berichtlicher Antrag der Rechnunags⸗Prüfungs⸗Kommission, ein Bericht der Rentenbank⸗Kommission sowie achtzehn Berichte und Anträge des Petitions⸗Ausschusses. Endlich sind folgende Wahlen vorgenommen worden: die eines Mitgliedes und zweier stellvertretenden Mitglieder des Provinzial⸗Ausschusses sowie des stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses, ferner eines bürgerlichen Mitgliedes der Ober⸗Ersatzkommission I im Bezirk der 36. 8. anterie⸗Brigade und von drei Mitgliedern der Provinzial⸗Kommission zur Prüfung der letzten Jahres⸗ rechnungen. Als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Provinzial⸗Ausschusses hatte seit vielen Jahren der Landespfennigmeister Niemand in Heide fungiert. Der Provinzial⸗Landtag gab in einem Schreiben an denselben seinem Bedauern über den durch sein hohes Alter gerecht⸗ fertigten Rücktritt unter dankbarster Anerkennung seiner be⸗ deutenden Verdienste um das Wohl der Provinz besonderen Ausdruck und wählte an seiner Stelle den Ober⸗Bürgermeister Dr. Giese zum stellvertretenden Vorsitzenden des Provinzial⸗
Aus 8. schuße Sachsen.
Ihre Majestät die Königin traf gestern Mittag von Karlsbad in Villa Strehlen ein und setzte um 4 Uhr 30 Mi⸗ nuten Nachmittags die Reise nach Sibyllenort fort, wo die
Ankunft um 10 Uhr Abends erfolgte. Der Aufenthalt Ihrer Majestäten des Königs und der Königin in Sibyllenort wird sich, dem „Dresdner Journal“ zufolge, bis ungefähr Mitte Juni erstrecken. — Baden.
Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen trifft, wie die „Karlsr. Ztg.“ meldet, heute Nachmittag von Venedig in Karlsruhe ein.
Hessen.
Die Ueberreichung der von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland für das 2. Großherzogliche Dragoner⸗Regi⸗ ment (Leib⸗Dragoner⸗Regiment) Nr. 24 gestifteten Standarten⸗
bänder fand heute auf dem Griesheimer Uebungsplatz durch den Obersten von Nepokoitschitzky in Gegenwart Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Groß⸗ herzogin statt. 8
Oesterreich⸗Ungarn.
Der österreichische Minister⸗Präsident Graf Badeni sowie der österreichische Finanz⸗Minister Dr. von Bilinski sind eute in Budapest eingetroffen.
Im österreichischen Herrenhause begann gestern die Adreß⸗Debatte. von Chlumecky besprach die Thronrede und drückte seine Anerkennung für den Dreibund aus, welcher während des griechisch⸗türkischen Krieges sich als Hort des Friedens erwiesen habe; er gedachte der Kaiser⸗ begegnung, hob das freundschaftliche Verhältniß zu Rußland hervor, welches eine Gewähr für die Erhaltung des Friedens bedeute, und dankte dem Kaiser, dessen persönlichem Eingreifen dieser Erfolg zuzuschreiben sei. Freiherr von Chlumecky besprach sodann die auf den Ausgleich bezüglichen Stellen der Thronrede, die freudig zu begrüßen seien. Gleich darauf seien die Sprachenverordnungen erschienen, welche bei einer Partei schwere Bedenken erweckt hätten, so⸗ wohl hinsichtlich des Zustandekommens eines modus procedendi der Regierung als auch hinsichtlich des Inhalts. Die Sprachenverordnung habe den Waffenstillstand, der nach dem Scheitern des 1889er Ausgleichs nach dem Grundsatze „uti possidetis“ geherrscht habe, unterbrochen. Seine Partei
edauere die Verordnung, weil sie den Schein erwecke, als ob sie die Staatsrechtsforderung unterstütze. Die Frage ei im Gesetzgebungswege zu regeln; er bitte um die Annahme des von der Minorität vorgeschlagenen Absatzes der Adresse. Graf Franz von Falkenhanynerklärte namens der Rechten, daß er den Adreßentwurf in der vorliegenden Fassung an⸗ ehme. Der Minister⸗Präsident Graf Badeni besprach odann die Sprachenverordnungen in Böhmen und in Mähren nd bemerkte:
Er stelle diesen Gegenstand voran, weil er der einzige und jeden⸗ alls wichtigste Differenzpunkt sei, der die Parteien des Hauses bezüglich des Adreß⸗Entwurfs trenne. Die Erfahrungen außerhalb es Hauses hätten bewiesen, daß in diesem beispiellos leidenschaft⸗ ichen Parteikampfe Klagen gegen diese Verordnungen erhoben würden, velche an dem wahren Inhalt derselben nicht den geringsten Anhalt ätten. Man spreche von einer Beeinträchtigung und Vergewaltigung es Deutschthums. Er wisse nicht, welche konkrete Bestimmung diese Befürchtung erwecken könnte. Die Verordnungen enthielten zwei Kategorien on Bestimmungen: die erste bezüglich des Parteienverkehrs, die zweite be⸗ üglich des inneren Dienstes sowie der Qualifikation zu demselben. Hinsichtlich der ersten Kategorie werde der bereits durch die Ver⸗ ordnung vom Jahre 1880 geschaffene Zustand eigentlich aufrecht er⸗ halten. Was die zweite Kategorie anbetreffe, so habe jetzt die weite Landessprache in allen Amtshandlungen ohne Unterschied zur An⸗ wendung ju kommen. Der Einwand der Antragsteller des Minoritäts⸗ otums, daß die Verordnung über das thatsächliche Bedürfniß hinaus⸗ eiche, sei nicht ündet. Der Begriff des thatsächlichen Bedürfnisses ei sehr dehnbar. gebe aber zu, daß die Verordnungen in ihrer Aus⸗
brung gewissen Schwierigkeiten unterlägen, wie diese bei jeder weitaunsgretfenden Aktion vorkämen. Im Minoritätsvotum heiße es weiter, daß diese Verordnungen auch den staatsrechtlichen, mit der eltenden Verfassung unvereinbaren Ansprüchen entgegenkämen. Er 8 icderi daß dieser Rechtszustand bereits durch
re 1880 geschaffen ögn wenn
2 1 12 werden so Seither seien 17 Jahre verstrichen, und
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38 d er agen
önnen, daß diese Gefahren sich als illusorisch erwiesen hätten. Ber⸗ mung der Deutschen sei nmweminbar mit seinen Gefühlen und sein
amtlichen Stelung. Den Gedanken einer Regelung der Sprachen⸗ rage im Wege der Gesetzgebung weise die Regierung unter W.
ibres prüinztpiellen Stuandpunktes und Rechtes nicht ab. Schließli empfahl der Minifter⸗Prüfidert als Richtschnur eindringlich die Schluß⸗
üpe der Adresse- rine wunme Pflege des österrei und eine Versühnung der Gegensüpe. Grof Kuefstein begrüßte das erflürie, bie Deutschen hätien die Spraͤchenverordmung von 1880 nücht anerkannt. Die neuen Spwachenverordnungen nur eine Eiappe auf dem Wege zum böhmischen den Schlußworten des Berichterstatiers Freiherrn von ½ mahm bas Haus in der Spezialberathung vhmne bie Avwesse der Mazoruut zum theil einstimmig, zum theil gegen ie Stimmen der Linken in zweiter und Pritter an. Bei den krontischen Landtagswahlen es im Bezüirk von Petrinja zu grü dir Wenbdarmen mußten „ Bauer wurde getüptet.
Großbritannien und Irland. 8
Im Unterhause erklärte gestern der Parlaments⸗ Sekretär des Aeußern Curzon: die italienische Regierun
habe die britische Regierung davon benachrichtigt, da sie die Besetzung Kassalas nicht aufrecht zu erhalten wünsche, sie möchte sich aber hinsichtlich des sein punktes des Rückzugs über die Ansichten der britischen und der egyptischen Regierung unterrichten. Die Angelegenheit werde . a- der italienischen und der britischen Regierung erörtert. Der Erste Lord des Schatzamts Balfour theilte mit, er hoffe, die Pfingstferien des Hauses für die Zeit vom 4. bis 14. Juni ansetzen zu können. Das Haus nahm sodann die dritte Lesung der Vorlage an, durch welche den Volks⸗ schulen Staatszuschüsse gewährt werden. I eines An⸗ trags zur zweiten Lesüng der Finanzbill stellte James Lowther einen Unterantrag, worin erklärt wird, daß das gegenwärtige Finanzsystem gegenüber den stetig steigenden An⸗ forderungen des Staatsdienstes unzureichend und daß die Zeit zur Erschließung verschiedener neuer Steuerquellen gekommen sei. Der Kanzler der Schatzkammer Sir M. Hicks Beach, der den Antrag bekämpfte, meinte, derselbe ziele auf Schutzzölle ab. Lowther glaube, daß es mit England rapid herunter gehe, während andere Länder infolge des Schutzzolls unter ee Bedingungen mit England konkurrieren könnten. Die enormen Einkünfte Englands unter dem gegenwärtigen Steuersystem, fuhr Sir M. Hicks Beach fort, bildeten hierauf die beste Antwort. Großbritannien habe ein enormes Uebergewicht im Welthandel. Im Falle des Eintretens einer ernsten Handelsnoth oder eines großen Krieges könnten allerdings neue Steuerquellen nothwendig werden, aber für die augen⸗ blicklichen Bedürfnisse reiche das jetzige Finanzsystem aus. Lowther zog sodann seinen Unterantrag zurück, worauf die zweite Lesung der Finanzbill ohne besondere Abstimmung an⸗ genommen wurde.
Frankreich.
Der Staatssekretäar der Südafrikanischen Republik Dr. Leyds ist gestern in Paris eingetroffen.
Rußland.
Der Großfürst Paul Alexandrowitsch ist, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg meldet, unter Belassung in dem Kommando als Führer der 1. Garde⸗Kavallerie⸗Division zum General⸗Adjutanten ernannt worden.
Italien.
In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer er⸗ klärte der Minister des Aeußern Visconti Venosta in Be⸗ antwortung einer Anfrage des Deputirten de Cesare: Die Regierung schenke dem neuen Zolltarif der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika die größte Beachtung und habe nicht verfehlt, die Aufmerksamkeit der Vereinigten Staaten auf die Schädigung hinzulenken, welche den italienischen Interessen aus diesem Tarif erwachsen könne. Italien gedenke nicht, eine Politik der Repressalien einzuschlagen; aber wenn die Vereinigten Staaten auf ihren Absichten beharren sollten, werde die italienische Regierung sich genöthigt sehen, zu prüfen, ob gewisse amerika⸗ nische Einfuhrartikel und einige amerikanische Geschäfte 8 Versicherungsgesellschaften ꝛc.) den Gegenstand analoger Maß⸗ nahmen aus Gründen der nothwendigen Vertheidigung bilden könnten. Herzuf nahm die Kammer die Berathung der An⸗ träge, betreffend Afrika, wieder auf. Der Kriegs⸗Minister, General Pelloux bestätigte, daß die Aufrechterhaltung einer wirksamen Besetzung der erythräischen Kolonie bei einer Be⸗ willigung von nur 7 Millionen Lire unmöglich sei. Zu diesem Zwecke würde, wie der Minister⸗Präsident di Rudini am 15. d. M. bereits erklärt habe, ein Aufwand von ungefähr 30 Millionen erforderlich sein. Es sei daher ausgeschlossen, außer Massowah einen größeren Platz der Hochebene zu halten oder gar wieder in das frühere Dreieck Massowah⸗Asmara⸗Keren einzurücken. Der Minister erklärte, daß man Kassala bisher hauptsächlich aus moralischen Gründen besetzt gehalten habe, daß es aber bei einer Neuorganisation der Kolonie angebracht erscheinen dürfte, dasselbe aufzugeben. Die beste Lösung der Frage sei, die Kolonie wieder in ähnlicher Ausdehnung wie in den Jahren 1892/94 abzugrenzen, wobei es vortheilhafter sein dürfte, dieselbe einem Zivil⸗Gouverneur zu unterstellen, dem man eine gewisse Aktionsfreiheit einräumen könnte. Der Minister kam zu dem Schluß, daß eine Bewilligung von 7 Millionen Lire ausreichend sei, falls man auf eine militärische Besetzung der Hochebene verzichte. Alsdann ver⸗ theidigte der Minister⸗Präsident di Rudini das afrikanische Programm der Regierung, indem er die gegnerischen Redner widerlegte und, nach dem Bericht des „W. T. B.“, sich folgendermaßen äußerte:
Er glaube, daß der Augenblick gekommen sei, um zu einem Abschluß zu gelangen. Er sei erstaunt über das Einbringen mehrerer Tagesordnungen, welche einen Aufschub beantragten, und wiederhole ausdrücklich, daß keinerlei geheime Verträge, noch mündliche oder schriftliche Verpflichtungen existierten, welche das Haus nicht kenne. Die Kammer wisse ebensoviel von der Angelegenheit wie die Regierung. Er sei immer für die Bestellung eines Zisil⸗Gouverneurs in Erythräa gewesen. Er begreife sehr wohl, daß die energischen und radi⸗ kalen Maßnahmen, welche er vorschlage, Widerspruch hervor⸗ riefen. Er müsse aber nochmals betonen, daß die Regierung bestrebt sei, eine Politik zu verfolgen, welche die Abgrenzung der militärischen Besetzung möglichst auf Massowah zu beschränken suche. „Was die Mittel zur Erreichung dieses Zieles betrifft, so sind dieselben von der Gesammtheit der Umstände abhängig, die zum großen Theile mäch⸗ 27 sind als 2 und Können.“ ½ ve-
ten beantragte ortige Räumun von thräa halte er für unmöglich, denn man bedürfe maächit einer Zeit der Ruhe — NV1““
in Neser e am ten
in thun sei. Er verstehe nicht, warum der Abg. Dal Verme die Aufrechterhaltung der Besetzung von Kassala für noth⸗ wendig ex⸗ Es sei zwar richtig, daß, falls Egypten sich in Om⸗ durman festsetze, Italien Kassala ohne Gefahr bebalten könne, doch würde es keinerlei daraus ziehen. Es habe nichts in gapis zu thun, und wengn es dort bleibe, würden sich die schweren diplo⸗ Fehler wiederholen. Er mache nochmals
wand von 19 Mihionen Lire erfordere. Die Regierung kenne sehr wohl die Se des Landes, die von einer Unzufriedenbeit mit den wirthschaftlichen Schwi nen und den der Besteuerung zeuge.
Diese Un nbeit fönne nicht durch lei
Spanien.
Die Cortes sind gestern ohne Thronrede eröffnet
worden. Im Senat brachte die Regierung den 8 wurf einer Reform des Militär⸗Strafgesetzbuchs ein sowie eine Vorlage, betreffend die Vermehrung der höheren Marine⸗Offizierstellen nach Maßgabe der Flattenvergrohedern ein. Der Deputirtenkammer legte der Minister des Innern Cos⸗Gayon einen Gesetzentwurf vor, durch welchen der Regierung für alle während der Parlamentsferien ge⸗ troffenen Maßnahmen Indemnität ertheilt wird. Zur Prüͤfung des Gesetzentwurfs wird eine Kommission gebildet werden.
Gegenüber einer Meldung des „Standard“, daß der Präsident Mac Kinley seine Vermittelung bezüglich Cubas an⸗ bieten und verlangen werde, daß Spanien Cuba an die Aufständi⸗ schen verkaufe, erklärt die „Agenzia Fabra“: die spanische Regierung werde niemals einem Verkaufe zustimmen und auch in einer
Angelegenheit, die Spanien allein angehe, keine auswärtige
Vermittelung annehmen. “ 8
Luxemburg.
Nach einer drei Tage währenden Debatte hat, wie „W. T. B.“ meldet, die Deputirtenkammer gestern einen An⸗ trag der Deputirten Servais und Genossen auf Herab⸗ setzung des Wahlzensus von 15 auf 10 Fr. mit 23 gegen 8 Stimmen verworfen und einstimmig eine Vorlage, betreffend die Abschaffung der Kopfsteuer, angenommen.
8 Türkei. 1
In Thessalien ist nunmehr gestern, wie die „Agence Havas“ berichtet, definitiv ein Waffenstillstand von 17 Tagen abgeschlossen worden, nachdem es noch am Dienstag und Mittwoch zu einem Kampfe gekommen war, über welchen „W. T. B.“ aus Chalkis vom gestrigen Tage meldet: 15 000 Türken verfolgten am Dienstag Mittag die Griechen von Domoko aus und eröffneten das Feuer mit schweren Geschützen. Der Phurka⸗Paß war nur von 10 000 Mann griechischer Infanterie bewacht. Die übrigen Truppen der griechischen Armee befanden sich bereits auf dem Rückzuge nach Lamia. Der Kampf endete um 8 Uhr Abends. Die Griechen behaupteten ihre Stellungen und zogen sich dann am Mittwoch fruh nach Taratza einem Orte zwischen Phurka und Lamia, zurück. Die Türken verfolgten sie. Um 10 Uhr Vormittags kam es zu einem neuen Gefecht. Etwa zwanzig Schwadronen türkischer Kavallerie machten eine Umgehungsbewegung und versuchten den Rückzug der Griechen zu hindern. Es wurde ein lebhaftes Feuer seitens der Griechen unterhalten, durch welches den Türken größere Verluste beigebracht wurden. Der Kampf wurde dann plötzlich infolge der Vorbereitungen für den Abschluß eines Waffen⸗ stillstandes abgebrochen. Die Griechen zogen sich auf Lamia urück. Gestern, Donnerstag, gingen die türkischen Truppen inter den Phurka⸗Paß bis jenseits der alten Grenze zurück.
Auch in Epirus ist der Waffenstillstand zu stande gekommen, nachdem ein Versuch der dortigen türkischen Be⸗ mit den griechischen Führern wegen Herstellung der
affenruhe in Verbindung zu treten, an der Haltung der Griechen gescheitert war, die von dem türkischen Parlamentär keine Notiz nahmen. Die Griechen versuchten noch am Mitt⸗ woch mit 2 Bataillonen von Arta aus einen neuen Vorstoß auf türkisches Gebiet zu machen und beschossen die Stellungen der Türken mit Artillerie.
Nach einer Meldung der „Agence Havas“ wird eine Kommission höherer Offiziere beider Heere eine neu⸗ trale Zone zwischen den Armeen feststellen.
Aus Kanea meldet die „Agenzia Stefani“, daß die Ein⸗ schiffung der griechischen Truppen ihren Fortgang nehme. Die Admirale beständen darauf, daß auch die Kriegsmunition und die Waffen eingeschifft würden. Die Insurgenten be⸗ gönnen sich zugänglicher und versöhnlicher zu zeigen, mit Ausnahme jedoch derjenigen bei Kandia und an einzelnen anderen Punkten. 18
Griechenland.
Der Kronprinz hat, wie aus Athen gemeldet wird, sein Hauptquartier bei den Thermopylen aufgeschlagen; bei ihm befinden sich General Smolenski und Oberst Vassos. Die Armee steht bei Lamia und bei Molo.
Der ehemalige griechische General⸗Konsul in Kanea ist nach dem Abgang der letzten Abtheilung der grie⸗ chischen Truppen von Kreta in Athen eingetroffen.
Cipriani, der in dem letzten Gefecht bei Domoko eine
schwere Verwundung am Knie erhalten hat, ist nach Athen
gebracht worden. 1 Dänemark. sg
Dem „W. T. B.“ wird aus Kopenhagen gemeldet, daß
das Folkething, nachdem es sich als unmöglich erwiesen habe, ein neues Ministerium mit Unterstützung des Lands⸗ things zu bilden, dessen Abstimmung über die Finanzvorlage am 8. d. M. die Demission des Kabinets Rheedtz⸗Thott ver⸗ anlaßte, auf nächsten Montag zu einer Sitzung einberufen worden sei. Gerüchtweise verlaute, man werde versuchen, das jetzige, bis zum 1. Juni geltende interimistische Finanzgesetz auf zwei Monate, also bis zum 31. Juli, zu verlängern, da bis dahin die Ministerkrisis wahrscheinlich beendet sein werde.
Amerika.
Der Staatssekretär Sherman hat, wie „W. T. B.“ meldet, dem Senat eine Zuschrift des deutschen Botschafters Frehann von Thielmann unterbreitet, welche nach den Instruktionen der deutschen Regierung abgefaßt ist und gegen die geplanten amerikanischen Differentialzölle auf Zucker aus Ländern, welche Exportprämien zahlen, Ver⸗ wahrung einlegt. Das Schreiben führt aus, . wenn diese Zölle eingeführt würden, Deutschland vor die Fragg gestellt werde, ob die nach dem Gegenseitigkeitsvertrage von Saratoga vom Jahre 1891 auf Waaren aus den Vereinigten Staaten, insbesondere auf Ackerbau⸗Erzeugnisse, ausgedehnten Vortheile der Minimaltarife, wie sie in den Verträgen Deutschlands mit mehreren anderen Staaten festgesetzt wurden, auch fernerhin gewährt werden könnten. 1 3
Gestern hat der Senat gegen 14 Stimmen eine Resolution des Senators Morgan angenommen, worin erklärt wird, auf Cuba der Kriegszustand herrsche. Die Vereinigten Staaten würden strenge Neutralität beobachten, indem sie beiden Theilen die Rechte kriegführender Parteien zugeständen.
F1131“ I“ “] B1u“
Puarlamentarische Nachrichten. 8
Der ar- die geftrige Sitzung des Reichstages befindet sich in Ersten Beilage.
— In der heutigen (226.) Sitzung des Reichstages,
cher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. von Boetticher und der inister für Handel und Gewerbe W“] beiwohnten, wurde die zweite Be⸗ rathung des Gesetzentwurfs wegen Aenderungen der Gewerbeordnung (Handwerkervorlage) fortgesetzt, und zwar bei dem 100. Nach diesem können Zwangs⸗Innungen auf Antrag Betheiligter für Handwerke
leicher oder verwandter Art durch die höheren Verwaltungs⸗
behorden gebildet werden, 1) wenn die Mehrheit der betheiligten Gewerbetreibenden dem Zwange zustimmt, 2) wenn der Bezirk der Innung so abgegrenzt ist, daß die Mitglieder an dem Genossenschaftsleben theilzunehmen in der Lage sind, 3) wenn die Zahl der vorhandenen Handwerker zur Bildung einer lebensfähigen Innung ausreicht. Diese Voraussetzung ist jedenfalls dann gegeben, wenn zwanzig Handwerker bei⸗ tragspflichtig sind.
In besonderen Fällen, so beantragt ein Zusatz der Kom⸗ mission, kann auch ohne Zustimmung der Mehrheit die Zwangs⸗ innung eingerichtet werden; auch kann der Antrag darauf gerichtet werden, daß die Zwangsinnung beschränkt wird auf diejenigen Hand⸗ werker, welche in der Regel Lehrlinge und Gesellen halten.
Ein Antrag des Abg. Metzner (Zentr.) will in diesem Falle nur die Handwerker mitstimmen lassen, welche Lehrlinge und Gesellen halten; ein Antrag des Abg. Bassermann (nl.) will für die Bildung der Zwangs⸗Innungen eine Zweidrittel⸗ Mehrheit vor⸗ geschrieben wissen. 8
Abg. Dr. Schneider (fr. Volksp.) beantragt die Wieder⸗ des n der Vorlage mit der Beschränkung, daß Zwangs⸗Innungen nur für diejenigen Handwerker gebildet werden, welche Lehrlinge und Gesellen halten.
Abg. Metzner (Zentr.) empfiehlt seinen Antrag, der eigentlich selbstverständlich sei.
Abg. Bassermann (nl.): Gegen die Zwangs⸗Innung walten in den Handwerkerkreisen Süddeutschlands und auch erheblicher Theile Mitteldeutschlands große Bedenken ob. Das geht deutlich hervor aus den Zuschriften der Meistervereine, welche nicht auf Grund der Innungen, sondern in freien Vereinigungen zusammengetreten sind. In diesen Kreisen ist kein Wunsch vorhanden nach dem großen Maß bureaukratischer Bevormundung, welches mit jeder Innung verbunden ist. Wir können daher über die Regierungsvorlage nicht hinausgehen, schon weil dieselbe der Regierung immer noch die Mög⸗ lichkeit bietet, einer beantragten Zwangs⸗Innung aus besonderen Gründen die Genehmigung zu versagen. Die Kommissionsbeschlüsse gehen aber über das zulässige Maß hinaus, namentlich bezüglich des von Herrn Gamp beantragten Zusatzes, daß auch ohne Zustimmung der Mehrheit der Betheiligten eine Zwangs⸗Innung gebildet werden kann. Zur Bildung der Zwangs⸗Innungen müssen zwei Drittel der Betheiligten zustimmen, weil nur die freudige Mitarbeit der großen Mehrzahl der Mitglieder ein reges und gedeihliches Innungsleben sichert. Die Zahl von zwanzig Mitgliedern ist durchaus nicht immer genügend; denn diese zwanzig können gerade sehr wenig leistungsfähig sein. Eine genaue Prüfung der Verhältnisse ist dringend nothwendig. Man sollte auch nicht zwei Kategorien von Handwerkern schaffen, die mit Gesellen und die ohne Gesellen.
Abg. Dr. Freiherr ET16“ (Zentr.): Ich habe es bisher unterlassen, meinen von der Mehrheit meiner Freunde abweichenden Standpunkt darzulegen. Ich hätte das auch unterlassen, wenn nicht der § 100 so gestaltet worden wäre, daß ich ihm unmöglich zu⸗ stimmen kann. Das lebhafte Interesse meiner politischen Freunde für die Hebung des Handwerks theile ich durchaus. Ich ge⸗ höre auch nicht zu denen, welche immer wieder von dem Unter⸗ ange des Handwerks zu erzählen wissen. Die Entwickelung der Verhältnisse hat diese Prophezeiung ebenso Lügen gestraft, wie die andere Behauptung von der wachsenden Verelendung der Massen. Man wird wie die letztere auch die erstere Theorie aufgeben müssen. Ich weise darauf hin, wie alles, was sich an die Gas⸗ und Wasserinstallation und an die Elektrizität anschließt, dem Hand⸗ werk neu gewonnen ist. Auch für die Förderung korporativer Ver⸗ bände trete ich wie vor 20 Jahren ein. Es handelt sich lediglich um die Frage der Durchführung der Organisation, die meiner Meinung nach nicht auf dem Boden eines allgemeinen Zwanges erfolgen soll. Gegen die obligatorische Innung habe ich mich daher stets ausgesprochen. Was mir über die Erfahrungen in Oesterreich mitgetheilt ist, hält mich von ähnlichen Einrichtungen zurück. In Oesterreich stehen die Zwangsorganisationen zum größten Theil nur auf dem Papier. Ich kann deshalb nur auf den Boden treten, den die Peseerens ercag⸗ bietet. Es handelt sich dabei um einen Kom⸗ promiß, und ich bin bereit, meine Bedenken gegen die Zwangs⸗Innung theilweise zu unterdrücken, weil die Vorlage sie zum theil beseitigt hat. Es ist die Gefahr nicht beseitigt worden, daß die Mebhr⸗ heit, welche die Zwangs⸗Innung will, aus den technisch und wirthschaftlich Zurückgebliebenen besteht, welche den fort⸗ geschrittenen Elementen die Innung aufzwingt. Aber das wird nicht immer der Fall sein, es ist vielfach bestritten worden, daß die Mehrheit der Handwerker die Innungen will. Die Vor⸗ lage giebt die Möglichkeit, die 29 auf das Exempel zu machen, ob wirklich die ehrheit der Handwerker Peecrseee sind. Aber ich kann nicht für die Beschlüsse der
ommission stimmen, weil dadurch die Möglichkeit gegeben ist, die Initiative in die Hände der Behörden zu legen. Wir haben gar keine Veranlassung, die diskretionären Befugnisse der Verwaltungsbehörden zu erweitern. Wir haben auch allen Anlaß, die Verwaltungs⸗ behörden gegen Agitationen zu schützen, die in dieser Bestimmung nur neue Nahrung finden würden. Das Maß von Arbeit, welches bisher nutzlos für Agitationen verwendet wurde, soll jetzt auf die eigentliche Innungsarbeit konzentriert werden. Der Initiative der Betheiligten will ich aber keine zu großen Hindernisse bereiten, des⸗ halb werde ich gegen den Antrag Bassermann stimmen.
1. Schluß des Blattes nahm der Abg. Dr. Schneider as Wort. G
— Das Herrenhaus nahm heute seine Plenarsitzungen wieder auf. Verstorben sind seit der letzten Sitzung des Hauses die Mitglieder Staatssekretär Dr. von Stephan und Graf von Rothkirch⸗Trach. Der Präsident Fürst zu Wied widmete den Verstorbenen einen Nachruf und gedachte besonders anerkennend der großen Verdienste des verstorbenen Organisators und Leiters des deutschen 111Jn Das Haus ehrte das Andenken an die dohinge chiedenen Mitglieder in der üblichen Weise.
Neu berufen sind: Christian Ernst Fürst zu Stolberg⸗ Wernigerode auf Grund erblichen Rechts, Graf von der Recke⸗Volmarstein, präsentiert vom Landschaftsbezirke Fürstenthum Oels.
Auf den schriftlichen Glückwunsch, welchen der Präsident auf Beschluß des Hauses an das Mitglied Fürsten von Bis⸗ marck an dessen Geburtstage gerichtet hat, ist von demselben ein Dankschreiben eingegangen. Das Haus nahm von dem⸗ selben Kenntniß.
Darauf machte der Präsident Mittheilung von den ein⸗ gangenen Vorlagen und von den seinerseits getroffenen stweiligen Verfügungen.
Far Verhandlung stand zunächst der Bericht über die Er⸗ gebni se des Betriebes der pen gis en Staatsbahnen im Be⸗ triebsjahre 1895/96. 8
8
₰
Der Referent der Eisenbahn⸗Kommission, Ober⸗Bürger⸗
meister Küper beantragte, den Bericht durch Kenntnißnahme für erledigt zu erklären.
Das Wort nahm zunächst der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen. 8
(Schluß des Blattes.)
Arbeiterbewegung.
Aus Barmen wird der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ berichtet: Am Mittwoch haben in der Eisengießerei von Opterbeck u. Ziegler 50 Former und Hilfsarbeiter die Arbeit eingestellt. Her Ausstandes soll in „Maßregelung“ einiger Arbeiter zu uchen sein.
In Stettin hielt der neu gegründete Arbeitgeberbund aus den — am Dienstag eine Ver⸗ sammlung ab, in der, wie die „Ostsee⸗Ztg.“ meldet, eine aus sechs Mitgliedern bestehende Schiedsgerichts⸗Kommission gewählt wurde zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeit⸗ nehmern. Die Lohnkommission der ausständigen Gesellen hat an sämmtliche Meister ein Rundschreiben gerichtet, in dem die Forde⸗ rungen der Ausständigen nochmals unterbreitet werden. Die Ver⸗ sammlung lehnte es ab, sich überhaupt auf das Schreiben einzulassen. (Vgl. Nr. 115 d. Bl.)
Aus Oberschlesien wird dem „Vorwärts“ geschrieben: Auf der Leogrube bei Czernowitz und auf der Neu⸗Przemsa⸗Grube bei Mvpyzlowitz sind die Bergarbeiter⸗Ausstände mit geringem Erfolge für die Arbeiter beendigt worden. Ein neuer Ausstand ist auf der Wanda⸗Grube bei Myslowitz ausgebrochen.
Aus Triest meldet „W. T. B.“: Sämmtliche Arbeiter des Oesterreichischen Lloyd haben wegen Unzufriedenheit mit dem disziplinaren Vorgehen der Direktion und mit den Dienstverhältnissen gestern Vormittag die Arbeit eingestellt.
Aus New⸗York berichtet die „Voss. Ztg.“ unter dem 17. d. M.: 24 000 New⸗Yorker Schneider, die für die Konfektionsgeschäfte New⸗Yorks und der Umgegend arbeiten, haben die Arbeit niedergelegt. Viele von den Ausständigen sind arme polnische Juden. Die Noth hat sie zum Ausstand getrieben.
Kunst und Wissenschaft.
Ein sehr nützliches Nachschlagewerk ist unlängst im Verlage von W. Spemann von der Generalverwaltung der König⸗ lichen Museen zu Berlin unter dem Titel „Kunst handbuch für Deutschland“ herausgegeben worden. Es stellt eine wesentlich vermehrte, in allen Theilen ergänzte und berichtigte Neuausgabe des von Rudolf Springer bearbeiteten und im Jahre 1880 zuerst erschienenen „Statistischen Handbuchs für Kunst und Kunstgewerbe im Deutschen Reiche“ dar. Der Bibliothekar der Königlichen Museen Dr. Ferdinand Laban hat die mühevolle Neugestaltung des überreichen und fort⸗ währender Veränderung unterworfenen Stoffs in gewissenhafter und übersichtlicher Weise durchgeführt. Der Inhalt des auf nahezu siebenhundert Oktavseiten angewachsenen Buches gliedert sich in folgende Rubriken: Behörden der Kunstverwaltung, denen sich die Reichsanstalten und die Inventare der Kunstdenkmäler einzelner Staaten und Provinzen anschließen, Sammlungen, deren Bestand durch Einbeziehung der bedeutenderen Privatsammlungen eine wesentliche Bereicherung gegen früher erhalten hat, und Kirchenschätze. Dann folgen die Lehranstalten für Kunst und Kunstwissenschaft, Universitäten, Tech⸗ nischen Hochschulen, Kunst⸗Akademien, Kunst⸗ und Kunstgewerbeschulen, technische Bildungsanstalten. Die Besetzung der einzelnen Lehrstühle und Fächer, die Studienpläne, Lehrmittelsammlungen und Stipendien sind auf Grund sorgsamer direkter Informationen ausführlich verzeichnet. Die Gruppe der Vereine, die künstlerische oder kunstwissenschaftliche Inter⸗ essen vertreten, zerfällt in Alterthumsvereine, Künstlervereine, Kunst⸗ vereine, kunstgewerbliche Vereine, Architektenvereine und photographische Vereine. In einem Anhang werden die wichtigsten in Deutschland er⸗ scheinenden Kunstzeitschriften sowie die Institute für Kunstauktionen zusammen 4989 Den Beschluß bilden die mit Gewissenhaftig⸗ keit BS teten Register von Personen⸗ und Ortsnamen. In der Gruppierung des wie in den Einzelangaben verräth sich ein bewunderungswürdiger Fleiß und kluge Beherrschung des oft schwer zu übersehenden Materials, sodaß mit der Zahl der gemachten Stichproben das Vertrauen zu der Zuverlässigkeit des so vielen Be⸗ hörden und Einzelpersonen unentbehrlichen Handbuchs wächst. Für eine Beurtheilung der Kunstpflege im Deutschen Reiche ist hier ein werthvolles statistisches Material aufgehäuft, dessen Benutzung sicherlich nach mancher Richtung Nutzen stiften wird. Der heraus⸗ gebenden Behörde wie dem umsichtigen Verfasser sind daher Alle zu Dank verpflichtet, deren Beruf oder Lebensstellung sie mit den künst⸗ lerischen Verhältnissen und Zuständen des engeren oder weiteren Vaterlandes in Berührung bringt. Die Ausstattung des Werks zeugt von gediegener Vornehmheit, sodaß der Ladenpreis von 10 ℳ mäßig genannt werden darf. Hoffentlich ermöglicht der starke Absatz eine periodische Fortführung des nützlichen Unternehmens; jede Neu⸗ auflage bedeutet für ein solches Werk begreiflicherweise eine Be⸗ reicherung und Steigerung der Zuverlässigkeit der Angaben.
Die diesjährige Versammlung der Internationalen krimi⸗ nalistischen Vereinigung, Landesgruppe Deutsches Reich, findet am 9. und 10. Juni (Mittwoch und Donnerstag nach Pfingsten) in Heidelberg statt. Am Dienstag, den 8. Juni, findet Begrüßung und gesellige Vereinigung in der Museumswirthschaft statt; für Freitag, den 11. Juni, ist der Besuch der Strafanstalten Bruchsal und Kislau in Aussicht genommen. Den Hauptgegenstand der Berathungen wird die Frage des Strafensystems unter dem Gesichtspunkte der Durchführung grundsätzlicher Reformen auf dem Gebiete des Strafvollzugs im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung bilden. Berichterstatter hierüber sind Geheimer Justiz⸗Rath, Professor Dr. Seuffert⸗Bonn und Geheimer Regierungs⸗Rath Dr. Krohne⸗Berlin. Die Seuffert'schen Vorschläge bestehen aus acht Thesen nebst eingehender Darlegung und werden der Versammlung gedruckt vorliegen. Als weiterer Berathungsgegenstand ist in Aussicht genommen die Frage der sogenannten Unschuldsstrafen, d. i. der straf⸗ rechtlichen Haftbarkeit ohne n oder wenigstens ohne volles Verschulden. Auch ist ein Antrag des Geheimen Justiz⸗Raths, Professors Dr. von Liszt auf Berathung von Satzungen für die Landesgruppe angemeldet. — Bemerkt sei noch, daß sich in Heidelberg ein Drtsausschu gebildet hat, bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Helm, 1 Jellinek, Professor von Lilienthal, Geheimer Hofrath, Professor G. Meyer, Privatdozent Dr. Mittermaier, Geheimer Regierungs⸗Rath Pfister, Staatsanwalt Sebold, Oberamtsrichter Süpfle, Ober⸗Bürgermeister Wilckens. Anfragen über die Tagesordnung und Anmeldungen nimmt Privat⸗ dozent Dr. W. Mittermater in Heidelberg, Karlstraße 8, entgegen. Anmeldungen werden möglichst bis zum 31. Mai erbeten.
88 “““
“ 8 Schulwesen.
Hinsichtlich des Turnunterrichts in den Schulen, ins⸗ besondere der Pflege der sogenannten volksthümlichen Uebungen, hat der Minister der geistlichen ꝛc. Fhageregebetzen unter dem 15. März d. J. eine Verfügung an die Provinzlal⸗Schulkollegien und die König⸗ lichen Regierungen erlassen, in welcher es heißt: Sowohl bei den Besichtigungen des Turnunterrichts in den Schulen als auch bei den Turnlehrerprüfungen ist wiederholt wahrgenommen worden, daß die reten volksthümlichen Uebungen, namentlich das Stabspringen und die Wurfübungen, nicht nach Gebühr gepflegt worden waren. Eine Entlcheldaung kann für diesen Uebelstand nur in den Einflüssen gesunden werden, welche das in
HLI1“ 868
unserem Klima unvermeidliche Hallenturnen auf den Turn-
betrieb überhaupt leicht ausübt. Der Minister sieht sich deshalb veranlaßt, für das Turnen im Freien während des Sommer⸗ Halbjahres die Pflege der genannten Uebungen noch besonders zu empfehlen. Auch der schulgerechte Lauf (vergl. § 22 im Leitfaden für den Turnunterricht in den preußischen Volksschuden) und der Lauf und Sprung über Hindernisse ist auf den Turnplätzen eifrig zu üben Gleichzeitig macht der Minister auf die unerfreuliche Erscheinun aufmerksam, daß oft gerade die leistungsfähigsten Turner denen einzelne schwierigere, bei Schauturnen besonders beliebt Uebungen trefflich gelingen, bei der Ausführung grundlegender ein⸗ facher Uebungen die rechte Sauberkeit vermissen lassen. Er sieht hierin die Folge davon, daß hier und da die unerläßlichen, zum Schulturnen gehörenden Uebungen unter dem einseitigen Streben nach kunst turnerischen, in die Augen fallenden Leistungen vernachlässigt werden Es werde gleichmäßig darauf zu halten sein, daß im Turnunterrich der Schulen überall den Gesichtspunkten gebührend Rechnung getragen werde, welche in dem Leitfaden für Turnunterricht in den preußischen Volksschulen von 1895 und in den Lehrplänen für die höheren Schulen von 1892 dargelegt worden sind. Die Behörden haben das danach Erforderliche zu veranlassen.
“ 11A“ — 1*
Bauten.
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Dem Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten hat der oh Genehmigung des Ministeriums zur Ausführung gebrachte Um bau einer Kirche Veranlassung zu einem Runderlaß (vom 6. März 1897) an die Regierungs⸗Präsidenten gegeben, worin zur Wahrung der Interessen der Denkmalpflege für künftige ähnliche Fälle darauf auf⸗ merksam gemacht wird, daß nach der Zirkular⸗Verfügung vom 24. Januar 1844 (Zentrbl. der Unterrichts⸗Verwaltun für 1888, S. 153) der Regierungs⸗Präsident unzweifelhaft beretegt ist, die Ortspolizei⸗ behörden anzuweisen, daß alle Bauprojekte, welche auf Um⸗ und Erweiterungsbauten, auf theilweisen oder gänzlichen Abbruch, überhaupt auf irgend eine Veränderung sich beziehen, vor Er⸗ des Baukonsenses ihm zur Kenntnißnahme eingereicht werden. Der Regierungs⸗Präsident hat dann, soweit ihm die Entscheidung nicht 88 des Ministeriums allgemein überlassen ist, an dasselbe zu berichten, und es darf vor erfolgtem Bescheide zur Ausführung de beabsichtigten Maßnahmen nicht geschritten werden.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs Maßregeln.
Wien, 21. Mai. (W. T. B.) In der gestrigen Sitzung der Akademie der Wissenschaften berichteten die von der Akademie zum Studium der Beulenpest nach Indien entsandten Aerzte mündlich über ihre Thätigkeit im Pestgebiet. Sie hoben hervor, daß weder die Serum⸗Injektionen des Dr. Yersin noch die Präventiv⸗ Impfungen des Dr. Haffkin erfolgreich seien. Die Gefahr der Ein⸗ schleppung der Pest in Europa sei relativ recht gering. Ein aus⸗ führlicher schriftlicher Bericht wird später der Akademie vorgelegt werden.
Bombay, Donnerstag, 20. Mai. (W. T. B.) Seit Ausbruch der Pest sind insgesammt 12 324 Personen an der Pest erkrankt und 10 507 Personen der Seuche erlegen. Die Gesammtzahl der in den letzten 15 Tagen gestorbenen Personen beträgt 1105.
Verdingungen im Auslande.
Oesterreich⸗Ungarn.
31. Mai, 12 Uhr. Baudirektion für die Wiener Stadtbahn: Ausführung von Hochbauten. Bauloose 17 und 18. Näheres bei der K. K. Baudirektion für die Wiener Stadtbahn (VII Mariahilfer⸗ straße 126), für die Station Eö“ bei der K. K. Bau⸗ leitung der Wiener Stadtbahn, Sektion Wienthal⸗ und Donaukanal⸗ linie Waisenhausgasse Nr. 16), für die Haltestelle Breitensee und für die Station ehs bei der K. K. Bauleitung der Wiener Stadtbahn, Sektion Vororte⸗ und Donaustadtlinie (XV Gersten⸗ gasse 1) und beim „Reichs⸗Anzeiger“.
Niederlande.
9. Juni, 11 Uhr. Departement für Waterstaat, Handel & Nyverheid im Haag: Lieferung von Steinkohlen für den Bedarf der Dampffahrzeuge an der Capelschen und Drongelenschen Fähre, Provinz Nordbrabant. (Schätzung 7,50 fl. für die Schiffstonne.) Bedingungsheft Nr. 135 liegt nach 26. Mai zur Einsicht im Gebäude des Departements und bei den Provinzial⸗Verwaltungen auf und ist ferner gegen Kostenerstattung erhältlich bei Gebrüder van Cleef, Spui 28 a im Haag; nähere dussestgeh ertheilt der Hoofdingenieur vor rivieren im Haag, Fluweelen Burgwal 16 b, sowie das Bureau der Arbeiten zur Verlegung der Maaßmündung zu Hertogenbosch.
Verkehrs⸗Anstalten.
Bremen, 21. Maj. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. D. „Lahn“ 19. Mai Nm. Reise von Southampton n. New⸗ ork fortges. „München“, v. Baltimore kommend, 19. Mai Abds.
a. d. Weser angek. „Wartburg“ 19. Mai Nm. Reise von Ant⸗
werpen n. Bremen fortges. „Havel“, v. New⸗York kommend,
20. Mai Mrgs. a. d. Weser angek. „Aachen“, 19. Mai Nm. v.
Baltimore n. d. Weser abgeg. „Bayern“, v. Ost⸗Asien kommend,
19. Mai Nm. in Suez angek. „Karlsrube“, n. Australien be⸗
stimmt, 20. Mai Vm. in Albany angek. „Trave“ 20. Mai Mrgs.
in New⸗York angek. „Sachsen“, n. Ost⸗Asien bestimmt, 20. Mai
Nm. a. d. Weser angek. „Barbarossa“, v. Australien kommend,
20. Mai Nm. a. d. Weser angek. „Roland“, v. Galveston
kommend, 20. Mai Nm. a. d. Weser angek. „Willehad“ 20. Mai
Mrgs. in Baltimore angekommen.
Hamburg, 20. Mai. (W. T. B.) Hamburg⸗Amerika⸗ Linie. PD. „Pennsylvania“, von Hamburg kommend, ist gestern Abend in New⸗York eingetroffen. „Andalusia“, von New⸗York kommend, hat heute Morgen Seilly passiert. „Columbia“ ist heute Nachmittag von Cherbourg abgegangen.
London, 20. Mai. (W. T. B.) Union⸗Linie. „Moor ist auf der Heimreise gestern von Kapstadt abgegangen.
Rotterdam, 21. Mai. (W. T. B.) Holland⸗Amerikaäa Linie. Dampfer „Spaarndam“ ist von New⸗York gestern Nach mittag in Rotterdam angekommen. D. „Obdam“, von Rotterdam
New⸗York, hat heute Vormittag Lizard passiert.
Theater und Musik.
Im Königlichen Opernbause gehen am morgigen Geburts tage Richard Wagner's „Die Meistersinger von Nürnberg“ unte Kapellmeister Dr. Muck's Leitung in Scene. Herr Emi Götze üngt den Stolzing, Herr Theodor Reichmann de
ans Sachs als Gast, die Eva Fräulein Hiedler, die Magdalene Frau Götze, den Pogner Herr Mödlinger, den Bechmesser Herr Schmidt, den David Herr Sommer. — Herr Francesc Tamagno tritt nur einmal, und zwar am Montag, den 24. Mat in Meyerbeer's Oper „Der Prophet“ auf.
Im Koöniglichen Schauspielhause wird morgen Shake speare’s Lustspiel „Viel Lärmen um nichts“ gegeben. Den Benedic spielt Herr Matkowsky, die Beatrice Fräulein Poppe.
Die Opernsaison im Theater des Westens keginnt an Pfingstsonntag, den 6. k. M., mit Meyerbeer's Oper „Die Hugenotten“ 9 am nachfolgenden Dienstag „Das Glöckchen des Eremiten“ gegeben; das gesammte Personal soll in diesen drei Vorstellungen abwechselnd vor⸗ geführt werden. Die Eintrittspreise variieren für numerierte Sitzplätze zwischen 1 und 5 ℳ; von allen Abonnements oder sonstigen Preis⸗ ermäßigungen ist e. worden. Eine Vorverkaufsgebühr wird weder an der heaterkasse, noch im Billetverkauf bei Kühling u. Güttner, Theater⸗ Buchbandlung⸗ Markgrafen⸗ straße 52, erhoben. In der knapp bemessenen Zeit bis zum 29.2 ugust gelangen ferner noch zur Aufführung: „Figaro's Hochzeit“, on
Um zweiten Feiertag wird „Der Trompeter von Säaͤkkingen“ (von Neßler), 8
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