1898 / 243 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 13 Oct 1898 18:00:01 GMT) scan diff

§ 1 Satz 1 erhält f Uarttee gs atz 1 erhält folgende Fassung Der Verband der General⸗Synode erstreckt sich auf die evangelische Landeskirche der neun älteren Pro⸗ vinzen der Monarchie und der Hohenzollernschen Lande. § 2 Nr. 1 erhält folgende Fassung: Die General⸗Synode wird zusammengesetzt: 1) aus 151 Mitgliedern, welche von den Provinzial⸗ Synoden der Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen, Westfalen, Rheinprovinz und der Kreis⸗Synode e gewählt werden. § 3 Satz 1 erhält folgende Fassung: Die zufolge § 2 Nr. 1 zu wählenden Mitglieder werden auf die neun Provinzial⸗Synoden und die Kreis⸗ Synode Hohenzollern dergestalt vertheilt, daß die Synode der Provinz Ostpreußen 18 Westpreußen. Brandenburg. Pommern . . . lesien .. . Sachsen . . . NNsfalen. Rheinprovinz ohenzollern. 1 Mitglieder wählt. Dem § 3 Satz 2 tritt folgende Bestimmung hinzu:; 4) Das von der Kreis⸗Synode Hohenzollern zu wählend

Mitglied kann aus den innerhalb derselben in einem

geistlichen Amt der Landeskirche angestellten Geist⸗ lichen oder aus solchen Angehörigen der Hohen⸗ zollernschen Lande entnommen werden, welche in der Kreis⸗Synode oder in den Gemeindekörperschaften derselben als weltliche Mitglieder entweder zur Zeit

der Kirche dienen oder früher gedient haben.

§ 7 Nr. 5 erhält folgende Fassung:

Aenderungen der Kirchengemeinde⸗ und Synodal⸗ Ordnung vom 10. September 1873, der Kirchen⸗ emeinde⸗Ordnung für die evangelischen Gemeinden n den Hohenzollernschen Landen vom 1. März 1897, der Kreis⸗Synodal⸗Ordnung für dieselben und dieser Ordnung, sowie Aenderungen der Kirchenverfassung, welche den Grundsatz betreffen, wonach das Kirchen⸗ regiment des Königs durch kollegiale, mit geistlichen und weltlichen Mitgliedern besetzte Kirchenbehörden auszuüben ist.

Artikel II.

Für die Vertheilung von Umlagen und Kosten 14 und ider CC“ tritt die Kreis⸗Synode ohenzollern den Provinzen der Landeskirche hinzu. Hierbei indet der § 29 Nr. 6 Absatz 2 der Kirchengemeinde⸗Ordnung üür die evangelischen Gemeinden in den Hohenzollernschen Landen vom 1. März 1897 Kirchliches Gesetz⸗ und Ver⸗ ordnungsblatt S. 17 entsprechende Anwendung. Bis zur Einführung der Reform der direkten Staats⸗ steuern in den Hohenzollernschen Landen ist der Evangelische Ober⸗Kirchenrath ermächtigt, der Kreis⸗Synsde Hohenzollern bei Aufbringung der nach den 88 14 und 38 der General⸗ Synodal⸗Ordnung zu leistenden Beiträge einen angemessenen

Nachlaß zu gewähren. Artikel III.

Dieses Gesetz tritt erst in Kraft, nachdem die zu erlassende Kreis⸗Synodal⸗Ordnung für die evangelischen Gemeinden in den Hohenzollernschen Landen Gesetzeskraft erlangt hat.

*2 Der Zeitpunkt seines Inkrafttretens wird durch Königliche Verordnung bestimmt.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Insiegel. Gegeben Hubertusstock, den 19. September 189c88.

18 Wilhelm. ö“ Barkhausen.

Auf Ihren Bericht vom 31. Juli d. J. will Ich die Herstellung einer Bahnverbindung zwischen der

Station Courl und dem Block Nette bei Station

Mengede, mit einer Abzweigung nach dem Dort⸗ under Hafen, sowie die Uebertragung der Leitung des Baues und demnächst auch des Betriebes derselben auf die Königliche Eisenbahn⸗Direktion in Essen a. d. Ruhr hier⸗ durch genehmigen. Zugleich bestimme Ich, daß das Recht zur Enteignung und dauernden Beschränkung derjenigen Grund⸗ stücke, welche zur Bauausführung nach den von Ihnen fest⸗ Plänen nothwendig sind, nach den gesetzlichen Be⸗ timmungen Anwendung finden soll. Die vorgelegte Karte folgt anbei zurück. Dicser Erlaß ist in der Gesetz⸗Sammlung

zu veröffentlichen. 3 Wilhelmshöhe, den 8. August 1898. Wilhelm. 1“

An den Minister der öffentlichen Arbeiten.

isterium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten.

Bekanntmachung.

Zur Ausbildung von Turnlehrerinnen wird auch im Jahre 1899 ein etwa drei Monate währender Kursus in der Königlichen Turnlehrer⸗Bildungsanstalt in Berlin abgehalten werden.

Termin zur Eröffnung desselben ist auf Donnerstag, 6. April k. J., anberaumt worden.

Meldungen der in einem Lehramt stehenden Bewerberinnen sind bei der vorgesehten Dienstbehörde spätestens bis zum 15. Januar k. J., Meldungen anderer Bewerberinnen bei der⸗ jenigen Königlichen Regierung, in deren Bezirk die Betreffende wohnt, ebenfalls bis zum 15. Januar k. J. anzubringen.

Die in Berlin wohnenden, in keinem Lehramt stehenden Bewerberinnen haben ihre Meldungen bei dem Königlichen Polizei⸗Präsidium in Berlin ebenfalls bis zum 15. Januar k. J. anzubringen.

„Den Meldungen sind die im § 3 der Aufnahme⸗ bestimmungen vom 15. Mai 1894 bezeichneten Schriftstücke

1“

tstücken nicht zusammenzuheften. erlin, den 7. Oktober 1898.

. Der Minister 8 der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelege 22 1“ m Auftrage: Schneider.

Cees beizufügen, die Meldung selbst ist aber mit diesen r

5

heiten.

114“

5 Bekanntmachung.

Bei den Schieds gerichten der Arbeiterversicherung 88 nachfolgende Beamte zu Vorsitzenden bezw. stellvertretenden orsitzenden ernannt worden: der Regierungs⸗Assessor Dr. Momm in Trier zum stellvertretenden Vorsitzenden der Schiedsgerichte in Trier und Bernkastel, 1 der Spezial⸗Kommissar, Regierungs⸗Assessor von Borries in Olpe zum Vorsitzenden der Schiedsgerichte daselbst, der ⸗Baumeister Neuhaus in Elbing zum stellvertretenden Vorsitzenden der Schiedsgerichte daselsst. Berlin, den 8. Oktober 1898. 5 Der Minister für Handel und Gewerbe. In Vertretung: Lohmann.

Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer 34 der „Gesetz⸗Sammlung“ enthält unter

Nr. 10 032 den Allerhöchsten Erlaß vom 8. August 1898, betreffend die staatsseitige Herstellung einer Bahnverbindung zwischen Station Courl und dem Block Nette bei Station Mengede mit einer Abzweigung nach dem Dortmunder Hafen, die Uebertragung des Baues und Betriebes derselben auf die Königliche Eisenbahn⸗Direktion zu Essen a. d. Ruhr, sowie des Enteignungsrechts für diese Bauausführung; unter

Nr. 10 033 das Gesetz zur Ergänzung des Gesetzes vom 3. Juni 1876, hetrefjena die evangelische Kirchenverfassung in den acht älteren Provinzen der Monarchie (Gesetz⸗Samml. S. 125), vom 21. September 1898; und unter

Nr. 10 034 die Verfügung des Justiz⸗Ministers, betreffend die Anlegung des Grundbuchs für einen Theil des Bezirks des Amtsgerichts Biedenkopf, vom 24. September 1898.

Berrlin W., den 13. Oktober 1898. Königliches Gesetz⸗Sammlungsamt 8 Weberstedt.

Abgereist: der geistliche Vize⸗Präsident des Evangelischen Ober⸗ Kirchenraths, Wirkliche Ober⸗Konsistorial⸗Rath, Propst und Professor D. Freiherr von der Goltz, nach Jerusalem.

Nichtamtliches. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 13. Oktober.

Ihre Kaiserlichen und Königlichen Majestäten verabschiedeten Sich gestern nach der Trauerfeier in Camenz von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Albrecht und den anderen Fürstlichen Leidtragenden und setzten hierauf über Oderberg und Wien die Reise nach Venedig fort.

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Der Bundesrath versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung. Vorher berieth der Ausschuß für Justizwesen.

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Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich bayerische Staats⸗Minister des Innern Freiherr von Feilitzsch ist in Berlin angekommen.

Laut telegraphischer Meldungen an das Ober⸗Kommando der Marine ist S. M. S. „Cormoran“, Kommandant: Korvetten⸗Kapitän Brussatis, am 11. Oktober in Yokohama angekommen und beabsichtigt, am 25. d. M. nach Kobe in See zu gehen; S. M. S. „Schwalbe“, Kommandant: Kor⸗ vetten⸗Kapitän Hoepner, ist am 12. Oktober in Kapstadt an⸗ gekommen; der Dampfer „Lulu Bohlen“, mit der Ab⸗ lösung für die Schiffeder westa frikanischen Station, Transportführer: Korvetten⸗Kapitän Graf von Orfola, ist am 12. Oktober in Las Palmas angekommen und an dem⸗ selben Tage nach Kamerun in See gegangen.

Oesterreich⸗Ungarn.

Die ungarische Quoten⸗Deputation hat den Vor⸗ schlag der österreichischen Deputation, welcher die Ziffer für Ungarn auf 38, für Oesterreich auf 62 berechnet, zur Kenntniß genommen und beschlossen, die 4 der Berechnung in einem späteren Nuntium festzusetzen und der österreichischen Deputation schriftlich mitzutheilen.

In der gestrigen Sitzung der österreichischen Quoten⸗ Deputation theilte der Präsident mit, daß die ungarische Quoten⸗Deputation sich vorbehalten habe, die österreichischen Vorschläge d s Gegenstande des Studiums zu machen und dann eine Antwort an die österreichische Deputation gelangen zu lassen; die Budapester Verhandlungen hätten damit ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Die Mitglieder der öster⸗ reichischen Deputation sind gestern Nachmittag von Budapest wieder abgereist. Der österreichische Handels⸗Minister Freiherr von Dipauli haette sich bereits gestern früh nach Wien be⸗ geben; der Finanz⸗Minister Dr. Kaizl reiste Nachmittags ab.

Der volkswirthschaftliche Ausschuß des ungari⸗ schen Unterhauses hat den Gesetzentwurf, betreffend den Abschluß des Zoll⸗ und Handelsbündnisses mit Oesterreich, in der Spezialberathung unverändert angenoemmen.

Großbritannien und Irland.

In einer Rede, welche Lord Rosebery gestern Nach⸗ mittag in Epsom hielt, berührte derselbe, wie „W. T. B.“ berichtet, die Faschoda⸗Frage und sagte: Er weiche nicht von der Erklärung ab, die Sir E. Grey im Jahre 1895 ab⸗ gegeben, als er (Redner) Premier⸗Minister gewesen sei. Bei der Frage kämen Erwägungen von größter ragweite in Betracht; am schwersten wiege, daß Frankreich mit Vorbedacht einen Akt begangen, von dem England vorher erklärt habe, daß es ihn als einen unfreundlichen ansehen werde. Hinter

der Politik der

jetzigen Regierung stehe die Nation; diese Politik sei von der vorigen Regierung ge⸗ billigt worden und werde von der jetzigen Regierung aus⸗ geführt. Eine Regierung, welche von dieser Politik ab⸗ weichen wollte, würde nicht eine Woche überdauern. Lord Salisbury habe nur nöthig, bei der im Blaubuch dargelegten Haltung zu verharren, und die Nation werde jedes Opfer bringen, um sein Vorgehen zu unterstützen. Ein günstiges Zeichen sei es gewesen, daß der französische Minister des Aeußern Delcass6 die Frage in ver⸗ söhnlichem Sinne behandelt und den nichtofftziellen Charakter der Mission Marchand's als thatsächlich hingestellt habe,

durch das Hissen der französischen Flagge seine ernste Bedeu⸗ tung verloren habe. Wenn Lord Salisbury sich der gleichen Sprache bedienen wollte wie Hanotaux, welcher während seiner (des Redners) Amtsperiode, Minister des Auswärtigen ge⸗ V8 sei, so werde Lord Salisbury die Ansprüche Egyptens auf die Sudan⸗Gebiete in so gebieterischer Weise geltend machen, daß keine Regierung denselben Widerstand entgegen zu setzen. diese Gebiete seien niemals mit mehr Nachdru worden, als von seiten der französischen Minister un Botschafter. Lord Rosebery sprach schließlich die Hoffnung aus, der Zwischenfall werde friedlich beigelegt werden, ohne daß jedoch dabei die Rechte Großbritanniens auf Egypten gefährdet werden dürften. 18 16

Rußland.

im stande sei,

Wie „W. T. B.“ aus Helsingfors berichtet, hielt der

neue General⸗Gouverneur von Finland, General Bobrikomw

bei dem gestrigen Empfange der Spitzen der finländischen Be⸗ hörden eine Ansprache, in welcher er sagte:

„Unserem Herrscher ist die Ergebenheit des finischen Volkes be⸗ kannt; er ist aber auch davon unterrichtet, daß im Lande leider eine falsche Auslegung der Grundsätze verbreitet ist, auf denen die Be⸗

ziehungen Finlands zum Reiche beruhen. Einige Finländer haben

sich nicht mit der gebührenden Sympathie über die Maßnahmen

geäußert, welche auf die Festigung der Bande gerichtet sind, die

das Land mit den übrigen Theilen des russischen Reiches verknüpfen. Rußland ist einig und untheitbar, wie sein Kaiserthron einig und un⸗ theilbar ist, unter dessen Schutze das Großfürstenthum Finland seinen

gegenwärtigen Wohlstand erreicht hat. In der Seele jedes Finländers dem die Interessen seiner Heimath theuer sind, muß daher das Bestrebe

nach Vereinigung Finlands mit Rußland stets ein natürliches Ge⸗

fühl sein. Dieses Gefühl muß sich jetzt umsomehr kräftigen, wo der Kaiser in seinem Reskript vom 1. September auf die Nothwendigkeit hingewiesen hat, daß im Bewußtsein der Bevölkerung Finlands die

anze Wichtigkeit der engsten Vereinigung dieser Grenzwarte mit dem .Se. sich einwurzele. Die Staatsgewalt, welche die Besonderheiten

Finlands, seine kirchliche Organisation, seine Rechte und Privilegien, seine innere Verwaltung in den im Kaiserlichen Reskript vom Jahre

1891 aufgestellten Grenzen intakt erhält, natürlich soweit diese Be⸗

sonderheiten dem Rutzen und der Würde Ruslands nicht widersprechen

wird nicht die weitere Verbreitung alles dessen gestatten, was die fest Verbindung des großen Reiches hindern kann.“ Der Gouverneur

fuhr alsdann fort: er werde alle seine Kräfte den wahren Interessen Finlands widmen, eifeig alle guten Vorhaben fördern und glücklich

sein, wenn während seiner Verwaltung das finische abe,

wiederholt seine Ergebenheit bezeugt endlich von der Erkenntniß durchdrungen werde, daß herzliche Beziehungen zu Rußland eine unerläßliche wendigkeit sind; denn es sei undenkbar, die Ergebenheit für den Monarchen von der Ergebenbeit für das ganze Reich zu trennen

seinem Herrscher gute,

Im ganzen, unermeßlichen Gebiete Rußlands gebe es für alle, die unter dem mächtigen Szepter des Zaren stehen, eine Unterthanenschaft m Er rechne auf die stetige Mitwirkung der finländischen Behörden und besonders auf die

und eine Liebe zum gemeinsamen Vaterlande.

des Kaiserlich finländischen Senats. Italien. Der König und die Königin sind in de Nacht von Monza nach Venedig abgereist.

Spanien.

Die in Madrid über die Haltung der amerikanischen Mit⸗ h- der Friedenskommission in Paris verbreiteten Gerüchte

aben, wie „W. T. B.“ meldet, lebhafte Unzufriedenheit hervor⸗

gerufen, namentlich der Beschluß der Amerikaner, die Schulden

von Cuba und Porto Rico nicht anzuerkennen.

8 Belgien. 8 Der essasentss s für 1899 veranschlagt, der

„Köln. Ztg.“ zufolge, die Einnahmen auf 424 428 778 Fr., die Ausgaben auf 422 059 439 Fr.; der Ueberschuß ist Der Etat von 18956 schloß mit rund 6 Millionen Ueberschuß ab. Die belgische Fr. am 1. Januar 1897

demnach mit 2 369 339 Fr. angesetzt.

Staatsschuld ist von 2 308 497 175 auf 2 370 394 775 Fr. am 1. Januar 1898 gestiegen.

Türkei.

„Unter den zum Ehrendienst bei Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser bestimmten Offizieren befindet sich, wie

„W. T. B.“ erfährt, auch der Adjutant des Sultans, Brigade⸗ General Nassin Pascha; außerdem sind verschiedene Ordonnanz⸗

Offiziere zuSeiner Majestätkommandiert worden, darunter Enver

Bei. Der mit der Ueberwachung der militärischen Maßnahmen in Palästina betraute Divisions⸗General Abdullah c gsche hat sich in Begleitung des Erthogrul⸗Regiments nach Haifa begeben. Abdullah Pascha wird auch das Kommando über die Seiner Majestät dem Kaiser zur Verfügung gestellten Truppen übernehmen. In Beirut werden Ihre Majestäten von dem früheren Großvezier Dschevad Pascha, bisher Militär⸗Gouverneur von Kreta, im Namen des Sultans be⸗ grüßt werden.

Aus Kanea meldet das „Reuter’sche Bureau“, die Admirale hätten auf die Antwort der Pforte, daß sie in die Zurückziehung der Truppen unter der Bedingung ein⸗ willige, eine genügende Besatzung auf der Insel belassen zu dürfen, erwidert: ihre Regierungen müßten, da dies ein zu dehnbarer Begriff sei, und mit Rücksicht auf die in Kandia gemachten Erfahrungen, auf dem Verlangen einer Entfernung der türkischen Truppen von der Insel beharren. Was die Entsendung von Paschas an⸗ lange, welche den Abmarsch der Truppen von Kreta leiten sollten, so hätten die Admirale beschlossen, deren Landung nicht zu gestatten, um neue Schwierigkeiten und Verhandlungen zu vermeiden. Da die Pforte keinerlei Andeutung über die Ab⸗ reise ihrer Zivilbeamten gemacht habe, so hätten die Admirale bei ihren Regierungen beantragt, die Zustimmung der Pforte dazu als vollendete Thatsache anzusehen.

Schweden und Norwegen.

Die norwegische Regierung hat, wie „W. T. B.“ aus Christiania meldet, auf Grund der Abrüstungsvorschläge des Kaisers von Rußland ein Gesuch an den König gerichtet, in welchem angeregt wird, die Anerkennung der Neutralität

ganze

Die Ansprüche Egyptens auf verfochten

1“

Noth⸗

vergangenen

Schwedens und Norwegens von den Mächten anzustreben.

Gesuch wurde in Uebereinstimmung mit dem Vorschlage 2 dCencifchm Regierung durch Königliche Resolution der schwedischen Regierung übersandt.

Der norwegische Minister⸗Präsident Steen verlas gestern im Storthing eine Thronrede, in welcher es heißt, der König habe sich mit Freude dem Abrüstungsvorschlage des Kaisers von Rußland angeschlossen. Weiter wird in der Thronrede bemerkt, Rußland habe eine Revision der zwischen Rußland und Schweden und Norwegen bestehenden Handels⸗ verträge vorgeschlagen. Die norwegische Regierung habe sich bereit erklärt, Verhandlungen über einen norwegisch⸗russischen Sondervertrag einzuleiten. Die Thronrede kündigt ferner Gesetzentwürfe an, betreffend die Errichtung einer Küsten⸗ Artillerie sowie die Einführung einer Arbeiter⸗Unfall⸗ und Altersversicherungn. v11“

Amerika.

Der Präsident Me Kinley ist am Dienstag Abend zum Besuche der Trans⸗Mississippi⸗Ausstellungin Omaha (Nebraska) eingetroffen. In einer Rede, welche der Präsident in der Nähe von Cedar Rapids hielt, erklärte derselbe, dem „W. T. B.“ zufolge, daß der jetzt beendete Krieg den Vereinigten Staaten unberechenbare Segnungen, aber auch ebensolche Lasten gebracht habe. Die Amerikaner entzögen sich jedoch niemals einer Verantwortlichkeit und lehnten niemals eine Last ab, welche die Zivilisation fördere. Die Leistungen der Amerikaner seien zu Lande und zur See ohne gleichen und hätten der Tapferkeit der Amerikaner neue Ehren gebracht. Amerika habe den Krieg aus Menschlich⸗ keit auf sich genommen und werde keine Fiedenibebingungen annehmen, die nicht im Interesse der Menschlichkeit seien. Die Nation habe ein gutes Gewissen.

Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, leistete der Präsident Roca gestern den Eid auf die Verfassung. In einer Botschaft an den Kongreß wird das Nachlassen der Spannung in den Beziehungen zu Chile hervorgehoben und als⸗ dann versichert, der Frieden werde gestatten, daß das Land seine ganzen Kräfte zur Wiederaufrichtung der Finanzen anwende. Die Ausgaben seien in den letzten Jahren vervierfacht worden, als oöb die Hilfsquellen unerschöpflich wären. Man müsse das Gleichgewicht dadurch wiederherstellen, daß man die Ausgaben auf das unbedingt Nothwendige beschränke. Er hoffe dem⸗ nächst die Unifizierung der auswärtigen Schulden durchzuführen, und erwarte, daß das Parlament sich bemühen werde, die Provinzial⸗Schulden zu regeln, damit der frühere Kredit auf den großen Geldmärkten wiedergewonnen werde. Fur Aus⸗ lrnnr dieses Plans werde es erforderlich sein, die Finanzen des Staats in Ordnung zu bringen, die Verwaltung zu ver⸗ bessern und den Werth des Papiergeldes zu heben. Der Schutz der Industrie müsse in weisen Grenzen gehalten werden, um nicht den ganzen Handelsverkehr zu beeinträchtigen. Osvaldo Magnaseo ist zum Justiz⸗Minister ernannt worden.

Asien. b

Die österreichisch⸗ungarische Korvette „Frundsberg“ ist vorgestern in Chemulpo eingetroffen und wird nach drei⸗ tägigem Aufenthalt daselbst nach Talienwan weitergehen.

Eine im Haag eingetroffene amtliche Depesche aus Atschin vom gestrigen Tage meldet, daß die holländischen Truppen, als sie durch Pasangan marschierten, fast gar keinen Wider⸗ stand gefunden hätten; Tuku Tjitik sei in die Berge ge⸗ ohen. Die Expeditions⸗Kolonne werde am 25. d. M. nach ava zwei Bataillone sollten vorläufig no

zurückbleiben. - Afrika.

Infolge des von der gesetzgebenden Versammlung der Kapkolonie beschlossenen Mißtrauensvotums hat das Ministerium seine Entlassung eingereicht, die von dem Gouverneur angenommen worden ist.

Setttistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Leipzig berichtet die „Lpz Ztg.“: Der Ausstand der Modell⸗ und Fabriktischler 1” laut Beschluß der letzten Modelltischler⸗Versammlung bis auf günstigere Zeiten vertagt worden. An dem Ausstand waren noch 12 Geschäfte mit 66 Gehilfen betheiligt, 17 Gehilfen arbeiten nach den alten Bedingungen, 78 nach den neuen und 4 sind anderwärts untergebracht.

Hier in Berlin wurde gestern vor dem Gewerbegericht eine Klage der Goldleistenfabrik von August Werkmeister junior gegen 18 Versilberer wegen Vertragsbruchs verhandelt (vgl. Nr. 241 d. 1”” Die Firma verlangte die Fertigstellung der von den rbeitern übernommenen Accordarbeiten und erklärte

ch bereit, dann mit den Arbeitern über die geforderte ohnerhöhung von 25 v. H. verhandeln zu wollen. Der Gewerbe⸗ richter schlug einen Vergleich vor, der von dem Vertreter der Ver⸗ klagten nicht angenommen wurde, weshalb ein neuer Termin auf den 14. Oktober anberaumt wurde. Von dem Verband der Goldleisten⸗ fabrikanten sind infolge dieser Streitigkeiten, wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, bis heute 150 Arbeiter entlassen worden. 8

Aus Paris meldet „W. T. B.“ vom gestrigen Tage weiter über die Ausstandsbewegung: Der Seine⸗Präfekt empfing am Nach⸗ mittag eine Abordnung von Unternehmern von Arbeiten der Stadt Paris. Die Unternehmer nahmen die ihnen gestellte Bedingung an, den Arbeitern soll ein Stundenlohn von 60 Centimes gezahlt werden. Die Präsidenten des Stadtraths und des Generalraths begaben sich heute Vormittag zum Handels⸗Minister, um ihm die Forderungen der Ausständigen hinsichtlich der Ausstellungsarbeiten auseinanderzusetzen. Der Minister erwiderte: trotz seines Wunsches, den Ausstand beendigt zu Feüir⸗ könne er zur Zeit nichts thun. Der Minister fügte hinzu, die Aus⸗

ellungsarbeiten seien genügend weit vorgeschritten, sodaß man das Ende des Ausstandes abwarten könne, ohne den Erfolg der Aus⸗ stellung zu beeinträchtigen. Die beiden Präsidenten begaben sich hierauf in Begleitung von Abordnungen Ausständiger zu dem Arbeits⸗Minister, um diesen zu bitten, bei den Eisen⸗ bahn⸗Gesellschaften zu Gunsten der Erdarbeiter vorstellig zu werden. Der Minister erwiderte, er könne amtlich bei den Gesell⸗ schaften nicht interveniern. In der am Dienstag Abend ab⸗ gehaltenen geheimen Sitzung des Vorstandes des Syndikats der Eisenbahnarbeiter soll keine Einigung in der Frage eines allgemeinen Ausstandes erzielt worden sein; 15 Mitglieder sollen für und ebensoviel dagegen gestimmt haben. Die ausständigen Arbeiter hielten heute früh mehrere Versammlungen auf der Arbeiterbörse ab; viele Arbeiter scheinen geneigt zu sein, die Arbeit wieder aufzunehmen, und die Wortführer selbst, ent⸗ muthigt durch die Haltung der Eisenbahnarbeiter, treiben nicht mehr so energisch zum Ausstand wie vorher. Die Zahl der eenesde. auf denen heute Morgen die Arbeit wieder ist, hat sich merklich vermehrt und wird wahr⸗ scheinlich im Laufe des Nachmittags noch wachsen. Die Zahl der auf den großen Bauten Arbeitenden betrug heute 6000. Vom heu⸗ tigen Tage wird berichtet: Die meisten Morgenblätter halten den Ausstand für beendet.

Aus Nem York meldet „W. T. B.“: Die Ankunft einer Anzahl von Negern in Virden (Illinois) zum Ersatz 88 aus⸗ tändigen Bergarbeitern gab den Anlaß zu einem Kampfe zwischen 1500 Ausständigen und den Beamten des Sheriffs, die unterstützt wurden durch die Polizei der Chicago⸗Alton⸗ Eisenbahn. Diese besetzten die Umfriedigungen der Minen und feuerten auf die Ausständigen, um die Neger zu beschützen. Etwa 500 Schüsse wurden gewechselt. Zehn Personen wurden getödtet und fünf tödtlich und ebensoviel schwer verwundet. ach einem Telegramm aus Chicago haben die dortigen Eisenbahnbeamten einen Bericht erhalten, wonach 50 Bergleute, 6 Beamte und ein Polizist getödtet wurden. Der Sheriff telephonierte nach Springfield, daß über 100 Personen getödtet seien, doch scheint diese Zahl übertrieben zu sein. Der Gouverneur befahl, daß Miliztruppen nach Virden

abgehen.

Bauwesen.

In der ersten Versammlung des Architekten⸗Vereins nach der Sommerpause theilte der Vorsitzende Ober⸗Baudirektor Hinckeld eyn mit, daß die Königliche Bestätigung des bewilligten dritten Schinkel⸗Preises eingegangen sei, wonach von 1899 ab je 1700 für Preisarbeiten auf dem Gebiete des 18 des Wasserbaues und des Eisenbahnbaues zur Verfügung stehen. Vorträge sind für das Winterhalbjahr in Aussicht: über den Kanal Ostsee Berlin und den bereits fertiggestellten Stettiner Hafen; über die Beförderungs⸗ mittel in Paris, im besonderen über die Benutzuung von Automobil⸗ wagen; über das lenkbare Luftschiff; über die Art und Weise, wie Kanalisation in kleinen Orten ersetzt werden kann; über den Binnen⸗ schiffahrts⸗Kongreß; über Architektur und Einrichtung des neuen Ab⸗ über die Gebäude der Pariser Welt⸗Ausstellung von

900; über Unterpflasterbahnen. Außerdem werden zwei Berichte über Studienreisen erstattet werden, nämlich über den Besuch französischer Häfen (Professor Bubendey) und über Eisenbahnhochbauten in den Vereinigten Staaten. Als wünschenswerth wurde von dem Vorsitzenden ein Vortrag über den Neubau der Museen und die mit den Gründungs⸗ arbeiten verbundenen Schwierigkeiten bezeichnet, auch bat derselbe um weitere zwanglose Mittheilungen über Studienreisen der Architekten.

Unter einer Anzahl von Vorschlägen für den nächsten Wett⸗ bewerb um den Schinkel⸗Preis fanden folgende aus der Ver⸗ sammlung genügende Unterstützung: Hochbau: ein allen Anfeorde⸗ rungen der Neuzeit entsprechender, großstädtischer Gasthof; der Ent⸗ wurf für den Bau einer Technischen Hochschule, welcher die einzelnen Institute, wie chemisches Laboratorium, elektrisches und physikalisches Institut, Anstalt für Materialienprüfungen ꝛc. vom Hauptgebäude trennt; ein Museum für eine nordische Kunstsammlung. Wasser⸗ bau: ein Kanal Elbe⸗Kiel. Eisenbahnbau: eine Bahn auf die Schneekoppe. 8

Land⸗Bauinspektor Hasak erstattete hierauf im Namen des Prüfungs⸗Ausschusses Bericht über 18 zu einer städtischen Real⸗ schule nebst Turnhalle für Allenste in (Ostpreußen) eingegangene Entwürfe. Die 1eeeee ist den Preisrichtern sehr schwer geworden, da eine beträchtliche Anzahl trefflicher Arbeiten eingegangen sind. Mehrere mußten ausgeschieden werden, weil sie den Vorschriften der Konkurenz nicht genügt hatten. Die mit Preisen bedachten Arbeiten gestatten die unmittelbare Ausführung. Es erhielt den ersten Preis von 1500 Architekt Mössinger⸗Frankfurt a. M., den zweiten von 1000 der mit dem Kennwort „1900“ bezeichnete Ent⸗ wurf eines unbekannten Verfassers, der ein leeres Kuvert eingereicht hatte. den dritten Preis von 500 Regierungs⸗Baumeister aul Spiller und Regierungs⸗Bauführer Ernst Altmann. Nächstdem wurden die Entwürfe von Regierungs⸗Bauführer Carl Pregizer und Regierungs⸗ und Stadtbaumeister Hoeag zum Ankauf mit je 250 empfohlen. Ueber fünf eingegangene Entwücfe zu einem Wartehäuschen für eine Straßenbahn gab Regierungs⸗Baumeister Reimer die Be⸗ urtheilung, deren Ergebniß die Bewilligung eines Vereinsandenkens an den Regierungs⸗Bauführer Berg war.

Der Vorsitzende, Ober⸗Baudirektor Hinckeldeyn hat der Anfangs September zu Freiburg i. B. stattgehabten Abgeordneten⸗ Versammlung des Verbandes deutscher Architekten⸗ und Ingenieur⸗Vereine beigewohnt und gab folgenden Bericht darüber; Die Mitgliederzahl des Verbandes ist auf 7353 gestiegen; neu aufgenommen wurden die Vereine von Potsdam, Stettin und Posen; neu angemeldet sind Erfurt und zwei Vereine in Halle; letzteren ist empfohlen worden, sich vorab zu verschmelzen. Es lag ein Mitglieder⸗Verzeichniß vor, das angefertigt war zum Zweck ander⸗ weiter gerechterer Vertheilung der Verbandsbeiträge. Diese werden jetzt del der Kopfzahl erhoben, wobei Berlin, das ein Viertel aller Beiträͤge zahlt, unverhältnißmäßig hoch herankommt, weil viele Vereinsmitglieder im Reich auch noch als auswärtige Mitglieder des Berliner Vereins zählen. Es wurde beschlossen, jedes Mitglied bei Berechnung der Verbandsbeiträge nur einmal zu zählen. Der Ver⸗ bandsvorstand wird den einzelnen Vereinen eine neue Vorlage in dieser Angelegenheit maher Die Verbande⸗Zeitschrift erfreut sich steigender Abonnentenzahl. Ueber die sehr wichtige Frage der Stellung höherer städtischer Baubeamten wird den Vereinen eine Denkschrift zugehen, ebenso über Normen beim Ausschreiben von Wettbewerben und über das von den Preisrichtern einzuhaltende Ver⸗ fahren. Eingehende Erörterung fand die Frage der Berechnung des Honorars für Architekten und Ingenieure. Vorgeschlagen wurde, für die ersteren die Kosten des inneren Ausbaues zu trennen und das betreffende Honorar nach besonderen Sätzen zu berechnen. Die Beschlußfassung hier⸗ über wurde vertagt; die Vorschläge sollen erst den einzelnen Vereinen zugesandt und deren Meinung gehörct werden. Dasselbe soll mit der neuen Vorlage, die Ingenieure betreffend, geschehen. Die Arbeiten der Maschinen⸗Ingenieure sind aus der letzteren endgültig ausgeschieden worden wegen der sich bietenden allzu großen Schwierigkeiten. Zu der zmgeiis von einzelnen Staaten beabsichtigten Aenderung der Prüfungsordnung in dem Sinne, daß schon in der Bauführer⸗Prüfung eine Trennung von Wasserbau und Eisenbahnbau stattfinde, beschloß die Versammlung, einer solchen Abänderung zu widerrathen. Er⸗ freulicher Fortschritte darf sich das dem Verbande seit langer Zeit sehr am Herzen liegende Unternehmen der Herausgabe eines Werks über das „Deutsche Bauernhaus“ rühmen. Es liegt davon ein von dem betreffenden Verbandsausschuß ausgearbeitetes Probeheft vor, das viel Beifall findet, aber noch durch Beifügung mehr malerisch wirkender Aufnahmen bereichert werden soll. Bei den namhaften, von den einzelnen Regierungen bewilligten Beiträgen scheint die Durchführung des Unternehmens gesichert; gesucht wird z. Z. nach einem Verleger. Be⸗ theiligt sind auch die Schweiz und Oesterreich⸗Ungarn. In der Schweiz ist man so gut wie fertig und hat 50— 60 Blätter beisammen; in Oester⸗ reich ist man noch nicht so weit, indessen fleißig mit dem Sammeln des Materials beschäftigt. Gelingt alles weiter, wie es den Anschein hat, dann wird von dem Verbande ein Werk geschaffen sein, das Allen zur Ehre gereicht und sich hoffentlich auch bezahlt macht. Die in diesem Jahre in Zürich abgehaltene Konferenz des Sonder⸗Aus⸗ schusses wird im nächsten Jahre in München tagen. Ein Beitrag von jährlich 100 ℳ, zunächst auf 5 Jahre, wurde einem Verein in Rothenburg a. d. Taaber bewilligt, der es sich angelegen sein läßt, den baulichen Charakter dieser in ihrer mittelalterlichen Architektur einzig dastehenden Stadt soviel als möglich auch bei Neubauten zu wahren. Die nächste Abgeordneten⸗Versamm⸗ lung soll im Jahre 1899 in Braunschw. die Wander⸗Versammlung 1900 in Bremen stattfinden. Die Stadt Freiburg hatte der Ver⸗ sammlung einen glänzenden Empfang bereitet, der Ortsausschuß und der bavische . Fe Aufmerksamkeiten und Bezeugungen liebenswürdiger Gastfreundschaft.

Den lesten Vortrag 18ce ung hielt Land⸗Bauinspektor Koerber „über das abgekürzte Meßbildverfahren und dessen Nutzen für das Studium der Baukunst“. In lichtvoller Weise erklärte der Vortragende, wie man im stande sei, aus der sorg⸗ fältig aufgenommenen Photographie eines Bauwerks, etwa im Format von 40 auf 40 cm, durch die Umkehrung der Perspektive das geo⸗ metrische eßbild mit vollendeter Genauigkeit zu konstruieren. Bedingung sei nur die völlige Bewahrung des perspektivischen Bildes

vor Verzerrungen, die absolut genau senkrechte Stellung des Apparats und die Fixierung der Hauptvertikal⸗Linie des Bildes und des Hori⸗ onts, in dem alle horizontalen Linien des perspektivischen Bildes zu⸗ ..Ih. . e Sorge man dann für ein recht scharfes Bild, so sei nur die genaue 8 der Brennweite des Objektivs und die Messung einer einzigen Dimension am Bauwerk selbst nöthig, um daheim im Zeichenraum das geometrische Bild in vollkommenster Richtigkeit zu entwerfen. Wie man entweder graphisch oder durch Rechnung dabei zu verfahren habe, das erläuterte der Vortragende sowohl an der Tafel als an Photographien und an einem Meßbilde, das aus der daneben aufgehängten Photographie konstruiert war. Die praktische Uebung des sehr einleuchtenden Verfahrens, so schloß der Vortragende, biete den Studierenden den Vortheil, in der Bearbeitung trefflicher Vorbilder ihre Kenntniß von Bauwerken zu erweitern und ihr perspek⸗ tivisches Denken nutzbringend zu üben. Die Ableitung des geometrischen Ausführungsbildes aus dem perspektivischen Bilde gewähre auch hohen Genuß. Man könne, mit einem guten Apparat ausgerüstet, Studien⸗ reisen mit erheblichem Gewinn an Heit machen, weil die zeitraubenden örtlichen Messungen bis auf eine einzige ganz in Wegfall kommen, und man reise gewissermaßen zum zweiten Mar, wenn man später zu Hause das Meßbild unter den Händen entstehen sehe. .M

Land⸗ und Forstwirthschaft. Ernteergebnisse in Rußland.

Warschau, den 6. Oktober 1898. Die Herbstbestellung ist im allgemeinen bei günstiger Witterung vor sich gegangen und größten⸗ theils beendigt. Nur in einzelnen Gegenden war sie infolge anhal⸗ tender Dürre erschwert, insbesondere auf schwerem Boden. Der in der letzten Septemberwoche gefallene Regen hat das Aufgehen der Saaten wesentlich gefördert.

Die Kartoffelernte hat begonnen, und wenn sich auch ein endgültiges Urtheil über dieselbe noch nicht abgeben läßt, scheint sie doch im all⸗ gemeinen nicht sehr ergiebig auszufallen. Dazu kommt, daß auf schwererem Boden die Kartoffelkrankheit sehr verbreitet ist, von der besonders die sogenannten „Amerikaner“ befallen sind. Die Preise sind daher schon jetzt höher als in den letzten Jahren und werden

voraussichtlich noch weiter steigen.

Ueber den Ausfall der Zuckerrübenernte liegen zur Zeit noch keine näheren Nachrichten vor Die Getreidepreise sind im Vergleich zum vorhergehenden Monat für Roggen etwas gestiegen, für Weizen und Hafer ziemlich unver⸗ ändert geblieben. Auf dem Warschauer Getreidemarkt wurden gezahlt pro Pud: Am 31. August d. J. Am 30. September d. J für Weizen. 0 82 1,07 Rbl. 0 87 - 1,06 Rbl. Roggen. 0,63 0,76 8 Hafer 0,65 0,90 0,65 0,89

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregeln.

Gesundheitswesen und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Beröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“, Nr. 41 vom 12. Oktober.)

Pest und Cholera. Britisch⸗Ostindien. Kalkutta. Vom 28. August bis 3. September sind 4 Personen an Cholera und 87 an Fiebern gestorben. An Pest erkrankten 4 und starben 3 Personen. Einer Mittheilung vom 17. September zufolge belief sich in Bombay die Anzahl der Todesfälle an Pest in der Woche bis zum 6. September auf 168, in derjenigen bis zum 13. September auf 175 (gegen 33 und 27 im

Vorjahre). Gelbfieber.

In Franklin betrug, den „Public health reports“ zufolge, die Gesammtzahl der Erkrankungen bis zum 12. September 42 mit 2 Todesfällen; aus Houma (Louisiana) wurde am 22., aus New Orleans am 17. und 21. September je 1 Erkrankung gemeldet, aus Jackson (Mississippi) in der Zeit vom 10. bis 22. September 2 mit 1 Todesfall. In Orwood sind vom 4. bis 6. September 3 Erkrankungen, in Oxford (Mississippi) am 21. und 22. September 9 mit 1 Todesfall, in Taylors (Mississippi) vom 5. bis 9. Sep⸗ tember 23 mit 2 Todesfällen und in Waterford am 9. Sep⸗ tember 1 Erkrankung festgestellt worden. In Montevideo (Uruguay) starben während des Monats Juni 2 Personen an der

Krankheit, in Vera Cruz vom 26. August bis 8. September 8, in

Limon vom 19 bis 25. August 2. In Rio de Janeiro wurden in der mit dem 5. August endenden Woche 8 Todesfälle durch accesso

ernicioso, 7 durch Gelbfieber, in der mit dem 12. August endenden Woche 3 bezw. 7 durch diese Krankheiten verursacht.

In Bahia sind in den Monaten Juni und Juli mehrfach Er⸗ krankungen mit einigen Todesfällen vorgekommen.

In Havanna sowie in sämmtlichen für den Verkehr geöffneten Hiie von Cuba herrscht Gelbfieber, allerdings nicht in besonderer

erbreitung; (dagegen treten daselbst zufolge einer Mittheilung vom 22. September andere ansteckende Krankheiten, insbesondere Unter⸗ leibstyphus, Flecktyphus, Ruhr und Malaria, in bös⸗ artiger Form und so häufig auf, daß der Gesandheitszustand auf Cuba als ein überaus schlechter bezeichnet werden muß). Verschiedene Krankheiten.

Pocken: St. Petersburg 3 Todesfälle und 7 Erkrankungen; Genickstarre: New York 8 Todesfälle; Kopenhagen 3 Er⸗ krankungen; Keuchhusten: London 29 Todesfälle; Kopenhagen 84 Erkrankungen; Influenza: London 5, St. Petersburg 2 Todes⸗ fälle; Ruhr: Reg.⸗Bez. Arnsberg 142 Erkrankungen; Reg.⸗Bez. Düsseldorf 30 Todesfälle und 245 Erkrankungen; Trichinose: Stettin 1 Erkrankung. Mehr als ein Zehntel aller Ge⸗ storbenen starb an Scharlach (Durchschnitt aller deutschen Berichtsorte 1886/95: 0,91 %): in Halle und Spandau Erkrankungen wurden gemeldet in Berlin 47, Breslau 26, im Reg.⸗ Bez. Arnsberg 93, in Budapest 56, Edinburg 43, Kopenhagen 55, London (Krankenhäuser) 300, New York 49, Paris 42, St. Peters⸗ burg 47, Prag 25 an ÜUnterleibstyphus (1886/95: 0,75 %): in Brandenburg a. H. Erkrankungen kamen vor in Budapest 42, London (Krankenhäuser) 36, New York 209, Paris 44, St. Petersburg 139, Prag 30 desgl. an Masern in den Regierungs⸗ bezirken Aurich 95, Stade 104, in Amsterdam 115, Budapest 105, Edinburg 50, New York 33, St. Petersburg 34 desgl. an Diphtherie und Croup in Berlin 110, London (Kranken⸗ häuser) 197, New York 109, St. Petersburg 118, Stockholm 64.

Im Monat August (für die deutschen Orte) sind nachstehende Todesfälle gemeldet worden: Pocken: Reckliaghausen 1, Genf 3, Marseille 1, Alexandrien 5, Kairo, Bombay je 1, Mexico 13, Buenos Aires 31; Cholera, Pest und Gelbfieber: vergl. die fortlaufenden Mittheilungen aus den Veröffentlichungen; Flecktyphus: Herne 1, Alexandrien 3, Kairo 30, Mexico 52, Rio de Janeiro 1; Rückfall⸗ fie ber (einschließlich biliösen Typhords): Kairo 44; Genickstarre: St. Louis 1; Tollwuth: Bukarest 2, Rio de 1; In⸗ fluenza: Barmen, Halberstadt, Bremen, amburg je 1, Baltimore 2, Mexico 5; Lepra: Rio de Janeiro 2. Im übrigen war in nachstehenden Orten die Sterblichkeit an einzelnen Krankheiten im Vergleich zur Gesammtsterblichkeit eine beson⸗ ders große, nämlich höher als ein Zehntel: an Masern L88e erlagen denselben 1,15 von je 100 in sämmtlichen deutschen Berichtsorten Gestorbenen): in Kairo; an Scharlach (1886/95: 0,91 % in allen deutschen Orten): in Buer, Lipine, Pilsen; an Diphtherie und Croup (1886/95: 4,27 % in allen deutschen Orten): in Schalke; an Unterleibstyphus (1886/95: 0,75 % in allen deutschen Orten): in Weimar.

Mehr als ein Fünftel aller Gestorbenen ist ferner nach⸗ stehenden Krankheiten erlegen: der Lungenschwindsucht (1886/95: 12,38 % in allen deutschen Orten): in Neu⸗Ruppin, Bremerhaven, Coburg, Le Havre; akuten Erkrankungen der Athmungs⸗