Leipzig, 4. Mai. Die Versendung der Einladungen und des ausführlichen Arbeits⸗ und Vergnügungs⸗Programms zu dem vom 8 7. bis 11. Juni hier stattfindenden V. allgemeinen deutschen 1 8 Journalisten⸗ und Schriftstellertage wird Mitte Mai er⸗ — 8 8. folgen. Nach den bisherigen 2v wird derselbe eröffnet durch einen Begrüßungsabend im Krystall⸗Palast (7. Juni), der ein reich⸗ haltiges künstlerisches Programm aufweist. Am 8. Juni findet die feierliche Eröffnung und die erste öffentliche Sitzung statt, der ein gemein⸗ schaftliches Frühstück folgt. Der Nachmittag ist der Besichtigung der Sächsisch⸗Thüringischen Ausstellung gewidmet, für den Abend ist eine Fest⸗ vorstellung angesetzt. Am 9. Juni wird Vormittags die Herere. der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller und dana die zweite öffentliche Sitzung abgehalten; Festmahl und festliche Ver⸗ anstaltungen in der Ausstellung füllen den Rest des Tages aus. Der 10. Juni ist den Delegirtensitzungen des Verbandes deutscher Journalisten⸗ und Schriftsteller⸗Vereine gewidmet; Besichtigungen
einrichtungen für die erste Klasse sind fast ausschließlich auf dem Ober⸗ und dem Promenadendeck untergebracht. Diese Einrichtung trägt insofern zur Sicherheit des Schiffs bei, als die sämmtlich unter Deck gelegenen Schottenthüren bei Nacht und stürmischem Wetter ge⸗ schlossen gehalten werden können, ohne daß der Passagierverkehr darunter leidet. Für die erste Klasse stehen Kabinen zur Verfügung, welche für 400 Passagiere eingerichtet sind. Die zweite Klasse enthält 100 Kabinen mit etwa 350 Betten, die dritte Klasse ist für 800 Passagiere eingerichtet. Die besonders großen und eleganten Ge⸗ sellschaftsräume, insgesammt deutsche Arbeit und aus deutschem Material, werden als Meisterwerke des deutschen Kunstgewerbes ausgestaltet; der erste Salon wird in italienischer Frührenaissance hergestellt und erhält einen hellen Grundton mit leichter Ver⸗ goldung und sehr hshem, weitem Lichtschacht. In den Füllungen der Brüstung sind Gemälde der Kaiser⸗Residenzen von alter Zeit her bis zur Gegenwart dargestellt. An den ersten Salon schließen sich zu beiden Seiten je zwei kleinere Gesellschaftsräume: das Königin
„Urania“, eine interessante Sammlung von eigenen photographischen Aufnahmen von Vordergründen vorlegen. Der Beginn des Vortrags ist auf 9 Uhr angesetzt. Freunde der Kunst sind willkommen.
Die Vorarbeiten für die Verbreiterung der Potsdamer⸗ straße sind nunmehr in Angriff genommen worden, und zwar handelt es sich zunächst um die Verlegung der Kanalisationsrohre, welche durch die Verbreiterung nothwendig geworden ist. Zwischen der vb Brücke und dem Potsdamer Platz sind bereits die Bau⸗ uden der städtischen Kanalisationswerke errichtet. Mit den Kanalisationsarbeiten selbst ist zunächst auf der Süd⸗Ostseite der Straße und zwar zwischen Link⸗ und Eichbornstraße begonnen worden. Nach Beendigung der Kanalisationsarbeiten wird man dann mit dem — der großen Bäume beginnen, während die kleineren Bäume ereits vor einiger Zeit herausgenommen und nach den städtischen Parkanlagen versetzt worden sind.
zum Deutschen Reichs eufischen St r
1897.
mremn—
bequem ist — meine Herren, nur unbequem, alles Andere ist Ueber⸗ treibung —, und da sie nicht in der Lage sind, uns einen besseren Weg zu weisen, verneinen die Hauptfrage, und so erklärt sich das scheinbar Unerklärliche. Es wird aber den Herren der Vorwurf nicht erspart bleiben, der dem 92 er Entwurf mit Un⸗
Berichte von deutschen Fruchtmärkten.
Außerdem wurden am Markttage
Qualität
Durch⸗
mittel gut schnitts⸗
—
—— 2*
——öJ—N
20 000 Tonnen. desselben mit sogenannten Schlingerkielen, mit welchen der Nord⸗
tragen werden.
der Hauptmaschinen 1 d sind insbesondere so angeordnet, daß auch beim
Schiffs mit
—.,— —
Die Roßstraßen⸗Brücke wird, laut Bekanntmachung des Polizei⸗Präsidiums, behufs Erneuerung des Klappenbelages vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. — Die Schillings⸗Brücke wird behufs Umpflasterung von morgen ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter, auch in der Richtung von Süden nach Norden, gesperrt.
Infolge des außerordentlich regen Interesses, welches sowohl die Fachkreise wie das Publikum der Gartenbau⸗Ausstellung im Treptower Park entgegenbringen, hat das Comité beschlossen, die Ausstellung um drei Tage, bis zum 12. Mai, zu verlängern. Die Blumenbindereien, welche im Pavillon der Stadt Berlin ausgestellt haben, werden ihre Erzeugnisse durch frische Arrangements ersetzen, sodaß auch dieser Theil der Ausstellung seine Anziehungskraft be⸗ halten wird.
Der am Dienstag in Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers und Königs auf der Werft des „Vulcan“ in Bredow bei Stettin vom Stapel gelassene neue Schnelldampfer des Nord⸗ deutschen Lloyd „Kaiser Wilhelm der Große“ übertrifft,
wie schon kürzlich erwähnt wurde, in seinen Dimensionen bei weitem
alle bisher in Fahrt befindlichen Schiffe der Gegenwart und dürfte
nach seiner Fertigstellung auch in seiner Schnelligkeit allen Dampfern der Jetztzeit übfrlegen sein. Das Schiff ist, nach der Beschreibung,
welche die „Weser⸗Zeitung“ davon giebt, 648 Fuß über Deck lang, besitzt eine Breite von 66 Fuß und vom Hauptdeck (ohne Deckhaus)
bis zum Kiel eine Tiefe von 43 Fuß. Sein Inhalt beläuft sich auf
nahezu 14 000 Reg.⸗Tons, die Wasserverdrängung stellt sich auf Die große Länge des Schiffs und das Versehen
deutsche Lloyd bei seinen Dampfern der „Barbarossa“⸗Klasse hin⸗
sichtlich der Verminderung des Rollens vorzügliche Erfahrungen
gemacht hat, lassen erwarten, daß auch bei dem neuen Schnell⸗ dampfer die so lästigen Stampf⸗ und Schlingerbewegungen auf
ein Minimum beschränkt bleiben werden. Die heftigen Vibrationen,
wie sie sich bei vielen Schnelldampfern mit großer Maschinenkraft ge⸗
zeigt haben, werden bei diesem Schiffe, welches nach den Vorschriften
des Germanischen Lloyd für die höchste Klasse als Vierdeckschiff mit ausgedehnten Extraverstärkungen und mit besonderer Sorgfalt erbaut worden ist, nicht auftreten, da die Maschinen nach dem Schlick'schen Svostem derartig ausbalanciert sind, daß Schwingungen der mächtigen, auf und nieder arbeitenden Massen auf den Schiffskörper nicht über⸗ Das Schiff ist durch 16 ohne Ausnahme bis um Oberdeck reichende, nach den neuesten Vorschriften des Germanischen eloyd und der Seeberufsgenossenschaft besonders gut verstärkte Quer⸗ chotte und ein Längsschott im Maschinenraum in 18 wasserdichte Ab⸗ theilungen getheilt, deren Abmessungen so getroffen sind, daß selbst
das Volllaufen von drei Abtheilungen das Schiff nicht zum Sinken
ringen kann. Besonderer Werth ist auch darauf gelegt, daß die vier esselgruppen jede in einer für sich abgeschlossenen wasserdichten Ab⸗ heilung untergebracht worden sind, sodaß bei einer Kollision niemals der Fall eintreten kann, daß das Schiff ohne Dampf zum Betrieb oder Pumpen bleibt. Die Pumpen etwaigen Volllaufen des Maschinenraums in allen Räumen des Dampfpumpen gepumpt werden kann. Außer⸗ dem ist ein Doppelboden vorhanden, der, wieder in 22 Unterabthei⸗ lungen getheilt, sich über die ganze Länge des Schiffes erstreckt und so einen wesentlichen Schutz gegen Beschädigungen im Schiffsboden ietet. Trotz aller dieser Sicherheitsmaßregeln ist der Dampfer noch mit 24 großen, auf dem Sonnendeck zum sofortigen Gebrauch fertig üfgestellten Rettungsböten versehen. Zu erwähnen ist noch, daß das Schiff in Uebereinstimmung mit den Anforderungen der Kaiserlich deutschen Marine erbaut worden ist, um im Kriegsfalle, mit einer großen Anzahl Geschützen ausgestattet, als Kreuzer Verwendung zu finden. Ein gewaltiges Deckhaus überragt in einer Länge von 400 Fuß Passagier⸗
Luise⸗, Kaiserin Augusta⸗, sowie das Bismarck⸗ und Moltke⸗Zimmer an. Die übrigen Schiffsräume zeigen theils Rococostil, tbeils eben⸗ falls italienische Frührenaissance und Queen⸗Anne⸗Stil. Außer den Gesellschaftsräumen sind Lesezimmer, Musikzimmer, Rauchzimmer u. s. w. vorgesehen. Die Kabinen fassen bis zu drei Personen. Außerdem werden einige Staatskabinen für besondere Zwecke eingerichtet. Wesentliche Verbesserungen zeigen auch die Zwischendecksräume sowohl durch ihre Lage, als auch durch die Höhe und Einrichtung derselben. Als besondere Annehmlichkeit ist das nahezu 400 Fuß lange, durch ein festes, bis an die Schiffsseiten reichendes Sonnendeck geschützte und an den Seiten offene Promenadendeck zu betrachten. Die Besatzung des Schiffs wird aus 450 Köpfen bestehen. — Die Maschinenanlage, ebenfalls vom „Vulcan“ in Stettin erbaut, besteht aus zwei dreifachen Expansions⸗ maschinen, jede mit vier Kurbeln und vier hintereinander liegenden Dampfzylindern, welche zur Erzielung eines ruhigen Ganges mit Massenausbalancierung nach dem bekannten Schlick'schen System konstruiert sind. Die Durchmesser der Zylinder sind folgende: Hochdruckzylinder 52 Zoll, Mitteldruckzylinder 89 ¾ Zoll, die beiden Niederdruckzylinder 96 ½ Zoll. Beide Maschinen sind zur Vermehrung der Sicherheit durch ein wasserdichtes Längsschott von einander ge⸗ trennt. Die beiden dreiflügligen Propeller haben einen Durchmesser von 22 Fuß 3 ¾ Zoll und eine Steigung von 32 Fuß 10 Zoll; sie sind aus Bronze hergestellt und wiegen jeder zirka 26 Tons. Die Kurbel sowie die Schraubenwellen, welche einen Durchmesser von 24 Zoll besitzen, sind aus bestem Nickelstahl von der Firma Krupp in Essen, einem Material, das sich bekanntlich durch ganz ungewöhn⸗ liche Festigkeit auszeichnet, hergestellt. Das Gewicht der Kurbel jeder Maschine beträgt 40 Tons. Die Länge der Wellenleitung beträgt 198 Fuß. Die beiden Kondensatoren haben eine Kühlfläche von 35 522 Quadratfuß, die Zahl der Rohre in denselben beträgt 11 060, welche voreinander gelegt eine Länge von 65 km abgeben würden. Für die verschiedensten Zwecke werden in den Maschinen⸗ und den Kesselräumen eine Anzahl Dampfpumpen und andere Hilfs⸗ maschinen, im Ganzen 47 Stück, aufgestellt, darunter vier große Dynamomaschinen, zwei Luftpumpen⸗Maschinen, vier große Zentri⸗ fugalvumpen, eine Kaltluftmaschine und andere mehr. Die Gesammt⸗ zahl der überhaupt auf diesem Dampfer befindlichen Maschinen beträgt nicht weniger als 68 mit zusammen 124 Dampfzylindern. Falls es erforderlich werden sollte, in das Schiff eingedrungenes Wasser zu bewältigen, so sind für diesen Zweck 4 Zentrifugalpumpen, 2 Maschinenlenzpumpen und 6 Duplexpumpen eingerichtet, welche zu⸗ sammen pro Stunde 3600 Tons Wasser über Bord befördern können. Die Kesselräume werden auf natürlichem und auch künstlichem Wege durch 16 kräftige Ventilationsmaschinen in ausreichender Weise ventiliert. Die Kessel sind in 4 Gruppen angeordnet, und dem⸗ entsprechend sind 4 mächtige Schornsteine vorhanden, welche bei einem Durchmesser von 12 Fuß 2 Zoll eine Höhe von 106 Fuß über Kiel besitzen. Der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große“ wird nicht nur den größten, sondern zweifellos auch den schönsten aller gegenwärtig den Ozean befahrenden Dampfer darstellen. Ganz ähnliche Einrichtungen wird auch der auf der Werft der Firma F. Schichau in Danzig im Bau befindliche neue große Dovppelschrauben⸗Schnell⸗ dampfer „Kaiser Friedrich“ erhalten.
Von „Kießling's Berliner Verkehr“, Westentaschen⸗Kursbuch sämmtlicher Berliner Verkehrsmittel, erschien soeben die Sommer⸗Ausgabe (Pr. 30 ₰). Die darin enthaltenen, nach den Bahnen übersichtlich geordneten Eisenbahnfahrpläne sind derartig erweitert, daß sie nicht nur für Touren in der Mark Brandenburg, sondern auch für den Antritt weiterer Reisen ausreichen; die Fahrpläne der Pferdebahnen, Omnibusse, Dampfstraßen⸗, elektrischen Bahnen und Dampfschiffe weisen auf einer großen Zahl von Linien wesentliche Kurs⸗ und Tarif⸗Aenderungen auf. Auch der Stundenplan der Sehenswürdigkeiten Berlins ist dem praktischen Büchlein wieder einverleibt worden. Gleichzeitig erschien als willkommene Ergänzung dazu „Kießling's Taschenplan von Berlin“ (kleine Ausgabe 20 ₰, große Ausgabe 30 S)).
den Journalistentag beschließen.
Paris, 6. Mai. Zu dem schweren Brandunglück im Wohl⸗
thätigkeitsbazar (s. Nr. 105 d. Bl.) berichtet „W. T. B.“ vom gestrigen Tage weiter: Die ganze Umgebung der Unglücksstätte ist von großen Menschenmengen belagert. Die nach und nach aufgehobenen Leichen werden zum Zwecke der Rekognoscierung im Industrie⸗Palast aus⸗
gestellt, wo die sämmtliche Straßen besetzt haltenden Massen fortwährend anwachsen und die zahlreichen Leichenwagen umdrängen, welche beständig
kommen und gehen, um die Opfer der Katastrophe hinweg zu bringen. Vor dem Haupteingange des Palastes sind ungefähr 100 Särge in drei⸗ facher Reihe aufgestellt, um die verkohlten Leichenüberreste aufzu⸗
nehmen; im Palaste selbst berrscht eine fürchterliche Atmosphäre, denn die schrecklich zugerichteten Leichen verbreiten einen unerträglichen Pesthauch. Ununterbrochen spielen sich herzzerreißende Scenen ab, immer und immer wieder sieht man die aufs höchste erregten Angehörigen unter lauten Schmerzensausbrüchen sich über die von ihnen rekognoscierten Todten werfen. Im Industrie⸗Palast dauert die Untersuchung der Leichen auf ihre Identität immer noch fort, denn in der bereits theilweise niedergerissenen Halle des⸗ selben liegen noch über 30 Verunglückte, deren Persönlichkeit wohl niemals festgestellt werden dürfte; derart sind dieselben zu einer form⸗ losen Masse verbrannt. — Um Mitternacht umfaßte die offizielle Todtenliste 117 Namen. Die Gesamm /ziffer der Vermißten, die bei der Polizei⸗Präfektur seit Ausbruch der Katastrophe angemeldet wurden, be⸗ trägt 146 Indessen ist bisher nicht festgestellt, ob alle diese auch thatsächlich zu den Opfern des Brandes gehören. — Die Leiche der Herzogin von Alengon ist gestern Mittag von zwei Dienern und dem Zahn⸗ arzt der Herzogin erkannt worden. Der Agnoscierung wohnten u. A. der Ober⸗Staatsanwalt, der Polizei⸗Präfekt und zwei Aerzte bei. Der Leichnam wurde aufs genaueste untersucht. Der rechte Arm fehlte gänzlich, und der ganze Leichnam war gleichsam mumifiziert. Nur der Hals war vom Feuer unversehrt ge⸗ blieben. Das Gesicht war unkenntlich und zeigte nur noch die Knochen. Auf Befragen erklärte der Zahnarzt Dr. Daven⸗ port auf das allerbestimmteste, daß er vor dem Leichnam der Herzogin von Alengon stehe, und fügte hinzu, gewisse von ihm neuerdings an em oberen Gebisse ausgeführte Operationen, die er nur durch ein⸗ gehende Untersuchung dieses Theils wieder wahrnehmen konnte, ließen keinen Zweifel mehr darüber bestehen. — Am Abend fand im Elysée ein Ministerrath statt, welcher sich mit den Maßnahmen be⸗ schäftigte, die anläßlich der Katastrophe zu treffen sind. Der Präsident Faure theilte die Telegramme mit, welche ihm von den fremden Staatsoberhäuptern zugegangen sind, sowie die Antworten auf die⸗ selben. Der Minister des Auswärtigen Hanotaux machte die Mittheilung, daß sämmtliche Botschafter ihm die tiefe Theilnabme ihrer Regierungen anläßlich der Katastrophe ausgedrückt haben. Der Ministerrath beschloß, daß am Sonnabend in der Notre⸗Dame⸗Kirche ein Trauergottesdienst für die nicht rekognoscierten Personen sowie für diejenigen bei dem Brande umgekommenen Personen stattfinden solle, deren Familien den Wunsch aussprechen würden, an dem Gottes⸗ dienst theilzunehmen. Der Präsident Faure wird dem Trauergottes⸗ dienst beiwohnen. Auf dem Platz vor der Kirche wird im Namen der Regierung eine Rede gehalten werden.
Nach Schluß der Redaktion eingegangene
8 Depeschen.
Paris, 6. Mai. (W. T. B.) Der deutsche Botschafter Graf zu Münster übermittelte gestern dem Herzog von Alençon das Beileid Seiner Maäjestät des Kaisers
Wilhelm. (Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
von Sehenswürdigkeiten und Ausstellungsbesuch dürften die übrigen V Theilnehmer beschäftigen. Am 11. Juni soll ein Ausflug nach Dresden gering *
kaufte Ver⸗ (Spalte 1)
Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner Kg)
(100
nach über⸗ schläglicher
Schätzung
preis
für
M lg . Menge aufs⸗
nie⸗ drigster
ℳ
höch⸗ ster
ℳ
nie⸗
drigster
ℳ
höch⸗ sas
werth 1 Doppel⸗ zentner
verkauft Doppel⸗
Doppel⸗ zentner 8
drigster ster
ℳ 100 kg ℳ
Durchschnitts⸗ preis
Stargard b“ Limburg a. L. Schweinfurt Braunschweig Breslau .
87
Insterburg. Stolp Stargard “
b imburg a. L. Schweinfurt Braunschweig. Breslau
Ge-à „ 2 4 282927232228
Elbing 11““ Paderborn.. . Limburg a. 2. Schweinfurt. Breslau.
84
“ Elbing. Stolp “ Stargard. Bromberg. “ Paderborn. Limburg a. L. Schweinfurt Braunschweig. Breslau .
Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswerth auf volle Mark abgerundet mitgetheilt.
15,60 15,80 17,89 16,00 13,50 15,40
11,60
11,40 10,80
13,50 11,50 11,10
12,57
12,30 13,00 11,54
12,50
13,60 12,80
12,30 12,40 13,19 13,25
13,00
12,50
15,60 15,80 18,16
16,00
13,50
15,70
11,70 11,50 10,90
13,50 11,50 11,20
12,57 12,30 13,50 12,00
13,00
12,80
12,50
12,60 13,83 13,25
13,00
schnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.
Ein liegender Strich (—) in den Spalten für P
Punkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß entsprechender Bericht fehlt.
13,70
12,90
I i zen. 0] 16,00 1 16,00
.
, — O— —
0 9
Bemerkungen. Der Durch⸗
reise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis nicht vorgekommen ist; ein
Deutscher Reichstag. 215. Sitzung vom 5. Mai 1897, 2 Uhr.
Auf der Tagesordnun Gesetzentwurfs über d
g steht die zweite Berathung des das Auswanderungswesen. Nach § 1 bedarf derjenige, welcher die Beförderung von
Auswanderern unternehmen will, der Erlaubniß.
Abg. Lenzmann (fr. Volksp.): Meine Freun Ausführung des Art. 4 der Reichsversassung bezü
de halten auch die glich der Auswan⸗
egeben worden sind. Wir sind also am Regierungstisch in der Lage, in der sich ein Verklagter befindet, auf dessen Aus⸗ führungen der Kläger nicht mit einer Replik geantwortet hat, sondern mit Wiederholungen des Inhbalts der Klage; das drängt den Verklagten auch zu Wiederholungen. Wir werden es uns aber versagen und versagen mussen, das hohe Haus mit Wieder⸗ holungen zu belästigen, schon aus dem praktischen Grunde, weil viele der hauptsächlichsten unserer Erklärungen, die wir in der Kommission abgegeben haben, garnicht geeignet sind, im Plenum wiederholt zu werden. Wir appellieren an die Mitglieder der Kommission, zu kon⸗ statieren, daß in den betreffenden Punkten — und dazu gehören im
en Mitteltheil des Dampfers. Die gesammten 1 qZ——e Theater Unter den Linden. Behrenstr. 55/57.
08 — 2ꝙ 0 8 8 02
00 Z—₰ 8
△ —
t vom 6. Mai, Morgens.
im.
1
Stationen.
Bar. auf OGr. u. d. Meeressp. red. in Mill
1“
Wind.
1“
4° R.
Wetter.
Temperatur in ° Celsius
50C. =
0
Belmullet.. 7 Aberdeen 760 Christiansund 751. Kopenhagen. 754 Stockholm. 756
aparanda. 760
t. Petersbg. 764 Moskau 768
NIS S
SO
WSW 2 bedeck
WSW 3 bedeckt still bedeckt
3 halb bed. 2 wolkig
2 bedeckt
1 wolkenlos V 1 bedeckt
— —
town . .. 769 Cherbourg. 766 E 1161“ öPb
mburg 758
winemünde 756 Neufahrwasser 755 Memel 756
I
2 bedeckt
4 wolkig
4 halb bed.
3 halb bed.
3 bedeckt
2 wolkig still bedeckt
4 bedeckt
—
6 765 ünster 759 Karlsruhe. 762 Wiesbaden 761 München 762 Chemnitz. 759 Berlin.. 757 Wien.. 759 Breslau 758
2 halb bed.
1 wolkig
5 wolkig
4 balb bed. 4 Regen V 1 bedeckt
3 bedeckt
5 wolkig
3 Regen
—
—
Ile d'Aix. 1769 EE1““ 759
4 wolkenlos still heiter
— — — SSOGbOSOGOOcO OSOU cOCO0d O00 O 00 00 00 00 E Odo O0dO 00 00 —
Uebersicht der Witterung.
Das barometrische Minimum, das gestern nördlich von Schottland lag, ist ostwärts nach der norwegi⸗ schen Küste fortgeschritten und entsendet einen Aus⸗ läufer nach dem südlichen Ostseegebiet. Ein baro⸗ metrisches Maximum lagert auf dem Ozean vorm Kanal. Bei mäßiger, meist westlicher Luftbewegung ist das Wetter in Deutschland, wo fast überall Regen gefallen ist, meist trübe und, außer im äußersten
Norden, kühl; Memel hatte gestern Nachmittag Gewitter. 8 Deutsche Seewarte.
Theater.
Königliche Schauspiele. Freitag: Opern⸗ haus. 111. Vorstellung. Undine. Romantische Zauber⸗Oper in 4 Akten von Albert Lortzing. Text nach Fouqué's Erzählung frei bearbeitet. Tanz von Emil Graeb. In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Tetzlaff. Dekorative Einrichtung vom Ober⸗ Inspektor Brandt. Dirigent: Kapellmeister Dr. Muck. Anfang 7 ½ Uhr.
Schauspielhaus. 122. Vorstellung. Sonder⸗ Abonnement B. 18. Vorstellung. Viel Lärmen um Nichts. Lustspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare, übersetzt von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck. In Scene gesetzt vom Ober⸗Regisseur Max Grube. Anfang 7 ½ Uhr.
Sonnabend: Opernhaus. 112. Vorstellung. Haschisch. Oper in 1 Aufzuge. Dichtung von Axel Delmar. Musik von Oscar von Chelius. — Bajazzi.
Pagliacci.) Oper in 2 Akten und einem Prolog.
k und Dichtung von R. Leoncavallo, deutsch von Ludwig Hartmann. Anfang 7 ½ Uhr.
Schauspielhaus. 123. Vorstellung. Neu ein⸗ studiert: Coriolan. Historisches Drama in 5 Auf⸗ zügen von William Shakespeare, übersetzt von Schlegel und Tieck. Nach der Bühneneinrichtung von Wilhelm Oechelhäuser. Anfang 7 ½ Uhr.
Deutsches Theater. Freitag: Die versunkene
Glocke. Anfang 7 ½ Uhr. Sonnabend: Hamlet. Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Die Weber. —
Abends 7 ½ Uhr: Einsame Menschen
5
Berliner Theater. Freitag (34. Abonnements⸗ voelnncg): Zum ersten Male: Deborah. Anfang 7 b.
Sonnabend: Renaissauce.
Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Kinder der Bühne. — Abends 7 ½ Uhr: Reuaissance
1“ —C—C—C—?jj
Lessing⸗Theater. Freitag: Die Geisha, oder: Eine japanische Theehaus⸗Geschichte. Operette in 3 Akten von Owen . Musik von Sidney Jones. Deutsch von C. M. Roehr und Julius Freund. (Ferenczy⸗Ensemble.) Anfang 7 ½ Uhr. Sonnabend: Die Geisha. (Ferenczy Ensemble.) Sonntag: Die Geisha. (Ferenczy⸗Ensemble.)
Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Freitag: Vaterfreuden. Schwank in 3 Akten von P. Hirschberger und G. Klitscher. — Vorher: Eine Reisebekanntschaft. Schwank in 1 Akt von Emil Berté und A. M. Willner. Anfang 7 ½ Uhr. 1
Sonnabend: Vaterfreuden. — Vorher: Eine Reisebekanntschaft.
Neues Theater. Schiffbanerdamm 4a./5. Direcktion: Sigmund Lautenburg. Freitag: Gast⸗ spiel des Herrn Willem Roygards vom Königlich Niederländischen Theater in Amsterdam. Trilby. Schauspiel in 4 Akten nach George Maurier und g. Potter, deutsch von Emanuel Lederer. In Scene gesetzt von Sigmund Lautenburg. Anfang
771
7 ½⅞ Uhr. Sonnabend: Trilby.
Schitler⸗Theater. Freitag, Abends 8 Uhr: Der G'wissenswurm. 1 Sonnabend, Abends 8 Uhr: Der G'wissens⸗
Theater des Westens. Kantstraße 12. (Bahn⸗ hof Zoologischer Garten.) Freitag: Gastspiel des Königlich württembergischen Hofschauspielers 8 August Junkermann und des Herrn Hans
unkermann vom Berliner Thalia⸗Theater. Zum ersten Male: Onkel Bräsig von Fritz Reuter. Anfang 7 ½ Uhr.
Sonnabend: Gastspiel des Herrn Gustav Kadel⸗ burg. Reif⸗Reiflingen. 1 88
Fencn⸗ Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Preisen: Wilhelm Tell. — Abends 7 ½ Uhr: Onkel
Direktion: Julius Fritzsche. Freitag: Gastspiel des Fräuleins Annie Dirkens vom Theater an der Wien in Wien. Zum ersten Male: Der Wunder⸗ knabe. Operette in 3 Akten von Alexander Landes⸗ berg und Leo Stein. Musik von C. von Taund. Regie: Herr Glesinger. Dirigent: Herr Kapellmeister Korolanyi. Anfang 7 ½ Uhr. Sonnabend: Gastspiel
Dirkens. Der Wunderknabe.
Thalia Theater (vorm. Adolph Ernst⸗Theater). Dresdenerstraße 72/73. Direktion: W. Hasemann. Freitag: astspiel der Frau Julie Kopaczy⸗ Karczag. Die schöne Helena. Operette in 3 Akten von Offenbach. Anfang 7 ½ Uhr.
Sonnabend und folgende Tage: Gastspiel der Frau Julie Kopaczy⸗Karczag. Die schöne Helena.
HifüxeSAxAAxaxarFMa. snse enkg Familien⸗Nachrichten. Verehelicht: Hr. Prem.⸗Lieut. Curt von Watz⸗ dorf mit Erika Freiin Bachoff von Echt (Do⸗ bitschen). — Hr. Regierungs⸗Assessor Bernd Frhr. von Lüdinghausen⸗Wolff mit Frl. Martha Hoffmann (Neugersdorf, Sachsen). 1 Geboren: Ein Sohn: Hrn. Prem.⸗Lieut. Madlung (Königeberg i. Pr.). — Hrn. Major von Larisch (Berlin). — Eine Tochter: Hrn.
Fritz von Zepelin (Clausdorf).
Gestorben: Hr. Rittergutsbesitzer Carl Biedenwes (Dorschen). — Hr. Oberst⸗Lieut. z. D. Adolf von Hinüber (Hannover). — Fr. Ober⸗Regierungs⸗ Rath Gertraud Sack, geb. von Selchomw (Halle a. S.) — Hr. Lieut. Franz von Lucadou (Straßburg i. E.) — Hr. Regierungs⸗ und Forst⸗ Ratb Muehlig⸗Hofmann (Hildesheim). — Hr. Major Ernst Malte (Königsberg i. Pr.).
Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Berlin. Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags⸗ Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.
Sechs Beilagen
Bräsig.
(einschließlich Börsen⸗Beilage).
des Fräuleins Annie
derungs⸗Gesetzgebung für nothwendig, aber die Vorlage der verbündeten egierungen krägt so sehr den Stempel der Polizeigesetzgebung an der Stirn, daß wir uns mit derselben nicht befreunden können, weil sie jedes freiheitlichen Charakters entbehrt. Die Kommission hat die Arbeit überhastet, und augenscheinlich hofft man, auch mit der zweiten Lesung im Plenum schnell fertig zu sein. Hoffentlich täuscht man sich darin. Die Tendenz der Vorlage ist nicht der Pangermanismus, sondern der Gedanke, daß die Deutschen im Auslande ein Alldeutschland bilden, auch wenn sie auf⸗ gehört haben, deutsche Reichsangehörige zu sein. Der Zusammenhang zwischen den Auswanderern und dem Vaterlande kann nur ein mora⸗ lischer sein, kein rechtlicher. Das Interesse Deutschlands liegt in der hederei, in der Bedeutung des Schiffbaues für den Wehrstand. Dieses Interesse darf nicht geschädigt werden wegen einer bloßen hrase des nationalen Gedankens. Von seiten der Landwirthschaft macht sich das egoistische Interesse derjenigen geltend, welche die Auswanderung verhisdern wollen durch polizeiliche Maßregeln. Da⸗ durch wird man aber nur das Auswanderungsgeschäft in die Hände anderer Nationen leiten und wird es der Garantien entkleiden, welche die Gesetze der Einzelstaaten bisher gewährt haben. Bei keiner Nation findet man eine Konzessionierung der Auswanderungsunternehmungen durch eine einzelne Person. Das von der Heydt'sche Verbot der Auswanderung nach Süd.⸗Amerika zeigt, wohin die falsche Meinuns eines einzelnen annes führen kann. Wenn einem solchen Unternehmer die Be⸗ rechtigung zur Personenbeförderung entzogen wird, dann kann er nicht zur Güterbeförderung übergehen. Welche Bedeutung aber das Vor⸗ handensein großer Schiffe hat, weiß Jeder, der dem Stapellauf eines großen Schiffes beigewohnt hat. Die Werthschätzung der Marine ist beoß⸗ auch bei denen, welche die Marineforderungen diesmal abgelehnt aben. Wir wollen die internationale Freizügigkeit nicht stören, aber wir wollen auch ein gutes Auswanderungsgesetz. Direktor im Auswärtigen Amt, Wirklicher Geheimer Rath Reichardt: Meine Herren, der Herr Vorredner hat zu § 1 ganz naturgemäß, und ich glaube, mit einer gewissen Nothwendigkeit über⸗ gegriffen auf einzelne spätere Paragraphen. Das hohe Haus wird mir deshalb gestatten, wenn ich mit aller Mäßigung ein Gleiches thue; denn es wird das nur der Abkürzung der Sache zum Vortheil gereichen, es wird ermöglichen, unnütze Wiederholungen — von dieser Stelle wenigstens — zu vermeiden. Meine Herren, nachdem die Ziele des Gesetzentwurfs und die Wege, die nach der Auffassung der ver⸗ ündeten Regierungen zu diesem Ziele führen köanen, sowohl in den Motiven als auch in den bei erster Lesung abgegebenen Erklärungen und ganz besonders 8 Ibrer Kommission eingehend dargelegt worden sind, und zwar mit eer Wirkung, daß die Kommission in ihrer überwiegenden Majorität b zu dem amendierten Gesetzentwurf, wie er Ihnen jetzt vorliegt, ekannt hat, da meine ich, könnte wohl erwartet werden, daß man Uicht ohne den Versuch der Widerleguͤng jener Erklärungen die alten chreckbilder hier nochmals aufrollen würde, wie sie der Frs Vor⸗ redner aufgerollt hat und wie sie während der letzten Wochen in einem Theile der deutschen Presse auch den Lesern zum Besten
““
wesentlichen die Punkte, die der Herr Vorredner theils behandelt, theils gestreift hat — die Kommission durch die ihr zu theil gewor⸗ denen Erklärungen sich hat überzeugen lassen von der Stichhaltigkeit des Standpunktes, den wir eingenommen haben. Seit der Kom⸗ missionsberathung ist nun in gewissen Theilen der deutschen Presse versucht worden, mit Superlativen und argen Uebertreibungen sich, um es milde auszudrücken, über den klaren Wortlaut der Motive und den klaren Inhalt der abgegebenen Erklärung und zum theil auch über die klare Sachlage einfach hinwegzusetzen. Es hat dabei der „grüne Tisch“ eine große Rolle gespielt, und wenn je, so glaube ich, kann man diesmal auf diesen Einwand erwidern, daß doch die Argumente, oder doch viele Argumente der Gegner und auch diejenigen Argumente, die der Herr Vorredner vertreten hat, von einem Tische herrühren, dessen Farbe, nämlich die graue Farbe der Theorie, nicht mehrwerthiger ist, als die Farbe des grünen Tisches. Meine Herren, der Kampf gegen das Gesetz wird von einem Faktor unseres Wirth⸗ schaftslebens geführt, von dem wir sonst gewohnt sind, daß er sich bereitwillig in den Dienst nationaler Bestrebungen stellt; von einem Faktor, der andererseits gewohnt ist, und verdientermaßen gewohnt ist, sich der Sympathie nicht nur der Regierungen, sondern auch der ganzen Nation zu erfreuen. Die öffentliche Meinung in der Auswanderungsfrage ist seit einem halben Jahr⸗ hundert dieselbe geblieben; gewechselt hat die Meinung der Hamburger Rhederkreise. Denn als wir das Gesetz im Jahre 1892 beriethen, welches in den von dem Herrn Vorredner zur Sprache gebrachten Punkten ganz auf demselben Standpunkte stand, da haben sich die Vertreter der hanseatischen Rhederkreise und ganz speziell auch die Vertreter der großen Schiffahrtslinie aufs Ent⸗ schiedenste für den Gesetzentwurf und seinen Standpunkt aus⸗ gesprochen. Ich sagte, der Gesetzentwurf ist dazu bestimmt, die Forderung der öffentlichen Meinung zu realisieren. Da können Sie nun in den „Grenzboten“ in einem Artikel, der den Gesetzentwurf behandelt, lesen: Alle Achtung vor der öffentlichen Meinung; aber die eigene Meinung der Regierung kennen zu lernen, wäre uns lieber gewesen. — Ja, darauf ist einfach zu erwidern, daß die verbündeten Regierungen und die Kommissionen dieses hohen Hauses sich eben zu der öffentlichen Meinung in dieser Sache bekannt haben. Typisch für die ganzen Argumente der Gegner und die Kampfesweise ist einmal der Inhalt der Hamburger Petition, die dem hohen Hause vorliegt und dann die Art, wie dieser Petition von gewissen deutschen Zeitungen und so auch von dem Herrn Vorredner, der zum theil ipsissima verba wiederholt hat, sekundiert wird. Für die Stellung⸗ nahme zu dem Gesetzentwurfe kommt es einzig und allein darauf an, zwei Fragen zu beantworten: soll zu einer nationalen Auswanderungs⸗ politik übergegangen werden? und im bejahenden Falle: ist der Weg, den die Vorlage erstrebt, der richtige und, weil gefahrlose, der einzig gangbare? Die verbündeten Regierungen und die Mehrheit S Kommission haben beide Fragen mit Ja beantwortet. Die
mburger Rhederkreise, denen der Weg, den wir gehen wollen, un⸗
X
recht gemacht worden ist — mit Unrecht, weil er eben dieselben Ziele anstrebte, wie der jetzige —, nämlich der Vorwurf, daß an ihnen die Bewegung, die seit einem halben Jahrhundert in Deutschland, und zwar immer nach derselben Richtung sich geltend gemacht hat, spurlos vorüber gegangen sei. Meine Herren, hört man Darlegungen, wie sie der r. Vorredner Ihnen hier gebracht hat, dann fragt man : wie soll man überhaupt künftig nationale Fragen lösen, wenn man in einer Frage von dieser Wichtigkeit, die seit 60 Jahren die deutsche Nation bewegt, gegenüber einem so maßvollen Versuch, wie er in diesem Gesetzentwurf angestellt wird, solchen Aeußerungen begegnet, wie sie theils der Herr Vorredner, theils die Presse für angebracht erachtet hat? Meine Herren, wenn Sie lesen: Nationale Auswanderungspolitik ist brutal — Der Gesetz⸗ entwurf will die Willkür schaffen — Die nationale Auswanderungs⸗ Politit ist eine Erfindung der Jetztzeit — Die Regierung scheint sich als Pächterin des nationalen Sinnes aufzuthun — Der Auswanderer soll sich in der Fremde gerade assimilieren — Die ganze Idee ist Phantasterei! — wenn Sie in eirer in Hamburg von einem sach⸗ kundigen Manne gehaltenen Rede lesen können: der Gesetzentwurf ver⸗ letze das allgemeine Menschenrecht der Freizügigkeit, er deklassiere die deutsche Nation gegenüber anderen Nationen, und wenn sie dann den Refrain lesen, der auch heute wieder seine Andeutung gefunden hat, durch den Entwurf werde der Schiffsverkehr, der deutsche Schiffsbau und — das ist die letzte Leistung, die ich gelesen habe — die Tüchtig⸗ keit der deutschen Kriegsmarine gefährdet — — Ja, dann frage ich: wie soll man nationale Fragen lösen, wenn man auf den ersten Versuch solche Antworten bekommt? Welches sind denn nun die Argumente, die gegen den Gesetzentwurf geltend gemacht werden? In der erwähnten Hamburger Petition wird im wesentlichen — ich unterlasse es jetzt, auf das Detail einzugehen; spätere Para⸗ graphen werden dazu Gelegenheit bieten — der Satz vertreten, den die „Weser⸗Zeitung“ mit dürren Worten ausgesprochen und der Herr Vor⸗ redner wiederholt hat: die Perbindung von Waarenbeförderung und Auswandererbeförderung ist unlösbar. Meine Herren, von Ihrer Kom⸗ mission oder wenigstens von Mitgliedern Ihrer Kommission ist auf das allerenergischste gegen diesen Standpunkt Widersproch erhoben worden, und ich glaube mit Recht; denn zuf diesen Standpunkt werden die Auswanderer, die man soast gewohnt ist, gerade aus den betreffenden Kreisen als Pfadfinder und Pioniere des deutschen Handels bezeichnen zu hören, herabgedrückt auf das Niveau eines Appendix des Waaren⸗ verkehrs. Dieser Standpunkt führt in seinen Konstquenzen dahin und dieser Standpunkt wird thatsächlich auch vertreten: das für die deutschen Auswanderer geeignete Ziel ist dasjenige Ziel, wohin die Konjunkturen des Exports die deutsche Flagge weisen. Und wohin sührt dies in seinen weiteren Konsequenzen? Wenn einmal — die Gegner bewegen sich auf theoretischem Gebiet, ich folge ihnen auf diesem Ge⸗ biet — wenn einmal der deutsche Waarenverkehr von einem Lande, wie sie es hier im Auge haben, plötzlich abgeschnitten werden sollte, und dann die deutschen Dampferlinien mit doppeltem Dampf Kehrt machen und nach Osten fahren sollten, sollen dann die deutschen Aus⸗ wanderer etwa auch nach Ost⸗Asien befördert werden? Das wäre doch die natürliche Konsequenz der Untrennbarkeit des Auswanderer⸗ und Waaren⸗ verkehrs. In einigen Blättern, und zwar gleichlautend mit besonderm Nachdruck, ist darauf hingewiesen worden, daß die Petition die Unter⸗ schrift eines ruhigen Politikers und in kolonialen Dingen viel⸗ bewanderten Mannes, des Herrn Woermann, trage. Nun, die Kolonial⸗ politik hat mit dieser Sache nichts zu thun, im übrigen aber ist der Hinweis nicht glücklich und nicht ernst zu nehmen. Es liegt die An⸗ nahme nahe, daß Herr Woermann in seiner Eigenschaft als Vor⸗ sitzender des Vereins die Petition unterschrieben hat, ohne sich dadurch nothwendig mit ihrem Inhalt Satz für Satz zu identifizieren. Denn wenn auf einen Satz hingewiesen wird, worin die Petition sich ganz entschieden gegen Subpentionen für die Schiffahrt verwahrt, so glaube ich nicht, daß Herr Woermann sich zu diesem Satze bekennt. Es könnte der ganze Angriff gegen den Gesetzentwurf und zwar gerade unter dem Gesichtspunkt, den der Herr Vorredner vertreten hat, sehr kurz abgethan werden durch den Hinweis, für den Ihnen der Nach⸗ weis wahrscheinlich noch von anderer Stelle erbracht werden wird, daß im Großen und Ganzen, was das Konzessionierungswesen betrifft, durch die Befugnisse, die dem Herrn Reichskanzler in dem Gesetz entwurf zugedacht sind, an der jetzigen Rechtslage garnichts geänder wird. Denn in der weitaus größten Mehrzahl aller deutschen Staaten mit Ausnahme von Hamburg und Bremen, besteht schon jetzt für di Konzessionierung das volle freie Ermessen und die volle Befugniß zum jederzeitigen Widerruf, es besteht sogar, und dies inklusive Hamburg, eine gewisse Art von Spezialisierungeprinzip, von dem nur bishe noch kein genügender Gebrauch gemacht ist. Nachdem sich die ver bündeten Regierungen zu der Aufgabe bekannt haben, die Aus⸗ wanderungs⸗Politik in wirthschaftlich rationelle Wege zu leiten, würden sie ja an der Hand der partikularen Gesetzgebungen schlimmsten Falls in der Lage sein, die Ziele zu verfolgen, auf die der Gesetz⸗ entwurf hinzielt, und sie würden das natürlich nur thun können im gegenseitigen Einpernehmen. Ich gebe dem Herrn Vorredner zu be⸗ denken, oh es im Interesse der deutschen Schiffahrtsgesellschaften bezw. im Interesse der Wahrung der von ihm vertretenen liegen würde, wenn von etwa 20 Zentralstellen aus das erstrebt und in die Wege geleitet würde, was nach dem Gesetzentwurf von der einheitlichen Zentralstelle des Reichs aus geschehen soll. Ich verspare mir auf einen späteren Paragraphen, Ihnen praktisch noch darzulegen, wie sehr die Gefahren, die von dem Gesetzentwurf — auch seitens des Herrn Vorredners — befürchtet werden, gleich Null sind. Ich möchte nur, da er von unerhörten Auswanderungsverboten ge⸗ sprochen hat — das soll darin bestehen, daß die deutschen Auswanderer von ungeeigneten Zielen ferngehalten werden —, auf einen vitiosen Zirkel hinweisen, in dem man sich bewegt, wenn man — und das hat er wieder selbst gethan — als oberstes Mittel der Lenkung des Aus⸗ kunftswesens hinstellt und dann dafür eintritt, daß die deutschen Schiffahrtslinien einen Anspruch darauf haben sollen, deut che Aus⸗ wanderer auch dann und dahin zu befördern, wenn und wobin eine gewissenhafte Auskunft ihnen abrathen mußte, zu gehen. Das ist ein absoluter Widerspruch. Er hat dann darauf hingewiesen, daß durch das Gesetz — und das ist die Wiedergabe einer Stimme, die sich auch anderweit hat vernehmen lassen — eine Verletzung des allgemeinen Menschenrechts, der Freizügigkeit geschehen würde. Woran soll denn der Freizügler nach dem esetz verhindert werden? Er soll daran verhindert werden, sich durch in Deutschland konzessionierte Mittelpersonen in sein Verderben zu begeben. Ein Recht darauf, doch dahin befördert zu werden oder zu befördern, hat kein Auswanderer und keine Schiffahrtsgesell⸗ schaft. Die volle Freiheit des Einzelnen, dahin zu gehen, wohin er will, bleibt gewahrt; es werden ihm Beförderungsgelegenheiten nach allen gecigneten Zielen geboten, nach ungeeigneten nicht. Die große Masse unserer deutschen Auswanderer, die ebenso zu⸗ änglich, wie sie allerdings für Verführung ist, auch für Be⸗ ehrung ist, wird mit Dank von der Schranke Gebrauch machen, die nach dem Gesetze gezogen werden soll. Und wenn diejenigen,
welche es nicht thun wollen, dennoch fremde Aecien eb er waäͤhlen, so mögen sie es thun, wir können sie nicht halten. Be⸗