Hongkong nach Ternate (Molukken) in See gegangen; M. S. „Bussard“, Kommandant: Korvetten⸗Kapitän
Mandt, ist heute in Port Said angekommen und beabsichtigt, am 13. d. M. nach Gibraltar in See zu gehen.
Oesterreich⸗Ungarn.
Der Kaiser empfing gestern den ungarischen Minister⸗ Präsidenten von Szell in einstündiger Audienz. Im Laufe des Tages besuchte Letzterer den Minister⸗Präsidenten Grafen Thun und die österreichischen Minister.
Der böhmische Landtag sowie die übrigen Landtage der zweiten Serie, mit Ausnahme des tiroler Landtages, sind zum 14. d. M. einberufen worden. 8
Großbritannien und Irland.
Im Unterhause erklärte gestern der Parlaments⸗ Sekretär des Aeußern Brodrick, daß bei den Handelsvertrags⸗ verhandlungen mit Deutschland und Belgien keine spezifischen Tarifabmachungen in Aussicht genommen seien. Obschon Lord Salisbury gern ihm gemachte Vorschläge erwägen werde, bedarf er doch nicht nothwendig des Rathes von Fachmännern. Der Finanz⸗Sekretär des Schatzamts Hanbury brachte eine Resolution ein, in der die Regierung zur Einbringung einer Vorlage zur Förderung der Entwickelung des Fernsprechwesens ermächtigt wird, damit England in dieser Beziehung auf die Höhe der Länder des Festlandes gebracht werde. Die Regie⸗ rung verlange hierzu zwei Millionen Pfund. Die erste Aus⸗
dehnung solle auf London beschränkt sein. Die Resolution
wurde vom Hause angenommen.
Frankreich
In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer be⸗ antragte der Deputirte Allard, wie „W. T. B.“ berichtet, einen Kredit von 200 000 Fr. für die Hinterbliebenen der bei der Katastrophe in Toulon Getödteten zu gewähren. Der Minister⸗Präsident Dupuy gab seinem Mitgefühl an dem Unglück Ausdruck und unterstützte den Antrag Allard's, welcher alsdann der Budgetkommission überwiesen wurde. In Beantwortung einer Anfrage über den Zwischenfall in Maskat gab sodann der Minister des Auswärtigen Delcassé folgende Erklärung ab:
Vor etwa drei Wochen traf der englische Resident in Bender⸗ Buschin, welcher der indischen Regierung untersteht, auf einem Kriegs⸗ schiff vor Maskat ein und forderte den Sultan auf, eine Konzession rückgängig zu machen, die er uns ertheilt hatte, und welche das Zu⸗ geständniß an Frankreich enthielt, ein Kohlendepot an der Küste einer der zu Maskat gehörigen Buchten anzulegen. Unter dem Druck der britischen Kanonen ersuchte uns der Sultan, ihm die Konzessions⸗ Urkunde wieder zurückzustellen, was wir natürlich verweigerten. Da auf erklärte der Sultan die Konzession für annulliert. Das sind die Thatsachen. Die Regierung der Republik fand sich also einer doppelten Frage gegenüber, einer thatsächlichen und einer formellen. Welchen Vorwurf konnte man schließlich gegen uns erheben? Durch den Vertrag von 1862 übernahmen Großbritannien und Frankreich die gegenseitige Verpflichtung, die Unabhängigkeit von Maskat zu respektieren. Frankreich hat heute ebensowenig als früher Lust, diese Unabhängigkeit im geringsten anzutasten. Frankreich hat dies stets gesagt und macht keine Schwierigkeit, es wieder zu sagen; es beabsichtigt zweifellos ebensowenig als Großbritannien, sich auf Umwegen, durch Sonderverträge in Maskat eine bevorrechtete Lage zu schaffen und die Tragweite der Uebereinkunft von 1862 zu seinem Vortheil abzuschwächen. Könnte die Bewilligung einer Kohlenniederlage die geringste Beun⸗ ruhigung rechtfertigen? Großbritannien besitzt seit langem eine Kohlenniederlage in Maskat, wie könnte also der bloße Plan⸗ 18 reichs, das zu thun, was Großbritannien ohne Verletzung der Ueber⸗ einkunft von 1862 thun konnte, eine Nichteinhaltung, eine Verletzung eben dieser Konvention bedeuten? Die Erörterung über diesen Punkt konnte keine weitläufige sein. Die britische Regierung hat auch nach erhaltener Aufklärung über die Thatsachen und unsere Absichten nicht gezögert, anzuerkennen, daß die Rechte Frankreichs und Großbritanniens in Maskat identisch seien, wie auch ihre Pflichten dieselben seien. Frankreich könne durchaus recht⸗ mäßiger Weise dort seinerseits eine Kohlenniederlage genau zu den Bedingungen haben, unter welchen Großbritannien dort die seinige errichtet habe. Wir hatten also Recht in der Sache behalten; es blieb jetzt nur noch die Frage des weiteren Vorgehens zu regeln. Auch hier konnte eine zufriedenstellende Lösung nicht zweifelhaft sein. Es wäre auch wirklich nicht möglich, daß in dem Augenblick, wo die beiden Regie⸗ rungen in aufrichtig versöhnlichem Sinne über die Abgrenzung ihrer Be⸗ sitzungen in Afrika unterhandeln und ein Vertragsverhältniß als Garantie einer dauernden Verständigung anstreben, weil die wesentlichen Interessen der beiden Nationen dadurch gewahrt sein werden — es wäre wirklich nicht möglich, sage ich, daß in diesem Augenblick die britische Regierung den ebenso unkorrekten wie eigenmächtigen Eingriff seitens eines ihrer Beamten zulassen könnte, der uns Anlaß zur Klage gegeben hat. Auch hat uns die britische Regierung ihr aufrichtiges Be⸗ dauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht. So ver⸗ hält es sich mit dieser Angelegenheit. Ich danke der Kammer, daß sie der Regierung Zeit gelassen hat, diese Angelegenheit zu regeln, und daß sie, während einige, glücklicherweise nur sehr wenige, Zeitungen sich auf die Nachricht von diesem Zwischenfall stürzten, um einen neuen Rückzug vorauszusagen, gleichsam als wollten sie sich schon im voraus an der Demüthigung ihres Landes laben, durch ihr Schweigen gezeigt hat, daß sie der Regierung Vertrauen schenke. Sie sieht jetzt, daß sie nicht weniger schnell und vollständig Genugthuung erlangte, wenn sie dieselbe auch ohne Lärm gefordert hat.
Nach der Erklärung des Ministers trat die Kammer in die Berathung des Budgets der Kolonialverwaltung ein.
Der sozialistische Deputirte Fournière erklärt in einem Schreiben an den Kriegs⸗Minister de Freyecinet, er ziehe vorläufig die von ihm beabsichtigte Interpellation über einige neueren Veröffentlichungen Esterhazy's zurück, da unmittelbar bevorstehende Zwischenfälle über die Rolle des Generalstabes in dem Esterhazy⸗Zola⸗Prozesse Licht verbreiten würden.
Die vereinigten Kammern des Kassationshofs unter dem Vorsitz Mazeau's haben Ballot Beaupré, den Vorsitzenden der Zivilkammer und Nachfolger Quesnay de Beaurepaire’'s, zum Berichterstatter in der Angelegenheit der Revision des Prozesses Dreyfus ernannt. Dem Vernehmen nach wird die Angelegenheit nicht vor dem 10. April zur öffentlichen Verhandlung kommen.
Rußland.
Das „ZJournal de St. Pöétersbourg“ schreibt, wie dem „W. T. B.“ 82 aus St. Petersburg gemeldet wird: „Wie wir erfahren, ist der Wirkliche Geheime Rath von Staal, Botschafter in London, zum Vertreter Rußlands bei der Konferenz im Haag designiert. Die Thatsache, daß diese wichtige Mission einer so hervorragenden Persönlichkeit anver⸗ traut wird, wie es Herr von Staal, der Doyen der russischen Diplomatie, ist, beweist das ganz besondere Interesse, welches der Kaiser dem großen humanitären Werk entgegen⸗ bringt, das jetzt der zivilisierten Welt vorgelegt wird. Da die Fragen, welche bei dieser Konferenz zur Erörterung
gelangen werden, sehr komplizierter Natur sind, werden mehrere
Spezialdelegirte seitens der zuständigen Ministerien zur Ver⸗ fügung des russischen Bevollmächtigten gestellt werden.“
Italien.
Wie „W. T. B.“ aus Rom meldet, beabsichtigen die Deputirten Bosdari und Santini, die Regierung uͤber die letzten Nachrichten aus China bezüglich der Sanmun⸗Bay zu interpellieren.
Der Papst blieb gestern mehrere Stunden außer Bett. Die flüssige Ernährung wurde aufgegeben, und der Papst nahm gestern wieder die gewohnte Nahrung zu sich. Nachmittags um 5 Uhr statteten die Aerzte Mazzoni und Lapponi Seiner Heilig⸗ keit einen Besuch ab und stellten fest, daß Blutzirkulation, Tem⸗ peratur und Athmung regelmäßig seien. Der Papst empfing ferner den Kardinal Rampolla und mehrere Prälaten. Dr. Lapponi verblieb die vergangene Nacht nicht mehr i
28 Spanien. 8
Die Cortes sind gestern aufgelöst worden. Im Senat wollte, wie „W. T. B.“ berichtet, Graf Almenas sprechen, wurde aber durch Lärm daran verhindert. Silvela verlas sodann das Schließungs⸗ dekret. Mehrere liberale Senatoren riefen: „Es lebe die Freiheit!“ Graf Almenas rief: „Es lebe die Armee! Es lebe die Marine!“ Die Sitzung wurde unter großer Erregung ge⸗ schlossen. — In der Deputirtenkammer verlas der Schrift⸗ führer das Königliche Dekret, durch welches das neue Ministerium ernannt wird. Der Minister⸗Präsident Silvela verlas darauf das Dekret, durch welches die Cortes aufgelöst werden. Der Deputirte Abonez rief aus: „Nieder mit den Jesuiten!“, worauf Hochrufe auf die Republik und die Freiheit laut wurden. Unter großem Tumult hob der Präsident die Sitzung auf und ließ die Tribünen räumen. Nach der Sitzung traten die republikanischen Deputirten zusammen und beschlossen, eine thatkräftige republikanische Propaganda zu treiben und eine Koalition mit den Liberalen zu schließen.
Der Ministerrath hat die sofortige Bezahlung der den heimgekehrten Soldaten geschuldeten Soldrückstände beschlossen. Demgemäß ist der Kriegs⸗Minister beauftragt worden, Rech⸗ nungen aufzustellen, welche einem besonderen Ministerrath unterbreitet werden sollen, der die endgültige Entscheidung treffken wird. Der Ministerrath beschäftigte sich sodann mit der Auflösung des Kolonial⸗Ministeriums vom Finanz⸗Ministerium durchgeführt werden soll.
8 Belgien. 1
Das gestern Abend ausgegebene Bulletin über das Be⸗ finden der Königin lautete, dem „W. T. B.“ zufolge: Der Zustand war während des Tages verhältnißmäßig zu⸗ friedenstellend. Die Krankheit nimmt ihren normalen Verlauf. „MNiach einer Meldung von heute früh hatte die Königin eine gute Nacht. In Allerhöchstderen Befinden ist eine merk⸗ bare Besserung eingetreten. —
Rumänien. Die Deputirtenkammer hat, dem „W. T. B.“ zu⸗ folge, gestern mit 74 gegen 2 Stimmen das gesammte Budget angenommen. Der Minister⸗Präsident legte einen Gesetz⸗ entwurf vor über eine Konvention mit Deutschland, betreffend eine direkte Eisenbahn⸗ und Post⸗ und Telegraphen⸗Verbindung zwischen Berlin und Konstantinopel, mit einem Kabel zwischen Constanza und Konstantinopel. Sämmtliche Bureaux der Kammer beschlossen die Dringlichkeit des Gesetzentwurfs.
Amerika.
Nach einem dem Londoner „Standard“ zugegangenen Telegramm aus Washington wird das Deftzit des laufenden Jahres mit Einschluß des Sinking⸗Fund 203 000 000 Dollars überschreiten.
Wie „W. T. B.“ aus New York meldet, wird die
Kommission, welche über die Fleischlieferung für die
Armee während des Krieges eine Untersuchung anzustellen
hat, sich nach Chicago, Omaha und Kansas City be⸗
geben, um sich über die in den dortigen Schlachthäusern ge⸗
übte Fleischschau zu unterrichten. 8 1“ 1
Asien. 9
Aus Peking meldet das „Reuter'sche Bureau“, daß der dortige italienische Gesandte wegen der undiplomatischen, unhöflichen Art, in welcher die Forderungen Italiens, betreffend die Sanmun⸗Bay, abgelehnt worden seien, nicht weiter direkt mit dem Tsung⸗li⸗Namen verhandeln werde. Der Gesandte kehrte gestern von Tientsin nach Peking zurück.
Dasselbe Bureau berichtet ferner aus Manila, der General Otis habe den Plan eines allgemeinen Angriffs fertiggestellt, welcher bezwecke, die Aufständischen nach allen Seiten aus den Dschungeln zu ver⸗ treiben. Die amerikanischen Truppen seien unter dem Scharfschützenfeuer der Aufs’sadischen unruhig und nervös geworden und verlangten so vegierig, demselben Einhalt zu thun, daß der General Otis ihrem Wunsche nachgegeben habe. Nach dem Eintreffen aller Verstärkungen werde die gesammte verfügbare Truppenmacht, einschließlich der Flotte, 41000 Mann umfassen.
Das Washingtoner „Evening Journal“ veröffentlicht eine Depesche aus Manila, nach welcher sich am Sonntag Abend die Aufständischen unter dem Schutze der Dunkelheit bis auf kurze Entfernung den Vorposten bei den Wasserwerken von Manila genähert und plötzlich ein Feuer auf dieselben eröffnet hätten. Der Kampf habe lange Zeit gedauert; zwei Ameri⸗ kaner seien verwundet worden, von den Aufständischen seien 17 gefallen und viele verwundet worden. Die Aufständischen hätten sich zurückgezogen, jedoch den Kampf gestern in aller Frühe wieder aufgenommen. 11
Afrika. 11 Wie das ‚„Reuter’'sche Bureau“ aus Mombasa vom gestrigen Tage berichtet, sind dort Meldungen eingetroffen, wonach in mehreren großen Distrikten des britisch⸗ostafri⸗ kanischen Protektorats Hungersnoth ausgebrochen sei. Das Getreide auf den Feldern sei von Heuschrecken vor der Ernte vernichtet worden. Die Ortsbehörden und Missions⸗ gesellschaften thäten ihr Aeußerstes, um dem Elend vorzubeugen, allein es gelte nicht für unwahrscheinlich, daß ein Aufruf an das britische Volk zur Hilfeleistung nothwendig sein ie * 84 u
9. 1
Steinkohlen.
Parlamentarische Nachrichten.
8 a 1 8 Lefirigen Sitzungen des Reichs⸗ ages und des Hauses der eordneten befinden si in der Ersten Beilage. 8 fich
— Der Reichstag ehrte in seiner heutigen (51.) Sitzung,
welcher der Staatssekretär des Reichs⸗Justizamts Dr. Nieber⸗ ding beiwohnte, zunächst das Andenken des gestern in seiner von Arnswaldt⸗Böhme
Heimath verstorbenen Abg. (Zentr.) in der üblichen Weise.
Erster Gegenstand der Tagesordnung war die erste Be⸗ rathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuld⸗ verschreibungen.
„Zur Einleitung der Debatte nahm der Staatssekretär des Reichs⸗Justizamts Dr. Nieberding das Wort. Bis zum Schluß des Blattes sprachen noch die Abgg. von Strom⸗ beck (Zentr.) und Büsing (nl.)
— Das Haus der Abgeordneten setzte in der heutigen (37.) Sitzung, welcher der Minister für Handel und Gewerbe Brefeld beiwohnte, die zweite Berathung des Staatshaushalts⸗ Etats für 1899 bei den Ausgaben des Etats der Handels⸗ und Gewerbeverwaltung fort.
Bis zum Schluß des Blattes nahmen der Abg. Dr. Arendt (fr. kons.), der Minister für Handel und Gewerbe Brefeld, sowie die Abgg. Fritzen (Zentr.), Hoyermann (nl.), Dr. Hirsch (fr. Volksp.) und Krawinkel (nl.) das Wort.
8 b u“ 1u“ 1
Bei der heute vorgenommenen Ersatzwahl zum Hause
der Abgeordneten im 2. Trierschen Wahlbezirk (Witt⸗
lich, Bernkastel) wurde, wie „W. T. B.“ meldet, Jägen⸗ Trier (Zentr.) mit 207 von 222 abgegebenen Stimmen gewählt.
Statistik und Volkswirthschaft.
Der Verkehr auf den Wasserstraßen Berlins im Jahre 1898
zeigt gegenüber demjenigen des Vorjahres dem Centralblatt der Bau⸗ verwaltung“ zufolge sowohl hinsichtlich des Durchgangsverkehrs als auch bezüglich der Mengen der angekommenen und der abgegangenen Gü er erhebliche Steigerungen. Das Gesammtgewicht der durchgehenden Güter betrug 857 908 t (gegen 754 376 i. J. 1897, 689 285 i. J. 1896, 427 587 i. J. 1891, 344 707 i. J. 1887), das Gesammtgewicht der ange⸗ kommenen Güter 5 060 427 t (gegen 4 782 831 i. J. 1897, 4 795 772 i. J. 1896, 4 777 073 i. J. 1891, 4 228 170 i. J. 1887) und das Gesammtgewicht der abgegangenen Güter 571 971 t (gegen 443 196 i. J. 1897, 483 552 i. J. 1896, 396 668 i. J. 1891, 355 595 i. J. 1887). — Die Zahl der durchgehenden Schiffe belief sich auf 4758 (gegen 4456 i. J. 1897, 4473 i. J. 1896, 4215 i. J. 1891, 4270 i. J. 1887), die Zahl der angekommenen Schiffe auf 51 006 (gegen 49 642 i. J. 1897, 71 754 i. J. 1896, 46 599 i. J. 1891, 49 168 i. J 1887) und die Zahl der abge⸗ gangenen Schiffe auf 49 815 (gegen 48 910 i. J. 1897, 71 539 i. J. 1896, 45 754 i. J. 1891, 48 935 i. J. 1887).
Der sogenannte Lokalverkehr, der die angekommenen und die abgegangenen Güter umfaßt, betrug 5 632 398 t (gegen 5 226 027 i. J. 1897, 5 279 324 i. J. 1896 5 173 741 i. J. 1891, 4 583 765 i. J. 1887). Er ist mithin gegenüber demjenigen des Vorjahres um 406 371 t oder 8 %ͦ gestiegen.
Die Zahl der angekommenen Personendampfer ist von 6454 auf 4821 zurückgegangen, die der Schleppdampfer von 9867 auf 10 610 und die der Güterdampfschiffe von 710 auf 864 mit 58 566,; t Gütern gestiegen. Die Anzahl der Segelschiffe betrug 34 711 (davon 3264 unbeladen) mit 5 001 861 t Gütern und 5 353 440 t Tragfähigkeit. Unter den abgegangenen Schiffen befanden sich 4821 Personendampfer, 10 620 Schleppdampfer, 857 Güterdampf⸗ schiffe, belaben mit 48 621 t Gütern, und 33 517 Segelschiffe (davon 27 978 unbeladen) mit einer Tragfähigkeit von 4 934 524 t, beladen mit 523 350 t Gütern. Unter den durchgehenden Schiffen waren 150 Schleppdampfer., 1 Güterdampfschiff und 4607 Segelschiffe (davon 10 unbeladen) mit 857 808 t Gütern.
An Flößen sind durchgefahren: 46 mit einem Tonnengehalt von 3838 t (gegen 70 mit 9249 t i. J. 1897, 33 mit 7022 t i. J. 1896), angekommen: 50 mit 4732 t (gegen 32 mit 1482 t und 63 mit 3633 t in den beiden Vorjahren). I1
unter den unnter den angekommenen abgegangenen zu Berg zu Thal zu Berg zu Thal Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Düngemittel.— 270 5 12 748 20 722 Roh⸗ und Brucheisen 34 936 620 737 1 825 Andere unedle Metalle . 19 598 702 2 628 7 702 Verarbeitetes Eisen 59 571 14 488 2 025 6 935 Zement, Traß, Kalk. 29 536 125 339 1 083 2 561 Erde, Lehm, Sand, Kies 153 465 937 974 56 189 130 449 Weizen und Spelz 32 844 2 388 1 925 2 446 EI 67 66 8 871 8 529 4 360 bE11“]; 44 455 12 528 836 3 619 ö11111141“*“ 682 4 467 Anderes Getreide und Hülsern⸗ “ ö111“ “ 5 359 6 015 Obst, frisches und getrockgetes ,8 57 101 Harte Stämme (Nutz-⸗, 1““
Bau⸗, Schiffeholz) .. 52 225 195 Harte Schnittwaare 1 592 1 899 Harte Brennholzscheite. . — 120 Weiche Stämme .. .. 210 555 Weiche Schnittwaare.. . ’“ 2 331 3 407 Weiche Brennholzscheite .. 5 3 38 9¹8 3 510
2*
An Gütern befanden sich
Fische, auch Heringe .. 809 412
Mehl und Mühlenfabrikate 7 7 720 38 913 Zucker, Melasse, Syrup. 31 256 22 475 414 15 959 Fette Oele und Fette. 68 151 1 309 6 825 7 024 Petroleum “ 56 220 20 961 1 176 Steine und Steinwaaren 139 228 32 114 6 283 2 873
371 592 371 702 3 580 10 054
1“ 14 468 8 683 290 985
Mauersteine, Dachziegel, Thonröhren .. 1 149 966 418 223 4 078 27 348 Im Ganzen sind zu Berg 2 977 596 t, zu Thal 2 082 831 t Güter angekommen und zu Berg 175 259 t, zu Thal 396 713 t
Braunkohlen
Zur Arbeiterbewegung.
In Düren kündigten, der „Rhein.⸗Westf. Ztg.“ zufolge, am Sonnabend sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Leinen⸗ weberei Carl Bücklers u. Cie., über 250 Personen. Dieselben waren bei der Firma wegen Einführung eines einheitlichen Lohntarifs und Fallenlassens des sogenannten Kartensystems vorstellig geworden, jedoch nicht mit dem erhofften Erfolge.
Aus Valenciennes wird der „Köln. Ztg.“ gemeldet: Ein unter den Porzellanarbeitern von Saint⸗Amand aus⸗ gebrochener Ausstand droht einen größeren Umfang anzunehmen i Zahl der Ausständigen beträgt bereits 1200.
Dies hat
Kunst und Wissenschaft.
Im Kunstgewerbe⸗Museum sind, wie schon angekündigt, seit heute die Ergebnisse der Forschungsreisen ausgestellt, welche Dr. Friedrich Sarre in den Jahren 1895 bis 1898 in Klein⸗Asien und Persien unternommen hat. In erster Reihe waren es die Bauten der mohamedanischen Periode in ihrer Blüthezeit (XIV. bis XVI. Jahrhundert), die von ihm photographisch auf⸗ genommen wurden. Diese Aufnahmen, mehrere hundert an Zahl, wurden nachträglich vergrößert und ermöglichen nunmehr ein ei⸗ gehendes Studium der Architekturen. Dr Sarre'’s Reisegenosse, Regierungs⸗Baumeister Bruno Schulz hat genaue Aufmessungen und Durchzeichnungen angefertigt. Auf Grund dieser Aufnahmen sowie mitgebrachter Materialproben konnten ganze Flächen der mit farbigen Fliesen inkrustierten Fagaden in wirklicher Größe dargestellt werden. Von der „blauen Moschee“ in Taebris und der Grabmoschee des Schah Safi in Ardebil bekommt man auf diese Weise eine lebendige Anschauung. Sehr bemerkens⸗ werth ist auch die Sammlung persischer Fliesen mit Lüstre⸗ glanz, welche Dr. Sarre aus dem Orient mitgebracht bat; Metallarbeiten, Stoffe, Teppiche und altorientalische emaillierte Gläser von größter Seltenheit reihen sich ihnen an. Die Aus⸗ stellung bietet ferner Aufnahmen obigen verwandter Architekturen von Professor Eduard Jacobsthal, wie des Mausoleums des Mahmud Pascha in Konstantinopel und der „grünen Moschee“ in Brussa. Pro⸗ fesser Jacobsthal hat die dort angewendete Technik in Berlin ein⸗ geführt und Proben derselben ausgestellt. Auch die Aufnahmen des Regierungs⸗Baumeisters Breslauer betreffen farbig inkrustierte Architekturen. Besonders wichtig sind eadlich die Aufnahmen von Dr. Sarre in Taghi⸗Bostan, wo sassanidische Felsengräber (aus der Zeit um 630) die entscheidenden Dokumente für die Geschichte der mittelalterlichen Seidenweberei enthalten. Von dort hat Dr. Sarre vollständige Abformungen mitgebracht, neben welchen aus den Samm⸗ lungen des Museums Seidenstoffe mit ihnen verwandten Mustern ausgestellt sind. Die Ausstellung, welche den ganzen Lichthof füllt, wird einige Wochen dauern.
A. F. — Die März⸗Sitzung der Gesellschaft für Erd⸗ kunde wurde von dem Vorsitzenden, Geheimen Regierungs⸗Rath, Pro⸗ fessor Freiherrn von Richthofen mit einem Nekrolog auf den um die geographische Forschung verdienten russischen General Annenkoff er⸗ öffnet. — Für den im September in Berlin stattfindenden inter⸗ nationalen geographischen Kongreß hat Seine Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen bereitwilligst das Protektorat über⸗ nommen. — Von der Expedition der Herren Dr. Fulterer und Holderer, die bekanntlich von Kaschgar aus in östlicher Richtung Mittel⸗Asien durchquert hat, sind briefliche Nachrichten, von Anfang Januar datierend, vom Ynngtsekiang eingetroffen, welcher in den ersten Tagen des Jahres glücklich erreicht worden ist. Die Theilnehmer an der Expedition sind zur Zeit nach Europa unterwegs, sodaß baldige mündliche Berichterstattung über die erreichten Erfolge zu hoffen ist. — Die deutsche Tiefseeforschungs⸗Expedition an Bord der „Valdivia“ befand hn nach den letzten Nachrichten im Indischen Ozean, bei der Seychellen⸗Inselgruppe, wo die Zoologen sich besonders reichlicher Ausbeute erfreuten. — Den ersten Vortrag des Abends hielt Dr. Karl Oestreich über seine im Herbst vorigen Jahres in Albanien und Nord⸗Macedonien ausgeführten Reisen. Nach seinen Erfahrungen auf dieser Forschungsreise, die von Saloniki nach Uesküb, dem Zentralpunkt Macedoniens, von dort über Mitrowitza nach Nowi⸗ bazar und wieder zurück nach Uesküb ging, und in ihrer Fortsetzung jenseits des 24100 m hohen Schar Dagh Ober⸗Albanien mit den Städten Prisrend, Dschakowa und Ipek berührte, giebt es in Europa kaum ein Land von gleich verworrenen geologischen und ethno⸗ graphischen Verhältnissen, wie die jetzt soviel genannten Länder Macedonien und Albanien. Schon die Namen sind mehr oder weniger willkürlich gewählt. Macedonien heißt ursprünglich nur das Küstengebiet am Busen von Saloniki. Wieviel oder wie wenig vom noch Macedonien zu nennen ist, bleibt Jedermann über⸗ assen, denn eine offizielle Benennung giebt es nicht. Ebenso ist der Name Albanien doch nur anwendbar auf die verhältnißmäßig engen, von Albanesen bewohnten Gebietstheile Die große Mehrzahl der Bewohner des Landes nennt sich selbst „Bosniaken“. „Arnauten“ heißen die Bekenner des Islam, gleichviel welchen Volksstammes. Die geologischen Verhältnisse des Landes sind schwer entwirrbar. Im Norden streichen von NW. nach SO. die bosnisch⸗dinarischen Alpen. Sie stoßen im S. auf Alpengebiete, die im Grunde nur aus Trümmern bestehen und die Spuren der zerstörenden Wirkung einer Faltung in der Urzeit von der Merkwürdigkeit zeigen, daß die Schichten eine andere Richtung einhalten als die Gipfel. Bei seinen von Uesküb aus unternommenen, kleineren und größeren Autflügen fand der Vortragende das hochragende Gebirge des Schar Dagh aus einem Plateau älterer Formation von 800 m Höhe und darauf gethürmten Gipfeln von Schiefer⸗ und Kalkgestein von 2000 m Höhe bestehend und bis zu 1100 ja 1500 m Erhebung, selbst auf der Nordseite gut bewaldet. Nördlich des Schar Dagh sind zwei becken⸗ artige Hochebenen mit Binnenseen in das Gebirge eingesenkt: das füdlichere durch den Oert Prisrend, das nördliche durch Dschakowa und Ipek bezeichnet; letzteres war bis 1766 Sitz des Patriarchats der serbischen Kirche. Diese beiden aus Weide⸗ und Ackerland bestehenden, im Gegensatz zu weiten Strecken karstartigen Charakters des Gebirges keineswegs unfruchtbaren Hochebenen sind der eigentliche Sitz der Albanesen, von dem nördlich gelegenen Moͤntenegro getrennt durch ein rauhes Gebirge, in dessen unteren Theilen Gestrüppwald mit Laubwald abwechselt Die Paßhöhe in der Richtung nach Montenegro liegt bei 1700 m inmitten kahler Kalkhochlandschaft. Hier, im eigentlichen Ober⸗ Albanien sind Bürgerkrieg und Blutrache in Permanenz eiklärt. In letzter Zeit noch war der Bazar von Dschakowa 6 Monate lang wegen Bürgerkrieges geschlossen. Diesen Zuständen entsprechend, trägt alle Welt Waffen. jedes Haus und Gehöft ist umfriedigt und befestigt, sei es durch Flechtwerk und Verhaue, sei es durch Steinmauern mit Schießscharten darin. Es konnte nicht fehlen, daß bei solcher Stim⸗ mung der Bevölkerung auch der Vortragende der Verdächtigung seiner Absichten und gelegentlichen Feindseligke ten nicht entging, als er von Dschakowa aus das in fruchtbarer und schöner Gegend gelegene römisch⸗katholische Kloster Detschau mit Kirche aus dem 14. Jahrhundert und später als er Ipek besuchte, wo er bei einem katholischen Priester freundlichste Aufnahme und Schutz fand. Ersicht⸗ lich besserte sich aber die Haltung des Volkes gegen das Ende seines Aufenthalts, was der Vortragende dem Eintreffen und den Eindrücken
der Nachrichten über die Reise Seiner Majestät des Kaisers zu⸗
schrieb. Außer dem eigentlichen Albanien sah Dr. Oestreich auf seinem ersten Vorstoß von Uesküb nach Norden auch Mitrowitza, wo der deutsche Leiter eines Dampfsägewerks ihm Gastfreund⸗ schaft gewährte, Prischtina mit dem Grabe des Sultans Murad I., das berühmte Amselfeld, auf dem die serbische Unabhängigkeit 1389 gegen die Türken verloren ging, und das bereits in österreichisch Bosnien gelegene Nowibazar inmitten einer an⸗ muthigen, der ältesten Tertfärzeit angehörigen Gebirgslandschaft. Bei
diesem mehrfachen Durchkreuzen des Landes trat dem Vortragenden
so recht entgegen, wie zu der vorher geschilderten geologischen und hnogras en Zerklüftung sich noch die merkwürdige Unregelmäßig⸗ keit der Wasserläufe gesellt, die nach drei Seiten: zum Adriatischen und zum Aegäischen Meer sowie zur Donau, Abfluß haben und häufig
aauf langen Strecken unterirdisch sind.
Der zweite Vortrag des Abends hatte die Erläuterung des Gemäldes einer Steinkohlenlandschaft durch Dr. Potonié zum Gegenstand. Der Gedanke, aus den reichen Ueberresten der Stein⸗ kohlenflora ein Vegetationsbild jener fernen Tage der Entwickelung unseres Planeten zu konstruieren, ist nicht neu. Er ist im Jahre 1844
iin Wien durch Unger und später in Dresden von sachkundiger Hand
ausgeführt worden. Seitdem sind aber eine Menge neuer Thatsachen bekannt geworden, welche das Bild noch treuer zu zeichnen erlauben. ur Herstellung des großen und ansehnlichen, far⸗ bigen Gemäldes den Anlaß gegeben, das im Original der
interessanten Erläuterung durch einen hierfür besonders befähigten Interpreten als Grundlage diente. Das Bild zeigt eine Moorland⸗ schaft etwa desjenigen äußerlichen Charakters in der Vertheilung von Land und Wasser, wie er heute in den Sümpfen von Florida vor⸗ liegt. Als Oertlichkeit hat man sich die Sumpfwälder zu denken, welche die Steinkohlenflötze, sei es Nieder⸗ oder Oberschlesiens, sei es Westfalens oder der südlichen Rheinprovinz bildeten. Daß es zumeist Wasser⸗ oder stark wasserbedürftige Pflanzen waren, ist zweifellos. Doch sind die hier gezeigten Vertreter dieser Vegetation keineswegs die ältesten bekannten, sie gehören vielmehr schon der sogenannten früheren Flora, der mittleren Steinkohlenzeit an, als die Natur schon recht vielseitig in ihren Darbietungen war, freilich bei weitem nicht so vielseitig und wahrscheinlich auch nicht so farbenprächtig, als sie es später gelernt hat und sich uns heute darstellt. Das Gemälde zeigt links eine Waldpartie, in der Mitte ein stagnierendes Wasser, darin eine Vegetation mächtiger, gelblicher Schachtelhalme, rechts wieder einen lichten Wardd mit den deutlichen Kennzeichen des Urwaldes, morschen und gestürzten, den Boden bedeckenden Stämmen. Lichter als unsere Laubwälder erscheinen beide Waldbilder, deren rechtes im Vecgleich zu dem linken die trocknere Standpunkte bevorzugenden Gewächse wiedergiebt, lichter schon deshalb, weil es ein Charakteristikum der Steinkohlenflora ist, daß ihre Revräsentanten die rispenartige Ver⸗ zweigung unserer Waldbäume nach allen Seiten noch nicht kennen, sondern eine zweitheilige Gabelung, sowohl in Wurzeln wie Zweigen und Aesten, mithin eine mehr fächerartige Entfaltung vorziehen. Un⸗ zweifelhaft ist das gegenwärtige Verhältniß unserer Gewächse zu Licht und Luft das bessere, die Natur hat allmählich das Zwecksienlichere vorzuziehen gelernt. Fast alle diese Gewächse der fünften Stein⸗ kohlenflora gehören den Kryptogamen an, mit denen verglichen wir die Gewächse mit deutlicher Samen⸗Hervorbringung als einen Fortschritt der Natur betrachten. Allen voran stehen die Farn⸗Gewächse, die wir in der gemäßigten Zone nur noch von krautartigem Wuchs kennen, die in den Tropen aber auch heute noch in baumartiger und riesenhafter Entwickelung vorkommen. In der Steinkohlenflora sind dreierlei Formen von Farn zu unterscheiden: Stauden, Bäume und kletternde Farne. Letztere Form findet sich nicht mehr lebend, sie ist in unseren Urwäldern durch die Liane u. a. ersetzt. Daß sie zur Steinkohlenzeit mächtig war, erläutert das Gemälde, auf dem man auch eine Anzahl in Blatt⸗Form und Fiederung bekannter Farne, nur in kolossalen Abmessungen wiedererkennt. Aehnliche Betrach⸗ tungen legt das Gebüsch von Schachtelhalmen in der Mitte nahe. Unter den Waldbäumen, deren Geschlecht zwar ausgestorben ist, die wir aber nach ihren aufgefundenen Resten und Stämmen bis zu 30 m Länge sehr genau kennen, ist den Sigillarien und Stigmarien auf dem Gemälde ein hervorragender Platz angewiesen: erstere so genannt, weil ihre fossilen Stämme die Narben der wahrscheinlich zylindrischen oder kantigen Blätter so dicht nebeneinander zeigen, daß sie, durch den Druck abgeplattet, wie Siegel aussehen, letztere durch ihre sich horizontal gabelnden Wurzeln als richtige Sumpf⸗ gewächse gekennzeichnet. Nach einem grünen Rasengrunde unter den Waldbäumen sieht man sich auf dem Bilde des Stein⸗ koblenwaldes vergeblich um. Die monocotyledonen Gräser hatten noch nicht das Licht der Sonne erblickt. Dafür schwimmt auf dem Wasser ein grüner Teppich eines Sumpfgewächses niedrigster Daseinsform. Ganz fehlen die höheren Gewächse auf dem Bilde ebensowenig wie in der Steinkohlenflora. Was aber aus der Gattung der Gymnospermen, der nacktsamigen Gewächse, schon vorhanden ist, die Cordataceen, hat mit unseren Nadelhölzern nur entfernte Verwandtschaft; am nächsten steht ihnen die bekannte chinesische Konifere „Gingko“ mit fächerartig verbreiterter Nadel. Aber unzweifelhaft ist, daß sowohl Blüthen wie Früchte dieser den Uebergang zu höheren Gewächsen bil⸗ denden Gattungen in der Steinkohble fünfter Flora gefunden werden sind. In sehr bezeichnender Weise hat der Künstler dem Gemälde einen Wolkenhimmel gegeben, keine grelle Sonnenbeleuchtung; denn ersterer mag der Wasserbedeckung des Erdreichs der Regel nach besser entsprochen haben. Ueber die Fauna der Steinkohlenzeit ist zu wenig bekannt, um diesen stillen Wald damit beleben zu können. Auch bedurften diese Gewächse der Befruchtung durch Insekten noch nicht.
Im Verein für deutsches Kunstgewerbe wird morgen, Mittwoch, Abends 8 ½ Uhr (im Künstlerhause, Bellevuestraße 3), Herr Dr. J. L. Sponsel aus Dresden einen Vortrag halten über „die Entstehung des Zwingers zu Dresden und die Tage seines Glanzes“. Der Vortrag wird durch Ausstellung von Abbildungen des Zwingers und der einst dort gefeierten Hoffeste erläutert werden. 1u1“
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Die französische Akademie der Wissenschaften wählte,
wie „W. T. B.“ vom gestreigen Tage aus Paris meldet, den Direktor
des geodätischen Instituts, Geheimen Regierungs⸗Rath, Professor Dr Helmert in Potsdam zum korrespondierenden Mitgliede
Theater und Musik.
8 Konzerte. * .
IZm Königlichen Opernhause fand auf Allerhöchsten Befehl gestern Abend ein großes Konzert zum Besten der „Mildwida“, Frauen⸗Vereins zur Unterstützung armer Musiter⸗Wittwen und Waisen, statt. An erster Stelle gelangte die im Oratorienstil gehaltene Ton⸗ dichtung „Die Auferweckung des Lazarus“ ven dem in letzter Zeit viel genannten italienischen Abbate Don Lorenzo hier zum ersten Mal zum Vortrag. Der dem Evangelium Johannis entnommene Text vertheilt sich — außer auf den Chor — auf vier einzeln auftretende Personen, nämlich den erzählenden Evan⸗ gelisten, Christus, einen Diener und Martha, die Schwester des Lazarus. Der rein orchestrale Theil des Werkes nimmt einen sehr breiten Raum in An pruch; nach einer langen, polyphonen Einleitung finden sich noch mehrere ausgedehnte Zwischenspiele, welche die Reden der Solisten unterbrechen und die verschiedenen Chorstrophen trennen. Der kurze Faden der Handlung wird dadurch etwas verlängert, verliert aber, auch in der musikalischen Bearbeitung, an Wirkungskraft. Die Musik an sich auch zeugt von einem musikalisch fein gebildeten Geist, der nicht nur mit Fleiß und Erfolg die alten und modernen Meister — von den alten italienischen Kirchenmusikern bis zu Wagner — studiert hat, sondern der auch eine reiche schöpferische Kraft und Erfindungsgabe besitzt. Der Einfluß Richard Wagner's tritt natürlich besonders deutlich in der Orchestration der Zwischensätze hervor, während den Chören ihr charakteristisches Gepräge durch die Anlehnung der kompositorischen Arbeit an die alte italienische Kirchenmusik verliehen wird. Die Erfindungsgabe des Komponisten ist in der Behandlung der Solostimmen und der Chöre zwar nicht zu verkennen, dürfte sich aber später noch zu höherer Blüthe ent⸗ wickeln. Aus der gesammten Musik spricht eine fromme, gläu⸗ bige Seele zu dem Hörer, die eine weihevolle Stimmung weckt und aufrecht erhält. Als Solisten wirkten Frau Herzog und die Herren Sommer, Hoffmann und Mödlinger mit und führten ihre “ bei bester Disposition mit glänzendem Gelingen durch. Auch der Operaee leistete wieder in Bezug auf Reinheit, Sicherheit und Klangf önheit Vor⸗ zügliches. Herr Kapellmeister Dr. Muck dirigierte das Werk mit künstlerischem Verständniß, feinfühlig und mit großer Sicherheit; ihm ist der Erfolg wesentlich mit zu verdanken. Den zweiten Theil des Konzerts füllte neben Beethoven'’s „Eroica“⸗Symphonie, welche von Herrn Kapellmeister R. Strauß dirigiert wurde, die dege, ve Nerhen. und Richard Wagner's Kaisermarsch aus. Während des Huldigungs⸗Schlußchors hatte sich das ganze Haus erhoben. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin
wohnten dem Konzert bis zu Ende bei. “ 1 Am Montag vergangener Woche gab die Sängerin Fräulein Hedwig Meyer im Beethoven⸗Saal ein Konzert mit Unter⸗ stützung des vortheilhaft bekannten Violinisten Herrn van Veen. Mit klangvoller Stimme und temperamentvollem Vortrag brachte sie Lieder von Schubert, Schumann und Brahms zu Gehör, von denen ihr „Du bist die Ruh“ von Schubert ganz besonders gelang, sodaß
lebhafter Beifall erfolgte, der auch den Leistungen des Vio
linisten in hohem Maße ju theil wurde. — In der Sing⸗Akademie veranstalteten an demselben Tage die Damen Julie und Ilse Müllerhartung einen Vortrags⸗ abend. Die Erstgenannte bewährte in Liedern von Schumann, Schubert, Cornelius, Richard Strauß u. A. die Vorzüge ihrer Ge⸗ sangskunst, welche sowohl auf dem Gebiete richtiger Stimmbehand⸗ lung als auch auf dem sinnentsprechender Vortragsweise liegen. Ihre Schwester Fräulein Ilse Müllerhartung steuerte, wie schon bei früheren Gelegenheiten, einige Deklamationsstücke zum Programm bei, unter denen eine Novelle in Versen von Adalbert von Hanstein be⸗ sonders fesselte und zu deren Erfolg auch die stilgerechte Sprechweise der Vortragenden nicht wenig beitrug. Das zahlreich anwesende Publikurn
spendete beiden Künstlerinnen lebhaften Beifall. I
Das Böhmische Streichquartett hat einen größeren Freundeskreis in der musikalischen Welt Berlins erworben wie der vollbesetzte Beethoven⸗Saal am Dienstag bewies, wo die dritte dieswinkerliche Abonnements⸗Soirée der trefflichen Quartett⸗ Genossenschaft stattfand. Das Programm enthielt das Kaiser⸗ Quartett von Haydn, das Quartett in D-moll von Schubert und „Aus meinem Leben“ (Quartett in E-moll) von Smetana. Nament⸗ lich gelangte das letztgenannte Werk mit einem Feuer und einer Präzision zu Gehör, welche das Publikum schier in Begisterung versetzte. — In der Sing⸗Akademie gab an demselben Tage Her Günther Freudenberg einen Klavierabend, dessen Programm lediglich darauf angelegt war, die virtuose Fertigkeit des Konzert gebers glänzen zu lassen. Die „Fantaisie orientale“ von Balakirew ein musikalisch reizloses, aber an technischen Schwierigkeiten außer⸗ ordentlich reiches Werk, spielte der Pianist mit achtunggebietendem Können. Mehr Genuß bereiteten aber die kleineren Stücke, wie d'Automne“ von Schütt und „Contes d'Avril“ von Widor. 1
Unter Herrn Wilhelm Handwerg's Leitung hatte am Mittwoch der „Berliner Liederkranz“ sein diesjähriges öffent liches Konzert, das 67. seit seinem Bestehen, im Apollosaale des „Deutschen Hofes“ (Luckauerstraße) veranstaltet. Mit allen seinen Chorleistungen erntete er ungetheilten Beifall, so mit dem Pilgerchor aus „Tannhäuser“ von Richard Wagner und mit einem Walzer⸗Idyll des im vergangenen Jahre verstorbenen Komponisten von Weinzierl, „Frühlings⸗ zauber“ betitelt, in welchem einzelne besonders hübsch erdachte und in der Ausführung auch besonders geluggene Stellen wiederholt werden mußten. Der Königliche Kammermusiker Herr Emil Prill spielte eine Flöten⸗Phantasie aus der Oper „Rogujeda“ und eine sehr an⸗ sprechende „Caprice orientale“ von Arthur Bird, von diesem selbst am Klavier begleitet, während an dem erstgenannten Stück Fräuleir Elfriede Handwerg sich als tüchtige Begleiterin betheiligt hatte. Die gute Akustik des gewählten Konzertraums kam allen Vorträgen auf das beste zu statten; nur die Stimme der Solistin Fra Carla Sund wollte an diesem Abend nicht ausgiebig genug er⸗ scheinen, woran wohl Indisposition Schuld war.
Am Donnerstag veranstaltete die bekannte Violinistin Fräulein Irene von Brennerberg im Beethoven⸗Saale ein Konzert mit dem vom Kapellmeister Rebidek geleiteten Philharmonischen Orchester. Für Aufgaben wie das D-dur-Konzert von Beethoven fehlt der Künstlerin das rechte Stilgefühl und die Tiefe der Auf fassung. Die Art ihrer ; und ihres Könnens weisen sie mehr auf Aufgaben leichteren Stils hin, in welchen ihre mit einer gewissen Anmuth geübte Fertigkeit, ihr kleiner, aber doch recht süßer Ton zur Geltung kommen können, so in der „Faust“ Phantasie von Wieniawsky und in den Zigeunerweisen von Sarasate. Mit den letztgenannten Stücken erntete sie denn auch den lebhaften und wohlverdienten Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. — Ein junger Wiener Pianist, Herr Hermann Klum gab ebenfalls am Donnerstag im Saal Bechstein einen Klavierabend, welchen er mit den selten gespielten „Six Bagatelles“ (op. 126) und dem Andante in F-dur von Beethoven eröffnete, denen er Werke von Chopin, Schumann, Brahms, Leschetitzky, Lamberg und Schütt folgen ließ. Der Künstler bekundete eine weiche, fast weibliche Art des Anschlags und Vortrags die zwar zu Anfang recht angenehm berührte, im Laufe des Abends aber den Wunsch nach kräftigeren Accenten aufkommen ncs. die ihn nicht gegeben zu sein scheinen. Sieht man von diesem Mangel ab, so leistet Herr Klum sehr Beachtenswerthes, und, wo am Platze, kann sein zarter singender Ton eine tiefe Wirkung ausüben.
In seinem dritten Abonnements⸗Konzert sang der Chor der Sing⸗Akademie am Freitag einen Cyelus Bach'scher Kantaten, den der Direktor dieses Gesangsinstituts, der unermüdliche Bach⸗Forscher Herr Professor Blumner zusammengestellt hatte, und welcher auch schon mehrere Aufführungen erlebt hat. Da Herr Professor Blumner aus Gesundheitsrücksichten leider verhindert war, seines Dirigentenamts zu walten, hatte dieses Mal Herr Musik⸗ Direktor Kawerau stellvertretend die Leitung übernehmen müssen. Er verstand es vortrefflich, den großen Chor zusammen zu halten, und dieser leistete wieder Außerordentliches, ob⸗ gleich er an manchen Stellen die sonst gewohnte kräftige und anfeuernde Energie der Führung zu vermissen schien. In dem herrlichen Chor „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben“ mußten die Stimmen leider zu sehr gegen die Instrumente ankämpfen, die überlaut waren. Da⸗ gegen waren das Vorspiel und die das Klagen und Flehen der Armen schildernde Begleitung zu dem Chor „Brich dem Hungrigen Dein Brot“ vortrefflich ausgeführt. Fräulein Overbeck ist, obwohl sie die hohen Töne nicht stets mübelos erreicht, noch immer eine der ersten Bach⸗Sänge⸗ rinnen, eine der Wenigen, welche alle porgeschriebenen Verzierungen und Triller singen können, und sie führte ihre Sopranpartie edel durch. Fräulein Stephan trug die schöne Alt⸗Arie „Mund und Herze steht dir offen“ ganz besonders innig vor. Die Tenorgesänge wurden von Herrn Grahl, die Baß⸗Arien von Herrn Sistermanns zu voller Geltung gebracht, von letzterem besonders das Rezitativ „Siehe ich stehe vor der Thür und klopfe an“, bei welchem eine charakteristische Begleitung das Pochen versinnlicht. — Im Saale der Philbarmonie gab an demselben Tage Herr Eugen Gura einen populären Lieder⸗ und Balladen⸗ Abend, dessen Programm sich lediglich aus Werken von Loewe und Richard Strauß zusammensetzte. Von den vorgetragenen 11 Liedern des letztgenannten Komponisten vermochte nur etwa die Hälfte, trotz der vortrefflichen Wiedergabe, die ihnen zu theil wurde, einen tieferen Ein⸗ druck hervorzurufen, und zwar waren das zumeist Lieder, welche im älteren, melodiösen Stil gearbeitet waren. Für die moderne Stimmungsmalerei in Musik und Poesie, welche in den anderen Liedern zum Ausdruck kam, zeigte das Publikum weniger Verständniß. Den Haupterfolg errang der Sänger aber wieder mit den meisterhaft vorgetragenen Loewe'schen Balladen. Das den geräumigen Saal bis auf den letzten Platz füllende Publikum spendete ihm dafür begeisterten Beifall und erzwang zum Schluß noch eine Zugabe. — Im Saal Bechstein veranstaltete das bekannte Streichquartett der Damen Marie Soldat⸗Roeger, Else von Plank, Natalie Lechner⸗Bauer und Lucy Her⸗-⸗ bert⸗Cambpbell sein zweites Konzert, welchem am Sonnabend zuvor das erste voraufgegangen war. Zum Vortrag gelangten das Quartett in B-dur (nach Peters Nr. 49) von Haydn, das C-moll-Quartett (op. 18) von Beethoven und das Quintett in C-dur (op. 163) von Schubert, das letztere unter Mitwirkung des Professors Hausmann, welcher den zweiten Violoncellpart übernommen hatte. Man kann den Künstlerinnen nur das Zeugniß ausstellen, daß ihre Darbietungen sich auf achtunggebietender Höhe bewegen und denen anderer bewährter Quartettgenossenschaften mit männlichen Mitgliedern weder bezüglich der Präzision des Zusammenspiels und des Rhythmus, noch hinsicht⸗ lich des musikalischen Ausdrucks nachstechen.
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Im Königlichen Opernhause findet morgen eine Wieder⸗ holung von Eugen d'Albert's musikalischem Lustspiel „Die Abreise“
unter Mitwirkung von Frau Herzog und der Herren Hoffmann und Sommer statt. Vorher geht O. von Chelius; Oper „Haschisch’ in Scene. Den Schluß bildet das Ballet „Vergißmeinnicht“. Kapell⸗ meister Dr. Muck dirigeert. 8