1899 / 94 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 21 Apr 1899 18:00:01 GMT) scan diff

In der Ersten und Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs⸗ und Staats⸗Anzeigers“ wird die vom Reichs⸗ Eisenbahnamt aufgestellte tabellarische Uebersicht der Be⸗ v“ deutscher Eisenbahnen für den Monat März d. J. veröffentlicht, auf welche am Mittwoch an dieser Stelle auszüglich hingewiesen worden ist. G

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Einer Meldung des „W. T. B.“ zu⸗ Lardinal⸗Erzbischofs Krementz

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8b Bayern. n Ueber das Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Adelgunde ist gestern früh folgendes Bulletin ausgegeben worden: Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Adelgunde hat eine gute Nacht verbracht, auch heute Morgen ist ihr Zustand zufriedenstellend. Bedeutende Schwäche und Schonungsbedürftigkeit sind immer noch vorhanden. 8 München, 20. April. 8 Professor J. Bauer. Dr. Kastner. In der Kammer der Abgeordneten stand gestern ein Antrag des Abg. Lutz zur Berathung, welcher die Staats⸗ regierung auffordert, im Bundesrathe für die Erhaltung der Privatnotenbanken und gegen beschränkende Bestimmungen ügli des Diskontsatzes der Privatnotenbanken zu —Redner aller Parteien befürworteten den Antrag. Finanz⸗Minister Dr. Freiherr von Riedel erklärte, dem „W. T. B.“ zu folge, die Tendenz des Antrags sei ihm sym⸗ pathisch, und er bitte um einstimmige Annahme desselben, doch mit dem Vorbehalt, daß man auch dem Reiche gebe, was dem Reiche zukomme. Der Minister hob dann nach⸗ drücklich die Verdienste der Reichsbank um die Hütung des Gold⸗ und Baar⸗Schatzes hervor, die jedem Deutschen Vor⸗ theil bringe, und betonte, daß die Privatnotenbanken niemals die Diskontpolitik der Reichsbank durchkreuzen dürften. Der Minister⸗Präsident Dr. Freiherr von Crailsheim erklärte auf eine gelegentliche Bemerkung des Abg. Dr. Jäger: In der Eisenbahnpolitik sei der Süden nicht vom Norden uͤbervortheilt worden. Die bayerische Eisenbahnverwaltung stehe zu der preußischen in dem freundschaftlichsten Verhältniß, eine Eisenbahngemeinschaft mit Preußen sei für Bayern kein Bedürfniß und sei auch niemals von Preußen angeregt worden. Hierauf wurde der Antrag Lutz einstimmig an⸗ genommen. 1I g⸗ Sachsen⸗Coburg⸗Gotha. 8 Ihre Königlichen Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Connaught trafen mit dem Prinzen Arthur und den Prinzessinnen Margarethe und Victoria gestern Mittag in Gotha ein und wurden am Bahnhofe von Seiner König⸗ lichen Hoheit dem Herzog und den Mitgliedern der Herzog⸗ lichen Familie empfangen. BI

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Oesterreich⸗Ungaaln. Etwa hundert böhmische Landtags⸗Abgeordnet ernahmen gestern, wie „W. T. B.“ aus Prag berichtet, unter Führung des Oberst⸗Landmarschalls Fürsten Lobkowitz einen Ausflug nach Kuttenberg zur Besichtigung der wiederhergestellten historisch denkwürdigen Bauten daselbst. Bei dem aus diesem Anlaß abgehaltenen Festmahl wurden mehrere Trinksprüche ausgebracht, welche sich vornehmlich auf die politische Lage bezogen. Auf den Trinkspruch, welcher die historischen Verdienste des Adels würdigte, erwiderte Fürst Lobkowitz: er und seine Ge⸗ sinnungsgenossen seien stets ihrem Ideal, dem Volke und dem Lande nach besten Kräften zu dienen, treu geblieben. Er hege die Hoffnung, daß auch die jüngere Generation des böhmischen Großgrundbesitzes diesem Ideal treu bleiben werde. Im Namen der letzteren äußerte sich Prinz Schwarzenberg zustimmend. Ge Großbritannien und Irland.

Der Minister⸗Präsident Lord Salisbury ist Abend von Cannes nach London zurückgekehrt.

Im Oberhause beantragte gestern, wie „W. T. B.“ meldet, Lord Russel von Killowen die Annahme eines Gesetz⸗ entwurfs, welcher das Acceptieren und Zahlen geheimer Pro⸗ visionen bei Handels⸗ und anderen Transaktionen unter Strafe stellt. Der Lord⸗Großkanzler Lord Halsbury erklärte, die Regierung unterstütze die Bill auf das wärmste, behalte sich aber in Betreff der Einzelheiten ihre Stellungnahme zu⸗ nächst vor. Die erste Lesung der Vorlage wurde darauf ge⸗ nehmigt.

Im Unterhause wiederholte der Staatssekretär für

Indien Lord Hamilton auf eine Anfrage seine kürzlich abgegebene Erklärung, daß die britische Zuckereinfuhr nach Ostindien während der letzten vier Jahre durchschnittlich 900 t im Werthe von 327 000 Rupien betragen habe. Maclean (kons.) wollte beweisen, daß seine Behauptung, der Werth der Einfuhr betrage mindestens 200 000 Pfd. Sterl., auf den Ausweisen des Londoner Zollamts beruhe. Der Sprecher rief ihn zur Ordnung, da Argumente bei einer Anfrage unzulässig seien. Maclean protestierte hiergegen: er argumentiere nicht. (Ordnungsrufe auf den ministeriellen Bänken.) Maclean rief aus: „Wenn Sie mich nicht unter sich haben wollen, werde ich nach der anderen Seite des Hauses gehen.“ Er nahm sodann unter dem Beifall einiger Radikalen und unter ironischen Zurufen der Unionisten auf den Bänken der Radikalen Platz. Der Parlaments⸗Sekretär des Aus⸗ wärtigen Brodrick erklärte: die Verhaftung des Direktors der deutschen Plantage bei Apia sei auf die beschworene Aus⸗ sage erfolgt, daß derselbe gesehen worden sei, wie er die Be⸗ wegungen der Eingeborenen geleitet habe, welche britische Unter⸗ thanen und Eigenthum derselben angriffen. Das sei die gesammte Information, welche der Regierung zugegangen sei. Ausführ⸗ lichere Einzelheiten müßten abgewartet werden, ehe sich ein Urtheil über die Angelegenheit bilden lasse. Schließlich nahm

das Haus eine zum Budget eingebrachte Resuluti

Bievereinführung des Theezolles, an.

Frankreich. 3 Der König von Schweden und

gestern von Paris nach Karlsruhe abgereist.

Der Deputirte Drumont ist, wie „W. T. B.“ meldet,

Abend in Algier eingetroffen und von einer großen

nschenmenge empfangen worden. Drumont ermahnte

gestern

1 Italien.

Der König und die Königin besuchten, wie „W. T. B.“ aus Sassari meldet, gestern die Kathedrale von Alghero, in der sich das Grab eines savoyischen Fürsten befindet. Aller⸗ höchstdieselben wurden daselbst von dem Bischof von Alghero empfangen, der den Segen ertheilte. Am Nachmittag kehrten die Maj stäten nach Sassari zurück und begaben sich, begleitet von dem Minister⸗Präsidenten Pelloux und dem Minister der öffentlichen Arbeiten Lacava, nach der Kathedrale, wo sich gleichfalls das Grab eines savoyischen Fürsten befindet. Beim Nahen des Königs und der Königin läuteten die Glocken der Kathedrale; der Erzbischof empfing die Majestäten am Portal, und die Orgel spielte die Königshymne. Der Erzbischof ertheilte sodann den Segen und zelebrierte ein Tedeum. Später wohnten der König und die Königin einem Reiterfestzug im Stadtpark bei. Ueberall wurden Allerhöchst⸗ denselben von der Bevölkerung jubelnde Huldigungen dargebracht.

Spanien.

Aus Sevilla ist, dem „W. T. B.“ zufolge, in Madrid die Meldung eingetroffen, daß ein Führer der Ultramontanen sich für ein Bündniß mit den Carlisten ausgesprochen habe.

Der Kreuzer „Conde Venadito“ hat Bilbao ver⸗ lassen, um an den baskischen Küsten zu kreuzen und die Landung von Waffen zu verhindern. Der Minister des Innern Dato erklärte, die Regierung fahre fort, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um verhängnißvollen Ueberraschungen vorzubeugen.

In Granada verlautete, die Carlisten beabsichtigten, an der Küste von Motril Waffen zu landen; infolge dessen werde die Küstengegend von zwei Kompagnien Soldaten bewacht. s

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1 qEPöW 1u Die internationale Konferenz zur Regelung der Einfuhr und des Verkaufs von Spirituosen in Afrika ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Nachmittag in Brüssel zu⸗ sammen getreten. Bei der Konferenz sind elf Mächte vertreten. Auf Vorschlag des britischen Gesandten wurde der Staats⸗ Minister Baron Lambermont zum Präsidenten gewählt. Die Konferenz wird heute mit der Feststellung und Berathung ihres Programms beginnen. 1e

Rumänien.

Anläßlich des sechzigsten Geburtstages des Königs wurde gestern, wie „W. T. B.“ aus Bukarest meldet, in der Metropolitankirche ein Tedeum zelebriert. Dem Gottes⸗ dienste in der katholischen Kirche wohnte das diplomatische Korps bei. 11““

Schweden und Norwegen.

Zum Vertreter von Schweden und Norwegen bei der Konferenz im Haag ist, dem „W. T. B.“ zufolge, der Ge⸗ sandte in Rom, Freiherr von Bildt, ernannt worden.

Asien.

Der General⸗Gouverneur von französich Indochina Doumer ist, wie dem „W. T. B.“ aus Saigon berichtet wird, am 16. April in Bangkok eingetroffen. Der König von Siam und die Prinzen bereiteten ihm einen glänzenden Empfang, um zu beweisen, daß es ihnen erwünscht sein würde, 18 wieder freundschaftliche Beziehungen anzu⸗ nüpfen.

Das „Reuter'sche Bureau“ erfährt, daß ernste Meinungs⸗ verschiedenheiten zwischen den Mitgliedern der tagalischen Junta in Europa beständen. Die Mehrzahl derselben be⸗ günstige die Verhandlungen mit den Amerikanern. Vier Mitglieder, welche für die Verhandlungen seien, hätten sich nach Manila begeben. Agoncillo und zwei andere Mit⸗

glieder der Junta, welche den entgegengesetzten Standpunkt

einnähmen, seien in Europa geblieben. Afrika.

In Tripolis eingetroffene Nachrichten aus Murzuk besagen, dem „Reuter'schen Bureau“ zufolge, daß eine französische Expedition in Baghirmi angekommen sei, um den Sultan gegen den mächtigen Häuptling Rados zu unterstützen. Falls dieses Vorgehen von Erfolg begleitet sei, solle der Sultan von Baghirmi zum Sultan von Bornu gemacht werden.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Bericht über die gestrige Sitzung des Reichstages befindet sich in der Dritten Beilage.

Auf der Tagesordnung der heutigen (60.) S at des Hauses der Abgeordneten, welcher der Vize⸗Präsident des Staats⸗Ministeriums, Finanz⸗Minister Dr. von Miquel und der Minister der geistlschen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗ Angelegenheiten D. Dr. Bosse beiwohnten, stand die erste Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Dienststellung des Kreisarztes und die Bildung von Gesundheits⸗ kommissionen.

Abg. Dr. Langerhans (fr. Volksp.), von der Tribüne zur rechten Seite und zum Ministertische hin sprechend und deshalb auf der Journalistentribüne schwer verständlich, führt aus: Bei einer Medizinalreform komme es hauptsächlich darauf an, daß die Lokal⸗ instanzen möglichst gut und zweckmäßig fungieren. Allgemein habe man geglaubt, daß die Vorlage diesen Zwe erfüllen werde. Von allen Versprechungen, die frühber gemacht worden seien, finde sich aber in der Vorlage weiter nichts als eine geringe Besserstellung der Kreisärzte. Von einer Medizinalreform im größeren Stile stehe überhaupt nichts darin. Es sei alles beim Alten geblieben, wie wir es bereits seit dem Jahre 1835 hätten. In den Motiven sei davon die Rede, daß dem Kreisarzt eine größere Bewegungsfreiheit gegeben werden müsse, und nach § 5 Abs. 2 habe der Kreisarzt die Aufgabe, die gesundheitlichen Verhältnisse des Kreises aus eigener Anschauung zu beobachten und auf die Bevölkerung aufklärend und belebrend einzuwirken. Solle dies aber wirklich zur Wahrheit werden, so müßten die Gesund⸗ heitskommissionen in den ländlichen Gemeinden nicht unter den Landrath gestellt werden. Der Kreisarzt müsse eine viel größere Freiheit der Initiative haben; es sei nicht abzusehen, wie er nach diesem Gesetz die ihm gestellten Aufgaben erfüllen solle. Die Thätigkeit des Kreisarztes werde nur dann allen Anforderungen genügen, wenn sie nicht nur gut bezahlt werde, sondern auch mit derjenigen der ärztlichen Berufs⸗ vereine unr der Aerztekammern in Verbindung stehe. .

Graf Douglas (fr. kons.) bedauert gleichfalls, daß keine aus⸗ gedehntere Reform des Medizinalwesens vorgesehen sei, und wünscht, daß eine größere Popularisierung der Hygiene herbeigeführt werde. Auch bezüglich der gemeingefährlichen Krankheiten müßten gröͤßere Vorkehrungen getroffen werden.

(Schluß des Blattes.)

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Dem Hause der Abgeordne

Gesetzes, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Ar⸗ beitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von Sesg besoldeten Staatsbeamten, nebst Begrün⸗ dung und einer Denkschrift über die Ausführung der Gesetze vom 13. August 1895 und vom 2. Juli 1898 zugegangen.

Statistik und Volkswirthschaft.

Der diesjäbrige Verbandstag der deutschen Berufs⸗ genossenschaften wird am 28. und 29. Juni d. J. in Konstanz stattfinden. Gegenstände der Berathung werden sein: die Frage der Betheiligung an der Pariser Weltausstellung, die Novelle zum hepens und besonders das Zusammenwirken der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz mit den Berussgenossenschaften. Die Zahl der dem Verbande angehörenden Berufsgenossenschaften ist auf 46 gestiegen, von denen 22 über das ganze Deutsche Reich ver⸗ breitet sind, während 12 speziell dem Norden und 12 dem Süden bezw. dem Westen angehören. Nur noch eine verhältnißmäßig kleine Zahl von Berufsgenossenschaften steht außerhalb des Verbandes, aber auch auf seiten der letzteren will man hinsichtlich des Zusammen⸗ wirkens mit dem Rothen Kreuz mit dem Verbande gemeinsam vor⸗ geben. Die 46 Verbands⸗Berufsgenossenschaften repräsentieren 334 616 Betriebe und 4 277 570 Arbeiter.

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an die Jahresversammlung des Gesammt⸗ Verpflegungsstationen im Herrenhause seine Der Vorsitzende, Geheime Regierungs⸗ Rath von Massow⸗Potsdam, erstattete den Vorstandsbericht. Danach gehören, wie wir der „Nat.⸗Ztg.“ entnehmen, dem Zentral⸗ vorstand 32 Vereine im Deutschen Reiche an, welche ebenso viele Arbeiterkolonien mit zusammen 8925 Betten unterhalten. Die Arbeiterkolonien sind jedoch im vorigen Jahre bis zur Hälfte, einzelne sogar bis zu ihrer Fassungskraft nicht belegt gewesen. Die Ursache liegt, wie Herr von Massow hervorhob und auch schon in der vorgestrigen Jahresversammlung der Verpflegungsstationen konstatiert wurde, in dem wirthschaftlichen Aufschwunge auf industriellem Gebiete und den hohen Löhnen, welche den Arbeitern gezahlt würden und die auch fonst arbeitsscheue Personen zur Arbeit veranlaßten. Gleichwohl hätten die Arbeiterkolonien im vorigen Jahre 767805 Nachtquartiere gewährtz sie hätten aber noch über 506 000 Kolonisten unterbringen können. Für die Arbeiterkolonien bedeute dies einen großen Ausfall an Einnahmen. Beklagenswerth sei es, daß das Publikum gewerbsmäßigen Bettlern immer noch reichlich Gaben spende; man könne die Einnahme eines gewerbsmäßigen Bettlers im Durchschnitt auf täglich 2 annehmen. Diese Ausgaben sollte man lieber den Arbeiter⸗ kolonien und ähnlichen Instituten zuwenden, die sich bemühten, diese Arbeitsscheuen wieder einem gesitteten Leben und der Arbeitsfreudigkeit zuzuführen. Wohl gebe es unter den Kolonisten eine Anzahl mit mora⸗ lischem Defekt behafteter Individuen, welche, in Freiheit gelangt, ihre Er⸗ sparnisse sofort vergeuden und wieder in die Arbeitsscheu zurück⸗ fallen; die Mehrzahl aber, insbesondere diejenigen, welche unverschuldet in Nothlage gerathen sind, höben sich wieder und kehrten zur Arbeit zurück. Für die ersteren blieben die Arbeiterkolonien ein nothwendiges Mittel. Im Ausland interessiere man sich für die Arbeiterkolonien mehr als bei. uns, wie vielfache Anfragen an den Zentralvorstand ergäben. An den Bericht des Vorsitzenden schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher die Delegirten ihre Erfahrungen, die sie mit den Kolonisten gemacht haben, zum Ausdruck brachten.

gestern im Anschluß vorstandes deutscher Jahresversammlung ab.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Krefeld wird der „Köln. Ztg.“ zum Ausstande der

Sammetweber berichtet, daß gestern in allen Fabriken bis auf zwei die Arbeit wieder aufgenommen oder wenigstens eine Einigung erzielt worden ist, sodaß heute die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte. In Frankfurt a. M. ist der „Frkf. Ztg.“ zufolge der Aus⸗ stand der Weißbinder, Maler und Lackierer beendet. Versammlung der Arbeitgeber genehmigte am Mittwoch einstimmig die von den Lohnausschüssen pereinbarte Regelung der Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse. Gestern Nachmittag fand alsdann eine Ver⸗ sammlung der Arbeiter statt, die ebenfalls die Vereinbarungen guthieß und in geheimer Abstimmung beschloß, heute früh die Arbeit wieder aufzunehmen.

Aus Reichenbach i. Schl. meldet „W. T. B.“: Von den 220 noch ausständigen Webern der Firma Weyl u. Nassau zogen nach Empfang von Ausstandsgeldern gestern Mittag 150 in den Fabrikhof und forderten lärmend ihre Entlassungspapiere und den Lohn für die nicht fertiggemachten Webstücke; die Abrechnung konnte aber schon aus technischen Gründen nicht erfolgen. Als die Polizei er⸗ schien, zerstreute sich die Menge. Der Betrieb in der genannten wie in anderen Fabriken ist nicht unterbrochen. Vom heutigen Tage wird weiter gemeldet: Außer den Anstiftern, welchen gekündigt worden ist, haben fast sämmtliche Ausständigen die Arbeit wieder aufgenommen; somit ist der Ausstand beendet. Alle Forderungen der Arbeiter sind abgelehnt worden.

Aus Ohligs wird der „Rhein.⸗Westf. Ztg.⸗ geschrieben: Der Taschen⸗ und Federmesser⸗Schlägerei⸗Arbeiterverein des Kreises Solingen verhängte über die Firma C. G. Maus zu Solingen⸗Mangenberg den Boykott.

In Braunschweig war, wie dem „Hann. Cour.“ berichtet wird, den Maurern kürzlich von den Meistern der Vermittelungs⸗ vorschlag gemacht worden, daß für die Stunde ein Pfennig Lohn mehr gezahlt werden solle, jedoch unter der Bedingung, daß gestern auf allen Bauten die Arbeit wieder aufgenommen werden würde. Da dies jedoch nicht gescheben ist, so dürfte am Sonnabend den sämmtlichen Maurern gekündigt werden. Zwischen den ausständigen

arbeit. Der Vermittelungsvorschlag der Meister, einen Minimallohn wurde mit 88 gegen 56 Stimmen angenommen. Ausstand der Maler als beendigt anzusehen.

schlosser in den Ausstand getreten; sie verlangen Lohnerhöhung. Aus Prag meldet „W T. B.“: 200 Weber und Weberinnen ausständig. Sie verlangen Lohnerhöhung fabrik von Pächter hat eine Anzahl von Arbeitern die Arbeit eingestellt, wodurch die Kündigung anderer nothwendig geworden ist. Der Fabrikant will eine geringe Lohnerhöhung bewilligen, mit der die Arbeiter nicht einver⸗ standen sind. In Ringelsheim und Schönbach ist ein Bahn⸗ arbeiterausstand ausgebrochen. Verhandlungen zur Beilegung sind im Zuge. Am Mittwoch fanden Ansammlungen statt, bei denen es zu keiner Ruhestörung kam. Nach einer gleichfalls am Mittwoch in B udweis

die Vorschläge der Baumeister erörtert worden waren, versuchten etwa tausend Arbeiter durch die Straßen zu ziehen, wurden aber von der Polizei zerstreut. Eine Verhaftun reiche israelitische Geschäftsleute schlossen ihre Läden.

des Budoucnost ruhig verlaufen.

Aus Reichenberg in Auf der Strecke Gabel Kriesdorf legten 700 Bahnbau⸗ arbeiter die Arbeit nieder. Die Deutschen und Tschechen wollten

herangezogen.

ist der Entwurf eines

Der Zentralvorstand deutscher Arbeiterkolonien hielt 3

Eine

was seiner

dünken, als die wesentlich in formaler Nacheiferung der centisten stecken Formgebung ist ihm willkommen, um klar und tief ausdrücken zu können, was in den Gestalten seelisch vorgeht. einem eigenwilligen Künstler leicht in Uebertreibung verfällt, ist

Malern und den Innungsmeistern ist gestern eine Einigung erzielt worden. Die Maler hatten im wesentlichen verlangt; einen Minimal⸗ ge lohn von 42 ₰, 9 stündige Arbeitszeit und Abschaffung der Accord- dier bereits bekannt geworden sind. von 40 zu zahlen und die 9 ½ stündige Arbeitszeit zu bewilligen, Danach ist also der

In Mannheim sind, der „Köln. Ztg.“ zufolge, die Bau⸗-⸗

dem Beschauer persönlich nahe. wenn man in dem ihn enge Freundschaft verbindet, sieht. Seine Natur ist wesentlich anders geartet; In Georgenthal sind über

und Freigebung des 1. Mai. In der Bodenbacher Knopf⸗-⸗

abgehaltenen Versammlung des politischen Vereins Budoucnost, in welcher

wurde vorgenommen. Zahl⸗ 8 Die Nacht verlief ruhig. Gestern Vormittag ist auch eine zweite Versammlung

öhmen schreibt man der „Köln. Ztg.“: 1

am Mittwoch die Arbeit wieder aufnehmen, die Italiener wollten sie aber gewaltsam daran verhindern. Gendarmerieverstärkung ist

Zam Ausstande der belgischen Bergarbeiter wird dem „W. T. B.“ telegraphiert: Im Kohlenbecken von Seraing ist die Lage gestern sehr viel ernster geworden; es arbeiteten kaum einige Arbeiter. In einer Versammlung beglückwünschte der Deputirte Smets die Arbeiter der Cockerill'schen Kohlenberg⸗ werke, daß sie sich dem Ausstand enselehlasfhn hätten. Der Vor⸗ stand des Kohlenbergwerks Kessales bietet den Arbeitern eine Er⸗ höhung der Löhne an, die anderen Vorstände sind hierzu ebenfalls geneigt, aber die Ausständiaen weigern sich nichtsdestoweniger zu arbeiten. In Herstal ist kein Arbeiter ausständig. Die Zahl der Ausständigen im Becken von Charleroi nimmt beträchtlich zu; sie wird nunmehr auf 18 000 geschätzt. In den meisten Gruben wird jedoch noch in beschränktem Umfang gearbeitet. Ueberall berrscht Ruhe. Wie verlautet, beabsichtigen einige Hüttenwerke, aus Mangel an Kohlen die Feuer zu löschen. Wenn der Ausstand bis Sonnabend nicht beendet ist, dürften mehrere grofe industrielle Werke vorläufig geschlossen werden. Die Zahl der im Becken von Mons aus⸗ ständigen Grubenarbeiter betrug gestern 2000, also 1000 mehr als am Tage zuvor. Im Bassin du Centre wird die Zahl der Aus⸗ tändigen auf 9000 veranschlagt.

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Kunust und Wissenschaft.

In der Gesammtsitzung der Akademie der Wissen⸗ schaften vom 13. April (vorsitzender Sekretar: Herr Vahlen) las Herr Klein den ersten Theil seiner „optischen Studien“. Die, über⸗ raschenden Erfolge, welche in der Mineralogie und Petrographie mit der Methode der Totalreflexion in neuester Zeit erzielt worden sind, hätten, wie in der Abhandlung ausgeführt wird, schon längst erreicht werden können, wenn die Instrumente einfach und praktisch gewesen wären. Nachdem nun diesem Uebelstand bei den Totalreflektometern abgeholfen worden ist, lassen sich Aufgaben, die früber für sehr schwer be⸗ handelbar galten, in einfachster Weise lösen. Dies wird an einer Reihe von Beispielen gezeigt, zu denen namentlich der Anorthit und die übrigen Plagioklase (letztere in Dünnschliffen zur Betrachtung kommend) gehören. Herr Dümmler überreichte den Jahres⸗ bericht über die „Monumenta Germaniae historica“. Die Akademie hat ihrem Mitgliede Herrn Harnack zur Fortführung der Arbeiten an der Geschichte der Akademie 1000 bewilligt. Die philosophisch⸗historische Klasse bewilligte Herrn Dr. Wilhelm Kroll in Breslau zur Herausgabe der „Commentarii in Platonis rem publicam“ des Proclus 1000 ℳ; Herrn Dr. Max Reich in Berlin zur Sammlung und Verzeichnung handschriftlicher Erak mus⸗Briefe 1800 ℳ; Herrn Bibliothekar Dr. Georg Steinhausen in Jena zur Indrucklegung des zweiten (Schluß⸗) Bandes seines Werkes „Deutsche

Privatbriefe des Mittelalters“ 400

†t Zwei interessante Kollektiv⸗Ausstellungen sind gegen⸗ wärtig in den hinteren Räumen des Kunstsalons von E. Schulte vereinigt. Der bekannte Münchner Thiermaler Heinrich Zügel hat eine ansehnliche Zahl seiner neueren Arbeiten zu einem achtung⸗ gebietenden Ganzen vereinigt. Daß eine solche lange Reihe von

egenständlich durchaus gleichartigen Bildern Zügel malt fast aus⸗ schlieblich Schafherden nicht ermüdet, vielmehr von Anfang bis zum Ende den Beschauer fesselt, ist allein schon ein Zeugniß für die große künstlerische Kraft, die in diesen Bildern steckt. Der Thierfreund und Kenner wird sicherlich noch in weit höherem Maße Anregung und Befriedigung seines Interesses empfinden als der Kunstfreund, den allein die frische und gesunde Art der Wiedergabe eines Stücks un⸗ verfälschter Natur an Zügel'’s Werken entzückt. Bei aller Breite und scheinbaren Sorglosigkeit des Vortrags erzielt der Maler eine über⸗ raschende Intimität der Stimmung. Das Sonnenlicht, das sich über die Viehweiden der Elbmarschen breitet, das saftige Grün der Vegetation und last not least die schier phystognomische Vielgestaltigkeit seiner Thierschilderung halten stets die Aufmerksamkeit wach und bereiten einen ungetrübten Genuß. Feine Beobachtung läßt den Maler Züge des Thierlebens aufgreifen, an denen der stumpfe Blick achtlos abgleiten würde. Wie anmuthig weiß er die selbstbewußte Koketterie der Lieblinge des Kuh⸗ hbirten zu geben, die ihrem Hüter zur besonders ausgesuchten Weide folgen; das Nachdrängen der Herde hinter dem Leithammel, die Amtswichtigkeit des Schäferhundes, die Eigenwilligkeit der Ziegen, die lässige Haltung der ausgespannten Ackergäule wir lernen alles mit geschärftem Blick betrachten, und genießen durch die Vermittelung des Künstlerauges doppelt. Daß die stoffliche Wiedergabe des grauen Wollpelzes der Schafe, der glatt gestirnten Kühe u. s. w. durchaus Nauf der Höhe virtuoser Technik steht, ohne doch ins lehrhafte, ab⸗ bildungsmäßige zu fallen, bedarf kaum besonderer Betonung. Gegen⸗ über diesem frischen Naturhauch, der den Bildern Zügel's entströmt, muthet die Kunst Wilhelm Steinhausen's etwas blaßblütig an. Trotzdem hat auch dieser Frankfurter Einsiedler sich tief in das Leben der heimathlichen Natur versenkt. Er holt aber aus ihr heraus, 8 zarten, zu grüblerischer Weichmüthigkeit geneigten Empfindung zusagt. In seinen figürlichen, meist der heiligen Ge⸗ schichte entlehnten Darstellungen, wie der Schilderung Johannes des

Täufers, des Nikodemus u. A., wandelt er die Bahnen der Nazarener⸗

kunst: nur will uns seine Auffassung inniger, psychologisch Ftefene uattro⸗ gebliebene Malerei eines Overbeck. Die asketische

Daß das bei

zu begreifen. Die Einfachheit der lithographischen Technik, die Steinhausen vielfach für feine Vorwürfe benutzt hat, behütet ihn

eher vor solchen Mißgriffen als die Oeltechnik, obwohl er auch diese

in strenge und schlichte Grenzen zwängt. Seine Landschaften, die denen

von Hans Thoma an Reichthum und Tiefe der Empfindung nicht selten überlegen sind, beweisen, daß nicht etwa Unvermögen solche Be⸗ schränkung der Mittel veranlaßte. Sie dürften dem bereits im drei⸗ undfünfzigsten zum ersten Mal mit so

stebenden Künstler, der in Berlin zahlreichen Proben seines Talents erscheint, noch mehr Freunde zuführen als die biblischen Darstellungen, die übrigens soweit sie in Steindruck aus⸗ geführt sind durch eine Ausstellung der Firma Amsler u. Ruthardt Ein Selbstporträt in halber igur und ein zweites, das den Maler im Verein mit seiner Gattin n einem herbstlich sich bräunenden Park darstellt, rückt seine Eigenart Man thut Steinhausen Unrecht, Nachahmer Thoma'’'s, mit

Lebensjahre

ihm lediglich einen

der schwerblütige Niedersachse seine Familie stammt aus der Gegend des Harzes hat mit dem idyllisch

veranlagten Sohn des Schwarzwaldes nur die Neigung gemein, das innerlich Erworbene und Gewordene höher zu stellen als das äußerlich Angelernte, eine Anschauung, die ebensowohl zum Glück wie zum

Verhängniß eines Künstlerlebens werden kann. 8 Die deutsche Kunstausstellung Dresden 1899 ist, wie

8 das „Dresdner Journal“ berichtet, in Anwesenheit Seiner Majestät des Königs Albert, des Allerhöchsten Protektors der Ausstellung, Ihrer Majestät der Königin, Ihrer Königlichen Hoheiten des

Prinzen Georg, des Prinzen Friedrich August, des Prinzen und der

Prinzessin Johann Georg, des Prinzen Albert und der

Peneihe Mathilde, ferner der Staats⸗Minister sowie zahlreicher

ofwürdenträger und Vertreter der Königlichen und städtischen Be⸗

1 hörden gestern Mittag 1 Uhr feierlich eröffnet worden. Die Allerhöchsten

und Höchsten Herrschaften wurden in der Kuppelhalle des Ausstellungs⸗

1 palastes von den Mitgliedern der Ausstellungs⸗Kommission, an deren

Spitze der Vertreter der Königlichen Staatsregierung, Geheime

kulpturenhalle

geleitet. Nachdem der Sängerchor der Kreuzschule unter Leitung des Musikdirektors Professor Dr. Wermann das „Salvum fac regem“

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Regierungs⸗Rath Dr. Roscher und der Ober⸗Bürgermeister Beutler ehrfurchtsvoll begrüßt und alsdann in die große

Ausstellungs⸗Kommission Professor Kuehl eine Ansprache an Seine Majestät den König, die mit einem Hoch auf Allerhöchstdenselben schloß. Im Auftrage des Königs erklärte nunmehr der Geheime Regie⸗ rungs⸗Rath Dr. Roscher die Ausstellung für eröffnet. Als die be⸗ geisterten Hochrufe verklungen waren, stimmte der Sängerchor der Kreuzkirche die Grüllich'sche Sachsenhymne „Heil, König, Dir im Ruhmeskranz“ (Komposition von O. Wermann) an. Damit hatte die festliche Handlung ihr Ende erreicht. Unter Führung von Mit⸗ gliedern der Ausstellungskommission traten hierauf die Allerhöchsten 85 Höchsten Herrschaften einen Rundgang durch die Ausstellungs⸗ räume an. Die Ausstellung umfaßt 553 Oelgemälde, 260 Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen, 359 Radierungen, Lithographien und Holzschnitte, 302 Bildwerke, dazu eine reiche Sammlung kunstgewerblicher Erzeug⸗ nisse (102 Nummern), einschließlich 15 Zimmereinrichtungen, weiter die Lukas Cranach⸗Ausstellung und die Sammlung von Alt⸗Meißner Porzellan. Das Hauptverdienst an der Gesammtleistung kommt den Herren Professoren Kuehl und Architekt Gräbner zu, die gemeinsam den Plan des Ganzen entworfen und die Ausführung bis in alle Einzelheiten überwacht haben. Die Gemälde haben die Vertreter der einzelnen Künstlervereine selbst in den be⸗ treffenden Räumen angeordnet; die ungemein schwierige Auf⸗ stellung der Bildwerke hat an Stelle des Professors Treu, der gemeinsam mit Professor Diez ihre Auswahl getroffen hat, zumeist Inspektor Kühnent geleitet; die kunstgewerbliche Abtheilung haben die Herren Geheimer Regierungs⸗Rath von Seydlitz und Architekt Gräbner zusammengebracht und aufgestellt; Professor Dr. Lehrs hat allein die graphische Abtheilung ausgewählt und angeordnet; endlich haben Professor Berling und Oberstleutnant von Haugk das Meißner ee. gesammelt, während Geheimer Hofrath Professor Graff die usschmückung der drei Zimmer dafür entworfen und angeordnet hat.

Ein kurzer Rundgang, auf dem wir ebenfalls dem „Dresdner Journal“ folgen, mag die Anordnung des Ganzen kurz darlegen. Die Kuppelhalle ist in sehr eigenartiger Weise geschmückt. In der Mitte steht die symbolische Gestalt des „elektrischen Funkens“ von Reinhold Begas in Berlin, während die Wände mit ihrem geschnittenen und grün gestrichenen Holzwerk einen heiteren Garten vor⸗ täuschen. Natürlicher Rasen verstärkt die Illusion. Die an den Kuppelbau sich anschließende imposante große Halle, die der Plastik gewidmet ist, ist gänzlich anders ausgestattet als 1897,. aber nicht minder wirksam. Gelbe Wände mit einem blauen Fries schaffen für die Bildwerke einen eigenartigen Hintergrund. Das Hauptstück ist ein Brunnen von Rudolf Maison, ein Werk von imposanten Größenverhältnissen Im Hintergrunde ist eine Estrade errichtet, deren Mitte Tuaillon's kolossaler „Siegesreiter“ einnimmt. Rings umher sind eine Fülle von Bildwerken vertheilt, von denen als besonders in die Augen fallend hervorgehoben seten die Büste Seiner Majestät des Königs Albert von Max Baumkbach, die beiden Sarkophage des Hochseligen Kaisers Friedrich und Strousberg's von Begas, die Soldatengruppe „Der Durst“ von Cauer, das Grabmal der Frau Schweighofer von Robert Diez, das „Schicksal' und die „Haide“ von Hugo Lederer. Der bon der Kuppelhalle auf der linken äußersten Seite gelegene Saal ist Max Klinger in Leipzig überlassen worden. Hier ist dessen ge⸗ waltiges Gemälde „Christus im Olymp“ in vornehmer und wirksamer Weise aufgestellt worden, dazu einige Bildwerke desselben Meisters, besonders eine wundervolle „weibliche Herme“, die hier zum ersten Male an die Oeffentlichkeit tritt. Zur Linken (Saal 2) findet man den mit alten Gobelins aus dem Königlichen Schlosse geschmückten Saal des Leipziger Bildhauers Karl Seffner, darin u. a. die Büste Seiner Majestät des Königs, eine Büste Max Klinger's und zahlreiche andere Büsten hervorragender Persönlichkeiten der Leipziger Gelehrten⸗ welt. Außerdem sind hier das der Stadt Dresden gehörige große Bildniß Seiner Majestät des Kaisers von Hermann Prell und ein Knabenbildniß von Paul Kießling ausgestellt. G

Zur Rechten vom Klinger⸗Saale liegen drei kleinere Kabinette (3 bis 5), darunter das von Hans Unger persönlich ausgeschmückte und nur mit seinen eigenen Gemälden ausgestatte violette Kabinett (5), in dem noch einige Bildwerke von Franz Stuck ihren Platz gefunden haben. Im sechsten Saale, der in pompejanisch⸗rother Farbe gehalten ist, haben die Karlsruher und die Düsseldorfer Künstlergenossenschaften ihre Stelle, darunter Karl Junker („Reiterin“ in Lebensgröße), Hellwag („Nach Sonnenuntergang“), Eduard von Gebhardt („Der ungläubige Thomas“, „Abendmahl*), Munthe, auch Hans Thoma, Trübner einige Worps⸗ weder und Stuttgarter, darunter Robert Haug („Kampf in einem Kornfeld“*). Im folgenden siebenten Saale (Goldton) sind die Ge⸗ mälde der Münchener Genossenschaft untergebracht; am meisten fallen hier in die Augen Louis Corinth's „Kreuzigung“, „Die heilige Nacht“ von Walther Firle, die von Engeln angebetete Madonna von Karl Marr, Fritz Bärz’s „Herbst⸗ abend im Eichwald“, Charles Palmié'’s „Abenddämmerung“, „Kain und die Flora“ von Kunz Meyer. Der achte Saal (röthliche Wände) gehört der Dresdner Kunstgenossenschaft; vertreten sind hier u. A. Franz Schreyer („Im Moor“), Jacques Schenker („Winter⸗ abend*), Albert Stagura („Ort des Friedens“) und Otto Rofsoe („Mariä Verkündigung“). Die Mitte nimmt das „Waldmärchen“ von Rudolf Hölbe ein. Auch sind hier einige ältere historische Ge⸗ mälde von Ferdinand Pauwels untergebracht. Der neunte Saal (weiße Wände) enthält Gemälde und Radierungen von Richard Müller, Georg Lührig, Karl Mediz und Emilie Pelikan⸗Mediz. Wendet man sich sodann zur Linken, so gelangt man zu dem vor⸗ nehmen, mit grünem Sammet ausgeschlagenen zehnten Kabinet, wo Gotthard Kuehl, Leon Pohle, Paul Kießling, Friedrich Preller und Robert Diez ihre Werke vereinigt haben. Die drei folgenden Kabinette enthalten die Ausstellung von Alt⸗Meißner Porzellan, und zwar ge⸗ langt man zunächst in das Empire⸗Zimmer (Marcolinische Zeit), dann in das Rococo⸗Zimmer (Periode Kändlers) und endlich in das Herold⸗Zimmer (1720 bis 1733). Die drei Zimmer sind im Stile der jeweiligen Zeit sowie mit echten Möbeln und Gemälden, zumeist aus Königlichem Besitz, prächtig ausgestattet, und die kostbaren Por⸗ zellane sind in dekorativer Weise geschmackvoll aufgestellt.

Ein Durchgangsraum (14) enthält namentlich köstliche Glas⸗ gemälde von Hans Christiansen in Paris, Emailmalereien von Schirm in Berlin nach Ludwig von Hofmann und ein dekoratives Gemälde von Paul Schultze⸗Naumburg. Es folgt ein Schlafzimmer (15) der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk in München von Bernhard Pankok und ein Raum für Kunstgewerke (16 bis 18) von Karl Groß, hergestellt unter Mitwirkung von Dresdner Künstlern und Kunsthandwerkern.

Die beiden folgenden Räume sind der Lukas Cranach⸗Ausstellung (19 und 20) gewidmet, die Karl Wörmann mit der vollen kunst⸗ historischen Sachkenntniß zusammengebracht und mit dem von der Königlichen Gemälde⸗Galerie her bekannten feinen Geschmack angeordnet hat. Diese Abtheilung bildet einen Glanzpunkt; man wird von der Dresdner Ausstellung an den alten Meister höher einschätzen lernen als bisher. Die große Halle neben dem Restaurant ist durch Zwischen⸗ wände in drei Schiffe (21 bis 23) getheilt und enthält Gemälde von Weimarischen, Hamburger, Holsteiner und einigen Dresdner Künstlern. Es folgen die beiden Berliner Räume (24 und 25), deren größerer sein Gepräge durch Anton von Werner’s Forofsae⸗ bild „Am 26. Oktober 1890“ (Beglückwünschung Moltke’s) erhält, während der kleinere und künstlerisch werthvollere u. a. Koner's Bildniß des Fürsten Herbert Bismarck, Hugo Vosgel'’s „Mutter und Kind“ und Max Liebermann's „Kinderspielplatz“ aufweist. Die graphische Ab⸗ theilung, die mit einer einzigen Ausnahme nur Originalarbeiten der Radierung, der Lithographie und des Holzschnitts aufweist, nimmt die folgenden drei Räume (26, 27, 28) in neun Abtbeilungen ein. Man findet dort nach einander Werke aus Dresden (Sezession), Weimar, Worpswede, Berlin, dann im Mittelraume die hervorragenden e Max Klinger's, Arnold Böcklin's und Max Liebermann's.

eiter folgen Karlsruhe, das die umfänglichste und bedeutendste Aus⸗ stellung auf diesem Gebiet zur Schau gebracht hat, dann Frankfurt

2 Thoma), Düsseldorf, Wien, Prag und wiederum Dresden (Kunstgenossenschaft). Die ganze, vom Professor Lehrs zusammen⸗

weder und die Düsseldorfer Sezession getheilt haben. Gemälde von Fritz Mackensen und Karl Vinnen bestimmen hier den Eindruck. Unter den Düsseldorfer Gemälden fällt besonders das Kolossalgemälde „Rückkehr von Rußlands Schneefeldern 1812“ von Arthur Kampf auf; daneben 8 man Olof Jernberg's „Wald⸗ inneres im März“, Kämpf's 8 Dirks, die „Bauerahochzeit“ von Bernhard Winter und Landschaften von Hermann Lasch.

das mit seinen

von Felix Dräseke vorgetragen hatte, richtete der Vorsitzende der gestellte Abtbeilung zeigt, einen wie hohen Standpunkt die graphische Kunst gegenwärtig in

eutschland einnimmt. 1t Ein besonderes Kleinod der Ausstellung bildet das Lenbach⸗Zimmer

mit sechs auserlesenen Bildnissen des Münchener Meisters, darstellend

Seine Majestät den König Albert, Seine Königliche Hoheit den

Prinz⸗Regenten Luitpold von Bayern, den Fürsten Bismarck in Zivil,

den Dichter Allmers, ferner zwei Damenbildnissen. .

Reinhold Begas, Karl Seffner (Büste Seiner Majestät des Königs

und Eduard Beyrer ergänzen die Ausstellung des prächtigen aumes.

Skulpturen von

Es folgt der Saal 30 (bläulicher Ton), in den sich die Worps⸗ Die großen

Begräbnißbild“, die „Störfischer“ von

Hieran schließen sich die drei Säle: der Münchener (golden), der

Dresdner (bläulich) und der Karlsruher Sezession (grün) (31—33). Unter den Werken der Münchener Meister begegnet man Arbeiten von Freiherr von Habermann (Bacchantin, Herodias, Damenbildniß in roth), Herterich [Ophelia), Stuck (Pallas Athene, Bildniß des General⸗ Musikdirektors d besonders fallen in die Augen drei breit gemalte Thierstücke von Rudolf Schramm aus Zittau. steht eine Marmorgruppe „Mutter und Kind’ von Pöppelmann; ferner findet man hier hervorragende Werke von Karl Bantzer, Wilhelm Ritter, Pietschmann, Sterl, Pepino, MüllerBreslau und Anderen. Unter den Karlsruhern endlich ragen hervor die Werke von Graf Leopold von Kalckreuth (⸗Gewitterwolken“, „Unser Lehen währet 70 Jahre“), dann Kallmorgen („Maas bei Rotterdam“), Schönleber

evt) und Paul Schultze⸗Naumburg („Der Reiter“); In der Mitte des Dresdner Saales

(„Enzwehr*), Carlos Grethe (drei Seestücke), Pötzelberger („Waldes⸗

kühle“) und Hans von Volkmann (⸗Abendsonne“).

Durch ein eigenartiges Portal gelangt man dann zu der Ober⸗ lichtnische (34), die Adolf Hildebrand's „Luna“ birgt, und links schreitet man durch eine Reihe von Zimmereinrichtungen: Vorraum (35) von Bruno Paul (Vereinigte Werkstätten in München), Deutsche Stube (36) von Hermann Billing in Karlsrube; Treppenhaus (37) von Max Rose in Dresden mit Kaminnische von Max Läuger und Glasgemälde von Josef Goller, Speisezimmer (38) von Martin Dülfer in München; Zimmer 39 mit Möbeln von Johann Ernst Sattler in Loschwitz, Kunstrerglasung von E. Proch in Worpswede (ausgeführt von Gebr. Liebert in Dresden); Jagdzimmer (40) von Hans E. Berlepsch in München; Kinderzimmer (41) von Otto ÜUbbelohde und Karl Bertsch; Zimmer 42 mit Möbeln von Ludwig Hohlwein, ausgeführt von A. Pössenbacher, und Glasfenster von Richard Müller; Zimmer 43 mit geschnitzter Decke und gemaltem Glasfenster von Orto Gußmann in Dresden; Musikzimmer (44) von Richard Rimerschmid (Vereinigte Werkstätten in München). Saal 45 endlich enthält 29 Bildwerke von Adolf Hildebrand

Literatur.

In Paris ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern der bekannte Lustspieldichter Edouard Pailleron, Mitglied der Académie Française, gistorben. Er war am 17. September 1834 ebendaselbst geboren und begann seine Laufbahn als Kanzlist bei einem Notar. Ein Einakter „Le Parasite“, mit dem er im Jahre 1860 im Odéon⸗ Theater debütierte, während er gleichzeitig einen Band satirischer Gedichte „Les Parasites“ herausgab, bahnte ihm den Weg zum Théatre Frangais. Hier gelangte im Jahre 1863 sein „Dernier quartier“, worunter die letzte Phase einer Flitter⸗ wochenzeit zu verstehen ist, zur Auffuͤhrung. Geringeren Erfolg hatte Pailleron mit einem ebenfalls noch in Versen geschriebenen, dreiaktigen Lustspiel „Le second mouvement“ (1865), auf das im Jahre 1868 der Einakter in Prosa „Le monde l'on s'amuse“ folgte. Erst 13 Jahre später erschien das Werk, das ihn berühmt machte und eines der bewährtesten Zugstücke des Théaàtre Français werden sollte, „Le monde l'on s'ennuie“ (1881), Anspielungen auf die akademische Welt und den Salonphilosophen Caro nicht verhinderte, daß der Verfasser kurz darauf (1882) zum Mitglied der Akademie gewählt wurde. Vorher hatte Pailleron die Stücke „Faux ménages“ (1869), „Hélène“, „L'autre motif“ (1872), „Petite pluie“ (1875), „L'étincelle“, „L'age ingrat’ (1879), „Le chevalier Trumeau“ (1880) aufführen und zum theil in der Zeitschrift „Revue des Deux Mondes“ erscheinen lassen, der er als Schwiegersohn Buloz', ihres Begründers, nahe stand. Nach „La Souris“ (1887) folgte im Jabre 1893 „Cabotins“, eine Satire auf das Komödiantenthum in der Politik, der Kunst⸗ und Schrift⸗ stellerwelt, in der Coquelin der Jüngere sich selbst auf der Bühne karikierte. Die meisten der vorgenannten Stücke sind übersetzt auch auf deutschen Bühnen mit Erfolg in Scene gegangen. Minder be⸗ kannt sind bier die Gedichtsammlungen des Verstorbenen: „Amours et haines“ (1869, neue Ausgabe 1888), „Prière pour la France“ (1871) und „La Poupée“ (1884). 8

Land⸗ und Forstwirthscht. Saatenstand in Oesterreich. b

Bericht des K. K. Ackerbau⸗Ministeriums nach dem Stande 8 zu Mitte April 1899. Obgleich die Wintersaaten größtentheils bloß lagen, da es an der schützenden Schneedecke fehlte, überwinterten dieselben doch ver⸗ hältnißmäßig recht gut, und sind nur spätgebaute Saaten, die unter der Trockenheit und durch Spätfröste zu leiden hatten, schütter ge⸗ blieben, jedoch zumeist nicht in dem Maße, daß Umackerungen noth⸗ wendig geworden wären, worüber Nachrichten nur aus einigen Gegenden Ober⸗Oesterreichs vorliegen. Die Saaten konnten im Herbste meisten⸗ theils frühzeitig in den Boden gebracht werden, haben sich fast ausnahmslos schön bestockt und zeigen einen recht günstigen Stand. Im allgemeinen hat Weizen besser als Roggen überwintert und steht besonders in einigen Distrikten von Görz sehr üppig. Die Märzfröste haben jedoch häufig ein Gelbwerden der Blattspitzen bewirkt. Die im Monat März eingetretene kühle Witterung rief einen Stillstand in der Vegetation hervor, und wärmere Tage wären nun schon sehr erwünscht. Raps hat nur in Galizien und in der Bukowina gut überwintert, und es haben dieser Frucht daselbst auch die Spätfröste nicht viel geschadet. In Böhmen und Mähren jedoch, wo der Raps im verflossenen rferbg häufig schon sehr ungleich aufgegangen war, stehen diese Saaten schütter, und mußten nicht selten Umackerungen vorgenommen werden. Infolge der günstigen Witte⸗ rungsverhältnisse konnte die Bodenbearbeitung leicht und früh⸗ zeitig bewerkstelligt werden, sodaß schon anfangs März, vereinzelt sogar schon Ende Februar, mit dem Anbau der Sommerungen be⸗ gonnen werden konnte und derselbe nicht selten schon zu Mitte März beendet war. „Namentlich mit dem Bau von Haser ist man in den Alpenländern in diesem Jahre ziemlich vorgeschritten, und geht derselbe in geschützten sonnseitigen Lagen bereits auf. Der Wettersturz um Mitte März ließ eine Unterbrechung in den Bestellungsarbeiten ein- treten oder verzözerte dieselben, sodaß man Lagen der Gebirgsländer und des Ostens vereinzelt erst jetzt mit der Aussaat beginnt. Auch hatte die ungünstige Witterung zur Folge, daß der Same schwer ankeimt und die keüh⸗ gebauten Saaten in der Entwickelung sehr gehemmt sind. Vor⸗ geschritten ist der Anbau im allgemeinen in Nieder⸗Oesterreich, Mähren und zum theil in West⸗Galizien. Auch der Maisbau ist durch di kühle Witterung verzögert und noch weit zurück, sodaß man selbst in den südlichen Gegenden erst mit demselben beginnt. Klee steht nur in den Alpenländern besser. Sonst hatte er in der mittleren Zone, ferner in Böhmen und Mähren vielfach durch die Trocken⸗ heit zu leiden. Auch der Mangel der Schneedecke macht sich fühlbar, und sind namentlich bei zweijährigen Kleeschlägen öfter Auswinterungen zu verzeichnen, sodaß dieselben zumeist schütter

2 in den rauheren