Zeughause, die Schloßbrücke, ie Schloßfreiheit, der Lustgarten und
die Kaiser Wilhelm⸗Brücke.
Der Fahrverkehr über die Straße Unter den Linden im Zuge der riedrichstraße, der Charlotten- und der Wilhelm⸗ bezw. Feuen ilhelmstraße wird nach Möglichkeit mit der Maßgabe aufrecht⸗
erhalten werden, daß die Friedrichstraße zwischen der Französischen und
der Georgenstraße nur in der Richtung nach Norden und die Charlotten⸗
straße innerhalb derselben Begrenzung nur in der Richtung nach
Süden befahren werden dürfen.
Soweit ein Befahren der Fahrdämme Unter den Linden gestattet werden kann, geschieht dies auf der Nordseite in der Richtung nach dem Brandenburger Thore hin und auf der Südseite in der Richtung nach dem Königlichen Schlosse hin.
Die Bürgersteige der bezeichneten Straßen und Plätze werden
nach Möglichkeit für das Publikum freigehalten werden. Berlin, den 30. November 1898. ““ Der Polizei⸗Präsident. von Windheim.
Personal⸗Veränderungen.
Königlich Preußische Armee.
Offiziere, Portepee⸗Fähnriche ꝛc. Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. Baden⸗Baden, 25. November. Hauschild, Pr. Lt. und Feld⸗ sfäger vom Reitenden Feldjäger⸗Korps, zum Oberjäger ernannt.
Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Vor Messina, an Bord S. M. P. „Hobenzollern“, 19. November. v. Duisburg, Hauptm. a. D., zuletzt Komp. Chef im Inf. Regt. Nr. 132, mit seiner Pension und der Erlaubniß zum ferneren Tragen der Uniform des genannten Regts. zur Disp. gestellt.
Baden⸗Baden, 25. November. v. Grone, Gen. Lt. und Kommandeur der 28. Div, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disp. gestellt. Walkboff, Pr. Lt. und Oberjäger vom Reitenden Feldjäger⸗Korps, ausgeschieden und zu den Res. Offizieren des Pomm. Jäger⸗Bats. Nr. 2 übergetreten. ““
Aiichtamtliches. Deutsches Reich. reußen. Berlin, 30. November.
Seine Majestät der Kaiser und König konferierten, wie „W. T. B.“ berichtet, gestern Nachmittag im Stadtschlosse fe Potsdam längere Zeit mit dem Botschafter Grafen von Hatz⸗ eldt und empfingen den Obersten von Grumbkow Pascha.
Heute Vormittag hörten Seine Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus und in dessen Anwesenheit denjenigen des Landraths von Stubenrauch und des Bauraths Havestadt über den Großschiffahrtsweg zwischen Spree und Havel. Seine Majestät konferierten sodann mit dem Geheimen Baurath Spitta und empfingen demnächst um 11 Uhr den Kardinal⸗Fürstbischof Kopp. ö“
Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für das Landheer und die Festungen und für Rechnungwesen hielten heute eine Sitzung. “
8 8
In der Zeit vom 1. April 1898 bis zum Schluß des Monats Oktober 1898 sind im Deutschen Reich nach dem Centralblatt für das Deutsche Reich“ folgende Einnahmen einschließlich der kreditierten Beträge) an Zöllen und ge⸗ meinschaftlichen Ferraachessenern sowie andere Einnahmen zur Anschreibung gelangt: Zölle 292 545 123 ℳ gegen denselben Zeitraum des Vorjahrs † 23 593 652 ℳ), Tabacksteuer 6 442 214 ℳ (+ 256 791 ℳ), zuckersteuer und † uschlag zu derselben 58 596 177 ℳ + 8 849 300 ℳ), Salzsteuer 26 123 000 ℳ (— 155 142 ℳ), aischbottich, und Branntweinmaterialsteuer 307 450 ℳ
uschlag zu derselben 70 083 334 ℳ (— 1 579 172 ℳ), 188 600 ℳ (— 388 603 ℳ), 18 182 058 ℳ Bier 2 234 633 ℳ (+ 39 435 ℳ
1 573 489 ℳ), Verbrauchsabgabe von Branntwein und
rennsteuer Brausteuer (+ 65 911 9. Uebergangsabgabe von
„ Summe 474 702 589 ℳ (+ 30 108 683 ℳ). Stempelsteuer für: a. Werthpapiere 11 866 811 ℳ (+ 2 513 869 ℳ), b. Kauf⸗ und sonstige Anschaffungsgeschäfte 7 240 60g8 ℳ (— 960 895 ℳ), c. Loose zu: Privatlotterien 2 549 438 ℳ (+ 444 375 ℳ), Staatslotterien 8 493 807 ℳ (+ 608 019 ℳ), Spielkarten⸗ stempel 770 311 ℳ (+ 13 467 ℳ), Wechselstempelsteuer 6 360 583 ℳ (+ 658 911 ℳ), Post⸗ und Telegraphenverwal⸗ tung 199 594 343 ℳ (+ 14 592 045 ℳ), Reichs⸗Eisenbahn⸗ verwaltung 44 472 000 ℳ (+ 2 685 000 ℳ).
Die zur Reichskasse gelangte Ist⸗Einnahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen und 8I beträgt bei den nachbezeichneten Einnahmen bis Ende Skiober 1898:
ölle 265 870 791 ℳ (*+ 25 209 343 ℳ), Tabacksteuer
322 630 ℳ (+ 258 764 ℳ), Zuckersteuer und Zuschlag zu derselben 50 941 400 ℳ (+ 8 999 332 ℳ), Salzsteuer 24 572 053 ℳ (+ 111 974 ℳ), Maischbottich⸗ und Brannt⸗ weinmaterialsteuer 6 138 275 ℳ (— 643 360 ℳ), Ver⸗ brauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 62 741 447 ℳ (+ 2378 390 ℳ), Brennsteuer — 96 597 ℳ e. 417 972 ℳℳ), Brausteuer und Uebergangsabgabe von
ier 17 351 763 ℳ (+ 90 876 ℳ), Summe 435 841 762 ℳ 88 35 987 347 ℳ). — Spielkartenstempel 792 147 ℳ + 24 673 ℳ).
Der Kaiserliche Botschafter in Wien, Wirkliche Geheime Rath Graf zu Eulenburg⸗Hertefeld ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.
Der hiesige Königlich sächsische üövnis Graf von Hohenthal und Bergen ist vom Urlaub nach Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.
Die segmücheigten zum Bundesrath, Großherzoglich badischer Ministerial⸗Direktor, Geheimer Rath Dr. Schenke und Herzoglich sächsischer Staats⸗Minister von Strenge sind in Berlin angekommen. 8 .
Nach “ Meldung an das Ober⸗Kommando der Marine i M. S. „Deutschland“, Kommandant: Korvetten⸗Kapitän mit Oberstlieutenants⸗Rang Müller — mit dem Divistons⸗Chef Prinzen Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit an Bord — am 29. November in Amoy angekommen und beabsichtigt, am 2. Dezember nach Hongkong in See zu gehen; S. M. S. „Stosch“, Kommandant: Kor⸗ vetten⸗Kapitän mit Oberstlieutenants⸗Rang Ehrlich, ist am 29. November in St. Vincent angekommen und beabsichtigt, am 2. Dezem ber en.
8
Württemberg.
Auguste von Sachsen⸗Weimar war, wie der „St.⸗A. f. W.“ meldet, am Montag verschiedentlich Schwankungen unterworfen. Die Nacht zu gestern war durch Husten gestört. Das all⸗ gemeine Befinden ist nicht unbefriedigend.
Lübeck.
Der fünfzigste Jahrestag der Einführung der Ver⸗ fassung des Lübeckischen Freistaats wurde gestern von Senat und Bürgerschaft unter Theilnahme der bürger⸗ lichen Deputirten und der Mitglieder der Gewerbe⸗ und der H in festlicher Weise begangen.
Desterreich⸗Ungarn.
Der österreichische Minister⸗Präsident Graf Thun und der Finanz⸗Minister Dr. Kaizl haben sich gestern Abend von
—
Wien nach Budapest begeben und konferierten heute Vor⸗
mittag daselbst mit dem ungarischen Minister⸗Präsidenten
Baron Banffy und dem Finanz⸗Minister von Lukacs. Im österreichischen Abgeordnetenhause gab gestern,
wie „W. T B.“ berichtet, der Minister⸗Präsident Graf Thun auf die Interpellation der Abgg. von Jaworski und Engel über die Ausweisungen österreichischer Staats⸗ angehöriger aus Preußen bezw. Deutschland folgende Er⸗ klärung ab:
Es müsse als ein unbestrittenes Recht eines jeden Staates an⸗ erkannt werden, fremde Elemente, deren Aufenthalt in seinem Gebiete im öffentlichen Interesse nicht erwünscht sein könne, auf seinem Territorium nicht zuzulassen, oder schon Niedergelassene wieder aus⸗ zuweisen. Dieses Recht stelle sich als ein Ausfluß der staatlichen Souveränetät dar und habe auch in der österreichischen Gesetz⸗ gebung klaren Ausdruck gefunden. Allerdings dürfe dieses Recht nicht in der Weise gehandhabt werden, daß gewisser⸗ maßen ganze Kategorien und Klassen der Bevölkerung eines fremden Staats als solche von der Niederlassung schlechtweg ausgeschlossen würden. Einen derartigen Charakter aber, daß sie etwa einer Verleugnung der völkerrechtlichen Grundsätze über die internationale Verkehrsfreiheit gleichkämen, und daß in weiterer Folge unter diesem Gesichtspunkt dagegen aufgetreten werden köane, Mätten nach den bisher gemachten Wahrnehmungen und angestellten Er⸗ hebungen die Ausweisungen ästerreichischer Staatsbürger aus Preußen bezw. Deutschland nicht, wenngleich zugegeben werden müsse, daß die preußischen Regierungsbehörden von ihrer Machtbefugniß, bedenkliche oder anstöͤßige Elemente auszuweisen, in letzter Zeit einen thatsächlich um⸗ fangreicheren Gebrauch gemacht hätten, als dies in früheren Perioden der Fall gewesen sein möge. „Wenn durch dieses Vorgehen in größerem Maßstabe gerade österreichische Staatsangehörige böhmischer und polnischer Nationalität betroffen worden seien, so erkläre sich dies dadurch, daß infolge der lokalen Nachbarschaft gerade die österreichischen Staatsangehörigen flavischer Zunge das Haupt⸗ kontingent jener österreichischen Staatsangehörigen ausmachten, die in den preußischen Grenzprovinzen auf Verdienst und Erwerb ausgingen, und welche am häufigsten von der Aus⸗ weisung betroffen würden, da sie sich meist in wirthschaftlich wenig gesicherter Stellung befänden. Weitaus der größte Theil der von der Ausweisung aus Preußen bisher betroffenen österreichischen Unterthanen gehöre der Klasse der landwirthschaftlichen Hilfsarbeiter an. Diese würden naturgemäß entbehrlich und demzufolge aus Arbeit und Verdienst entlassen, sobald die landwirthschaftlichen Arbeiten ihren Jahresabschluß gefunden hätten. Gelinge es ihnen nicht, nach Ent⸗ lassung aus diesem Arbeitsverhältniß anderweitige Beschäftigung zu finden, was wohl immer mit großen Schwierigkeiten verbunden sei, da sie, abgesehen von der Konkurrenz im Angebote, in der Regel eine für ein Gewerbe oder eine Industrie geforderte Befähigung nicht besäßen, so träten sie in die Reibe der Arbeitslosen und verfielen als solche der polizeilichen Behandlung, wie dies analog auch in Oesterreich der Fall sei. Wenn nun auch trotz der unleugbaren Schärfe, mit welcher das Ausweisun sverfahren in Preußen gehandhabt werde, eine Ver⸗ letzung der völkerrechtlichen Grundsätze oder besonderer vertragsmäßiger Rechte nicht behauptet werden könne, so habe sich gleichwohl das Auswärtige Amt, insbesondere im Hinblick auf die empfindlichen Rück⸗ wirkungen, welche die preußischerseits befolgte Fremdenpolitik auf einzelne wirthschaftliche Existenzen auszuüben geeignet sei, bei der Kaiserlich deutschen Regierung wiederholt und nachdrücklich bemüht, daß bei Ausweisungen österreichischer Staatsangehörigen von preußischer Seite mit thunlichster individueller Unterscheidung und Rücksichtnahme auf die jeweiligen persönlichen Verhältnisse der Auszuweisenden vorgegangen werde. Insbesondere in jenen einzelnen Fällen, in welchen um Ver⸗ mittelung der österreichischen Vertretungsbehörden nachgesucht worden sei, seien die österreichischen Vertretungsbehörden immer, und oft erfolgreich, darauf bedacht gewesen, alle jene Gesichtspunkte, welche im konkreten Falle irgendwie berücksichtigungswerth erscheinen könnten, der thunlichsten Würdigung seitens der preußischen Be⸗ hörden zu empfehlen und dahin zu wirken, daß die in den Aus⸗ weisungs maßregeln liegenden Härten möglichste lderung erführen. Allerdings sei die Möglichkeit versagt gewesen, in jenen Fällen irgend welche Schritte zu Gunsten der Ausgewiesenen zu unternehmen, in welchen die letzteren sich dem Ausweisungs⸗ erkenntnisse gefügt hätten, ohne die Intervention der österreichi⸗ schen Vertretungsbehörde in Anspruch genommen zu haben. Die bereitwilligen Zusicherungen, welche dem diesseitigen Ministerium des Auswärtigen von dem Berliner Kabinet noch erst in jüngster Zeit zu⸗ gekommen seien, ließen hoffen, daß das jetzige Verhalten der preußischen Behörden, sofern es die vvs. österreichischer Unterthanen be⸗ treffe, mit ker. Rücksichten in Einklang gebracht werde, welche Oesterreich für seine Staatsangehörigen SerAb könne. Sollte sich jedoch diese Erwartung nicht erfüllen und sollte insbesondere in der Aus⸗ weisung österreichischer Unterthanen entweder eine Kränkung der⸗ selben im Genuß ihrer völkerrechtlichen oder vertragsmäßigen Ansprüche erkannt werden, oder sollte endlich den Ausweisungen nicht mehr der Charakter einer gegen einzelne Individuen wirksamen Polizeimaßnahme zukommen, so wolle das Haus in diesem Fall die bündige Versicherung von ihm, dem Grafen Thun, entgegennehmen, daß er, und zwar in dieser Hinsicht in vollem Einvernehmen mit der gemeinsamen Regierung, nicht zögern werde, die Rechte der öster⸗ reichischen Unterthanen mit vollem Nachdruck zu wahren, eventuell den Grundsätzen der Reziprozität entsprechende Maßregeln anzuwenden.
Die Interpellation war damit erledigt. Der Abg. fersche wandte sich hierauf gegen den Ausdruck des Abg. erold: „Erbärmliche Lüge“, welchen ee. bezüglich einer
Behauptung des Abg. Pfersche über die Theilnahme der Jung⸗ vee. an den Excessen in Böhmen gebraucht benh. un
Das Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin
8
beantragte wegen dieses beleidigenden Ausdrucks die Einsetzun eines Mißbilligungs⸗ Ausschusf . Der Abg. Herold sftan
sich diesem Antrage megn der vom Abg. Pfersche gebrauchten räsident Dr. von Fuchs erklärte, er
werde dem Wunsche der Abgg. Herold und 888
Ausdrücke an. Der entsprechen. Das Haus trat sodann in die
Der erent Abg. Kozlowski begrüßte den Vertrag
als ersten Schritt zur Verwirklichung des handels⸗ politischen Programms des Ministers des Aeußern. Redner
besprach das Tarifwesen und bedauerte den Mangel an Initiative auf dem für eine bankmäßige Organisation des Exportes sowie für
eine Vermehrung der Berufskonsulate und empfahl die Vorlage zur Annahme. Im Laufe der Debatte besprach der Handels⸗ Minister Freiherr von Dipauli die Vortheile, welche für Oester⸗ reich aus dem Vertrag erwüchsen, und betonte die Nothwendig⸗ keit der Förderung der Handelsmarine, namentlich im Interesse des Exportes nach Ost-Asien. Dem fühlbaren Mangel an in⸗ ländischen Exporthäusern müsse abgeholfen und ein im Aus⸗
lande ansässiger tüchtiger österreichischer Kaufmannsstand ge⸗
schaffen werden. Wenn dann hee. öhitae Industriepolitik
ich 9 emeinsamem Handeln 1 hestand auf allen Ge⸗ bieten gefördert sehen. Nach der mit großem Beifall auf⸗
und wahre Wirthschaftspolitik vereinten, werde Oesterreich seinen
genommenen Rede des Ministers und einigen Bemerkungen
der Abgg. Mayreder und Vukovic wurde der Vertrag an⸗ genommen. Ueber die Frage, wann die nächste Sitzung ab:
ö sei, entspann sich hierauf eine längere erregte Debatte. chließlich wurde der Vorschlag des Präsidiums, die nächste Sitzung am 6. Dezember abzuhalten, gegen den Einspruch der Linken angenommen.
Im ungarischen Unterhause beantragte gestern der Präsident von Szilagyi, am 2. Dezember mit Rücksicht auf die an diesem Tage stattfindenden Dankgottesdienste keine Sitzung zu halten; ferner möge das Haus seinen huldigen⸗ den Glückwünschen und seiner innigen Freude darüber proto⸗ kollarisch Ausdruck geben, daß die Gnade der Vorsehung die beglückende Herrschaft Seiner Majestät so lange Zeit aus⸗ dehne. Der Abg. Kossuth erklärte sich namens der Unabhängigkeitspartei gegen den Antrag des Präsidenten, weil es jetzt ein Regierungs⸗Hubiläum des Königs von Ungarn nicht gebe. Derselbe verwies darauf, daß Oesterreich auch im S 1892 nicht an der Feier des 25 jährigen Krönungs⸗
ubiläums theilgenommen habe, und beantragte den Uebergan
zur Tagesordnung mit dem Bemerken, auch seine Partei sa von aufrichtigen Gefühlen der Liebe und der Huldigung für den Monarchen erfüllt. Der Minister⸗Präsident Baron Banffy sprach sich entschieden für den Antrag des Präsidenten aus, da eine Verletzung des Staatsrechts absolut nicht stattfinde, wenn man der Freude und dem Danke dafür Ausdruck gebe, daß die Vorsehung dem Monarchen zum Wohl des Landes dieses lange Leben schenke. Nachdem noch mehrere Abgeordnete von der äußersten Linken gesprochen hatten, wurde von dieser namentliche Abstimmung verlangt; diese wird heute er⸗ olgen.
8 Großbritannien und Irland.
Der Erste Lord des Schatzamts Balfour hielt gestern
in Bristol eine Rede, in welcher er, wie „W. T. B.“ berichtet,
die Sudanfrage und das kretische Abkommen besprach.
i Bezug auf das letztere sagte er, dasselbe eröffne gute Aus⸗ ichten für die Zukunft des europäischen Hinsichtlich der ersteren führte er aus, daß, wenn irgend ein fremder Staats⸗ mann des Glaubens sei, Großbritanniens Geduld sei uner⸗ schöpflich, derselbe einen Fehlschuß thue, von dem er (Balfour) hoffen wolle, daß er diesem Staatsmann nicht durch schmerz⸗ liche Erfahrungen zum Bewußtsein gebracht werden möge. Die Interessen aller zivilisierten Staaten erheischten die Aus⸗ breitung guter Verwaltung und Ordnung in allen noch nicht Face an Theilen der Erde. In Gottes Namen möge man
rankreich auf diesem Gebiet in seiner Sphäre vorwärts schreiten und diese große Aufgabe erfüllen lassen, wie Groß⸗ “ Deutschland und den König der Belgier in den ihrigen.
Lord Kitchener hat öffentlich zu einer Subscription auf⸗ gefordert, durch welche ein Fonds von 100 000 Pfd. Sterl. ur Begründung eines „Gordon Memorial College“ in Khartum beschafft werden soll. Die Königin hat sich bereit erklärt, das Protektorat zu übernehmen, der Prinz von Wales ist zweiter Protektor. Lord Salisbury hat Lord Kitchener in einem äußerst warm gehaltenen Schreiben seiner Unterstützung versichert.
u dem von der „Southern Daily Mail“ gemeldeten Unfall, welcher dem Prinzen Ludwig von Battenberg in Gibraltar zugestoßen ist (s. die gestrige Nr. d. Bl.), er⸗ fährt die „Darmstädter Zeitung“ von maßgebender Stelle, daß der Prinz am Sonntag vor acht Tagen in der Geschoßkammer des „Majestic“ ausgeglitten sei und sich eine Verletzung an der Hüfte zugezogen habe. Die Verletzung sei leichter Art, sodaß der Prinz schon am Mittwoch wieder im stande gewesen sei, Dienst zu thun, wobei er sich eines Stocks bedient habe
Frankreich.
Vor der gestrigen Sitzung des Senats versammelten sich die Gruppen desselben und beschlossen, auf die Inter⸗ pellation über die Picquart⸗Angelegenheit zu ver
zichten. — In der Sitzung wurde über den Antrag des
Senators Constans auf feitzgung des geheimen 8e. bei militärgerichtlichen Untersuchungen berathen. Der Berich erstatter verlangte die sofortige Abstimmung. Der Senator Mareére befürwortete einen Abänderungsantrag wonach bei solchen militärgerichtlichen dehen, welche die Sicherheit des Staats angehen, die Untersu
geführt werden solle. Marcère sprach seine Genugthuung über das Verhalten des Kriegs⸗Ministers in der vorgestrigen Sitzung der Deputirtenkammer aus. Der Senator Constans bekämpft das Amendement Marcéère's und bemerkte, sein Antrag enthalte keine Gefahr und berühre in keiner Weise die laufenden An Se Das Amendement Mareère wurde darauf ab⸗ elehnt. Der Senator Monis ersuchte den Minister⸗Prä⸗ identen, seine Erklärungen in der Kammer zu praͤzisieren und sich vor allem über die dem Kassationshofe zustehenden Rechte genauer auszusprechen. Der Minister⸗Präsident Dupuy er⸗
widerte, seine Ausführungen schienen ihm klar genug zu sein, aber er fu 2 daß die Befugnisse der Kriminalkammer des
Kassationshofes unbegrenzte seien; alle Aktenstücke, die sie nöthig habe, würden ihr zugestellt werden. Der beste Weg, die Ge⸗ müͤther wieder zu beruhigen, sei, die vz. Frage auf dem uristischen Boden zu belassen. D
wischenfall geschlossen.
1 Handelsvertrages mit Japan ein. 8
ebiet der Handelsschiffahrt, plädierte
ung geheim
e Sitzung wurde ohne
In der Deputirtenkammer richtete gestern der De⸗ Fer 1 Anfrage an den Marine⸗Minister über die in Toulon verbreiteten Gerüchte, daß sich ein Mangel an Geschossen für die Panzerschiffe herausgestellt habe, daß für die Verproviantierung schlecht gesorgt und daß ein Vertheidigungsplan gestohl’n worden sei. Der Marine⸗Minister Lockroy erwiderte, daß alle diese von der Lokalpresse veröffentlichten Nachrichten reine Erfindungen seien. Die Schiffe seien mit allen erforderlichen Geschossen versehen, ein Vertheidigungs⸗ plan sei niemals gestohlen worden und die Verproviantierung befinde sich in gutem Zustande, die Patrioten könnten also
eruhigt sein. Rußland. 1G
Der Kaiser hat sich gestern von Livadia nach Sebasto⸗ pol begeben, wo heute die feierliche Enthüllung des Denkmals für den Vize⸗Admiral Nachimow stattfindet.
Wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg meldet, wirft ein im „Regierungsboten“ veröffentlichtes Communiqué einen Rückblick auf die Aktion der Mächte in der kretischen Frage bis zur Entfernung der türkischen Truppen und fährt dann fort:
Behufs Durchführung der Aufgabe, welche die Mächte sich zur
endgültigen Lösung der kretischen Frage gestellt haben, war es noth⸗ wendig, sofort für die solide Einbürgerung einer zentralen Admi⸗ nistrativgewalt auf der Insel zu sorgen. Da die endgültige Einigung der Mächte über die Wahl der Persönlichkeit für den General⸗Gouverneurs⸗Posten noch nicht stattgefunden hat und jedenfalls die vorherine Bestätigung des Sultans auf Grund der ihm zuerkannten Souveränetätsrechte erfordert, die Lage der Dinge auf der Insel indessen eilige Maß⸗ nahmen erheischte, faßten die Mächte auf die Initiative der Kaiser⸗ lichen Regierung den einmüthigen Beschluß, den Prinzen Georg von Griechenland zu bitten, die Bürde des obersten Kommissars von Kreta anzunehmen, welcher von den Mächten zur Organisation der Verwaltun
der Insel auf Grund der Autonomiegrundsätze, die im vorigen Jahre durch die Botschafter in Konstantinopel ausgearbeitet wurden, bepollmächtigt ist. Infolgedessen säumten die Vertreter Rußlands, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens in Athen nicht, im Auftrage ihrer Regierungen den König der Hellenen zu ersuchen, dem Prinzen Georg zu gestatten, die Würde unter nachstehenden Hauptbedingungen anzunehmen: Der oberste Kommissar erhält eine temporäre Vollmacht auf drei Jahre zur Pazifizierung Kretas und zur Organisation der Verwaltung der Insel. Der Kommissar erkennt die Souveränetätsrechte des Sultans auf Kreta an. Seine erste Sorge wird sein, im Einvernehmen mit der Volksversammlung die autonome Verwaltung herzustellen, welche die Sicherheit der Person und des Eigenthums garantieren soll, gleichwie die religiöse Freiheit aller Kreter ohne Unterschied der Konfession. Er hat soforr zur Bildung der Gendarmerie oder der lokalen Miliz zu schreiten, welche die Ordnung auf der Insel bewahren soll. Für die anfängliche Organisation der Verwaltung der Insel weisen die vier Mächte die erforderlichen Mittel an. Die Mittheilung schließt: Die Vertreter in Athen führten am 14. November den Auftrag aus, und der König ertbeilte seinem Sohne die Genehmigung, die Vollmachten der Mächte anzunehmen. Dem bevorstehenden Einzuge des Prinzen in Kreta als oberster Kommissar, bekleidet mit den Vollmachten der Mächte, wird seitens der Bepölkerung der Insel, welche über ein halbes Jahrhundert die schwerste Wandelbarkeit des Schicksals erfahren hat, zweifellos mit
vooellem Vertrauen begegnet werden. Die Verleihung des Rechts der
autonomen Verwaltung an das Kretervolk unter dem Schutz und der obersten Leitung des Prinzen Georg ist der Beginn eines neuen Lebens für die Kreter; sie wird ein für alle Mal den perio⸗ dischen, blutigen Ereignissen einen Damm setzen, welche die Ruhe im Orient störten und den allgemeinen Fee⸗ un⸗ unterbrochen bedrohten. Die Kaiserliche Regierung bewahrt die feste Ueberzeugung, daß die Erzielung derartiger Resultate nach den nicht geringen Opfern und Anstrengungen, die einzig zu dem Zweck auf⸗ gewendet wurden, die Einbürgerung der Ruhe unter den Nationalitäten in der Türkei herbeizuführen, zur festeren Knüpfung der freundschaftlichen Beziehungen Rußlands zu dem benachbarten ottomanischen Reiche beitragen wird, und zugleich in den Augen des gesammten christlichen Ostens als der beste Beweis des fruchtbringenden Eesaßes der friedliebenden, aber stets festen und folgerechten Politik Rußlands dienen wird.
Italien.
In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer interpellierte, wie „W. T. B.“ meldet, der Deputirte Santini über die am 26. Oktober in Jaffa erfolgte Verhaftung Santorelli's, eines Mitarbeiters italienischer Blätter. Der Minister des Aeußern Canevaro erwiderte: Santorelli, der mit vorschriftsmäßigen Papieren versehen gewesen sei, habe die Absicht gehabt, den Deutschen Majestäten auf ihrer Reise zu folgen. Die türkische Polizei habe ihn als des Anarchismus verdächtig ohne Rücksicht auf das Privileg der Kapitulationen statt sich der Vermittelung des italienischen Konsulats zu bedienen. Der Botschafter in Konstantinopel habe von der Pforte das Versprechen der “ Santorelli's begehrt und erhalten. Da dieser usage nicht sofort entsprochen worden sei, habe der Bolschafter energisch protestiert, worauf Santorelli am 11. November freigelassen worden sei. Sobald die Einzelheiten des Falls genau bekannt seien, werde die Regierung volle Genugthuung fordern, wozu sie zweifellos berechtigt sei.
Der Minister des Auswärtigen Canevaro hat der Kammer ein Grünbuch über die Ereignisse auf Kreta vor⸗
elegt und derselben den in Washington 1897 geschlossenen Fosverkran zur Genehmigung unterbreitet.
Der Marine⸗Minister hat, dem „Esercito Italiano“ zufolge, den von seinem Vorgänger abgeschafften Marinerath Consiglio superiore di marina) wieder eingeführt. Während 18s rüher der Unter⸗Staatssekretär im Marine⸗Ministerium
en Vorsitz führte, ist jetzt der älteste Vize⸗Admiral, bisher Chef des ersten Marine⸗Departements in Spezia, Accinni, mit
8 bieser Funktion beauftragt worden. Die Wiedereinrichtung
dieser Behörde wird durch die Nothwendigkeit begründet, Einheit in die verschiedenen Dienstzweige der Marine zu bringen und ihr richtiges Ineinandergreifen zu sichern.
1 Spanien.
Der Ministerrath beschloß, wie „W. T. B.“ erfährt, an Montero Rios Instruktionen gelangen zu lassen, damit derselbe heute in der Friedenskonferenz über die Einzelheiten der in zweiter Linie in Betracht kommenden Punkte verhandeln könne, nachdem die Hauptfragen entschieden seien.
Das eidgenössische Militärbudget für das Jahr 1899 beläuft sich, wie die „Allg. Schweiz. Militär⸗Ztg.“ mit⸗ theilt, nach dem Voranschlage des Bundesraths an Ausgaben auf 27 015 924 Frcs., denen eigene Einnahmen der Heeres⸗ verwaltung in der Höhe von 2 692 950 Frcs. gegenüberstehen.
Türkei. 9
Der Botschafter in Berlin, General Tewfik Pascha ist,
898 einer Meldung des „W. T. B.“, zum Marschall ernannt
2
Wie das Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗Bureau“ aus Konstantinopel meldet, verlaute daselbst, daß der Kaiser von Rußland die Depesche des Sultans in Betreff der Uebertragung der Verwaltung der Insel Kreta an den Prinzen Georg von Griechenland auf indirektem Wege unter dem Ausdruck des Bedauerns abschläglich beantwortet habe.
Aus Kreta in Konstantinopel eingelaufenen Meldungen zufolge hat der Admiralitätsrath vorgeschlagen, daß die türkische Flagge zum Zeichen der Suzeränetät des Sultans in Suda neben den Flaggen der vier Großmächte gehißt bleiben solle. Der russische Admiral Skrydlow habe sich ge⸗ weigert, die letzten Urtheile des Admiralitätsraths zu unter⸗ zeichen, indem er erklärte, dies sei ein Vorrecht des Prinzen Georg, der ohnedies bald eintreffen werde.
Die „Schweizerische Depeschen⸗Agentur“ meldet: Die Nach⸗ richt des Londoner „Standard“, nach welcher der frühere Bundes⸗Rath Numa Droz in etwa 14 Tagen in der Eigen⸗ schaft eines Adjunkten des Prinzen Georg nach Kreta abgehen werde, sei unrichtig, Dagegen scheine so viel sicher zu sein, daß angeknüpft seien, um Numa Droz zur Uebernahme dieses Amtes zu bestimmen.
Serbien.
Die Skupschtina hat, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern
einstimmig die beantragten Aenderungen des Vereins⸗ und Versammlungsgesetzes angenommen. 88
1 Montenegro. Der russische Botschafter in Rom von Nelidow ist, wie
„W. T. B.“ aus Cetinje meldet, mit der Vertretung
½
Montenegros bei der Konferenz zur Berathung von Maß nahmen gegen die Anarchisten in Rom betraut worden
8 Amerika. Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Washington:
falls Spanien es ablehne, den Vereinigten Staaten die
Karolinen⸗Insel Kusaie als Kabelstation für einen ange⸗ messenen Preis zu verkaufen, werde man die Frage der Er⸗ werbung dieser Insel, wenigstens vorläufig, fallen lassen. Die Vereinigten Staaten beabsichtigten nicht, alle Karolinen⸗Inseln zu erwerben.
Nach einer Meldung der „Post“ soll der neue cubanische Tarif ebenso auf die Vereinigten Staaten wie auf alle
übrigen Länder Anwendung finden.
Asien. G Wie das „Reuter'sche Bureau“ aus Peking vom gestrigen Tage meldet, wurde der General der Kangsu⸗Truppen vor⸗ gestern im Kaiserlichen Palast in Audienz empfangen. Die bevorstehende Abreise des Generals ist in einem Erlasse an⸗
gekündigt worden. 8 Afritita.
Der Major Marchand und der Hauptmann Baratier haben, dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge, Omdurman ver⸗ lassen, um sich nach Faschoda zu begeben.
8— Kunst und Wissenschaft.
A. F. Im „Verein zur Förderung der Luftschiff⸗ fahrt“ berichtete Herr Dr. Sühring über die letzte diesjährige Hochfahrt, die er mit Herrn Berson zusammen am 3. Oltober unter⸗ nommen hat. Die Fahrt verspricht für die Wissenschaft insofern von Bedeutung zu werden, als bekanntlich an demselben Tage die lange vorbereitete Auffahrt von Sitten in der Schweiz aus stattfand und auch von München, Wien und St. Petersburg aus Ballons hochgelassen wurden. Die Untersuchungser b dieser fünf gleichzeitigen Hochfahrten lassen, sobald e fertig zusammengestellt sein werden, interessante Aufschlüsse über die Zusammenhänge von Temperatur und Feuchtigkeit in den verschiedenen Luftschichten erhoffen. Die schweizer Fabr⸗ ursprünglich auf ein Ueberfliegen der Alpen gerichtet, ist bei ihrer Ergebnißlosig⸗ keit nach dieser Seite und der Verfehlung ihres eigentlichen Zwecks nachträglich einer gewissen Geringschätzung verfallen. Dies ist un⸗ erechtfertigt, denn, von der nicht gewollten und nicht vorauszusehenden Feichkungsänherang des Ballons abgesehen, die ihn statt über die Hoch⸗ alpen nur über den westlichen Theil des Gebirgswalles führte, sind die Witterungs⸗Bedingungen während der Fahrt so ausgezeichnet gewesen, daß höchst wahrscheinlich sehr werthvolle photographische Aufnahmen gelungen sind. Die schweizer Fahrt erreichte eine Höhe von 6800 m. Man fand die Temperatur von 0 Grad in einer Höbe von 3300 m, bei der deutschen Fahrt erst in 3600 m Höhe. Aehnlich fand man über den Alpen die Temperatur von — 21 Grad C. schon bei 6400 m,. über Potsdam und Berlin erst bei 7300 m. Die Erklärung dieser Ver⸗ schiedenheit ist vielleicht darin zu suchen, daß über ganz Europa ein Maximum lag und die Schweiz an dessen südlichem Rande. Die deutsche Fahrt begann am 3. Oktober, Vormittags 11 Uhr, vom Depot der Luftschiffer⸗Abtheilung auf dem Tempelhofer Felde aus. In ¾ Stunden war die Höhe von 5000 m erreicht. Die eringe Aufstiegsgeschwindigkeit war insofern äußerst werthvoll, als sie auch in den unteren Luftschichten Beobachtungen ermöglichte: eine seltene Ausnahme. Die Windrichtung war durchschnittlich NO., so⸗ daß man, da die Windstärke kaum 4 m in der Sekunde betrug, in der Höhe von 6000 m ungefähr über Potsdam stand. Aus dieser den Montblanc übertreffenden Höhe schienen Berlin und Potsdam anz dicht beisammen zu liegen. Im Westen erschien der rocken, tief im Süden die Schneekoppe am Horizont, über der Ostsee brauten Nebel. Die Temperatur nabhm während des Aufstiegs bis zu 600 m Höhe ab, von da an stieg sie wieder und erreichte bei 1200 m einen mit der Erd⸗ temperatur fast übereinstimmenden Werth. Dann fieel sie stetig wieder bis auf 21 Grad C. Kälte. Die größte Höhe wurde südlich von Brandenburg mit 7377 m erreicht. Da beide Luftschiffer schon bei 5600 m die Sauerstoffschläuche zur Hand genommen hatten, konnten alle Beobachtungen ohne die geringste Ermüdung vorgenommen werden. In der vorbezeichneten Höenevßte die Hochtahe abgebrochen werden, da der Ballon in den hohen ½ Imperaturen der unteren Luftschichten viel Ballast verbraucht hatte und nur noch wenige Säcke übrig blieben, die beim Abstieg zur Ermäßigung der Fallgeschwindigkeit nöthig waren. Ganz ebenso tadellos wie der Aufstieg erfolgte auch der Abstieg. Stets nach 1000 m Fall erfolgte ein Abstoppen der Geschwindigkeit durch Ballast⸗Auswerfen. Die Landung erfolgte zwischen der Fabrikstadt Burg und . Hilfreiche Leute zogen den Ballon in eine Waldblöße, woselbst die Entleerung vorgenommen wurde. Es ist wohl selten eine Fahrt unter so gleichbleibenden Luft⸗ verhältnissen vorgenommen worden; dies begünstigte die Beobach⸗ tungen ganz besonders. Ein genaues Eingehen auf die Ergebnisse der Fahrt kann erst erfolgen, sobald die Resultate der gleichzeitigen vier Aufstiege vorliegen werden. 88 “
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Für den Bau der neuen Technischen Hochschule in Danzig
8 wie von dort berichtet wird, die Platzfrage nunmehr entschieden. ie Hochschule soll für den Besuch von 600 bis 800 Studierenden
eingerichtet und mit 47 Dozenten besetzt werden.
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Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregeln.
Verbreitung der 8 2 h. im Deutschen Reich im Jahre 1897.
Nach dem bereitg erwähnten, im Kaiserlichen Gesundheitsam bearbeiteten zwölften Jahresbericht über die Verbreitung von Thier⸗ seuchen im Deutschen Reich hat die Lungenseuche im Jahre 1897 gegenüber dem Vorjahre erheblich abgenommen. Erkrankt sind 810 Stück Rindvieh (gegen 1608 im Vorjahre), wovon 664 (868) im Regierungsbezirk Magdeburg. Die Fälle vertheilen sich auf die ö Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, Westfalen Rheinland und das Königreich Sachsen. Die Verluste an Rindvieh betrugen 1636 (gegen 2737 im Vorjahre); der Bestand an v in den neu verseuchten 66 Gehöften bezifferte sich auf 2097 Stü (gegen 4701 in 185 Gehöften im Vorjahre).
Impfungen zum 8 gegen die Seuche sind in 6 verseuchten und 5 seuchenfreien Rindviehbeständen vorgenommen worden. Von den 6 verseuchten Beständen waren 5 bereits ganz oder theilweise geimpft, als die Seuche im Berichtsjahre zum Ausbruch kam. In diesen er⸗ krankten beim Ausbruch der Seuche von den vorhandenen 314 geimpften Thieren 4 = 1,27 %, von den 105 nicht geimpften 5 = 4,76 %, und nach der nach Ausbruch der Seuche abermals vor⸗ genommenen Impfung noch weitere 11 geimpfte Thiere und 1 nicht Seneg Stuüͤck. In dem erst nach Ausbruch der Seuche geimpften
estande kam ein weiterer Erkrankungsfall bis zum Jahresschlusse nicht zur Beobachtung. Bei nachweislich 1474 Impfungen sind von 1161 geimpften Thieren (313 wurden zweimal geimpft) 8 Thiere = 0,54 % infolge der Impfkrankheit gefallen rgetödtet, d in seuchenfreien Gehöften.
Der Bau der Kleinbahn Köslin — Kolberg ist soweit geför⸗ dert, daß einzelne Strecken von einem Arbeitszuge befahren werden können und die Uebergabe an den Verkehr voraussichtlich um die Mitte nächsten Jahres erfolgen wird.
Bremen, 30. November. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Dampfer „Stolberg“ 28. Nov. VBm. Reise v. Singapore n. Suez fortges. „Trier“, v. Brasilien kommend, 29. Nov. in Antwerpen angek. „FElisabeth Rickmers“, v. Galveston kommend, 28. Nov. Dover pass. „Roland“, v. Baltimore kommend, 29. Nov Scilly pafs n. H. Meier“, v. New York kommend, 29. Nov. Dover passiert.
Der „Nord deutsche Lloyd“ hat, wie „Bösmann’s Tel⸗B.* meldet, seine beiden Schnelldampfer „Fulda“ und „Werra“ sowie den Dampfer „Habsburg“ für die Beförderung von spanischen Truppen von Havanna nach Spanien an die „Compania Trans⸗ atlantica“ verchartert. Die Dampfer, von denen sich „Habsburg“ in Bremerhaven und die beiden Schnelldampfer in New York befinden, werden bereits in den nächsten Tagen nach Cuba abgehen. Die Truppentransporte haben im Laufe des Dezember zu erfolgen.
London, 29. November. (W. T. B.) Castle⸗Linie. Dampfer „Tintagel Castle“ ist gestern auf der Ausreise in der Delagoa⸗Bay an⸗ gekommen.
Rotterdam, 29. November. (W. T. B.) Holland⸗Amerika⸗ Linie. Dampfer „Maasdam“ von Rotterdam gestern Vormittag
in New York angekommen. Theater und Musik.
Lessing⸗Theater.
Gestern Abend gelangte ein „Einakter. Cyclus“ von Otto Erich Hartleben unter dem gemeinsamen Titel „Die Befreiten“ zur ersten, von lebhaftem Beifall begleiteten Aufführung. Trotzdem schien ein gewisser leiser Widerspruch, der nach einzelnen Aktschlüssen sih Bahn zu brechen suchte, den Beweis zu erbringen, daß die Zeit ür die derbe Naturalistik dieses Dichters schnell zu schwinden beginnt. Die „Befreiten“ sind Personen, welche sich frei fühlen oder durch ihre Lebensführung frei machen von den Fesseln, welche die Gesellschaft aus sittlichen Gründen allen ehrbaren Mitgliedern auferlegt. Im ersten Stück „Der Fremde“ wird das Thema mit großer Seelenruhe von einer gelangweilten Frau und ihrem Jugend geliebten gleichsam philosophisch erörtert. Beide theilen dann als Ergebniß dem gutmüthigen Ehegatten ihren Ent schluß mit, davonzugehen, und führen ihn aus. m zweiten Stück „Abschted vom Regiment“, welches in militärischen Kreisen spielt, endet ein plötzlicher Tod des Haup den bis zur Brutalität ausgewachsenen Ehezwist; fü — so die äußere Schranke, welche sie schon vorher gründlich mißachtet hatte. Die beiden weiblichen Wesen der beiden letzten „Einakter“ „Die sittliche und „Lore“ haben keine gesetzlichen Bande mehr zu zerreißen, sondern nur noch die der guten Sitte; sie genießen ihre Freiheit bis zur Zügellosigkeit. Alle vier Stücke zeugen von dem theatralischen Geschick des Verfassers; im ersten erscheint das dramatische Leben am schwächsten ausgestaltet, im zweiten am stärksten; die beiden letzten Einakter, welche schon früher auf einer Berliner Bühne aufgeführt worden sind, tragen den Charakter einer dreisten Satire auf die bürgerliche Gesellschaft und die moderne Jugend. Die Charaktere sind ausnahmelos in kräftigen Strichen gezeichnet, aber auf Seelenanalyse, welche nur im ersten Stück „Der Fremde“ angestrebt wird, versteht sich der Dichter wenig. Bei den übrigen drei Frauen ist von Seele kaum eine Spur zu erkennen, nur die äußeren Sinne und die Sinxlichkeit werden drastisch geschildert; gerade diese Gestalten indessen schienen auf die Zuschauer am lebhaftesten zu wirken. — Die Darstellung wurde den Absichten des Dichters fast überall gerecht. Frau Sauer spielte die gelangweilte Frau mit starker Empfindung; Frau Bertens markierte in ihrer Rolle als Hauptmannsgattin den Ton starker Leidenschaft überzeugend; die Damen Groß und Jäger gaben die leichtlebigen weiblichen Gestalten, welche sich von der bürgerlichen Ordnung und Sitte befreit haben, mit Temperament. Unter den Herren trat Herr Bonn durch seine treffliche Leistung in der Rolle des Hauptmanns Griesheim hervor und Herr Waldow im letzten Stück in der Rolle des satirisch veranlagten Fred.
Belle⸗Alliance⸗Theater.
Christian Dietrich Grabbe’'s Schauspiel „Napoleon“ ist gestern in der Flüggen'schen Bearbeitung bereits zum 50. Male in dieser Spielzeit wiederholt worden: gewiß ein überraschendes Jubiläum für ein Werk, das jahrzehntelang für unaufführbar galt. Der zahlreiche Besuch der Vorstellung war ein neuer Beweis dafür, daß das Interesse für das Schauspiel noch nicht erschöpft ist. Bei den Darstellern und Darstellerinnen machte sich trotz der häufigen Wiederholungen die gleiche Spielfreudigkeit bemerkbar wie bei der
gremière, sodaß Blumen, Kränze und Beifall, welche dem Leiter des
heaters Herrn Droescher, dem Vertreter der Titelrolle Herrn Kober und den Damen Lilly Horneck (Herzogin von Angoulome) und Ilka Grüning (Hortense) zu theil wurden, als wohlverdiente bezeichnet werden können. 8
Residenz⸗Theater.
Gestern Abend trat Fräulein Rita Léon als Liane in dem lustigen Schwank „Mamsell Tourbillon“ auf. Die Darstellerin fand durch Anmuth, Frische und Natürlichkeit der Sprache wohlverdienten Beifall und kann wohl als gleichwerthiger Ersatz für ihre treffliche Vorgängerin Frau Brandt⸗Schüle gelten.
Im Königlichen Opernhause findet morgen eine Auf⸗ führung von Humperdinck's Märchenspiel „Hämel und Gretel“ unter Kapellmeister Strauß' Leitung und in folgender Besetzung statt: Hänsel: Fräulein S Gretel: Fräulein Dietrich; Peter: Herr Berger; Gertrud: Fräulein Kopka; Knusperhexe: Fräulemin Reinl. Hierauf folgt das Ballet „Die Puppenfer“ mit den Damen dell Era und Urbanska in den Hauptrollen. — Am Freitag geht Verde's Oper „ 2ns mit Haerrn Bictor Maur!l aus Parih in der Titelrole in Scene. Im übrigen lautet rie Be⸗ setzung: ord: Herr Hoffmann; Alice: Fräulein Hiedler; Aennchen: Fräulein Dietrich; Frau Quickly: Frau Goeze; Fran Meg