1900 / 16 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 18 Jan 1900 18:00:01 GMT) scan diff

Qualität

mittel

Verkaufte

Gezahlter Preis für 1 Dopp

elzentner

Menge

niedrigster

höchster

niedrigster

höchster

niedrigster

höchster

Doppelzentner

Am vorigen Markttage

Durch⸗ schnitts⸗ preis

Durchschnitts⸗ pre

für 1 Doppel⸗

zentner dem

Außerdem w am Marktte e 8 Lhcberscie über li Eheüber vehhc D oppelzentner (Preis unbekannt)

1

Weizen, pfälzer,

Angermünde Neuruppin

tettin.

Schivelbein Stolp. osen.. issa. Rawitsch Militsch. Frankenstein Lüben..

ilenburg Marne Goslar Lüneburg

Dinkelsbühl Biberach. Altenburg

—JSAäFaaaaanebebaagasnaeaeeeaeeeeneeeee

9.

Breslau.

88*

Angermünde Beeskow.

n. 8

Stettin. Stargard i. Köslin Stolp.

Militsch.

Lüben..

Eilenburg Marne Goslar. Lüneburg aderborn

Biberach.

2 2. 2 9 2 9 9 2 9 2 2 2 2 9 2 2 2 9 2 2 9 9 9 9 2 2 2 9 2 9

Altenburg

98

Breslau .

Bemerkungen. Die verkaufte Menge Ein liegender Strich (—) in den Spalten

rankfurt a. O. Greifenhagen . Stargard i. Pomm.

Schönau a. K.

Limburg a. L..

Landsberg a. W.

82

1 „5 9“ 5 5böö 111“”“ eE11 . ⸗„ .

ob b 9 o o 8 82

Insterburg. Elbing.

Luckenwalde.. -

euruppin. Frankfurt a. O..

Greifenhagen.

Pomm..

Schivelbein..

Rummelsburg i. Pomm.

Lauenburg i. Pomm.

Frankenstein.

Schönau a. K. Halberstadt.

.

imburg a. L. Dinkelsbühl.

Ueberlingen. Braunschweig

Landsberg a. W. . .

wird

12,20 13,75

12,80 12,60

10.80 11,00

11,20 11 00

11,00 11,00 11 60

10,95 10,00 13,60 13,50 12,70 12 50 12,25 12,00

12,80 12,80 13 30 13,20 12,20

. 11,20

auf volle Doppelzentner un für Preise hat die Bedeutung,

13,40

13,40 11,50 11,70 12,80 13,00 12,20 13,20 12,60 14 50 14,50 13,30 14,00 13,00

16 20 14,80 13,00

12,00

11,60 12,20

13,75

12 80 12,60

10,80 11,00

11.20 11,00

11,20 11,25 11,60

11,20 10,30 13,80 13,5

12,70 13,50 12,50 12,40

13,00 13,00 13,30 13,20 12,20

1130

14,00 13 80 11,70 12,00 12,80 13,50 13.00 13,45 12,90 14,50 15,00 13,40 14,10 13,00

16,30 15,00 13,80

12,50

12,00 12,40 1220

14,00 13,00 13,20

11,60 11˙20

10,40 11,60 11,20 12,50 11,30 11,25 11,90 11,60 11,45 10,60 13,80 14,00 12,80 13,60 12,50 13,00

13,20 13,20 13,93 13,60 13,00

11 40

¹

d der Verkaufswerth auf vol daß der betreffende Preis ni

14 00 13,80 12,20 12,30 13 50 13,50 13,00 13,70 13,10 15,20 15,00 13,40 15,00 14,00

16 60 15,40 13,80

13,00 H

12,40 12,40 1220

14,00 13,00 13,20

11,60 11,20 11,00 11,60 11,20 12,50 11,40 11,50 11,90 11,60 11,70 10,80 14,10 14,00 12,80 14,50 13,40 13,60

13,70 13,40 13,˙93 13,60 13,00

11,60

er ste.

14,00 13 00

12,50 13,00

12,60 13,50 14,00 14,80 13,95 13,20 15 20 15,50 13 50 15,10 14,00 14,23 16,80 15,60 14,80 14,00 13,50

afer.

11,60

12,60 13,00 14,60 14,40

13,40 12,80 11,80 11,80 11,60 11,40

12,00 12,00

11,50 11.50 12,20 12,00 11,95 11.00 14 10 14 50 12,90 14,60 13,40 13,80 13,30 13,80 13,60 14,30 14,00 14,00 13,00 11,90

14,00 13,00

12,80

12,80 14,00 14,00 14,80 14,20 13,40 16,00 15,50 13,50 17,00 15,00 14,31 17,00 16,00 14,80 14,00 14,50

11,60 12,60

:13,00

14 60 14,40

13,40 12,80 12,00 12,00 11,60 11,40

12,00 12,00

11,70 12,00 12,20 12,00 12.20 11,20 14,40 14.50 12,90 15,50 13,50 14,00 13,40 14,00 13,80 14,30 14,00 14,00 13,00 12,10

volle Mark abgerundet mitgetheilt. Der cht vorgekommen ist, ein Pun

Durchschnittspreis kt (.) in den letzten sechs Spalten,

12,80

12,65 12,27 13,33 13,83 13,27

wird aus

15* —½

2 —2 2 0 2 2 2 2. . *0 8 =

den unabgerundeten Zahlen berechnet. daß entsprechender Bericht fehl.

8 8

schnittspreise von

Getreide

nebst eutsprechenden Angaben für den Vormonat. Zufammengestellt im Kaiserlichen Statistischen Amt. 1000 kg in Mark.

eit nicht etwas Anderes bemerkt.)

8

1 Königsberg. 6 guter, gesunder, 714 g perrl..

n, guter, bunter, 749 bis 754 g per 1

1 Hee. guter, gesunder, 447 g per 1.. erste, Brenn⸗, 647 bis 652 g per 1. Breslau.

ittelqualitt.

rälzer,

Man nhei 298 bulgarischer, mittel.. rus amerik., rumän., mittel

scher

m.

Hafer, badischer, wurttembergischer, mittel... e, badische, pfälzer, mitttl . Münch

* 9

87 8

Ix.

gen, bayerischer, gut mittel..

8 W. zen, 2 ungarische, mährische, mittel

bayerische, gut .

ter Boden heiß⸗.

ien.

ungarischer, prima..

lovakische .. Budapest. Mittelqualität

Monat Dezbr. 1899

132,41 139,35 112,81 125,50

136,20 135,50 115,50 127,50

159,70 172,70 143,70 166,60

157,00 168,00 147,00 179 50 179,00

117,62 149,73

94,64 146,35 103,72 133,43

88,30

107,74

Da⸗

gegen im

Vor⸗ monat 137,83 138,68 115,86 129,23

138,40 138,40 119,90 131,30

158,02 174,80 145,00 168,00

159,00 171,00 147,00 180,50 180,00

118,00 151,41

95,16 147,18

105,69 135,51

88,56 122,86

Roggen

Hafer.

Weizen,

Roggen Weizen Hafer

Weizen

eizen Hafer Gerste

Weizen

Weizen, Saxonk

S

t. Petersbu

0 bu6u

Odessa.

Roggen, 71 bis 72 kg per hl..

I11““ r g.

Ulka, 75 bis 76 kg per hl

lieferbare Waare des laufenden Monats

As Od

Californi

Riga.

Paris.

Roggen, 71 bis 72 kg per ll. . Weizen, 75 bis 76 kg vper h!

Gerste (Halle au ble)h)h)h) .

Antwerpen. Donau, mittel Azima, 74 bis 76 kg per hl Red Winter Nr. 2 1166* Walla Walla.. L2 Plata, mittel.. Bombav, Club white Amsterdam.

ö“ St. Petersburger

8“ amerikanischer Winter⸗

London. a. Produktenbörse. engl. weiß

b. Gazette averages.

englisches Getreide, Mittelpreis aus 196 Marktorten

Liverpool.

Oregon Californier.. Western Winter .

a29 Mark ʒ

er an der Küste (Baltic).

99,70 129,73 84,20

97,36 111,58

102,32 120,49

112,67 143,59 135,09 140,11

131,14 122,25 126,45 125,81 126,86 130,17 131,46

117,52 118,97 118,57 123,65

128,14 125,31 133,56

122,94 119,28 148,84

122,40 140,74 139,28

8

Spring Nr. 2 Northern Doluth

Hard Kansas Nr. 2. EIEII

sengl. weißer.. R11“““

- Californier Brau . Fayadische . . .

Chicago.

Weizen, Lieferungs⸗Waare 88 Fa New York.

Red Winter Nr. 2A2 .

Northern Spring Nr. 1 ..

Lieferungs⸗Waare - 1. Feihnber

1

Bemerkungen.

1 Tschetwert Weizen ist 98,28 kg angenommen; an der Gazette averages, d. treide, ist 1 Imperial Quarter = 400 Pfd. engl. angesetzt. 1 Bushel engl. = 453,6 g; 1 Last Roggen =

Bei der Umrechnung der Preise in Rei den einzelnen FeeesItotiercgeh im „Deuts Anzeiger“ ermittelten monat

Berliner Börse zu Grunde gelegt, und zwar für g ve. ool die Kurse auf London, dew PYork, für St. Peters⸗ Petersburg, für Paris,

für London und Liver

die Kurse auf Wien, ) York die Kurse auf

18 Chicago und New urg, Odessa und Ri Antwerpen und Fere

am die

8 8 8

= 163,80, Roggen = 147,42, Ha 1 Imperial Quarter ist ondoner Produktenbörse = 504 Pfd. engl. h. die aus den Ums 1 des Königreichs ermittelten Durchschnittspreise für Weizen = 480, r Weizen = 60 Pfd. cs 1 Pfd. 2100, Weizen = 2 k

swährung sind die aus en Reichs⸗ und Staats⸗

ätzen an 196

ichen Durchschnitts⸗?

die Kurse auf St. 2 urse auf diese Plätze.

130,82. 136,53 129,77 124,34

121,35 110,89

146,28 109,34

131,83 134,83 131,25 127,85

125,59 113,59

142,25 112,26

103,93

101,49 110,21

107,35

113,42

114,45 118,87

121,36 111,66 111,56 115,41 117,50

fer = h die Weizennotiz

gerechnet; für die Marktorten einheimisches Ge⸗ Hafer = 312, Gerste

g.

echselkurse an der

Wien und Bud

XNo 16.

8

8

zum Deutschen Reichs⸗Anzeiger

Se

Zweite Beil

age

Berlin, Donnerstag, den 18. Januar

858

und Königlich Preußischen Staats⸗Anzeiger.

1900

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

5. Sitzung vom 17. Januar 1900, 2 Uhr.

Die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die setlctans des Staatshaushalts⸗Etats für 1900, wird

ortgesetzt Abg.

8

Graf zu Limb urg⸗Stirum (kons.); Ich wünsche heute dem Abg. Richter das zu sagen, was ich ihm gestern in einer persön⸗ lichen Bemerkung nicht sagen konnte. Herr Richter hat sich darüber gewundert, daß ich, nachdem wir dem Reichskanzler im Reichstage erst eine Absage ertheilt haben, nun eine farblose Etatsrede gehalten haͤtte. Das war auch meine Absicht, und wenn man das thut, so ist es nicht schwer, ich will einmal sagen etwas langweilig zu sprechen. Diese Meinungsverschiedenheit zwischen dem Abg Richter und mir liegt in dem grundsätzlichen Unterschied zwischen seiner und meiner politischen Auffassung. Ich habe die Ehre, Herrn Richter schon seit mehr als 25 Jahren zu kennen, und ich muß anerkennen, daß er sich nie untreu geworden ist in der Methode, wie er Politik treibt. Er hat, wenn er einmal einem Politiker seine Gegnerschaft angesagt hatte, diese bei jeder Gelegenheit mit Energie und mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, wie wir alle wissen, durchgeführt. Ich kann das zusammenfassen in die Worte: Herr Richter war als Politiker ein guter Hasser. Das ist aber nicht die politische Auffassung, die meinen Freunden vorschwebt. Wir scheuen uns nicht, wie Sie wissen, der Regierung unsere Meinung zu sagen, wenn wir anderer Ansicht sind als sie; und daß wir unsere Meinung, wenn wir sie einmal gesagt haben, nicht leicht ändern, werden Sie aus unserem Verhalten ersehen haben. Aber ich sehe nicht die Nothwendigkeit ein, daß wir das bei jeder Gelegenheit wiederholen sollen, wenn es nicht nothwendig in den Dingen begründet ist. Wir sind der Ansicht, daß ein solches Vorgehen die Geschäfte des Hauses nicht fördert, sondern verlanasamt, besonders bei einem Etat, der wirklich nicht sehr schwere Angriffepunkte bietet. Ich wiederhole, hinsichtlich der Beamten⸗ waßrege ung ist unsere Meinung unverändert. Den Etat aber wollen wir ruhig wie alle Jahre behandeln.

Abg. Dr. von Jazdzewski (Pole), dessen Ausführungen unter der allgemeinen Unruhe und Unaufmerksamkeit des Hauses für die Tribüne fast vollständig verloren gehen, führt anscheinend Klage darüber, daß die Regierung die Provinz Posen allzu sehr vernachlässige. Seit Jahrzehnten hätten die polnischen Bewohner Posens vor allem Grund, gegen die Verwaltung des Kultusressorts in dieser Provinz die um⸗ fassendsten Beschwerden zu erheben; die Liste der ungehört verhallten Klagen, der unerfüllt gebliebenen Bitten und Wünsche sei endlos. Möchte doch der neue Minister von anderem, versöhnlicherem, ent⸗ gegenkommenderem Geiste beseelt sein. Trotz aller Verheißungen und feierlichen Versicherungen, trotz aller Zusagen der Zentralbehörden sei es jetzt so weit gediehen, daß selbst der katholische Religionsunterricht fast in allen Schulen der Provinz in deutscher Sprache ertheilt werde. Ein Beamter des Ministeriums habe ihm dies selbst bestätigt. Man scheue auch vor dem ärgsten Gewissenszwange nicht zuruck. Der Redner führt zur Illustration seiner Beschwerden mehrere Fälle an. Außerdem spricht er sich gegen die Germanisierung der polnischen Landestheile abermals mit großer Heftigkeit aus, bezeichnet die Ver⸗ wendung der dafür im Etat ausgeworfenen Fonds als höchst bedenklich und tritt dem Verlangen des Abg. Sattler, daß die Regierung mit weiteren Maßregeln gegen den Polonismus vorgehen solle, scharf ent⸗ gegen. Es sei nicht wahr, daß die Polen in Posen alles der preußi⸗ schen Regierung verdanken. Zu einer Zeit, zu der die deutsche Sprache noch garnicht ausgebildet gewesen sei, hätten die Polen schon eine vorzügliche Kultur besessen.

Minister der geistlichen, Medizinal⸗ Angelegenheiten Dr. Studt:

Meine Herren! Der Herr Abg. Dr. von Jazdzewski hat die landes⸗ üblichen Klagen über die Polenpolitik der Königlichen Staatsregierung zunächst mit dem Hinweise auf Allerhöchste Versprechungen und auf einen Erlaß des Kultus⸗Ministers von Altenstein begründet. Es sind diese beiden Argumente hier, soweit mir erinnerlich, schon so vielfach der Gegenstand der Erörterung und vor allen Dingen auch der Wider⸗ legung gewesen, daß ich mich auf folgenden kurzen Hinweis beschränken kann.

Zu der Zeit, wo diese Versprechungen gemacht worden sind und wo der ministerielle Erlaß ergangen ist, gab es weder eine national⸗ polnische Agitation, noch gab es eine Presse, welche mit wenigen Aus⸗ nahmen es sich zur Aufgabe macht, die Verhältnisse des deutschen

Unterrichts⸗ und

Volkes, die Maßnahmen der Regierung, die Verwaltung der Schule

u. s. w. in dem allerungünstigsten Lichte darzustellen, der Regierung die übelsten Motive unterzuschieben und vor allen Dingen in einer Weise gegen die wohlbegründeten Maßnahmen, welche das Deutsch⸗ thum in den ehemals polnischen Landestheilen sichern sollen, zu Felde zu ziehen, die, wie ich glaube, mit vollem Rechte die Entrüstung der betheiligten deutschen Kreise erregt. (Sehr richtig; rechts und bei den Nationalliberalen.) Diese Klagen werden meiner Ansicht nach schon dadurch gegenstandslos, daß die damaligen Versprechungen und Maßnahmen von ganz anderen thatsächlichen Voraussetzungen ausgegangen sind, als wie sich letztere im Laufe der Zeit entwickelt haben. (Sehr richtig! rechts.) Nun, meine Herren, ich bin nicht in der Lage, auf die Einzelheiten der Klagen des Herrn Abg. Dr. von Jazdzewski bezüglich der Schul⸗ verwaltung einzugehen. Dazu bin ich noch zu kurze Zeit in dem mir nunmehr unterstellten Ressort thätig, und außerdem sind es Einzelheiten, die zum theil noch nicht zur Erörterung in der Zentralinstanz gelangt sind. In dieser Beziehung habe ich zu erklären, daß, wenn irgend einer meiner vortragenden Räthe oder einer der Ministerial⸗Direktoren dem Herrn Abgeordneten eine Auskunft gegeben hat, ich dieselbe als maßgebend und für das Ressort bindend nicht anerkennen kann, weil ich meinerseits für alle Maßnahmen des Ressorts persönlich verantwortlich bin und die Ver⸗ antwortlichkeit nicht in denjenigen Herren liegt, die mich in meinem Amt zu unterstützen haben. Ich habe aber dem Abg. Dr. von Jazdzewski gegenüber zu erklären, daß die Auskunft auf die Frage, wie sie der Herr Abgeordnete gestellt hat, eine zutreffende dahin war, daß es im Ministerium in der That nicht bekannt ist, daß in allen überwiegend polni⸗ schen Schulen der Provinz Posen der katholische Religionsunterricht in deutscher Sprache ertheilt wird. So ist die Frage gestellt worden und so ist sie von der anderen Seite beantwortet worden.

Nun, meine Herren, hat der Abg. von Jazdzewski Bezug ge⸗ nommen auf das frühere System der Ertheilung des Sprachunterrichts in den polnischen Schulen. Ja, meine Herren, das frühere System

hat vollständig versagt. Ich kann das aus eigener Erfahrung be⸗ stätigen. Die erste Schulrevision, die ich als junger Landrath in der Provinz Posen abgehalten habe, zeigte mir ein wunderbares Idyll. Ich kam unangemeldet in eine Dorfschulklasse hinein und fand dort den Schullehrer schlafend (Heiterkeit) und die Kinder mit Lefen be⸗ schäftigt, nicht etwa mit Lesen von Schulbüchern, nein mit Auslesen von Erbsen, die der Schullehrer geerntet hatte (Heiterkeit), und als ich mich dann nach den deutschen Sprachkenntnissen der Kinder er⸗ kundigte, bestand bei einem Knaben, der mir noch als der beste bezeichnet wurde, nach dem angeblich mehrjährigen deutschen Sprachunterricht der ganze Sprachschatz in 15 bis 20 deutschen Worten. (Hört, hört!) Daß dieses System im Laufe der Zeit durch energische Maßnahmen geändert worden ist, hat seine volle Berechti⸗ gung. (Sehr wahr! rechts und bei den Nationalliberalen.)

Wenn der Abg. von Jazdzewski behauptet, daß es richtig sei, dem polnischen Sprachunterricht in gleicher Weise wie dem deutschen die Sorgfalt und Fürsorge der Regierung zuzuwenden, so habe ich dem gegenüber zu erklären, daß allerdings vielleicht bei der polnischen Be⸗ völkerung der Wunsch besteht, auch das Deutsche zu erlernen, daß aber den Lehrern auf Schritt und Tritt durch Einflüsse, die ich hier nicht näher zu erörtern brauche, vor allen Dingen auch durch die persönliche Einwirkung der Eltern, die allergrößten Schwierigkeiten bereitet werden. Daß demzufolge eine wahre Sisyphusarbeit von den Lehrern geleistet werden muß, liegt auf der Hand. Ich glaube nicht, daß die Behauptungen des Herrn von Jazdzewski, es entspräche den Wünschen der polnischen Bevölkerung, daß ihren Kindern ein mög⸗ lichst großes Maß von Sprachkenntnissen zugeführt werde, begründete seien. Sonst würde der Widerstand der polnischen Bevölkerung selbst, namentlich der bäuerlichen, nicht ein derart energischer sein, wie dies täglich zu beobachten ist. Ich glaube, den Widerstand namentlich auch auf die Presse zurückführen zu müssen, welche den Leuten immer gepredigt: die Sprache, denen sich der Deutsche bedient, ist eine sehr schwere und häßliche, sie ist die Sprache eines Volkes, dem aller⸗ hand bedenkliche Eigenschaften beiwohnen. (SHeiterkeit.)

Das, was ich in dieser Beziehung erkläre, kann ich aus eigener langjähriger Erfahrung voll aufrecht erhalten, und bin in der Lage, wenn es darauf ankommt es wird sich vielleicht ja später noch dazu Gelegenheit bieten —, das durch nähere Beläge zu beweisen.

Nun bat der Herr Abgeordnete außerdem noch betont, die Maß⸗ nahmen der Regierung beförderten nicht die Moral des Volkes. Ja, wenn die Regierung in ihren gerechten und fürsorglichen Maßnahmen auch für unsere Landsleute polnischer Zunge auf Schritt und Tritt gehindert wird, so ist es in der That nicht wunderbar, daß die Er⸗ folge nicht immer den daran geknüpften Erwartungen entsprechen. Ich möchte den Herrn Abgeordneten bitten, die außerordentlich großen Schwierigkeiten in Betracht zu ziehen, die sich jedem Beamten ent⸗ gegenstellen, der in den Provinzen Westpreußen oder Posen ein Ver⸗ waltungsamt bekleidet. Ich glaube, es würde wesentlich zur Herbei⸗ führung friedlicher und zufriedenstellender Zustände beitragen, wenn die Thätigkeit der Beamten von der polnischen Presse unter diesem Gesichtspunkte beurtheilt würde, und wenn sie ihre Aufgabe darin erblicken wollte, die Beamten in der Erfüllung ihrer schwierigen Ob⸗ liegenheiten zu unterstützen. Nach der Richtung hin läßt aber die polnische Presse Alles zu wünschen übrig.

Meine Herren, es wird bei der zweiten Etatsberathung ja noch Ge⸗ legenheit sein, auf die Einzelheiten derjenigen Beschwerden einzugehen, die sich auf die allgemeine Erziehung der Kinder, nicht bloß in der Schule, beziehen. Ich habe an meine Ausführungen nur die Bitte zu kaüpfen, doch ja nicht zu glauben, daß es der Regierung an Wohlwollen und vor allen Dingen an einer Fürsorge fehle, die ohne Unterschied der Konfession und der Abstammung auch den ehemals polnischen Landestheilen zugewendet wird. (Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.)

Wenn Sie die polnische Presse genauer verfolgen und einige der Herren sind ja in der Lage, das zu thun —, so werden Sie in diesen Preßorganen, wenn auch leider nur ganz ausnahmsweise, sogar eine gewisse Anerkennung jener fürsorglichen, dem Wohle jener Landes⸗ theile förderlichen Verwaltung finden. Ich berufe mich auf Preß⸗ äußerungen, welche dahin gehen, daß im Vergleich zu den ehemaligen polnischen Landestheilen innerhalb des russischen Reichs und Oester⸗ reichs der polnische Bauer sich bei uns einer größeren Wohlhaben⸗ heit und Gesittung erfrent. (Sehr richtig!) Und wenn dieser Erfolg wie ein Blick in unsere Zustände wohl jedem sofort vor Augen führt thatsächlich erzielt ist, dann beruht das lediglich auf der nachdrücklichen Fürsorge, welche die Regierung in voller traditioneller Unparteilichkeit auch diesen Landestheilen zuwendet. (Sehr richtig! und lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.)

Minister des Innern Freiherr von Rheinbaben:

Meine Herren! Der Herr Abg. Richter wie soeben der Abg. von Jazdzeweki haben einen Fonds, der bestimmt ist, das Deutsch⸗ thum in den polnischen und nordschleswigschen Landestheilen zu stärken, zum Gegenstand der Diskussion und ihrer Kritik gemacht. Der Abg. Richter hat in seiner freundlichen Art damit begonnen, daß er sagte, er hätte keine Veranlassung, dem Herrn Kultus⸗Minister und mir Vertrauen entgegenzubringen. Wenn man in ein Haus neu eintritt, freut man sich, so freundlich willkommen geheißen zu werden (Heiter⸗ keit), und ich danke dem Herrn Abg. Richter. (Sehr gut! rechts.) Der Abg. Richter hat gesagt: daß wir nöthig hätten, diesen Fonds zu verstärken, bewiese, daß die Politik des Herrn von Köller in Nord⸗ schleswig ich glaube, er hat den Ausdruck gebraucht „Fiasko mache“, doch will ich auf den Ausdruck mich hier nicht festnageln; jedenfalls war der Sinn derselbe. Wenn wir umgekehrt verfahren, wenn wir keine Verstärkung des Fonds beantragt hätten, dann würde der Abg. Richter wahrscheinlich geschlossen haben: das ist der beste Beweis, die Regierung sieht ein, ihre Politik ist verfehlt gewesen, sie beantragt nicht einmal Mittel von uns, um diese Politik fortzusetzen. (Widerspruch und Oho! bei den Freisinnigen.)

Run erbitten wir verstärkte Mittel⸗

88

v1“

um diese Politik fortzuführen,] verstärken. 8 1u““ 11“ 8

und daraus wird der Regierung der Vorwurf gemacht: sie erkenne an, daß die Köller'sche Politik nicht zum Ziele geführt habe. Ich bin in der Lage, festzustellen, daß genau das Gegentheil der Fall ist, und ich glaube, bis weit in die Parteikreise des Abg. Richter hinein wird anerkannt, daß die konsequente, energische und im Endziel auf Her⸗ stellung friedlicher Zustände hinzielende Politik des Herrn von Köller doch durchaus die richtige gewesen ist, und ich bin meines Theils durchaus willens, in den Geleisen dieser Politik zu verbleiben. (Bravo! rechts.) Uebrigens ist die Summe, die Herrn von Köller aus diesem Fonds zu theil wird, eine verhältnißmäßig geringe. Der Fonds ist zum großen Theil bestimmt, das Deutschthum in den polnischen Landestheilen zu erhalten und zu stärken, und der Abg. von Jazdzewski wird es mit nicht übel nehmen, wenn ich auch, trotz seiner Ausführungen, der Ansicht bin, daß diese Nothwendigkeit heute mehr wie je vorliegt. (Sehr richtig! rechts und bei den Narionalliberalen.)

Meine Herren, der Abg. von Jazdzewski hat gesagt, die Regierung habe die Aufgabe, das Volk nicht zu beunruhigen, nicht unglücklich zu machen. Ich gehe weiter; ich glaube, man kann positiv sagen: die Regierung hat die Aufgabe, das Volk zu beruhigen und glücklich zu machen, soweit das überhaupt im Rahmen der Politik der Regierung möglich ist, und ich kann mich dem, was der Herr Kultus⸗Minister oeben ausgeführt hat, nur vollkommen anschließen.

Wir haben alle, und auch auf dem Gebiet meines Ressorts, den Wunsch, alle Staatsangehörigen, welche Zunge sie auch sprechen, zu beruhigen und glücklich zu machen, und wenn leider die Verhältnisse

ein Posen nicht so sind, so liegt die Schuld nicht auf Seiten der Re⸗

gierung, sondern der Polen. (Sehr richtig!)

Meine Herren, Jeder, welcher die Verhältnisse in Posen genau beobachtet und ich bin als langjähriges Mitglied der Ansiedelungs⸗ Kommission meinerseits dazu in der Lage gewesen —, der sieht, wie sich auf allen Gebieten die Polen von den Deutschen abschließen. In jeder Zeitung wird gepredigt: tretet aus den deutschen Vereinen aus, kauft nur bei Polen, tragt euer Geld nur zu den Polen! Die Gemeinschaft, die von Natur gegeben ist zwischen den Deutschen und Polen, wird von polnischer Seite grundsätzlich gestört. Jeder Blick in die polnische Presse lehrt das, und statt unendlich vieler möchte ich Ihnen nur ganz wenige Beispiele dafür vortragen.

88 1

Ein polnisches Blatt hat im September 1898 sich erlaubt’

Folgendes zu sagen:

In unserer polnischen Stadt veranstalten heute Abend die

deutschen Einwanderer zu Ehren Bismarck's eine politische Demon⸗ stration; ein echt christliches Empfinden dürfte nach dem Verlust

geliebter Personen lediglich in der Kirche zur Geltung kommen, es

darf aber keineswegs im Singen patriotischer, das hier ansässt

Publikum aufreizender Lieder seinen Ausdruck finden. Also das Singen patriotischer Lieder reizt das Empfinden des in Posen ansässigen Publikums auf. Jetzt ist sogar gepredigt worden die Polen sollten aus den Kriegervereinen austreten, d. h. diese Ge meinschaft, die Erinnerung an die Kameradschaft soll zwischen Deut⸗ schen und Polen nicht mehr bestehen. Ein Blatt in Graudenz hat ausdrücklich erklärt:

Allen denjenigen, welche bisher noch Kriegervereinen angehören,

geben wir vier Wochen Zeit. Wer dann noch Mitglied eines solchen Vereins ist, dessen Namen werden wir in der Zeitung bekannt geben, und wenn wir dieserhalb eine besondere Beilage drucken müßten. (Hört! hört!) Und dann stellt sich Herr Abg. von Jazdzewski hin undstellt es so dar, als ob die Polen die Lämmlein wären, die das Wasser des

friedlichen Einvernehmens zwischen Polen und Deutschen zu trüben 8

außer stande wären! Was alles in dieser Beziehung den Deutschen geboten wird,

8 möchte ich noch in einem weiteren Ausschnitt bestätigen. Eine polnische

Zeitung berichtet:

Die Berliner katholische „Germania“erwähnt die Absicht, ein Zen⸗ tral⸗Wahlcomité zu gründen, und nennt uns Polen „polnische Preußen“ Möge die „Germania“ wissen, daß dies für den Polen die größte Beleidigung ist, wenn ihn jemand einen „Preußen“ nennt. Wir sind Polen und nur Polen und höchstens noch Unterthanen des Königs von Preußen, aber keine Preußen. 8

Die Kritik derartiger Preßäußerungen überlasse ich dem hohen Hause selber.

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Noch eines hervorzuheben halte ich mich für verpflichtet. De

Abg. von Czarlinski hat sich für berechtigt erachtet, kürzlich in einem Vortrage zu sagen:

Die polnische Fraktion suche den Pflichten gegenüber dem Staat gerecht zu werden, sie verdiene also nicht den Vorwurf die Losreißung der polnischen Provinzen vom Staat im Schilde zu führen. Staat und Regierung seien verschiedene Begriffe. Man könne Neigung haben, eine Regierung zu bekämpfen, welche die gött⸗ lichen Rechte sowie die Pflichten nicht kenne, die ihr einer unter ihrem Scepter befindlichen Nation gegenüber oblägen, die ferner keine Gleichberechtigung kenne. .

Gegen einen derartigen Vorwurf, daß wir die göttlichen Pflichten ver

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letzt hätten und die Pflichten gegen die Unterthanen des Königs, muß

ich energisch Einspruch erheben. (Bravo! rechts.)

Nun, meine Herren, wir werden bemüht sein, soweit das in unseren Kräften steht, Recht und Gerechtigkeit nach allen Seiten zu üben, auch den Polen gegenüber, die des gleichen Schutzes bedürfen und auf den gleichen Schutz Anrecht haben, wie alle anderen Unter⸗ thanen Seiner Maäjestät des Königs von Preußen. Aber wir müssen auch verlangen, wo gleiche Rechte unsererseits zugestanden werden, daß auch die gleichen Pflichten auf der anderen Seite anerkannt werden (sehr richtig!), daß das Bestreben dahin geht, das tiefe Zerwürfniß

zwischen Deutschen und Polen zu beseitigen und nicht von Jahr zu

Jahr zu vertiefen. Wir werden unsererseits auf der Warte sein, die Position des Deutschthums den Polen gegenüber zu halten und zu (Bravo! rechts.) Und wir werden verhüten, daß, wi 8 8

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