampfer „Norham Castle hat heute auf der Heimreise Madeira passirt. “
Theater und Musik.
Berliner Theater. 1
Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, die Erbprinzessin von Sachsen⸗Meiningen, die Prinzessinnen Victoria und Margarethe von Preußen, Ihre Hoheit die Prinzessin Christian zu Schleswig Holstein und Ihre Hoheit die Prenzessin Victoria zu Schlesw ig⸗Holstein beehrten am Donnerstag Abend das Berliner Theater wiederum mit Ihrem Besuche und wohnten der Aufführung von Freytag's „Journalisten“ bis zum Schlusse bei.
Auf besonderen Wunsch wird Donnerstag, den 14. d. M., „König Lear“ neu einstudirt mit Ludwig Barnay in der Titelrolle gegeben.
Residenz⸗Theater.
Am Sonntag wird, um vielfach geäußerten Wünschen des Publikums nachzukommtn, ein Einakter der „Familie Moulinard“ vor⸗ angehen, und zwar das hübsche Lustspiel von Feuillet „Scylla und Charybdis“ (deutsch von Sigmund Lautenburg), welches von den Damen Rosa Bertens und Clara Leonhardt und den Hrrn. Theodor Brandt und Karl Pauli dargestellt wird.
Sing⸗Akademie.
Hr. Martin Fuß, ein junger Pianist aus Berlin, der erst seit wenigen Jahren sich dem Studium der Tonkunst unter F. Kullak’'s und Moszkowski’s Leitung gewidmet hat, gab gestern sein erstes öffentliches Concert, in welchem er von dem Philharmonischen Orchester unter Kogel'’s Leitung unterstützt wurde. Wir waren überrascht über die höchst lobenswerthe Ausführung des großen Es-dur-Concerts von B eecthoven, das der Spieler nicht blos mit sicherer Beherrschung aller technischen Schwierigkeiten, sondern auch mit einer Reife des Verständnisses vortrug, die in so jugendlichem Alter gewiß zu den Seltenheiten gehört. Sein Anschlag ist weich und gesangreich, im
orte stets maßvoll. im Piano von perlender Klarheit. kommt eine sehr sorgfältige Abstufung der Schattirungs⸗ grade bis ins leiseste Pianissimo hinein. Reicher Beifall erschallte nach Beendigung dieses Klavierconcerts. Gleich günstige Aufnahme wurde auch dem sehr gelungenen Vortrag der Schumann'’schen Fantasie (C-dur) zu Theil. Außer einigen kleineren Salonstücken von Mosz⸗ kowski, Chopin und Liszt, denen der unermüdliche Künstler noch einige Zugaben bereitwilligst hinzufügte, spielte er noch die große Polonaise (Es-dur) von Chopin⸗Erdmannsdörfer mit Orchester⸗ begleitung, deren Vortrag gleich dem aller übrigen Stücke mit rauschendem Beifall aufgenommen wurde. Das Orchester, das zu Anfang des Concerts Wagner's Vorspiel zum „Lohengrin“ mit be⸗ kannter Vollendung ausgeführt hatte, begleitete auch die Concert⸗ stücke des Pianisten mit gewohnter Präzision.
Concerthaus.
Morgen gelangen die Ouverturen „Rosamunde“ von Schubert, „Ruy Blas“ von Mendelssohn und die bei der ersten Aufführung mit großem Beifall aufgenommene zu „Antonius et Cléopatre“ von Rubinsrein sowie die Ungarische Rhapsodie Nr. I von Liszt, „Danse Macabre“ von Saint Sasns, ein Walzer von Strauß, ein Potpourri von Schreiner und „Vergißmeinnicht“ für Cornet à Piston (Hr. Richter) zur Aufführung, “ .“
Mannigfaltiges. Der Moltke⸗Kommers der Berliner Studentenschaft,
begangen wurde, erhielt durch das Erscheinen Sr. Hoheit des Erb⸗ prinzen von Sachsen⸗Meiningen und vieler anderer Ehren⸗ gäste eine besondere Bedeutung. Der „mächtige Saal und alle seine Nebenräume waren dicht gefüllt. Reicher Festschmuck prangte an den Wänden, von den Brüstungen der mit einem glänzenden Damenflor besetzten Galerien hingen Fahnen herab, die Banner der Hochschule und der studentischen Korporationen zierten das Orchester. Fast alle studentischen Korporationen waren erschienen. Den Ehren⸗ gästen waren vier lange Tafeln eingeraumt. Zu Seiten des mit Jubel begrüßten Erkprinzen hatte der Chef des General⸗ stabes Graf Waldersee, gegenüber der Staats⸗Minister Dr. von Goßler Platz genommen. Man sah ferner den Neffen des Grafen Moltke, Landrath von Moltke, den Kommandanten von Berlin Grafen Schlieffen, den General der Infanterie von Seeckt, den Rektor der Universität, Professor Dr. Tobler, den Prorektor, Geheimen Justiz⸗Rath Professor Dr. Hinschius u. A. Die Land⸗ wirthschaftliche Hochschule wurde durch den Rektor, Professor Dr. Wittmack, die Thierärztliche durch den Rektor, Professor Dr. Schütz vertreten. Die Heidelberger Universität hatte drei Herren ihres Ausschusses entsandt, auch von der Thierärztlichen Hochschule zu
annover war eine Abordnung erschienen. Ebenso woaren die hiesige
erg⸗Akademie und die Technische Hochschule vertreten. Der c Präside stud. jur. Hubert Fuchs leitete mit dem Kaiserhoch die fest⸗
vom Dr. Pierson gedichtete Festlied durch den Saal, das Se. Majestät den Kaiser feierte, „der durch Wägen und durch Wagen schirmle stark das Vaterland“. Nunmehr gedachte stud. jur. F Wilke mit be⸗ geisternden Worten des rafen Moltke. it Jubel folgte man der Aufforderung des Redners, dem Gefeierten einen don⸗ nernden Salamander zu reiben. Sodann gelangte folgendes Telegramm zur Absendung: „Die zur Feier des 90. Geburtstages Ew. Excellenz hier versammelte Berliner Studentenschaft erlaubt sich ehrerbietigst Ew. Exeellenz ihre Huldigung darzubringen mit dem Wunsche Ew. Excellenz möge dem deutschen Volke noch lange erhalten bleiben.“ Stud. Willy Eckert (Germania) begrüßte die Gäste und dankte Sr. Hobeit dem Erbprinzen, „dem genialen FSeeah und Gönner der Musen“, für sein Erscheinen bei dem Feste. e. Hoheit erhob sich darauf zu etwa folgenden Worten: „Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, im Namen der Gäste Ihnen zu danken für Ihre freundliche Einladung. Es ist ein herrlicher und erhebender Anblick, wenn ich sehe, wie hier in der Hauptstadt des Deutschen Reichs die akademische Jugend, die den Ton angeben soll und muß für die Jugend des Reichs, den großen Strategen, den großen deutschen Mann, den Gott uns gegeben hat, feiert. Gern und mit Freuden sind wir dem Ruf gefolgt und gewiß werden die Stunden, die wir bei Ihnen verweilen, uns in 9 Gedächtniß bleiben.“ Unter minutenlangem Beifall brachte der Erbprinz dann mit den übrigen Ehrengästen der Studentenschaft der Berliner Universität ein Hoch aus. In klassischem Latein feierte hierauf stud. theol. Wuttke die Professoren, in ihrem Namen dankte der Rektor, Prof. Dr Tobler in längerer Ansprache, die ihm Gelegenheit gab, den Gefühlen der Lehrerschaft für Moltke's Größe und Bedeutung als Feldherr und Mann der Staatskunst und der Wissenschaft beredten Ausdruck zu geben und ihm ein „vivat, floreat, salvum faciat E Inzwischen war es Mitternacht geworden und mit dem Er prinzen verließ ein goßer Theil der Ehrengäste den Kommers, der erst nach 1 Uhr sein Ende erreichte.
In der am 4. November stattgehabten Sitzung des Gesammt⸗ vorstandes des Central⸗Vereins für Arbeitsnachweis, gab nach einem Bericht des „B. B.⸗C.“, der Vorsitzende, Magistrats⸗ Assessor Freund zunächst eine Uebersicht über die Entwickelung des Vereins seit der kürzlich dee Organisation. Der Verein hat hier⸗ nach einen Zuwachs von ca. 150 Mitgliedern mit ca. 1000 ℳ jähr⸗ lichen Beiträgen gehabt. Unter den Mitgliedern befindet sich auch der Staats⸗Minister von Berlepsch. Es sind ferner dem Verein zahlreiche Zuwendungen zu Theil geworden, so Seitens der Gewerbe⸗ Deputation, des Magistrats, aus dem Heise⸗Fonds, Seitens des Central⸗Vereins für das Wohl der arbeitenden Klassen, Seitens der Aecltesten der Kaufmannschaft und Seitens des Kaufmanns James Simon. Nach eingehender Schilderung der gegen⸗ wärtigen Lokalverhältnisse des Arbeitsnachweises durch den Vorsitzenden genehmigte der Vorstand nachträglich den in⸗ zwischen abgeschlossenen Vertrag mit dem Eisenbahn⸗Fiskus, be⸗ treffend die miethweise Ueberlassung der Stadtbahnböge Nr. 103 und 104 am nezanderplat. für Zwecke des Vereins. Der Vor⸗ sitzende hob hierbei das sehr große Entgegernkommen des Eisenbahn⸗ Fiskus hervor, welcher mit Rücksicht auf den gemeinnützigen Zweck des Vereins einen verhältnißmäßig niedrigen Miethspreis verlangt hat. Mit dem Ausbau der Bögen soll schleunigst be⸗ gonnen werden, und der Vorstand genehmigte die be⸗ treffenden Zeichnungen und Kostenanschläge. Die nicht uner⸗ heblichen Baukosten sollen durch zinslose Antheilscheine, welche jährlich mit zehn Prozent amortisirbar sind, aufgebracht worden. Ein aufgelegter Zeichenbogen ergab sofort die Zeichnung gon mehr als 6000 ℳ Der Vorstand beschloß ferner, in den freiwerdenden bisherigen Räumen des gegenwärtigen Arbeitsnach⸗ weises einen Arbeitsnachweis für weibliche Personen zu errichten. Die Nothwendigkeit eines solchen Nachweises für Berlin wurde einstimmig bejaht. Auch theilte der Vorsitzende mit, daß nach einer von dem Verein über die Nothwendigkeit veranstalteten Enquete von 170 Arbeitgebern 140 sich dafür und nur 30 dagegen ausgesprochen hätten. Der Arbeitsnachweis für weibliche Personen soll sofort nach der bewerkstelligten Uebersiedelung nach den neuen Lo⸗ kalitäten in Funktion treten. Der Vorsitzende bat schließlich die Mit⸗ glieder des Vorstandes, nach Kräften neue Mitglieder für den Verein zu werben. Meldungen nimmt entgegen außer dem Vorsitzenden, 1“ 11, insbesondere auch der Schatzmeister Rödel, arlsbad 1 a.
Der Grundstein zum Langenbeck⸗Hause soll, der „Vos. Ztg.“ zufolge, Anfangs nächster Woche in Gegenwart Ihrer Majestät der Kaiserin gelegt werden. Der von der „Deutschen Gesellschaft für Chirurgie“ angekaufte Bauplatz schließt sich an die Königliche Klinik in der Ziegelstraße an und reicht von dieser bis zur Spree. Die Hauptfront des Langenbeck⸗Hauses, der letzten Stiftung der hochseligen Kaiserin Augusta, wird südwärts auf die Spree ge⸗ richtet sein. Die Entwürfe sind vom Baumeister E. Schmid, dem auch die Ausführung des Baues übertragen ist. Das Haus wird aus einem Erdgeschoß, sowie aus einem ersten und Hauptgeschosse bestehen. Der Eingang wird von der Hosfseite erfolgen.
Das Kolossal⸗Rundgemälde des antiken Rom im National⸗Panorama erfreut sich eines beständig wachsenden Interesses sowohl der gebildeten Bewohner unserer Residenz wie der Fremden, welche es meistens nicht verabsäumen, diesem Kunstwerk einen Besuch abzustatten. Am Sonntag beträgt der Eintrittspreis nur 50 ₰ für Erwachsene und 30 ₰ für Kinder.
Urania. Hr. Dr. F. Körber fesselte am Mittwoch durch seinen populärastronomischen Vortrag: „Bilder aus der Ge⸗ schichte der Astronomie“ eine ansehnliche Versammlung ge⸗ bildeter Damen und Herren, die sichtlich mit Interesse den in ein⸗ facher, aber sehr gewandter Redeform mit verständlichem und klang⸗ vollem Organ vorgetragenen Ausführungen des Redners aufmerksam lauschten. Wenn die Mittheilungen des Hrn. Körber auch im Wesent⸗ lichen nichts Neues brachten, so gaben sie doch in gedrängter Kürze einen vortrefflichen Ueberblick über die Entwickelungsgeschichte der Astronomie von ihren ersten Anfängen bis zur heutigen Zeit. Er erinnerte daran, daß die astronomische Wissenschaft schon in hohem Ansehen und in sehr hoher Blüthe bei den Chinesen zwei Jahrtausende vor Christi Geburt stand, daß sie von den Indiern, Babyloniern und Egyptern in gleicher Weise gepflegt und bis zur höchsten Vervollkommnung bis nahe an den Standpunkt der heutigen Anschauungen vom Weltsystem durch Aristarch, den größten Astronomen des Alterthums, zwei Jahr⸗ hunderte vor Christi Geburt, geführt wurde. Nach einer Schilderung der griechischen Astronomie, des ptolemäischen Weltsystems, erwähnte er des Verfalls dieser Wissenschaft zur Zeit der Einführung des Christenthums und ihre Wiedererweckung durch die arabische Astronomie, die eine bedeutende Pflegestätte zu Cordova fand und dort Karl dem Großen bekannt wurde, der sie zuerst nach Deutschland brachte. Danach kam der Vortragende in seinem Bericht zur Entwickelung der Astronomie durch Johannes Müller und Kopernikus im 15. Jahr⸗ hundert und zu ihrer weiteren Förderung durch den dänischen Edelmann Tycho de Brahe, Kepler und Newton, welche die im Algemeinen noch jetzt als richtig anerkannte Anschauung des Weltih tems eden haben. Dabei ließ der Redner einige interessante Bireih⸗ lichter auf die zumeist tragischen Lebeusschickalee, von Ko⸗ pernikus, Tycho de Brahe und Kepler falen. Pie Feed⸗ schritte der neuesten Zeit konnten dei der vorgerdten nd nur flüchtig berührt werden. Her Vortrag &ewann erhöhten Neh durch die Vorführung zahlreicher Biülduisse, welche die ¶Veahöner mit
Werke des Kopernikus und Kepler wurden der Versammlung 222 2.
Hr. Dr. Körber schloß seinen Vortrag mit der nachfolgenden trachtung: Hoffentlich sehen Sie sich belohnt durch das erhebende Gefühl, welches uns allemal dann erfüllt, wenn wir dem ewig weiter⸗ strebenden Entwickelungsgang der Menschheit auf irgend einem Gebiet etwas genauer nachgeforscht haben und dabei zu dem Bewußtsein ge⸗ kommen sind, daß wir mit Recht darauf stolz sein dürfen, uns Mit⸗ glieder der durch Arbeit so weit vorgedrungenen Menschengemeinschaf zu nennen. Freilich führt uns ein derartiger Einblick in die Ge⸗ schichte der Forschungsthätigkeit auch andererseits mit eindring⸗ licher Deutlichkeit die ernste Pflicht vor Augen, unsere Kräfte anzuspannen, um ein Jeder nach seinem Vermögen dazu beizutragen, daß das von unsern Vorfahren hinterlassene geistige Eigenthum nicht wieder verloren gehe, sondern ein lebendiger Besitz immer weiterer Kreise werde, und daß außerdem der (Schatz stetig, wenn auch nur langsam, durch neu hinzukommende Erkenntnisse vergrößert werde. Nach Beendigung seines Vortrages wurde Hr. Körber durch laute Beifallsbezeugungen in wohlverdienter Weise ausgezeichnet.
Steglitz. Die Einweihungsfeier des neuen Pro gymnasiums findet, wie die „Staatsb⸗Z.“ mittheilt, Monta 1 1 10. d. M., statt. 3
„ Hirschberg, 6. November. Der Förster Weniger von Schreiberhau wurde, wie die „Schl. Zig.“ meldet, heute in dem Revier unterhalb des Hochsteins bei einem Rencontre mit Wilddieben von diesen erschossen. 8
Tondern, 5. November, Bei der Rettung von Schiff⸗ brüchigen haben, wie in Nr. 265 des „R. u. St.⸗A.“ gemeldet. zwei zur Besetzung des Amrumer Rettungsbootes „Theodor reußer. gehörende Familienväter das Leben verloren. Zur Ergänzung des Telegramms bringen die Blätter jetzt folgende ausführliche Schilderung 4 Bei Sylt war das englische Segelschiff „Richardine“ gestrandet und 500 m vom Strande gesunken; die aus vier Mann bestehende Besatzung hatte sich in den Masten festgebunden. Bei den Rettungsversuchen wurden saͤmmtliche Rak⸗ten der Syiter Rettungsstation verschossen; das Lester Rettungsboot war bereits hinausgesegelt; da rief man die Mannschaft auf der Nachbarstation Amrum um Hülfe. Sofort bestiegen zehn wackere Am das Rettungsboot „Theodor Preußer“ und segelten trotz der hochgehe See und des tobenden Unwetters ab. Die Mut igen hatten bereits die Brandung bei Hörnum a. Sylt passirt, da schlug eine mächtige Sturzsee das Rettungsboot am, und saämmtliche Insassen stürzten in die Tiefe; eine zweite Sturzwelle brach die nach matemn stehenden Masten und richtete das Boot wieder empor. Acht Mann erfaßten den Rand und schwangen sich glücklich binein; zwei dagegen, Bonk und Flor, wurden in das tosende Meer hinausge⸗ schleudert und versanken vor den Augen ihrer Kameraden; das Rettungsboot trieb nach mehreren Stunden an den Sylter Strand, wo die gänzlich erschöpfte Mannschaft gebor en mwurde. Die beiden Ertrunkenen Bonk und Flor hinterlassen je eine Wittwe und sechs bezw. sieben Kinder. Inzwischen waren der Kapitän und der Steuer⸗ mann des gestrandeten englischen Schiffes von den Fluthen der Nord⸗ see verschlungen worden; unter großen Anstrengungen gelang es, einen Matrosen und den Schiffsjungen zu retten. Schleusingen, 4. November. Ueber die in Nr. 288 d. Bl.
emeldete Kessel⸗Explosion berichtet die „D. 3“ noch: Der
aschinenführer war im Augenblick der Explosion ni p Maschine; der Heizer wollte sie eben besteigen. So dem Leben davon gekommen. Inspektor Schmid Geschäftszimmer 5 wurde dadurch am Kopfe erheblich verlegt, daß das durch den Luftdruck eingestürzte Fensterkreuz auf ihm stü Ebenso wurden Afsistent Uhlich und ein anderer Beamter, Beide aur leicht, verletzt. Die Fahrgäste, die bereits im Zuge saßen, sind von den Sitzen geschleudert worden. Das Bahnhofsgebäude bietet ein Bild der Verwüstung; kein Fenster ist ganz, die Fächer am Hause sind mehrfach eingedrückt. Einzelne Theile der Maschine, so B. eime 2 Ctr. schwere eiserne Platte, sind mehr als 100 m weit ferzgeschlen⸗ dert worden. Durch die Wohnung des Inspektors im ersten Stuark ist ein großes Stück Eisen mitten hindurch zum Dach hHimnans . schleudert worden. Welche Urfache der Erplosion zu giegem hat noch nicht ermittelt werden können.
London. Ueber den am 4. d. M. durch den Prinzen aum Wales eröffneten CZity and South London Railman (dergl. Nr. 287 d. Bl.), der sich von Prinz Wilhelm Street beim Monmment buis nach Stockwell erstreckt, schreibt die „Köln. Itg.“ Diese Bahm vl im Londoner Eisenbahnbau eine neue Epoche begrimden Jumächst wird sie durch Elektrizität getrieben, wie es bies gr n Inglamd in ähnlich großem Maßstabe nicht versucht worden. Damm desitzt die Bahn einen sehr vereinfachten Geschäftsbetriutt. Ir. mbs nur eine Wagenklasse und einen F t der sin dabr ganze Strecke wie für jeden Bruchtheil gilt, also ich in den Fruud⸗ satz des Zonentarifs anlehnt. Fahrkarten werden mcht msgagedem. Der Reisende hinterlegt einfach 2 Pence. drüct sich durcht Drehüreung und läßt sich dann auf einem Aufing 50 Fuß tiet zuf der Beübmtech Ffeeptes Die Wagen sfind nicht in Mttbeine abgemmnmt. 1-— gleich den Londoner Trammagen der Sängenachst m . beiden Seiten mit Sitzen verfeben; man giaatt. das ☛ diesem System eine schnellere ng und 8 amg,. lich sei. Jeder Zug besteht aus eimer Seüematige dom ,95b Pferdekraft und drei Personenwagen und geshrater eune S. u. von über 36 km in der Stunde. Um die Iine nascher in . zum Stehen zu bringen, sind die Schdenen am den Hachehetman ken
erhöht. Die Züge laufen in zwei runden r
statt nebeneinander gelagt sind. Am ellsumesh dieser unterirdischen Baßn. Zunächst Put
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