Martin Scherb in Fritzlar,
.Arthur Adler in Breslau,ü, — Hermann Fithau in Belln,,. “
— Hermagn ittzack in Frankfurt a. M. Paul Bollhagen in Ahrweiler, Max Schroeder in Ueckermünde,
— Pan Winzerling in Kalau,
ranz Ha . le in Leschnitz,
aul Bienwald in Oberdorla, Ernst Spangenberg in Hameln, Richard Herrmann in Roitzsch, 8 -v. Felix Walzer in Berlin, 8 Theodor Wachendorf in Zülpich, Karl Callsen aus Gluͤckstadt, Friedrich Krueger in Vetschau, 8 Miethke in Wesel, .Ernst Schlueter in Hameln, -r. Peter Kellendonk in Mechernich, -. Johann Krey in Sonderburg, rv. Franz Straube in Rogasen, ermann Weber in Charlottenburg, Ernst Friedrich Wolff in Tilsit, Franz Heinrich 1G“ in Oelde, Bernhard Tobold in Berlin, Dr. Otto Sonnenburg in Bremen, Dr. Reinh. Aug. Emil von Recklinghausen in Tecklenburg, Dr. Adolf Schultz in Schenefeld, Hermann Bitter in Osnabrück, -v. Alfred von Decker in Bialla⸗, Adolf Kehler in Gumbinnen, -. Karl Emil Haack in Berlin, r. Robert Mueller in Neu⸗Ruppin, Ernst Schroeder in Altona⸗Ottensen, Ernst Mommsen in Berlin, Max Neuburger in Berlin, 1 S Bernh. Glatschke in Zawadzki, ermann Pollack in Reichenbach i. Schl.,
8
vKarl Frdr. Ernst Strangmeier in Quakenbrück,
Richard Schultz in Berlin,
. Eilers in Felsberg,
*. Robert Gerhardt in Owinsk, Rudolf Ritter in Bremervörde,
-. Ernst Schuster in Tempelhof bei Berlin, -. Karl Krueger in Wildungen,
Adolf Mantzel in Elberfeld⸗Sonnborn, Paul Siegl in Rybnik,
Kurt Karl Appel in Brandenburg, Josef Burkarth in Empfingen, Josef von Gorski in Exin, Richard Laschke in Posen, —. Jul. Wilh. Olivet in Northeim,
8 Hartisch in Czempin,
aul Fritz Adolf Saehrendt in Göhren a. R,,
Martin Schulz in Berlin, Gustav Wollermann in Pillkallen, .Joh. Melch. Wolters in Coesfeld, -. Paul Junius in Dalldorf,
Eugen Keintoch in Myslowitz, Otto August Gerlach in Niedersachswerfen, Paul Bernstein in Sommerfeld,
-. Aug. Rob. Rembe in Kolbitz, 8 Fri Vahle in Berlin, Paul Mende in Gottesberg, 8 Martin Schweitzer in Teltocrw, Arthur Bernstein in Charlottenburg, Dr. Karl Evler in Straßburg i. E., 1 hr. Eugen Roeser in Tegel b. Berlin, -. Max Frz. Frdr. Kern in Freiburg i. B., „ Paul Winckler in Owinsk. erlin, den 9. Januar 1897.
Der Minister chts⸗ und Medizin
DWDeutsches Reich. 86 Preußen. Berlin, 12. Januar.
2 8
Seine Majestät der Kaiser und König nahmen
im hiesigen Schlosse heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke entgegen. Nach⸗ mittags um 3 Uhr fuhren Seine Majestät nach Charlotten⸗ burg, um in dem Laboratorium des Geheimen Regie⸗ rungs⸗Raths, Professors Dr. Slaby in der Technischen Hochschule einem Vortrage des Professors Linde aus München uͤber dessen neu erfundene Methode zur Flüssigmachung der atmosphärischen Luft beizuwohnen.
8 3
Der Ausschuß des Bundesraths für Justizwesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuerwesen und für Elsaß⸗Lothringen hielten heute Sitzungen.
“
Laut telegraphischer Meldung an das Ober⸗Kommando der Marine c S. M. S. „Moltke“, Kommandant Kor⸗ vetten⸗Kapitän Stiege, von Smyrna nach Alexandria in See gegangen.
ö'18 8 8b 8 1 8
Paderborn, 12. Januar. Gestern traf, wie „W. T. B.“ meldet, der russische Militaͤr⸗Attaché bei der Botschaft in Berlin, Oberst⸗Lieutenant Prinz Engalytscheff hier ein, um dem Westfälischen Nr. 8 das Bildniß des Kaisers Nikolaus von Rußland zu überbringen. Nach der Vorstellung der Offiziere fand ein Frühstück statt. Am Nachmittag wurde das im Speisesaale des Schlosses zu Neuhaus aufgestellte Bild feierlich übergeben, worauf ein Festmahl daselbst folgte. 1
Baden.
Der außerordentliche Landtag ist heute Vormittag im Auftrage Seiner Königlichen gobeit des Großherzog. Sdurch den Präsidenten des Staats⸗Ministeriums, Staats⸗Minister Dr. Nokk mit einer Anspraͤche eröffnet worden, in welcher die Einbringung der Vorlage, betreffend die Umwandlung der 4prozentigen Staatsschuld in eine 3 ½ prozentige, angekündigt wird. Im Hinblick auf die Zinsherabsetzungen in Preußen, Bayern und Württemberg habe nicht bis zum Zusammentritt des ordentlichen Landtages gewartet werden können. Nach der Vor⸗ lage, v die Umwandlung der vierprozentigen Staatsschuld, soll die Eisenbahn⸗Schuldentilgungskasse ermächtigt werden, die zur Heimzahlung der vierprozentigen Staats⸗Anlehen von 1859/61, 1862/64, 1875,1878,1879, 1880 und 1886 erforderlichen Mittel, soweit nöthig, im Wege der Aufnahme eines Staats⸗ Anlehens, aufzubringen. Vor der Kündigung obiger Anleihen zur Heimzahlung soll den Gläubigern die Umwandlung in 3 ½ prozentige Schuldverschreibungen angeboten werden. Das Angebot soll als angenommen gelten, wenn nicht binnen einer von dem Finanz⸗Ministerium zu bestimmenden Frist eine schriftliche Ablehnung unter Vorlage der Schuldverschreibungen erfolgt. Eine weitere Herabsetzung des Zinsfußes sowie außer⸗ ordentliche Tilgungen der umgewandelten Staatsanlehen sollen vor Ablauf von zehn Jahren von der erfolgten Umwandlung an nicht stattfinden. 8
Mecklenburg⸗Schwerin.
Das Befinden Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs ist, wie den „Meckl. Nachr.“ unter dem 10. d. M. aus Cannes gemeldet wird, weiterhin ein zufriedenstellendes, und die Wiederherstellung schreitet langsam vorwärts. Als Folgen und Ausgang der phlegmonösen Entzündung hatten sich Abscesse gebildet, welche geöffnet wurden und jetzt in der Heilung begriffen sind.
Oesterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser stattete gestern Nachmittag dem Erzherzog Rainer einen halbstündigen Besuch ab und beglüchwnschte ihn zum 70. Geburtstage. In die aufliegenden Bogen trugen sich sämmtliche Minister, mehrere Mitglieder des diplomati⸗ chen Korps und zahlreiche Hof⸗ und Staatswürdenträger ein. Abends fand bei dem Erzh
erzog Rainer ein “ statt, an welchem mehrere Mitglieder des Kaiserlichen Hauses theilnahmen. 1
Das österreichische Abgeordnetenhaus berieth gestern das Budget des Handels⸗Ministeriums. Im Laufe der Debatte kam der Handels⸗Minister “ Glanz von Eicha auf die Verhandlungen mit Frankreich wegen des Weinzolls zurück und erklärte: Damals habe einerseits die Eventualität der Kündigung des Handelsvertrages mit Frank⸗ reich und eines wirthschaftlichen Konflikts mit dem Lande, mit dem in guten Beziehungen zu leben Alle in Oesterreich den lebhaftesten Wunsch hätten, nahe gelegen; andererseits hätten die Weinbau⸗Interessenten Oesterreichs die Erfüllung der I Frankreichs un⸗ möglich gemacht. Daraus habe sich der bekannte Ausgleich ergeben. Der Minister betonte, die französische Regierung habe sich betreffs Tunis mit den Vertragsstaaten auf das korrekteste auseinandergesetzt, und wies gleichzeitig auf analoge Verhältnisse bei der Einbeziehung Bosniens und der Herze⸗ owina in das österreichisch⸗ungarische Zollgebiet hin, wobei rankreich kein Hinderniß in den Weg gelegt habe. Der Minister schloß: „Wir haben bei dem Abkommen uns nichts vergeben und die Sachlage ruhig und objektiv ausgenutzt“’“. Der Etatstitel „Zentrale des Handels⸗ Ministeriums“ wurde darauf angenommen. In seinem Schluß⸗ wort besprach der Berichterstatter Szepanowski den Aus⸗ gleich mit Ungarn und erklärte, der Ausgleich werde nach dem wirklichen Verhältniß der ökonomischen und⸗finanziellen Kräfte 98 stande kommen. Man sollte die Kenntnisse der beider⸗ eitigen Unterhändler höher schätzen, als daß man glaube, sie seien im stande, die vorhandenen Thatsachen zu übersehen oder sich Dinge, die nicht beständen, einreden zu lassen.
In der vergangenen Nacht sind, dem „W. T. B.“ zu⸗ folge, abermals zwei spanische Anarchisten in Paris ver⸗ haftet worden; deren Ausweisung steht bevor.
Rußland.
Nach dem Voranschlag für den Staatshaushalts⸗ Etat von 1897 betragen, wie „W. T. B.“ aus St. S meldet, die ordentlichen Einnahmen 1 318 366 495 Rubel, gegen den Voranschlag für 1896 mehr 78894 800 Rubel, die ordentlichen Aus gaben 1284 858 862 Rubel, gegen 1896 mehr 53 770 448 Rubel; mithin weist der Voranschlag für dieses Jahr einen Ueberschuß der ordentlichen
Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben von 33 507 633
Rubel auf. Die außerordentlichen Einnahmen sind mit 3 808 627 Rubel veranschlagt, die außerordentlichen Aus⸗ gaben mit 129 112 196 Rubel. Dieser ganze Betrag ist für Eisenbahnbauten bestimmt. Der hierdurch sich ergebende Fehl⸗ betrag von 125 303 569 Rubel soll in Höhe von 33 507 633 Rubel durch den obigen Ueberschuß und in Höhe von 91 795 936 Rubel aus dem freien Baarschatz der Reichsrentei gedeckt werden.
Türkei.
Gemäß der dem italienischen Botschafter Pansa ge⸗ machten Zusage wurde, wie „W. T. B.“ berichtet, der italie⸗ nische Unterthan Marani auf der Fahrt nach Trapezunt im Fäfen von Herakleia ans Land gesetzt. Derselbe wird nach
onstantinopel gebracht, um vor den ordentlichen Gerichtshof ge tett zu werden. Zu der Verhandlung wird der Dragoman er italienischen Botschaft hinzugezogen werden.
Die Gerüchte über angebliche Unruhen in Trapezunt werden für unbegründet erklärt.
Dem armenischen Patriarchen ist das Großkrenz des Medschidie⸗Ordens verliehen worden.
Amerika.
Der allgemeine Zööu“ zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist gestern in Washington unterzeichnet worden. Nach dem Londoner „Daily Chronicle“ sind die Hauptbestimmungen des⸗
von England und Amerika ernannten Juristen sowie einem von diesen beiden Juristen gewählten Schiedsrichter — breitet. Höhere Geldforderungen werden einem ähnlich zu⸗ sammengesetzten Gerichtshofe vorgelegt, dessen Entscheidun wenn sie einstimmig erfolgte, endgültig ist; andernfa 6 kann jede von beiden Parteien an einen neuen Gerichtshof appellieren, der aus je zwei von jedem Lande ernannten Juristen und einem von den letzteren gewählten Schiedsrichter besteht und dessen Mehrheitsentscheidung endgültig sein soll. Jede Streitfrage, die Gebietsansprüche in sich schließt wird einem aus je drei amerikanischen und englischen Richtern von höchstem Rang zusammengesetzten Gerichtshof vorgelegt. Eine Entscheidung dieses Tribunals, die mit fünf gegen eine Stimme getroffen ist, ist endgltig; ist die Mehrheit geringer, so kann jede von beiden Mächten gegen das Erkenntniß Ein⸗ spruch erheben, eventuell soll um die Vermittelung einer befreundeten Macht ersucht werden. Falls die Furisten der beiden erstgenannten Gerichtshöfe sich über einen Schieds⸗ richter nicht einigen können, soll derselbe von dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten und einem Gerichts⸗ ausschuß des Londoner privy Council ernannt werden, und wenn diese beiden nicht zu einer Einigung gelangen, durch den König von Schweden und Norwegen. Der Schiedsgerichts⸗ vertrag bleibt fünf Jahre in Kraft; von da ab gilt eine Kün⸗ digungsfrist von 12 Monaten.
Der Vertrag ist noch gestern dem Senat zur Genehmigung zugegangen. Zugleich übersandte der Präsident Cleveland diesem ein Schreiben, worin es, dem „W. T. B.“ zufolge, heißt: Der Versuch, internationale Streitigkeiten durch der Zivilisation entsprechende Methoden beizulegen, werde von ver⸗ wandten Nationen unter den besten Auspizien gemacht. Der sichere Erfolg desselben werde auch anderen Nationen zu Herzen gehen und so einen neuen Abschnitt der Zivilisation kennzeichnen.
Das Repräsentantenhaus lehnte gestern mit 168 gegen 102 Stimmen das Gesetz, betreffend die Fundierung der Union⸗Pacific⸗Eisenbahn, ab.
Der argentinische Senat hat die Stadtvertretung von Buenos Aires zur Emission einer Anleihe von 5 Millionen Dollars ermächtigt. “ v11
Asien. 8
Die Kaiserin⸗Mutter von Japan ist, wie de „Reuter'schen Bureau“ aus Yokohama gemeldet wird, gestorben.
Amtlich wird aus Manila berichtet, daß zwöl Leiter des Aufstandes erschossen worden seien. Fahlreiche von den Philippinen nach den Mariannen⸗Inseln eportierte hätten einen Aufstand versucht, der aber von der Garnisvon unterdrückt worden sei. Achtzig Deportierte seien getödtet, vierzig verwundet und die übrigen eingekerkert worden
Afrika.
Aus Prätoria berichtet das „Reuter'sche Bureau“: Von den in der Kapkolonie lebenden Afrikanders seien mehrere Versammlungen abgehalten worden, um gegen die zu Ehren von Cecil Rhodes veranstalteten Kundgebungen zu protestieren und der Sympathie für die Südafrikanische Re⸗ publik Ausdruck zu geben.
Der „Times“ wird aus Lagos von gestern gemeldet, daß das erste Niger⸗Expeditions⸗Korps, das in Lokodja zusammengezogen sei, aus 26 Offizieren, 500 Haussahs und 900 Trägern bestehe und über sechs Maxim⸗ und zwei Feldgeschütze verfüge. Der Abmarsch gegen die Streitkräfte der Fellahs in Kabba, südwestlich vom Niger, sei wahrscheinlich bereits am 6. d. M. er⸗ folgt. Eine Flottille mit Geschützen versehener Dampfer werde auf dem Niger kreuzen, um dem Feind den Rückzug nach seiner Hauptstadt Bida abzuschneiden. Sir George Taubmann⸗Goldie, der Gouverneur der Royal Niger⸗Com⸗ pany, begleite den Zug. Nach Angabe der „Times’ betrage die Stärke des in Kabba stehenden Feindes 20 000 Mann zu Fuß und 2000 Reiter, welche sämmtlich Unterthanen des Smirs von Nupe seien.
8 Parlamentarische Nachrichten.
In der heutigen (150.) Sitzung des Reichstages,
welcher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher und der Staatssekretär des Reichs⸗ Schatzamts Dr. Graf von Posadowsky⸗Wehner bei⸗ wohnten, stand auf der Tagesordnung die zweite Be⸗ rathung des Reichshaushalts⸗Etats für 1897/98, die mit dem Etat des Reichsamts des Innern, und zwar beim Gehalt des Staatssekretärs, begann. An der Debatte nahmen bis zum Schluß des Blattes außer dem Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher die Abgg. Dr. Hitze (Zentr.) und Dr. Schneider (fr. Volksp.) theil.
— Der Schlußbericht über die gestrige Sitzung des Fale. der Abgeordneten befindet sich in der Ersten eilage.
— Das Hausder Seorwne e in er eutigen (16.) Sitzung, in welcher der Finanz⸗Minister Dr. iquel und der Minister der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗ Angelegenheiten D. Dr. Bosse zugezogen waren, die zweite Berathung des Lehrerbesoldungsgesetzes fort.
Bei 8 10, welcher die Bestimmungen über die Berechnung der Dienstzeit enthält, fragt
Abg. Dr. Lohmann (nl.) an, wie es mit der Dienstzeit der Lehrer an Seminar⸗Präparanden⸗Anstalten zu halten sei. Ein Ministerialerlaß wolle nur die Dienstzeit an solchen Anstalten an⸗ rechnen, welche mit Seminarien verbunden seien. Es gebe aber auch andere Anstalten, z. B. in Proskau in Schlesien, welche genau ebenso organisiert seien wie jene Anstalten; es bestehe zwischen beiden keinerlei Unterschied, nur daß letztere Anstalten nicht direkt mit einem Semina verbunden seien. Er bitte die Regierung um eine beruhigende Er⸗ klärung für die Lebrer. 1.“ Abg. von Tzschoppe (fr. kons.) bittet gleichfalls um eine dies⸗ bezügliche Erklärung. In Lehrerkreisen sei die Meinung verbreitct, daß es zu dieser Anrechnung der Dienstzeit erst eines Antrags der be⸗ treffenden Gemeinde bedürfe. 1 Ministerial⸗Direktor Dr. Kügler erklärt, daß es immer auf die Lage des einzelnen Falles ankomme. Eines Antrags der Gemeinde bedürfe es jedoch nicht. 8 Abg. Knörcke (fr. Volksp.) will auf die Stellung eines besonderen Antrags verzichten, wenn die Regierung erkläre, daß auch die Dienft⸗ zeit an Privat⸗Präparanden⸗Anstalten angerechnet werden solle. 1 Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Bosse: Gs
selben folgende: Geldforderungen, soweit sie nicht den Betrag von 100 000 Pfund Sterling überschreiten, werden je einem
schweben über diese Frage noch Verhandlungen mit dem inanzressort vor deren Abschluß kann ich keine bindende Erklärung a geben.
. fin an P
8
rck 28 Volksp.) liest aus dieser Erklärung heraus, daß
E 2 — Kn5 die mßaͤhe Dienstzeit nach Ansicht der Regierung angerechnet werden
müfse. Dr. Lohmann ist mit der Antwort des Ministers nicht frieden und stellt einen Antrag für die dritte Lesung in Aussicht.
m Abg. von Kardorff (fr. kons.) meint, daß ohne eine gesetzliche Bestimmung nicht um die Sache herumzukommen sei. 8
Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Bosse empfiehlt, die Sache durch einen Antrag in dritter Lesung zu regeln.
§ 10 wird angenommen. 8
8 11 trifft Bestimmungen über die Anrechnung der Dienst⸗ rivatschulen, in denen nach dem Lehrplan einer öffent⸗ ichen Volksschule unterrichtet wird. G
Ab Opfergelt (Zentr.) bemängelt die Bestimmung, welche erst nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes den öffentlichen Schuldienst über⸗ treten, die Alterszulagekassen⸗Beiträge nachzahlen sollen, um eine Anrechnung ihrer Dienstzeit an der Privatschule zu erreichen. Diese Bestimmung der Vorlage habe die Kommission damit zu recht⸗ fertigen sich bemüht, daß die Privatschulen gute Lehrer behielten, was besonders für die Privatschulen für konfessionelle Minderheiten von Bedeutung sei. Die Kommission habe deshalb auch die Bestimmungen des § 11 für die Gewährung des Ruhegehalts maßgebend sein lassen.
g. die Lehrer, 1 einer Privatschule in
Nachdem hierzu auch der Minister der geistlichen ꝛc. An⸗
gelegenheiten Dr. Bosse das Wort ergriffen hat, wird § 11 in der Kommissionsfassung angenommen
(Schluß des Blattes.)
Arbeiterbewegung.
Aus Hamburg liegen folgende Meldungen des „Wolff'schen Bureaus“ zum Ausstand der Hafenarbeiter vor: Gestern fanden zehn Versammlungen der Ausständigen statt. In der Versammlung der Schauerleute ermahnte ein Redner, nicht einzelm vom Ausstand zurückzutreten. Solle der Ausstand mit der Niederlage der Arbeiter enden, so müßten Alle vorher erklärt haben: „Es geht nicht mehr. Von den Arbeitgebern, die den Arbeitern ebenso geschlossen gegenüberständen, sei nichts zu er⸗ hoffen. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Arbeit⸗
eberverband am 15. d. M. seine Haltung ändere; denn mit dem Page laufe der Termin ab, bis zu welchem der Beschluß, mit den Arbeitern nur zu verhandeln, wenn sie die Arbeit vorher aufgen ommen haben, aufrecht zu erhalten sei. — Der durch den Ostwind verursachte niedrige Wasserstand hält an; der Schiffsverkehr ist fast gänzlich ge⸗ hemmt. — Der Verein Hamburger Assekurateure (Havarie⸗ Bureau) veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Nachdem die durch den Ausstand bervorgerufenen anormalen Verhältnisse, welche Verzögerungen in der Entgegennahme der Güter von den Quais zur Folge hatten, als beseitigt anzusehen sind, sehen sich die Mitglieder des Vereins veranlaßt, die früher gemachten Zugeständnisse hinsichtlich der Ausdehnung ihres Risikos wieder zurückzunehmen; es tritt nun⸗ mehr für die Begrenzung desselben wieder die durch die Polizeibedin⸗ gungen festgestellte Frist ein. 8 .
In Schwelm legten, wie der „Rh.⸗Westf. Ztg.“ geschrieben wird, etwa 20 Former, welche bei der Firma Robert Behn u. Comp. (Eisengießerei und Maschinenfabrik) 1ehe. waren, am Sonnabend früh G nieder. Lohnstreitigkeiten sollen die Ursache des Aus⸗ standes sein.
Aus Weißenfels berichtet „W. T. B.“ zum Ausstand der Schuhfabrikarbeiter: Nachdem die Arbeiter der Blasig schen Fabrik der Aufforderung, mit dem gestrigen Tage die Arbeit wieder aufzunehmen (vgl. Nr. 7 d. Bl.), nicht nachgekommen sind, wurde gestern in 30 Schuhfabriken von sämmtlichen Arbeitern, insgesammt etwa 3000, gekündigt. Die dem Gewerkverein ange⸗ hörenden Arbeiter beschlossen, bis zum Ablauf der Kündi ungsfrist auszuhalten; die sozialistischen Arbeiter legten sofort die Arbeit nieder.
Wie die Berliner „Volks⸗Ztg.“ mittheilt, wird eine allgemeine Lohnbewegung der Maler, Anstreicher und Lackierer der Sn Brandenburg für das kommende Frühjahr vorbereitet.
uf einem am 7. Februar d. J. in Eberswalde stattfindenden Provinzialtag soll über die aufzustellenden Forderungen Entscheidung getroffen werden.
Aus Brüssel wird der „Köln. Ztg.“ zu der Sitzung des Landes⸗ verbandes der belgischen Bergleute, die am Sonntag in Char⸗ leroi stattfand (vgl. Nr. 8 d. Bl.), geschrieben: Die Gruben⸗ verwaltungen haben fast allenthalben die Forderung der Arbeiter, daß die Löhne im Verhältniß zu dem angeblich nach amtlichen Akten⸗ stücken um 1,50 Fr. für die Tonne gestiegenen Kohlenpreise erhöht werden sollen, unbeantwortet gelassen; nur einzelne Zechen haben die Löhne ihrer Arbeiter um ein Kleines erhöht. In der geheimen Be⸗ rathung darüber, ob ein allgemeiner Ausstand zur Erwirkung einer all⸗ gemeinen Lohnerhöhung einzuleiten sei, gingen die Ansichten ausein⸗ ander; die Belegschaften des Borinage klagten lebhaft über die Hal⸗ tung der dortigen Grubenverwaltungen und forderten einen allgemeinen Ausstand zum 1. Februar. Der Vorschlag wurde jedoch mit Stimmen⸗ gleichheit (26) bei 3 Enthaltungen abgelehnt, ebenso der Vorschlag, einen Tag in der Woche zu feiern, um das Abräumen der Lagervor⸗ räthe zu gestatten. Die Unternehmer sollen abermals durch Briefe aufgefordert werden, die Arbeiter zu befriedigen.
Kunst und Wissenschaft. 1“
Der Wirkliche Geheime Rath, Professor Dr. Eduard Zeller begeht heute in Stuttgart die Fens seines 50 jährigen Professoren⸗ Jubiläums. Nachdem sich der berühmte Theologe und Geschichts⸗ schreiber der Philosophie im Jahre 1840 in Tübingen als dozent habilitiert hatte, wurde er im Jahre 1847 als Professor der Theologie nach Bern berufen. Die ÜUniversität, an der er seine
rofessorenlaufbahn begann, richtete, wie aus Bern gemeldet wird, eine
lückwunsch⸗Adresse an den verehrten Jubilar, die der bekannte Berner Philosoph, Peaföslor Dr. Ludwig Stein, persönlich überreichen wollte. ñeeber das Befinden des Geheimen Raths Zeller, dem, wie bekannt, am 25. August v. J., dem Tage seines 60 jährigen Doktorjubiläums, in Ragaz durch einen abgesprengten Stein das Schienbein zerschmettert wurde, berichtet der „Schwäbische Merkur“, daß dasselbe im Ganzen ein gutes zu nennen ist. Der greise Gelehrte kann bei trockenem Wetter täglich, nur auf einen Stock gestützt, im Freien kleinere Spaziergänge machen. In wenigen Tagen, am 22. d. M., tritt der Jubilar in sein 84. Lebensjahr ein.
— Der Delegirtentag des Verbandes deutscher Kunst⸗ gewerbe⸗Vereine hat am Sonntag und Montag in Berlin getagt, um über die Betheiligung des deutschen Kunst⸗ gewerbes an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 zu berathen. Aus allen großen Zentien des deutschen Kunstgewerbes waren die hervorragendsten Vertreter entsandt worden. Die Be⸗ rathungen ergaben vollkommene Einstimmigkeit in allen wesent⸗ lichen Fragen. Insbesondere war man Fee der Ansicht, daß das deutsche Kunstgewerbe diesmal nicht nach Einzelstaaten und Städten getrennt, sondern durchaus einheitlich zur Erscheinung kommen müsse. In eingehender Berathung mit dem Reichskommissar Herrn Geheimen Regierungs⸗Rath Dr. Richter konnte die volle Uebereinstimmung über das beabsichtigte Vorgehen und über alle in dieser Ffa⸗ zu treffenden Maßnahmen sestgeste t werden. Von einer demnaäͤ st einzuberufenden Kommission, in der auch den zum Verband organisierten Vereinen eine entsprechende Vertretung gesichert ist, soll das Vorgehen im einzelnen in enger Fühlung mit der Praxis und im Anschluß an ihre Bedürfnisse geregelt werden. Die leitenden Grundsätze wurden in folgender Form
niedergelegt: „Nachdem die Reichsregierung die Betheiligung Deutsch⸗
lands an der Pariser Ausstellung beschlossen hat,
das deutsche Kunstgewerbe es für seine Ehrenpflicht,
seinem besten Können für die Betheiligung einzutreten, obwohl direkie geschäftliche Vortheile nicht erwartet werden. Der Verband ver⸗ spricht sich nur dann einen Erfolg, wenn das deutsche Kunstgewerbe in seinen hervorragendsten Leistungen, gesondert von der Marktwaare, auch der kunstgewerblichen, geschlossen und nach einheitlichem Plane vorgeführt wird und alle zur Ausstellung zuzulassenden Gegenstände einer nach einheitlichen Gesichtspunkten zu vollziehenden Vorprüfung unterworfen werden. Das deutsche Kunstgewerbe kann sich in diesem Sinne und nur dann betheiligen, wenn den einzelnen Ausstellern das weitgehendste Entgegenkommen in fimanzieller Hinsicht zugestanden wird.“
— Der Vorstand des „Deutschen Patriotenbundes zur Errichtung eines Völkerschlacht⸗Denkmals bei Leipzig“ hielt am 30. Dezember v. J. in Leipzig eine Sitzung ab, um Be⸗ schluß über die Aus führung eines der preisgekrönten Entwürfe zu fassen. Nachdem am 31. Dezember sich die Mitglieder des Vor⸗ standes in der Georgenhalle zur nochmaligen Prüfung der Pläne ein⸗ .. hatten, wurde nach eingehender Begründung und auf ntrag des Ersten Vorsitzenden, Architekten Clemens Thieme einstimmig beschlossen, keinen der mit Preisen ausgezeichneten Entwürfe zur Ausführung zu bringen, jedoch die Verfasser derselben und einiger anderen (etwa vier) hervorragenden
läne zu bitten, nochmals in eine engere Konkurrenz zu treten.
ach dem auf Grund des vorigen für diese engere Konkurrenz neu aufgestellten Programm soll das Völkerschlacht⸗ National⸗ Denkmal sein: 1) ein christliches Denkmal, als Dankeszeichen für den Allmächtigen, der die Waffen der Verbündeten segnete; 2) ein Volks⸗ denkmal, als Wahrzeichen für die gewaltige Erhebung des deutschen Volkes, bei welcher flammende Begeisterung einmüthig alle Herzen entzündete zu Thaten der Heldengröße, Vaterlandsliebe und Treue; 3) ein Ruhmesdenkmal, als Ausdruck des Dankes für die Helden der Befreiungskriege voll Selbstverleugnung und Todesmuth; ) ein Wahr⸗ und Mahnzeichen für das deutsche Volk. Es soll in seinen Formen, ohne Anlehnung an Bestehendes, eigenartig sein, um sich dadurch dem Gedächtniß des Volkes um so leichter einprägen zu können. „Das Völkerschlacht⸗National⸗Denkmal darf daher“ — so heißt es in dem Programm weiter — „nicht sein: 1) ein Thurm mit einem davor befindlichen Reiter⸗Standbild, wie die mit dem ersten Preise ausgezeichnete Arbeit. Diese Gestaltung ist die Eigenartigkeit des Kyffhäuser⸗Denkmals; und diese muß demselben als Kaiser Wilhelm⸗ Denkmal einzig bleiben, soll die Wirkung durch ein zweites, ähnlich gestaltetes nicht herabgedrückt werden. 2) Ein Postament mit einer stehenden oder sitzenden Germania, wie der mit dem zweiten Preise bedachte Entwurf. Die Germania ist die Eigenartigkeit des Niederwald⸗ Denkmals, auch diese muß demselben gewahrt bleiben. Ein zweites Germania⸗Denkmal ist Pleonasmus. 3) Ein Denkmal mit fremd⸗ artigem Gepräge, wie es der dritte Preis zeigt; die Architekturformen und der plastische Schmuck muß aus deutschem Empfinden hervor⸗ gehen. 4) Ein Thurm allein, gleichviel welcher Form, wie ihn der vierte Preis zur Darstellung bringt, denn er trifft den Charakter des Völkerschlacht⸗National⸗Denkmals nur ungenügend.“ — Den Ansprüchen dieses Programms kommt von den ausge⸗ zeichneten Entwürfen nach Ansicht des Vorstandes des Patriotenbundes am meisten nur der mit dem fünften Preise bedachte Entwurf ent⸗ gegen. Aber auch hier müßte eine starke Umarbeitung desselben geschehen, ebe er zur Ausführung gelangen könnte; dahingestellt wird dabei, ob nach der Umarbeitung die gewaltige Wucht des Ganzen er⸗ halten bleibt. Preise sollen, da die hierzu benöthigten Mittel dem Patriotenbunde nicht zur Verfügung stehen, diesmal nicht ausgesetzt werden. Der Vorstand des Bundes will jedoch mit dem Verfasser des im engeren Wettbewerbe am meisten ansprechenden Entwurfes in Verhandlung treten, um diesen Herrn dann für die Ausführung des Denkmals zu gewinnen. ”
— Aus dem Wettbewerb um das Denkmal für Schulze⸗ Delitzsch (vgl. Nr. 6 d. Bl.) sind, wie sich nach Eröffnung der den Modellen beigegebenen Kuverts durch den Geschäftsführenden Aus⸗ schuß unter Vorsitz des Geheimen Medizinal⸗Raths, shetcsesors Dr. Virchow ergeben hat, nach dem Urtheil der Jury als erster Sieger der Bildhauer Carl Meisen⸗Friedenau (Preis 3000 ℳ), - Bildhauer Hans Arnoldt⸗Berlin (Preis 2000 ℳ), als dritter Professor Gustav Eberlein (Preis 1000 ℳ) hervorgegangen. Der Entwurf des Bildhauers Hans Arnoldt ist von dem usschuß zur Ausführung bestimmt worden. Die sechs Preise von je 500 ℳ sind zugefallen: den Bildhauern Heinrich Pohlmann, Emil Cauer im Verein mit dem Architekten Alfred Grenander, Michel Lock, Eduard Weber, Richard Ohmann und J. Christensen. 3
— Die Akademie der Wissenschaften in Turin macht bekannt, daß mit dem 31. Dezember 1896 die Bewerbung um den Bressa'schen Preis für die im Laufe des Quadrienniums 1893 bis 1896 abgefaßten wissenschaftlichen Werke und in diesem Zeitraum gemachten Erfindungen, zu der nur italienische Gelehrte und Erfinder berufen waren, geschlossen worden ist. Zugleich erinnert die Akademie daran, daß vom 1. Januar 1895 an die Bewerbung um den elften Bressa'schen Preis eröffnet ist, wozu, dem Willen des Stifters entsprechend, die Gelehrten und Erfinder aller Nationen zugelassen werden. Dieser Preis soll den Gelehrten oder Erfinder beltebiger Nationalität belohnen, der im Laufe des Quadrienniums 1895 bis 1898 nach dem Urtheil der Akademie die wichtigste und nützlichste Erfindung gemacht oder das gediegenste Werk veröffentlicht haben wird auf den Gebieten der physikalischen oder experimentellen Wissenschaften, der Naturgeschichte, der reinen und angewandten Mathematik, der Chemie, der Physiologie und der Pathologie, ohne die Geologie, die Geschichte, die Geographie und die Statistik aus⸗ zuschließen. Die Bewerbung wird mit dem 31. Dezember 1898 ge⸗ schlossen. Der Preis wird nach Abrechnung der amtlichen Taxe 9600 Fr. betragen. Bewerber haben innerhalb der bezeichneten Frist ihr edrucktes Werk an den Präsidenten G. Carle einzusenden. Die gikademie ertheilt den Preis dem Forscher, den sie für den würdigsten hält, selbst wenn er sich nicht beworben hat.
als zweiter
Land⸗ und Forstwirthschaft. In Breslau fand gestern unter dem Vorsitz des Ober⸗Präsi⸗
denten Fürsten von Hatzfeldt eine Konferenz statt, an welcher auch mehrere Ministerial. Kommiffare theilnabmen. Zur Verhandlung stand die der Kornlagerhäuser für die Provinz Schlesien. Die Konferenz kam, wie die „Schles. Ztg.“ meldet, zu dem Ergebniß, daß ein Versuch mit der Anlegung nicht zu großer Lagerhäuser an ge⸗ eigneten kleineren Orten der Provinz zu empfehlen sei, nicht aber die Anlage großer Lagerhäuser an Zentralpunkten.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregeln.
Die Verbreitung der Maul⸗ und Klauenseuche im Jahre 1895.
(Nach dem zehnten Jahresbericht über die Verbreitung von Thier⸗ seuchen im Deutschen Reiche, bearbeitet im Kaiserlichen Gesundheitsamt, “ Verlag von Julius Springer zu Berlin.) Ddie Maul⸗ und Klauenseuche hat während des Berichtsjahres sowohl nach ihrer räumlichen Verbreitung, als auch nach der Zahl der betroffenen Thierbestände erheblich zugenommen. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 4. Vierteljahre, nachdem sie im 2. und 3. eine entschiedene Abnahme gegen das 1. Vierteljahr gezeigt hatte, und stand am Schlusse weit ungünstiger als bei Beginn des Jahres. Verschont geblieben sind, wie im Vorjahre, Mecklenburg⸗ Strelitz, Schaumburg⸗Lippe, Lübeck; außerdem die Re ijerungs⸗ ꝛc. Bezirke Stralsund, Osnabrück, Aurich und das Fürstenthum Lübeck. Verhältnißmäßig schwach verbreitet war die Seuche in den Re⸗ gierungs⸗ ꝛc. Bezirken Gumbinnen, Danzig, Köslin, Münster, Aachen, Oldenburg, Lippe. Betroffen waren im Ganzen 23 Staaten,
77 Regierungs⸗ ꝛc. Bezirke, 642 Kreise ꝛc., 4865 Gemeinden zc., 17 998 Gehöfte Die Zahl der d fillen Erkrankungsfälle ist nicht
bekannt; die Gesammtzahl der in den neu betroffenen 16 975 Ge⸗ höften vorhandenen, mithin theils erkrankten, theils gefährdeten Thiere betrug 195 120 Stück Rindvieh, 207,105 Schafe, 3855 Zichen, 58 566 Schweine, zusammen 464 646 Thiere gegen 192 611 im Vor⸗ jahre. Verluste an gefallenen und getödteten Thieren infolge der Maul⸗ und Klauenseuche sind nur von Württemberg und Baden mit⸗ getheilt; sie betrugen 916 Stück Rindvieh, 6 Schafe, 3 Ziegen, 188 weine, zusammen 1113.
Die größten Bestände an Klauenvieh in den neu he⸗ troffenen Gehöften waren vorhanden in den Regierungs. ꝛc. Bezirken Magdeburg 83 272, Anhalt 34 433, Merseburg 33 731, Marien⸗ werder 25 501, Braunschweig 20 752; in den Kreisen ꝛc. Cöthen 16 008, Thorn 15 993, Aschersleben 15 135, Bernburg 14 870, Oschersleben 14 319.
In der zehnjährigen Berichtszeit von 1886 bis 1895 hat die Seuche, nachdem sie nach dreimonatiger Unterbrechung im Juli 1887 neu aufgetreten war, ununterbrochen zugenommen; besonders in den Jahren 1889 bis 1892 hat sie eine außergewöhnliche Verbreitung er⸗ langt und im 4. Vierteljahr 1892 ihren Höhepunkt erreicht. Sie ist dann im Jahre 1893 und im 1. Vierteljahre 1894 stetig zurück⸗ 1 und seit dieser Zeit wieder in unregelmäßigem Steigen be⸗ griffen. 1
Die Ausbrüche bezw. die weitere Verbreitung der Maul⸗ und Klauenseuche sind mehrfach auf Einschleppung derselben aus dem Ausland (Viehtransporte, Weideverkehr, Schmuggelvieh), meistens jedoch auf Verschleppungen im Inlande durch den Verkehr mit Vieh (Märkte, Hausierhandel u. dal.) zurückgeführt. In zahlreichen Fällen waren die Thiere beim Wechsel des Besitzers bereits erkrankt; es haben ferner die Unterlassung oder mangelhafte Sgö der polizeilich angeordneten Sperrmaßregeln, der Personenverkehr (Dienst⸗ boten, Schläͤchter, Viehhändler), die Benutzung verdächtiger Thiere zu Arbeitsdiensten, sowie gemeinsamer Weiden, Tränken und Wege, ferner Milch⸗ und Molkereirückstände, ungünstige bauliche Verhältnisse sowie die Unterlassung oder mangelhafte Desinfektion zur Verbreitung der Seuche beigetragen.
Die wieder in zahlreichen Fällen ausgeführten absichtlichen Ueber⸗ tragungen der Seuche auf gesunde Thiere haben fast ausnahmslos den Ersolg eines milderen und wesentlich kürzeren Verlaufs der Krankbeit gehabt. Die zur Bekämpfung der Seuche vielfach erlassenen Verbote der Viehmärkte haben im allgemeinen ihren Zweck erreicht, ohne daß sie erhebliche wirthschaftliche Nachtheile zur Folge geces hätten.
Uebertragungen der Krankheit auf Menschen sind wieder mehrfach, namentlich durch den Genuß ungekochter Milch, sowie bei der Pflege und Behandlung kranker Thiere beobachte
Verdingungen im Auslande
- Serbien. 5 “ 14. Januar. Kriegs⸗Ministerium in Belgrad: Lieferung von 1000 Paar Lederpantoffeln, 2000 Stück Matratzen mit Polsfter, 100 Stück eisernen Bettgaestellen, 10 Stück spanischen Wänden und 50 Stück hölzernen Sesseln. Kaution 20 % des Angebotswerthes.
Theater und Musik.
Friedrich⸗W ilhelmstädtisches Theater.
Vor ansehnlich gefülltem Hause, dessen Publikum sich aus de Mitgliedern eines größeren Vereins zusammenzusetzen schien, ging gestern „Das Edikt des Kaisers“, Drama in fünf Akten von Heinrich Driesmans, probeweise in Scene. Die Darsteller gaben sich redlich Mühe, dem mit dilettantischer Naivetät aufgebauten Werk, dessen Handlung am byzantinischen Hofe spielt, zu einem Erfolg zu ver⸗ schaffen. Die Zuschauer spendeten auch wohlwollenden Beifall, ließen aber bei der unfreiwilligen Komik mancher Wendungen des Ver⸗ fassers auch ihrer Heiterkeit freien Lauf.
Konzerte.
Das sechste Philharmonische Konzert, welches gestern unter Leitung von Arthur Nikisch stattfand, war außerordentlich zahlreich besucht. Nach Wagner's Huldigungsmarsch an König Ludwig II. von Bayern trat der Violinvirtuose Pablo de Sarasate zum ersten Mal nach langer Abwesenheit wieder vor das Berliner Publikum. Er spielte zunächst das Mendelssohn’'sche Konzert (E-moll) mit graziöser Leichtigkeit in der Ueberwindung der technischen Schwierig⸗ keiten und mit seinem etwas kleinen, aber glockenreinen singenden Ton. Mit entzückender Zartheit des Ausdrucks trug er das Andante, und mit etwas übertriebener Rapidität des Tempos das Finale vor. Rauschender Beifall und dreimaliger Hervorruf wurden ihm zu theil. Hierauf erschien als Novität eine Symphonie in vier Sätzen von Friedrich Gernsheim, die sich durch feine Instrumentierungskunst und durch klare Darlegung des Inhalts mehr auszeichnet als durch besondere Originalität der Erfindung. Der dritte, als dreitheilige Tanzscene gestaltete 8 und der heitere Schlußsatz erweckten bei den Hörern stürmischen Beifall, der so lange anhielt, bis der Komponist erschien und sich dankend verneigte. Nachdem nun der Violinist eine eigene anmuthige, aber recht unbedeutende Komposition „Viva Sevilla“ gespielt hatte, der er noch seine beliebten „Zigeunerweisen“ als Zugabe folgen ließ, bildete die symphonische Dichtung „Tasso“ von F. Liszt, die nächst seinen „Idealen“ als sein bedeutendstes Werk für Orchester zu betrachten ist, einen würdigen Beschluß des Abends. Unein⸗ geschränktes Lob gebührt den Leistungen des Orchesters unter der energischen Führung Arthur Nikisch's, insbesondere auch für die Diskretion bei der Begleitung der Violinvorträge.
Die jugendliche Pianistin Muriel Elliot gab am Sonnabend voriger Woche im Saale der Sing⸗Akademie ein Konzert, mit welchem sie zum ersten Mal vor dem hiesigen Faeeahn erschien. Sie begann mit Beethoven'’s Es-durKonzert, das sier mit energischem Anschlag, sorgfältig geschulter Technik und meist lobenswerther Auf⸗ fassung vortrug. Außerdem spielte die Künstlerin ein hier noch nicht bekanntes Konzert ihres Lehrers, des Hof⸗Kapellmeisters Bernhard Stavenhagen, der auch das Philharmonische Orchester leitete. Dieses aus drei Sätzen bestehende Werk ist im ersten Satz, der in der Mitte ein Fugenthema geschickt durchführt, recht stilvoll gehalten, während das Adagio zu wenig die der Sonatenform entsprechende nöthige Ruhe erkennen läßt. Das Finale enthält manche schönen Züge, ist jedoch so lärmend instrumentiert, daß der Gebrauch der Tuben das Hervor⸗ treten der Klavierpartie beeinträchtigt. Die Pianistin löste ihre schwierige Aufgabe mit anzuerkennender Hingebung an die Sache und brachte am S 88 dieses Abends noch eine brillante Polonaise von aderewski zu Gebör, in der die Geläufigkeit ihres Spiels noch besonders zur Geltung kam. Die wohlbekannte Sängerin Frau Amélie Gmür⸗ Harloff unterstützte das Konzert wirksam durch eine Arie aus Mozart's „Figaro“ und durch einige Lieder von Stavenhagen und Grieg, die von dem wenig zahlreich erschienenen Publikum gleich den Vorträgen der Pianistin beifällig aufgenommen wurden. 8In gleichen Zeit konzertierte im Saal Bechstein die hier bereits öfter gehörte Mezzosopranistin Agnes Nettekoven, die in zwei älteren Kirchen⸗ arien von Buononcini und Durante, sowie in einer reichen Anzahl von Liedern von Brahms, Schumann, Graf von Hochberg, Tschai⸗ kowsky, Berger, Tosti, Chaminade und Bruch ihre wohlklingende Stimme und ihre geschmackvolle Vortragsweise trefflich hervortreten ließ. Allen diesen Gesängen folfft wohlverdienter Beifall, der auch dem mitwirkenden, hier noch unbekannten Pianisten Cord Stühr⸗ mann nach dem zumeist gelungenen Vortrag der Beethoven’schen E-moll-Sonate und einiger Stücke von Schumann und Rubinstein zu theil wurde, wenn auch in seinen Leistungen nichts Hervorragendes zu erkennen war.
Am Sonntag fand im Saal Bechstein das zweite geistliche Konzert der Frau Welda Munscheid statt, dessen Programm eine Arie aus Bach’s „Magnificat“, zwei geistliche Lieder desselben Meisters und A. Becker's beliebtes „Des Christen Herz auf Rosen geht“ enthielt. Der Klang der Stimme und der tief empfundene Vortrag wirkten zu der Begleitung des Harmoniums vortrefflich, nur dürfte die Künstlerin auf gleichmäßige Bindungen der Toͤne
noch mehr zu achten haben. Herr O. Bake, der die Begleitung auf