8
Verdingungen im Auslande.
b Rumänien. „ 8. Februar. Kriegs⸗Ministerium in Bukarest: Lieferung von 300 Infanterie⸗Signalhörnern und 200 Kavallerie⸗Trompeten. Egypten.
24. Januar. Verwaltung der Eisenbahnen, Telegraphen und des Hafens von Alexandrien: Lieferung verschiedener Artikel, wie: Gegenstände zum Reinigen, Beleuchten und Signalisieren, Häute und Leder, Taue, Metalldraht, Kurz⸗ und Glaswaaren, Nägel, Leim, Schmirgeltuch, Möbel, Kautschukröhren, Materialien zum Schmieren, Chamottesteine nach Mustern, ausliegen. Lastenheft beim „Reichs⸗Anzeiger“.
Verkehrs⸗Anstalten.
Bremen, 6. Januar. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. RPD. „Prinz⸗Regent Luitpold“ bat 4. Jan. Nachm. Reise v. Suez n. Aden fortgesetzt. D. „Heimburg“ hat 4. Jan. Nachm. Reise v. Antwerpen n. Oporto fortgesetzt. SD. „Havel“, v. New⸗York kommend, hat 5. Jan. Mittags Scilly und SD. „Fulda' Punta Delgada passiert. PD. „München“, v. New⸗ York kommend, hat 5. Jan. Nachm. Dover peassiert. RPD. C’ hat 5. Jan. Mrgs. Reise v. Neapel n. Genua fort⸗ gesetzt. 8
Hamburg, 5. Januar. (W. T. B.) Hamburg⸗Amerika⸗ Linie. Der Postdampfer „Saxonia“ ist, von Hamburg kommend, Sonntag in St. Thomas eingetroffen. Der Postdampfer 8 ist, von New⸗York kommend, heute früh in Cuxhaven angekommen.
— 6. Januar. (W. T. B.) Der Postdampfer „Phoenicia“, von Hamburg kommend, ist gestern Abend in New⸗York ein⸗ getroffen.
London, 6. Januar. (W. T. B.) Der Caftle⸗Dampfer „Dunottar Castle“ hat auf der Heimreise heute Madeira passiert. Der Union⸗Dampfer „Pretoria“ ist auf der Ausreise am Montag in Kapstadt angekommen
Theater und Musik.
Im Königlichen Opernhause findet morgen der fünfte
Symphonie⸗Abend der Königlichen Kapelle unter Felix Weingartner's Leitung statt. Zur Aufführung gelangen: „Symphonie pathétique“ (Nr. 6, M-moll) von Tschaikowski; Konzert für zwei Bläser⸗ chöre von G. F., Händel; Symphonie C-dur (Jupiter“) von Mozart. — Die öffentliche Hauptprobe findet an demselben Tage, Mittags 12 Uhr, statt. Billets zu derselben (2 und 1 ℳ) sind bei Bote u. Bock zu haben. Im Königlichen Schauspielhause wird morgen das Schau⸗ spiel „Der lange Preuße“ von Rudolf Stratz gegeben. Die Gräfin nda spielt Fräulein Poppe, den Achim von Lohde Herr Matkowsky.
Mannigfaltiges.
Seine Majestät der Kaiser und König Magistrat folgendes Dankschreiben gerichtet:
„Ich spreche dem Magistrat Meinen wärmsten Dank aus für die treuen Segenswünsche, mit welchen derselbe Mich auch bei dem dies⸗ maligen Jahreswechsel begrüßt hat. Wie Ich an der fortschreitenden Entwickelung und Verschönerung der Reichshauptstadt allzeit den lebhaf⸗ testen Antheil nehme, so freue Ich Mich mit dem Magistrat besonders über die herrliche und hohe Zierde, welche in diesem Jahre der Stadt Berlin durch das Standbild Meines Hochseligen Herrn Großvaters, des Kaisers Wilhelm des Großen Majestät, zu theil werden wird. Möge dies
hat an den
Wetter icht vom 6. Januar,
1 orgens.
2
—
b 8
29. Januar.
Bar. auf 0Gr.
u. d. Meeressp red. in Millim.
Temperatur
Preuße. Wetter. Grube.
in ° Celsius 5 °0C. = 40 R.
kaufte Brant.
Swolkig bedeckt
Belmullet .. Aberdeen Christiansund 769 3 wolkenlos Kopenhagen. 772 4 bedeckt Stockholm. 778 still bedeckt aparanda . 778 B 2 bedeckt — St. Petersbg. 785 2 wolkenlos — 16 Moskau . .. 786 1 Schnee — 14
00———D
Anfang 7 ½ Uhr.
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8 Regen
Z halb bed. 1 wolkig
3 bedeckt
5 wolkenl. ¹) 1 Dunst
3 bedeckt²) 2 bedeckt
2 bedeckt
1 wolkig
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Cherbourg. 752 Helder 762 ö111“ burg.. 767
Swinemünde 772 Neufahrwasser 775 776
“ 759 Karlsruhe . 766 Wiesbaden 766 München . . 765 2 heiter Chemnitz .. 769 d 3 wolkenlos q7 4 bedeckts) 11“ 3 bedeckt Breslau 772 Awolkenlos Ile d'Air. 755 SO 5 heiter qq161“ still wolkenlos ¹) Reif. ²) Nachts Schnee. ³) Reif. Uebersicht der Witterung. Eva. Während das Hochdruckgebiet im Osten weni Aenderung zeigt, ist südwestlich von Irland ein neues Minimum erschienen, das an der westlichen Küste stürmische Südwinde verursacht. Der Luftdruck⸗ vertheilung entsprechend, wehen über West⸗Europa südliche bis östliche Winde, unter deren Einfluß die Temperatur allenthalben, außer in Frankreich und Grobßbritannien, herabgegangen ist. In Deutschland, wo nennenswerthe Niederschläge nicht gefallen sind, ist das Wetter kalt und heiter, in Süddeuschland liegt die Temperatur bis zu 10, an der ostpreußischen Küste bis zu 11 Grad untee Null. Deutsche Seewarte.
Anfang 7 ½ Uhr.
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Sonnabend:
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Direklion: Marcelle. Sardou. Lindau. autenburg.
Königliche Schauspiele. Donnerstag: Opern⸗ haus. V. Symphonie⸗Abend der Königlichen Kapelle. Dirigent: Herr Felix Weingartner.
Programm: 1) Symphonie pathétique (Nr. 6
A-moll) von Tschaikowskyv. 2) Zum ersten Male:
Konzert für 2 Bläserchöre mit Begleitung des Streichorchesters von G. F. Händel. 3) Sym⸗ phonie CGdur (Jupiter) von Mozart. Anfang 7 ½ Uhr. Saͤmmtliche Sitzplätze sind vergriffen.
Bocksprünge. berger und
welche in den Magazinen in Gabbary
8
Denkmal, welches das mit Gottes Hilfe durch Ihn neu geeinte deutsche Volk in pietätvoller Dankbarkeit und treuer Ciebe Lerrichtet, sce Berliner Bürgerschaft stets gemahnen, sich würdig der großen Seg⸗ nungen zu erweisen, welche Gott der Herr durch den Verewigten unserem Vaterlande hat angedeihen lassen.
Neues Palais, den 4. Januar 1897. Wilhelm, I. R.“ Von Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich ist dem Magistrat nachstehendes Dankschreiben “
„Zum Jahreswechsel hat Mir in altgewohnter Treue der Magistrat der Haupt⸗ und Residenzstadt Berlin wiederum herzliche Glückwünsche r Wenn derselbe die Erfolge, welche das Kunstgewerbe Berlins auf der im Laufe des verflossenen Sommers hier stattgehabten Gewerbe⸗Ausstellung erzielt hat, vielfach auf Meine Anregung und besonders auf die Einrichtungen des von Mir im Verein mit Meinem in Gott ruhenden Gemahl, dem Kaiser und König Friedrich, ins Leben gerufenen Kunstgewerbe⸗Museums zurückführt, so erfüllt Mich dies mit besonderer Genugthuung. Ich danke dem Magistrat aufs wärmste und wünsche, daß das neu be⸗ e Jahr auch für die Stadt Berlin ein glückliches und gesegnetes
ein möge.
Berlin, 4. Januar 1897.
Victoria, verwittwete Kaiserin und Königin Friedrich.“
Die diesjährige Ausschußsitzung des Vereins für Armen⸗ pflege und Wohlthätigkeit findet am Sonnabend, den 6. Fe⸗ bruar, Morgens 10 Uhr, im Hötel du Nord, früher Meinhardt's Hötel, hierselbst statt. Als Themata für die Jahresversammlung sind zur Besprechung empfohlen: I. Von dem Bezirks⸗Präsidenten z. D. Dr. Freiherrn von Reitzenstein in Freiburg i. B.: 1) Idiotenfrage. 2) Ueber Pfründneranstalten. 3) Altersfürsorge mit Beziehung auf die durch die Altersversicherung geänderte Sachlage. 4) Veranstaltungen zur Beschäftigung Arbeitsloser mit Bezug auf Gesichtspunkte und Inter⸗ essen der Armenpflege. 5) Aufgaben und Leistungen der Armenpflege zu Gunsten solcher minderjährigen Personen, welche das unterstützungs⸗ pflichtige Alter im engeren Sinne (Kindesalter) bereits überschritten haben. 11 Von Dr. Münsterberg in Berlin: 1) Die Errichtung einer Zentral⸗ stelle für Armenpflege und Wohlthätigkeit. 2) Die öffentliche Armen⸗ pflege in ihren Beziehungen zu den Leistungen auf Grund der Ver⸗ fecetungegelecgenang. 3) Die Errichtung und Einrichtung von An⸗
alten der geschlossenen Armenpflege.é 4) Die für das Armenwesen wichtigen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs. 5) Die Be⸗ theiligung größerer Verbände an der Armenlast. 6) Fürsorge für die schulentlassenen Kinder. 7) Fürsorge für Genesende. 8) Der Umfang der gegen alimentationspflichtige Angehörige zu erhebenden Ansprüche. 9) Idiotenpflege. 10) Nothstandsthätigkeit. 11) Ländliches Armen⸗ wesen. 12) Das Zusammenwirken der Armenpflege und Privatwohl⸗ thätigkeit behufs Förderung der häuslichen Gesundheitspflege. 13) Die armenärztliche Thätigkeit. 14) Art und Höhe der Unterstützungen. III. Von dem Vereinsvorsitzenden, Abg. Seypffardt: 1) Zweck⸗ mäßigkeit von Miethsunterstützungen. 2) Existenzminimum und Tarif. 3) Anrechnung der Leistungen der Privatwohlthätiakeit und der Alters⸗ und Inbvalidenrenten. 4) Natural⸗ oder Geldunter⸗ stützung. 5) Rückforderung von Unterstützungen bei Eintritt günstigerer Lebenslage.
Die unentgeltlichen Kurse in der Gesetzeskunde, welche in der städtischen Fortbildungsschule, Fruchtstraße 38, — werden, finden vom 6. d. M. an wieder Mittwochs, Abends von 7 bis 9 Uhr, statt. Es werden namentlich auch die Rechtsverhältnisse der gewerblichen Arbeiter unter Hinweis auf das neue Bürgerliche Gesetzbuch sowie die Arbeiter⸗Versicherungsgesetze besprochen werden.
Mittags 12 Uhr: Oeffentliche Hauptprobe. VI. Symphonie⸗Abend (Schubert⸗Feier) am
Schauspielhaus. Schauspiel in 4 Aufzügen von Rudolph Stratz. In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Max 2. Anfang 7 ½ Uhr. Freitag: Opernhaus.
ufte Komische Oper in 3 Akten von Friedrich Smetana. von Max Kalbeck.
Puppenfee. Pantomimisches Zallet⸗Divertissement von Haßreiter und Gaul. Musik von Joserh Bayer.
Schauspielhaus. ment B. 2. Vorstellung. Das Leben ein Traum. Dramatisches Gedicht in Spanischen des Calderon de la Barca, für die — deutsche Bühne bearbeitet von Karl August West. 2₰
—
Deutsches Theuater. Donnerstag: Zum ersten Male: Die Wildente von Henrik Ibsen. Anfang
Freitag: Die versunkene Glocke. Moritari.
Das Ewig⸗Männliche.)
Berliner Thenter. Donnerstag: Kaifer Hein⸗
Anfang 7 ½
Lessing Theater. Donnerstag: Die goldne „(Jenny Groß.) Freitag: Jedem das Seine. — Vorher: Das
„Sonnabend: Zum ersten Male: Wer war’s? Schauspiel in 3 Akten von Felix Philippi.
Residenz-Theuter. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Donnerstag: Die Frauenjäger. (Le Dindon.) Schwank in 3 Akten von Georges Feydeau, über⸗ setzt und für die deutsche Bühne bearbeitet von Benno Jacobson.
Freitag und folgende Tage: Die Franenjäger.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen: Der Stellvertreter. (Le Remplaçant.) Schwank in 3 Akten von W. Busnach und G. Duval.
Neues Theater. Sigmund Lautenburg. „ Komödie in 4 Für die deutsche Bühne bearbeitet von In Scene gesetzt von 1 Anfang 7 ½ Uhr. Freitag und folgende Tage: Marcelle. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen: Schwank in 3 Akten von P. Hirsch⸗ raatz.
Dem Museum für Völkerkunde ist ein bemerkenswert Fund, der in der Gärtnerei von Bluth in Steglitz gemacht 5 zu gute gekommen. Beim Rigolen des Bodens, 5 m vom jetzigen Bett der Bäke entfernt, wurden in einer Tiefe von 1 ½ m vier aus der Vorzeit stammende Otterfallen gefunden. Eine Falle ist vollständig erhalten, die übrigen drei sind mehr oder weniger vom Moder angegriffen. Ueber den Zweck dieser Geräthe war man sich zunächst nicht klar; der Direktor des Museums für Völkerkunde Dr. Voß, der sich auf die Meldung des Herrn Bluth an Ort und Stelle einfand, konnte jedoch die gewünschte Aufklärung geben. Die Otterfallen sind kahnförmige, etwa 75 cm lange Kästen aus Eichenholz und zeigen in der Mitte zwei Klappen, die durch Eichenruthen in Spannung gehalten werden. Zwischen ihnen brachte man die Köder an. Jeder Fischotter, der davon naschte, wurde durch die sich zusammenziehenden Klappen mit dem Kopf in den Kasten gedrückt und mußte ersticken. Das Museum für Völkerkunde besaß bisher nur eine solche Otter⸗ falle, die einst in Halensee gefunden wurde; jetzt sind es deren fünf. Auch einen Ring aus Bronze, der neben den Otterfallen lag und seiner Form nach in das Bronzezeitalter gehört, hat Direktor Dr. Voß für das Muscum erworben.
Die Vortragsabende des Vereins „Berliner Presse“ beginnen am Donnerstag, den 14. Januar, Abends 8 Uhr, im Archi⸗ tektenhause. Das Programm, welches sechs Abende umfaßt, verspricht dem literarischen Publikum ganz besondere Ueberraschungen, da in diesem Jahre auch verschiedene auswärtige hervorragende Schriftsteller und Schriftstellerinnen, wie P. K. Rosegger (Graz), Emil Marriot (Wien), Ida Boy⸗Ed (Lübeck), Carry Brachvogel (München), Wil⸗ helm von Polenz (Schloß Ober⸗Kunewalde) und Andere zur Mit⸗
Der Millionenbauer.
7. Vorstellung. Der lange
7. Vorstellung. Die ver⸗ Terxt von K. Sabina, deutsch
Jagd. Anfang 7 ½ Uhr. Tanz von Emil Graeb. — Die
Freitag: Harakiri.
Sonnabend: Zum ersten Male: staͤat. und Thilo von Trotha. 8. Vorstellung. Sonder⸗Abonne.
5 Akten. Nach dem
irettion: chmetterling. weiser Benutzung
Fritzsche.
Julius
von Carl Weinberger.
Anfang 7 ½ Uhr. 8 Sonnabend, den 9. Januar: Maskenball.
(Teja. zerinnen und 30 Tänzer.
Fritzchen.
Unter den Linden (Linden⸗Galerie),
Uhr. an 9 2 C g Freitag (17. Abonnements⸗Vorstellung): Zum bekannten Vorverkaufsstellen und im Invalidendank, ersten Male: Der Schuß. Sonnabend: Kaiser Heinrich. 8 - — g Thalia-Theater (vorm. Adolph Ernft⸗Theater). dorff mit Hrn. Ober⸗Hofmarschall Friedrich Grafen
Unter den Linden, erhältlich.
Direktion: ca Donnerstag: oldene Herzen. Anfang 7 ½ Uhr. 4 Akten von C. Karlweis. g- Frire änschen. isches
Anfang 7 ½ Uhr. Freitag: Goldene Herzen. — Wetterhäuschen.
Anfang 7 ½ Uhr. Zentral-Theater. Alte
a. G. Eine wilde Sache.
Julius Einödshofer. Freitag und die folgenden Tage Sache.
Schiffbauerdamm 4 a. /5. Donnerstag: Akten von Victorien
Schiller⸗Theater. Donnerstag, Abends 8 Uhr:
Freitag, Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Schierling. — Die Komödie der Irrungen.
Theater des Westens. Kantstraße 12. (Bahn⸗ hof Zoologischer Garten.) Donnerstag: Die wilde
Lustspiel in 4 Akten von Gustav von Moser
Theater Unter den Linden. Behrenstr. 55/57. Donnerstag: Operette in 3 Akten (mit theil⸗ einer fremden Grundidee) von A. M. Willner und Bernh. Buchbinder. von . ein In Secene gesetzt von Julius Fritzsche. Dixigent: Herr Kapellmeister Korolanyi.
. Erster großer 3 Musikkorps, 2 Ballets, 100 Tän⸗ inen und Die Büffets hat der Hof⸗ Traiteur Seiner Majestät des Kaisers Herr A. Huster (Englisches Haus) übernommen. Herrenkarten à 7 ℳ, Damenkarten à 4 ℳ sind an der Tageskasse des Theaters
(Weather or no.) enrebild von Adrian Roß. Deutsch von Herwann Hirschel. Musik von Bertram Luard Selby.
In Vorbereitung: Fran Lientenant. Vaudeville⸗ Operette in 3 Akten von G. Serpette und V. Roger.
Jakobstraße 30 Direktion: Richard Schultz. Donnerstag: Emil Thomas / Große Ausstattungs⸗ posse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von W. Mannstädt und Julius Freund. Musik von Anfang 7 ½ Uhr.
: Eine wilde
wirkung eingeladen worden sind. Außerdem wird Herr Hof⸗Kapell⸗ meister Felix Weingartner am 11. Februar die Reihe 8 nePalisgonele Vorträge durch ein mustkalisches Thema „Die Symphonie nach Bert⸗ hoven unterbrechen. Der Billetverkauf beginnt in den nächsten Tagen. Vorbestellungen nehmen schon jetzt entgegen die Buchhandlungen von
Amelang (Potsdamerstraße 126), Speyer u. Peters (Unter den Linden 43)
und Trautwein (Leipzigerstraße 8).
Das diesjährige Ballfest des Vereins „Berline
Presse“ findet wieder in der Philharmonie statt. Als Tag ist
der 30. Januar, wie immer ein Sonnabend, gewählt worden.
Siegen, 5. Januar. Die Königliche Betriebs⸗Inspektion giebt bekannt: Heute früh 12 Uhr 42 Minuten fuhr “ Hagen kommende Personenzug im Bahnhof Siegen auf einige in seinem Fahrgeleise aufgestellte Güterwagen. Personen sind nicht verletzt. Eine Lokomotive und vier Güterwagen sind erheblich, eine andere Lokomstive und ein Güterwagen unerheblich beschädigt. Der Betrieb ist nicht unterbrochen. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Madrid, 5. Januar. Nach hier vorliegenden Depeschen aus La Coruna haben Fischer in einer Untiefe bei dem Kap Cor⸗ rubedo unter Wasser den Kiel eines Schiffes mit zertrümmertem E Man vermuthet, daß es der Schiffskörper des „Salier“ sei.
Cattaro, 6. Januar. In der hiesigen griechischen Kathedrale brach ein Feuer aus, durch welches die Ffchischen die benachbarte Artillerie⸗Kaserne vollständig eingeäschert wurden. Der an der Kirche verursachte Schaden wird auf 100 000 Fl. geschätzt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. 8
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
von Linke. „Zigeunerweisen“ für Violine von Sarasate (Herr Carnier). „Deine blauen Augen“ für Cornet⸗à⸗Piston von Bohm (Herr Werner).
Saal Bechstein. Donnerztag, Anfang 7 ½ Uhr: II. Konzert des Baritonisten Ludw. Strakosch, unter gütiger Mitwirkung des Klaviervirtuosen § n Carlos Sobrino. 1
Der Militär⸗ 3 1
Zirkus Renz. Karlstraße. (Inbiläums⸗ Saison 1896/97.) Donnerstag, Abends 7 ½ Uhr: Parade⸗Gala⸗Vorstellung. Kolossaler Erfolg! Lustige Blätter!
Freitag: Lustige Blätter!
Sonntag: 2 Vorstellungen 2. Nachmittags 4 Uhr: Auf vielseitiges Verlangen: Aufführung des großen militärischen Ausstattungsstückes: 1870/71. Abends 7 ½ Ubr: Kolossaler Erfolg! Lustige Blätter! Preise der Plätze zur Nachmittags⸗Vor⸗ stellung: Logensitz 3 ℳ, Parquet⸗ und Tribünensitz. 2 ℳ, Balkon 1 ℳ 50 ₰, Zweiter Platz 1 ℳ, Galerie (Stehplatz) 50 ₰. Außerdem hat jeder Besucher das Recht, auf das von ihm gelöste Billet 1 Kind unter 10 Jahren frei einzuführen. Jedes weitere Kind zahlt auf Balkon, zweitem und drittem Platz die Hälfte. Abends gewöhnliche Preise.
Der
Musik
Familien⸗Nachrichten. Verlobt: Frl. Sibylla von Tschirschky und Bögen
sowie bei den
Vitzthum von Eckstädt (Dresden). — Frl. Caccilic Schultz mit Hrn. Subdirektor und Lieut. d. R Bruno Zietzschmann (Breslau). — Frl. Marga⸗ rethe Schroeter mit Hrn. Rittergutsbesitzer Arthur Nitschke (Greiz i. V. — Girlachsdorf b. Nimptsch). — Frl. Bertha Lynen mit Hrn. Dr. jur. Curt Kühnemann (Stolberg, Rhld. — Berlin). — Frl. Charlotte am Ende mit Hrn. Fabrik⸗Direktor Hermann Steinecke (Friedrichshagen).
Geboren: Ein Sohn: Hrn. von Wulffen (Kleincarsdorf, Bez. Dresden). — Hrn. von Pannwit (Botzanowitz). — Eine Tochter: Hrn. Landrath von Basse (Hagen i. Westf.).
Gestorben: Verw. Freifr. Clara von Maltzahn, geb. von Borcke (Charlottenburg). — Verw. Fr. Justiz⸗Rath Eugenie von Paczensly und Tenczin, geb. von Wittich (Breslau). — Vilma Gräfin von Hardenberg, geb. von Lönyay (Satoralia — Ujbely). — Frl. Friederike von Jeetze (Breslau).
W. Hasemann. Schwank in Darauf: Das Musika⸗
Hierauf: Das
2
Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth
e Konzerte. Konzerthaus.
Sigmund
„Das Glöckchen des Eremiten“ von garische Rhapfodie Nr. 1 von „Espana“ von Waldteufel.
“
Karl Meyder⸗Konzert. Donnerstag: Ouverturen „Mignon“ von Thomas,
Potpourri
in Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ nstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Fünf Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
Maillart. Un⸗ Liszt. Walzer „Allotria“
“
Er ste Beila 84 s⸗Anzeiger und Königlich Preußischen Staats⸗Anzeiger.
Berlin, Mittwoch, den 6. Januar
89 28
1897.
Statistik und Volkswirthschaft.
Die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland. III.*)
Die erwerbende und die nicht erwerbende Bevölkerung.
Je nach ihrem Verhalten bei der Bethätigung des Berufslebens zerfällt die den einzelnen Erwerbszweigen zugehörige Bevölkerung wieder in zwei durchaus verschieden geartete Bestandtheile: in den⸗ jenigen, welcher durch unmittelbares Eingreifen in das Berufs⸗ und Erwerbsgetriebe zu der Beschaffung der nationalen Güter und Unterhaltsmittel beiträgt, und in denjenigen, der ohne eine solch⸗ Mitwirkung, in wirthschaftlicher Abhängigkeit zu dem ersteren stehend, auf dessen Schaffenstrieb für seine Erhaltung angewiesen ist. Mit anderen Worten: es setzt sich, und zwar im Ganzen wie für die einzelnen Berufsarten, die Bevölkerung aus den Erwerbenden und den Nicht⸗ erwerbenden oder aus den Ernährenden und den Ernährten zu⸗ sammen. Die Statistik bedient sich hierfür der Bezeichnung der Erwerbs⸗ oder Berufsthätigen und der nicht — unmittelbar — er⸗ werbsthätigen Haushaltungsangehörigen oder kurz der Angehörigen. Das ziffernmäßige Verhältniß dieser Gruppen zu einander ist, wie ein⸗ leuchten muß, von entscheidendem Einflusse auf das volkswirthschaft⸗ liche Gedeihen der ganzen Bevölkerung. Wie sich diese auf jene Gruppen nach der Berufszählung vom 14. Juni 1895 vertheilt, ist aus folgender Zusammenstellung, die auch die entsprechenden Ver⸗ gleichszahlen der Berufszählung vom 5. Juni 1882 enthält, zu ent⸗ nehmen.
% der Bevölkerung 1882 1895 1882
17 632 008 40,12 38,99 1 324 924 2,59 2,93
Es trafen auf . absolut 18895 die Erwerbsthätigen im
Hauptberuf 20 771 090 die Dienenden 1 339 318 die Angehörigen ohne
Hauptberif. 27 517 275 24 910 695 53,15 55,08 die berufslosen Selbst⸗
ständigen 2 142 601 1 354 486 4,14 3,00
Diese Ziffern besagen also, daß in der Bevölkerung Deutschlands die Erwerbsthätigen im Hauptberuf rund zwei Fünftel ausmachen, daß es unter hundert Einwohnern bereits 40 Erwerbsthätige giebt, daß ihnen 56 Ernährte gegenüberstehen, unter denen wieder knapp 3 auf die Hausdienerschaft kommen. Daß der Bruchtheil der nicht er⸗ werbenden Bevölkerungsschicht unter allen Umständen ein namhafter sein muß, geht schon daraus hervor, daß darin die große Zahl der Kinder steckt. Wesentlich niedriger ist der Antheil der Erhaltenen in Oester⸗ reich, Italien, der Schweiz und Ungarn, wo die Erwerbsthätigen 57 bezw. 52, 45 und 42 % der Gesammtbevölkerung ausmachen. Etwas mehr nähert sich Deutschland schon Frankreich und dem Vereinigten König⸗ reich von Großbritannien und Irland mit 37 bis 39 %, während die Vereinigten Staaten von Amerika nur 32,5 % als Erwerbsthätige aufweisen. Das Verhältniß der beiden für das ganze volkswirthschaft⸗ liche Leben maßgebenden Gruppen bekundet also länderweise greifbare Verschiedenheiten. Eine Anzahl von Einflüssen ist es, die sich hier geltend machen. Von vornherein spricht der Antheil mit, den die Kinder und auch die Frauen an der Bevbölkerung baben. Wo beide vergleichsweise zahlreich vertreten sind, da muß bei sonst übereinstimmenden Umständen auch der Kreis der Erwerbsthätigen ein beschränkterer sein, weil eben Frauen und Kinder sich durchweg in geringerem Grade als die Männer erwerbender Beschäftigung hinzugeben vermögen. So wenig daran ein Zweifel aufkommen kann, läßt sich freilich ein Zusammenhang zwischen der Ziffer der Erwerbs⸗ thätigen oder der Nichterwerbsthätigen einer⸗ und derjenigen der jugendlichen und weiblichen Bevpölkerung andererseits nicht überall deutlich belegen. Für Deutschland mit seinem bescheidenen Antheil Erwerbsthätiger trifft dies zu: hier kommen auf das weibliche Geschlecht rund 51, auf die Kinder (bis zu 15 Jahren) 35,1 % der Bevölkerung. Aehnlich ist das Verhältniß in England und Schottland. Auch bezüglich Italiens liegt Uebereinstimmung vor, insofern bei ungewöhnlich großer Verbreitung der Erwerbsthätigen auf Frauen nur 49,9 und auf die Kinder nur 32,2 % treffen; und in Nord⸗Amerika deckt sich die große Zahl der Angehörigen mit einem beträchtlichen Kinderreichthum (38,1 %). Dagegen ist für andere Staaten, wie für die Schweiz. für Frankreich, etwas Derartiges nicht wahrzunehmen. Namentlich verhält sich Frankreich abweichend; obschon in diesem Lande mit außerordentlich schwachem Nachwuchs der Kinderantheil nicht mehr als 27 % erreicht, steht doch die Ziffer der nicht erwerbenden Klasse besonders boch. Ebenfalls — nur umgekehrt — besteht in Oesterreich kein Einklang zwischen der recht schwachen Vertretung der letzteren Klasse einer⸗ und der mindestens mittleren Vertretung der Kinder sowie einer stärkeren des weiblichen Geschlechts andererseits. Wenn aber hier die Beziehungen zwischen Erwerbsthätigkeit und Alter und Geschlecht nicht hervortreten, so muß man eben annehmen, daß sie durch andere, kräftigere Einflüsse verdunkelt werden. 8 Allerdings ist für das Verhältniß der Erwerbsthätigen nicht so
sehr der Antheil der Frauen und zumal der Kinder an der Bevölke⸗ rung überhaupt als derjenige entscheidend, den sie am erwerbenden Berufsleben haben. Auf den letzteren Vorgang macht sich wieder und zwar in Ansehung der Jugend das Klima geltend, insofern es früher oder später die körperliche Reife und damit die Befähigung zu erwerbender Thätigkeit zeitigt, in Ansehung der Frauen die ganze Stellung, welche ihnen die gesellschaft⸗ liche Auffassung der einzelnen Völker zumißt. Hiermit hängt es zu⸗ sammen, daß in den Ländern des Südens, wie in Italien und den süd⸗ lichen Theilen Oesterreichs und Ungarns, wo die Kinder schon früh ur Entwickelung gelangen, wo ferner die Frauen, zumal in den Landwirthschaft treibenden Gegenden, umfassend für berufliche Auf⸗ gaben in Anspruch genommen werden, die Erwerbsthätigen vor⸗ zugsweise eine große Ausdehnung haben. Ja, die Mitwirkung jugendlicher, d. h. noch nicht 15 Jahre alter Kräfte am Erwerbs⸗ leben ist z. B. in Italien umfänglicher als in irgend einem anderen Lande, aus dem entsprechende Angaben vorliegen; es machen nämlich diese bereits 13 % aller Erwerbsthätigen aus. Ebenso ist es mit derartigen Frauen bestellt: sie betragen über ein Drittel — 35,3 % — aller weiblichen Bewohner. Im Norden Europas, in den skandinavischen Königreichen hingegen, wo der Mensch später zur Berufsausübung heranreift, auf die Verwerthung der Kinder daher mehr verzichtet werden muß, umfassen die Erwerbsthätigen, noch dazu mit Einschluß des Hausgesindes, nicht mehr als 35 bis 37 %. Unter ihnen sind beisptelsweise in Norwegen nur 2 % Unerwachsene. Was die weibliche Betheiligung anbelangt, so ist sie nirgends schwächer als in den Vereinigten Staaten von Amerika: die Frauen werden dort weniger als anderswo in das Erwerbsgetriebe und zumal zu niederen und schweren Leistungen herangezogen; es sind solcher denn auch erst knapp 11 % aller weiblichen Personen ermittelt worden. Allein nicht nur die niedrige Ziffer der berufsthätigen Frauen hat dort die geringfügige Ausdehnung der erwerbenden Klasse verursacht, es trägt auch die unbedeutende Verwendung von Kindern dazu bei, deren bis zum Alter von 16 Jahren erst 6,4 unter 100 Erwerbsthätigen sich finden. Von Bedeutung für den Umfang der Erwerbsthätigkeit ist endlich
*) S. die Nrn. 309 und 310 vom 30. und 31. Dezember v. J.
b1“ 6
auch die vorherrschende berufliche Beschäftigung der Bevölkerung in der Hinsicht, als von ihr die Zeit der Vorbereitung und damit das Alter des Eintritts in das wirthschaftliche Leben beeinflußt wird. Je früher der Eintritt vor sich gehen kann, um so ausgedehnter wird der Kreis der Erwerbsthätigen sein; und da vorzugsweise die Land⸗ wirthschaft ohne besondere Vorbildung Kindern und Franen einen weiteren Spielraum gewährt, kann in überwiegenn Ackerbau treibenden Gegenden, wie in Oesterreich⸗Ungarn, der Schweiz u. s. w., der b der Erwerbenden als ein verhältnißmäßig hoher vermuthet werden.
In welchem Maße die hauptsächliche Art der Erwerbsthätigkeit auf das Verhältniß der erwerbsthätigen Personen einwirkt, davon geben die nicht unerheblich von einander abweichenden Erscheinungen in Stadt und Land eine Vorstellung. In dieser Hinsicht liegen zur Zeit bereits Ergebnisse der Berufszählung für die Königreiche Preußen und Sachsen vor. Unter je hundert Ortsanwesenden fanden sich am Zählungstage
in Gemeinden
wohnern mit 2000 bis
wohnern mit weniger
mit 100 000 u
mehr Einwoh⸗ 8 mit 20 000 bis 2Jĩo 100 000 Ein⸗ 2. 20 000 Ein⸗
5000 Einwoh⸗
nern als 2000 Ein⸗ wohnern
Preußen Erwerbsthätige i. Haupt⸗ beruf 8 36,25 Dienende f. häusl. Dienste 3,42 2,59 Angehörige ohne Haupt⸗ 53,53 56,83
beruf 50. Berufslose Selbständige 4,95 4,33 im Königreich Sachsen Erwerbsthätige ein⸗ schließlich der be⸗ rufslosen Selbständigen 44,68 Dienendef. häusl. Dienste 37 2,37 1,24 1,00 Angehörige ohne Haupt⸗ f 54,08 52,88
Bezeichnend ist es also für Preußen wie Sachsen — und auch die Er⸗ gebnisse für das ganze Reich dürften davon nicht wesentlich ab⸗ weichen —, daß die Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern den mittleren und kleinen an Erwerbsthätigen merklich überlegen sind. Dort machen letztere in Preußen 40,51 % aus, während sie in den Gemeinden mit 20 000 bis 100 000 Einwohnern auf 38,10 %, in denen mit 5000 bis 20 000 Einwohnern auf 36,51 % und in denen mit 2000 bis 5000 Einwohnern auf 36,25 % herabgehen, dagegen in denen mit weniger als 2000 Einwohnern sich wieder auf 38,45 % er⸗ heben. Demnach ist der Umfang der Erwerbsthätigen in Deutsch⸗ land um so ansehnlicher, je dichter die Bevölkerung örtlich zusammen⸗ gedrängt wohnt; nur die Landstädtchen werden vom platten Lande überholt. Ein derartiges Ergebniß kann freilich nicht befremden, wenn man sich der bekannten Abflüsse erinnert, die sich unaus⸗ gesetzt vom Lande in die Städte vollziehen und hier vor⸗ zugsweise zur Verstärkung der erwerbsthätigen Kreise beitragen. Diese Beobachtungen widersprechen z. B. den in Oesterreich bei der letzten Volkszählung gemachten, wo die Gemeinden bis zu 2000 Ein⸗ wohnern, also das flache Land, allen größeren an Erwerbsthätigen be⸗ deutend überlegen sind. Die Erklärung dieses Widerspruchs wird sich an jenen Vorgang zu halten haben, durch welchen sich die beruf⸗ liche Zusammensetzung der beiden Reiche wesentlich von einander unter⸗ unterscheidet: die abweichende Verbreitung von Landwirthschaft und In⸗ dustrie. Dadurch, daß letztere in Oesterreich ungleich geringer ist, kann auch das, was die kleinen ländlichen Orte den gewerbefleißigen Städten an Bevpölkerungstheilen abgeben, nicht so belangreich sein wie in Deutschland. Demgegenüber ist die weit ausgedehntere Besetzung des landwirthschaftlichen Berufs in Oesterreich, welcher, wie schon erwähnt, der erwerbenden Verwendung von Frauen und Kindern den weitesten Spielraum eröffnet, darnach angethan, das Ver⸗ hältniß der Erwerbsthätigen zu den Angehörigen günstig zu beeinflussen. Auch die Gruppen der Dienenden fuͤr häusliche Dienste und der berufslosen Selbständigen sind in den größeren Gemeinden stärker vertreten als in den kleineren. Umgekehrt erscheint die Gruppe der Angehörigen in jenen minder zahlreich als in diesen, weil in den großen Städten die unverheiratheten Erwerbsthätigen mit Vorliebe ihren Unterhalt suchen. Die Bevölkerung des platten Landes und der kleinen Landstädte zählt die meisten Angehörigen unter sich; sie ist also mit den Erziehungs⸗ und Unterhaltungskosten für Angehörige am meisten belastet, was einigermaßen darin rehs Aus⸗ leich finden wird, daß sich gerade dort für letztere die meiste Ge⸗ egenheit bietet, nebensächlich erwerbend thätig zu sein oder zur Be⸗ streitung der Haushaltungskosten durch wirthschaftliche Thätigkeit bei zusteuern.
Faßt man nun die Vertheilung der Kategorien der Erwerbs⸗ thätigen im Hauptberuf, der Dienenden für häusliche Dienste und der Angehörigen ohne Hauptberuf auf die fünf großen Berufs⸗ abtheil ins Auge, so waren an denselben betheiligt: 8 FPersonen Darunter Dienende Ange⸗
überhaupt Erwerbsthätige hörige
absolut % % — % Landwirthschaft ꝛc. 18 501 307 8 292 692 44,82 2,03 53,15 Industrie ꝛc. . 20 253 241
8 281 230 40,88 1,58 57,54 Handel u. Verkehr 5 966 845 2 338 508 39,20 4,77 56,03 Häusliche Dienste, Lohnarbeit wechselnder Art Oeffentlicher Dienst, freie Berufsarten 2 835 222 1 426 169 50,32 6,80 42,88 Berufslose 3 326 862 2 142 601 64,35 5,10 30,55
Von je hundert Erwerbsthätigen im Hauptberuf, Dienenden und Angehörigen entfielen
auf Erwerbskbätige
1895 1882
Landwirthschaft ꝛc. 36,19 43,38
Industrie ꝛc 36,14 33,69
Hendan Hh. abh 10,21 8,97 Häusliche Dienste, Lohnarbeit wechseln⸗
der A G 2,10 5 Oeffentlicher Dienstꝛc. 6,22 5,43 14,27 12,42 43 412 Berufslose 9,35 719 12,55 10,21 3,69 3,04
In keiner der sechs Berufsklassen ist demnach, wie aus der ersten der vorstehenden beiden Uebersichten hervorgeht, die Ausdehnung der Erwerbsthätigkeit eine so große wie in der letzten Klasse; die ver⸗ schiedenartigen Bestandtheile, die sie enthält, verhalten sich indessen in Bezug auf die erwerbende und die nicht erwerbende Stellung ab⸗ weichend. Löst man darum jene in ihre einzelnen Gruppen auf, so erweisen sich hier die in Anstalten befindlichen, in Pflege und Be⸗ rufsvorbildung begriffenen Personen und die stark besetzte Gruppe der von Renten oder Unterstützung Lebenden als diejenigen, welche sich durch einen hohen Antheil Erwerbs⸗ oder Berufsthätiger auszeichnen und für das Gesammtergebniß der ganzen Klasse besonders maßgebend
46,12
886 807 432 491 48,76 0,14 51,10
Dienende 1895 1882 27,98 32,07 23,90 22,84 21,20 22,30
Angehörige 1895 1882 35,74 42,41 42,34 37,57 12,15 10,70
0,10 0,16 1,65 2,16 4,4
gewesen sind. Bei den ersteren kommen wie das ja in der Natur der Sache liegt — Angehörige überhaupt nicht vor. Bei den letzteren muß man aber, um klar zu sehen, wieder nach einzelnen Berufsarten unterscheiden. Almosenempfänger und Pfründner sind, weil bei ihnen doch meist nur die unterstützte Person selbst in Frage kommt, nur selten in der Lage, über Angehörige zu verfügen.
hnen ziemlich gleich stehen die Altentheiler, meist betagte Personen, deren Nachwuchs sich längst wegen eigener Berufsausübung oder Verheirathung von ihnen getrennt hat, die auch überwiegend nicht im stande sind, sich häusliches Gesinde zu halten. Anders ist es bei den Rentnern und Ruhegehalte beziehenden Personen, bei denen 100 Berufsthätigen doch 85 von ihnen Erhaltene (darunter 13 Dienstboten) gegenüberstehen. Immerhin ist auch hier das Verhältniß der Berufsthätigen — in der Hauptsache aus den nämlichen Gründe wie bei den Altentheilern — ein hohes. Ebenso weist in der Berufsklasse des öffentlichen Dienstes das Militär eine sehr ausgedehnte Erwerbsthätigkeit auf. Bei ihm kann von einem zu⸗ gehörigen Familien⸗ und Bedienungsanhang nur in bescheidenem Maße die Rede sein. Im Gegensatz zu diesen Berufszweigen erscheint der An⸗ theil der Berufsthätigen — rund ein Drittel aller Zugehörigen — recht niedrig beim Zivildienst. Ein erhöhter Wohlstand bei dieser Bevölkerungsschicht und Standesrücksichten bringen es mit sich, daß die männlichen Angehörigen ihrer weiteren Ausbildung wegen das elterliche Haus später verlassen, daß die weiblichen Familienglieder seltener eine erwerbende Beschäftigung ergreifen, daß überdies häufiger dienende Kräfte Verwendung finden. Aehnliche Anlässe werden es auch bei den Handels⸗ und Verkehrsgewerben sowie bei der Industrie bewirkt haben, daß das Prozentverhältniß der ernährenden Personen entsprechend klein (39,20 bezw. 40,88 %), demgemäß das der Ernährten besonders groß ist. Kräftiger hat sich dagegen wieder in der Land⸗ wirthschaft der erwerbsthätige Bestandtheil entfaltet, der sich hier auf rund 45 % erhebt.
Vergleicht man das Verhältniß der Angehörigen zu den Erwerbs⸗
thätigen, wie es die letzte Berufs⸗ und Gewerbezählung bei den ver⸗ schiedenen Berufsklassen bekundet, mit demjenigen, welches die Berufs⸗ ermittelung von 1882 ergab, so sieht man, daß sich die „Belastung“ durch Angehörige im Staatsdurchschnitt bei der Berufsabtheilung der Landwirthschaft vermindert hat, während sie in den Berufsklassen der Industrie, des Handels und Verkehrs mehr oder weniger gestiegen ist. Diese Erscheinung widerspricht den landläufigen An⸗ sichten. Es wird oft darauf hingewiesen, daß die Land⸗ wirthschaft insbesondere ihre arbeitskräftigen Bestandtheile an die Industrie und an Handel und Verkehr abgebe, und es wird dabei meist vorausgesetzt, das dies vorwiegend Unverheirathete seien, während der Landwirthschaft und verwandten Berufen die Laft der Unterhaltung der Nichterwerbsthätigen verbleibe. Qualitativ ist diese Annahme auch richtig, quantitativ kann aber von einer zu⸗ nehmenden Belastung der landwirthschaftlichen Bevölkerung durch Angehörige nicht gesprochen werden, und das ist auch er⸗ klärlich. Wenn die Statistik ergiebt, daß der Landwirthschaft vor allem die meist mit Familien versehenen Tagelöhner verloren egangen sind (im ganzen Reiche 411 724, in Preußen allein eine Veertelmillion seit 1882), das meist unverheirathete Aufsichts⸗ und Verwaltungspersonal aber zugenommen hat, so ist die verhältniß⸗ mäßige Verminderung der Angehörigen in der Berufsabtheilung der Landwirthschaft recht wohl erklärt und ebenso die Erhöhung der Be⸗ lastungsziffer in der Industrie, der ja jene landwirthschaftlichen Tage⸗ löhner mit Familie zugewachsen sind. In dieser Berufsklasse würde sich eine noch höhere Belastungsziffer herausrechnen lassen, wenn die 1895 als „Familienangehörige, die im Betriebe des Haushaltungs⸗ vorstandes thätig sind,“ zu den Erwerbsthätigen gerechneten Personen, wie es 1882 wohl meist geschehen ist, zu den Angehörigen gezählt worden wären. Dasselbe gilt bezüglich des Handelsgewerbes, bei dem es wegen der vielen kleinen Geschäfte vermuthlich ein noch stärkeres Gewicht hat.
Wird es Aufgabe des nächsten Artikels sein, die erwerbsthätige Bevölkerung nach der Art, wie sie sich am Erwerbsleben betheiligt, weiter zu verfolgen, so ist an dieser Stelle noch auf denjenigen Be⸗ standtheil der — im volkswirthschaftlichen Sinne — nicht erwerbenden Gruppe besonders einzugehen, dessen eigentliche Stellung und Aufgabe es ist, gegen Entgelt und demnach insofern in persönlich erwer⸗ bendem Verhältnisse die Berufsthätigen in der Führung des Haus⸗ halts zu unterstützen, d. h. auf die häuslichen Dienstboten. Im Vergleich mit den Erwerbsthätigen wie mit den Angehörigen stellen sie nur einen winzigen Bruchtheil der Bevölkerung dar: im Mittel des Reichs nur 2,59 %. Allerdings wechselt dies räumlich einigermaßen. Nament⸗ lich macht sich der städtische Einfluß bemerklich; es erhellt dies daraus, daß die Städte das platte Land, und die Großstädte wieder die anderen Städte an Gesindehaltung, und zwar recht wahrnehmba überragt. Denn in jenen steigt die Ziffer z. B. im Königreich Preußen bis 4 % an, behauptet sich in den Mittelstädten auf 3,42 in den Kleinstädten auf 2,73 % und sinkt auf dem Lande bis au 2,09 % herab. Die aus der Dichtigkeit des Zusammenlebens sich e gebenden verschiedenen gesellschaftlichen wie beruflichen Erscheinunge begründen also hiernach ein durchaus abweichendes Maß an hau wirthschaftlicher Unterstützung durch gedungene Kräfte; und zwa beruhen sie einestheils und vornehmlich darauf, daß volks⸗ und hau wirthschaftliche Thätigkeit in den Städten ungleich seltener zusammen fallen, als in den ländlichen Wohnplätzen. In diesen bildet es die Rege daß die Betriebsstätte auch die Wohnstätte ist; und mit der Haus wirthschaft wird hier, wenn auch der hauptsächliche Beruf des In habers ein anderer ist, meist ein mehr oder minder ausgedehnter land wirthschaftlicher Betrieb verbunden, der zugleich in den hauswirth schaftlichen eingreifst. Wo für jenen die Kräfte des Inhabers un seiner Angehörigen nicht ausreichen und fremde angenommen werde da stellen sich diese in der Berufsaufnahme als erwerbsthätige Hilfs personen dar, nicht aber als häusliche Dienstboten, auch wenn sie si vielleicht, und wiewohl oftmals nebenher, im Haushalt i anderen Sachen nützlich machen. Namentlich trifft dies fü die in den ländlichen Orten den Ausschlag gebende Landwirth schaft zu. In den Städten dagegen mit ihrer gesteigerten Geschäfts thätigkeit und entwickelteren Arbeitstheilung werden die Erwerbs thätigen ausschließlicher durch die Berufsaufgaben in Anspru genommen, sodaß sich häufiger die Nothwendigkeit ergiebt, 1 wenn auch die Familienangehörigen im Erwerbszweige Hilfe leisten, für die Besorgung gewisser häuslicher Aufgaben Fremde heranzuziehen Anderntheils spricht mit, daß in den Städten erheblicher solche Berufs zweige vertreten sind, mit denen ein höheres Einkommen und ein höhere gesellschaftliche Stellung verbunden ist, in denen daher ein ausgebreiteteres Verlangen nach Hausdienerschaft besteht Greift man die einzelnen Berufsarten heraus, welche sich durch ein reichlichere Verwendung von Dienenden bemerkbar machen, so nimm der Kirchendienst die oberste Stelle ein. Hier, wo fast nur Erwerbs thätige mit akademischer Bildung und einem entsprechenden Zuschnit der Lebenshaltung in Frage kommen, treffen auf 100 jener schon 57 Bedienstete. Aehnlich verhält es sich mit den Privatgelehrten un Schriftstellern, bei denen sich denn auch die Ziffer der Be⸗ diensteten auf 33 erhebt. Beim Sanitätsdienst, bei den Lehrern an Hoch⸗, Mittel⸗’, und Volksschulen, an Gewerbe⸗,
ach⸗ und Privatschulen, Erziehungsanstalten u. s. w., sowie bei dem of⸗, Staats⸗, Gemeindedienst und der Rechtspflege ist die Zu⸗ ammensetzung nach Stellung und Wohlstand schon eine ungleich⸗ artigere, die mittlere Gesindehaltung darum auch schon eine be⸗