1899 / 296 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 15 Dec 1899 18:00:01 GMT) scan diff

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das ganze Land mit sehr

eine große Machtvollkommenheit einräumt un der hedrohten Gegenden Zwangsdienst auflegt.

ablreichen Unterabtheilungen ernannt, esetz erlassen, welches der Kommission allen Bewohnern Ferner wurden reichliche Mittel, zuerst 4 Millionen, dann noch einmal 2 Millionen eesos angewiesen, und thatsächlich sind auch im vergangenen Jahre o große Massen von Heuschrecken getödtet und deren Eier vernichtet

durch den Kongreß ein

worden, daß in Anregung gebracht werden konnte, an geeigneten Orten Anstalten zu errichten, welche die ungeheure Menge der getödteten

Insekten und deren Eier industriell zu verarbeiten beziehungsweise zu verwerthen hätten. Ferner berief die Regierung zu danernder Stellung den französischen Spezialisten d'Herculais, der auf diesem Gebiet in Afrika Erfahrungen erworben haben soll. In diesem Jahre sind zwar auch an vielen Stellen große Heu⸗ schreckenschwärme aufgetreten, bedeutenderen Schaden haben sie aber is jetzt nicht verursacht, und scheint die Gefahr für dieses Jahr be⸗ seitigt zu sein. Ob aber dieser günstige Verlauf als Folge der erwähnten Gegenmaßregeln aufzufassen ist, läßt sich noch nicht erkennen und wird vielfach bezweifelt. Von ö Seite wird vielmehr darauf aufmerksam gemacht, daß, da die Witterung bis Anfang November eine vngewöhnlich kalte war, dieser Umstand das verspätete Erscheinen der Heuschrecken veranlaßt hätte.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßzregeln.

Der Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche in der Ab⸗ ung für Schweine ist dem Kaiserlichen Gesundheitsamt gemeldet worden om Schlacht⸗ Viebhofe zu Nürnberg am 14. Dezember

Griechenland. Die elftägige Effektiv⸗Quarantäne gegen Algier ist aufgehoben worden. Die seit dem 17./29. v. M. von dort abgefahrenen Schiffe haben sich nur noch einer strengen sanitären Untersuchung zu unter⸗ (Vergl. „R.⸗Anz.“ Nr. 280 vom 27. v. 2 8

Theater und Musik.

Königliche Schauspiele.

Das Gedächtniß des vor fünfzig Jahren verstorbenen Tonsetzers onradin Kreutzer ehrten die Königlichen Bühnen gestern durch ufführungen seiner Werke. Im Opernhause ging „Das Nacht⸗ ager in Granada“, die einzige von den dreißig Opern des Kom⸗ onisten, welche sich im Spielplau erhalten hat, unter Kapellmeister Strauß' Leitung in Scene. Auch dieses Werk beginnt trotz mancher melodiöser Schönheiten bereits zu verblassen. Das rein lyrische Gepräge seiner Musik, seine ohne lebhaftere dra⸗ matische Regung verlaufende Handlung genügen den Anforde⸗ rungen, die man heute an die Bühne stellt, nicht mehr recht. Zudem liegt die Stärke des Komponisten weniger in der wirkungsvollen Behandlung der Einzelstimmen als der Chöre. So dürfte sein Name unter den Tonsetzern für Männergesang länger fortleben als unter denen der Opernkomponisten, nimmt er doch mit seinen heute noch beliebten 135 sangbaren gemüthvollen Werken für Männerchor 6. B. „Das ist der Tag des Herrn“, „Die Kapelle“, „Ständchen“, „Siegesbotschaft“, „Märznacht“ u. s. w.) immer noch eine der ersten Stellen ein. Die gestrige Aufführung des „Nacht⸗ lagers von Granada“ war eine durchaus zufriedenstellende. In den Hauptrollen zeichneten sich Fräulein Weitz (Gabriele) sowie die Herren Bulß (Jäger) und Sommer (Gomez) aus. Im Schauspielhause wurde des Tages durch eine Wiederaufnahme von Raimund's Zaubermärchen „Der Verschwender“, zu welcher Kreutzer bekanntlich die Musik geschrieben hat, gedacht. Die letztere wurde durch Mitglieder der Königlichen Kapelle unter Musikdirektor Wegener's Leitung zu Gehör gebracht. Die Gesangsrolle des Azur gab Herr Bachmann. Im übrigen nahm auch diese Aufführung, welche öfter im Spielplane des Schauspielhauses wiederkehrt und an dieser Stelle bereits eingehend gewürdigt worden ist, einen guten

Verlauf. Die Auffüͤhrun ie Aufführung des Weihnachtsmärchens „Frau Holle“ oder „Goldmarie und Pechmarie“ von Aloys gestern den Kindern und Kinderfreunden, die das Haus füllten, eine Quelle

äußerst dankbaren Publikum, hätte ihn aber auch bei kritischer veranlagten Zuschauern erzielt, so sinnig war das althekannte Märchen dramatistert, so geschickt dem Gefühlsempfinden der Kleinen angepaßt. Dazu kam noch das vortreffliche Zusammen⸗ und Einzelspiel aller, selbst der kleinsten Mitwirkenden, denen man so recht den freudigen Eifer anmerkte, vor einer so warmherzigen, begeisterten Zuhörerschaft spielen, tanzen und singen zu können. Eine reiche und geschmackvolle Ausstattung und gewandte Inscenierung thaten ferner das ihrige, um einen durchweg voll befriedigenden Gesammteindruck hervorzurufen. Jedes der fünf Bilder des Stückes brachte neue Ueberraschungen, bald in Form von Ballets, bald von Pantomimen, Märchenbildern und Zaubererscheinungen, so z. B. singende Oefen, die um Entleerung ihrer guten Gaben, und Bäume, die um Befreiung von ihren überreichen Früchten baten; kurz, es gab für die liebe Jugend des Sehens, Hörens und Staunens kein Ende. Wegen der fesselnden Darstellung ihrer Märchengestalten sind besonders hervorzuheben: die Damen Matthias, König, Müller (als Gold⸗ bezw. Pechmarie und Schnee⸗ flͤckchen) sowie die Herren Graul und Walden (als Eiszapfenmann bezw. Wanderbursche Hans Immerfroh). Nach jedem Bilde, und anz besonders am Schluß, erbob sich stürmischer Juhel, und Hexr Hacsch sowie die mitwirkenden Künstler mußten immer wieder hervor⸗ ommen. 1

Im Königlichen Opernhause geht morgen (Beethoven's Geburtstag) „Fidelio“ unter Kapellmeister Strauß' Leitung in Scene. Zu Beginn wird die „Leonoren⸗Ouverture Nr. 3 (in C-dur) gespielt. Die Besetzung lautet: Don Fernando: Herr Knüpfer; Don Pizarro: Herr Bachmann; Florestan: Herr Splva; Leonore:

räulein Reinl; Rocco: Herr Mödlinger; Marzelline: kzee.

ietrich; Jacquino: Herr Pbhilipp. In der am Sonntag stattfindenden Vorstellung von Verdi's Oper „Rigoletto“ beenden Frau Nellie Melba als Gilda und Herr Francesco d'Andrade als Rigoletto ihr Gastspiel. Das Abonnement ist aufgeboben. Im Laufe der nächsten Woche findet eine Kinder⸗Vorstellung von Humperdinck's Märchenspiel „Hänsel und Gretel“ statt. Der Tag wird noch be⸗ kannt gegeben werden.

Im Königlichen Schauspielhause wird morgen Shake⸗ speare's Trauerspiel „Julius Caesar“ in der Uebersetzung von Schlegel und in folgender Besetzung gegeben: Julius Caesar: Herr Kraußneck; Octavlus Caesar: Herr Boettcher; Marc Anton: Herr Matkowsky; Marcus Brutus: Herr Molenar; Cassius: 18 Ludwig; Casca: Herr Pohl; Porlia: Fräulein Poppe; galpurnia:; Fräulein von Arnauld.

Im Schiller⸗Theater findet die dritte Vorstellung im Schiller⸗Cyeclus, „Don Carlos“, am Sonntag Nachmittag statt. Vor⸗ bereitet wird jetzt das Lustspiel „In Behandlung“ von Max Dreyer, das noch vor den Weihnachtsfeiertagen zur Aufführung gelangen soll.

Im Neuen Theater wird am Sonnabend und Sonntag Abend

Ernst von Wolzogen's Lustspiel „Ein unbeschriebenes Blatt“ wieder⸗ holt. Am Sonnabend Nachmittag 28 wiederum eine Aufführung des Kindermärchens „Hänsel und Gretel“ in Verbindung mit der lustigen Pantomime „Die Zauberglocke“ statt. Die Eintrittspreise sind zu dieser Vorstellung bedeutend ermäßigt (Parquet 1,25, 1,00, 0,75 ℳ, andere Plätze entsprechend). 1

Die General⸗Intendantur der Königlichen Schauspiele hat dem Verein „Deutsche Volkshühne“ (Vorstand: Victor Laverrenz und Robert Wach) die Erlaubniß zur Aufführung von Heinrich Kruse's fünfaktigem Drama „Die Gräfin“ ertheilt.

Mannigfaltiges. 88 Berlin, den 15. Dezember 1899.

8 ö“

Die Stadtverordneten befaßten sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem Submissionsverfahren bei städtischen Verwaltungen. Der Ausschuß empfahl, von der Vorlage des Magistrats und den mit derselben überreichten Submissionsbedingungen der darin aufgeführten 16 Verwaltungen Kenntniß zu nehmen. Ferner befürwortete der Ausschuß die Aufnahme mehrerer genereller Bestimmungen. Unter anderem soll die Höbe der von dem Unternehmer zu stellenden Kaution in der Regel auf 5 % des abgegebenen Gebots festgesetzt werden, die Submittenten sollen vter Wochen lang nach dem Eröffnungs⸗ termin an ihr Gebot gebunden sein, und bei etwaigen Streitigkeiten

die ihre von der Berlin ausgesch nossen lag der A Verwaltungszwei

nehmer bedingungen, werden, für sich Schutzmaßregeln

außer den Antra

Ausschusses mit ei unter Ablehnung

Seiner Majestät üblichen Weise

Der Vortra fiadende

gehalten werden. morgen von 11 ½

geöffnet. hold über „die

Zutheilung von Aufträgen

nehmer vergeben zu verpflichten: welche von

bauten Sorge zu tragen.“

Die Versammlung faßte dann noch den Beschluß,

5b weesecss c ens den aus e gesetzt, weil, wie der Vorsteher bemerkte, eine geheime Sitzung länge Zeit in Anspruch nehmen werde. 1 8 u]

vH lautet 8ee

altenden Vortrags: „Ein Ausflug in die Sternenwelten“ und

7, Uhr: „Sternhaufen und Rebelflege’ ern da ben

die ermätigten Vereinsbillets Gültigkeit. Von Montag, den 18. De⸗

zember, an bis einschließlich Montag, den 25. Dezember, bleibt das

Branche orts⸗

Strafanstalten herstellen lassen, sind Lieferungen für die Stadt lossen“., Von den Staotv. Dupont und Ge⸗ ntrag vor: ge soweit sie Arbeiten in Submission an Unter⸗

anzuweisen, in den Verträgen die Uater⸗

den Arbeiterorganisationen anerkannt als bindend zu erachten; 2) für zweckentsprechende für die Arbeiter bei allen Neu⸗ und gößeren Um⸗ Nach längerer Dehatte, an welcher si

gflellern die Stadtv. Dr. Preuß, Lüben, Singer, Rast

und der Bürgermeister Kirschner betheiligten, wurden die Anträge des

nem vom Stadtv. Esmann vorgeschlagenen Amendement der Anträge Goldschmidt und Dupont angenommen. den Geburtstag des Kaisers und Königs, am 27. Januar, in der im Festsaal des Rathhauses zu begehen. Die von der Tagesordnung ab⸗

g des Astronomen Herrn G. Witt über die in der

Nacht vom Sonnabend zum Soantag. gleich nach Mitternacht, statt⸗ Mondfinsterniß wird im Hörs .

örsaal der „Urania“⸗

Sternwarte (Invalidenstraße) morgen, Sonnabend, 12 Uhr Nachts,

Die Sternwarte wird, wie bereits mitgetheilt, Uhr ab ununterbrochen geöffnet sein. 3

In der Nacht vom Sonnabend jum Sonntag bleibt der Mond⸗ finsterniß wege Am Sonnabend, Abends 9 Uhr, spricht Direktor Archen⸗

n die Treptower Sternwarte für das Publikum

bevorstehende Mondfinsterniß. Am Sonntag, den das Thema des Nachmittags um 5 Uhr zu

Zu allen Vorträgen haben

Institut, wie alljährlich, geschlossen.

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der Kaiser tr schlosse ein, w

wo ein Treiben London,

britischen Wirkung. Di

sich den Buren

Berge. lungen statt.

Göhrde, 15. Dezember.

News“ melden aus Kapstadt vom 12. d. M.: Mißerfolge

nimmt, sind von düsteren Ahnungen stimmung der holländischen Bevölkerung nimmt rasch zu, und ein großer Theil derselben würde 2

kommen beunruhigende schritt eine starke Abtheilung Holländer die Pässe der Amatola⸗ Im Bezirk Victoria East finden geheime Versamm⸗ Die Großbritannien ergebenen Farmer in den Bezirken Stutterheim und Reirod (2) sind von den Behörden bewaffnet worden.

(Fortsetzung des Amtlichen und Nichtamtlichen in der Ersten

chluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

. (W. T. B.) Seine Majestät

af heute Mittag 12 Uhr im hiesigen Jagd⸗

o nach der Ankunft Frühstückstafel stattfand.

Hierauf erfolgte der Aufbruch zur Jagd im Revier Maschkabel,

auf Sauen stattfindet.

15. Dezember. (W. T. B.) Die „Daily R.: Die letzten von der niederdrückendsten deren Zahl keineswegs zu⸗

erfüllt. Die Miß⸗

sind e Loyalen,

leicht zu überreden sein, Büsuschlishem. Vom östlichen Theil der Grenze achrichten. Donnerstag Nacht über⸗

8

der Rechtsweg offen stehen. Der Stadtv. Goldschmidt beantragte dax,. gegen, daß die Feenne ung eaen en Beschluß fassen möge: „1) Jede gen ist davon abhängig zu machen, daß der be. treffende Unternehmer seine Arbeiter zu den in der üblichen, bezw. zwischen Unternehmern und Arbeitern im Einigungs⸗ amt vereinbarten Arbeitsbedingungen beschäftigt; 2) Lieferanten. Waaren in 8 Betheiligung an

„den Magistrat zu ersuchen, sämmtliche

1) die ortsüblichen Lohn⸗ und Arbeits.

39 Braunschweig

Nachweisung der Einnahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reich für die Zeit vom 1. April 1899 bis zum

Schluß des Monats November 1899.

2.

3.

4.

5.

6.

Einnahme im Monat November 1899

[4

in den

Hierzu Einnahme

Vormonaten

2

Zusammen

32

Einnahme in dem⸗ selben Zeitraum des Vorjahres

(Spalte 4) 2

Im Rechnungs⸗

jahre 1899

+ mehr weniger

I. Im Reichs⸗Postgebiet. 1) Königsberg 1111A“ 15 252 2) Gumbinnen ““ 5 696 3) Danzig. v1““ 14 702 4) Berlin.. 127 597 5) Potsdam.. 5 770 6) Frankfurt a. O. 8 214 7) Stettin 18 9 039 8) Köslin. 2 321 9) Posen.. . 5 936 10) Bromberg. 6 846 11) Breslau

18 239 19 Liegnitz. 13 610

18 049

10 027 13) Oppeln 1“ 1ö1“” 9 774

14) Magdeburg. 9 de e a. S... 16) Erfurt . 17) Kiel. 1“ 18) Hannover. 19) Münster 20) Minden 21) Dortmund. 22) Cassel 23) Frankfurt a. M. 24) Kln. 25) Aachen. 26) Koblenz. 8 Düsseldorf. 28) Trier. 29) Dresden 30) Leipzig.. 88 Feren⸗ 8 e.

13 954 11 444 13 543 5 378 9.-377 28 244 17 004 34 168 23 975 8 190 7 491 73 055 3 867 31 542 44 485 24 914 34 096 9 104 16 171 3 365 5 511 6 745 20 700 111 125 22 371 4 526

32) Karlsru

33) Konstanz.

5 Darmstadt

35) Schwerin i. M. . 36) Oldenburg

38) Bremen 39) Hamburg. . 40) Straßburg i. E. 41) Metz

40 40 70 70 60 60 50 50 30 70 90 80 60 40 50 80 70 60 10 90 90 90 30 60 50 20 70 40 80 50 80 70 60 90 90 90 50

90

110 126 46 297 102 412 990 481 40 850 58 591 68 168 19 867 46 897 48 365 141 775 82 664 99 891 132 405 68 877 106 201 83 385 97 456 36 792 67 191 192 554 89 120 245 776 170 446 63 786 61 362 522 200 24 507 220 911 289 148 168 422 232 865 63 647 111 758 24 064 47 932 52 087 134 594 772 567 153 329 26 130

30 20 40 30 90 80 70 20 20 70 20 20

40

70 80 90 20 20 10 90 10 40 10 60 80 10 70 40 30 70

125 378 51 993 117 115 1 118 079 46 620 66 806 77 208 22 189 52 833 55 211 160 015 92 692 113 501 150 455 78 651 120 155 94 829 110 999 42 171 76 568 220 799 106 125 279 945 194 421 71 976 68 853 595 256 28 374 252 454 333 633 193 337 266 962 72 751 127 930 27 430 53 443 58 833 155 295 883 692 175 700 30 657

70 60 10 60 50 30 20 50 90

108 839 48 985 96 133

1 034 830 40 954 62 851 77 585 21 193 47 549 51 502

153 500 87 864

108 807

137 553 78 129

110 072 91 885

106 683 36 404 69 501

197 079 97 848

269 242

167 470 63 812 64 473

515 494 22 853

211 617

290 042

173 664

233 842 68 813

121 080 27 043 46 080 55 775

167 061

862 708

161 702 27 183

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10 50 80 60 30 20 30 10 30 60 20 40 30 70 10 90 60 60 10 10 30 40 10 30 50 20 30 60

80 40 80 60 40 70 40 20

855 440 83 049 27 022

II. Bayern

70 90⁰

70 6 115 911

595 261 189 060

6 971 352 678 310 216 083

6 415 718 637 429 215 434

70 70 90

8 8 8

empfindlicher, als wenn eine Milliarde weniger bewilligt wird. Wi wollten gerade die Unterordnung des einseitigen Marineinteresses unter das Wohl des Ganzen. Was aber ist bewilligt worden? In den letzten acht Jahren unter Kaiser Wilhelm I. zusammen betrug das Extra⸗ ordinarium der Marine 107 Millionen Mark, in den ersten acht Jahren des jetzigen Monarchen zusammen 260 Millionen Mark, und das Ordinarium der Marineverwaltung hat sich in diesen acht Jahren um mehr als 50 %, die Präsenzstärke der Marine um 40 % erhöht. Der

Reichskanzler hat jedenfalls vorher keine Ahnung davon gehabt, daß

eine solche Rede gehalten wurde. Aber der Staatssekretär Tirpitz

war in Hamburg zugegen. Ich nehme an, daß ihm vorher diese Rede

nicht mitgetheilt worden ist, sonst hätte er kraft seiner ressort⸗

mäßigen Stellung es verhüten müssen, daß mit der Wirklich⸗

keit so wenig übereinstimmende Behauptungen in Bezug auf die

Haltung des Reichstages in den acht Jahren aufgestellt wurden.

Es hätte ja nichts entgegengestanden, dem ressortmäßigen ver⸗

antwortlichen Minifter vorher diese Rede mitzutheilen; denn sie ist ja

nicht nachträglich durch das Zivilkabinet oder sonstwo korrigiert worden,

sondern vorher Wort für Wort festgestellt gewesen, sonst hätte sie 8

nicht gleichzeitig oder sogar, wie mir gesagt ist, schon früher, als sie

gehalten wurde, in die Druckerei des „Reichs⸗Anzeigers kommen

können. Auch im Reichstage wird ja kein Versuch diese retrospektiven Betrachtungen in der Hamtburger Rede über die ersten acht Jahre der Regierungszeit zu ver⸗ theidigen. Graf Posadowsky hat gestern gemeint, man solle doch, wenn man es für nörhig halte, Reden des Monarchen hier zur Diskussion zu bringen, fich an die verfassungemäßig dafür verantwortlichen Minister halten. Ich bin ganz und gar mit ihm einverstanden; ich bin gern bereit, dem zu genügen, wenn zu diesem Zwecke ein verantwortlicher Minister da it Fürst Bismarck hat einmal gesprochen von Aufträgen des Monarchen ohne ministerielle Bekleidungsstücke. Wenn diese Bekleidungsstücke in einem solchen Falle nicht vorhanden sind, dann können wir doch nicht wie das Volk in dem bekannten Stück von Ludwig Fulda erheucheln, daß wir die Bekleidung sehen, während sie doch nicht da ist. Es thut noth, daß solche Reden, die nachher veröffentlicht werden, vorher dem betreffenden Minister zur Kenntniß gelangen, damit er sich in Uebereinstimmung halten kann mit seinem eigenen Gewissen und mit dem, was er bereit ist, zu ver⸗ treten. Die ganze Art, wie dieser Flottenplan vorbereitet worden ist, ist hochcharakteristisch für unser Regierungssystem. Im September ging das Regierungsprogramm dahin, in dieser Session keine Streit⸗ fragen in Militärangelegenheiten vor den Reichstag zu bringen. Der Reichskanzler ist in größter Ruhe am 14. Oktober nach Baden⸗Baden Lereäg. Die Rede in Hamburg schien zunächst auch nur eine theo⸗ retische Bedeutung haben zu sollen. Da kam Staatssekretär Tirpi

am 23. Oktober aus Wilhelmshaven zurück; am Montag Aben

kündigte die „Norddeutsche Allgemeine Zettung. an der piße des Blattes an, sie könne zuverlässig mittheilen, daß in diesem Etatsjahre ein Flottengesetz nicht vorgelegt werden würde. In 24 Stunden sprang der Wind um;derStaatssekretär Tirpitz fuhr in Begleitung des Staatssekretärs Grafen von Bülow nach dem Neuen Palais. Die beiden Herren hatten mit dem Monarchen eine Verständigung darüber erzielt, daß noch in dieser Session ein Flottengesetz vorgelegt werden solle, und Staatssekretär Tirpitz machte sich am Mittwoch, den 25., auf die Reise nach Baden⸗Baden, um nachträglich das Placet des Reichskanzlers einzuholen. Das ist auch eine Eigenthümlichkeit unserer Zustände, daß die maßgebenden Personen mehr auf Reisen sind, als dies bisher üblich war. Wenn ein Beschluß der Re⸗ gierung extrahiert werden soll, so muß ein Herr dem andern nachreisen. Wir haben gewissermaßen eine Regierung im Umherziehen. Das war ja auch bei den alten Deutschen der Fall. Da wir kein Minister⸗ kollegium haben, so hat der Reichskanzler das einheitliche Reichs⸗ interesse zu vertreten. Das bringt naturlich mit sich, daß, wenn es

gemacht,

8 III. Württemberg.

30 sich handelt um eine wichtige Initiative, die über ein einzelnes Ressort

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hellster Freude.

Es errang einen durchschlagenden Erfolg bei dem

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zwischen dem Unternehmer und der Verwaltung soll dem Unternehmer

und Zweiten Beilage.)

1““ om 15. Dezember 1899, Uhr Morgens.

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wolkig bedeckt wolkenlos bedeckt Nebel bedeckt bedeckt

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Hamburg LECECEC Swinemünde 757 Neufahrwasser 756 Memel

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²) Nachts Schnee.

Uebersicht der Witterung.

Das Barometer ist über Südwest⸗Europa stark gestiegen, dagegen über Nord⸗Europa gefallen. Eine tiefe Depression, zu Grisnez Südoitsturm verur⸗ sachend, liegt jenseits der Alpen und scheint ostwärts fortzuschreiten. Am höbhsten ist der Luftdruck über Nordrußland. In. Deutschland dauert die trübe, kalte Witterung mit schwacher Luftbewegung fort; vielfach ist Schnee gefallen, jedoch meist in geringer Menge; Magdeburg meldet 18, Berlin und Sowine⸗ münde 15 Grad unter Null, dagegen Helgoland und

Borkum Thauwetter. 1G Deutsche Seewarte.

759 O halb bed. orm. Schnee.

Theater. 8 Pgliche Schanspiele. Sonnabend: Opern⸗

haus

orstellung. B erhovens Geburtstag.

ideliov. Oper in 2 Akten von Ludwig van

eethoven. Text nach dem Französischen von Fer⸗ dinand Treitschke. Zu Beginn Ouverture „Leonore“ (Nr. 3). Anfang 7 ½ Uhr.

Schauspielhaus. 283. Vorstellung. Julius Caesar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Uebersetzt von August Wilhelm von Schlegel. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag: Opernhaus. Rigoletto. Oper in 4 Akten pon Giuseppe Verdi. Nach dem Italie⸗ nischen des F. M. Plave. Tanz von Paul Taglioni. Gilda: Frau Neillie Melba, als letzte Gastroll“;

igoletto: Herr Francesco d'Andrade, Königlich baye⸗ rischer Kammersänger, als Gast.) Das Abonnement ist aufgehoben. illetreservesatz 17. Anfang 7 ½ Uhr. Preise der Plätze: Fremden⸗Loge 20 ℳ, Orchester⸗ Loge 15 ℳ, 1. Rang 15 ℳ, Parquet 15 ℳ, 2. Rang 8 ℳ, 3. Rang 6 ℳ, 4. Rang Sitzplatz 3 ℳ, Stehplatz 2

Schauspielhaus. 284. Vorstellung. Schlaraffen⸗ laud. Märchenschwank in 3 Aufzügen von Ludwig Fulda. Die zur Handlung gehörende Musik von Ferdinand Hummel. Anfang 7 ½ Uhr. „1

Dentsches Theater. Sonnabend: Der Probe⸗ kandidat. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonntag, Nachmittags 2 ½ Uhr: Cyrano von Bergerac. Abends 7 ½ Uhr: Der Probe⸗ kandidat.

Montag: Der Probekandidat.

Berliner Theater. Sonnabend, Nachmiltags 3 Uhr: Frau Holle. Abends 7 ½ Uhr: Berg⸗ Almansor. Heine⸗Lieder. (Frau

cher)

Sonntag, Nachmiftage 2 ½ Uhr: Frau Holle. Abends 7 ½ Uhr: Das verlorene Paradies.

Montag: Die Herren Söhne.

vüPend, Abends 8 ör: Fybigente auf Tauris. n

Schauspiel in 5 Aufzügen von Wolfgang von Goethe. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr (dritte Vorstellang im Schiller⸗Cyclus): Don Carlos. Abends 8 Uhr: Cyprienne. . Montag, Abends 8 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn.

Theater des Westens. (Overnhaus.) Sonn⸗ abend, Nachmittags 3 Uhr: Kinder⸗Vorstellung: Schneeweißchen und Rosenroth. Abends 7 ½ Uhr: Volksthömliche Vorstellung zu halben Preisen: Fra Diapolv.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen:

Martha. Abends 7 ½ Uhr: bacan. (14. Moatag⸗Ab ontag Moatag⸗Abonnements⸗Vorstell 1 i-X.n. -⸗hes wrer. senstag: Gastspiel von iorin vosti. Die Perlenfischer⸗ Mittwoch, Nachmittags 3 Uhr: Kinder⸗Vorstellung: Schneeweißchen und Roseuroth. Abends 7 ½ Uhr: Der Zigeunerbaron.

Lessing Theater. Sonnabend: wiederkam..

Sonntag: Als ich wiederkam...

Montag: Als ich wiederkam..

Neues Theater. Schiffbauerdamm 4a. Sonn⸗ abend, Nachmittags 3 Uhr: Kinder⸗Vorstellung: Hänsel und Gretel. Hierauf: Zempomirofolo⸗ libidibirutzinutzischlumpinowikowsky. (Preise: Logen 1.50 ℳ, Parquet 1,25 0,75 ℳ, II. Rang 75 und 50 ₰.) Abends 7 ½ Uhr: Ein un⸗ beschriebenes Blatt.

Sonntag, Mittags 12 Uhr: Matinée der Sezessionsbühne. Der Besiegte. Der Kammer⸗ 58 Abends 7 ½ Uhr: Ein unbeschriebenes

att.

Belle -Alliance ⸗Theater. Gastspiel des „Schlierseer Bauern⸗Theaterts“. Sonnabend, Abends 8 Uhr: 's Liserl von Schliersee. Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Akten.

Sonntag: ˙8 Liserl von Schliersee.

Residenz-Thenter. Direktion: Sigmund Lauten⸗ burg. Sonnabend: Busch und Reichenbach. Schwank in 3 Akten von Heinrich Lee und Wilhelm Meyer⸗Foörster. Regie: Hermann Werner. Vorher: Die Richtige. Komödie in 1 Akt von Thilo von Trotha. Regie: Gustav Rickelt. Anfang 7 ½ Uhr.

Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben ee. 5 Ssses. 1

onntag und folgende Tage: Bu und onntag, Nachmittags 3 Uhr: Zu halben Preisen: Der Schlafwagen⸗Controleur. Se

Thalia⸗-Theater. Dresdenerstraße 72/73. Vor⸗ letzte Woche. Sonnabend: Der Platzmajor. Eangepofse in 3 Akten von Jean Kren und Alfred Schönfeld.

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Der Zigeuner⸗

Musik von Gustav Wanda. Anfang

Sonnabend und Sonntag, Nachmittags 4 Uhr: In kleinen Preisen: 6 Zauberbann Weih⸗ nacht. Weihnachtsmärchen in 5 Akten von Franz

Woenig. Sonntag: Ter Platzmajor. Anfang 7 ½ Uhr.

Konzerte.

Sing-Akademie. Sonnabend, Anfang 8 Uhr: Konzert der Koloratursängerin Wilma Sanda. Mitwirkung: W. Herbort (Flöte).

Saal Bechstein. Sonnabend, Anfang 7 ½ Uhr:

Konzert von Hjalmar Arlberg (Gesang). Mit⸗ wirkung: Frau Wilma Norman⸗Neruda (Violine

7 WW11 8 9 8

und Johanne Stockmarr (Klavier). 8

Beethoven-Baal. Sonnabend, Anfang 8 Uhr: II. Konzert von Frau Cécile Roesgen⸗Liodet (Gesang).

Birkus Alb. Schumann. Im eleganten, renovierten Zirkus Renz, Farlstraße. Sonnabend, Abends präzise 7 ½ Uhr: VI. Grande Soirée Migh -Life. Gala⸗Programm. Auftreten fämmtlicher neu engagierten Künstler. Vorführung der neuesten Original⸗Dressuren des Direktors Alb. Schumann. Vorletztes Auf⸗ treten der Original⸗Transvaal⸗Buren. Zum Schluß: Großes Ritterschaustück aus dem 14. Jahr⸗ hundert: Der schwarze und der weiße Ritter mit sämmtlichen Einlagen. 8

Sonntag: Zwei Vorstellungen: Nachmittags 4 Uhr und Abends 7 ½ Uhr. In beiden Vorstellungen: Letztes Sonntags⸗Auftreten der Original⸗Trans⸗ vaal⸗Buren. Nachmittags ein Kind frei.

Familien⸗Nachrichten.

Geboren; Eine Tochter: Hrn. Regierungs.

Afsessor Froehlich (Erfurt) Hrn. Ober⸗Roßarzt ränzel (Thorn). Hrn. Forst⸗Assessor Sack Braunschweig). Gestorben: Hr. Wirklicher Geheimer Ober⸗ Regierungsrath und Ministerial⸗Direktor a. D. Adolf Friedrich Schartow (Berlin). Hr. Real gymnasial⸗Direktor. Professor Dr. George Ros⸗ (Bernaa). Hr. Kommerzienrath Julius Isaac erlin).

Verantwortlicher Redakteur: 8 Direktor Siemenroth in Berlin.

Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin.

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verl Anstalt Berlin SW., Wübelmftraße ir age.

Acht Beilagen (einschließlich Börsen⸗Beilage).

Heberhaupt 965 513 30

„im Dezember 1899.

6 900 233

7 865 746 7 268 582

““

Haupt⸗Buchhalterei des Reichs⸗Schatzamts.

Biester.

Deeutscher Reichstag. 8 122. Sitzung vom 14. Dezember 1899, 12 Uhr. FSggagesordnung: Fortsetzung der ersten Berathung des Reichshaushalts⸗Etats für 1900.

Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Wenn der Zeitungsbericht über die gestrige Sitzung

richtig ist das amtliche Stenogramm habe ich noch nicht einsehen

können so hat der Herr von Kardorff in Bezug auf die letzte Kanalvorlage gesagt:

Den Ausführungen des Abg. Sattler über die Kanäle könne er sich nicht anschließen. Für Kanäle mit Wasser interessiere sich jeder, hier aber lägen technische Unmöglichkeiten vor, das seien Kanäle ohne Wasser, die unsere unfähigen Wasserbautechniker bauen.

Meine Herren, diese ganz unglaubliche, durch nichts begründete Beleidigung, welche der Herr Abg von Kardorff in diesen Worten den preußischen Wasserbautechnikern zugefügt hat (hört! hört! links), hat der Herr Vize⸗Präsident dieses hohen Hauses gestern bereits zurück⸗

gewiesen. (Zurufe links.) Es liegt mir fern, an dieser Art der Zurückweisung irgend eine Kritik hier ausüben zu wollen. Ich kann nur hinzufügen, daß die allgemeine hohe Anerkennung, welche in aller Welt den preußischen Wasserbautechnikern zu theil geworden ist (sehr richtig! links) und heute noch zu theil wird, und die sich darin ausdrückt, daß ihr Rath und ihre Hilfe bei fast jedem großen Wasserbauwerk in Anspruch genommen wird, durch den Ausspruch des Herrn von Kardorff in keiner Weise beeinflußt werden kann. (Sebr richtig! links. Lebhafte Zurufe rechts.)“ 1 Was dann ferner die von dem Herrn von Kardorff behauptete technische Unmöglichkeit betrifft, den Mittelland⸗Kanal mit dem nöthigen Wasser zu versehen, so beweist dieser Ausspruch des Herrn von Kardorff mir nur: entweder, daß er die technische Begründung der Kanal⸗ vorlage nicht gelesen hat (sehr richtig! in der Mitte und links), oder daß er bei dem Mangel wasserbautechnischer Kenntnisse sie nicht ver⸗ standen hat. (Sehr gut! links.) Meine Herren, !mit Herrn von Kardorff werde ich mich über die Kanalvorlage im preußischen Landtag auseinandersetzen; aber weil er gesagt hat, für Kanäle mit Wasser interessiere sich ja jeder, also auch Herr von Kardorff, und da der mathematische Beweis geliefert werden kann, auch Herrn von Kardorff, daß der Mittelland⸗Kanal hinreichend Wasser hat (sehr richtig! links), so ist ja mit Leichtigkeit zu erreichen, daß bei einer erneuten Vorlage des Mittelland⸗Kanals Herr von ardorff diesem Projekte seine Zustimmung geben wird. (Seiterkeit und lebhaftes Bravol links und in der Mitte.)

1

Abg. Richter: Ich glaube, die Ausführungen des Herrn von Kardorff haben mehr zur Belustigung und Erheiterung des Hauses beigetragen, als sie ernsthaft genommen wurden. Es ist lange her, daß wir den Minister von Miquel hier gesehen haben. Leider war er nicht mehr da, als von Kardorff von der ver⸗ fassungswidrigen Behandlung der Landräthe im preußischen Abgeordnetenhause sprach. Herr von Kardorff sagte freilich, er wüßte, daß der Minister von Miguel nicht persönlich daran betheiligt sei. Wenn Herr von Kardorff Muselmann wäre, würden wir ihm sagen: Allah weiß es besser. Man hätte auch sagen können: Fürst Hohenlohe weiß es besser. Der Minister von Miquel sagte, früher sei es nicht üblich gewesen, Reden des Monarchen zu kritisieren. Unter dem früheren Monarchen kam es auch nicht vor, daß derselbe in öffentlichen Reden Angelegenheiten des Reichstages besprach. Es ist daher unsere Pflicht, von unserer Redefreiheit Gebrauch zu machen, um darauf zu erwidern. Und dann liegt noch eine besondere Veranlassung vor: Der Reichstag war in jener Rede ungerechtfertigten Anschuldi⸗ gungen unterworfen worden, daß er nämlich in den ersten acht Jahren der Regierung des gegenwärtigen Kaisers die Verstärkung der Flotte be⸗ harrlich abgelehnt und das Wohl des Ganzen Parteiinteressen unter⸗ geordnet habe. Gegen solche Anschuldigungen sich zu vertheidigen, ist einfach Pflicht der Selbsterhaltung Wenn ein Privatmann solche Beschuldigungen gegen den Reichstag erhebt, so ist der Reichstag zu vornehm, die Genehmigung zur Verfolgung zu ertheilen. Wenn aber von solcher hohen, privilegierten Stelle aus solche Vorwürfe erhoben werden, dann ist es Pflicht des Reichtages, da⸗ gegen zu sprechen. Was ist denn in den acht Jahren von 1889 bis 1896 für die Flotte abgelehnt worden? Zwei Küstenpanzer. Die Regierung selbst hat bald darauf Füftenn davon snommen, diese Küstenpanzer nochmals zu fordern, weil sie sich inzwischen über⸗ zeugt hatte, daß die ganze „Siegfried“⸗Klasse den auf sie gesetzten Erwartungen nicht entsprach, und beim neuen Flottongesc sind gerade diese Küstenpanzer auf den Aussterbe⸗Etat gesetzt. Der Reichstag hat also zwei Küstenpanzer erspart, welche die Regierung selbst nicht mehr als ihren Zwecken entsprechend erachtete. Im übrigen belaufen sich die Ablehnungen auf vier oder fünf Korvetten, kleine Kreuzer oder Avisos, die Bezeichnung hat ja fortgesetzt gewechselt. Diese sind zurückgestellt worden, weil die Verwal⸗ tung selbst in ihren Ansichten über die Konstruktion wechselte. In der Denkschrift von 1889 werden diese v; als Kaperschiffe bezeichnet. Nichts ist aber natürlicher, als daß der Reichstag die Ver⸗ mehrung der Kaperschiffe, als eines sekundären Zweiges, hinter anderen Bewilligungen zurückstellt. Es ist ungerechtfertigt, zu behaupten, daß, wenn diese Schiffe nicht verweigert wären, man heute Handel und Seeinteressen ganz anders schützen könnte. Sind jene Ablehnungen erfolgt, weil man das Wohl des Ganzen den Parteiinteressen unter⸗ ordnete? Im Gegentheil, die Streichungen fallen in die Jahre 1893/95, wo große Steuervorlagen von über 100 Millionen Mark das Haus beschäftigten und wir den Etat nach allen Richtungen korrigieren mußten. Dazu hat allerdings die Marine durch Absetzungen einen bescheidenen Beitrag liefern müssen. Wenn durch solche großen neuen Steuern ich erinnere nur an die Tabackfabrikatsteuer große Industriezweige gestört werden, so ist das für den Volkswohlstand

hinausgeht, auch eine Verständigung erfolgt zwischen dem Monarchen und dem Reichskanzler, und daß dann erst die übrigen Instanzen in Frage kommen. Hier war es umgekehrt. Naturgemäß war der Reichskanzler schon präjudiziert; es war ihm er⸗ schwert, eine andere Meinung zur Geltung zu bringen. Der Reichskanzler fügte sich dem Vorschlag des Steaatssekretärs der Marine; drei Tage später wurde der Flottenplan bekannt gegeben. Hier gestatte ich mir die Frage: Woher ist dieser Plan eigentlich gekommen? Ist er im Reichs⸗Marineamt ausgearbeitet? Er kam wie aus der Pistole geschossen. Ist er aus dem Marine⸗ kabinet erst dem Marineamt zur Ausführung überwiesen worden? Diese Frage ist nicht ganz überflüssig. Im Jahre 1896 kam plötzlich Admiral von Hollmann aus Wilhelmshafen aus der Um⸗ gebung des Monarchen zurück in die Budgetkommission und theilte uns eine sogenannte Niederschrift mit, von der bisher niemand eine Ahnung gehabt hatte. Es wurde widerspruchslos fest⸗ gestellt, daß von diesem Plan weder der Reichskanzler, noch der Schatzsekretär die geringste Ahnung gehabt hatten. An die Veröffentlichung des neuen Plans schlossen sich zahl⸗ reiche Artikel aus dem Marineamt, namentlich in der „Berl. Corresp.“ an. Ich meine, wo die Regierung in der Oeffentlichkeit auftritt, soll sie es unter ihrer Verantwortung, nicht unter offiziöser Maske thun. Die!Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ erscheint unter der Verantwortung eines gewissen Lauser. Die Regierung soll erst dann dazu übergehen, in der Oeffentlichkeit dafür Stimmung zu machen, wenn der Plan innerhalb aller für die Vorbereitung von Gesetzen zuständigen Instanzen festgestellt worden ist. Warum überhaupt iese Eile? Das Flottengesetz soll doch erst im Januar vorgelegt werden und praktische Bedeutung soll die Sache erst von 1901 an haben. Herr von Kardorff hat gestern auf das Bedenkliche aufmerksam gemacht, die deutschen Fürsten, die man früher sogar brieflich lange vorher über die Absichten der Regierung verständigt hätte, zu übergehen. Nun ist allerdings nachher Staats⸗ sekretär Tirpitz umhergereist, um seinen Plan plausibel zu machen, aber erst, nachdem in den Zeitungen der ganze Plan schon erläutert und zu begründen versucht war. Geschäftsordnungsmäßig sind bisher bei der Ausarbeitung des Programms eines Gesetzes die leitenden Minister der Einzelstaaten zugezogen worden. an kann fragen, warum wir uns so bemühen, daß der Bundesrath zu seinem Rechte kommt. Wenn der Bundesrath zu einer bloßen Registrierbehörde herabsinkt, sind wir um so mehr verpflichtet, wieder die frühere Forderung 2 nach einem verantwortlichen Minister, nach einem Ministerkollegium. Wir verlangen, daß solche weitgreifende Pläne vorher aus ruhigen, eingehenden Berathungen und Verständigungen eines Ministerkollegiums mit dem Monarchen gemacht und daß sie nicht nach der Direktive von bloßen Trinksprüchen und Festreden aufgestellt werden. Das ist es, was uns noth thut im Lande. Wir wollen eben keine Kabinetsregierung, weil wir in Preußen aus der Geschichte wissen, wie viel Unheil schon dadurch gestiftet worden ist. Seibst ein Mann, wie Herr von Kardorff, konnte sich der Be⸗ denken nicht entschlagen, daß wir auf dem Wege zu einer solchen Kabinetsregierung uns befinden und daß die Minister⸗ verantwortlichkeit sich zu verflüchtigen beginne. Wenn das so weiter geht, so kommen wir zu einem absoluten Regiment der früheren Jahr⸗ hunderte, wo die Minister durch ihre Unterschrift zu beglaubigen hatten, was der Fürst wollte oder nicht wollte. Vom Standpunkt des Parteimannes aus könnte ich eine gewisse Genugthuung darüber empfinden, wie die Sache gekommen ist. an glaubte, daß man 5