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Rüdesheimer Bezirksstraße im 42— von Geisenheim an⸗ zuerkennen und die Kosten der Verbreiterung, soweit sie nicht der Gemeinde Geisenheim zufallen, in den nächsten Etat einzustellen, — dem mit der nde Niederlahnstein wegen Uebernahme des Eigenthums und der Unterhaltung einer Strecke der Wiesbaden⸗Ems⸗Koblenzer Bezirks⸗ straße vereinbarten Vertrage die Genehmigung zu er⸗ — und das Gesuch des Gemeindevorstandes zu
remberg um Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten der Ausführung von Gemeindewegebauten dem Landesausschuß zur Prüfung und Beschlußfassung zu überweisen. Zu den Berichten der ve ee. . wurde beschlossen: erstens die in den Kapiteln X und XI des Ausgabe⸗Etats⸗ entwurfs aufgeführten Beträge zu bewilligen, zweitens den Landes⸗Ausschuß zu ersuchen, dem ö. Land⸗ tage Normativbestimmungen für die Gewährung von Zu⸗ schüssen an landwirthschaftliche Schulen bei seiner nächsten Tagung vorzulegen und drittens: dahin zu wirken, daß den Gemeinden die Möglichkeit gegeben werde, durch Ortsstatut den Besuch der landwirthschaftlichen Fortbildungsschulen auf dem Lande seitens der aus der Elementarschule entlassenen jungen Leute in ähnlicher Weise anzuordnen, wie dies bezüglich der gewerblichen Fortbildungsschulen geschehen ist. Die dem Magistrat zu Idstein für die Baugewerkschule daselbst bisher bewilligte Beihilfe wurde weiter ge⸗ währt, der historischen Kommission für Nassau vorläufig ein Geldbeitrag von 1000 ℳ für ihre wissenschaft⸗ lichen Unternehmungen bewilligt und zu der bevor⸗ stehenden landwirthschaftlichen Ausstellung der Bienenwirthe am hiesigen Orte ein Zuschuß von 300 ℳ gewährt. Das Gesuch der Beamten der Landes⸗Direktion um Erhöhung der Wittwen⸗Pension, die Eingabe von Bezirksbeamten um anderweite Regelung ihrer Besoldungsverhältnisse und die Eingabe mehrerer Bureau⸗Assistenten der Landes⸗ Direktion um Beförderung zu Sekretären wurden dem Landes⸗Ausschuß mit dem Auftrag überwiesen, die Be⸗ soldungsverhältnisse der Bezirksbeamten zu prüfen und je nach dem Ergebniß der Prüfung dem Kommunal⸗Landtage eine Vorlage zu machen. Die bis jetzt von der
Finanzkommission vorberathenen Spezial⸗Etats des Bezirks⸗
verbandes wurden sämmtlich genehmigt. Alsdann wurden die bisherigen drei Beiräthe zur Landesbank⸗Direktion wieder⸗ gewählt, ebenso auch zwei Stellvertreter; für den dritten, ver⸗ storbenen Stellvertreter wurde der Banquier Arthur Andreae
zu Frankfurt a. M. gewählt.
Württemberg.
Ihre Majestäten die Königin und die Königin⸗ Regentin der Niederlande sind mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Elisabeth zu Waldeck und Pyrmont am Freitag Abend zum Besuch der Königlichen Familie in Stuttgart eingetroffen. 8 8
Oesterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser und der Erzherzog Otto sind am abend Nachmittag aus St. Petersburg wieder in Wien ein⸗ getroffen.- Die Kaiserin traf am Sonnabend früh von Territet in Wien ein und hat in der Villa im Lainzer Thiergarten Aufenthalt genommen. 1 8
Der Koͤnig von Serbien ist auf der Reise nach Cetinje
vorgestern Nachmittag in Fiume angekommen und begab sich
nach Abbazia zum Besuch dee Königs und der Königin
von Rumänien, bei denen Allerhöchstderselbe zwei Stunden verweilte.
Der Minister⸗Präsident Graf Badeni hat sich am Sonnabend Abend nach Budapest begeben und wird morgen von dort nach Wien zurückkehren. 3
Die ungarische Quotendeputation hielt vorgestern Abend in Budapest eine Sitzung ab, welcher die Minister
Baron Banffy und Dr. von Lukacs beiwohnten. Es
wurde beschlossen, an den Grundsätzen festzuhalten, welche von der von dem letzten Reichstage gewählten Quoten⸗ deputation in den otschaften an die österreichische Quotendeputation dargelegt worden sind. Sodann wurde ein Subcomité gewählt, welches mit dem Subcomité der öster⸗ reichischen Quotendeputation mündlich berathen soll. Zum Präsidenten des Subcomités wurde Szell, zum Referenten Falk gewählt. Außerdem gehören demselben Hegedues, Horanszky, Anton Lukacs, Matlekovics und Ko⸗ loman Tisza an. Die österreichische Quoten⸗ deputation trat gestern Vormittag in Budapest zu einer Sitzung zusammen, welcher auch der Minister⸗ Präsident Graf Badeni und der Finanz⸗Minister Dr. von Bilinski beiwohnten. Auf der Tagesordnung stand die Wahl eines Subcomités behufs Aufnahme der münd⸗ lichen Unterhandlungen mit der ungarischen Quotendeputation. Gewählt wurden Graf Schoenborn, von Jaworski, Beer, Dumba, Fort, Menger und Graf Zedtwitz. Die Ge⸗ nannten begaben sich nach der Sitzung in das ungarische Unter⸗ haus, wo um 12 Uhr die Subcomités beider Quotendeputationen zusammentraten. Graf Schoenborn und Koloman Szell führten den Vorsitz. Die Erörterung dauerte bis 3 Uhr Nach⸗ mittags, worauf die Fortsetzung derselben auf heute Nach⸗ mittag 5 Uhr anberaumt wurde. — Die ungarische Quotendeputation wurde für heute Vormittag 11 Uhr zu einer Plenarsitzung einberufen. Die österreichische Quo⸗ tendeputation trat gestern um 4 Uhr Nachmittags zu einer Plenarsitzung zusammen, welcher auch der Minister⸗Präsident Graf Badeni und der Finanz⸗Minister Dr. von Bilinski bei⸗ wohnten. Die Berathung währte bis 7 Uhr Abends.
Gestern fand in Reichenberg (Böhmen) der Partei⸗ tag der deutschen Volkspartei unter Betheiligung von Abgeordneten aus allen Kronländern statt. Es wurde eine mit allen parlamentarischen Mitteln durchzuführende Be⸗ kämpfung der Sprachenverordnung und die Entsendung einer Abordnung an den Kaiser beschlossen.
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Der radikal⸗sozialistische Deputirte Vuillod ist gestern im Jura⸗Departement zum Senator gewählt den.
Rußland. 8 Die Prinzessin Heinrich von Preußen ist, wie „W. T. B.“ meldet, am Sonnabend in Zarskoje⸗Sselo ein⸗ getroffen und daselbst von dem Kaiser, der Kaiserin und dem Großfürsten Paul, sowie von den Mitgliedern der deutschen Botschaft empfangen worden
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Das Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗Bureau“ erfährt aus Konstantinopel vom 1. d. M., der Sultan habe am tag dem rumänischen Gesandten Djuvara für die korrekte Kaltung Rumäniens während des Konflikts mit Griechenland einen Dank 4248 Die Nachricht von der Uebersendung der identischen Noten des Grafen Murawjew und des Grafen Goluchowski an die vier Balkanstaaten habe im Nildiz⸗Palast sehr befriedigt. Die Noten würden als Beweis für die auf Erhaltung der Integrität der Türkei gerichteten Bestrebungen der Kaiser⸗ mächte angesehen. Die Frage bezüglich der einstweiligen Ver⸗ leihung des Schutzes und der Kapitulationsrechte an die Griechen seitens der drei Mächte sei noch nicht geregelt; trotz⸗ dem erfolge die Fortsetzung der Abstempelung der Schutzscheine für die Griechen durch das französische Konsulat.
Nach einer Depesche Edhem Paschas hat am Freitag Abend eine Stunde Weges vor Velestino ein Kampf statt⸗ gefunden, welcher während der Nacht unterbrochen, am Sonn⸗ abend früh jedoch wieder aufgenommen wurde. Drei Be⸗ festigungen und vier Schützengräben seien genommen worden. Die Griechen hätten sich in eine Stellung bei einem westlich von Velestino gelegenen Dorfe zurückgezogen; dies Dorf sei von einem Redifbataillon besetzt worden. Haki Pascha sei mit 10 Bataillonen und zwei reitenden Batterien nach Velestino abgegangen.
us Pharsala wird der „Times“ vom 2. d. M. ge⸗ meldet, daß dort 30 000 Mann griechischer Truppen mit 60 Geschützen ständen. Die Türken rückten wahrscheinlich von Trikkala aus vor; die Griechen, deren Stellung schwach sei, blieben unthätig.
Eine in Konstantinopel eingetroffene Depesche des Kom⸗ mandanten der türkischen Truppen in Epirus vom Freitag meldet: Ein Evzonen⸗Bataillon und zwei Batterien, welche infolge eines Angriffs von türkischer Seite Kara⸗ vanserai () verließen, traten den Rückzug gegen Kumuzades an und ließen auf ihrem Wege ein Geschütz zurück. Die Höhen, welche den Paß von Kumuzades beherrschen, wurden von den Türken besetzt. Eine vorausgeschickte Reko⸗ gnoscierungs⸗Abtheilung traf nicht auf den Feind. Ein grie⸗ chisches Bataillon, welches mit drei Geschützen gegenüber Istlos an der Straße nach Luros erschien, w18 infolge der ö“ der Griechen bei Karavanserai ebenfalls zurück⸗ gehen.
Aus Konstantinopel vom gestrigen Tage meldet das Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗Bureau“, Saad Eddin Pascha sei mit 8000 Mann auserwählter Truppen, von Monastir kommend, in Janina eingetroffen. Die Pforte hoffe, durch Eingreifen frischer Truppen die Griechen baldigst aus Epirus hinaus zu drängen und sodann offensiv vorzugehen.
Die „Agence Havas“ berichtet aus Athen, daß, nach einem
Telegramm aus Kravasara vom 1. d. M., die Landbevölke⸗ rung in unbeschreiblicher Erregung nach Arta geflohen sei. Sämmtliche Läden daselbst seien geschlossen. In militärischen Kreisen werde die Frage des Rückzuges erwogen. Nach einem anderen Telegramm sehe man Feuer in der Richtung auf Philippiada aufsteigen. Die Türken hätten die Brücke über den Luros besetzt. Dem „Daily Telegraph“ wird aus Athen gemeldet, dort eingegangenen Nachrichten zufolge sei auf Mytilene ein Aufstand zu Gunsten Griechenlands ausgebrochen; die griechische Flotte werde sich unverzüglich dorthin begeben.
Griechenland.
In der vorgestrigen Sitzung der Deputirtenkammer erklärte, wie „W. T. B.“ meldet, der Minister⸗Präsident Ralli: Die erste Sorge der Regierung werde die Reor⸗ ganisation des Heeres sein, ohne diev; weder der Krieg fort⸗ gesetzt, noch ein ehrenvoller Friede herbeigeführt werden könne. Glücklicherweise bewahre die Armee, die eines besseren Schick⸗ sals würdig sei, ihren Muth; man könne sich vertrauensvoll auf dieselbe verlassen. Er, der Minister⸗Präsident, appelliere an die Deputirtenkammer und an die Nation. Die Regierung verlange, daß die Kammer sich mit einer Unterbrechung ihrer Tagung einverstanden erkläre. Delyannis sagte, es sei nicht nöthig, daß die Kammer ihre Ansicht durch eine besondere Ab⸗ stimmung kundgebe; gegen die Unterbrechung der Tagung der Kammer werde von niemand Einspruch erhoben werden. Seine Partei werde das neue Kabinet voll und ganz unterstützen, solange die Türken auch nur das kleinste Stüͤckchen des Vaterlandes besetzt hielten; die erste Sorge sei, den Feind aus dem Lande zu vertreiben. Die Prinzen müßten vom Kriegsschauplatz ab⸗ berufen werden, der Kronprinz sei zu ermüdet. Papamicha⸗ lopulo sprach sein Erstaunen über die Unthätigkeit der Flotte aus. Der Minister⸗Präsident Ralli bemerkte, alle Nachrichten über den Sieg der Griechen bei Velestino am 30. April bestätigten sich. Der Antrag auf Unterbrechung der Tagung der Depu⸗ tirtenkammer wurde einstimmig angenommen. Delyannis ging auf Ralli zu und drückte ihm die Hand. Die Sitzung wurde hierauf geschlossen.
Die Gesandten Italiens und Oesterreich⸗Ungarns statteten gestern den Ministern Rall i und Skuludis Besuche ab.
Bulgarien. Alm Sonnabend früh wurde, wie „W. T. B.“ aus Sofia berichtet, an mehreren Stellen in der Stadt ein revolu⸗ tionär⸗anarchistischer, in rothen Lettern gedruckter Aufruf angeschlagen. Der Aufruf, welcher die Unterschrift „Macedonisch⸗sozialistisch⸗revolutionäre Gruppe“ trug, wurde von der Polizei sofort entfernt. Die Person, welche den Aufruf gedruckt hatte, wurde verhaftet. “ “
Amerika.
Die Staats⸗Einnahmen der Vereinigten Staaten im Monat April betrugen, dem „W. T. B.“ zufolge, 37 812 135 Dollars, die Ausgaben 32 072 097; im April 1896 hatten die Ausgaben die Einnahmen um 4 704 488 Dollars überstiegen. Die Zolleinnahmen im April d. J. waren doppelt so hoch als diejenigen im April 1896.
Eine der „Times“ aus Montevideo vom 30. v. M. zugegangene Depesche meldet, daß nach Informationen aus amtlichen Quellen die Revolution der Blancos wegen Mangels an Geld und Schießbedarf im Erlöschen begriffen sei. Der Anführer der Blancos Nunez sei mit seinen sämmt⸗ lichen Offizieren von der revolutionären Partei abgefallen und habe ein in heftigster Sprache gehaltenes Manifest gegen das Revolutionscomité veröffentlicht.
Der König von Siam traf, wie das „Reuter sche Bureau“ meldet, vorgestern in Aden ein und setzte am Abend die Weiterreise nach Suez fort.
darüber beschwerten, daß sie gegen ihren
Afrika. Wie die „Agenzia Stefani“ aus Zeila vom 30. v. M. meldet, theilte der Major Nerazzini aus Balacca,
welches zwischen Gildessa und Harar liegt, mit, e
er am 28. v. von Menelik ein halten habe, worin es heiße, mit zahlreicher Begleitung das äthiopische Gehiet auf der Seite der Gallas nach Baro hin hätten betreten wollen. Da die Häuptlinge der letzteren sich dem widersetzt hätten, sei ein
Schreiben er⸗
Kampf entstanden, der mit Verlusten auf beiden Seiten geendet
habe. Zwei Italiener seien zu Gefangenen gemacht worden. Aus Sansibar werden der „Agenzia Stefani“ Einzelheiten
über die Bestrafung der an der Niedermetzelung der Expe⸗ dition C ecchi Betheiligten berichtet. Ungefähr 1000 Somalis wurden danach in die Flucht geschlagen, auf seiten der Italiener wurden ein Askari getödtet und dreizehn verwundet. Inden Hütten der Somalis wurden Gegenstände vorgefunden, welche der Ex⸗ Die Zerstörung der Dörfer
pedition Cecchi gehört hatten. der Schuldigen scheine auf die Somalis großen Eindruck ge⸗ macht zu haben; angesehene Einwohner von Mogdischu und
Häuptlinge der benachbarten Stämme hätten sich zu dem italienischen Kommandanten begeben, um ihn zu beglück⸗
wünschen. 2 Das „Reuter sche Bureau“ meldet aus Kapstadt, daß der Premier⸗Minister Sprigg in einer Entgegnung auf den
(in der vorgestrigen Nummer d. Bl. mitgetheilten) An⸗ 8
trag Merriman erklärt habe, daß, wenn der Friede mit Transvaal aufrecht erhalten bleiben solle, eine Aussöhnung beider Theile erfolgen müsse. Er werde der britischen Re⸗
gierung rathen, alle Mittel der Diplomatie anzuwenden, bevor
sie die Entscheidung durch einen Krieg versuche. Er hege in⸗
dessen die Zuversicht, daß die freundlichen Beziehungen mit
Transvaal würden aufrecht erhalten bleiben.
Aus Cape Coast Castle wird demselben Bureau vom
gestrigen Tage gemeldet, daß der Gouverneur beunruhigende Nachrichten aus dem Hinterland der Goldküste erhalten habe.
Es scheine fast gewiß zu sein, daß die Expedition unter des Lieutenants Henderson, welche im An⸗ ang vorigen Monats von Samory in Wa an⸗
gegriffen wurde, von einer Katastrophe ereilt worden sei. Beglaubigte Einzelheiten fehlten noch; indeß habe der Gouverneur erfahren, daß Ferguson, ein seit langer
Zeit im Kolonialdienst stehender Neger, schwer ver⸗ wundet worden sei. Die Lage werde für sehr ernst gehalten.
Der Gouverneur sei am Sonnabend nach Accra abgereist. Henderson war der Führer einer Gesandtschaft, welche mit den Häuptlingen des Hinterlandes Verträge abschloß, und wurde von einer starken Bedeckungstruppe begleitet. Die britischen Bebhürden betrachten Wa als zur britischen Interessensphäre gehörig.
Parlamentarische Nachrichten. In der heutigen (213.) Sitzung des Reichstages,
welcher der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der Staats⸗
sekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats⸗Minister von Marschall und der Staatssekretär des Reichs⸗ Schatzamts Dr. Graf von Posadowsky beiwohnten, stand folgende Interpellation der Abgg. Graf von Kanitz (d. kons.) und Genossen auf der Tagesordnung:
„Beabsichtigen die verbündeten “ angesichts der be⸗ vorstehenden Erhöhung wichtiger Positionen des Zolltarifs der Nord⸗ amerikanischen Unton, insbesondere der verschärften Differenzierung der deutschen Zuckereinfuhr, an dem durch Notenaustausch vom 22. August 1891 getroffenen Uebereinkommen mit den Vereinigten Staaten festzuhalten?“
Nachdem der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats⸗Minister Freiherr von Marschall sich bereit erklärt hatte, die Interpellation sofort zu beantworten, begründete der Abg. Graf von Kanitz dieselbe in längerer Rede, die bei Schluß des Blattes noch nicht beendet war.
— Der Schlußbericht über die vorgestrige Sitzung des Hauses der Abgeordneten befindet sich in der Ersten Beilage.
— In der heutigen (74.) Sitzung des Hauses der Ab⸗ geordneten, welcher der Minister der geistlichen ꝛec. An⸗ gelegenheiten D. Dr. Bosse beiwohnte, wurde die zweite Be⸗ rathung des Etats des Ministeriums der geistlichen, “ und Medizinal⸗Angelegenheiten fort⸗ gesetzt. 1 8 “ Bei der Funktionszulage für den Vorsteher der Meßbild⸗ Anstalt für Denkmalaufnahmen regt
Abg. von Riepenhausen (konf.) eine Erweiterung des Meßbildverfahrens an und erinnert an die Ausführungen der früheren Abgg. Meyer⸗Arnswalde und August Reichensperger. Das phboto⸗ grammetrische Institut bestehe nunmehr seit 10 Jahren und könne auf gute Leistungen zurückblicken; es müsse alles gethan werden, Wum das Institut lebensfähig zu erhalten. Es sollten nicht nur die Baudenkmäler unseres Vaterlandes, sondern in der ganzen Welt, soweit sie künstlerischen Charakter baben, aufgenommen werden. Mit Summen, die in dem ganzen Etat verhältnißmäßig gering seien, ließe sich eine solche Erweiterung des Instituts vor⸗ nehmen. Bisher sei nur eine verschwindende Anzahl von Aufnahmen von Baudenkmälern gemacht worden. Der Kultus⸗Minister möge seinen Einfluß bei dem Finanz⸗Minister geltend machen, um die nöthigen Mittel zur Ausgestaltung des Instituts zu erhalten.
Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten D. Dr. Bosse: Im Kultus⸗Ministerium herrscht das größte Interesse für das Meßbild⸗ verfahren, und die Aufnahmen schreiten in erfreulicher Weise fort; 1 aber es hat sich noch nicht ein Mann gefunden, der nach dem Tode des Erfinders des Verfahrens, Regierungs⸗ und Geheimen Bauraths Meyden bauer dieses komplizierte Verfahren auch im Wege der Lehr⸗ thätigkeit zu verallgemeinern im stande war. Bis jetzt haben die Mittel des Instituts ausgereicht. Sollte das nicht mehr der Fall sein, so würde ich weitere Mittel bei der Finanzverwaltung beantragen. Wir erkennen den Werth der Sache in jeder Weise an, und es ist
nicht zu befürchten, daß dem Institut Eintrag gethan werden könnte.
Abg. Dr. Dittrich (Zentr.) betont gleichfalls die Bedeutung des photogrammetrischen Verfahrens. Abg. Freiherr von Plettenberg⸗Mehrum k(kons.) erklärt, daß seine Freunde sich der Anschauung von dem Werth des Ver⸗ fahrens vollkommen anschließen, daß sie aber bei den sonstigen hohen Anforderungen an den Staatssäckel davon Abstand nehmen, eine höhere Summe dafür in den Etat einzustellen, zumal sie die bisher eingestellte Summe von 18 000 ℳ für genügend halten und es hier heiße: principiis obsta. Bei den Ausgaben für die evangelischen Konsistorien bringt b gb.. Rickert (fr. Vgg.) die Petitionen aus vier Kirchen⸗
gemeinden in seinem Danziger Wahlkreis Anr Sprae. keeveblr⸗ G en nach ein
daß mehrere Italiener
Ort eingepfarrt worden seien. Er bitte die Petitionskommission, die ion bald in Berathung zu nehmen, damit die Sache aufgeklärt werden könne.
Bei den Ausgaben für die Bisthümer und die zu den⸗ selben gehörigen Institute beantragen die . .
Abgg. von der Acht (Zentr.) und Genossen, die Regierung zu ersuchen, eine Erhöhung der Bezüge der Domkapitularien, Dom⸗ vikarien, Diözesanbeamten, Diözesananstalten und Domkirchen in Aussicht zu nehmen und bebufs Feststellung des Bedarfs mit den katholischen Bischöfen in Verbindung zu treten.
Abg. Dr. Porsch (Zentr.) bittet, entgegen dem ablehnenden Beschluß der Buüdgetkommission, um Annahme des Antrags. Die Bezüge der Geistlichen seien sowohl in der katbolischen, wie in der evangelischen Kirche zu gering. weifellos sei das Bedürfniß einer Erhöhung für die omgeistlichen und „Beamten vorhanden, deren Vorbildung ihrem Range nicht entspreche. Die Gehälter der geistlichen Beamten dürften von der allgemeinen Beamtenaufbesserung nicht ausgeschlossen werden, und wenn man die Gehälter der evangelischen Geistlichen erhöhe, müsse man auch die katholischen bedenken; die Gehälter der Domgeistlichen seien im Jahre 1821 festgesetzt, seit welcher Zeit der Werth des Geldes ge⸗ sunken sei, während die Anforderungen an die Lebenshaltung ge⸗ stiegen seien. Redner will dahingestellt sein lassen, ob eine Ver⸗ pflichtung des Staates hier vorliegt, aber jedenfalls stehe fest, daß die Abmachungen der Bulle „de salute animarum“ nicht erfüllt seien. Wenn man staatlicherseits die Bulle korrekt, d. h. nach dem Wortlaut ausgeführt hätte, ständen die Domgeistlichen günstiger da. Bei der Säͤkularisation sei den Geistlichen eine reichliche Dotierung zugesagt worden. Allein für die Diözese Breslau habe man berechnet, daß der Staat aus der Säkularisation 4 496 662 Thaler jährlich ize⸗ wonnen babe, selbst nach Abzug dessen, was der Staat aus dem säku · larisierten Vermögen für die Dotierung der Geistlichen angesetzt habe. Der verstorbene Dompropst Kaiser in Breslau habe wiederholt erzählt, daß bei der Säkularisation der Staat den Breslauer Domherren 2000 Thlr. jährlich habe geben wollen, daß aber die Domherren selbst wegen der bedrängten Lage des Vaterlandes davon 1000 Thlr. auf dem Tische des Vaterlandes geopfert hätten. Die Regierung möge in den Akten nachsuchen, ob diese Erzählung begründet sei. Redner zitiert als ferneres Zeugniß dafür das Buch eines evangelischen Geist⸗ lichen aus der Zeit der Säkularisation: „Denkwürdigkeiten Schlesiens“.
(Schluß des Blattes.)
Arbeiterbewegung.
Der sogenannte „Arbeiter⸗Feiertag“ der Scozialdemokraten am 1. Mai ist auch in diesem Jahre, soweit Nachrichten vorliegen, überall ohne Störung verlaufen. In den großen deutschen Städten scheint die Betheiligung der Arbeiter zumeist geringer gewesen zu sein als in den Vorjahren. Hier in Berlin war nach den Mittheilungen der Blätter von der bedingt geplanten Arbeitsruhe fast nichts zu spüren. Aus Breslau und Dresden wird der „Köln. Ztg.“, aus Mainz der „Frkf. Ztg.“ Aehnliches gemeldet. 8
Aus Kiel wird der „Köln. Ztg.“ telegraphiert: Da die Arbeit⸗ geber des Tischlergewerbes gestern die Verhandlungen vor dem Gewerbegericht abbrachen, beschloß eine Versammlung der Aus⸗ ständigen, für den Fall, daß die Meister bis heute die Forderungen nicht bewilligt hätten, einen allgemeinen Ausstand zu erklären und die Forderungen zu erhöhen. (Vgl. Nr. 97 d. Bl.)
In Bremen ist nach der „Weser⸗Ztg.“ der Ausstand der Arbeiterinnen der Jute⸗Spinnerei und Weberei Bremen durch Vermittelung des Einigungsamts des Gewerbegerichts beendet worden. Die Forderungen wurden zum theil bewilligt. (Vgl. Nr. 101 d. Bl.) “
Hier in Berlin ist die Lohnbewegung der Schriftoießer durch einen Vergleich zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern bei⸗ gelegt worden. (Vgl. Nr. 92 d. Bl.)
Kunst und Wissenschaft.
Am Sonnabend wurde, wie schon kurz mitgetbeilt, die Große Berliner Kunstausstellung 1897 im Landes⸗Ausstellungspark durch einen Festakt in der Kuppelballe, welche mit einer Büste Seiner Majestät des Kaisers ausgeschmückt war, eröffnet. Ergänzend bezw. berichtigend ist noch hinzuzufügen, daß zunächst der 4 der Ausstellungskommission, Professor Ernst Koerner einen kurzen Bericht über die Ausstellung, die in diesem Jahre im wesentlichen nur Werke Berliner und Düsseldorfer Künstler enthalte, erstattete, worauf im Auf⸗ trage des durch die Verhandlungen im Abgeordnetenhause behinderten Ministers der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten der General⸗Direktor der Königlichen Museen, Wirkliche Geheime Ober⸗Regierungs⸗Rath Dr. Schöne die Eröffnungsrede hielt und mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König als dem Schirmherrn und Beschützer der Künste die Ausstellung für eröffnet erklärte. Alsdann erfolgte der übliche Rundgang. — Etwa um 2 Uhr fanden sich darauf die Künstler und eine Anzahl Ehrengäste in dem großen Restaurations⸗ Pavillon zu einem Festmahl ein. An der Ehrentafel hatten der General⸗Direktor der Königlichen Museen, Wirkliche Geheime Ober⸗ Regierungs⸗Rath Dr. Schöne und der Ehren⸗Präsident der Akademie ee Karl Becker zur Seite des Vorsitzenden der Ausstellungs⸗ ommission, Professors Ernst Koerner Platz genommen; ferner saßen an derselben unter Anderen die Wirklichen Geheimen Räthe, Pro⸗ fessor Adolf Menzel und Graf von Harrach, der Ober⸗Bürgermeister Zelle und der Stadtverordneten⸗Vorsteher Dr. Langerhans. Weitere fünf Tafeln waren von den übrigen Festtheilnehmern dicht besetzt. Die Reihe der Trinksprüche eröffnete General⸗Direktor Dr. Schöne mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser; Professor Ernst Koerner gedachte in seiner Rede des Staats⸗Ministers Dr. Bosse und leerte sein Glas auf das Wohl des mit seiner Vertretung beauftragten General⸗Direktors Dr. Schöne. Pro⸗ fessor Müller gedachte der deutschen Kunst und der deutschen Künstler, Maler Hausmann der Ausstellungskommission, Professor Becker der Stadt Berlin, Stadtverordneten⸗Vorsteher Dr. Langerhans der Ber⸗ liner Künstler. Weitere Reden hielten noch die Maler Dielitz, Graf von Harrach und zum Schluß der Wirkliche Geheime Rath, Professor Adolf Menzel. — Von 5 Uhr ab wurde der Ausstellungspark dem Publikum eröffnet.
Dem Königlichen Museum für Naturkunde ist am
13. Januar d. J. eine dritte Sendung konservierter Thiere von dem Leiter der wissenschaftlichen Station in Neupommern, Professor Dr. Dahl, zugegangen. Die Sendung enthielt: 22 Saäugethier⸗Skelette, Bälge und Schädel, 3 Vece sgr. eine Anzahl Vogeleier und Nester, 48 Reptilien und Amphibien und 1 Glas mit Schildkröteneiern, 176 Fische, mehrere Hundert Gläser mit Insekten, mehrere Kästen mit trockenen Iasekten, 51 Gläser mit Krebsen, 80 Arten Land⸗ und Meerezmollusken, 74 Gläser mit Würmern, 15 Seewalzen und See⸗Igel, 30 Schwämme, je 1 Aktinie und 1 Foraminifere. Die Konservierung der Thiere war 1 gut. Der wissenschaftliche Werth der Sammlunz ist be⸗ deutend. Alle Stücke sind mit genauen Fundortsangaben und viele mit biologischen Bemerkungen versehen. Eine große Anzahl der ge⸗ ammelten Thiere war vorher in jenem Gebiet noch nicht ge⸗ nden worden. — Ferner gingen am 3. März von Pro⸗
fessor Dahl als vierte Sendung ein: 9 Säugethiere in Alkohol, 39 Vogelbälge nebst einer großen Anzahl Vogel⸗ nester und Eiern, 50 Reptilien und Amphibien, eine Anzahl Fische, 21 große und 197 Röhrengläser mit Insekten, Myriopoden und Arachniben, 488 genadelte Insekten, 155 Insekten in Düten und Rollen, 37 große Gläser und 8 Röhrengläser mit Krebsen ferner eine größere Anzahl von Mollusken, Würmern, Echinodermen, Coelenteraten
und S en. Die Konservierung war auch bei dieser Sendung gut.
Der wissenschaftliche Werth war derselbe, wie der der vorhergehenden Sendung. .
„Verein des Museums für deutsche Volks⸗ trachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes“ hielt gestern unter dem Vorsitz der Herren Geheimer Regierungs⸗Rath Professor Dr. Schwartz und Geheimer Medizinal⸗Rath Professor Rud. Virchow im Hörsaal der alten Gewerbe⸗Akademie, Klosterstraße 36, in welcher das Museum sich befindet, seine Generalversammlung ab, in der nach Vorlegung des gedruckten Jahresberichts mitgetheilt werden konnte, daß die umfangreiche Neuaufnahme der gesammten Bestände nunmehr zum Abschluß. gebracht ist. Die Stammsammlung besteht aus insgesammt 5501 Nummern. Darunter befinden sich 142 ganze Trachten, von denen jedoch nur 69 ausgestellt sind, während 73 noch eingepackt liegen. Auf die einzelnen deutschen Länder und Landestheile vertheilen sich di⸗ Objekte, wie folgt: Bayern 1152, Pommern 765, Elsaß 689, Brandenburg 603, Ostpreußen 490, Schleswig⸗ Holstein 435, Baden 312, Hessen⸗Nassau 174, Braunschweig 135, Hannover 93, Provinz Sachsen 73, Westfalen 62, am. burg 57, Pommern 59. Die übrigen deutschen Landestheile sind durch eine kleinere Zahl von Gegenständen vertreten; garnicht vertreten sind nur Westpreußen, Waldeck und Lübeck. Unter den außerdeutschen Ländern stehen voran die 52 mit 146 und Oesterreich mit 63 Gegenständen. Zu der Stammsammlung kommen noch hinzu: die Sammlung des Professors Virchow mit 70 Gegenständen, 134 Gegen⸗ stände, die aus dem Kunstgewerbe⸗Museum überwiesen und finischen und slavischen Ursprungs sind, ferner die dem Museum nicht eigen⸗ tbümlich gehörige deutsch⸗ethnographische Sammlung der Chicagoer Weltausstellung mit 1104 Nummern und endlich die Bibliothek mit 72 Nummen, sodaß die Bestände 6881 Nummern umfassen. Die gelegentlich einer Londoner Ausstellung zusammengebrachte Dr. Jahn'sche Sammlung, die bisher auch im Museum ausgestellt war, ist nach Uebersiedelung des Dr. Jahn nach London herausgenommen worden. Der Verein ist jetzt bemüht, Mittel zum Erwerb der Chicago⸗Sammlung zusammenzubringen. Das Interesse für das Museum soll durch zeit⸗ weilige Publikationen und Versammlungen zu heben gesucht werden. Auch die Frage der Beschaffung neuer Räume bedarf der Erwägung. — Nach Wiederwahl des Vorstandes legte Fabrikant Sökeland neue Erwerbungen des Museums vor. Darunter befinden sich eine Kollektion von Apparaten zur Flachsbereitung, eine Darstellung der Fabrikation der Holzschuhe, wie sie in Westfalen als Winterarbeit bekrieben wird, und das Modell eines ländlichen Zichorienfabrikations⸗Betriebes, wie er im Kreise Tecklenburg gleichfalls als Wintergewerbe gehandhabt wird. An den Vortrag schloß sich ein Rundgang durch das Museum.
— Für die VII. Internationale Kunstausstellung zu München 1897 fungieren als Aufnahmejury der Sezession nach⸗ folgende Herren der Vorstandschaft derselben: die Maler Ludwig Dill, Professor, Erster Präsident; Hugo Freiherr von Habermann, Professor und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste, Zweiter Prä⸗ sident; P. W. Keller⸗Reutlingen, Erster Schriftführer; Arthur Lang⸗ bammer, Zweiter Schriftsührer; Hubert von Heyden; Albert Keller, Prefefhes und Ehrenmitglied der Akademie; Christian Landenberger;
ranz Stuck, Akademie⸗Professor; Fritz Ritter von Uhde, Profesor und Ehrenmitglied der Akademie; Heinrich Zügel, Akademie⸗Professor und Ehrenmitglied der Akademie; der Bildhauer Josef Floßmann; ferner als Ersatz: die Maler Theodor Hummel, Hugo König, Pro⸗ fessor, und Wilhelm Volz. 8
— In der neuen Glyptothek zu Kopenhagen ist vorgestern die internationale Kunstausstellung in Anwesenheit der ganzen Königlichen Familie feierlich eröffnet worden.
Land⸗ und Forstwirthschaft.
Die oberschlesischen Nothstands⸗Meliorationen des Jahres 1896.
Im Jahre 1896 wurden in Oberschlesien die Anlagen von 12 Ent⸗ wässerungs⸗Genossenschaften (gegen 14 im Vorjahre) mit einem Ge⸗ sammtflächeninhalt von rund 2511 ha (gegen 2169 ha im Vorjahre) abgenommen. Für eine weitere Genofseisschaft (40,3892 ha) wird die “ zur Zeit revidiert, die Anlagen sollen demnächst abgenommen werden. Bei 13 Genossenschaften sind die Ausführungsarbeiten zwar beendet, die Abrechnungen aber noch nicht eingereicht (Flächeninhalt 2182 ha). In der Ausführung begriffen sind die Anlagen bei 11 Ent⸗ wässerungs⸗Genossenschaften undeiner Ent⸗und Bewässerungs⸗ Genossenschaft (1860 ha), während die Vorbereitungen zur Ausführung bei einer Entwäs b“ (100 ha) getroffen ges⸗ Gebildet wurden zwei solcher Genossenschaften mit einem Flächen⸗ inhalt von etwa 510 ha. In der Bildung begriffen sind fünf Ent⸗ wässerungs⸗Genossenschaften. Außerdem sind drei Anträge auf Bildung von Wiesen⸗Meliorations⸗Genossenschaften einge⸗ gangen, welche Projekte zur Zeit revidiert werden. Weitere Projekte sind in der Vorbereitung begriffen. Zwei Flußregulierungs⸗ projekte, von deren Durchführung eine erhebliche Verbesserung der anliegenden Wiesen zu erwarten ist, sind von den Interessenten ge⸗ nehmigt worden; die Statuten für die zu bildenden Genossenschaften sollen nunmehr vorgelegt werden.
Ueber die Erfolge der ausgeführten Meliorationen ist Folgendes zu bemerken: 1
Die Wirkung der Drainage bei der nassen “ des Sommers 1896 ist recht günstig gewesen. Die Frühjahrsbestellung war auf drainiertem Boden trotz der anhaltenden Niederschläge rechtzeitig möglich, während sie sich auf undrainiertem Boden vielfach überhaupt nicht oder erst gegen Ende Mai ermöglichen ließ. Die Mehrerträge aller Fruchtarten gegen früher sind im Durch⸗ schnitt auf 25 v. H. zu veranschlagen. Bei Kartoffeln stellte sich der Prozentsatz infolge der durch die Drainage ab⸗ gewendeten Kartoffelfäule noch höher. Es liegen viele Fälle vor, wo sich die Mehrerträge auf das Doppelte des früheren Ernteergeb⸗ nisses stellen. Auf den Wiesen zeigten sich ebenfalls günstige Erfolge. Es war sogar stellenweise ein Mehrertrag von 50 v. H. gegen früher zu verzeichnen. Hervorzuheben ist noch, daß meliorierte Moorflächen, welche bisher fast ertraglos waren, einen Pachterlös von 20 ℳ pro Morgen einbrachten.
Die durch die Nothstands⸗Meliorationen bis jetzt über haupt erst kulturfähig gewordene Fläche beträgt 614,50 ha.
Saatenstand in Süd⸗Italien.
unter starkem Regen zu leiden gehabt. Das in den letzten Monaten eingetretene gute Wetter hat dann aber einen so günstigen Einfluß ausgeübt, daß nunmehr die Getreideernte in ihrer Gesammtheit zu sehe r Hoffnungen berechtigt. Das Gleiche gilt von der Frühlings⸗ aussaat.
Die Blüthe der Obstbäume ist allenthalben glücklich vorüber, und der Wein ist weit vorgeschritten.
1 Verkehrs⸗Anstalten.
Malmö, 2. Mai. Von den Theilnehmern an dem Feste der Eröff⸗ nung der neuen Dampferlinie Saßnitz — Trelleborg waren während des Festmahls in Malmö an Ihre Majestäten den Deutschen Kaiser und den König von Schweden und Norwegen Huldigungs⸗ Telegramme abgesandt worden. Als Antwort ist, wie „W. T. B.⸗ meldet, folgende Depesche Seiner Majestät des Deutschen Kaisers eingegangen: 3 1b
„Den Festtheilnehmern für die Mir zum Ausdruck gebrachte Huldigung Meinen Kaiserlichen Dank. Möge auch diese neue Ver⸗ bindung den friedlichen wie freundschaftlichen Beziehungen der schwe⸗ dischen und deutschen Völker zum Segen gereichen.
Wilhelm, I. R.“
Seine Majestät der König von Schweden und Nor⸗ wegen antwortete: 3
„Ich bin mit lebhaftem Antheil der bedeutsamen Fahrt und dem
Feste gefolgt; ich danke dem Kaiser und der preußischen Regierung,
Die Aussaat in Süd⸗Italien und Sizilien hat im vorigen Herbst
welche die neue Verbindung kräftig gefördert haben; ich hoffe, daß sie beiden Ländern einen Nutzen bringen und das gute Verbältni zwischen beiden Völkern festigen werde. Oskar.“
London, 1. Mai. (W. T. B.) Union⸗Linie. D.„Athenian ist heute auf der Heimreise in Southampton angekommen.
— 3. Mai. 42 T. B.) Union⸗Linie. am Sonnabend au
IT(„vLheater und Musik. .
„Gaita“ ist der Ausreise von Southampton abgegangen.
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veb.“ Zum Besten der Genossenschaft deutscher Bühnen⸗Angehöriger wurden gestern in einer Mittagsvorstellung unter dem zusammen⸗ fassenden Titel „Redivivi“ drei längst und allgemein bekannte einaktige Stücke aufgeführt. Emil Pohl's sinniges Lustspiel „Thea oder die Schufreiterin⸗ machte den Anfang und verbreitete in der treff⸗ lichen Darstellung, die dem Stück hier zu theil wurde, Behaglich⸗ keit und Frohsinn durch das Haus. Herr Sauer als eleganter, leichtlebiger Baron von Wedding, Herr Nissen als an Herz und Körper gleich frischer und kerngesunder Landedelmann und Frau Sandow in der Rolle der geistvollen Baronesse Thea brachten jede Wendung des Dialogs so trefflich zur Geltung, daß die fröhliche Theilnahme bis zum letzten Wort rege blieb. — Eine ungemein drastische Wirkung erzielte die köstliche Operette „Fritzchen oder Guten Morgen, HerrFischer!“ von W. Friedrich mit der Musik von E. Stiegmann. Herr Hermann Müller gab den alten schreckhaften Doktor Hippe und Frau Schneider das Dienstmädchen „Guste“ mit drastischer Charakteristik; besonders entwickelten sie in dem Moment, wo in ihnen die Angst vor einer unfreiwillig vollbrachten, grausigen That aufsteigt, eine erschütternde Komik; beide trugen außerdem ihre Coupletverse mit prächtiger Laune vor. Auch die Herren Menzel, als der alte Fischer aus Havelberg und 5 Hanns Fischer als sein Sohn Fritzchen trugen das Ibrige zum
elingen der Aufführung bei. — Die Darstellung der Suppeé'schen Operette „Flotte Bursche“ oder „Das Ewig⸗Männliche“, wie sie parodistisch genannt war, erfordert eigentlich geschultere Ge⸗ sangskräfte, als man unter Schauspielern zu finden pflegt. Trotz⸗ dem boten alle Mitwirkenden, besonders Frau Schneider, in einer lustigen Burschenrolle und Herr Thielscher als Stiefelputzer Fleck recht glückliche Leistungen dar. Den größten Erfolg trug aber in dieser Operette Herr Kainz davon, der den alten Geizhals Geier durch eine fast erschreckend hbäßliche Maske und durch eine reiche Zahl uralter, aber noch heute zugkräftiger Nuancen charakterisierte.
Lessing⸗Theater. Das Ferenczy⸗Ensemble errang am Sonnabend mit der Auffüh⸗ rung der englischen Operette „Die Geisha“ oder „Eine ja⸗ panische Theehausgeschichte’ von Owen Hall, zu der Sidney Jones die Musik geschrieben hat, einen Erfolg, wie er auf diesem Gebiet seit dem Erscheinen des „Mikado“ kaum wieder da⸗ gewesen ist. Die glückliche Wirkung beider Operetten entspringt zum theil gleichen Ursachen, insofern eine gewisse Verwandtschaft in der Wahl der Handlung und der Oertlichkeit, endlich auch in der musi⸗ kalischen Gestaltung und in der Form der Darstellung besteht; nur tritt in der „Geisha“ die zarte lyrische Empfindung stärker hervor, als in dem auf eine kräftigere humoristische Wirkung abgestimmten „Mikado“. Vom Beginn an nimmt die Musik Sidney Jones' durch ihre anmuthige und stets eigenartige melodische Erfindung für sich ein; jedem Einzel⸗ und Ensemblegesange wird durch irgend eine orginelle Wendung ein lebendiger Reiz ver⸗ liehen, der besonders in den Geisha⸗Liedern von blühender Frische ist. Neben der sanften lyrischen Stimmung kommt in reicher Abwechselung aber auch der Humor in den komischen Nummern, die nach englischer Sonderart den Minstrel⸗Liedern nachgebildet sind, zu seinem Recht. Dieser stimmungsvolle Melodienreiz, der über die beiden ersten Akte verschwenderisch ausgebreitet ist — der dritte Akt steht musikalisch hinter den beiden ersten zurück — wird mit künstlerischem eingefühl durch eine Instrumentation von ebenso zarter wie ursprüng⸗ icher Klangschönheit noch besonders gehoben. Die Handlung kommt bei der Wirkung dieser Operette sehr wenig in Betracht, ja, es ist eigentlich gar keine Handlung vorhanden. Man wird erheitert und erfrischt durch die einzelnen Episoden, die in Lied und Tanz in die Erscheinung treten. Der Tanz oder eigentlich eine wiegende, ryth⸗ misch⸗gefällige Bewegung begleitet alle Gesänge, und hierbei ent⸗ wickelten die Hauptdarsteller wie der Chor eine überraschende Anmuth und zuweilen auch eine drollige Gelenkigkeit. Wie die Musik zarte Empfindungen und Frohsinn weckt, so wird das Auge erfreut durch die Schönheit der Bewegung, den phan⸗ tastischen Reiz des Fächerspiels, den Glanz der wogenden Gewänder, die sich in blumiger Pracht sammt den Blüthen und Bäumen von dem lichten Himmel eines Frühsommertages abheben. Die Operette ist mit Sorgfalt einstudiert worden und ging tadellos von statten. Als Darstellerin der Hauptrolle, der Geisha Mimosa San, führte sich eine junge, fast noch kindliche Künstlerin, Fräulein Mia Werber, mit utem Erfolge ein; sie verkörperte die kleine, schmeichlerische Japanerin im ortrag und in der Bewegung mit reiner Mädchenhaftigkeit und zarter Anmuth. Herr Carl Schulz sang die Partie des englischen Lieutenants Reginald mit Geschmack und Empfindung. Als Wirth des Thee⸗ hauses „Zehn Tausend Freuden“ entwickelte Herr Sondermann eine staunenswerthe Beweglichkeit der Glieder und eine bemerkenswerthe Geschicklichkeit im Kupletvoctrag. In kleineren Rollen traten noch die Damen Erich (Molly Seamore) und Delma (Juliette) sowie Herr Ander (Marquis Imari) hervor. Die Zuhörer nahmen, in günstigster Stimmung, das Werk mit stürmischem Beifall auf.
Im Königlichen Opernhause wird morgen Bizet'’s Oper „Carmen“ gegeben. Den Don José singt der Königliche Kammersänger Herr Emil Götze als Gast. Musik⸗Direktor Steinmann dirigiert.
„Im Königlichen Schauspielbause gelangt morgen Karl Niemann's Lustspiel „Wie die Alten sungen“ in der bekannten Besetzung zur Aufführung.
Im Theater Unter den Linden konnte gestern die Erst⸗ aufführung der neuen Operette „Der Wunderknabe’ von C. von Taund wegen eines Unfalls, der die Darstellerin der Hauptrolle bei der Generalprobe betroffen hatte, nicht stattfinden. Es gelangte daher die Strauß'sche Operette „Die Fledermaus“ zur Aufführung.
In der Marienkirche wird Herr Organist Bernhard Irrgang am Mittwoch, den 5. Mai, Mittags 12 Uhr, Orgel⸗Kompositionen von Bach, Rheinberger, Widor und Dienel spielen. Fräulein Emmy Haberlandt und Fräulein Agnes Friedrichowicz bieten Gesangs⸗ und Herr Carl Séher Violinvorträge. Der Eintritt ist frei.
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1“ Mannigfaltiges.
8 Eine Sitzung der Stadtverordneten⸗Versammlung findet, wie die „Nat.⸗Ztg.“ mittheilt, in dieser Woche nicht statt.
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Heft 1 der „Mittheilungen und Schriften des Aus⸗ schusses für deutsche Nationalfeste“ ist soeben bei Olden⸗ bourg in München erschienen. Dasselbe enthält in gediegener und vornehmer Ausstattung die „Grundlegenden Verhandlungen in Berlin am 31. Januar 1897“ und bietet in der Darstellung wie diese Verhand⸗ lungen sich abgespielt haben, ein Bild dar von den Zwecken und Zielen, die mit der Einrichtung deutscher Nationalfeste verfolgt werden. Die deutschen Nationalfeste sollen danach ein Mittel bilden zur weiteren Stärkung des Nationalgefühls, zur Kräftigung der E“ zur Hebung des bürgerlichen Gemeinsinns und zum Ausgleich sozialer Gegensätze. Diese großen Ziele sollen erreicht werden durch die Vorarbeiten zu den in etwa fünfjährigen Zwischenräumen stattfindenden Festen, durch das Vorbild, das sie geben, und durch den Einfluß, den sie hiermit auf das Leben, Denken und Empfinden des Volkes üben. Insbesondere sollen dadurch auch allerorten die Volksfeste belebt und veredelt sowie die Leibesübungen im Turnen, Sport und Spiel allmählich zu einer lebendigen Volkssitte