und hier bereits dreimal mit ansehnlichem Erfolge konzertierte, gab
stern zum Abschied ihr viertes onzert, in welchem sie das Mendels⸗ sgbasc. E˖moll-Konzert, sowie kleinere Stücke von Tschaikowsky, rahms⸗Joachim, Bach und Ernst unter starkem Beifall vortrug. Von neuem glänzte die Künstlerin durch die für die französische Schule charakteristische Leichtigkeit in der Ueberwindung aller technischen Schwierig'eiten bei etwas jartem Ton. Im wird ihr Spiel von seelenoollem Ausdruck Auch die Klaviervorträge der schon öfter gehörten Pianistin Fräulein Louise Schmidt, welche Mannte Stücke von Chopin, Th. Kirchner, Schumann und Anderen torreit und fein schattiert zu Gehör brachte, fanden bei den kahlreich versammelten Zuhörern die günstigste Aufnahme. — An demselben Abend gab die Sopranistin Florence Fraser aus Süd⸗Afrika ein Konzert in Saal Bechstein, das nur spärlich besucht war. Leider war der künstlerische Genuß auch nur gering, da die Schwäche der Stimme, die Unsicherheit im Gebrauch der höheren Töne den freien Vortrag der Lieder beeinträchtigte. Am besten elangen ihr Mozart's Arie aus der „Zauberflöte“ „Ach! ich fühl's, es t verschwunden“, und „Die Rose“ von Spohr. Die bekannte Pianistin Auguste Götz⸗Lehmann verlieh dem Konzert durch den gelungenen Vortrag einiger Piècen von Beethoven, Chopin, Schu⸗ mann und Anderen, die mit wohlverdientem Beifall aufgenommen wurden, noch etwas Interesse.
Im Königlichen Opernhause Wagner's Oper „Tannhäuser und der Wartburg“ in der riser Einrichtung unter Kapellmeister Sucher's Leitung und in folgender Besetzung der Hauptrollen in Scene: Tannhäuser: Herr Sylva, Elisabeth: Fraͤulein Hiedler, Wolfram von Eschenbach: Herr Bulß, Venus: Frau Sucher, Landgraf: Herr Stammer. — Am Montag gelangt desselben Meisters Oper „Tristan und Ifolde“ zur Aufführung. Herr Emil Gerhäuser vom Hoftheater in Karlsruhe gastiert als Tristan, die Isolde singt Frau Sucher, den König Marke Herr Mödlinger, den Kurvenal Herr Betz, die Bran⸗ äne Frau Götze, den Melot Herr Fränkel, den Seemann Herr
ieban. Kapellmeister Dr. Muck dirigiert.
Im Neuen Esnsg eichen Opern⸗Theater wird morgen das vieraktige Lustspiel „Wohlt 882 rauen“ von L Arronge zu er⸗ mäßigten Preisen in der üblichen Besetzung gegeben.
Im Königlichen Schauspielhause wird morgen Shakespeare's Trauerspiel „Othello“ mit Herrn Matkowsky in der Titelrolle ge⸗ ben. Den Jago spielt Herr Grube, die Desdemona Frau von bechenva er, die Emilia Fräulein Lindner, den Cassio Herr Purschian. — Am Montag findet eine Aufführung von Ernst von Wilden⸗ bruch's vaterländischem Drama „Die Quitzow's“ in nachstehender Be⸗ fetzung statt: Friedrich I. von Hohenzollern: Herr Ludwig; Dietrich von Quitzow: Herr Molenar; Conrad: Herr Purschian; Barbara von Bug: räulein Lindner; Stroband: Herr Oberländer; Rieke: Frau Conrad; Thomas Wins: Herr Kahle; Gertrud: S8. Seebach; Agnes: Frau von Hochenburger; Köhne Fincke: err Vollmer.
Das Deutsche Theater hat für die nächste Woche folgenden Spielplan festgesetzt: Morgen: „Die versunkene Glocke“; Montag: „Einsame Menschen“; Dienstag: „Don Carlos“; Mittwoch: „Die versunkene Glocke“; „Donnerstag: „Morituri“ß Charfreitag: ge⸗ schlossen; am Sonnabend und am nächstfolgenden Sonntag Abend: „Die versunkene Glocke“. Die morgige Khneb wegen der Matinée der Freien Bühne aus; am nächstfolgenden Sonn⸗
geht morgen Richard ängerkrieg auf der
maus“ (mit Ballet) in Scene geht.
2.
Aufführung. Am Donnerstag wird als 31. Abonnements⸗Vorstellung „Kabale und Liebe“ aufgeführt, bei welcher Gelegenheit einige Debüts stattfinden. Am Freitag bleiben sowohl das Theater wie die Kasse geschlossen. achmittags⸗Vorstellungen: am ersten Oster⸗Feiertage: Die Jungsenn von Orleans“, am zweiten Feiertage: „Dorf und tadt“., — Seine Hoheit der Herzog von S9 Sseiseintagen hat der Gattin des In⸗ tendanten Prasch, Auguste Prasch⸗Grevenberg, das Verdienst⸗ kreuz für Kunst und Wissenschaft berliehen. Frau Prasch⸗Grevenberg ist seit drei Jahren Ehrenmitglied des Meininger Hoftheaters.
Im Lessing⸗Theater wird der Spielplan der nächsten Woche durch die Novität „Seine offizielle Frau“, in der Bearbeitung von Friedrich Erdmann Jesnitzer, beherrscht. Das Werk wird morgen, am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag mit Franz Tewele als Gast zur Auffͤhrung gelangen. Am Charfreitag bleibt das Theater ge⸗ Flofsen⸗ während am Sonnabend zum ersten Mal das dreiaktige
audeville „Toledad“ gegeben wird, in welchem das Ferenczy⸗Ensemble unter Mitwirkung von Franz Tewele sein Gastspiel im Lessing⸗Theater beginnen wird.
Im Schiller⸗Theater findet morgen Nachmittag die bereits angekündigte LerͤLn zu Gunsten des „Lette⸗Vereins“ statt. Zur Aufführung kommt Shakespeare's „Wintermärchen“; Abends wird das Anzengruber'sche Volksstü „Der Meineidbauer“ gegeben. Am Montag und Mittwoch finden Wiederholungen von Moser’s Schwank „Das Stiftungsfest“, Dienstag eine Wiederholung von Reichel’s Schauspiel „Die Bildhauer“ staft. Am Donnerstag geht „Maria Stuart“ in Scene, während am Charfreitag das Theater geschlossen bleibt. Am Sonnabend kommen zum ersten Male „Bauernehre“ Fersnar a rusticana), Sizilianische Volksscenen in einem Akt von
iovanni Verga, deutsch von Otto Eisenschitz, und „Der eingebildete Kranke“, Lustspiel in 3 Akten von Molisre, zur Aufführung.
Im Theater des Westens wird Jacobson's Posse „Der Mann im Monde“ morgen, am Montag und Sonnabend Abend und am nächsten Sonntag Nachmittag gegeben. Am Dienstag wird Gustav Kadelburg zum letzten Mal den „Reif⸗Reiflingen“ spielen. Am Mittwoch wird das bekannte Blumenthal'sche Lustspiel „Zwei glück⸗ liche Tage“ zum ersten Mal aufgeführt und am Donnerstag, am nächsten Sonntag Abend und am Montag wiederholt werden. Am Charfreitag bleibt das Theater gescslosssn⸗ — Die morgige Nachmittags⸗ Vorstellung kann erst um 3 ½ Uhr ihren Anfang nehmen, da um 12 Uhr eine Matinée zum Besten der „Rudolf Falb⸗Spende“ unter Leitung des Direktors Max Hospauer und unter Mitwirkung der Damen dell⸗Era, Bertha Hausner, Helene Lieban und der Ferre Richard Alexander, Emil Burwig, Franz Espenhahn, Julius Lieban, Foöseph Mödlinger, Kurt Sommer und Adolf Steinmann stattfindet. Eingeleitet wird die Matinée durch einen von Dr. Adalbert von Han⸗ stein Shcgen⸗ und von Fräulein Marie Immisch gesprochenen Prolog.
er Spielplan des Neuen⸗Theaters für die nächste Woche ist folgender: Täglich Abends: „Trilby“; morgen Nachmittag: „Mar⸗ celle“; am Oster⸗Sonntag, den 18. April, um 12 Uhr: Matinée (Vorstellung der Dramatischen Gesellschaft): „Frühlingsreif“, Abends: rscgs⸗; am Oster⸗Montag, Nachmittags: „Marcelle“, Abends „Trilby“.
Im Theater Unter den Linden erleidet wegen Heiserkeit des Fräuleins Cornelli der Spielplan insofern eine Abänderung, als morgen Nachmittag „Der Bettelstudent“ und Abends „Die Fleder⸗ . — Am nächsten Sonnabend findet die erste Aufführung des neuen Vaudevilles „Der Cognak⸗
nchentlichen Schonzeit der Fische auch in den auherhalh der Be Weichbildgrenze befindlichen Gewässern zunächst nse Fehe Välnf⸗ “ zur Prüfung und gutachtlichen Aeußerung vorge werden müssen.
Der Magistrat hat auf Antrag der städtis Verke Deputation in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, . nhenchn. Dampfer⸗Anlegestelle an der Waisenbrücke, welche Jedermann gegen ein Entgelt ncaclich ist, als solche eingehen zu lassen und sie an Damp schiffahrtsgesellschaften im Ganzen oder getheilt zu verpachten, Ferner so die Dampfer⸗Anlegestelle an der Oberspree, welche infolge der Gewerbe⸗ Ausstellung als solche eingerichtet worden war, mit Rücksicht darauf daß sie nur in seltenen Fällen ” worden ist, wieder als Boot⸗ Anlegestelle eingerichtet werden. — Von der seitens der städtischen Bebörden für die Hundertjahrfeier hergerichteten eststraße sind zehn verschiedene photographische Aufnahmen gemacht worden. Der Magistrat hat beschlossen, 300 Exemplare von jeder Aufnahme an die Mitglieder der städtis⸗ Behörden ꝛc., insbesondere an die bei den Arbeiten betheiligten Baubeamten, Handwerker u. s. w., zur Ver⸗ theilung zu bringen. — Der Ortsverein Berlin des „Gustav⸗Adolph⸗ Vereins“ hat den Magistrat ersucht, zur 50. Hauptversammlung der Gustav⸗Adolph⸗Stiftung, die in den Tagen vom 27. September bis 1. Oktober d. J. hierselbst stattfindet, die erforderlichen Säle im Rathhause herzugeben und die Plätze um die Nikolai⸗ und Marien⸗ Kirche sowie das Luther⸗Denkmal in einfacher Weise auf städtische “ zu lassen. Es wurde beschlossen, diesen Anträgen
attzugeben.
Die Firma Otto Seiffert Nachf., Versandgeschäft für Bunt⸗ druck⸗Postkarten, Berlin W., Friedrichstraße 75, hat zum Gedächtniß des Staatssekretärs Dr. von Stephan Trauer⸗Postkarten (auch Weltpostkarten) in vierfacher Ausführung herstellen lassen: 1) mit dem Bildniß des Seaen umrahmt von einem mit
lor umwundenen Posthorn, seinem Namenszug und (auf einem
child) Angaben über Geburt und Tod desselben, die ganze Karte mit Trauerrand, 2) mit dem Posthorn, einem anderen Bildniß des Verewigten und Emblemen, 3) mit den Bildnissen Kaiser Wilhelm's I., Kaiser Friedrich's, Kaiser Wilhelm's II., und demjenigen des Staats⸗ sekretärs von Stephan, durch Allegorie verbunden, mit entsprechender In⸗ schrift, 4) mit dem Sterbehause, dem Reichs⸗Postamtsgebäude in der Leipzigerstraße, dem Neubau des Reiche Rofica und dem von einem Posthorn umgebenen Bildniß des Dahingeschiedenen. Diese Karten werden in derselben künstlerischen Art in Autotypie und Buntdruck hergestellt, wie die bereits in demselben Verlage erschienenen Karten zur “ mit dem Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm's des Großen und zum Geburtstage des Fürsten Bismarck.
Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.
Konstantinopel, 10. April. (Meldung des Wiener
K. K. Telegr.⸗Korresp⸗Bureaus.) Die türkische Zeitung „Sabah“ veröffentlicht folgende Depesche aus Elassona: Gestern ver⸗ suchten ungefähr 1000 Griechen die Grenze zu überschreiten. Die türkischen Truppen feuerten und zwangen die Griechen zum Rückzuge. Die Verluste auf griechischer Seite sind be⸗
tag Nachmittag
eend und am Mittwoch wiederholt.
e und die der Bühne“
am Ostersonntag, und
am Sonnabend
Wetterbericht vom 10. April, 8 Uhr Morgens.
Wind.
Fenter elsius 0 C. = 40 R
Wetter.
Bar. auf 0Gr. u. d. Meeressp
red. in Millim. Tem
in 0
5
770 765 761 767 769 768 774 779
Belmullet.. Aberdeen.. Christiansund Kopenhagen. Stockholm. 1
t. Petersbg. Moskau ...
Cork, Queens⸗ 1“““ Cherbourg. 764 Iber 1762 1V1416 amburg.. 765 winemünde 767 Neufahrwasser 766 Memel 767
Pers EE11151 ünster. 764 Karlsruhe.. 766 Wiesbaden. 765 München . 766 Chemnitz. 767 Berlin 766 Wien 764
wolkig eiter wolkig bedeckt Nebel bedeckt wolkenlos wolkenlos
Sebohehed =
9, dSSOECSSI”2
771 heiter bedeckt bedeckt bedeckt bedeckt wolkenlos bedeckt¹) bedeckt²)
wolkig bedeckt halb bed. wolkig bedeckl2) Nebel wolkenlos bedeckt Regen bedeckt wolkenlos
heiter ²) Früh Regen. ³) Nachts
E ₰ 828588 88
. 88 F
88 ο mꝙO◻☛̈ꝙ-C0oh Ooosr e 21boeeE O 00 002—
765 N
Ile dArxr. . 770 W , 1763 Triest 762
¹) Nachts Regen.
Regen. 8 Uebersicht der Witterung.
Eine flache Depression mit trüber, regnerischer Witterung erstreckt sich vom norwegischen Meere südwärts nach dem füdlichen Eee während vor dem Kanal und über Ost⸗Eurspa Hochdruck⸗ gebiete lagern. Bei schwacher, meist südlicher bis östlicher Luftströmung ist das Wetter in Deutschland heiter, die Temperatur ist durchschnittlich wenig ver⸗ ändert, stellenweise ist etwas Regen gefallen. Bam⸗ berg hatte gestern Nachmittag Gewitter. Zunahme der Bewölkung wahrscheinlich. 1
Deutsche Seewarte.
11ö1.“]; Theater.
Königliche Schauspiele. Sonntag: Opern⸗ s 88. Vorstellung. Tannhäuser und der
ängerkrieg auf ““ Romantische Oper in 3 Akten von Richard Wagner. Ballet von Emil Graeb. In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Tetzlaff. Dekorative Einrichtung vom Sber.Ing or Benbt. Dirigent: Kape meister Sucher. Anfang b r. b
Q — G& SgebochhdPecehseceebbaüüeeeneöhne
F —
ndet eine Aufführung der „Weber“ statt. Im Berliner Theater geht morgen Nachmittag Wilden⸗ bruch's „König Heinrich“ zum 165. Male in Scene. . wird am Dienstag gegeben. „Das neue Gebot“ wird morgen b „Renaissance“ gelangt am Lustspiel⸗Novität am Ostermontag
* [von William Shakespeare.
König“ statt. „Kaiser der Angler nochmals darauf
„Kinder zur
Schauspielhaus. 99. Vorstellung. Othello, der Mohr von Venedig. Trauerspiel in 5 Aufzügen Uebersetzt von Wolf Graf Baudissin (Schlegel⸗Tieck). Regie: Herr Ober⸗ Regisseur Grube. Ffens 7 ½ Uhr.
teues Opern⸗Theater. Wohlthätige Frauen. Lustspiel in 4 Aufzügen von Adolph LArronge. Anfang 7 ½ Uhr.
Montag: Opernhaus. 89. Vorstellung. Tristau und Isolde in 3 Akten von Richard Wagner. Dirigent: Kapellmeister Dr. Muck. (CTristan: Herr Emil Gerhäuser, vom Großherzoglichen Hof⸗Theater in Karlsruhe, als Gast.) Anfang 7 Uhr.
Schauspielhaus. 100. Vorstellung. Sonder⸗Abonne⸗ ment A. 15. Vorstellung. Die Quitzows. Vater⸗ ländisches Drama in 4 Aufzügen von Ernst von Wildenbruch. Regie: Herr laschke. Anfang 7 ½ Uhr.
Opernhaus. Dienstag: Der Evangelimann. Mittwoch: Die Meistersinger von Nürnberg. (Stolzing: Herr Emil Götze, Hans Sachs: Herr Theod. Reichmann, als Gäste). Anfang 6 ½ Uhr. Donnerstag: Oeffentliche Konzertprobe zur 10. Symphonie der Königlichen Kapelle. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: 10. Symphonie der Königlichen Kapelle. Sonntag: Undine.
Schauspielhaus. Dienstag: Egmont. Anfang 7 Uhr. Mittwoch: Das Leben ein Traum. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Faust. nfang
7 Uhr. Neues Opern⸗Theater: Sonntag: Doktor Klaus.
Deutsches Theater. Sonntag sunkene Glocke. Anfang 7 ½ Uhr.
Montag: Einsame Menschen.
Dienstag: Don Carlos.
Berliner Theater. Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: König Heinrich. — Abends 7 ½ Uhr: Das neue Gebot.
Montag: Renaissauce.
Dienstag: Kaiser Heinrich.
Lessing-Theater. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr (volksthümliche Preise): Die Ehre. Em⸗ Loewenfeld als Gast.) — Abends 7 ½ Uhr: Gastspie von Franz Tewele. Seine offizielle Frau.
Montag: Gastspiel von Franz Tewele. Seine ofsizielle Frau.
Dienstag: Gastspiel von Franz Tewele. Seine offizielle Frau. 1““ 88
Residenz-Theater. Direttion: Sigmund Lauten⸗ bns. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Preisen: Der Hüttenbesitzer. Spuspier in 4 Akten von Georges Ohnet. — Abends 7 ⅜ Uhr: Zum ersten Male: Ein angenehmer Gast. Schwank in 1 Akt von Georges Courteline. Deutsch von Emmerich v. Bucowicz. — Vorher: üh Senc;
Lustspiel in 3 Akten von Léon Ga von sgin. Schönau. 8
Mannigfaltiges. “
Das Königliche Polizei⸗Präsidium weist im Interesse in, daß nach einer Vereinbarung mit dem Regierungs⸗Präsidenten zu Potsdam Gesuche um Ertheilung der Erlaubniß zum Angeln während des Sonntags oder während der
ch tag: Emil Thomas a. G.
Montag: Ein angenehmer Gast. — Vorher: Assoeiés. 9
Neues Theater. Schiffbauerdamm 4 a. / 5. Direktion: Sigmund Lautenburg. Sonntag: Gast⸗ Heb des Herrn Willem Royaards vom Königlich
iederländischen Theater in Amsterdam. Trilby. Schauspiel in 4 Akten von Du Maurier und Potter, deutsch von E. Lederer. In Scene gesetzt von Sigmund Lautenburg. Anfang 7 ½ Uhr.
onntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen: Marcelle. Montag: Trilby.
E1“ Schiller⸗Theater. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Ein Wintermärchen. — Abends 8 Uhr: Der Meineidbauer. Montag, Abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest.
Theater des Westens. Kantstraße 12. (Bahn⸗ hof Zoologischer Garten.) Sonntag, Mittags 12 Uhr: Matinée zum Besten der Rudolf Falb⸗ Spende. — Nachmittags 3 ½ Uhr: Bei halben
reisen: Gastspiel des Herrn Gustav Kadelburg.
ie berühmte Frau. — Abends 7 ½ Uhr: Der Mann im Monde. (Wera: Willi Walden als Gast.)
Montag: Der Mann im Monde.
Dienstag: Gastspiel des Herrn Gustav Kadelburg. Reif⸗Reiflingen.
In Vorbereitung: Zwei glückliche Tage.
Theater Unter den Linden. Behrenstr. 55/57. Direktion: Julius Fritzsche. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Preisen: Der Bettelstudent. — Abends 7 ½ Uhr: Strauß⸗Cyclus. Die Fleder⸗ maus. Operette mit Ballet in 3 Akten nach Meilhac und Halévy bearbeitet von C. Haffner und Rich. Genée. Musik von Johann Strauß.
Montag: Die Fledermaus.
Sonnabend, den 17. April: Zum ersten Male: Der ga enn.; Vaudeville⸗Operette in 3 Akten von Victor Léon und Ludwig Held, für die hiesige Bühne bearbeitet von L. Herrmann. Musik von Franz Wagner.
“ 111“ Thalia⸗Theater (vorm. Adolph Ernst⸗Theater). Dresdenerstraße 72/73. Direktion: W. Hasemann. Sonntag: Heirath auf Probe. Posse mit Ge⸗ sang in 3 Akten nach Gerö⸗Buchbinder von Jean Kren. Gesangstexte von Gustav Görß. Musik von Leopold Kuhn. Anfang 7 ½ Uhr. Montag: Heirath auf Prob
——
Alte Jakobstraße 30. Letzte Woche. Sonn⸗ Leopold Deutsch a. G.
Burleske dramatische Revue
Bentral⸗Theater. Direktion: Richard Schulg.
Ein fideler Abend.
trächtlich. Der Ober⸗Befehlshaber der türkischen Truppen Edhem Pascha und die Kommandanten der dritten und fünften Division trafen entsprechende Anordnungen. Der Ort, an welchem der Durchbruch versucht wurde, ist nicht gemeldet.
(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
in 1 Vorspiel und 3 Bildern von J. Freund und W. Mannstädt. Musik von verschiedenen Meistern, arrangiert von Julius Einödshofer. Anfang 7 ½ Uhr. Montag und folgende Tage: Ein sideler Abend. Schluß der diesjährigen Possen⸗Saison unwider⸗ ruflich Sonntag, den 18. April.
Konzerte.
Konzerthaus. Karl Meyder⸗Konzert.
Sonntag, Anfang 6 ½ Uhr: Gesellschafts Abend.
Montag, Anfang 7 ½ Uhr: Symphonie⸗Konzert. Symphonie „Pastorale“ von Beethoven.
Birkus Renz. Karlstraße. Donnerstag, den 15. April 1897: Abschieds⸗Vorstellung. Sonntag (Palmsonntag): Nur eine Vorstellung: Abends 7 ½ Uhr: Aus der Mappe eines Riesen⸗ ebirgs⸗Phantasten. Außerdem: 6 Trakehner sacathagie dressiert und vorgeführt von Herrn ugo Herzog. Einfache und doppelte Baguette⸗ derins, ausgeführt von 12 Ungarn. Frau Robert Renz mit dem Schulpferde Cyd und dem englischen Vollblut⸗Springpferde Blitz. Ein DTuell nach dem Balle, komische Scene von der be⸗ rühmten Künstlerfamilie Agoust. Ein Pariser Restaurant, eine neue und originelle Jonglier⸗ Scene von der berühmten Künstler⸗Familie Agoust. Montag: Aus der Mappe eines Riesen⸗ gebirgs⸗Phantasten.
Verlobt: Frl. Elsbeth von Leers mit Hrn. rem.⸗Lieut. Gustav von Spangenberg (Schön⸗ e- — Frl. Helene Hainauer
mit Hrn. Prem.⸗Lieut. ax von Dincklage Berlin). — Frl. Elsa Grund mit Hrn. Major nrich Serno (Breslau, z. Z. Lugano, Schweiz).
Verehelicht: Hr. Bruno von Mutzenbecher mit rl. Clara Behrens (Berlin). — Hr. Fioleflan 1 S8. Brunzlow mit Frl. Eva Ebers (Schwerin
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Gerichts⸗Asfsessor
Dr. Georg Meyer (Erfurt). — Eine Tochter: Hrn. Joachim von — Hrn. Prediger Bayrhoffer (Berlin).
Gestorben: Hr. Geheimer Hofrath a. D. Richard
Manché (Berlin). — Hr. Postmeister Karl Irr⸗ gang (Steinau g. O.). — Hr. Rektor Karl Wendler (Bernstadt i. Schl.).
Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.
Acht Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).
agow (Brestau b. Linderode))
Berichte von deutschen Fruchtmärkten.
Marktort
Qualität
gering
mittel
gut
Ver⸗ kaufte
Durch⸗ schnitts⸗
Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner
(100 kg)
preis
Menge für
nie⸗ drigster
ℳ
höch⸗ ster
ℳ
nie⸗ drigster
ℳ
höch⸗ ster
nie⸗ drigster
ℳ
1 Doppel⸗ zentner
Doppel⸗
höch⸗- zentner
ster ℳ 100 kg ℳ
unbekannt)
Allenstein. 11““”ns Liegnitz.. Hildesheim Neuß. Mayen. Landshut Augsburg. Mainz. Breslau
ZS-.2a l
Allenstein. Lissa.. Liegnitz. Neuß. Mayen. Landshut. Augsburg. Mainz. Breslau
ZS..... 4 80
ayen. Landshut. Augsburg. Mainz. Breslau
88EE11165“
—
Liegnitz.. ildesheim euß.
Mayen.
Landshut
Augsburg.
Mainz.
Breslau
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1
schnittspreis wird aus den unabger Ein liegender Strich (— Punkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß ent
14,90
14,60
11,67 15,00
16,00
14,10
11,00
—
9,68 12,20 1225
11,90
15,00 14,60
13,33 16,00
14,60
111
12,90 15,60 13,00 12,10
— — — — — —S8S ☚ 88881181
13,44 13,20
12,30
15,80
15,33 17,40
15,40
11,20 10,90 11,15 10,70
14,29 14,40
11,10
12,30 12,30 13,00
13,46 15,60
13,00
13,30 12,40 12,60
15,59 16,40 13,50 12,70
undeten Zahlen berechnet. ) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist; ein
sprechender Bericht fehlt.
15,80 16,10 Roggen.
V
1
1 —
Weizen.
15,80
15,60 I
I
15,67 17,33
17,60
10,95 10,70 15,00 14,60 12,50 11,30 Ger 12,40
13,85 15,80
14,50
Hafer.
12,50
15,20 11,40
16,13 16,60 13,70
13,10
— 6
16,00 8 — 2 600
16,10 143
16,66 50 539
. —₰.
0 80 8 58 9 8⁸ 9Egne
80
18,20 17,10
11,40
11,20 12,00 15,71 15,00 12,75 11,50
st e. 12,60
14,00
10,50 14,62 16,80 16,30 15,40
13,60
18,00 12,40 14,00 17,74 18,00 14,35 13,20
Bemerkungen. 8 ““ 8 Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt. Der Durch⸗
Ueber deutsche Shakespeare⸗Forschung
Die Geltung Shakespeare's in Deutschland ist eine Sache, die im geistigen Leben aller Völker und ein Dichter fremder Zun ohne Beispiel in der Ge vorgekommen, daß so wie Eigenthum einer anderen Nation mit einer anderen Sprache daß sein Name so wie hier einging in die Reihe ihrer
lieblinge.
1
e in einem schichte der Literaturen.
eiten S dasteht. ande heim
8
Verschiedene Umstände sind zusammengetroffen, um das zu ermö
Undenkbar wäre die ganze Annäherung gewesen, wenn nicht zunächst und vor allem die germanische Stammesverwandtschaft, welche die insularen Angelsachsen mit den festländischen Deutschen verbindet, Shakespeare in unserem Vaterlande die Wege geebnet hätte. Laufe langer Jahrhunderte die Brudervölker in ganz verschiedenen anz verschiedenen Bedingun haben, wenn sich die Verhältnisse auch so gestaltet ha die sich ursprünglich so nahe Ste Gegensätze zu vertreten scheinen,
Richtungen und unter
blut verleugnet sich
Shakespeare
wandten, um sich 1 Zwange der geistigen Herrschaft Frankreichs zu zu einer nationalen deutschen Kunst zu gelangen.
der Shakespeare'schen Dichtungswelt kamen ¹ 1 von Schablone und Konvention und dann zur Selbständigkeit.
Jene Macht der Stammesverwandtschaft hat es auch ermöglicht, daß eine deutsche Uebersetzung so unmittelbar in die Fußstapfen des englischen Originals treten konnte. Völlig unerreichbar ist es für uns, auch wenn wir dem größten Uebersetzungskünstler das Amt anvertrauen würden, italienische oder spanische oder auch französische Poesie in unsere Sprache so hinüberzuret
gesehen, als August W amen für uns mit dem Namen Shakespeare sind, ihre meisterhaften Uebertragungen der Werke Dante sie boten das Beste, was si aber es gelang diesen Arb ch einen Platz im Herzen des Volkes zu erobern wie ihr Shake⸗
praktis deren
Cervantes' herausgaben; überhaupt hieten läßt, —
peare⸗Werk.
Was schließlich den Sieg zu einem so unerhörten, den Einfluß zu einem so dauernden gemacht hat, Shakespeare eben ein Dramatiker ist. Goethe, dem man in England, wie wir das in einigen früheren Nuffäͤgeg über Goethe⸗Forschung berührt haben, mit starker Liebe und ho dessen Dichtungen man dort zahlrei dessen Namen eine weitverbreitete Gesells Künstlern, literarischen Liebhabern anknüpft, — Goethe ist, trotz all dieser Schätzung durch einen erlesenen Kreis Höchstgebildeter, hen eits des Kanals darum nicht ei eine nicht im Drama l
Bühne herab die Massen in die ganze
stellern
von der
hhenden in manchen — das alte gemeinsame Stammes⸗ doch nicht; seine Kraft bleibt doch lebendig! Durch diese Kraft geschah es, daß die deutschen Dichter in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sich an die Engländer und hauptsächlich an von dem unerträglich gewordenen befreien und wieder Durch das Medium sie wieder zur Freiheit
ten, mie englische. ilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck, 's so eng verknüpft 's, Calderon's, hier vielleicht een doch nicht,
1
8
ist der Umstand,
Wie hier sch geworden, das ist Noch niemals ist es n diesem Falle die Werke eines Poeten worden, ational⸗
Wenn sich auch im
en entwickelt en, daß nun unkten extreme
as haben wir
er Begeisterung entgegenkam, che Uebersetzungen widmete, an chaft von Gelehrten, Schrift⸗
entlich populär geworden, weil egt, und es ihm so versagt ist, Fülle seiner herrlichen
lichen.
daß
Welt einzuweihen. Shakespeare's Künstlersprache aber ist die Sprache des Theaters, und mit ihr hat er das ganze Deutschland erobert.
Noch zu Lebzeiten des großen Briten kamen seine Werke nach Deutschland herüber. Die „englischen Komödianten“, die ersten eigent⸗ lichen Berufsschauspieler, die unsere Vorfahren kennen lernten, hatten in dem reichen Vorrath an Rollenbüchern, mit denen sie sich auf die Wanderschaft machten, auch Shakespeare'sche Texte. Freilich, bis diese zu den Ohren des deutschen Publikums gelangten, hatten sie meist nicht weniger als alles von ihrer ursprünglichen Herrlichkeit verloren. Denn wie kamen die Komödianten zunächst selbst in den Besitz dieser Stücke? Shakespeare ließ sie in seinem „Globe⸗Theater“ am Themse⸗Ufer aufführen, er spielte selbst darin mit, aber in den Druck F. er sie nicht. Theils nach dem flüchtigen Eindruck der eigenen
nschauung, theils nach den unzuverlässigen und lückenhaften Auf⸗ zeichnungen schlecht ausgebildeter und noch dazu während der Vor⸗ stellung heimlich arbeitender Stenographen machten sich die Konkurrenten ihren Text zurecht, auf vielfachen Umwegen elangte er schließlich in die Hände eines Unternehmers, der mit 8 Bande über die Grenzen zog, und war er schon von Anbeginn nichts weniger als authentisch gewesen, so läßt sich denken, welche nae Veränderungen, die natürlich stets gleichbedeutend mit Vers chlechterungen waren, er auf diesen verschlungenen Pfaden noch erfuhr. Aber mit diesen Verballhornungen war es noch lange nicht genug. Die Schau⸗ spieler sprachen zunächst naturgemäß nur englisch und sahen sich in und Daͤnemark, wohin sie sich erstlich wandten, kaum ver⸗ taanden, noch weniger in Deutschland, wohin 9 sich von dort aus be⸗ gaben. Sie waren, um ihr Publikum zu fesseln, darauf ö mehr im Mimischen als im Dichterischen ihre Wirkung zu suchen. Sie übertrieben darum dort und strichen hier, und sie fügten eine neue Rolle ein: den Spaßmacher oder Hanswurst, der sofort allgemein beliebt wurde und nun auch nicht mehr fehlen durfte. Als dann die englischen Komödianten deutsch zu lernen begannen, dachten sie natürlich nicht im entferntesten daran, den ursprünglichen reinen Text wiederherzustellen; das hätte viel zu viel Mühe gemacht, wenn es überhaupt möglich gewesen wäre. So blieben denn die Ver⸗ stümmelungen der wahren Gestalt ruhig bestehen.
In dieser Weise lernten die Deutschen des 17. Jahrhunderts Shakespeare’s Werke zuerst kennen. Zahlreiche Nachrichten in alten Akten liefern die Beweise, daß die englischen Truppen Dramen ihres größten Dichters in unserem Vaterlande zur Aufführung brachten. 1604 melden sich in Noͤrdlingen „etliche, so sich für Engelender an⸗ geben“ und wollen unter anderem „Romeo und Julitha“ spielen. 1611 sieht e Philipp von Bis bei einer Reise durch Nord⸗ deutschland am Hofe des Markgrafen Christian von Brandenburg in Halle eine „teutsche Komedia, der Jud von Venedig, aus dem Eng⸗ ländischen, agiren’. 1626 erscheinen in Dresden „Romeo und Julietta“, „Julius Cäsar“, „Hamlet“, „Lear“. Bei einer ürstlichen Hochzeitsfeier in Torgau 1627 wird wiederum unter anderen Stücken die Tragikomödie vom Julio Caesare’ gespielt. 8 der sä sischen Hauptstadt wirddann 1661 eine „Tragikomödie vom Mohren zu? enedig . 1678 der erste und zweite Theil „Von der bösen Katharina⸗ egehan⸗ d. h. natürlich Shakespeare’s „Bezähmte Widerspenstige“. Au einem Um⸗ wege lernten die Deutschen aus der Epoche des vtssste Krieges auch ein Stück des „Sommer 1 on diesem
Staats⸗Anzeiger 1892.
wundersamen Zaubermärchen reizte freilich weniger die zarte, duftige Elfenpoesie, die sich darin zu einem silbernen Schleier zusammenwebt, als vielmehr der grobe Humor in der Episode der Rüpel, die vor Theseus, dem FHerzoß von Athen“, in einer unfreiwillig komischen Aufführung das tragische Liebesgeschick Pyramus' und Thisbe’'s agieren. Dieses Theaterspiel im Theater gefiel, ein Mann Namens Daniel Schwenter bearbeitete es zu einem selbständigen Schwank, und diesen wiederum machte sich der größte deutsche Dramatiker des ganzen Jahrhunderts zu eigen. Andreas Gryphius, der seltsamer⸗ weise im Todesjahr Shakespeare's, 1616, zur Welt kam und gerade hundert Jahre nach dem Geburtsjahre des großen Briten (1564) starb, schrieb danach seine „Absurda Comica oder Herr Peter Squentz“, ein burleskes „Schimpfspiel“, theils in Prosa theils in Versen verfaßt, eine kleine Posse von einer san urwüchsigen dramatischen Geschicklichkeit und so köstlicher Behäbigkeit, daß ihre vis comica noch heute eine große Wirkung erzielen kann.
Aber während so das deutsche Publikum mittelbar und unmittelbar Shakespeare'sche Poesie kennen lernte, während schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts deutsch und lateinisch schreibende Dramatiker den Engländer nachweisbar bei ihrer Arbeit benutzten, war der Name dieses Mannes selbst bei uns noch unbekannt. Erst D. G. Morhof ein merkwürdiger Mann und der größte Gelehrte seiner Zeit, nennt ihn gegen Ende des Jahrhunderts, aber er hat dafür noch nichts von ihm gelesen oder gesehen. Ja, noch im Jahre 1740 weiß Bodmer, der große schweizer Schriftsteller und Kunsttheoretiker, den Namen nicht anders als „Sasper“ (auch „Saspar“) anzugeben! Um dieselbe Zeit jedoch haben wir die erste gründliche Beschäftigung mit Shakespeare anzusetzen. 1741 erschien zu Berlin „Versuch einer ge- bundenen Uebersetzung des Trauerspiels von dem Tode des Julius Cäsar. Aus dem englischen Werke des Shakespeare“. Der Ver⸗ fasser war Caspar Wilh. von Borck, preußischer Gesandter in London, Kurator der Berliner Akademie der Wissenschagten, ein vor⸗ trefflicher Kopf, dem König Friedrich der Große selbst ein Eloge schrieb. Seine Arbeit, über die vor einigen Jahren eine vortrefflibhe Studie von Walter Paetow erschienen ist (Berner Dissertation, Rostock [Adler's Erben] 1892), war für ihre Zeit eine höchst be⸗ achtenswerthe Leistung; sie war 88 mancher Unbeholfenheiten im Einzelnen doch im Ganzen sehr geschickt geschrieben, der herkömmliche Vers der Zeit, der Alexandriner, war darin in kluger Weise ver⸗ werthet. Und sie war eine That insofern, als sie sich gegen den damals in Deutschland auf literarischem Gebiet unumschränkt herrschenden Gottsched wandte, dessen vornehmstes Bestreben es war, das deutsche Drama nach dem Muster der französischen „haute tragédie“ neu zu beleben. Er, der die Werke der französischen Klassiker als einzig nachahmenswerthe Ideale aufstellte, dem Racine, Corneille, Voltaire, später auch Molibre und Destouches die Götter waren, mußte natürlich diesem Versuche, Shakespeare's freies Genie gegen seine wohlabgezirkelten Regeln aus⸗ zuspielen, feindlich gegenüberstehen. So kann es nicht Wunder nehmen, wenn wir ihn über Herrn von Borck's Arbeit in seiner Zeitschrift „Beyträge zur critischen Historie der deutschen Sprache, Poesie un Beredsamkeit“ (Band 7, 27. Stück, S. 516) sagen hören: „D elendeste Haupt⸗ und Staatsaktion unserer gemeinen Komödianten i kaum so voll Schnitzer und Fehler wider die Regeln der Schaubühne und gesunden Vernunft, als dieses Stück Shakespeare's ist“; an einer anderen Stelle meint er, der Julius Cäsar, „der noch dazu von den meisten für Shakespeare’s bestes Stück gehalte werde, habe so viel Niederträchtiges (d. i. im gebrauche jener Zeit = Niedriges) an sich, daß ihn Mensch ohne Ekel lesen könnel’“ Und wenn Herr von Borck seiner Vorrede eine Bemerkung gemacht hatte, die man dahin aus⸗ legen konnte, daß er noch weitere Shakespeare⸗Uebersetzungen plane, so schreibt der Diktator Sechen. „Der r Uebersetzer also, wenn er, wie er drohet, noch mehr übersetzen will, beliebe 85 unmaß hen „ bessere Urschriften zu wählen, womit er unsere Schaubühne
ereichern will, ehe er sich diese Mühe giebt; sonst wird ihm Deutsch⸗ land keinen größeren Dank dafür wissen, als Komödianten, die uns auch eine Menge Stücke aufführen, die sie aus allen kleinen Geistern der eee übersetzen, die von ihren eigenen Landsleuten ausgezischet und verworfen werden“. Interessant ist es, wie der Kritiker der Berliner „Haude'schen Zeitung“ sich über die Leistung des Herrn von Borck — der übrigens dauernd anonym blieb — äußerte; er stand mit dem Herzen offenbar auf Seiten Shakespeare’s und seines Dol⸗ metschers, suchte sich aber sehr vorsichtig auszudrücken, wohl um sich literarisch nicht um seinen Pis Ruf zu bringen. So schrieb er (1741, Nr. 118, vom 3. Oktober): „Wir wissen, daß weiter er (Shakespeare) noch die neueren theatralischen Dichter in Engelland sich nach allen den Regeln richten, welche auf der Frantzösischen Schau⸗ bühne nicht ohne Annehmlichkeit in Acht genommen werden . . .. Inzwischen finden wir das Große, nehmlich den rechten Character der Hauptpersonen in diesem Trauer⸗Spiele überall. Bey diesen Abbildungen (= Darstellungen) vergisset man sehr leicht dasjenige, was uns ungewöhnlich fürkommt, wenigstens sieht man es als einen Schatten an, der bey dem Lichte seyn muß.“
Es ist mit Bedacht von dieser ersten deutschen metrischen Shakespeare⸗- Uebersetzung ausführlicher gesprochen worden, weil das so verdienst⸗ volle Werk des geistvollen Dilettanten, das an manchen Stellen geradezu überraschend an die Großartigkeit des Originals erinnert, weit über Gebühr vergessen worden ist. Herr von Borck hat seine Sache ungleich besser gemacht als die beiden Männer, die ein Viertel⸗ jahrhundert nach ihm sich wieder an Shakespeare heranwagten. Von diesen war der eine kein geringerer als Wieland, der 1764 eine Reihe von Dramen des Engländers in Prosa über⸗ setzte; der andere war Joh. Joach. Eschenburg, ein Freund Lessing's, der 1777 an Wieland's Versuch anknüpfte. Wenn wir einzelne Stellen aus der Uebertragung des Herrn von Borck, die Walter Paetow in seiner oben bereits genannten Schrift mittheilt, mit den entsprechenden bei diesen bedeutend jüngeren Nachfolgern vergleichen, so kommen wir zu dem verblüffenden Resultat, daß jene eren die Vorlage nach dem Sinn und in der Form ungleich besser wieder⸗ eben. Zum Beweise dessen seien hier einige Proben gegeben.
.B. der Beginn von des Antonius Monolog an Cäsar’'s Leiche (3. Akt, 1. Scene): Shakespeare: thou bleeding piece of earth 8 8 von Borck: „Vergieb mir ach! vergieb! du blutend Stückchen
rhe. 8 G und Eschenburg: „O! vergieb mir, du blutender e
ichnam!
Bekanntlich hat A. W. von Schlegel später das „blutend Stückchen Erde“ wieder aufgenommen und so populär gemacht. Eine bekannte Stelle aus der wichtigen und berühmten Rede des Mark Anton auf den Freund (Shakespeare: The evil that men do lives after them, The good is oft interred with their bones) giebt von Borck 8 wieder:
„Das Uebel lebt nach uns, was wir begangen haben
„Und was wir Gutes thun, wird oft mit uns begraben.“ Wieland sehr trocken: „Das Böse, so die Menschen thun, lebt noch, wenn sie nicht mehr sind, das Gute wird oft mit ihren Gebeinen eingescharrt.“ Eschenburg nicht besser: „Das 5 das man thut, lebt noch
„O, pardon me,
nach uns; das Gute wird oft mit unsern ebeinen eingescharrt.“