—E
In der Ersten und Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staats⸗Anzeigers“ werden durch eine amtliche Bekanntmachung die Namen der während des Prüfungsjahres 1889/90 von den zuständigen Centralbehörden approbirten Aerzte (A), Zahnärzte (B), Thierärzte (C) und Apo⸗ theker (D) veröffentlicht.
8
Frankfurt a. M., 11. Januar. Heute Mittag erfolgte ut Meldung des „W. T. B.“ im Saale der Stadverordneten⸗ Versammlung durch den Regierungs⸗Präsidenten von Tepper⸗ Laski die Einführung und Verpflichtung des neuen Ober⸗ Bürgermeisters Adickes. Dieser dankte für die freundlichen orte, mit welchen der Regierungs⸗Präsident von Tepper⸗ Laski ihn in sein neues Amt eingeführt habe und wandte si darauf an die Stadtverordneten, denen er seine Freude darüber aussprach, daß er seine Begrüßung zunächst damit beginnen könne, im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Kaisers, der in gnädigster Weise über die Interessen Frankfurts sich geäußert habe und eine große Theil⸗ nahme an allen Unternehmungen der Stadt an den Tag lege, einen Gruß an Frankfurt ausrichten zu können. Der Ober⸗ Bürgermeister dankte sodann den Stadtverordneten, daß sie hn in erster Linie präsentirt hätten, wodurch seine Ernennung nöglich geworden sei. Es werde die Aufgabe und die Arbeit eines Lebens sein, dieses Vertrauen zu rechtfertigen.
Bayern. “ Nünchen, 11. Janvar. Die Verhandlungen der eiden Parteien des Landtages über gemeinsame chritte zu einer etwaigen Einberufung des Landtages anläßlich des 70. Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Prinz⸗ Regenten haben der „Köln. Ztg.“ zufolge zu keinem tesultat geführt. Außerdem wird dem genannten Blatte nitgetheilt, ein vom 9. Dezember datirtes Schreiben des Prinz⸗ egenten an den Minister des Auswärtigen besage, der Regent abe von der Bildung eines Fest⸗Ausschusses zur Feier seines 70. Geburtstages mit Freude Kenntniß genommen, hege jedech den Wunsch, daß die geplante Feier eine uf Bayern beschränkte Landesfeier bleiben, und daß von Besuchen fremder Fürsten, Gratulationen von Spezialvertretern fremder Regierungen und Körperschaften löstand genommen werden möge. Der Berliner Vertreter Bayerns sei angewiesen worden, diesen Wunsch vertraulich zur Kenntniß des Kaiserlichen Hofes und der in Berlin be⸗ glaubigten Gesandten zu bringen. Auch die übrigen bayerischen zesandten hätten entsprechende Weisungen erhalten.
Württemberg. Stuttgart, 11. Januar. Wie der „Schw. Merk.“ hört, st in den letzten Tagen von dem Hofmarschall Ihrer Kaiser⸗ lichen Hoheit der Herzogin Wera den Rekioren der hiesigen Gymnasien „als Beitrag zur Förderung der Kenntniß vater⸗ ändischer Geschichte auch im Sinne der geplanten Schulreform Sr. Majestät des Kaisers“ für die Bibliothek der ihnen unterstellten Anstalten ein Werk zugesandt worden, worin nach einer kurzen Einleitung die Schlacht bei Villiers, der Reiterangriff am Mont Mesly und die Schlacht bei Cham⸗ pigny unter namentl cher Hervorhebung der württembergischen Helden und ihrer Thaten poetisch verherrlicht sind, und welches Ihre Kaiserliche Hoheit selbst zur Verfasserin hat. Unter em Titel „Die Württemberger vor Paris, ein vater⸗ sches Gedicht zum zwanzigjährigen Gedächtniß ge des 30. November und 2. Dezember rzogin von Württemberg“ ist das en Hofbuchdruckerei von Karl Liebich als Manuskript ge worden und in einer des edlen Inhalts
würdigen Ausstattung erschienen.
Die Kammer der Abgeordneten setzte heute nach zvornahme zweier Kommissions⸗Ergänzungswahlen die Be⸗ g der Verwaltungsreform fort. Zunächst nahm Freiherr von Wöllwarth, der sich für Eintritt zelberathung des Entwurfs und gegen die Lebens⸗ it der Ortsvorsteher aussprach. Sodann sprach mit Entschiedenheit gegen die Lebens änglichkeit, Wittich für den Entwurf eintrat. Es sprachen so⸗ 5 der Staats⸗Minister des Innern von Schmid, Wittich, Brotbeck, C. Haußmann, Gröber, der Referent von Göz, worauf das Eintreten ung des Entwurfs mit sehr großer Majorität
Baden. Januar. Ihre Königliche Hoheit erzogin hat nach der „Karlsr. Ztg.“ Stadtrath von Baden⸗Baden im Namen der merschaft an Höchstdieselbe gerichtete Beileids⸗ folgende telegraphische Erwiderung ertheilt: Berlin, Palais. ber⸗Bürgermeister Görner, Baden⸗Baden er treuen Theilnahme, welchen Sie mir Namens zlicher Weise ausgesprochen haben, berührt mich an einem Tage, welcher als ein ernster Ich danke Ihnen aufrichtig, daß an die theure Heimgegangene so warme Worte gewidmet haben, ihr, welche durch vierzig Jahre so unreränderlich gütiges wohlwollendes Mit⸗ brte. Großherzogin von Baden. Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen sind am 6. Januar von Mena House in Gizeh abgereist und haben damit die für drei Monate projektirte Nilreise unternommen.
Oldenburg.
() Oldenvurg, 9. Januar. Dem Landtage ist ein an das allgemeine Berggesetz für die preußischen Staaten vom 24. Juni 1865 sich anschließendes Berggesetz für das Fürstenthum Birkenfeld im Entwurf vorgelegt worden. In den dem Entwurf beigegebenen Motiven bemerkt die Groß⸗
zzogliche Staatsregierung, daß im Fürstenthum Birkenfeld, zusammengesezt aus Bruchstüͤcken verschiedener Herrschaften aus der Zeit des alten Deutschen Reiche, bis zur Einverleibung in Frank⸗ reich das gemeine deutsche Bergrecht gegolten. Mit der französischen Derrschaft jei das gemeine deutsche Recht durch den Code Na- Polzon und das deutsche Bergrecht durch das französische Berg⸗ vom 28. Juni 1791 verdrängt worden, welches bald
2 varch das umfassendere französische Gesetz über die Bergwerke 2 Gräbereien und Steinbrüche vom 21. April 1810 msemeit ersetzt worden sei, als die Bestimmungen des lezteren an die Stelle des alteren Gesetzes getreten, ohne
daß jedoch das letztere formell aufgehoben sei. Dieser Zu⸗ stand dauere bis auf den heuligen Tag fort; während in Frankreich selbst die alten gesetzlichen Bestimmungen und Ver⸗ ordnungen durch neuere Gesetze aus den Jahren 1838, 1866 und 1880 ergäuzt und umgestaltet seien und dieselben in der benachbarten Rheinprovinz mehrfache Aenderungen erlitten, bis mit dem Erlaß des allgemeinen Berggesetzes für die preußischen Staaten vom 24. Juni 1865 die bergrechtlichen Bestim zungen auch für die linksrheinischen Gebietstheile eine vollständige Neuregelung erfahren, und während in fast sämmtlichen deutschen Staaten in den letzten Jahrzehnten neue Berggesetze erlassen worden, bilden im Fürstenthum Birkenfeld die nunmehr veralteten Gesetze ꝛc. die einzigen Quellen des Berg⸗ rechts. Daß die Gesetzgebung auf diesem Gebiete zurückgeblieben, dem heutigen Stande der Wissenschaft, Theorie und Praxis nicht mehr entspreche und deshalb einer Abänderung bezw. Neuregelung dringend bedürfe, werte einer weiteren Aus⸗ führung nicht bedürfen, und daß sich ein Bedürfniß hiernach nicht schon früher und stärker geltend gemacht und zum Erlaß neuer Bestimmungen gedrängt habe, lasse sich nur dadurch erklären, daß der Bergwerksbetrieb im Fürstenthum bisher nur eine verhältnißmäßig geringe Ausdehnung gefunden und sich bisher in einfachen Formen bewegt habe, während gerade in den letzten Jahren seit dem Auf⸗ schwung der Industrie sich ein lebhafteres Verlangen nach dem Erwerbe von Bergwerkskonzessio en geltend mache und früher verlassene Bergwerke von neuen Unternehmern in Betrieb gesetzt werden sollen. Es werde deshalb nunmehr mit dem Erlaß eines neuen Berggesetzes vorzugehen sein, da eine Rege⸗ lung der ganzen Materie durch die Reichsgesetzgebung höchst zweifelhaft sei und dieselbe jedenfalls noch in weiter Ferne stehe. Die Staatsregierung habe sich bei Abfassung des vorgelegten Gesetzentwurfes eng an das allgemeine Berggesetz für die preußischen Staaten vom 24. Juni 1865, was sich nach allge⸗ meinem Urtheil sehr bewährt habe, angeschlossen; dies sei auch von den meisten deutschen Staaten bei Abfassung der neuen Berggesetze geschehen, so in Braunschweig, Sachsen⸗Mei⸗ ningen, Sachsen⸗Gotha, Bayern, Sachsen⸗Altenburg, Reuß j. L., Württemberg, Elsaß⸗Lothringen und Anhalt.
Schwarzburg⸗Sondershausen.
Sondershausen, 11. Januar. Aus dem vorläufigen Ergebniß der Volkszählung vom 1. Dezember v. J. theilt das „Reg.⸗ u. Nachr.⸗Bl.“ mit, daß die ortsanwesende Bevölkerung der Unterherrschaft sich auf 37 912, 90 weniger als bei der Zählung von 1885, die der Oberh rrschaft auf 37 618, 1953 mehr als in 1885, belief. v1XX“
Lippe.
(W) Detmold, 10. Januar. Nachdem der Landtag in dieser Woche wieder zusammengetreten war, begann zunächst die dritte Lesung des Etats. Bei der Position Gewerbe⸗ steuer wird von Seiten der Linken das Bedauern ausgedrückt, daß die Regierung noch immer nicht an die Revision der Gewerbesteuer herangetreten sei, die große Ungerechtigkeiten für alle Klassen enthalte. Von Seiten der Regierung wurde geantwortet, es sei doch selbstverständlich, daß die Regierung erst die Reform in Preußen ab⸗ warten müsse, von wo das Besteuerungssystem entlehnt sei. Die Abgg. Schnitger und Asemissen wollten dagegen, daß man in Lippe sofort selbständig vorgehe. Schließlich ge⸗ langte diesbezüglich ein Antrag Asemissen zur Annahme, die Regierung möge in Erwägung ziehen, wie weit eine Erleichterung der unteren Klassen zu erreichen sei. Ein fernerer Antrag auf Erlaß der Klassensteuer für die Steuerzahler, die 2 ℳ im Simplum bezahlen, um die Hälfte, — was einen Ausfall für die Staatskasse von 95 000 ℳ repräsentirt — wurde abgelehnt. In einer späteren Sitzung nahm Abg. Klingenberg Ge⸗ legenheit, das unverantwortliche Gebahren der Linken, die durch Herbeiführung der Beschlußunfähigkeit des Hauses ihre Wünsche auf Vorlage einer neuen Landgemeinneordnung er⸗ zwingen wolle, und durch hetzerische Reden die Arbeiter gegen die. Arbeitgeber aufzuwiegeln suche, öffentlich vor dem Lande zu brandmarken. Die Linke antwortete, was sie gethan, habe sie aus Pflichtgefühl gethan. In dem weiteren Verlaufe der Verhandlungen äußerte Abg. Wasserfall (kons.), es erwecke den Anschein, als wolle man im Lande eine gewisse Zufriedenheit durchaus nicht aufkommen lassen. Das bezeichne die Handlungs⸗ weise der Linken sehr richtig. Bei der Position Wegebau wurde die Regierung ersucht, die Chausseegelderheber dahin zu instruiren, daß vom Schlitten überall nur der halbe Betrag zu entrichten sei. Vor endgültiger Abstimmung des Landtages über den Etat gelangte sodann eine Erklärung der acht Abgeordneten der Linken zur Verlesung, worin es heißt: Sie bedauerten, daß es der Regierung Sr. Durchlaucht des Fürsten noch immer nicht gelungen sei, die im Lande vorhandenen Mißstände zu heben, sie würden aber für diesmal noch den Etat für 1891 bewilligen, behielten sich jedoch für 1892 alle weiteren Schritte vor, wenn bis dahin keine Abhülfe der Be⸗ schwerden erfolgt sei. Darauf wurde der Etat ge⸗ nehmigt. — Aus den weiteren Verhandlungen ist bemerkens⸗ werth eine Eingabe, betreffend Einführung des gleichen direkten Wahlrechts und Abschaffung des Dreiklassenwahlsystems bei Landtags⸗ und städtischen Wahlen. — In erster und zweiter Lesung wurde sodann verhandelt über die Proposition wegen Außerhebungsetzung eines Theils des (Volks⸗) Schulgeldes für 1891 und 1892, und über die Proposition, das bisherige Gesetz, betreffend die Entschädigung der geistlichen und Kirchendiener für den Ausfall an Stolgebühren, in Folge Einführung der Standesämter aufzuheben. Schließlich stand das nach preußischem Muster entworfene Vereinsgesetz zur Berathung. Die Linke hielt bei dem biederen Sinn der Lipper ein solches für gänzlich unnöthig. Der Kabinets⸗Minister von Wolff⸗ gramm erklärte, dasselbe sei vorgelegt zur Bekämpfung der unruhigen Elemente im Lande. Doch, gesetzt, kein einziger Lipper gäbe Veranlassung zur Handhabung des Gesetzes, wer bürge dafür, daß die Sozialdemokraten anderer Staaten nicht über die Grenze treten und bei uns Versammlungen abhalten würden. Für viesen Fall fehlten gesetzliche Mittel zur Ueber⸗ wachung derselben gänzlich. Hätte man Aussicht, daß von Reichswegen bas Vereinswesen geregelt würde, dann könnte man sich abwartend verhalten. Da dies aber nicht der Fall, müsse man selbständig vorgehen. Auch vom Präsidenten von Lengerke wurde betont, daß von Seiten der Reichs⸗ regierung im Jahre 1889 dem Reichstags⸗Abgeordneten von
Reuß ä. L. auf eine diesbezügliche Anregung hin ausweichend [geantwortet seiirx. .
Elsaß⸗Lothringen.
Straßburg, 10. Januar. Nach dem vom Bundesrath genehmigten Entwurf des Landeshaushalts⸗Etats für Elsaß⸗ Lothringen für 1891/92 werden in dem Etat des Innern: 181400 ℳ für die neu errichtete Landes⸗Versicherungsanstalt und 6000 ℳ zu Funktionszulagen für Sekretariatsbeamte an den Kreis⸗ direktionen; in dem der Justizverwaltung: 8300 ℳ zur Schaffung zweier Amtsrichter⸗ und Amtsgerichtssekretär⸗Stellen ge⸗ fordert. Der Etat der Landwirthschaft enthält einen neuen Ansatz von 5000 ℳ zur Unterhaltung der bereits ausgeräumten und regu⸗ lirten Strecke der schiffbaren Ill. Unter den einmaligen Ausgaben sind in dem Etat des Landesausschusses 95000 ℳ eingestellt, damit die innere Ausschmückung des Landesau schußgebäudes der Be⸗ deutung des Gebäudes und der Würde und monumentalen Durch⸗ führung der äußeren Architektur vollständig entsprechend ausgeführt werden kann. Der Etat der Unterrichtsverwaltung verlangt 200 000 ℳ für den Neubau des zoologischen Instituts, 20 000 ℳ für das Bau⸗Bureau und Bauaufsicht, 9150 ℳ für Ausstattung der Universitäts Institute mit Lehrmitteln, 3750 ℳ für Arbeiten am Universitäts⸗Kollegien⸗Gebaͤude, 14 000 ℳ für Errichtung eines zweiten Stockwerks auf den östlichen Flügel des physiologischen Instituts, 14 000 ℳ für Katalogsarbeiten, 5000 ℳ zum außerordentlichen Ankauf von Büchern, 200 000 ℳ (3. Rate) für den Bau des Bibliothekgebäudes, 4000 ℳ zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Münster in Strasburg, 100000 ℳ zur Gewährung von Beihülfen an Gemeinden zu S bulhausbauten, 20 000 ℳ zur Gewährung einer Beihülfe an die evangelische Taubstummen⸗Anstalt zu Straßburg für den Erwerb und Ausbau eines Anwesens und 100 000 ℳ als 1. Rate für die Verlegung des Lehrer⸗Seminars in Straßburg. Für die Förderung der Errichtung und Weiterentwickelung von Darlehns⸗ kassenvereinen und Sparkassen sind im Etat der Verwal⸗ tung des Innern 10 000 ℳ vorgesehen Fbendaselbst findet sich ein Ansatz von 8000 ℳ zur Vervollständigung der Bibliotheken der Kreisdirektionen, von 37 566 ℳ zur Ausstattung der Gendarmerie mit neuen Schußwaffen, von 50 000 ℳ zur einmaligen Unterstützung von Wohlthätigkeitsanstalten und von 20 000 ℳ zur Förderung des Kunst⸗ gewerbes, der Handwerksschulen und der Zwecke der Gewerbevereine. Für Bauten an Flüssen und Kanälen sind 255 600 ℳ in An⸗ satz gebracht und für Wegebauten 373 000 ℳ Für Beihülfen zu den Kosten der Reparatur und des Neubaues von Kirchen sind 222 500 ℳ vorgesehen Davon entfallen auf die Restaurationsarbeiten an dem Domzu Metz 40 000 ℳ, an der St. Theobaldskirche zu Thann 30 000 ℳ an der St. Fideskirche zu Schlettstadt 20 000 ℳ, an der Pfarrkirche zu Mörchingen 18 500 ℳ und an der St. Martinskirche zu Colmar 20 000 ℳ Der außerordentliche Etat weist Ausgaben in einem Gesammt⸗ betrage von 2 721 627 ℳ nach Von denselben entfallen auf den Bau normalspuriger Eisenbahnen 1 410 427 ℳ und zwar für eine Bahn von Saarburg nach Alberschweiler und Vallerysthal (3. und letzte Rate) 261 600 ℳ, von Selz über Walburg nach Merzweiler (2. Rate) 100 000 ℳ, von Hagenau über Sufflenheim nach Röschwoog (2. Rate) 100 000 ℳ, von Münster nach Metzeral (1. Rate) 100 000 ℳ, von Mommenheim nach Sagralben und Saargemünd (1. Rate) 848 827 ℳ Für Rhein⸗Neubauten sind eingestellt 100 000 ℳ, für die Fort⸗ setzung der Katastererneuerungsarbeiten 372 000 ℳ, für den Bau von Waldeisenbahnen 190 000 ℳ und für Meliorationen 649 200 ℳ Von den für Meliorationsarbeiten bestimmten 649 200 ℳ entfallen 120 000 ℳ (10. Rate) auf die Räumung und Regulirung der schiffbaren Ill, 20 000 ℳ auf einen Zaschuß zu Ill⸗ regulirungsarbeiten im V. Ill⸗Syndikat, 40000 ℳ auf die Herstellung von Reservoirs im Fechtthal als 7. und letzte Rate, 200 000 ℳ (4. Rate) auf die Herstellung eines Reservoirs im Lauchthal 20 000 ℳ (6. Rate) auf die Regulirung der Breusch, 76 000 ℳ auf den Zuschuß für die Korrektion der Nied als 5. und letzte Rate 50 000 ℳ 72. Rate) auf den Zuschuß zur Verbesserung des Andlaurieds. Neue und einmalige Zuschüsse sind bestimmt, und zwar 14 000 ℳ für die Moderregulirungsarbeiten, 57 000 ℳ für Regulirung der Rose, 6700 ℳ für die Korrektion des Hargartenbachs, 4500 ℳ zur Anfertigung eines Projckts für die Verbesserung der Abflußverhält⸗ nisse der französischen Nied und Bisten, 15 000 ℳ für Vorarbeiten zur Ermittelung der Ausfäührbarkeit von Stauweihern im oberen Breuschthal und 10 000 ℳ für ein Projekt zur Verdesserung der Abflußverhältnisse der Thur von Thann bis zur Einmündung in
8
Oesterreich⸗Ungarn.
Wien, 12. Januar. Zu dem Diner, welches vorgestern bei Sr. Majestät dem Kaiser und König und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stattfand, hatten, wie „W. T. B.“ meldet, der ottomanische Botschafter Sadulla⸗ Pascha, der italienische Botschafter Graf Nigra und der fran⸗ zösische Botschafter Decrais mit Gemahlin, ferner mehrere Gesandte, darunter diejenigen der Schweiz, der Niederlande und Dänemarks, Einladungen erhalten.
Der griechische Gesandte Dragumis überreichte am Sonnabend Se. Majestä: dem Kaiser und König sein Abberufungsschreiben. Der Legationssekretär Manos hat dessen Funktionen als Geschäftsträger übernommen.
Der Sektionschef Papay empfing vorgestern im Namen des Kaisers eine Deputation von Damen aus den Vororten Wiens, welche anläßlich der Vereinigung der Vororte mit der Hauptstadt eine Huldigungsadresse an den Kaiser mit etwa 3000 Unterschriften überreichten.
Zu Beginn der vorg-strigen Sitzung des böhmischen Landtages ergriff der Statthalter Graf Thun das Wort, um die in der gestrigen Sitzung vom Abg. Treybal er⸗ hobene Befchuldigung, daß einzelne Steuerämter von den auszubezahlenden Hülfsgeldern schuldige Steuergelder zurück⸗ behalten hätten, zurückzuweisen. Der Statthalter habe sofort an die betreffende Bezirkshauptmannschaft in Klattau Bum einen Bericht telegraphirt, und die eingelaufene telegraphische Antwort gehe dahin, daß der Be⸗ zirkshauptmann persönlich alle Hülfsgelder voll ausgezahlt habe und die erhobene Beschuldigung gänzlich unwahr sei. Der Statthalter gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß, wie hier, so auch in dem anderen Falle die Beschuldigung eine un⸗ gerechtfertigte sei. Er überlasse es dem hohen Hause, zu be⸗ urtheilen, ob der Behauptung des Abg. Treybal oder der amtlichen Erklärung des Bezirkshauptmanns mehr Gewicht bei⸗ zulegen sei. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingegangen und die Debatte über die Landeskulturrahts⸗Vorlage bei §. 24 fortgesetzt. Im Verlaufe der Debatte warf der Jungczeche Krumbholz den Bewohnern des deutschen Sprach⸗ gebiets in Böhmen Illoyalität gegenüber der D nastie vor. Deutsche Abgeordnete unterbrachen den edner stürmisch mit den Rufen: „Lüge!“ und „Denunziation!“ und der Oberst⸗Landmarschall ermahnte den Redner, bei der Sache zu bleiben. Die deutschen Abgeordneten Dr. von Plener und Schmeykal begaben sich hierauf zum Oberst⸗ Landmarschall, welcher Beiden den czechischen Text der Krumbholz'schen Rede übersetzte. Inzwischen führte der Berichterstatter der Majorität, Prinz Lobkowitz, aus, daß
die Politik der Jungezechen für die Nation schlimme Früchte
tragen werde. Sein Herz schlage treu für die Nation, des⸗ halb warne er vor einer Fortsetzung dieser Politik. 8
Quilimane seinen festen Wohnsitz aufschlagen,
Der Erbgroßherzog von Luxemburg ende kommend, am Freitag in London eingetroffen und in Claridge’s Hotel abgestiegen. Bei der Landung in Dover wurde der Erbgroßherzog von dem General Sir Christopher Teesdale Namens der Königin und vom Grafen Metternich Seitens der deutschen Botschaft begrüßt und nach London ge⸗ leitet. Heute gedachte Se. Königliche Hoheit sich zum Besuch der Königin nach Osborne zu begeben.
Wie die „Times“ schreibt, hat schon seit einiger Zeit das Verhältniß der englischen Regierung zu den großen konzessionirten Gesellschaften in Afrika, der brütischen südafrikanischen, der britischen ostafrikanischen und der Königlichen Niger⸗Gesellschaft, den Gegenstand ein⸗
gehender Berathungen des Ministeriums ge⸗ ildet. Bei der eigenthümlichen Lage der Dinge in Afrika hätten die britischen Konsular⸗Agenten in den mittelafrikanischen Besitzungen Portugals und Deutsch⸗ lands eine schwierige und heikle Aufgabe. Fortwährend stießen sie naturgemäß auf den zwischen den Interessen der Mächte, bei denen sie beglaubigt sind, und den britischen Interessen bestehenden Widerstreit. Unter diesen Umständen sei es wünschenswerth, daß der britische Vertreter so zu sagen beide Zügel in der Hand habe. Wie die „Times“ glaubt, habe Lord Salisbury die bestehende Schwierigkeit erfolgreich gelöst. In einigen Wochen werde Konsul H. H. Johnston, welcher in Mozambique so treffliche Dienste geleistet, auf seinen Posten zurückkehren und zwar in der Eigenschaft als General⸗Konsul für die portugiesischen ostafrikanischen Besitzungen und zugleich als britischer Kommissar in
Ryassaland. Auf diese Weise werde die Reichsregierung
in direkte Beziehungen mit Nord⸗Zambesia treten. Denn die Jurisdiktion Mr. Johnston's werde die ganze Gegend nördlich des Flusses, welche nach dem nicht zur vollendeten Tha sache ge⸗ wordenen englisch⸗portugiesischen Abkommen und dem ratifizirten englisch⸗deutschen Abkommen zur britischen Sphäre geschlagen wurde, in sich begreifen. Die Schwerfälligkeit der afrikanischen Seengesellschaft habe viel Grund zur Klage gegeben. Unter Mr. Johnston könne vielleicht die Entwicklung der Hülfs⸗ quellen des Landes ohne die Beihülfe der Gesellschaft geschehen. Mr. Johnston werde nicht in Mozambique oder sondern sich dorthin begeben, wohin die Pflicht ihn rufe. Ein analoger Vertreter der Reichsinteressen dürfte demnächst für das Gebiet südlich des Zambesi ernannt werden. Der Gouver⸗ neur des Kaps Sir Henry Loch sei Kommissar für das ganze britische Süd⸗Afrika, für die Gebiete der südafrikanischen Gesellschaft sei jedoch eine besondere Anordnung nöthig. Für Ost⸗Afrika werde Sir Charles Euan⸗Smith Resident in Sansibar sein, mit Funktionen, welche denen der Resi⸗ denten der indischen Feudalstaaten gleichkommen. Außer⸗
dem werde aber ein besonderer Posten geschaffen werden,
welcher dem Vernehmen nach dem General Mathews, der zwölf Jahre lang das Heer des Sultans be⸗ fehligte, übertragen werden solle. General Mathews werde General⸗Konsul für Deutsch⸗Ost⸗Afrika und Kom⸗ missar für Britisch⸗Ost⸗Afrika werden und wahrscheinlich in Taveta, am Fuße des Kilimandscharo, wohnen. Die Er⸗ nennung des Majors Macdonald zum General⸗Konsul für Kamerun und zum Kommissar für die Oelflüsse und das Nigergebiet sei schon früher gemeldet. Er habe einen heiklen Posten, werde aber jedenfalls jeden berechtigten Versuch der Nigergesellschaft, dielbritische Einflußsphäre auszudehnen, unter⸗ stützen. Auch Major Macdonald habe keinen festen Wohnsitz.
Gladstone hat ein Schreiben an Furneß, den Kandidaten der Gladstonianer für die Wahl in Hartle⸗ pool, gerichtet, worin er erklärt, daß er die von ihm be⸗ züglich Irlands befolgte Politik aufrecht erhalte; seine Partei wünsche lebhaft die Regelung der irischen Frage, um Wahl⸗ reformen in Großbritannien einführen zu können.
Justin Me Carthy hatte sich, begleitet von den Ab gg. Sex⸗ ton und Condon, am Donnerstag Abend nach Boulogne begeben, um mit William O'Brien weitere Berathungen zu pflegen. Dem Vernehmen nach weigert sich Ersterer entschieden die Fücgrerschaft zu Gunsten O'Brien's niederzulegen. Dillon egelte am Freitag Abend von Amerika nach Frankreich ab, um an den auf französischem Boden gepflogenen Verhandlungen per⸗ sönlich theilzunehmen. Wie der Dubliner „Telegraph“ vernimmt, wurde Dillon von den Führern der Antiparnelliten zurück⸗ berufen, um durch seinen Einfluß eine Aussöhnung zwischen O'Brien und Parnell zu verhindern. Das Ende aller dieser
Verhandlungen und Konferenzen läßt sich noch nicht absehen,
um so weniger, da noch immer keine zuverlässigen Berichte darüber vorliegen, um was es sich eigentlich handelt. Die
von Parnell eingefädelten Unterhandlungen scheinen nur den Zweck zu haben, Zeit zu gewinnen. 1 1 gierung läßt das Treiben der trischen Nationalisten in
Die französische Re⸗
Boulogne und Paris polizeilich überwachen. Wie „W. T. B.“ meldet, sind die irischen Deputirten Sexton, Me Carthy und
Condon am Sonnabend von Boulogne wieder abgereist.
Auch in England wird die Frage zur Zeit lebhaft ventilirt, ob das Griechische einen Theil des Lehrplanes der Colleges bilden soll. Es erheben sich auch unter den englischen Professoren viele gewichtige Stimmen, welche dafür sind, das Gaiechische für gewisse Studien nur fakultativ zu machen und Deutsch und Französisch an Stelle des Griechischen treten zu lassen. Ist doch außerdem die Zahl derjenigen Studenten in England groß, welche nach Absolvirung eines Colleges sich dem praktischen Geschäftsleben widmen. Leopold von Rothschild brachte neulich Abend auf dem Festmahl, zu welchem sich alle Universitätsstudenten vereinigten, diesen Gesichtspunkt zur Sprache. Er erklärte, seine Firma müsse leider die Mehrzahl ihrer Commis aus dem Ausland beziehen, weil die englischen jungen Leute meistens keine Sprach⸗ kenntnisse besäßen. Es sei dies nicht sowohl Schuld der jungen Engländer selbst, als in einem Mangel des englischen Unterrichtswesens begründet. 1 3
Die Zeitungen veröffentlichen jetzt die öfter erwähnte, von dem Guildhall⸗Meeting beschlossene Petition an den Kaiser von Rußland zu Gunsten der Juden. Der Lord⸗ Mayor hat sie dem General⸗Lieutenant Richter übersandt. In
dem Begleitschreiben hebt der Lord⸗Mayor hervor, daß den Bitttschriftstellern jedes politische Motiv fernliege. .
Frankreich.
Paris, 12. Januar. Der Fürst von M wurde vorgestern Nachmittag vom Präsidenten Carnot em⸗ pfangen und stattete auch der Gemahlin des Präsidenten, sowie später den Ministern Freycinet und Ribot einen Besuch
, von Ost⸗
ab. Der Präsident Carnot erwiderte den Besuch im Laufe des Nachmittags.
Das Begräbniß des Herzogs von Leuchtenberg hat am Sonnabend mit großer Feierlichkeit stattgefunden. Vier Regimenter Infanterie, ein Regiment Artillerie und ein Regiment Kavallerie erwiesen die militärischen Ehren. Unmittelbar hinter dem Leichenwagen gingen Offiziere aus dem Militärstaat des Präsidenten Carnot. Es folgten dann die beiden Brüder des Verstorbenen, die Mitglieder der russischen Botschaft, der Minister Ribot und der Kammer⸗Präsident Floquet sowie Mitglieder des diplomatischen Corps, Senatoren und Deputirte. Der Sarg wurde zeitweilig in den Gewölben der ussischen Kirche bei⸗ gesetzt. Unter den Kränzen auf dem Leichenwagen befand sich ein solcher von Stiefmütterchen und Rosen mit Bändern in den französischen und russischen Farben. Derselbe war von dem Präsidenten Carnot und der französischen Re⸗ gierung gewidmet. Der Herzog Eugen von Leuchtenberg verließ, wie „W. T. B.“ meldet, noch am nämlichen Abend Paris, während die Prinzessin Wilhelm von Baden gestern Abend die Rückreise nach Karlsruhe antrat.
Der „Gaulois“ versichert auf Grund autorisirter Mit⸗ theilungen, der Herzog von Orleans habe seit seiner Haft in Clairvaux weder selbst noch durch Andere ein “ chen gestellt, in die russische Armee eintreten zu dürfen.
Die Zollkommission der Deputirtenkammer be⸗ schäftigte sich am Sonnabend wieder mit der Frage, betreffend die Kündigung der Handelsverträge und nahm einen Antrag an, welcher von den Erklärungen der Regierung Kenntniß nimmt. Ein von mehreren Mitgliedern der Kom⸗ mission eingebrachter Antrag, welcher eine allgemeine Kün⸗ digung sämmtlicher Handelsverträge bezweckt, wurde abge⸗ wiesen.
Die Blätter veröffentlichen ein Schreiben des Ministers des Auswärtigen Ribot an den Deputirten La Chambre, in welchem er auf dessen Anfragen in Betreff der nächsten Fischereicampagne bei Neufundland erklärt, die französischen Fischer könnten wie immer auf den Schutz der französischen Marine⸗Offiziere rechnen. In Betreff der Ver⸗ handlungen über einen Modus vivendi spricht der Minister die Hoffnung aus, dieselben würden baldigst zum Ziele führen.
Der Marine⸗Minister hat eine gemischte Kommission von Deputirten, Beamten und Offizieren zur Prüfung der Berichte der Handelskammern über die Errichtung von kom⸗ merziellen Seeschulen eingesetzt.
Die republikanischen Blätter verzeichnen mit großer Genugthuung die mehr als sechs zehnfache Ueberzeichnung der Anleihe. Der „Temps“ meint, es sei schwer, sich eine glänzendere Manifestation des Kredits und der finanziellen Macht Frankreichs vorzustellen.
Einer hier eingegangenen Depesche vom Senegal zu⸗ folge hat Oberst Archinard die Armee des Scheik Ahmadu neuerdings bei YNouri, 30 km südwestlich von Nioro, ge⸗ schlagen. Zu dieser Nachricht bemerkt der „Temps“, es gehe daraus hervor, daß die Truppen des Scheik Ahmadu auf dem Rückzuge zum Senegal geschlagen worden seien.
Italien.
Der König und die Königin hatten, wie „W. T. B.“ aus Rom meldet, gestern die Mitglieder des diplomatischen Corps zum Diner geladen. Bei der Tafel saß zur Rechten des Königs die Gemahlin des österreichisch⸗ungarischen Bot⸗ schafters, zur Linken des Königs die Gemahlin des britischen Botschafters, neben Letzterer der deutsche Botschafter und so⸗ dann der Minister⸗Präsident Crispi.
Die „Italie“ bezeichnet die Nachricht des „Daily⸗ Chronicle“, daß der italienische Finanz⸗Minister für ein neues Anlehen Maßnahmen treffe, als durchaus un⸗ begründet.
„Esercito Italiano“ meldet: Eine aus sämmtlichen Generalen der Armee zusammengesetzte Kommission habe sich für Verlängerung der Militärdienstpflicht bis mindestens zum 42. Lebensjahre, ferner für die Beibehaltung der gegenwärtigen Dauer der Dienstleistung im aktiven Heere sowie Aufrechterhaltung des jetzigen Rekrutirungssystems im Gegensatz zum territorialen ausge⸗sprochen.
Das neue Gesetz, betreffend die frommen Stif⸗ tungen (opere pie) soll, wie man dem Berner „Bund“ meldet, am 17. d. in Anwendung gebracht werden. Die Re⸗ gierung habe bereits telegraphische Instruktionen an die Prä⸗ fekten erlassen.
Portugal.
Der bisherige Legationssekretär bei der portugiesischen
Gesandtschaft in London Soveral ist zum Gesandten und
bevollmächtigten Minister Portugals in London ernannt worden. 1 Schweiz..
Im Kanton Dessin haben gestern die Wahlen für den Verfassungsrath stattgefunden. Soweit Nachrichten bis jetzt vorliegen, sind sie vollständig ehis verlaufen. Die Klerikalen haben gestimmt, während die Liberalen sich der Wahl enthielten. Das Resultat wird voraussichtlich erst in einigen Tagen bekannt gemacht werden.
Belgien.
Prinz Albert und Prinzessin Henriette, Kinder des Grafen von Flandeen, sind an Bronchitis erkrankt. In dem Befinden der Prinzessin ist, wie „W. T. B.“ aus Brüssel meldet, seit gestern eine Besserung eingetreten.
Türkei.
Die Pforte hat, wie dem „R. B.“ aus Athen gemeldet wird, dem griechischen Patriarchen mitgetheilt, daß alle Differenzpunkte durch eine gemischte Kommission erledigt werden sollen.
Serbien.
Belgrad, 11. Januar. Bei dem gestrigen Empfange des diplomatischen Corps erhoben laut Meldung des „W. T. B.“ die Vertreter der auswärtigen Mächte Vor⸗ stellungen wegen der Vertragswidrigkeit einzelner Tarifsätze der neuen Verzehrungssteuer. Wie versichert wird, hätte der Minister⸗Präsident die Richtigkeit der erhobenen Einwände anerkannt. 8
Die Nachricht, daß die Regentschaft den Eltern des Königs Vorschläge für ein Arrangement unterbreitet hätte, welche von diesen im Prinzip angenommen worden seien, wird als vollständig unbegründet bezeichnet. 5
Dritten Beilage zur heutige
Dänemark.
Die Regierung brachte am 10. d. M. im Folkethin eine Vorlage ein, nach welcher die Zahl der Wahlkreise für das Folkething von 102 auf 137 vermehrt werden soll, in Gemäßheit der Bestimmung des Grundgesetzes, wonach auf je 16 000 Einwohner ein Reichstags⸗Abgeordneter zu wählen ist. Die Stadt Kopenhagen, welche bisher 9 Deputirte wählte, wird demnach in Zukunst durch 20 Deputirte ver⸗ treten sein.
Amerika.
Vereinigte Staaten. Nach in New⸗York ein⸗ getroffenen Telegrammen aus Rushville dürfte es in dem Gebiet des Indianeraufstandes in allernächster Zeit zu einem entscheidenden Kampf kommen. Die Frauen und Familien der Offiziere von Pine Ridge wurden am 9. d. M.
bends nach dem Osten in Sicherheit gebracht.
Asien.
Japan. Die Thronrede, mit welcher am 29. No⸗ vember das erste japanische Parlament vom Mikado eröffnet wurde, lautet:
Den Mitgliedern des Herrenhauses und des Hauses der Ab⸗
geordneten kündigen wir hiermit an, daß die leitenden Grundzüge der verschiedenen Zweige der Regierung und Verwaltung, welche wir während der zwanzig Jahre seit unserer Thronbesteigung gefördert haben, nunmehr fast vollendet sind. Ernstlich flehen wir, daß wir, geleitet durch die Weisheit (Tugend), welche wir von dem Kaiser⸗ lichen Gründer unseres Hauses und von unseren anderen Kaiserlichen Vorfahren ererbt haben, und mit Ihrer Mitwirkung, die Vergangenheit einheitlich vollenden, die Zukunft hell und licht gestalten, die trefflichen Früchte, welche die Verfassung zeitigen wird, treu bewahren und somit fortfahren mögen, den Ruhm unseres Reiches zu mehren und, zu Haus und in der Fremde, den bewundernswürdigen edlen und loyalen Charakter unseres Volkes zu bethätigen. Von früh an ist es unser Bestreben gewesen, Freundschaft mit allen Nationen zu pflegen, unsern Handel auszudehnen, des Vaterlandes Macht und Ansehen zu stärken. Wir sind so glücklich gewesen, unsern Verkehr und unsere Freundschaft mit den Vertragsmächten stetig wachsen zu sehen. — Das Heer und die Flotte betreffend, ist es unser Wille, ihnen die Vollkommenheit im Laufe der Jahre zu sichern. Das Budget und die verschiedenen Gesetzentwürfe für das 24. Jahr Meiji (Zahl der Regierungsjahre des Mikado) anlangend, ordnen wir an, daß die Staats⸗Minister sie dem Reichstage zur Berathung vorlegen sollen. Wir leben der Zuversicht, daß Sie diese Vorschläge weise und unparteiisch prüfen und ihnen Ihre Unterstützung leihen und so der Zukunft ein würdiges Beispiel geben werden. Der Landessitte gemäß nahm die Versammlung diese Rede schweigend und nach ihrem Schlusse mit einer tiefen Ver⸗ beugung hin. Beide Häuser des Parlaments beschlossen hierauf Adressen.
Die Adresse des Oberhauses lautet:
Ew. Majestät wollen gnädigst geruhen, das Folgende bhuldreich entgegen zu nehmen Wir, Ew. Majestät loyale und treu ergebene Diener, die Mitglieder des Oberhauses, bitten unterthänigst und ebrerbietigst, Ew. erhabenen und erleuchteten Majestät eine Adresse überreichen zu dürfen. Der Ruhm Ew. Allergnädigsten Majestät Tugenden mehrt sich täglich. Ew. Majestät haben geruht, eine Verfassungsurkunde zu erlassen und den Reichstag zu berufen, um die Ansichten Vieler zu sammeln und in gemeinsamer Arbeit mit dem Volke den Fortschritt des Landes zu fördern. Und nun haben Ew. Allergnädigste Majestät weiter geruht, die Mitglieder beider Häuser zusammenzuberufen und das Oberhaus mit Ew. Majestät Gegenwart zu beehren zu der feier⸗ lichen Eröffnung. Ew. Majestät haben überdies die Gnade gehabt, uns mit Dero wohlwollender Ansprache zu beehren. Wir, Ew. Allergnädigsten Majestät Diener, von den aufrichtigsten Wünschen für die Wohlfahrt des Reiches beseelt und das Wohlergehen Ew. Majestät Unterthanen erflehend, bitten aller⸗ unterthänigst um die Erlaubniß, unseren Rath Ew. Majestät weiser Erwägung leihen und unseren unterthänigen Meinungen, in strenger Beobachtung der Verfassungsurkunde, Ausdruck geben zu dürfen. Also in tiefster Ehrfurcht ersterbend, haben wir gewagt, an Ew. Aller⸗ gnädigste Majestät eine Adresse in Erwiderung auf Ew. Majestät gnädige und wohlwollende Ansprache zu richten.
Die Adresse des Hauses der Abgeordneten lautet:
Allerunterthänigst gestatten wir uns, unserer unbegrenzten Dankbar⸗ keit und Genugthuung darüber Ausdruck zu geben, daß Ew Majestät die Gnade gehabt haben, den Kaiserlichen Reichstag zu eröffnen und eine gnädige Ansprache an uns, Ew. Majestät Unterthanen zu halten. Wir versichern Ew. Majestät unterthänigst, daß wir unsererseits es an keiner Anstrengung werden fehlen lassen, unsere Verantwortlich⸗ keiten als Gesetzgeber vollauf zu erfüllen und uns des Vertrauens würdig zu zeigen, welches unser Herrscher und das Volk Seines Reiches in uns gesetzt haben.
Parlamentarische Nachrichten.
8 ““ Im 5. Arnsberger Reichstags⸗Wahlbezirk Bochum⸗Gelsenkirchen⸗Hattingen) ist bei der engeren Wahl
Fabrikbesitzer Hermann Müllensiefen in rengeldanz (nat.⸗lib.) mit 27 304 Stimmen zum Mitglied des Reichstages gewählt worden. Bürgermeister Vattmann in Gelsenkirchen (Centrum) hat nur 25 641 Stimmen erhalter
In der heutigen (16.) Sitzung des Hauses der Ab⸗ geordneten, welcher der Justiz⸗Minister Dr. von Schelling, der Minister des Innern Herrfurth, der Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von Berlepsch, der Finanz⸗Minister Dr. Miquel und der Minister für Landwirthschaft ꝛc. von Heyden beiwohnten, theilte der Präsident von Köller zunächst mit, daß 1) der Nachweis über die Verwendung des Dis⸗ positionsfonds der Eisenbahnverwaltung für 1889/90, 2) der Bericht über die Ergebnisse des Be⸗ triebs der für Rechnung des Staats verwalteten Eisenbahnen für 1889/90, und 3) der Bericht über die Bauausführungen und Beschaffungen der Staats⸗ eisenbahn⸗Verwaltung im Jahre 1. Oktober 1889/90 eingegangen seien. 8 1 b
Der Rechenschaftsbericht über die weitere Aus⸗ führung des Gesetzes vom 19. Dezember 1869, be⸗ treffend die Konsolidation preußischer Staats⸗ anleihen, wurde ohne Debatte erledigt.
Der Finanz⸗Minister Dr. Miquel nahm hierauf das Wort, um folgende Vorlagen einzubringen:
1) Die allgemeine Rechnung für den Staats⸗ haushalts⸗Etat vom 1. April 1887/88.
2) Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben für 1. April 1889/90.
3) Den Gesetz⸗Entwurf, betreffend die Fest⸗ stellung des Staatshaushalts⸗Etats für 1. April 1891,92. (Vgl. eine kurze in der D. Red.