Mafisifähre des Kingani am 31. Juli Nachmittags. In acht Marsch⸗ tagen — einer sehr befriedigenden Marschleistung — erreichte ich Kilossa. Wenn der jetzt angeordnete Bau von Rasthäusern und die Anlage von Brunnen ausgeführt sein wird, kann Kilossa zu Maul⸗ thier in sechs bis sieben Tagen erreicht werden. Die Straße ist durchweg vortrefflich und entspricht allen Anforderungen für den Verkehr mit Ausnahme der drei Monate Regen⸗ zeit. Der große Verkehr wird für diese Zeit unterbrochen. Die Straße ist auch auf der ganzen, 300 km betragenden Strecke für Wagen fahrbar. Die einzigen Hindernisse sind der Kingani, dessen Fährboot nur nacheinander größere Transporte bewältigen kann, und eine Anzahl Steigungen östlich Kikundi (in den Vorbergen Ulu⸗ gurus), die noch abgeflacht oßer durch Wegekehren gemildert werden müssen. Ganz Außerordentliches hat Premier⸗Lieutenant Brosig, als Bezirks⸗Chef von Kilossa. in der Herstellung guter Bruͤcken ge⸗ leistet. Von Mrogoro bis Kilossa passiert man neun große und viele kleinere Brücken aus dem soliden und ameisenfesten Eisenholz (Kam⸗ bala⸗Acacia nigrescens), eine Arbeit, die der 12. Kompagnie der Schutztruppe hohe Ehre macht. Das durchrittene Land machte gegenwärtig, nachdem seit 1¼ Jabren kein nennenswerther Regen ge⸗ fallen, einen öden Eindruck. Mit Ausnahme ganz kleiner Striche (Kikundi, Kiroka, Kingo⸗Mrogoro) besteht die große Fläche zwischen den Pugubergen und Usagara aus trockenem, unfruchtbarem Pori. Gegenwärtig waren nicht nur die geringen, um die wenigen Ort⸗ schaften gelagerten Felder ohne Ernte geblieben und reckten nur dürre alme empor, sondern auch alle Wasserläufe waren völlig ausgetrocknet. elbst. der Ngerengere der bedeutendste und entwickeltste Nebenfluß des Kingani, enthielt keinen Tropfen Wasser. Wie in Südwest⸗ Afrika mußte mühsam nach Trinkwasser in seinem sandigen Bett gegraben werden. Hinter Matuli tauchen in der Ferne die Uluguruberge auf, ein stattliches Bergmassiv mit theilweiser Waldbedeckung. Oestlich Kikundi durchzieht die Straße die nördlichen Vorberge Ulugurus, die etwas Feuchtigkeit festgehalten haben und in den langgestreckten Thälern von Kikundi und Kiroka eine Ernte von Mtama und Mais aufweisen. Die Landschaft Mrogoro (Simbam⸗ weni und Kingo) erstreckt sich direkt am Nordfuße des steilabfallenden Ulugurumassivs. Sie wird von mehreren Bächen gespeist, die aus be⸗ deutender Höhe herabkommen und daher nicht versiegen. Auch hier war daher, wenn auch knapper alg sonst, eine Ernte vorhanden. Nach zwei weiteren, sehr großen Tagereisen erreicht man endlich das grüne und sehr fruchtbare Thal des Mukondokwa, der mit dem Mkata zusammen den Wami bildet. Das Mukondotwathal ist der Mittelpunkt und das Herz von Usagara, die Kornkammer für die Tausende der auf der großen Karawanenstraße verkehrenden Träger. Hier rasten alle Karawanen, ob sie von der Küste oder zur Küste gehen, mehrere Tage, um ihren Mundvorrath zu ergänzen und sich für die bevorstehenden Entbehrungen im Pori zu stärken. Ich habe das Thal bis oberhalb Muinisagara“*) abgeritten und überall die gleiche Fruchtbarkeit und auch ziemlich reichlichen Anbau gefunden. Leider ist noch kein Versuch gemacht, ob in dem schweren, immer feuchten Thalboden edlere Produkte, wie 3. B. Kakao, gedeihen und lohnen. Im Garten der Station Kilossa (2500 m Höhe) tragen die hier angepflanzten arabischen Kaffeebäume sehr reichlich, die europäischen Gemüse versorgen den Tisch aufs beste. nur Kartoffeln wollen nicht fortkommen. Die hier stattlich wachsenden jungen Kokospalmen erweisen die Unrichtigkeit des alten Satzes, daß diese Palmen nur an der Küste gedeihen.
In der unmittelbaren Umgegend von Kilossa zeigt sich ein selt⸗ sames Völkergemisch. In Kondoa leben zahlreiche Araber und Inder, die hier durch die Verpflegung der Karawanen gute Geschäfte machen. Ganz in der Nähe befinden sich starke Kolonten von Wanyamwesi und Wassangu, die neben ihrer Beschäftigung mit Ackerbau und Viehzucht stets bereit sind, als Träger auszuhelfen. Beide Stämme geben den weichen Wasagara, der Grundbevölke⸗
rung des Landes, ein gutes Beispiel regsamer Thätigkeit. 8 H gelingt es, mehr Leute der betriebsamen Stämme des Innern an der Karawanenstraße anzusiedeln. Sehr erfreulich ist der Anblick des Viehstandes der Station Kilossa: 150 Stück Großvieh zeigen sich in bester Beschaffenheit und gutem Gedeihen. Dasselbe ist von dem Vieh der Eingeborenen in Kondoa, bei Kingo und an der Mafisifähre zu sagen. Es sticht sehr vortheilbaft ab gegen das Aussehen des Viehes in der mit so großer Sorgfalt gepflegten Viehstation Pugu, wo das Eingehen zahlreicher Thiere ohne auffallende Krank⸗ 8 heitserscheinungen noch immer an der Tagesordnung ist. Vielleicht ist diese Station Krankheitseinflüssen der Küste noch zu stark ausgesetzt und wird weiter ins Innere verlegt werden müssen. In dem Pori zwischen Mkata und Mukondokwa, in der Landschaft Matwida, gedeiht der oben erwähnte Eisenholzbaum besonders gut und häufig. Um diesen für alle Bauten unersetzlichen und werthvollen Baum zu erhalten und zu kultivieren, ist die Einrichtung eines kleinen Forsthauses an der großen Straße angeordnet. Dort soll ein nach Kilossa versetzter Oberjäger tationiert werden und die Pflege und Aufforstung jener wichtigen Bestände übernehmen. Später wird diese Aufsicht über den Forst durch einen Eingeborenen oder einen Inder ausgeübt werden können. 2) Das Ulugurugebirge. Von Kilossa aus erreichte ich in vier Märschen in südöstlicher Richtung das Ulugurugebirge auf seiner Westseite und zwar in der Gegend, wo der Mkuyu⸗ und der Mhansabach die Berge verlassen. Ich habe darauf den Ssongaberg (auf 1100 m Sattelhöhe) und den Mgetafluß auf 1060 m) überschritten und bin das Msingathal aufwärts egangen. Von hier „wurde mit unglaublich steilem Anstieg as mächtige Beramassiv des Lukwangula auf 2400 m Höhe er⸗ eicht und an der Quelle des Mgeta gelagert. Meine Absicht, oben uf dem Plateau des Lukwangula dem Laufe des Mgeta entlang zu marschieren, wurde durch die niedrige Temperatur und den scharfen Wind vereitelt. Ich stieg deshalb zum Fisigothale (Ningwa) herab, arschierte dies abwärts und ging über Taua und Lolo in nördlicher ichtung nach Kinole zum Jumben Kingaro. Von hier ward der Abstieg zum Ruvu nach der Missionsstation Tununguo voll⸗ en. Die eigentliche Gebirgsreise nahm sechs Tage in b nspruch. Das Ulugurugebirge ist ein Massengebirge mit aufgesetzten Ketten, das ungefähr dreieckigen umri und einen Flächeninhalt von 340 qkm hat und mit seinem Wasserreichthum ausschließlich das lußsystem des Ruvu⸗Kingani speist, der selbst hier entspringt und dessen bedeutende Nebenflüsse, der Ngerengere, Mgeta, Fisigo, sowie zahllose kleinere Zuflüsse sämmtlich hier ihren Ursprung haben. Seine Grundformation ist Gneis und Glimmer, doch findet sich auch viel Quarz und thonhaltige Schichten. Es ist erstaunlich, daß dies schöne, allerdings sehr schwer ersteigbare Gebirgsland trotz seiner Küstennähe (etwa 200 km) noch so wenig erschlossen und bekannt geworden ist. Einem zweimonatlichen Aufenthalt und fleißigen Forschen Dr. Stuhl⸗ mann’'s verdanken wir die Karte in 1: 150 000. Im übrigen haben nur wenige Reisende (Ramsay, Schlobach) die Außen⸗ seite des Gebirges berührt. Das Gebirge ist jedenfalls das schönste und mannigfaltigste der ostafrikanischen Bergkomplexe, da es neben seiner bedeutenden Höhe vielgestaltige Gipfel und zahlreiche Bergketten aufweist, die untereinander durch tiefeingeschnittene Fluß⸗ thäler getrennt sind. Fast auf jedem hohen Punkte hat der Beschauer eine ganze Anzahl von Bergreihen vor sich, die sich malerisch auf⸗ bauen und in der Ferne in dunklem Blau verschwinden. Charak⸗ teristisch ist die Steilheit seiner Hänge, die wohl den Grund für den bisher so geringen Besuch seiner Höhen bildet.
Vor Usambara voraus hat das Ulugurugebirge den großen Wasserreichthum. Da die Wolken hier in ungefährer Höhe von 1500 m streichen, so sind die darüber liegenden Höhenrücken und Gipfel beständig in Nebel und Wolken gehüllt und erfreuen sich reichlicher Befeuchtung. Demzufolge reicht auch hochstämmiger Wald bis auf die Bergrücken herauf und hält seinerseits wieder die Nieders⸗ läge fest. Aus jeder Schlucht und Bergfalte rinnt ein Wasserlauf zu Thal und befruchtet seine Umgebung. Allerdings erschweren diese unaufhörlich sich folgenden großen und kleinen Wasserläufe das Fortkommen
.no) Die alte Station der Deutsch⸗Ostafrikanischen Gesellschaft, die längst in Trümmern liegt. Hier wurde seiner Zeit Keeöst n
außererdentlich. Meine Karawane hat an einem Marschtage 24 solcher Gebirgsbäche über Felsgeröll und Steinplatten e üͤberschreiten müssen. Erstaunlich aber ist infolge dieses Wasser⸗ reichthums die Fruchtbarkeit der Thäler; nicht nur sind diese desbalb dicht bevölkert und stark angebaut, sondern auch die Berghänge sind mit Hütten der Eingeborenen und deren Feldern bedeckt, wie dies in keinem anderen Mittelgebirge Ost⸗Afrikas der Fall ist. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen dem West⸗ und Ostabhang des Gebirges. Da die Wolken an letzterem ibren Feuchtigkeitsgehalt ablagern, so ist dieser viel quellen⸗ und wasser⸗ reicher als die steppenartigen Hänge der Westseite. Der der Küste zu gelegene Hang ist somit der bevorzugte. Der Waldbestand des Gebirges ist noch ziemlich bedeutend und zeigt zum theil schöne, werthvolle Stämme, ferner ausgezeichneten Bambus und gute Bauhölzer. Leider sind die Bewohner die schlimmsten Feinde ihrer schönen Wälder. Sie brennen den Wald nieder, um den Boden zu bewirthschaften. Nach wenigen Jahren G sie das Feld wieder liegen und nehmen durch Feuer eine neue Flaͤche in Besitz. So zieht sich der gute Waldbestand immer mehr auf die Hoͤben zurück und, falls nicht eingegriffen wird, sind seine Tage gezählt, und damit müssen die schönen, segenbringenden Quellen versiegen. Das Schmerzliche ist, daß schon jetzt die Eingeborenen bis in das prachtvolle Dickicht der Hochwälder eindringen und dort ohne Auswahl die besten Stämme als Bau⸗ und Brennholz heraus⸗ schlagen. Auch der Bambus wird als das bequemste Baumaterial für die Hütten rücksichtslos verwüstet. Herr Forstassessor von Bruchhausen wird über diesen Gegenstand einen besonderen Bericht einreichen.
Die Bevölkerung der Berge theilt sich streng in zwei Stämme, die miteinander wenig oder kaum Verbindung haben, verschiedene Sprachen sprechen und in ihrer Lebensweise und ihrem Bildungaegrade große Unter⸗ schiede aufweisen. Die Hochberge und Hochthäler sind von den Walu guru bewohnt, die meist in Gruppen von drei bis zehn Hütten auf schwer erreichbaren Punkten wohnen, äußerst scheu und furchtsam sind und vorläufig die Berührung mit dem Europäer noch ängstlich ver⸗ meiden. Sie sprechen einen eigenen, unverständlichen Dialekt, empfangen die Karawanen nicht in ihrem Dorfe, sondern laufen sämmtlich mit Frauen, Kindern und Vieh weg und verbleiben in den Bergen, bis die Karawane wieder abgezogen ist. Wenn es mir gelang, durch Aussendung von Boten und Anbieten von Geschenken in den Abendstunden einige Beherzte zur Rückkehr, zum Schauri und zum Fübrerdienst zu bewegen, so habe ich doch nicht Gelegenheit gefunden, ein Weib oder Kind der Waluguru zu sehen. Sie saßen meist auf den höchsten Anhöhen und beobachteten von dort furchtsam und scheu den Marsch der Karawane. Dr. Stuhlmann glaubt, daß die Waluguru aus den verschiedensten Stämmen der Ebene zusammen⸗ 2 sind, von denen sich Theile und Trümmer vor den Raubzügen rüherer Zeiten in die sicheren Berge geflüchtet und hier eine zweite gefunden haben. Jedenfalls wird es noch geraumer
eit und unausgesetzter geschickter Bemühung bedürfen, bevor diese „wilden“ Bergbewohner den deutschen Beamten mit Vertrauen sich nähern. Rund herum um die Waluguru in den offenen Thälern und auf den der Ebene zugewandten Vorberzen wohnen Wakami. Diese zeichnen sich durch Intelligenz und Arbeitsamkeit aus und wissen ihrem fruchtbaren Boden so viel abzugewinnen, daß sie sich behaglichen Wohlstandes erfreuen. Sie leben in größeren Ortsgemeinschaften und unter meist ziemlich bedeutenden Jumben und sehen auf die Waluguru als auf „Waschensi“ verächtlich herab. Das schöne Thal „Taua“ des Mangabaches er⸗ scheint dem Reisenden wie ein grüner Garten. Es ist durch künstlich gezogene Gräben reichlich bewässert und liefert zu jeder Jahreszeit Ernteerträge. b
Der Boden ist in dem gesammten Gebirgslande durchweg rother Laterit, zum theil von schwarzem Humus bedeckt und infolge der reich⸗ lichen Bewässerung sehr fruchtbar. Wie kein anderer der ostafrika⸗ nischen Gebirgsstöcke eignet sich das Ulugurugebirge zur Verbindung von europäischem Ackerbau und Weidewirthschaft mit der Anlage tropischer Kulturen je nach der gewählten Höbenlage. Auf den weit⸗ ““ grünen Hochweiden muß ein schöner Viehstand gedeihen.
eider ist gegenwärtig Rindvieh nur spärlich vertreten und muß erst gewissermaßen neu eingeführt werden. Für alle tropischen Erzeug⸗ nische aber finden sich hier nach sachgemäßer Auswahl die be⸗ treffenden Oertlichkeiten und Böden für Kaffee, Thee, Kakao, Kardamom, Zimmt ꝛc. Zu meiner Freude konnte ich die erste kleine deutsche Plantage in ihren Anfängen bier sehen. Ein früherer Ange⸗ stellter der Deutsch⸗Ostafrikanischen Gesellschaft, Herr Moritz von Derema hat sich bei Kinole (Jumbe Kigaro) im Nordosten des Gebirgs niedergelassen, zunächst um Sammlungen aller Art zu be⸗ treiben. Die außerordentlich günstige Lage (1000 m Höhe), der vor⸗ treffliche Boden, der starke Urwaldbestand, die reichlichen Niederschläge haben ihn veranlaßt, eine Kaffeepflanzung anzulegen, die er mit bescheidenem eigenen Kapital betreiben will. Er hat das Gouvernement um Ueber⸗ lassung von 200 ha gebeten. Die Anfänge der mit langjähriger Er⸗ fahrung äußerst sachgemäß angelegten Pflanzung machen einen recht viel versprechenden Eindruck. Das Gelingen dieses Unternehmens wäre um so erfreulicher, als es den Beweis liefern würde, daß ein erfahrener und landeskundiger Mann, auch ohne Millionen zu besitzen, Kaffee auf den Markt liefern kann.
Ich nahm Veranlassung, auch den Missionsstationen einen Besuch abzustatten. Mrogoro macht einen sehr guten Eindruck, sowohl nach seiner schönen Lage, seinen Bauten, seinen gut gepflegten Gärten und der nicht unbedeutenden Kaffeepflanzung, als auch nach seinem Ein⸗ fluß auf die Bepölkerung und die gute Erziehung der Missionskinder. Letztere sangen sehr hübsch zum Harmonium deutsche, Suaheli⸗ und lateinische Kirchen⸗ und patriotische Lieder.
„Wie der Kaiserliche Gouverneur von Deutsch⸗Südwest⸗ afrika aus Windhoek meldet, ist der Kapitän Manasse Tliseseta von Omaruru am 29. Juli d. J. an Herzschwäche, hervorgerufen durch Malaria, gestorben, nachdem er noch am 13. und 14. desselben Monats in voller Rüstigkeit mit dem Gouverneur verhandelt hatte. Welche politischen Folgen, bemerkt hierzu das „Deutsche Kolonialblatt“, dieser Todesfall haben wird, läßt sich noch nicht übersehen. Vorläufig ist in Oma⸗ ruru die Ruhe nicht gestört; der Unter⸗Kapitän Mutate führt die Geschäfte weiter. Der Distriktschef, Second⸗Lieutenant Steinhausen ist mit der nöthigen Instruktion ver⸗ sehen worden. Der Verstorbene war, nachdem sein anfängliches Mißtrauen überwunden war, wozu nament⸗ lich die richtige Behandlung seitens seines ersten Distrikts⸗ chefs, Second⸗Lieutenants Volkmann, beigetragen hat, ein warmer Freund der Deutschen geworden, als welcher er sich auch im letzten Zwartbooi⸗Kriege, der sich dicht an den Grenzen seines Landes abspielte, bewährt hat. Ueber seinen Nachfolger lassen sich bei der eigenthümlichen Erbfolge der Hereros vor⸗ läufig keine Vermuthungen anstellen.
Desterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser ist gestern Abend von Wallsee wieder in Wien eingetroffen.
Das ungarische Unterhaus wählte in seiner vor⸗ estrigen Sitzung den Abg. Berzewiczy wieder zum Vtze⸗ Präsidenen Die nächste Sitzung des Hauses findet am
. d. M. statt.
Frankreich. „Wie das „Reuter’'sche Bureau“ erfährt, wären die fran⸗ sösis e und die britische Regierung entschlossen, um eine Zeit zu verlieren, sofort in Paris Verhandlungen über
die Faschoda⸗Frage zu beginnen, ohne den Bericht Marchand's
1““ “
abzuwarten.
Die Konferenz der span isch⸗amerikanischen Frieden 8 8
Kommission wurde, wie „W. T. B.“ meldet, vorgester Nachmittag um 3 Uhr im Ministerium des Fnametsn eröffnet. Sämmtliche Kommissare waren anwesend. In der Sitzung, welche bis 3 ½ Uhr währte, wurde zunächst de⸗ schlossen, daß kein besonderer Vorsitzender gewählt werden solle; die Reihenfolge der Arbeiten ist noch nicht vollständig festgestellt. Die Sekretäre der Kommission werden das definitive Programm für die Arbeiten festsetzen. Die Mitglieder der Kommission haben sich auf Ehrenwort verpflichtet, über die Berathungen strengstes Stillschweigen zu beobachten. — Die zweite Sitzung findet heute statt.
Der amerikanische General Merritt ist auf der Reise 8 den Philippinen nach Paris gestern in Marseille ein⸗
etroffen.
Der Major Marchand ist zum Bataillonschef der Marine⸗Infanterie ernannt worden.
Der General⸗Prokurator des Kassationshofes Manau hat die Untersuchung der Akten des Dreyfus⸗Prozesses beendet und dieselben am Sonnabend Nachmittag dem Vorsitzenden der Kriminalkammer Loew zugestellt. Dieser wird ebenfalls eine Prüfung der Akten vornehmen und im Laufe der nächsten Woche den Rath bestimmen, welcher mit der Berichterstattung beauftragt werden wird.
Der Deputirte Jaurès hielt vorgestern Abend in einer von etwa 6000 Personen besuchten Versammlung eine Rede über den Sozialismus und die Dreyfus⸗Angelegen⸗ heit. Er protestierte, wie „W. T. B.“ berichtet, zunächst dagegen, daß man niemand zu dem Obersten Picquart lasse. Die Sozialisten träten für Dreyfus ein, da sie überhaupt für die Unterdrückten einträten. Die Unfähigkeit des Generalstabs sei erwiesen. Das ge⸗ heime kriegsgerichtliche Verfahren widerspreche der Frei⸗ heit. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig eine vagescronung an, in welcher ausgeführt wird: das Proletariat müsse sich bestreben, die militärischen Institutionen Frankreichs mit den Grundsätzen der republikanischen Demokratte in Ein⸗ klang zu bringen, und müsse volle Klarheit über die Vergehen des gegenwärtigen Militarismus verlangen. Nach Schluß b Versammlung kam es zu mehreren Kundgebungen vor den Redaktionen einiger Blätter. Im Verlauf derselben feuerte ein junger Mann einen Revolver ab, ohne jedoch jemand zu treffen; derselbe wurde verhaftet. Er ist ein Belgier, Namens van Benne, in Ixelles geboren und 19 Jahre alt. Außer dem Revolver trug van Benne ein febjc geschucfenes Stilet bei sich. Der Verhaftete gab an, er habe geschossen, um den Revolver zu versuchen; er sei Bäckergehilfe, aber gegenwärtig ohne Arbeit. Man glaubt, es mit einem Anarchisten zu thun zu haben. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Außerdem wurden drei Studenten ver⸗ hee weil sie aufrührerische und die Polizei beleidigende
üufe ausgestoßen hatten. 1
In der Salle Wagram sollte gestern Nachmittag eine von de Pressensé einberufene Versammlun zu Gunsten der Revision des Dreyfus⸗Prozesses stattfinden. Jahtreiche Polizei⸗ beamte hielten aber sämmtliche Zugänge zum Saale besetzt; de Pressensé, welcher den Saal zu betreten versuchte, wurde gegen 1 Uhr verhaftet und zur Polizei gebracht. Vor dem Saale hatte sich eine ziemlich zahlreiche Menge angesammelt, aus deren Mitte vereinzelt Rufe: „Es lebe Zola! Es lebe die Revision“ ertönten. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Unter den Verhafteten befanden sich auch der Direktor des Blattes „L'Aurore“, Vaughan, sowie der Redakteur des „Temps“, Morhardt, welche festgenommen wurden, als sie den Saal betreten wollten. — Zwischen den Polizeibeamten und einer Anzahl Personen, welche die Absperrung der Polizei zu durch⸗ brechen versuchten, kam es zu einem Handgemenge. Mehrere Personen wurden auch hierbei verhaftet, darunter der Deputirte Paulin Méry. Wiederholte Rufe: „Revision! Nieder mit den Juden!“ wurden laut. In diesem Augenblick er⸗ Br Déroulsde an der Spitze zahlreicher Freunde, welche,
a sie das Gitter vor dem Saale geschlossen sahen, unter Hochrufen auf die Armee nach der „Place des ternes“ zogen. De Pressensé, Vaughan, Morhardt und Paulin Méry wurden um 3 Uhr Nachmittags wieder aus der Haft entlassen. Vor der Salle Wagram waren noch zahlreiche Theilnehmer an der Kundgebung versammelt, die indessen ebenfalls von der Polizei zerstreut wurden. Gegen 4 Uhr Nachmittags versuchte eine Anzahl Manifestanten, die von den Zugängen zu der Salle Wagram vertrieben worden waren, nach dem Opernplatz vor dem „Cercle militaire“ zu gelangen, wurde aber von der Polizei zerstreut. Im Ganzen wurden gestern 35 Verhaftungen vor⸗ genommen, von denen 6 aufrecht erhalten wurden.
Baughan, de Pressense und Morhardt veröffent⸗ lichen heute in der „Aurore“ einen Protest gegen das Verbot der Versammlung und gegen das Vorgehen der Polizei bei der Räumung des Saales, welches eine Verletzung der Grund⸗ sätze der Revolution sei.
Der Vize⸗Gouverneur von Ubangi Liotard, welcher seinerzeit durch Verträge mit den Häuptlingen der Ein⸗ geborenen und durch die Besetzung von Tambura am Sueh⸗ Fluß (Nebenfluß des Bahr⸗el⸗Ghasal) der Expedition Marchand's die Wege geebnet hat, traf am Sonnabend in Pauillac ein. Bei seinem Empfange hielt de Brazza eine Rede, in welcher er nach Begrüßungsworten an Liotard sich über das Unter⸗ nehmen Marchand's, wie folgt, aussprach:
„Diese Expedition hat jetzt ein Werk gekrönt, das elf Jahre
hindurch betrieben worden ist. Dank derselben kann Frankreich von der
Regelung einer Frage von internationalem Interesse in einem Theile Afrikas, den sieskch seinerzeit für die zivilisierten Na⸗ tionen erschlossen hat, nicht ausgeschlossen werden, und die französische Congokolonie wird nunmehr, Interessen nach dem Osten hin, im Nilbecken, sind, wie sie es nach Norden und Westen, nach dem Tschadsee und dem Kamerungebiet sind, alle ihre Hilfsquellen auf ihre wirthschaftliche Entwickelung verwenden können. In dieser Hinsicht werde ein Vergleich der in Betracht kommenden Umstände durchaus zu Gunsten der Verhältnisse des Unabhängigen Congostaats ausfallen.
Die Genugthuung über den zivilisatorischen Erfolg Belgiens und die Freude über die Wiederherstellung des Verkehrs durch
das Nilthal gebe auch Veranlassung, der Männer rühmend
zu die im Namen Frankreichs der Zivilisation
dienten. Durchgangsstraße von ebenso deutlichem allgemeinem Interesse wie die Kongo⸗Route, deren Neutralität und Verkehrsordnung durch HPesursen⸗ treten der Mächte geregelt wurde. Die Anschauung, welche die Mächte auf der Berliner und der Brüsseler Konferenz in dem Gedanken der Versöhnung, schiedsrichterlichen Schlichtung und der ebung der Eingeborenen geeinigt hat, führte zu einer Akte, welche die Grundsätze eines neuen Rechts aufstellte. Frankreich, das sich damals vor dem neuen Stand der Dinge beugte, kann nunmehr an dieses neue Recht appellieren, welches sich auf die Freiheit des Handels und die Unbeschränktheit der Flußschiffahrt auf den großen Verkehrsadern
ewahrt
des afrikanischen Festlandes gründet, um einen freien Zugang durch
Theilnehmer schlug vor, alle Läden
nachdem ihre
Durch sie erlangten wir ein unbestreitbares Anrecht auf eine
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das Nilthal zu verlangen, der zur Erfüllung der Aufgaben nöthig ist,
welche durch die Berliner Kongoakte Frankreich in den seinem Einfluß
unterstehenden Gebieten übertragen worden sind. 1
Liotard erwiderte mit Dankesworten in seinem und seiner Begleiter Namen und schloß sich dem Marchand und seinen Begleitern gespendeten Lobe an. Die Anwesenden be⸗
gaben sich alsdann nach Bordeaux.
Der französische Kreuzer „Dubourdieu“ ist, wie aus Cayenne gemeldet wird, am 1. d. M. bei den Isles du
Salut vor Anker gegangen. 11 Frau Carnot, die Wittwe des ermordeten Präsidenten
der Republik, ist am Freitag Abend im Schlosse Prestes gestorben. 1.“ “
Der St. Petersburger „Herold“ meldet aus Livadia: Die Prinzessin Heinrich von Preußen wurde bei Ihrer Ankunft auf der Station Ai Denil von dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland begrüßt. Nach einem gemein⸗ sam eingenommenen Dejeuner begaben sich die Majestäten mit Ihrer Königlichen Hoheit nach Livadia.
B Die russische Regierung hat, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg meldet, die Errichtung einer katholischen Kapelle in Taschkent gestattet, unter der Bedingung, daß die Priester derselben die polnische Sprache bei der Ausübung der Seelsorge gegenüber katholischen Untermilitärs nicht an⸗ wenden. Alle Gebete sollen ausschließlich in lateinischer Sprache abgehalten und bei allen Ansprachen an die Gemeinde
spoowie bei allen Unterweisungen und Predigten soll ausschließ⸗
lich die russische Sprache gebraucht werden. 1
Nach dem vorläufigen Kassenausweis betrugen in dem ersten halben Jahr 1898 die ordentlichen Reichs⸗Ein⸗ nahmen 697,7 Millionen gegen 612 Millionen Rubel im Vorjahre, die außerordentlichen 43,3 Millionen gegen 34,7 Millionen Rubel; die ordentlichen Reichs⸗Aus⸗ gaben 636,9 Millionen gegen 605,8 Millionen Rubel im Vorjahre, die außerordentlichen 50,7 Millionen gegen
39,8 Millionen Rubel.
Italien.
Wie die „Agenzia Stefani“ meldet, hat die italienische Regierung an alle Staaten Europas eine Note ge⸗ richtet, in welcher sie dieselben zu einer Konferenz zur Berathung von Maßnahmen gegen die Anarchisten einladet. Der Ort, wo die Konferenz stattfinden soll, ist in
ote nicht bezeichnet. Spanien.
Auf einer am Sonnabend in Barcelona abgehaltenen Versammlung von Vertretern der Industrie wurde, dem „W. T. B.“ zufolge, beschlossen, die Aufhebung der Kriegssteuer zu fordern und mit allen gesetzlichen Mitteln sich der Zahlung dieser Fhüschlagastene zu widersetzen. Ein
d Fabriken zu schließen.
Der Khedive Abbas Pascha ist, wie „W. T. B.“ be⸗ richtet, vorgestern zu längerem Aufenthalt in Konstantinopel eingetroffen und hat sich nach dem Yildiz⸗Palais begeben.
Die Botschafter Großbritanniens, Frankreichs und Italiens haben, dem Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗ Bureau“ zufolge, die Zustimmung ihrer Regierungen zu dem Fnhant und der Ueberreichung der Note an die Pforte bereits erhalten, während dem russischen Bot⸗ schafter die Zustimmung seiner Regierung noch nicht zu⸗ gegangen ist. Die Note enthält einen Rückblick auf die Ereignisse in Kreta und besagt, die Einführung der noth⸗ wendigen neuen Verwaltung in Kreta sei ohne Zurückziehung der türkischen Truppen unmöglich. Die Mächte ersuchten daher den Sultan, dies zu veranlassen, indem sie ihm die Wahrung seines Souveränitätsrechts versprächen und sich für die Sicherheit der Mohamedaner auf Kreta verbürgten. Sollte indeß der Sultan den Befehl zur Zurückziehung der Truppen nicht geben, so bleibe den Mächten nichts anderes übrig, als entschiedene Maßregeln zu ergreifen. In diesem Falle könne aber die Souveränität des Sultans nicht berücksichtigt werden und müsse die Verwaltung Kretas in einem seiner überwiegend christlichen Bevölkerung entsprechenden Sinne durchgeführt werden. 1
Die Kirche in Kumanova ist, wie das Wiener „Telegr.⸗ Korresp.⸗Bureau“ erfährt, jetzt den Bulgaren übergeben worden. Aus diesem Anlaß wurde in derselben ein Dankes⸗Gottesdienst für den Sultan abgehalten; zahlreiche macedonische Gemeinden gaben ihrem Dank in Telegrammen an den Sultan Ausdruck. Den Serben wurde eine kleine Kirche zugewiesen; der serbische Gesandte in Konstantinopel Novakowitsch bereitet in der Kirchenangelegenheit einen Protest an die Pforte vor. “
Im Distrikt Melaskerd (Vilajet Wan) hat ein Zu⸗ sammenstoß zwischen einer angeblich von Kaukasien ge⸗ kommenen armenischen Bande und türkischen Truppen stattgefunden, wobei die Armenier einen Verlust von 49 Todten und 3 Verwundeten hatten. 1
Aus Kanea wird gemeldet, daß die Admirale den Gouverneur aufgefordert hätten, die Waffen, welche zu Be⸗ ginn des Jahres 1897 von den Behörden unter die Bevölkerung vertheilt worden seien, wieder zurückzunehmen. Die Admirale hätten ferner beschlossen, die ö von Kandia kriegs⸗ rechtlich abzuurtheilen und die Urtheile vollstrecken zu lassen. Sieben Unruhestifter seien neuerdings den Engländern aus⸗ geliefert worden. — Der Gouverneur erwiderte auf die obige Aufforderung, daß diese Waffen bereits im Jahre 1897 wieder eingeliefert worden seien.
Die Mitglieder des internationalen Militär⸗ Ser sind am Sonnabend Abend von Kanea nach
andia abgereist, um daselbst die strafgerichtliche Untersuchung wegen der gegen kretische und fremdländische Zivilpersonen be⸗ gangenen Gewaltthätigkeiten einzuleiten. Diejenigen “ welchen speziell An rißfe gegen Engländer zur Loh fallen, ver⸗ bleiben unter der Gerichtsbarkeit des britischen Tribunals.
In Kandia sind weitere 1200 britische Matrosen an Land gesetzt worden.
Der Oberst Chermside hat die im letzten Jahre gebildete internationale Gendarmerie entlassen. 8
Dänemark.
Aus Kopenhagen berichtet „W. T. B.“: es verlaute daselbst, daß die Beisetzung der Königin, dem Wunsche der Verblichenen gemäß, ohne größere Trauerfeierlichkeiten n der Kathedrale von Roeskilde erfolgen werde. Die Leiche
werde von Gjentofte mit der Bahn nach Roeskilde überführt
werden, ohne Kopenhagen zu berühren. Der König von Schweden und Norwegen werde zur Beisetzung eintreffen.
Amerika.
Die Silber⸗Demokraten im Staate New York haben, wie der „Times“ gemeldet wird, Henry George den Jüngeren als Kandidaten für den Gouverneurposten aufgestellt. In dieser Woche sollen 50 000 Mann Truppen von Jack⸗ sonville (Florida) nach Manzanillo auf Cuba abgehen, am 20. Oktober sollen weitere dorthin folgen.
Das Marine⸗Departement macht gegenwärtig Ab⸗ schlüsse für den Bau von vier neuen einthürmigen Küsten⸗ schutz⸗Monitors von je 2700 t Größe.
Wie „W. T. B.“ aus Valparaiso berichtet, hatten der chilenische Minister des Auswärtigen und der argen⸗ tinische Gesandte gestern eine Unterredung mit dem Prä⸗ sidenten Errazuriz in dessen Wohnung behufs Regelung der Atacama⸗Frage, welche einem Schiedsspruche nicht unter⸗ breitet ist. Der Minister machte vier Vorschläge, welche in⸗ dessen sämmtlich von dem argentinischen Gesandten abgelehnt wurden. Derselbe weigerte sich, seinerseits andere Vorschläge zu machen.
Afien.
Wie das „Reuter'sche Bureau“ erfährt, hat das britische Auswärtige Amt ein Telegramm des b in Peking Sir Claude Mac Donald erhalten, in welchem dieser meldet, daß ein Mitglied der Gesandtschaft, Mortimore, als er mit seiner Gemahlin nach Hause zurückkehrte, von Chinesen angegriffen, beleidigt und mit Steinen beworfen worden sei. Im weiteren Verlauf des Tages seien amerikanische Missionare und der chinesische Sekretär der ameri⸗ kanischen Gesandtschaft in ähnlicher Weise angegriffen worden, wobei der letztere einen Rippenbruch erlitten habe. In Peking herrsche eine gefährliche Stimmung. Der Gesandte meldet weiter, er habe wegen dieser Beschimpfungen sehr energische Vorstellungen bei der chinesischen Regierung erhoben.
Das „Reuter’sche Bureau“ berichtet aus Peking, daß bei dem Mondfeste am Sonnabend der Pöbel mehrere Europäer mit Straßenschmutz beworfen habe. Die russische Gesandtschaft habe eine Abtheilung Kosaken aus Port Arthur und die britische Gesandtschaft 25 Marinesoldaten aus Weihaiwei requiriert.
Der „Times“ wird aus Shanghai gemeldet, daß Huai⸗Ta⸗Pu, der vor kurzem von dem Kaiser seines
mtes entsetzt worden und der der hauptsächlichste An⸗ hänger Yung⸗Lu's sei, zum Präsidenten des Zensoren⸗ gerichts und zum Mitglied des Großen Raths ernannt worden sei. b
Nach einer Depesche des „Daily Telegraph“ wäre in Shanghai ein Telegramm aus chinesischer Quelle einge⸗ laufen, nach welchem der Rebellen⸗Häuptling Nu⸗Man⸗Tze die Stadt Tschung⸗King genommen habe.
Einer in Madrid eingetroffenen amtlichen Depesche von den Visayas⸗Inseln zufolge seien die Tagalen in der Pro⸗ vinz Antigua (Insel Panay) gelandet, jedoch von den Spaniern völlig geschlagen worden. Die Tagalen hätten 94 Todte gehabt, 13 seien gefangen genommen worden.
Afrika.
Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Kairo, der Rest der Streitkräfte der Derwische in der Provinz Kedaref habe vor vier Tagen unter der Führung Achmed Fadil'’s den Versuch gemacht, Kedaref wiederzunehmen, sei aber mit beträchtlichen Verlusten zurückgeschlagen worden; die Verluste der Egypter seien gering gewesen. Um die Provinz Kedaref von den Derwischen zu säubern, solle von Omdurman aus eine Streitmacht entsandt werden. — Die Northumberland⸗ Füsiliere und andere Truppenabtheilungen sollen heute von Kairo nach Kreta abgehen. Alle Truppenabtheilungen, welche aus sigobten dorthin gesandt werden, führen Maschinengeschütze mit sich.
Dem Londoner „Daily Telegraph“ wird berichtet, daß das Eintreffen des Generals Sir H. Kitchener in “ Marchand sehr zu statten gekommen sei. Die Eingeborenen hätten damals gegen Marchand eine sehr drohende Fertene eingenommen; auch sei täglich eine Anzahl von Marchand's Leuten gestorben oder geflohen.
Wie die „Standard and Diggers News“ aus Pretoria melden, wären sie von dem Präsidenten Krüger ermächtigt worden, zu erklären: derselbe werde seinen Einfluß beim Ersten Volksraad dahin geltend machen, daß das Goldgewinnungs⸗ gesetz in der Weise abgeändert werde, daß in Fällen, in denen nachweislich der Betrieb der Minen absichtlich und aus weitergehenden Motiven eingestellt werde, Geldstrafen an Stelle der bisherigen Konfiskation treten sollten. 1“
Nr. 40 des „Centralblatts der Bauverwaltung“, ber⸗ ausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 1. Ok⸗ tober, hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienstnachrichten. — Nicht⸗ amtliches: Der neue Monumentalbrunnen in Stettin. — Neue Funde auf dem Heidelberger Schlosse. — Der Jahresbericht über die Thätigkeit des Stadtbauamtes München für 1896. — Der alte Burgmannenhof in Wernigerode a. H. — Vermischtes: Preisbewerbung um Entwürfe für den Umbau des Rathhauses in Emmerich. — Wettbewerb um Pläne für den Neubau eines Realschulgebäudes nebst Turnhalle in Bautzen. — Wettbewerb um Entwürfe für die künst⸗ lerische Gestaltung des Platzes „2“ im Weichbilde der Stadt Schöne⸗ berg. — Spremberger Stadtbahn. — Schwebebahn im Wupper⸗ thale. — Verwendung von gefärbtem Mörtel zu Putzarbeiten.
Statistik und Volkswirthschaft.
16““ Zur Arbeiterbewegung. “ Die Töpfer Dresdens beschlossen, der „Lpz. Ztg.“ zufolge, in einer am 29. September abgehaltenen öffentlichen Versammlung den jetzt bestehenden Tarif für Neujahr 1899 zu kündigen, und wählten zur Führung der Unterhandlungen mit den Arbeitgebern über die Auf⸗ besserung der Lohnverhältnisse eine mehrgliedrige Kommission.
Bauwesen.
Fe— 8 “ „ if 4 8 er Preisbewerbung für den es hauses in Emmerich ist, wie das „Centralbl. d. Bauverw.“
meldet, der erste Preis einstimmig dem Architekten Karl Müller in
Hannover zugesprochen worden. Den zweiten Preis erhielt Architekt H. Schlumpp in Berlin. Zum Ankauf empfohlen wurden die Ent⸗ En „Deutsch II“, „Neues Leben“, „Bürgersinn“, „Grethe“ und „Arbeit“.
Für den Neubau eines Realschulgebäudes nebst Turn⸗ halle in Bautzen ist ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben worden. Die Preise betragen 2000, 1000 und 500 ℳ Preisrichter sind die Herren Geheimer Hofrath Giese in Dresden, Land⸗Baumeister Baumann und Stadt⸗Baudirektor Baumgärtel in Bautzen, sowie drei Nichttechniker. Die Entwürfe sind zum 31. Dezember d. J. bei dem Stadtrath in 8 einzureichen; die Unterlagen des Wett⸗ bewerbs können bei derselben Stelle eingesehen oder für 2 ℳ ent⸗ nommen werden. .
Theater und Mufik.
Im Königlichen Opernhause geht morgen Lortzing's komische Oper „Die beiden Schützen“ in folgender Besetzung; in Scene: Wilhelm Stark: Herr Bulß; Peter: Herr Lieban; Suschen: Fräulein Dietrich; Gustav: Herr Philipp; Schwarzbart: Herr Knüpfer; Caroline: Frau Herzog; Jungfer Lieblich: Frau Schumann⸗ Heink; Barsch: Herr Thomas; Amtmann Wall: Herr Krasa; Busch Herr Stammer. Hierauf folgt das Ballet „Die Jahreszeiten“ von Taubert und Graeb, Musik von Hertel. 1 Im Königlichen Schauspielhause findet morgen eine Aufführung von Shakespeare's Drama „König Richard der Zweite“ mit v Matkowsky in der Titelrolle statt; außerdem wirken in den auptrollen die Herren Ludwig, Molenar und Fräulein Poppe mit. — Auf der Sonnenseite“, ein neues Lustspiel von Oscar Blumen⸗ thal und Gustav Kadelburg, geht am Sonnabend, den 8. Oktober, zum ersten Male, mit den Damen Schramm, Poppe, von Mayburg “ Herren Vollmer, Thomas und Christians in den Hauptrollen in Scene. Der Säkulartag der ersten Aufführung von Schiller’s „Wallen⸗ stein“ in Weimar (12. Oktober 1798) wird im Schiller⸗Theater mit einer Aufführung von „Wallenstein's Lager“ und „Die Piecolomini“ gefeiert werden. Die Vorstellung wird mit dem Schiller'schen Prolog eingeleitet, den, wie damals, der Darsteller des Max sprechen wird. — Das Blumenthal⸗Kadelburg'sche Lustspiel „Mauerblümchen“ wird morgen und am Mittwoch wiederholt.
Das Programm des I. Philharmonischen Konzerts, am 10. Oktober unter Kapellmeister Nikisch's Leitung, enthält Wagner’s „Kaisermarsch“, die A-dur Symphonie von Beethoven und, als Neu⸗ heit für diese Konzerte, die symphonische Suite Scheherazade“ von Rimsky⸗Korsakoff. Frau Sembrich, die sich in diesem Konzert für die ganze Saison von Europa verabschiedet, wird Arien von Mozart und Verdi singen.
Bei dem nächsten Orgelvortrage des Herrn Musikdirektors Dienel in der Marien⸗Kirche, am Mittwoch, den 5. Oktober, Mittags 12 Uhr, werden Fräulein Gertrud Mauksch und Fräulein Lotte Dienel ein Duett von Rossini und im Verein mit Herrn Alexander Curth ein Terzett von Dienel singen. An der Orgel wirkt außer Herrn Dienel noch Herr Heuer mit. Eine Arie von Dienel „Das ewige Licht“ gelangt zum erstmaligen Vortrage. Der Eintritt
1t 8 8 Mannigfaltiges.
Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung vom Rothen Kreuz fand am Sonnabend Nachmittag im großen Saale des „Kaiserhofs“ ein Diner statt, zu welchem seitens des Ehren⸗Vor⸗ sitzenden, Kaiserlichen Kommissars und Militär⸗Inspekteurs der freiwilligen Krankenpflege Grafen zu Solms⸗Baruth Ein⸗ ladungen an die Mitglieder des Ausstellungs⸗Comités und solche Personen ergangen waren, die sich um das Zustandekommen der Aus⸗ stellung verdient gemacht haben. — Zu FEhren des ebenfalls am Sonnabend eröffneten Verbandstages der freiwilligen deut⸗ schen Sanitäts⸗Kolonnen vom Rothen Kreuz war am Abend im Neuen Königlichen Opern⸗Theater eine Fest⸗Vorstellung veranstaltet, die durch einen von Otto Franz Gensichen gedichteten, von Fräulein Poppe gesprochenen Prolog eingeleitet wurde. Die Liebe und Barm⸗ herzigkeit, die sich den Schrecken des Todes auf dem Schlachtfelde entgegenstellt, bildete den Inhalt der schwungvollen Verse. Mit einer Huldigung für Ihre Majestät die Kaiserin, Allerhöchst⸗ welche Sich diese Liebe zu beleben und zu beschirmen angelegen sein lasse in der Förderung der Thätigkeit des Rothen Kreuzes, klangen die letzten Strophen aus. Nachdem der begeisterte Beifall, der ihnen folgte, verhallt war, hob sich der Vorhang, und es zeigte sich auf der Bühne ein von Professor Fechner erfundenes, vom Ober⸗Regisseur Grube gestelltes lebendes Bild, das eine allegorische Ver⸗ herrlichung der Samariterthätigkeit darstellte und auf die “ eine tief ergreifende Wirkung ausübte. Mit einer wohl⸗
elungenen ufführung des bekannten Lustspiels „Wie die
lten sungen“ von Karl Niemann, in welcher namentlich Frau Schramm als Hökerin Hanne und err Molenar als Fürst Leopold von Anhalt⸗Dessau, wie immer, stürmische Heiterkeit verregten, schloß die Vorstellung. Die Neue Berliner Symphonie⸗ Kapelle unter Direktion des Kapellmeisters Karl Zimmer hatte dieselbe mit der Ouvertüre zu Weber's „Euryanthe“ würdig eingeleitet und führte auch die übrigen ernsten und heiteren Musikstücke in den Zwischenpausen beifällig aus. 8
Gestern Mittag fand auf dem Gelände der Eisenbahn⸗Brigade, östlich vom Priesterwege, eine große Uebung der freiwilligen Sanitäts⸗Kolonne „Berlin’“ unter Betheiligung eines bayerischen Mobiltransportzuges und je einer Abtheilung der Genossenschaft frei⸗ williger Krankenpfleger von Berlin, Hamburg und Cassel statt. Derselben wohnten der Militär⸗Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege Graf zu Solms⸗Baruth, der Kegeg.Pbsen General⸗ Lieutenant von Goßler, der Minister des Innern Freiherr von der Recke, der General⸗Stabsarzt der Armee Dr. von Coler, der General⸗ Arzt der Marine Dr. Gutschow, der Vorsitzende des Zentral⸗Comités der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz, Kammerherr von dem Knese⸗ beck, der Ober⸗Stabsarzt im Kriegs⸗Ministerium Dr. Schjerning, die Generale von Sasse, von Strubberg und Knappe, der Kommandeur des Garde⸗Korps von Bock und Polach, der General⸗Arzt, Professor von Bergmann, der bayerische Militär⸗Bevollmächtigte Freiherr von Reichlin⸗ Meldegg, der schwedische Sanitäts⸗Major Dr. Martin, der Polizei⸗ Präsident von Windheim und zahlreiche Militär⸗ und andere Aerzte bei. Die Oberleitung der Uebung hatte Stabsarzt Dr. Zelle übernommen, die Ausführung überwachte Dr. Adler; die Mannschaften der Kolonnen standen unter dem Kommando des Führers Wolter⸗Berlin. Die Idee, die der Uebung zu Grunde lag, war fol⸗ gende: In der Nähe von Südende haben am 20. September und am 2. Oktober Schlachten stattgefunden. Die Verwundeten der zweiten Schlacht sollen in das nach der ersten Schlacht belegte — gebracht werden und dessen transportfähige Insassen durch die freiwillige Sanitäts⸗Kolonne „Berlin“ mit Unterstützung verschiedener verwandter Vereine sowie des Zweigvereins des Vater⸗ ländischen Frauenvereins in das nächstbelegene Vereinslazareth bei Berlin werden. Hierzu wird zunächst ein Feldbahnzug und dann ein Vollbahnzug benutzt. In derselben Zeit schafft der mobile Transport⸗ zug der freiwilligen Sanitäts⸗Kolonne München die Schwerverwundeten in das zum theil geräumte Feldlazareth und die leichter Verwundeten in den bereitstehenden Feldbahnzug. Die 60 Soldaten der Eisenbahn⸗Brigade, welche die Verwundeten markierten, hatten kleine Papptafeln erhalten, auf denen die erlittene Verwun⸗ dung angegeben war, und wurden von den Mitgliedern der Kolonne mit der Sorgfalt verbunden, die der erste Verband erfordert. Auf inzwischen für den Transport hergerichteten Leiter⸗ wagen ging es alsdann nach dem Feldbahnzuge. Vor dem Umladen in den Vollbahnzug wurden die Kranken von Damen des Vaterländischen Frauenvereins, die unter Leitung
der Gräfin Itzenplitz eine vn eingerichtet hatten, durch Speise und Trank erquickt. Von den fünf Vollbahn⸗
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