welche das Ministerium ko Text der ministeriellen Erklärung, welche im
Spanien kommen werde;
Oesterreich⸗Ungarn.
Durch eine Verordnung des Gesammt⸗Ministeriums vom gestrigen Tage sind, nach einer Meldung des „W. T. B.“, für sämmtliche Bezirke Westgaliziens und drei Be⸗ zirke Ostgaliziens Ausnahmeverfügungen getroffen worden, bestehend in einer zeitweiligen Suspension der Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes über die persön⸗ liche das Hausrecht, das Briefgeheimniß, das Vereins⸗ und Versammlungsrecht sowie das Recht der freien Meinungs⸗ äußerung. Die Verordnung ist heute in Kraft getreten. — Der Statthalter von Galizien, der vorgestern in Neusandec eintraf, empfing daselbst zahlreiche De⸗ putationen von Landgemeindevorständen und Bauern des Bezirks, forderte sie auf, enecgisch die Ruhe und Ordnung aufrecht zu halten, warnte vor Agitatoren, welche lügenhafte Gerüchte verbreiteten, und stellte für den Fall, daß die Unruhen fortdauerten, schärfste Maßregeln in Aussicht. Später begab sich der Statthalter nach Altsandec. In den Bezirken Bochnia und Strzyzow herrscht vollständige Ruhe.
Aus Eger berichtet die „Neue Freie Presse“: Offiziere
des bayerischen Infanterie⸗Regiments No. 7 trafen gestern in Eger zum Besuch der Offiziere des dort garnisonierenden österreichischen Infanterie⸗Regiments ein. Auf dem Bahnhofe fand ein kameradschaftlicher Empfang statt, dem die Besichtigung der Stadt folgte. Abends gab das Offizierkorps zu Ehren der deutschen Gäste ein Diner und eine Réunion.
Der ungarische Reichstag ist gestern durch Königliche Verordnung bis zum 5. September d. J. vertagt worden.
Zu Ehren des seit einigen Tagen in Budapest weilenden Staatssekretärs des deutschen Reichs⸗Postamts von Pod⸗ bielski gab, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern Abend der Handels⸗Minister Baron Daniel ein Diner, an welchem der Minister⸗Präsident Baron Banffy, der Minister des Innern Perczel, der Direktor im deutschen Reichs⸗Postamt Sydow und der Geheime Ober⸗Postrath Gieseke theilnahmen.
Großbritannien und Irland.
Im Unterhause richtete gestern Drage an die Re⸗ gierung die Anfrage, ob die Nachricht, der russische Finanz⸗ Minister habe die Odessaer Kaufleute davon in Kenntniß gesetzt, daß Port Arthur als russischer Hafen betrachtet werde, den That⸗ sachen entspreche, und ob dies zu bedeuten habe, daß russische Waaren aus europäischen russischen Häfen in Port Arthur hinfort ohne Entrichtung von Zöllen eingelassen würden, denen englische Waaren unterworfen seien. Redner fragte weiter, ob die englische Regierung der russischen Vorstellungen hierüber ge⸗ macht habe. Der Parlaments⸗Untersekretär des Auswärtigen Amts Curzon erwiderte: er habe von keiner der⸗ artigen Mittheilung gehört, auf die in der ersten An⸗ frage hingewiesen worden sei; er könne daher nicht sagen, was diese Mittheilung bedeute. Port Arthur sei nie Ver⸗ tragshafen oder Handelshafen gewesen. Der britische Gesandte Mac Donald habe gemeldet, daß die Leuchtthurm⸗ beamten von Liaotieschan entlassen und durch Russen ersetzt worden seien. Der Leuchtthurm befinde sich auf dem Gebiet, das an Rußland verpachtet sei. Der Leuchtfeuerdienst sei ein Zweig des chinesischen Zollwesens. Er glaube aber nicht, daß Hart deshalb befragt worden sei. Walton fragte an, ob die jüngst von China erlassenen Reglements für die inländische Dampfschiff⸗ fahrt das Privilegium auf die Provinzen der Vertragshäfen beschränkten und den Dampfern das 88 en durch Schiffe Eingeborener verböten, ob die Regierung Großbritanniens nicht auf der Eröffnung der Schiffahrt auf allen chinesischen Flüssen hestehen werde, damit britische Waaren auf britischen Schiffen nicht nur den Vertragshäfen, sondern auch allen Fluß⸗ hafenstationen im ganzen Innern Chinas zugeführt werden könnten und so das ursprüngliche Abkommen ausgeführt werde. Curzon entgegnete, die Reglements enthielten die erstgenannte Beschränkung, die zweite nicht. Die britische Regierung werde darauf bestehen, daß die Reglements in befriedigender Weise revidiert würden. Sodann richtete Gourley an die Regierung die Anfrage, ob in Manila Marinesoldaten und Matrosen mit Gene migung des amerikanischen Admirals Dewey von Großbritannien und anderen europäischen Maͤchten zum Schutze ihrer Staats⸗ angehörigen gelandet seien. Der Erste Lord der Admiralität Goschen erklärte, es sei kein Bericht über eine solche Landung eingetroffen. Dalziel fragte/ ob es sich bestätige, daß die spanische Regierung ein Abkommen getroffen habe, dem zufolge das spanische Geschwader durch den Agenten einer britischen Firma in Port Said mit Kohlen ver⸗ sehen werde, und ob gemäß der Neutralitäts⸗Erklärung Vorsichtsmaßregeln angeordnet seien, damit nur so viel Kohlen geliefert würden, als die Flotte zur Erreichung des nächsten spanischen Hafens benöthige. Der Erste Lord des Schatzes Balfour erwiderte, die Regierung habe keine Information im Sinne des ersten Theils der Anfrage erhalten; die egyptische Regierung werde in egyptischen Häfen ebenso wie ngland in den britischen Häfen Neutralität beobachten.
Frankreich.
„Das neue Ministerium hat sich konstituiert und ist, wie „W. T. B.“ meldet, folgendermaßen zusammengesetzt: Brisson, Vorsitz und Inneres; Delcassé, Aeußeres; sas Finanzen; Sarrien, Justiz; Bourgeois, Unterricht;
avaignac, Krieg; Lockro „ Marine: Trouillot, Kolonien; Maruéjouls, Handel; Viger, Landwirthschaft; Senator —— öffentliche Arbeiten; Mougeot, Posten und Tele⸗ graphen.
Einer Note der „Agence Havas“ zufolge hat Brisson gestern dem Präsidenten Faure die Mitglieder des neuen Kabinets vorgestellt. Der 5 hat die Dekrete, durch
nstituiert wird, unterzeichnet. Der — arlament ab⸗ gegeben werden soll, wird in emem Ministerrath, der heute abgehalten werden wird, festgestellt werden. 8
Italien. “ Der Senat genehmigte gestern die Wiedereinführung der
1 ⸗ ölle gemäß dem Beschluß der Deputirtenkammer vom
Spanien.
Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Madrid glaubt die Regierung nicht, daß ein amerikanisches Geschwader nach leichwohl habe sie Maßnahmen für diesen Fall getroffen. Schiffe seien zu diesem Zweck bereit, und 26 000 Mann seien zu den 2 nen einberufen worden; dieselben würden auf die Haupthäfen am Atlantischen Ozean und am Mittelländischen Meer vertheilt werden.
8 *
Schweiz. 8
Die Bundes versammlung nahm, wie „W. T. B.“ aus Bern berichtet, gestern das vom Bundesrath vorgeschlagene Gesetz an, nach welchem der Karvallerie berittene Schützen⸗Kompagnien mit Maschinengewehren beigegeben werden sollen. — Nationalrath und Stände⸗ rath geneh 85 ferner den Antrag des Bundesraths, dem Kanton Graubünden für die Herstellung eines Schmal⸗
spurbahnnetzes eine Subvention von 8 000 000 Frcs. zu be⸗
willigen. Türkei.
Der Sultan verlieh, einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge, dem russischen Botschafter Sinowjew die silberne und die goldene Imtiaz⸗Medaille und dem Ersten Dragoman der russischen Botschaft Maximow die goldene Liakat⸗Medaille.
Serbien.
Der König ist gestern in Nisch eingetroffen. In der Erwiderung auf die Begrüßung des Bürgermeisters ver⸗ urtheilte Allerhöchstderselbe die entfesselten Parteileidenschaften und sagte, die erste Aufgabe sei die Hebung des nationalen Wohlstandes, die gründliche Sanierung der Finanzen und die weitere Vervollkommnung der Wehrkraft. Deshalb habe der König Milan das Ober⸗Kommando der Armee übernommen. Das Hauptziel Serbiens sei eine stabile Thätig⸗ keit zur Festigung der inneren Lage. Die Zeit sei nicht dazu angethan, sich durch eine unbestimmte und abenteuerliche Politik leiten zu lassen. Serbien müsse ein verläßliches Element des Friedens und der Ordnung auf der Balkan⸗ halbinsel bilden. “ ““ b
Durch ein Dekret des Präsidenten Me Kinley ist, wie „W. T. B.“ aus Washington berichtet, die Blockade Cubas auf die Südküste zwischen dem Cabo frances und dem Cabo de Cruz ausgedehnt, auch San Juan de Puerto Rico in Blockadezustand erklärt worden. Den neutralen Schiffen ist dine ffrit von 30 Tagen zum Verlassen des Hafens mit Ladung
ewilligt.
Von Tampa sind weitere 9000 Mann nach Key West abgegangen, um von da nach Santiago de Cuba befördert u werden. Andere Truppen werden noch folgen, sodaß die
rmee des Generals Shafter auf die Stärke von 30 000 Mann wird gebracht werden.
Aus Siboney ist in Washington folgendes Telegramm des Generals Shafter vom 27. d. M. Abends eingetroffen: „Wir kommen gut vorwärts. Heute haben wir eine vor⸗ geschobene Position drei Meilen von Santiago besetzt, welche der Feind gestern üteeeden hat’. — Wie ferner eine Depesche aus dem Lager von Sabanilla meldet, fanden vorgestern Auf⸗ klärungspatrouillen der Aufständischen die Leitung, durch welche Santiago mit Wasser versorgt wird, unbewacht und benach⸗ richtigten hiervon den General Wheeler, der sofort Pioniere Heect. welche die Leitung, ohne Widerstand zu finden, zerstörten, sodaß Santiago jetzt auf Zisternenwasser angewiesen ist.
Sigsbee, der Kommandant des Kreuzers „St. Paul“, berichtete nach Washington: Er sei am 22. d. M. Nach⸗ mittags auf offener See in der Nähe von San Juan von einem nicht geschützten spanischen Kreuzer und dem Torpedo⸗ bootzerstörer „Terror“ angegriffen worden. Letzterer habe sich dem „St. Paul“ genähert, der ihn erwartet und dann auf ihn gefeuert habe. Der „Terror“ 8G dreimal getroffen, einer seiner Offiziere und zwei Matrosen seien getödtet, mehrere andere verwundet worden. Der „Terror“ habe sich darauf langsam zurückgezogen und sei unter dem Schutz der Geschütze der 85 von San Juan in den Hafen geschleppt worden. Später eien ein Kreuzer und ein Kanonenboot abermals aus dem aber innerhalb des Schutzbereichs der
9 ausgelaufen, orts geblieben. 1 4“
Aus Peking meldet „Reuter's Bureau“, daß vorgestern ein Kaiserliches Edikt veröffentlicht worden sei, welches den Direktor der 11““ Sheng wegen der
Verzögerung des Baues dieser Linie ernstlich kadele. Man nehme an, Sheng werde infolge dieses Edikts gezwungen sein, in die Bedingung zu willigen, daß der französische Ge⸗ sandte als Schiedsrichter fungiere, — eine Bedingung, der sich das Tsung⸗li⸗Yamen bisher energisch widersetzt habe. — Ein weiteres Kaiserliches Edikt ordnet, wie der „Times“ zufolge in Shanghai verlautet, an, daß bei allen zukünftigen Prüfungen der Staatsbeamten an Stelle der klassischen Auffate moderne Themata behandelt werden sollen.
In Japan ist ein neues Kabinet gebildet worden, das nach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus“ aus folgenden Mitgliedern besteht: Okuma, Vorsitz und Auswärtiges; Itapaki, Inneres; Matsuda Mashioa, Finanzen; Ohigashi Gitetsu, Justiz; Hayashi Nuzo, Posten; Oishi Masami, Handel; Ozaki Nukio, Unterricht; in der Besetzung der Ministerien des Krieges und der Marine ist keine Veränderung eingetreten.
Ueber die Lage in Manila berichtet dasselbe Bureau unter dem 23. d. M.: Während der vergangenen Woche fanden einige Feuergefechte zwischen den verschanzten spanischen Truppen und den Aufständischen statt; aber die letzteren haben nicht versucht, neuerdings vorzurücken. Die Spanier behaupten, sie hätten die Aufständischen an einzelnen Punkten zurückgeschlagen, doch ist die Lage in Wirklichkeit unverändert. Einige Freiwillige, welche auf die Schanzen be⸗ fohlen waren, verweigerten den Gehorsam und erklärten, nicht auf die Schanzen gehen zu wollen, so lange die regulären Truppen in der Stadt flanierten. Die Aufständischen richteten am 20. d. M. einige Geschosse auf die Kirche von Santa Ana. 2000 Personen sind damit beschäftigt, eine Schulterwehr von Sand⸗ säcken außerhalb des Festungsgrabens aufzurichten. (Es geht das Gerücht, die Spanier würden die Vorstadt Malate nieder⸗ brennen, um das Vorgelände zur besseren Vertheidigung der Stadt freizulegen. Tausende von Bäumen in der Umgegend der Zitadelle sind gefällt worden, der Botanische Garten ist jedoch verschont geblieben. Sobald die amerikanischen Truppen ange⸗ langt sind, werden die Spanier sich hinter die Umwallung und in die Zitadelle zurückziehen; man glaubt jedoch, der Widerstand werde kein ernstlicher sein. Ein franzüslsches Kriegsschiff ist am 22. Juni von Manila abgegangen, nachdem es die panische Flagge salutiert hatte. Die Preise für alle Lebensmittel sind sehr 88 — Eine in Madrid eingetroffene Depesche aus Manila vom 22. d. M. besagt: Die Boten, welche ausgeschickt worden waren, um die 1000 Mann starke Abtheilung des Generals Monet Fhütusuchen sind unverrichteter Sache zurückgekehrt.
Die Familie des General⸗Gouverneurs Augustin befindet sich immer noch in der Gewalt der Aufftändischen! Der General
mit 5840 Stimmen gegen Bialk (Zentr.) mit 475
Pena hat fih mit ungefähr 1000 Soldaten ergeben, weil se Leute fast sämmtlich Cggeboreme waren, die 8 Feinde lön gingen. Der größte Theil der Besatzung der Insel Luzon ha sich wegen Mangels an Lebensmitteln ergeben; nur einigen Soldaten ist es gelungen, zu entkommen. Zahlreiche Spanier darunter auch die Gouverneure von Babanga, Laguna und Bulacan, haben sich nach Cavite seacgts. Die Zahl der Au ständischen, welche Manila einsch ießen, beträgt über 25 Alle Verbindungen Manilas nach außen sind abgeschnitten Die Ankunft des spanischen Geschwaders wird ängstlich er wartet, weil die Lage unhalthar geworden ist. Kleine Schiffe der Aufständischen durchkreuzen die Bay, um die spanischen Gefangenen nach Cavite zu bringen.
Der General⸗Gouverneur Au gustin sandte, wie „W. 2 B.⸗ aus Madrid berichtet, unter dem 23. d. M. der spanischen Re kea folgendes Telegramm: „Die Lage in Manila ist noch ebenso ernst wie früher. Ich halte mich in der Blockhaus⸗ Linie, aber auch der Feind trifft vermehrte Maßnahmen und besetzt die Provinzen, die sich ihm ergeben. Regengüsse, welche unsere Vertheidigungsgräben überfluthen, erschweren die Vertheidigung. Die erhöhte Zahl der Kranken unter meinen die Lage noch schlimmer, da auch die Desertionen unter den Eingeborenen beständig zunehmen. Unter der Angabe, daß er über 30 000 Eingeborene mit Schußwaffen und 100 000 mit blanken Waffen ausgerüstete verfüge, hat mich der Führer der Aufständischen guinaldo kapitulieren, aber ich habe seine Vorschläge zurückgewiesen, ohne sie anzuhören. Denn ich bin entschlossen, meinem Souverän die Treue zu halten und die Ehre unserer Fahne zu wahren bis zum Aeußersten. Ich habe über 1000 Kranke und 200 Verwundete. Außerdem befinden sich in dem mit Mauern umgebenen Theil der Stadt viele Bewohner aus ländlichen Bezirken, welche vor den Greuel⸗ thaten der Aufständischen gefluüchtet sind. Diese Leute bilden für uns eine Verlegenheit und für den Fall eines Bombarde⸗ ments eine große Sorge. Ich hege indessen bezüglich eines Bombardements gegenwärtig keine ernstlichen Befürchtungen.“ — Ein Telegramm des Gouverneurs der den größten heil der Philippinen bildenden Visayas⸗Inseln und von Min⸗ danao meldet dagegen die völlige Niederlage der Auf⸗ ständischen. Ihr Anführer Arce, der Stellvertreter Aguinaldo's, sei gefallen. In der Depesche des Gouverneurs heißt es weiter, daß in den ganzen großen, ihm unterstellten Landstrichen Ruhe herrsche. Die malatischen Hauptanführer auf Mindango seien beim Gouverneur erschienen mit der Erklärung, sie wüßten, daß die Vereinigten Staaten egen Spanien Krieg führten, und seien bereit, Mann für Mann zur Vertheidigung der Souveränetät Spaniens an der Seite der Spanier zu kämpfen.
Parlamentarische Nachrichten. Ergebnisse der Stichwahlen zum Reichstag
e.
Gewählt sind:
Wahlkreis 11““ Regierungsbezirk Königsberg. 1. Memel: Smalakys in Tilsit (Littauer ohne aus esprochene Parteistellung) mit 7818 Stimmen gegen Graf von Walderse e (Kons.) mit r. N Maf 8 abiau: von Massow, Rittergutsbesitzer auf Parnehnen Kr. Wehlau (Kons.) mit 7890 Stimmen 8-. Haase (Soz.) mit 5770 Stimmen. 1. Tifft Besgtäruasbesirr⸗ S Er. Vv.) ; Tilsit: Bräsicke, Gutsbesitzer zu Eszeruppen (Fr. Vp.) mit 12 949 Stimmen gegen Graf Pourtalds (Kons.) mit 9186 Stimmen. Regierungsbezirk Danzig. 2. Danzig (Land): Dörksen, Hofbesitzer zu bs (D. Reichsp.) 2 Stimmen.
6
Regierungsbezirk Potsdam. ,3. Ruppin: Dietrich, Rechtsanwalt zu Prenzlau (Kons.) mit
10 292 Stimmen gegen Gräbner (Fr. Vp.) mit 9041 Stimmen.
„7. Potsdam: Pauli, Tischlermeister zu Potsdam (Wild⸗Kons.) mit 16 871 Stimmen gegen Schröer (Soz.) mit 14 060 Stimmen.
86 Brandenburg: von Löbell, Landrath zu Rathenow (Kons.) mit 10 708 Stimmen gegen Peus (Soz.) mit 10 542 Stimmen.
10. Teltow⸗Beeskow⸗Storkow.Charlottenburg: Zubeil, Gastwirth zu Berlin (Soz.) mit 51 967 Stimmen gegen Vorberg (Kons.) mit 46 361 Stimmen.
Regierungsbezirk Frankfurt.
2. Landsberg: Schrader, Eisenbahn⸗Direktor a. D. zu Berlin (Fr. Vgg.) mit 10 906 Stimmen gegen Wernicke (Kons.) mit 10 796 Stimmen.
3. Königsberg: Dr. von Levetzow, Wirklicher Geheimer Rath zu Gossow (Kons.) mit 9253 Stimmen gegen Goerke (Soz.) mit “ Haake, B beft geisch
4. Frankfurt: Haake, Bauerngutsbesitzer zu Letschin (D. Reichep.) mit 14 126 Stimmen gegen Metzner (Soz.) mit 11 567 Stimmen.
6. Züllichau: Fahle, Rechtbanwalt und Notar zu Schwiebus (Fr. Vag.) mit 8780 Stimmen gegen Dr. Beer (Kons.) mit 7709 Stimmen.
7. Guben: Prinz Heinrich zu Schönaich⸗Carolath, Standesbherr und Majoratsherr, Landrath a. D. zu Amtig (Wild⸗liberal) mit 12 200 Stimmen gegen Dr. von Heydebrand (Kons.) mit 3638 Stimmen.
Regierungsbezirk Stettin. 2. Ueckermünde: Gaulke, Amtsgerichts⸗Rath zu Berlin (Fr. Vgg.) mit 6921 Stimmen gegen Dr. Schröder (Ref.⸗P.) mit 6182 Stimmen.
Regierungsbezirk Köslin.
1. Stolp: Will, Hofbesitzer zu Schweslin (Kons.) mit 12 861
Stimmen gegen Wüstenberg (Fr. Vgg.) mit 11 677 Stimmen. Regierungsbezirk Posen. 1. Posen: Motty, AmtsgerichtsRath zu Posen (P. Hosp.) mit 8734 Stimmen gegen Andrzejewski (P. Volksp.) mit 7999 Stimmen. Regierungsbezirk Breslau. „5. Ohlau: Rother, Gutsbesitzer zu Sägen (Kons.) mit 9681 Stimmen gegen Wetekamp (Fr. Vp) mit 7877 Stimmen.
.Striegau: Freiherr von Richthofen, Ober⸗Regierungs⸗Rath a. D. zu Kohlhöhe (Kons.) mit 13 251 Stimmen gegen Feldmann (Soz.) mit 9802 Stimmen.
Regierungsbezirk Liegnitz. 2, Sagan: Dr. Müller, Rentier zu Groß⸗Lichterfelde (Fr. Vp.) mit 7789 Stimmen gegen von Klitzing (Kons.) mit 961 Stimmen. 1
6. 3. Rechtsanwalt zu Berlin (Fr. Vp.) mit 14 269 Stimmen gegen Bruhns (Soz.) mit 7886 Stimmen.
7. Landeshut; Dr. Hermes, Landtags⸗Abgeordneter zu Berlin Er. Bp.) mit 10 336 Stimmen gegen Scholtz (Konf.) mit 6249 Stimmen. 1
9. Görlitz: Lüders, Stadtrath zu Görlitz (Fr. Vp.) mit 18 130 Stimmen gegen Keller (Soz.) mit 13 606 Stimmen.
Regierungsbezirk Magdeburg.
7. Aschersleben: 1
mit 18 300 Stimmen gegen Placke (N.⸗L.) mit 18 100 Stimmen. Regierungsbezirk Merseburg. 2 1. Liebenwerda: Knörcke, Prediger emer. zu Zehlendorf (Fr. Vp.
mit 8712 Stimmen gegen Graß (D. Reichsp.) mit 6760 Stimmen.
Truppen macht
aufgefordert zu
Schmidt, Schriftsteller in Magdeburg (Soz.)
2. Schweinitz: Dr. Siemens, Rittergutsbesitzer und Bankdirektor (kr. Vag.) mit 8713 Stimmen gegen von Leipziger (Kons.) mit 7829 Stimmen.
7. Querfurt: Ritter, Gutsbesitzer zu Barnstädt (Fr. Vp.) mit 12 623 Stimmen gegen Neubarth (D. Reichsp.) mit 11 316 Stimmen.
Regierungsbezirk Erfurt.
4. Erfurt: Jacobskötter, Schneidermeister zu Erfurt (Kons.) mit
15 039 Stimmen gegen Schulz (Soz.) mit 13 934 Stimmen.
Propinz Schleswig⸗Holstein. 2. Apenrade: Raab, Porzellanmaler in Hamburg (Ref.⸗P.) mit 8145 Stimmen gegen Holzhäuser (Soz.) mit 5451 Stimmen.
3. Schleswig: Jacobsen, Lederfabrikant zu Schleswig (Fr. Vp.) mit 10 029 Stimmen gegen Christophersen (D. Reichsp.) mit 6820 Stimmen.
7. Kiel: Dr. Hänel, Professor zu Kiel (Fr. Vgg.) mit 22 998 Stimmen gegen Legien (Soj.) mit 21 168 Stimmen.
10. Lauenburg: Graf von Bernstorff⸗Stintenburg, Geheimer Ober⸗Regierungs⸗Rath zu Berlin (D. Reichsp.) mit 5430 Stimmen gegen Lesche (Soz.) mit 4710 Stimmen.
Regierungsbezirk Hildesbeim.
11. Einbeck: Harriehausen, Hofbesitzer zu Bollertsmühle (Bd. d. Landw.) mit 8266 Stimmen gegen Fischer (Soz) mit 6261 Stimmen.
12. Göttingen: Götz von Olenhusen, Landschafts⸗Rath zu Olen⸗ husen (Welfe) mit 8368 Stimmen gegen Dr. Esser (N.⸗L.) mit 6491 Stimmen.
Regierungsbezirk Lüneburg.
15. Lüchow: Graf von Bernstorff, Rittergutsbesitzer auf Wehningen (Welfe) mit 10 503 Stimmen gegen Puttfarken (N.⸗L.) mit 7816 Stimmen.
Regierungs bezirk Osnabrück.
4. Bersenbrück: Freiherr von Schele zu Schelenburg (Welfe, Zentr.⸗Hospitant) mit 14 754 Stimmen gegen Wamhof (N.⸗L.) mit 14 345 Stimmen.
Regierungsbezirk Minden.
2. Herford: Quentin, Bürgermeister zu Herford (N.⸗L.) mit 10 965 Stimmen gegen Dr. Weihe (Kons.) mit 8844 Stimmen.
3. Bielefeld: Humann, Landwirtb zu Neuenkirchen (Zentr.) mit 13 916 Stimmen gegen Ulrich (Soz.) mit 8623 Stimmen.
Regierungsbezirk Arnsberg.
3. Altena: Lenzmann, Rechtsanwalt zu Lüdenscheid (Fr. Vp.) mit 15 266 Stimmen gegen Noelle (N.⸗L.) mit 8864 Stimmen.
4. Hagen: Richter, Schriftsteller zu Charlottenburg (Fr. Vp.) mit 17 446 Stimmen gegen Timm (Soz.) mit 9907 Stimmen.
5. Bochum: Franken, Fabrikant zu Schalke (N.⸗L.) mit 46 836 Stimmen gegen Füch⸗ (Zentr.) mit 39 600 Stimmen.
Regierungsbezirk Wies baden.
2. Wehen: Wintermeyer, Landwirth zu Wiesbaden (Fr. Vp.) mit 15 205 Stimmen gegen Dr. Quarck (Soz.) mit 10 499 Stimmen.
4. Diez: Cahensly, Kaufmann zu Limburg (Zentr.) mit 8115 Stimmen gegen Hatzmann (N.⸗L.) mit 7911 Stimmen.
Regierungsbezirk Cassel.
5. Marburg: Dr. Boeckel, Versicherungsbeamter zu Friedenau bei Berlin (Antisemit, b. k. F.) mit 5517 Stimmen gegen von Barten⸗ werffer (Kons.) mit 4940 Stimmen.
Regierungsbezirk Düsseldorf. —
1. Lennep: Fischbeck, Sekretär zu Berlin (Fr. Vp.) mit 19 149 Stimmen gegen Meist (Soz.) mit 17 934 Stimmen.
3. Solingen: Sabin, Fabrikant zu Solingen (Wild⸗Liberal) mit 13 834 Stimmen gegen Scheidemann (Soz.) mit 10 240 Stimmen.
Regierungsbezirk Trier.
5. Saarbrücken: Boltz, Justiz⸗Rath, Rechtsanwalt zu Saar⸗
brücken (N.⸗L.) mit 16 249 Stimmen gegen Euler (Zentr.) mit
13 562 Stimmen . “
Pfalz. 8
1. Speier: Ehrhart, Stadtrath und Landtags⸗Abgeordneter zu Ludwigshafen (Soz.) mit 15 471 Stimmen gegen Mechtersheimer (N.L.) mit 12 602 Stimmen.
Königreich Sachsen.
1. Zittau: Fischer, Redakteur zu Briesnitz bei Dresden (Soz.) mit 10 944 Stimmen gegen Dr. Vogel (N.⸗L.) mit 10412 Stimmen.
7. Meißen: Gäbel, Gutsbesitzer zu Klessig (Ref.⸗P.) mit 12 707 Stimmen gegen Goldstein (Soz) mit 11 567 Stimmen.
Königreich Württemberg.
3. Besigheim: Hegelmaier, Ober.Bürgermeister zu Heilbronn (Kons.) mit 13 315 Stimmen gegen Kittler (Soz.) mit 9933 Stimmen.
4. Böblingen: Haußmann, Rechtsanwalt zu Stuttgart (D. Vp.) mit 9460 Stimmen gegen Kraut (Kons.) mit 6769 Stimmen.
10. Gmünd: Kettner, Versicherungs⸗Beamter zu München (N.⸗L.) mit 9868 Stimmen gegen Klaus (Soz.) mit 9503 Stimmen.
Großherzogthum Baden.
2. Bonndorf: Faller, Posthalter zu Bonndorf (N. L.) mit 10 945 gegen Schüler (Zentr.) mit 10 064 Stimmen.
6. Ettenheim: Schaettgen, Fabrikant zu Haslach (Zentr.) mit 9616 Stimmen gegen Weingaertner (N.⸗L.) mit 7593 Stimmen.
13. Bretten: Lucke, Gutspächter zu Petersbausen (Bd. d. Landw.) mit 10 625 Stimmen gegen Freiherr von Mentzingen (Zentr.) mit
9375 Stimmen. Großherzogthum Hessen. 1
1. Gießen: Köhler, Bürgermeister zu Laugsdorf (Ref.⸗P.) mit 8839 Stimmen gegen Scheidemann (Soz.) mit 5467 Stimmen.
3. Lauterbach: Bindewald, Kunstmaler zu Berlin (Antis.) mit 5222 Stimmen gegen Schade (Bd. d. Landw.) mit 3932 Stimmen.
Herzogthum Braunschweig. 4
1. Braunschweig: B7s⸗ Schriststeller zu Stuttgart (Soz.) mit
16 981 Stimmen gegen Dr. Viereck (N.⸗L.) mit 15 485 Stimmen. Fürstenthum Schwarzburg⸗Sondershausen.
Börner, Ober⸗Amtmann zu Greußen (N.⸗L.) mir 8110 Stimmen
gegen Joos (Soz.) mit 5492 Stimmen. Fürstenthum Waldeck.
Müller, Gutsbesitzer zu Nutzhorn (Ref.⸗P. und Bd. d. Landw.)
mit 4251 Stimmen gegen Fink (N.L.) mit 2957 Stimmen. Fürstenthum Lippe.
Meier⸗Jobst, Landwirth in Leese (Fr. Vp.) mit 7258 Stimmen gegen Schemmel (Kons. eng 8. e- mit 5175 Stimmen.
aß⸗Lothringen.
9. Straßburg (Land): auß, Redakteur in Straßburg i. E. (Liberal⸗klerikal) mit 7987 Stimmen gegen Dr. Bostetter (Gemäßigt⸗ liberal) mit 7303 Stimmen. 1
14. Metz: Pierson, Rentner zu Ay (klerikal) mit 7445 Stimmen gegen Martin (Soz.) mit 4473 Stimmen.
Nr. 26 des „Centralblatts für das Deutsche Reich“, herausgegeben im Reichsamt des Innern, vom 24. Juni, hat folgenden Inhalt: 1) Kolonial⸗Wesen: Verfügung des Reichskanzlers zur Ausführung der Allerhöchsten Verordnung, betreffend das Bergwesen im südwestafrikanischen Schutzgebiet — 2) Finanz⸗Wesen: Nachweisung der Einnahmen des Reichs für die Zeit vom 1. April 1898 bis Ende Mai 1898. — 3) Konfulat⸗Wesen: Fetlesher ; — Evxegquatur⸗ Ertheilung. — 4) Zoll⸗ und Steuer⸗Wesen: Bestimmungen über den zollfreien Einlaß der von der internationalen land⸗ und forstwirth⸗ schaftlichen Jubiläums⸗Ausstellung in Wien zurückgelangenden deutschen Güter; Namhaftmachung einer zur Zusammensetzung des allgemeinen Branntwein⸗Denaturierungsmittels ermächtigten Firma; — Aenderun des Begleitschein⸗Regulativs; — Zollamtliche Abfertigung von Baumö (Olivenöl) auf Begleitschein I. — 5) Handels⸗ und Gewerbe⸗Wesen: Neues Verzeichniß der regelmäßigen Untersuchungen unterliegenden und den Anforderungen der Reblaus⸗Konvention entsprechend erklärten Gartenbau⸗ ꝛc. Anlagen; — Handelsbeziehungen zum britischen Reich. — 6) Marine und Schüfabrt⸗ Erscheinen eines weiteren Feßen der Entscheidungen des Ober⸗Seeamts und der Seeämter. — 7) Polizei⸗ Wesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.
(Nach dem vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenen Maiheft.)
A. Einfuhr im Mai in Tonnen zu 1000 kg rein: 3 501 553 gegen 3 401 563 im Mai 1897, daber mehr 99 990. Hiervon Edel⸗ metalle: 81. An der Zunahme sind hauptsächlich hetheiligt: Dro⸗ guerie⸗, Apotheker, und Farbewaaren mit 57 732 — Eis allein 46 886 —, Getreide und andere Landbauerzeugnisse (22 120), Holz ꝛc. (52 604), Oel und Fette (17 302), Steine und Stein⸗ waaren (28 871), Theer, Pech, Harze, Asphalt (12 931). Er⸗ beblich zurückgegangen ist die Einfuhr von Eisen und Eisenwaaren (17 279), Erden, Erzen ꝛc. (16 126), Material⸗ ꝛc. Waaren (27 180 — ungeschälter Reis allein rund 33 000 t —), Kohlen, Torf ꝛc. (53 736). Die Gesammteinfuhr in den 5 Monaten des Jahres beträgt: 15763 963 gegen 14 613 926, daher mehr 1 150 037. Hiervon Edelmetolle 55. Hauptsächlich haben zugenommen: Holz und Holzwaaren (372 094 — rohes Bau⸗ und Nutzholz 230 670 —), Kohlen (264 239), Drogucrie⸗ ꝛc. Waaren (263 977 — Eis 259 331 —), Erden, Erze (129 644), Steine ꝛc. (78 646). Die Einfuhr von Getreide und anderen Landbau⸗ erzeugnissen hat nur um 15 631 zugenommen. Ganz erheblich hat die Einfuhr von Material⸗ ꝛc. Waaren (118 380) abgenommen, hier⸗ ben “ Reis rund 160 000, und von Abfällen 64 900 (Kleie 0 .
B. Ausfuhr im Mai in Tonnen zu 1000 kg rein: 2 500 012 gegen 2 333 667 im Mai 1897, daher mehr 166 345. Hiervon Edel⸗ metalle: 59. 17 von den 43 Zolltarifnummern zeigen eine Zunahme, 26 eine Abnahme. An der Zunahme sind hauptsächlich betheiligt Eisen und Eisenwaaren (18 529), Getreide und andere Landbauerzeug⸗ nisse (20 558), Kohlen (176 962), an der Abnahme: Material⸗ ꝛc. Waaren (67 931 — Rohzucker allein rund 71 000 —), während die übrigen 25 Zolltarifnummern zusammen nur 13 134 abgenommen haben. Hierin sind alle Gruppen des Stoffgewerbes, mit Ausnahme
von Flachs, Hanf, Jute, vertreten.
ie Gesammtausfuhr in den 5 Monaten des Jahres beträgt 11 752 370 gegen 10 626 923, daher + 1 125 447, hiervon Edel⸗ metalle 43. An der Zunahme sind 28 von 43 Zolltarif⸗Nummern betbeiligt und hierunter hauptsächlich: Kohlen (738 193), Getreide ꝛc. (180 541), Erden, Erze (130 243), Eisen und Eisenwaaren (128 010). Ganz erheblich hat die Augfuhr von Material. ꝛc. Waaren (216 190) abgenommen. Mehr noch ist der hierunter fallende Rohzucker (268 587) zurückgegangen. Stark ist auch die Ausfuhr ungarnierter Strohhüte zurückgegangen, die im Vorjahr 1 789 993, jetzt nur Paa 89 Stück betrug, Abnahme also 607 183 Stück = 34 vom Hundert.
Die Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes in Preußen 1883 und 1896.
Die erste umfassendere Untersuchung über die Bodenverschuldung
und deren Verhältniß zu den Bodenwerthen fand in Preußen im Jahre 1883 statt. Sie wurde für den ländlichen Grundbesitz in 42 Amts⸗ gerichtsbezirken der 7 östlichen Provinzen, Schleswig⸗Holsteins, Han⸗ novers und des E“ Wiesbaden getrennt nach Besitz⸗ gruppen — I. Fideikommiß⸗ und Stiftungsgüter, II. Be⸗ sitzungen von 500 und mehr, III. 100 bis unter 500, IV. 30 bis unter 100, V. unter 30 Thalern Grundsteuer⸗ Reinertrag —, für weitere 6 Amtsgerichtsbezirke in Westfalen und 2 im Regierungsbezirk Cassel nur im Ganzen durchgeführt, weil hier in den Katastern die Grundstücke nicht überall nach den Grund⸗ büchern bezeichnet waren. Ganz ausgeschlossen von der Erhebung blieb die Rheinprovinz, weil diese damals noch unter dem alten französischen Hypothekenrechte stand. Innerhalb der einzelnen Erhebungsbezirke wurde der Grundbesitz in ländliche und städtische, und zwar nicht bloß nach dem allgemeinen Charakter des betreffen⸗ den Gemeindebezirks, sondern nach der Zweckbestimmung der einzelnen Grundstücke geschieden. Die Erhebung lag im wesent⸗ lichen in den Händen der Kataster⸗ und Gerichtsbehörden. Seit 1883 hat dann keine statistische veeefes über den Stand der Verschuldung in Preußen stattgefunden, bis mit dem schärferen Hervortreten der Agrarfragen im öffentlichen Leben während der letzten Jahre sich auch das Bedürfniß nach genaueren Mitthei⸗ lungen über den thatsächlichen Stand der Verschuldung des . Grundbesitzes wieder dringender geltend machte und die darüber zwischen dem landwirthschaftlichen, dem Finanz⸗ und dem Justiz⸗Ministerium gepflogenen Verhandlungen 1896 zu einer neuen Erhebung führten, deren Ergebnisse soeben in der „Zeitschrift des Königlich preußischen Statistischen Bureaus“ veröffentlicht worden sind. Die neue Er⸗ hebung umfaßte genau dieselven Bezirke wie die von 1883, außerdem aber noch 10 Amtsgerichtsbezirke der Rheinprovinz. Der Gesammt⸗ umfang der Erhebungsbezirke Ge 1883: 5,81 %, 1896: 6,21 % der Gesammtfläche der betreffenden Provinzen, der Grundsteuer⸗Reinertrag des Erhebungsgebiets 5,95 bezw. 6,42 % des Gesammtertrags der Provinzen. Die Zahl der in die Erhebung einbezogenen Gemeinden hat sich durch Eingemeindungen nicht unerheblich vermindert. Auch der Grund⸗ steuer⸗Reinertrag der berücksichtigten Besitzungen, der bei beiden Unter⸗ suchungen als Raßstab für die Verschuldung gedient hat, ist zurück⸗ gegangen, was durch den Uebertritt von früher S.vSn, .S. Grundstücken in die Gruppe der Fabrikgrundstücke ꝛc., zum theil auch durch die vollständigere Ausscheidung der nicht im Privatbesitz befindlichen Grundstücke bei der neuen Erhebung zuerklären ist. Bedeutender noch als in der Hauptsumme treten diese Abweichungen bei den einzelnen Besitz⸗ klassen hervor, da durch Zusammenlegung oder Zerstückelung ziemlich umfangreiche Flächen zu anderen Größenklassen als im Jahre 1883 ekommen sind. Im Ganzen sind durch beide Erhebungen in den schon 1883 statistisch untersuchten 42 Bezirken Grundstücke mit einem Reinertrage von 17,26 (1883: 16,59) Mill. Mark betroffen worden, und zwar in der Gruppe I 1,68 (2,00), II 7,86 (7,22), III 4,39 (4,13), IV 2,10 (1,95), V 1,22 (1,28). 3 8
Die Gesammtbewegung der Verschuldung ist nach der amtlichen Darstellung entfchieden aufwärts gegangen. In Ein⸗ heiten des Grundsteuer⸗Reinertrags ausgedrückt, ist sie von 23,59 auf 29,24 gestiegen, also um etwa ein Viertel in etwas über 13 Jahren. Gruppiert man die Probebezirke provinzweise, so ergiebt sich nachstehende Reihenfolge nach der Höhe der Verschuldung: Posen mit 42,54 (1883:36,099), Ostpreußen mit 36,57 (26,40), Schlesien mit 32,61 (28,36), Westpreußen mit 31,70 (25,95), Brandenburg mit 31,50 (24,64), Pommern mit 25,11 (21,27), Hessen⸗Nassau mit 24,19 CE099). Hannover mit 20,23 Sachsen mit 18,96 (14,67),
chleswig⸗Holstein 16,20 (12,09). — Was die einzelnen Besitzgruppen betrifft, so ist die Verschuldung bei der Gruppe I, den Fideikommiß⸗ und Stiftungsgütern, nur gering, auch nur wenig, nämlich von 6,77 auf 7,04, gestiegen. Von besonderer Bedeutung sind die Ergebnisse der Grurpen II und III, des Allodialbesitzes bis zu 300 ℳ Grund⸗ steuer⸗Reinertrag herunter, weil diese den weitaus größten Theil (über zwei Drstte) des zur Erhebung shc enen Grundsteuer⸗ Reinertrags und zugleich das rein landwirthschaftliche Element des E umfassen, während bei dem Fideikommiß⸗ und Stiftungs⸗ besitze die Verschuldung keine erhebliche Rolle spielt und spielen kann, bei den kleineren Besitzungen der Gruppen IV und V nach Ausweis des Urmaterials aber bereits eine nicht unerhebliche Beimischung von Inhabern erscheint, die zugleich eine Gastwirthschaft, einen Handel, ein Gewerbe u. s. w. betreiben und daher nur bedingungsweise als „Landwirthe“ angesehen werden können. Bei der Gruppe II, den Besitzungen von 1500 und mehr Mark Grundsteuer⸗Rein⸗ ertrag, ist die Verschuldung von 28,13 auf 33,39 Grundsteuer⸗ Ertragseinheiten gestiegen, und zwar in den Bezirken aller betheiligten Provinzen. Besonders stark ist das Wachsthum der enschuldung von 44,99 auf 52,48 in Posen, obwohl dort zahlreiche über chuldete Be⸗
tzungen dieser Klasse durch Aufkauf und Zerstückelung von seiten der bnngenn diesen chrüflon in Wegfall gekommen sein dürften, wofür auch die erhebliche Verminderung in der Anzahl und dem Grundsteuer⸗ Reinertrage der Besitzungen spricht. Die Reihenfolge der neun Pro⸗
vinzen, welche hier (abgesehen von Hessen⸗Nassau mit nur einem
Grundstück) in Betracht kommen, ist nach der folgende: preußen mit 45,76 (38,48), Brandenburg mit 38,76 (32,33), mit 32,58 (26,62), Schlesien mit 30,18 (28,85), Westpreußen mit u“ 819 Schleswig⸗Holstein mit 29,51 (23,69), Sachsen mit verhältnißmäßig geringe Zunahme der Verschuldung zeigen Hannover, Schlesien und Bach
im Nordosten namentlich auch in dem schleswig holsteinischen Probebezirk. Erfreulichere Ergebnisse bietet im allgemeinen die Gruppe III, die der Besitzungen von 300 bis unter 1500 ℳ Grundsteuer⸗Rein⸗ ertrag, deren Verschuldung von 18,02 auf 24,81 gestiegen ist. Ein sehr günstiges Bild gewähren namentlich die zahlreichen gering ver⸗ schuldeten, bäuerlichen Besitzungen dieser Gruppe in den Bezirken Jüterbog, Kyritz und Zanow mit 304 bezw. 297 und 122 -v. und 12,68 bezw. 19,54 und 7,83 ℳ ssichunden auf je 1 ℳ steuer⸗Reinertrag,
auch hier die so ergiebt ziffern mit 36,00 Schlesien mit 29,20 (20,48), Westpreußen 28,98 (25,23), Schleswig⸗ Hrrstetn mit 25,63 (18,41), Pommern mit 23,63 (17,13), Branden⸗
öhe der Verschuldung osen mit dem 52,48 (1883: 44,99) fachen Ertrage, Ost⸗ ommern
15,46), Hannover mit 10,63 (9,04) fachem Reinertrage. Eine sen. Beträchtlicher ist die Verschuldungszunahme außer
rund⸗ en Bezirke. Faßt man Probebezirke wieder provinzweise zusammen, sich nachstehende Reihenfolge nebst Verschuldungs⸗
Grundsteuer⸗Reinertragseinheiten): Posen 24,98), Ostpreußen mit 31,76 (24,12),
ferner die sächsis
(immer in (1883:
urg mit 19,48 (11,87), Hannover mit 17,01 (9,97), Sachsen mit
13,89 (9,52), Hessen⸗Nassau mit 11,09 (3,49). — Zehr beträchtlich ist die E 1“ bei der bisher verhältnißmäßig günstig gestellten Besi⸗ Reinertrag: im Ganzen 1896. Reihenfolge wie folgt: preußen mit Schleswig⸗Holstein mit 33,85 8889 Pommern mit 32,35 (24,86), Brandenburg mit 27,43 (20,98), Posen mit 25,65 (17,71), Hannover 28,08,12 627, Sachsen mit 19,93 (11,48), Hessen⸗Nassau mit mehr als das Doppelte gestiegenen Verschuldun Stellung außer⸗ ordentlich verschlechtert. 8 bei dieser Besitzklasse im zu den die Probebezirke der eine beträchtliche Zunahme der Verschuldung festzustellen. — Bei der Besitzgruppe V, den Besitzungen von weniger als 90 ℳ ist die Verschuldungsziffer von 46,06 auf 55,17 ge⸗ egen. Bezirke zeigen eine Abnahme der giebt sich Zunahme der Verschuldung. — stehenden Ziffern: Schleswig⸗Holstein mit 78,39 (1883: Pommern mit 78,13 (67, nover mit 66,95 (70,42), Brandenburg mit 63,53 (59,76), Ostpreußen
tzgruppe IV, den Besitzungen von 90 bis unter 300 ℳ von 18,72 auf 29,03 im Jahre und Verschuldungsziffern stellten sich hier, 38,54 (1883: 18,18), West⸗
Ostpreußen mit Schlesien mit 34,16 (25,94),
35,48 (27,90),
ter hat demnach Ostpreußen seit 1883 bei einer um
stehen übrigen Klassen ist auch hier
Verhältnißmäßig r günstig
Provinz Posen; doch
Im einzelnen sind die Ergebnisse sehr S. Viele
Verschwldung. ach Provinzen er⸗ jedoch, mit Ausnahme von Hannover, überall eine Nach deren Höhe folgten sich isr. aac. 09), Westpreußen mit 72,52 (56,56), Han⸗
mit 55,26 (39,34), Schlesien mit 49,85 1; Sachsen mit 43,40 (33,46), Hessen⸗Nassau mit 42,76 — Posen mit 42,03 (30,83). ier behaupten die auch bei der nä st höheren Besitzklasse ver⸗ ältnißmäßig günstig gestellten Bezirke der Provinz Posen den besten (untersten) Platz; am meisten hat der schleswig⸗holsteinische Bezirk sich verschlechtert, in welchem es sich allerdings nur um eine verhältnißmäßig geringe Anzahl von Grundstücken dieser Gruppe 1896: 191 bei 57 505 in den Probebezirken überhaupt) handelt. ine wesentliche Besserung verzeichnen die hannoverschen Bezirke. Im allgemeinen werden gerade die kleinen Besitzungen dieser Gruppe nach Einheiten des Grundsteuer⸗Reinertrags eine stärkere Belastung ver⸗ tragen als die Besitzungen der übrigen Gruppen, da hier die Besetzung des mit landwirthschaftlichen Gebäuden oft eine verhältnißmäßig roße sein, dazu aber der grundsteuerpflichtige Theil der Besitzung in ann Werthe oft gegen den gebäudesteuerpflichtigen (Wohnhäuser mit Hausgärten und gewerbliche Gebäude) zurücktreten kann, namentlich wenn es sich um Grundstücke mit gewerblichen Nebenbetrieben (Gast⸗ und Schankwirtbschaften, Werkstätten u. dgl.) bandelt. In den 6 Amtsgerichtsbezirken der Provinz Westfalen und de 2 Bezirken von Hessen⸗Nassau, in welchem im Jahre 1883 wege mangelnder Uebereinstimmung der Angaben im Grundbuche un Kataster eine Unterscheidung nach Besitzgruppen noch nicht möglich war, ergab sich gleichfalls eine Zunahme der Verschuldung, und zwar von 17,35 auf 19,89 ℳ für jede Mark Grundsteuer⸗Reinertrag. Von besonderem Ftereff sind die Ergebnisse der Erhebungen in den 10 Bezirken des Rheinlandes, welches im Jahre 1883 noch garnich in die Untersuchung einbezogen worden war. Sie sind sehr ungleich artig, ergeben jedoch nirgends eine auffällig hohe Buchverschu dung Die letztere schwankt von 29,15 in Montjoie und 26,11 in Xanten bis zu 5,85 in Jülich. Die verhältnißmäßig hohe Verschuldung in Montjoie hängt wohl damit zusammen, daß der hier wie in fast allen Probebezirken besonders hoch verschuldete Parzellenbesitz von weniger als 90 ℳ Grundsteuer⸗Reinertrag besonders stark vertreten ist, indem er Si % des Grundsteuer⸗Reinertrages aller Besitzgruppen umfaßt. “ Zur Arbeiterbewegung.
Aus Magdeburg berichtet die „Mgdb. Ztg.“: Nach einer Be⸗ kanntmachung des Arbeitgeberverbandes steht die Beendigung des Maurer, und Zimmererausstandes in Aussicht. Es werden danach sämmtliche Arbeitsstätten der Mitglieder des Verbandes am Montag, den 4. Juli, für die arbeitswilligen Leute geöffnet, und zwar unter dem vom Arbeitgeberverbande herausgegebenen Lohn⸗ und Arbeitstarif vom 1. April d. J. Es wird biernach an die Ge⸗ sellen ein Mindestlohn von 40 ₰ und ein Höchstlohn von 43 ₰, und war mit der Maßgabe gezahlt, daß sich in jedem Geschäft ein Durch⸗ schnitslohn von 42 ₰ ergiebt. Den Bauarbeitern wird ein Stunden⸗ lohn von 20— 33 ₰ derart gezahlt, daß in jedem Geschäft ein Durch⸗ schnittslohn von 32 ₰ hergestellt wird. .
In Halle a. S. haben, einer Mittheilung des „Vorwärts“ zu⸗ folge, die Maurer beschlossen, bei allen Meistern, welche nicht 45 S Arbestslohn zahlen, die Arbeit einzustellen.
In Frankenthal haben, nach demselben Blatt, die Stuhl⸗ macher (Tischler) die Arbeit niedergelegt.
Kunst und Wissenschaft. 1
Von der Münchener Jahres⸗Ausstellung 1898 im Königlichen Glaspalast wird berichtet, daß die Abtheilung für Architektur und Kunstgewerbe, welche in diesem Jahre besonders um⸗ fangreich ist und in völlig neuer Weise eingerichtet wird, erst einige Zeit nach dem 1. Juli wird eröffnet werden können, da die Ausführung der neu hergestellten reichen Architektur in ihren vielen künstlerischen Details sehr zeitraubend ist. Der Besuch der Aus⸗ stellung zeigt im Vergleich mit der letzten Jahresausstellung 1896 eine sehr befriedigende Mehrung. “ 1
Der Kunstverlag von Franz Hanfstaengl in München ver⸗ sendet soeben eine neue Galerie⸗Publikation, betitelt: „Die Meister⸗ werke der Königlichen Aelteren Pinakothek zu München“. Der handliche Quartband enthält 230 Kunstdrucke nach Original⸗ aufnahmen der hervorragendsten Gemälde und bietet in seiner einsichtig ge⸗ troffenen Auswahl einen vortrefflichen Ueberblick über die berühmre Galerie, deren Bedeutung für die Geschichte der Maleret bekannt ist. Trotz der sorgfältigen Ausführung der chronologisch geordneten und bequem zu einem Buche verbundenen Tafeln ist der Preis (9 ℳ) des Bandes ein sehr mäßiger. Die schöne und wohlfeile Publikation macht die Schätze der Münchener Galerie somit auch dem minder bemittetten Kunstfreunde zugänglich. Auch als Hilfsmittel beim Studium der Kunstgeschichte wird sich dieselbe verwerthen lassen. “
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