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regulierung. Er wisse wohl, daß nich
Oesterreich⸗Ungarn.
Der „Neuen Freien Presse“ wird aus Prag berichtet, daß der akademische Senat der deutschen Universität auf Verlangen der Unterrichtsverwaltung, gemäß den Be⸗ stimmungen des Gesetzes, so lange im Amt bleiben werde, bis der Unterrichts⸗Minister seine Entscheidung getroffen habe.
Bei den gestern in Budweis vorgenommenen Ge⸗ meindewahlen des zweiten Wahlkörpers siegten die Kan⸗ didaten der Deutschen; die Czechen enthielten sich der Wahl.
Im ungarischen Unterhause betonte gestern der Re⸗ “ für das Budget, Abg. Hegedues, die Nothwendigkeit
er Steuerreform, der Fere und der Valuta⸗ jese Fragen im Jahre 1898
t gelöst werden würden, doch lenke er die Aufmerksamkeit der Regierung darauf. Das Land stehe in diesem Jahre vor wichtigen Aufgaben, deren Lösung Eintracht erfordere. Man
müsse mit vereinten Kräften an die Lösung dieser Fragen sowie
der ganz Europa bewegenden großen sozialen Frage ehen. Redner empfahl die Annahme des Budgets. Der Abg. oranszky (Nationalpartei) hielt die Finanzlage für ungemein kritisch und drückte die Besorgniß aus, daß das Gleich⸗
gewicht des Staatshaushalts gefährdet sei; auf größere
innahmen könne nicht mehr gerechnet werden, während die Ausgaben anwachsen würden. Er lehne im Namen seiner Sen das Budget ab. Der Abg. Aranyi erörterte die nomalie der späten Budgetverhandlung; man könne den Beginn des Budgetjahres im Einvernehmen mit der öster⸗ eichischen Regierung auf den März oder Juni verlegen. Dem Abg. Horanszky gegenüber verwies der Redner auf die zahlreichen Reformen der letzten Jahre; die Steuern seien in Uggeer nicht höher als in anderen Staaten; die Erhöhungen ser Ausgaben müßten durch Ersparnisse in der Verwaltung edeckt werden; er habe volles Vertrauen zu der Regierung nd nehme das Budget an. Der Abg. Graf Johann Zichy lehnte namens der Volkspartei das Budget ab und forderte stärkere ö zum Schutze der Grundbesitzer, sowie eine Herabsetzung der Boden⸗ steuer. Namens der äußersten Linken gab der Abg. Koloman Thaly die Erklärung ab, daß, nachdem die Re⸗ gierung durch die zweite Provisoriums⸗Vorlage das Gesetz von 1867 preisgegeben und damit förmlich einen Staatsstreich insceniert habe, die Partei das Fortbestehen des Kabinets für eine Gefahr halte und demselben das größte Mißtrauen ent⸗ egenbringe. Seine Partei nehme den Voranschlag nicht an und erde an der Generaldebatte des Budgets nicht theilnehmen.
Großbritannien und Irland.
In Bolton besprach gestern der Parlaments⸗Sekretär des Auswärtigen Curzon die Angelegenheiten der auswärtigen Politik. Nach einigen die Nil⸗Expedition betreffenden Be⸗ merküngen führte derselbe, dem „W. T. B.“ zufolge, aus, daß die Regierung binnen kurzem am Hofe des Negus Menelik einen direkten Vertreter zu beglaubigen gedenke; es bestehe daher kein Grund zur Beunruhigung hinsichtlich der Beziehungen zwischen Großbritannien und Abessynien. Bezüglich Chinas hob Curzon hervor: die Frage sei nicht von Großbritannien aufgerollt worden, welches von dem status quo befriedigt gewesen sei; die Ereignisse hätten vielmehr auf seiten anderer Mächte den Wunsch offenbar gemacht, sich besondere Vortheile in China zu verschaffen. Daher habe Großbritannien das Recht, kompen⸗ sierende Vortheile zu fordern und zu verlangen, daß die Anderen bewilligten Vorrechte nicht mit den Vertragsrechten Englands im Widerspruch ständen. Curzon fügte hinzu: dieses Verhalten bedeute in keiner Weise internationale Eifersucht oder Argwohn. Die Politik Großbritanniens sei keine Angriffspolitik, sie schließe keine Besetzung oder Thei⸗ lung von Landgebiet in sich; Großbritannien kämpfe vielmehr für die Freiheit des Handels in China und habe dabei die Sympathie aller freien Völker und Regierungen auf seiner Seite. Die britischen Vertragsrechte machten es unmöglich, fügte Redner hinzu, den Handel Großbritanniens von irgend einer in China erlangten Einflußsphäre auszuschließen, und auf diesen Rechten werde die Regierung bestehen 8
Frankreich. “
In dem gestern im Elysée abgehaltenen Ministerrath machte, dem „W. T. B.“ zufolge, der Minister des Aeußern 8 Mittheilungen über die Kandidatur des Prinzen
eorg von Griechenland für den Posten des Gouver⸗ neurs von Kreta und über die Einrichtung der Finanz⸗ kontrole in Griechenland.
Die Ernennung des Admirals Beaumont zum Kom⸗ mandanten des Geschwaders in Ost⸗Asien ist amtlich bekannt gemacht worden.
In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer
brachte der Deputirte Castelin einen Antrag ein, nach welchem die Prämien für die Zuckerausfuhr von dem Tage an auch in Frankreich anfgehoben werden sollen, welchen die internationale Konferenz für die Beseitigung der Prämien für die übrigen Zucker erzeugenden Länder feßtseten werde. Sodann ing die Kammer zur Verathung des Armee⸗Budgets über. In Erwiderung auf die Erklärungen mehrerer Redner führte der Kriegs⸗Minister, General Billot aus, daß er durchaus ein 28 der zweijährigen Dienstzeit sei; die drei⸗ jährige Dienstzeit sei das nothwendige Minimum zur Heranbildung von Unteroffizieren. Am Schlusse seiner Rede hec der Minister rühmend der ganzen Armee, welche dem esetze ergeben sei und außerhalb der Parteizwistigkeiten stehe. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beantragte der Deputirte Treveneuc, daß dem Generalissimus die größte Unabhängigkeit zugestanden werde. Der Kriegs⸗ Minister, General Billot erwiderte: „Was soll dann aus unserer gesetzmäßigen Regierung, dem Präsidenten der Re⸗ publik und den Kammern werden? Diesen Weg betreten heißt eine Diktatur vorbereiten wollen.“ Schließlich nahm die Kammer, 88 des Einspruchs des Kriegs⸗Ministers, mit 234 gegen 208 Stimmen einen Antrag des Deputirten Berry an, p welchem zur veheehie an den Krieg von 1870/71 eine Medaille gestiftet werden soll.
9.
1 Italien. este 8
Die Deputirtenkammer ist gestern w zusammen⸗ etreten. Der Finanz⸗Minister Branca legte derselben die Verordnung, durch welche die Getreidezölle ermäßigt worden sind, zur nachträglichen Genehmigung vor. Die Verordnung wurde der “ überwiesen. Die —9 des Präsidenten wurde für heute angesetzt und sodann die Be⸗ rathung des Gesetzentwurfs, betreffend das Avancement in der Armee, wieder aufgenommen. Der Entwurf wurde angenomme
98
enthaltungen abgelehnt.
Der Kommandant des spanischen Geschwaders traf, wie „W. T. B.“ berichtet, gestern in Madrid ein und hatte eine längere Unterredung mit dem Marine⸗Minister Bermejo, in welcher er erklärte, bei den letzten Manövern habe es sich gezeigt, daß das Geschwader sich in vorzüglicher Verfassung befinde. Der Admiral wird 15 unverzüglich auf einen Posten zurückbegeben. Im nächsten Ministerrath ollen die Kriegsschiffe bestimmt werden, welche, in Erwiderung auf die Entsendung des amerikanischen Kriegsschiffs „Maine“ nach Havanna, amerikanische Häfen anlaufen sollen.
Belgien. 1
Der sozialistische Deputirte Demblon, welcher in der letzten Sitzung der Repräsentantenkammer ausgeschlossen wurde, betrat gestern Nachmittag um 2 Uhr in Begleitung einer Gruppe von Sozialisten die große Vorhalle des Parlamentsgebäudes. Eine Abtheilung Soldaten be⸗ wachte den Eingang. Der kommandierende Offizier trat auf die Gruppe zu und verbot Demblon auf Befehl des Präsidenten der Kammer, den Sitzungssaal zu betreten. Demblon fügte sich dem Befehl, indem er rief: „Es lebe die Armee!“ „Es lebe die Republik!“ Mehrere degigüstsche Deputirte er⸗ hoben indessen Einspruch dagegen. Die Menschenmenge, welche sich inzwischen vor der Kammer angesammelt hatte, drängte vorwärts, und es entstand, wie „W. T. B.“ meldet, ein furchtbares Handgemenge. Die Soldaten machten sich um Eingreifen bereit. Zwischen Sozialisten und Anti⸗ sozialisten wurden Schläge und Stöße ausgetauscht, und es kam zu unbeschreiblichen Scenen. Eine in der Nähe auf Posten befindliche Abtheilung Carabiniers und eine Brigade Polizeiagenten eilte herbei, um mit bewaffneter Hand einzu⸗ schreiten. Schließlich wurde die Ruhe wieder beg.e. eine Person wurde verhaftet. Bei Beginn der Sitzung der Repräsentantenkammer machte der Minister der öffentlichen Arbeiten de Bruyn Mititheilungen über die vorläufige Untersuchung des Unglücksfalles, der sich vor kurzem in einer Kohlengrube in Wasmes ereignete, und rief dadurch große Erregung bei den Sozialisten hervor. Der Minister erklärte, die Untersuchung werde vollkommen unpar⸗ teiisch geführt werden. Der Abg. Defuisse aux (Soz.) sprach über die Vorfälle, welche sich bei Eröffnung der Sitzung zugetragen hätten; er erklärte, die Deputirten seien von den Truppen ver⸗ gewaltigt worden, und forderte, daß eine Untersuchung angestellt werde, um festzustellen, von wem die Truppen ihre Befehle erhalten hätten. Es brach ein unbe⸗ schreiblicher Tumult aus. Mehreren sozialistischen Deputirten wurden Ordnungsrufe ertheilt. Der Abg. Defuisseaux griff den Präsidenten lebhaft an, worauf der Tumult von neuem anfing. Der Deputirte Woeste rechtfertigte das Verhalten des Präsidenten. Der Abg. Furnemont (Soz.) wollte wissen, wer den Truppen den Befehl ertheilt habe, das Bajonett aufzupflanzen. Der Quästor de Jonghe erwiderte, die Quästur habe diese Maßregel getroffen, um zu verhindern, daß die Menschenmenge in das Parlament eindringe. Redner fügte hinzu, er werde stets seine Pflicht gegen die Sozialisten Iqan (Anhaltender Beifall auf der Rechten, Widerspruch auf der Linken.) Der Abg. Vandervelde 68o5. schilderte hierauf die vorgekommenen Zwischenfälle und sagte, die Sozialisten seien von den Truppen herum⸗ gestosßen worden, als Demblon sich bereits entfernt gehabt habe. Redner warf dem Präsidenten vor, er sei ein „Mann der Gewalt“. Angesichts des nun ent⸗ stehenden Lärms suspendierte der Präsident Beernaert die Sitzung. Bei Wiederaufnahme derselben suchte der Präsident die am Freitag gegen Demblon getroffenen Maßregeln zu rechtferiigen. Der Abg. Vandervelde griff in heftiger Weise die Quästoren an, beschuldigte die Rechte, sie wolle die Sozialisten mundtodt machen, und verlangte genau zu erfahren, wer den Befehl zu den Gewaltthätigkeiten gegen die Sozialisten ertheilt habe. Nach weiteren lärmenden Auftritten erklärte der Präsident Beernaert: er habe von Furnemont eine Tagesordnung er⸗ halten, welche besage: die Kammer mißbillige die vom Bureau getroffenen Maßregeln, da es nicht verstanden habe, den Mit⸗ gliedern der Kammer Achtung zu verschaffen. Diese Tages⸗ ordnung wurde mit 86 gegen 29 Stimmen bei 9 Stimm⸗
Türkei. 88 1—
Aus Kanea meldet die „Agence Snogar, daß die Admirale vier der Haupt⸗Anstifter der Ruhestörungen
in Kandia in die Festung Spinalonga hätten bringen lassen.
Griechenland. “
Die Hauptpunkte des demnächst zur Veröffentlichung ge⸗ langenden Berichts der Kommissare für die Finanz⸗ kontrole sind, dem „W. T. B.“ zufolge, nachstehende:
Die Kommissare schätzen die gesammten Staatseinnahmen seit 1892 bis einschließlich 1896 auf 458 255 000 Drachmen, im Durch⸗ schäitt der 5 Jahre also jährlich 91 651 000 Drachmen. Sie weisen auf verschiedene Mängel des gegenwärtigen Verfahrens der Steuererhebung hin und schlagen die Reorganisation einiger Verwaltungszweige vor, sowie die Erhöhung der Sätze für gewisse Steuern, so z. B. die Tabacksteuern, die Einfuhrzölle auf gewisse Waarenklassen und die Stempel⸗ abgaben. Durch diese Mittel sollen die Staatseinnahmen um 6 335 000 Drachmen jährlich erhöht werden. Hiernach werden die budgetmäßigen Einnahmen von der Kommission für 1898 auf 85 556 000 Drachmen und bis 1903 auf 100 266 000 Drachmen steigend veranschlagt. — Die Verwaltungsausgaben werden von der Kommission für den Durchschnitt der Jahre 1892 bis 1896 auf 61 951 000 Drachmen jährlich angenommen und für 1898 auf rund 63 251 000 Drachmen veranschlagt. Für die folgenden Jahre wird eine jährliche Steigerung der Aus⸗ gaben um 300 000 Drachmen vorausgesetzt; hierbei sind jedoch die außerordentlichen Ausgaben nicht einbegriffen. Was die Ausgaben für die Kriegsverwaltung anbetrifft, so spricht der Kommissionsbericht den Wunsch aus, diese auf das unerläßliche Mindestmaß ein⸗ zuschränken. — Nach einem Rückblick auf die Geschichte der verschiedenen Anleihen bemerkt der Bericht, Griechenland habe seit langem die aus der Staatsschuld erwachsende Last auf dem Kreditwege bestritten Nach den Angaben des Finanz⸗Ministers werde das Desizit für 1898 sich auf 40 000 000 Drachmen stellen. — Zu den neuen legt der Bericht die von beiden Parteien angenommenen Bedingungen dar. Die Monopol⸗Anleihe erhält 43 %, die anderen äußeren Anleihen 32 %; der Wechselkurs ist auf 165 festgesetzt anstatt 175, wie die Gläubiger verlangten. Die Vertheilung der Mehrbeträge aus den ver⸗ pfändeten Einnahmen soll so erfolgen, daß 3 Fünftel den Gläu⸗ bigern, 2 Fünftel dem Staate zu gute kommen. Der Dienst der inneren Schuld bleibt unverändert. Nach der Erklärung des Finanz⸗Ministers
werden können.
soll die schwebende Goldschuld den Banken in Hbligationen einer
aufzunehmenden Anleihe zurückgezahlt werden. Diese Anleihe werde zur Begleichung der Kriegsentschädigung von 95 Millionen Francs 5 Bestreitung anderer Bedürfnisse des Schatzes und zur ückzjahlung der schwebenden Schuld dienen und sei auf den
Effektivbetrag von 123 500 000 Fr. Gold festgesetzt. Außer⸗
dem werde eine Summe von 20 Millionen in Gold zur Bestreitun des künftigen Budgetdefizits erforderlich werden. Die Kommission empfiehlt, diese Summe im Auslande nach Maßgabe des Bedarfs auf⸗ zunehmen; der Abschluß dieser kleinen aufeinanderfolgenden Anleihen werde mit Zustimmung der Finanzkontrole geschehen. — Was die Orsanisation der inanzkontrole angeht, so nimmt die Kommission die vom Finanz⸗Minister angeregte Kombination an, nach der die der Kontrole zu unterstellenden Einnahmen in der Weise festzusetzen sind, daß ihr Gesammtertrag die für den ganzen Schulddienst erforder⸗ liche Summe etwas übersteigt, und außerdem Ersatzeinnahmen zu bestimmen sind, deren Ueberweisung an die Kontrole erst im Falle ungenügenden Ectrages der zunächst verpfändeten Einnahmen eintreten würde. Als die Haupteinnahmen, welche dem Schulddienst zu über⸗ weisen sind, sind festgestellt: die Tabacksteuern, die Stempelabgaben und der Ertrag der Monopole; alle zusammen mit dem Ertrage von 28 900 000 Drachmen. Zur Deckung der noch bestehenden Differenz erklärte der Minister, die Zolleinnahmen im Piräus zu ver⸗ pfänden, deren Durchschnitt in den letzten drei Jahren sich auf etwa 12 Millionen Drachmen belief, sodaß der gesammte Betrag der der Kontrole überwiesenen Einnahmen sich auf 39 600 000 Drachmen be⸗ ziffern wird. Als Ersatzeinnahmen zum Ausgleich etwaigen Minder⸗ ergebnisses wurden vom Finanz⸗Minister vorgeschlagen und von der Kommission angenommen: die Zolleinkünfte von Korfu, Patras, Volo und Laurium, die zusammen 7 200 000 Drachmen ergeben. Diese Einnahmen sind auszuliefern, wenn während zweier Halbjahre der Ertrag der der Kontrole an erster Stelle zugewiesenen Einkünfte nicht 85 % der in dem Gesetz festgestellten Voranschläge erreichen sollte, und zwar bis zur Höhe der zu ergänzenden Summe. — Die Bestimmungen des Gesetzentwurfs über die Finanzkontrole sind folgende: die Tarife der für den Schuldendienst überwiesenen Steuern dürfen nur mit Zu⸗ üeang der internationalen Kommission abgeändert werden. Diese orschrift erstreckt sich nicht auf die Zölle; wenn sich aus ihrer Ab⸗ änderung eine Verminderung der für den Schuldendienst überwiesenen Einnahmen ergeben lelt; so ist Griechenland verpflichtet, Einnahmen zu überweisen, welche hinreichen, 1* Verminderung auszugleichen. Die Monopol⸗Gesellschaft bleibt bestehen, wird jedoch der sewervach ane der internationalen Kommission unterworfen. Das Kapital der Ge⸗ sellschaft wird auf 4 Millionen Francs festgesetzt. Die Gesellschaft in ihrer neuen Verfassung wird als Vermittlerin bei der Verein⸗ nahmung des Tabackzolls und der Stempelsteuer dienen, welche für den Schuldendienst überwiesen werden. Die Kommission wird die für ihren Dienst erforderlichen Beamten ernennen. Ein Staatskommissar wird als Vermittler zwischen der Kom⸗ mission und den griechischen Behörden dienen. Die Kommission wird ihre Kontrole in der Art ausüben, daß sie in den Steuer⸗ einnahme⸗Stellen und anderen staatlichen Anstalten Revisionen vor⸗ nimmt und sonst Inspektionen und besondere Ueberwachungen ausübt, welche sie von der Regierung verlangen wird. Verschiedene Bestim⸗ mungen setzen die Verantwortlichkeit der Staatsangestellten im Falle einer Zuwiderhandlung gegen das Gesetz fest. Das Gesetz über die Finanzkontrole soll nicht ohne Zustimmung der Mächte abgeändert
—.115— 5*
6 Serbien. “
8 1 EEEö1“ Der frühere Minister Michael Georgiewitsch ist, wie „W. T. B.“ meldet, zum Gesandten in Bukarest und der bisherige Geschäftsträger in Rom Jwan Pawlowitsch zum diplomatischen Agenten in Sofia ernannt worden.
ö — 1 1
Dem New⸗Yorker Blatte „The World“ wird aus Washington gemeldet, daß dort am Montag Abend unter Vorsitz des Präsidenten Me Kinley ein Kabinetsrath stattgefunden habe, welcher durch wichtige Depeschen des amerikanischen General⸗Konsuls in Havanna veranlaßt worden sei.
Der amerikanische Kreuzer „Maine“ traf gestern in Havanna ein und wechselte Salutschüsse mit den anderen Kriegsschiffen.
Aus Havanna wird gemeldet, daß die Aufständischen bei Nuevitas einen Eifenbalnzug mittels Dynamits in die Luft gesprengt hätten. Ein Sergeant sei getödtet, und 16 Soldaten seien verwundet worden. Bei einer anderen, ebenfalls von den Aufständischen ins Werk gesetzten Explosion seien zwei Soldaten getödtet und fünf verletzt worden.
„ Aus Kalkutta berichtet „W. T. B.“, daß die gegen die Akakhels entsandten fliegenden Kolonnen die feindlichen Dörfer verlassen vorgefunden hätten.
Nach einer Meldung der „Daily Mail“ aus Shanghai hat sich das britische Geschwader in den chinesischen Gewässern getheilt; das Flaggschiff „Centurion“ und fünf andere Schiffe liegen bei Chusan und sieben Schiffe bei Chemulpo.
Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Peking, daß am 24. d. M. eine weitere Konferenz in der Anleihefrage stattgefunden habe. Der russische Gesandte sei Vor⸗ mittags im Tsung⸗li⸗Namen empfangen worden, der britische Gesandte Nachmittags. an glaube, daß der britische Gesandte auf der Eröffnung Talienwan's als Vertragshafen bestehen werde, und daß dies der Punkt sei, in welchem die britische Regierung nicht zurück⸗ treten könne. Der Abschluß der Anleihe mit Großbritannien oder mit Rußland hänge jetzt davon ab, welches Land den größten Druck ausübe. Weßn Großbritannien es auf sich nehme, China gegen die Folgen einer etwaigen Mißstimmung Rußlands in Schutz zu nehmen, so glaube man, daß die An⸗
leihe gemäß den Bedingungen des britischen Gesandten zum
Abschluß kommen werde. Afrika.
Die Abgeordneten des Oranje⸗Freistaates für die
Berathungen über einen engeren Zusammenschluß zwischen
dem Oranje⸗Freistaat und Transvaal sind, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern Vormittag in Pretoria eingetroffen und haben alsbald dem Präsidenten Krüger einen Besuch ab⸗
gestattet. Dem „Reuter'schen Bureau“ wird aus Lagos vo
gestrigen Tage berichtet, daß eine britische Truppenabtheilung er Landschaft Borgu besetzt habe. Der Gouver⸗
Okuta in K neur von Lagos, Oberst Mac Callum „sei gestern früh na dem Hinterlande abgereist. 1 “
“ 8 Parlamentarische Nachrichten. 1 8.
Der Bericht über die gestrige Sitzung des tages befindet sich in der Ersten Beilage.
8
“ In der heutigen (26.) Sitzung des —
welcher der Staatssekretär des Reichs⸗Schatzamts Freiherr
von Thielmann beiwohnte, standen zunächst auf der Tages⸗ ordnung der Antrag der Abgg. von Ploetz und Graf von Carmer (d. kons.) auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Einführung eines Zolles sowie die Besteuerung von Saccharin und die erste Lesung des von den Abgg. Dr. Paasche (nl) und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Besteuerung von Saccharin und verwandter Süßstoffe.
Der Abg. von Ploetz wies in der Begründung seines Antrages darauf hin, daß die Preise des Rübenzuckers gesunken, die Arbeits⸗ löhne dagegen gestiegen seien. Das letzte Seeg-. habe die Hoffnungen nicht erfüllt, die man auf dasselbe gesetzt habe. an könnte ja die Zuckerausfuhrprämie aufheben; aber bis dahin würde noch viel
Wasser den Berg hinabfließen Die Besteuerung des Saccharins
würde zwar nur ein kleines Mittel sein, aber der Gerechtigkeit ent⸗
prechen. Schluß des Blattes.)
— Das Haus der Abgeordnete n ehrte in der heutigen 8 Sitzung, welcher der Vize⸗Präsident des Staats⸗ nisteriums, Finanz⸗Minister Dr. von Miquel, der
Justiz⸗Minister Schönstedt und der Minister des Innern
Wolezyk (Zentr.) in der üblichen Weise, nahm sodann in
dritter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Auf⸗ hebung der Verpflichtung zur Bestellung von Amts⸗
autionen, an, nachdem ein Versuch des Abg. Rickert (freis. Vgg.), die aufrechterhaltene Kautionspflicht der Gerichtsvoll⸗ ieher zu beseitigen, an dem Widerspruch des Vize⸗Präsidenten es Staats⸗Ministeriums, Finanz⸗Ministers Dr. von Miquel und des Justiz⸗Ministers Schönstedt ge⸗ cheitert war, und ging hierauf zur ersten Berathung des ntrags des Abg. Fuchs (Zentr.) auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend Aenderungen des Kom⸗ munal⸗Wahlverfahrens, über. Nach demselben sollen die drei Wahlabtheilungen nicht mehr durch einfache Drittelung heehhn werden, sondern es sollen von der Gesammtsumme er Steuern auf die erste Abtheilung fünf, auf die zweite vier und auf die dritte drei Zwölftel entfallen; in der ersten Ab⸗ theilung sollen mindestens 10 und in der zweiten mindestens 20 Proz. der Gesammtzahl der Wähler vertreten sein. Abg. Fuchs (Zentr.): Das Zentrum ist eigentlich der Meinung, daß sowohl für den Landtag wie für die Gemeinden das allgemeine, leiche, direkte Wahlrecht eingeführt werden müßte. Da ein solcher ntrag jedoch bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Hauses keine Aussicht hätte, also eine bloße Demonstration bliebe, wir aber praktische Politik treiben wollen, so haben wir uns auf den vorliegenden Antrag beschränkt, der ein konservativer und so⸗ gar ein Regierungsantrag ist und nur die Verhältnisse vor der Steuerreform aufrechterhalten will. Aus Anlaß der Ver⸗ änderung der Einkommensteuer wurde in der Thronrede eine Vor⸗ lage wegen Aenderung des Wahlrechts angekündigt und auch vorgelegt und hier mit großer Mehrheit angenommen. Aber im Herrenhause schlug plötzlich das Wetter um; das Herrenhaus kassierte nicht nur die vom Abgeordnetenhause beschlossenen Verbesserungen, sondern auch die Regierungsvorlage. Die durch die Steuerreform ver⸗ aabihn Verschiebungen treten bei dem Gemeindewahlrecht noch mehr und lästiger hervor als beim politischen Wahlrecht. Die progressive Ausgestaltung der Gewerbesteuer, die Einführung der Vermögens⸗ stener und die Erhöhung der Einkommensteuer bis auf 4 % haben auf die eeee eingewirkt, und es empfiehlt sich nicht mehr, das Wahlrecht an die schwankenden Steuern allein anzuschließen, sondern es muß für die erste und zweite Abtheilung eine Mindestzahl von Wählern festgestellt werden. In Essen besteht die erste Klasse aus zwei Wählern, in Elbing aus einem Wähler und in Neustadt in Oberschlesien beherrscht eine irma Fränkel u. Pintus die erste und zweite Klasse. iese wenigen Personen verfügen also über den Stadt⸗ säckel, für den sie nicht einmal entsprechend Steuer zahlen; denn es giebt doch jetzt in vielen Gemeinden indirekte Steuern, namentlich die Biersteuer. Die Beeinflussung des Wahl⸗ rechts durch die Staatssteuer wird noch verstärkt durch die Steuer⸗ maßregeln der Gemeinden. In Köln ist die Gebäudesteuer nach dem Werthe veranlagt worden; so gerecht diese Maßregel auch ist, so hat sie doch wieder zur Verstärkung des Wahlrechts der reichen Leute geführt. Auch die Waustellensteuer und die Umsatzsteuer, welche den Besitzlosen den Erwerb von Grund und Boden erschweren, werden vornehmlich von den reichen Leuten in den Gemeinden zur Einführung gebracht. Durch die Bildung der Wahlabtheilungen zu 5, 4 und 3 Zwoölfteln der Steuersumme wird in den Landgemeinden meist schon eine Wählerzahl von 10 bezw. 20 v. H. in der ersten und zweiten Ab⸗ theilung erreicht werden. Anders verhält es sich in den Städten. In Köln z. B. würde die Wählerzahl der ersten Klasse von 619 auf 813, in der zweiten Klasse von 2225 auf 3626 steigen. In den mittleren Industriestädten des Westens wird die Verschiebung aber eine sehr viel größere sein. Ich kann wohl annehmen, daß die Re⸗ sterang unseren Antrag zu dem ihrigen machen wird; ich fühle mich örmlich in der Rolle eines freiwilligen Regierungskommissarius. Hierauf nimmt der Minister des Innern Freiherr von
der Recke das Wort, dessen Rede morgen im Wortlaut mit⸗
getheilt werden wird. 1 (Schluß des Blattes.) 2 v“ 8
S 1
pril v. J. in Berlin unter⸗
8
Dem Reichstage ist der am 23.
zeichnete Freundschafts⸗ und Handelsvertrag “
Reich und dem Oranje⸗Freistaat zugegangen.
Statistik und Volkswirthschaft.
Die gewerbliche Thätigkeit im Regierungsbezirk
Düsseldorf 1882 und 1895. (Stat. Korr.) Stärker als im allgemeinen im preußischen Staat,
nicht so stark dagegen wie in der Haupt⸗ und Residenzstadt
Berlin hat die Zahl der gewerblich thätigen Personen in den Jahren 1882 bis 1895 in unserem gewerblich bedeutendsten Regierungsbezirk, dem von Düsseldorf, zugenommen. Ist sie in der genannten Zeit im preußischen Staat überhaupt um 37 ¾ v. H., in der Stadt Berlin aber um 51 v. H. angewachfen, so ist sie hier von 416 100 i. J. 1882 auf 592 963 i. J. 1895, d. t. um 42 ½ v. H. gestiegen. Schon die beiden letzteren Zahlen, verglichen mit der Gesammtheit der in der gleichen Zeit in der ganzeßt preußischen Monarchie gewerblich thätigen Personen, nämlich 4 257 942 i. J. 1882 und 5 861 707 i. J. 1895, kennzeichnen zur Genüge die gewerbliche Bedeutung des Regierungsbezirks Düsseldorf und rechtfertigen das 11. gewerbestatistische Interesse, das gerade ihm entgegengebracht wird.
Dem entspricht auch der verhältnißmäßig große Antheil, mit welchem die Gesammtbevölkerung des Regierungsbezirks Düsseldorf am gewerblichen Leben selbstthätig betheiligt ist. Waren im Jahre 1895 im ganzen preußischen Staate 18,61 v. H. der Gesammtbevölkerun Preeblich thätig, so waren es im Regierungsbezirk Düsseldo 7 ½⅛ v. H., ein Satz, welcher nahezu die Verhältnißzahl der Stadt
“
Berlin (33 ¾ v. H.) erreicht, zumal wenn man die Zahl der in den Berliner Vororten wohnhaften, in Berlin aber als dort gewerblich thätig mitgezählten Personen berücksichtigt.
Die Gesammtzahl der gewerblichen Betriebe im Re ierungs⸗ bezirke Düsseldorf betrug im Jahre 1882 165 735, im Jahre 1895 162 030. Es ist besonders bemerkenswerth, daß trotz der hohen Zu⸗ nahme der gewerblich thätigen Bevölkerung die Zahl der Gewerbe⸗ betriebe, die in der fraglichen Zeit im preußischen Staate um etwa 1 ½ v. H., in der Stadt Berlin gar um 12 v. * gestiegen ist, hier um 2 ⅛½ v. H. abgenommen hat. Von den Betrieben waren
1882 1895 1 Haupt⸗ Neben⸗ Haupt⸗ Neben⸗ a. im eigentlichen betriebe betriebe betriebe betriebe
Gewerbe 73 982 4 359 61 262 4 270
Alleinbetriebe... Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und W“ 8 8 G 1a 44 123 304 zusammen 119 504 105 385 4574 b. im Handels, ud 5 1 Verkehrsgewerbe— “ “ Alleinbetrieee. 18 644 11 599 1 952 8434 Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und Motorenbetriebe.. 9 967 959 20 953 732 zusammen 28 611 12 558 42 905 9 166
Die gewerblich Thätigen (der Hauptbetriebe, denn Nebenbetriebe haben im Sinne der Statistik kein Personal) vertheilten sich “
a. im eigentlichen Gewerbe 18882 1895 üu ¹“] 61 262 auf Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und Motorenbetriebe 289 338 435 121
zusammen 363 320 496 383
b. im Handels⸗ und Verkehrsgewerbe auf Ailehcheiriebe 11411““ 21 952 auf Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und Motorenbetriebe 34 136 74 628
zusammen 52 780 96 580
Es betrug hiernach vom Hundert die Zunahme (+) oder die Abnahme (—) von 1882 bis 1895 für Betriebe für Personen
FFaues und (der Haupt⸗ ebenbetriebe) betriebe) —. 16,85 — 17,19
CAA1A1XA6“ — 3,89 + 50,39 zusammen — 11,73 + 36,62 b. im Handels⸗ und Verkehrs⸗ gewerbe Se8*“ bei Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und Motoren⸗ E“;
a. im eigentlichen Gewerbe bei Alleinbeirieben . . . ... bei Mitinhaber⸗, Gehilfen⸗ und Motoren⸗
beirleben 6.
+ 0,47 + 17,74
16166616 + 118,62 zusammen + 26,48 + 382,98
Die sich hieraus ergebende Abnahme der Zahl der Betriebe, namentlich der Alleinbetriebe, im eigentlichen Gewerbe und die etwa † betragende Zunahme der Zahl der Gewerbebetriebe im Handels⸗ und Verkehrsgewerbe steht in keinem Verhältniß zu dem starken An⸗ wachsen der Zahl der gewerblich thätigen Personen und bestätigt die in den gegenwärtigen Verhältnissen begründete Neigung zur Zunahme der Groß⸗ und zur Abnahme der Kleinbetriebe.
Von den einzelnen Gewerbegruppen waren 1895 mit Hauptbetrieben und Personen an der gewerblichen Thätigkeit im Re⸗ gierungsbezirk Düsseldorf betheiligt: die Textilindustrie mit 22 788 (seit 1882 — 49,29 %) Hauptbetrieben und 127 978 (+ 1,55 %) gewerb⸗ lich thätigen Personen, die Metallverarbeitung mit 14 564 (— 0,04 %) Hauptbetrieben und 61 427 9 47,65 %) Personen, der Bergbau, Hütten ꝛc. mit 152 (— 16,02 %) Hauptbetrieben und 59 801 (+ 21,02 ⁸ Personen, die Bekleidungs⸗ und Reinigungsgewerbe mit 32 556 (+ 9,95 % Hauptbetrieben und 54 109 (+ 28,10 %) Personen, das Baugewerbe mit 7357 (+ 24,44 %) Hauptbetrieben und 47 542 (+ 143,32 %) Per⸗ sonen, die Industrie der Nahrungs⸗ und Genußmittel mit 10 877 (+ 21,44 %) Hauptbetrieben und 36 591 (+ 54,34 %) Personen, die Industrie der Maschinen, Instrumente, Apparate mit 2218 (+ 32,81 %) Hauptbetrieben und 33 555 (+ 166,99 %) Personen, die Industrie der Holz. und Schnitzstoffe mit 8094 (— 3,96 %) Hauptbetrieben und 24 093 (+ 45,87 %) Personen, die Industrie der Steine und Erden mit 899 (+ 6,52 %) Hauptbetrieben und 16 901 (+ 67,54 %) Personen, die Papierindustrie mit 915 (+ 17,31 49 auptbetrieben und 6961 (+ 54,31 %) Personen, die polygraphischen Gewerbe mit 721 (+ 61,30 %) Hauptbetrieben und 6679 (+ 98,19 %) Personen, die Lederindustrie mit 1597 Et. 26,85 %) Feeet agen und 6298 (+ 55,89 %) Personen, die
semische Industrie mit 460 (+ 29,21 %) Hauptbetrieben und 5575 (+ 9,36 %) Personen, die Industrie der Leuchtstoffe, Fette, Oele, Firnisse mit 239 (+ 7,66 %) Hauptbetrieben und 3974 (+ 95,47 %) Personen, die Kunst⸗ und Handelsgärtnerei mit 1363 (+ 88,26 %) Hauptbetrieben und 3291 (+ 114,82 %) Personen und die künstlerischen Gewerbe mit 510 (—1,54 %) Hanuptbetrieben und 1471 (+ 73,06 %) Personen, — ferner das Handels⸗ gewerbe mit 30 973 (+ 58,78 %) Hauptbetrieben und 65 203 (+ 77,98 %) Personen, das Versicherungsgewerbe mit 357 (+ 57,96 %) Hauptbetrieben und 820 (+ 40,65 %) Personen, das Verkehrsgewerbe (ohne den Post⸗, Telegraphen⸗ und Eisenbahn⸗ verkehr) mit 2674 (+† 21,49 %) Hauptbetrieben und 9845 (+ 69,30 %) Personen, das Beherbergungs⸗ und Erquickungsgewerbe mit 8901 (+ 33,31 %) Hauptbetrieben und 20 712 (+ 112,52 %) Personen. Insgesammt wurden 148 290 (+. 0,12 %) Hauptbetriebe mit 592 963 8 42,50 %) gewerblich thätigen Personen gezählt. Zu beachten ist der aus vorstehenden Zahlen zu ersehende scharfe Rückgang der Textilindustrie, der für den Bezirk Düsseldorf ebenso hervortritt wie dies bereits wiederholt für den gesammten preußischen Staat bei dieser Gewerbegruppe hervorgehoben worden ist.
Vergleicht man die Gewerbebetriebe im Regierungsbezirk Düssel⸗ dorf in den 18* 1882 und 1895 nach ihrer Größe, letztere ge⸗ messen am Personal, so fällt zunächst der starke Rückgang der Allein⸗ betriebe in den eigentlichen Gewerben und der Industrie ins Auge, der im Staate 12,04 v. H., in der Stadt Berlin 15,95 v. H. und im Regierungsbezirk Düsseldorf 17,66 v. H. betrug. Andererseits haben die Alleinbetriebe im Handels⸗ und Verkehrsgewerbe ein⸗ schließlich der Gastwirthschaft im Regierungsbezirk Düsseldorf mit 17,74 v. H. stärker zugenommen als im Staate (5,84 v. 82 während die Stadt Berlin mit einer Zunahme von 33,61 v. H. hier bei weitem voransteht.
Besonders auffallend ist ferner die starke Abnahme der Gehilfen⸗ betriebe mit 1—5 Personen bei den eigentlichen Gewerben (der Industrie) im Regierungsbezirk Düsseldorf im Verhältnisse zum Staate wie zur Stadt Berlin. Weisen diese Betriebe im Staate eine Abnahme von nur 0,75 v. H. und in der Stadt Berlin gar eine Zunahme um 17,30 v. H. auf, so zeigen sie im Regierungsbezirk Düsseldorf eine Abnahme um nicht weniger als 13,47 v. H. Dem entspricht auch das Verhältniß der in diesen Betrieben thätigen Personen mit einer Zunahme von 4,58 v. H. im Staate, sowie von 22,62 v. H. in der Stadt Berlin, welcher eine Abnahme von 8,70 v. H. im Regierungsbezirk Düsseldorf Fee erstsn⸗ Bei den Handels⸗ und Verkehrsgewerben sowie der Gastwirthschaft findet sich indeß auch hier wieder die entgegengesetzte Erscheinung. Vermehrte
ch die Zahl solcher Gehilfenbetriebe mit 1—5 Personen im preußi⸗ chen Staate um 75,53 und in der Stadt Berlin um 75,13 v. H., so nahm sie im Regierungsbezirk Düsseldorf um 108,62 v. H. zu, und diesem Verhältnisse enifpricht auch 1 die Zahl der in diesen Betrieben thätigen Personen mit einem Anwachsen um 78,10 v. H. im Staate, um 77,24 v. H. in der Stadt Berlin und um 112,17 v. H. im Regierungsbezirk Düsseldorf.
Auffällig erscheint endlich noch die starke Zunahme der größeren Betriebe im eigentlichen Gewerbe (der Industrie) im Regierungs⸗
bezirk Düsseldorf gegenüber derjenigen im Staate und in der
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗
— 8o1 Stadt Berlin; beträgt doch die geabhene der allergrößten Betriebe mit mehr als 1000 beschäftigten Personen dort nicht weniger als 214,29 v. H. gegen 107,69 v. H. im Staate. In Berlin wurden 1882 Betriebe mit mehr als 1000 Personen im ei entlichen Gewerbe und der Industrie überhaupt nicht, im Jahre 189 deren 7 gezählt.
““ Arbeiter⸗Wohlfahrtseinrichtungen.
Eine hochberzige Stiftung machte die Wittwe des verstorbenen Industriellen Schuckert in Nürnberg für die Beamten und Arbeiter der Schuckert'schen Etablissements. Das Stiftungskapital beträgt 300 000 ℳ Zunzächst werden eine Füeteen für Lehr⸗ linge, eine Haushaltungsschule für Mädchen und ein Kindergarten nach Fröbel'schem System errichtet. Weiter wird eine Industrieschule für Mädchen werden, in der im Stricken, Häkeln, Nähen, Flicken, Stopfen und Anfertigen von Wäsche und einfacher Kleidung Unterricht ertheilt werden und die speziell dem Arbeiterhaushalt Rech⸗ nung tragen soll.
Die Weihnachtsbescherungen für Arbeiter in industriellen Unternehmungen gestalten sich immer mehr zu einer Art von Ge⸗ winnbetheiligung, wenn sie auch nicht als eine feste Verpflichtung der Arbeitgeber angesehen werden können oder sollen. Die chemif che Fabrik von Böbringer und Söhne in Waldhof bei Mann⸗ heim, die bekannte Chininfabrik, hat, der „Sozial⸗Korr.“ zufolge, zum letzten Weihnachtsfest ihren sämmtlichen Arbeitern je einen Betrag ausgezahlt, der 5 % des Arbeitsverdienstes der Betreffenden im Jahre 1897 beträgt. „Schon die Art der Berechnung weist auf die Gewinn⸗ betheiligung hin. Bemerkt sei, daß diese . zu denjenigen der Branche gehört, welche die höchsten Löhne zahlen. Die Maschinen⸗ fabrik von Bopp und Reuther in Mannheim hat für ihre Weihnachtsbescherung eine andere Form gewählt: sie gewährt ihren Arbeitern noch dem Dienstalter abgestufte Weihnachtsgaben. Für jedes Dienstjahr wurden 5 ℳ FSS. sodaß die Arbeiter mit 20 und mehr Dienstjahren in der Fabrik je über 100 ℳ erhielten. Werden solche Gratifikationen erst mehrmals wiederholt, dann haben sie durch den Brauch fast den gleichen Werth, als ob sie in der Arbeitsordnung festgesetzt wären, wenngleich auch die Arbeitgeber je nach Umständen und Betriebsergebnissen mehr oder weniger geben oder auch einmal die Zahlung ausfallen lassen könnten. ö“
Arbeiterversicherung.
Bei der Invaliditäts⸗ und Alters⸗Versicherungs⸗ anstalt Oldenburg lagen in dem verflossenen Jahre (die Zahlen für 1896 sind in Klammern beigefügt) vor: 314 (256) Anträge auf Bewilligung von Invalidenrente, 103 (100) An⸗ träge auf Bewilligung von Altersrente, 719 (541) Anträge auf Beitragserstattung in Heirathsfällen, 58 (62) Anträge auf Beitrags⸗ erstattung in Todesfällen und 129 (67) Anträge auf Uebernahme des Heilverfahrens. Es wurden in dem genannten Zeitraum fest⸗ gesetzt 265 (212) Invalidenrenten, 90 (96) Altersrenten, 701 (485) Er⸗ stattungen in Heirathsfällen und 51 (54) in Todesfällen. Die Höhe der bewilligten Invalidenrenten betrug durchschnittlich 130,34 ℳ, im Ganzen 34 539,10 ℳ, die der Altersrenten durchschnittlich 132,36 ℳ, im Ganzen 11 912,40 ℳ, für sämmtliche Renten zusammen 46 451,50 ℳ — Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes wurden auf 2639 vaßiss 2185 Renten im Gesammtbetrage von 271 977,10 ℳ bewilligt und bei 1474 Erstattungsanträgen in 1365 Fällen die Beitragserstattung verfügt. Das Heilverfahren wurde 1897 in 98 (52) Fällen (darunter 64 Lungenkranke) eingeleitet, in 25 Fällen (darunter 12 Lungenkranke) abgelehnt. Am 1. Januar befanden sich 12 Kranke, darunter 7 Lungen⸗ kranke, in der Fürsorge der Versicherungsanstalt an 3 verschiedenen Kurorten. Der Aufwand für die Krankenfürsorge betrug in dem oben bezeichneten, Zeitraum 24 166 ℳ (8506,
““
Zur Arbeiterbewe
In Magdeburg⸗Buckau haben, einer Mittheilung des „Vorwärts“ zufolge, die Monteure und Instierer der Näh⸗ maschinen⸗ und Fahrrad⸗Fabrik von Lange und Nikolaus die Arbeit wegen Lohnstreites und angeblicher „Maßregelung“ eines Arbeiters niedergelegt; die Ausständigen verlangen namentlich Lohnerhöhungen.
In Lindenau bei Leipzig haben nach demselben Blatt un⸗ gefähr 30 Arbeiter der Bilderrah menfabrik von Max Dähne die Arbeit v; „Maßregelung“ zweier Arbeiter eingestellt.
Hier in Berlin ist in einer ghestrigen Schuhmacherversammlun ein allgemeiner Schuhmacher⸗Ausstand beschlossen worden, wei die von den Arbeitern beantragten Abänderungen der Fabrikordnung von dem Fabrikantenausschuß nicht bewilligt wurden. Nach langer Erörterung beschloß die Versammlung, über die strittige Angelegen⸗ heit in Verhandlungen vor dem Gewerbegericht einzutreten, gleich⸗ zeitig aber auch heute früh die Arbeit in allen Fabriken detn selen
Kunst und Wissenschaft. 8
Aus St. Petersburg wird dem „W. T. B.“ berichtet: Die letzteingetroffenen „Turkestanskija Wjedomosti“ melden die der nach Turkestan, Kaschgar und Tibet entsandten deutschen wissenschaftlichen Expedition der Herren Holderer und Futterer. (Dr. Holderer und Professor Dr. Futterer, beide aus Karlsruhe, verließen Deutschland Ende November, um eine Reise nach Kaschgar und durch Inner⸗Asien nach Peking auszuführen. Dr. Futterer ist Geolog. Die Expedition geschieht auf Privatkosten.)
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Maßregeln. „Der Gesundheitsstand in Berlin blieb auch in der Woche vom
9. bis 15. Januar ein ‿ und die Sterblichkeit eine geringe;
von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berechnet, 16,1 (gegen 17,2 in der Vorwoche). Auch in dieser Woche kamen akute Entzün⸗ dungen der Athmungsorgane in sehr großer Zahl zum Vor⸗ schein und führten auch in etwas gegen die Vorwoche gestei erter Zahl zum Tode. Erkrankungen an Influenza wurden 2 falls zahlreich beobachtet, jedoch nur 5 durch dieselbe veranlaßte Todesfälle Lgegen 6 in der Vorwoche) gemeldet. Dagegen gelangten akute armkrankheiten seltener zur Behandlung und endeten auch in erheblich verminderter Zahl tödtlich. Die Betheiligung des Säuglings⸗ alters an der Sterblichkeit war eine geringe; von je 10 000 Bewohnern in Berlin starben, aufs Jahr berechnet, 42 Säuglinge. — Von den In⸗ fektionskrankheiten blieben Erkrankungen an Unterleibstyphus selten (es kamen nur 3 Erkrankungen zur Anzeige); Erkrankungen an Masern, Scharlach und Diphtherie wurden gleichfalls seltener zur Anzeige gebracht, und zwar zeigten sich Erkrankungen an Diphtherie nur in der Tempelhofer Vorstadt, in der Rosenthaler Vorstadt und auf dem Wedding in nennenswerther Zahl, während die Erkrankungen an Masern und Scharlach in keinem Stadttheile eine größere Ver⸗ breitung aufwiesen. Erkrankungen an Kindbettfieber wurden 6 be⸗ kannt. Rosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut ge⸗ langten häufiger zur Behandlung. Sehr zahlreich wurden auch wieder Erkrankungen an Keuchhusten beobachtet, die in 14 Fällen zum Tode führten. Selten wurden rheumatische der Muskeln zur Meldung gebracht, während akute Gelenkrheumatismen häufiger als in der Vorwoche zur Beobachtung kamen. “
Verdingungen im Auslande.
6 1 Oesterreich⸗Ungarn.
5. Februar, 12 Uhr. K. K. Eisenbahn⸗Ministerium zu Wien: Lieferung aller Bauarbeiten auf dem tralbahnhofe Karlsbad und auf der Strecke zwischen diesem und dem Bahnhofe Karlsbad.
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