Schwarzburg⸗Sondershausen.
Der Landtag ist gestern in Sondershausen zusam getreten und im Auftrage Seiner Durchlaucht des Fürsten durch den Staats⸗Minister Petersen eröffnet worden. In der Eröffnungsrede bemerkte der Minister: Die Session werde voraussichtlich nur von kurzer Dauer sein, die Staatsregierung hege jedoch die Erwartung, daß der Landtag im nächsten Monat zu einer längeren Session zusammentreten werde. Es 23 sich jetzt hauptsächlich um die Vor⸗ lage eines Gesetzes über die Lotterie. Vor einigen Jahren sei
bereits über ein Lotterie⸗Gesetz im Landtage berathen worden, das⸗ selbe sei damals jedoch nicht zur Annahme gelangt. Die Verhält⸗ nisse hätten sich seitdem wesentlich verändert, sodaß die An⸗ gelegenheit nunmehr zum Austrag gebracht werden müsse. Die begleitenden Umstände seien vielfach sekreter Natur, sodaß die Staatsregierung auf geheime Berathung der Angelegenheit Werth legen müsse. 8
Oesterreich⸗Ungarn.
Die „Wiener Zeitung“ vom heutigen Tage veröffentlicht das folgende Kaiserliche Handschreiben:
„Lieber Graf Badeni, im Namen des gesammten Ministeriums haben Sie Mir unter Darlegung der Umstände, welche sich der Her⸗ stellung fester parlamentarischer Verhältnisse zur Zeit entgegenstellen, die Demission des Kabinets angeboten. Ich nehme diese Demission nicht an, da Ich Gewicht darauf lege, daß eine von Mir gewählte Regierung unbeirrt durch zeitweilige Partei⸗ schwierigkeiten ihre Thätigkeit ausschließlich durch das allgemeine staat⸗ liche Interesse bestimmen lasse. Indem Ich Sie und die Mitglieder des Kabinets der Fortdauer Meines vollsten Vertrauens versichere,
erwarte Ich, daß das Ministerium auch künftig mit patriotischer Hin⸗
gebung und nachdrucksvoller Festigkeit die Geschäfte führen und un⸗ ntwegt an jenen Grundsätzen festhalten wird, welche in der bei seinem mtsantritt abgegebenen programmatischen Erklärung und ia der
Thronrede vom 29. März enthalten sind.“
Das heute erschienene Amtsblatt veröffentlicht, wie W. T. B.“ meldet, zwei Verordnungen der Minister es Innern, der Justiz, der Finanzen, des Handels nd des Ackerbaues vom gestrigen Datum. Die erste etrifft die sprachlichen Qualifikationen der bei en böhmischen Behörden angestellten Beamten
g. daß die nach dem 1. Juli 1901 anzu⸗
Beamten der genannten Ressorts die Kenntniß
beider Landessprachen in Wort und Schrift nachzu⸗ eisen haben: entweder bei der bisher vorgeschriebenen praktischen Prüfung oder bei einer Prüfung ad hoc, der sich er Bewerber spätestens 3 Jahre nach seinem Dienstantritt nterziehen muß. Eine weitere Verfügung schreibt vor, daß ach Thunlichkeit für die Besetzung der Behörden durch prachkundige Beamte nach Maßgabe des Bedürfnisses Vorsorge zu reffen ist. Die zweite Verordnung betrifft den Gebrauch er Landessprache bei den böhmischen Behörden der genannten Ressorts und verfügt im wesentlichen, daß
m Strafgerichtsverfahren, im Fvilgerichtsverfahren so⸗
wie bei allen Erledigungen und Entscheidungen sowohl die
Verhandlungen als auch die Erkenntnisse in derjenigen der
beiden Landessprachen zu erfolgen haben, deren sich die Partei
bedient. Für den Verkehr mit den Behörden außer Landes und en Zentralstellen bleiben die bestehenden Vorschriften in
Geltung. Die Sprache der Militärbehörden und der
Gendarmerie bleibt durch die Verordnung unberührt. Die
Verordnung ist sofort in Wirksamkeit getreten.
b Wie die „Politische Korrespondenz“ erfährt, wird sich der
russische Botschafter Graf Kapnist am 17. d. M. nach St.
Petersburg begeben, um während des Besuches des Kaisers
von Oesterreich am russischen Hofe anwesend zu sein.
Der Justizausschuß des ungarischen Unterhauses
erieth gestern den 8. über die Geschworenen⸗ gerichte und nahm denselben einstimmig an. Der Bericht⸗ erstatter Chorin hob die Bedenken gegen die Bestimmung hervor, welche den Justiz⸗Minister ermächtigt, die Geschworenen⸗ gerichte im ganzen Lande oder in einem Theil desselben auf⸗ zuheben. Der Se von Erdély erklärte sich bereit, dieselbe fallen zu lassen, um die einstimmige Annahme der
Vorlage zu ermöglichen.
Im Verlaufe einer gestern in Budapest abgehaltenen
Konferenz im Klub der liberalen Partei erklärte der
Minister⸗Präsident Baron von Banffy: er werde heute im
Unterhause die Einsetzung eines Ausschusses von 15 Mit⸗
beantragen, welcher zur Beseitigung der bei der In⸗ ompatibilitätsfrage aufgetauchten Schwierigkeiten die Vor⸗
berathung eines Gesetzentwurfs übernehmen solle, der einerseits enügende Gewähr dieten müsse, daß nicht Personen vom arlament ausgeschlossen würden, deren Mitgliedschaft im In⸗ teresse des Landes nothwendig sei, andererseits aber auch Vor⸗ sorge treffen müsse, daß sich in der Gesetzgebung keine un⸗ berechtigten Einflüsse geltend machen könnten. Die Erklärung wurde beifällig aufgenommen.
Großbritannien und Irland.
Das Oberhaus genehmigte gestern die zweite Lesung der Bill, betreffend die Militärbauten, und die dritte Lesung der Schulvorlage.
Im Unterhause bemerkte der Parlaments⸗Sekretär des Aeußern Curzon, daß alle Mächte mit Ausnahme Deutschlands auf Kreta durch ein Truppenkontingent und alle Mächte ohne Ausnahme durch einen Theil ihrer Seemacht vertreten seien. Die Regierung habe keine amtliche Erklärung der Gründe erhalten, warum die deutsche Regierung die Sendung eines militärischen Kontingents unterlassen habe. Daß Deutsch⸗ land die Anschauungen und das Vorgehen des europäischen Konzerts theile, sei durch die Entsendung eines Kriegsschiffs bewiesen. Curzon erklärte ferner, die Regierung habe keine Kenntniß davon, daß irgend eine Macht direkte Verhandlungen 328 der türkischen und der griechischen Regierung zu ver⸗
indern gestrebt habe, auch habe die Regierung nie von solchen direkten Unterhandlungen gehört. Sir W. Harcourt richtete die Anfrage an die Regierung: erstens, zu welchem Zeitpunkte die türkischen Truppen aus Kreta würden zuruckgezogen werden; sodann ob die Absicht bestehe, britische Strätbebfte bei der Blockade Griechenlands zu verwenden, und schließlich ob die Regierung über die gegenwärtige Lage auf Kreta und in Griechenland wie auch über ihre Politik in Bezug hierauf eine Mittheilung machen wolle. Der Erste Lord des Schatzamts Balfour erwiderte unter Beifalls⸗ rufen der Ministeriellen, daß die Regierung der Pforte die Räthlichkeit der Zurückziehung der türkischen Truppen vor⸗ gestellt habe. Die Zurückziehung werde ohne Zweifel schließlich er⸗ reicht werden; ein Zeitpunkt könne nicht festgesetzt werden, aus
l keinem anderen Grunde, als weil gegenwärtig nicht genug euro⸗
päische Truppen auf Kreta seien, um die mohamedanischen Nichtkombattanten zu beschützen und über die bewaffneten Irregulären eine Kontrole auszuüben. Wenn es für die Aufrechterhaltung des Friedens nöthig sei, werde die Regierung nicht zögern, sich den anderen Mächten bei einer Blockade Griechenlands anzuschließen; inzwischen sei seitens der Mächte in Athen und in Konstantinopel eine allgemeine Erklärung abgegeben worden, durch welche die Aufrechterhaltung des Friedens erreicht werden dürfte: eine Erklärung, welche dahin gehe, daß im Falle eines Konflikts an der Grenze der angreifende Theil als verantwortlich für alle Folgen der Störung des allgemeinen Friedens, auf welchen die Mächte das höchste Gewicht legten, werde angesehen werden, und daß, was immer die Folgen des Kampfes sein möchten, die Mächte nicht zugeben würden, daß der angreifende Theil auch nur den kleinsten Vortheil daraus ziehe. Sir W. Harcourt verlangte alsdann eine Antwort auf den dritten Theil seiner Anfrage. Hierauf erwiderte der Erste Lord des Schatzamts Balfour, daß das Haus alles Material besitze, welches über die Thatsachen bezüglich Kretas und über die auf die Erhaltung des Friedens auf dem Festlande ge⸗ richtete Politik der Regierung Aufschluß gebe. Sir W. Harcourt entgegnete nunmehr: Da ihm sehr daran gelegen sei, eine volle Darlegung der beabsichtigten Politik der Re⸗ gierung zu erhalten, und Balfour nicht bereit sei, eine solche Mittheilung zu machen, so kündige er einen Antrag an, welcher eine Erörterung der Lage herbeiführen werde. Er wolle eine Adresse an die Königin beantragen, in welcher darum gebeten werde, daß britische Streitkräfte nicht gegen Griechenland oder das Volk Kretas verwendet werden möchten. Der Erste Lord des Schatzamts Balfour fragte hierauf Sir W. Harcourt unter Beifallsrufen aus dem Hause, ob er hiermit ein bestimmtes Tadelsvotum beantragen wolle. In diesem Falle, aber sonst nicht, werde er die Sitzung am nächsten Donnerstag für die beantragte Debatte einräumen. Sir W. Harcourt gab zur Antwort, sein Zweck sei, von der Regierung eine Mittheilung zu erlangen, ähnlich den in anderen Ländern emachten Mittheilungen, um sich ein Urtheil über die Ab⸗ ichten der Regierung bilden zu können und das Haus um seine Meinung darüber zu befragen. Gegenwärtig wisse er nicht, ob die Regierung britische Streitkräfte gegen Griechen⸗ land oder das Volk von Kreta zu verwenden beabsichtige oder nicht; er hoffe, daß sie diese Absicht nicht habe. Sein Antrag bezwecke kein Tadelsvotum, aber vom Standpunkte der Oppo⸗ sition sei es nöthig, die Ansicht des Hauses darüber zu er⸗ langen, ob die Politik der Regierung eine richtige und weise sei; nach der Ansicht der Opposition sei sie das nicht. Sein einziger Wunsch sei, eine volle Darlegung zu erhalten; wenn der Erste Lord des Schatzamts eine solche zugesagt hätte, würde er seinen Antrag nicht angekündigt haben. Es sei ihm unmöglich zu sagen, ob derselbe ein Tadelsvotum bedeute. Nunmehr erklärte der Erste Lord des Schatzamts Balfour, keine weitere Debatte werde zur Erlangung weiterer Auskunft von der Regierung führen können. enn Sir W. Harcourt lediglich wuͤnsche, daß die Regierung ihre frühere Darlegung wiederhole, so sei eine Unterbrechung der Geschäfte des Parlaments nicht nöthig; wenn indessen der Antrag Sir W. Harcourt's auf der Tagesordnung erscheine, werde er den⸗ selben in weitere Erwägung ziehen. Seine gegenwärtige An⸗ schauung sei, daß, wenn Sir W. “ nicht ein Tadels⸗ votum es nicht angemessen wäre, weitere Zeit mit zwecklosen Debatten hinzubringen. Diese Bemerkung be⸗ antwortete Sir W. Harcourt mit der Erklärung, daß er einen Antrag auf die Tagesordnung bringen werde. Hierauf wurde der Gegenstand verlassen. Der Vize⸗Präsident des Unterrichts⸗Departements Sir John Gorst befürwortete die Bill, betreffend die Unterstützung bedürftiger School⸗Boards⸗ Schulen. Der geforderte Betrag beläuft sich auf 154 000 Pfd. Sterl.
Frankreich. T11X“
Der Senat setzte gestern die Berathung der Vorlage, betreffend die Zuckersteuer, fort und nahm sämmtliche Artikel des Enrwurfs, sowie schließlich mit 156 gegen 80 Stimmen die Vorlage im Ganzen an. Ein von Buffet gestellter Antrag, wonach der Betrag der Prämien auf sucres indemnes (als Ueberschuß über das Rendement oder als Fabrikationsabfall gewonnenen e vorweg erhoben werden sollte, wurde vom Minister⸗Präsidenten Méline bekämpft und mit 146 gegen 110 Stimmen abgelehnt.
Die Deputirtenkammer nahm infolge einer Inter⸗ pellation über gewisse Mißbräuche bei der strafgerichtlichen Untersuchung mit 317 gegen 130 Stimmen eine von der Regierung genehmigte Tagesordnung an, durch welche die Unzuträglichkeiten des geheimen Untersuchungsverfahrens an⸗ erkannt werden. Der Deputirte Sise brachte ein Amendement zur Kreditvorlage des Marine⸗Ministers ein, in welchem 200 Millionen für Neubauten verlangt werden, die auf vier oder fünf Annuitäten zu vertheilen wären.
Die Marine⸗Kommission wird übermorgen die Kreditvorlage des Marine⸗Ministers Besnard
“ RNußland. . Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus St. Petersburg, daß die Mächte den Vorschlag des Grafen Murawjew angenommen hätten, sowohl Griechenland als auch die Türkei zu benachrichtigen, daß, wenn einer der beiden Theile angriffsweise an der Grenze vorgehe, der angreifende Theil verantwortlich Prnch und ihm nicht gestattet werden solle, den geringsten Vortheil aus einem solchen Vorgehen zu ziehen. Eine diesen Beschluß enthaltende Note sei an die Regierungen beider Länder gesandt worden; inzwischen solle die Blockade nicht sofort durchgeführt werden.
Tärkei.
Infolge der Bemühungen des bulgarischen diplomatischen Agenten Markow hat, dem Wiener „Telegraphen⸗Korrespon⸗ necsendupen zufolge, der Sultan ein Frade erlassen, be⸗
treffend die Errichtung einer bulgarischen Schule in Guͤmüldschina und einer bulgarischen Kirche in Sketscha (Vilajet Adrianopel).
er Bazar von Skutari (Albanien) ist, da man weitere Ruhestörungen befürchtet, noch immer geschlossen. Die Kon⸗ sulate werden noch von Truppen bewacht.
Bei Gusinje hat ein Konflikt zwischen Türken und Montenegrinern sattgesanden, welcher auf türkischer Seite militärische Vorkehrungen veranlaßt hat.
Aus Kanea meldet „W. T. B.“, daß die Admirale den Major Bor mit der Vornahme einer Untersuchung über
8 1“ die angebliche Wiederbewaffnung der Türken von Selino sowie über den Verbleib der den befreiten Türken von Kantano abgenommenen Waffen und der 5000 Gewehre, welche in den Regierungsdepots ordnungsgemäß vorhanden sein müssen, betraut hätten. Die Untersuchung solle sich ferner auf die Maßnahmen erstrecken, welche zur Fort⸗ bringung der mohamedanischen Flüchtlinge außerhalb Kretas ergrifften werden könnten. — Von Subaschi her, das der Hauptmann Perignon besetzt hält, wurden gestern Kanonen⸗ schüsse vernommen. — Heute sollen je 500 britische Soldaten in Kanea und in Kandia ausgeschifft werden.
Der „Standard“ berichtet aus Kanea, daß die Admirale gestern über die Einzelheiten der in Vorschlag gebrachten Blockade des Golfs von Athen berathen hätten. Der Admiral Canevaro habe die Mittheilung gemacht, daß ihm von der italienischen Regierung die Weisung zugekommen sei, nicht als ältester Offizier der internationalen Flotte zu fungieren. 1
In Athen eingetroffenen Meldungen aus dem Lager des Obersten Vaffos zufolge hätten sich am Sonnabend zwei europäische Offiziere in das Lager begeben, um über die Freilassung der bei Malaxa gefangen genommenen Türken zu unterhandeln. Der Oberst Vassos habe erklärt, er könne dieselben nur unter der Bedingung ausliefern, daß ein aus⸗ wärtiges Schiff sie nach einem Hafen außerhalb Kretas bringe. Das betreffende Protokoll solle durch den Obersten Vassos und einen Delegirten der Admirale unterzeichnet werden. Die Entscheidung der Admirale sei noch nicht bekannt.
Wie die „Daily News“ aus Kanea melden, wird von den Admiralen der Plan berathen, die ganze Insel Kreta von den Konsuln bereisen zu lassen, um die Aufständischen mit den Absichten der Mächte bekannt zu machen.
Griechenland.
Der Kronprinz hat, wie „W. T. B.“ meldet, gestern anläßlich des heutigen nationalen Festes folgenden Befehl an die Truppen erlassen:
„Offiziere und Soldaten! Im Hinblick auf den morgigen Feier⸗ tag befehle ich, daß alle unter meinem Kommando stehenden Truppen an diesem Tage eine sehr zurückhaltende Haltung zeigen und sich nicht durch die Erinnerung an den ruhmreichen Tag bhinreißen lassen sollen. Ich bin überzeugt, daß meine Befehle werden respektiert werden! Konstantin.“
Aus Athen wird berichtet, der türkische Befehlshaber an der thessalischen Grenze habe eine dem Befehl des Kron⸗ prinzen entsprechende Verordnung erlassen, durch welche die
Stationschefs für jeden Zwischenfall verantwortlich gemacht
werden. Das Abfeuern von Kanonenschüssen anläßlich des Nationalfestes sei bis in weit von der Grenze entfernt liegende griechische Orte verboten worden, um jeden dette ken Zwischenfall zu vermeiden. “ 8 1.“
Rumänien.
Die Session des Parlaments ist bis zum 10. d. MNM.
verlängert worden. Das allgemeine Budget für 1897/98 wurde von der Deputirtenkammer nahczu angenommen.
8 8 8 Serbien. 9
Der König wird sich, dem „W. T. B.“ zufolge, bald nach
Ostern zum Besuch de
rn Fürsten von Montenegro nach Cetinje begeben.
Amerika.
Das „Reuter'sche Bureau“ meldet (Chile), der Präsident Errazuriz habe die angebotene De⸗ mission des Kabinets abgelehnt.
Der Gouverneur von Obok Lagarde, welcher mit einer offiziellen Sendung an den König Menelik betraut wurde, ist, wie aus Paris gemeldet wird, in Entotto eingetroffen.
Nach einer amtlichen Meldung des General⸗Gouverneurs Mouzinho de Albuquerque aus Mozambique ist der in Gazaland (siehe Nr. 78 d. Bl.) nur ein theil⸗ wei
Der „Times“ wird aus Kapstadt berichtet, daß der Volks⸗ raad des Oranje⸗Freistaats sei gestern eröffnet worden ist.
In seiner Eröffnungsrede habe der Präsident die Frage
engeren Anschlusses an Transvaal besprochen und erklärt, da die in der jüngst stattgehabten Konferenz getroffenen Verein⸗ barungen ohne Zweifel wuͤrden ratifiziert werden.
Parlamentarische Nachrichten.
Die Schlußberichte über die gestrigen Sitzungen des Reichstages und des Hauses Abgeordnete 3 finden sich in der Ersten Beilage. 8
— In der heutigen (207.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Reichs⸗Justizamts Dr. Nieberding beiwohnte, wurde die zweite Berathung des Hand 2. im dritten Abschnitt des zweiten Buches: „Aktiengesellschaften“, fortgesetzt.
Zu § 238 hat die Kommission folgenden Zusatz gemacht:
„Die Mitglieder des Vorstandes und die Beamten der
Wefelscgpft dürfen an der Wahl des Aufsichtsraths nicht theil⸗ nehmen.“ b
Abg. Freiherr von Stumm (Reichsp.) beantragt, diesen Zusatz dahin zu ändern, daß er nur für Aktiengesellschaften gelte, deren Aktien nicht auf Namen lauten. Er sei eigentlich für die Streichung des ganzen Zusatzes, weil der Fommissionsbeschluß ein Schlag ins Wasser sei bei den Aktiengesellschaften, deren Aktien an der Börse gehandelt würden; denn die Seemeün brauchten dann ihre Aktien nur an einen Stell⸗ vertreter abzugeben, der in ihrem Sinne wäbhlen solle. Anders liege die Sache aber bei den Familien⸗Aktiengesellschaften, wo die Leiter des Betriebes einen großen Theil der auf den Namen lautenden Aktien selbst besäßen. Hier sollte man eine weitere Mobilisierung der Aktien verhindern. 1
Abg. Gamp (Reichsp.) hält es ebenfalls für zweckmäßig, die Namen⸗Aktiengesellschaften durch eine solche Bevorzugung zu fördern. Redner beantragt ferner, die Bestimmung des § 238 zu streichen, wonach der Widerruf der Bestellung eines Aufsichtsrathes dur die Generalversammlung erfolgen könne, wozu es aber, wenn im Gesellschaftsvertrage nichts Anderes bestimmt sei, einer Mehr⸗ beit von drei Vierteln des Grundkapitals bedürfe. Die versammlung müsse ermächtigt sein, Personen, die sich eines Ver⸗ u. s. w. schuldig gemacht hätten, durch einfache Mehrheit zu entfernen.
Bei Schluß des Blattes hatte der Staatssekretär des Reichs⸗Justizamts Dr. Nieberding das Wort.
einstimmig
aus Santiageo
er, da mehrere Häuptlinge der Regierung treu geblieben sind.
be⸗
General-
. — Im Hause der Abgeordneten gelangte in der
heutigen (66.) Sitzung, welcher der Finanz⸗Minister Dr. von
Miquel, der Minister der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medi⸗ zinal⸗Angelegenheiten D. Dr. Bosse und der Minister für Handel un Gewerbe Brefeld beiwohnten, zunächst der Gesetzentwurf, betreffend das Charits⸗Krankenhaus und den Botanischen Garten in Berlin, zur ersten Berathung. 8 a,⸗rr.
Abg. Dr. Langerhans (fr. Volfsp.): Im Verhältniß zur Größe der Berliner Universität sind die vorhandenen medizinischen Kliniken nicht genügend. Wir haben nur drei, von denen zwei in der Charité untergebracht sind. Wenn in einer Klinik 200 Zuhörer vor⸗ handen sind, so können die Aerzte nicht genügend ausgebildet werden. In dem vorliegenden Bauprojekt sind keine Ställe für Versuchsthiere vorge⸗ sehen, die heute bei jeder Klinik nothwendig sind. Auf einen ferneren Mangel haben wir alljährlich schon bei dem Etat bhingewiesen, das ist das Fehlen einer Station fär irre Verbrecher. Die Unterbringung dieser Personen ist sehr schwer, weil sie zum theil als Gefangene behandelt werden müssen, da unter ihnen auch Simulanten sind. Abgesehen von diesem Mangel, bin ich im Ganzen für das vorliegende Projekt. Der Umbau der Charité ist für die Wissenschaft und auch für die Heil⸗ zwecke eine dringende Nothwendigkeit, und ich bin gern bereit, die Mittel dafür zu bewilligen. Es ist nur zu bedauern, daß bei dem Umbau die Anzahl der vorhandenen Betten um 300 vermindert werden soll. Ich halte mich für verpflichtet, auf diese Mängel aufmerksam zu machen; denn wenn diese nicht abgestellt werden, ist die Arbeit nicht ganz gemacht. Bedauern muß ich aber, daß gleichzeitig der Botanische Garten verlegt werden soll, weil dadurch Uebelstände eintreten, die durch einen neuen Botanischen Garten in nächster Zeit gar⸗ nicht beseitigt werden können. Wir haben in dem alten Garten eine große Reihe von Bäumen und Sträuchern, die sich außerordentlich schön entwickelt haben und die in dem neuen Garten in den nächsten Jahren nicht wieder ersetzt werden können. Allerdings wirkt die Umgebung des Gartens, Häuser und Fabriken, außerordentlich nachtheilig auf die Vegetation; indessen ist der Raum, den der Garten einnimmt, so weitläufig, daß diese Einwirkung außer Betracht bleiben kann. Es werden sich Häuser auf dem Terrain er⸗ heben; zwar werden anfangs Villen gebaut werden, aber die werden bald durch große Häuser ersetzt werden. Der Minister Friedenthal hatte s. Z. beabsichtigt, bei Treptow eine dendrologische Anlage zu machen, und im Anschluß daran sollte dorthin auch der Botanische Garten gelegt werden. Der Gedanke, aus dem Botanischen Garten einen Park zu machen, ist zwar sehr schön, aber der Platz liegt doch immer am äußersten Ende von Berlin. Er soll nun nur zum theil bebaut werden, so daß noch ein Park in der doxppelten Größe des Schiller⸗ platzes übrig bleibt. Es wäre sehr gut, wenn die Stadt Berlin das Grundstück ankaufte, aber der Staat macht einen zu theuren Preis. Auf eine Eingabe an die Regierung, wenigstens einen Theil des Gartens an die Stadt abzutreten, ist noch kein Bescheid eingegangen. Durch die zahlreichen Besucher mit Kin dern leidet allerdings die Benutzung des Gartens für die Zwecke des botanischen Studiums, aber dieser Uebelstand ließe sich wohl beseitigen. Die Anlage des neuen Gartens erfordert längere Zeit, sodaß vorläufig der alte Garten neoch nicht veräußert werden kann. Bei Trepfow ist ein Grundstück sehr geeignet für die Anlage eines botanischen Gartens wegen der Berha erun sverhältnisse, und dieses Grundstück kann die Regierung umsonst haben. .
Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Althoff: Bei dem Neu⸗ bau der Charité sind in Verbindung mit den Kliniken auch Poly⸗ kliniken geplant, so daß den Bedürfnissen des medizinischen Unterrichts nach allen Seiten Rechnung getragen werden kann. Die Stadt Berlin könnte selbst auch dazu mithelfen, daß das Manko von dreihundert Betten beseitigt wird. In der Charité sollten nur solche Kranke aufgenommen werden, die sich für Lehrzwecke eignen. Die Unterrichtsverwaltung ist der Ansicht, daß wir mit dem Projekt wohl auskommen werden. Die Sachverständigen sind sämmtlich darüber einig, daß ausreichende Gründe für die Verlegung des Botanischen Gartens vorhanden sind; seit Jahren sind darüber Erörterungen gepflogen worden. Der Garten ist viel zu klein; der Mustergarten bei London ist 100 ha groß. Für die pflanzengeographische Abtheilung und für ein Arboretum ist in dem jetzigen Garten kein Platz vorhanden. Ferner ist der Garten von allen Seiten eingebaut, den Pflanzen fehlt die Luft⸗ zirkulation und Sonne. Rauch und Schmutz beeinträchtigen die Vegetation. Daß der Garten als Park vom Publikum benutzt wird, hat auch Schädigungen zur Folge. Wenn der Garten bei⸗ behalten werden soll, muß er vor allem für das Publikum geschlossen werden, und dann hat das Publikum auch nichts vom Park. Wir haben alle Terrains in der Nähe von Berlin, auch das bei Treptow, von den bewährtesten Sachverständigen unter⸗ suchen lassen, und diese haben uns übereinstimmend gesagt, daß kein besseres gefunden werden kann als das bei Dahlem. Wir hoffen, daß der neue Garten dort für die Wissenschaft die beste Anlage und eine große Sehenswürdigkeit werden wird. 8
Abg. Dr. Langerhans beantragt die Ueberweisung der Vor⸗ lage an die Budgetkom mission und meint, daß die Polykliniken den Werth der Kliniken für Lehrzwecke nicht ersetzen könnten. Wenn nur solche Kranke in die Charité aufgenommen werden sollten, deren sich für Unterrichtszwecke eignen, wer solle das denn bei der
inbringung eines Kranken entscheiden? Redner hält seine Bedenken gegen die Welaeng des Botanischen Gartens nach Dahlem aufrecht.
ierauf nimmt der Finanz⸗Minister Dr. von Miquel das Wort, dessen Rede morgen im Wortlaut wiedergegeben werden wird.
— Der Kommerzien⸗Rath Koepp, Mitglied des Reichs⸗ 6gges für den 2. Wiesbadener Wahlkreis, ist, wie „W. T. B.“ berichtet, heute Nacht in Wiesbaden gestorben.
— Dem Reichstage sind die Berichte über die Thätig⸗ keit der Reichskommissare für das Auswanderungswesen während des Jahres 1896 nebst statistischen Nach⸗ weisungen übermittelt worden.
Arbeiterbewegung.
In Königsberg i. Pr. haben einer Meldung des „Ostpr. Gen.⸗Anz.“ zufolge, welche das „D. B. H.“ übermittelt, die Zimmer⸗ leute wegen Lohnstreites heute die Arbeit eingestellt.
Aus Menden wird der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ berichtet: Unter den Bohrern der Hönnethaler Kalkwerke ist am Sonnabend ein Ausstand ausgebrochen. Die Ursache soll darin liegen, daß die Bohrer, bislang meterweise im Accord beschäftigt, dabei auch das Graben werthlosen Gesteins bezahlt erhielten. Infolge einer Aenderung hierin, wonach sie waggonweise gebrochenes Kalkgestein bezahlt erhalten sollten, haben sie die Arbeit niedergelegt. 8
Aus Brandenburg a. H. berichtet der „Vorwärts“ zum dor⸗
. tigen Maurerausstand, daß die Zahl der Ausständigen rund
500 Mann beträgt (vgl. Nr. 79 d. Bl.). 1“
In Bremen haben, der „Weser⸗Ztg.“ zufolge, dier Schuh⸗ A. gestern den Ausstand angekündigt, nachdem die meisten Arbeitgeber die Forderungen der Arbeiter abgelehnt haben. Gestern Nachmittag sollen etwa 30 Gesellen abgereist sein, welche auswärts Arbeit suchen wollen. Andererseits haben aber auch manche Arbeitgeber in Voraussicht des Kommenden von auswärts Ersatzkräfte herangezogen. 1b “
In Lübeck haben sich, wie die „L. A.“ mittheilen, die ausständigen Möbeltischler (vpgl. Nr. 79 d. den Arbeitgebern gegenüber bereit erklärt, eine Kommission aus ihrer Mitte zu erwählen. Die Arbeitgeber sind willens, mit dieser neuen Kommission zu verhandeln. Als Grundlage für die Verhandlungen ist d Festhalten an dem zehn⸗
stündigen Arbeitstage aufgestellt, da die Arbeitgeber von diesem nicht abzugehen beabsichtigen.
In Basel befinden sich einer Mittheilung des „Vorwärts“ zu⸗ folge die Maler im Ausstande. v
Verkehrs⸗Anstalten.
Der Fahrplan der Königlichen Eisenbahn⸗Direktion Cassel, der am 1. Mai 1897 in Kraft tritt, weicht in folgenden wichtigen Aenderungen von dem bisherigen Winter⸗Fahrplan ab: I. Neue Züge werden gefahren: Die Personenzüge 455 und 456 zwischen Sarnau und Marburg als Fortsetzung der Züge 478/479 der Strecke Frankenberg —Sarnau: Pz. 455 Sarnau ab: 9,22 N., Marburg an: 9,44 N. Pz. 456 Marburg ab: 10,22 N., Sarnau an: 10,14 N. — Personenzug 180 Cassel ab: 4,30 N., Warburg an: 5,45 N., Anschluß daselbst an Pz. 362. Warburg ab: 5,50 N., Alten⸗ beken an: 6.24 N. und in Altenbeken an den D⸗Zug 32 Berlin— Köln (Köln an: 10,24 N.). Pz. 180 nimmt in Cassel Anschlüsse auf von den Zügen 93, 55 und 73 aus der Richtung von Frankfurt a. M., 56 und 258 aus der Richtung von Nordhausen, 72 aus der Richtung von Hannover und 453 aus der Richtung von Waldkappel und bietet eine neue, sehr günstige Verbindung nach dem Westen Deutschlands. Außer⸗ dem sind auf der Strecke Warburg⸗Altenbeken zwei Personenzüge Nr. 366 und 365 neu eingelegt. — Auf der Strecke (Northeim) —Wulften — Duderstadt werden die Züge mit Personenbeförderung bereits vom 1. Mai d. J. ab so gefahren, wie es nach der Betriebseröffnung der Strecke Duderstadt— Leinefelde erforderlich wird. Der Tag der Betriebs⸗ cröffnung der Strecke Duderstadt-—Leinefelde wird besonders bekannt gemacht. — II. Regelmäßige Sommerzüge. Die Schnellzüge 71 a Göttingen —Elze — (Hamburg) und 72a (Hamburg) —Elze — Göttingen; Zug 71 a Göttingen ab: 2.48 N.; Elze durch: 4.01 N.; Zug 72a Elze ab: 1.30 N., Göttingen an: 3.01 N. — III. Ausfallende Züge. Die bisher zwischen Wulften und Duderstadt beförderten Züge 303, 304 und 308, sowie die Sommerzüge 305a und 3082 und die bis⸗ berigen Züge 306 Duderstadt — Wulften — Northeim und 305 Northeim — Wulften— Duderstadt; dafür werden die neuen Züge 303, 304, 305, 306 und 310 zwischen Duderstadt und Wulften, sowie 307 und 308 zwischen Duderstadt und Northeim befördert. — IV. Wesentliche Zugverlegungen und Herstellung neuer Anschlüsse. Zur Ermöglichung des Uebergangs halten die Schnellzüge 53 Frank⸗ furt— Cassel von 2 28 bis 2 24 V. und 189 Cassel — Bebra von 2 22 bis 2 22 V. in Guntershausen. Die Schnellzüge 189 und 190 zwischen Cassel und Bebra erhalten auf ihrem ferneren Lauf über Weimar — Gera-— Weischlitz in Eger unmittelbare Anschlüsse an die österreichischen Tagesschnellzüge Nr. 3 und 4 zwischen Eger und Wien; infolge dessen kann Sz 190 anstatt bisher 1 22 V. vom 1. Mai ab erst 2 44 P. in Cassel eintreffen. Die bisberigen Aufenthalte dieses Zuges in Gantershausen und Wilhelmsböhe fallen fort.
Der Fahrplan der Königlichen Eisenbahn⸗Direktion Münster i. W., der am 1. Mai 1897 in Kraft tritt, enthält gegen⸗ über dem Winter⸗Fahrplan 1896/97 folgende wichtigere Aende⸗ rungen: I. Badeverkehr nach den ostfriesischen Nordseebädern. Die Bade⸗Schnellzüge werden nicht mehr im wechselnden Fahrplan, sondern täglich in der Zeit vom 1. Juli bis 15. September nach festen Fahrplänen gefahren 1) Köln und Elberfeld —Norddeich und zurück. Nachtverbindungen: Köln ab 12,28, Münster an 3,22 mit D⸗Zug 91. Elberfeld ab 12,45, Münster an 3,14 (Schnellzug 89). Münster ab 3,22, Norddeich an 8,13 (Bade⸗Schnellzug 400). — Norddeich ab 9,49, Münster an 4,12 (Bade⸗Schnellzug 407). Elberfeld 6,44 mit Pz. 47. Köln an 7,40 mit D⸗Zug 96. Tagesverbindungen: Köln ab 7,40 Sz. 263, Elberfeld ab 9,23 (Bade⸗Schnellzug 87). Unna ab 10,37, Münster 11,28 bis 11,32, Norddeich an 4,31 (Bade⸗Schnellzug 404). — Norddeich ab 10,58, Münster an 3,48 mit Bade⸗Schnellzug 401. Köln an 7,12 mit Sz. 92. Elberfeld 6,à2 mit Bade⸗Schnellzug 401/88. — 2) Berlin — Norddeich und zurück. Nachtverbindungen: Berlin L. ab 11,21, Bremen 5,29 — 5,41, Norddeich an 10.18. Norddeich ab 7,2¾, Bremen 11,26 — 11,25, Berlin Pr. 7,39. Tagesverbindungen: Berlin Schl. Bf. 7,24, Berlin Fr. Bf. 7,40, Bremen 1,40 — 2,04, Norddeich 6,227. Norddeich ab 10,36, Bremen 3,09 — 3,24, Berlin L. an 8,22. — II. An sonstigen Aenderungen sind hervorzuheben: Neuer Zug 65/365. Paderborn (Abf. 10,36) — Warburg (Ank. 12,24). Anschluß in Altenbeken an Zug 23 nach Herford, in Warburg an Personenzug 193 nach Cassel und Schnellzug 188 nach Schwerte. Neuer Zug 366. Warburg (Abf. 9,36) — Altenbeken (Ank. 10,41). In Warburg Anschluß vom Zuge 183 von Arnsberg und vom Zuge 712 von Korbach; in Alten⸗ deken Anschluß an Zug 23 nach Herford und 40 nach Soest. — Schnellzug 497 fährt 14 Minuten früher von Hamm unter Auf⸗ gabe des Anschlusses vom Personenzuge 161 von Unna. Personen⸗ zug 53. Von Münster 11 Minuten früher zur Erreichung des An⸗ schlusses an den neuen Schnellzug 7 Köln —Berlin in Hamm. — Die Züge 213 und 214 Bochum— Wanne-Recklinghausen sind auf die Strecke Recklinghausen —Haltern ausgedehnt. Neuer gemischter Zug 87 Norden— Wittmund, eingelegt zur Herstellung einer Verbindung von dem Zuge 87 Emden — Norden an den Oldenburger Zug 87 in Witt⸗ mund. Neuer gemischter Zug 84 Wittmund — Norden, eingelegt zur Herstellung der Verbindung von dem Oldenburger Zuge 84 an den Zug 84 Norden —Emden. — Neuer Zug 339. Osnabrück ab 12,32, Bielefeld an 2,50. Neuer Zug 342. Bielefeld ab 11,01, Osnabrüͤck an 1,21.
Bremen, 6. April. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. SD. Fulda“ 4. April Vm. in Genua angek. PD. „Aachen“, n. Baltimore bestimmt, 4. April Mittags in Philadelphia angek.
D. „Wittekind“, v. La Plata kommend, 4. April Vm. Las
almas passiert. PD. „Dresden“, n. Baltimore bestimmt, 4. April Mittags Lizard passiert. PD. „Marke, n. d. La Plata bestimmt, 4. April Nm. in Antwerpen angek. PD. „Weimar’, v. New⸗York kommend, 4. April Nm. Saint Catharines Point passiert. D. „Heimburg“, n. Brasilien bestimmt, 4. April Nm. in Antwerpen angek. RO. „Prinz Heinrich“, n. Ost⸗Asien bestimmt, 4. April Abds. in Genua angek. RPD. „Sachsen“ hat 4. April Vm. Reise v. Singapore n. Colombo fortges. PD „Gera“, n. Australien bestimmt, 5. April Vm. in Adelaide angek. PD. „Friedrich der Große“, n. New⸗York bestimmt, 5. April Nm. Dover passiert.
Hamburg, 5. April. (W. T. B.) Hamburg⸗Amerika⸗ Linie. D. „Pennsylvania“, von Hamburg kommend, ist gestern Mittag in New⸗York eingetroffen. SD. „Allemannia“' und P. D. „Markomannig' sind gestern, von Hamburg kommend, in St. Thomas eingetroffen. 1 8
London, 6. April. (W. T. B.) Union⸗Linie. UD. „Scot ist auf der Heimreise gestern von Madeira abgegangen.
Rotterdam, 5. April. (W. T. B.) Holland⸗Amerika⸗ Linie. D. „Veendam“, von New⸗York nach Rotterdam, hat heute Mergen Secilly passiert. D.⸗Werkendam“, von Rotterdam nach New⸗York, ist gestern Nachmittag von Rotterdam abgegangen.
Theater und Musik.
Königliches Opernhaus.
Der gestrige, letzte Gesellschaftsabend dieses Winters hatte äußerlich wieder das nun schon gewohnte festliche Aussehen. Zur Auf⸗ fübrung gelangte, neu einstudiert, Auber's anmuthige, kaum mehr genug gewürdigte komische Oper „Der Maurer“. Man wird nicht sagen können, daß das über siebzig Jahre alte Werk seine ganze ursprüngliche Kraft sich bewahrt habe, aber immerhin ist die Musik üͤberall so frisch und gefällig, so melodiös und ausdrucksvoll, daß jeder unbefangene Hörer seine Freude daran haben kann. Die gestrige Aufführung ver⸗ diente in allen Theilen uneingeschränktes Lob. Von den mitwirkenden Gesangskräften traten die Herren Philipp (Maurer Roger) und Krolop (Schlosser Baptiste) durch charakteristisches Spiel hervor,
und der erstere Künstler zeigte sich auch stimmlich besonders gut disponiert. Die weiblichen Hauptrollen wurden von Frau Herzog (Hernneh und Frau Goetze (Frau Bertrand) vorzüglich gesungen und umorvoll gespielt; namentlich kam das Duett im dritten Akt aufs beste zur Geltung. Zu loben waren ferner besonders gesanglich Fräulein Egli als Irma, und Herr Naval als Leon. Auch waren die Nebenrollen gut besetzt. . Der Vorstellung wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin bis zum Schlusse bei. Konzerte.
Herr Konrad Kayser veranstaltete am Sonnabend im Saal Bechstein eine Schüler⸗Aufführung, in der besonders die Klavier⸗ vorträge erfreuliche technische Sicherheit und verständnißvolle Auf⸗ fassung erkennen ließen; nur das Beethoven’sche Es-qur⸗Konzert, von Liszt für zwei Flügel eingerichtet, schien für den ersten Vortragenden eine zu schwere Aufgabe zu sein; dazegen gelangen Bach's C-dur-⸗Konzert, Haydn's Variationen, die Polonaise in E-dur von Weber sowie einige Stücke von Chopin sehr gut. Sämmtliche Klavierspieler waren Eleven des Direktors. Was die Gefangleistungen betrifft, so scheint die Lehrmethode des Fräulein Katharina Saretz auf richtigen Grundlagen zu basieren, wenn auch die Vortragenden zumeist noch einer sorgfältigen Fortsetzung ihrer Studien bedürfen. Das nicht eben zahlreich erschienene Publikum spendete den angehenden Künstlern aufmunternde Beifallsbezeugungen. Gestern gab die Pianistin Alice Moir aus Schottland, die in Berlin unter der Leitung des Professors Klindworth ihre Studien ge⸗ macht hat, im Saal Bechstein ihr erstes Konzert. Ste eröffnete dasselbe mit Bach's D-moll-Fuge; dann folgten die 32 Varia⸗ tionen von Beethoven und einige kleinere Stücke von Liszt, Chopin und Anderen. Wenn auch die Vortragende noch eine gewisse Befangenheit spüren ließ und nicht alles ohne kleine Unebenheiten ablief, so war doch die weit entwickelte technische Fertigkeit und lobenswerthe Auf⸗ fassung anzuerkennen. Unterstützt wurde das Konzert durch die hier bereits vortheilhaft bekannte Mezzosopranistin Susanne Triepel, die mit klangvoller, besonders in der Tiefe ausgiebiger, wohlgeschulter Stimme Lieder von Mendelssohn, Brahms, Schubert, Franz, Henschel und Herrmann unter lebhaftem Beifall vortrug, der auch der Pianiftin zu theil wurde. Die Klavierbegleitung der Lieder hatte Professor Klindworth übernommen. 8
Im Königlichen Opernhause werde gen Mascagni’s „Cavalleria rusticana“ mit Frau Sucher als Santuzza, Herrn Sylva als Turiddu, Herrn Bulß als Alfio und Fräulein Cortese als Lola und Auber's komische Oper „Der Maurer“ auf⸗ geführt. In letzterer ist die Befetzung folgende: Lzon Herr Naval; Roger: Herr Philipp; Baptiste: Herr Krolop Henriette: Frau Herzog; Frau Bertrand: Frau Götze; Irma Fräulein Egli. Kapellmeister Dr. Muck dirigiert. Sein Majestät der Kaiser ließ nach der gestrigen Aufführung der Ope „Der Maurer“ und des Ballets „Phantasien im Bremer Rathskeller“ (letzter Gesellschaftsabend) durch den General⸗Intendanten Grafen von Hochberg sämmtlichen Mitwirkenden Allerhöchstseine Anerkennun und Zufriedenheit aussprechen.
Im Königlichen Schauspielhause geht morgen Shakespeare; „König Heinrich IV.“, erster Theil, in Scene. Die Besetzung lautet König Heinrich: Herr Ludwig; Prinz Heinrich: Herr Purschian Percy: Herr Keßler; Falstaff: Herr Molenar; Lady Perey: Fräulei Lindner; Frau Hurtig: Frau Schramm; Poins: Herr Hertzer Franz: Frau Conrad. — Die neuen Dekorationen sind von dem Königlichen Theatermaler Herrn Quaglio, von den Dekorations malern Bukacz u. Harder in Berlin und vom Herzoglichen Hof maler Professor Brückner in Coburg 1nseh. 1
In der morgigen (75.) Aufführung von „Renaissance“ im Ber liner Theater wird die Rolle der Marchesa, welche bisher von Maria Pospischil gespielt wurde, zum ersten Mal ron Margarethe Tondeur dargestellt werden.
Das Schiller⸗Theater veranstaltet am nächsten Sonntag Nachmittag eine Vorstellung zu Gunsten des „Lette⸗Vereins“. Zur Aufführung kommt Shakespeare's „Wintermärchen“. Der Vor⸗ derkauf der Billets für diese Wohlthätigkeits⸗Vorstellung beginnt morgen an der Tageskasse des Theaters. Eine Vorverkaufgebühr wird auch für diese Vorstellung nicht erhoben. 8
Eine Chor⸗Aufführung des Stern'schen Gesangvereins findet am Sonnabend, den 24. d. M., in der Kaiser Wilhelm⸗ Gedächtnißkirche unter Leitung des Professors Gernshe im und solistischer Mitwirkung der Damen Frau Gmür⸗Harloff (Sopran), und Frau Craemer,Schleger (Alt) sowie der Herren Carl Dierich (Tenor) und Anton Sistermans (Baß) statt. Aus Anlaß des Todes Johannes Brahms' wird das Konzert dem Andenken des großen Künstlers gewidmet sein. Das wird eine Kantate von Bach sowie von Brahms'schen Werken das Adagio aus dem Violinkonzert und das „Deutsche Requiem“ enthalten. Der Kartenverkauf ist bei Bote u. Bock eröffnet.
Im Konzerthause, welches nunmehr nahezu dreißig Jahre besteht, wird morgen das 6000. Konzert stattfinden. Zur Feier dieses seltenen Festes hat Herr Direktor C. F. Wittmann einen Prolog gedichtet, den er selbst sprechen wird. Außerdem sind für diesen Abend Frau Professor Niklas⸗Kempner, die bekannte Gesangs⸗ meisterin, für Liedervorträge, sowie die Pianistin Fräulein Ottilie Lichterfeld, welche das G⸗dur⸗Konzert von Beethoven spielen wird,
ewonnen worden. Die Kapelle, unter Herrn Karl Meyder’s Leitung, se zu dem Programm die dritte „Leonoren⸗ Ouvertüre von Beethoven, den „Einzug der Götter“ aus dem „Rheingold“, die Ouvertüre zu „Tannhäuser“ von R. Wagner, „Meditation“ von Bach⸗Gounod und den „Huldigungsmarsch“ von E. Grieg bei. Das Konzerthaus wird an diesem Abend festlich geschmückt sein. 8
Am 17. April findet in der Philharmonie eine Auf⸗ führung von Kompositionen amerikanischer Kompo⸗ nisten, und zwar mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung des Herrn Hof⸗Kapellmeisters Dr. Carl Muck statt. Der Kartenverkauf wird demnächst bei Bote u. Bock eröffnet.
Die Koͤnigliche Akademie der Künste, der General⸗ Intendant der Koͤniglichen Hofmusik und die Königliche Kapelle ließen am Sarge von Johannes Brahms in Wien Lorbeerkränze niederlegen.
Der „Deutsche Bühnenverein’ hat gelegentlich seiner Generalversammlung, die im vergangenen Jahre in Berlin tagte, ein⸗ stimmig den Beschluß gefaßt, eine ständige Kommission zu wählen, welche die von seiten der Bühnenmitglieder vorgebrachten Wünsche in Bezug auf Abänderung der bestehenden Theaterkontrakte prüfen und ein neues Vertragsformular ausarbeiten soll. Diese Kommission besteht aus fünf Bühnenleitern: Dr. Burckhard, Wien (Hofburg⸗Theater), Intendant von Lepel⸗Gnitz, Hannover (Hoftheater), Intendant Prasch, Berlin (Berliner Theater), Dr. Krückl, Straßburg, und Direktor Berstl, Rudolstadt. In den ersten Tagen dieses Monats trat die genannte Kommission in München zu⸗ sammen, um über die für das gesammte Theaterwesen hochwichtige Kontraktfrage zu berathen. Das Resultat der Berathungen wird der im Mai in Wien stattfindenden Generalversammlung des Deutschen Bühnenvereins vorgelegt werden. 8
111“
Mannigfaltiges.
In Gegenwart Ihrer Majestäten des 8 sers und d Kaiserin fand heute Mittag in der en lischen Kapelle im Monbijou⸗ b die Trauerfeier für die verstorbene Gemahlin des groß. ritannischen Botschafters, Lady Maria Lascelles, statt. D
Ueberführung der Leiche vom Botschaftshotel nach der Kapelle erfolgte unmittelbar vor Beginn der Feier. Seine Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher die englische Admirals Uniform v; hatte, verlieh mit. Ihrer Majestät der Kaiserin das Königli
Schloß, als der Trauerkondukt die Burgstraße erreicht
“
hatte, und ließ den Wagen im Schritt folgen. Nachdem der ernste