ripolis Massau
damer huxem sst das ] Wormula⸗ Malta
Naro
8
Kundgebung etwa ein Drittel der Theilnehmer aus griechischen Unterthanen bestanden habe.
Parlamentarische Nachrichten.
t beiterschutzkommission des Reichstages trat 1“” Uhr zur zweiten Lesung zusammen. Die Mitglieder waren bis auf Bebel und Singer, welche auf einer Reise nach London zur Begrüßung Friedrich Engel's zu dessen 70. Geburtstage sich be⸗
mden, vollzählig erschienen. Nachdem die antisozialdemokratischen ee sich für die zweite Lesung über eine Reihe von Kompromiß⸗ anträgen geeinigt haben, wollen die Sozialdemokraten für die zweite Lesung in der Kommission von neuen Anträgen absehen und erst im
äge stellen 1 Ples. ee beschloß zunächst, nicht wie in erster Lesung nach den Materien, wie sie im Konstituirungs⸗Protokoll geordnet sind, sondern nach der Reihe der Paragraphen zu verhandeln. Man ging zunächst zu dem Kompromißantrage über, vor Titel 1 Titel A. auf⸗ zunehmen und hinter § 41 der Gewerbeordnung folgenden Paragraphen
einzuschalten; ach den Bestimmungen der §8. 105b bis 105b Ge⸗ hülfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe nicht beschäftigt werden dürfen, darf in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbetrieb an diesen Tagen nicht stattfinden. Weitergehenden landesgesetzlichen Be⸗ schränkungen des Gewerbebetriebes an Sonn⸗ und Festtagen steht diese Bestimmung nicht entgegen.“
Dieser § A1 a wurde angenommen. Laut dem Kompromiß⸗ antrage wurde ferner unter Titel B §. 55 a beschlossen: „An Sonn⸗ und Festtagen (§. 105 a Absatz 2) ist der Gewerbebetrieb im Umher⸗ ziehen, soweit er unter §. 55 Absatz 1 Ziffer 1 bis 3 fällt, verboten. Ausnahmen können von der unteren Verwaltungs⸗ behörde zugelassen werden. Der Bundesrath ist ermächtigt, über die Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen Ausnahmen zugelassen werden dürfen, Bestimmungen zu erlassen.“ Die Kommission stimmte ferner dem §. 105 in der Fassung der ersten Lesung, die sich mit der Regierungsvorlage und dem bestehenden Gesetze deckt, zu. §. 105 a. lautete in der Faffung. erster Lesung im ursprünglichen II. Absatz: „Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen in Be⸗ rücksichtigung der örtlichen und konfessionellen Verhältnisse die Landes⸗ regierungen. Der Absatz 1 war in erster Lesung gestrichen worden. Danach konnten die Gewerbetreibenden zum Arbeiten an Sonn⸗ und Festtagen nur insoweit verpflichten, als es sich um Arbeiten handelt. welche nach den Bestimmungen dieses Gesetzes auch an Sonn⸗ und Festtagen vorgenommen werden dürfen. Nach Annahme eines Kom⸗ promißantrags, eines Spezialantrags Hitze und eines Spezialantrags Gutfleisch gestaltete sich §. 105 a. so: „Zum Arbeiten an Sonn⸗ und Festtagen können die Gewerbtreibenden die Arbeiter nicht verpflichten. Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen unter Berücksichtigung der örtlichen und konfessionellen Verhältnisse die Landesregierungen.“
— In der heutigen (10.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Minister des Innern Herrfurth beiwohnte, wurde die erste Berathung der Landgemeinde⸗ ordnung fortgesetzt.
Abg. Dr. von Heydebrand und der Lasa erklärte Namens der konservativen Partei, daß sie sich auf den Boden der Vorlage stelle, welche möglichst das historisch Gewordene erhalten wolle. Man solle das Bestehende nur be⸗
Abg. Rickert bedauerte, daß man die Vorlage bedrohe durch die Forderung, die Autonomie der Gemeinden unter allen Umständen aufrecht zu erhalten und jede Aenderung der⸗ selben, jede Zusammenlegung zu verhindern. Ein Bedürfniß zur Reform der Landgemeindeordnung werde auch von den Bauern anerkannt. Redner hielt die Be⸗ denken gegen die Einführung der Gemeindevertretung für un⸗ begründet. Er trat schließlich für die geheime und ö ein und für die Ausgestaltung der Zweck⸗ verbände.
er aus seiner früheren amtlichen Thätigkeit die Provinzen Schleswig⸗Holstein und Rheinland, die klassischen Landestheile der Sammtgemeinden, kenne, aber er müsse erklären, daß diese Sammtgemeinden für den Osten nicht paßten, dagegen seien die Zweckverbände für die Armen⸗ und Wegelast sehr zweckmäßig, während leistungsunfähige Gemeinden und Guts⸗ bezirke mit einander verschmolzen werden müßten. Wie die Einführung der Provinzialordnung in 85 die nationalen Gegensätze gemildert habe, so werde die Landgemeindeordnun der Sozialdemokratie einen Damm entgegensetzen. (Schlu des Blattes.)
— Zu Mitgliedern der X. Kommission des Hauses der Abgeordneten zur Vorberathung des Entwurfs eines Einkommensteuergesetzes sind gewählt worden: Die Abgg. von Bismarck, Rittmeister a. D.; von Buch, Regierungs⸗ Rath, Rittergutsbesitzer, Rittmeister der Reserve, Schrift⸗ führer; Freiherr von Hammerstein; Hoeppner, Ritter⸗ gutsbesitzer, Regierungs⸗Assessor a. D.; von Jagow, Land⸗ rath; Graf zu Limburg⸗Stirum, Wirklicher Geheimer Rath, Gesandter z. D.; Seyfarth (Rotenburg), Oekonom; Wüsten, Rittmeister a. D.; Christophersen, Grund⸗ besitzer; Stadrath, Rittmeister a. D.; Weyerbusch, Fabrikbesitzer, Rittmeister der Landwehr, Schriftführer; Freiherr von Zedlitz und Neukirch, Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath, vortragender Rath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten; von Benda, Ritter⸗ gutsbesitzer; Dr. Enneccerus, Professor; Peters, Rechts⸗ anwalt, Notar, Schriftführer; Schmieding, Landgerichts⸗ Rath, Premier⸗Lieutenant a. D.; Simon (Waldenburg), Geheimer Regierungs Rath a. D., Stellvertreter des Vorsitzenden; Tannen, Gutsbesitzer; Bachem (Mül⸗ heim), Rechtsanwalt; Fritzen (Borken), Landes⸗Rath a. D.; Freiherr von Huene, Rittergutsbesitzer, Major a. D., Vor⸗ sitzender; Dr. Ostrop, Fabrikbesitzer, Premier⸗Lieutenant a. D.; Sperlich; Landgerichts⸗Rath, Schriftführer; Graf Strachwitz, Rittergutsbesitzer; Wenders, Bürgermeister a. D.; Schroeder, Privatmann; Rickert, Landes⸗Direktor a. D.; Dr. Seelig, Professor.
Zu Mitgliedern der XI. Kommission des Hauses der Abgeordneten zur Vorberathung des Entwurfs eines Gewerbesteuergesetzes sind gewählt: die Abgg. Bartels, Geheimer Regierungs⸗Rath, vortragender Rath im Reichsamt des Innern, Stellvertreter des Vorsitzenden; Graf zu Dohna⸗Mallmitz, Kammerherr, Fideikommißbesitzer,
Abg. von Tiedemann (Labischin) verwies darauf, daß
Präsident der Handelskammer; Gleim, Fabrikbesitzet. Dr.
Hammacher, Bergwerksbesitzer; vom Heede, Fabr kbesier ¹ Dr. Schultz (Bochum), Bergrath, Bergschuldirektor, Schr f ⸗ führer; Dr. Bachem (Krefeld), Rechtsanwalt, Schrift⸗ führer; Dasbach, Aushülfspriester, Verleger, Buchdruckerei⸗ besitzer; Metzner (Frankenstein), Maurer⸗ und Schornstein⸗ fegermeister; Nels, Lederfabrikant; Pleß, Buchdruckerei⸗ besitzer; Cegielski, Maschinenfabrikbesitzer; Broemel, Schriftsteller, Generalsekretär.
Nach Schluß der Redattion eingegangene 8
Depeschen.
Köln, 1. Dezember. (W. T. B.) Hier ist Thau⸗ 188 eingetreten. Der Rhein ist seit gestern um 0,65 m gefallen.
Augsburg, 1. Dezember. (W. T. B.) In dem städtischen Krankenhause wurde bei vierzehn Kranken die Koch'sche Lymphe angewendet. Die nach der Einspritzung aufge tretenen Erscheinungen entsprachen den von Koch gemachten Erfahrungen.
Straßburg i. Els., 1. Dezember. (W. T. B.) Durch
Verfügung des Unter⸗Staatssekretärs von Schraut und mit Genehmigung des Reichskanzlers wurde die Einfuhr von italienischem Rindvieh in die Schlachthäuser der größeren Städte des Reichslandes gestattet. Triest, 1. Dezember. (W. T. B.) Der Kaise ist heute Morgen in Miramar angekommen und begab sich mittels Wagen nach dem Schloß. Da die Nacht „Miramar“, mit der Kaiserin an Bord, infolge einer heftigen Bora nicht vor dem Schloß Miramar, sondern in der Bucht von Muggia vor Anker gehen mußte, begab sich der Kaiser mittels Dampfbarkasse dorthin. Auf ihrer Fahrt durch die Stadt nach dem Schlosse wurden die Majestäten von dem Publikum ehrerbietigst begrüßt. Wien, 1. Dezember. (W. T. B.) Dem Vernehmen nach beschloß der Oberste Sanitätsrath, eine ambulatorische Behandlung mit der Koch'schen Lymphe nur dann zu gestatten, wenn die fortgesetzte Beobachtung der Kranken nach der Impfung durch einen Arzt sichergestellt sei. Fehf Impfung ist den Behörden anzuzeigen. Die offizielle Publikation der Beschlüsse des obersten Sanitäts⸗Raths soll morgen in der „Wiener Zeitung“, die ausführliche Begründung am Donnerstag in dem Organ des Sanitäts⸗Raths, dem „Oesterreichischen Sanitätswesen“, erfolgen.
Washington, 1. Dezember. (W. T. B.) Der Kongreß hat heute seine Sitzungen eröffnet. Präsident Harrison richtete an denselben eine Botschaft, welche die freund⸗ schaftlichen Beziehungen der Union zu allen Nationen Europas und des Orients erwähnt und besagt: die Bande des Wohlwollens und der Interessengemeinschaft, welche die Vereinigten Staaten mit den übrigen amerikanischen Staaten verbänden, seien durch den in Washington stattgehabten panamerikanischen Kongreß sichtlich verstärkt worden. Präsident Harrison giebt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß das von der internationalen Konferenz vorgeschlagene
seitigen, wenn man etwas unzweifelhaft Besseres an die
fetzen könne. Redner ist damit einverstanden, daß das Stimmrecht 88b die nicht Angesessenen ausgedehnt werde, und ildung von Zweckverbäuden erleichtere. Aber bedenklich sei die Codifikation, weil dadurch die Schablone ein⸗ werde, die für ländliche Verhältnisse nicht passe.
Stelle
daß man die
meinden und Gutsbezirken.
Wetterbericht vom 1. Dezember, Morgens 8 Uhr.
in 0˙ Celsins
Temperatur
Bar. auf 0 Gr u. d. Meeressp red. in Millim
— 90
2222 1 —XS8E
bectecheoeeeS
bedeckt halb bed. Regen Nebel bedeckt Schnee Regen Schnee
Mullaghmore Aberdeen 756 Christiansund Kopenhagen. Stockholm aparanda . 748 t. Petersb. 765 Moskau 774
Cork, Queens⸗ town 762 Cherbourg . 767 elher 769 8E amburg.. 772 winemünde 772 Neufahrwasser 772 Memel 770
Aris 768
Künster. 770 Karlsruhe. 769 Wiesbaden 770 München 767 Chemnitz. 773 Berlin.. 773 Wien 2774 Breslau. 774 Ile d'Aix.. 766 itsa . . 758 wolktg Triest [764 ONO bedeckt
Uebersicht der Witterung.
Ein tiefes Minimum liegt bei den Lofoten, seinen Wirkungskreis über das ganze Nord⸗ und Ostsee⸗ gebiet ausbreitend und an der norwegischen Küste stürmische, südliche und südwestliche Winde mit Regen⸗ wetter verursachend, das barometrische Maximum lagert über Süd⸗Rußland sich westwärts über Deutschland hinaus erstreckend; in Deutschland herrscht ruhiges, vorwiegend trübes und vielfach nebliges Frostwetter, nur an der Küste liegt stellen⸗ weise die Temperatur etwas über dem Gefrierpunkt. Am Nordfuß der Alpen, sowie im nordwest⸗deut⸗ schen Binnenko de herr cht ziemlich strenge Kälte.
Deutsche Seewarte.
— Theater⸗Anzeigen.
Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern⸗ haus. 245. Vorftenugg. Oberon, König der Elfen. Romantische Oper in 3 Aufzügen. Musik
5
—,— — S2g2gSe [5 °C. = 4 0R
1. — do
Regen Dunst wolkenlos wolkenlos wolkenlos halb bed. Nebel bedeckt wolkenlos Nebel bedeckt bedeckt Dunst bedeckt Nebel wolkenlos Dunst
Dunst
E EboSS
Oe= Ses certeo. beloee eSceASmeen
N0
ührer;
von C. M. von Weber. Die Recitative von 8 Wüllner. Ballet von Emil Graeb. In cene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Tetzlaff. Dirigent: Kaäpellmeister Sucher. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. 254. Vorstellung Zum 100. Male: Die Quitzows. Vaterländisches Drama in 4 Auf⸗ zügen von Ernst von Wildenbruch. Anfang 7 Uhr. Mittwoch: Opernhaus. Keine Vorstellung. 4. 1ööa der Königlichen Kapelle. Anfang ( ½ 21 Schauspielhaus. 255. Vorstellung. Der Mar⸗ quis von Robillard. Lustspiel in 4 Aufzügen von Heinrich Münden. Anfang 7 Uhr.
Beutsches Theater. Dienstag: Die Hauben⸗
lerche. Mittwoch: Faust’s Tod. Donnerstag: Der Sohn der Wildniß.
Verliner Theater. Dienstag: Die Jour⸗
nalisten. Mittwoch: Kean. Donnerstag: Zum ersten Male: Goldfische.
Tessing-Theater. Dienstag: Raskolnikow.
Schauspiel in 4 Akten nach Dostojewski von E. Zabel und E. Koppel. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch: Die Ehre.
Donnerstag: Raskolnikow.
Die nächste Aufführung des Lustspiels Das zweite Gesicht findet am Sonnabend statt. 1
Wallner-Theater. Dienstag: Gastspiel von Felix Schweighofer. Letzte Woche! Zum 56. Male: Pension]Schöller. Posse in 3 Akten nach einer W. Jacoby'schen Idee von Carl Laufs. Vorher: Zum 9. Male: In Hemdsärmeln. Schwank in 1 Auf⸗ zug von A. Günther. Anfang 7 Uhr
ittwoch u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.
In Vorbereitung: Paha. Posse in 3 Akten von Vanlos und Setorier. Deutsch von Franz von Schönthan.
Victoria-Theater. Dienstag: Zum 3. Male: Mit vollständig neuer Ausstattung. Die sieben Raben. Romantisches Zaubermärchen in 5 Akten von Emil Pohl. Musik von G. Lehnhardt. Ballet⸗ compositionen des 3. Aktes von C. A. Raida. Ballets unter Leitung des Balletmeisters C. Severini. In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur W. Hock. Anfang 7 ½ Uhr.
Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Direktion: Julius ritzsche. Dienstag: Zum 25. Male: Der önigsgardist. Oyerette in 2 Akten von W. S. Gilbert, umgearbeitet von F.
Zell und R. Genée. Musik von Arthur Sullivan
Landesältester; Eberhard, Erster Staatsanwalt, Schrift⸗ Freiherr von Richthofen,
obert⸗Tornow, Landrath; besitzer; Schreiber, Hauptmann a. D., Rittergutsbesi er; von — Tiedemann (Bomst), Kammerherr, Major a. D., Ritterguts⸗ tamentlich widersprach Redner dem Zusammenlegen von Ge⸗ besitzer, Vorsitzender; Vope lius, Rittmeister der Landwehr, Hüttenbesitzer, Burghardt (Lauban), Kommerzien⸗Rath,
Rittergutsbesitzer;
Ritterguis. und bezeugt
Schnatsmeier
In Scene gesetzt von Julius Fritzsche. Dirigent: Hr. Kapellmeister Federmann. Hierauf: Mit durchaus neuer Ausstattung: Zum 25. Male: Sonne und Erde. Pantomimisches Ballet in 4 Bildern von F. Gaul und J. Haßreiter. Musik von J. Bayer. Beallet⸗ Arrangement vom Balletmeister J. Gundlach. Anfang 7 Uhr.
Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.
Sonntag: Nachmittags⸗Vorstellung bei bedeutend ermäßigten Preisen. Die Puppenfee. Hierauf: Die Jagd.
Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Dienstag: Zum 11. Male: Der Kampf ums Dasein. (La lutte pour la vie.) Sittenbild in 5 Akten von Alphonse Daudet. Deutsch von Eugen Zabel. Anfang 7 ½ Uhr.
Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.
Belle-Alliance-Theater. Dienstag: Ensemble⸗
Gastspiel von Mitgliedern des Wallner⸗CTheaters.
Der Jongleur. Posse in 4 Abtheilungen von
Fmi. Pohl. Musik von A. Conradi. Anfang r.
Mittwoch und folgende Tage: Einer von uns're
Leut'. In Vorbereitung: Familie Knickmeyer.
Schwank in 4 Akten von Fritz Berend.
Adolph Ernst-Theater. Dienstag: Zum 87. Male: Unsere Don Inaus. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Görß. Musik von Franz Roth und Adolph Ferron. Anfang 7 ½ Uhr.
Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.
Thomas-Theater. Alte ZJakobstraße 30. Direktion: E. Thomas. Dienstag: Der Sol⸗
datenfreund. Mittwoch und folgende Tage: Der Soldaten⸗
freund.
Concert⸗Anzeigen.
Concert-Haus. Dienstag: Carl Meyder⸗ Concert. Ouv. „Tell“, Rossini. „Stradella“, Flotow. „Valse de Concert“ von Chopin. „Moto perpetuo“ für die Violine von Paganini, vorgetr. von Hrn. Concertmeister Wolff. „The lost Chord“ für Piston von Sullivan, vorgetragen von Hrn. Richter. „Helgoländer Walzer“ (Novität) von Mellin.
Urania, Anstalt für volksthümliche Naturkunde.
Am Landes⸗Ausstellungs⸗Park (Lehrter Bahnhof) Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlag⸗
zettel. *
Schiffahrts⸗Reglement von allen Mächten angenommen werde, seine Sympathie der Antisklaverei⸗Konferenz, deren Beschlüsse dem Senat unterbreitet werden würden, so⸗ bald die Niederlande ihre Zustimmung gegeben haben.
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten, Zweiten
und Dritten Beilage.)
Circus Renz. (Carlstraße.) Dienstag: Abends 7 Uhr. Gesetzlich geschützt. Im dunklen Erd⸗ theil. (Einnahme von Bagamoyo) Große equestrische Original⸗Pantomime dem akfrikanischen Leben entnommen, arrangirt und in Scene gesetzt vom Direktor E. Renz. Der phänomenale Reit⸗ künstler I F. Clarke in seinen unübertrefflichen Flipeflaps, Doppel⸗Pirouetten und Vor⸗ und Rück⸗ wärts⸗Saltomortales. 6 irländische Jagdpferde (Non plus ultra der Pferdedressur), zusammen dress. und vorgef. von Hrn. Franz Renz. Jeu de la rose, geritten von Frl. Clot. Hager und Miß Lillie Meers. Schulpferd Negro, ger. von Mm. Vidal. 3 Athleten zu Pferde v d. Gebr. Briatore. Mr. Rodgers, berühmter Luftgymnastiker. Auftreten der Reit⸗ künstlerin Miß Lillie Meers und Frl. Gierach. Komische Entrées und Intermezzos von sämmtlichen Clowns.
Mittwoch: Abends 7 Uhr Vorstellung. WW˙˙,˙‧.
Familien⸗Nachrichten.
Verlobt: Frl. Barbara Poppe mit Hrn. Prem.⸗ Lieut. Max v. Scheel (Zittau). — Frl. Wanda v. Schlieben mit Hrn. Rittergutsbesitzer Konrad v. Poser (Liegnitz). 8
Verehelicht: Hr. Rittmeister Jochmus mit Frl. Jenny Schnirmann (Hannover). — Hr. Diakonus
ugo Ch. Schwarzkopf mit Frl. Marie Streubel Cöthen i. Anh.). — Hr. Eduard Theod. Pearson mit Frl. Mania de Corvin⸗Kroukowskoy (London — St. F — Hr. Wilh. Reuther mit Frl. Maria Richter (Brooklyn — New⸗York).
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Landrath von Hol⸗ leuffer (Löwenberg). — Hrn. Rechtsanwalt A. Hoppe (Hannover). — Hrn. Major v. d. Marwitz (Berlin). — Hrn. Paul Pawel (Neumarkt in Schles.). — Hrn. Lehrer Alb Gleis (Breslau). — Hrn. Herm. Riedel (Leipzig⸗Neustadt). — Eine Tochter: Hrn von Hüllesheim (Hohenfriedeberg). Hrn. Otto Eichholz jun. (Berlin).
Gestorben: Hr. Kgl. Stationskassen⸗Rendant Al⸗ bert Böttcher (Leipzig). — Frl. Theone von Ponickau (auf Nehmitz). — Hr. Rentier Karl Wolters (Göttingen). — Hr. Karl Friedr. Wilh. Seidel (Glogau). — 8 verw. Amalia Loehr, geb. Steinicke (Berlin). — Freiin Luise von Vincke (Rathmannsdorf). — Frau Lina Scheele, geb. Scheele (Sehlde).
Redacteur: Dr. H. Klee.
Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).
Druck der Norddeutschen ö und Verlags⸗ Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.
8 Neun Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
8
11“
en Rei
“
1“
ssch
Der Große Kurfürst und die Kunst.
Die heutige Jubiläumsfeier läßt uns der großen, noch lange nicht allgemein genug gewürdigten, Verdienste des ewaltigen Ahnen aus dem Hohenzollernhause, welche er um unst und Wissenschast sich erworben, in Verehrung und Dank⸗ barkeit gedenken. Seine Jugenderlebnisse hatten ihn schon früh für die höheren Interessen der Menschheit empfänglich gemacht. Er, der vor der Leiche Gustav Adolph's als Knabe gestanden, der dann in den Niederlanden gelebt, auf der Universität zu Leyden studirt, dort die Künste und Wissenschaften neben dem Luxus der reichen Kaufleute und Rheder kennen gelernt und den Gegensatz zu seinem Heimaths⸗ lande hatte empfinden müssen — er kam bei allen Kreuz⸗ und Querzügen der ö immer wieder darauf zurück, die Kultur seines eigenen Volks zu heben und es zu Kunst und Gewerbethätigkeit zu erziehen. — Hatte er doch selbst Vorliebe für Malerei, Baukunst, Naturwissenschaft, Geschichte und Gewerbe. Seinen Kindern ließ er von Malern Unterricht ertheilen — die Zeichnungen befinden sich noch in der hiesigen Bibliothek —; er selbst sammelte nicht blos japanische Porzellane, welche das Schloß seiner Gemahlin Luise Henriette in Oranienburg schmückten, sondern er berief Künstler wie Wilhelm Honthorst, Schüler des Sandrart, als Hof⸗ maler nach Berlin, und ließ diesem aus Holland die Maler Elliger, Wieling und Roye nachfolgen. Ihre Gemälde, welche, außer Stillleben des Letzteren, meist die Porträts des Kurfürsten, seiner Gemahlin und Kinder darstellen, zieren noch heute die Räume des Königlichen Schlosses hierselbst neben den zwölf Marmorbildern branden⸗ burgischer Fürsten von Eggers, welche dieser in Amsterdam für Friedrich Wilhelm anfertigte. Durch den vlämischen Maler Willeboirts hatte er seine Vermählung mit der Oranierin in einer großen Allegorie verherrlichen, seine spätere Wieder⸗ verheirathung aber durch eine besondere Denkmünze, in gleicher Weise wie die Schlacht von Fehrbellin, feiern lassen. Sein verwahrlostes Schloß in Berlin mußten Nehring und Memhardt neu herrichten und holländische Maler ausschmücken, nachdem er die heimischen als untüchtig erkannt; der Lustgarten wurde durch den Kunstgärtner Hauff verschönt, mit Grotten und Statuen geziert, auch die Lindenpromenade nach dem Thier⸗ garten angelegt. Er selbst aber trug sich elegant, geschmack⸗ volle Spitzen schauten aus Aermeln, Brust und am Halse hervor; sein Degen war aus der Werkstatt des berühmten Elfenbeinfchneiders uud Graveurs Leygrebe; seine Whistmarken zeigten ornamentalen Schmuck, ebenso wie das Szepter. Sein Sinn für das Kunstgewerbe bethätigte sich überall; er legte eine der Brabanter ähnliche Fabrik für gewirkte Tapeten an, es mögen aus dieser die sechs im Hohenzollern⸗Museum befind⸗ lichen, einige Jahre nach seinem Tode angefertigten, großen, seine Kriegsthaten verherrlichenden Gobelins herrühren; das Anfangs dieses Jahres durch die Munifizenz seiner Majestät ausgestellt gewesene große Frühstücksbuffet in Delfter Manier aus zinnglasirtem Thon mit blauem Dekor ist augenscheinlich 8 jener Zeit in Berlin von holländischen Arbeitern ange⸗
“
zum Den
ertigt worden. Des Kurfürsten Förderung der Naturwissen⸗ chaften verdanken wir die durch den aus Dresden berufenen Alchimisten Kunkel auf der Pfaueninsel hergestellten Rubingläser, deren leuchtende Schönheit nachzubilden erst in jüngster Zeit der Ehrenfelder Glashütte gelungen ist; mit diesen sog. „Kunkelgläsern“ hat der böhmischen Industrie ebenso wie durch Beschäftigung der aufgenommenen Protestanten den französischen Gewerben Konkurrenz gemacht werden sollen. Zur damaligen Zeit war für den fernen Osten der deutschen Marken diese Thätigkeit des Kurfürsten geradezu staunen⸗ erregend; die Widmung der Sandrart'’schen „teutschen Akademie“ an ihn spricht dies bereits 1678 aus. Kein Wunder, daß ihn, den Helden und Wohlthäter, seine Nachfolger bis zur heutigen Stunde in Werken der Kunst haben feiern lassen! Schlüter's Reiterstand⸗ bild, Eibel's „Schlacht bei Fehrbellin“, Camphausen’'s „Feld⸗ herrnbild“ im Schlosse, Nikutowski's „Schlittenfahrt über das frische Haff“ in der Ruhmeshalle, Kretschmer's „Uebergang nach Rügen“, Hugo Vogel's „Aufnahme der Refugiés“ — sie legen ebenso Zeugniß ab von den Heldenthaten des Gefeierten, wie die Legen de vom „Fehrbelliner Kinde“, welches der Kurfürst
aus einem verlassenen Dorf auf sein Roß nimmt, und mit
dem er, gl eichsam ein zweiter Christophorus, unverletzt aus der Schlacht zurückkehrt, Zeugniß giebt von der Liebe des
Herrschers zu seinem eigenen, damals fast ebenso “ Z.
Haus der Abgeordneten. Sitzung vom 29. November 1890.
Der Sitzung wohnen bei: der Präsident des Staats⸗Ministeriums, Reichskanzler von Caprivi, der Vize . des Staats⸗ Ministeriums, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher, der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. von Goßler, der Minister des
Innern Herrfurth, der Finanz⸗Minister Dr. Miquel und der Minister
für Landwirthschaft ꝛc. von Heyden. Auf der Tagesordnung steht 5ö die Interpellation des Abg. Dr. Graf (Elberfeld) u. Gen.: „Die Unterzeichneten erlauben sich an die Königliche Staats⸗ regierung die Anfrage zu richten: welche Schritte dieselbe zur Förderung und weiteren Nutzbar⸗ machung des Koch'schen Heilverfahrens in Aussicht genommen hat.“ Auf eine Anfrage des Präsidenten von Köller erklärt sich der Minister der geistlichen ꝛc Angelegenheiten Dr. von Goßler Namens der Staatsregierung bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Dr. Graf (Elberfeld): Es sei am 4. August dieses Jahres in der ersten allgemeinen Sitzung des internationalen medi⸗ zinischen Kongresses gewesen, als in seinem Vortrage Robert Koch ge⸗ sagt habe, daß er ein Mittel gefunden habe, welches im Stande sei, Versuchsthiere unempfänglich gegen den Tuberkelbacillus zu machen und in schon erkrankten Theilen den Prozeß zum Stillstand zu bringen. Solche Worte aus solchem Munde hätten nicht verfehlen können, eine große Erregung unter den anwesenden Aerzten hervor⸗
1“
8
“ 0
“ 8 . Erste Beilage
Anzeiger und Königlich Preußischen
Berlin, Montag, den 1. Dezember
8
zurufen. Diese Erregung sei in der medizinischen Welt gestiegen, als am 13. November die bekannte Publikation Koch's erfolgt sei, welche auch die erfolgreiche Anwendung des Mittels an erkrankten Menschen nachgewiesen habe. Seit jenem Tage hätten, Dank dem liebent⸗ würdigen Entgegenkommen der Berliner klinischen Institute und Krankenhäuser, viele Hundert Aerzte Gelegenheit gehabt, sich über den Stand der Sache zu unterrichten und die Wirkungen der neuen Heilmethode zu beobachten und zu verfolgen. Sei nun auch die Zeit zu einem abschließenden Urtheil noch nicht gekommen und bedürfe es zunächst noch einer längeren Periode, um die Arbeiten kritisch zu sichten, so stehe doch heute schon fest, daß man hier ein Mittel habe, welches auf tuberkulöse Prozesse in den verschiebensten Drganen in kurzer Frist eine sichere Wirkung ausübe, daß man dadurch im Stande sei, die Diagnose solcher Prozesse zu sichern und in geeigneten Fällen die Heilung zu bewirken oder mindestent zu begünstigen, daß man also in der Lage sei, gegen diese mörderische Krankheit auf direktem Wege vorzugehen, welche bis bvahin Lerall, wo sie nicht dem Messer des Chirurgen Angriff geboten babe, nur dem indirekten Heilverfahren zugänglich gewesen sei. Er halte sich für berechtigt, an dieser Stelle der hohen Freude Austruck zu geben, daß es einer der Unsrigen gewesen sei, dem diese folgenschwere Entdeckung ge⸗ lungen sei (Beifall), daß der Lorbeer, welcher heute von allen Kulturnationen unserem großen Landsmann dargebracht werde, zugleich eine Huldigung für die deutsche Wissenschaft und deutsche Forschung sei. (Beifall.) Es sei aber unausbleiblich gewesen, daß durch den enormen Zudrang zahlreicher Hülfesuchenden Mißbräuche der verschiedensten Art entstanden seien, daß das vergebliche Bemühen ven Kranken und Aerzten, in den Besitz des kostbaren Mittels zu kommen, Mißstimmung und scharfe Kritik mit sich ge⸗ bracht habe. Daß die überschwenglichen Hoffnungen, welche sich an diese Mittheilung geknüpft hatten, vor welchen Niemand nachdrück⸗licher gewarnt habe, als der Entdecker selbst, Enttäu⸗ schungen zur Folge haben mußten, sei unvermeidlich gewesen; immerhin erfordere die Angelegenheit unsere ganze Aufmerk⸗ samkeit. Es sei ferner einleuchtend, daß ein so mächtig wirkendes Mittel, welches Fieberzustände oft in sehr hohem Maße herbeiführe, nur von berufener Hand, nur mit sorgfältigster Auswahl der geeigneten Fälle und mit bestimmten Vorsichtsmaßregeln
bei Patienten angewendet werden könne. Jeder Arzt, welcher das
Mittel anwende, werde sich seiner vollen Verantwortung bewußt sein. Aus dieser Sachlage entsprängen der Staatsregierung besondere
Verpflichtungen. Zunächst werde es ihre Pflicht sein, in geeigneter Koch, in der Lage gewesen i, in disekt.
und ausgiebiger Weise die klinischen Institute zu schaffen, in welchen die Angelegenheit eine weitere Förderung erhalten könne. Es werde ferner nothwendig sein, soweit es in ihrer Macht stehe, dafür zu sorgen, daß das Mittel in genügender Menge und in der gleichen untadelhaften Qualität hergestellt werde, daß ein geeigneter Vertheilungs⸗ modus gefunden werde, bei welchem die natürlichen Central⸗ stellen, die Krankenhäuser und Heilanstalten im ganzen Lande in erster Linie zu berücksichtigen seien. Es werde ferner zu erwägen sein, unter welchen Modalitäten das Mittel in die Hände der anderen Aerzte gelangen, und in wie weit man schließlich den Pflichten gegen das Ausland nachkommen könne. Später würden auch die thierärzt⸗ lichen Hochschulen und die landwirthschaftlichen Anstalten zu berück⸗ sichtigen sein, denn die Bekämpfung der Tuberkulose sei auch von hohem Interesse für die Landwirthschaft, wirke so wieder auf die menschliche Gesundheit zurück, sei überhaupt auch von hohem wirth⸗
schaftlichem Interesse. (Sehr richtig.) Bei einem geregelten Ver⸗ theilungsmodus werde das Hasten und Drängen nach dem Mittel aufhören, es würden berechtigte und unberechtigte Klagen verstummen. In welcher Weise die Regierung in der Lage sei, dieser letzteren Forde⸗ rung gerecht zu werden, ob durch Uebernahme des Mittels auf den Staat, Monopolisirung oder auf andere Weise, darüber erlaube er sich kein Urtheil; über eines aber herrsche allgemeines Einverständniß, daß ein solches Mittel entsprechend den Intentionen des großen, selbst⸗ losen Erfinders dem gewerbsmäßigen Betriebe und der gewerbsmäßigen Ausbeutung dauernd entzogen bleiben müsse. (Beifall.) Er sei der Ueberzeugung, daß die Staatsregierung allen diesen Verhältnissen ihre thatkräftige Fürsorge zu widmen habe; hierüber nicht nur vor der Landesvertretung, sondern vor dem ganzen Lande Aufklärung und Ge⸗ wißheit zu verschaffen, sei der Zweck der Interpellation.
Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. von Goßler:
Meine Herren! Ich bin dem Herrn Interpellanten und dem ganzen hohen Hause dankbar, die überaus wichtige, in ihren Folgen völlig unübersehbare Angelegenheit in aller Ruhe behandeln zu können. Ich bin dem Herrn Vorredner namentlich dafür dankbar, daß er mit der⸗ jenigen Nüchternheit und Objektivität an die Angelegenheit heran⸗ getreten ist, welcher sie meines Erachtens fähig, dann aber auch in jeder Beziehung fähig und würdig ist.
Ich knüpfe wie der Herr Vorredner an Thatsachen an, und aus der Fülle des thatsächlichen Materials will ich mir erlauben, einige Momente zu bezeichnen, welche Sie unmittelbar in die Lage versetzen, an die Beantwortung der gestellten Frage mit mir gemeinsam heranzutreten.
Ich erinnere gleichfalls an den 4. August und hebe aus dem Vor⸗ trage des Professors Robert Koch den Schluß hervor, der dahin ging, er halte es für durchaus möglich und wahrscheinlich, daß die Ent⸗ deckung, die er auf dem Gebiete des Tuberkelbacillus gemacht habe, auch zu einer Verwerthung in der Heilkunst führen könnte. Und er setzte hinzu, es sei bisher vor Allem der Fehler gemacht worden, daß man empirisch oder nur durch eine Intuition das Ziel habe erreichen wollen, mit irgend welchen Mitteln direkt der Tuberkulose entgegen⸗ zutreten, während ein logischer Versuch einen anderen Weg einschlagen müßte. Als diesen Weg bezeichnete er erstens die Auffindung von Mitteln gegen die Tuberkelbacillen, welche außer⸗
halb eines lebendigen Körpers auf einem Nährboden erzeugt
worden wären, zweitens anschlteßend den Thierversuch und drittens in weiterer Folge den Menschenversuch. Er entwickelte ganz kurz und knapp, daß er zahlreiche Mittel gefunden habe, um in den sogenannten Reinkulturen den Tuberkelbacillus zu vernichten. Die
Hoffnung, die sich bei jedem Zuhörer an diese Eröffnung knüpfte, schlug
er sofort zu Boden, indem er sagte, daß alle die gefundenen Mittel sich gänzlich wirkungslos beim Thierversuch erwiesen hätten; aber er schloß seinen grundlegenden und für alle Zeiten unvergeßlichen Vortrag mit dem hoffnungsvollen Ausblick, indem er sagte, daß ihm gleichwohl
auf anderem Wege gelungen sei, bei den Thierversuchen einen Stoff
iu finden, welcher sowohl das Thier immun mache gegen die Ein⸗ impfung des Tuberkelbacillus, als auch die Krankheitserscheinungen in einem infizirtem Thier zurückbilde oder mindestens aufhalte.
Dies wirkte in der gesammten Welt wie ein Donnerschlag, und von dem Moment an war natürlich die Aufmerksamkeit auf die Person von Robert Koch gerichtet. Er entzog sich selbstverständlich un⸗ mittelbar nach dem Vortrage allen weiteren Anfragen durch eine beschleunigte Reise, die er so lange ausdehnte, bis sich der Kongreß verlaufen hatte. Bald darauf trat er insgeheim in einen Versuch des Mittels ein, nun nicht mehr am Thier, sondern auch schon am Menschen.
Zunächst wandte er unter der Hand sein Mittel an, und zwar ohne seine perfönliche Kontrole in der Charite. Sie haben in diese Anwendungen durch die Vorträge und Publikationen des ProfessorsFräntzel und des Ober⸗Stabsarztes Köhler einen Einblick gewonnen. Dann machte er den berühmten Versuch an sich. Dieser Versuch an sich war ein so gewaltiger, daß nur ein so fest ent⸗ schlossener Charakter den Versuch machen konnte. Koch hatte eine Dosis genommen, die um fünf Zentigramm größer war als die größte, welche bis dahin einem Kranken in der Charité gegeben war; aber aus den schweren Wirkungen, welche er davon ver⸗ spürte, hat er die Möglichkeit gewonnen, diejenigen Rathschläge zu erz. theilen, welche für die Anwendung des Mittels in der Zukunft von Anfang an einen sicheren Fingerzeig darboten und dahin gingen, zu⸗ nächst Minimaldosen zu geben und erst allmählich zu Maximaldosen aufzusteigen. Dann wandte er sich an Professor Brieger, welcher neben seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten auch die ärztliche Praxis als konsultirender Arzt betreibt und als ein hervorragend tüchtiger Forscher bekannt ist. Brieger arbeitete unten in dem hygienischen Institut, seine Arbeiten liegen übrigens auf verwandten Gebieten; namentlich hat er sich einen bleibenden Ruhm durch die mit Fränkel gemeinsam betriebene Erforschung des Diphtheritisbacillus er⸗ worben. Durch Brieger wurde Koch bekannt mit der chirurgischen Privatklinik des in den Zeitungen in letzter Zeit mehrfach genannten Dr. Levy. Ich halte mich verpflichtet, an der Hand der Mit⸗ theilungen des Professors Koch zu bemerken, daß, so lange
zu beobachten, er in jeder Weise der dort herrschenden Thätigkeit und Interesselosigkeit seine Anerkennung gezollt hat. Seine persönliche Kenntniß erstreckt sich allerdings nur auf diese Zeit der Vorversuche. Aber ich fühle mich verpflichtet, auch nach Rücksprache am gestrigen Tage noch mit Professor Koch, hier zu erwähnen, daß damals die dortigen Kranken 1,75 ℳ zahlten, denselben Satz, den wir in der Charité nehmen; daß damals in dieser Klinik ein lungen⸗ kranker früherer Student kostenfrei aufgenommen ist, obwohl Koch aus eigenen Mitteln das Krankengeld zahlen wollte. Weiter ist auch Dr. Cornet, jetzt mehrfach in den Zeitungen ge⸗ nannt, in die praktischen Versuche des Professors Koch hineingezogen worden. Dr. Cornet ist bekannt geworden durch epochemachende Arbeiten auf dem Gebiete der Lungenschwindsucht bei den kranken⸗ pflegenden Orden und Kongregationen. Ich habe im vorigen Jahre
auf Kosten des Staats seine in dem hiesigen hygienischen
Institute entstandenen Arbeiten verbreiten lassen, Arbeiten, welche die Anerkennung und mehr noch als das, die wärmste Anerkennung aller Sachverständigen erworben haben. Cornet hat auf Koch's Anregung eine ausgedehnte Praxis entwickelt, und über die finanzielle Seite derselben werde ich mir erlauben, noch an anderer Stelle eine Mittheilung zu machen, welche mir soeben zu⸗ gegangen ist.
Schließlich ist noch zu nennen Dr. Dengel, ein Freund des Dr. Pfuhl, welcher eine angesehene Privatpraxis hat und in derselben Versuche mit dem Mittel anstellte. Ich glaube, über diesen Namen sind die Akten als geschlossen zu betrachten und Fragezeichen bestehen hinsichtlich des Dr. Dengel nicht.
So habe ich Ihnen eine Uebersicht des Ganges gegeben, welchen die Koch'schen Versuche in der Praxis zunächst nahmen.
Alle diese Versuche mit ihren zum Theil verblüffenden Resultaten konnten nicht ganz unbekannt bleiben. Man ersah aus den Zeitungen allmählich einzelne Notizen, die sich auch ins Ansland verirrten, und aus der ausländischen Presse bekamen wir bald eine Fülle oft recht hämischer abfälliger Urtheile, voll Schadenfrende darüber, daß das, was Koch am 4. August angedentet habe, berrits wie Glas zerschlagen sei. Ich wartete geduldig, bis diese Angelegenheit an mich herantreten würde, und es war ungefähr der 20. Oktober, als Professor Koch sich meinem Referenten, dem Geheimrath Althoff, anvertrante und ihm mittheilte, er habe ein Spezisikum gegen Tuberkulose gefunden; er glaube, — so fügte er hinzu — daß er seinen Pflichten als Bor⸗ steher des Hygienischen Instituts nicht mehr nachkommen könne, daß ein Ruf nach einer anderen Richtung ihm geworden sei, und er regte die Frage an, ob es nicht richtiger sei, wenn er aus dem Staatsdienst ausscheide. Meine Herren, ein solches Verhalten ist nur verstehbar für diejenigen, die das Glück haben, Koch näder zu kennen, mie er mir im Laufe der Jahre beschieden worden ist. Die Antmork mar natürlich die, welche in allen äbnlichen Fällen eintritt. Es ist. wenigstens bei mir, in der preußischen Unterrichtsverwaltung Praris, daß, wenn hervorragende wissenschaftliche Lehrer auf ein Forschungsgediet gelommen sind, wo sie die ganze Konzentration ihrer Kraft gebrauchen, um at- schließende Arbeiten zu machen, ich es immer für die Anfgahe des Staates gehalten babe, diesen Herren hierfür durch Enthindung von ihren Lehrverpflichtungen die Muße und, wenn ich kann, auch Mittel zu gewähren. Es giebt immer mehrere hervorragende Forscher, melche von mir auf ein oder zwei Jahre — natürlich mit Aerhüächsster Ermächtigung — beurlaubt worden sind, um ihren Forscherpflüchten nachzugehen. 8.
Es war der 24. Oktober, als die Verfügung erkasssen muüte. welche die Beurlanbung des Dr. Koch anssprach und Dr. n. Gemanch mit seiner Stellvertretung betraute. Mit diesem Angenblücke war das Geheimniß zerrissen, und alle Bemühungen, den Schleier einiger⸗