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Zollvereinigungsvertrages von 1867 zu Gunsten der preußischen Gemeinden abzuändern, sind mißlungen gegen den Wunsch der preußi⸗ chen Staatsregierung, und ich glaube, sie würde, wenn wir heute den Versuch erneuern wollen, aller Wahrscheinlichkeit nach dasselbe Schicksal haben. Daraus kann also thatsächlich der preußischen Regierung kein Vorwurf gemacht werden. Nun, meine Herren, irrt doch aber auch der Herr Abg. Schmieding, wenn er meint, daß die Steuerreform nicht zu einer erheblichen Erleichterung und freieren Bewegung in Beziehung auf Kommunalbesteuerung hingeführt hätte. Ich weise darauf hin, daß infolge der Ueberweisung der Realsteuern die Zu⸗ schläge zur Einkommensteuer in den gesammten preußischen Gemeinden mindestens so sehr zurückgegangen sind, wie das Resultat aus der Einkommensteuer für den Staat gestiegen ist. Um über 40 Millionen Mark sind die Zuschläge zur Einkommensteuer heruntergegangen. Wir haben den Kommunen, was noch kein Staat der Welt gemacht hat, ie gesammten Realsteuern überwiesen und haben ihnen obendrein sehr weit gehende anderweite Steuerquellen erschlossen.
Wenn ich vollständig zugebe, daß trotz alledem, namentlich in den ndustriebezirken, große Unzuträglichkeiten durch die Höhe der ommunalsteuern und durch die Ungleichheit der Vertheilung erselben auf die einzelnen Gemeinden vorliegen, so liegt
das nicht an dem Gesetz, sondern es liegt an der kolossalen
Entwickelung dieser Landestheile, der Vermehrung der Bevölkerung
in diesen Bezirken und der außerordentlichen Verschiebung der Be⸗
völkerung von der einen Gemeinde in die andere durch die rasche Ver⸗
änderung in den industriellen Etablissements u. s. w.
Nun hat der Abg. Schmieding in dieser Beziehung einen Vor⸗ schlag gemacht, der mich weniger trifft, als den Herrn Minister des Innern. Er sagt, wir würden größere Verbände machen müssen, als wir sie bisher haben. Diese Ansicht theile ich vollkommen. Ich glaube auch, daß über die althergebrachten kleinen Gemeinde⸗ beziree in den Provinzen Rheinland und Westfalen die moderne Entwickelung in vielen Fällen hinausgegangen ist und daß ein großer Theil der Ungleichheiten und Unzuträglichkeiten in der Kommunalbesteuerung hierdurch entstanden ist. Aber, meine Herren, das ist eine sehr schwere Frage. Man kann das sehr leicht aussprechen und sehr leicht wünschen, aber die Durchführung würde allerdings mit einer großen Umgestaltung der gesammten Kommunal⸗ verhältnisse in diesen Bezirken verbunden sein.
Wir haben ja gesucht, in dem Kommunalsteuergesetz einen ge⸗ wissen Ausgleich unter den einzelnen Gemeinden herzustellen, sodaß unter gewissen Voraussetzungen die eine Gemeinde sich regressieren kann an der andern Gemeinde. Wir hatten dabei vorzugsweise die Fälle im Auge, wo in der einen Gemeinde sich ein großes Werk befindet, welche dadurch sehr steuerkräftig wird, in der anderen Gemeinde aber die betreffenden Arbeiter an diesem Werke wohnen und dadurch die großen Kosten auf eine Gemeinde fallen, welche die Mittel, diese Kosten zu decken, nicht aus dem betreffenden Werke zieht. Ich wundre mich, daß von dieser Befugniß nach meiner Kenntniß der Sache bisher außerordentlich wenig Gebrauch gemacht ist. Eine erhebliche Aus⸗ gleichung könnte dadurch allerdings herbeigeführt werden, obwohl ich die Schwierigkeiten in der Ausführung im einzelnen Falle nicht verkenne.
Aber, wie gesagt, das sind alles Bemerkungen, die mit dem Kommunalsteuergesetz gar nicht in Beziehung stehen, sondern mit der Ordnung des Gemeindewesens und der Herstellung ganz anderer Gemeindeverbände, als gegenwärtig in diesen Bezirken vorhanden sind.
Nun hat der Abg. Schmieding — ich habe vorher im allgemeinen ihm darin Recht gegeben — gesagt, daß der Steuerpflichtige sich in der Stimmung, die seine Besteuerung verursache, doch an die Gesammt⸗ heit der von ihm aufzubringenden Steuern halten müsse. Da stimme ich ihm nicht ganz zu; denn wenn die Kommunen heute sich alle modernen und schönen Einrichtungen in ihren Gemeinden herstellen, so kommen die Vortheile aus diesen Einrichtungen den Steuer⸗ pflichtigen in diesen Gemeinden viel unmittel barer zum Bewußt⸗ ein und zu gute, als wenn sie Steuern an den großen Staat bezahlen. Ich will das nicht tadeln, daß in Rheinland und Westfalen die Gemeinden in dieser Beziehung außer⸗ ordentlich viel leisten. Aber diese Leistungen verursachen haupt⸗ sächlich die Steigerung der Kommunallasten, und diese Leistungen kommen den Kommunen und den Eingesessenen der Kommunen doch auch unmittelbar wieder zu gute. Ob man nicht in manchen Ge⸗ meinden ein wenig zu schnell vorgegangen ist, ob es berechtigt ist, daß alle kleinen Gemeinden alle Einrichtungen haben wollen, die die großen Städte sich erlauben können, das ist allerdings eine andere Frage.
Der Herr Abgeordnete sagt, diese kolossale Belastung in den kleineren Gemeinden führte dahin, daß die leistungsfähigen Steuer⸗ pflichtigen in die großen Städte zögen. Durchaus richtig! Und daher war unser Bestreben gerechtfertigt, die Zuschläge zur Einkommensteuer nicht so hoch werden zu lassen, sondern gerade dasjenige, was mit den Gemeinden unzertrennlich auf Gedeihen und Verderb verbunden ist; Grundbesitz, Hausbesitz und Gewerbebesitz, in gerechterer Weise heran⸗ zuziehen, als das früher gerade in Rheinland⸗Westfalen vielfach der Fall war. Denn, meine Herren, gerade die Zuschläge zur Einkommen⸗ steuer, wenn sie allzu drückend und zu hoch sind, veranlassen diejenigen Personen, welche besonders leistungsfähig durch Kapitalbesitz sind, naturgemäß am leichtesten, ihren Stab zu nehmen und ihren Wohn⸗ sitz zu wechseln. Das ersehen wir ja, wenn wir nach Wiesbaden gehen oder selbst nach Köln, jeden Tag, aber die Verminderung der zu hohen Zuschläge zur Einkommensteuer ist gerade die Tendenz des Kommunalsteuergesetzes.
Der Herr Abgeordnete hat jetzt vor sich die Denkschrift oder die Mittheilungen, die ich gemacht habe über die Beanstandungen bei der Steuerveranlagung und die dadurch herbeigeführten Ergebnisse. Er hat zwar die Zahl der Beanstandungen bemängelt, aber doch nicht die Ergebnisse, die aus diesen Beanstandungen resultieren; die vielen Millionen Einkommens, welche verborgen geblieben wären ohne diese Beanstandungen, die hat der Herr Abgeordnete nicht erwähnt. Meine Herren, ich wünschte ja auch, daß wir weniger zu beanstanden brauchten; nach allen Richtungen wäre das zu wünschen. Wenn wir nun aber solche Ergebnisse haben, wenn sich herausstellt, daß, wenn wir überhaupt nicht beanstandeten, wir in dem betreffenden Jahre allein gegen oder über 5 Millionen Steuern weniger bekommen hätten und die Kom⸗ munen 8 Millionen verloren haben würden, so ist mir doch der Rath nicht zugänglich, nun die Beanstandungen einzuschränken in einer auch garnicht näher zu präzisierenden Weise.
Daß da auch Beanstandungen mit unterlaufen, die hätten ver⸗
mieden werden sollen, daß vielfach zu kleinlich verfahren ist (sehr richtig!), das habe ich offen zugegeben, das ist garnicht zu bestreiten. Ganz wird man das aber bei einem so großen Beamtenpersonal in der Monarchie und wo namentlich so viele Kommunen, Kommunal⸗ vorstände und Kommunalkommissionen in dem eigenen Interesse gerade der Kommunen mitwirken, nie vermeiden können.
Nun hat der Herr Abgeordnete gemeint, meine jetzige Aufstellung des Netto⸗Etats würde weniger aufklären als verwirren. Ich be⸗ dauere, ihm da sagen zu müssen, daß diese Behauptung mir im höchsten Grade verwunderlich ist. (Zuruf von den Nationalliberalen: Die Bemerkungen!) Die Bemerkungen dazu; darauf werde ich gleich kommen. Meine Herren, was sollen die Bemerkungen bedeuten? Sie ändern ja natürlich am Etat garnichts; sie sollten nur aufklären über die wirklichen Leistungen der Staats⸗Eisenbahnverwaltung für allgemeine Staatszwecke. Das war die Frage, die in den Be⸗ merkungen erläutert werden sollte.
Meine Herren, in den Erläuterungen wird nun gesagt: wenn man die Nettoabführung der Eisenbahnverwaltung an den allgemeinen Staatsfonds wissen will, so muß ich zuerst die extraordinären Aus⸗ gaben für die Eisenbahnverwaltung abziehen. Denn ohne die Verstaatlichung der Eisenbahnen, ohne den Besitz der Eisenbahnen, ohne den Betrieb derselben durch den Staat würden doch diese extraordinären Ausgaben für den Staat nicht vorhanden sein. (Sehr wahr!) Das kann doch kein Mensch bestreiten, daß wir diese großen extraordinären Aufwendungen ohne den Besitz der Staatseisenbahnen nicht hätten. Zweitens die Pensionen, die nicht im Etat der Eisenbahn⸗ verwaltung zur Verausgabung kommen, sondern im Etat des Finanz⸗ Ministeriums, für die pensionierten Eisenbahnbeamten, für die Witt⸗ wen derselben, für die Hinterbliebenen derselben würden wir doch auch nicht haben, wenn wir keine Eisenbahnbeamten hätten; auch diese Ausgaben werden lediglich durch den Betrieb der Eisenbahnen ver⸗ ursacht. Wenn ich also wissen will, meine Herren: wieviel liefert uns die Eisenbahnverwaltung für Staatszwecke, und wie würden die Staatsfinanzen sich ohne den Besitz der Eisenbahnen gestalten, so muß ich natürlich diese beiden Positionen in Anrechnung bringen. Ich kann daher nur sagen: ich verstehe nicht, wie ein so in den Finanzen bewanderter Herr wie Herr Abg. Schmieding das unklar finden kann. Ich glaube die Sache ist vollständig einfach und klar; sie ist nur ver⸗ wirrt und unklar geworden durch das allerdings in sehr vielen Be⸗ ziehungen unklare Garantiegesetz vom Jahre 1882. Nun, meine Herren, wodurch ist denn dieses Garantiegesetz, wie es sich im Jahre 1882 gestaltet, entstanden? Die Staatsregierung hatte Ihnen damals ein ganz klares Gesetz vorgelegt, und wenn das damals durchgegangen wäre, so würden wir wohl niemals in die Lage gekommen sein, so viel Einnahmen aus den Eisenbahnen für allgemeine Staatszwecke zu verwenden. Wo ist das Gesetz aber zu Falle gekommen, meine Herren? Hier im Landtage. Damals hat der Landtag die klaren Bestimmungen in der Vorlage zurückgewiesen, ging vielmehr von dem Standpunkt aus, sich in Beziehung auf die Verwenduug der Eisenbahnüberschüsse nicht all⸗ zusehr binden zu wollen. Herr Abg. Schmieding war, glaube ich, damals schon im Abgeordnetenhause, er kennt also die Vorgänge — und sie sind ja auch später oft erörtert — ganz genau.
Nun wird die Sache so dargestellt, meine Herren, als wenn erst, seitdem ich Finanz⸗Minister geworden bin, diese übermäßige Aus⸗ nutzung der Eisenbahnüberschüsse zu allgemeinen Staatszwecken ein⸗ getreten sei. Ja, meine Herren, dann kennen Sie die Geschichte der Sache nicht. Als ich im Jahre 1890 Finanz⸗Minister wurde, war die Verwendung der Ueberschüsse der Eisenbahnverwaltung im allerhöchsten Grade schon eingetreten, und ich bin gerade derjenige gewesen, der, soweit ich konnte, und soweit es die Verhältnisse noch gestatteten, mit der größten Entschiedenheit dem entgegengetreten ist. Wer hat denn hauptsächlich darauf gedrängt, daß alle Ausgaben, die aus der Eisen⸗ bahnverwaltung relevieren, für die Vermehrung der Betriebsmittel, für den Oberbau, für den Umbau vieler Bahnhöfe aus dem Betriebe bezahlt werden sollten und nicht durch Anleihen, um dadurch die Eisenbahnüberschüsse scheinbar zu vermehren und die Gefahr hervor⸗ zurufen, daß man auf solche scheinbaren Ueberschüsse, die in Wahrheit keine wirklichen wirthschaftlichen Ueberschüsse waren, neue staatliche Ausgaben herbeiführte? Meine Herren, der vorliegende Etat beweist doch erst recht, wie ich in dieser Be⸗ ziehung zu verfahren wünsche. Sehen Sie sich doch die Etats der letzten drei Jahre an, so werden Sie finden, daß dieser Etat in dem Bestreben kulminiert, welches ich seit den sieben. Jahren verfolgt habe, nämlich möglichst wenig Ueberschüsse aus der Eisenbahnverwaltung für allgemeine Staatszwecke zu verwenden. Sowie die Finanzen sich einigermaßen besserten und wir in dieser Beziehung etwas mehr Luft bekamen, habe ich das Extraordinarium der Eisenbahnverwaltung so gesteigert, daß mir ja heute schon Vorwürfe gemacht werden: ich hätte es in verfassungswidriger Weise in die Höhe gebracht. Die Staatseisenbahnverwaltung ist mindestens in den Zeiten, wo die Finanzen es einigermaßen gestatteten, sehr reichlich ausgestattet gewesen. Das geht daraus hervor, daß gerade für diejenigen Zwecke, welche hier bezüglich der Eisenbahnunfälle herangezogen werden, ja die be⸗ willigten Mittel garnicht zweckmäßig in dem betreffenden Jahre voll haben verwandt werden können, sondern bedeutende Uebertragungen von einem Jahre ins andere, bis zu 35 Millionen Mark, statt⸗ gefunden haben.
Meine Herren, die obligatorische Schuldentilgung ist hier auch zu erwähnen; denn so lange diese schweren Schulden auf der Eisen⸗ bahnverwaltung lasten, so lange wird es eben viel schwieriger sein, sie den wirthschaftlichen Gesichtspunkten noch dienstbarer zu machen als bisher. Das können also nur Leute sagen, die wirk⸗ lich die Geschichte unseres Finanzwesens nicht kennen; denn das Gegentheil wird durch Zabhlen vollständig klar dargethan, und ich würde ganz gern Gelegenheit nehmen, in einer Spezialkommission, in einer Eisenbahnkommission, das den Herren noch klarer zu machen. (Heiterkeit. Bravo! rechts.) Das soll aber keineswegs dahin führen, diese spezifische Eisenbahnkommission meinerseits zu empfehlen. (Heiter⸗ keit.) Ich habe schon gesagt, daß die Staatsregierung in dieser Be⸗ ziehung vollständig neutral ist.
Ich hätte eigentlich geglaubt, daß gerade die Herren aus Rhein⸗ land und Westfalen doch diesmal weniger unzufrieden gewesen wären wie zu anderen Zeiten. Wenn hier gesagt ist: die Eisenbahnen müßten mehr den wirthschaftlichen Entwickelungen und Ver⸗ hältnissen dienen, das ginge so nicht weiter, so möchte ich doch daran erinnern, daß trotz dieser angeblich so verkehrten Eisenbahnver⸗ waltung, trotz der vielen Fehler, die die Eisenbahnverwaltung gemacht
hat, trotz der Mängel, die auf allen Seiten hervorgekehrt werden,
wir in Rheinland und Westfalen heute glücklicherweise eine industrielle Entwickelung haben, womit die Herren wirklich zufrieden sein können. (Heiterkeit bei den Nationalliberalen.) Rheinland und Westfalen verdanken ihre großartige Entwickelung unter anderem und vor allem der Eisenbahnentwickelung (Widerspruch links) — daran ist gar kein Zweifel — und dem Vorhandensein der Eisenbahnen. (Heiterkeit bei den Nationalliberalen). So schlimm kann es daher garnicht sein, wie Sie die Sache hier darstellen möchten. Ich habe überhaupt noch nicht gehört, daß gegenüber dieser ganz objektiven und auf Mit⸗ theilungen von Thatsachen und Zahlen beruhenden Denkschrift der Eisenbahnverwaltung viele begründete Einwendungen gemacht wären. Mir scheint doch, als wenn diese Denkschrift in ihrem Inhalt, ihren thatsächlichen Mittheilungen, im wesent⸗ lichen durchaus unanfechtbar ist. Sonst würden die Herren gewiß andere Thatsachen anführen. (Zuruf bei den Nationalliberalen: „Das kommt später!“) — Das kommt später? Dann wollen wir bis später warten. (Heiterkeit.)
Meine Herren, ich möchte endlich noch auf einen Punkt zurück⸗ kommen: Der Schluß der gestrigen Rede des Herrn Abg. von Eynern, das ist eigentlich dasjenige, was mir besonders gut gefallen hat. (Heiterkeit.) Er hat da seiner Geneigtheit, der Landwirthschaft, die er auch als den wichtigen Grundstein unseres wirthschaftlichen Lebens erachtet, auch vom Standpunkt der Industriellen und der Industrie überhaupt nach allen Richtungen hin zu helfen, in einer sehr erfreulichen Weise, wie übrigens auch schon früher, Ausdruck gegeben. Er hat darauf hingewiesen, daß unter den schwierigen Konkurrenz⸗ verhältnissen, bei der wachsenden Bedrohung unserer wirthschaftlichen Ausdehnung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus, eine Ver⸗ einigung und Verständigung der großen wirthschaftlichen Gruppen die erste Vorbedingung des Sieges sei. Ich kann nur in jeder Weise, wie dies auch schon durch den Herrn Vertreter des Reichskanzlers im Reichstage geschehen ist, in allen diesen Beziehungen dieser Auf⸗ fassung beitreten. Was an der Staatsregierung liegt, so wird sie nach wie vor es als ihre Pflicht und die Pflicht des Staats überhaupt anerkennen und sie zum Ausdruck bringen, diejenigen Mittel, welche wir für die Landwirthschaft ohne Schädigung der anderen Erwerbsklassen verwenden können, gerade diesem nothleidendsten Theil unserer Bevölkerung zufließen zu lassen. (Bravo!)
Meine Herren, die Aeußerungen des Herrn Abg. von Eynern werden doch wohl endlich diese, wie ich sagen möchte, eingerostete — ich will den mir auf die Zunge gekommenen Ausdruck nicht gebrauchen — irrige Darstellung, will ich sagen, aus der Welt schaffen, als wenn jedermann, namentlich ein Staatsmann, der sich dafür interessiert, die Grundlage unseres landwirthschaftlichen Gewerbes aufrecht zu er⸗ halten, einen kräftigen Grundbesitzerstand zu konservieren, damit von vornherein sich einer junkerlichen Reaktion verschriebe. Diese Anschauung ist schon im wesentlichen überwunden, wird immer mehr überwunden werden; wenn es gelingt, was ich ge⸗ nannt habe: die Politik der Sammlung auf wirthschaftlichem Gebiet zur thatsächlichen Durchführung zu bringen, dann wird sie auch nie⸗ mals wiederkehren. (Bravo!)
„Abg. Dr. Porsch (Zentr.): Der Minister hält es für bedenklich, die Unterbeamten egen den Staat aufzuhetzen, aber die Unterbeamten haben auch das Recht, auf loyalem Wege durch Petitionen eine Besserung ihrer Lage anzustreben. Wir müssen, um eine Agitation zu vermeiden, ernst prüfen, was für diese Beamten geschehen kann. Mit einer besonderen Eisenbahnkommission sind wir nicht ein⸗ verstanden, die Nachtheile dieser Einrichtung überwiegen die Vortheile; nur in der Budgetkommission können die allgemeinen staatlichen Gesichtspunkte zur Geltung kommen. Gegen die Ueberschwemmungs⸗ efähr müssen schleunigst Maßregeln ergriffen werden, in Schlesien
offte man deshalb sogar auf eine frühere Einberufung des Landtages.
Die Aufhebung des Auenrechts in Schlesien wäre allerdings er⸗ wünscht, dürfte aber sehr schwierig sein. Man sollte von Fall zu Fall die Ablösung des Auenrechts versuchen. Daß grundsätzlich die katholischen Blätter mit amtlichen Publikationen nicht betraut werden, stellte der Minister in Abrede. Ich kann für diese Erklärung nur dankbar sein, es sind aber einzelne Fälle vorgekommen, die der Auf⸗ klärung bedürfen. Eine Reform des Wahlrechts hätten wir noch in dieser Session gewünscht, denn es sind wirklich schreiende Ungerechtig⸗ keiten und Verschiebungen eingetreten. Wir haben deshalb wenigstens eine Novelle zum Kommunalwahlgesetz eingebracht. Herr von Eynern regte die Aufhebung der Gesandtschaft beim Vatikan an. Zuerst haben seinerzeit die Nationalliberalen der Schaffung dieser Gesandt⸗ schaft widersprochen, hat aber Herr von Eynern selbst gesagt, sie könne nicht einseitig vom Landtage aufgehoben werden, wenn es nicht die Regierung selbst beantrage. Die Gesandtschaft ist nicht des Papstes wegen begründet, sondern im eigenen staat⸗
lichen Interesse Preußens. 1882 hat die Thronrede selbst gesagt, diese Gesandtschaft sei der Wiederanknüpfung freundlicher Be⸗
ziehungen zum Vatikan förderlich, und deshalb stimmte damals auch
Herr von Eynern dafür. Das religiöse Verhältniß wird nicht ge⸗ bunden, man sucht alle Streitigkeiten zu vermeiden. Bei der Ein⸗ weihuͤng der Willibrordi⸗Kirche in Wefel hat der einweihende Superintendent in seiner Weiherede in Gegenwart eines Königlichen Prinzen als Vertreters des Landesherrn auch über die Reformation gesprochen, wie es den katholischen Zuhörern nicht angenehm war. Wir haben daraus keinen Anlaß zur Beschwerde genommen. Bei der Canisius⸗Encyklika handelt es sich nur um eine historische Würdigung, nicht um Beschimpfung der gegenwärtigen kirchlichen Gebilde. Döllinger urtheilt ähnlich über die Reformation wie die Canisius⸗Encyklika. Wenn man aus dieser nicht drei Sätze herausgerissen hätte, wäre sie an unserem konfessionellen Leben spurlos vorübergegangen, wie es in anderen evangelischen Ländern, Holland u. s. w., der Fall war. Den Haß schürt der Papft nicht, wie Herr von Eynern meint; unsere Kirche verbietet uns doch den Haß gegen andere Menschen. Sie lachen aus Unkenntniß unserer Kirche. Wir sind Bürger eines Staats, haben die gleichen Pflichten, und wir Katholiken werden uns bemühen, allen konfessionellen Streit zu vermeiden. Der Präsident des Evangelischen Ober⸗Kirchenraths hat in der General⸗Synode zur Liebe und zum Frieden ermahnt, das hat auch stets der Abg. Windthorst gethan, und in diesem Geiste weise ich die Angriffe des Herrn von Eynern zurück.
„Abg. Dr. Irmer (kons.): Namens meiner Freunde habe ich zu erklären, daß die Canisius⸗Encyklika für uns auf die Frage, ob wir die Gesandtschaft in Rom bewilligen sollen, nicht von Einfluß ist, und daß die Nationalliberalen bei der konservativen Partei auf Zustimmung für ihren Antrag auf Ablehnung der Position voraus⸗ sichtlich nicht zu rechnen haben werden. (Zuruf bei den National⸗ liberalen: Ist noch garnicht gestellt!K) Damit ist aber nicht etwa gesagt, daß wir die Ansichten des Herrn Porsch über die Canisius⸗ Encyklika theilen; auf diese theologischen Streitigkeiten können wir uns hier nicht einlassen. So tief die Gegensätze zwischen den Evan⸗ gelischen und Katholiken sein mögen, so ist doch das Abgeordneten⸗ haus als politische Körperschaft nicht geeignet, sie auszugleichen. Eine kann durch eine solche Diskussion nicht herbei⸗ geführt werden. eshalb gehen wir auf die Canisius⸗Frage nicht ein. Beide Konfessionen mußen friedlich neben einander auszukommen suchen, und wir werden alles dazu thun. Beide Konfessionen müssen
ife n in dem Bestreben, das Beste des Vaterlandes b
eutschen Reichs⸗Anzeiger und Königlich Preußischen Staats⸗Anzeiger.
Berlin, Donnerstag, den 20. Januar
1898.
(Schluß aus der Ersten Beilage.)
Abg. Gothein (fr. Vgg.): Es ist nicht richtig und vorsichtig, die Eisenbahneinnahmen niedriger in den Etat einzustellen, als sie voraussichtlich im nächsten Jahre sich gestalten werden, um darauf zweifelhafte Ueberschüsse zu gründen. Ich habe schon früher auf diesen Uebelstand hingewiesen, und dieser Etat giebt mir recht. Auch be⸗ züglich der Einnahme aus dem Berg⸗ und Hüttenwesen ist man hinter der Wirklichkeit zurückgeblieben trotz erhöhter Kohlenausfuhr. Da wir uns in einer aufsteigenden Periode befinden, so bleibt auch der Voranschlag der Einkommensteuer hinter der Wirklichkeit um 5, der⸗ jenige der Ergänzungssteuer um über 1 Million zurück. Der Finanz⸗ Minister will große Mittel haben, um Schulden zu tilgen. Warum hat man das Extraordinarium diesmal so hoch aufgestellt entgegen den bisher üblichen Etats⸗Grundsätzen? Diese Ausgaben werden in einem Jahre nicht verwendet, und es würde nothwendig sein, den Rest für die Schuldentilgung zu verwenden. Das Wachsen des Wohlstandes eines Staats fordert, daß wir auch die Wohlfahrtseinrichtungen fördern. Den Gemeinden, die der Abg. Schmieding im Auge hat, wäͤre mit einer kom⸗ munalen Weinsteuer wenig geholfen. Die Verwaltungskosten in diesen großen Bezirken würden mit dem Ertrage in gar keinem Verhältniß stehen. Auch die anderen indirekten Steuern sind schwer durchzuführen. Aller⸗ dings darin hat der Finanz⸗Minister Recht: es ist schwer zu fagen, wie die Sache besser zu machen ist. Die steigende Kultur ermäßigt die Kapitalrente, auch darin hat der Finanz⸗Minister Recht. Nur schade, daß dieser Grundsatz bei der staatlichen Verwaltung nicht zur Erscheinung kommt; wir haben nicht bemerkt, daß in dieser Ver⸗ waltung die Löhne erheblich gestiegen, die Tarife ermäßigt sind. Erst in der letzten Zeit hat man zu bessern angefangen. Die Rohstoff⸗ tarife hätten schon 1890 erniedrigt werden sollen, und es freut mich, daß Herr von Zedlitz sich jetzt auf unsere Seite gestellt hat; hoffentlich unterstützt er auch unsere weiteren Forderungen von Tarif⸗ ermäßigungen. Die Eisenbahn⸗Unterbeamten sind immer noch zu schlecht gestellt; es müßte für sie etwas mehr geschehen. Der wirthschaftliche Aufschwung in Rheinland und Westfalen ist nicht durch die Staats⸗ eisenbahnen gekommen, sondern trotz derselben aus anderen Gründen. Nicht alle Sekundärbahnen sind unrentabel, z. B. die Bahnen Hirsch⸗ berg — Schmiedeberg, Hirschberg — Petersdorf und viele andere sind Aus⸗ nahmen, und dann macht doch die Zufuhr auf den Sekundärbahnen die Hauptbahnen rentabler. Der Bau von Eisenbahnen ist keine Ausgabe, sondern eine Kapitalanlage. Man spricht von einer Verständigung aller produktiven Stände, aber Graf Limburg wehrte sich gegen die Bindung der landwirthschaftlichen Zölle in Handelsverträgen, und der Direktor des Bundes der Landwirthe Diederich Hahn hat sich in einer Versammlung gegen die Meistbegünstigungsverträge überhaupt erklärt. Wie ist auf solchem Boden eine Verständigung der produktiven Stände möglich? Wir können mit unseren Handelsverträgen sehr zufrieden sein. Die Konservativen verweisen auf den inländischen Markt und wollen die Kaufkraft der Landwirthschaft im Interesse der Industrie stärken. Wird denn dadurch die Kaufkraft des Ganzen gestärkt, daß man etwas aus einer Tasche in die andere steckt? Haben denn bisher hohe Getreidepreise die Vermehrung der landwirthschaftlichen Bevölkerung bewirkt? Die Landwirth⸗ schaft kann also der Industrie den Export nicht ersetzen. Die Folge boher Getreidepreise ist höchstens die Verstärkung des Latifundienbesitzes, wie es z. B. in Schlesien der Fall war; und in demselben Füüße verringert sich der bäuerliche Besitz, der von den Großgrundbesitzern “ wird. Wer also eine Ausdehn ung des bäuerlichen Besitzes und eine Vermehrung der landwirthschaftlichen Bevölkerung will, muß gegen die künstliche Steigerung der Getreide⸗ preise sein. Man spricht davon, daß die Agrarier einen Getreidezoll von 8 ℳ haben wollen; das würde eine Brotvertheuerung um 22 % bedeuten. Im Westen mit seinem kleinen Grundbesitz hat sich die land⸗ wirthschaftliche Bevölkerung vermehrt, in den Bezirken des Großgrund⸗ besitzes im Osten ist sie zurückgegangen. Der Konsument hat auch ein Recht zu leben; wenn die Lebensmittel der arbeitenden Klassen ver⸗ theuert werden, bleiben wir auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenz⸗ fähig. Durch die Flottenvorlage und die Vorgänge in der auswärtigen
olitik will man die Unzufriedenheit im Innern beschwichtigen. Aber auch Kiaotschau wird diesen Erfolg nicht haben Eine absolute Zufriedenheit ist nicht einmal wünschenswerth, aber die Unzufriedenheit schafft man am besten aus der Welt, indem man ihre Ursachen beseitigt, z. B. die Polizeimaßrepeln, falsche Gesetze, wie das Margarinegesetz ꝛc., die Belästigungen bei den Steuerdetlarationen, die Eindämmung des Kleinbahnwesens aus kleinlichen fiskalischen Konkurrenzrücksichten, die Beschränkung der persönlichen Freiheit. Der Minister des Innern sollte seinen Beamten einschärfen, daß sie die Freiheit des Buürgers zu achten haben. Die Refo-m des Wahl⸗ rechts wird verzögert. Braucht man denn erst Erfahrungen, um die Wahlkreise gerecht einzutheilen? Wenn Berlin 15 Abgeordnete zu wenig hat und es in anderen Städten ähnlich ist, so ist das eine Karrikatur des Wahlrechte. Hier muß endlich Wandel geschaffen werden.
Abg. Dr. Friedberg (nl.): Wir hoffen auf eine Verständigung der produktiven Stände bei dem Abschluß von Handelsverträgen. Ich halte es nicht für richtig, daß die Minister erst bei der Spezialberathung auf die einzelnen Beschwerden antworten. Die Bevölkerung wartet auf ministerielle Erklärungen über die Polizeimißgriffe. Die hohe Ent⸗ wickelung der Industrie, namentlich in Rheinland und Westfalen, be⸗ ruht nicht auf der Förderung durch die Eisenbahnen, sondern auf der Intelligenz der Unternehmer. Die Eisenbahnen sind sogar hinter dieser Entwickelung zurückgeblieben, wie der Waggonmangel und die Mangel⸗ haftigkeit der Bahnhöfe zeigen. Der Eisenbahn⸗Minister ist gewiß ein sehr tüchtiger Verwaltungsbeamter, aber er bekommt nicht Mittel genug zur Verfügung. Die Unterbeamten müssen bedacht werden, aber ich habe si immer vor der Agitation gegen den Staat gewarnt, denn damit sägen
e den Ast ab, auf dem sie selbst sitzen, und fördern die Sozialdemokratie. Die in der letzten Session beschlossene Besoldungsverbesserung ist jetzt im vierten Quartal des Etatsjahres noch immer nicht abgeschlossen, ich bitte daher um Beschleunigung. Die Anregung meines Freundes von Eynern bezüglich der Gesandtschaft in Rom war durchaus be⸗ rechtigt. Wenn zwischen zwei Staaten kein freundschaftliches Ver⸗ hältniß mehr besteht, beruft man eben die Gesandten ab. Es handelt sich nicht um innere religiöse Angelegenheiten, wie Herr Irmer meint, ondern um ein rein staatliches Verhältniß. Die Canisius⸗Encyklika enthält nicht bloß eine historische Würdigung, sondern eine Verletzung des protestantischen Empfindens, wenn sie behauptet, daß die Re⸗ formation die Sittenverderbvniß vermehrt habe. Die katholische Kirche ist
nicht so friedfertig, wie Herr Porsch meint, sie hat ihre Macht gegen
Andersgläubige stets energisch benutzt. Mit der friedlichen Gesinnung des Herrn Porsch ist die Existenz des Zentrums nicht in Einklang zu bringen, das eine reine Kampspartei ist. Alle anderen Parteien sind friedfertiger, denn sie nehmen Angehörige aller Konfessionen auf, das Zentrum nicht. ie sind eine rein katholische Partei. Wenn Sie Ihre Paritätsklagen einstellen wollen, werden wir mehr an Ihre Friedensliebe glauben. 1 Abg. Dr. Dittrich (Zentr.): Es ist dem Feh nicht ein⸗ gefallen, Luther zu schmähen und die heutigen Protestanten an⸗ ugreifen, er hat nur die Reformation als einen Irr⸗ thum hingestellt, und das ist sein gutes Recht. Die evangelische Kirche hat ebenfalls ihre Macht geßen die Katholiken gebraucht. Das entrum ist in erster Linie eine po basch Partei, erst durch die Ver⸗ ältnisse ist es ihr als eine Peuvtas gabe zugefallen, die Rechte der aatholischen Kirche gegen den Staat zu vertheidigen.
Darauf wird die Diskussion geschlossen. Der größte Theil des Etats wird zur Vorberathung an die Budget⸗ kommission überwiesen; der Antrag Sattler auf Ueberweisung des Eisenbahn⸗Etats an eine besondere Kommission wird ab⸗ gelehnt.
Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr (Ansiedelungsgesetz).
Handel und Gewerbrbe.
Der Zentral⸗Ausschuß der Reichsbank war auf heute Vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung berufen worden. Der Vorsitzende, Präsident des Reichsbank⸗Direktoriums, Wirkliche Geheime Rach Dr. Koch führte aus, daß nach der gewaltigen Anspannung der Reichsbank am Jahresschluß, welche noch am 7. d. M. in der bisher um diese Zeit in solcher Höhe noch nicht vorgekommenen Ueberschreitung der steuerfreien Notengrenze um 60 ½2 Millionen Wark erkennbar gewesen sei, gegenwärtig ein starker Rückfluß sich vemerkbar mache. Insonderheit sei die Anlage um 271 Mill., der Notenumlauf um 168 Mill. Mark zurückgegangen. Die angesammelte Noten⸗Reserve von 56 Mill. sei allerdings noch um 32 Mill. kleiner als im Vorjahre; aber auch die Anlage sei um 40 Mill. kleiner und der Metall⸗ vorrath um 26 Mill. größer als im Jahre 1897, jene auch um 14 Mill. kleiner als 1896, und cs sei eine weitere Stärkung zu erwarten. Das Gold, welches sich seit Ende 1896 um 88 Mill. Mark vermehrt habe, sei auch in den letzten Wochen ansehnlich gewachsen. Noch in der letztvergangenen Woche habe die Reichsbank 5 Millionen aus dem Auslande erhalten. Der Diskont am offenen Markt sei auf 3 ¼ Proz. in Berlin ge⸗ fallen. Die Reichsbank⸗Verwaltung beabsichtige hiernach eine Ermäßigung des Diskonts um ein volles Prozent, obwohl die großen Ansprüche der Industrie an die Reichsbank nicht wesentlich nachzulassen schienen. Der Zentral⸗Ausschuß erklärte sich ohne Widerspruch mit der Herabsetzung des Diskonts von 5 auf 4 Proz. und entsprechender Ermäßigung des Lombard⸗ zinsfußes einverstanden.
Nachdem noch eine Serie von Hypothekenbank⸗Pfand⸗ briefen zur Beleihung im Lombardverkehr zugelassen worden, wurde die Sitzung geschlossen.
Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 19. d. M. gestellt 13 737, nicht recht⸗ zeitig gestellt keine Wagen. In Oberschlesien sind am 18. d. M. gestellt 5623, nicht recht⸗ zeitig gestellt keine Wagen; am 19. d. M. sind gestellt 5587, nicht recht⸗ zeitig gestellt keine Wagen.
— Aus München meldet „W. T. B.“: Der Aufsichtsrath der gestern hier begründeten Bayerischen Bank besteht aus: den Herren General⸗Konsul Eugen Landau⸗Berlin als Vorsitzendem, Erbprinzen zu Hohenlohe⸗Schillingsfürst⸗München als stellvertretendem Vorsitzenden, Kommerzien⸗Rath, General⸗Konsul und Präsidenten der Handels⸗ und Gewerbe⸗Kammer Weidert⸗München als zweitem Stellvertreter, Dr. Bamberger⸗Mainz, Alexander Bürcklin⸗Neustadt a. d. Haldt, Direktor der Breslauer Diskonto⸗Bank Fried⸗ änder⸗Berlin, Direktor der Rheinischen Kreditbank Funcke⸗ Mannheim, Kommerzien⸗Rath Kohn⸗Nürnberg, Ingenieur Oscar von Miller⸗München, Direktor der Nationalbank für Deutschland Peter⸗ Berlin, Kommerzien⸗Rath und Magistrats⸗Rath Reichenberger⸗ München, Kommerzien⸗Rath Dr. Strupp⸗Meiningen und General⸗Rath der Anglo⸗Oesterreichischen Bank Todesco⸗Wien. Zum Direktor wurde der bisherige Dircktor der Lebensversicherungs⸗Gesellschaft Gresham zu Hamburg Rudolf Plockmann gewählt Die Eröffnung der Bank soll am 1. April in München, die der Zweigniederlassung in Nürnberg im Herbst dieses Jahres stattfinden.
Stettin, 19. Januar (W. T. B.) Spiritus loko 38,30 bez.
Breslau, 19. Januar. (W. T. B.) Schluß⸗Kurse. Schles. 3 ½ % L.⸗Pfdbr. Litt. A. 100,20, Breslauer Diskontobank 119,25, Breslauer Wechslerbank 108,25, Schlesischer Bankverein 139,75, Breslauer Spritfabrik 146 50, Donnersmarck 157,00, Kattowitzer 176,50. Oberschles. Eis. 105 50, Caro Hegenscheidt Akt. 126,75, Oberschles. Koks 171,00, Oberschl. P.⸗Z. 160,10, Opp. Zement 167,25, Giesel Zem. 157,10, L.⸗Ind. Kramsta 151,00, Schles. Zement 215 00, Schles. Zinkh.⸗A. 209 00, Laurahütte 184 75, Bresl. Oelfabr. 100,25, Koks⸗Obligat. 102,40, Niederschles. elektr. und Kleinbahn⸗ gesellschaft 124,50.
Produktenmarkt. Spiritus pr. 100 1 100 % exkl. 50 ℳ Verbrauchsabgaben pr. Januar 56,90 Gd., do. 70 ℳ Verbrauchs⸗
abgaben pr. Januar 37,50 Gd. . Magdeburg, 19. Januar. (W. T. B.), Zuckerbericht. Nachprodukte exkl.
Kornzucker exkl. 88 % Rendement 10,10 — 10,30. N. 75 % Rendement 7,60 — 8,05. Ruhiger. Brotraffinade 1 —,—. Brotraffinade II —,—. Gem. Raffinade mit Faß 23,25 — 23,75. Gem. Melis I mit Faß 22,75. Ruhig. Rohzucker I. Pro⸗ dukt Transito f. a. B. Hamburg pr. Januar 9,22 ½ Gd., 9,30 Br., pr. Februar 9,25 Gd., 9,20 Br., pr. März 9,32 ½ Go., 9,37 ½ Br., dr. April 9,40 Gd., 9,45 Br., pr. Mai 9,50 bez., 9,52 ½ Br., pr. Oktober⸗Dezember 9,50 Gd. 9,57 ½ Br. Schwach behauptet.
Frankfurt a. M., 19. Januar. (W. T. B.) Schluß⸗Kurse. Lond. Wechs. 20,372, Pariser do. 80,825, Wiener do. 169,78, 3 % Reichs⸗A. 97,30, Unif. Egypter —,—, Italiener 94,30, 3 % port. Anleihe 21,40, 5 % amort. Rum. 101,20, 4 % russische Kons. 103,80, 4 % Russ. 1894 67,70, 4 % Spanier 60,70, Darm⸗ städter 158,30, Deutsche Genossenschafts⸗Bank 116,30, Diskonto⸗ Fommandit 201,90, Dresdner Bank 163,10, Mitteld. Kredit. 117,50, Nationalb. f. D. 155,10, Oesterr. Kreditakt. 300 ⅛, Oest.⸗Ung. Bank 792,00, Reichsbank 159,60, Allgem. Elektrizitaͤt 282,00, Schuckert 265,70, Bochum. Gußst. 202,80, Dortm. Union —,—, Harpener Bergw. S8nrn Hieernig n Herahäte 18e. Westeregeln 197,30, Höchster Farbwerke 448,50, Privatdiskont 3 ½.
97 bnter Srnnwern (Schluß.) Oesterreichische Kredit⸗Aktien 301, Franzosen 294 ¼, Lombarden 71 ¾, Gotthardb. 152,50, Deutsche Bank 209,20, Diskonto⸗Komm. 202,10, Dresdner Bank 162,90, Berl. Handelsgef. 174,10, Bochumer Gußst. 202,75, Gelfenkirchen —,—, Harpener 185,10, Hibernia 198,60, Laurahütte —,—, Ital. Mittel⸗ meerb. —,—, Schweiz. Zentralb. 141,40, do. Nordostbahn 108,80, do. Union 78,00, Ital. Méridionaux —,—, Schweiz. Simplonb. 87,20, 6 % Mexikaner —,—, Italiener 94,90, Schuckert —,—, Helios 191,40 Allg. Elektr. —,—, Nationalbank 155,20.
Köln, 19. Januar. (W. T. B.) Rüböl loko 57,50.
Dresden, 19. Januar. (W. T. B.) 3 % Sächs. Rente 96,00, 3 ½ % do. Staatsanl. 101,00, Dresd. Stadtanl. v. 93 101,00, Allg. deuische Kreditbk. 211,20, Dresd. Kreditanst. 137,75, Dresdner Bank 163,00, Dresdner Bankverein 128,00, Leipziger Bank —,—, a. Bank 128,25, Deutsche Straßenb. 173,00, Dresd. Straßenbahn
224,00, Sächs.⸗Böhm. Dampfschiffahrts⸗Ges. 284,00, Dresdner Bau⸗
gesellsch. 239,00. Leipzig, 19. Januar. (W. T. B.) Schluß⸗Kurse, 3 % Sächsische Rente 95,90, 3 ½ % do. Anleibe 100,80, Zeitzer Paraffin⸗ und Solaröl⸗Fabrik 120,00, Mansfelder Kuxe 1024, Leipziger Kredit⸗ anstalt⸗Aktien 211,25, Kredit⸗ und Sparbank zu Leipzig 119,75, Leipziger Bankaktien 187,60, Leipziger Hypothekenbank 152,75, Saͤchsische Bankaktien 128,60, Sächsische Boden⸗Kreditanstalt 129,00, Leipziger Baumwollspinnerei⸗Aktien 177,50, Leipziger Kammgarn⸗ pinnerei⸗Aktien 182,50, Kammgarnspinnerei Stöhr u. Co. 191,00, Altenburger Aktienbrauerei 242,00, Zuckerraffinerie Halle⸗Aktien 119,00, Große Leipziger Straßenbahn 240,00, Leipziger Elektrische Stra enbahn 156,75, Thüringische Gasgesellschafts⸗Aktien 212,50, Deutsche pitzen⸗ fabrik 236,00, Leipziger Elektrizitätswerke 129,50. Kammzug⸗Terminhandel. La Plata. Grundmuster B. pr. Januar 3,32 ½ ℳ, pr. Februar 3,30 ℳ, pr. März 3,30 ℳ, pr. April 3,30 ℳ, pr. Mai 3,30 ℳ, pr. Juni 3,22 ½ ℳ, pr. Juli 3,22 ½ ℳ, pr. August 3,22 ½ ℳ, pr. September 3,22 ½ ℳ, pr. Oktober 3,22 ½☛ ℳ, pr. November 3,22 ½, pr. Dezember 3,22 ½ ℳ Umsatz: 20 000.
Tendenz: Schwach.
Bremen, 19. Januar. (W. T. B.) „Schlußbericht. Raffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum⸗ Börse.) Loko 4,95 Br. Schmalz. Fest. Wilcox 26 ½ ₰, Armour shield 27 ₰, Cudahy 28 ₰, Choice Grocery 28 ₰, White label 28 ₰4. — Speck. Fest. Short clear middl. loko 27 ₰. Reis stetig. Kaffee rrnbig. Baumwolle. Willig. Upland middl. loko 30 ¼ 4. — Taback. 666 Seronen Carmen, 800 Packen Brasil auf Lieferung.
Kurse des Effekten⸗Makler⸗Vereins. 5 % Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei⸗Aktien 167 Br., 5 % Nordd. Lloyd⸗Aktien 110 ½ bez., Bremer Wollkämmerei 274 bez. b
Hamburg, 19. Januar. (W. T. B.) Schluß⸗Kurse. Hamb. Kommerzb. 143,60, Bras. Bk. f. D. 164,50, Lübeck⸗Büchen 171,50, A.⸗C. Guanv⸗W. 71,25, Privatdisk. 3 ½, Hamb. Packetf. 116,35, Nordd. Alord 111,25, Trust Dynam. 166,75, 3 % Hamb. Staatsanl. 95,25, 3 ½ % do. Staatsr. 107,10, Vereinsb. 162,50, Hamb. Wechsler⸗ bank 133,75. Gold in Barren pr. Kilogr. 2788 Br., 2784 Gd., Silber in Barren pr. Kilogr. 77,25 Br., 76,75 Gd. Wechselnotierungen: London lang 3 Monate 20,28 Br., 20,24 Gd., 20,26 ½ bez., London kurz 20,40 Br., 20,36 Gd., 20,38 ½ bez., London Sicht 20,41 ½ Br., 20,37 ½ Gd., 20,40 bez., Amsterdam 3 Monate 167,85 Br., 167,35 Gd., 167,72 bez., Oest. u. Ungar. Bkpr. 3 Monate 168,00 Br., 167,50 Gd., 167,90 bez., Paris Sicht 81,00 Br., 80,70 Gd., 80,30 bez., St. Petersburg 3 Monate 213,85 Br., 213,35 Gd., 213,65 bez., New⸗York Sicht 4,20 ¾ Br., 4,18 ¾ Gd., 4,20 ¼ bez., do. 60 Tage Sicht 4,17 ¾ Br., 4,14 ¾ Gd., 4,16 ¾ bez.
Getreidemarkt. Weizen loko behauptet, holsteinischer loko 180 — 18s6. — Roggen mecklenburger loko 140—150, russischer loko ruhig, 108. Mais 94 ½. Hafer fest. Gerste fest. Rüböl ruhig, loko 55 Br. Spiritus fest, per Jan.⸗Febr. 19 ½ Br., pr. Februar⸗März 19 Br., pr. März⸗April 18 ¾ Br., pr. April⸗Mai 18 ⅜ Br. Kaffee behauptet. Umsatz 2500 Sack. Petroleum unverändert. Standard white loko 4,80 Br.
Kaffee. (Nachmittagsbericht) Good average Santos pr. März 31, pr. Mai 31 ¼, pr. Septbr. 32, per Dezember 32 ½ — Zuckermarkt. (Schlußbericht.) Rüben⸗Rohzucker I. Produkt Basis 88 % Rendement neue Usance frei an Bord Hamburg per Januar 9,22 ½, pr. Februar 9,25, pr. März 9,35, pr. Mai 9,47 ½, pr. Juli 9,60, pr. Oktober 9,50. Ruhig.
Wien, 19. Januar. (W. T. B.) Schluß⸗Kurse. Oesterr. 4 % Papierrente 102,35, Oesterr. Silberrente 102,35, Oesterr. Golbdrente 121,80, Oesterr. Kronenrente 102,85, Ungar. Goldrente 121,15, do. Kron.⸗A. 99,45, Oesterr. 60 er Loose 144,50, Länderbank 219,00, Oesterr. Kredit 355,75, Unionbank 301,00, Ungar. Kreditb. 382,50, Wiener Bankverein 260,00, Böhmische Nordbahn 263,00, Buschtiehrader 575,00, Elbethalbahn 265,00, Ferd. Nordb. 3445, Oesterr. Staatsbahn 342,00, Lemb.⸗Czern. 295,00, Lombarden 80,75, Nordwestbabhn 250,00, Pardubitzer 210,00, Alp.⸗Montan 143,30, Amsterdam 99,55, Deutsche Plätze 58,87 ½, Londoner Wechsel 120,05, Feie Wechsel 47,60, Napoleons 9,53, Marknoten 58,87 ½⅛, Russ.
anknoten 1,27 ⅛, Brüxer 282,00, Tramway 454,00.
Getreidemarkt. Weizen pr. Frühjahr 11,65 Gd., 11,67 Br., pr. Mai⸗Juni — GEd., — Br. Roggen pr. Frühjahr 8,72 Gd., 8,74 Br., pr. Mai⸗Juni — Gd., — Br. Mais pr. Mai⸗Junt 5,48 Gd., 5,50 Br. Hafer pr. Frühjahr 6,62 Gd., 6,63 Br.
— 20. Januar, Vormittags 10 Uhr 50 Minuten. (W. T. B.) Schwach. Ung. Kredit⸗Aktien 382,00, Oest. Kredit⸗Aktien 355,10, Franzosen 341,40, Lombarden 80,25, Elbrthalbahn 265,00, Oester⸗ reichische Papierrente 102,40, 4 % ungarische Goldrente —,—, Oesterreichische Kronen⸗Anleihe —,—, Ungarische Kronen⸗Anl. 99,35, Marknoten 58,87 ½, Bankverein 259,00, Länderbank 218,00, Busch⸗ tiehrader Litt. B.-⸗Akt. —,—, Türk. Loose 61,00, Brüxer —,—, Wiener Tramway —, Alpine Montan 142,80, Tabackaktien —,—.
Budapest, 19. Januar. (W. T. B.) Produktenmarkt. Weizen loko flau, pr. Frühjahr 11,81 Gd., 11,82 Br., pr. September 9,32 Gd., 9,33 Br. Roggen pr. Frühjahr 8,57 Gd., 8,58 Br. Hafer pr. Frühjahr 6,28 Gd., 6,30 Br. Mais pr. Mai⸗ Juni 5,18 Gd., 5,19 Br. Kohlraps loko 13,00 Gd., 13,50 Br.
London, 19. Januar. (W. T. B.) (Schluß⸗Kurse.) Engl. 2 ½¾ % Kons. 11211/⁄16, Preuß. 3 ½ % Kons. —, Ital. 5 % Rente 93, 4 % 89 er Russ. 2. S. 103 ½, Konvert. Türk. 22 ½, 4 % Spanier 60 ½, 3 ½ % Egypter 102 ¼, 4 % unif. do. 106 ¾, 4 ¼ % Trib.⸗Anl. 108 ½, 6 % kons. Mex. 97 ½, Neue 93er Mex. 95 ¼, Ottomanbank 12 ⅛, De Beers neue 29 ¾, Rio Tinto neue 26 ⅞%, 3 ½ % Rupees 63 ½, 6 % fund. Arg. A. 91 ½, 5 % Arg. Goldanl. 93 ½, 4 ½ 9% äuß. Arg. 68 ½, 3 % Reichs⸗Anl. 96 ⅛, Brasil. 89er Anl. 61 ¼, Platzdisk. 2 ¼, Silber 26 ½, 5 % Chinesen 101.
Getreidemarkt. (Schlußbericht.) Sämmtliche Getreidearten ruhig, Preise unverändert. Stadtmehl 31—36 sh.
An der Küste 1 Weizenladung angeboten.
Wollauktion. Australische Wolle fester, feine Merinosorten mitunter 10 % über die vorigen Schlußpreife; Croßbreds fester, Kapwolle unverändert, fest.
96 % Javazucker 11 ¼ ruhig. Rüben⸗Rohzucker loko 9 ¾ ruhig. — Chile⸗Kupfer 49 ⁄86, pr. 3 Monat 49 ½.
Liverpool, 19. Januar. (W. T. B.) Baumwolle. Umsatz 10 000 B., davon für Spekulation und Export 500 B. aF” Middl. amerikan. Lieferungen: Stetig. S 97⁄64 Verkäuferpreis, Februar⸗März 37 ¾64 do., März⸗April 37⁄84 do., April⸗Mai 37/64 — 38%4̊ Käuferpreis, Mai⸗Juni 3 8⁄64 — 3 ⁄%64 Verkäufer⸗ preis, Juni⸗Juli 32/64 — 310 %64 do., Juli⸗August 31 %4— 311 62 do., August⸗September 38 64 Käuferpreis, September⸗Oktober 311⁄164—— 312784 do., Oktober⸗November 312⁄64 — 31814 d. Verkäuferpreis.
Glasgow, 19. Januar. (W. T. B.) Roheisen. Migped numbers warrants 46 sh. — d. Fest. — (Schluß.) Mixed numbers warrants 45 sh. 11 ½ d. Warrants Middlesborough III 40 sh 10 ½ d.
Paris, 19. Januar. (W. T. B.) An der Börse herrschte Unsicherheit wegen der inneren Lage. Ungünstige Nachrichten aus der Provinz, sowie ausländische Abgaben bewirkten anfangs allgemein einen Kursdruck. Später war die Haltung leicht erholt, aber trotzdem blieb die Stimmung vorherrschend zurücbalkend.
(Schluß⸗Kurse.) 3 % Französische Rente per 5 % Italienische
Rente 94,10, 3 % Portugiesische Rente 20,30, Portugiesische —⸗ Obl. 479,00, 34 % Ruff. A. —,—, 3 %˖ Russen 96 96,4b, 4 %