nicht unvorhergesehene Umstände einträten
ddeer Uitlanders durch die Transvaalregierung zur
“ SGe 20. März. des Posenschen Provinzial⸗Landtages wurde mit der Berathung über einen be der Landwirthschaftskammer auf Erhöhung der von der Provinz für dieselbe gezahlten laufenden Beiträge begonnen. Nach längerer Debatte wurde dem Provinzial⸗Ausschuß ein Betrag von jährlich 6000 ℳ zur Verfügung gestellt, welcher für Zwecke der Landwirth⸗ schaft verwendet werden soll, falls entsprechende Beträge für diese Zwecke aus Staatsmitteln bewilligt werden. Nachdem sodann über einen Antrag auf Abänderung der Kreisordnung berathen war, welcher durch eine motivierte Tagesordnung seine Erledigung fand, wurde die Wahl eines Mitgliedes des Provinzizal⸗Ausschusses sowie von Mitgliedern und Stellver⸗ tretern der Ober⸗Ersatzkommission der 8. Infanterie⸗Brigade vorgenommen. b ““
Kiel, 20. März. Die Einstellung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Waldemar, ältesten Sohnes Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen und der Prinzesfin Heinrich von Preußen, in die Marine erfolgte heute Mittag 12 Uhr vor den Kasernen der Matrosen⸗Division und des See⸗ Bataillons in Gegenwart Seiner Majestät des Kaisers, Ihrer Majestät der Kaiserin, der aus Plön hier ein⸗ getroffenen Prinzen Söhne Fhrer Majestäten, sowie des Gefolges und zahlreicher hoher Offiziere. Seine Majestät der Kaiser hielt dabei eine kurze Ansprache, welche mit einem Hurrah auf Seine Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich schloß. Alsdann brachte der Admiral Köster ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, worauf die Truppen präsentierten und die Musik die Nationalhymne spielte. Dann folgte eine Parade der Marinetruppen, bei welchen Seine Königliche Hoheit der
Prinz Adalbert als Leutnant eingetreten war. Seine Majestät der Kaiser begab Sich hierauf mit dem Gefolge zur Frühstückstafel nach dem Marine⸗Offizierkasino.
Nach der Tafel besichtigte Seine Majestät der Kaiser in Be⸗ gleitung des Staatssekretärs des Reichs⸗Marineamts, Staats⸗ Ministers Tirpitz auf der Kaiserwerft den neuen Kreuzer Gazelle“. Alsdann fuhr Allerhöchstderselbe an Bord der Hacht „Hohenzollern“, um die neue Galerie am Heck des Schiffes in Augenschein zu nehmen, und später nach dem Linienschiff „Kurfürst Friedrich Wilhelm“. Während der Fahrt salutierte die im Hafen liegende Flotte.
— Ihre Majestät die Kaiserin und die Prinzen Ihrer Majestäten besuchten Nachmittags das Seemannshaus, wo Ihre Majestät alle Einrichtungen in Augenschein nahm. Um
5 Uhr begab Sich Ihre Majestät die Kaiserin mit Ihrer Hoheit der Herzogin Freebac Ferdinand zu Schleswig⸗Holstein⸗Sonderburg⸗Glücksburg und den Prinzen Söhnen an Bord des Linienschiffs „Kurfürst Heiehrich Wilhelm“ zum Thee⸗Abend, zu welchem zahlreiche Ein⸗ ladungen ergangen waren. — Um 6 Uhr kehrten Ihre
Miajestäten der Kaiser und die Kaiserin mit den Prinzen Söhnen unter dem Salut der gesammten Flotte in das Schloß zurück, wo um 8 Uhr im Weißen Saale ein Galadiner von
46 Gedecken stattfand. Seine Majestät der Kaiser führte Ihre Hoheit die Herzogin Friedrich Ferdinand zur Tafel; neben Seiner Majestät saß der Admiral Köster, neben
diesem der Ober⸗Präsident, Staats⸗Minister von Köller, neben Ihrer Hoheit der Herzogin der Staatssekretär des Reichs⸗Marineamts, Staats⸗Wiibriger Tirpitz. Seiner Majestät
deem Kaiser gegenüber hatten Ihre Majestät die Kaiserin und
Seine Hoheit der Herzog Friedrich Ferdinand, neben Ihrer Majestät der Kaiserin der kommandierende General des Garde⸗ Korps, General von Bock und Polach Platz genommen. Die
Tafelmusik stellte die Kapelle der I. Matrosen⸗Division.
1X“ Oesterreich⸗Ungarug. 3 Das ungarische Oberhaus hat gestern, wie die „Wiener Abendpost“ meldet, das Ausgleichs⸗Provisorium ohne Debatte angenommen. “
Großbritannien und Irland. Im Oberhause erklärte hestern, wie „W. T. B.“ meldet, der
Premier⸗Minister Lord Salisbury auf eine an ihn gerichtete An⸗ frage: der Hauptzweck der Expedition des Majors Macdonald sei ge⸗ wesen, die einige Zeit vorher vereinbarte Grenze zwischen dem Gebiete, welches damals zur italtenischen Einflußsphäre gehört habe, und der britischen genauer festzustellen. Das sei jedoch nicht der einzige Zweck der Expedition gewesen. Gerüchte von Absichten auf den oberen Nil, die an⸗ 8 nicht völlig unbegründet gewesen seien, hätten die Regierung vperanlaßt, darauf bedacht zu sein, britische Truppen⸗Abtheilungen an einigen Punkten des oberen Nils aufzustellen. Die unter den suda⸗ nesischen Solraten ausgebrochene Meuterei habe diesen Theil der Expedition zu einem frühzeitigen Ende geführt. Die Nieder⸗ werfung der Meuterei habe mehrere Monate in Anspruch ge⸗ nommen und die unter Major Macdonald stehenden Streitkräfte so sehr geschwächt, daß dieser es nicht für klug gehalten habe, die ursprünglich geplante Unternehmung in ihrer ganzen Ausdehnung zu Ende zu führen. Ein beträchtlicher Theil der Truppen unter der Führung Martyr’'s habe eine Expedition von den Quellflüssen des Nils flußabwärts unternommen. Diese Expedition sei im Großen und Ganzen von Erfolg gekrönt gewesen. Ihr Hauptzweck sei ge⸗ wesen, die Derwische in Bor am rechten Nilufer zu bekämpfen. Als Martyr dort angekommen sei, habe er erfahren, daß die Derwische verschwunden seien, sobald sie gehört hätten, daß britische Truppen im Anmarsche seien. Das letzte, was man von Martyr gehört habe, ei, daß er sich in Bedden befinde. Lord Camperdown erklärte, er nehme an, daß Macdonald's Aufgabe nunmehr beendet sei. Lord Sgäalisbury erwiderte, er glaube auch, daß dies der Fall sei, wenn 3 Auf eine Anfrage des Euarl of Kimberley erklärte Lord Salisbury, das Haus werde sich aam nächften Montag auf 3 Wochen vertagen.
Im Unterhause brachte gestern bei der Berathung des Budgets für den Zivildienst Ashmead Bartlett die Frage der Behandlung 25 — prache und führte über diese Behandlung Klage. Der Staatssekretär für die Kolonien
Chamberlain fragte, was Bartlett, angenommen, daß seine Angaben
richtig seien, von der britischen Regierung verlange. Solle die Re⸗ gierung unter Stellung eines Ultimatums auf 5ö dringen und im Falle der Nichtbefriedigung ihrer Forderungen einen Krieg be⸗ ginnen? Wenn dieser Weg eingeschlagen werde, würden die Uitlanders elbst mit der Regierung wegen ihrer Einmischung hadern. Richtig ei, daß der Präsident Krüger nach dem Einfall Jameson's gewisse Seeenaen gemacht habe und daß bis jetzt keine einzige derselben erfüllt sei, die Beschwerden ehee zugenommen als abgenommen hätten. Weder in der Frage des Unterrichts für die englisch sprechende Bevölkerung, noch in der d⸗s Dynamitmonopols, noch in der Frage des Wahlrechts sei etwas geschehen. Es sei ja richtig, daß man heute das habe, was er einen Fortschritt zur Abstellung der Be⸗ den der Uitlanders nennen zu können bdofe Soweit er aber könne, seien diese Versprechen illusorisch. Er glaube nicht, daß
Die heutige (6.) Plenarfitzung
die vorgenommene Aenverung des Wahlrechts den geringsten Werth habe. Das Dynam tmonopol beftehe immer 829 Er sehe auch keinen Fortschrist im der Abstellung der übrigen Beschwerden. Ter Be⸗ völkerung von Johannesburg eine wirkliche Stadtverwaltung zu geben, das würde ein geeigneter Weg sein, diesen Beschwerden abzuhelfen, ohne die Interessen und die Würde der Regierung von Transvaal zu beeinträchtigen; aber er sei sicher, daß keine Aussichten auf eine solche vorhanden seien. Was solle nun geschehen? Eine Inter⸗ vention sei nur gerechtfertigt im Falle eines Bruchs der Londoner Konvention oder einer Verletzung der internationalen Höflichkeit. Die Regierung könne der Regierung von Transvaal freundschaft⸗ liche Rathschläge im Interesse des Friedens in Süd⸗Afrika geben, — sie habe es auch zur Zeit des Einfalls gethan. Aber nichts, was seitdem geschehen, lasse ihn hoffen, daß solch ein Rathschlag unter den gegen⸗ wärtigen Umständen wirksam sein würde. Er glaube nicht, daß es würdig wäre, solche Rathschläge zu geben, wenn man schon vorher der Ansicht sei, daß sie keine freundliche Erwägung finden würden. Solange der gegenwärtige Stand der Dinge anhalte, bilde er eine wirkliche Gefahr. Die Regierung habe die Situation wachsam im Auge und habe Vertrauen auf den Takt und die Besonnenheit Sir Alfred Milner's, des Gouverneurs der Kapkolonie. — Der E“ des Aeußern Brodrick erklärte, die türkische
egierung habe noch keinen Theil der geforderten Entschädigungen britischer Unterthanen in Konstantinopel für Verluste während der Metzeleien im August 1896 gezahlt; sie bleibe dabei, ihre Haftpflicht in Abrede zu stellen. Des weiteren bemerkte Brodrick, über die Aus⸗ wahl der Vertreter Englands in der Friedenskonferenz könne er nichts sagen, bevor nicht die formelle Einladung eingegangen und der Zeitpunkt des Zusammentrikts der Konferenz festgesetzt sei. Es würde nicht angebracht sein, in Betreff der der Kon⸗ ferenz zu unterbreitenden Vorschläge dem Hanse bindende Zusagen zu machen. Die britische Regierung werde ihr Bestes thun, um den Grund⸗ satz des Schiedsgerichts und der Vermittelung zum Zwecke der Ver⸗ hinderung von Kriegen zu fördern. Ferner erklärte Brodrick, die italienische Regierung habe die britische R gierung
von ihrem Wunsche, eine Kohlenstation und eine Einflußsphäre
in China zu erlangen, in Kenntniß esetzt, ehe sie sich an die chinesische Regierung gewandt habe Von der britischen Regierung sei Italien der Rath ertheilt worden, die Ange⸗ legenheit diplomatisch zu behandeln und keine Gewalt anzuwenden. Ueber die Nachricht, daß unter die russischen Truppen in der Nähe der indischen Grenze Dum⸗Dum⸗Geschosse vertheilt worden seien, be⸗ sitze die britische Regierung keine Information. Auf eine Anfrage Afhmead Bartlett'g, ob er j'tzt Auskunft über ein Ueberein⸗ kommen zwischen den Mächten hinsichtlich Chinas erhalten könne, er⸗ widerte Brodrick, es sei kein allgemeines Abkommen zwischen den in China interessierten ächten in Aussicht genommen. Er sei gegenwärtig nicht in der Lage, eine Erklärung abzugeben. Auf weitere Anfragen erwiderte Brodrick, der britische Gesandte in Peking sei am 25 Februar angewiesen worden, das Verlangen Italiens nach einer Kohlenstation an der Küste von Tsche⸗Kiang und nach Erlangung der Einflußsphäre über die öst⸗ liche Abdachung der Provinz nach dem Meere zu diplomatisch zu unter⸗ stützen. Die . kenne nicht den Wortlaut der Forderungen Italiens, verstehe sie aber so, daß sie sich nicht auf die Chusan⸗Inseln erstreckten, welche der Gegenstand von Vertragsverpflichtungen zwischen England und China seien, sondern sich auf die östliche Abdachung der Provinz, welche keines wegs zum YPang⸗-tse⸗Becken gehöre, beschränkten. Bei dem Etat des Auswärtigen Amts beantragte Walton, 100 Pfund zu streichen. Redner führte Klage darüber, daß die Politik der offenen
Thür in der Mandschurei aufgegeben sei und daß Rußland infolge
der schwachen und schwankenden Politik der Regierung sich in andere Theile Chinas eindränge. Nach dem Vertrage von Tientsin hätten die Engländer dasselbe Recht wie Angehörige anderer Nationen, Eisen⸗ bahn⸗ und Bergwerks⸗Unternehmungen ins Werk zu setzen. Dieses wichtige Recht sei hingegeben worden, ohne daß irgend etwas dafür erlangt sei. Großbritannien sollte von China eine ausschließliche Sphäre der Konzessionen verlangen und beanspruchen, daß auch andere besondere Interessensphären genau abgegrenzt würden, in denen andere Nationen die Priorltät oder Vorzugsrechte für jetzt vielfach umstrittene Konzessionen ausüben könnten. Großbritanniens Stellung im Pangt⸗tse⸗Thale lasse sich, was die Eisenbabnen betreffe, nicht mit derjenigen Rußlands in der Mandschurei vergleichen. Drage trat energisch für eine Verständigung mit Ruß⸗ land ein. Nach längerer Debatte nahm der Parlaments⸗ Sekretär Brodrick das Wort zu einer Vertheidigung der Regierungs⸗ politik in China. Er bezeichnete die im Laufe der Debatte gemachten Vorschläge als unpraktisch und erklärte, daß die Regierung auch auf den internationalen Anstand Rücksicht zu nehmen habe. Groß⸗ britannien betrachte es als seine erste Aufgabe, keine Eifersucht gegen andere Mächte zu zeigen, sondern die kommerziellen Interessen zu pflegen, die erlangt werden könnten, und auf die politischen ortheile bedacht zu sein, an deren Erhaltung in der britischen Einflußsphäre am meisten gelegen sei. Was die Klage betreffe, daß bei Verpachtung gewisser Gebietstheile an andere Nationen die Souveränetät Chinas über diese Theile weggefallen sei, so müsse er darauf hinweisen, daß dasselbe auch bei den an Groß⸗ britannten verpachteten Territorien Hongkong und Wei⸗Hai⸗Wei der Fall sei. Was Jünnan betreffe, so sehe er keinen Grund, weshalb Großbritannien, oder vielmehr diejenigen, denen Chinas Integrität so am Herzen liege, dagegen Einspruch erheben sollten, daß sich Cbina gegenüber irgend einer Macht verpflichte, eine bestimmte Pro⸗ vinz nicht zu veräußern oder abzutreten. Die Thatsache, daß die chinesische Regierung sich Frankreich gegenüber verpflichtet habe, Jünnan nicht zu veräußern, während sie sich im gleichen Augen⸗ blick verpflichtet habe, überhaupt keine der Provinzen zu veräußern, die an den Yang⸗tse⸗Kiang stießen, und zu denen Jünnan ebenfalls gehöre, lasse die zuerst eingegangene Verpflichtung nicht als aufgehoben er⸗ scheinen. Redner vertheidigte sodann die Politik, direkt mit dem Tsung⸗li⸗Jamen zu verhandeln; Großbritannien müsse sich an das Tsung⸗Ii. Jamen, eine Körperschaft, welche sich ausgezeichnet auf ihre eigenen Interessen verstehe, direkt wenden. Der Vorschlag, Groß⸗ britannien solle sich statt an das Tsung⸗li⸗Yamen gleich an die übrigen Mächte wenden, sei angesichts der gegenwärtigen Sachlage in China durchaus unhaltbar. Das kürzlich veröffentlichte Blaubuch zeige nicht, daß die Regierung auch nur in einem einzelnen Falle geschwankt habe. Alles, was Großbritannien in Bezug auf die der chinesischen Regierung gewährte Anleihe gefordert habe, sei zugestanden worden, ausgenommen die Eröffnung von Talienwan als Vertragshafen. Lord Beresford vertrete die Ansichten der Regierung nicht. „Wir müssen hinsichtlich der extremen Gesichtspunkte, die im Verlauf der Debatte zum Ausdruck gekommen find, äußerst vorsichtig sein; wir müssen uns hüten, daß wir nicht durch die Forderung von Konzessionen, durch die Sorge für die Aufrechterhaltung derselben und durch das Betreiben einer Reorganisation des Heeres und der Flotte Chinas die Verantwortlichkeit für die ganze Leitung des chinesischen Reichs übernehmen. Das Blaubuch äußert sich über die Verhandlungen bezüglich der Eisenbahnen in der Mand⸗ schurei deshalb nicht, weil die Verhandlungen in dieser An F noch nicht pöllig abgeschlossen sind. Es wird sich aber zeigen, daß Großbritannien seine Interessen in jeder Beziehung gewahrt hat. Wir halten es für äußerst wünschens⸗ werth, nach Möglichkeit zu einer Verständigung mit Rußland zu kommen, und die Hoffnung ist nicht ausgeschlossen, daß eine solche Verständigung werde erzielt werden. Bisher bat sich auf beiden Seiten eine durchaus freundliche und versöhnliche Stimmung gezeigt. Wir sind peinlich darauf bedacht, daß wir und die anderen Rationen in China Handelsfreiheit haben.’ Nachdem hierauf noch Sir Edward Grey gesprochen, zog Walton seinen Antrag zurück. In Erwide⸗ rung auf eine 99 bemerkte Brodrick, er gebe zu, daß der usammentritt einer Konferenz zur Regelung der Fischerei in der Nordsee dringlich sei. Er habe die schwedisch⸗norwegische Regierung dringend ersucht, den Zusammentritt der Konferenz möglichst zu beschleunigen, und es sei nunmehr festgesetzt worden, daß die Konferenz
im Mai beginne. Unter den Delegirten der verschiedenen betheiligten
Maͤchte würden sich Männer der Prapis befinden.
nehmigt.
Frankreich.
Die Deputirtenkammer setzte gestern Vormittag br Deputirte
Berathung des Marinebudgets fort. Der Admiral Rieunier führte, wie „W. T. B.“ berichtet, seine
kritische Besprechung des Lockroy'schen Programms zu Ende. Er bestritt die Wirksamkeit des Kaperkrieges und befürwortete den Bau von Panzerschiffen und Kreuzern. Dem Schiffsbestand der französischen Flotte zollte er volles Lob. In der Nachmittags⸗
sitzung richtete der Deputirte Prinz Arenberg eine Anfrage
an die Regierung über die beiden jüngsten Explosionen
in Bourges und ersuchte um Mittheilung der Ergebnisse der eingeleiteten Untersuchung; denn nicht nur um die Sichhkexrheit
Der Kriegs⸗Minister de Freyecinet erwiderte, die
Kammer nahm sodann welchem den diplomatischen Agenten wischen einem französischen Staatsangehörigen und einer Ausländerin vorzunehmen. Marinebudgets fortgesetzt. führte aus, daß das Unterseeboot Auslande gegenüber nicht einen so großen Vorsprung gewähre, wie man glaube. Die Indiskretion des Marine⸗Ministers über das Boot würde Großbritannien ver⸗
Der Deputirte Claudinon
anlassen, sich mit dem Bau von Unterseeboten zu beeilen. Der 1b
Marine⸗Minister Lockroy erwiderte, er habe keine In⸗ diskretion begangen, und warf Claudinon aor, daß er durch die Behauptung, Frankreich habe keinen Vorsprung gegenüber
dem Auslande, das Verdienst der französischen Flotte herabsetze:;:
der „Zédé“ sei den Unterseebooten anderer Länder bei weitem überlegen. wurde hierauf geschlossen.
Italien. 8
Der Minister des Auswärtigen Canevaro stattete, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Nachmittag dem chinesischen Gesandten einen Besuch ab. Heute wird der Ge⸗ sandte von dem König empfangen werden. Wie die Abendblätter melden, hätte der chinesische Gesandte dar⸗ gelegt, das Tsung⸗-li⸗Jamen habe, als es die Note des italienischen Gesandten de Martino zurücksandte, Italien nicht beleidigen wollen, und hinzugefügt, er habe den Auftrag, aus⸗ reichende Entschuldigungen vorzubringen und anzukündigen, daß das Tsung⸗li⸗YJamen, wenn Italien seine Note erneuern würde, dieselbe in freundschaftlichem Geiste prüfen werde.
Türkei.
Der Oberst Heintze von Krenski und der Leutnant Sturdza wurden, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel meldet, am Sonntag von dem Sultan empfangen und über⸗ gaben das für Allerhöchstdenselben von Seiner Majestä dem Deutschen Kaiser als Geschenk bestimmte, mit sechs Pferden bespannte Schnellfeuergeschütz im Garten des Yildiz⸗ Palastes. Der Sultan, der von den Leistungen des Geschützes sehr befriedigt war, beauftragte den deuischen Botschafter Freiherrn Marschall von Bieberstein, dem Kaiser seinen Dank zu übermitteln. Gestern Abend fand im Yildiz⸗ Palast ein Galadiner für die preußischen Offiziere statt, welchem veeeet Botschafter und die Mitglieder der Botschaft bei⸗ wohnten.
Rumänien.
Wie „W. T. B.“ aus Bukarest berichtet, hat die Re⸗ gierung im Senat einen Gesetzentwurf, betreffend die Ge⸗ nehmigung der im Haag am 15. März abgeschlossenen Handelskonventionmit den Niederlanden, eingebracht.
Unter den Studierenden der Bukarester Universität giebt sich eine gewisse Bewegung gegen den vom Senat jüngst angenommenen Gesetzentwurf über die Rekrutierung kund. Eine Abordnung der Studenten wurde von dem Minister⸗Präsi⸗ denten, dem Unterrichts⸗Minister und dem Präsidenten der Kammer empfangen.
Amerika.
Nach einer in New York eingetroffenen Meldung aus Havanna fand dort am Sonnabend Abend ein ernster Zu⸗ sammenstoß zwischen einer Volksmenge und der Polizei statt, welche letztere, seitdem sie gegen die Kundgebungen zu Gunsten Maximo Gomez' eingeschritten war, von der Be⸗ völkerung fortdauernd verhöhnt wird. Der Zusammenstoß entstand durch den Versuch eines Polizisten, eine Ansammlung auseinander zu treiben. Es wurden Revolverschüsse zwischen der Menge und den inzwischen eingetroffenen Polizeimann⸗ schaften gewechselt; 30 bis 50 Personen wurden verwundet, darunter ein Polizei⸗Hauptmann lebensgefährlech; zwei Feien sollen ihren Wunden erlegen sein. Amerikanische Truppen wurden zu Hilfe gerufen und zahlreiche Verhaftungen vor⸗ enommen. Ein weiterer Zusammenstoß fand am Sonntag
bend statt, bei welchem 2 Polizisten getödtet wurden. Seit Sonntag sind in Havanna 57 Cubaner verhaftet worden. Gestern früh explodierte vor der Kathedrale eine Bombe, welche die Thür derselben beschädigte. Die Polizei erhielt Befehl, alle Waffen, welche die Cubaner trügen, mit Beschlag zu 11“ Wie das „Reuter'sche Bureau“ aus Kalk hr der Gesetzgebende Rath den Gesetzentwurf, betreffend den usgleichszoll auf Prämienzucker, angenommen.
Aus Peking vom gestrigen Tage meldet das „Reuter'sche Bureau“, daß die britischen Marinesoldaten den Befehl er⸗ halten hätten, Peking zu verlassen.
Nach einer Depesche des Generals Otis vom Sonntag befinden sich die amerikanischen Kanonenboote im vollen Besitz der Laguna de Bay. Die an der Pasigfluß⸗Linie stehende Brigade unter General Wheaton hat die Aufständischen nach der Provinz Morong zurückgetrieben. Am Sonnabend Abend griffen die letzteren einen Theil der Truppen des Generals Wheaton südlich von Pasig an, wobei zwei Amerikaner fielen und 20 verwundet wurden. Am Sonntag fru trieb der General Wheaton die Aufständischen fünfzehn englt Meilen weit nach Süden zurück, wobei sie zweihundert
zurückließen. Der Verlust der Amerikaner war gering.
Der Etat des Auswärtigen Amts wurde schließlich mit 136 gegen 32 Stimmen ge⸗
es handele sich der Arbeiter, son⸗ dern auch um die Sicherheit der nationalen Vertheidigung. wahre Ursache der Explosion vom Sonnabend sei noch nicht festgestellt,
doch handele es sich bei derselben nicht um eine Böswilligkeit. Er habe angeordnet, die Ueberwachung überall zu verdoppeln, um die Wiederkehr ähnlicher Ereignisse zu vermeiden. Die einen Gesetzentwurf an, nach und Konsuln das Recht ertheilt werden soll, im Auslande die Eheschließung
Hierauf wurde die Berathung des Frankreich dem
Die Generaldiskussion über 8 Marinebudget
Nach einem Telegramm des „Reuter'schen Bureaus“ aus
Manila vom gestrigen Tage wäre Aguinaldo mehr als je entschlossen, den Unabhängigkeitskrieg fortzusetzen; er unter⸗ brüͤcke streng jede gegentheilige Kundgebung unter den Auf⸗ ständischen. Kürzlich habe Aguinaldo den General Lagarda in Malolos enthaupten lassen, weil derselbe Vorstellungen wegen der Aussichtslosigkeit einer Fortsetzung des Kampfes gemacht habe.
Parlamentarische Nachrichten.
Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs⸗
tages und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten Beilage.
— In der heutigen (61.) Sitzung des Reichstages, welcher der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. Graf von Posadowsky, der General⸗ leutnant von Goßler, der Staatssekretär des Aus⸗ wärtigen Amts, Staats⸗Minister von Bülow, der Staatssekretär des Reichs⸗Justizamts Dr. Nieberding, der Staatssekretär des Reichs⸗Postamts von Podbielski und der Staatssekretär des Reichs⸗Schatzamts Dr. Freiherr von Thielmann beiwohnten, erbat und erhielt zunächst der Präsident Graf von Ballestrem die Ermächtigung, dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe zum 31. März dieses Jahres, an welchem derselbe sein achtzigstes Lebensjahr vollendet, die Glückwünsche des Reichstages darbringen zu dürfen. seen⸗ Haus erledigte sodann die gestern in zweiter Lesung angenommenen Rechnungsvorlagen in dritter Lesung und setzte darauf die dritte Berathung des Reichshaushalts⸗ Etats für 1899 bei dem Etat des Auswärtigen Amts fort.
Auf eine Anfrage des Abg. Richter (fr. Volksp.), be⸗ treffend projektierte Eisenbahnbauten in Afrika und eventuelle diesbezügliche Abmachungen mit Herrn Cecil Rhodes, ant⸗ wortete der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats⸗ Minister von Bülow in längerer Rede, welche morgen im Wortlaut nachgetragen werden wird.
Zu dem Etat der Schutzgebiete lag folgender Antrag der Abgg. von Kardorff (Rp.) und Genossen (unterstützt von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und der Freisinnigen) vor: 8
„den Reichskanzler zu ersuchen, noch während der gegenwärtigen
Kriegs⸗Minister,
Tagung des Reichstages denjenigen Betrag in Anforderung zu
bringen, welcher zur Entschädigung der Gebrüder Denhardt für den durch Abtretung des Sultanats Witu an England denselben er⸗ wachsenen Schaden nothwendig ist.“
Deer Antrag wurde nach einer Debatte, an welcher sich
der Direktor der Kolonial⸗Abtheilung des Auswärtigen Amts
Dr. von Buchka und die Abgg. Dr. Lieber (Zentr.), Graf
von Oriola (nl.) und Werner (Reformp.) betheiligten,
ensthe angenommen. “ (Schluß des Blattes.)
— Die heutige (5.) Sitzung des Herrenhauses, welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen und der Minister für Landwirthschaft ꝛc. Freiherr von Hammerstein beiwohnten, eröffnete der Erste Vize⸗Präsident Freiherr von Manteuffel mit der Mittheilung, daß der Präsident Fürst zu Wied in San Margareta nicht unerheblich erkrankt sei und an die Heimreise nicht denken könne. Das Haus ermächtigt den amtierenden Vize⸗Präsidenten, an den Fürsten zu Wied ein Telegramm mit den besten Wünschen für seine Genesung abzufenden b 1 Bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in Friedrichsruh hat der Vize⸗Präsident Freiherr von Manteuffel das Herrenhaus ver⸗ treten und am Sarge des Fürsten Bismarck und seiner Ge⸗ mahlin Kränze namens des Herrenhauses niedergelegt.
Das Andenken des am 1. d. M. verstorbenen Mitgliedes Fve von Eckardstein, Vertreters des Landschaftsbezirks
ittelmark, wird in der üblichen Weise geehrt.
Neu berufen sind für die Universität Marburg der Geheime Medizinal⸗Rath Dr. Küster, auf Grund erblichen Rechts Graf Max von Landsberg.
Eingegangen ist eine Interpellation des Grafen von Mirbach, betreffend die Vorlegung eines Fideikommißgesetzes und die Herabsetzung des Fideikommißstempels.
Nach diesen Mittheilungen tritt das Haus in die Tages⸗
(Schluß des Blattes.)
— Das Haus der Abgeordneten nahm in der heutigen (50.) Sitzung zunächst in dritter Berathung den Staatsvertrag zwischen Preußen und Hamburg vom 25./17. Februar 1899 an Und beschäftigte sich dann mit Wahlprüfungen.
Die Wahl des Abg. Dr. Kersten (kons.) wird für ungültig erklärt und folgende Resolution angenommen:
die Staatsregierung zu ersuchen, den Landrath des Kreises Schlochau vgee künftig den § 5 der Verordnung vom 30. Mai 1849 zu beachten, sowie bei Bestimmung der Wahlorte die größeren Gemeinden zu berücksichtigen.
Die angefochtenen Wahlen der Abgg. Hilgendorff Lons), Kopsch (fr. Volksp.), Lüders⸗Görlitz (fr. Volksp.),
enzel (fr. Volksp.), von Baumbach (kons.), Kindler gfr. Volksp.), Freiherr von Bodenhausen⸗Lebusa (kons),
ohde⸗Wachsdorf (kons.), Kittler (fr. e: Dommes (Hosp. der fr. Volksp.), Meyer⸗Diepholz (nl.), Sielermann (kons.), Rehling (kons.) und von Christen (fr. kons.) werden für gültig erklärt. Die Wahl des Abg. Kröner (fr. kons.) wird ebenfalls für gültig erklärt und die F8.2 ersucht: den Landrath des Kreises Tocklenburg anzuweisen, bei Ein⸗ theilung der Urwahlbezirke künftig den § 4 der Verordnung über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer vom 30. Mai 1849 zu beachten.
Schluß 11 Uhr 20 Minuten. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. (Antrag von Mendel⸗Steinfels, betreffend die Be⸗ förderung der Viehzucht, und Antrag Langerhans, betreffend
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Dem Hause der Abgeordneten ist der Entwurf eines
Augführungsgesetzes zum Reichsgesetz über die Zwangs⸗
beesetgervng und die Zwangsverwaltung, nebst Begründung, e
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das Aufsteigen
Nr. 13 des „Eisenbahn⸗Verordnungsblatts“, beraus⸗ egeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 14. März, ben folgenden Inhalt: Allerhöchste Konzessions⸗Urkunde, betr. den Bau und Betrieb der Nebeneisenbahnen von Köln über Wesseling nach Bonn
und von Godorf und Wesseling nach Brühl und
ochem, sowie der Abzweigungslinien von Godorf nach Sürth und von Dransdorf nach dem Staatsbahngüterbahnhofe Bonn durch die Aktien⸗ gesellschaft der Köln⸗Bonner Kreisbahnen (Aktiengesellschaft der Vor⸗ gebirgsbahn Köln. —Bonn), vom 15. August 1898. — Allerböchste Kon⸗ zessions⸗Urkunde, betr. den Bau und Betrieb einer vollspurigen Neben⸗ eisenbahn von Derenburg über Silstedt nach Minsleben durch die Halberstadt⸗Blankenburger Eisenbahngesellschaft, vom 25. Oktober 1898. — Bekanntmachung des Reichskanzlers, betr. die dem inter⸗ nationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr beigefügte Liste, vom 19. Februar 1899. — Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeiten: vom 22. Februar 1899, betr. Ausübung des staatlichen Auf⸗ sichtsrechts über die Eisenbahn von Derenburg über Silstedt nach Minsleben; vom 1. März 1899, betr. Ausübung des staatlichen Auf⸗ sichtsrechts über die Eisenbahnen von Köln über Wesseling nach Bonn Rheinuferbahn) und von Godorf und Wesseling nach Brühl und
ochem, sowie der Abzweigungslinien von Godorf nach Sürth und veg Dransdorf nach dem Staatsbahngüterbahnhofe Bonn. — Nach⸗ richten.
Nr. 21 des „Centralblatts der Bauverwaltung’, heraus⸗ gegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 18. März hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienst⸗Nachrichten. — Nichtamt⸗ liches: Hof⸗Baudirektor a. D. Josef von Egle †. — Der Kaiserthurm auf dem Karlsberge im Grunewald bei Berlin. — Der Plan einer neuen Technischen Hochschule in Danzig. — Die Eröffnung der Großen Zentralbahn in England. — Brückenträger mit durchbrochenen Wandungen. — Vermischtes: Schinkelfest des Berliner Architekten⸗ Vereins. — Preisbewerbung um Wohnhausentwürfe für Ober⸗ kassel a. Rh. — Weichenlineal. — Aufnahme der deutschen Bauern⸗ häuser in Schleswig⸗Holstein. — Patente. — Gebrauchsmuster.
Statistik und Volkswirthschaft.
W Zur Arbeiterbewegung. 8 Die Arbeitseinstellung der Schneider Hamburgs und Um⸗ gegend ist, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern proklamiert worden; etwa 1500 Schneidergesellen sind an dem Ausstande betheiligt. 65 Ge⸗ schäfte mit etma 450 Gesellen haben die neuen Lohnbedingungen an⸗ erkannt. Am Mittwoch wird die Schneiderinnung Stellung zu dem Lohntarif nehmen. Man hofft, daß im Laufe der Woche der Ausstand beigelegt werden wird. ““ 68
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Kunst und Wissenschaft.
Ueber die Neuerwerbungen ꝛc. der Königlichen Museen im letzten Quartal des vergangenen Jahres (s. a. Nr. 66 des „R.⸗ u. St.⸗A.“*) ist noch Folgendes zu berichten:
Unter den für die Egyptische Abtheilung durch Ankauf erworbenen Gegenständen verdienen Hervorhebung: die Mumienhülle eines Knaben mit dem Ramen Peinacht, aus römischer Zeit (so gedacht, als ob der Todte mit Kopf und Brust aus der in egyptischem Stil gehaltenen Hülle heraussehe; das Gesicht bekränzt, mit Glasaugen und halb geöffnetem Munde); das Besatzstück eines Tuches aus spätrömischer Zeit, mit eingewebter bunter Darstellung eines Pfans; ein Tintenfaß aus Fayence in Form eines Kästchens (aus optischer Zeit). — Die älteste der Grabkammern, die des sogenannten Amten (richtiger Meten), die in völligem Zerfall begriffen war, wurde in dem bisherigen Gipssaal wieder aufgestellt. Das Salz, mit dem die Blöcke der Kammer durchsetzt waren, wurde durch Auslaugen entfernt, und die zerfallenden Oberflächen sind durch eine Tränkung wieder gefestigt worden. Die Sammlung hat sich damit eines ihrer werthvollsten Besitzthümer gesichert, denn diese Kammer ist noch älter als die Zeit des sogenannten Alten Reiches, der die großen
yramiden und die Gräber von Gizeh entstammen. Von diesen etzteren unterscheidet sie sowohl das Alterthümliche ihres Stiles als auch der ungewöhnliche Inhalt der Inschriften, die mit der amtlichen Laufbahn des Verstorbenen bekannt machen und von den Bauten und Gäͤrten erzählen, die er sich angelegt hat. Amten lebte gegen Ende der dritten Dynastie (um 3000 v. Chr.) und bekleidete am Hofe das Amt des Ober⸗Jägermeisters. G
Für das Kupferstich⸗Kabinet wurden neu erworben Bücher mit Holzschnitten und Kupferstichen, ferner Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte und Lithographien aus älterer und neuerer Zeit, letztere zum tbeil aus Mitteln des Landeskunstfonds. Als Geschenk erhielt das Kunstkabinet 398 Blätter Kupferstiche, Holzschnitte, Reproduk⸗ tionen ꝛ7. als Vermächtniß des Geheimen Justiz⸗Raths Professor Dr. von Cuny, ferner 71 Blätter Kupferstiche, Holzschnitte und Litho⸗ Faphien moderner Meister als Vermächtniß des Geheimen Bauraths
heitmeyer.
Für die National⸗Galerie wurden im letzten Quartal 1898 angekauft die Oelgemälde „Selbstbildniß“ (mit dem fiedelnden Tod) von A. Böcklin und „Ein Sorgenkind“ von F. Freiherrn von Habermann. Von den auf der Großen Berliner Kunst⸗Ausstellung 1898 erworbenen fünf kleineren Bronze⸗Bildwerken wurden die von Fr. Klimsch („Tänzerin“), Konstantin Stark („Träumerei“), Th. von Gosen („Geigenspieler“) abgeliefert. — Aus dem Nachlaß des Pro⸗ fessors Geselschap wurde eine größere Anzahl von Kartons und Studien zu seinen Wandgemälden und Entwürfen für die Ruhmes⸗ halle des Zeughauses in Berlin, die Friedens⸗Kirche in Potsdam, das Kaiserhaus in Goslar und das Rathhaus in Hamburg erworben.
Das Museum für Völkerkunde hatte wiederum sowohl in der ethnologischen Abtheilung wie in derjenigen der vorgeschichtlichen Alterthümer mannigfache Bereicherungen zu verzeichnen, sowohl durch Ankäufe und Geschenke wie (in der letzten Abtheilung) durch die im Auftrage der General⸗Verwaltung der Königlichen Museen ver⸗ anstalteten Ausgrabungen.
A. F. — Vor Eintritt in die Tagedordnung der März⸗Sitzung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie legte Herr Busse eine Anzahl von ihm in der Gegend von Lebus gesammelter eiserner Fisch⸗Speere vor, Geräthe, die bis zum gesetzlichen Verbot des Fischstechens im Anfang des Jahrhunderts bei den Fischern im Gebrauch waren. Sie muthen uns jetzt wie die barbarischen Jagdgeräthe der Indianer an; denn sie sind meistens nicht einfache, sondern Bündel von 8 bis 9 gabelartig angeordneten Speeren, jede einzelne Spitze mit Widerhaken versehen. Nur für een Aal, den man in seinem Winterschlaf im Moor durch schwacher Luftblasen zu finden wußte, gab es einfache Speere mit langer Spitze und seitwärts angebrachten, federnden Klemmen zum Festhalten des glatten Fisches, wenn er trotz des ihm im Leibe sitzenden Widerhakens entwischen wollte. — Als Ergänzung seines vor einigen Wochen gehaltenen Vortrages über Cypern theilte Dr. Ohnefalsch⸗Richter mit, daß es durch Entzifferung einer bei Tamassos aufgefundenen zweisprachigen Inschrift in Marmor aus dem Jahre 374 v. Chr. gelungen sei, nachzuweisen (was längst aus anderen Schriftdenkmälern vermuthet wurde), daß Cypern im Alter⸗ thum Alasia hieß. Zugleich scheint aus dieser Inschrift hervorzugehen, daß die Insel zu ihrer Blüthezeit, um 1400 v. Chr., von Königen griechischen Stammes beherrscht war. — Professor von Luschan legte drei aus Vorderasien stammende eiserne Geräthe vor, welche große Aehn⸗ lichkeit mit als Waldmesser gekennzeichneten, beim Holzfällen benutzten alterthümlichen Geräthen besitzen, die heute noch sich in den Alpen⸗ ländern vorfinden. Herr Seeler will ganz ähnlichen auch in Mexico begegnet sein. — Unter den hierauf folgenden zahlreichen Mitthei⸗ lungen vom Vorstandstisch war der Bericht eines Comités von Interesse, das sich zur Errichtung eines Denkmals für den um die Erforschung von Togo verdienten, seinem Forschungsdrang zum Opfer gefallenen Dr. Wolf⸗Kling⸗Bugslas vor längerer Zeit gebildet hatte und nun die Photographie des in der Nähe von Lome, am Meere, errichteten
würdigen Denkmals einsandte. — Den Vortrag des Abends bielt Prgfes. Karl von den Steinen über „das Stein⸗ Keräth der Markesas“ unter Vorlegung der bemerkenswerthesten Stücke seiner überaus reichen Sammlung. Der Vor⸗ tragende hat bei allen diesen auf der Inselgruppe schon recht selten werdenden Geräthen nicht geruht, bis er mit Sicherheit ihre Bestimmung ergründet hatte. Dabei ist es ihm gelungen, die wunder⸗ barsten Zusammenhänge zu ermitteln und so mittelbar einer künftigen Geschichte Polynesiens vorzuarbeiten. Viele dieser Steingeräthe dienten oder dienen zuweilen noch Bestimmungen, die man viel weiter zu suchen geneigt ist, während sie nahe liegen, nämlich zu häuslichen und handwerksmäßigen Zwecken, zur Herstellung der Nahrung aus der Kokosnuß, der Frucht des Brotbaums, zur Bereitung des zum Täts⸗ wieren erforderlichen Rußes u. dergl. Aber das Steinmaterial gerade der für kostbar und selten erklärten Stücke findet auf den Markesas⸗Inseln nicht und verräth einen alten andelsverkehr mit entfernten Eilanden. Mit besonderen Schwierigkeiten war die Beschaffung einer Steinschleuder ver⸗ knüpft, derjenigen Waffe, in deren Führung die Markesaner vor ihrer Berührung mit den Weißen, vornehmlich im Kampf auf dem Wasser, Meister waren. Ueberraschend war dem Vortragenden, die Ein⸗ geborenen im Besitz der bekannten Bohrspindel oder Bohrleier zu finden, an der zum Schwunggeben ringförmige (in der Mitte aus⸗ gebohrte) Steine Verwendung finden, deren Zweck dem Forscher lange verborgen blieb, bis er das Geräth als Feuer⸗ bohrer in Anwendung sah. Professor von den Steinen glaubt an eine europäische Einfüßrung und Anpassung des Geräths für werk⸗ technische Benutzung. Auch eine wunderbare Beziehung zwischen der Inselgruppe und Neu⸗Seeland gelang es dem Vortragenden fest⸗ zuüstellen. Bei den Maoris auf Neu⸗Seeland begegnet man häufig einer Art von Talisman oder Amulet, welche bei den Eingeborenen für sehr heilig gilt und in den verschiedensten Aus⸗ führungsformen, von sehr rohen bis zu sehr kunstreichen, vorkommt, während der dargestellte Gegenstand stets der gleiche ist, nämlich das Bild eines anscheinend verkrüppelten Weibes mit schief gehaltenem Kopf und heraufgezogenen Beinen. Das Räthsel dieses „Hae Tikki“ genannten Gegenstandes, dem man mpvthologische Beziehungen zuschrieb, hat nun eine unvorhergesehene Beleuchtung durch die Auffindung eines steinernen Kolossalbildes auf einer der Markesas⸗ Inseln gefunden, das bei Vergleich der vorliegenden Photographie mit jenen neuseeländischen Talismanen zweifellos als das Urbild der letzteren anzusprechen ist. Zugleich läßt das Kolossalbild auch keinen Zweifel darüber, daß es eine gebärende Frau darstell 1 8
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Der Verein für Se Kunstgewerbe wird morgen, Mittwoch, Nachmittags 3 Uhr, im Lichthofe des Königlichen Kunstgewerbe⸗ Museums die Sonder⸗Ausstellung der von Herrn Dr. Friedrich Sarre in Persien und Kleinasien (1895 — 1898) angefertiaten Aufnahmen und gesammelten Gegenstände besichtigen; Herr Professor R. Borrmann wird die Erläuterungen dazu geben. Im Anschluß an die Ausstellung hat Herr Dr. Sarre einen Projektionsvortrag über seine Reisen und Aufnahmen für Mittwoch, den 29. März, Abends 8 Uhr, i nstler⸗ hause (Bellevuestr. 3) zugesagt. 8 81
Aus Dresden wird geschrieben: Die deutsche Kunstaus⸗ stellung Dresden 1899 wird in ihrem Neußern ein wesentlich anderes Bild bieten als die des Jahres 1897. Die gesammten Ein⸗ bauten werden diesmal von den bekannten Dresdner Architekten Schilling und Gräbner geleitet. Ganz eigenartig wird zunächst die Vorhalle wirken, welche durch stilistisches Holzwerk in eine Art Blumengarten verwandelt ist; von Kunstwerken wird hier nur die Büste Seiner Majestät des Königs Albert von Rudolf Baumbach aufgestellt werden. Die große Mittelhalle, welche 1897 als Gartenanlage behandelt war, gegenwärtig aber edielt ist, wird mit Holzeinbauten in kräftigen Farben (der
ußboden roth, die Wände orange⸗gelb) ausgestattet sein. Die Ge⸗ mäldesäle werden mannigfache Grundfarben (roth, blau, gold, grau, grün) aufweisen. Max Klinger erhält einen besonderen Saal, in dem sein großes Bild „Christus im Olymp“ aufgestellt wird. Die malerische Ausschmückung der drei Porzellan⸗Zimmer hat der Direktor der Königlichen Kunstgewerbeschule, Geheime Hofrath Graff über⸗ nommen. An der Ausstattung der weiteren kunstgewerblichen Zimmer werden sich Rudolf Eckmann⸗Berlin, Paul Schultze⸗Naumburg, die Münchener Pankok, Riemerschmied und Dülfer, die Dresdner Fecze. Grote, Gußmann, Kreis und Rose u. A. betheiligen. 2 6 1 E116“ 1 8 8 8 Verdingungen im Auslande.
Spanien.
Arsenal von Ferrol: Anstreichen der Kriegsschiffe und Lieferung der hierzu nöthigen Farbwaaren und Materialien für die Zeit bis zum 30. Juni 1901. Kaution (in baar oder spanischen öffentlichen Papieren) 2500 Pesetas. Bedingungen u. s. w. liegen in der Secretaria de la Comandancia General del Arsenal de Ferrol sowie im Ministerio de Marina in Madrid aus. Der Tag der Verdingung wird in der „Gaceta de Madrid“ veröffentlicht werden.
8 Theater und Mufsik.
Schiller⸗Theater.
Interessanter fast als der Versuch, Christian Dietri Grabbe's Drama „Napoleon“ aufzuführen, ein Experiment, welches das Belle⸗Alliance⸗Theater mit Glück ausführte, war das Unternehmen des Schiller⸗Theaters, der Tragödie „Don Juan und Faust 8 die Bühne zu erobern. Dies Werk, in welchem sich der Dichter bekanntlich das eigenartige Problem gestellt hat, die beiden großen Märchengestalte: Don Juan, den im Genuß Unersättlichen, und Fauft, den im Forschen Unbe⸗ friedigten, einander gegenüberzustellen, muthet wie die Arbeit eines modernen Titanen an, der sich, wie seine Vorbilder der griechischen Sage, seine Kraft überschätzend, vermaß, den Olymp zu stürmen, dabei aber unterlag. Aber auch ein großes Wollen verdient Beachtung, und dieses große Wollen ist das, was die Grabbe'’sche Dichtung trotz aller ihrer Unzulänglichkeiten so anziehend macht. Grabbe schuß die beide Helden seiner Lragöͤvie nicht; was groß an ihnen ist, nahm er, wie er e schon fertig in der Dichtung vorfand, und was er neuschaffend hinzufügt zeigt nur allzudeutlich, daß er einer so gewaltigen Aufgabe nicht g wachsen war. In Kürze ist der Inhalt der Tragödie, deren Schaupla Rom ist, folgender: Don Juan tödtet den Octavio, den Bräutigam der Donna Anna, und ihren Vater, den Gouverneur, am Tage der Hochzeit; während er aber durch diese Gewaltthaten Donna Anna erobert zu haben glaubt, wird sie von Faust auf das Zaube schloß entführt, das ihm der „Ritter“, der Abgesandte der
ölle, auf dem Montblanc errichtet hat. Donna Anna aber liebt im unersten ihres Herzens den Don Juan, und da Faust erkennt, daß es ihm nie gelingen wird, ihre Liebe zu gewinnen, tödtet er sie in rasender Leidenschaft durch die Zauberkraft eines Wortes. Der 8 vermag sie nicht mehr zum Leben zu erwecken, denn ihm gehört nu was der Hölle verfällt. Da ergiebt sich Faust der höllischen Gewalt, die auch den Don Juan mitten im Taumel des Genusses erfaßt. — Ob man den literarischen Werth der Tragödie hoch oder niedrig ein schätzt, dem Schiller⸗Theater wird man für sein muthiges agen, dieselbe zur Aufführung gebracht zu haben, die Anerkennung nicht ver⸗ sagen können, zumal da es damit auch gezeigt hat, daß es trotz der großen Schwierigkeiten, welche hier zu bewältigen waren, seiner Auf⸗ fahe vollkommen gewachsen war. Ebenbürtig standen sich die beiden Dar⸗ teller der Henzceoamn. Herr Gregori (Faust) und Herr Froboese (Don Juan) gegenüber. Der Erstgenannte wußte namentlich di Seene im Studierzimmer, in dem man von Goethe's Geist einen auch zu verspüren meinte, durch die Kraft und Eindringlichkeit einer Rede zu großer Wirkung in bringen. Aber auch sein Werben um Donna Anna in der bphantastischen Um⸗ ebung des Zauberschlosses wußte er packend zu gestalten. Froh ese war ein Don Juan von. elegantem, echt ritterlichem Gebaren,