1897 / 36 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 11 Feb 1897 18:00:01 GMT) scan diff

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der Königlichen Regierung 8 Frankfurt a. O., Jahrgang 1897 Nr. 2

S. 13, ausgegeben am 13. Januar 1897;

3) die Allerhöchste Konzessionsurkunde vom 14. Dezember 1896, betreffend den Bau und Betrieb vollspuriger Nebeneisenbahnen von Jädickendorf nach Pyritz und von Berlinchen nach Arnswalde durch die Stargard. Küstriner Eisenbahngesellschaft, durch die Amtsblätter

ddeer Königlichen Regierung zu Frankfurt a. O., Jahrgang 1897 Nr. 2 S. 11, ausgegeben am 13. Januar 1897, der Königlichen Regierung zu Stettin, Jahrgang 1897 Nr. 2 S. 13, ausgegeben am 15. Januar 1897; 4) der am 14. Dezember 1896 Allerhöchst vollzogene Nachtrag

B Statut für die Genossenschaft zur Regulierung der unteren

artsch zu Guhrau durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Jahrgang 1897 Nr. 3 S. 25, ausgegeben am 16. Ja⸗ nuar .

5) die Allerhöchste Konzessions⸗Urkunde vom 16. Dezember 1896, betreffend den Bau und Betrieb vollspuriger Nebeneisenbahnen von Beckum nach Lippstadt, von Soest über Belecke nach Brilon, und von Beckum⸗Ennigerloh nach Warendorf durch die Westfälische Landes⸗ Eisenbahngesellschaft (Warstein⸗Lippstadter Eisenbahngesellschaft) für das

Königlich preußische Staatsgebiet, durch die Amtsblätter

der Königlichen Regierung zu Münster Nr. 52 S. 305, ausgegeben am 24. Dezember 1896,

der Königlichen Regierung zu Arnsberg, Jahrgang 1897 Nr. 1 S. 3, ausgegeben am 2. Januar 1897;

6) der Allerhöchste Erlaß vom 21. Dezember 1896, betreffend

die Verleihung des Enteignungsrechts an den Kreis Pyritz zur Ent⸗ ziebung und zur dauernden Beschränkung des zum Bau der Klein⸗ bahnen von Pyritz nach Plönzig und von Pyritz bis zur Grenze mit dem Kreise Grerfenhagen in der Richtung auf Klein⸗Schönfeld in Anspruch zu nehmenden Grundeigenthums, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin, Jahrgang 1897 Nr. 4 S. 31, ausgegeben am 29. Januar 1897; 7) der Allerhöchste Erlaß vom 4. Januar 1897, betreffend die Verleihung des Enteignungsrechts an den Kreis Friedeberg zur Ent⸗ ziehung und zur dauernden Beschränkung des zum Bau einer Klein⸗ bahn von der Stadt Friedeberg nach dem Bahnhof gleichen Namens der Ostbahn in Anspruch zu nehmenden Grundeigenthums, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Frankfurt a. O. Nr. 4 S. 25, ausgegeben am 27. Januar 1897;

8) der Allerhöchste Erlaß vom 13. Januar 1897, betreffend die Verleihung des Rechts zur Chausseegelderhebung an den Kreis Anger⸗ münde für die von ihm gebaute Chaussee von der Angermünde⸗ Schwedter Chaussee im Dorfe Dobberzin nach Stolpe, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin Nr. 6 S. 51, ausgegeben am 5. Februar 1897.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 11. Februar.

Bei Ihren Kaiserlichen und Königlichen Maje⸗ stäten fand gestern Abend um 7 ½ Uhr ein Diner statt, an welchem außer den nächsten Umgebungen Ihrer Majestäten Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Erzherzog Otto von Oesterreich nebst Gefolge und Ehrendiens theilnahm. Um 9 Uhr begann im Weißen Saale des Königlichen Schlosses der UIl, zu welchem etwa 800 Einladungen ergangen waren und dem der Erzherzog Otto nebst Gefolge beiwohnte. Gegen 10 ½ Uhr wurde das

Soyuper eingenommen. Für die Allerhöchsten und Höchsten

Herrschaften war im Marinesaal und im Königinnen⸗Zimmer

serviert; auch Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der

Erzherzog nahm dort an dem Souper theil. Auf Allerhöchsten Befehl hatten die als Gäste Ihrer Majestäten erschienenen .es vorzugsweise ihre österreichischen Ordensdekorationen angelegt. - 1 Heute Mittag empfingen Seine Majestät der Kaiser den Prinzen Heinrich XXVIII. Reuß. Abends findet im König⸗

lichen Schlosse zu Ehren des Erzherzogs Otto von Oesterreich

ein Gala⸗Diner statt. u.“

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Erzherzog Otto von Oesterreich begab Sich heute Vor⸗ mittag gegen 11 Uhr nach dem Mausoleum in Charlottenburg und legte daselbst am Sarge weiland Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I. einen Kranz nieder. Mittags folgte der Erzherzog einer Einladung des österreichisch⸗ungarischen Bot⸗ schafters am hiesigen Hofe von Szögyény⸗Marich und dessen

Gemah lin zum Dejeuner. .

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Der Bundesrath versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich bayerische Staats⸗Minister Dr. Freiherr von Riedel ist von hier ab⸗ gereist.

Wilhelmshaven, 10. Februar. S. M. S. „Kaiserin Augusta“ hat heute Morgen 8 Uhr Schillig⸗Rhede auf dem Wege nach dem Mittelmeer verlassen.

Hannover, 10. Februar. Der Provinzial⸗Landtag überwies gestern die Rechnungsübersichten der Han⸗ noverschen Landeskreditbank dem Rechnungs⸗Ausschuß. Der Antrag des Provinzial⸗Ausschusses, betreffend die Ueber⸗ nahme und Verwaltung der Königlichen Bibliothek durch die Provinz, wurde angenommen, ebenso der Antrag des Abg. von Rheden, die Königliche Regierung zu ersuchen, die Errichtung eines Instituts zur Erforschung des Wesens von Vieh⸗ seuchen an der Thieraͤrztlichen Hochschule in Han⸗ nover veranlassen zu wollen. Der Abg. Struckmann be⸗ richtete hierauf über die vorgelegten Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben des Hannoverschen Kloster⸗ fonds. Im allgemeinen brächten die Uebersichten erfreuliche Resultate. Nothwendig sei es, daß die Regierung auch für Erhaltung von werthvollen Bauten, Kunstdenkmälern ec. aus dem Fonds Aufwendungen mache. Es sei wünschenswerth, daß dies in dem Dankschreiben an die Regierung zum Ausdruck komme. Zugleich möge der Wunsch ausgesprochen werden, daß mit der Zeit 8 die Erhaltung von Kirchen namentlich solcher von künstlerischem oder kunstgeschichtlichem Werthe —, die Erhal⸗ tung anderer Kunstdenkmäler, die Unterstützung sonstiger künst⸗ lerischer und wissenschaftlicher Bestrebungen, sowie für milde Zwecke

Mittel in den Etat aufgenommen werden möchten. Der Abg. Graf 1. phausen wünschte, daß die Mittel des Kloster⸗ onds mehr zum Guüͤterankauf in Haͤnnover als in anderen Pro⸗ vinzen verwandt würden, und stellte dazu den Antrag, in dem Erwiderungsschreiben an die Regierung den Wunsch auszu⸗ sprechen: „bei Belegung von Kapitalien in Grundbesitz die sich bietenden Gelegenheiten zur Erwerbung von Gütern und Grundstücken in der Provinz Hannover insbesondere dann vorzugsweise zu berücksichtigen, wenn durch solche Ankäufe die Interessen gemeinnütziger Institute in der Provinz gefördert würden.“ Beide Anträge wurden angenommen.

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Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin hat, wie die „Karlsr. Ztg.“ meldet, die Nacht zum Dienstag in ruhigem, natürlichem Schlafe verbracht. Das Auge ist schmerzfrei, das allgemeine Befinden gut. 1“

8 8 Hessen. Der Landtag ist gestern von Seiner Königlichen Hoheit

dem Großherzog mit folgender Thronrede eröffnet

worden:

Meine Herren Stände! 18 Ich heiße Sie zum XXX. Landtage des Großherzogthums will⸗ ommen.

Die Einberufung zu demselben ist ungewöhnlich spät erfolgt und erscheint gleichwohl nach einer wichtigen Seite hin als verfrüht.

Der Wunsch Meiner Regierung, Ihnen alsbald bei Ihrem Zu⸗ sammentritt den Hauptvoranschlag der Staats⸗Einnahmen und ⸗Aus⸗ gaben für die mit dem 1. Avpril dieses Jahres beginnende Finanz⸗ periode vorzulegen, hat sich leider nicht verwiklichen lassen. Die Ur⸗ sache liegt wesentlich darin, daß es zur Zeit an einer sicheren Grund⸗ lage für die Bemessung der zu erwartenden Einnahmen fehlt. In dieser Beziehung fällt zunächst das durch die Gestaltung des Reichs⸗ haushalts bedingte Verhältniß der Ueberweisungen aus Reichseinnahmen zu den Matrikularumlagen in das Gewicht, nicht minder aber die Frage des finanziellen Ergebnisses der Eisenbahn⸗Verwaltungs⸗ und Einanagenfinshaft mit Preußen, welches jetzt zum erstenmal festgestellt

erden soll. 1

In beiden Richtungen wird vor April kaum auf einen Abschluß zu rechnen sein.

„Bei dieser Sachlage ist Meine Regierung genöthigt, Ihnen vor⸗ erst die Erstreckung des dermalen geltenden Finanzgesetzes und zwar auf die Dauer zunächst eines halben Jahres anzusinnen.

Die Nothwendigkeit dieser Erstreckung, sowie die Dringlichkeit der Erledigung mehrerer anderen Angelegenheiten machten Ihre Ein⸗ berufung zu dem gegenwärtigen Zeitpunkt nothwendig.

Zu den soeben erwähnten Angelegenheiten gehören vor allem ein Gesetzentwurf über die Ruhegehaltsverhältnisse und die Versorgung der ltrüierener der im hessisch⸗preußischen Gemeinschaftsdienste angestellten Stagtseisenbahnbeamten und ein solcher über die Fürsorge für Beamten infolge von Betriebsunfällen. Beide Gesetze sind in Ausführung des am 16. Dezember 1896 perfekt gewordenen und, soweit thunlich, jetzt schon vollzogenen Staatsvertrags vom 23. Juni 1896 zu erlassen und sollen am 1. April d. J., an welchem Tage jener Vertrag in vollem Umfange zur Ausführung gelangt, in Kraft treten.

„Weitere dringende Angelegenheiten sind die Festsetzung und Be⸗ willigung der Gehalte für die am 1. April nächsthin zufolge des Ge⸗ setzes über die Kunststraßen vom 12. August 1896 in Dienst tretenden Kreis⸗Bauinspektoren, ferner eine Vorlage wegen Beschaffung weiterer Mittel zur Herstellung der durch das —s. vom 15. November 1890 genehmigten Nebenbahnen und eine Proposition, betreffend die Be⸗ willigung von Mitteln behufs Vollendung der Vorarbeiten für die in Aussicht genommene Steuerreform. In dieser Proposition wird Ihnen eine nähere Mittheilung über den dermaligen Stand der Steuer⸗ reformfrage gemacht werden, und ferner wird Ihnen demnäͤchst eine Denkschrift über die Ziele und die Richtung der letzteren zugehen.

In dem Hauptvoranschlage für 1897/1900 werden Sie möglichst reichliche Mittel für Zwecke der Landwirthschaft und Gewerbe, sowie eine namhafte Summe zur Regelung und Aufbesserung der Beamten⸗ gehalte eingestellt finden. Was diese letzteren angeht, so wird Ihnen eine besondere Vorlage zugeben, welcher das System des Vorrückens nach Dienstaltersstufen zu Grunde liegt.

In theilweiser Erfüllung der ständischerseits geäußerten Wünsche wegen anderweiter Organisation der obersten Staatsbehörde habe Ich Mich in Rücksicht auf die umfongreichen Arbeiten, welche die Ein⸗ führung des auch von Mir im Interesse der nationalen Einigung freudig begrüßten Bürgerlichen Gesetzbuchs erfordert, veranlaßt ge⸗ sehen, schon jetzt die Justizverwaltung durch Bestellung eines be⸗ sonderen verantwortlichen Vorstandes von der Verwaltung des Innern zu trennen; sobald jene Arbeiten ihren Abschluß gefunden haben, wird es an der Zeit sein, weitere Aenderungen bezüglich der Vertheilung der Geschäfte in Betracht zu ziehen.

Unter der Versicherung Meines steten landesherrlichen Wohl⸗ wollens lade Ich Sie nunmehr ein, an Ihre Arbeiten heranzutreten.

Ich erhoffe von denselben reichen Segen für Land und Volk.

Seachsen⸗Weimar Eisenach. r Landtag verwies in seiner Sitzung vom 9. d. M

die Vorlage, betreffend die Vorbereitungsarbeiten für die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und seiner Nebengesctze, an den Finanzausschuß, da es sich zunächst um die Deckung der Kosten handelt. Bei der Berathung wurde die Bildung eines Verwaltungsgerichtshofes für die thüringischen Staaten, ferner eine Revision des Wasserrechts und der Bestimmungen über die Iefeemnscn⸗ legung von Grundstücken angeregt. Eine Vorlage der Regierung, den Zuzug zu den Lehrerbildungsanstalten durch Gewährung von Stipendien an Seminaristen und Seminaraspi⸗ ranten im Betrage von 6750 in den Jahren 1897 und 1898 zu steigern, wurde demselben Ausschusse überwiesen, ebenso die Vorlage, welche 44 000 zu einmaliger Unterstützung bedürftiger Gemeinden bei Schulbauten verlangt.

Sachsen⸗Meiningen.

Der Landtag hat in seiner vorgestrige Sitzung den Volksschul⸗Etat mit einer Mehrbewilligung von 17 500 und den Etat der Finanzverwaltung mit rund 687 000 genehmigt.

Hamburg.

Der Senat hat der Bürgerschaft einen Antrag, be⸗ treffend die Ratifikation des Staatsvertrages mit Preußen über die Korrektion der Unterelbe, zugehen lassen, worin außer anderen Beträgen auch 1 530 000 für die Herstellung eines Leitdammes in der Elbe vor dem Altonaer er. e. gefordert werden. Die Stadt Altona hat nach Fertig⸗ stellung des Dammes 860 000 zurückzuzahlen.

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Oesterreich⸗Ungarn.

Das ungarische Unterhaus setzte gestern die Berathung über das des Handels⸗Ministeriums fort. Der Handels⸗Minister Daniel widerlegte im Laufe der Debatte die Behauptung der Opposition, Ungarn habe sich seines Selbstbestimmungsrechts Oesterreich gegenüber begeben.

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Gerade das Zoll⸗ und Handelsbündniß mit Oe bem das Gegentheil, da dasselbe einen Fenhec zwis zwei selbständigen und gleichberechtigten Faktorel darstelle. Das Sinken des Getreidepreises könne nicht dem Zoll⸗ und Handelsbündniß zugeschrieben werden denn während die Getreidepreise in Ungarn um 40 big 50 Proz. gesunken seien, betrage der Preisrückgang in Eng⸗ land, wo doch kein solches Bündniß bestehe, 80 Proz. In Beantwortung einer Anfrage über die Gefahr der Einschleppung der Pest aus Indien, prolestierte der Minister des Innern Perczel gegen die Verbreitung falscher Gerüchte und erklärte es sei unwahr, daß Wolle aus von der Pest infizierten Ge⸗ bieten eingeführt worden sei. Alle Personen, m mit der Waare in Berührung gekommen, seien vollkomm sund.

Frankreich.

Die Armee⸗Kommission der Deputirtenkammer genehmigte gestern den Antrag des Deputirten Le Hérissé auf Bildung von Kompagnien radfahrender Kombattanten. Der Kreuzer „Admiral Charner“ ist gestern Nach⸗ mittag von Toulon nach Kanea abgegangen.

Italien.

Der Admiral Canevaro hatte gestern, wie „W. T. 8.⸗

meldet, mit dem Marine⸗Minister Brin und dem Minister des Auswärtigen Visconti Venosta eine Unterredung und wird sich alsbald nach Neapel begeben, um den Ober efehl über die erste Division des Geschwaders zu übernehmen, welches sich bereit halten soll, erforderlichen Falls nach Krelg abzugehen.

Türkei.

Die „Times“ meldet aus Konstantinopel vom 9. d. M., daß die Pforte ihre Botschafter telegraphisch angewiesen habe, bei den Mächten ernstliche Vorstellungen, betreffs der Lage auf Kreta zu erheben und namentlich deren Aufmerksamkeit auf die Haltung Griechenlands zu lenken.

Die Versuche der Abgesandten des Sultans, Kara⸗ theodori Pascha und Mavrogeny Pascha, die Patriarchen Krisis abzuwenden, sind, dem „W. T. B.“ saolge⸗ vergeblich geblieben. Die Synode und der Laienrath

aben einstimmig das Ultimatum gestellt, daß der Patriarch entweder die antikanonischen Beschlüsse zurücknehme oder demissioniere. Der Patriarch hat darauf seine Entlassung ge⸗ Der Bischof von Ephesus ist zum Locumtenens ernannt worden.

Die „Agence Havas“ meldet aus Kanea von gestern, daß sich in der Lage nichts geändert habe. Die Ruhe dauere fort, alle Flüchtlinge seien an Land zurückgekehrt. Das Verhalten der türkischen Behörden sei tadellos. Die Haltung der griechischen Schiffe, von denen man argwohne, daß sie mit den Aufständischen im Einvernehmen seien, erwecke einige 8

Dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge wären in Kisamo und Kasteli (Kreta) 23 Mohamedaner niedergemetzelt worden.

Der „Times“ wird aus Kanea von gestern gemeldet, die Lage in Herakleion habe sich plötzlich zum Schlimmeren gewandt. Die Mohamedaner hätten begonnen, die christlichen Häuser aufzubrechen und zu plündern; auch verhinderten sie die von Flüchtlingen auf dem Seewege.

Griechenland.

Die griechische Regierung hat, wie „W. T. B.“ aus Athen meldet, an die Mächte eine Note gerichtet mit der Erklärung: Griechenland könne den Ereignissen in Kreta nicht als einfacher Zuschauer gegenüberstehen wegen seiner Pflicht gegen die Christen und seiner Gefühle für eine bluts⸗ und glaubensverwandte Bevölkerung.

Der Prinz Georg begab sich, wie die „Agence Havas“ berichtet, gestern auf Befehl des Königs in das Marine⸗ Ministerium, um das Kommando über eine Torpedoboot⸗Flottille zu übernehmen. Der Prinz wurde bei dieser Gelegenheit Gegenstand von Kundgebungen seitens der in Athen weilenden Kreter. Abends 10 ½ Uhr trat der Prinz, Höchstwelcher vorher der Messe und einem Dankgottesdienste beigewohnt hatte, seine Abreise an. Im Augenblick seiner Abfahrt brachte eine ungeheure Menschenmenge unter Tücherschwenken und Hochrufen auf Kreta dem Prinzen eine begeisterte Huldigung dar. Der Prinz Georg hatte mit dem König, dem Kron⸗ prinzen und dem Prinzen Nikolaus in einem Wagen Platz genommen. Die Königin erschien weinend an einem Fenster des ersten Stockwerks des Schlosses. Der König stand aufrecht im Wagen, der sich mit Mühe einen Weg durch die Straßen bahnen mußte, und den die Menge bis zum Bahnhef begleitete. Dieselben begeisterten Scenen wiederholten sich im Piräus. Bei der Ein⸗ schiffung gab die Menge Hunderte von Schüssen ab. Um Mitternacht brachte die Bevölkerung dem König unter den Fenstern des Schlosses begeisterte Huldigungen dar. Eine Schaar von Studenten durchzog die Straßen unter dem Gesange patriotischer Lieder. Heute früh um 2 Uhr hat die Flottille die Anker gelichtet; sie wird von der mit Lebens⸗ mitteln beladenen Königlichen Nacht „Sphakteria“ begleitet. Die Königin vertheilte gestern Nachmittag auf einer Fahrt durch Piräus Unterstützungen an die flüchtigen Kreter.

In der Deputirtenkammer richtete der Deputirte Ischomachos an den Minister⸗Präsidenten die An⸗ frage, ob es wahr sei, daß eine Flottille von Torpedobooten unter dem Kommando des Prinzen Georg abgegangen und mit welchen Befehlen dies geschehen sei. Der Minister⸗Präsident Delyannis erwiderte, er könne nicht mittheilen, mit welchen Ordres die Flottille versehen sei. Der Deputirte Ralli richtete die Anfrage an die Regierung, ob die Nachricht wahr sei, daß die Botschafter der Mächte in Konstantinopel die Türken ver⸗ hinderten, Truppen nach Kreta zu senden. Der Minister⸗ Präsident Delyannis erklärte hierauf: er besitze keine amt⸗ liche Nachricht hierüber, aber Griechenland, und in jedem Falle die Regierung, habe eine Entscheidung bereits getroffen. Die Erklärung des Minister⸗Präsidenten wurde mit lebhafter Er⸗ regung aufgenommen. Die Sitzung wurde sodann geschlossen.

Amerika.

In der gemeinsamen Sitzung des Senats und des Repräsentantenhauses wurde, wie „W. T. B.“ aus Washington meldet, gestern Mac Kinley offiziell zum

erwählten Präsidenten der Vereinigten Staaten und Hobart

zum Vize⸗Präsidenten proklamiert. 8 Im Senat zog Morgan gestern die Bill, betreffend den Nicaragua⸗Kanal, zurück und theilte gleichzeitig mit, er werde dieselbe in der außerordentlichen Session im Früh⸗ jahr wieder einbringen. ö

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ine in Madrid ein etroffene P vatdepesche aus Manila auf der Insel Negros eine Schaar Aufständischer mit einem Verlust von 100 Todten geschlagen worden sei. Die spanischen Truppen hätten keinerlei Verluste gehabt.

Afrika. .“

Der „Agenzia Stefani“ wird aus Biscia von vor⸗ gestern Abend gemel det, daß die Besatzung von Kassala am 6. d. M. ausgerückt sei und Abu Gamel besetzt habe. Dieselbe habe Befehl gehabt, mit dem Feinde, welcher auf dem Rückzug tcgusfe sei, in Fühlung zu bleiben und etwaige Nachzügler

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gefangen zu nehmen. Die Derwische seien über den Atbara nach El⸗Fascher zurückgegangen. Der General Vigano habe die Auflösung der Operationskolonne befohlen. Die dazu gehörigen sollten am 15. Februar wieder in ihren Standplätzen sein.

Nach Meldungen von der Benadir⸗Küste ist der außer⸗ ordentliche Königliche Kommissar der Benadir⸗Küste, Marine⸗ Kapitän Sorrentino, am 26. Januar an Bord der „Elba“ in Mogdischu eingetroffen. In der Kolonie herrsche voll⸗ ständige Ruhe. Alle Beichen der umgekommenen Theilnehmer an der Expedition Cecchi seien nunmehr aufgefunden und feierlich beerdigt worden. Bei einer in das Innere des Landes unternommenen Rekognoscierung sei das Land in normalem

ustande befunden worden. Auch die Volksstämme in der Peenech von Merka hätten sich den italienischen Behörden unterworfen.

Aus Prätoria wird dem „Reuter'schen Bureau“ be⸗ richtet, daß der ausführende Rath über die von der Chartered Company wegen des Jameson'schen Ein⸗ falls zu fordernde Entschädigungssumme Beschluß gefaßt habe. Eine amtliche Mittheilung über den festgestellten Be⸗ trag sei noch nicht erfolgt; einem Blatte zufolge solle sich der⸗ selbe auf 1100 000 Pfd. Sterl. belaufen.

Die Royal Niger Company hat von ihrem Gouverneur Sir G. Taubman⸗Goldie eine Depesche erhalten, wonach die Expeditionstruppen Bida eingenommen und den Wohn⸗ sitz des Emirs von Nupe besetzt haben.

Das „Reuter'sche Bureau“ berichtet aus Bida vom

26. Januar: Der Kampf mit der Armee der Fullahs, welcher heute stattfand, währte vom Morgengrauen bis zur Dunkelheit. Der Feind, 30 000 Mann stark, hielt den Bergrücken zwischen dem britischen Lager und der Stadt Bida bcheßt und hatte starke Abtheilungen um die Flügel der britischen Stellung herum vorgeschoben, um die Artillerie im Rücken anzugreifen. Um 10 Uhr Vormittags unternahmen die britischen Truppen unter Gewehrfeuer einen kräftigen Vorstoß bis an den Bergrücken und trieben den Feind auf die Stadt zurück. In⸗ wischen hatten die zuruckgebliebenen Truppen ein Carré ge⸗ bülben Der Feind griff trotz seiner schweren Verluste wieder⸗ holt an, ohne daß es ihm gelungen wäre, an das Carré heranzukommen. Gegen 2 Uhr Nachmittags eröffneten die Ueschäße das und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Die Fullahs begannen sich nun allmählich kurückzuziehen, feuerten jedoch noch beständig bis zum Eintritt der Dunkelheit. Auf britischer Seite wurde ein Lieutenant getödtet.

haltung einer Versammlung so würden wir hinter anderen Kultuwölkern, selbst gegen Rußland, zurückstehen. Das Gesetz muß gegen jedermann gleichmäßig angewendet werden. Noch ein paar Worte über den Pr Leckert⸗ 1 Die vortrefflichen Aus⸗ führungen des Staatssekretärs des rtigen Amts haben voll⸗ ständige Klarheit geschaffen darüber, daß er und die Regierung sich nicht anders helfen konnten, als durch die Gerichte. Unerklärt bleibt nur, daß das Amt 5 Jahre der politischen Pelitei gegenüber ohnmächtig gewesen ist. Graf Caprivi soll einen ühnen Griff versucht haben, aber er scheiterte an dem Widerstande des damaligen Ministers des Innern. Nach § 53 der Straf⸗ prozeßordnung dürfen Beamte ihr Zeugniß nur verweigern, wenn dies gegen die Ordnung und Sicherheit des Staates und Reiches ist. von Tausch hat unter Berufung auf diesen § 53 das Zeugniß verweigert in der Frage, ob Huhn der Verfasser des Artikels in der „Kölnischen Zeitung“ sei. von Tausch wurde aufgefordert, die Erlaubniß des Polizei⸗Präsidenten einzuholen.

von Windheim hat ihm diese Erlaubniß nicht gegeben. Später at von Tausch den Namen genannt. Das ist ein unerhörter Miß⸗ rauch des § 53. Ich möchte wissen, ob erst die Inter⸗ vention der Staatsregierung, speziell des Ministers des Innern, nothwendig war, um Herrn von Windheim zu über⸗ zeugen, daß § 53 hier nicht Platz greife. Müssen wir da nicht miß⸗ trauisch sein bei der Bewilligung von Mitteln für die Polizei? Worin wird die Reform der politischen Polizei bestehen? Der Minister hat die Schäden bei der Organisation der politischen Polizei anerkannt. Das Volk will wissen, welche Reformen der Minister einzuführen gedenkt. Ich wünsche, daß die Kommission, von der er sprach, diese Aufgabe bald löse.

He nahm der Minister des Innern Freiherr von der Recke das Wort, dessen Rede morgen im getragen werden wird. 8

Nr. 5 des „Centralblatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichsamt des Innern, vom 5. Februar, folgenden Inhalt: 1) Konsulat⸗Wesen: Ernennung; Entlassungen; Einziehung eines Vize⸗Konsulats; Exequatur⸗Ertheilung. 2) Polizei⸗Wesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Nr. 5 des „Eisenbahn⸗Verordnungsblatts“, heraus⸗ egeben im 1 der öffentlichen Arbeiten, vom 4. Februar, bcs folgenden Inhalt: Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeiten: vom 29. Januar 1897, betreffend Meldung und Untersuchung von Unfällen auf Kleinbahnen; vom 30. Januar 1897, betreffend Anträge auf anderweite Abgrenzung der bestehenden Verwaltungsbezirke; vom 2. Februar 1897, betreffend Beachtung der im Eisenbahn⸗Ver⸗ ordnungs⸗Blatt und Eisenbahn⸗Nachrichten⸗Blatte veröffentlichten Erlasse. Nachrichten.

Nr. 6 des „Centralblatts der Bauverwaltung“, heraus⸗ gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 6. Februar, at folgenden Inhalt: Amtliches: Dienst⸗Nachrichten. Nichtamtliches: Die Preisbewerbung für den Neubau der Hochschule für die bildenden Künste und der Hochschule für Musik in Berlin. III. (Fortsetzung.) Die Wasserstraßen in Uruguay. (Schluß.) Ein Proportionsgesetz der antiken Baukunst. Geheimer Baurath Krancke †. Ver⸗ mischtes: Zurückforderung der Baumeister⸗Probearbeiten. Preis⸗ bewerbung um Entwürfe für den Neubau der Bergschule in Bochum. Archäologischer Kongreß in Athen. Begriff der Elastizität. Elektrische Untergrundbahn in Budapest. Bücherschau.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichstages und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten Beilage.

In der heutigen (173.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher beiwohnte, nahm vor Eintritt in die Tages⸗ ordnung das Wort der

Präsfident Freiherr von Buol: Seine Majestät der Kaiser haben dem Reichstage vier eigenhändige Darstellungen über den Stand insbesondere der Neubauten der Marinen Deutschlands, Frankreichbe, Rußlands, Amerikas und Japans überwiesen. Ich habe die Darstellungen im Kuppelraum der Wandel⸗ halle zur Ansicht aufstellen lassen, um ihnen später eine definitive Bestimmung zu geben. Ich werde Seiner Majestät dem Kaiser im Namen des Reichstages für diese Uebermittelungen den Dank des Hauses aussprechen.

Das Haus setzte darauf die am Donnerstag, den 4. d. M., abgebrochene Berathung über den Antrag der Abgg. Auer u. Genossen (Soz.) wegen des Achtstundentages fort.

Bis zum Schlusse des Blattes nahmen die Abgg. von Puttkamer⸗Plauth (d. kons.), Hüpeden l(b. k. 89) und Dr. Freiherr von Hertling (Zentr.) das Wort.

Das Haus der Abgeordneten ertheilte in der heutigen (30.) Sitzung, in G“ der Minister des Innern reiherr von der Recke zugegen war, zunächst dem Prä⸗ identen des Hauses die Ermächtigung, dem Präsidenten des Staats⸗Ministeriums, Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe ur Feier seiner goldenen Hochzeit die Glückwünsche des Hauses arzubringen, und setzte dann die zweite Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts⸗Elats für 1897/98 bei Tit. 1 der Ausgaben des Etats des Ministeriums des Innern (Gehalt des Ministers) fort. 1 Abg. Szmula (Zentr.): Der Minister hat auf die gestrige Faage des Abg. Nadbyl, wie er sich nach Erlaß des Urtheils des ber⸗Verwaltungsgerichts in der Vereins⸗ und Versammlungsfrage verhalten wird, nicht geantwortet. Eine großpolnische Agitation egi iert bei uns in Oberschlesien nicht, auch keine Verbindung der Vereine mit galizischen Vereinen. Der Minister wird uns durch seine Schreckzespenster nicht graulich machen. Die Bewegung in Oberschlesien hat lediglich die Regierung veranlaßt. Schon Bismarck hat amit kein Glück gehabt. Wenn eine Peserbnr eine Nationalität unterdrückt, so tastet sie eine göttliche Eimichtung an; das ist nicht chriftlich. Die Polen haben durchaus keine Veranlassung, mit der preußischen Verwaltung so zufri den zu sein, wie Herr von Heyde⸗ tand es glaubt. Die Regierung sollte den bisherigen Weg verlassen. M Abg. Rickert (fr. Vgg.): Die Frage, wer ein nationalgesinnter Sen ist, ist im deutsche Parlament sehr unerquicklich. Die ⸗Korddeutsche Allgemeine Zeitung“ brachte neulich cinen auch vom Vormärte⸗ übernommenen vortrefflichen Artikel, welcher dar⸗ egte, für ein Unfug heute mit dem Worte „national“ wird. „Antinational“ sind schon ganz andere genannt worden. Die Deutsche Tageszeitung“, das 6 shan des Bundes der Landwirthe, hat die Regierung als ü tmonarchistisch und vaterlandslos bezeichnet; Herr von Heereman nias sich damit trösten. Solange das Ober⸗Verwaltungsgericht noch des G rsprochen hat, sollte die Regierung sich an das erste Urtheil auf erichts halten. In Preußisch⸗Stargerd st eine Versammlung e worden, in Schwetz nicht, obwohl hier nur polnisch gesprochen rde. Würden wir das Deutsche zur Vorbedingung für die Ab⸗

Arbeiterbewegung.

Aus Hamburg wird dem „Wolff'schen Bureau“ über die Ent⸗ wickelung der Arbeiterverhältnisse nach der Beendigung des Hafenarbeiterausstandes weiter berichtet: Der Senat hat in seiner gestrigen Sitzung im Hinblick auf seinen Beschluß vom 18. De⸗ zember v. J. sowie auf die von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehrfach geäußerten Wünsche beschlossen, eine Kommission einzusetzen mit dem Auftrage, die Lohnverhält⸗ nisse und Arbeitsbedingungen der Hamburger Hafenarbeiter und verwandten Gewerbe eingehend zu prüfen und sodann durch Ver⸗ handlung mit den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Beseitigung der bei der Prüfung sich ergebenden Mißstände zu veranlassen. Die erforderlichen Anträge sind an den Senat zu richten. Die Kom⸗ mission besteht aus den Senatoren O'Swald, Ad. Hertz und Holthusen. Der „Voss. Ztg.“ wird ferner gemeldet: Nach amt⸗ licher Angabe sind nur 300 fremde Hilfsarbeiter noch in Hambch. ihre Zahl betrug während des Ausstands bis zu 1600 Personen. Die fort⸗ gesetzt Herschese milde Witterung verstärkt das Eistreiben auf der Elbe und erschwert die Hafenarbeit. Der Senat berathschlagt mit den Rhedern über die Hafenverhältnisse und die Ernennung des Hafen⸗ Inspektors. Eine Fhhedung der Arbeiter verlangte bisher ver⸗ geblich die Zuziehung ihrer Vertreter zur Berathung.

Aus Elberfeld wird der „Köln. Ztg.“ geschrieben: Der Aus⸗ stand in der Kattundruckerei von Schlieper u. Baum ist schon wieder beendet. 83 jugendliche Arbeiter hatten am Sonnabend die Arbeit niedergelegt, weil sie mit der von der Firma angeordneten Zwangssparkasse nicht einverstanden waren. Von den Ausständigen haben am Montag 30 und weitere 45 am Dienstag Morgen die Arbeit wieder aufgenommen. Die übrigen 8 sind von den In⸗ habern der Firma als entlassen erklärt worden. Die Zwangssparkasse ist nach dem Muster des Bergischen Fabrikantenvereins in Rem⸗ scheid eingerichtet worden, das der Regierungs⸗Präsident in Düsseldorf den Fabrikanten zur Einführung empfohlen hat. (Vgl. Nr. 34 d. Bl.) Nach den Bestimmungen müssen Arbeiter im Alter von 16 Jahren 1 ℳ, 17 Jahren 1,20 ℳ, 18 Jahren 1,40 ℳ, 19 Jahren 1,60 ℳ, 20 Jahren 1,80 und 21 bis 25 Jahren 2 alle vierzehn Tage vom Lohn in Abzug bringen und auf der Sparkasse zinsbar anlegen lassen. Die freie Verfügung über das Sparkassenbuch bekommt der Sparer mit Beendigung des 25. Lebensjahres oder bei Aus⸗ tritt aus der Beschäftigung bei Schlieper u. Baum. Ferner kann der Sparer darüber verfügen bei Gründung eines eigenen Haus⸗ standes oder bei Ableistung seiner Militärdienstpflicht, jedoch mit der Maßgabe, daß bei Gründung eines Hausftandes nur ein Betrag bis zur Hälfte des Gesammtguthabens erhoben wird und während der Leistung der Dienstpflicht der entnommene Betrag im Laufe eines Jahres des Gesammtguthabens nicht überschreitet. In allen andern Fällen bedarf der Sparer zur Entnahme seines Guthabens oder eines Theiles unter der Mittheilung des Zwecks der Verwendung der Zustimmung eines der Theilhaber der Firma.

In Weißenfelskhat am Dienstag, der „Madb. Ztg.“ zufolge, eine weitere Einstellung ausständiger Arbeiter in den Schuh⸗ fabriken stattgefunden. Der Ausstand kann der Hereises. nach als beendet betrachtet werden. Die zugestandenen Lohnerhöhungen belaufen sich im Durchschnitt auf 4 ½ % gegen früher. 75 Zwicker sind aus Weißenfels abgereist und haben anderwärts Stellung ge⸗ funden. (Vgl. Nr. 32 d. Bl.) 1,

In Mühlhausen i. Th. haben nach demselben Blatt die rößeren Fabrikanten der Strickwaarenbranche sich vereinigt, um 89 rbeiterfragen gemeinsam vorzugehen. 1

8 in Berlin fanden am Dienstag 2. Versammlungen von Konfektionsarbeitern statt, in welchen gleichlautende Resolutionen im Sinne der vorjährigen Arbeiterforderungen angenommen wurden.

„Die 18. Jahresversammlung der Balneologischen Gesellschaft wird vom 11. bis 15. März in Berlin unter de Vorsitz des Geheimen Medizinal⸗Raths, Professors Liebreich m folgender Tagesordnung abgehalten werden: Donnerstag, 11. Mär Abends 6 Uhr, Professor Lassar: Vorführung dermatologischer Pro jektionshilder im Hörsaal Karlstr. 19; Abends 8 Uhr, Profess Neisser⸗Breslau: Die spezisische Behandlung und Balneotherapie i Hörsaal des Pharmakologischen Instituts (Dorotheenstr. 34 a) Frestag⸗ 12. März, Vormittags 11 Uhr: Besichtigung des Hygienischen und des Hygienischen Museums (gKlosterftr. 36), unter

ührung des Professors Rubner; Abends 7 Uhr: Sitzung. Di olgenden Tage sind wesentlich für wissenschaftliche Vorträge bestimmt. ie Sitzungen beginnen Vormittags 10 Uhr im Hörsaal des Pharma

kologischen Fuftituis.

Verdingungen im Auslande.

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Norwegen.

3. März, 7 Uhr Abends. Staatsbahnen: Lieferung von 4

gier⸗Logierwagen für schmale Spur. Angebote in geschlossenem Br umschlag mit der Aufschrift „Passagervogne“ (Pass 8 werden im Expeditionskomtor der Verwaltung der Staatsbahnen, Jernbanetorvet 8/9, Christiania, entgegengenommen. Zeichnungen und Bedingungen im Komtor des Direktors der Maschinenabthei lung ebenda.

10. März, 7 Uhr Abends. Staatsbahnen: Lieferung von 345 Wagenpresenninger. Angebote in geschlossenem Briefumschlag mit der Aufschrift „Presenninger“ werden im Expeditionskomtor de Verwaltung der Staatsbahnen, Jernbanetorvet 8/9, Christiania entgegengenommen. Bedingungen im Komtor des Direktors der Maschinen⸗Abtheilung ebenda.

Egypten.

15. März, Vormittags. Direktor der Polizei⸗Magazine i Boulac: Folgende Lieferungen: Bekleidungsgegenstände und Tressen, Ueberröcke, im Rechnungsamt des Ministeriums des Innern täglich von 10 b

1 Uhr mit Ausnahme Freitags und der Festtage.

Theater und Mufik.

Konzerte.

Der Klaviervirtuose Herr Karel Textor aus dem Haag, der au seinen Kunstreifen schon vor zwei Jahren Berlin besuchte, gab am Dienstag im Saal Bechstein ein Konzert, welches er mit Beethoven's Es-dur-Sonate (op. 81) eröffnete. Unter Fran Kullak's Leitung ausgebildet, ließ er die Vorzüge der Lehrmethod dieses Meisters nicht nur in der Tiefe des Verständnisses, sondern auch in der Kraft des Anschlags und in der stets sicheren Ueberwindun aller technischen Schwierigkeiten erkennen: Eigenschaften, auch in einem sehr anmuthigen „Liebeslied’“ von Kullak in Pibcen von Brahms, Liszt, Chopin und eine Zugabe (⸗Wiegenlied“ von Kjerulf) vortrefflich zur Geltung kamen Die Mezzosopranistin Fräulein Marie Bluhm, die durch ihre künft lerischen Leistungen hier bereits vortheilhaft bekannt ist, unterstützt das Konzert durch den eg Vortrag mehrerer Lieder von Schubert und Schumann sowie vier Volkslieder, die von Dr. H. Reiman trefflich bearbeitet waren und denen die Sängerin Reimann's „Röschen wollen wir tanzen?“ hinzufügte. Beiden Vortragenden spendete das zahlreich erschienene Publikum reiche Beifallsbezeugungen.

Der Klavier⸗Abend der Frau Scherres⸗Friedenthal, welcher gestern im Saal der Sing⸗Akademie stattfand, verlief auf das glänzendste. Die als Virtuosin ersten Ranges hier bekannte un geschätzte Künstlerin beherrschte vollkommen die in der Beethoven'schen Sonate op. 81 und in der großen C-dur. Phantasie von Schuman dargebotenen Schwierigkeiten; zu der glänzenden Technik gesellte sich eingehendes musikalisches Verständniß und eine fein schattierend Ausdrucksweise. Die Grazie ihres Spiels und ihre Virtuositä kamen noch in kleineren Piocen von Scarlatti, Chopin, Schubert, Liszt, Moszkowski, E. E. Taubert und Anderen aufs wirksamste zur Geltung und fanden bei den zahlreichen Hörern verdiente Anerkennung Des gestrigen populären Konzerts des Philharmonischen Orchesters unter Franz Mannstaedt’s Leitung ist deswegen Erwähnung zu thun, weil es besonders interessante musikalische Genüsse darbot. In erster Linie stand das Klavier⸗Konzert des jugendlichen begabten Komponisten W. Stenhammer, das als sein erstes Werk bereits früher in einem der großen Philharmonischen Konzerte von ihm selbst vorgetragen wurde. Fehlt es der Kom⸗ position auch an Selbständigkeit des Stils, der noch zwischen Men delssohn und Chopin schwankt, so ist doch in den beiden ersten Sätzen viel Lobenswerthes enthalten, während das Adagio und der Schluß. satz manche Längen aufzuweisen haben. Frau Vita Gerhardt trug das Werk korrekt und mit Ausdruck vor und bewährte sich auch als tüchtige Pianistin in der mit Herrn Anton Witek gespielten „Kreuzer⸗Sonate“ von Beethoven. Den Schluß des Abends bildet Beetho ven's F-dur-Symphonie.

Im Königlichen Opernhause findet morgen der 7. Sym phonie⸗Abend der Königlichen Kapelle unter Kapellmeiste Weingartner’'s Leitung statt. Das Programm enthält das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ und das „Siegfried⸗Idyll“ von Richard Wagner, die Symphonie Es-dur von Bruckner und die 6. Symphonie (pastorale) von Beethoven. Die öffentliche Hauptprobe findet an demselben Tage, Mittags 12 Uhr, statt. Sämmtliche Sitzplätze zum Konzert sind vergriffen; Stehplätze zu 1 und Eintrittskarten zur Hauptprobe zu 2 und 1 sind bei Bote u. Bock und an der Kasse des Opernhauses von 11 Uhr Vor mittags an zu haben. 4 8

Im Königlichen Schauspielhause wird morgen Gustav Freytag's Lustspiel „Die Journalisten“ in folgender Besetzung ge⸗- geben: Oberst Berg: Herr Klein; Ida: Fräulein von Maybburg; Adelheid Runeck: Fräulein Lindner; Senden: Herr Purschian; Pro⸗ fessor Oldendorff: Herr Ludwig; Konrad Bolz: Herr Keßler; Bell⸗ maus: Herr Hertzer; Schmock: Herr Vollmer; Piepenbrink: Herr Oberländer; Lotte: Frau Schramm.

Zum Bestender Obdachlosen, der „Jugendhilfe“ des Vereins „Dienst an Arbeitslosen ꝛc.“ wird am Montag, den 1. März, Abends 7 ½ Uhr, in der Gnaden⸗Kirche (im Invalidenpark) ein Kirchen⸗ konzert veranstaltet, bei dem der unter Leitung des Professors Kosleck stehende Bläserbund, die Oratoriensängerin Henriette Liebert, Ferleh Agneta Eckhoff, der Organist Rückert und der Violoncellist Max Schulz mitwirken werden. Karten zu 3, 2 und 1 sind bei Bote und Bock, Leipzigerstraße 37, käuflich.

1“ Mannigfaltiges.

Das Königliche Polizei⸗Präsidium bringt zur öffent⸗ lichen Kenntniß, daß die in der Wilmsstraße neu erbaute Feuer⸗ wache am 16. d. M. von der Feuerwehr übernommen und von einem Löschzuge bezogen werden wird. Dieselbe erhält die Bezeichnung „Zugwache 11“. Vom Hehen Tage ab erhält die Zugwache 4 (Memelerstraße 39) die Bezeichnung „Zugwache 7“, die Zugwache 7 (Reichenber Eltrafe 66) die Bezeichnung „Zugwache 8“, die Zug⸗ wache 11 (Mauerstraße 15 a.) die Bezeichnung „Zugwache 19“.

Aus einer vergleichenden Zusammenstellung des König⸗ lichen Polizei⸗Präsidiums über die Personenbeförderung auf der Stadtbahn, den Straßenbahnen und Omnibuslinien

* e.

Schuhe, Stoffstreifen, Stall⸗ und Sattler⸗Artikel. Näheres