1891 / 5 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 06 Jan 1891 18:00:01 GMT) scan diff

gemeinde Linden eine Vertretung in der Landschaft verschafft werden soll.

Der umfassende Bericht des Provinzialausschusses über die Er⸗ gebnisse der Provinzialverwaltung für das Jahr 1. April 1889/90 liefert von Neuem ein erfreuliches Bild von der regen Thätigkeit und von den erheblichen Fortschritten auf den verschiedenen Ibrer kommu⸗ nalen Verwaltung anvertrauten Gebieten. Freilich mackt sich auch in Ihrer Verwaltung, wie bereits seit längerer Zeit in der Ver⸗ walkung von Staaten und Korporationen, die Erscheinung geltend, daß gegenüber den mit den stetig wachsenden Bedürfnissen steigenden Ausgaben die vorhandenen bis dahin ausreichend gewesenen Ein⸗ nahmequellen nicht mehr genügen.

Sie sind damit vor die Frage gestellt, ob Sie in der bisherigen von allgemeiner Zustimmung getragenen fortschreitenden Art Ihrer Verwaltung sich wesentliche, sicherlich unerwünschte und vielfach, ins⸗ besondere auf dem Gebiete des Straßenbaues, kaum ausführbare Einschränkungen auferlegen oder neue Einnahmen sich verschaffen wollen. Ich überlasse mich umsomehr der Hoffnung, daß Sie sich für das Zweite entscheiden werden, weil die Kreise der Provinz zum Aufbringen höherer Provinzialumlagen wohl im Stande sein werden, in Folge der be⸗ deutenden, aus der sog. lex Huene ihnen erwachsenden Zuwendungen, Einnahmen, welche den Kreisen oder Gemeinden vorauesichtlich, wenn auch vielleicht in anderer Form, auch künftig erhalten bleiben werden. Im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Königs erkläre ich auf Grund des §. 26 der Provinzialordnung den vierundzwanzigsten Provinzial⸗Landtag für eröffnet.

Graf Münster brachte darauf ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, in das die Land⸗ tagsmitglieder dreimal begeistert einstimmten. Der Ober⸗ Präsident verließ dann den Saal. Den Vorsitz übernahm der Landschafts⸗Rath Meyer⸗Essen als ältestes Mitglied; die beiden jüngsten Mitglieder fungirten als Schriftführer. Die Präsenzliste ergab, daß etwa 80 Mitglieder anwesend waren.

Auf Vorschlag des Abg. von Rössing wurde Graf Münster zum Eästen, Stadtdirektor Haltenhoff zum Zweiten Vorsitzenden durch Akklamation gewählt. 8

Graf Münster nahm die Wahl an und dankte für das ihm schon oft bewiesene Vertrauen. Ebenso war Stadt⸗ direktor Haltenhoff zur Annahme der Wahl mit Dank bereit.

Frankfurt a. M., 5. Januar. Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Luxemburg wird sich nach einer Mittheilung der „Magd. Ztg.“ am 7. d. M. nach Luxem⸗ burg begeben, wo er am folgenden Tage den deutschen Minister⸗Residenten Grafen Wallwitz empfangen wird, der bereits vor einigen Tagen dort eingetroffen ist. Se. König⸗ liche Hoheit der Erbgroßherzog reist am 8. d. M. nach London.

Sachsen.

Dresden, 5. Januar. Nach der jetzt erschienenen Rangliste des XII. (Königlich sächsischen) Armee⸗ Corps zählt das Corps, wie die „Leipz. Ztg.“ mittheilt, ins⸗ gesammt 2497 Offiziere, 462 im Offiziersrang stehende Aerzte, 9 Auditeure und 58 Zahlmeister. Von den 2497 Offi⸗ zieren kommen 1131 auf den Aktivstand, 636 auf die Reserve, 354 auf die Landwehr ersten, und 376 auf die Landwehr zweiten Aufgebots. Von den aktiven Offizieren waren 22 Generäle (1 General⸗Feldmarschall, 1 General der Infanterie, 4 Generäle der Kavallerie, 5 General⸗Lieutenants und 11 General⸗Majore), 145 Stabsoffiziere (28 Oberste, 31 Oberst⸗Lieutenants und 86 Majore), 271 Hauptleute und Rittmeister (darunter 161 der Infanterie, 40 der Kavallerie), 248 Premier⸗Lieutenants (darunter 152 der Infanterie, 34 der Kavallerie) und 445 Second⸗Lieutenants (darunter 259 der Infanterie und 71 der Kavallerie). Bei der Reserve gab es 28 Hauptleute und Rittmeister, 122 Premier⸗Lieutenants und 486 Sccond⸗Lieutenants, bei der Landwehr ersten Aufgebots 44 Hauptleute und Rittmeister, 120 Premier⸗Lieutenants und 190 Second Lieutenants, bei der Landwehr zweiten Aufgebots 25 Hauptleute und Rittmeister, 212 Premier⸗Lieutenants und 139 Second⸗Lieutenants. Gegen das Jahr 1890 hat sich die Zahl der Offiziere um 49 ver⸗ mehrt, und zwar im Aktivstand um 16, in der Reserve um 1 und in der Landwehr zweiten Aufgebots um 43, während in

der Landwehr ersten Aufgebots 11 weniger vorhanden sind.

Württemberg.

Stuttgart, 5. Januar. Ihre Majestäten der König und die Königin empfingen, wie der „St.⸗A. f. W.“ meldet, gestern Nachmittag Ihre Königlichen Hoheiten den Erbgroß⸗ herzog und die Erbgroßherzogin von Baden, Höchst⸗ welche sodann mit dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm, sowie der Herzogin Wera bei Ihren Majestäten das Diner einnahmwen. 11A““

3 Karlsruhe, 5. Januar. Se. Königliche Hoheit der

Großherzog hat, wie „W. T B.“ meldet, eines andauernden

Katarrhs wegen auf die beabsichtigte Reise nach Berlin ver⸗

ESLachsen⸗Meiningen.

1 Meiningen, 5. Januar. Die Gesammtschuld des

Herzogthums betrug, wie⸗ die „Weim. Ztg.“ berichtet, zu

Ende des Jahres 1889 12 580 948 und hat sich in dem enannten Jahre um 182 683 vermindert.

Das Zählungsergebniß vom 1. v. M. ist bereits

vorläufig für das ganze Land bekannt gegeben. Hiernach hat das Herzogthum 223 920 Einwohner, gegen 1885 ein Mehr von 9036 oder 4,21 vom Hundert. Nach der Kreiseintheilung des Landes hat sich der Kreis Sonneberg am Stärksten, um 3796 Personen oder 7,93 Proz., der Kreis Hildburghausen am Schwächsten um 1282 oder 2,45 Proz. vermehrt.

Anhalt.

Dessau, 4. Januar. Se. Durchlaucht der Fürrst von Schwarzburg⸗Sondershausen ist nach dem „A. St.⸗A. gestern Abend hier eingetroffen.

. Oesterreich⸗Ungarn.

Wien, 6. Januar. Wie die „Presse“ meldet, wurde in der gestrigen Sitzung der österreichisch⸗un arischen Zollkonferenz über die Handelsvertrags⸗Ver andlungen mit der Türkei berathen; auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung dieser Konferenz steht der Handelsvertrag mit Deutschland.

In der letzten Sitzung des Obersten Sanitätsraths wurde ein allgemeines Programm festgestellt in Betreff der Einrichtung von hygienischen Instituten, um

den Ansorderungen an die nothwendige hygienische Aus⸗ bildung der Aerzte, insbesondere der Sanitätsbeamten zu genügen, sowie bezüglich einer entsprechenden Ver⸗ tretung des hygienischen Faches bei den medizi⸗ nischen Fakultäten. Desgleichen wurden die maßgebenden Gesichtspunkte festgestellt für die nothwendige Pflege des bakteriologischen Studiums durch Errichtung besonderer In⸗ stitute in den Universitätsstädten. Zum Schluß theilte der Vorsitzende ein Schreiben des Minister⸗Präsidenten Grafen Taaffe mit, in welchem derselbe allen Mitgliedern des Obersten Sanitätsraths seinen Dank und seine Anerkennung für ihre fruchtbringende Thätigkeit ausspricht. 1

In der gestrigen Sitzung des böhmischen Land⸗ tages kam laut Meldung des „W. T. B.“ eine Zuschrift des Statthalters zur Verlesung, welche auf den vorjährigen Beschluß des Landtages in der Sprachenfrage antwortet. In der Zuschrift wird auf die veröffentlichten Sprachenverordnungen hingewiesen und er⸗ klärt, die Regierung sei noch nicht in der Lage, dem Landtage darauf bezügliche Vorlagen zu unterbreiten, werde jedoch nicht unterlassen, sofern die Durchführung der Beschlüsse der Wiener Konferenz zur Aenderung der Gerichtsorganisation in Böhmen führe, das Gutachten des Landtages Betreffs der Grundsätze der Gerichtsorganisa⸗ tion einzuholen. In Betreff der Revision der Sprachenver⸗ ordnung vom Jahre 1880 wird ausgeführt, die Regierung könne die Revision im Sinne der Wiener Konferenzbeschlüsse an denen die Regierung in allen Punkten festhalte, erst nach der Durchführung der Aenderungen der Gerichtssprengel in Erwägung ziehen. Bei der Revision der Aenderungen der Gerichtsorganisation werde die Regierung die Wünsche des Landtages eingehend würdigen, unter Wahrung der Ein⸗ heit des Landes, der Gleichberechtigung der Volksstämme, der berechtigten Interessen der Rechtsuchenden und der An⸗ forderungen des Dienstes. Der Statthalter erklärte sodann, mit der verlesenen Zuschrift erscheine die Interpellation Riegers erledigt. Der Landtag überwies die Zuschrift der Ausgleichs⸗ kommission und begann sodann die Berathung des §. 18 der Landeskulturraths⸗Vorlage. h

Großbritannien und Irland.

Der Sekretär im Ministerium der Posten, Blackwood, ließ gestern die Beamten der dem Ministerium unter⸗ stellten Sparkassen zu sich kommen und hielt eine längere Ansprache an dieselben, in welcher er auf am letzten Freitag vorgekommene Fälle von Insub⸗ ordination hinwies (sie hatten sich, wie bereits gestern ge⸗ meldet, geweigert, zwei Stunden über ihre Bureauzeit hinaus im Dienst zu bleiben) und betonte: es sei die Pflicht aller Beamten, vom höchsten bis zum niedrigsten, ihre persönlichen Interessen denjenigen des Landes unterzuordnen. Eine große Zahl der betreffenden Beamten hat nunmehr Entschuldigungs⸗ schreiben an den General⸗Postmeister Raikes gerichtet und der letztere sich bereit erklärt, sie persönlich zu vernehmen.

Die irischen Deputirten O'Brien und Gill haben sich, wie „W. T. B.“ aus Paris meldet, am Montag Abend von dort nach Boulogne⸗sur⸗Mer begeben, um daselbst ihre Verhandlungen mit Parnell fortzusetzen. Der Letztere ist in Begleitung von Harrington, Henry Campbell und Vincent Scully heute von London ebenfalls nach Boulogne abgereist. 6““

Frankreich.

Paris, 6. Januar. Bei der gestrigen Ersatzwahl zur

Deputirtenkammer in St. Flour ist an Stelle Mary

Raynaud's, dessen Wahl für ungiltig erklärt worden war, Bory (Republikaner) mit 6353 Stimmen gewählt worden. Der Gegenkandidat desselben war Andrieux.

Das „Journal officiel“ hat das Dekret über die Erhebung der Militärsteuer veröffentlicht. Diese besteht aus einer Grundtaxe von 6 Fr. und je nach den Um⸗ ständen aus einem Zuschlag, welcher nach der Mobiliar⸗ steuer des Betreffenden oder seiner Eltern berechnet wird. Dieser Steuer sind alle Diejenigen, welche nicht ihrer dreijährigen Wehrpflicht genügt äaben, mit Ausnahme der ehe⸗ maligen Soldaten, die wegen zunden oder Krankheit des Dienstes entlassen werden mußten, und der nachweislich Armen unterworfen. Die Steuerpflichtigen haben bis zum vollendeten 36. Jahre die Taxe zu entrichten. Das Gesetz, welches mit dem 1. Januar 1891 zur Anwendung gelangt ist, hat keine rückwirkende Kraft. 1111“

8 Rußland und Polen. . Aus der Zolltarif⸗Kommission erfährt der „Djen“,

88

daß u. A. ein Zoll von 6 Rbl. 60 Kop. in Gold für das

Pfund Seidenstoff, seidene Tücher, Bänder, Stickereien, Tüll und Sammt, von 3 Rbl. 30 Kop. pro Pfund Halbseide⸗ Waaren projektirt wird. 8

Bezüglich des Gymnasialreform⸗Plans, den eine Kommission unter dem Minister⸗Gehülfen Fürsten Wol⸗ konski gegenwärtig ausarbeitet und die namentlich auch die Prüfungsordnung betrifft, berichtet die „Revaler Ztg.“: Die Kommission habe sich zunächst dagegen ausgesprochen, daß der Schwerpunkt der Versetzungsprüfungen in der vierten und fünften, der der Abgangsprüfung dagegen in der achten Klasse liege, was einer gleichmäßigen Ver⸗ theilung der geistigen Arbeit auf die einzelnen Klassen entgegenstehe, und für nothwendig erachtet, daß die Prüfungen gleichmäßig auf alle Klassen vertheilt würden. Ferner oll die Zahl der schriftlichen Examenarbeiten beschränkt und letzteren nur eine untergeordnete Bedeutung zuerkannt werden; außerdem soll die Bestimmung der Themata für die schrift⸗ lichen Abiturientenarbeiten durch die Verwaltung des Lehr⸗ bezirks aufgehoben werden und an ihre Stelle die Auswahl derselben durch den Lehrer treten. Mündliche Ver⸗ setzungsexamina sollen in allen Klassen stattfinden, in den unteren Klassen allerdings nur in den Hauptfächern, jedoch sollen nicht alle Schüler denselben unterworfen sein, sondern nur ein Theil; es sollen nämlich alle Lernenden in drei Kategorien eingetheilt werden, und zwar in solche, die genügende Fortschritte gemacht haben, in solche, deren Fortschritte unge⸗ nügende sind, und schließlich in solche, deren Fortschritte zweifelhaft sind. Nur die Schüler der letzteren Kategorie haben sich einem Examen zu unterziehen; die der ersteren werden ohne ein solches versetzt und die der zweiten in der Klasse zurückgehalten.

Italien.

Der Justiz⸗Minister Zanardelli wird, wie die „Mgdb. Ztg.“ wissen will, der Kammer einen Gesetzentwurf vorlegen, welcher der Regierung das Recht einräumt,

Bischöfe, welche den Staatsgesetzen Widerstand leisten, abzusetzen. 1 1

Die Mailänder „Perseveranza“ meldet, daß im Frühjahr ein ausgedehnter Mobilmachungsversuch des italienischen Heeres stattfinden werde. .

Die Königin⸗Regentin der Niederlande hat, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, dem Papst und dem Kardinal Lavigerie telegraphisch die erfolgte Unterzeichnung des Protokolls der Brüsseler Antisklaverei⸗Konferenz mitgetheilt und dabei bemerkt: sie habe gewünscht, der erste Hoheitsakt ihrer Tochter sollte ein Werk civiler und religiöser Menschenliebe sein. Der Papst dankte ihr unter Anrufung des himmlischen Segens für die neue Regierung.

Portugal.

Das am Montag erschienene Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, betreffend die Eröffnung eines außerordentlichen Kredits von 100 Contos Reis (453 500 ℳ) für Zwecke der militärischen Expedition nach Mozambique.

Belgien.

Anläßlich des Neujahrsempfanges betonte der König, der „Mgdb. Ztg.“ zufolge, gegenüber den Präsidenten der gesetzgebenden Körperschaften die Nothwendigkeit einer aus⸗ gedehnten Arbeiterschutzgesetzgebung. .

Der alte Lieblingsplan des Königs Leopold, die Organi⸗ sation einer belgischen Kriegsmarine, nähert sich, wie der „Hamb. Corr.“ vernimmt, der Verwirklichung. Mehrere junge Offiziere sollen, wie das genannte Blatt schreibt, dem⸗ nächst Behuss ihrer Ausbildung im Seedienst in fremde Marinen eintreten und sobald ein genügend ausgebildetes

M.

See⸗Offizier⸗Corps vorhanden, soll ein Gesetzentwurf, betreffend

Schaffung einer belgischen Kriegsmarine, eingebracht werden.

In Antwerpen ist die Nachricht eingegangen, daß die ersten drei für die Congo⸗Eisenbahn bestimmten, in Lüttich gebauten Lokomotiven in Matadi angelangt sind. Da der Oberbau der Bahn in einer Länge von 10 km bis auf die Schienenlegung fertig ist, so wird binnen Kurzem der Verkehr auf diesem Theil der Strecke aufgenommen werden können.

Schweden und Norwegen. (F) Stockholm, 3. Januar. Nach den Mittheilungen sämmtlicher Zollkammern des Reichs haben die Zoll⸗ einnahmen im Jahre 1890 42 667 517 Kronen und die Leuchtfeuer⸗ und Bakenabgaben 1507222 Kronen betragen oder resp. 191 564 Kronen und 5307 Kronen mehr als im Jahre 1889. Vom Reichstage waren die Zolleinnahmen für das Jahr 1890 zu 37 000 000 Kronen und die Leuchtfeuer⸗ und Bakenabgaben zu 1 200 000 Kronen berechnet, erstere haben mithin einen Ueberschuß von 5 667 517 Kronen und letztere von 307 222 Kronen ergeben. 8

Asien.

8

Persien. Wie der „Times“ gemeldet wird, unterhandeln gegenwärtig russische Kapitalisten, unterstützt von ihrer Ge⸗ sandtschaft, mit der persischen Regierung zur Erlangung einer Konzession zum Bau von Chausseen und zur Gründung einer Transport⸗Gesellschaft für Nord⸗Persien. Die Straßen sollen zwischen Enzeli und Teheran, und Tabriz und Teheran gebaut werden.

Parlamentarische Nachrichten.

In dem Hause der Abgeordneten sind von dem Abg. Rintelen zu der zweiten Berathung des Antrages des Abg. Conrad auf Annahme des Entwurfs eines Wildschaden⸗ gesetzes folgende Anträge eingebracht worden:

Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:

1. In §. 2 Abs. 1 Zeile 7 von oben und in §. 5 Abs. 2 Zeile 2 statt der Worte: „auf's Ganze“ zu setzen: „für das Ganze“.

II Den §. 6 statt in der Fassung des Antrages in folgender Fassung anzunehmen:; 8 1

„§ 6. Der Beschädigte ist berechtigt, den Schaden bei der Orts⸗Polizeibehörde anzumelden.

Die Orts Polizeibehörde hat im Fall der Anmeldung alsbald den Beschädigten, und wenn ein Ersatzpflichtiger bezeichnet ist, auch diesen vor sich zu laden und die Erschienenen über die Höhe des be⸗ anspruchten Schadensersatzes zu hören, auch nöthigenfalls Beweis durch Sachverständige oder Zeugen zu erheben.

Schließen die Betheiligten vor der Orts⸗Polizeibehörde einen Vergleich, so hat sie über denselben Urkunde zu ertheilen. Auf den Vergleich finden die Vorschriften des §. 12 C.⸗P.⸗O. A. vom 24. März 1879 (Ges.⸗Samml. S. 281) entsprechende Anwendung.

Das Verfahren vor der Ortsbehörde ist gebührenfrei; die Ur⸗ kunde (Abs. 3) ist stempelfrei. Sachverständige und Zeugen erhalten, wenn sie es verlangen, Gebühren in e der für gerichtliche Sach⸗ verständige und Zeugen bestehenden Vorschriften aus der Kasse der Orts⸗Polizeibehörde. Erstattungspflichtig ist derjenige Betheiligte, auf dessen Veranlassung der Sachverständige oder Zeuge vernommen ist. Die Einziehung erfolgt im Wege des Verwaltungszwangsverfahrens. Für den Rechtsstreit gelten sie als Kosten desselben.“

Falls vorstehende Fafluns nicht angenommen werden sollte, in

folgender Fassung anzunehmen: 1“ 1 68 Ueiced auf Grund der 8§. 2 und 3 Ersatz für Wild⸗ schad'n gefordert, so kann jede Partei die vorläufige Entscheidung durch den Vorsteher der Gemeinde (Bürgermeister, Ortsvorsteher u. s. w.) nachsuchen. Zuständig ist der Vorsteher der Gemeinde, in deren Be⸗ zirk der Wildschaden entstanden ist. 1

Den Parteien ist Gelegenheit zu geben, ihre Ausführung und Beweismittel in einem Termin vorzubringen. Eine Beweisaufnahme durch Behörden findet nicht statt; Vereidigungen

d nicht zulässig. 8 Peeg as ein Vergleich zu Stande, so ist ein Protokoll darüber aufzunehmen und von den Parteien und,. dem Gemeindevorsteher zu

unterschreiben. ,

ce 6 b. Die Entscheidung des Gemeindevorstehers ist schriftlich abzufassen; sie geht in Rechtskraft über, wenn nicht binnen einer Nothfrist von zehn Tagen von einer der Parteien Klage bei dem ordentlichen Gericht erboben wird. Die Frist beginnt mit der Ver⸗ kündung, gegen eine bei der Verkündung nicht anwesende Partei mit der Behändigung der Entscheidung.

Die Entscheidungen des E11.“] sind von Amtswegen ür vorläufig vollstreckbar zu erklären. 88 Die derkautge Vollstreckbarkeit ist nicht auszusprechen, wenn glaubhaft gemacht wird, daß die Vollstreckung dem Schuldner einen nicht zu ersetzenden Nachtheil bringen würde; auch kann sie von einer vorgängigen Sicherheitsleistung abhängig gemacht werden.

Ist rechtzeitig Klage erhoben, so findet §. 647 der Deutschen Civilprozeßordnung entsprechende Anwendung.

§. 6c. Die vor dem Gemeindevorsteher abgeschlossenen Ver⸗ gleiche, sowie die rechtskräftigen oder vollstreckbaren Entscheidungen desselben sind, sofern die Partei es beantragt, auf Ersuchen des Ge⸗ meindevorstehers durch die Orts⸗Polizeibehörde nach den Vorschriften über das Verwaltungszwangse en zu vollstrecken.

§. 6 4. Der Gemeindevorsteher kann die Wahrneh

mung der ihm

nach §§. 6a. bis 6c. obliegenden Geschäfte mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde einem Stellvertreter übertragen. Der⸗ selbe muß aus der Mitte der Gemeindeverwaltung oder Gemeinde⸗

vertretung auf mindestens ein Jahr berufen werden. ist öffentlich bekannt zu machen.

Die Berufung

„6 e. Durch Anordnung der Minister des Innern und für landwirthschaftliche Angelegenheiten kann an Stelle des Gemeinde⸗

vorstehers ein Schiedsmann mit der Wahrnehmung der bis 6c aufgeführten Geschäfte beauftragt werden. Die öffentlich bekannt zu machen.“

in den §§. 6a Anordnung ist

Nr. 1 des XI. Jahrgangs des „Centralblatts der Bau⸗ verwaltung“, herausgegeben im Ministerium deröffent⸗

lichen Arbeiten, hat folgenden Inhalt: Von den

Manövern. Breitfußschiene oder Stuhlschiene?

Amtsgerichts in Krefeld. Die Wasserstraßen Itali

letzten Kaiser⸗ Neubau des ens. Ver⸗

mischtes: Neuerung an Rechenstäben. Vorlesungen im Berliner

Kunstgewerbe⸗Museum. Trennungswiderstand in

den einzelnen

Bodenarten. Polizeiverordnung, betr. die baulichen Anlagen von

Theatern u. s. w.

Kunst und Wissenschaft.

Das plötzliche Dahinscheiden des Dr. Schliemann hat die allgemeine Aufmerksamkeit

Heinrich in erhöhtem

Grade den großartigen Sammlungen zugewandt, welche die

Reichs⸗Hauptstadt der Hochherzigkeit des Verstorbe

nen verdankt.

Bekanntlich hat Dr. Schliemann die gesammte Ausbeute seiner berühmten Ausgrabungen in der Troas Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser für das Reich zum Geschenk gemacht und

die preußische

Staatsregierung hat die Verwahrung der

Sammlungen sowie ihre Verwaltung im öffentlichen Interesse

übernommen. Nachdem dieselben Anfangs in

den unteren

Räumen des Kunstgewerbe⸗Museums untergebracht wordenwaren, aben sie seit dem Jahre 1886 in zwei geräumigen gut be⸗ euchteten Sälen des neuen Museums für Völkerkunde eine

würdige Aufstellung gefunden. Auch hier ist

ihnen jedoch

noch nicht die dauernde Heimstätte bereitet, vielmehr sollen sie zufolge einer auf besonderen Wunsch des Dr. Schliemann vor Kurzem getroffenen Allerhöchsten Bestimmung seiner Zeit in das auf der Museumsinsel neu zu errichtende Antiken⸗ Museum übergeführt werden, um dort im Zusammenhang mit den Denkmälern der späteren klassischen Kultur zur Auf⸗

stellung zu gelangen. Die unerwartete Trauerbotschaft von dem

Tode Schlie⸗

mann's hat in den hiesigen Kre⸗sen der Wissenschaft und Kunstpflege begreiflicher Weise die lebhafteste Theilnahme er⸗

regt. Auch der Kultus⸗Minister hat sofort na treffen der Nachricht in ehrender Anerkennung Verdienste des Verewigten an die Wittwe Beileidstelegramm gerichtet. Die

ch dem Ein⸗ der großen

desselben ein General⸗Verwaltung der

Museen hat auf dem Sarge desselben einen Kranz nieder⸗

legen lassen.

Aus Madrid, 5. Januar, meldet „W. T. B,“:

Das Befinden

der im hiesigen San Carlos⸗Hospital mit Koch'scher Lymphe behandelten Tuberkulösen ist fortdauernd ein zufriedenstellendes;

auch das Befinden der Lupuskranken hat sich gebe

ssert

Der bekannte Historienmaler Prof. August Kase lowsky ist, der „Nat.⸗Ztg.“ zufolge, am Sonntag nach schweren Leiden im

81. Lebensjahre gestorben. Er war am 26. April 181. geboren, bezog 1827 die Berliner Kunstakademie, wo er

0 zu Potsdam sich besonders

an Hensel anschloß, und errang 1836 mit seinem Bilde „Wettkampf

zweier Hirten auf der Syrinx“ den großen Staatspreis.

Seine

Studienreise führte ihn über Düsseldorf und Belgien nach Paris, wo

er bis 1840 in Cogniet's Atelier arbeitete. Dann ging

er nach Rom,

malte italienische Scenen, Kopien nach Raffael und große historische Bilder eigener Komposition, so u. A. für König Friedrich Wilhelm IV. die Freisprechung der Susanna durch Daniel“. 1850 kehrte Kaselowsky nach Berlin zurück und betheiligte sich zunächst an der Ausführung der Malereien n der Schloßkapelle, wo er die Propbeten Elias und Hesekiel malte, und im Niobidensaal des Neuen Museums, wo damals gleichzeitig

Kaulbach die Wandgemälde

des Treppenhauses malte. Für ein

großes, auf der Ausstellung von 1860 befindliches Bild „Die Grab⸗ egung Christi“ erhielt er die goldene Medaille und wurde nach mehreren Reisen im südlichen Europa 1861 Professor an der Berliner

Kunstschule. Von seinen zahlreichen Werken sind „Tobias mit dem Engel Raphael“, „Christ egnend“

ermanias Rechtsspruch“ besonders hervorzuheben.

„Christus am

us die Kinder

und ein durch die Photographie vervielfältigter Karton

Auf Veranlassung der bekannten Albumfabrik von E. Mönch

hierselbst, hat der Verein für deutsches Kunst gewe

rbe in Berlin

eine Wettbewerbung ausgeschrieben zur Erlangung stilgerechter Ent⸗ würfe für Einbanddecken zu Adressen, Jubiläums⸗Albums u. s. w. 9, 100 und 50 Die näheren Be⸗

dingungen sind durch den Schriftführer des Vereins, Hildebrandt in Berlin W., Derfflingerstraße 20 a,

Professor Ad. zu beziehen.

Ja der Börse zu Lübeck ist der „Madb Z.“ zufolge seit Kurzem

eine der letzten Schöpfungen des verstorbenen Bildhaue

rs J. Kaff⸗

sack zur Ausstellung gelangt, eine im Auftrag der dortigen Handels⸗ kammer in doppelter Lebensgröße modellirte, in Carraramarmor ge⸗

arbeitete monumentale Porträtbüste des

Kaisers Wilhelm I.

hochseligen

An der einen Langwand des kleineren der

beiden Börsensäle auf einem kräftig ausladenden Konsol aufgestellt, bildet das ebenso lebensvolle wie vornehme Wert den hervorragendsten Schmuck

der einer durchgreifenden Restauration unterzogenen, mitl tiven Wandmalereien geschmückten Säle.

immer steht eine Restaurati füllung der bisherigen sprechendes Täfelwerk bevor, für welches Kaffsack eine

eichten dekora⸗

Auch in dem berühmten

on durch Aus⸗

fennische durch ein dem ganzen Raum ent⸗

Füllung mit

dem Relief der „Auferstehung“ modellirt hat, die ihrer Ausführung

in Alabaster entgegensieht. Land⸗ und Forstwirthschaft.

10 Der frühere Chef der schwedischen Landvermessfung, General⸗ Direktor L. B. Falkman ist am 3. d. M. in Stockholm im Alter

von 84 Jahren gestorben.

Er hat auf seinem Gebiete eine frucht⸗

bringende literarische Thätigkeit entfaltet und ist besonders eifrig für die Fabrikation von Brenntorf bemüht gewesen, wovon Schweden in

seinen großen Torfmooren einen fast unerschöpflichen Vorrath besitzt.

Eine seiner besten Arbeiten: „Ueber die Ausnutzung der schwedischen Torfmoore“ ist ins Deutsche übersetzt und zum größeren Theil in

den „Annalen der Landwiethschaft Staaten“ (1870) abgedruckt worden.

in den Königlich preußischen

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗

Maßregeln. Der Gesundheitszustand in Berlin war

auch in der

Woche vom 21. bis 27. Dezember ein günstiger und die Sterblichkeit

nur wenig höher als in der vergangenen Woche (von

je 1000 Ein⸗

wohnern starben aufs Jahr berechnet 18e. Wesentlich seltener als in

der Vorwoche kamen akute Darmkrank

Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit bl

eiten zum Vorschein und endeten auch nur in einer kleinen Zahl von Fällen tödtlich. Die

ieb die gleiche

wie in der Vorwoche; von je 10,000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, 59 Säuglinge. Erkrankungen an akuten Entzündungen der Athmungsorgane kamen gleichfalls seltener zum Vorschein und führten in weniger Fällen zum Tode. Von den Infektions⸗ krankheiten kamen Erkrankungen an Unterleibstyphus nur wenige (3) zur Meldung; Erkrankungen an Masern und Scharlach blieben in beschränkter Zahl und traten in keinem Stadttheil in nennenswerther Zahl zu Tage. Erkrankungen an Diphtherie und Croup gelangten ebenfalls weniger zur Anzeige; sie zeigten sich in der jenseitigen Louisenstadt und im Stralauer Viertel am Häufigsten. Erkrankungen an Kindbettfieber wurde nur 1 gemeldet. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut blieben in beschränkter Zahl Dagegen kamen 4 Erkrankungen an Pocken zur Anzeige. Erkrankungen an Keuchhusten waren wieder etwas zahlreicher, auch endeten sie in 8 Fällen mit dem Tode. Rheumatische Beschwerden der Muskeln so⸗ wohl wie akute Gelenkrheumatismen kamen seltener zur ärztlichen Behandlung.

8 Verkehrs⸗Anstalten.

Laut Telegramm aus Aachen ist die erste englische Post vom 5. Januar über Ostende ausgeblieben. Grund: Verspätete Landung des Schiffs in Ostende.

Kiel, 6. Januar. (W. T. B.) Das Betriebsamt Kiel theilt mit, daß wegen Schneeverwehung der Betrieb zwischen Altona und Eckernförde eingestellt ist. Die regelmäßige Ver⸗ bindung der deutschen Postdampfer mit Korsoer ist unterbrochen, weil die Föhrde durch Eisbarren zeitweilig ge⸗ spertt

Braunschweig, 6. Januar. (W. T. B.) Seit gestern Abend haben hier und in weiterer Umgebung große Schne ewehen statt⸗ gefunden. Der Berlin⸗Aachener Schnellzug ist in der letzten Nacht bei Langenweddingen, zwischen Oschersleben und Magdeburg, vollständig im Schnee stecken geblieben. Die Züge erleiden nach allen Richtungen große Verspätungen.

Holzminden, 6. Januar. Hier ist laut Meldung des „W. T. B.“ der Eisgang der Weser zum Stillstand ge⸗ kommen, was seit dem Jahre 1881 nicht dagewesen ist. Bei Polle Ein starker Schneesturm aus Nordost

geht das Fährschiff noch.

Lübeck, 5. Januar. beginnt, wie „W. T. B.“ meldet, seit heute Abend störend auf den Eisen bahnbetrieb einzuwirken. Die Trave ist stark im Steigen; Feeief fse warnen die Bevölkerung vor der Ueberschwemmungs⸗ gefahr.

Triest, 5. Januar. E((eee Lloyddampfer „Espero“ ist heute von Konstantinopel bier eingetroffen.

London, 5. Januar. (W. T. B.) Der Union⸗Dampfer „Norseman“ hat heute auf der Ausreise Lissabon passirt. Der Union⸗Dampfer „Saxon“ ist heute auf der Ausreise auf den Canarischen Inseln angekommen. Der Union⸗ Dampfer „Trojan“ ist heute von Southampton auf der Ausreise abgegangen. Der Castle⸗Dampfer „Garth Castle“ ist heute auf der Heimreise in Plymouth angekommen.

6. Janugr. (W. T. B.) Der Castle⸗Dampfer „Conway Castle“ ist gestern auf der Heimreise in London angekommen. Der Castle⸗Dampfer „Roslin Castle“ hat gestern auf der Autreise Lissabon passirt.

Kopenhagen, 5. Januar. (W. T. B.) Auf fast allen dänischen Eisenbahnen hat der Verkehr eingestellt werden müssen. Heute hat auf den Linien Kiel Korsör und Gjedser Warnemünde das Tagschiff nicht die Fahrt machen können. In Gjedser sind die Aussichten für morgen sehr zweifelhaft.

Das Postdampfschiff von Warnemünde lief nach einer Meldung des „W. T. B.“ gestern Abend bei dem Gjedser⸗Leuchtthurm im Eise fest und konnte erst heute früh nach Warnemünde zurück⸗ kehren. Heute ist wegen der Schneestürme kein Schiff von Gjedser nach Warnemünde abgegangen. 1

Theater und Musik.

Berliner Theater.

Julius von Werther's historisches Schauspiel „Der Kriegsplan“ geht am Freitag zum ersten Male in dieser Saison in Scene; das feine, nach den besten Mustern Scribe's gearbeitete Intriguenstück erzielte in der Spielzeit des vergangenen Jahres einen vollen Erfolg und bietet Friedrich Mitterwurzer Gelegenheit zur Entfaltung der bestechenden Vorzüge seiner vielseitigen schauspielerischen Begabung.

Lessing⸗Theater.

„Der Traum ein Leben“ wird Donnerstag mit Josef Kainz als Rustan und Gustav Kober als Zanga wieder zur Aufführung ge⸗ langen und auch in der nächsten Woche zum hundertjährigen Ge⸗ burtstage Franz Grillparzer's wiederholt werden. Das poetische Werk hat sich durch die Macht der Darstellung und die malerische Farbenpracht seiner scenischen Bilder im Repertoire des Lessing⸗ Theaters eine dauernde Stellung erobert und wird gewiß in diesen Tagen, die der Erinnerung an den großen österreichischen Poeten ge⸗ hören, gern wieder gesehen werden.

Wallner⸗Theater.

In der nächsten Novität „Talmi“, Volksstück in vier Akten von M. Schlesinger und L. Hermann, wird eines der hervorragendsten Mitglieder dieser Bühne, Hr. Franz Guthery, in dieser Saison zum ersten Male auf der Bühne des Wallner⸗Theaterz auftreten, nachdem er bisher eine wesentliche Stütze des Ensemble⸗Gastspiels am Belle⸗ Alliance⸗Theater gewesen ist.

Residenz⸗Theater.

Die komischen Hauptrollen in Bisson's Schwank „Der selige

Toupinel“ liegen in den Händen der Hrrn. Pagay und Pansa. 5 Sing⸗Akademte.

„Der Barvtonist Hr. August Hensel, durch seine künstlerischen Leistungen bereits vortheilhaft bekannt, gab gestern einen Liederabend, der ziemlich zahlreich besucht war. Mit einer wohlklingenden und umfang⸗ reichen Stimme, die in allen Lagen gleichmäßig leicht anspricht, ver⸗ bindet der Sänger stets reine Intonafion und deutliche Aussprache. Die natürliche Behandlung des Falsetts ist ganz besonders zu loben. Diese Vorzüge kamen in Liedern von Schubert, Brahms, Liszt, Löwe, Franz, Eichberg, E. E. Taubert und Anderen vortrefflich zur Geltung, zumal seiner musikalisch gebildeten Vortragsweise auch stets die Wärme des Ausdrucks zur Seite steht. Die anerkennende Theilnahme des Publikums zeigte sich nach jedem Liede in lebhaften und wohl⸗ verdienten Beifallsspenden. Unterstützt wurde das Concert durch den jungen Violinvirtuosen Emil. von Mlynarski, der in le zter Zeit sich mehrmals mit günstigem Erfolge hören ließ. Zwei Violinstücke von H. Holländer und Statkowski sowie ganz be⸗ sonders die von dem Künstler mit Vorliebe gespielte „Romanza Andaluza“ von Sarasate und Wieniawski's Mazurka gaben ihm Ge⸗ legenheit, seine schöne Behandlung des Tons und seine brillante Technik in das günstigste Licht zu setzen. Lauter Beifall wurde dem Vortragenden zu Theil. Die Klavierbegleitung sämmtlicher Gesänge und Violinstücke hatte Hr. O. Bake übernommen.

Concerthaus.

„Kapellmeister Mevyder veranstaltet morqfn eine musikalische Ge⸗ dächtniß⸗Feier für die hochselige Kaiserin Augusta. Das Programm dieses Abends ist aus Kompositionen ernsten Charakters zusammengestellt und enthält die uvertüre über den Choral: „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Nicolai, das „Largo“ von Händel, „Ave Maria“, Meditation von Bach⸗Gounod, „Trauerklänge“ von Möllendorff, „Kirchenscene“ von Gounod, „Trauermarsch“ von Chopin, „Kaiser⸗Quartett“ von Haydn u. s. w.

Dr. Karl Siegen's Neugestaltung von Kleist’s „Käthchen von Heilbronn“ hat nun auch am Neujahrstag auf der neu⸗ errichteten Bühne des Münchener Hof⸗Theaters einen ent⸗ schieden großen Erfolg errungen; die Münchener Bühne ist bereits die zehnte, welche die Bearbeitung zur Aufführung gebracht hat.

Mannigfaltiges.

Am letzten Sonntag verschied plötzlich im kräftigsten Mannes⸗ alter in Folge eines Herzschlages der Geheime Rechnungs⸗Rath Ende, Vorsteher des Central⸗Bureaus im Reichs⸗Eisenbahnamt. Seit der im Jahre.1873 erfolgten Errichtung des Amts hat der Ver⸗ storbene die verantwortliche Stelle des Bureau⸗Vorstehers in treuester Pflichterfüllung verwaltet und durch hervorragende Tüchtigkeit wie durch seine vortrefflichen Charaktereigenschaften sich allgemeine An⸗ erkennung und Verehrung erworben. Bei Vorgesetzten und Unter⸗ gebenen wird sein Andenken in hohen Ehren gehalten werden.

Der Magistrat hat der „N. A. Z.“ zufolge die Aller⸗ höchste Genehmigung nachgesucht: a. zur Anlegung einer Uferstraße zwischen der Oberbaum⸗Brücke und der projektirten Straße 5 b, b. zur Festsetzung von Baufluchtlinien für die neu anzulegenden Straßen 5a und 5 b Abtheilung I des Bebauungsplans, sowie c zur Abänderung der Beaufluchtlinien in der Falken⸗ steinstraße in Verbindung mit einer neuen Planlage der Oberbaum⸗Brücke. Die 25 m. breite Uferstraße erhält längs der Spree einen elf Meter breiten, mit zwei Baumreihen ge⸗ schmückten Promenadenweg, von welchem vier Treppen zu den beiden Bootsanlegestellen herabführen. Zur Verbindung der Uferstraße mit der Köpenickerstraße dienen die beiden projektirten Straßen 35 und 35 b; letztere erhält eine Breite von neunzehn Metern mit Mittel⸗ promenade und ist gleichsam eine Fortsetzung der unmittelbar vorher schneidenden Skalitzer⸗ und Oppelnerstraße.

Der Bund für Bodenbesitzreform beabsichtigt die Ab⸗ sendung folgender Petition an Magistrat und Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung: „1) einen Stadterweiterungsfonds von beträchtlicher Höhe zu begründen, 2) aus den bewilligten Mittela preiswerthe Terrains innerhalb des Weichbildes der Stadt, nöthigenfalls auf dem Ent⸗ eignungswege zu erwerben und für die erworbenen Terrains die Errich⸗ tung von niedrigen Einzelhäusern mit umliegendem Garten vorzu⸗ schreiben, 3) die erworbenen Terrains als ewiges Eigenthum zu be⸗ halten und nur auf dem Wege der Verpachtung an gemeinnützige Baugesellschaften und private Baulustige gelangen zu lassen.“

Dem „Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in den preußischen Staaten“ hat, wie uns mitgetheilt wird, der Minister für Handel und Gewerbe für die nächsten drei Jahre wieder einen Staatszuschuß bis zur Höhe von 10 000 jährlich be⸗ willigt. Der Verein nahm in seiner gestrigen Sitzung, welche im der Artilleriestraße stattfand, die Wahl des technischen usschusses vor und entsandte neu in diese Körperschaft den Prä denten des Reichs⸗Patentamts, Wirklichen Geheimen Legations⸗Rath Dr. von Bojanowski und das Mitglied desselben Amts, Eisenbahn- Direktor Garbe. Schriftführer der Abtheilung für Chemie und Physik wurde Privatdozent Dr. von Knorre, Schriftführer der Ab theilung für Mathematik und Mechanik Ingenieur Stercken, der Ab⸗ theilung für Kunst und Kunstgewerbe Professor Dr Hertzer und endlich der Abtheilung für Manufaktur und Handel Dozent Hartmann. De neue Etat des Vereins wurde dem des Vorjahrs entsprechend fest gesetzt. Den Vortrag des Abends hielt Professor Vogel aus Braun schweig über elektrische Gerb⸗ und Bleichverfahren. Der Berliner Thierschutzverein beschloß in seiner gestrigen Sitzung, an die beiden hiesigen Omnibusgesellschaften das Ersuchen zu richten, bei Schneewetter für Vorspann Sorge zu tragen, wie dies Seitens der Pferdebahngesellschaften trotz der leichteren Bauart ihrer Wagen stets geschieht. Es wurde ferner im Interesse der Vogelwelt angeregt, allgemeiner wie bisher vor den Fenstern der Wohnungen Futterplätze einzurichten. Bei Wahl richtiger Futtermittel werde man bald nicht nur den dreisten Spatz, sondern auch Meisen, Nonnen⸗ meisen, Edelfinken, Krähen, Amseln und Schwarzdrosseln auch mitten im Häusermeer von Berlin antreffen und manche Freude an den Thieren haben.

Die Arbeiten an der neuen Schleuse des Mühlen⸗ damms, welche während der strengen Kälte gänzlich geruht hatten, sind jetzt wieder aufgenommen worden. Sie erstrecken sich noch nicht auf bauliche Ausführungen, sondern beschränken sich auf Freilegung des Baugrundes, bezw. Beseitigung der unzähligen Baumstämme, welche gerade da, wo die neue Schleuse auszuführen ist, in den Boden eingerammt sind. Bis jetzt sind aus dem Boden des nun in Angriff genommenen Schleusentheiles bereits wieder 900 Baumstämme heraus⸗ geholt worden. So lange die Schiffahrt offen war, wurden diese Stämme sofort nach einem Lagerplatz bei Spandau überführt, wo bereits ganze Berge aufgestapelt sind. Jetzt muß man sie bei den Dammmühlen selbst lagern. 8 58

Geheizte Pferdebahnwagen werden der „Germ.“ zufolge in diesem Winter in Berlin noch nicht in Betrieb gesetzt, nachdem sich einige Versuche mit Gas⸗ oder Petroleumheizung als unaus⸗ führbar erwiesen haben. Die größte Schwierigkeit liegt darin, daß man keine Mittel gefunden hat, den üblen Geruch der He und die dadurch eintretende Verunreinigung der Luft im Innern des

Wagens zu vermeiden.

Ueber das Wesen der im Jahre 1888 vereinfachten Stolze'schen Stenographie, welche in den hiesigen Parlamenken bei der amt⸗ lichen Aufzeichnung der Verhandlungen benutzt wird, kann sich Jeder⸗ mann durch Besuch eines öffentlichen Vortrages unterrichten, welcher im Hörsaal der Königlichen Akademie der Künste (Bau⸗Akademie⸗ gebäude, Schinkelplatz 6 I.) am Freitag, 9. d. M., Abends 8 ½ Uhr, gehalten werden wird. Der Eintritt steht un⸗ entgeltlich frei. Im Anschluß an diesen Vortrag wird der geprüfte Lehrer der Stenographie Hr. 2. Loepert, Schleiermacherstraße 6, am 16. d. M. einen Kursus nach diesem System beginnen, welche Dienstags und Freitags, Abends von 8 ½ bis 9 ½ Uhr, ebenda für Damen und Herren stattfindet und zwölf Unterrichtsstunden umfassen wird. Näheres theilt der Kursusleiter auf Anfrage mit. Eintrittskarten zum Kursus sind bei Beginn und vorher im Abgeordnetenhause beim Portier, Leipzigerstraße 75, zum Preise von sechs Mark zu haben.

Der Stolze'sche Stenographen⸗Verein „Süd⸗Berlin“ eröffnet am Freitag, den 9. d. M., einen öffentlichen Unterricht in der Neu⸗ stolze;schen Stenographie. Dieser findet jeden Freitag pünktlich 8 ½ 9 ½ Uhr Abends (nach Wunsch auch früher) im Restaurant „Hohenzollern“, Seydelstr. 30, statt und umfaßt 10 Lehrstunden. Der Besuch des Vortrages über „Wesen und Nutzen der Stenographie“ am Eröffnungstage ist unentgeltlich. Das Honorar für den Unter⸗ richt beträgt 6 Anmeldungen werden vor Beginn des Unterrichts im Unterrichtslokal entgegengenommen. Jeden Donnerstag Abends ist den Stenographiekundigen in demselben Lokal Gelegenheit geboten, sich im Schreiben und Lesen der Kurzschrift zu üben.

Posen, 6. Januar. Das Königliche Eisenbahn⸗ Betriebsamt theilt über den am 4. d. M., Nachmittags, auf dem hiesigen Bahnhofe erfolgten Eisenbahn⸗Unfall Folgendes mit: Am 1 Januar d. J. brach an dem vorletzten Wagen des fahrplan⸗ mäßig um 3 Uhr 10 Minuten Nachmittags von Stargard in Posen eintreffenden Personenzuges 1207 vor Einfahrt in den Bahnhof in der Nähe des Wärterpostens Nr. 106 in 166,2 km ein Gußstahlscheibenrad. 8 fuhr im Gefälle, und der beschädigte Wagen blieb im Geleise. rg auf dem Viadukt in 165,790 km setzte der beschädigte Wagen aus, wodurch ein Schienenbruch entstand, und lief mit einer Achse neben dem Geleise, wobei die Laschenbolzen bis zur Einfahrtsweiche fast sämmtlich ab⸗ geschnitten wurden. Da die Fahrt bis zur Einfahrtsweiche nicht mit außergewöhnlichen Schwankungen verbunden gewesen sein soll, so ist von keinem der Reisenden die Carpenter⸗Bremse gedreht worden,

wodurch der Zug bald zum Stillstand gekomme Unglück