eumayr aus Hamburg,
Nansen, der Staatssekretär a. D. Herzog, worauf 1 8 Nansen dankte und sein Glas auf das Wohl der Besellschaft eerte.
Gestern Mittag wurde Dr. Nansen im Palast⸗Hotel durch die Vertreter der Stadt Berlin, Bürgermeister Kirschner und Stadtrath Marggraf, feierlich begrüßt. Später hatte der kühne Forscher die Ehre, von Seiner Majestät dem Kaiser und König im Königlichen
chlosse empfangen und zur Frühstückstafel geladen zu werden.
ends fand zu seinen Ehren in der schwedisch⸗norwegischen Gesandt⸗ schaft großer Empfang statt. — Heute früh haben Herr und Frau Ransen Berlin verlassen, um sich nach Kopenhagen zu begeben.
Jum Gedächtniß des deutschen Philosophen Jacob Böhme, dem in Görlitz, der Stadt seines Wirkens, ein Denkmal errichtet werden soll, war gestern im großen Festsaale des Rathhauses eine würdige Feier veranstaltet. Das große Modell des Denkmals, von Professor Johannes Pfuhl in Charlottenburg ent⸗ worfen, war inmitten eines grünen Hains vor dem ver⸗ ängten Kongreßbild aufgestellt. Es 18 den theosophischen
a rau Eva
scchuhmacher in Handwerkstracht auf einem Postament sitzend; in der Linken hält er die aufgeschlagene Bibel, ihm zu Fützen liegt sein 1II das Postament umgiebt ein weites Becken, in das vier Masken Wasser speien. Zu Seiten der Rednertribüne sah man den seltenen Stich des Leydener Meisters Nikolaus van Werd, jenes Gedenkblatt, das vor 300 Jahren zur Feier des 100. Geburtstages Böhme'’s entstanden ist. Zu der Feier waren erschienen: als Ver⸗ treter des Ministeriums der geistlichen ꝛc. Angelegenbeiten der Geheime Regierungs⸗Rath Dr. Schmidt, in Vertretung der Stadt der Stadt. Schulrath, Geheime Regierungs⸗Rath Bertram, ferner der Vize⸗Präsident des Evangelischen Ober⸗Kirchenraths Freiherr von der Goltz und andere Geistliche. Die Comenius⸗Gesellschaft, die Historische Gesellschaft, die Philosophische Gesellschaft, der Berliner Handwerker⸗ verein, der Kreisverband der evangelischen Jünglingsvereine und der Verein der Schlesier waren durch ihre Vorstände vertreten. Für den Ausschuß der vereinigten Innungen Berlins war Obermeister Beutel erschienen. Die Berliner Schuhmacher⸗Innung war mit dem Innungsbanner und vier Fahnen der Innungsvereine zur Stelle; die Fahnenträger nahmen zu beiden Seiten des Modells Aufftellung. uch viele andere Gewerke hatten Repräsentanten gesandt. Nach einleitendem Gesang begrüßte der Vorsitzende der Comenius⸗ Gesellschaft, Archiv⸗Rath Dr. Ludwig, Keller die Fest⸗ versammlung. In der dann folgenden Festrede feierte Professor Ad. Lasson Jacob Böhme in seiner Bedeutung für die Religion und die Philosophie. Er wies darauf hin, daß die Handwerksmeister zur eit Böhme's eine wesentlich hervorragendere und angesehenere tellung in der Gesellschaft gehabt haben als gegenwärtig, und kenn⸗ eichnete die Lebens⸗ und eltanschauung des Philosophen e a Gedankenschatz über Gott und göttliches Wesen, der noch den hervorragendsten philosophischen Geistern unseres Jahrhunderts, Hegel und Schelling, bedeutungsvolle Anregungen dargeboten habe. Obermeister Bierbach brachte zum Schluß ein Hoch aus auf die Verbindung der deutschen Wissenschaft und des deutschen Handwerks. In weihevollem Gesang klang die Feier aus. — In Sammelbüchsen und auf Zeich⸗ nungsbogen wurden freiwillige Beiträge für den Denkmalsfonds entgegengenommen, der bisber 7000 ℳ enthält, während sich die Kosten des Denkmals auf 20 000 ℳ belaufen werden. Unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung fand heute Mittag um 1 Uhr in der Borsig'schen Villa zu Alt⸗Moabit die Trauer⸗ feier für den als Opfer seines Berufs dahingerafften Mitinhaber der Firma Borsig, Herrn Arnold Borsig statt. Als Vertreter des Ministeriums für Handel und Gewerbe war der Ober⸗Berghauptmann Freund erschienen, auch der Praͤsident des Reichs⸗Versicherungsamts Dr. Bödiker, der Geheime Bergrath Professor Dr. Wedding von der Berg⸗Akademie und viele andere bochgestellte Personen wohnten der Trauerfeier bei. Die Borsig'schen Werke und Fabriken waren durch Depnutationen von Bergleuten und Arbeitern zahlreich vertreten. Die
ö“ e111““ E11““ 1ö1“ 8E1“ 1 1“
Gesänge führte der Domchor aus; die Gedenkrede hielt der früher auf dem Borsig'schen Gute Groß⸗Behnitz bei Spandau, jetzt in Lichterfelde amtierende Pastor Nolte. In langem Zuge erfolgte sodann die Ueberführung der Leiche nach dem Lehrter Babnhof. Vor dem Leichenwagen schritten die Arbeiter der Borsig'schen Etablissements; hinter dem Wagen folgten die Arbeiter der anderen Berliner Fabriken mit ihren Fahnen und die übrigen Leidtragenden. Vom Lehrter Bahnhof wurde der Sarg mittels Extrazuges nach Groß⸗Behnitz befördert, wo die Beisetzung snattfindet.
Amtlich wird gemeldet: Am Sonnabend, den 3. d. M., Nach⸗ mittags 2 ¼ Uhr, entgleiste auf Bahnhof Ludwigsfelde bei Ausfahrt des Personenzuges 28 vom 2. nach dem 1. Geleise zwischen Weiche 11 und 12 ein Personenwagen 2. bis 3. Klasse und stürzte hinter Weiche 12 vollständig um. Hierdurch wurde der vorauflaufende dreiachsige Personenwagen mit den 2. Vorderachsen ebenfalls zur Ent⸗ gleisung gebracht. Das Hauptgeleis Berlin — Halle war bis 9 Uhr Abends gesperrt. Ein Reisender ist schwer, drei sind leicht verletzt worden. Der schwer Verletzte ist nach der Königlichen Klinik hierselbst transportiert worden, während die leicht Verletzten nach Anlegun * “ ihre Reise fortsetzen konnten. ie Untersuchung i eingeleitet.
Das Königliche Polizei⸗Präsidium erläßt folgende Warnung: „Wie die Erfahrung mehrfach erwiesen hat, beherzigt das Publikum die Thatsache immer noch nicht genügend, daß selbst dann, wenn eine gut organisierte und zuverlässige Fleischschau am Wohnort für alle geschlachteten Schweine besteht, doch theils aus Orten, in welchen die Fleischschau zwar eingeführt, aber nicht für alle geschlachteten Schweine vorgeschrieben ist, theils aus Orten ohne jede Fleischschau, theils endlich mit Umgehung der bestehenden Bestim⸗ mungen garnicht oder mangelhaft untersuchtes Schweinefleisch in den Verkehr gelangen und große Gefahren für Leben und Gesund⸗ heit der Konsumenten herbeiführen kann. Es wird daher vor dem Genuß jeglichen rohen chweinefleisches ernstlich gewarnt und ferner darauf hingewiesen, daß lediglich ein voll⸗ kommenes Garkochen (Durchbraten) der Fleischstücke wie sämmtlicher Zubereitungen aus Schweinefleisch (Fleisch⸗, Blut⸗, Leberwürste, Klöße, Sülzen u. s. w.) im stande ist, die etwa vorhandenen Trichinen zu tödten und dadurch jede Gefahr einer Gesundheitsschädigung auszu⸗ Um das Garkochen, Durchbraten größerer dickerer Stücke (Schinken, Genickbraten u. s. w.) zu ermöglichen, ist es nothwendig, tiefe, etwa 8 cm von einander entfernte Einschnitte in die betreffenden Stücke zu machen, damit auf diesem Wege die Siedehitze auch auf die tiefst gelegenen Fleischschichten hinreichend einzuwirken vermag.“
Die Bezirks⸗Kommandos Berlin I und II, die bisher am Kaiser Franz⸗Grenadierplatz untergebracht waren, bezogen am 1. April das neue, am Tempelhofer Felde errichtete Dienstgebäude. Die Bezirks⸗Kommandos III und IV, von denen das erstere sich füüber in der Kruppstraße und das andere in Steglitz befand, sind chon seit dem 1. Oktober v. J. daselbst untergebracht. Das große Hauptgebäude für die Landwehr⸗Inspektion, welches die Mitte der ganzen Anlage einnimmt, ist im Aeußeren ebenfalls fertig.
Die Umgestaltung der Straßenbeleuchtung Berlins durch Einführung des Gasglüblichts ist in den 5 Monaten, die seit dem Beginn des planmäßigen Vorgehens der städtischen Gas⸗ verwaltung vergangen sind, bedeutend gefördert worden. Es brennen z. Z. in den Straßen Berlins 9000 Gasglühlichtflammen in 5000 Laternen; weitere 5000 Laternen sollen noch im Laufe dieses Jahres mit Glühlicht versehen werden, sodaß dann die Hälfte aller Berliner Straßenlaternen Gasglühlicht haben wird.
Der durch seine wissenschaftlichen Ballonfahrten wohlbekannte „Deutsche Verein zur Förderung der Luftschiffahrt in Berlin“ beabsichtigt, wie er mittheilt, eine Erweiterung seiner Auf⸗ gaben in der Weise eintreten zu lassen, daß er neben seinen streng⸗
wissenschaftlichen Arbeiten Maßnahmen in das Leben rufen will,
welche geeignet sind, weiteren Kreisen die praktische Ausuüͤbung der Luftschiffahrt unter den günstigsten Bedingungen zu ermöglichen. Der vorläufige Plan geht dahin, durch eine größere Betheiligung von Freunden der Luftschiffahrt die erforderlichen Mittel zur Errichtung eines „Ballonsportplatzes“ im großen Maßstabe zusammenzubringen und zugleich Vorsorge zu treffen, daß die Theilnahme an Ballonfahrten auch dem weniger Bemittelten ermöglicht werden könne. Die in sichere Aussicht gestellte Unterstützung eines solchen Unternehmens durch die thätige Mitwirkung der sachverständigen Organisationen der Reichshaupistadt würde die Gewähr geben dafür, daß das benutzte Material und die Führung der Ballons stets über allen Zweifel erhaben und so jedweden, auch schwierigeren Anforde⸗ rungen unter allen Umständen gewachsen wäre. Es werden deshalb alle diejenigen, welche an dieser Angelegenheit Interesse nehmen, eingeladen, einer Vorberathung, welche der genannte Verein am Mittwoch, den 7. April, Abends 7 ½ Uhr, im Restaurant „Spaten⸗ 4 Friedrichstraße Nr. 172, vorn 2 Treppen, abhalten wird, bei⸗ zuwohnen.
Das Lehrprogramm der Humboldt⸗Akademie für das am 22. April beginnende Frübjahrsquartal enthält die ausführlichen An⸗ zeigen von 40 Vortrags⸗Cyclen und Unterrichtskursen aus fast allen Wissensgebieten, welche an den Wochenabenden in zwei Lehrstätten: dem Dorotheenstädtischen Realgymnasium in NW. und dem Falk⸗ Realgymnasium in W., für Herren und Damen gehalten werden 92 der dritten Lehrstätte (S.) wird im Frühjahr nicht ge⸗ lesen). Neben einer großen Zahl von bewährten Lehrkräften, die in den letzten Jahren thätig waren, werden auch die längere Zeit ver⸗ hinderten Dezenten Dr. Heinrich Lange, für Meteorologie und Chemie, und Dr. G. Diercks, für Länder⸗ und Völkerkunde, ihre Lehrthätigkeit wieder aufnehmen. — Nach dem Bericht des General⸗ Sekretärs hat die Frequenz der Humboldt⸗Akademie im letzten Halbjahr wiederum zugenommen; es wurden zusammen 136 Cyelen und Kurse von 3844 eingeschriebenen Hörern besucht, außerdem in der neuen Lehrstätte für die Königstadt 5 Vortragsreihen von 548 Hörern und in der Lehrstätte Potsdam 2 Cyclen von 87 Hörern der verschiedensten Klassen; letztere beiden Zweiganstalten wurden erst im Februar und März d. J. begründet. — Die neuen Programme werden zu 10 ₰ ausgegeben in einer Anzahl bekannter Buchhandlungen, im Invaliden⸗ dank und in den Bureaux der Akademie: Unter den Linden 47, Pots⸗ damerstr. 116 a, Prinzenstr. 54 und Landsbergerstr. 32.
Die „Freie photographische 1u“ veranstaltet am Mittwoch, den 7. April, Abends 7 ½ Uhr, im Königlichen Museum für Völkerkunde ihren 59. Projektions⸗Abend. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag von Herrn Franz Goerke: „Reise⸗Tagebuchblätter eines Amateur⸗Photographen“.
„Reisebilder aus Kaschmir“ ist der Titel des neuen Projektions⸗ vortrages, welchen Herr Dr. Kronecker morgen zum ersten Mal in der alten „Urania“ (Invalidenstraße) halten wird.
Der bei der Station Wilmersdorf⸗Friedenau der Ringbahn be⸗ legene Spielplatz der Sportpark⸗Gesellschaft A.⸗G. wird bestimmt am 1. Mai für Radrennen, Football, Radfahrschule, Tennis⸗ spiele und alle anderen Sportarten eröffnet werden. Die Arbeiten
8 bereits weit vorgeschritten; immer aber bleibt noch viel zu thun,
odaß auch die Nächte zu Hilfe gensmmen werden müssen.
Lugos (Ungarn), 3. April. Der Temesfluß ist a
d Ufern getreten und hat einen Theil der Stadt überfluthet
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)
t vom 5. April, Weber.
Stationen. Wind. Wetter.
märchen.
Bar. auf 0Gr. u. d. M.
in 0 Celsius
Temperatur SOE 50C. —40 R.
wolkenlos halb bed. Schnee Schnee Schnee heiter Regen Regen
SSO
Belmullet. 8
Aberdeen. Christianfund 8 Kopenhagen. NNW Stockholm NNW — 8 N
t. Petersbg. S d757 O
Cork, Queens⸗ towwo 2759 SO Cherbourg . 761 KO sder 762 NO .769 N Hamburg. 759 NO winemünde 756 NW. Neufahrwasser 754 SW Memel 752 W He 11 ünster.. LI Karlsruhe. 759 NO Wiesbaden 759 NNW München 757 NW 1b 758 O 757 NW 752 NW
bedeckt 754 NNW bedeckt
Jle dAlr.. 762 WN J halb bed. Nihng ... 751 ? balb bed. 12 Trieft 8 still halb bed. 12
¹) Nachts Schnee. ²) Reif. ³) Nachts Schnee⸗ flocken. 4¹) Regen. ⁵) Gestern Vormittag Schnee Ie⸗ und Regen. ⁶) Regen und Schnee. 7) Reii. Sans⸗Gene. Uebersicht der Witterung. “
Meber ganz Europa hat der Luftdruck stark zu⸗ genommen; eine Zone hohen Luftdrucks erstreckt sich von den Shetlands südwärts nach der Iberischen Felbiasser während über dem Finischen Busen und üdwestlich von Irland Depressionen lagern. Bei schwacher Luftströmung aus nördlicher bis Richtung ist das Wetter in Deutschland kühl und heiter, vielfach fanden Niederschläge, meist in Form von Schnee statt; in Mitteldeutschland fanden meistens, an der Küste und im Süden stellenweise
Nachtfröste statt. ghea Deutsche Seewarte.
Maurer.
—-—9, deSgUe — dbo beüPEneNo —
Mascagni.
wolkig von G. Verga.
eiter halb bed. bedeckt wolkig ] wolkenl. /²) wolkig) Dunst wolkig wolkig⁴) halb bed. 5) Schnee6) Schnee Schnee?⁷)
rich IV. von Wrlliam
Bühne
do eoontotoee — ☛
S
boPace Pco-tote e
(Teja.
ö“
Breslau⸗- Bühne.
Donnerstag: Gebot.
In Civil.
Theater.
Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern⸗ haus. 83. Vorstellung. Der Freischütz. Ro⸗ in 3 Akten von Carl Maria v
Mehe Oichtung von Fen heehe; Morgens. eichnamigen Erzählung August Apel’'s). Dekorative 8 Fenrichtung vom Ober⸗Inspektor Brandt. Dirigent:
Kapellmeister Dr. Muck. öS Emil Götze, Königlicher Kammersänger, als Gas
Schauspielhaus. 94. Vorstellung. Das Winter⸗ Schauspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare, nach der Uebersetzung von Franz von Dingelstedt und Schlegel⸗Tieck. Musik von Friedrich von Flotow. Tanz von Emil Graeb. Regie: Ober⸗ Regisseur Max Grube. Dekorative Einrichtung vom Ober⸗Inspektor Brandt. Musikdirektor Wegener.
Mittwech: Opernhaus. Komische Oper in 3 Akten von Auber. Text nach dem Franzöͤsischen vom Freiherrn von Lichtenstein. — (Bauern⸗Ehre.) Oper in 1 Aufzug von Pietro Text nach dem gleichnamigen Volksstück Anfang 7 ½ Uhr Schauspielhaus. I. Theil. Shakespeare. Schlegel⸗Tieck'schen Uebersetzung für die deutsche bearbeitet von Anfang 7 ½ Uhr.
Deutsches Theater. Dienstag: Morituri.
Fritzchen.
Anfang 7 ½ Uhr. Mittwoch: Die versunkene Glocke. Donnerstag: Einsame Menschen.
Berliner Theater. Dienstag: Anfang 7 ½ Uhr. Mittwoch: Renaissance.
Zum ersten Male:
ssing · Theater. (Agnes Freund.
Mittwoch: Die Ehre. (Marx Loewenfeld als Gast.) Donnerstag: Niobe. (Agnes Freund.) — Hierauft:
Anfang 7 ½ Uhr.
Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Dienstag: Associés. Lustspiel in 3 Akten von Léon Gandillot. Deutsch von Max Schönau. Anfang 7 ½ Uhr.
Mittwoch: Associés.
Neues Theater. MDirretion: Sigmund Lautenburg. 1 — hehe des Herrn Willem Royaards vom Königlich . Niederländischen Theater in Amsterdam. Schauspiel in 4 Akten von Du Maurier und Potter, deutsch von E. Lederer. In Scene gesetzt von Sigmund Lautenburg.
Mittwoch: Trilby.
Kind (nach der Die gerechte Welt.
t.) Anfang 7 ½ Uhr.
weg. Anfang 7 ½ Uhr
Monde.
Musikalische Direktion: Anfang 7 ½ Uhr. 84. Vorstellung. Der
burg. Reif⸗Reiflingen.
Cavalleria rusticeana. Direktion: Julius Fritzsche.
Cyelus. Die Fledermaus.
95. Vorstellung. König Hein⸗ Schauspiel in 5 Aufzügen Mit Benutzung der Methusalem.
ilhelm Oechelhäuser.
Dresdenerstraße 72/73.
nant. A. Mars. G. Serpette und V. Roger.
Mittwoch: Frau Lieutenant.
Das Ewig⸗Männliche.)
8—
8 “ auf Probe. Kinder der
ren. Musik von Leopold Kuhn. Bentral⸗Theater.
Das neue tag: Emil Thomas a. G. Ein fideler Abend. in 1 Vorspiel und 3 Bildern und W. Mannstädt. Meistern, arrangiert Anfang 7 ½ Uhr.
Dienstag: Madame Gustav Kober.)
ruflich Sonntag, den 18. April.
Schiller⸗Theater. Dienstag, Abends 8 Uhr:
Theater des Westens. Kantstraße 12. (Bahn⸗ hof Zoologischer Garten.) Dienstag: Der Dornen⸗
Mittwoch: Zum ersten Male: Der Maunn im Donnerstag: Gastspiel des Herrn Gustav Kadel⸗ Freitag: Der Mann im Monde.
Theater Unter den Linden. Behrenstr. 5557. Dienstag: Strauß⸗ Komische Operette mit Ballet in 3 Akten von Meilhac und Halévy, bearbeitet von C. Haffner und Rich. Genée. Musik von Joh. Strauß. Anfang 7 ½ Uhr.
Mittwoch: 4. Abend im Strauß⸗Cyelus:
Thalia⸗Theater (vorm. Adolph Ernf Direktion: W. Hasemann. Dienstag: Viertletzte Aufführung.
Vaudeville in 3 Akten von Deutsch von H. Hirsche Anfang 7 ½ Uhr.
Sonnabend, den 10. April: Zum ersten Male: Posse in 3 Akten von Jean
Alte Jakobstraße 30. Direktion: Richard Schultz. Vorletzte Woche. Diens⸗ Leopold Deutsch a. G. Burleske dramatische Revue von J. Musik von verse von Julius Einödshofer.
Mittwoch und folgende Tage: Ein sideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen⸗Saison unwider⸗
Saal Bechstein. Dienstag, Anfang 7 ½ Uhr: Konzert von Marguérite Dongrie (Violine).
Mittwoch, Abends 8 Uhr: Die Bildhauer 1
Birkus Renz. Karlstraße. Nur noch kurze Zeit! (Jubiläums⸗Saison 1896/977.) Diensta Abends 7 ½ Uhr: Gala⸗Vorstellung. schlagender Erfolg! Aus der Mappe ein Riesengebirgs⸗Phautasten. Außerdem: 6 Tra⸗ kehner Fuchshengste, dressiert und vorgeführt von Hugo Herzog. Die 4 Jahreszeiten, hohe
chule, geritten von 4 Damen. Mr. Gaberel mit dem Schulpferde Albarac. Erstes Auf⸗ treten der berühmten Künstler⸗Familie Agoust vom Krystall Palast in London, in einer neuen und originellen Jongliersceune, betitelt: Ein Pariser Restaurant.
Mittwoch, Abends 7 ½ Uhr: Aus der Mappe eines Niesengebirgs⸗Phantasten. Auftreten der berühmten Künstler⸗Familie Agoust.
11311214*“ Familien⸗Nachrichten.
Verlobt: Frl. Wally Schmidt mit Hrn. Prem.⸗ Lieut. Eberhard Heinrich (Berlin). — Frl. Margarete Rausch mit Hrn. Prem.⸗Lieut. Hans von der Hardt (Nordhausen — Posen). — Frl.
Frau Lieute⸗
8 Ferrier und . Musik von
Klose (Hannover).
Frl. Helene Bielenberg (Hamburg).
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Regierungs⸗Rath Frhrn. Schenk zu Schweinsberg GCasseh) — Eine Tochter: Hrn. Garnison⸗Pfarrer Keßler (Pots⸗ dam). — Hrn. Lieut. Wolf von Flotow (Hannover)
Gestorben: Lady Mary Lascelles, Gemahlin des großbritannischen Botschafters Sir Frank Lascelles
reund von Graeve (Dresden). — Hr. General Lieut
edenen
Sophie von Bredow, geb. von Knoblauch (Ihlow). — Hr. Lippold Frhr. von Bredow (Wagenitz, Mark). — Hr. Rechnungs⸗Rath a. D. Gustav Gebhardt (Berlin). — Hr. Geheimer Kommissions⸗ Rath Albert Fürstenheim (Cöthen). — Hr. Land-
Konzerte.
Schiffbauerdamm 4 a./5. Dienstag: Gast⸗ schafts⸗Abend.
Trilby. Mittwoch, den 7. April,
Anfang 7 ½ Uhr. maunn.
Sing-Akademie. Dienstag, Anfang 8 Uhr:
Konzert von Rose Ettinger (Gesang). wirkung: Fräulein Leonora Jackson (Violine).
Konzerthaus. Karl Meyder⸗Konzert. Dientag, den 6. April, Abends 7 ½ Uhr: Gesell⸗ in
Abends 7 ½ Uhr: 6000. Konzert, unter gütiger Mitwirkung von Frau Professor Niklas Kempner, Fräulein Ottilie Lichterfeld und des Herrn Direktor C. F. Witt⸗
messer Fritz Maruhn (Breslau). — Fr. Pastor Toni Neugebauer, geb. Barchewitz (Klein⸗Bresa). — Hr. Rittergutsbesitzer Otto Held (Pitzerwitz). Mit⸗ — Hr. General⸗Landschaftsrath a. D. Dr. Bern⸗
hard Aschenheim (Königsberg i. Pr.)
Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin.
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.
Neun Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
Erste Beilage
8
5. April
8 Berlin, Montag, den
Berichte von deutschen Fruchtmärkten.
Qualität
Durch⸗ Am vorigen
gering b
mittel gut
schnitts. Markttage
(100 kg)
Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner
Ver⸗ preis kaufs⸗ werth
für 1 Doppel⸗
nie höch⸗ nie⸗ höch⸗ nie⸗ drigster ster drigster ster drigster
ℳ E ℳ 46
höch⸗ zentner 8 ster zentner
(Preis
ℳ ℳ unbekannt)
Durch⸗
Marie Lohmann mit Hrn. Gerichts⸗Assessor Alfred Verehelicht: Hr. “ von Stern⸗Tüschow mit
E“ — — rankfurt a. O. — — ö. 15,30 15,40
Bromberg. — —
Aschersleben 13,50 14,40
— 15,25 17,00 18,00 15,86
“ 16,29 15,67
München. Straubing 16,00 14,60 14,70 15,60
Regensburg 15,60 16,10
Meißen. Großenhain j 16,20 17,00 17,50 15,60
Offenburg . Braunschweig Breslau..
Plauen . 13,80
Ulm. 16,00
. 2. * 8 * *. A „2 2 * 2 82 2* *
11,20 11,60 11,00
11,80
16,60 14,322 13,57 11,00 11,50
1 SS
Insterburg. — Frankfurt a. O.. Stolp.. Stargard. Bromberg. Aschersle en
Kiel
München. Straubing. Regensburg Meißen. Großenhain . Bautzen. 16 Offenburg . . Braunschweig. Breslau 1
W1i“
— — Se bo SoœS —2S
15,22
S I2 SSllI
˙5˙52s 11e8“
14,70 15,50
82
Insterburg. Stolp. .. Bromberg . Aschersleben E1X““ München ... Straubing .. Regensburg Meißen. Großenhain . 2, — “ 1“ 2 Bautzen. “ — . 13,64
E“ 11,00
13,60 11,20 11,80
16,00 13,50 15,00
13,50
13,00 10,85 14,40
12,20 13,85
14,26 13,00 11,20
Offenburg b Breslau
(Sa aaana auaa a a u
α
Insterburg e““ Frankfurt a. O. Stolp “ Stargard Bromberg. Aschersleben EI“ München. Straubing Regensburg Meißen.. Großenhain Plauen . . Bautzen II Offenburg .. Braunschweig. Breslau . .
12,40 13,40 12,70
11,60 13,00 1250
11,20 12,20 12,70
17,00 17,31 16,67 12,00 13,00
14,40 14,85 15,05 11,50 12,50
12,00 13,63 13,44 11,00 12,00
13,30 13,00
11,00
12,80 13,82
12,00 10,00
13,00
Avv111e1ö14*“
Weizen.
Hafer.
gen.
r st e.
14,75 15,60 15,50 15,78
15,40 19,00 17,09 16,50 15,10 15,75 15,50 16,78 18,00
16,30
11,00 50 11,40 8 11,80 513 11,40 355 10,90 655
12,25 2 18,60 3 379 16,91 585 14.29 311 11,80 8 11,75 . 12,00 1 11,50 1 280 17,00 540 14,00 205
16,20
13,90 13,78 11,20
16,35 13,54 14,46
13,90 49 14,00
12,00 17,60 14,80 16,15 13,50
12,90 13,80 16,00 14,00 11,60
13,51 14,26 13,11
13,60 12,27 12,86 12,45
13,60 13,00 13,60 13,00 13,00 13,20
13,00 19,60 20,45 18,28 13,00 14,80 3
13,00 13,80 13,25 13,82
16,00 13,61
17,35 17,35 16,10
14,00 15,40
Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt. Der Durch⸗
schnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.
Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Prei Punkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß entsprechender Bericht fehlt.
(Berlin). — Hr. Rittmeister a. D. Rudolph Edler
z. D. Karl von Below (Wiesbaden). — Hr. General⸗Lieut. z. D. Patrunky (Lindheim). — Fr.
Deutscher Reichstag. 205. Sitzung vom 3 April 1897, 12 Uhr.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Geschäftsordnungs⸗
fragen.
Die Geschäftsordnungs⸗Kommission beantragt, dem § 57, welcher von den namentlichen Abstimmungen han⸗ delt, einen Zusatz zu geben, wonach Anträge auf namentliche Abstimmung über die Vertagung oder den Schluß der Debatte nur durch Aufstehen unterstützt werden können. Es handelt sich darum, daß solche Anträge über Geschäftsordnungsfragen nur von vemesendan gestellt und unterstützt, Anträge auf namentliche Abstimmung über materielle Fragen aber auch von Abwesenden schriftlich unterstützt werden können.
Ueber die Aeußerungen der Angg. Dr. Pieschel (nl.), Dr. Bachem (Zentr.), Gamp (Rp.), Dr. von Levetzow (d. kons.) und Dr. von Cuny (nl.) zu dieser Frage wurde bereits am Sonnabend berichtet.
Abg. Singer (Soz.): Es muß bei wichtigen Fragen die Mög⸗ lichkeit geschaffen werden, daß auch die nicht Anwesenden auf eine namentliche Abstimmung hinwirken, damit die Abstimmung der Ab⸗
eordneten für die Oeffentlichkeit festgenagelt wird. Eine Be⸗ inderung der Geschäfte ist damit nicht immer beabsichtigt; eine solche kann durch Bezweiflung der Beschlußfähigkeit viel leichter bewirkt werden. Wir wollen die Rechte der einzelnen Volksvertreter nicht beschränken, denn schließlich würde ein solches Vorgehen zur Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer führen. Man sollte von der namentlichen Abstimmung viel mehr Gebrauch machen, als es jetzt eschieht. 4 8s Abg. Richter (fr. Volksp.): Ein Mißstand ist allerdings vor⸗ handen: die mangelhafte Präsenz infolge der Diätenlosigkeit. So lange dieser Mißstand bleiben wird, so lange wird es nicht besser werden. Bei materiellen Anträgen werden durch Vollmacht der Fraktionsführer die Namen aller Fraktionsmitglieder unterschrieben. Bei formellen Anträgen, bei Anträgen auf namentliche Abstimmung sind niemals die Fraktionslisten unterschrieben, sondern die Unterschriften sind im Saale gesammelt worden. Blanketts sind zu anderen Zeiten sehr ebräuchlich gew sen; ich erinnere nur an die berüchtigten gedruckten chlußanträge. Das ist ein Mißbrauch der Blanketts. Die Sache geht zuletzt auf die Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer des Reichs⸗ tages hinaus. Das wäre für das Zentrum bedenklich. Die — Beschwerden sind entstanden bei Gelegenheit des Bürgerlichen Gesetz⸗ buchs, welches wir auch gewollt haben; aber wir wollten die For⸗ cierung nicht, und deshalb wehrten wir uns mit den Mitteln der Ge⸗ schäftsordnung, die vielleicht sonst nicht angewendet werden.
nzeiger und Königlich Preußischen
Abg. Dr. Osann (nl.) beantragt die Zurücküberweisung der ganzen
Sache an die Kommission. — Abg. Dr. Bachem (Zentr.): Diejenigen, welche das passive
Wahlrecht schützen wollen, müssen dafür sorgen, daß die Verhand⸗ lungen des Reichstages nicht allzu lange ausgedehnt werden; denn es giebt nur wenige Mitglieder, welche sieben Monate hier in Berlin an⸗ wesend sein können.
Die Zurücküberweisung an die Geschäftsordnungs⸗Kom⸗ mission wird abgelehnt und der Antrag der letzteren einstimmig genehmigt.
Es folgt die dritte Berathung der Anträge wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes bezw. wegen Aufhebung des § 2 dieses Gesetzes.
Ohne Debatte wird der Antrag des Grafen Hompesch auf Aufhebung des Jesuitengesetzes genehmigt. Der Antrag Graf Limburg⸗Rickert wegen Aufhebung des §2 dieses Gesetzes wird gegen die Stimmen der Reichspartei und eines Theils der Deutschkonservativen angenommen.
Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung des E“ etreffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und ihren Ersatzmitteln, welcher vom Zentrum und den Konservativen beantragt ist.
Die namentliche Abstimmung über § 4 (Gebot getrennter Verkaufsräume) ergiebt die Beschlußunfähigkeit des Hauses; es betheiligen sich an derselben nur 189 Mitglieder, während 199 zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Dafür stimmen 116, dagegen 73 Abgeordnete.
Schluß 3 ¼ Uhr. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. (Antrag wegen Aufhebung des Kommunalsteuer⸗Pri ilegs der
8
Offiziere; zweite Lesung des Handelsgesetzbuchs.)
Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.
9 64. Sitzung vom 3. April 1897. 18
Auf der Tagesordnung steht die zweite Berathung Entwurfs einer Landgemeindeordnung für die gg ro⸗ vinz Hessen⸗Nassau.
Ueber den ersten Theil der Verhandlungen ist vorgestern berichtet worden.
Im § 45 wird über die Verwaltung der Landgemeinden Bestimmung getroffen. Die Verwaltung soll durch den Bürger⸗ meister und zwei bis sechs Schöffen geführt werden. Die Regierungsvorlage bestimmte ferner, daß in Gemeinden mit mehr als 1200 Einwohnern durch Ortsstatut ein kollegialischer ...e. s2, (Gemeinderath) eingeführt werden könne. Die Kommission hat dafür vorgeschlagen: In Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnern wird ein kollegialischer Gemeinde⸗ vorstand (Gemeinderath) gebildet.
Abg. von Pappenheim (kons.) beantragt die Wieder⸗ herstellung der Regierungsvorlage, jedoch mit der Aenderung, daß statt „1200“ die Zahl „500“ eingesetzt wird.
Minister des Innern Freiherr von der Recke: Meine Herren! Der Herr Berichterstatter hat schon hervor⸗ gehoben, daß die Frage der Gestaltung des Gemeindevorstandes in den Landgemeinden zu den bestrittensten in den Verhandlungen der Kommission gehört habe. Sie ist in der That eine der Klippen, die noch umschifft werden muß, wenn es uns gelingen soll, das Schiff glücklich in den Hafen zu bringen. Ich muß leider erklären, meine Herren, daß die Fassung, welche der § 45 in der Kommission erhalten hat, der Staatsregierung zu erheblichen Bedenken Veranlassung giebt und daß dieselbe geeignet ist, den Gesetzentwurf auf das ernstlichste zu gefährden.
Meine Herren, die Königliche Staatsregierung geht von der Auf⸗ fassung aus, daß für die Landgemeinden, selbst für die größeren, die bureaukratische Verfassung die richtige sei. Sie ist der Meinung, daß ein so kompliziertes Verwaltungssystem, wie ein kollegialischer Gemeindevorstand und eine Gemeindevertretung daneben, zweckmäßiger⸗ weise nicht geschaffen werden sollte. Die Regierung hat bis jetzt auch konsequent daran festgehalten, bei ihren Gesetzgebungswerken diese Auffassung zur Geltung zu bringen. Sie finden diese Kon⸗ struktion auch in der östlichen Landgemeindeordnung, der peuesten Gesetzgebung auf diesem Gebiete, und wenn darin zu Gunsten der größeren Landgemeinden eine Ausnahme gemacht worden ist, indem man fakultativ für diese eine kollegiale Verfassung zugestand, so ist dies, wie sich aus den Kommisstonsberathungen ergiebt, lediglich mit Rücksicht auf die großen Vorortgemeinden, insbesondere bei Berlin, geschehen. Sie finden das bureaukratische Prinzip auch in der nichtpreußischen Gesetzgebung im Westen, in dem Großherzogthum Hessen, wo das Prinzip vollständig unverfälscht zum Ausdruck ge⸗ kommen ist. Sie finden es auch in der von dem Herrn Abg. Kircher gestern so gepriesenen Meiningischen Landgemeindeordnung, in welcher man es ebenfalls für nothwendig gehalten hat, allen Landgemeinden eine bureaukratische Verfassung zu geben.
Man wendet uns nun ein, die Forderung der Regierung, auch i der Provinz Hessen⸗Nassau die bureaukratische Verfassung zur Geltun zu bringen, bedeute einen Vorstoß gegen die Selbstverwaltung. Ma behauptet ferner, man erziehe sich dadurch der Regierung gefügig Bürgermeister und man gefährde endlich damit eine sichere Ver⸗ waltung des Gemeindevermögens. Sämmtliche Einwendungen, meine Herren, sind meines Erachtens nicht zutreffend. Den ersten Vorwu würde man vielleicht mit Recht erheben können, wenn man sich i diesem Gesetzgebungswerke lediglich darauf beschränkt hätte, eine großen Theil der Funktionen, die bis jetzt der Gemeinderath hat, auf de Bürgermeister zu übertragen, ohne zugleich eine Gemeindevertretung ein zuführen. Das ist aber, meine Herren, durchaus nicht der Fall. Wi haben, dem Wunsche der Gemeinden entsprechend, ihnen eine größer Bewegungsfreiheit zu geben und sie insbesondere von vielen lästige Aufsichtsrechten loszulösen, eine große Reihe derjenigen Funktionen die früher dem Gemeinderath oblagen, der Gemeinsevertretung über tragen, sodaß also jetzt die Gemeindevertretung im eigentlichen Sinne die Beschluß fassende Behörde geworden ist, und daß der Bürger meister im wesentlichen sich darauf zu beschränken hat, die Beschlüsse
8