Voigt, Assist. Arzt 1. Kl. vom Eisenbahn⸗Regt. Nr. 1, zum Inf.
Regt. Prinz Moritz von Anhalt⸗Dessau (5. Pomm.) Nr. 42, Dr. Derlin, Assist. 89 2. Kl. vom Kür. Regt. Graf Geßler (Rhein.)
Nr. 8, zum Sanitätsamt des VII. Armee⸗Korps, — versetzt. Dr. Beyer, Ober⸗Stabsarzt 1. Kl. und Regts. Arzt vom Inf. Regt. von Stülpnagel (5. Brandenburg) Nr. 48, Dr. Claus, Ober⸗ Stabsarzt 1. Kl. und Regts. Arzt vom Inf. Regt. Graf Werder (4. Rhein.) Nr. 30, — beiden unter Verleihung des Charakters als Div. Arzt, mit Pension und ihrer bisherigen Uniform, Fleißner,
Ober⸗Stabsarzt 2. Kl. und Regts. Arzt vom Schleswig⸗Holstein.
Ulan. Regt Nr. 15, mit Pension und seiner bisherigen Uniform, Dr. Wolff, Assist. Arzt 1. Kl. der Res. vom Landw. Bezirk Frank⸗
furt a. M., Dr. Jacobiny, Stabsarzt der Landw. 1. Aufgebots
vom Landw. Bezirk Krefeld, Dr. Rehfeld, Assist. Arzt 1. Kl. der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk III Berlin, Dr. Weise,
Stabsarzt der Landw. 2. Aufgebots vom Landw. Bezirk Stade, Dr.
*
Schütz, Stabsarzt der Landw. 2. Aufgebots vom Landw. Bezirk II Bochum. — der Abschied bewilligt. Dr. Schoenermarck, Stabs⸗ und Bats. Arzt vom 2. Bat. 3. Magdeburg. Inf. Regts. Nr. 66, als Halbinvalide mit Pension aus dem aktiven Sanitäts⸗Korps aus⸗ geschieden und zu den Sanitäts⸗Offizieren der Landw. 2. Aufgebots
üͤbergetreten. 8 Königlich Bayerische Armee.
DOffiziere, Portepee⸗Fähnriche ꝛc. Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. 29. September. Frhr. v. Reitzenstein, Major z. D., beim Bezirks⸗Kommando Ingolstadt, v. Allweyer, Major z. D., beim Bezirks Kommando Kaiserslautern, — ju Bezirks⸗Kommandeuren, Leeb, Major z. D., beim Bezirks⸗Kommando Kempten, del Moro, Major z. D., beim Bezirks⸗Kommando Kissingen, Griesbeck, Hauptm.
z. D., beim Bezirks⸗Kommando Würzburg, — zu Bezirks⸗Offizieren,
— ernannt. 30. September. List, Major z. D., zum Bezirks⸗Offizier
— beim Bezirks⸗Kommando Landau ernannt.
Durch Verfügung des Kriegs⸗Ministeriums. Petzoldt, Pr. Lt. des 10. Inf. Regts. Prinz Ludwig, vom Kommando zum opographischen Bureau des Generalstabes enthoben, Benz, Sec.
Lt. des 16. Inf. Regts. Großherzog Ferdinand veon Toskana, zur
Dienstleistung in das Topographische Bureau des Generalstabes be⸗ ordert, — beide zum 15. Oktober d. J. Feistle, Pr. Lt. des 5. Inf. Regts. Großberzog Ernst Ludwig von Hessen, Brunner, Pr. Lt. des 7. Inf. Regts. Prinz Leopold, — vom Kommando zum Topographischen Bureau des Generalstabes entboben. Prager, Sec. Lt. des 11. Inf. Regts. von der Tann, Schmitt, Sec. Lt. des 15. Inf. Regts. König Albert von Sachsen, — zum Topographischen Büreau des Generalstabes kommandiert, Schuster, Pr. Lt. des 4. Inf. Regts. König Wilbelm von Württem⸗ berg, vom Kommando zum Eisenbahn⸗Bat. enthoben und zu seinem Truppentheil zurückbeordert, — sämmtlich vom 1. Oktober I. J. ab.
Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 29. Sep⸗ tember. Salzberger, Oberst⸗Lt. z. D. und Kommandeur des
Landw. Bezirks Ingolstadt, mit der Uniform des 19. Inf. Regts., Schießl, Oberst⸗Lt. z. D. und Kommandeur des Landw. Bezirks
Kaiserslautern, mit der Uniform des 7. Inf Regts. Prinz Leopold,
Holler, Major z. D. und Bezirks⸗Offizier vom Bezirks⸗ Kommando Kempten, unter Verleihung des Charakters als
Oberst.Lt., mit der Uniform des 14. Inf. Regts. Hart⸗ mann, Burkhardt, Major z. D. und Bezirks⸗Orfisier vom Bezirks⸗Kommando Kissingen, mit der Uniform des 7. Inf. Regts. Prinz Leopold, Fuß, Major z. D. und Bezirks⸗Offisier vom Be⸗ zirks⸗Kommando Wüͤrzburg, mit der Uniform des 9. Inf. Regiments Wrede, — mit der gesetzlichen Pension und mit der Erlaubniß zum Tragen der Uniform mit den für Verabschiedete vorgeschriebenen Ab⸗ zeichen der Abschied bewilligt.
30. September. Phildius, Major z. D. und Bezirks⸗ Offizier vom Bezirks⸗Kommando Landau, mit der gesetzlichen Pension und mit der Elaubniß zum Tragen der Uniform des 17. Inf. Regts. Orff mit den für Verabschiedet vorgeschriebe Abjzeichen der Ab
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Denutsches Reich. Preußen. Berlin, 9. Oktober.
Der Bundesrath hat am 7. d. M. unter dem Vorsitz des Staate⸗Ministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Grafen von Posadowsky⸗Wehner seine Plenarsitzungen wieder aufgenommen. Nachdem der Vorsitzende zunächst von der durch Seine Majestät den Kaiser erfolgten Ernennung der Mitglieder der Ausschüsse für das Landheer und die Festungen und für das Seewesen Mittheilung gemacht hatte, wurden die übrigen Ausschüsse durch Zurufswahl
gebildet. Den zuständigen Ausschüssen wurden uberwiesen:
der Entwurf eines Gesetzes über die Angelegenheiten der frei⸗ willigen Gerichtsbarkeit, — der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß⸗Lothringen wegen Abänderung des Sparkassengesetzes, — der Antrag Badens, betreffend Abänderung der Bestim⸗ mungen über die Sammlung von Saatenstands⸗ und vor⸗ läufigen Erntenachrichten, — der Nachtragsantrag Preußens wegen Ausführung des Börsengesetzes, — die Allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von Elsaß⸗Lothringen für 1893/94, — das Abkommen zur Regelung einiger Fragen des internationalen Privatrechts vom 14 November v. J, — sowie der Entwurf einer Verordnung über die Ausführung der am 9. September 1886 zu Bern abgeschlossenen Ueberein⸗ kunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst. Von der Vorlage, betreffend die Thronfolge im Fürsten⸗ thum Lippe, und von der Uebersicht der Er⸗ gebnisse des Heeres⸗Ergänzungsgeschäfts für das Jahr 1896 wurde Kenntniß genommen. Einem Aueschußantrage, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe, wurde die Zustimmung ertheilt. Die Reichstagsbeschlüsse zu Petitionen, betreffend Anrechnung von Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter, und zu einer Petition wegen Bekämpfung des Mädchenhandels wurden dem Reichskanzler überwiesen. Außerdem wurde die Wahl eines stellvertretenden Mitgliedes des Börsenausschusses vorgenommen und über verschiedene Eingaben Beschluß gefaßt.
Der hiesige Herzoglich braunschweigische Gesandte Freiherr von Cramm⸗Burgdorf ist vom Urlaub nach Berlin zurück⸗ gekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder über⸗ e⁊“ “ Nach telegraphischen Meldungen an das Ober⸗Kommando der Marine ist S. M. S. „Prinzeß Wilhelm“, Kom⸗ mandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), gestern in Chefoo angekommen und heute nach Shanghai in See gegangen; S. M. S. „Cormoran“, Kommandant Korvetten⸗Kapitän Brussatis, ist am 4. Oktober in Nagasaki und S. M. S.
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„Gneisenau“, Kommandant Kapitän zur See Hofmeier, gestern in Rio de Janeiro angekommen; S. M. S. „Hyäne“, Kommandant Kapitän⸗Lieutenant Becker, beabsic tigt, am 10. Oktober von Rotterdam die Heimreise fortzusetzen; S. M. S. „Pfeil“, Kommandant Korvetten⸗Kapitän Gerstung, ist gestern in Grimsby angekommen und an
demselben Tage wieder in See gegangen. “
In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer des „R.⸗ u. St.⸗Anz.“ wird eine Zusammenstellung der Berichte von deutschen EI für den Monat Sep⸗ tember d. J. veröffentlicht.
“ 88
- dem Landtage zugegangenen Gesetzentwurf, betreffend die Gewerbesteuer, zerfällt diese in die Normal⸗ anlage und in die Betriebsanlage. Die Normal⸗ anlage ist in Stufen eingetheilt und beträgt bei Handel im Großen (Großhändler, Grossisten), bei Waarenhäusern, Versandhäusern 40, 60, 100, 180 ℳ; bei Banquiers 50, 72, 100, 180 ℳ; bei Geldwechslern, Wechselstubeninhabern 12, 18, 24, 40 ℳ; bei Bankanstalten 920 ℳ; bei gewerbs⸗ mäßigen Geldverleihern 50, 72, 100, 180 ℳ In gleicher Weise sind zu besteuern: gewerbsmäßige Güterhändler, Güterzertrümmerer, Unternehmer für den Erwerb und die Veräußerung von Gebäuden, städtischen Grundstücken und Bauplätzen. Die Normalanlage wird jedem Gewerbe zu⸗ geschlagen, in und in Verbindung mit welchem ein gewerbs⸗ mäßiger Güterhandel betrieben wird. Dieselbe kann bei einem die wirthschaftlichen Verhältnisse eines größeren Verkehrsgebiets nachtheilig beeinflussenden Güterhandelsbetriebe verstärkt werden. Eine Steuerermäßigung findet in keinem Fall statt. Ferner sollen in biger Weise besteuert werden: Lebens⸗ und Rentenversicherungsanstalten, Feuer⸗, Trans port⸗ versicherungs⸗, Rückversicherungsanstalten mit dem Hauptsitz in Bayern 180 ℳ; Buchdrucker, Notendrucker, ebenso (Verleger) von Zeitschriften: a. bei geringerem
etrieb 3, 4, 6, 9 ℳ, b. bei größerem Betriebsumfang 18, 30, 100, 180 ℳ; Abzahlungsgeschäfte, gemischte Waaren⸗ abzahlungsunternehmungen 18, 30, 60, 100 ℳ; gemischte Waarenbazars, Händler mit Luxuswaaren, Schnittwaaren⸗ händler, Buchhändler u. s. w.; Spinnfabriken, Spinnereien 18, 30, 100, 180 ℳ Die Betriebsanlage beträgt jährlich bei einem Ertrag bis 600 ℳ 1 ℳ Steuer, bis 750 ℳ 2 ℳ, bis 900 ℳ 3 ℳ, bis 1050 ℳ 4 ℳ, bis 1200 ℳ 6 ℳ, bis 1500 ℳ 9 ℳ, bis 1800 ℳ 12 ℳ, bis 2100 ℳ 15 ℳ, bis 2400 ℳ 18 ℳ, bis 2700 ℳ 24 ℳ, bis 3000 ℳ 30 ℳ, bis 3500 ℳ 40 ℳ, bis 4000 ℳ 50 ℳ, bis 4500 ℳ 60 ℳ, bis 5000 ℳ 72 ℳ, bis 5500 ℳ 86 ℳ, bis 6000 ℳ 100 ℳ, bis 6500 ℳ 120 ℳ, bis 7000 ℳ 150 ℳ, bis 7500 ℳ 180 ℳ, bis 8000 ℳ 210 ℳ, bis 8500 ℳ 240 ℳ, bis 9000 ℳ 270 ℳ, bis 10000 ℳ 300 ℳ; sie steigt bei einem höheren Ertrag von mehr als 10 000 ℳ bis einschließlich 20 000 ℳ in Klassen von 1000 ℳ um je 30 ℳ, von 20 000 ℳ bis 28 000 ℳ in Klassen von 1000 ℳ um je 35 ℳ, von 28 000 ℳ bis 40 000 ℳ in Klassen von 1000 ℳ um je 40 ℳ Bei einem Ertrag von mehr als 40 000 ℳ bis einschließlich 41 000 ℳͤℳ beträgt die Betriebs⸗ anlage 1400 ℳ Bei höherem Ertrag steigen die Klassen um je 1000 ℳ, und die Betriebsanlage beträgt jeweils drei ein hald vom Hundert desjenigen Ertrags, mit welchem die vorausgehende Klasse endet.
Sachsen. Der Landtag ist zum 9. November einberufen worden.
Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. Seine Königliche Hoheit der Herzog ist gestern von Hinterriß wieder in Coburg eingetroffen. Der russische Minister des Auswärtigen Graf Murawjew ist in der vergangenen Nacht in Coburg eingetro ffen.
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Oesterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser ist gestern Abend von den Hochwildjagden in Mürzsteg nach Wien zurückgekehrt.
Das österreichische Abgeordnetenhaus beguünn gestern die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Unter⸗ stützungen aus Staatsmitteln anläßlich der Elementar⸗ ereignisse. Nachdem zwei Redner gesprochen hatten, wurde die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen wegen der Berathungen des Mißbilligungsausschusses über die Angelegenheit Iro⸗ Gregorig. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung beschloß das Haus, den Bericht des Mißbilligungsausschusses in öffent⸗ licher Sitzung entgegenzunehmen. Der Referent Abg. Fuchs berichtete, daß der Abg. Iro in einer Zuschrift an den Ausschuß auf sein Ehrenwort versichere, daß der ihm in den Mund gelegte Zuruf nicht gefallen sei. Der Ausschuß habe jedoch die Ueberzeugung gewonnen, daß der Abg. Iro diesen, den Abg. Gregorig schimpflich beleidigenden Zuruf gethan habe, weshalb der Ausschuß ein Mißbilligungsvotum gegen den Abg. Iro be⸗ antrage. Der gleiche Antrag wurde auch gegen den Abg. Gre⸗ gorig gestellt, obwohl dieser die in der Aufregung gesprochenen Worte bereits am vorgestrigen Tage bedauert hatte. Der Ausschuß sprach sein tiefes Bedauern über die in der letzten Zeit im Parla⸗ mente vorgekommenen derartigen Scenen aus, erklarte jedoch aus⸗ drücklich, die in parlamentarischen Grenzen sich bewegende Obstruktion damit nicht treffen zu wollen. Das Haus beschloß einstimmig, gegen die Abgg. Iro und Gregorig ein Miß⸗ billigungsvotum auszusprechen, und nahm mit großer Majorität bei dem Votum gegen Gregorig einen Zusatzantrag des Abg. Dr. Lueger an, welcher hervorhob, daß Iro durch den Zwischen⸗ ruf die Familienehre Gregorig's tief verletzt habe. Bei der Abstimmung über das Votum verließ die Schönerer⸗Gruppe den Saal. “
Der König der Belgier ist gestern Nachmittag inkognito in Paris eingetroffen.
Der Minister für die Kolonien Lebon ist gestern von Pauillac nach dem Senegal abgereist.
Bei der Berathung des Armee⸗Budgets verwarf die Budget⸗Kommission unter dem Vorbehalt, daß der Minister noch gehört werden solle, mit 10 gegen 8 Stimmen die Vermehrung des Truppen⸗Kontingents.
Der General Weyler hat, wie „W. T. B.“ aus
berichtet, an den Minister⸗Präsidenten Sagasta eeee daß sein doppelter Charakter als General⸗Gouverneur und General en chef vor dem Feinde ihn verhindere, seine Ent⸗ lassung zu nehmen. Angesichts der Angriffe, die gegen ihn erichtet würden, bedürfe er indessen des Vertrauens ler Regierung. Der Minister⸗Präsident Sagasta ant⸗ wortete; die Regierung erkenne die Dienste Weyler'8 an; aber sie bedenke den Wechsel der Politik und verlange, um den Krieg zu beenden, Behörden, die sich mit ihr identifizierten. Dies habe nichts mit dem Vertrauen zu thun, welches Weyler der Regierung einflöße. Die Libe⸗ ralen seien der Arsicht, daß die Verantwortlichkeit in der Politik nicht auf den Ausführenden falle, sondern auf die Regierung, welche diesen inspiriere. Zum Schluß theilte der Mmister⸗Präsident mit, er werde Weyler binnen kurzem den Beschluß der Regierung mittheilen.
Nach einer weiteren Meldung des „W. T. B.“ wäre die unverzügliche Abberufung des Generals Weyler beschlossen worden. Ein Dekret, welches den Marschall Blanco zum Gouverneur von Cuba ernenne, werde heute unterzeichnet werden. Derselbe werde von den Generalen Arderius als Unter⸗Gouverneur und Gonzalez als Generalstabs⸗Chef sowie von den Generalen Pando, Bernal und Canella begleitet sein. Wie ferner der „Heraldo“ zu melden weiß würden mit dem Marschall Blanco 20 000 Mann Verstärkungen nach Cuba gehen.
Griechenland.
Wie das „Reuter'sche Bureau“ vernimmt, wird Major
Law zum Delegirten Großbritanniens bei der internationalen Kontrolkommission in Athen ernannt werden.
Als griechische Mitglieder der mit der Festsetzung der strategischen Grenze betrauten Kommission sind endgültig der Oberst Zaphiropulos und der Major Konstantinidis er nannt worden; zwei Hauptleute sind ihnen beigegeben.
Die griechische Regierung thut Schritte bei den Mächten im Interesse der Rückkehr der geflüchteten Thessalier, welche nur unter der Garantie der Mächte wieder nach Thessalien zurückkehren wollen.
Schweden und Norwegen.
Der norwegische Ministerrath hat, wie „W. T. B.“ aus Christiania meldet, gestern die durch die Wahlsiege der Linken geschaffene Lage besprochen und einstimmig beschlossen, einen definitiven Entschluß betreffs einer Demission vor dem Abschluß der Wahlen nicht zu fassen.
Amerika. AX““
Aus Ottawa erfährt die „Times“, daß aus den nord⸗ westlichen Territorien Canadas zwischen Manitoda und den Rocky Mountains eine neue Provinz gebildet worden sei. Die Provinzialverwaltung sei bereits eingerichtet.
Wie „W. T. B.“ meldet, ist der brasilianischen Gesandt⸗ schaft in Berlin aus Rio de Janeiro eine amtliche Depesche zugegangen, worin bestätigt werde, daß die Regierungstruppen Canudos eingenommen hätten, und hinzugefügt werde, daß das Haupt der Aufständischen, Antonis Conselheiro, todt sei. Nach einem der brasilianischen Gesandtschaft in London zugegangenen Telegramm sind während des Feldzuges gegen die Aufständischen 3000 Offiziere und Soldaten getödtet, verwundet oder invalid geworden.
Afien.
Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Simla vom gestrigen Tage, daß der General Lockhardt den Afridis und Orakzais in Tirah den Vormarsch der Expedition bekannt gegeben habe; derselbe erfolge, weil sie ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen zuwiber gehandelt hätten.
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Das portugiesische Panzerschiff „Adamastor“ hat, dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge, von den Riffpiraten die Frei⸗ lassung der Gefangenen nicht erlangen können und ist nach Tanger zurückgekehrt, um neue Instruktionen einzuholen.
Wie dasselbe Burcau aus Kapstadt erfährt, ist Cecil
Rhodes ernstlich erkrankt. Aus Lagos meldet das „Reuter'sche Bureau“, daß am Freitag eine aus 500 Soldaten mit 2000 Trägern bestehende französische Expedition von Porto Novo (Dahomey) nach Nikki und dem Hinterlande von Lagos ab⸗ gegangen sei. Die britische Kolonialregierung treffe ungesäumt Maßnahmen, um eine Verletzung des briti⸗ schen Gebietes zu verhindern. In Londoner amtlichen Kreisen werde nicht angenommen, daß die Expedition britisches Gebiet betreten werde; wahrscheinlich sei dieselbe zur Bestrafung der Eingeborenen, mit denen die Franzosen kürp⸗ lich zusammengestoßen seien, entsandt worden. Man halte es auch nicht für wahrscheinlich, daß Nikki das Ziel der französischen Expedition sei, da dieser Ort in dem streitigen Territorium liege. — Der Major Lugard und drei andere Offiziere sind fuͤr besonderen Dienst im Hinterlande von Lagos bestimmt worden.
Arbeiterbewegung
.““ 8
In Hamburg⸗Barmbeck befinden sich einer Mittheilung des „Vorwärts“ zufolge die Zurichter der Rauchwaarenzurichterei von Gebr. Voß seit dem 1. Oktober im Ausstand. .
In Leipzig haben die ausständigen Maurer, wie die „Lpz. Ztg.“ berichtet, dem Verlangen der Arbeitgeber entsprochen und vier neue Vertreter für die vom Ober⸗Bürgermeister Dr. Georgi ein⸗ geleiteten Vermittelungsverhandlungen, die heute stattfinden sollten, gewählt. (Vgl. Nr. 237 d. Bl.)
Aus London meldet „W. T. B.“ zum Ausstande der eng⸗ ischen Maschinenbauer: Die Vereinigte Genossenschaft der Maschinenbauer forderte in einem gestern erlassenen Manifest alle Mitglieder der „Trade Unions“ zu Geldunterstützungen auf. — Wie die Londoner „A. K.“ berichtet, wird die Fertigstellung der im Bau befindlichen Kriegsschiffe durch den Ausstand sehr hinausgeschoben.
Stätistik und Volkswirthschaft. Die wichtigsten Ergebnisse der neuesten schweizerischen Wirthschaftsstatistik.
Die lebhaften Verkehrs⸗ und Handelsbeziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz mögen es rechtfertigen, wenn in
Nachstehendem der heutige Stand der wirthschaftlichen Entwickelung
enschaft an der Hand der schweizerischen amtlichen Ver⸗ tli een *) in einigen Zablenbildern vorgeführt wird. bffende⸗ Bevölkerung der Schweiz beträgt nach der Aufnahme vom 1. Dezember 1888 2 917 754, die Bevölkerungsdichtigkeit bei einer Gesammtbodenfläche von 41 419,9 qkm 73 Personen auf 1 qkm en 91 im Deutschen Reich nach der Volkszählurg von 1890 und nach der Zählung vom 2. Deiember 1895. Die Gesammtzahl der berufsthätigen sonen beträgt 1 274 047 (darunter weibliche 392 435), von denen in der Landwirthschaft 481 033 (w. 92 566) — 37,8 %, in der Industrie 527 792 (w. 200 159) = 41,4 %, im Zandel 92293 (w. 38 256) = 7,2 %, im Verkehr 47 996 (w. 2307) * 3,8 %. in öffentlicher Verwaltung, Rechtspflege, Wissenschaft und Kunst 50 653 (w. 14 836) = 3,9 % thätig sind. b Von Landwirthschaft, Viehzucht und Gartenbau ernähren im Ganzen 1 092 820 Personen oder von 100 Personen der Gesammt⸗ 42 37. Dagegen entfallen von 41 419 gkm Gesammtboden⸗ fliche 29 685 qkm = 71,67 % auf das produkrive Land, und zwar auf Acker⸗, Garten.⸗, Wiesen⸗ und Weideland 21 291 qkm, Waldland 8064 qkm, Rebland 330 qkm. auf das unproduktive Land 11 734 qkm — 28,33 %, und zwar auf Schienen⸗ und Straßenwege, Felsen und Schutthalden 8045, Gletscher 1839, Seen 1343, Flüsse und Bäche 335, Städte, Dörfer und Gebäude 173 qkm. Von dem Acker⸗, Garten⸗, Wiesen⸗ und Weideland entfällt wohl der größere Theil auf Wiesen und Weiden (Alpweiden). Ziffern hierüber vom ganzen Land fehlen; im Kanton Freiburg entfallen auf Weiden allein 29 %, Reuenburg auf Wiesen und Weiden 70 %, Zürich auf Wiesen 43 %, Bern auf Wiesen 30 %. “ 1 Der Viehstand beträgt nach der Viehzählung vom 21. April 1896: 108 529 Pferde, und zwar weniger als 4 Jahre alte 15 425, 4 und mehr Jahre alte 93 104, 1 304 788 Stück Rindvieh, darunter Kälber bis ½ Jabr alt 213 134, Jungvieh ½ — 1 Jahr 112 144, Rinder über 1 Jahr 207 409, Kühe 686 853, Zuchtstiere 22 351, sodaß 1 Zuchtstier auf 30 Kühe entfällt, endlich 62 897 Ochsen; sodann 565 781 Schweine, worunter 2137 Zuchteber und 54 439 Zuchtsauen, ferner 271 432 Schafe, Ziegen 414 968, Bienenstöcke 253 108. In den 30. Jahren 1866/1895 haben sich vermehrt: die Pferde um 8 %. das Rindvieh um 31 %, darunter Kühe um 24 %, Schweine um 85 %, Ziegen um 11 %, Bienenstöcke um 43 %. dagegen die Schafe sich vermindert um 40 % Auf 1000 Einwohner entfallen: Pferde im -veee.Se Schweine Schafe Ziegen i der Schweilz 36 428 5b7 186 89 136 im Deutschen Reich 78 355 201 246 275 63 Wie Deutschland, ist auch die Schweiz genöthigt, ihren Vieb⸗ bestand in den wichtigsten Viehgattungen fortwährend aus dem Aus⸗ land zu ergänzen. So betrug im Jahre 1895 1 ehr
hbi die Einfuhr die Ausfuhr der Einfuhr der Ausfuhr 18 Stück Stück Stück Stück — und Füllen 12 328 2 188 10 140 Aupeieh .. . . 14 714 — Schlachtvieh . . . 72 455 334 60 120 Schweinen. . 117 304 112 699 Schasen. . .. 81 231 — 81 231 Anderen Thieren 16 926 19 121 2195 Die Viehausfuhr betrifft hauptsächlich die Kühe (Zuchrkühe) — im Jahre 1894 betrug z. B. die Zahl der ausgeführten Kühe 17 869 (worunter allein nach Deutschland 13 376), die der eingeführten Kübe Nis —, sowie die Ziegen (1894 Ausfuhr 3636, Einfuhr 1751 Stück), vogegen an Zuchtstieren im Jahre 1894 8500 (besonders aus Oester⸗ rech⸗Ungarn) eingeführt und nur 2420 Stück (darunter nach Deutsch⸗ lan allein 1810) ausgeführt und an Ochsen, Rindern, Jungvieh und Käldan 67 700 Stück mehr ein⸗ als ausgeführt wurden. Die Pferde holt man überwiegend aus Deutschland (1894 3540 Stück) und aus Frankreich (3524 Stüchk). Wie die Viehzucht, insbesondere die Rindviehzucht sowohl von Kantons⸗ als von Staatswegen kräftig unterstützt wird, ist daraus zu entnehmen, daß in den 10 Jahren 1884/93 an Beiträgen zur Förderung der Rindviehzucht von Kantonswegen 2 170 961 Fr., von Bundeswegen 1543 400 Fr., zusammen 3 714 361 Fr., und an Beiträgen für die Förderung der Pferdezucht im gleichen Zeitraum 370 410 Fr. gewährt wurden. Viehzuchigenossenschaften bestebhen 184, davon im Kanton Bern allein 66 und in den 5 Kantonen Zürich, Luzern, Aargau, Waadt und Freiburg 98. 1 Die industrielle Entwickelung zeigt in den letzten Jahren eine reißend schnelle Zunabme. Nach der schweizerischen Fabrikstatistik betrug nämlich die Zahl der Fabriken im Jahre 1888 3786 mit 159 543 Arbeitern (worunter 73 011 weibliche) und 82 393 Betris bs⸗ pferdekräften, im Jahre 1895 4933 mit 200 199 Arbeitern (worunter 80 995 weibliche) und 152 718 Betriebspferdekräften (wovon auf Wasserkraft 87 865, Dampf 53 410, Gas 1851, Elektrizität 7357, Petroleum 2235 entfallen). Von den 4933 Fabriken kommen auf — mit Motoren⸗
die Zahl mit Arbeitern kräften
Textilindustrie .1793 = 36,2 % 91 454 = 45,6 % 62 327 = 40,8 %
Baumwollindustrie 1253 8 536 43 011
Seidenindustrie 230 11 232 Wollenindustrie v einenindustrie. 1 . übrige Textil⸗
1“
Verarbeitung von “ Häuten, Leder, Haaren, Horn . 126 = 2,3 % 8 365 = 4,1 % 1 615 = 1,0 %
Lebens⸗ und Genuß⸗ mittelindustrie 537 = 11,0 % 14 004 = 7,2 % 19 158 = 12,5 % physikalische In⸗ 3 dustrien .. 167 = 3,2 % 4 058 = 2,0 % 14 353 = 9,4 %
ö polygraphische In⸗ bustae 8 8 . 1417 = 8,4 % 11 062 = 5,6 % 11 315 = 7,4 %
Holzbearbeitung . . 228 = 10,6 % 11 347 = 5,9 % 10 000 = 6,5 %
Metallverarbeitung 234 = 5,0 % 9 936 = 4 9 % 10 339 = 6,9 %
Raschinenindustrie 396 = 8,0 % 23 921 = 12 % 10 983 = 7,3 %
Bijouterie, Uhren⸗ 8 industrie 488 = 9,8 % 16 334 = 8,2 % 2 473 = 1,6 %
er Steine un Erden 295 = 5,5 % 9 718 = 4,5 % 10 152 = 6,6 % Abgesehen von der im Vordergrund stehenden Textilindustrie, sind nach der Zahl der beschäftigten Arbeiter und der vorhandenen Betriebs⸗ kräfte die bedeutendsten Industriezweige die Maschinen⸗, Bijouterie⸗ und Uhren⸗, sowie die Lebens⸗ und Genußmittel⸗Industrie. Die weib⸗
liche Arbeiterschaft betrug im Jahre 1888 45,8 %, im Jahre 1895
dagegen 40,5 % der Gesammtzahl, hat also relativ abgenommen, was
damit zusammenhängt, daß diejenigen vier Hauptindustriegruppen, welche fast ausschließlich Männer beschäftigen (die Holz⸗ und
Metallbearbeitung, die Maschinenindustrie und die Industrie
der Steine und Erden) im Jahre 1888 nur 18,7 % der Gesammt⸗ rbeiterschaft umfaßten, 1895 aber 27,4 %. Von der gesammten Fabrik⸗
arbeiterschaft sind 25 502 = 12,7 % Ausländer (im Kanton Genf
41,6 %, Basel⸗Stadt 35,9 %, Zürich 13,7 %, Waadt 11,9 %, Bern 2 %, Aargau 5,7 %), worunter 14 872, also mehr als die
Hi Deutsche. In den einzelnen Industriegruppen sind die
remden Arbeiter in sehr verschiedener Weisezvertreten, in der Bijouterie⸗
und Uhrenindustrie mit 7,4 %, Textilindustrie 7,5 %, Industrie der
Häute und Haare 10,6 %, Maschinenindustrie 13,9 %, Pavier⸗ und
polygraphischen Industrie 15,8 % Metallindustrie 18,0 %, Lebensmittel⸗
Industrie 18,6 %, chemischen Industrie 23,2 %, Industrie der Erden und
—
Ei
*) Statistisches Jahrbuch der Schweiz, herausgegeben vom
Statistischen Bureau des eidgenössischen Departements des Innern.
Erschienen seit 1891 sechs
Steine 28,9 %, Holzindustrie 29 %. Das schweizerische Fabrik⸗ inspektorat bemerkt hierüber: „Je lobhnender eine Industrie ist, desto
mehr Fremde finden wir — durchschnittlich wenigstens — auf den
Listen ihrer Arbeiter verzeichnet. Es drängt sich die Frage auf, ob denn den Einheimischen mehr die technische Ausbildung oder die An⸗ stelligkeit oder die Zuverlässigkeit und Arbeitsamkeit fehlt, oder wo sonst der Grund liegt, warum wohl selten in einem Lande die Kon⸗ kurrenz fremder Arbeiter sich in dem Maße, und zwar gutentheils in der einträglichsten Beschäftigung geltend macht.“ Was die Arbeits⸗ zeit anbelangt, so arbeiten noch 57 % der Arbeiter 65 Stunden in der Woche, 9 % bis 62 ½ Stunden, 28,3 % bis 60 Stunden und 5,3 % unter 60 Stunden. Im Jahre 1895 betrug der Werth der 8 Einfuhr Ausfuhr von Lebensmitteln 277 456 453 Fr. = 30,3 % 78 586 364 Fr. = 11,8 % (darunter von Deutschland (darunter nach Deutschland 29 783 070 Fr.) 12 698 312 Fr.) . von Rohstoffen . 357 313 871 Fr. = 39 % 81 487 002 Fr. = 12,3 % (von Deutschland (nach Deutschland 82 971 635 Fr.) 49 944 064 Fr.) von Fabrikaten 281 085 692 Fr. = 30,7 % 503 286 809 Fr. = 75,9 % (von Deutschland (nach Deutschland 161 136 360 Fr.) 101 768 877 Fr.) zusammen .. J5 855 D15 Fr. 882 380 75 Fr. (von Deutschland (nach Deutschland 273 891 065 Fr.) 164 411 253 Fr. Es ist somit die Waareneinfuhr um 252 495 841 Fr. größer als
die Waarenausfuhr, und zwar beträgt das Mehr der Einfuhr über die
Ausfuhr bei Lebensmitteln und Robstoffen 474 696 958 Fr., wogegen bei Fabrikaten die Ausfuhr um 222 201 107 Fr. die Einfuhr über⸗ steigt. Aus Deutschland werden um 109 479 812 Fr. mehr eingeführt als dorthin ausgeführt, und zwar entfallen von diesem Mehr auf Lebensmittel 17 084 758 Fr., auf Rohstoffe 33 027 571 Fr., auf Fa⸗ brikate 59 367 483 Fr.
Die Einfuhr (in Millionen Franks des Wertbs) betrifft haupt⸗ sächlich: bei Rohstoffen Seide mit 128,7 (aus Italien 87,7, Frank⸗ reich 18,4), Baumwolle 32,4 (aus den Vereinigten Staaten 16,1, Egvpten 14,0), Wolle 11,3 (aus Deutschland 2,5, Frankreich 1,9, Australien 4,3), Kohlen 41,2 (aus Deutschland 27,5), Eisen 26,2 (aus Deutschland 16,9), Brenn⸗ und Nutzholz 17,1 (aus Deutschland 6,7), Pferde, Nutzvieb und andere Thiere 17 (aus Deutschland 6,6); bei Fabrikaten Seide 11 (aus Deutschland 5), Baumwolle 36,2 (aus Deutschland und England je 16), Wolle 50,2 (aus Deutschland 33,6), Thon⸗ und Glaswaaren 9,6 (aus Deutschland 4,9), Chemikalien 37,9 (aus Deutschland 15,0), Leder, Schuhe 20 (aus Deutschland 10,1); bei Nabrungsmitteln: Bodenprodukte 147,9, namentlich Getreide und Mehl 102 (aus Rusland 58,7, Oesterreich 19,7, Deutschland 9,5, Frankreich 5,0), Wein 32,5 (aus Oesterreich 3,1, Frankreich 5,3, Italien 7,8, Spanien 13,6, Deutschland 0,9), Bier 1.7 (aus Deutsch⸗ jand 1,4), thierische Nahrungsmittel 83,6 (Italien 37,6, Frankreich 15,7, Oesterreich 12,3, Deurschland 9,0), Kolonialwaaren 45,8, darunter Zucker 17 (aus Oesterreich 10, aus Deutschland 4,5). — Die Aus⸗ fuhr (in Millionen Franks des Werths) betrifft hauptsächlich: bei Rohstorfen Seide 40,3 (nach Deatschland 31,2), Rohe Häute 8,4 (nach Deutschland 3,9), Nutzvieh 7,9 (nach Deutsch⸗ land 5,0); bei Fabrikaten Seide 170,0 (nach England 62, Deutsch⸗ land 36 2, Vereinigte Staaten 29,2, Frankreich 15,7), Baumwolle 129,9 (Vereinigte Staaten 39,6, Asien 12,5, England 19,8, Deutsch⸗ land 17,7), Wolle 15,7 (nach Deutschland 5,4), Eisen 32,3 (nach Deutschland 7,5, Oesterreich 3,3, Frankreich 4,3, Italien 5 3, England 1,5), ÜUbren 89,9 (nach Deutschland 20,9, Oesterreich 10,8, England 16,7); bei Nahrungsmitteln: thierische Nahrungsmittel 67,2 (darunter Käse 37,6, kondensierte Milch 18,5, Kindermehl 2,5), Eß⸗ waaren 6,4 (darunter Chokolade 3,8, Teigwaaren, Suppenwürze — Maggisuppenwürze! — 1,4). Der gesammte milchwirthschaftliche Export belief sich im Jahre 1895 auf 59,8 Millionen, wovon auf Deutschland 8,3, Oesterreich 2,7, Frankreich 11,4, Italien 7,9, England 15,4, Vereinigte Staaten 4,6 entfallen.
Die Roheinnahmen der eidgenössischen Zollverwaltung betrugen 1850 4 022 646 Fr., 1895 43 279 725 Fr. und zusammen in dem Zeitraum 1850 bis 1895 726 631 172 Fr. Das Budget der Eidgenossenschaft — mit Ausschluß des Budgets der einzelnen Kantone — betrug 1895 in Einnahme 81 005 586 Fr., in Ausgabe 76 402 631 Fr.; für Amortisation und Verzinsung der Anleihen sind erforderlich 4 276 596 Fr. Die Notenzirkulation der 34 schweizerischen Emissionsbanken betrug 1895 179 221 000 Fr. oder auf den Kopf der Bevölkerung 59,65 Fr. 1 .
Konsumvereine sind in der Schweiz 198, und es entfallen auf 1 Konsumverein 15 111 Einwohner. 8
Die Zahl der Sparkassen beträgt 557 (worunter 161 eigentliche Sparkassen, 168 Spar. und Leihkassen, 50 Sparvereine, 28 Fabrik⸗ Sparkassen, 150 Schul⸗ und Jugend⸗Sparkassen) mit 1 196 540 Ein⸗ legern (auf 100 Einwohner demnach 39,6) und 893 961 000 Fr. Ein⸗ lagen (demnach auf 1 Einwohner 295,68 Fr.).
Kunst und Wissenschaft.
Gestern Mittag fand in Weimar die Gedächtnißfeier für die verewigte Großberzogin Sophie von Sachsen statt, welche von der Goethe⸗Gesellscharft, der Direktion des Goethe⸗ und Schiller⸗Archivs, dem Vorstande der Schiller⸗Stiftung, von der Shakespeare⸗Gesellschaft und der Intendanz des Großherzoglichen Hof⸗Theaters veranstaltet worden war. Der Feier wohnten, dem „W. T. B.“ zufolge, Seine König⸗ liche Hoheit der Erbgroßherzeg Wilhelm Ernst in Vertretung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und Ihre Königliche Hoheit die verwittwete Erbgroßherzogin Pauline mit Seiner Hohen dem Prinzen Bernhard Heinrich, die Mitglieder des Großherzoglichen Staats⸗ Ministeriums mit dem Staats⸗Minister Freiherrn von Groß an ihrer Spitze, der Königlich preußische und der Königlich sächsische Gesandte, sowie zahlreiche Mitglieder der Goethe⸗ und der Shake⸗ speare⸗Gesellschaft und Vertreter des Verwaltungsrathes der Schiller⸗ Stiftung bei. Die Feier wurde mit dem Vortrag des Adagios aus dem Beethoven'schen Trio, welches Franz Liszt für das Orchester be⸗ arbeitet hat, durch die Hofkapelle eingeleitet. Sodann bielt der Wirkliche Geheime Rath, Professor Dr. Kuno Fischer aus Heidelberg die Gedächtnißrede, die einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden machte. Zum Schluß trugen die Solisten und das Chorpersonal des Hof⸗Theaters das „Amen“ aus Beethoven's Messe in C vor.
Bauten.
Die oft erörterte ffrage⸗ ob der Dom in Schleswig West⸗ thürwe gehabt habe, ist bei der Wiederherstellung dieses Bauwerks, wie im „Centralbl. der Bauverwaltung“ mitgetheilt wird, durch eine bemerkenswerthe Entdeckung gelöst worden. Im Jahre 1889 fanden sich beim Ausheben der Baugrube für den neuen Glockenthurm vor der Westfront der Domkirche, tief in den Boden gebettet, ungeheuere Thurmunterbauten, die in der bei den ältesten Baudenkmälern der Elbberzogthümer oft beobachteten Weise bergestellt waren. Sie be⸗ standen aus ungespaltenen Granitfindlingen, deren Zwischenräume mit Erde, Tuff⸗ und Ziegelsteinbrocken ausgefüllt waren. Es unter⸗ liegt keinem Zweifel, daß auf diesen Steinpackungen sich ehemals die beiden Westthürme der Domkirche erhoben haben. Dieses anzu⸗ nehmen, ist man um so mehr berechtigt, als unter den geschicht⸗ lichen Nachrichten über das Bauwerk auch der im Jahre 1275 er⸗ folgte Einsturz zweier Thürme erwähnt wird. Neue Westthürme wurden nicht wieder errichtet. Um dennoch die Domglocken in einem erhöhten Glockenstuhl aufhängen zu können, erbaute man, anscheinend im 14. Jabrhundert, nordöstlich von der Kirche und etwa 20 Schritte vom Chore entfernt ein selbständiges steinernes Glockenhaus, das, mehrfach verändert, bis zum Jahre 1891 gestanden hat und als solches benutzt worden ist. Abseits der Kirche stehende Glockenhäuser oder Thürme sind in Schleswig⸗Holstein nicht selten. Oft von hohen Eichbäumen umgeben oder im stillen Weiher sich Ir 1“ 8 6 8.
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spiegelnd, gehören sie zu den eigenthümlichen und auffälligen Erschei⸗
nungen des Landes, in deren Nähe das Auge auch bald zwischen Bäumen *
ell getünchte Kirchlein entdeckt. Ihre Form ist sehr einfach neer viereckigen, aus Eichenholz gezimmerten und mit Brettern benagelten Bau erhebt sich das meist mit Schindeln gedeckte Dach, unter dessen weitem Vorsprunge einige Schalllöcher sichtbar werden. Das ehemalige Glockenhaus des Domes in Schleswig war ein dreigeschossiger, schlichter, mit einem vierseitigen iegeldache versehener Backsteinbau, dessen Mauern unten schmale Lichtschlitze, oben breiter Oeffnungen durchbrachen. Die beiden untersten Geschosse gehörten
unzweifelhaft dem ursprünglichen Bau an; sie ruhten auf einem
undament von Granitpackangen und waren in der im 13. und Jahrhundert in diesen Landen üblichen Bauart hergestelit, die sich dadurch kennzeichnet, daß ganze Ziegelsteine des großen Formats
überwiegend Läufer, nur an den Außenflächen verwandt
— während im Innern der Mauer in Mörtel gepackte
uff., Granit⸗ und Ziegelbrocken ein regelloses Gemenge bilden. Auf vese. alten Unterbau hat sich in fruͤhester Zeit wahrscheinlich ei ferneres, mit Schallöffnungen versebenes hölzernes Geschoß erhoben, das später einem mit neueren Steinen gemauerten weichen mußte. Seit langer Zeit verwahrlost, Eulen und Fledermäusen eine will kommene Zuflacht, hatte das Bauwerk sich stark nach Weste übergeneigt. Große Risse spalteten die Mauern, die mit eiserne Ankern umgürtet und mit eichenen Stämmen abgestützt werde mußten. o weit ging der Verfall, daß die Glocken nur un Beobachtung der allergrößten Vorsicht geläutet werden konnten. J diesem Zustande verharrte der altersgraue Bau, bis er im Jahre 1891 weil eine rettende Wiederherstellung nicht möglich war, abgebrocher wurde. Auf dem breiten Absatze des untersten Geschosses ruhten di Schwellen des aus starken eichenen Balken gezimmerten alten Glocken stulles. In diesem hingen sechs Glocken, von denen jedoch nur vier geläutet werden konnten. Die bemerkenswerthesten sind die folgen den: 1) Die große Betglocke (Ton a) mit einem Durchmesser vo 1,86 m. Ihre Inschrift lautet: „VON GOTTES GNADEN CHRISTIAN ALBRECHT, ERWEHLTER BISCHOF ZU LUEBECK, ERBE ZU NORWEGEN. HERZOG ZU SCHLE WIG HOLSTEIN STORMARN VND DITHMARSCHEN GRAF ZU OLDENBVRG VND DELMENHORST, HAT DIESE GLOCKE VMGIESSEN LASSEN DVRCH FRAN CISCVM VON ROEN IN GLVECKSTADT IM JAHR CHRISTI 1661.“ Unten befindet sich der Spruch: „V v DOMINI MANET IN AETERNVM.“* 2) Die Marien⸗ glocke des Grabgeläutes (Ton e) mit dem Durchmesser 1,35 m. Die Inschrift ist: „EGO: VOCOR —: MARIA + T † SIGNVM:DONO:CHORO:FLEO:FVNERA:FESTA:DECORO A:D:M: CCC:LXXXVI X.“ 3) Die Dreifaltigkeitsglocke der Grabgeläutes (Ton f), annähernd von der Größe der vorigen Glocke Sie trug die Inschrift: „IN SS TRINITAT LAVDEM ET
ECCLESIAE CATHEDRALIS HVIVYS VSVM SVMPTIBVS
EIVYSDEM REFINGI ET REFVNDI LVDOVICVS HEIDT. MANN CANONICVS ET STRVCTVARIVS CVRAVIT ANNO MDCXVI. HVSEN FVSORE PETRO MELCHIORE. 4) Die frühere Sturmglocke (Ton a) mit dem Durchmesser 0,88 m und der Inschrift: „ANNO 1639 HAT EIN WOHLEHRWIRDIGES THVMCAPITTEL ZV SLESWICH DIESE KLOCK VMGIESSEN LASEN SOLI DEO GLORIaA BALTZER MELOCHIORIS ME FECIT.“ Die unter 1 und 2 bezeichneten Glocken wurden unverändert in den neuen Glockenthurmn übernommen, während die beiden letztgenannten nebst mebreren kleineren Glocke umgegossen werden mußten. Von den im Dachreiter aufgehängte Glocken wurde die größte für das neue Geläut verwandt. Sie ha den Ton a und trägt die Inschrift: „ANNO. DOMINI. MILLESIMO C00 + L +† XXXXVII.“*
Land⸗ und Forstwirthschaft
In der die Berichterstattung der land⸗ und forstwirth⸗ schaftlichen Sachverständigen bei den Kaiserlichen Ver⸗ tretungen im Ausland enthaltenden Beilage zu Nr. 18 der „Mirtheilungen der Deutschen Landwirthschafts⸗Gesell⸗ schaft“ vom 5. Oktober veröffentlicht der Sachverständige in Wien einen Bericht über den Anbau der in der Tuchfabrikation verwendeten Weberkarde und den Ertrag der Kardenfelder in Oesterreich, der Sachverständige in St. Petersburg einen Aufsatz über die Bauernbanken im russischen Reich, der Sachverständige in Washington Mittheilungen über die Bestrebungen der Vereinigten Staaten von Amerika, den europäischen Buttermarkt zu erobern, und der Sachverständige in Buenos Aire führt seinen eingehenden Bericht über die argentinische Zuckerprodukt zu Ende. 1
Verdingungen im Auslande. 8
Dänemark. 6 Ende Oktober. Hapneudvalget in Nörresundby: Bau einer Anlegebrücke bei Nörresundby, und zwar A. eines Bollwerks, bestehen aus ca. 13 352 lfd. Fuß Holz und ca. 37 155 Pfund Eisen; B der eigentlichen Anlegebrücke, best hend aus ca. 71 854 lfd. Fuß Holz und ca. 219 718 Pfund Eisen. Näberes an Ort und Stelle, bei dem rsen, 2 St. Annaeplads in Kopenhagen und bei in dänischer Sprache).
Theater und Musik.
Konzerte.
Anmn Dienstag gab die hier bereits wohlbekannte Pianistin Anna Haasters im Saale der Sing⸗Akademie einen Klavier⸗Abend, den sie mit zrei Rhapsodien von Brahms eröffnete. Es folgten hierauf die oft gespielte Sonate von Beethoven (op. 27 Nr. 2) und einige kurzen, ebenfalls bekannten Piécen von Schamann, Mendelssohn und Chopin. Den Beschluß machte Liszt's „Mazeppa“, ein Charakterstück, welches die Leiden des Helden, sowie seine endliche Befreiung und Erhebung auf den Königsthron trefflich illu⸗ striert. Die tonmalerische Bearbeitung dieses Werks für Orchester ist freilich viel wirksamer. Im Vortrag aller dieser Stücke ließ die Künstlerin einen kräftigen Anschlag, sorgfältig ausgebildete Technik und eine wohlthuende Beherrschung aller Schattierungsgrad erkennen; nur verwischte in Beethoven's Sonate ein Uebermaß de Pedalgebrauchs die Klarheit der Passagen — ein Fehler, in den leide manche unserer Pianisten allzu leicht verfallen. Das zahlreich er⸗ schienene Publikum kargte nicht mit seinen Beifallsbezeugungen.
Am Mittwoch hatten sich zwei Künstlerinnen in demselben Saale iu einem gemeinschaftlichen Konzerte vereinigt: die 15 jäbrige Violi⸗ nistin Laura Helbling, eine Schweizerin, und die Sopranistin Marie Jugel. Die erstere verfügt über eine für ihre Jahre be⸗ wundernswerthe technische Fertigkeit, verhältnißmäßig großen Ton und eine sehr verständige Auffassung, die dem Vortrag der Spohr'schen Gesangsscene, der „Röverie“ von Vieuxtemps und einer Romanze von M. Bruch zu statten kam. Sie erhielt rauschenden Beifall. Die Sängerin, deren Stimme kräftig und umfangreich erschien, hat noch fleißige Studien zu machen, da ihr Organ nicht in allen Lagen ausgeglichen ist. Anfänglich schwankte sogar mehrmals die Intonation; auch war der Vortrag mancher Gesänge nicht beseelt senug, wie dies in der Konzert⸗Arie von Mendelssohn und besonders in den Schumann'’schen Liedern auffiel.
Der Kapellmeister Max Fiedler aus Hamburg gab am Don⸗ nerstag mit dem Philharmonischen Orchester ebenfalls in der Sing⸗Akademie ein Konzert, das er mit der Symphonie Cmoll von Brahms eröffnete. Dieses Werk ist besonders dazu geeignet, die Fähigkeiten eines guten Dirigenten erkennen zu lassen, und zwar wegen der oft wechselnden Tempobewegung und der zahlreichen, sich stets verändernden rhythmischen Gestaltungen. Mit Sicherheit und Energie überwand der Dirigent alle diese Schwierigkeiten, sodaß am Schluß das zahlreich erschienene Publikum anhaltenden Beifall spendete. Eine hier noch nicht bekannte symphonische Dichtung von Fibich: „Othello“, welche manche hübschen Melodien enthält, in der jedoch der begabte Komponist eine nur geringe Vertrautheit mit der Verwendung der
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