——
würdiger Charakter, in Königsberg geboren wurde.
suchungen anzustellen. Die Arbeit lehrt die Spsteme kennen, in denen sich Leucit und Analcim zur Zeit befinden, und bringt Daten über den Uebergang dieser Mineralien in das reguläre System. Den luß bildet eine Uebersicht über die Resultate und angereihte Schlußfolgerungen. — Herr Schulze legte eine Mittheilung des Herrn Dr. Brandes, Privat⸗Dozenten für Zoologie an der Universität Halle, „über die Spermatozoen der Dekapoden“ vor. Im Gegensatz zu den meisten Angaben der bisherigen Forscher, welche den Bau der Dekapoden⸗Spermatozoen studiert haben, wird darin nicht der sogenannte Mittelzapfen der Dekapoden⸗Sperma⸗ togven, sondern der stärker lichtbrechende, zum Ein⸗ dringen in das Ei geeigneter erscheinende stiletähnliche Theil als Homologon des Kopfes der Spermatozoen der übrigen Thiergruppen angesprochen. — Derselbe legte ferner eine Mittheilung des Herrn Dr. Heymons, Assistenten am Zoologischen Institut hierselbst, vor „über die Organisation und Entwickelung von Bacillus rossii Fabr.’ Darin werden die Ergebnisse neuer, selbst⸗ ständiger Untersuchungen über die ersten Entwickelungsstadien von Bacillus rossii Fabr., sowie über die Anatomie des ausge⸗ bildeten Thieres mitgetheilt. Die schlauchförmigen Drüsen, welche oberhalb der Malpighischen Gefäße am Mitteldarm sitzen, werden von dem Verfasser 2 wie die Malpighischen Gefäße selbst als Bildungen des Prokrodaeums, also des Ektoderms, aufgefaßt. — Der Vorsitzende legte endlich eine Mittheilung des Herrn Dr. Edw. Flatau, hierselbst vor, betitelt „Das Gesetz der excentrischen Lagerung der langen Bahnen im Rückenmark.“ In dieser Mittheilung wird der Nachweis geführt, daß die excentrische Lagerung der langen Nervenbahnen im Rückenmarke als eine allgemein gültige Regel an⸗ zusehen ist. . — Der „Verein Berliner Künstler“ hat in seiner außer⸗ ordentlichen Hauptversammlung am 30. v. M. den Schöpfer des National⸗Denkmals, Professor Reinhold Begas, zum Ehren⸗ itgliede des Vereins ernannt. 1 — Die Acadé mie française hat, wie „W. T. B.“ aus aris meldet, den Minister des Auswärtigen Hanotaux und den bgeordneten Grafen de Mun zu Mitgliedern an Stelle der ver⸗ storbenen Mitglieder Challemel⸗Lacour und Jules Simon gewählt.
Ein für die Provinz Preußen und für die Stadt und Univer⸗ sität Königsberg bemerkenswerther Gedenktag steht am 12. April d. J. bevor, an welchem Tage vor hundert Jahren der Geheime Regierungs⸗Rath, Professor Dr. August Hagen, ein um die Aesthetik und Kunstwissenschaft hochverdienter Mann und verehrungs⸗ ; Der Albertus⸗ Universität gehörte er mehr als 50 Jabre an. Leben und Wirken dieses Gelehrten zu schildern, welcher mit unermüdlicher Pflicht⸗ treue dahin strebte, Sinn und Verständniß für Kunstschönheit in weiteren Kreisen zu wecken und zu pflegen, eine rastlose, verdienstvolle Thätigkeit für Kultur und Geschichte 1 entfaltete und dessen literarische Arbeiten, vor allem seine „Norika“, ihm einen Namen in der Gelehrtenwelt geschaffen haben, wird sich eine noch vor dem 12. April im Verlage der Königlichen Hof⸗Buchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin erscheinende Gedenkschrift an⸗ gelegen sein lassen, auf die wir zur egebenen Zeit noch näher ein⸗ gehen werden.
Theater und Musik.
Theater des Westens. 1
Gestern Abend fand die erste Aufführung des vieraktigen Schau⸗ spiels „Corpsgeist von Max Meßnerstatt, die von einem starken äußeren Erfolge begleitet war. Der junge Dichter versucht in seinem Drama, den Ehrbegriff, wie er in der „Gesellschaft“ und in den Volks⸗ kreisen in die Erscheinung tritt, näher zu beleuchten, und läßt zu diesem Zweck einen Konflikt entstehen zwischen dem innerlichen Ehrgefühl, welches ich vom rein menschlichen Standpunkt aus in der Brust eines jungen annes entwickelt, und dem Begriff der äußeren Ehre, die ich hier in den Formen der „studentischen“ Ehre als „Corpsgeist“ dar⸗ stellt. Der Verfasser besitzt ein richtiges Gefühl für theatralische Effekte, und aus diesem Gefühl heraus hat er eine Reihe bis zum Schluß in ihrer Wirkung sich stetig steigernder Scenen aufgebaut, die sich auch, wenn man seine etwas einseitigen Anschauungen als zu⸗ treffend anerkennen will, folgerichtig und lebendig aus einander ent⸗ wickeln. Die Tendenz, die dem Verfasser vorschwebte, ist nicht zu
Alles Licht fällt auf die eine
Partei und aller Schatten auf die Gegner. Hierdurch wird die Lebenswahrheit des Stücks ebenso stark beeinträchtigt wie seine rein künstlerische Wirkung. — Der Darstellung kann man fast nur Lobenswerthes nachsagen. Herr Halm entwickelte in der Rolle des Dr. Walther Mahlow, dessen Herz wegen der inneren und äußeren Ehre im Kampfe mit sich selbst liegt, bei vornehmer Haltung Feuer und Leidenschaft. Den Schlossermeister Mahlow zeichnete Herr Rohland naturwahr, einfach und schlicht. Kleinere Rollen wurden von den Herren Ries, Rembe, Pittschau und Vallentin gut durchgeführt. Theater Unter den Linden. 1
Als dritter Abend im Strauß⸗Cyeclus ging gestern die be⸗ liebteste Operette des Komponisten, „Die Fledermaus“, neu einstudiert in Scene und entzückte wiederum das Publikum durch ihre Fülle geistreicher Einfälle und prickelnder Weisen. Die Aufführung war eine der abgerundetsten des Operetten⸗Ensembles im Theater Unter den Linden; man konnte an der flotten Darstellung und an dem frischen Gesang der Mitwirkenden sowohl im einzelnen wie in den mehrstimmigen Sätzen seine Freude haben. In Fräulein Sigl, welche die Rosalinde gab, hat das Institut eine Sängerin gewonnen, die ein ausgiebiges, gutgeschultes Organ besitzt und mit Geschmack vorzutragen versteht. Als Darstellerin ist sie gewandt kund decent. Das von ihr gesungene ungarische Lied im zweiten Akt fand wohlverdiente Anerkennung. Ebenso stimmbegabt und musikalich ist auch Fräulein Fischer, welche die Kammerzofe Adele verkörperte, und deren temperamentvolle, urwüchsige Art zu spielen hier des öfteren lobend erwähnt wurde; be⸗ kämpfen muß sie nur die Neigung zu Uebertreibungen nach der derb⸗ komischen Seite hin, welche sich bei ihr zuweilen störend vordrängen. Schauspielerisch und gesanglich vortrefflich waren ferner die Leistungen der Herren Wellhof (Gefängniß⸗Direktor Frank) und Bruch 86 Eisenstein) und des Fräulein Cornelli, welche den Prinzen Orlofsky mit der erforderlichen S gg gestaltete, während Herr Steiner den Alfred gar zu farblos gab. Ueberaus belustigend wirkte ferner Herr Hanno als Gerichtsdiener. Die Tänze im zweiten Akt wurden mit Präzision ausgeführt. Die virtuosen solistischen Leistungen von Herrn und Fräulein Poggiolesi erregten allgemeine Bewunderung. Auch der hübschen Ausstattung muß anerkennend gedacht werden.
Im Königlichen Opernhause wird morgen Mevyerbeer's Oper Die Afrikanerin“ unter Kapellmeister Sucher’s Leitung in folgender Besetzung gegeben: Vasco de Gama: Herr Sylva; Nelusco: Herr Bulß; Selika: Frau Sucher; Ines: Frau Herzog.
Im Königlichen Schauspielhause geht morgen Les Eber⸗ mann’s Drama „Die Athenerin“ in Scene. Die Phryne spielt Fräu⸗ lein Poppe, den Agis Herr Matkowsky.
Mannigfaltiges.
Gestern fand, wie alljährlich am 1. April, zur Feier des Ge⸗ burtstages des Fürsten Bismarck in der Philharmonie ein Festkommers statt, der einen glänzenden Verlauf nahm. Die weiten Räume waren nach den Entwürfen des Baumeisters Bodo Ebhardt festlich geschmückt. Auf die sonst übliche Fahnendekoration war dabei verzichtet; dafür durchzogen Guirlanden in wenigen stolzen, mächtigen Linien die Halle, während den Schwerpunkt des Arrangements das Podium mit der dahinter aufgerichteten Bühne bildete. Dort stand die Tafel für die zahlreich geladenen und erschienenen Ehren⸗ gäste, während die Logen und die Galerien für die Damen reserviert waren. Den Saal selbst erfüllte in den engen Gängen zwischen den einzelnen Tafeln ein festliches Gewoge, bis der Leiter des Kommerses, der Reichstags⸗Abgeordnete Dr. Diederich Hahn Ruhe gebot, um das Hoch auf Seine Majestät den Kaiser auszubringen, das mit Begeisterung aufgenommen wurde. Es folgte eine von Bodo Ebhardt entworfene „dramatische Huldigung“ zu Ehren des Fürsten Bismarck. Fräulein Clotilde Barth vom Schiller⸗Theater sprach als Genius Deutschlands einen zündenden Prolog; aledann öffnete sich der Vorhang und zeigte im Bilde den Fürsten Bismarck, einen Lorbeerkranz an der Büste des Hochseligen Kaisers Wilhelm des Großen niederlegend. Die Gruppe weckte stürmischen Applaus. Die Festrede auf den ersten Kanzler des Deutschen Reiches hielt der Prediger der St. Marienkirche Professor Dr. Scholz. Er feierte das tiefe Gemüthsleben des Fürsten als das eines echten Deutschen. Ein längeres Huldigungs⸗Telegramm wurde nach
Scherenberg schlossen sich an. Ein besonders zündender Vers des
letzteren wurde mit großer Begeisterung wiederholt. Dr. Jacobsen
trug darauf einen Sang in der Nibelungenstrophe, Johannes Trojan
später eine seiner ö vor. Den 35 bei der Fidelitas, die erst gegen Mitternacht begann, übernahm Sohn des bekannten Hospredigers.
Der am 2. März verstorbene Justiz⸗Rath Lazarus hat durch letztwillige Verfügung der Stadt Berlin die Summe von 50 000 ℳ zur Verwaltung durch die Armen⸗Direktion zu
folgendem Zwecke vermacht: Aus den e dieses Kapitals sollen
jährlich, am 10. März, 100 würdige Arme, ohne Unterschied der Religion, gemeinschaftlich gespeist werden. Sie sollen ein gutes Mittagsmahl und das entsprechende Getränk, Bier oder Wein, er⸗ halten. Der hierbei nicht verbrauchte Theil der Zinsen soll unter sie vertheilt werden. Die näheren Ausführungsbestimmungen sind der Berliner Armen⸗Direktion übertragen, welche die Festlichkeiten zu arrangieren hat.
Breslau, 2. April. „W. T. B.“ meldet: Gestern Nachmittag
entstand in der Borsig'schen „Hedwig⸗Wunsch⸗Grube“ bei Zabrze infolge Explosion schlagender Wetter ein Gruben⸗ brand. Von den Personen, die sich sofort zur Feststellung der Ursache in die Grube begaben, haben sechs, darunter der Besitzer der Grube und der Chef⸗Chemiker, ihren Tod gefunden. Der Grubendrand dauert fort.
Geestemünde, 1. April. Der Fischerei⸗Dampfer,Paul“ landete heute, nach einer Meldung des „W. T. B.“, hier acht ge⸗ rettete Personen von einer bei Lodbjerg (Jütland) gestran⸗ deten norwegischen Brigg, welche mit einer Ladung Gruben⸗ hölzer von Tvestestrand nach Tréport bestimmt war. Die Mann⸗
schaft war mit Hilfe der Rettungsleine durch das Wasser an Bord 16
des „Paul“ gebracht worden.
Hamburg, 2. April. Der „Hamburgische Correspondent“ meldet aus Cuxbaven: Der dänische Dampfer „Riberhunus“, welcher den hiesigen Hafen passierte, berichtet, er habe zwischen Fanoe und Sylt das mit Holz beladene Wrack des schwedischen Schooners „Betty Jensson“, von Halmstad nach Bremen be⸗ stimmt, angetroffen. Der Kapitän, der Steuermann und drei Matrosen wurden gerettet, das Wrack wurde nach Gradyb bei Esbjerg ge⸗ schleppt. Drei Mann waren vor Hunger und Kälte gestorben und weggespült worden.
Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.
Wien, 2. April. (W. T. B.) Die „Neue Freie Presse“
meldet: Das gesammte Ministerium Badeni hat seine Entlaffung gegeben, weil die Verhandlungen wegen Bildung einer parlamentarischen Mehrheit unter Heranziehung der fortschrittlichen Fraktionen gescheitert find. Die Entscheidung der Krone steht noch aus. Man erwartet wieder die Betrauung Badeni's mit der Kabinetsbildung.
London, 2. April. (W. T. B.) Wie das „Reuter'’sche Bureau“ aus Montevideo von heute meldet, wären die Regierungstruppen von den Aufständischen geschlagen worden. Die Verluste sollen nicht unerheblich sein.
Konstantinopel, 2. April. (Meldung des „Wiener K. K. Telegraphen⸗Korrespondenz⸗Bureaus“.) Die Entsen⸗ dung Karatheodory Paschas in einer Spezialmission nach Athen ist von der Pforte endgültig aufgegeben worden, weil die Entsendung als ein Zeichen der Schwäche gedeutet und als solches von griechischer Seite ausgenutzt werden würde, und weil ein solcher Schritt die Aktion der Mächte stören könnte.
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)
tadeln, hat ihn aber zu Uebertreibungen in der Polemitk verleitet.
Friedrichsruh abgesendet. Festlieder von Eugen Schwetschke und Ernst
t vom 2. April, Morgens.
* 028
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.
— 8 &.
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Stationen. Wind. Wetter.
Bar. auf 0Gr. zu. d. Meeressp red. in Millim. Temperatur in 0° Celsius 5 ⁰0 C. = 40 R.
Anfang 7 Uhr.
Belmullet.. 758 ONO L2 heiter
Aberdeen . 754 NNW 4 wolkig Christiansund 745 NNW 5 (Schnee Kopenhagen. 743 NNO. 2 bedeckt Stockholm . 7054 still bedeckt
aparanda. 742 NO 2 halb bed.
St. Petersbg. 739 SW IlRegen Mostau . 746 W 2bedeckt
Cork, Queens⸗ “ 221 ianS erbourg. Nꝰ Ider. 8 T1“ Svlt 744 NNW Hamburg .. 744 N. Swinemünde 740 NNO Neufahrwasser 739 NNO Memel 738 NO PFariz. 2750 NW Münster.. 744 N.
Karlsruhe . 746 W Wiesbaden 744 NW München. 744 W Chemnitz. 740 SW Berlin.. 739 NW Wien.. 743 W Breslau.. 741 SW 3 le d'Aix. 752 N halb bed. hae 8 8 .. 744 NW halb bed. 10 ¹) Gestern Schneefall. 2) Nachts Regen. ³) Gestern Regen.
Anfang 7 ½ Uhr.
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heiter bedeckt halb bed. bedeckt bedeckr¹) Regen bedeck²) bedeckt halb bed. Schnee bedeckt bedeckt wolkig wolkig bedeck¹³) bedeckt Regen
7 ½ Uhr.
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Anfang 7 ½ Uhr.
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7 ½ Uhr.
Uebersicht der Witterung.
Ein Maximum liegt westlich von den Britische Inseln gegenüber einer Depression über dem nord⸗ östlichen Deutschland. Dementsprechend sind über dem westlichen Mittel⸗Europa nördliche bis westliche Winde vorherrschend geworden, unter deren Einfluß
in 5 Akten von Giacomo Meyerbeer. Text von eg Eugone Scribe, deutsch von Ferd. Gumbert. Ballet Sonntag, von Paul Taglioni. In Scene gesetzt vom Ober⸗ Preisen: Marcelle.
Regisseur Tetzlaff.
Schauspielhaus. 91. Vorstellung. Die Athenerin. Drama in 3 Aufzügen von. 88 In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Max Grube. b“
Deutsches Theater. Sonnabend: Der Sohn des Khalifen. Anfang 7 ½ Uhr.
Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Himmelfahrt. — Vorher: Blau. — Abends 7 ½ Uhr: Einsame Menschen.
Montag: Die versunkene Glocke.
Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Uriel Acosta. — Abends 7 ½ Ubr: Kinder der Bühne. Montag: Kaiser Heinrich. 8
Lessing⸗Theater. Sans⸗Geéne. (Agnes Freund. Gustav Kober.) Anfang
Abends 7 ½ Uhr: Grevenberg. Cyprienne. — Hierauf: In Civil. von H. Hirschel. Musik von G. Serpette und
obe. (Agnes Freund.) — Hierauf:
Theater.
Königliche Schauspiele. Sonnabend: Opern⸗ haus. 80. Vorstellung. Die Afrikanerin. Oper 7 ½ Uhr
Sonntag: Trilby,
Dirigent: Kapellmeister Sucher.
Leo Ebermann. Ein Wintermärchen.
Sonntag: Opernhaus. .81. Vorstellung. Undine. Gerichts. Romantische Zauber⸗Oper in 4 Akten von Albert Lortzing. Text nach Fouqué's Erzählung frei be⸗
Kadelburg. Reif⸗Reiflingen.
Montag: Corpsgeist.
Sonntag: Die Fledermaus.
Der Mikado.
Sonnabend: Madame
Gastspiel von Auguste Prasch⸗ 3 Akten von
V. Roger. Anfang 7 ½ Uhr. Sonntag: Frau Lieutenant.
Zentral⸗Theater.
Male: Trilby. Schauspiel in 4 Akten von Du Maurier und Polier, deutsch von E. Lederer. In Scene gesetzt von Sigmund Lautenburg. Anfang
Nachmittags 3 Uhr:
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der Millionen. Am Tage des Riesengebirgs⸗Phantasten.
Theater Unter den Linden. Behrenstr. 55/57. 8 4
3 T SDirektion: Feln⸗ Füitzsche. Sonnabend: Strauß⸗ Verlobt: Frl. Hildegard Jähns mit Hrn. Haupt⸗ iner er. Sonnabend: Renaissance. Cyelus. Die Fledermaus.
“ mit Ballet in 3 Akten von Meilhac und Halévy,
bearbeitet von C. Haffner und Rich. Genée. Musik
von Joh. Strauß. Anfang 7 ½ Uhr.
Komische Operette mann
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Be⸗
Thalia⸗Theater (vorm. Adolph Ernst⸗Theater):
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr (volksthümliche Dresdenerstraße 72/73. Direktion: W. Hasemann.
reise): Die Ehre. (Max Loewenfeld a. G.) — Sonnabend: Frau Lieutenant. 8 P. Ferrier und A. Mars. Deutsch Frhr. von Fuchs⸗Nordhoff (Florenz). — Fr.
Alte Jakobstraße
Konzerte. Konzerthaus. Karl Meyder⸗Konzert.
Sonnabend: 30. Operetten⸗ und Walzer⸗
Abend. Mittwoch, den 7. April: 6000. Konzert im
Su bhelbe 30. Jahre.
Zirkus Renz. Karlstraße. Nur noch kurze Zeit
Schiller⸗Theater. Sonnabend, Abends 8 Uhr: (Jubiläums Saison 1896/97.) Sonnabend,
Abends 7 ½ Uhr: Gala⸗Vorstellung. Durch⸗ schlagender Erfolgl; Aus der Mappe eines Außerdem: Der ostpreußische Hengst Blondel (Original⸗Dressur). Hierauf: Monstre⸗Tableau von 70 der edelsten Frei⸗
Theater des Westens. Kantstraße 12. (Bahn⸗ heitspferde, dress. und vorgef. von Frau Robert arbeitet. Tanz von Emil Graeb. Anfang 7 ½ Uhr. . 8 S ittags Renz. Eine Schulquadrille, geritten von 8 Herren. Schauspielhaus. 92. Vorstellung. Narziß. Trauer⸗ 5. Zoologischer Garten.) Sonnabend, Nachmittags
Auftreten der Schulreiterin Frau Robert Renz mit
spiel in 5 Aufzügen von Emil Brachvogel. Anfang “ “ dem Schulpferde Maöstoso und dem Steiger Solon.
Sonntag: Zwei Vorstellungen. Nachmittags (ermäßigte Preise und 1 Kind unter
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Preisen: 4. Uhr .8 n
Gastspiel ches Herrn Gustav Kadelburg. Die be⸗ 10 Jahren frei): IJ10 Ni Kn mit dem beliebten rühmte Frau. — Abends 7 ½ Uhr: Gastspiel des Hannele’s Herrn Gustav Kadelburg. Reif⸗Reiflingen.
Schellenspiel. — Abends 7 ½ Uhr: Aus der Mappe eines Riesengebirgs⸗Phantasten.
Familien⸗Nachrichten.
Paul von Tippelskirch (Berlin — Char⸗ lottenburg). — Frl. Margarete Hoffmeister mit Hrn. Stabsarzt Dr. Ernst Vogt (Glogau).
Verehelicht: Hr. Hermann Graf von Reichenbach mit Hildegard Gräfin zu Dohna (Cassel).
Gestorben: Hr. Major a. D. Karl von Rango (Erfurt). — Verw. Fr. Oberst Louise von
ieten, geb. von Platen (Potsdam). — Hr. Pastor em. August Friedrich Fürer (Dürrenber, b. Merseburg). — Hr. Ober⸗LandeggerichtsRath Otto Schmidt (Breslau). — Hr. Justiz⸗Raih Her⸗ mann Makower (Berlin). — Hr. Lieut. a. D. Richard
i balben Preise
Vaudeville in
General von Frankenberg und Ludwigsdorf, geh. von Chelius (Darmstadt). — Hr. Fabrik⸗ 6 besitzer Julius Brämer (Berlin).
30. Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth
1“
ssessor Dr. Rogge, ein
die Temperatur herabgegangen ist. In Deutschland, wo fast überall Niederschlag, vielfach in Form von Schnee, gefallen ist, ist das Wetter trübe und kalt; nur in den östlichen Gebietstheilen liegt die Morgen⸗ temperatur noch über dem Mittelwerthe, in Königs⸗ berg um 6, in Breslau um 7 ½ Grad. Veränder⸗ liches, rauhes Wetter für ganz Deutschland demnächst
wahrscheinlich. Deutsche Seewarte. 86LE111“
Residenz⸗-Theater. Direktton: Sigmund Lauten⸗ burg. Sonnabend: Asfsociés. Lustspiel in 3 Akten von Léon Gandillot. Deutsch von Max Schönau. Anfang 7 ½ Uhr. 8
Sonntag: Associés.
Nenes Theater. Schiffbauerdamm 4 a./5.
Direktion: Sigmund Lautenburg. Sonnabend: Gast⸗ spiel des Herrn Willem Royards vom Königlich
Niederländischen Theater in Amsterdam. Zum ersten
8
Direktion: Richard Schultz. Vorletzte Woche. Sonn⸗ abend: Emil Thomas a. G. Leopold Deutsch a. G. Ein sideler Ahend. Burleske dramatische Revue in 1 Vorspiel und 3 Bildern von J. Freund und W. Mannstädt. Musik von verschiedenen Meistern, arrangiert von Julius Einödshofer. Anfang 7 ½ Uhr.
Sonntag und folgende Tage: Ein fideler Abend.
Schluß der diesjährigen Possen⸗Saison unwider⸗ ruflich Sonntag, den 18. April.
in Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Neun Beilagen
(einschließlich Börsen⸗Beilage), und das Verzeichniß gekündigter Schlesischer landschaftlicher Pfandbriefe.
Berichte von deutschen Fruchtmärkten.
Oalttät
Außerdem wurden am
gering mittel gut kaufte
Ver⸗ Durch⸗
schnitts⸗ Markttage
(Spalte 1)
(100 kg)
Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner
nach über⸗ schläglicher Schaͤtzung
preis
Menge * für
preis
nie⸗ höch⸗ nie⸗ höch⸗ nie⸗ drigster ster drigster ster drigster
ℳ ℳ ℳ ℳ ℳ
verkauft Doppel⸗ zentner (Preis
unbekannt)
1 Doppel⸗ zentner
Doppel⸗ höch· zentner ster
88 Durchschnitts⸗
ℳ 100 kg ℳ
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14,10] 14,30] 15,00 15,20 12,50 13,00 13,50 — 14,70
15,20 15,50 15 90 15,80 16,00
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Ratibor — — 11,25 Aschersleben G 11,30 11,85 —
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Natibor .13,60 Aschersleben 8 —
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H a Ratibor .. 11,90 0 12,00 12,50 12,60 Aschersleben. — 12,50 — —
Döbeln. — — w“ 3 12,30 12,50 12,90 13,10
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Ratibor . Aschersleben Breslau
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10,90 11,60
Gerste.
11,40
15,40
üer. 12,80
11,70 13,20
— 11,60 12,60
Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt. Der Durch⸗
schnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.
Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutun Punkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß entsprechender Bericht fehlt.
Deutscher Reichstag. 203. Sitzung vom 1. April 1897, 1 Uhr.
Die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung, wird fortgesetzt. Abg. Dr. Pachnicke (fr. Bgg.): Wenn man die Wichtigkeit der Vorlage nach der Befetzung des Hauses beurtheilen dürfte, so legt das Haus derselben sicherlich keine große Bedeutung bei (es sind etwa 20 Abgeordnete anwesend), und ich bedauere nur die Handwerker, die sich Zugang zur Tribüne verschafft haben, um diesen Ver⸗ handlungen beizuwohnen. Man spricht davon, daß der Mittelstand verschwindet. Ein Theil des Mittelstandes verschwindet allerdings, aber ein neuer Mittelstand entsteht. Das ist in Schmoller’s Jahrbüchern an der Einkommensteuerstatistik nachgewiesen. Man will das Handwerk organisieren und schließt alle Diejenigen aus, welche nicht in Innungen oder Gewerbevereinen sind, d. h. die große Mehrzahl der E Man sollte das Handwerk, das gesammte Handwerk sprechen lassen und nicht bloß einen Tummelplatz für zünft⸗ lerische Bestrebungen schaffen. Ueber manche Punkte der Vorlage läßt sich ja vielleicht eine Verständigung erzielen, aber ausgeschlossen ist eine solche bezüglich der Zwangsinnungen. Freie Innungen haben auch wir stets gebilligt; aber Zwangsinnungen können nichts leisten, weil ohne Lust und Liebe zur Sache niemals etwas Gedeihliches zustande zu hringen ist. Für verschiedene Gewerbezweige würde eine Innung gar nicht zu schaffen sein, weil ihre Vertreter sehr zerstreut im Lande wohnen. Eine Schwierigkeit ist ferner, zu entscheiden: was ist S überhaupt? Wo ist die Grenze zwischen Handwerk und roßbetrieb? Schließlich soll die Behörde entscheiden, wer zur Innung Fühsnt. Was entstehen daraus für Schreibereien und Streitig⸗ keiten! an spricht von der Glanzperiode der Zünfte, als wenn damals alles gut gewesen wäre, und trotzdem gab es schon damals Klagen der Gesellen über Lohndrückerei und Lehrlingszüchterei, wie Schoenlank nachweist in seinem Buche „Soziale Kämpfe“, das auch für Gewerbetreibende, auch für Großunternehmer interessant zu lesen ist. Wenn die Handwerker Agrarier wären, wenn die Schuster Zuckersieder und die Schneider Branntweinbrenner wären, dann würde es auch baar Geld geben. Aber für die ee giebt es kein Geld, auch nicht für die Fortbildungsschulen. ie Klagen der Handwerker sind ganz berechtigt, daß die Großgrund⸗ besitzer die Handwerker nicht berücksichtigen. Wollen Sie (rechts) den Handwerkern helfen, dann kaufen Sie ihnen recht viel ab und vor allem bezahlen Sie recht pünktlich. Der Befähigungsnachweis soll es dahin bringen, daß ein Handwerker sein Geschäft nicht aufmacht, wenn er dazu im stande ist, sondern wenn die Prüfungskommission, das heißt, wenn seine Konkurrenten es gestatten. Es ist nur gut, daß der Bundetrath diesen Befähigungsnachweis abgelehnt hat. Wenn der Befähigungsnachweis eingeführt wird, dann wird jeder Handwerker bestraft, der ein Stück anfertigt, für welches er nicht geprüft ist. Die Erfahrungen, die Oesterreich darin gemacht hat, sollten abschrecken. Speziell die Landwirthschaft würde schwer geschädigt werden, weil die Handwerker dert uccht vor⸗ handen sind. Auf dem Lande muß der Schuhmacher Pferdegeschirr aus⸗ bessern, der Stellmacher muß auch Thüren machen und auch einmal ein Butterfaß reparieren. Der Gärtner und der Glaser find meist eine Person, weil der Gärtner die Mistbeete eindecken muß. Alles, was die Tüchtigkeit des Handwerks hebt, wollen wir fördern, aber die Freiheit wollen wir den Handwerkern nicht beeinträchtigen.
Minister für Handel und Gewerbe Brefeld:
Meine Herren! Die verbündeten Regierungen haben alle Ursache, dem hohen Hause dankbar zu sein für die wohlwollende Beurtheilung, die die Vorlage bei den verschiedensten Parteien des Hauses gefunden hat. Natürlich ist keine der verschiedenen Auffassungen, die im hohen Hause vertreten sind, vollständig befriedigt durch die Vor⸗ lage. Das erklärt sich vollkommen aus dem Umstand, daß die Vorlage das Ergebniß eines Kompromisses ist zwischen den entgegen⸗ stehenden Auffassungen: zwischen der einen Auffassung, die die Bil⸗ dung der Zwangsinnung in möglichst weiter Ausdehnung wünscht, und der anderen Auffassung, die im Gegensatz hierzu wünscht, daß die K tion des Handwerks sich freiwillig vollzieht aus der eigenen
Entschließung, nach den besonderen Verhältnissen und Wünschen der einzelnen Handwerkerkreise.
Es ist die gegenwärtige Vorlage das Ergebniß einer sehr mühe⸗ vollen, ernsthaften und gewissenhaften Arbeit, und ich glaube daher man kann im Interesse der Sache selbst, im Interesse des Handwerks, nur den dringenden Wunsch hegen, daß die Hoffnung sich erfüllen möge, die ja von verschiedenen Seiten ausgesprochen ist, daß man in dieser Session in der Kommission eine Verständigung über die Vorlage finde. Ich glaube, es wird damit dem deutschen Handwerk ein großer Dienst geleistet werden, ein wichtiger Schritt geschehen, um es aufzurichten in der verkümmerten La ge, in der es sich thatsächlich befindet.
Ich habe nun das Wort genommen, um einige Aufklärungen zu geben über die Abweichungen, die in der gegenwärtigen Vorlage enthalten sind gegenüber der früheren preußischen Vorlage. Diese Abweichungen lassen die eigentliche Grundlage des früheren Entwurfs unberührt; sie knüpfen an den nämlichen Gedanken an, der auch in der früheren Vorlage ausgesprochen ist, daß man nicht überall und beliebig Zwangs⸗ innungen bilden kann, sondern nur da, wo die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Auch in den Voraussetzungen stimmt im wesentlichen die jetzige Vorlage mit der früheren überein: es sollen nur für einen solchen Bezirk, der nicht zu ausgedehnt ist, der die Möglichkeit bietet, daß jeder innerhalb des Bezirks an einem Tage in die Innungsversammlungen gelangen und wieder nach Hause kommen kann — nur in solchen Bezirken sollen Zwangsinnungen gebildet werden, wenn in einem solchen Be⸗ zirk eine genügende Zahl von Handwerkern vorhanden ist, sodaß auch eine leistungsfähige Innung thatsächlich ge⸗ schaffen wird. Es sollen endlich nicht überall Innungen gebildet werden — nicht dort, wo die Wünsche der Handwerker dem entgegen sind. Wo die Majorität der Handwerker die Innung refüsiert, da soll davon Abstand genommen werden. Das war auch in der früheren Vorlage ausgesprochen, und an diese Vor⸗ aussetzungen knüpft die jetzige Vorlage an. Sie hat es aber für erwünscht gehalten, dies ausdrücklich im Gesetz festzustellen, wie es in dem § 100 unter Nr. 1 bis 3 geschehen ist. Sie hat es aber auch außerdem für erwünscht erachtet, daß dort, wo die Voraussetzung nicht vorhanden ist, daß die Ma⸗ joritäat der Handwerker die Zwangsinnung wünscht, die Majorität nicht auf den Weg der Beschwerde gewiesen wird; sie bat es vielmehr für zweckmäßig gehalten, daß in folchen Fällen die Verwaltungsbehörde die Betheiligten konvoziert, sie zusammenberuft, mit ihnen verhandelt, die Gründe für und gegen erörtert, den be⸗ sonderen Wünschen, die von der einen oder anderen Seite geltend gemacht sind, Rechnung trägt und so etwas schafft, was den allsei⸗ tigen Interessen entspricht. Ich glaube, daß darin eine Verbesserung liegt gegenüber der früheren Vorlage.
Nun ist von einer Seite gesagt worden: ja, wie ist denn das möglich? wie soll denn nun thatsächlich der einzelne Handwerker wissen, wann eine Bekanntmachung erlassen wird: es soll in dem und dem Bezirk die und die Innung gebildet werden, — daß er in diese Innung einbezogen wird? Er kann ja nicht genau beurtheilen: gehöre ich zu dem Gewerbe oder nicht, betreibe ich das Gewerbe fabrikmäßig oder handwerksmäßig? Diese Zweifel lösen sich einfach dadurch: wenn eine solche Bekanntmachung stattfindet und die betheiligten Handresrker eingeladen werden, so geschieht das auf Grund einer Liste der Betheiligten. Diese Liste muß entweder bekannt gegeben werden, oder es muß gesagt werden:
dort liegt sie zur Einsicht offen, dort kann jeder sehen, ob er zu
daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist; ein
8 1892.
denjenigen gehört, die in die Zwangsinnungen einbezogen werden sollen. Das zu machen, ist sehr leicht, man braucht sich nur den § 14 der Gewerbeordnung anzusehen, in dem ausdrücklich vorgeschrieben ist: Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes an⸗ fängt, muß der für den Ort, wo solches geschieht, nach den Landesgesetzen zuständigen Behörde gleichzeitig Anzeige davon machen.
Die Landesbehörden sind also im Besitz dieser Anzeige, sie sind jeden Augenblick in der Lage, die Listen aufstellen zu können und auch jedem Betheiligten davon Kenntniß zu geben, sodaß er in der Lage ist, an dem bestimmten Tage seine Wünsche und An⸗ sprüche für oder gegen die Bildung von Zwangsinnungen geltend zu machen. Damit, glaube ich, ist die Sache in der allereinfachsten und verständigsten Weise geregelt.
Man hat aber weiter im Bundesrath bei der Prüfung der früheren preußischen Vorlage gesagt: es ist doch nicht richtig, daß man eine Ein⸗ richtung treffen soll, deren Bedeutung dahin geht, eine andere Ent⸗ wicklung, wie sie in großen, ausgedehnten Theilen des Reichs statt⸗ gefunden hat, zu unterbinden. Es ist bereits in diesem hohen Hause von verschiedenen Seiten hervorgehoben worden, daß thatsächlich die Gewerbe⸗ vereine eine sehr glückliche Entwicklung genommen haben. Sie sind nicht bloß in Süddeutschland, sondern auch in ausgedehnten Theilen Nord⸗ deutschlands vertreten, und Süddeutschland hat es thatsächlich zu Wege gebracht, daß dort keine Handwerkerfrage existiert. Die Regierungen haben sich dort in größerem Maße um das Handwerk bekümmert (sehr wahr! links), als es in unserem Lande geschehen ist. In der That ist nicht zu verkennen, — ich bedaure das meinerseits anerkennen zu müssen — es wäre sehr erwünscht gewesen, wenn man im preußischen Staate etwas mehr für das Handwerk gethan hätte (sehr richtig! links); und ich hoffe, daß das in Zukunft auch geschehen wird. (Hört! hört!) Ich glaube es meinerseits in Aussicht stellen zu können. So hat man in Süddeutschland mit Hilfe der Gewerbevereine Gutes ge⸗ schaffen und das Handwerk vor der Verkümmerung gerettet. Soll man nun diese Staaten und Landesgebiete nöthigen, eine Einrich⸗ tung aufzugeben, die sich bei ihnen als nützlich und verständig er⸗ wiesen hat? Im Bundesrath hat man gesagt: das könnt ihr von uns nicht verlangen; und wir haben unsererseits gesagt: ihr habt Recht, wir sind damit einverstanden, und ich glaube, das hohe Haus wird der gleichen Meinung sein.
Nun kommt noch eins in Betracht. Es war im ursprünglichen preu⸗ ßischen Entwurf der Gedanke enthalten, daß die Bildung der Zwangs⸗ innungen von Amtswegen erfolgen sollte, es sollten die Aufsichts⸗ behörden die Sache in die Hand nehmen; sie sollten überall, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind, Zwangsinnungen errichten. Die⸗ jenigen Handwerker aber, die nicht durch Zwangsinnungen gebunden würden, weil bei ihnen die Voraussetzungen nicht zuträfen, die ihre Einbeziehung in die Zwangsinnung bedingen würden, sollten einbezogen werden in die Handwerkerausschüsse. Damit das aber geschehen könnte, sollten die vorhandenen freien Innungen geschlossen werden. Da hat der Bundesrath gesagt: das geht nicht an; man soll nicht damit beginnen, das Vorhandene zu zerstören, umsomehr dann nicht, wenn in dem Vorhandenen that⸗ sächlich ein guter Keim gesunden Lebens vorhanden ist. Weshalb soll man damit beginnen, die sämmtlichen freien Innungen zu schließen und so auf den Trümmern der freien Innungen Zwangsinnungen zu bilden, besonders wenn man nicht sicher ist, daß das allgemein geschehen kann? Das war aber keineswegs zu erwarten. Wenn Sie die Güte haben wollen, sich die Begründung des früheren preußischen Entwurfs anzusehen, so finden Sie auf Seite 10 eine Auseinandersetzung über die Art und Weise, wie man sich die Bildung der Zwangsinnungen dachte. Es wird angenommen, daß der Bezirk einer Zwangsinnung nicht über 200 Quadrarkilometer hinausgeht, weil dabei die Mög⸗ lichkeit gegeben ist, daß die Entfernung von der äußersten Peripherie bis zum Sitz der Innungen nur eine Meile beträgt, also ohne großen Aufwand an Zeit und Kosten jeder Einzelne in die Innungsversammlung gehen und am nämlichen Tage wieder nach Hause gehen kann. Es wurde ferner angenommen, daß eine Zahl von ungefähr 20 Personen doch wohl nothwendig sei, um die Innungen leistungsfähig zu erhalten, und danach berechnet, würde sich ungefähr ergeben, daß 65 % der Handwerker gebunden würden durch die Zwangsinnungen. Diese Berechnung beruhte auf der Vergleichung des Erhebungsgebietes, für welches statistische Ermittelungen seiner Zeit angestellt wurden, zur Gesammtheit des Deutschen Reiches. Da⸗ bei ist aber übersehen, daß das Erhebungsgebiet eine Einwohnerzahl von 122 Einwohnern pro Quadratkilometer hat, während das Deutsche Reich nur eine Einwohnerzahl von 91 Einwohnern pro Quadratkilometer hat, also ¼ weniger. Tragen Sie dem aber Rechnung, wenn Sie das Verhältniß nehmen zwischen dem Erhebungs⸗ gebiet und dem Deutschen Reiche, so müssen Sie von den 65 % ein Viertel abziehen, Sie kommen dann auf 49 %. Aber diese 49 % würden noch nicht einmal ausreichen, denn die Vertheilung der Bevölkerung im Deutschen Reiche ist nicht gleichmäßig, wir haben weite Strecken im Osten, ländliche Distrikte. Da sind so wenig Einwohner auf dem Quadratkilometer vorhanden, und innerhalb der Begrenzung von 200 qkm, daß die Voraussetzungen für Zwangs⸗ innungen entfallen. Man würde auch nach dem preußischen Entwurf in Bezug auf die Zahl der Handwerker, die durch Zwangs⸗ innungen gebunden werden, nicht weit über ein Drittel der Gesammt⸗ heit hinauskommen. Nun sollte der gesammte Rest gebunden werden dadurch, daß er unter den Handwerkerausschuß gestellt wird. Da hat man sich im Bundesrath mit Recht gesagt, das ist doch nicht richtig, daß man eine so große Zahl von Handwerkern, volle zwei Drittel, nun vollständig dessen berauben soll, was bisher an korporativen Ver⸗ bänden unter ihnen existierte, durch Schließung dieser Verbände, der freien Innungen; da ist es doch richtiger, man läßt die freien In⸗ nungen vorläufig bestehen und geht nur allmählich dazu über, sie umzu⸗ wandeln in Zwangsinnungen, sobald die Voraussetzungen vorhanden sind, namentlich sobald in den Kreisen der Handwerker die Ueber⸗ zeugung zum Durchbruch gekommen ist, daß in der That die