1898 / 289 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 07 Dec 1898 18:00:01 GMT) scan diff

Beamte der Militär⸗Verwaltung. b

Durch Verfügung des Kriegs⸗Ministeriums. 12. No⸗ vember. Schmidt, Intend. Rath und Vorstand der Intend. der 16. Div, zu der Korps⸗Intend. des X. Armee⸗Koꝛps, Ahlemann, Intend. Assessor von der Korps⸗Intend. des KXV. Armee⸗Korps, als Vorstand zu der Intend. der 16. Div, versetzt. * 24 November. beim XVII. Armee⸗Korps ernannt.

Königlich Bayerische Armee. 8

Offiziere, Portepee⸗Fähnriche ꝛc. Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. 19. November. Bosch, Rittm. und Eskadr. Chef im 2. Chev. Regt Taxis, unter Stellung à la suite des genannten Regts., auf die Dauer eines Jahtes beurlaubt.

24. November. Die Offizier Aspiranten: Berghofer, Unter⸗ gffizier im 6. Chev. Regt. Prinz Albrecht von Preußen, Runkel, Otersäger im 2. Jäger⸗Bat., Hosemann, Unteroff. im 18. Jnf. Regt. Prinz Ludwig Ferdinand, zu Port. Fähnrichen befördert.

27. November. Rüdiger, Major und Komp. Chef im 4. Inf. Regt. König Wilhelm von Württemberg, Ritter v. Mann Edler v. Tiechler, Major und Komp. Chef im 11. Jnf. Regt. von der Tann, zu Bats. Kommandeuren; die (Ritt⸗ meister): Würdinger im 4. Inf. Regt. König Wilhelm von Württemberg, Steiner, à la suite des 10. Inf. Regts. Prinz Ludwig, Adjutant der 5. Inf. Brig., im 11. Inf. Regt. von der Tann, Paraquin, àA la suite des 5. Chev. Regts. Erzherzog Albrecht von Oesterreich, kommandiert zur Luftschiffer⸗ Abtbeil., im 2. Chev. Regt. Taxis, zu Komv. (Escadr.) Chefs, Ritter Mertz v. Quirnheim, 8 Lt. des 9. Inf. Regts. Wrede, unter Stellung à la suite dieses Regts., zum Adjutanten der 5. Inf. Brig., ernannt.

Durch Verfügung des Kriegs⸗Ministeriums. Loé, Oberst ⸗Lt. vom Stabe des 1. Pion. Bats., kommandiert als Führer des Pion. Detachements in- München, an Stelle des Oberst⸗Lts a. D. Gortgetreu als ständiges Mitglied der OberStudten⸗ und Exami⸗ nationskommission bestimmt. Stöber, Sec. Lt. des 1. Pion. Bats., 8 18 zur Intend. I. Armee⸗Korps bis auf weiteres ver⸗

ngert.

Im Beurlaubtenstande. 19. November. Löwensohn, Pr. Lt. in der Landw. Inf. 2. Aufgebots (Hof), zum Hauptm., Wegener, Pr. Lt. in der Landw. 2. Aufgebots des Trains (Hof), zum Rittm, Oeffner, Heiler, Sec. Lts. in der Res. des 1. Train⸗ Bats., Frhr. Rüpplin v. Keffikon, Obermayer (I München), v. Stetten (Augsburg). Fechheimer (Nürnberg), Brenner (Kitzingen), Devin (Aschaffenburg), Hering (Hof), Ruby (Kaisers⸗ lautern), Bauer (Ludwigshafen), Hahn (Landau), Sec. Lts. in der Landw. 1. Aufgebots des Trains, zu Pr. Lts., befördert.

8 XIII. (Königlich Württembergisches) Armee Korps. Offiziere, Portepee⸗Fähnriche ꝛc. Ernennungen, eförderungen und Im aktiven Heere. 25. November. v. Fischer, Gen. Masor und Kommandeur der 54. Inf. Brig. (4. Königl. unter Beförderung zum Gen. Lt., nach Preußen behufs Verwen 18. Div. kommandiert. v. Witzendorff, Königl. preuß. Gen. Major, von dem Kommando der 135. Feld⸗Art. Brig. (Königl. Württ.) behufs Verwendung als Kommandant von Breslau enthoben. v. Brietzke, Königlich preußischer Oberst à la suite des Braunschweigischen Infant. Regiments Nr. 92, bisher Kommandeur dieses Regts., kommandiert nach Württemberg, mit der Führung der 54. Inf. Brig. (4. Königl. Württemberg.), v. Epplen, Oberst und Kommandeur des 2. Feld⸗Art. Regts. Nr. 29 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern, unter Stellung à la suite dieses Regts., mit der Führung der 13. Feld⸗Art. Brig. (Königl. Württemberg.) be⸗ auftragt. v. Münzenmaier, Oberst und Abtheil. Chef im Kriegs⸗Ministerium, zum Kommandeur des 2. Feld⸗Art. Regts. Nr. 29 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern ernannt. Witzell, Königl. preuß. Oberst, bisher Oberst⸗Lt., von der Stellung als etats⸗ mäß. Stabsoffizier des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120 behufs Verwendung als Kommandeur des Inf. Regts. von Manstein (Schleswig.) Nr. 84 enthoben. v. Normann, Königl. G Oberst, bisher Oberst⸗Lt. à la suite des Gren. Regts. önigin Olga Nr. 119 und beauftragt mit der Führung dieses Regts, zum Kommandeur desselben ernannt Schmitt, Oberst⸗Lt. und Bats. Kommandeur im 8. Inf. Regt. Nr. 126 Großherzog Friedrich von Baden, als etatsmäß Stabsoffizier in das Inf. Regt. Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, Frhr. v. Mittnacht, Major à la suite des Gren. Regts. Königin Olga Nr. 119, unter Ent⸗ hebung von dem Kommando als Adjutant beim General⸗ Kommando des Armee⸗Korps, als Bats. Kommandeur in das 8. Infanterie⸗Regiment Nr. 126 Großherzog Friedrich von Baden, versetzt. Wundt, Hauptm. im Feld⸗Art. Regt. König Karl Nr. 13, der Charakter als Major verliehen. Erpf, Hauptm. und Komp. Chef im Inf. Regt. König Wilhelm 1. Nr. 124, als Adjutant zum General⸗Kommando des Armee⸗Korps kommandiert. Rauth, Hauptm. und Komp. Chef im Inf. Regt. von Stülpnagel (5. Brandenburg.) Nr. 48, unter Enthebung von dem Kommando nach Preußen, als Komp. Chef in das Inf. Regt König Wilhelm I. Nr. 124 eingetheilt. Frhr. v. Reitzenstein, Prem. Lieutenant im Ulanen⸗Regiment König Karl Nr. 19, zum überzähligen Rittmeister befördert. Landauer, Hauptmann z. D. nnd Bezirks⸗Offizier im Landw. Bezirk Ludwigsburg, ein Patent seiner Charge verliehen. Drausnick, Pr. Lt. im Inf. Regt. König Wilhelm I. Nr. 124, zum Hauptm. und Komp. Chef, vorläufig ohne Patent, ernannt. aber, Pr. Lt. im Inf. Regt. Kaiser Wilhelm, König von Preußen sr. 120, zur Dienstleistung beim Train⸗Depot des Armee⸗Korps kommandiert. Reinelt, Sec. Lt. im 4. Inf. Regt. Nr. 122 Kaiser . Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, zum Pr. Lt. sefördert. Metz, Königl. preuß. Port. Fähnr. a. D., zuletzt von der Res. des Landw. Bezirks Gießen, früher im 4. Großherzogl. Hess. Inf. Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, im Armee⸗Korps und zwar als Faet. Fähnr. mit einem Patent vom 20. Novemher 1897 beim Inf. egt. Kaiser Friedrich, König von Preußen Nr. 125 angestellt. Die Unteroffiziere: Krumbeck im 2. Feld⸗Art. Regt. Nr. 29 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern, Frhr. v. Wöllwarth⸗Lauterburg im Ulan. Regt. König Wilhelm I. Nr. 20, Stadler im Train⸗Bat. Nr. 13, von Hirschberg im Inf. Regt. König Wilhelm I. Nr. 124, zu ort. Fähnrichen befördert. dlef Königl. sächs. charakteris. ort. Fähnr. a. D., früher im 8. Sächs. Inf. Regt. Prinz Johann Georg Nr. 107, als charakteris. Port. Fähnr. im Drag. Regt. Königin Olga Nr. 25 angestellt.

„Im Beurlaubtenstande. 25. Novembe r. Die Sec. Lts.: Müller von der Inf. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Ellwangen, Luz von der Res. des Drag. Regts. König Nr. 26, Frhr. Cotta v. Cottendorf von der Res. des Ulan. Regts. König Wilhelm I. Nr. 20, zu Pr. Lts.; die Vize⸗Feldwebel bezw. Vize⸗Wachtmeister: Hauber vom Landw. Bezirk Ludwigsburg, zum Sec. Lt. der Res. des Inf. Regts. Alt⸗Württemberg Nr. 121, Frhr. v. Ruepprecht vom Landw. Bezirk Ravensburg, zum Sec Lt. der R. des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, Roser vom Landw. Bezirk Rottweil, zum Sec. Lt. der Res. des Inf. Regts. Alt⸗Württemberg Nr. 121, Storz vom Landw. Bezirk Stuttgart, zum Sec. Lt. der Res. des 4. Inf. Regts. Nr. 122 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn, Stoll von demselben Landw. Bezirk, zum Sec. Lt. der Res. des Feld⸗Art. Regts. König Karl Nr. 13, von demselben Landwehr⸗Bezirk, zum Second⸗

ieutenant der Reserve des Infanterie⸗Regiments Kaiser Wilhelm, König von Preußen Nr. 120, befördert. Fie Vize⸗Feldwebel bezw. Vize⸗Wachtmeister: Schwab vom Landw.

ezirk Stuttgart, zum Sec. Lt. der Res. des Gren. Regts. Königin Olga Nr. 119, Hartmann von demselben Landw. Bezirk, Poensgen vom Landw. Bezirk Reutlingen, zu Sec. Lts. der Res. des Inf. Regts. z Nr. 121, Fauser vom Landw. Bezirk Hall, zum Sec. Lt. der Res, des Inf. Regts. Kaiser Friedrich, König von

Simon, Zahlmstr. Aspir., zum Zahlmstr.

ung als Kommandeur der

Preußen Nr. 125, v. Rom bom Landw. Bezirk Stuttgart, zum Sec. Lt. der Res. des 2. Feld⸗Art. Regts. Nr. 29 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern, Wartenberg von demselben Landw. Bezirk, zum Sec. Lt. der Res. des Train⸗Bats. Nr. 13, Lang von dem⸗ selben Landw. Bez., zum Sec. Lt. der Res. des Inf. Regts. Alt⸗Württem⸗ berg Nr. 121, Wittwer von demselben Landw. Bezirk, zum Seec. Lt. der Res. des Gren. Regts. Königin Olga Nr. 119, Banzhaf, Benger von demselben Landw. Bezirk, zu Sec. Lts. der Res. des 2. Feld⸗Art. Regts Nr. 29 Prinz⸗Regent Luitpold von Bayern, Hof vom Landw. Bezirk Ludwigsburg, zum Sec. Lt. der Res. des Drag. Regts. Königin Olga Nr. 25, befördert.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 25. No⸗ vember. Rümelin, Sec. Lt. im Inf. Regt. Kaiser Friedrich, König von Preußen Nr. 125, die Entlassung aus dem aktiven Dienst, unter Uebertritt zu den Res. O fizieren des Regts., gewährt. Fehr. v. Krauß, Hauptm. und Komp. Chef im Inf. Regt. König Wil⸗ helm I. Nr. 124, mit Pension und der Erlaubniß zum Tragen der bisherigen Uniform der Abschied bewilligt.

Militär⸗Justizbeamte.

25. November. Naumann, Justiz⸗Rath und Auditeur der Earnison Straßburg, in die Garnison Stuttgart, Sandel, Auditeur der Garnison Ulm, in die Garnison Straßburg, mit Wirkung auf den 1. Februar k. J. versetzt.

Beamte der Militär⸗Verwaltung.

18. November. Bäum ler, Proviantamts⸗Assist, der Charakter

als Proviantamts⸗Kontroleur verliehen.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Verlin 7. Dezember.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten im Stadtschlosse zu Potsdam heute Morgen den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus. Um 11 Uhr empfingen Seine Majestät eine Deputation des Kreises Wirsitz und hierauf den Rektor Magnificus der Berliner Universität, Geheimen Medizinal⸗Rath, Professor Dr. Waldeyer. 8

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Handel und Verkehr, für Justizwesen und für Rechnungs⸗ wesen sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuer⸗ wesen und für Handel und Verkehr hielten heute Sitzungen.

Die Leitung der Kaiserlichen Minister⸗Residentur in Bangkok hat bis auf weiteres der kommissarisch dorthin ent⸗ sandte Kaiserliche Konsul in Singapore Eschke als Geschäfts⸗ träger übernommen.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Herzoglich sächsischer Staats⸗Minister Dr. von Heim und Fürstlich lippischer Staats⸗Minister Dr. Miesitscheck von Wischkau haben Berlin verlassen. 1“

In der Ersten Beilage zur heutigen Nummer de u. St.⸗Anz.“ wird eine Zusammenstellung der Berichte von deutschen Fruchtmärkten für den Monat November 1898 veröffentlicht. 8—

Nach telegraphischer Mittheilung an das Ober⸗Kommando haben nachstehende Schiffsbewegungen stattge⸗ unden:

S. M. SF. „Kaiserin Augusta“, Kommandant: Kapitän zur See Gülich, ist mit dem Chef des Kreuzer⸗ Geschwaders, Vize⸗Admiral von Diederichs am 5. Dezember in Kiautschou angekommen.

S. M. S. „Sophie“, Kommandant: Fregatten⸗Kapitän Kretschmann, ist am 5. Dezember in Montevideo einge⸗ troffen und beabsichtigt, am 10. d. M. die Reise nach Buenos Aires forzusetzen.

„Der Reiche⸗Postdampfer „Bayern“ ist mit den abge⸗ lösten Besatzungen der Schiffe des Kreuzer⸗ Geschwaders, Transportführer: Kapitän zur See Koellner, am 5. Dezember in Hongkong angekommen und wollte heute nach Singapore in See gehen.

* Württemberg.

In Stuttgart hat gestern, wie der „Schwäb. Merkur“ berichtet, die feierliche Beisetzung weiland Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin? gust⸗ von Sachsen⸗Weimar stattgefunden. Vor der Ueberführung der sterblichen Ueberreste nach dem Sergh. fand im Palais des Prinzen Hermann von Sachsen⸗Weimar eine Trauerfeier statt, welcher, neben den nächsten Familienangehörigen und den Vertretern Ihrer Majestäten des 2* und der Königin, Allerhöchstwelche infolge des Todes Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin riedrich nicht persönlich erschienen waren, Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin von Baden, Ihre Kaiser⸗ lichen Hoheiten die Großfürstin Alexandra und die Härzogin Wera, der Kaiserliche Statthalter in Elsaß⸗ othringen Fan zu Hohenlohe⸗Langenburg, sowie die Herzogliche Familie von Mrach beinegaten. Außerdem waren die Staats⸗Minister, das diplomatische Korps, die Hof⸗ staaten und die Generalität anwesend. Nach der Einsegnung der Leiche durch den Hofprediger Keeser setzte sich der Trauerzug nach dem Pragfriedhofe in Bewegung. Dort wurde der Sarg durch Mitglieder des württembergischen Kriegerbundes vom Trauerwagen an die Gruft getragen. 1“ dem Sarg schritten der Prinz Hermann von Sachsen⸗Weimar mit seinen Söhnen und den drei Enkeln, ferner der Herzog Robert von Württemberg als Vertreter Seiner Majestät des . und der Ober⸗Hofmeister Freiherr von Reischach ür Ihre Majestät die Königin. Diesen schlossen sich an der Herzog lrich von Württemberg, der Prinz Ernst von Sachsen⸗Meiningen, der Fürst zu Hohenlohe⸗Langenburg, der Herzog und der Füͤrst von Urach und der Prinz von Ardeck. Als Vertreter waren ferner anwesend: für die Großherzogin von Baden Baron von Oedelheim, 2 die Großfücgstin Alexandra General⸗Lieutenant von Kirejeff, für die Herzogin Wera

seefmarschan von Baldinger und Kammerherr von Valois, ür die Herzogh von Urach Fasfmerjanter von Salviati.

Das diplomatische Korps, die Minister, sowie eine große Zahl

von Offizieren aller Grade aus den Garnisonen des L2 schlo sich 1 Zußs, an. der 5 versenkt ie Leidtragenden sich um das Grab aufgestellt hatten, hi⸗ Stadtdekan, Ober⸗Konsistorial⸗Rath fge h hielt der Trauerrede.

Baden.

Die Zweite Kammer ist nach fast halbjähriger Ver⸗

tagung am Montag wieder zusammengetreten.

Oesterreich⸗Ungarn.

Dem österreichischen Abgeordnetenhause sind gestern das Budget für 1899 und das Budgetprovisorium für die Zeit vom 1. Januar bis zum 31. März 1899 von dem Finanz⸗ Minister Dr. Kaizl vorgelegt worden. In dem Budget sind die gesammten Staatsausgaben auf 760 286 793 Gulden, die gesammten Einnahmen auf 760 754 834 Gulden ver⸗ anschlagt. Der Ueberschuß beträgt mithin 468 041 Gulden, d. h. 119 113 Gulden mehr als im Vorjahre. Das Ge⸗ sammterforderniß ist um 37 413 962 Gulden höher veranschlagt als dasjenige für 1898. Dem Voranschlage für 1899 ist die Aufrechterhaltung der Gemeinsamkeit der Zolleinkünfte sowie die vorläufig bestehende Quotenauftheilung zu Grunde gelegt. Das Gesammterforderniß der Beitragsquote für 1899 zu Lasten der cisleithanischen Reichshälfte beträgt 126 162 876 Gulden, wovon, nach Abzug der durchlaufenden Post von 50 210 430 Gulden für Ueberschüsse des Zollgefälles, als eigentliche Beitragsquote 75 952 446 Gulden verbleiben (um 1 160 707 Gulden mehr als im Vorjahre). Die Steigerung der Einnahmen im Jahre 1899 beträgt 40 212 432 Gulden, woran das Finanz⸗Ministerium mit 30 964 946 Gulden betheiligt ist, nämlich an direkten Steuern mit 4 173 800 Gulden, an in⸗ direkten Steuern mit 12 305 010 Gulden. Von dem voraussicht⸗ lichen Ertrage an direkten Personalsteuern von 61 706 900 Gulden behält die Staatskasse 51 863 300 Gulden, während die erste Stufe der Nachlässe an Grund⸗ und Gebäudesteuer 6 840 200 Gulden beträgt und den Landesfonds 3 000 000 Gulden überwiesen werden. Zur Deckung der Beamtengehälter sind die Gebahrungsüberschüsse vom Jahre 1897 mit 10 200 000 Gulden heranzuziehen. In dem sehr reich dotierten Inpestitions⸗ budget betragen die Ausgaben 31 093094 Gulden, die Einnahmen 1 433 910 Gulden, es verbleibt somit ein Erforderniß von 29 659 184 Gulden, zu dessen Deckung eine dreiprozentige Investitionsrente begeben werden kann; der Finanz⸗Minister wird jedoch ermächtigt, anstatt der Investitionsrente Obliga⸗ 1 der 1892 geschaffenen vierprozentigen Kronenrente aus⸗ zugeben.

Ja seinem Exposé führte der Finanz⸗Minister Dr. Kaizl, dem „W. T. B.“ zufolge, aus:

Der Ueberschuß betrage rund ½ Millionen Gulden, also 119 000 Gulden mehr als der präliminarmäßige Ueberschuß des Jahres 1898. Der Minister verwies auf das Mehrerforderniß des Budgets für das Jahr 1899, das gegenüber dem Budget des Jahres 1898 36 ½ Mihionen Gaͤlden betrage. Wenn jedoch die für 1899 eingestellte außerordentliche Budgespost von 13 Millionen Gulden à conto der Erhöhung der Beamtengehälter in Abzug gebracht werde, bekomme man ür 1899 eine Erhöhung des Staatsaufwandes um 23 Millionen Gulden. Diese Ziffer entspreche annähernd der Erhöhung der Bedeckung um 23 Millionen Gulden. Ein namhafter Theil der Erhöhung sei zur Aufbesserung der Lage der niedrigsten Stellen der Staatsbediensteten verwandt worden, auch sei die Lage der in ärarischen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter gebessert worden. Zur Bedeckung der Beamtengehalts⸗Regulierung sei aus den Ueber⸗ schüssen des Jahres 1897 ein Betrag von 102⁄0 Millionen verwandt und hierdurch einem Wunsche des Abgeordnetenhauses Rechnung ge⸗ tragen worden. 20 Millionen dieser Ueberschüsse selen zur Einlösung von Salinen⸗Scheinen verwandt worden. Im Jahre 1900 werde unter normalen Verhältnissen ein Defizit nur vermieden werden, wenn die wiederholt ausgesprochene Erhöhung der indirekten Steuern votiert werde. Das Gleichgewicht sei nicht aufrecht zu erhalten, wenn nicht mindestens die Zuckersteuer votiert werde. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Minister, daß ec im Falle der Votierung die Absicht habe, miß⸗ liebige und vexatorische Abgaben abzuschaffen, so Wegmauthen, Zeitungs⸗ stempel und besonders die Abgaben vom Kleinverschleiß geistiger Getränke. Außerdem beabsichtige er die Reform des Gebührengesetzes zum Nach⸗ theil des Staatsschatzes durchzuführen, indem Erleichterungen bei Uebertragung baulicher Liegenschaften gewährt werden sollten. Um die Solidität des Budgets zu zeigen, bemerkte der Minister, daß auch für die Schuldentilgung vorgearbeitet werde. Durch die Zuwendung von 20 Millionen aus den Ueberschüssen des Jahres 1897 zu diesem Zwecke sei das Resulkat der Tilgung der Salinenscheine jetzt ein der⸗ artiges, daß sich diese Schuld binnen fünf Jahren von 100 auf 50 Millionen herabgemindert habe. Außerdem seien 11 ½ Millionen zur Tilgung der ge⸗ meinsamen Staatsschuld im Budget für 1899 zur Verwendung ge⸗ langt. Es mache sich also das Bestreben geltend, keine neuen Schulden zu kontrahieren, sondern die bestehenden herabzumindern. Der De⸗ zennien hindurch währende Druck auf die Preise der landwirthschaftlichen Produkte scheine gebrochen zu sein, und ein Rückfall werde nicht sobald wieder eintreten. Auch die Zuckerpreise wiesen eine steigende Tendenz auf. Die landwirthschaftlichen Brennereien seien in Vermehrung be⸗ riffen. Zu begrüßen sei es auch, daß die agrarischen Kreise zur Selbst⸗ hilfe schritten. Die Regierung werde diese Bestrebungen auch materiell fördern. Auch auf dem Gebiet der Industrie sei der Fortschritt aus der größeren Zahl der Aktienunternehmungen zu ersehen. Die Regierung werde diesen Aufschwung durch eine Reform des Aktiengesetzes zu fördern bemüht sein. Der Minister konstatierte die fortdauernde Gesundung der wirthschaftlichen Verhältnisse sowig die auch im Jahre 1898 eingetretene Besserung der auswärtigen Bilanz und beleuchtete den Mißstand, daß jetzt sgoewahr das Budget für 1898 als das für 1899 unerledigt sei, was eine Gefahr für den Parlamentarismus bedeute. „Es könnte der Minister, „eine Regierung, welche reaktionäre Tendenzen verfolgt, über diesen Niedergang des Parlaments freuen, wir aber freuen uns nicht, wir beklagen diese Verhältnisse, weil wir in ihnen ein bedenkliches Uebel erblicken, ein Uebel trotz des § 14, weil das Parlament wohl eine Schranke, aber auch eine mächtige Stütze jeder Regierung darstellt, und weil auf die Dauer ein Regime ohne parlamentarische Kontrole undenkbar erscheint. Darum sollten Alle, denen daran gelegen ist, daß unser öffentliches Leben in Bahnen einer gesunden, rechtlichen Entwicklung gelungt, danach trachten, daß diese Verhältnisse endlich einmal aufhören..“.. 1 3

Der Abg. Groß beantrggte hierauf, die Debatte über die Antwort des Minister⸗Präsidenten Grafen Thun auf die Interpellation des Abgeordneten von Jaworski, betreffend die Ausweisung österreichischer Staatsangehöriger aus Preußen, zu eröffnen, da diese Antwort Aufsehen erregt habe und man über sie nicht stillschweigend hinweggehen dürfe. In der Be⸗ gründung führte der Abg. Groß aus, daß seine Partei weit entfernt sei, die Ausweisung österreichischer Staats⸗ bnsegaiger aus Preußen gut zu heißen, wenn auch durch diese Ausweisungen nur Pügehsrige slavischer Nationalität be⸗ troffen worden seien. Der Zusatz, welchen der Minister⸗ Präsident zu der Antwort auf die Interpellation gemacht habe, könne in gewissem Sinne als Hroung aufgefaßt werden Er glaube nicht, daß der Minister⸗Präsident sich über

sich vielleicht“, sagte

die Tragweite seiner Worte im Klaren gewesen sei⸗

von Braun die

Man es hier nur mit einer polilischen Taktlosigkeit g. sei fest überzeugt, daß die ame Regierung ihre Zustimmung zu den Worten des Minister⸗Präsidenten nicht gegeben habe, denn bei verbündeten Staatsregierungen könne man von Repressalien nicht sprechen, doch glaube er nicht, daß die Worte des Minister⸗Präsidenten das deutsch⸗österreichische Bündniß gefährden könnten; denn die Tripelallianz bewähre sich als Bedürfniß für den Welt⸗ frieden. Auch der größte Theil der v des Hauses halte sicher an diesem Bündniß fest. Der Antrag wurde mit 166 gegen 124 Stimmen abgelehnt. In der gleichen Angelegenheit ergriff der Abg. Iro das Wort. Demselben wurde nach heftigen Angriffen auf den Minister⸗ räsidenten und nach wiederholten Rufen zur Sache das Wort entzogen. Der Abg. Schönerer griff den Präsidenten wegen dieser Entziehung des Wortes, welche er als geschäfts⸗ ordnungswidrig bezeichnete, scharf an. Nach einigen heftigen Auftritten zwischen den Anhängern des Abg. Schönerer und der Majorität erklärte der Obmann des Mißbilligungsaus⸗ schusses, daß die Angelegenheit Pferche⸗Herold friedlich bei⸗ gelegt worden sei.

Der Eisenbahnausschuß des Abg eordnetenhauses hat das Lokalbahngesetz und die Regierungsvorlage, be⸗ treffend die Veräußerung der Staatsbahnlinie Böh⸗ misch⸗Leipa Nimes an die Aussig⸗Teplitzer Eisen⸗ bahngesellschaft, angenommen.

In der gestrigen n aänh des ungarischen Unter⸗ hauses berührte der Abg. Polonyi im Laufe der Berathung 88 bevorstehenden Rücktritt des Präsidenten von Szilagyi. Dieser entgegnete, man möge seine Angelegenheiten in seinen eigenen änden belassen und nicht davon reden. Die Opposition verlangte hierauf Pgsehes Sitzung. In dieser ergriff der Abg. Graf pponyi das Wort. Derselbe motivierte die Nothwendigkeit der geschlossenen Sitzung, in welcher man freier, als dies unter Anwendung der für die öffentlichen Sitzungen geltenden Regeln der Hausordnung möglich sei, die Motive der De⸗ mission des Ministers für Kroatien von Josipovich erörtern könne, welcher erklärt habe, daß er, falls das Kabinet Banffy ohne Indemnität nach Neujahr weiterregieren sollte, nicht Seneg sei, Mitglied des Kabinets zu bleiben. Die Mittheilung, daß das Ministerium nach Neujahr Feehafsang.ehe regieren werde, müsse auch in offener Sitzung zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden, damit vor der Oeffentlichkeit festgestellt werde, wen die Verantwortlichkeit für diese Wendung treffe. Der Minister⸗Präsident Baron Banffy erklärte, die Angelegenheit könne nur in offener Sitzung verhandelt werden; es bestehe übrigens zwischen dem Kabinet und einem Mitgliede desselben thatsächlich eine Meinungsverschiedenheit darüber, was geschehen solle, falls die Indemnitätsvorlage nicht vor Neujahr Gesetzeskraft Im Laufe der Debatte ergriff der Minister⸗Präsident Baron Banffy wiederholt das Wort und widerlegte den Vorwurf, daß er das Uebereinkommen mit der Nationalpartei nicht gehalten habe. Auf die Auf⸗ forderung des oppositionellen Abg. Szentivänyi, der Minister⸗Präsident möge seinen Platz räumen, worauf sofort Ruhe eintreten werde, erwiderte Baron Banffy, er könne diesen Wunsch der Minorität nicht berücksichtigen. Er werde mit gößter Bereitwilligkeit zurücktreten; solange jedoch die Majorität

hn mit ihrem Vertrauen beehre, sei es seine Pflicht, auszu⸗ harren. Der Abg. Kossuth erklärte im Namen der Unab⸗ hängigkeitspartei, diese werde jede Ungesetzlichkeit, die etwa nach Neujahr eintrete, mit allen Mitteln bekämpfen. Der kroatische Abg. Gyurkovics erklärte, die Kroaten würden nach allem, was die Opposition im Hause wiederholt über Kroatien geäußert habe, nicht aus der Regierungspartei aus⸗ treten. Die Sitzung wurde sodann geschlossen.

In einer gestern abgehaltenen Konferenz der liberalen Partei reichte der Abg. Koloman Tisza einen 8. entwurf ein, welcher im Hinblick auf die fortdauernde Ob⸗ struttion der Opposition, die eine Votierung der Indemnitäts⸗ vorlage verhindere, die Regierung ermächtigt, für den Fall, daß die genannte Vorlage nicht Gesetzeskraft er⸗

angen könne, die finanziellen Geschäfte im Rahmen des Budgets auch nach Neujahr fortzuführen, sowie Steuern zu erheben und Ausgaben zu leisten. Ferner solle die Regierung ermächtigt werden für den Fall, daß der Ausgleich nicht zu stande kommen sollte, den status quo der wirthschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich aufrecht zu erhalten. Der Minister⸗Präsident Baron Banffy er⸗ klärte, er würde diese Gesetzesvorlage gegebenenfalls annehmen, doch wolle er no immer nicht die Hoffnung aufgeben, daß die Obstruktion davor zurück⸗ schrecken werde, einen konstitutionellen Nothstand herbeizuführen. Es sei ein Irrthum, wenn man annehme, daß mit seinem Rücktritt Ordnung eintreten werde; allerdings werde die Indemnität dann sofort votiert werden, aber die Minorität würde im Bewußtsein des Erfolges ihres obstruktionistischen Vorgehens alle Vierteljahre ein Kabinet stürzen und das Laͤnd von einer Krise in die andere jagen. Mehrere Redner hoben hervor, daß die in der Vorlage enthaltene Ermächtigung der Regierung allerdings eine formelle Verletzung des Verfassungs⸗ rechts in sich schließe, jedoch sei das Wesen und der Geist der Verfassung intakt. Es sei dieses Vorgehen immerhin der Unterwerfung unter die Minorität vorzuziehen, die dadurch eine Verletzung der Verfassung versucht habe, daß sie das Majoritätsprinzip umgestürzt habe und der Majorität ein Ministerium aufoktroyieren wolle, das nicht ihr Ver⸗ trauen besitze. Die Gesetzesvorlage wurde einstimmig an⸗ genommen, und es wurde beantragt, daß sämmtliche Mit lieder der Partei diese Vorlage mit ihrer emerzunterorg be⸗ kräftigen sollten, was auch von seiten der überaus zahlreich anwesenden Abgeordneten der liberalen Partei sofort geschah. Die Versammlung wurde mit großen Ovationen für den n Banffy und die Mitglieder der Regie

Frankreich.

Die Deputirtenkammer nahm gestern, nachdem die Dringlichkeit der Berat ung beschlossen worden war, den Gesetz⸗ entwurf an, durch welchen die am 16. Juni d. J. in Paris von Irantreic, Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn, Belgien, Dänemark,

talien, Luxemburg, den Niederlanden, Rußland und der Schweiz unterzeichnete Fe zkonvention über den Eisenbahn⸗ Transport von Waaren genehmigt wird. Bei der Feier des 25jährigen Bestehens der britischen andelskammer in Paris hielt gestern der britische Bot⸗ chafter Sir Edmond Monson eine Rede, in welcher er, wie „W. T. B.“ berichtet, ausführte: Die vielen in England in letzter Zeit gehaltenen Reden hätten die Franzosen

gemein⸗

ätten während der Ferien ihren Wählern über die Aus⸗ übung ihres Mandats Rechenschaft gegeben. Dabei hätten jie die durch die Ereignisse im Sudan geschaffene Lage be⸗ prechen müssen. Das sei vielleicht nicht opportun gewesen, aber Europa und Amerika hätten dadurch den Beweis er⸗ halten, daß die Regierung in dieser Frage nicht eine Partei, das ganze Volk vertreten habe. Er sage es frei heraus, niemand jetzt mehr daran glaube, daß Großbritannien noch bereit sei, entgegenkommende, aber unpolitische Feneftencrig, zu machen. Der Botschafter sprach dann seine Freude über die handelspolitischen Vereinbarungen mit Frank⸗ reich aus, dessen schutzzöllnerische Politik er indessen bedauere. Das neue französisch⸗italienische Handelsabkommen, welches nur der Sache des Friedens, der Ausdehnung des Handels über⸗ haupt und dem Gedeihen jeder der Nationen förderlich sei könne, begrüße er beifällig. Ebenso werde die Pariser Aus tellung im Jahre 1900 ein mächtiger Faktor des Friedens sein. Der Vorschlag des Kaisers von Rußland, bemerkte der Botschafter ferner, sei in Großbritannien gut aufgenommen worden, da es, obgleich es gegen einen Landkrieg geschützt sei, keinen auf Angriff gerichteten Wunsch nähre. „Wir freuen uns“, sagte der Redner alsdann, „im Interesse des allgemeinen Handels der kolonialen Aus⸗ dehnung Frankreichs. Wir wollen, daß die Franzosen glauben, daß wir keine Animosität gegen sie empfinden, wie wir glauben, daß sie keine gegen uns hegen. Unser Verlangen ist, daß die Franzosen über die schwebenden Streitfragen mit uns ohne den Hintergedanken ver⸗ handeln, einen diplomatischen Sieg zu erringen. Ich hoffe, daß die Regierungen diese Anschauungen theilen, und wünsche, daß 18 die für eine stolze Nation unerträgliche Politik der Nadelstiche einstellen. Ein Manöver dieser Art sehe ich in dem neuerdings gemachten Vorschlag, Unterrichtsanstalten zum Wettbewerb mit den unfrigen im Sudan zu gründen. Der⸗ artige E“ könnten uns zu Maßnahmen be⸗ wegen, die, wenn sie auch von einem sehr großen Theil Groß⸗ britanniens günstig aufgenommen würden, nicht eben den Empfindungen Frankreichs entsprächen.“

Türkei.

Die „Russische Telegraphen⸗Agentur“ meldet aus Rethy⸗ mon, die Mohamedaner des Bezirks hätten durch die russischen Behörden Unterstützung an Gerste, Mehl und Bauholz er⸗ halten, worauf sie ins Innere der Insel zurückgekehrt seien. Die Bevölkerung habe 7000 Gewehre abgeliefert. Die Be⸗ hörden hätten 35 Schulen eröffnet. Die Vorbereitungen für den feierlichen Empfang des Ober⸗Kommissars Prinzen Georg würden von den Mohamedanern und Christen gleichmäßig eifrig betrieben.

heeen, aber zu Unrecht. Die Mitglieder des Parlaments

Asien.

Nach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus“ aus vom gestrigen Tage hat der dortige französische esandte dem Tsung⸗li⸗Namen ein Ultimatum über⸗ reicht, in welchem gedroht wird, daß, wenn der französische Missionar, der sich jetzt als Gefangener in den Händen der Rebellen von Sz'tschwan befinde, nicht innerhalb zehn Tagen

freigelassen werde, französische Truppen den Befehl erhalten.

würden, die Grenze zu überschreiten.

Afrika.

Wie dem „W. T. B.“ aus Pretoria gemeldet wird, hat der Volksraad die Berathung der Dynamitfrage bis zum Februar kommenden Jahres ausgesetzt, zu welcher Zeit eine besondere Session stattfinden wird.

In Liverpool ist, wie das „Reuter'sche Bureau“ meldet, die briefliche Mittheilung von einer Niederlage eingegangen, welche eine kleine Abtheilung der britischen Truppen am Niger in der Nähe von Ln halbwegs zwischen Jebba und Ilo erlitten habe. Der kommandierende Lieutenant, ein Korporal und 14 Mann der eingeborenen Truppen seien gefallen. Die Abtheilung habe gerade den Versuch gemacht, einen einge⸗ borenen Häuptling dazu zu bewegen, Canoes zum Transport von Lebensmitteln auszurüsten, als sie von den Eingeborenen überfallen worden sei. Zur Züchtigung für den Ueberfall sei später eine Truppenabtheilung nach dem Thatort abgegangen. Die Leiche des Lieutenants sei gefunden worden. Wie das genannte Bureau durch das Kolonialamt erfahes hat die Regierung Meldungen erhalten, welche diese Nachrichten bestätigen.

In der heutigen (2.) Sitzung des Reichstages stand die Wahl der Präsidenten und der Schriftführer auf der Tagesordnung.

Eingegangen sind der Gesetzentwurf, betreffend die Kontrole des Reichshaushalts, des Landes haus⸗ halts von Elsaß⸗Lothringen und des Haushalts der Schutzgebiete, sowie die Uebersicht über den Stand der Bauausführungen und die Beschaffung von Betriebsmitteln der Reichseisenbahnen.

Der Alters⸗Präsident Abg. Dr. Lingens ließ zunächst durch einen Schriftführer die Bestimmungen der 9 und 11 der Geschäftsordnung bezüglich der Wahl der Präsidenten ver⸗ lesen, wonach die Wahl durch Stimmzettel zu erfolgen hat und der Präsident und die beiden Vize⸗Präsidenten zu Anfang einer Legislaturperiode das erste Mal auf vier Wochen, dann aber für die übrige Dauer der Session gewählt werden.

Bei Schluß des Blattes wurde verkündet, daß der Abg. Graf von Ballestrem mit 279 von 340 abge⸗ gebenen Stimmen zum Praͤsidenten gewählt worden sei

Bei der gestern im 2. Aachener Wahlbezirk (Aachen⸗ Eupen) vorgenommenen Ersatzwahl zum Hause der Ab⸗ geordneten wurde, wie „W. T. B.“ meldet, nach der amt⸗ lichen Feststellung der Lehrer Sittard⸗Aachen Kentr) mit 626 von 684 abgegebenen Stimmen gewählt. er Gegen⸗ kandidat, Bürgermeister Fleuster⸗Stolberg (Zentr.), erhielt 58 Stimmen.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die im vierten „Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs“ veröffentlichte Salzstatistik ergiebt, daß im deutschen Zollgebiet während des Rechnungsjahres 1898 679 438 t Steinsalz sim Vorjahre 658 523 t), an Siedesalz 545 587 t gegenüber 535 942 t im Vorjahre gewonnen worden sind BIm Laufe der letzten zehn Jahre hat sich die Erzeugung von Steinsalz beinahe verdoppelt, während die Erzeugung von Siedesalz in diesem Zeitraum sich nur um etwa 7 % gehoben hat.

Der Salzverkehr des Zollgebiets mit dem Auslande betrug in der Einfuhr 22 365 t, etwas weniger als im Vorjahre (22 586 t), wogegen die Ausfuhr mit 217 854 t gegenüber 199 709 t im Vorjahre eine kleine Zunahme zeigt.

Die Einfuhr besteht hauptsächlich aus englischem Siedesalz (18 939 t) und portugiesischem Seesalz (1473 t). Von dem in das Ausland ausgeführten Salz entfallen nahezu 80 % auf Steinsalz 173 431 t), das hauptsächlich nach Britisch⸗Indien (52 307 t), den Niederlanden (36 104 t), Oesterreich⸗Ungarn (27 152 t) und Belgien (25 954 t) ausgeführt worden ist. Von dem ausgeführten Stedesalz (44 423 t) ist ein erheblicher Theil (10 835 t) nach Schweden gegangen. Innerhalb des Zollgebiets wurden an Speisesalz verbraucht (gegen Steuerentrichtung abgesetzt) 419 999 t oder 7,8 kg auf den Kopf der Bevölkerung. Der Verbrauch an unversteuertem Salz zu gewerblichen und landwirthschaftlichen Zwecken hat 607 374 t oder 11,2 kg auf den Kopf der Bevölkerung betragen. Hiervon sind 319 676 t an Soda⸗ und ⸗Glaubersalzfabriken abgegeben worden, an chemische und Farbefabriken 83 622 t, für die Lederindustrie 28 831 t, für die Metallwaaren⸗Industrie 32 767 t. Zur Viehfütterung sind 114 236 t und zu Düngungszwecken 3652 t verabfolgt worden.

Aus der Statistik der Zucker⸗Gewinnung und⸗Besteuerung, die in demselben „Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs“ veröffentlicht ist, ergiebt sich, daß im Betriebsjahre 1897/98 innerhalb des deutschen Zollgebiets 402 I“ (Fabriken mit Rübenverarbeitung), ferner 50 Zuckerraffinerien und 6 selbständige Melasse⸗Entzuckerungs⸗Anstalten im Betriebe waren.

In diesen Fabriken wurden im Ganzen gewonnen (sämmtliche Fabrikate auf Rohzucker umgerechnet) 1 844 400 t Rohzucker gegen 1 821 223 t im Betriebsjahre 1896/97.

Die 402 Rübenzucker⸗Fabriken haben 13 697 892 t (1896/97: 13 721 601 t) Rüben in 63 442 zwölfstündigen Arbeitsschichten, mithin

Jdurchschnittlich in einer Schicht 216 t verarbeitet.

Die verarbeiteten Rüben wurden auf 437 174 ha geerntet, und

zwar sind von den Fabriken 1. auf 44 433 ha 155 972 t (11,39 %),

von Aktionären oder Gesellschaftern auf vertragsmäßig angebauten 142 604 ha 437 731 t (31,95 %) geerntet worden, während 56,66 % der verarbeiteten Rüben hauptsächlich in Kauf⸗üben, zum kleineren Theile auch in sogenannten Ueberrüben (von den Gesellschaftern über ihre Verpflichtung gelieferten) bestanden haben. Der Preis der Kauf⸗ rüben schwankt zwischen 1,58 und 2,02 für 1 dz und berechnet sich im Durchschnitt auf 1,73

Das Ergebniß der Rübenernte stellte sich mit durchschnittlich 31,3 t auf 1 ha geringer als im Vorjahre (32,3 t), doch wurde die geerntete Mindermenge durch höheren Zuckergehalt der Rüben aus⸗ geglichen. Dies geht daraus hervor, daß in den Rübenzuckerfabriken im Durchschnitt zur Darstellung von 1 kg Rohzucker nur 7,80 kg Rüben gegenüber 7,90 kg im Vorjahre gebraucht wurden, und daß im Ganzen trotz der etwas kleineren Menge der verarbeiteten Rüben etwas mehr Zucker gewonnen wurde als im vorigen Betriebsjahre. Der Betrieb der Zuckerraffinerien hat sich gegenüber dem Vor⸗ jahre nicht unerheblich gesteigert, da in diesen Fabriken 204 675 t Rohzucker mehr verarbeitet wurden als 1896/97. In den Melasse⸗ entzuckerungsanstalten gelangte nur ein geringes Mehr von 15 549 t Melasse zur Verarbeitung. Die Ausfuhr von Zucker der Klasse a war mit 478 941 t bedeutend geringer als im Vorjahre (760 657 t),

was in der Hauptsache dem zurückgegangenen zn.” nach den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika zuzuschreiben ist. on Zucker der Klasse b wurden 478 812 t gegenüber 405 114 t im Vorjahre, von

1 Klasse c 25 116 t gegenüber 21 191 t im Vorjahre enss oht. Bei

diesen beiden Klassen (den besseren Raffinaden) bat sich der Absatz nach Großbritannien und anderen überseeischen Ländern, besonders Japan und Britisch⸗Indien, erheblich gesteigert.

Im Inland sind gegen Entrichtung der Abgaben 636 399 t in den freien Verkehr gesetzt worden, d. h 11,75 kg auf den Kopf der Bevölkerung. Im e mit dem Darchschnitt der beiden Vor⸗ jahre, die wegen der Veränderungen in der Steuergesetzgebung nur vereint in Betracht gezogen werden können, hat sich der Ver rauch auf den Kopf um 0,66 kg erhöht.

Zur Arbeiterbewegung. Aus Strakonitz (Böhmen) meldet „W. T. B.“ vom gektrie. Tage: Der Ausstand der Fezfabrikarbeiter (vgl. Nr. 288 d. Bl.) ist beendet, nachdem eine Einigung erzielt worden ist.

Laud⸗ und Forstwirthschaft. Getreidehandel und Saatenstand in Rußland.

Kowno, den 2. Dezember 1898. Die diesjährige Ernte in den Grenzgouvernements war als eine Mittel⸗ bis gute Mittelernte zu bezeichnen, dürfte aber für den Export nur wenig in Betracht kommen.

Bis jetzt sind nur mäßige Quantitäten Leinsaat und Erbsen zu lohnenden Preisen ausgeführt worden.

Weizen wurde zwar auch in geringen Mengen nach dem Aus⸗ lande verladen, die erzielten Preise brachten den Verkäufern jedoch “; Verlust und bewirkten die Sistierung weiterer Ab⸗ adungen.

Weizen, Roggen und Gerste wird hier z. Zt. für den lokalen Konsum gern und zu höheren Preisen gehandelt, als die ausländischen Börsen jetzt notieren. Es ist sogar in einigen Grenzbezirken schon mehrfach preußischer Roggen nach Rußland gehandelt worden, und zwar nach solchen russischen Land⸗ strichen, die tiefgelegene Aecker haben und in 8en sehr nassen Jahre e viel Stroh⸗ und ; Körnerertrag hatten. Mit den Zu⸗ fuhren des Getreides von hier ist man jetzt aber ziemlich zurückhaltend, weil infolge von Mißernten in Südrußland die sonst alljährlich nach hier stattfindenden Versendungen so gut wie ausgeschlossen sind und man hier deshalb für den späteren Winter noch auf wesentliche Preis⸗ steigerung hofft. 1

Die Wintersaaten haben sich durch günstige, wärmere Witterung der letzten Wochen zwar etwas erholt und Ekeästiat, doch ist mancher Landwirth dennoch im Zweifel, ob die Saaten im Frühjahre ge⸗ nügende Keimkraft zeigen und die Aecker so bestanden 18 werden, daß ihm ein Umpflügen und Neubestellen nicht doch no lohnender erscheinen wird.

Im allgemeinen findet man den Stand der Weizenfelder besser

als den der Roggenfelder.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßzregeln.

Der Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche ist dem Kaiserlichen Gesundheitsamt gemeldet worden: vom Ueber⸗ ständehof des Schlachtviehhofes zu Köln am 5. Dezember, EI1“ des Schlachtviehhofes zu Mainz am

. Dezember. 89

Verdingungen im Auslande.

Spanien.

Fabrica de Armas in Toledo: Lieferung von 17 500 kg Schmiedeeisen. F 40 Pesetas für den Zentner. Kaution 5 %. Die Angebote müssen auf spanischem Stempelpapier geschrieben sein. Bedingungen, in spanischer Sprache,

20. Dezember, 10 v.

beim „Reichs⸗Anzeiger“