1899 / 237 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 07 Oct 1899 18:00:01 GMT) scan diff

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Ihre Königliche

wird, eine erhebliche Schwächung herbeigeführt.

meldet,

Sigmaringen, 5. Oktober. Seit einigen Tagen ist goheit die Fürstin⸗Mutter von Hohen⸗

ollern schwer erkrankt. Andauernde Schlaflosigkeit und ervenschmerzen haben, wie dem „Schw. Merk.“ gemeldet Aus diesem Grunde hat Ihre Königliche Hoheit die Fürstin den Auf⸗ enthalt auf der Weinburg abgebrochen und ist hierher e Auch Seine Majestät der König von umänien hat die fur gestern in Aussicht ge⸗ nommene Abreise noch aufgeschoben. Nach dem heute aus⸗ egebenen Bulletin des Leibarztes Dr. Schwaß ist die Fürstin⸗ utter vor vier Wochen an heftigen Nervenschmerzen der rechten Seite erkrankt. Gleichzeitig entwickelte sich in⸗

folge von Altersveränderungen ein allgemeiner Schwächezustand,

er in letzter Zeit etwas zunahm. Seit gestern treten zeitweilig eichte Anfälle von Herzschwäche auf. Württemberg.

Seine Majestät der König hat sich heute früh zur Feier es hundertjährigen Bestehens des Grenadier⸗Regiments r. 123 von Stuttgart nach Ulm begeben. Abends gedenkt

Seine Majestät nach Potsdam abzureisen. Hessen. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von

Ruß land sowie Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin trafen, wie die „Wormser Zeitung“

meldet, heute Vormittag in Worms ein und kehrten Nachmittags

nach Schloß Wolfsgarten zurück.

Oesterreich⸗Ungarn. Der Steaatssekretär des deutschen Auswärtigen Amts, Staats⸗Minister Graf von Bülow, welcher am Donnerstag Abend in Wien eintraf, stattete gestern dem Minister des Aeußern Grafen Goluchowski einen längeren Besuch ab.

Großbritannien und Irland. Wie die „Times“ hört, ist endgültig beschlossen worden, daß das Parlament am 17. d. M. zusammentreten soll.

Sir Henry Campbell Bannerman hielt gestern in Maidstone eine Rede, in welcher er, wie „W. T. B.“ meldet, ausführte: Auf keiner von beiden Seiten sei die Thür für weitere Verhandlungen verschlossen. Großbritannien habe seine Forderungen nicht als suzeräne Macht aufgestellt, sondern auf Grund des Völkerrechts und seiner Ver⸗ antwortlichkeit für das Wohlergehen Süd⸗Afrikas. Wenn die Buren⸗Regierung wegen der argwö hnischen Befürchtung, daß die Unabhängigkeit Transvaals werde angetastet werden, die am 8. September ausgesprochenen billigen Wünsche ab⸗ gelehnt habe, so sei zu betonen, daß die Reden des Herzogs von Devonshire und des Staatssekretärs des Innern Ridley Versicherungen enthielten, die jeden Argwohn bannen müßten. Diese Reden seien genau so autoritativ wie die amtlichen Depeschen, und die Ehre der und des Landes sei durch dieselben engagiert; sie muͤßten den Weg für weitere Verhandlungen bahnen. .

In einer im Interesse der Erhaltung der Friedens ein⸗ berufenen Volksversammlung in Carnarvon hielt John Morley gestern eine Rede, in der er auf die Mäßigung und auf die annehmbaren Aeußerungen in der jüngsten Rede des Herzogs von Devonshire hinwies und darlegte, daß Großbritannien keinen Wunsch hege, an der Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik zu rühren. Er könne nicht einsehen, weshalb es Großbritannien und Transvaal unmöglich sein sollte, sich zu einigen. In allen seinen bisher gehaltenen Reden habe er es Transvaal stets dringend nahe gelegt, Großbritannien auf halbem Wege entgegenzukommen. Er bedauere, daß Trans⸗ vaal das Anerbieten, den Uitlanders nach fünfjährigem Auf⸗ enthalt im Lande das Wahlrecht zu gewähren, zuruͤckgezogen habe, nichtsdestoweniger sei es aber die Pflicht Großbritanniens, die Thür für weitere Verhandlungen noch offen zu halten.

Gestern haben sich in Southampton weitere nach Süd⸗ Afrika bestimmte Truppen⸗Abtheilungen an Bord der „Braemar Castle“ eingeschifft. Unter den Offizieren befindet ich der Major Prinz Christian Victor zu Schleswig⸗

H olstein. 8 Frankreich. Der russische Minister des Auswärtigen Graf Murawjew

ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern in Paris eingetroffen und wird eine Woche daselbst verweilen. E1““

Türkei.

Der Ober⸗Zeremonienmeister Munir Pascha ist, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern gestorben.

Wie das Wiener „Telegr.⸗Korresp.⸗Bureau“ aus Konstan⸗ tinopel meldet, hat der armenische Patriarch vorgestern dem Kultus⸗Ministerium seine offizielle Demission eingesandt.

i derselben weist der Patriarch auf die während seiner drei⸗ ährigen Amtsführung der Pforte bewiesene Ergebenheit und auf

die der armenischen Nation R-”.-gg. Dienste hin und erklärt,

nicht im Amte bleiben zu können, solange die Pforte gegen die ganze armenische Nation außerordentliche Gewaltmaßregeln anwende. Es herrsche die Annahme vor, daß der Sultan die Demission, welche geeignet sei, die Beunruhigung unter den Armeniern zu erhöhen, nicht annehmen und den

Patriarchen durch einige Zugeständnisse befriedigen werde.

6 Afrika. Aus Mafeking vom 5. d. M. wird der „Times“ ge⸗ daß die Bewegung der Buren an der Westgrenze Transvaals wachse. Die Lage sei akut. Ein Kommando

unter Führung Cronje’'s in Stärke von 6000 Mann mit

Artillerie stehe in der Nähe von Ramathlabama bei der

Rooigrund Bouws Farm.

as „Reuter’'sche Bureau“ berichtet aus Johannesburg

vom gestrigen Tage, Tausende von Eingeborenen kämen gegen⸗ wärtig vom Lande in die Stadt.

Die Behörden hätten be⸗ chlossen, sie durch Eskorte wieder aufs Land bringen zu lassen.

Die Eingeborenen, besonders die Kaffern, plünderten alle

Stellen, wo sie Vorräthe von Branntwein vermutheten. Aus Durban meldet dasselbe Bureau, daß der General

Hunter gestern mit Kavallerie und einer Infanterie⸗Brigade

von dort nach Pietermaritzburg abgerückt sei. Das ganze Devonshire⸗Regiment und die 53. Artilleriebatterie seien in

Ladysmith angelangt, wohin auch das 19. Husaren⸗Regiment

abrückte.

VIII. *)

F. In gedankenvollem Vortrage sprach am vorletzten Sitzungstage Professor Dr. Ratzel⸗Leipzig über Ursprung und Ausbreitung der Indogermanen. Die Frage nach dem Ursprung der Arier, führte der Redner aus, ist zugleich Rassenfrage, Kulturfrage und Sprachenfrage. Wo wohnten sie ursprünglich, waren sie räumlich weit getrennt von der gelben Rasse im Östen und der schwarzen im Süden? Als unzweifelhaft erscheint, daß zu ihrer Entwickelung im Lause der Jahrtausende oder Jahrzehntausende viel Raum noth⸗ wendig war. Diese Ueberlegung führt auf die Wahrscheinlichkeit, daß sie Euroxa und große Theile Asiens bewohnten, möglicher Weise schon zu der Zeit, als diese Erdtheile noch fast ganz der Steppe an⸗ gehörten. Aber das Wachsthum und der Kulturfortschritt der Rasse hängen mit dem Walde zusammen. Erst eine

Komaden,, dann eine Jäger⸗ und Ackerbau⸗Bevölkerung, so er⸗ scheint sie nach den Grabfunden in prähistorischen Gräbern. In der neolithischen (neusteinzeitlichen) Periode schon trieben die Arier Viehzucht, bauten Roggen und Hafer und machten sich um den Kulturfortschritt verdient durch die Zähmung und Einführung des Pferdes. In eben dieser Periode nahmen sie als ihre Wohnsitze das große Gebiet von dem westlichen Zentral⸗-⸗Asien bis in den Norden Europas hinauf ein. Aber die lange Entwickelung vorher ver⸗ birgt sich im Dunkel der Zeiten. Um das quartäre Asien und Europa vor unserem geistigen Auge erstehen zu lassen, bis hinauf zur Eiszeit, um das Verhältniß des Menschen und im besonderen der Arjer zur letzteren zu erkennen, bedarf es noch vieler Arbeit. Man kann eine Entwickelung nicht verstehen, ohne den Boden zu kennen, auf dem sie stattfand. War er mit Wald be⸗ deckt, war er Steppe? Die geologischen Aufschlüsse hierüber ver⸗ sprechen zugleich unsere Kenntniß über die Vorgeschichte unserer Rasse zu fördern. Aehnliches muß auf deren Verbrestungsgebiet angewandt werden, als zur Zeit durch eine von Stuttgart aus angeregte Expedition im Interesse der Urgeschichte Nord⸗Afrikas geschieht, welche in die Lybische Wüste allein zu dem Zweck entsandt ist, die Frage zu studieren: War das Wüstengebiet fruͤher bewaldet? In der sich anschließenden Diskussion gab Professor Fischer⸗ Marburg der lebhaften Zustimmung der Versammlung zu der Schluß⸗ folgerung Ausdruck, die der Redner aus seinen lichtvollen Vorder⸗ sätzen gezogen hatte. 1

Professor Dr. Sigm. Günther⸗München sprach hierauf über

eine seltsame Naturerscheinung, das Problem der „Meer⸗ mühlen“. An dem vom Meer bespuülten Karst, an den Küsten des Peloponnes, vor allem aber am Gestade der Insel Cephalonia findet durch ein System unterirdischer Kanäle ein immerwährendes Einströmen großer Mengen von Meerwasser in den Felssockel der Küste statt, das in Cephalonia beispielsweise auf 58 300 chm täglich ermittelt ist. Die Erscheinung war schon den Alten nicht unbekannt. Andeutungen davon finden sich bei Aristoteles und Strabon. Sie verglichen solche folgerichtig mit dem unterirdischen Verschwinden mancher Flüsse; bezüglich letzterer Erscheinung bestand die Sage, die im Peloponnes verschwundenen Flüsse kämen in Sicilien wieder zum Vorschein. Das Problem der Meermühle von Cephalonia ist seit 1835 studiert worden; doch erst jetzt ist man zur richtigen Erklärung gelangt und beweist deren Richtigkeit durch das Experiment. Das in den Sockel der Insel eindringende Meerwasser durchzieht den⸗ selben in einer Unzahl von natürlichen Röhren, tritt aber durch eben⸗ solche Kanäle an anderen Stellen unterhalb des Meeresniveaus wieder in das Meer zurück; und zwar erfolgt diese Bewegung, womit eine Hebung großer Wassermassen verbunden ist, durch eine Saugwirkung, vergleichbar der in dem bekannten Giffard'schen Injektor angewandten. Mit Recht bezeichnete der Redner die Hydrographie des Karstes, welcher auch die Meermühlen wie die e zuzurechnen sind, als zu den interessantesten Problemen gehörig. Aus dem Vortrage des Amerikaners Mr. Poultney Bigelow über „Verwaltung von Kolonien“, der im Hinblick auf den Krieg mit den Filipinos mit den Worten eingeleitet wurde: „Meine Sympathien sind auf der Seite der Schwachen“, ist der berechtigte Hinweis auf den Erfolg der Engländer in Hongkong bemerkens⸗ werth, weil die rechte Vereinigung von militärischen und Handels⸗ Interessen, welche Hongkong groß und blühend gemacht hat, auch den deutschen Bestrebungen zur Hebung von Kiautschou als Leitstern dient. Der Schlußsatz der Bigelow'schen Darlegungen entspricht ebenso genau der deutschen Kolonialpolitik. „Kolonialregierungen sollen nicht allzu eifrig sein, die Führung der kolonialen Angeleger heiten in der Hand zu behalten, sondern den Kolonisten die höchstmögliche Freiheit, und Schutz nur, wo es nothwendig ist, gewähren.“

Am letzten Nachmittag war die erste Gruppe mit historischer Geographie beschäftigt. Die Vorträge brachten interessante, aber im wesentlichen nur den Fachmann fessesnde Themata, z. B. eine Unter⸗ suchung von Professor Dr. WagnerGöttingen über das auf den italienischen Seekarten des Mittelalters angewandte Meilenmaß und die Vorlage der großen topographischen Karte von Frankreich von Cassini de Thury (1744 1787) durch Dr. Ludovic Drapeyron⸗Paris. Von allgemeinem Interesse waren die Darlegungen von Professor Dr. Sophus Ruge⸗Dresden über die Anfänge der Kartographie in Deutschland. Verschiedene Vorträge entdeckungsgeschichtlichen Inhalts waren zurückgezogen worden.

Die zweite Gruppe hatte diesmal den Vorzug, die meisten Zuhörer durch Vorträge aus dem Gebiet der Gletscherkunde zu fesseln, weshalb ihr auch der große Sitzungssaal eingeräumt worden war. Als Erster sprach Professor Dr. Hagenbach⸗Bischoff (Basel) über Vermessungen am Rhonegletscher während 25 Jahren. Aus Geldmitteln, welche der schweizerische Alpenklub und Peivat⸗ subskribenten beschafft, ist zum ersten Mal seit 1874 die Messung der Veränderungen eines Gletscherg methodisch durchgeführt worden. Es wurden zu diesem Zweck 4 Profile durch Fixpunkte an den Felsen fest⸗ gelegt und Steine mit Nummern in das Gletschereis gebracht. Das oberste, „rothe“ Profil war bei 2560 m, das zweite, „gelbe“ bei 2400 m, das dritte, „grüne“ unterhalb des Gletschersturzes bei 1850 und endlich das vierte, „schwarze“ 400 m vom Gletscherende angelegt worden. Die Lage der Nummersteine im Gletschereis wurde alle Jahre Ende August genau bestimmt und so eine Karte der Veränderungen bergestellt, welche vorliegt und die interessantesten Aufschlüsse über die Gletscherbewegung erbringt. Danach war die Geschwindigkeit des zu Thale wandernden Gletschers in der Mitte stärker als am Rande und im oberen Theil bedeutend größer als im unteren, nämlich 100 m jährlich gegen 30 m beim grünen und 10 m am schwarzen Profil. Am Gletscher⸗ sturz verschwanden die Steine vollständig und kamen erst nach 4 Jahren wieder zum Vorschein. Die ermittelte Geschwindigkeit beträgt etwa ein Milliontel der Geschwindigkeit des Rheins bei Basel, aber das Querprofil des Gletschers ist vierhundertmal größer als das des Rheins. Die Messung des absoluten Cis⸗ stromes ergab dauernd eine Abnahme; nur zuweilen glaubte man ein Wiederanwachsen zu spüren. Die Veränderungen des rothen und gelben Profils waren keineswegs bedeutend. Die Höhe der jährlichen Abschmelzungen wurde durch eingesteckte Stangen bestimmt, ähnlich auch die Aenberungen der Gestalt und Lage des unteren Theils der

letscher⸗Zunge. Es ergab sich daraus, daß seit 1874 der Gletscher unausgesetzt zurüöckgegangen ist, im Ganzen um 800 m. Dies Zurückgehen ist indessen nicht stetig; denn im Winter findet stets ein Vorstoß statt. Beobachtungen über den Stoffwechsel des Gletschers wurden durch Messung des Abflußwassers angestellt. Zur Erhebung des Rhonegletschers zu einem Normalgletscher gehört indessen sehr viel. Noch fehlen Beobachtungen über das Aussehen des Gletschers in der Tiefe, über die Beziehungen der Bewegung zu den Querprofilen, endlich fehlt auch die Messung über die Mächtigkeit des Gletscher⸗ eises, sowie jeder Aufschluß über Schichtung des Eises. Um Bohrlöcher oder Gletscherstollen einzutreiben, fehlte es an Geldmitteln. Natürlich konnte dann auch nicht ermittelt werden, ob die Fortbewegung des Gletschers im Innern eine andere ist als an der Oberfläche. Bis zu

BPE“

30 m Tiefe erscheint indessen die Bewegung im Innern nicht wesentlich abweichend von der an der Oberfläche. Im Jahre 1874 hatte man ganz andere Vorstellungen von der gestellten Aufgabe und glaubte die gesuchten Zusammenhänge bald genügend zu erforschen; jedoch m

dem Fortschreiten der Arbeiten tauchten immer neue Forderungen auf. Die Zusammenhänge sind heute noch lange nicht auf. . und das Bedürfniß fortgehender, regelmäßiger Unter. 5 steht für jeden mit der Frage Vertrauten fest. In der

wiege und die bei einem Bohrloch von 4 cm nicht mehr al 0,8 P. St. in Anspruch nehme. Professor Penck⸗Wien konnte be

stätigen, daß mit einem solchen Instrument 70 m in zwei Tagen im Gletschereis gebohrt worden seien. Alle Sachverständigen bestätigten, daß die Untersuchungen mit erweitertem Programm unbedingt fort⸗

zusetzen seien.

Sodann sprach Professor Dr. Wahnschaffe⸗Berlin über

liederung und Ausbildung der Glacialbildungen des norddeutschen Flachlandes. Seitdem vor 20 Jahren zuerst

von Torrel die Inlandseis⸗Theorie aufgestellt und dann durch die

Untersuchungen von von Drygalski und Nansen im heutigen Grönland

ein Gebiet nachgewiesen ist, welches als typisch für die Eisbedeckung Norddeutschlands erachtet werden kann, hat sich die Wissenschaft immer mehr von der früheren Lyde'schen Drift⸗Theorie abgewandt und sucht in der Oberflächen⸗Gestaltung des norddeutschen Flachlandes noch immer überzeugendere Beweise für die neue Anschauung in der Gliederung der glacialen Ablagerungen. Eine zur Zeit vielumstrittene Frage ist die, ob eine oder mehrere Eiszeiten anzunehmen sind. Der

Vortragende erörterte diese Frage ausführlich und gelangte aus anscheinend sehr einleuchtenden Gründen, Verschiedenheit der sich vorfindenden Fauna, der findung von Torflagern zwischen zwei daß eine dreimalige Vereisung anzunehmen sei; die jetzt noch deutlich erkennbaren Endmoränen aber seien die Rückzugsgebilde der aller⸗ letzten Vereisung.

Es sprachen noch Professor Freiherr de Geer⸗Stockholm über die Gletscherverhältnisse Spitzbergens und Dr. Otto Nordenstjöld⸗ Upfala über Landschaftsformen an der durch herrliche Landschafts⸗ bilder ausgezeichneten Magellan⸗Straße mit besonderer Rücksicht auf glaciale Bildungen.

In der dritten Gruppe wurden an diesem Nachmittag Geodäsie

und Kartographie behandelt. Die interessanteste Darbietung war der

Vortrag von Professor Dr. Th. Albrecht⸗Potsdam über die Ver⸗ änderlichkeit der geographischen Breiten. Von Euler Mitte des vorigen Jahrhunderts gemuthmaßt, von Bessel 1844 als wahrscheinlich, von Thomson 1876 tbeoretisch als aus den unablässigen Massenumlagerungen auf der Erdoberfläche infolge der meteorologischen Vorgänge sich nothwendig ergebend hingestellt, ist die Lagen⸗ änderung der Rotationsachee um 2910 einer Bogensekunde 1888 durch Küstner auf der Berliner Sternwarte experimentell nachgewiesen worden. Seitdem sind die Untersuchungsmethoden ver⸗ einfacht und gesichert und die energische Verfolgung der Angelegenheit durch die internationale Erdmessung in die Hand genommen worden. In der letzten allgemeinen Konferenz der internationalen Erd⸗ messung 1895 sind weitere Beobachtungen durch einen internationalen Breitendienst organisiert worden, den 6 Observatorien, sämmtlich unter 390 8„ n. Br. gelegen, in Japan, in Zentral⸗Asien, auf Sardinien, bei Washington, in Cincinnati und im kali⸗ fornischen Küstengebirge übernommen haben. Für die den Geophysiker am meisten interessierende Frage nach der Polbewegung in der Vor⸗ zett wird voraussichtlich durch diese Beobachtungen aber wenig ge⸗ wonnen werden. Bekanntlich würden die wiederholt über die Erde hingegangenen Eiszeiten sich leicht erklären, wenn Schwankungen in der Lage des Pols von Vielfachen eines Grades nachweisbar wären. Nach dem heutigen Stande der hier besprochenen Untersuchungen ist man jedoch zu dem Schluß berechtigt, daß die ö. Ursache der Entstehung der Eiszeiten auf einem anderen Gebiet als dem der Lagenänderungen der Drehungsachse der Erde zu suchen sein werde.

Der letzte Verhandlungstag des Kongresses brachte in seinem ersten Theil noch die Beschlußfassung der Hauptversammlung über die ver⸗ schiedenen von den Gruppenversammlungen berathenen und angenom⸗ menen Anträge, somit das eigentliche Facit der seon Pesarbet Sämmtliche Anträge mit Ausnahme eines einzigen, dessen Desiderate nur den Fachmännern zur Berücksichtigung empfohlen werden konnten, wurden ohne oder nach kurzer Debatte angenommen. Sie betreffen außer den schon früher genannten, die Südpolar⸗ Expedition angehenden die einheitliche Nomenklatur der Pflanzen⸗ formation, einheitliche Maßstäbe sämmtlicher Karten, einheitliche Anwendung des metrischen Maß⸗ und Gewichtssystems sowie des hunderttheiligen Thermometers bei allen geographischen For⸗ schungen, Organisation der Beobachtungen über Treibeis, inter⸗ nationale Kommission für suboceanische Nomenklatur und Aus⸗ arbeitung einer berichtigten Tiefseekarte, Beibehaltung der einheimischen Namen in der Südsee und bei deren Fehlen Annahme der vom ersten Entdecker gegebenen Namen, genaue Böetessas. SKesun in Ländern ohne geordnete Volkszählung, Organisation der inter⸗ nationalen Erdbebenforschung, Niedersetzung einer Kommission zur Vorbereitung der Gründung einer „Association Cartographique Internationale“, Herstellung einer einheitlichen Erdkarte im Maß⸗ stabe von 1: 1 000 000, deren Blätter durch Meridiane und Parallele begrenzt werden, endlich eine Sympathie. Erklärung mit den Zielen der in Sydney geplanten Expedition zur Aufsuchung der Ueberreste der Dr. Leichhardt'schen Expedition. Außerdem erklärte es der Kongreß für wünschenswerth, daß ebensowenig in der Zeiteintheilung wie in der Eintheilung des Kreises in 360 Grade eine Aenderung eingeführt werde, ohne jedoch hiermit dem weiteren Studium eines neuen Systems der Winkeltheilung einen Riegel vorschieben zu wollen. Die Beschlüsse der Stockholmer Konferenz für Ozeanographie vom Juli I. J. wurden den Regicrungen zur Berücksichtigung empfohlen. 3

Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Wahl des Versamm⸗ lungsortes und der Zeit für den nächsten Kongreß, waren Einlavungen aus Budapest und Seattle an der nordamerikanischen Küste des Stillen Ozeans eingegangen. Es wurde beschlossen, der permanenten Geschästsleitung, als welche das Präsidium des gegenwärtigen Kon⸗ gresses satzungsgemäß bis zum nächsten Kongreß fungiert, die Vor⸗ bereitung einer geeigneten Lösung der Frage zu übertragen.

Rogh waren vier Vorträge aus dem Gebiet der wissenschaftlich betriebenen Luftschiffahrt angesetzt. Als erster Redner sprach der Direktor des Blue Hill Observatory, Mass. U. S., Mr. A. Lawrence Rotch, über seine wohlgelungenen Versuche mit Drachen zur Anstellung meteorologischer Beobachtungen in hohen Regionen der Atmosphäre. Die Versuche datieren aus dem Jahre 1894 und scheinen bereits zu hohem Erfolg gelangt zu sein, da 3 4000 m Höhe erreicht und Mittel gefunden wurden, um das Zerreißen des feinen Stahldrahtes, woran die mit Meteorograph versehenen Drachen aufgelassen worden, zu verhindern. Schon im vorigen Jahre ist es gelungen, eine synoptische Karte der Temperaturen von 1600 m durch gleichzeitiges Aufsteigenlassen von Drachen an verschiedenen Orten sehe Professor Hergesell⸗ Straßburg, der am Tage vorher die Ballonfahrt mit einem 6000 m Höhe erreichenden 1ndee mitgemacht hatte, der bei Graudenz gelandet, sprach über die Ergebnisse internationaler Ballonfahrten. Wir müssen es uns jedoch versagen, über seine interessanten Ausführungen ebenso wie über diejenigen der Herren Teisseranc de Bort Paris und Professor Dr. Aßmann⸗Berlin, näher zu berichten, um diese Mittheilungen endlich ihrem Ende zuzuführen. Als den größten Theil der Zuhörerschaft neu ging aus dies Vorträgen hervor, daß die bisherige Annahme eines gleich bleibenden Klimas in großen Höhen irrig, die Jahresperiode vielmeh in den bisher erreichten Höhen noch nicht erloschen ist. Vorher sprach mit hohem rhetorischen Schwung in meisterhafter Rede Prof. Dr. 5 Günther⸗München über den Einfluß des Humanismus in der Geschicht der Geographie, mit Anklang an ein bekanntes Hutten'sches Wor

sich anschließenden Debatte wurde von Dr. Greim⸗ Darmstadt für Gletscherbohrungen die elektrische Sonde empfohlen, deren gesammter Apparat nicht mehr als 45 kg, also eine Trägerlast,

nämlich der großen Auf⸗. Grundmoränen und der Lagerungsverhältnisse des Süßwasserkalkes, zu dem Schluß,

lie end: „Es ist auch heute eine Freude,

sch 9 Geograph thätig zu sein.“

Das Schlußwort nahm der Vorsitzende, rath, Prosessor Freiherr von Richthofen, VII. Internationale Kongreß, der sich eine

1665 Personen erfreut

rieden sein könne. efr dfiche Berührung

spendend,

reich), Graf Eugen Z Sprachrohr der D

dem Damen⸗Comité machte und erfolgte der Schluß der Tagung

habe,

Auch der

1 rr⸗ 11 a tt äußerst angenehm gestaltet, nicht minder da higerst tang so vieler Meteorologen.

sprach der Redner die Hoffnun abgeschlossenen Arbeiten des Kongresses

noch die Abschieds⸗ und Dankesworte der Delegi im Kongreß vertretenen Nationen, Durchlaucht des Fürsten von ich y (Oesterreich⸗Ungarn) Viezzoli (Italien) und zuletzt Sir John Mur amen gegenüber der Freifrau v schwungvoll poetisch

aus.

gesellige

zu Nation

onaco,

—.——

Es f

7

als Geograph zu leben

Geheimer Regierungs⸗ um festzustellen, daß der 1 r Theilnehmerzahl von mit den Erfolgen seiner Arbeit Verkehr, die

habe sich

8 Wetter infolge der

Dank nach allen Seiten g auf gute Fortwirkung der olgten nunmehr de riten der verschiedenen von Szemenow (Rußland), Seiner Gauthiot (Frank⸗

Forel (Schweiz),

ray, der sich zum on Richthofen und endete. Alsdann

Nr. 41 des „Centralblatts für das

usgegeben im Reichsamt des Innern, sehenber Inhalt: 1) Konsulat⸗Wesen:

Deutsche Reich“, vom 6. Oktober, hat Ernennungen. 2) Poltzei⸗

Wesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Neigung zu Fakultätsstudien in den preußischen Provinzen früher und jetzt.

Unter je 100 Studierenden

Heimathsprovinz, die in

waren, entfielen nach der „Stat. Korr.“:

1886/87 1895/96

ss 87 -

O fipreußen... Westpreußen..

Berlinern...

1895/96 1886/87 1895/96 Brandenburgern 188/6 1886/87 1895/96 1886/87 1895/96

86/8 11880 87

Pommern..

Posenern...

Scllesiern 1895/96

1886/87 1895/96 1886/87 1895/96 1886/87 1895/96 Westfalen... 13888*

Hessen⸗Nassauern (1886/80 1886/87

Preußen aus dem 118893 Auslande. s1895/96 Preußen 11889,87 überhaupt. s1895/96

Schles.⸗Holstein.

Hannoveranern.

au evang. kathol. Juris⸗ W.⸗S. Theol. Theol. prudenz

21,01 1,79 10,07 3,79 13,88 5,76 10,59 3,87 0 8,42 0,43 28,99 042 14,45 0,30 27,61 0,11 18,56 0,27 10,16 5,69 5,33 1,24 12,39 7,61 6,52 13,68 26,75 1,46 17,50 0,61 ,8ö 24,90 0,45 23,83 2,98 15,50 4,38 13,58 12,60 6,13 13,73 17,31 279 11,84 2,06 8,36 6,71 6,24 11,59 81 43,75 12,87 0,50 9,85 0,76 17,24 420 10,76 5,67

f

17,42 27,71 16,84 28,52 21,56 27,88 16,16 29,60 15,46 27,83 12,87 33,04 17,59 26,37 15,10 25,17 11,48 24,43 12,45 20,46 14,86 25,76 14,63 21,61 19,58 26,60 13,16

6,25 20,79 32,57 16,43 26,26

die Kedi⸗

zin

31,05 32,03 38,26 35,64 27,89 27,21 27,42 27,53 33,52 28,79 45,54 30,20 33,73 29,77 28,01 26,02 40,98 27,83 26,74 29,87 33,53 30,02 27,96 29,60 33,83 27,90 34,21 31,25 25,25 23,48 31,87 28,85

Die Neigung zum Studium der evangelischen hat in allen Provinzen mit Ausnahme von Schleswig⸗Holstein nach⸗

gelassen, am stärksten in Brandenburg und Ostpreußen. ziftern sanken dort von 28,99 auf 14,45 v. H 10,07 v. H. Unter 100 auf deutschen Unive trikulierten Studierenden der betreffenden Pro

Gegensätze herauszugreifen,

bei Schleswig⸗Holstein 24,90, bei Berlin 8,4

land und Westfalen etwas über 6, bei Posen 5,33.

Für die katholisch⸗theologische Fakultät stellten im Winter⸗ Semester 1895/96 die größten Ziffern Rheinland mit 260 oder 1,59 v. H., Schlesien mit 237 oder 13,68 v. H., Westfalen mit 177 oder 13,73 v. H., Posen dagegen, welches allervings ein katholisches Priester. Seminar Hefir nur 7 oder 1,24 v. H. Rechnet man indessen

t

die Zöglinge der Prie

preußischer Staatsangehörigkeit jeder den Winter⸗Halbjahren

8,8 G 1886/87 bezw. 1895/96 auf den 22 Universitäten des Deutschen Reiche

s immatrikuliert

Philo⸗Mathe⸗

logie matik

u. s. w. u. s. w.

15,21 13,52 9,15 17,25 12,56 12,70 10,18 11,20 23,07 17,98 16,06 20,00 12,93 14,08 13,18 14,94 10,91 12,39 9,41 15,14 12,87 12,87 13,85 16,34 13,55 15,13 8,77 14,89 15,10 13,58 14,97 15,73 12,41 11,24 7,24 15,15 16,29 17,71 14,29 15,50 11,55 13,88 11,25 13,11 16,91 20,40 16,14 18,75 14,08 17,44 13,50 14,17 18,42 2,63 18,750 21,78 18,81 19,70 13,64 14 89 15,37 12,82 15,64.

Theologie ie Theil⸗

, hier von 21,01 auf rsitäten 1895/96 imma⸗ vinz entfielen, um einige auf die evangelisch⸗theologische Fakultat 2, bei Schlesien, Rhein⸗

er Seminare bei Westpreußen, Posen, West⸗

falen, Hessen⸗Nassau und Rheinland hinzu, so erhöhen sich die Ver⸗ bältnißzifern um ein Bedeutendes und zwar in der Weise, daß in diesem Punkte das katholische Bekenntniß das evangelische ganz

erheblich überflügelt hat.

Westpreußen Fenr 8 Schlesien .

8 Kfütfahn . .

8 essen⸗Nassau .

6 Rheinland

n die juristische Fakultät geben die preußischen

Im Durchsch 1895/96 entfiel ein Studierender der Theolo bei Katholiken

1385 des Studienjahres e bei Evangelischen

auf männliche Einwohner:

3466 5995 4438 2911 3076 4501

6332

3

781²

8s 8

7884

4249 4726.

11.

rovinzen,

ahgesehen von Hohenzollen, das seiner kleinen Zahlen wegen hier wenig deutet, neuerdings einen viel stärkeren Prozentsatz ihrer Studierenden ab als früher. Das Mehr betrug bei Hstpreußen und Sachsen etwas über 10 v. H., bei Westpreußen und Westfalen etwa 11 v. H., bei

ommern und Schleswig⸗Holstein über 12 v. H „v. H., bei Posen über 20 v. H. im Wintersemester 1895/96 hatte,

ber 13 v.

bei Brandenburg

Die schwächste Theilziffer

abgesehen von

Hohenzollern,

Hannover mit 20,46 v. H , die stärkste Posen mit 33,04 v. H.

Auf die medizinische Fakultät entfielen in den einzelnen Pro⸗ vinzen 1886/87 26,74 bis 45,54 v. H. 1895/96 26,02 bis 35,64 v. H. der Studentenschaft. Höher wurde die Theilziffer nur bei Ostpreußen

[um 0,98 Hunderttheile), bei Brandenburg (um 0,11) um 3,13) und bei Hessen⸗Nassau (um 1,64),

bei Hannover wäͤhrend sie bei

b lesien um 3,96, bei Pommern um 473, bei Rheinland um 5,93, ei Schleswig⸗Holstein um 13,15 und bei Posen um 15,33 Hundert⸗

theile gesunken ist. Ueber 30 v.

H. ihrer sämmtlichen Studenten

verzeichneten in der medizinischen Fakultät 1895/96 nur Ostpreußen 32,03), Westpreußen (36,64), Poß (30,20), Westfalen (30,02) und

u ohenzollern (31,25).

Hinsichtlich der philosophisch

hilologisch⸗historischen

Studien ist, abgesehen von einer shinen Zunahme bei Branden⸗ urg (um 0,25 Hunderttheile), bei Posen (um 0,98 v. H.) und bei vbenzollern (um 0,33 v. H.), überall eine verminderte Etzustellen, und zwar betrug die Abnahme bei Schlesien 4,78, bei chles wig⸗Holstein 5,17, bei Ostpreußen 6,06, bei Berlin 7,01

undertt eile.

etheiligung

Für Mathematik und Naturwissenschaften ergab sich seit Pommern, Posen,

und Schleswig⸗Holstein eine Zunahme, bei Westpreußen,

Ba8887 bei Ostpreußen, Berlin, Brandenburg,

Schlesien und dem ganzen Westen der Monarchie eine Verminderung de darratr talerten, 1- 1bohe e veC. erreichte. Die

e bewegten er wischen 11,20 v. H. be . preußen und 20,00 v. H. ei Berlin. 8

Die Hagelversicherungs⸗Entf ädigun 8 in Preußen 1898. e. v“ (Stat. Korr.) Durch die von den Versicherungsgesellschaften für erlittenen Hagelschaden gezahlten Entschädigungen *) 1898 47,4 v. H. des Verlustes gedeckt, in den Vorjahren 1893 bis 1897 39,5 bezw. 48,1, 36,1, 44,8 und 40,7. Für die einzelnen Provinzen berechnet, betrug die Entschädigung in Hunderttheilen des Schadens: in 1893 1894 1895 1896 1897 1898 Ostpreußen y . 33,2 147 43,0 37,9 40,2 38,9 Westpreußen 47,1 51,5 39,8 37,8 46,2 49,8 Brandenburg . 54,2 46,1 57,9 49,2 46,0 53,0 Pommern 69,7 53,5 53,9 55,3 64,9 51,1 1 y . 54,4 51,0 55,3 445 48,5 53,7 . 31,4 64,0 50,6 44,5 31,3 47,3 - v . . 50,3 54,1 49,1 45,4 52,3 57,8 Schleswig⸗Holstein . 51,8 66,8 76,9 77,6 29,1 40,9 Hannbvex .. 42,4 43,1 31,3 69,7 45,3 52,8 Westfalen. 29,5 31,6 17,4 31,4 31,4 26,6 Hessen⸗ Nassau. 20,0 21,4 29,4 23,3 16,5 13,7 Rheinland . .. 24,0 32,4 12,6 34,0 20,5 47,6 Hohenzollern .35,5 11,2 15,8 15,6 9,7 9,7

Stellt man fest, wie viel Hunderttheile von der Summe, zu welcher die verhagelte Fläche versichert war, als Entschädigung ge⸗ zahlt wurden, so erhält man 1898 und 1897 je 15,1, für die weiter zurückliegenden Jahre 12,7, 12,8, 10,5 und 11,1. Es kamen

auf 1893 1894 1895 1896 1897 1898

Ostvreußen.. 8,3 10,1 11,3 9,9 1

estpreußen. 9,9 10,5 Brandenburg 9,7 25,9 Pommern. 14,0 12,8 28 10,3 17,0 chlesien. 12,8 10,0 111““ 13,3 21,6 Schleswig⸗Holstein 11,8 9,6 annover 14,8 12,1 12,8 Westfalen. 13, 13,5 Hessen⸗Nassau. 22,8 14,2 Rheinland .. 12,4 12,3 Hohenzollern.

—,— ,— bSbo2SS —2 2=2900 0⸗

20⸗2 22=000

D₰½ D⁴

11,0 21,5

rbeiterbewegung.

Die Bäckereiarbeiter in Wies baden und Umgegend sind, der Voss. Ztg.“ zufolge, am 6. d. M. in den Ausstand getreten, da die Meister nicht allgemein die geforderte Lohnerhöhung und Ver⸗ kürzung der Arbeitszeit bewilligen wollen.

Auch in Braunschweig haben, wie der „Hann. Cour.“ be⸗ richtet, die Bäcker eine Lohnbewegung begonnen, welche auf bessere Lohnbedingungen und Regelung des Kost⸗ und Schlafgängerwesens ab⸗ zielt. Eine am 5. d. M. abgehaltene Bäckergesellen⸗Versammlung, an der 150 Personen theilnahmen, beschloß, Fragebogen zu vertheilen und auf Grund derselben die im Bäckereigewerbe bestehenden Miß⸗ stände aufzudecken.

Aus Nürnberg theilen die „Münch. N. Nachr.“ mit, daß sich die dortige Ausstandsbewegung in der Weißzeug⸗Industrie aus⸗ dehnt. Die Forderung der Arbeiter richtet sich auf Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und zehnprozentige Lohnerhöhung bei Aeccordarbeit.

Kunst und Wissenschat.

11“

8 Schulte s Kunst⸗Salon bringt vom 8. Oktober ab eine neue

Serie von Kunstwerken zur Ausstellung. Am meisten dürften von diesen Hubert Herkomer’'s Prunkschild mit Gemäldetafeln in Email, den Triumph der Zeit darstellend, sowie sein Selhstporträt in Email und Professor Hugo Vogel’'s Doppelporträt des Präsidenten und des Ehren⸗Präsidenten der Königlichen Akademie der Künste, des Ge⸗ heimen Regierungsraths H. Ende und des Professors Carl Becker, interessieren. Außerdem finden ca. 60 Werke moderner französischer Künstler, welche zum größten Theil in diesem Jahr bei der Société Nationale des Beaux Arts im Champ de Mars ansgestellt waren, Aufstellung. Darunter sind Künstler wie Besnard, Aman⸗ Jean, Gaudara, Pissarro, Renoir, Berton, Lautrec, Le Sidaner, Monard vertreten. Ferner bringen der in Mondon lebende Schweizer E. Burnand, die Berliner Maler Bennewitz von Loefen und Emil Schwabe ihre Werke zur Ausstellung. Auch der Berliner Bildhauer Max Klein wird mit vier Werken vertreten sein.

1“

Land⸗ und Forstwirthschaft.

VI. Deutsche Gersten⸗ und Hopfen⸗Ausstellung und Brauerei⸗Maschinen⸗Ausstellung in Berlin.

Am Mittwoch, den 11. Oktober, wird im Institut für Gährungs⸗ gewerbe in der Seestraße, Berlin N., die vom Verein „Versuchs⸗ und Lehranstalt für Brauerei“ unter Mitwirkung der Deutschen Land⸗ wirthschafts⸗Gesellschaft und des Deutschen Hopfenbau⸗Vereins ver⸗ anstaltete VI. Deutsche Gersten⸗ und Hopfen⸗Ausstellung eröffnet. Gleichzeitig findet auch die Eröffnung des ebenfalls auf dem Gelände des Instituts für Gährungsgewerbe vom „Verein Versuchs⸗ und Lehr⸗ anstalt für Brauerei“ veranstaltete Brauerei⸗Maschinen⸗Ausstellung mit Sonderausstellung für Bierversand und Preisbewerb für Pasteurisierungs⸗ Apparate statt. 3

Die erstgenannte Ausstellung weist wieder eine sehr bedeutende Beschickung aus allen Theilen Deutschlands auf. Zum Preisbewerb sind allein 350 diesjährige, in Deutschland gewachsene Gerstenmuster, 20 Brauweizenmuster und 140 Hopfenmuster angemeldet. Letztere sind von eigens beauftragten Beamten der Ausstellung an Ort und Stelle von den Lagerbeständen der Aussteller entnommen, wodurch volle Gewähr dafür geschaffen ist, daß die Muster auch wirk⸗ lich dem durchschnittlichen Ernteergebniß der Aussteller ent⸗ sprechen. Bei den Gersten, und Weizenmustern wird diese Gewähr durch den großen Umfang der Muster von je einem Zentner geboten. Die Preisvertheilung findet schon am 9. und 10. Oktober statt; die Ergebnisse des Preisbewerbes sind nebst den einzelnen von den Richtern ertheilten Zenfuren bei Eröffnung der Ausstellung bereits bei allen Ausstellungsmustern ersichtlich gemacht, wodurch die Ausstellung für die Interessenten besonders iustruktiv sein wird. Das Preisrichterkollegium besteht aus 27 namhaften Vertretern der Wissenschaft, der Landwirthschaft, des Brauerei⸗ und Mälzerei⸗ gewerbes und des Getreide⸗ und Hopfenhandels, die zum theil von weither in Berlin eintreffen und ihre Thätigkeit ehrenamtlich ausüben.

Der durch Stiftungen von mehreren Staatsbehörden und zahl⸗ reichen landwirthschaftlichen und gewerblichen Korporationen gespeiste Prämienfonds beträgt über 9500 Neben dem bisherigen Bei⸗ trage von 2000 hat das preußische Landwirthschafts⸗Ministerium für die diesjährige Ausstellung noch eine silberne Staats⸗Medaille als Siegerpreis für die beste deutsche Braugerste gestiftet. Die prä⸗ miierten Muster gelangen außerdem auf der nächstjährigen Wander⸗ Ausstellung der Deutschen Landwirthschafts⸗Gesellschaft, sowie auf dem 1900 in Hannover stattfindenden XI. Deutschen Brauer⸗ tage zur nochmaligen Vorführung. Auch soll eine Kollektion typischer deutscher Gerstenmuster im nächsten Jahre auf der Pariser Welt⸗ ausstellung zur Ausstellung gelangen, um auch dem Auslande ein Bild von der gestet erten Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirthschaft zu bieten. uger Freiseeae ist auch eine Reihe interessanter wissen⸗ schaftlicher Ausstellungskollektionen, sowie von Handels⸗ und aus⸗

) S. Nr. 203 des „R.⸗ u. St.⸗A.“ vom 29. August d. J.

Die Brauerei⸗Maschinen⸗Ausstellung ist in diesem Jahre gleich⸗ falls erheblich stärker beschickt als in den früheren Jahren und weist eine große Zahl wichtiger Neuheiten auf. Besonderes Interesse werden die neue Sonderausstellung für Bierversand und der Wettbewerb von eg mit diesen Ausstel⸗

Pasteurisierungs⸗Apparaten bieten. lungen hält der „Verein Versuchs⸗ und seine diesjährige Generalversammlung ab,

ebhranstalt für Brauerei“

welche vom 11. bis 15. Ok⸗ tober dauert und in welcher eine große Zahl technisch⸗wissenschaftlicher

Angelegenheiten und Fragen auf brautechnischem und landwirthschaft⸗

lichem Gebiet zur Verhandlung gelangen.

In derselben Woche finden auch die Herbstversammlungen der

Ausschüsse der Deutschen Landwirthschafts⸗Gesellschaft in Berlin statt, sodaß die beiden Ausstellungen auf einen lebhaften Besuch von Brauern

und Landwirthen werden rechnen können.

Da auch für Laien die Aus⸗

stellungen manches Interessante und Belehrende bieten dürften, hat die Ausstellungsverwaltung für den letzten Tag der Ausstellung, Sonntag, den 15. Oktober, das Eintrittsgeld von 1 auf 50

ermäßigt.

Die Deutsche Landwirthschafts

12 130 Mitglieder, 243 mehr als im Februar d.

X zählt z Zt. J.;

6 sind neu

eingetreten, 213 ausgeschieden, darunter 20 durch Tod. Die Thätig⸗ keit der Gesellschaft war auch im letzten Sommer eine recht umfang⸗ reiche. Die Düngerabtheilung hat neu aufgenommen Kalkdüngungs⸗ versuche und Versuche mit 40 %igem Kalisalz. Die Versuchsstation der Abtheilung beschäftigte sich hauptsächlich mit der Verwerthung der städtischen Abfallstoffe und der Prüfung von einschlägigen Ver⸗

fahren.

urch die Abtheilung wurden im 1. Halbjahr 1899

1 521 058 dz Düngemittel bezogen, 349 960 dz mehr als im gleichen

Zeitraum des Vorjahres,

darunter 981 239 dz Kalisalze und

269 619 dz Thomasmebl. Die Saatgutabtheilung hatte im laufenden Sommer 91 Versuche im Gange, 75 mit Weizen und 16 mit Lupinen. Neu aufgenommen werden Roggenanbauversuche, an denen sich 56 Landwirthe mit 356 Versuchsfeldern betheiligen werden. Von der Saatstelle sind in der Frühzahrssaatieit 7115 Aufträge

zur Lieferung von 2 868 718 dz

m Reinwerth von 645 115

erledigt worden. Die Abschlüsse der Futterstelle betrugen 68 200 dz, darunter 30 908 dz Oelkuchen und 10 615 dz Kleie. Die Bau⸗ stelle ertheilte 125 Auskünfte gebührenfrei, ferner 100 schriftliche bautechnische Auskünfte, prüfte Bauentwürfe im Gesammtbetrage von 250 000 ℳ, entwarf 119 Skizzen, führte 95 ausführliche Bauentwürfe aus und hatte über 26 Bauten die obere Bauleitung.

Getreidehandel Argentiniens.

Ausfuhr von Getreide aus dem Hafen von Buenos Aires

für die Zeit vom 1. bis 15.

August 1899.

Getreideart Verschiffungsziel

Mengen in Säͤcken ge.en

(bolsas)

Mais Frankreich

Belgien England olland eutschland Brasilien Süd⸗Afrika Italien Spanien Order

337 471

196 069 128 688 100 747 67 388 57 018 42 874 38 956 13 599 49 073

insgesammt

1 031 883

Belgien England Spanien Deutschland Brasilien Frankreich

rder

E11.“

2

246 474 144 495 63 744 42 053 46 716

11 208

155 214

insgesammt

711 254

England Belgien Frankreich Brasilien

106 533 56 301 8 513

2 177

insgesammt

173 524

11X“X“

Preise im Großhandel für 1 dz

.““

Gegenwerth der höchsten und niedrigsten Preise in Mark nach dem Durch schnittskurse von § m/n/ 1 = 1,87

Mais, und war: Zmn bis 3m

b. weißer 2,50 Weizen, und zwar:

a. guter und feinerer. 4,20 5,30

b. Candel 4,— 5 30 Leinfaak 6,20

-»9) Die „bolsa“ zu 66,66 kg.

3,74

Verkehrs⸗Anstalten.

Bremen, 6. Oktober. (W. T. B.) Dampfer „Trier“, „Barbarossa“, v. New York n. Bremen ab kommend, in Baltimore, „Roland“, v.

v. Bremen kommend, in Bahia

Norddeutscher Lloyd.

Baltimore kommend, in

Bremerhaven, „Bayern“, n. Ost⸗Asien best., 6. Oktbr. in Colombo

angekommen.

7. Oktober. (W. T. B.) Dampfer „Prinz⸗Regent Luitpold“,

n. Australien best., 6. Oktbr. in Aden,

„Aller“, von New York

kommend, in Genua, „Wittenberg“, v. Ost⸗Asien kommend, in Havre

angek. „Ems“, n. New

Weimar“, n. Australien best., Gibraltar

Ost. Asien best., in Antwerpen angekommen.

York best., 5. Oktober Horta pass⸗ 8 8 stadt“, v. Australien kommend, 6. Oktbr. 8 der bel. 8

pass.; „König Albert, n. „Preußen“ 6. Oktbr.,

v. Ost⸗Asien kommend, in Port Said angekommen und an demselben

Tage n. Bremen abgegangen.

Hamburg, 6. Oktober. Linie. Dampfer „Bulgaria“, v. Hamburg n. New Uork, „Patria“, v. New York n. H

(W. T. B. amb .A ika⸗ „Columbia“ 5.22 bener

in New York angek. 5. Oktbr. Cuxhaven pass.;

amburg, auf der Elbe angek. „Fürst

Bismarck“, v Hamburg über Southampton und Cherbourg n. New Porr 6. Oktbr. Dover pass. „Auguste Victoria“ 5. Oktbr. v. New ork über Cherbourg und Southampton abgeg.; „Penn⸗

sylvania“ in New York, „Valencia“ in

Montevideo angekommen.

7. Oktober. (W. T. B.) Dampfer Fürst Bisvearck“, v. Hamburg n. New York, 6. Oktbr. p. Cherbourg abgeg.; „Bulgaria:,

v. Hamburg n. New York, „Polaria“, v. 6. Oktbr. Dover passiert. „Constantia“

New Orleans n. Hamburg 5. Oktbr. in Havanna⸗

„Australig“ 6. Oktbr. in St. Thomas angek.; „Hercynia“, v. Ham⸗

burg n. West⸗Indien, 6. Oktbr. Cuxhaven in „Sibiria“ 7. Okübe. in 7. Oktbr. v. Kobe n. Foochow abgeg.

assiert; „Astvria 6. Oktbr. Sin ce angek. „Savoia:

angek.; geg.; „Crefeld“, v. Bremen

amburg, „Scotia’“ in