1891 / 104 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 04 May 1891 18:00:01 GMT) scan diff

Regierung über die Vorgänge in Fourmies zugegangenen Nach⸗ richten hatten die strikenden Arbeiter andere nicht strikende an der Arbeit gewaltsam zu hindern gesucht. Als hierbei mehrere Ver⸗ haftungen vorgenommen wurden, rottete sich die Menge zusammen, warf nach dem Unterpräfekten und dem Staatsanwalt mit Steinen und suchte sich der Person eines Offiziers von dem herbeigeeilten Militärkommando zu bemächtigen. Das Militär schritt darauf mit der Waffe ein. In Fourmies und Sains haben jetzt fast sämmt⸗ liche Arbeiter die Arbeit eingestellt.

In Roubaix haben 700 Färber die Arbeit niedergelegt.

Aus Lyon wird vom gestrigen Tage gemeldet: Die Anarchisten fahren fort, die Telephonkabel zu durchschneiden und dadurch die telephonischen Verbindungen zu stören. 1

In Tourcoing haben in mehreren Spinnereien etwa 600 Arbeiter die Arbeit niedergelegt in Folge der Entlassung ihrer an der gestrigen Manifestation betheiligten Gefährten.

In London waren gestern im yde⸗Park etwa 60 000 Arbeiter zu der geplanten Mai⸗Kundgebung ver⸗ sammelt, bei welcher die Führer Cunningham, Graham, Mann, Tillett und Burns Reden hielten. Es wurde eine Resolution zu Gunsten einer internationalen Gesetzgebung, betreffend den Achtstundentag gefaßt. Andere Demon⸗ strationen im Hyde⸗Park hatten einen mehr revolutio⸗ nären Charakter, ohne daß indessen irgendwie die Ruhe gestört worden wäre.

Aus St. Quentin meldet ein Wolff'sches Telegramm: Die in den hiesigen Werkstätten bekannt gewordene Nachricht, daß ein Anarchist wegen Aufreizung zum Aufruhr bei dem Meeting am 1. Mai zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt worden sei, rief eine lebhafte Erregung hervor. Viele Arbeiter zogen nach zwei Werken, zwangen die dort Arbeitenden, die Arbeit niederzulegen, und zertrümmerten die Thüren, Fenster und Gaslampen.

Aus Brüssel wird vom Sonnabend berichtet, daß der Generalrath der Arbeiterpartei in einem neuerlichen Manifest die Bergleute und Arbeiter aufgefordert hat, bezüglich des Strikes noch keinen entscheidenden Schritt zu thun, sondern den Be⸗ schluß der Kammer Betreffs der Verfassungsrevision, welcher nach der Erledigung des Budgets erfolgen wird, abzuwarten. Da der deutsche Bergarbeiterstrike in entschiedener Abnahme be⸗ griffen sei, hätten die belgischen Arbeiter keinen Anlaß mehr, ihre Solidarität mit den Interessen der deutschen Arbeiter durch einen sofortigen Strike zu bekunden. Dem entsprechend meldet ein gestriges Telegramm: Die Führer der Arbeiter beschlossen im Einvernehmen mit den Führern der Progressisten, sich in die Arbeitercentren zu begeben und ihren Einfluß geltend zu machen, um den Ausbruch eines Strikes zu verhindern. Man verspricht sich davon guten Erfolg.

Im ganzen Grubenbassin von Charlerot wurde am Sonnabend gefeiert. Gegen 30 000 Bergleute und mehr als 4000 Eisenarbeiter waren nicht zur Arbeit gekommen. Die Direktion der Puddelwerke von Marais zu Montigny, welche 400 Arbeiter beschäftigt, zeigt an, daß sie ihre Werkstätten geschlossen habe. Man fürchtete, daß heute der Strike auf einer größeren Zahl von Kohlengruben aus⸗ brechen werde. Aus La Louvièdre wird vom gestrigen Tage be⸗ richtet: Die Vereinigung der Bergarbeiter des Central⸗ bassins faßte in einer besonderen Versammlung mit Einstimmigkeit den Beschluß, in den Strike einzutreten, falls die Arbeits⸗ einstellung sich auf ein oder mehrere Kohlenbassins Belgiens aus⸗ dehnen würde.

Wie aus Mons gemeldet wird, kam es am Sonnabend Abend in dem Kohlenwerk von Grand⸗Hornu zu einem Zusammen⸗ soß zwischen Gendarmen und Bergleuten, welche mit Gewalt in die Bureaus eindringen wollten. Die Gendarmen gaben Feuer und verwundeten zwei Arbeiter; mehrere wurden verhaftet. Vier von den verhafteten Arbeitern sind unter Eskorte nach Mons abgeführt worden. Der gestern eingetroffene Untersuchungsrichter ordnete die Verhaftung von noch mehreren Bergarbeitern an. Die Gendarmerie nahm zahlreiche Haussuchungen vor.

In Seraing kam es am Sonnabend zwischen strikenden Bergarbeitern, die weiterarbeitende Genossen an der Arbeit ver⸗ hindern wollten, und Gendarmen zu einem Zusammenstoß. Die Gendarmen, welche mit einem Steinhagel überschüttet wurden, waren genöthigt, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, wobei mehrere der Strikenden verwundet wurden, fünfzehn Personen wurden verhaftet, Militär ist von Lüttich nach Seraing abgegangen. Die Arbeiter der Eisen⸗ und Stabhlwerke von Seraing haben beschlossen, unverzüglich den allgemeinen Strike eintreten zu lassen. Unter den Bergwerksarbeitern giebt sich eine große Er⸗ regung gegen den Generalrath der Arbeiterpartei kund wegen des fortwährenden Hinausschiebens des allgemeinen Strikes.

Aus Lüttich wird vom Sonnabend telegraphirt, daß eine große Anzahl der Bergleute des Lütticher Beckens sich am Morgen nicht zur Arbeit eingestellt hatte. Auf der Kohlengrube Horloz wurde ein Einschreiten der Gendarmerie erforderlich, als die

strikenden Bergarbeiter versuchten, ihre arbeitenden Gefährten zu ver⸗ hindern, in die Grube hinabzusteigen. Die Gendarmen, welche die Arbeiter beschützen sollten, wurden mit tobendem Lärm und Steinwürfen empfangen. Mehrere derselben wurden rverletzt. Der Lieutenant der Gendarmerie befahl zu feuern und machte zwei Angriffe auf die Aufrührer, wobei einige der Strikenden verwundet und 11 verhaftet wurden. Die Menge suchte die Ge⸗ fangenen zu befreien, und da die Gendarmen unfähig waren, weiteren Widerstand zu leisten, wurden Truppen von Lüttich re⸗ quirirt. Eine Compagnie Infanterie ist nach Tilleur abgegangen. Die gefangenen Strikenden wurden von Lanciers nach Lüttich eskortirt. Vom gestrigen Tage wird aus Lüttich gemeldet, daß in mehreren industriellen Ortschaften der Umgebung der Belagerungszustand verkündet worden ist. In Horloz wurden die Telephondrähte durchschnitten. Zwischen der Gendarmerie, welche das Abhalten eines Arbeitermeetings zu hindern suchte, und einer Arbeiterschaar kam es zu einem thätlichen Zusammenstoß, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Nach der Umgebung des Kohlenbergwerks Saint Nicolas ist eine Compagnie Infanterie abgesandt, auch verschiedene andere Punkte wurden militärisch besetzt. Am gestrigen Tage blieb, wie heute mit⸗ getheilt wird, Alles ruhig, jedoch befürchtete man für den heutigen Tag den Ausbruch des allgemeinen Strikes in den Kohlengruben am linken Maas⸗Ufer; die Behörden haben umfassende Vorsichtsmaßregeln getrofften. In Tilleur fanden Versammlungen unter freiem Himmel statt, in denen die Redner zum Strike aufforderten; die Cafés wurden schon um 8 Uhr Abends eschlossen. In Jemappes warfen die Ausständigen

n mehreren Straßen die Fenster ein; einige Verhaftungen wurden vorgenommen; es herrscht Besorgniß vor Steigerung der Er⸗ regung. In Seraing geht die Agitation im Stillen fort; den nicht strikenden Arbeitern wurden die Fenster eingeworfen. In Quaregnon, Wasmuel und Hornu wurden bei den Arbeits⸗ syndikaten die Kassenbücher beschlagnahmt.

„Aus Rom wird gemeldet: Die am Justizpalast jenseits des Tibers beschäftigten Arbeiter begannen am Sonnabend einen Ausstand. Die Arbeiter verlangen Herabminderung der Arbeits⸗ zeit und Erhöhung des Lohnes. Die Polizei zerstreute mit leichter Mühe mehrere Ansammlungen. Es sind Maß⸗ regeln zur Verhinderung weiterer Ansammlungen sowie Ein⸗ zuges der Ausständigen in die Stadt getroffen worden. Der Befehl hierzu veranlaßte einen blinden Lärm und das Schließen mehrerer Läden. Wie die „Tribuna“ aus Palermo meldet, hatte der Rektor der dortigen Univerfität das Verlangen der Studenten abgewiesen, ihnen einen Saal einzuräumen, in welchem anläßlich des Arbeiterfestes am Sonntag eine Vorlesung über eine soziale Frage gehalten werden sollte. In Folge dieser Ab⸗ lehnung versammelten sich gestern früh 400 Studirende, um gegen das Vorgehen des Rektors zu protestiren, und beschlossen, den Vor⸗

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trägen nicht mehr beizuwohnen. Mehrere Schulhänke und Fenster⸗ scheiben wurden zertrümmert.

In Barcelona fanden am Sonnabend Abend fünf Explo⸗ sionen durch Petarden statt, welche erheblichen Schaden anrich⸗ teten und große Aufregung verursachten. Verlust an Menschen⸗

leben ist nicht zu beklagen.

Der Bergarbeiter⸗Ausstand im Ruhrkohlen⸗ re vier darf als im Wesentlichen beendet angesehen werden. Am Sonnabend Morgen belief sich die Zahl der Strikenden nach der Schätzung der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ auf höchstens 1500 Mann, wobei die allerdings nicht geringe Zahl der wegen Nichtwiederanfahrt am festgesetzten Termin von den Zechen entlassenen Leute schon abgerechnet ist. Im Einzelnen sind noch folgende Mittheilungen bemerkenswerth:

Auf Zeche „Centrum“ bei Wattenscheid ist der Strike beendet: es ist fast Alles angefahren. Diejenigen, welche nicht angefahren sind, sind beurlaubt wegen des Umzuges, auch sind einige nach ihrer Heimath abgereist. Auf Zeche „Vollmond“ bei Wattenscheid ist Sonnabend Morgen wieder Alles angefahren. Auf Zeche „Recklinghausen“, Schacht II., fehlen noch ca. 60 Mann. Auf Zeche „Eiberg“ bei Steele sind bis auf 46 Mann Alle angefahren; diese 46 Mann haben sich aber für Montag wieder zur Aufnahme der Arbeit gemeldet. Der Strike ist also auf Zeche „Eiberg“ auch beendet. Auf Zeche „ver. General u. Erbstollen“ sind 65 unter und 78 Mann über Tage angefahren. Auf „Fröhliche Morgensonne“ ist Alles wieder angefahren. Auf „Dahlhauser Tiefbau“ sind im Ganzen 121 Mann am Arbeiten. Auf „ver. Marianne u. Steinbank’ sind 82 Mann unter Tage, über Tage 310 Mann, „ver. Engelsburg“ sind 90 Mann unter und 56 Mann über Tage angefahren. Auf Zeche „Hasenwinkel“ sind bekanntlich Arbeiter des Bochumer Gußstahlwerks beschäftigt. Auf Zeche „Friedlicher Nachbar“ ist die Förderung wieder aufgenommen worden; am Montag wird die Belegschaft wieder vollzählig sein. Auf „Carolinenglück“ sind unter Tage 207 Mann angefahren, über Tage sind 76 Mann am Arbeiten; es fehlen noch ca. 80 Mann.

Die „Saarbr. Ztg.“ schreibt unter dem 1. Mai: Während in den niederrheinisch⸗westfälischen Berg⸗Revieren der muthwillig provozirte Ausstand im Erlöschen begriffen ist und die Belegschaften der meisten Gruben zur regelmäßigen Arbeit zurück⸗ kehren, haben im Saar⸗Revier die Hrrn. Warken, Thomé und Genossen auf gestern Abend eine Versammlung der Ausschußmit⸗ glieder, der Vertrauensmänner des Rechtsschußvereins und der Bevollmächtigten des Bergarbeiterverbands nach Altenwald zusammenzuberufen. Recht zahlreich waren die Geladenen erschienen und in heftigen Reden entluden Warken und Thomé die in Paris und Bochum gesammelte Weisheit. Die wenigen be⸗ sonnenen Stimmen wurden niedergeschrieen und folgende Be⸗ schlüsse gefaßt: Aufrechterhaltung der Völklinger Beschlüsse. Acht⸗ stundenschicht. Keine Kohlenverschickung nach auswärtigen Strike⸗ ebieten. Theuerungszulage wie auf den Pfalzgruben. Entscheidung is 12 Mai erbeten. Wiederanlegung aller Gemaßregelten.

Nach Mittheilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 19. April bis inkl. 25. April cr. zur Anmeldung gekommen: 439 Ehe⸗ schließungen, 946 Lebendgeborene, 37 Todtgeborene, 587 Sterbefälle.

Die „Mittheilungen der Großherzoglich hessischen Centralstelle für die Landesstatistik“ haben in den Nummern 486 bis 490 von 1891 folgenden Inhalt: Die Zwangsveräußerungen von Liegenschaften und die Zu⸗ und Abnahme des auf dem Grund⸗ besitz ruhenden, in den öffentlichen Buͤchern eingetragenen Schulden⸗ standes im Jahr 188è7 im Großherzogthum Hessen. Eisenbahnen Februar 1891. Todesfälle in den Kreisen des Großherzogthums Hessen Januar 1891. Sterblichkeitsverhältnisse März 1891.

(T) Statistik der schwedischen Handelsflotte.

Nach der soeben erschienenen Schiffsliste Schwedens besteht die schwedische Handelsflotte jetzt aus 2158 Segelschiffen von 345 334 Tons Tragfähigkeit und 828 Dampfschiffen von 146 902 Tons Trag⸗ fähigkeit und 35 835 Pferdekräften.

Land⸗ und Forstwirthschaft.

Dem vom österreichischen Ackerbau⸗Ministerium nach dem Stande vom 10. April d. J. herausgegebenen Saatenstandsbericht entnehmen wir folgende Mit⸗ theilungen:

Der überaus strenge Winter blieb zwar, wie zu erwarten, nicht ohne Nachtheil für die Herbstsaaten, doch hatten dieselben, trotzdem sie meist des späten Anbaues wegen schwach in den Winter gekommen waren, denselben zum größeren Theil gut überstanden, und zwar gerade die schwächeren oft besser als die stärkeren; aber sehr zahlreich sind die Klagen über die Wirkungen des Nachwinters. Vollständige Auswinterungen kamen in großem Umfange vor und ebenso zahlreich sind die Fälle, in welchen solche bevorstehen, wenn nicht bald warme

egen eintreten. 3

Beim Roggen läßt sich ein besonders lückenhafter oder schütterer Stand bereits in vielen Fällen als unvermeidlich voraussehen.

Weizen hat im Allgemeinen weniger gelitten, verhältniß⸗ mäßig am Besten hat der Raps den Winter überstanden, so⸗ weit der Schnee auf gefrorenen Boden gefallen war. Ueber⸗ wiegend erfreulich hat sich der Stand der Wintersaaten in der Nordhälfte Böhmens, in großen Theilen von Mähren (na⸗ mentlich des Weizens in der Hanna), dann von Nieder⸗ und Ober⸗Oesterreich, von Salzburg und Steiermark erhalten.

Der Raps zeigt sogar einen vortrefflichen Stand in vielen Gegenden von Schlesien und Mähren und einigen Gegenden der nördlichen böhmischen Tiefebene.

Der Anbau der Sommersaaten konnte in vielen Gegenden der nördlichen Zone und in den Alpenländern über⸗ haupt noch nicht angefangen werden.

Derselbe hat selbst in den gebirgigen Gegenden der süd⸗ lichen Zone haüser noch sehr geringe Fortschritte gemacht. In den Ebenen dieser Zone hingegen sowie auch Nieder⸗Oester⸗ reichs und Steiermarks ist der Anbau meist im vollen Zuge, hie und da schon beendet.

(F) Landwirthschaftliche Ausstellung in Gothenburg.

In Verbindung mit der großen landwirthschaftlichen Ausstellung in Gothenburg wird auch vom 3. bis 9. August eine allgemeine nordische Meierei⸗Ausstellung abgehalten werden. Es sollen zur Ausstellung kommen: Maschinen und Geräthschaften für Meiereien; Milch und Produkte aus Milch in konservirtem Zustande; Meierei⸗Präparate (Butter⸗ und Käsefarbe, Salz ꝛc.); Butter aus saurer Sahne, Süßmilchkäse mit dichter und poröser Masse; wissen⸗ schaftliche Hülfsmittel zur Hebung der Meierei⸗Wirthschaft.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregell. Süd⸗Amerika

Die uruguaische Regierung hat den Hafen von Santos als vom gelben Fieber infizirt erklärt. Demgemäß unterliegen die von

dort in Montevideo einlaufenden Schisse zufolge einer Verordnung

5 der Gesundheitsbehörde daselbst vom 1. April 1891 denselben

Quarantänebestimmungen, wie die Provenienzen aus Rio de Janeiro.

(Vergl. „R.⸗A.“ Nr. 74 vom 26. März 1891.) G

Handel und Gewerbe.

Bei den Abrechnungsstellen der Reichsbank sind im April 1891 abgerechnet worden 1 687 589 500 gegen 1 366 365 200 im März d. J. und 1 453 965 500 im April 1890.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien.

An der Ruhr sind am 2. Mai gestellt 8797, nicht recht⸗

zeitig gestellt keine Wagen.

In Oberschlesien sind am 1. d. M. gestellt 3665, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen; am 2. d. M. sind gestellt 3220, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Berlin, 2. Mai. (Wochenbericht für Stärke, Stärkefabrikate und Hülsenfrüchte von Max Saberskv.) Ia. Kartoffelmehl 24 ½ 24 ¾ ℳ, I a. Kartoffelstärke 24 ½ 24 ¾ ℳ, IIa. Kartoffelmehl und ⸗Stärke 22 ½ 23 ¾ ℳ, feuchte Kartoffel⸗ stärke loco u. Parität Berlin kein Handel, Fabriken bei Frankfurt a. O. zahlen frei Fabrik 14,50 ℳ, gelber Syrup 29 ½ 30 ℳ, Capillair⸗Export 31 ½ 32 ℳ, Capillair⸗Syrup 30 ½ 31 ½ ℳ, Kartoffelzucker Capillair 30 ½ —631 ℳ, do. gelber 29 ½ 30 ℳ, Rum⸗Couleur 36 37 ℳ, Bier⸗Couleur 36 37 ℳ, Dertrin, gelb und weiß, Ia. 34 55 ℳ, do. sekunda 27 29 ℳ, Weizenstärke (kleinst.) 43 44 ℳ, Weizenstärke (großst.) 48 49 ½ ℳ, Hallesche und Schlesische 48 50 ℳ, Schabe⸗Stärke 36 37 ℳ, Mais⸗ Stärke 32 33 ℳ, Reisstärke (Strahlen) 48 49 ℳ, do. (Stücken) 45 46 %ℳ, Victoria⸗Erbsen 19 ½ 21 ½ ℳ, Kocherbsen 18 ½ 21 ℳ, grüne Erbsen 18 ½ 21 ½ ℳ, Futtererbsen 17 17 ½ ℳ, Leinsaat 25 27 ℳ, Linsen, große 34 44, do. mittel 24 34, do. kleine 20 24 ℳ, gelb. Senf 24 32 ℳ, Kümmel 36 41. ℳ, Buchweizen 18 20 ℳ, Mais loco 16 ½ 17 ½ ℳ6, Pferdebohnen 15 16 ½ ℳ, inländische weiße Bohnen 21 23 ℳ, weiße Flachbohnen 23 26 ℳ, ungarische Bohnen 19 ½ 22 ℳ, galizische und russische Bohnen 17—20 ℳ, Wicken 13 14 ℳ, Hanfkörner 21 3 23.ℳ, Leinkuchen 16 ½ 17 ½. ℳ6, Weizenschale 11 ½ 12 ℳ, Roggenkleie 12 13 ℳ, Rapskuchen 13 14 ½ ℳ%ℳ, Mohn, weißer 60 74 ℳ, do. blauer 48 54 ℳ, Hirse, weiße 20 23 Alles per 100 kg ab Bahn bei Partien von mindestens 10 000 kg.

Der Geheime Ober⸗Finanz⸗Rath a. D. Dr. Rüdorff, Präsident der Preußischen Central⸗Bodenkredit⸗Aktien⸗ Gesellschaft ist gestern gestorben.

In der 27. ordentlichen Generalversammlung der Branden⸗ burger Spiegelglas⸗Versicherungs⸗Gesellschaft zu Brandenburg a. H. vom 20. v. M. wurde der Rechnungs⸗ abschluß für das Jahr 1890 vorgelegt, welcher ergiebt, daß die Zahl der Versicherungen auf 19 672, die Versicherungssumme auf 8 345 959 ergiebt, die Prämieneinnahme auf 222 760 gestiegen ist, sich mithin gegen 1889 vermehrt hat um 1375 Versicherungen über 979 962 mit einer Prämie von 30 164 Dagegen waren auch die Schäden um 704 und 27 840 auf 6252 mit 148 723 gewachsen. Das Jahr hätte ohne Verlust abgeschlossen, wenn nicht gegen Ende des⸗ selben durch die anhaltende strenge Kälte eine größere Zahl schwerer Schäden verursacht worden wäre. Das neu ausgearbeitete revidirte Statut, welches nach Bestätigung durch die hohen Behörden an Stelle des bisherigen am Tage der Generalversammlung im Jahre 1892 in Kraft treten wird, wurde genehmigt.

Die „Aktien⸗Gesellschaft für Rheinisch⸗West⸗ fälische Industrie“ schlägt, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, eine Dividende von 7 % vor.

Die Hauptversammlung der Kölnischen Lebensversiche⸗ rungs⸗Gesellschaft „Concordia“ hat die Anträge der Ver⸗ waltung und die Vertheilung einer Dividende von 7 ½ % genehmigt. In die Direktion wurde das Verwaltungsrathsmitglied Dr. Mayer und üin dessen Stelle in den Verwaltungsrath Hans Leiden neu gewählt.

Die in der Generalversammlung der Westdeutschen Ver⸗ sicherungs⸗Aktien⸗Bank in Essen am 1. d. M. vorgelegte Jahresrechnung ergiebt einen Gewinn von 182 019 ℳ, dessen Ver⸗ wendung nach den Anträgen der Verwaltung genehmigt wurde. Danach werden dem Kapital⸗Reservefonds 37 707 und dem Relikten⸗ und Pensions⸗Unterstützungsfonds 5000 überwiesen, 108 000 als Dividende von 54 auf die Aktie (= 9 % der Einzahlung) gezahlt und die nach Entrichtung der statut⸗ und vertrags⸗ mäßigen Gewinnantheile verbleibenden 11 171 auf neue Rechnung vorgetragen. Der Kapital⸗Reservefonds stellt sich sonach auf 541 275 Das am Jahresschlusse in Kraft befindliche Versiche⸗ rungskapital ist gegen das Vorjahr um nahezu 64 Millionen, die Prämien⸗Einnahme um ca. 114 000 gestiegen; ersteres beträgt nunmehr 1 201 834 262 und die letztere einschließlich der Dokument⸗ gebühren 2 134 318 b

In der Generalversammlung der Mechanischen Weberei zu Linden bei Hannover wurde die Bilanz nebst Keenvertbeilang. plan genehmigt und dem Vorstande einstimmig Entlastung ertheilt. Die festgestellte Dividende von 1 ½ % = 9 pro Aktie ist sofort zahlbar, in Berlin bei der Direktion der Disconto⸗Gesellschaft.

Frankfurta. M., 2. Mai. (W. T. B.) Die Internationale Bau⸗ und Eisenbahnbau⸗Gesellschaft setzte die Dividende pro 1890 für Stamm⸗ und Prioritätsaktien auf 8 % (gegen 7 % im Vorjahr) fest. 8

Köln, 4. Mai. (W. T. B.) Die Zechen des Ruhr⸗ gebiets schlossen der „Kölnischen Volkszeitung“ zufolge mit der Hamburgisch⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell⸗ schaft einen Jahresabschluß von 120 000 t Stückkohlen ab. Der verlangte Preis von 115 wurde angenommen.

Leipzig, 2. Mai. (W. T. B.) Kammzug⸗Termin⸗ handel. La Plata. Grundmuster B. pr. Mai 4,35 ℳ, pr. Juni 4,37 ½ ℳ, pr. Juli 4,40 ℳ, pr. August 4,42 ½ ℳ, pr. Sep⸗ tember 4,42 ½ ℳ, pr. Oktober 4,45 ℳ, pr. November 4,45 ℳ, 1 ööe 4,45 ℳ, pr. Januar 4,45 Umsatz 75 000 kg.

uhig.

Wien, 3. Mai. (W. T. B.) Ausweis der Karl⸗ Ludwigsbahn (gesammtes Net) vom 21. bis 30. April 198 386 Fl., Mindereinnahme 3471 Fl., die Einnahmen des alten Netzes betrugen in derselben Zeit 157 008 Fl. Mindereinnahme 4828 Fl.

London, 2. Mai. (W. T. B.) An der Küste 3 Weizen⸗ ladungen angeboten.

4. Mai. Die Getreidezufuhren betrugen in der Woche vom 25. April bis 1. Mai: englischer Weizen 28641, fremder 51 314, englische Gerste 150, fremde 23 657, englische Malzgerste 21 651, englischer Hafer 247, fremder 77 909, englisches Mehl 16 981, fremdes 46 901 Sack und 250 Faß.

Nach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus“ aus Tientsin ist dort eine Submission auf 3000 t Schienen ausgeschrieben worden, lieferbar in Tientsin am 1. Oktober. Die Offerten sind bis zum 8. Juni einzureichen.

New⸗York, 2. Mai. (W. T. B.) Die Fellesngeng⸗ von New⸗York im Monat April beliefen sich auf 7711 917 Doll. gegen 13 617 857 Doll. im gleichen Zeitraum des Vorjahret. Die Zolleinnahmen von Philadelpbia betrugen in bemselben Monat 640 188 Doll. gegen 2 393 705 Doll. im April des Vor⸗ jahres. Die Verminderung der Zolleingänge ist hauptsächlich durch die Aufhebung der Zuckerzölle verursacht.

Der Werth der in der vergangenen Woche eingeführten Waäaren betrug 9 632 410 Doll. gegen 13 974 659 Doll, in ver Vorwoche, davon für Stoffe 1 569 141 Doll. z gegen DPoll, in der Vorwoche.

zum Deutsch

Kunst und Wissenschaft.

L. K. Das vor Kurzem erschienene Aprilheft des „Jahrbuchs der Königlich preußischen Kunstsamm⸗ lungen“ bringt außer den amtlichen Berichten über die Neuerwerbungen der einzelnen Abtheilungen unserer Museen eine Reihe von Studien und Forschungen aus der Feder her⸗ vorragender ausmwärtiger Gelehrten. Der Direktor des Baseler Museums E. His steuert auf Grund seiner umfassenden Holbeinkenntniß einige neue Untersuchungen über die Lehr⸗ und Wanderjahre des Augsburger Meisters bei, dessen Schick⸗ salen sich seit dem Tode A. Woltmann's fast ausschließlich die schweizerische Kunstforschung, so besonders auch der vor kürzerer Zeit ebenfalls verstorbene Prof. Vögelin, mit großem Eifer und Erfolg zugewandt hat. Beigegeben ist dem interessanten Aufsatz die Abbildung einer Tuschzeichnung aus Holbein’s Jugendzeit, welche das städtische Museum in Leipzig zu seinen Hauptschätzen zählt. Carl Justi in Bonn, der Hauptkenner spanischer Kunst unter den deutschen Fachgenossen, giebt auf Grund einiger von P. Andrei veröffentlichten Dokumente, die Forschungen Madrazo's richtigstellend, Nachricht von der künstlerischen Aus⸗ bildung und Entwickelung des burgalesischen Bildhauers Bartolomé Ordonez, der nach einem italienischen Studien⸗ aufenthalt in den ersten Jahrzehnten des sechzehnten Jahr⸗ hunderts den hier zu voller Blüthe sich entfaltenden bildnerischen Stil nach seinem Heimathlande, wo ihn namentlich Barcelona mit reichen Aufträgen bedachte, verpflanzte. Seine dortigen Schöpfungen, von denen zwei Marmorreliefs in Lichtdruck die Studie Justi’s begleiten, erinnern lebhaft an die Gestalten Jacopo della Quercias und seines gewaltigen Nachahmers Michelangelo. Unter den großen Arbeiten Ordonez', die er vielfach unter der Beihülfe von Genossen ausführte, werden die Denkmäler des Kardinals Pimenez in Alcala, der beiden Fonseca in Coca und das Grabmal Philipp'’s des Schönen und seiner Gemahlin in Granada eingehender besprochen, während Justi das prächtige Marmorgrab Ferdinand's und Jaabellens an demselben Orte, das bisher als Werk unseres Meisters galt, einem Florentiner Bildhauer Domenico Fancelli zuschreibt.

In der That ist die Uebereinstimmung des Mausoleums mit

einem urkundlich beglaubigten Werke Fancelli's, auf die schon ein spanischer Forscher Carderera wiesen, eine durchaus schlagende. Der feinsinnigen Kritik des deutschen Gelehrten aber blieb es vorbehalten, die verworrenen Anschauungen über einen der hervorragendsten spanischen Bildhauer vor Berruguete in üͤberzeugender Weise aufzuklären. Auch Prof. Dehio's Aufsatz über zwei für die

Anfänge des gothischen Stils hochbedeutsame Baudenkmäler

beschäftigt sich vorzugsweise mit außerdeutscher Kunst; die ver⸗ gleichende Betrachtung der Cisterzienserkirchen zu Pontigny und Fossanova führt den Verfasser zu dem bedeutsamen Ergebniß, daß die Gothik, durch den Cisterzienser Orden vermittelt, bereits am Ende des zwölften Jahrhunderts, also ein halbes Jahr⸗ hundert früher als man bis jetzt annahm, aus Burgund ihren Einzug in Italien, speziell in den Kirchenstaat genommen hat. Die damit nothwendig gewordene Revision der italienischen Cisterzienserbauten wird die Einzelforschung weiter zu beschäf⸗ tigen haben. Henry Thode schließlich tritt mit beredten Worten in einem Aufsatz für die Echtheit einer von ihm für das Städel’sche Institut in Frankfurt a. M. erworbenen Madonna von Correggio ein, deren Ankauf in Fachkreisen viel Staub aufgewirbelt hat. Die neuerdings vorgenommene sachkundige Wiederherstellung des Bildes soll nach der Ueber⸗ zeugung des Verfassers jeder Zweifelsucht die Spitze ab⸗ brechen. Begreiflicherweise läßt sich auf Grund der bei⸗ gegebenen Lichtdruckabbildung ein endgültiges Urtheil über die Berechtigung der stilistischen Argumentation Thode’s nicht abgeben; indeß bürgt schon die Stelle, an welcher sie erscheint, einigermaßen für ihre Autorität. Den Schluß des reichhaltigen Hefts bildet eine kurze Notiz des Archiv⸗Raths E. Friedländer über ein von ihm aufgefundenes Kanzlei⸗ schreiben an den Großen Kurfürsten, in welchem von der Ueber⸗ sendung einer Dürer’'schen Handzeichnung an denselben die Rede ist.

Zugleich mit diesem Heft des Jahrbuchs ist ein Register⸗ band für die bis jetzt erschienenen zehn Jahrgänge der Zeit⸗ schrift ausgegeben, welcher die wissenschaftliche Benutzung der⸗ selben in erwünschter Weise zu erleichtern verspricht.

1. d. M. das Museum des

In Dresden ist am eröffnet

Königlich sächsischen Alterthumsvereins neu

worden. Die Wirkung der darin gesammelten Kunstwerke ist, wie das „Dr. J.“ schreibt, erst eine vollkommene und erfreuliche ge⸗ worden, nachdem ihre Unterbringung im Obergeschoß des Palais im Großen Garten ausgeführt wurde. „Das im Jahre 1680 vollendete Gebäude, ein sinnreiches Gemisch italienischen Renaissance⸗ und französischen Barockstils, bietet zu verschiedensten Zwecken wunder⸗ volle Räume dar, von denen vorzüglich oben der große Hauptsaal gut erhalten war, an welchen sich Nebenräume und Vorhallen anlehnen, die zur Aufstellung von Waffen und anderen alterthümlichen Sehenswürdigkeiten benutzt worden sind. Der Hauptsaal selbst macht in seiner jetzigen Einrichtung einen frohen, lichtvollen Eindruck. Das merkwürdige Werk, von Schott und Erasmus in Hamburg nach langjähriger Arbeit ausgeführt und das Modell des salomonischen Tempels darstellend, zieht mit seinen drei⸗ hundert Figuren der Holzschneidekunst in diesem Raume die Schaulust am Meisten an. Für die Kenner der Fachkreise aber bergen die rings⸗ umhber aufgestellten Schaukästen und Schränke zahlreiche Schätze der verschiedensten Art, treffliche Erzeugnisse des Fleißes unserer Klein⸗ kunst. Auch an Brakteaten, urkundlichen Handschriften und bhistorisch denkwürdigen Gewandstücken fehlt es dabei nicht. Von Wichtigkeit sind die kirchlichen Bildwerke in drei Seitensälen, namentlich mit Bezug auf die altdeutsche plastische Kuast in ihrem frühen Ver⸗ lauf in Sachsen. Man darf bei dieser Gelegenheit auf die vierhundert⸗ bis fünfhundertjährigen Pirnaer sehr reichen Stickereien hinweisen. Es würde zu weit führen, bei diesen hier aus unserer Vorzeit ererbten Eütern des sinnigen Menschenfleißes auf die Fülle von Gegenständen einzugehen, welche dieses Museum nun der Anschauung so bequem nahe bringt; hoffentlich aber wird diese Thatsache dazu dee der merkwürdigen Sammlung durch ihre neue Aufstellung jene Beachtung zuzuführen, welche ihr barzubringen bisher leider immer noch unter⸗ lassen ist, und zwar besonders von den außersächsischen Gelehrten⸗

Berlin, Montag, den 4. Maäai

Verkehrs⸗Anstalten.

Augsburg, 2. Maij. (W. T. B.) Dem Landtage wird in seiner nächsten Session, wie die „Augsb. Abdztg.“ meldet, eine Vor⸗ lage, betreffendd den Bau der Sekundärbahn Kempten Pffronten, zugehen, welche den ersten Theil der bayrischen Fernpaß⸗ Alpenbahnstrecke bildet.

Bremen, 2. Mai. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd Die Dampfer „Trave“ und „Fulda“ sind, von New⸗York kommend, gestern Nachmittag in Nordenham angekommen. Der Dampfer „Amerika“ hat gestern, von Bremen kommend Dover passirt. Der Dampfer „Frankfurt“ ist gestern von Corunna nach dem La Plata abgegangen. Der Dampfer „Hannover“ hat gestern Las Palmas passirt.

3. Mai. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Dampfer „Kaiser Wilhelm II.“ ist gestern Morgen von Genua abgegangen. Der Dampfer „Hohenzollern“ ist auf der Fahrt nach Australien gestern in Port Said angekommen Der Dampfer „Amerika“ hat gester,, der Dampfer „Saale“ heute Morgen Lizard passirt, der Dampfer „Frankfurt“ ist gestern von Vigo abgegangen. Der Dampfer „Stuttgart“ ist heute in Colombo angekommen.

Hamburg, 2. Mai. (W. T. B) Der Postdampfer „Columbia“ der Hamburg⸗Amerikanischen Packerfahrt⸗ Aktiengesellschaft ist heute Mittag von Southampton nach New⸗York abgegangen.

3 Mai. (W. T. B.) Der Postdampfer „Normannia: der Hamburg⸗Amerikanischen Packetfahrt⸗Aktiengesell⸗ schaft ist, von Hamburg kommend, gestern Nachmittag in New⸗ York eingetroffen.

London, 2. Mai. (W. T. B) Der Castle⸗Dampfer „Melrose“ ist gestern auf der Ausreise in Durban (Natal) angekommen.

Mannigfaltiges.

Nach dem „Centr.⸗Bl. d. Bauv.“, welches in Nr. 18 die Polizeiverordnung über die bauliche Anlage und innere Einrichtung von Theatern, Circusgebäuden und öffent⸗ lichen Versammlungsräumen vom Jahre 1889 in neuer Fassung veröffentlicht, haben die maßgebenden Stellen in Erwägung gezogen, ob nicht in einzelnen Punkten gewisse Erleichterungen gewährt

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1 könnten, ohne die im öffe Schutzmaßregeln in ihrer nützlichen Wirkung wesentlich zu beein⸗ trächtigen. Nach eingehender Berathung dieser Frage an der Hand zahlreicher Gesuche und Beschwerden aus den betheiligten Kreisen ist es für zulässig erachtet worden, die Vorschriften für bestehende Theater, Circusgebäude und öffentliche Versammlungsräume dabi abzuändern, daß bei der Durchführung solcher Maßregeln, welche nur mit unverhältnißmäßig großen Geldopfern ermöglicht werden können, unter bestimmten Voraussetzungen gewisse Ausnahmen ein⸗ treten dürfen. In der neuen Fassung der §§. 79 bis 85 ist in aus⸗ gedehnterem Maße als früher der Orts⸗Polizeibehörde die Befugniß eingeräumt, nach ihrem pflichtmäßigen Ermessen von der Durchführung der regelmäßigen Vorschriften Abstand zu nehmen Derartige Er⸗ leichterungen sind aber stets an die entscheidende Bedingung geknüpft, daß im einzelnen Falle die Verhältnisse der Anlagen im Ganzen für eine schnelle und gefahrlose Entleerung der menschenerfüllten Räume günstig liegen. Unter den Ermäßigungen der bisherigen Forderungen sind als besonders wichtig folgende hervorzuheben: Bei Theatern ist nach dem abgeänderten Wortlaut des §. 79 davon abgesehen worden, daß die Trennungswand zwischen und Bühnenhaus lediglich in Steinbau hergestellt sein 2

werden ffentlichen Interesse gebotenen 1

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muf soll vielmehr auch die Verwendung eines anderen feuer sicheren Materials an dieser Stelle zulässig sein.

Im §. 79 Absatz 14 wird auch in solchen Theatern, welche mehr als 1200 Zuschauerplätze enthalten, ausnahmsweise, wenn die Ent⸗ leerungsverhältnisse günstig sind, die Beibebaltung von Gas⸗ beleuchtung für zulässig erklärt, während früher unbedingt und ausnahmslos elektrische Beleuchtung gefordert wurde, wenn sich in einem Theater mehr als 1200 Zuschauerplätze befinden.

b In Bezug auf Werkstatten⸗Betriebe in Theatergebäuden (§. 79 Absatz 19) sind weitergehende Zugestandnisse als früber gemacht. Gemeinsam für Theater, Circusgebäude und öffentliche Ver⸗

sräume sind sowohl die Vorschrifte ezüglich des Auf⸗

n b ens der Thüren und der Anbringung der Thürverschlüsse durch als

en Ausna er 1 ls auch hinsichtlich mgdreiten und der Anzahl von Sitzplätzen in ununterbrochener . nebeneinander, je nachdem die örtlichen Verhältnisse und besonderen Umstände dies statthaft erscheinen lassen, Erleichterungen eingeführt, und zwar unabhängig daron, ob die Räume elektrisch oder durch Gas beleuchtet werden. „Endlich kann nach §. 85 Absatz 2 die Frist, innerhalb welcher die Besitzer von bestebenden Theatern, Circusan agen und öffentlichen Versammlungsräumen hinsichtlich der ihnen gehörigen Gebäude den Anforderungen der Polizeiverordnung zu entsprechen haben, bis zum 1. Oktober 1893 im Wege des Dispenses verlängert werden. G üge zum Besuch der Baumblüthe in Staatsb.⸗Ztg.“ erfährt, am Himmelfahrts⸗ bstzüchter meinen, dürfte die Blüthe dies⸗

ng entsprechender Ausnahmen gemildert,

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Die ersten Sonderz Werder sollen, wie die tage verkehren; wie die O mal sehr lange dauern.

Der Straßenverkehr Berlins ist der Zeit von 6 Uhr Vormittags bis 10 Uhr wichtigen Punkten beobachtet worden. Nach Bauv.“ passirten die Ecke der Friedrichstraße u 120 016 Fußgänger und 13 479 Wagen der verj die Königstraße, unter der Stadtbahn 100 807 Wagen; die Chausseestraße, Ecke Invalidenstras und 13 449 Wagen, darunter allein 5893 damer Platz 87 266 Fußgänger und 3147 Pferdebahnwagen und 5499 D zwischen Leipzigerplatz und Wilbhelmstraße 11 345 Wagen; die Leipiigerstraße zwisch straße und Spittelmarkt 78 300 Fußgäng 8 gen. Die Oranienbrücke passirten an einem Taz 4 aßgänger und 5702 Wagen, die Belle⸗Alliancebrücke 1 8984 Wagen, die Königstraße, Ecke Spandau gänger und 9984 Wagen, die Alexanderstraße, Ecke Ho 91 520 Fußgänger und 8823 Wagen, die Rosenthalerf Fußgänger und 5950 Wagen, die Große Frankfurterstraße 88 Fußgänger und 6697 Wagen. Durch das Brandenburger Thor gingen an diesem einen Tage 43 070 Fußgänger; dazu kamen 8026 Wagen darunter 1523 Privatpersonen⸗Fuhrwerk. 1

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Drei Segelboote kenterten bei der großen Pokalrega

mit der gestern der Verein Berliner Segler auf dem Lan und Seddinsee die Segelsaison dieses Jahres einleitete. 22 L. erschienen am Start vor dem Seglerschlößchen zu Schmöckwitz Sturm war theilweise so heftig, daß das Flaggenboot bei Robins⸗ wall losgerissen und auf die Gosener Wiesen getrieben wu und selbst vor Wind ße Zillen ihr Segel strichen.

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Hrn. Baronski bei einer schweren Regenböe voll und ver⸗ sank in die Tiefe. Bald darauf wurde fast auf demselben Fleck auch die „Preciosa“ des Hrn. Förster von dem gleichen Schicksal ereilt. Der dritte Unfall ereignete sich hinterm Seddinwall, wo die Regattabahn einen Bogen beschreibt. Hier wurde der „Swante⸗ wit“ des Hrn. Kunstmann, der selbst am Steuer saß, von einer! unerwarteten Böe erfaßt und in den Grund gebohrt. Alle drei Unfälle sind ohne Verlust von Menschenleben abgelaufen. „Hansa“, „Hela“, „Sturmvogel“, „Halloh“, „Elisabeth“, „Martha“ „Loreley“ und „Seestern“ mußten das Rennen aufgeben, weil sie ent⸗ beder auf den Rasen geriethen oder doch dem Wind nicht mehr ze⸗ wachsen waren. „Ahoi“ mußte distanzirt werden, weil er während der Fahrt eine Aenderung an der Mannschaft vornahm. Es blieben somit schließlich nur noch vier Boote übrig, die ordnungsgemäß die Ziellinie passirten. Den ersten Preis der ersten Klasse holte sich nach 2 St. 25 Min. 6 Sek. der „Bis⸗ marck“ der Hrrn. Fricke und Freund, den zweiten Preis nach 2 3 53 Min. 59 Sek. die „Argo“ der Hrrn. Beckmann und Mehrke; der erste Preis der zweiten Klasse fiel nach 2 St. 11 Min. 45 Sek, an die „Hertha“ des Hrn. Lion In der dritten Klasse ging der „Delphin“ des Hrn. Röder nach 2 St. 7 Min. 9 Sek. allein durchs Ziel. Der Preis dieser Klasse, sowie sämmtliche Ehrenpreise werden im Interesse der bei den Rettungsarbeiten betheiligten Yachten bei der nächsten Regatta nochmals ausgesetzt.

Die nächste Hauptversammlung des „Vereins ehemaliger Einjährig⸗Freiwilliger der Kavallerie“ findet am 6. Mai Abends 8 Uhr, bei Jacob Knoop, Potsdamerstraße 136/137, statt. Gäste sind willkommen. Anfragen und Meldungen sind zu richten an den Vorsitzenden, Hrn. Verlagsbuchhändler Victor Laverrenz, Berlin W., Steinmetzstraße 33.

4t Schweidnitz, 3. Mai. Die Stadt Schweidnitz beabsichtigt, ihrem Ehrenbürger, dem General⸗Feldmarschall Grafen Moltke ein Denkmal zu errichten. Es sind bereits darüber Verhandlungen im Gange. In Folge des Hinscheidens des Feldmarschalls Grafen Moltke sind demselben eine so überaus große Anzahl kostbarer Kranz⸗ und sonstiger Trauerarrangements gewidmet worden, daß es unmöglich ist, dieselben alle in der Kreisauer Gruft, in der der Feldmarschall seine letzte Ruhestätte gefunden hat, unterzubringen. Dieselben werden deshalb zunächst im Schlosse untergebracht.

„Heilsbronn. Eine bedeutsame Gedenkfeier ist der „Nat. Z.“ zufolge am Donnerstag in Heilsbronn begangen worden. Diese Feier galt der Erinnerung an die am 30. April 1415 von Kaiser Sigismund an den Hohenzollern'schen Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg urkundlich vollzogene erbliche Uebertragung der Mark Brandenburg. Von dem Fels der alten Hohenzollern⸗ burg in Schwaben über die fränkischen Lande Nürnberg⸗Heilsbronn⸗ Ansback⸗Bayreuth ging ja der Flug des Hohenzollernaars zur Mark. Daß die Gedenkfeier in Heilsbronn gehalten wurde, hat seinen Grund darin, daß das Burggräflich Hohenzollernsche Haus schon im dreizehnten Jahrhundert die Schirmvoigtei über das 1152 vom Bischof Otto von Bamberg ge⸗ gründete Kloster hatte, dann. daß in der dortigen Klosterkirche außer vielen anderen Mitgliedern des Burggräflich Hohenzollernschen Hauses die drei ersten brandenburgischen Kurfürsten: Friedrich L. (1440), Friedrich II. (1471) und Albrecht Achilles (1486) bestattet sind, wes⸗ halb auch auf Anregung des Königs Friedrich Wilhelm IV. die ehe⸗ malige aus dem zwölften Jahrhundert stammende Münsterkirche von 1851 bis 1867 auf Kosten des baperischen Staates restaurirt wurde. Im AÄAnschluß an diese Renovirung hat dann Friedrich Wil⸗ helm IV. mit einem Kapital von 12 000 Thalern eine Stiftung erri aus deren Erträgnissen die in der Kirche zahlreich vorhandenen Zollern⸗Brandenburgischen Denk⸗ und Grabmäler zu unterhalten sind und seit 1868, nachdem ein Jahr zuvor die Einweihung der restaurirten Kirche stattgefunden hatte, alljährlich am 30. April in der zu diesem Zwecke zu schmückenden Kirche eine Gedächtnißfeier mit Predigt gehalten wird, während die Rentenüberschüsse zu Stipendien für protestantische, aus den ehe⸗ waligen fränkisches Fürstenthümern Ansbach⸗Bayreuth stammende Theologen oder Schulamts⸗Kandidaten, sowie zur Anschaffung von Lehrbüchern für arme fleißige Schulkinder in Heilsbronn verwendet werden. Zur Zeit beträgt das Stiftungskapital ungefähr 62 500 ℳ; es kommen jährlich gegen 800 als Stipendien zur Vertheilung.

s preußische Königshaus hat von jeher das lebhafteste Inter⸗

für die Heilsbronner Kirche an den Tag gelegt. Kaiser lhelm IJ., der als Prinz die Grabdenkmale seiner Ahnen be⸗ sichtigte, ließ im Jahre 1876 das im Mittelfenster des Cbores be⸗ findliche interessante Glasgemälde, welches neben dem gekreuzigten Heiland den Burggrafen Friedrich III. († 1297) und seine Ge⸗ mablinnen Elisabetha von Meran und Helena von Sachsen darstellt, während über den Figuren das Zollernsche Wavppentransparent in Farben strahlt, mit folgender Widmung renoviren: „Friderico Burggravio de Nürnberg, Comiti de Zolre, progenitori suo Guilelmus Imperator Germanicus Borussorum Rex MDCCCLXXVI“. Auch Kaiser Friedrich hat als Kronprinz die Grablege seiner Ahnen wiederholt besucht, so insbesondere im Jahre 1873, als er die General⸗Inspektion über das bayerische II. Armee⸗Corps vornahm. Seiner einflußreichen Vermittelung ist namentlich die Erhaltung eines unvergleichlich schönen romanischen Portals zu verdanken, welches sich an der ums Jahr 1263 als Refektorium erbauten Primizkapelle befand, die später in Prirathände kam, wodurch der⸗Verlust dieses in allen Büchern über Kunstgeschichte als tine architektonische Schönheit ersten Ranges gepriesenen Portals zu befürchten war. Das monumentale Kunstwerk findet sich nunmehr seit 1884 in den Sammlungen des Germanischen Museums in

Nürnberg aufgestellt.

s 2. Mai. Ein in der Frivndrichstraße belegenes um⸗ fangreiches Gebände, in welchem sich das Lumpenlager von Schröder 1. Tischlerei von Hesse befinden, ist laut Meldung des „W. T. B.“ ite Morgen durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Ein un⸗ annter Mann ist verkohlt aufgefunden und zwei Personen verletzt rden. Der Schaden ist bedeutend.

Krakau. Barbara Uhrvpk ist endlich in völliger Geistes⸗ g. vom Tode erlöst worden. Wie man sich erinnert, wurde

Pre 1869 durch eine Gerichtskommission ermittelt, daß in dem Karmeliterinnenkloster eine Nonne, Namens Barbara Ubrvpk, seit ein⸗ undzwanzig Jahren in einer finsteren kloakenähnlichen Zelle eingesperrt war. Die Nonne, welche sich in einem trostlosen körperlichen und geistigen Zustande befand, war damals 52 Jahre alt; sie war also seit ihrem 31. Lebensjahre aus den Reiben der Lebenden gestrichen worden. Es kam in Krakau zu großen Straßenexzessen, die nur durch ein starkes Aufgebot von Militär und Polizei bewältigt werden konnten. Die Menge wüthete gegen die Klöster der Kar neliterinnen und der Jesuiten und wollte dieselben in Brand stecken; es mußte mit blanker Waffe eingeschritten werden und erst als die Unglückliche aus ihrem Grabe befreit und dem Irrenhause übergeben war, trat wieder Ruhe ein. Trotzdem Barbara Ubrvk damals noch zuweilen vernünftige Momente hatte, erwies sich ihre

Schon unweit der kleine Krampe schlug der „Condor“ des

Heilung als unmöglich. Sie versank immer tiefer i und nun hat der Tod sie erlöst. 1111““