Laut telegraphischer Meldungen an das Ober⸗Kommando erzog“ der Deutsch⸗Ostafrika⸗ M. S. „Condor“, Trans⸗ it zur See Förtsch, am 15. Juni mpfer „Darmstadt“ des Nord⸗
der Marine ist der Dampfer „ Linie mit der Ablösung für S.
ortführer: Unter⸗Lieutenan in Sansibar und der Da deutschen Lloyd mit Transportführer:
Kommandant:
der Ablösung f
See gegangen.
Kreuznach, 15. Juni.
Prinz Kaiserli
8
en August Wilhelm
chen und Königlichen Majestäten, sind heute Vormittag
hier eingetroffen.
Das „Deutsche Kolonialblatt“ vom 15. d eine Kaiserliche Verordnung vom 25. Mai d. J., be⸗ die Erfüllung der Dienstpflicht Südwest⸗Afrika. derselben erhalten die zur Ableistung ihrer aktiven Dienstpflicht für Südwest⸗Afrika eingestellten sie noch in Ausübung ihrer gesetzlichen nung von monatlich 50 ℳ, an kriegerischen Unter⸗
Schutztruppe aller sonstigen Gebühr⸗ Schutztruppe zugetheilten Die Einjährig⸗Frei⸗
treffend Kaiser
in die Kaiserliche Schutztruppe Wehrpflichtigen, solange Dienstpflicht begriffen sind, eine Löh für die Dauer ihrer Theilnahme nehmungen . volle Reiterlöhnung.
nisse si
deutschen Mannschaften gleichgestellt. erhalten freie Unterkunft nach Maßgabe der örtlichen
willigen Verhältn
für der Kommando
nommen bekleiden
sind berechtigt, gegen eine die Naturalverpflegung der Trupp
stattung
Deutsche Kolonien.
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lichen Schutztruppe für
bei Hinsichtlich
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der
dogogon die 459* S9!” 82
nisse. Abgesehen von kriegerischen en Dauer die Fürsorge in diese auf Rechnung der wird, haben sie sich selbst
ausrüsten, sowie gegen eine Entschädigung
der Truppe beritten machen zu lassen. ist für die Unterhaltung des Pferdes, des Hufbeschlags und sonstiger Vergütung nicht zu entrichten.
Betrage
wurden
8
Kesterreich⸗Ungarn.
Die Mitglieder der österreichischen Quo en⸗ gestern davon verständigt, daß die mündlichen Ver⸗
handlungen beider Ouoten⸗Deputatio
in Wien Der „W. T.
Kundgebung, in der er jede Erhöhung für unzulässig erklärt, dringend die Re
fortgesetzt werden. sozialdemokratische
B.“ aus Wien meldet, an
frage fordert, es aber ablehnt, chauvinistisch irgend welcher nationalen bürgerlichen Part
leisten, und für allgemeines,
eintritt.
Eine Note der
der letzten Zeit häuften sich die von Häusern, die Deutschen und
8 worden seien, aus denen
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forschungen hätten ergeben, daß Thüren von Tschechen und Christen
gebracht die Deut
ruhen zu machen, um dadurch vie
Polizeidirektion in Anzeigen,
schen Prags habe schließen können. die
der nächsten Tage zu stören.
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folge, w
emeinden, zumeist von Handw usschreitungen verübt un
Gendarmerie von der
getroffen.
In einer vorgestern Abend in Wien ab beschäftigte sich der Polenklub mit
cessen Beschluß rüstung
lhr schädlich sind;
den galizischen Bezirken Jaslo und Kolaczyce der in Lemberg erscheinenden „Gazeta Lwowska“ zu⸗ wurden in einigen Nachbar⸗ erksburschen, antisemitische eitu und in einigen jüdischen Wirths⸗ häusern die 111 In einer Ortschaft mußte die
r 3 affe Gebrauch machen. ein Ruhestörer getödtet und eine Anzahl derselben verhaftet. In Gorlice versuchten 400 Bauern, wurden jedoch von Gendarmen zu halterei hat Anordnungen zur
ieder Ruhe; dagegen
in Galizien und faßte . Der Polenklub verurtheilt die umstürzlerischen Excesse,
welche indem der
Polenklub
ätigkeit des Statthalters anerkennt, wird
des Polenklubs beauftragt, bei Leiter des Ministeriums des Inn eine energischere Unterstützung
dem Minister
die umstürzlerischen Unruhen auftreten könne.
Das
estern über die Vorlage, beschuldigte die falsche Abrechnungen vorlegten, um Verzehrungssteuer tung entstand Banffy und infolgedessen nach S
fordern,
ungarische
Gemeinden und zu verheimlichen.
wi
golon
fall seine Erledigung. Der Präsident des Magnaten
hauses Wilhelm von Toth
ist vorgestern in Nyitra⸗Ivanka gestorben.
Gestern trat im um über die durch
kammer Mélin 6 der Präsi
geschaffene Lage zu
Frankreich
die vorgestrige e . berathen. überreichte die Demission des Ka
dent der Republik Faure annahm.
Korvetten⸗Kapitän Re⸗ Kiautschou eingetroffen; S. M. S. „Prinzeß Korvetten⸗Kapitän mit Ober Truppel, ist am 15. Juni von Nagasaki nach Manila in
Ihre Königlichen Hoheiten die und Oskar, Söhne Ihrer
Landesverwaltung über⸗ 1 zu verpflegen, zu und auszurüsten sowie auch beritten zu machen. Sie Vergütung von täglich 2 ℳ sich in 1 e aufnehmen, gegen Er⸗ der Selbstkosten aus Truppenbeständen bekleiden und
Neben dem letzteren
Aufwendungen, eine besondere
Verband richtete, wie die Wählerschaft eine der Verbrauchssteuern gelung der Sprachen⸗
gleiches, direktes Wahlrecht
Prag besagt: In daß an den Thüren Juden gehören, Zeichen an⸗ man auf eine Proscribierung Umfassende Nach⸗ Zeichen auch an den G gehörigen Häusern an⸗ worden seien, sodaß es sich nur darum handeln dürfte, schen zu beunruhigen oder auch Propaganda für Un⸗ lleicht die Nationalfestlichkeiten
Ruhestörungen zu begehen, rückgetrieben. Aufrechterhaltung der Ruhe
gehaltenen Sitzung den antisemitischen einhellig mit größter Ent⸗
Präsidenten als ern und bei dem Justiz⸗Minister zer . der Thätigkeit des Statthalters in Galizien zu erbitten, damit derselbe mit allen Kräften gegen
Abgeordnetenhaus verhandelte betreffend die Verzehrungssteuer.
ihr Einkommen aus der n. Wegen dieser Behaup⸗ chen dem Minister⸗Präsidenten Baron i ein heftiger Wortwechsel. luß der Sitzung den Minister⸗Präsidenten welcher ebenfalls seine Frger nannte.
Konferenz der beiderseitigen Zeugen fand indess
Elysée der Ministerrath zusammen, Feg der Deputirten⸗ Der Mi
ür Ost⸗Asien, incke, heute in ß Wilhelm“, st⸗Lieutenantsrang
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Später empfing der Präsident Faure und Deschanel zu einer Besprechung. 1 8
Spanien.
Der Minister des Aeußern Herzog de Almodovar hat, wie „W. T. B.“ aus Madrid erfährt, dem früheren spanischen Legationssekretär in Washington du Bosc und dem Lieutenant Carranza den Befehl gegeben, Canada zu ver⸗ lassen. Der Befehl hängt mit den Reklamationen zusammen, zu welchen ihr Aufenthalt daselbst geführt hat.
In der gestrigen Sitzung des Senats wünschte der Marquis Corvera die Regierung über die Verletzungen des Völkerrechts zu interpellieren, welche die Amerikaner vollführt hätten. Der Minister des Aeußern Herzog de Almodovar weigerte sich indessen, zu antworten, mit der Begründung, daß jede Diskussion über die auswärtigen Angelegenheiten die moralische Kraft der Regierung mindern würde.
In der Deputirtenkammer erklärte gestern der Kriegs⸗ Minister Correa in Beantwortung einer Anfrage, daß Guan⸗ tanamo nicht mit Santiago verbunden sei. Es sei daher nicht auffallend, daß man nicht wisse, ob den Amerikanern die Lan⸗ dung geglückt sei. Falls die Nachricht wahr sei, habe man keinen Grund, sie zu verbergen. Sobald man Nachrichten besitze, werde man dieselben veröffentlichen. Die Kammer nahm hierauf einen Antrag der Republikaner an, welcher dahin geht, ein Gesetz, betreffend die allgemeine Wehrpflicht, in Vorschlag zu bringen.
Amerika.
Aus Havanna meldet „W. T. B.“ vom gestrigen Tage: Drei spanische Kreuzer verließen am Montag die Bay, um die Stellungen des amerikanischen Geschwaders auszukundschaften, welches sich zurückgezogen hatte. — Ein amerikanisches Kanonenboot erschien später unter der Parlamentärsflagge vor Havanna, um dem englischen Konsul von dem englischen Botschafter in Washington übersandte Briefe zuzustellen. Die Deehegettigung zur Ueber⸗ gabe der Briefe wurde ertheilt, doch durfte das Kanonenboot sich dem Hafen nicht nähern. — Einige amerikanische Schiffe versuchten, sich der Küste su nähern, zogen sich aber vor dem Feuer der Batterien zurück.
Ueber den Zweck der bei Santiago de Cuba aus Washington mitgetheilt, daß Flotte entweder zu zerstören oder wegzunehmen. So⸗ bald dieser Zweck erreicht sein werde, würden die Truppen na einer anderen Oertlichkeit gesandt, und den Aufständischen werde cs überlassen werden zu ver⸗ hindern, daß Santiago von den Spaniern wieder besetzt werde. Die Ss. zweifelten indessen an der Geschicklichkeit der Aufständischen; es sei daher wahrscheinlich, daß eine kleine Truppenabtheilung sowie einige amerikanische Kreuzer zurück⸗ gelassen würden, um den Hafen zu bewachen.
Aus Guantanamo ist in New York ein Telegramm vom Dienstag Abend eingetroffen, dem zufolge die amerika⸗ nische Marine⸗Infanterie eine 400 Mann starke spanische Truppenabtheilung geschlagen habe. Ein Amerikaner sei leicht verwundet worden, die Spanier hätten einen Verlust von etwa 40 Todten erlitten. — Eine weitere Depesche besagt, daß eine Patrouille von amerikanischen Soldaten gestern Abend mit achtzehn spanischen Gefangenen, unter denen sich ein Offizier befunden habe, etwa 100 Mausergewehren und 10 000 Patronen ins Lager zurückgekehrt sei. Die Amerikaner hätten gemeldet, daß in den verschiedenen Gefechten mit den Spaniern der Verlust der letzteren auf 100 Todte und 200 Ver⸗ wundete sich beziffere.
Nach einem Telegramm des Admirals Sampson an das Marine⸗Departement in Wasington haben die ameri⸗ kanischen Truppen unter General Rabi mit Hilfe der Auf⸗ ständischen unter Garcia die Stadt Acerraderos besetzt.
Die zweite amerikanische Expedition nach Manila, welche gestern von San Francisco abgegangen ist, wird von Honolulu ab von Kriegsschiffen begleitet werden.
In Lima ist gestern der Kongreß der Republik Peru zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten, um über das Protokoll zu verhandeln, das von Billinghurst, dem Delegirten von Peru, und Latorre, dem Vertreter von Chile, redigiert wurde und die Provinzen Tacna und Arica betr ifft.
Asien.
Landung amerikanischer Truppen wird dem „Reuter'schen Bureau“ beabsichtigt sei, die spanische
Der Kaiser von China hat, einer Meldung des „W. T. B.“ aus Peking zufolge, Li⸗hung⸗chang und Chang⸗yin⸗huan die dritte Stufe der ersten Klasse des Doppelten Drachen⸗Ordens verliehen.
Von der russischen Behörde sind die chinesischen Wächter des Zoll⸗Leuchthauses in Liaotieshan entlassen worden. Infolgedessen befindet sich das Leuchtfeuer am Eingang des Golfes von Petschili nunmehr in russischen Händen.
Die „Agence Havas“ meldet, eine französisch⸗belgische Gruppe habe die Konzession für den Bau einer Zentralbahn von Hankau nach Peking und eine französische Gruppe dint Kontession für eine Anschlußbahn 1ee Schansi er⸗ alten.
Die Lage in Manila ist nach einem in Madrid einge⸗ troffenen Telegramm des General⸗Gouverneurs der Philippinen vom 8. d. M. andauernd sehr ernst. „Der Feind“, so heißt es in dem Telegramm, ‚„umgiebt die Stadt; ich habe die Truppen zuruͤck⸗ gezogen, um sie zu konzentrieren. Die Blockhauslinie ist ver⸗ stärkt durch Erdarbeiten, wo unsere Truppen sich schlagen können. Jede Verbindung ist nach wie vor abgeschnitten. Ich erwarte den General Monet mit Verstärkungen, aber man hat keine Nach⸗ richt, wie die Truppen ankommen werden. Die Bevölkerung befürchtet eine Niedermetzelung durch die Rebellen und zieht C“ vor; ich weiß nicht, wann dies beginnen wird.“ .
Afrika.
Eine Note der „Agence Havas“ hebt hervor, die neue, durch die Niger⸗Convention anerkannte Grenze der west⸗ afrikanischen Kolonie Frankreichs sei 3000 km lang; alle französischen Kolonien in West⸗Afrika seien nun⸗ mehr in ihren Hinterländern unter einander verbunden, Unter anderem erhalte Frankreich durch diese Kon⸗ vention das ganze Ostufer des Tsad⸗Sees, von Barrua bis fur Schari⸗Mündung. Die Note schließt: Das Uebereinkommen önne nur die günstigsten Folgen F8 die Beziehungen Frank⸗ reichs zu England sowie für die esammtlage Frankreichs in Afrika haben. —
binets, welche
88
Nr. 24 der „Veröffentlichungen des Gesundheitsamts“ vom 15. Juni hat folgenden Inhalt: heitsstand und Gang der Volkskrankheiten. — gegen Pocken. — Ge sundheitswesen im Reg. Bez. Hildes heim, 1892/94 — Mittheilungen aus Britisch⸗Ostindien, 1896/97. u. s. w. (Preußen.) — Betriebe mit elektrischen (Reg.⸗Bez. Oppeln.) — Maul-⸗ und Klauenseuche ꝛc. Kanton Zug.) Baugesetz. — ( rankreich.) Margarine — Apothekergewerbe. Belgien. Thierseuchen in Belgien, 1. Vierteljahr.
Gesund
Leitungen. — — (Schweiz.
Zeitweilige Maßregeln
Kaiserlichen
Gesetzgebung
nkrei und Butter. efährliche zꝛc Betriebe. — Gang der — Desgl. in Bulgarien. —
Rinderpest in Süd⸗Afrika. — Zeitweilige Maßregeln gegen Thier⸗
seuchen. (Württemberg, Schwez, Niederlande, Argentinien.) — Vermischtes. (Oldenburg.) Pferdezucht. — Geschenk⸗ liste. — Wochentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. — Desgl. in größeren Städten des Auslandes. — Erkrankungen in Krankenhaäusern deutscher Großstädte. — Desgl. in deutschen Stadt⸗ und Land bezirken. — Witterung. — Grund⸗ wasserstand und Bodenwärme in Berlin und München, April.
Nr. 24 des „Centralblatts der Bau verwaltung“, heraus⸗ gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 11. Juni hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienstnachrichten. Nichtamtliches: Das Gerichtsgebäude in Birmingham und die neuere Terracotta⸗ Bauweise in England. (Schluß.) — Der Wettbewerb um das Berger⸗Denkmal bei Witten. — Ueber Streckenblockierung. — Friedrich Geselschap †. — Vermischtes: Ehrengrab für K. von Hasenauer. — Preisbewerbung um ein Denkmal der deutschen Einheitsbestrebungen in Frankfurt a. M. — Wettbewerb um Pläne für einen Neubau auf dem Grundstücke der Lange⸗Stiftung in Hannover. — Wettbewerb um Entwürfe für den Neubau einer katholischen Kirche in Lodz. — Brandprobe mit Mueller'schen Decken. — Neue Patente.
Nr. 19 des „Eisenbahn⸗Verordnungsblatts“, heraus⸗ hegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 11. Juni, at folgenden Inhalt: Gesetz, betreffend den Staatshaushalt, vom 11. Mai 1898. — Gesetz, betreffend die Erweiterung und Vervoll⸗ ständigung des Staatsersenbahnnetzes und die Betheiligung des Staates an dem Bau von Kleinbahnen, vom 20. Mai 1898. — Allerhöchfter Erlaß vom 23. Mai 1898, betreffend Bau und Betrieb der in dem Gesetze vom 20. Mai 1898 (Gesetz⸗Samml. S. 91) vor⸗ gesehenen neuen Eisenbahnlinien. — Erlaß des Ministers der öffent⸗ lichen Arbeiten: vom 26. Mai 1898, betreffend Besoldungsdienstalter der Militäranwärter für mittlere Beamtenstellen. — Nachrichten. 8
Kunst und Wissenschaft.
Die Königliche Akademie der Künste widmet ihrem ver⸗ storbenen Mitgliede, dem Maler Friedrich Geselschap folgenden Nachruf:
„Unter den Leidtragenden, die um den Tod Friedrich Geselschap's trauern, stehen in erster Reihe der Senat und die Genossenschaft der Mitglieder der Königlichen Akademie der Künste.
Die Gesammtheit derselben fühlt sich schwer getroffen, denn der Mann, der nun die Augen für immer geschlossen hat, war nicht nur durch sein künstlerisches Schaffen eine Zierde der Akademie, er war zugleich der Freund und Berather aller Mitstrebenden, die, wie er, in der Kunst die geistigen Schwingen suchten, welche unser Volk über den Staub der Alltäglichkeit zu erheben bestimmt sind. Friedrich Geselschap war der genialste Vertreter der deutschen Monumentalmalerei unseres Jahrhunderts: eine Künstlerseele, die aus kleinen Verhältnissen sich emporkämpfte, und im Ringen um das tägliche Brot nie vergaß, die böchsten Anforderungen auch an die geringe Aufgabe zu stellen. Ihm galt noch die einfältige Wahrheit, daß der Gegenstand der Kunst das Schöne und Maßstab des Schönen die Harmonie sei; daß aber die Götter den Kranz nur dem gewähren, der im Schweiß seines Angesichts und in ernster Wahchaftigkeit darum gerungen hat. So läßt sich der Mensch in ihm vom Künstler nicht trennen; dem hohen Flug seines Genius entsprach eine reine, einfach und einheitlich empfindende Seele, die in der Praxis des Lebens dem Goethe'schen Ideal entsprach: „Edel sei der Mensch, hilf⸗ reich und gut.“
Die Welt kennt nur wenig von dem, staunlich reicher Produktivität geschaffen hat. Anfängen haben sich nur spärliche Reste erbalten; seine römischen Studien, die zahlreichen Kopien nach Rafael und Michelangelo sind von dem Allzufreigebigen in alle vier Winde verstreut worden, oder ruhen noch in der langen Reihe von Mappen, die seine Entwürfe und Vorarbeiten zu großgedachten Kompositionen verbergen; sie werden einst zeigen, wie er sich literarisch mit dem richtigen Gefühl des Künstlers für einfache Größe an der Bibel, an Homer Dante inspirierte und gleichzeitig am Studium der Meister des Cinque Cento einen nie trügenden Sinn für den nothwendigen Zu⸗ sammenhang von Architektur und Malerei gewann. Auch die Farben⸗ technik der Alten beschäftigte ihn lebhaft; er suchte das im Jammer des 30 jährigen Krieges verlorene Geheimniß ihrer Farbenmischung, die Verbindung höchster Farbenwirkung mit höchster Dauerhaftigkeit und meinte bereits dem Ziele nahe zu stehen. Es haben sich Skizzen und Studien von ihm erhalten, die sich kühn dem Besten an die Seite stellen lassen, was auf diesem Gebiete geleistet worden ist.
Aber erst als Geselschap 1872 aus Rom nach Berlin über⸗ siedelte, und auch da nur nach einer Periode schweren Riugens mit den Mühseligkeiten des Lebens, fanden sich für ihn die Aufgaben, an denen er seine volle Kraft entfalten konnte. Die leider nicht im Großen ausgeführten herrlichen Entwürfe für die Kaiserpfalz in Goslar, die Wandgemälde im Sitzungssaale der Reichsbank, die Mosaiken an der Fassade des Gewerbe⸗Museums, eine Reihe von Kompositionen für Privatbauten, in denen Phantasie und Humor des Künstlers zu gleich fröhlicher Entfaltung gelangten, ebneten ihm endlich den Weg und trugen ihm den Auftrag ein, nach dessen Ausführung er wider⸗ eelg die erste Stelle in der Reihe unserer Historienmaler ein⸗ nahm.
Der Triumphzug am Fries des Kuppelsaales der Herrscherhalle inseres Zeughauses ist ein Hymnus patriotischen Dankes, wie ihn die großen Jahre 1870 und 1871 in der Seele des Künstlers lebendig werden ließen. Die durchsichtige Klarheit des Gedankens, die jeden Kommentar überflüssig macht, die Schönheit der Formen, der bewegte Rhythmus der schwebenden Gestalten — das Alles vereinigte sich zu einem Ganzen von nicht übertroffener Wirkung. Man hat ihn nach Vollendung dieses Triumphzuges wohl den Deutschen Rafael genannt; an die markige Kraft Michelangelo's erinnert „Der Krieg“, und die folgenden drei Gemälde: „Die Aufrichtung des Reiches“, „Der Friede“ und „Walhalla“ schließen in schöner Einheitlichkeit den Cyclus ab.
Für Geselschap waren die Jahre, welche er dieser Arbeit widmete, eine köstliche Zeit des Genusses, wie ihn nur der schaffende Künstler empfindet; zugleich aber eine Zeit höchster Anspannung seiner physischen und psychischen Kräfte. Bewunderungswürdig ist die vornehme Sicher⸗ heit, mit welcher er die Schwierigkeiten einer für andere Zwecke berech⸗ neten Architektur überwand, epochemachend die Erprobung einer neuen
arbentechnik, die bewußt auf Effekte des Augenblicks verzichtete, um Bleibendes zu schaffen, und wabrhaft 1”e die Spann⸗ kraft, die ihn ein schweres physisches Leiden, das jede Bewegung erschwerte, mißachten, und das Ganze trotz allem zu rühmlichem Ab⸗ schluß gelangen ließ. Nun aber folgte der Rückschlag. Die politische Wandlung, die das Jahr 1891 brachte, bekümmerte ihn tief. Er hing mit der ganzen Leidenschaft, deren er fähig war, am Fürsten Bismarck, und ein schwerer politischer Pessimismus, der erst in seinem letzten Lebens⸗ 9 zu schwinden begann, lastete fortan auf ihm. Auch seine perfön⸗
was Geselschap in er⸗
ichen Peebgttnisf begannen ihn zu drücken. Es dauerte lange, ehe sich neue Aufgaben ür ihn fanden; sein körperliches Leiden steigerte sich 8
Von seinen⸗Düsseldorfer
Schweden, Japan,
u unleidlichem Schmerz; er d sich zu einer Operation ent⸗
schließen, die dann noch zweimal wiederholt wurde, und endlich Linderung der Qualen, aber keine Heilung brachte; bis an sein Lebens⸗ ende bat er eine offene Wunde am Bein mit sich herumgetragen. Er hatte das Gefühl, als seien ihm die Schwingen geknickt, und erst nach Jahren rang er sich zu einer Stimmung der Resignation durch, die ibm das Leben wieder erträglich machte. Auch diesmal war es seine tapfere Seele, die dem siechen Körper emporhalf. Zwei neue große Aufgaben waren an ihn herangetreten: In der Friedenskirche zu Potsdam sollte er in Räumen, die allen Wünschen des Künstlers ent⸗ sprachen, die Lebens⸗ und Leidensgeschichte Christi darstellen, in Ham⸗ burg konkurrierte er mit Entwürfen, welche die prachtvollen Wände des neuen Rathhauses unserer größten See⸗ und Handelsstadt zu zieren bestimmt waren. Es ist ihm noch vergönnt gewesen, seinen Skizzen die endgültige Fassung zu geben. Von einem der Potsdamer Gemälde war der Karton schon im Großen fertig, da fühlte er seine Kraft erlahmen; eine Erholung war unerläßlich und in Italien, das ihm wie eine zweite Heimath vertraut war, dachte er sie zu finden, um dann in Rom, mitten unter den ewig neuen Anregungen, die ihm das stets erneute Studium der großen Italiener und der Antike bot, beides zu Ende zu führen. Auch ein Mausoleum für den Herzog von Anhalt sollte hier vollendet werden. Da hat, seinen Freunden völlig unerwartet, der Tod ihn fortgerafft. Geselschap litt, wie die Obduktion ergeben hat, an einem schweren Gehirnleiden, das sich schon im Lauf des Februar als Verfolgungs⸗ wahn äußerte, ihm aber sonst die Klarheit des Geistes 883 Noch wenige Wochen vor seinem traurigen Ende zeigen seine Briefe keiner⸗ lei Spuren einer geistigen Umnachtung. Es wäre ohne Zweifel möglich gewesen, durch Ueberführung in eine Nervenanstalt ihm das Leben zu erhalten; aber seine geistige Freiheit war trotz Allem un⸗ rettbar verloren. Wir kennen die Gründe nicht, die das Nächstliegende versäumen ließen. ““ -
Und so ist er hingegangen; auf dem protestantischen Kirchhof an der Cestius⸗Pyramide, unter einem Lorbeerbaum, neben Goethe's Sohn, hat man ihn beigesetzt. Auch die Akademie der Künste hat dem Ge⸗ nossen und Freunde einen Kranz aufs Grab gelegt. Sie ehrte den genialen Künstler und den herrlichen Mann!
Denn auch als Mensch verdient Geselschap nicht minder Be⸗ wunderung denn als Künstler. Eine durchsichtige Kinderseele, rein und klar wie Quellwasser, allem Guten und Edlen zugänglich, allzeit muthig eintretend für seine Ueberzeugung, stützend und fördernd überall da, wo er ernstes Streben erkannte oder wo es galt Bedürftigen zu helfen. Er ist viel mißbraucht worden — aber nie wurde er irre an seinem deutschen Volke. Er konnte zürnen und richten, wo die Gemeinheit ihm den Weg kreuzte; im Verkehr mit Freunden und Bekannten war er gütig, nachsichtig und unendlich anregend, wenn er auf das Gebiet zu reden kam, das er als Meister beberrschte.
Geselschap war kein Freund der neuen Richtung in der Malerei. Was er ihr vorwarf, war die pietätlose Vernachlässisung des Studiums der großen Alten. Er verdammte nicht die Kühnheit, die nach neuem strebte, wohl aber das Verkennen der letzten Ziele der Kunst; nicht das Natürliche war ihm das Schöne, sondern die durch die Idee des Künstlers vergeistigte Natur. Niemand drang lebhafter als er auf das Studium der Wirklichkeit, aber sie war ihm Mittel, nicht Selbstzweck. Geselschap's Bildung war nicht universal, aber tief eindringend. Er kannte das Beste; erschöpfend war sein Wissen nur auf dem Gebiete seiner Kunst; wollte er sich an Poesie und Musik erquicken, so kehrte er stets zu den alten Lieblingen zurück. In der Politik folgte er seinem Herzen.
So wird die deutsche Nation, wenn sie ihn einst voll kennen lernt, in ihm einen ihrer besten Männer verehren; der deutschen Kunst aber bleibt er ein Leitstern, der künftigen Generationen den Weg weisen wird zu den Höhen des künstlerischen Ideals.
Ehre seinem Andenken!“ Beellin, den 16. Juni 1898. . Der Gesammtsenat und die Genossenschaft der Mitglieder der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin Der Präsident. H. Ende.
Um über eine Ehrung für Friedrich Geselschap zu be⸗ rathen, trat die Königliche Akademie der Künste am 10. d. M. zu einer außerordentlichen Sitzung, an der sich der Gesammtsenat und die Genossenschaft betheiligten, zusammen. In ergreifenden Worten schilderte der Präsident den unersetzlichen Verlust, den die Akademie und die deutsche Kunst durch diesen Tod erlitten hat, und tief bewegt folgte die Versammlung seinen Ausführungen. Bei Erwähnung der pietätlosen Auslassungen, mit denen eine sonst geachtete hiesige Zeitung die erste Nachricht von dem Todesfall begleiter hatte, verhehlten die Anwesenden nicht ihren Unwillen und erklärten einstimmig, den schon erfolgten Protest dagegen auch zu dem ihrigen zu machen.
Ueber die letzten Tage Geselschap's gaben Briefe der Professeren Fans Migver und Meurer in Rom, die der Präsident verlas, ausführ⸗ iche Nachricht.
Im weiteren Verlauf der Sitzung faßte die Versammlung darauf folgende Beschlüsse: 3 1
1) Die Königliche Akademie der Künste wird für die Errichtung 8 würdigen Denkmals auf dem Grabe des Verstorbenen Sorge
ragen;
2) sie nimmt eine Ausstellung seiner Werke im Akademiegebäude in Aussicht; 8 8 8
3) sie wird sich bemühen, die Erwerbung seines künstlerischen Nachlasses durch die Königliche Staatsregierung herbeizuführen.
Die Ausstellung von Werken der modernen Kunst⸗ töpfexei im Königlichen Kunstgewerbe⸗Museum ist bis zum 3. Juli verlängert worden, da Ende Juni die Töpferei⸗Genossenschaft und der Verband der keramischen Gewerke ihre Sitzungen in Berlin ab⸗ halten werden und das Interesse an der Ausstellung in diesen Kreisen erklärlicher Weise ein besonders großes ist. Eine Vereinigung pezifisch moderner Arbeiten und Verfahrungsweisen ist bisber weder n Deutschland noch im Auslande in gleicher Vollständigkeit vor⸗ geführt worden. 6“ 88
Die Malereien der Sakramentskapellen in der Katakombe des hl. Callistus. Von Dr. Joseph Wilpert. Mit 17 Illustrationen. Freiburg i. Br., Herder'sche Verlagshand⸗ lung, 1897. Pr. 3 ℳ 60 . — Eines der wichtigsten Denkmäler unter den bildlichen Darstellungen der ersten christlichen Jahrbunderte sind die s. g. Sakramentskapellen in der Katakombe des hl. Callistus in Rom. Diese Reihe von mit Fresken geschmückten Kammern und Nischengräbern wurde während der Dicokletianischen Verfolgung verschüttet und erst neuerdings durch de Rossi wieder aufgedeckt. Für en inneren Zusammenhang und die liturgische Bedeutung der Fresko⸗ gemälde in diesen Kammern hat sich nach de Rossi auch Kraus in seiner vortrefflichen „Geschichte der christlichen Kunst“ ausgesprochen. Hieran ält auch Dr. Wilpert, einer der tüchtigsten Schüler de Rossi's, fest. Dagegen tritt er in der Deutung einzelner Darstellungen des Cyelus de Rossi, Kraus und anderen Archäslogen entgegen. Seine gründ⸗ lichen Ausführungen sind durchgehends beachtenswerth, wenngleich das letzte Wort in diesen Fragen auch jetzt noch nicht überall gesprochen sein dürfte. Besonders werthvoll ist die Wilpert'’sche Arbeit durch die genaue Wiedergabe der Bilder, deren Erklärung, weil sie früher auf unzuverlässigen und willkürlich ergänzten Arbeiten mangelhaft ge⸗ schulter Kopisten fußte, wiederholt in Irrthümer verfallen war.
8 8 ’ 8
Literatur.
Buch der Erfindungen, Gewerbe, und Industrien. Gesammtdarstellung fühn Gebiete der gewerblichen und lnuftrügn. Arbeit, sowie von Weltverkehr und Weltwirthschaft. Neunte, vec. aus neugestaltete Auflage. Bearbeitet von Fachmännern. Voll⸗
ständig in 10 Bänden, Preis geheftet je 8 ℳ, in Halbfranzband je 10 ℳ Auch in 160 Heften zu je 50 ₰, oder in 400 wöchentlich erscheinenden Lieferungen zu je 20 ₰ besiehbar. Leipzig, Ver⸗ lag von Otto Spamer. — Spoeben ist, nachdem ihm be⸗ reits vier andere vorangegangen, der zweite Band des Werkes in der neuen Auflage erschienen Er behandelt ein außer⸗ ordentlich reiches Stoffgebiet: die Kräfte der Natur und ihre Benutzung. Im ersten Theil bespricht Ingenieur Rosenboom in anziehender, leicht verständlicher Form das Wesentlichste der Mechanik. Unter steter Beniehung auf das praktische Leben werden die Grund⸗ begriffe der Mechanik, die Gesetze der Schwere und ihre Anwendung, das Pendel, der Hesc darunter die technischen Wagen, die hydrau⸗ lischen Gesetze und endlich die Mechanik der luftförmigen Körper be⸗ handelt. Besondere Beachtung verdient der Abschnitt über Luft⸗ schiffahrt und Flugmaschinen, der bereits die allerneuesten Ver⸗ suche auf diesem Gebiet berücksichtigt. Der zweite Theil, bearbeitet von Professor Dr. Grunmach, giebt eine Dar⸗ stellung der physikalischen Erscheinungen und Kräfte, sowie ihrer Erkenntniß und Verwerthung im praktischen Leben. Nach einer Ein⸗ leitung über Maße und Messen folgt ein interessantes Kapitel über den Schall; dann werden ausführlich die Erscheinungen des Lichtes und ihre praktische Anwendung in der Photometrie, beim Spiegel, Prisma, Spektrofkop, der Camera obscura, dem Panorama, dem Stereoskop, Teleskop und endlich beim Mikroskop geschildert; Ab⸗ schnitte über Wärme, Magnetismus, Elektrizität und Galvanismus schließen sich an. In dem Kapitel über die Wirkungen des galvanischen Stromsz findet man eine umfassende, durch gute Abbildungen erläuterte Darstellung der überraschenden Entdeckungen des Professors Röntgen. Dieser Theil ist in seiner Art eine Musterleistung. Zugleich knapp und klar ist auch der dritte, von dem Ingenieur Rosenbvom bearbeitete Theil, der die für unsere Zeit hoch bedeutsamen Kraftmaschinen be⸗ schreibt. Mit stets wachsendem Interesse folgt man den Ausführungen des Autors von den ersten Versuchen, das Bedürfniß nach größeren Kräften als die Muskelkraft des Menschen zu befriedigen, bis zu dem heutigen Stande der Maschinentechnik. Die Darstellung der einfachsten Windräder, Wasserräder und Turbinen fesselt nicht weniger als die Ausführungen über die Prinzipien der Dampfkessel und Dampfwaschinen, der Gas⸗ kraftmaschinen, Benzin⸗ und Petroleum⸗Motore ꝛc. Auch dieser Ab⸗ schnitt ist begleitet von zahlreichen, vortrefflichen Illustrationen, die stets zur Stelle sind, wo das geschriebene Wort der bildlichen Er⸗ gänzung bedarf. Die Verlagsbuchbhandlung zeigt sich nach alledem auch in der neuen Auflage erfolgreich bestrebt, das in seiner Art ein⸗ zige populäre Werk auf der Höhe des Ansehens zu erhalten, das es seit seinem ersten Erscheinen genießt. Für Handelsschüler oder Jünger
der Industrie giebt es noch immer kein empfeblenswertheres Buch zur
allgemeinen Vorbildung für ihre Fächer als das vorliegende.
I11“
Land⸗ und Forstwirthschaft.
Saatenstand in Ungarn.
Nach den beim ungarischen Ackerbau⸗Ministerium am 11. d. M. eingelangten Berichten ergiebt sich folgende, in der amtlichen „Wiener Zeitung“ veröffentlichte Ertragsschätzung, bei welcher der Ausfall infolge von Elementarschäden berücksichtigt ist: Für
Schätzung am Vorjähriger 30. Mai Ertrag 1 Meterzentner Weizen 33 755 072 33 704 730 24 472 241 Roggen 9 835 899 9 640 211 8 928 643 Gerste .14 041 398 14 062 436 9 030 051 Hasfer.. 12 199 862 12 259 110 8 546 540
Im ersten Drittel des Monats Juni war das Wetter ver⸗ änderlich, in verschiedenen Theilen des Landes waren lokale Nieder⸗ schläge häufig. Sporadisch waren Gußregen und Hagel im Alföld und auf beiden Seiten der Donau. Im Tisza⸗Maroser Winkel trat häufig Nebel auf, welcher das Getreide schädlich beeinflußte und den beinahe im ganzen Lande aufgetretenen Rost förderte. Obzwar der hierdurch verursachte Schaden bisher nicht bedeutend ist, giebt er doch zu Besorgnissen Anlaß, da er in zahlreichen Orten des Landes ziemlich verbreitet ist, und da seine Verbreitung namentlich beim gelegten Getreide befürchtet wird. Ein bedeutender Theil des stehen⸗ den Getreides leidet hauptsächlich an Blattrost; in einzelnen Ko⸗ mitaten zeigt sich auch Brand, ohne jedoch bedeutenden Schaden ver⸗ ursacht zu haben.
Im allgemeinen hat das Getreide zugenommen, die Aehren sind gewöhnlich schön und mit geringen Ausnahmen voll. Es hängt nun⸗ mehr vom Wetter resp. von der Ausbreitung des Rostes ab, inwie⸗ weit die derzeitigen Ertragsaussichten verbleiben werden, die dem all⸗ gemeinen Durchschnitt entsprechen. Das mit „Winter⸗ und Sommerweizen bebaute Areal kann unter Berücksichtigung der Elementarschäden auf 5 Millionen Katastraljoch geschätzt werden. Der Gesammtertrag kann auf 32 bis 34 Millionen Meterzentner geschätzt werden, da die Entwickelung im Durchschnitt fortgesetzt befriedigend ist, indem der Rückgang in einzelnen Landes⸗ theilen durch die Besserung in anderen wettgemacht wird. Der zu erwartende Ertrag dürfte sich gleichwie im letzten Ausweise eher auf 7 als 6 Meterzentner per Katastraljoch stellen. Der We izen ist im Alföld und in einem großen Theile der ö und östlichen Komitate größtentheils schon abgeblüht. Das Wetter hat ihn wohl stellenweise ungünstig beeinflußt, trotzdem schreitet die Kernbildung im Durch⸗
nitt gut vorwärts.
sc des mit Roggen bebaute Fläche kann nach Abzug der von Elementarschäden betroffenen auf 1 600 000 Katastraljoch geschätzt werden. Der Roggen hat sich in letzter Zeit eher gebessert, und die Kernbildung ist mit geringen Ausnahmen befriedigend. Regen und Nebel verursachten ziemlich viel Schaden, trotzdem ist ein Ertrag von 9 bis 10 Millionen Meterzentnern zu erwarten, indem der zu er⸗ wartende Ertrag etwas mehr als 6 Meterzentner per Katastraljoch be⸗ agen dürfte. 1 g b erste reift schon theilweise, Sommergerste blüht zum großen Theil. Obzwar auch bei derselben Rost und stellenweise Brand aufgetreten ist, steht sie im allgemeinen Durchschnitt be⸗ friedigend, ist stellenweise sehr schön und giebt im Landesdurchschnitt auf einen Mittel⸗, stellenweise auf einen Gutmittel⸗Ertrag Aussicht. Das bebaute Areal kann auf zwei Millionen Katastralioch geschätzt werden, und es ist im Landesdurchschnitt ein Ertrag von beiläufig 4 Millionen Meterzentnern zu erwarten.
gä Hafer if an mehreren Orten Rost aufgetreten, auch Würmer und Unkraut. Im allgemeinen hat er sich kaum geändert. Das Wetter war seiner Entwicklung größtentheils günstig, und es darf im allgemeinen ein Mittel⸗, zum theil ein Guotmittel⸗Ertrag erwartet werden. Per Katastraljoch ist ein Ertrag von 6 ½ bis 7 Meter⸗ zentnern, d. i. 1e ein Ertrag von beiläufig 12 Millionen Meterzentnern, zu erhoffen. 1 e- Raps schnitt ist im Zuge. Der Ertrag ist im allgemeinen kaum mittel. Stellenweise verursachte der Regen großen Schaden. — Die Entwickelung der Maispflanze schreitet infolge des häufigen Regens schön fort, ebenso die Entwickelung der Hülsenfrüchte. — Die Berichte über die Entwickelung der I“ sind einhellig günstig. Hirse und Buchweizen haben sich Westen gut entwickelt. Hanf und lachs stehen zufrieden⸗ stelled. — Der Hopfen entwickelt sich schön und perspricht einen Gutmittel⸗Ertrag. Der Taback entwickelt sich schön. Die Zuckerrübe hat sich im großen Theil des Landes sehr gut entwickelt und verspricht ein befriedigendes Resultat. Die Futterrübe steht an mehreren Orten noch besser als die Zuckerrübe. Die Entwickelung der i. ist im allgemeinen günstig, der Ertrag der Wies 9 im allgemeinen mittel. Die Ertragsaussichten des Weinstocks haben sich nicht sehr gebessert. Die Aussichten auf den Obstertrag
werden immer schwächer. “
im
111“ in den Niederlanden.
Amsterdam, Anfang Juni 1898. Die Frühjahrssaaten sind in⸗ folge der vortheilhaften Witterung des Monats Mai gut zur Ent⸗ wickelung gekommen. Der Stand der Kartoffeln ist zufriedenstellend. Mit dem ersten Heuschnitt ist hier und da begon en worden; der Ertrag verspricht infolge der kühlen Witterung des Monats Mai ein reichlicher zu werden.
8 Rotterdamer Getreidemarkt.
In der ersten Hälfte des Mai blieb die Stimmung unter dem Eindruck des spanisch⸗amerikanischen Krieges und der zeitweisen Auf⸗ hebung der Getreidezölle in Frankreich, Spanien und Italien auf⸗ geregt bei weiter steigenden Preisen. Dann wurde jedoch die Kauflust bei der Steigerung der Zufuhr und infolge des Eintretens warmer Witterung beeinträchtigt, sodaß die Preise fielen. Selten ist der Markt so unruhig und sind die Preise so verschieden gewesen, wie in diesem Monat. 8
Weizen. Bei kleinen Anfuhren und stark auseinander laufenden Preisen wurden nur wenig Geschäfte abgeschlossen, da das Verhältniß der Weizenpreise zu denen des Mehls zu ungünstig war.
oggen. Die Nachfrage in Roggen konnte wegen geringen Angebots am Anfange des Monats nur theilweise befriedigt werden. Einige Geschäfte wurden in Petersburger Roggen gemacht. Später wurde das Angebot größer; doch sind bedeutendere Abschlüsse nicht bekannt geworden. 1
Gerste. Das Geschäft war bei fallenden Preisen sehr flau.
Hafer wurde im Preise anfangs höher als im Vormonat ge⸗ halten. fiel jedoch ebenfalls bald bei lustlosem Geschäft.
Mais. Der Umsatz war bei erst weichenden, dann höheren und schließlich stark fallenden Preisen bedeutend. Dabei schienen sowohl die Aufwärts⸗ wie die Abwärtsbewegung unnatürlich und übertrieben.
Gegen Ende des Monats wurde jedoch auch in diesem Artikel das Geschäft flau und ohne Nachfrage.
11 Getreidepreise und vorräthe ergeben sich aus nachstehender abelle:
Vorräthe
Getreidepreise und im Monat Mai 1898.
Last zu
2100 kg Fl.
Getreideart 2000 kg Last
Fl.
2400 kg Fl.
Weizen [230 — 275 Kurrachee .. 217 — 275
Roggen: Taganrog. Western. Nicolajew
(schwimmend) Donau
Gerste: Odessa.
Hafer: Amerikanischer Mais: Americ. mixed
Odessa. Cinquantin ohan.
350
168 — 180 158 — 190
175 145 — 172
108-128
90 — 125 105-135 115-142
100
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregeln.
Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.
(Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ Nr. 24 vom 15. Juni.)
Pest.
Egypten. Der Schiffsarzt des an den Mosesquellen in Qua⸗ liegenden Dampfers „Mehallah“ (vgl. Nr. 129 d. Bl.) ist am 22. Mai an Pest erkrankt und in der Nacht vom 26. zum 27. Mai
estorben; am 28. Mai wurden unter der Mannschaft zwei verdächtige älle gemeldet. b “
Hongkong. (Vgl. Nr. 129 d. Bl.) Zufolge einer Mittheilung vom 5. Mai hat die Seuche erheblich zugenommen; die Zahl der Erkrankungen betrug am 21. April 27 (mit 20 Todesfällen), am 5. Mai 39 (28) Vom 1. Januar d. J. bis zum 4. Mai wurden 753 Erkrankungen mit 662 Todesfällen festgestellt; demnach verliefen 87,9 % der Fälle tödtlich. Während die Seuche bis vor kurzem fast ausschließlich Chinesen heimsuchte und nur vereinzelte leichte Er⸗ krankungen von Europäern vorkamen, erlagen ihr Anfang Mai 3 Europäer, darunter 2 Krankenpflegerinnen des Hospitals.
Ching. In Swatau ist nach einer Mittheilung vom 28. April die Pest wieder ausgebrochen; eine Statistik über die Anzahl der Fälle besteht nicht, jedoch nimmt man an, daß in der Zeit vom 21. bis 28. April täglich 4 Erkrankungs⸗ und ebensoviele Todesfälle vor⸗
ekommen sind. In der Nachbarstadt Chapyang sollen in diesem
4
ahr der Pest bereits ungefähr 8500 Menschen erlegen sein.
Cholera. 1 Britisch⸗Ostindien. Kalkutta. Vom 1. bis 7. Mai sin 16 Personen an Cholera, 7 an Pocken und 131 an Fiebern ge-
storben. Verschiedene Krankheiten.
ocken: Moskau, Odessa, St. Petersburg je 2, Warschau 7 Lasaün. Regierungsbezirke Marienwerder 5, Münster 9, Ant⸗ werpen 2, Paris 5, St. Petersburg 17 Erkrankungen; Flecktyphus: Warschau 4 Todesfälle; St. Petersburg 4 Erkrankungen; Rückfall⸗ fieber: Moskau 2 Todesfälle; Genickstarre: New York 8 Todes⸗ fälle; Regierungsbezirk Stettin 2, Kopenhagen 13 Erkrankungen; Keuch⸗ husten: London 45 Todesfälle; Hamburg 54, Kopenhagen 76 Erkrankungen Influenza: Berlin, Moskau, Paris je 2, London 13, New York 3, St. Petersburg 4 Todesfälle; Milzbrand: Moskau 1 Todesfall; Wien 1 Erkrankung; Tollwuth: Moskau! Todesfall; epidemische Ohrspeicheldrüsen⸗Entzündung: Wien 52 Erkrankungen. — Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Masern (Durch⸗ schnitt aller deutschen Berichtzorte 1886/95: 1,15 %): in Bonn, Plauen — Erkrankungen kamen vor in Berlin 45, Breslau 249, in den Regierungsbezirken Düsseldorf 103, Königs⸗ berg 266, Posen 371, Schleswig 236, Sigmaringen 143, Wies⸗ baden 112, Hamburg 436, Budapest 86, Christiania 44, Edinburg 109, St. Petersburg 93, Prag 28, Wien 527 — an Scharlach (1886/95: 0,91 %): in Antwerpen — Erkrankungen wurden gemeldet in Budapest 30, Edinburg 40, Kopenhagen 24, London (Kranken⸗ häuser) 220, Paris 102, St. Petersburg 37, Wien 49 — desgleichen an Diphtherie und Croup in Berlin 57, Budapest 27, London (Krankenhäuser) 147, Paris 61, St. Petersburg 89, tockholm 48, Wien 44 — desgleichen an Unterleibstyphus in Paris 20,
St. Petersburg 160.
In S. ist
Kalkutta, 16. Juni. (W. T. I. aus Kalkutta
ein Pestfall vorgekommen. Ein Mo
starb an der Seuche. 8