1900 / 27 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 29 Jan 1900 18:00:01 GMT) scan diff

Hierauf ist nachstehendes Antwort⸗Telegramm Seiner

Majestät des Kaisers eingegangen: Senats⸗Präsident Gröning, Bremen.

Ich danke mit der Kaiserin von Herzen für den warmen Ausdruck treuer Tbeilnahme an Unserer Trauer, und Ich ersuche Sie, von Unserem Dank auch dem Senat und Ih machen zu wollen.

Walhelm, I. R. Deutsche Koloni en.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ ist der Expeditions⸗ führer Dr. Plehn, Oberleutnant im Reitenden Feldjäger⸗ Korps, im Hinterlande von Katmerun im Kampfe mit den

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Eingeborenen gefallen.

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Oessstterreich⸗Ungarn.

Der Kaiserliche Hof hat von heute ab für Ihre Hoheit die Herzogin Friedrich zu Schleswig⸗Holstein auf

acht Tage Trauer ungelegt.

8 Wie die „Sonn⸗ und Montagszeitung“ meldet, fanden

gestern in Prag im Laufe des Tages Demonstrationen zu Gunsten der Wiederwahl des Bürgermeisters Dr. Podlipny statt. Größere Ausschreitungen kamen am Nachmittag, nach Als die Wache

mit Steinen beworfen wurde, schritt sie mit blanker Waffe Verhaftungen kamen

Schluß einer Sozialistenversammlung vor.

ein und vertrieb die Demonstranten. nicht vor.

Ueber die gestern in Prag abgehaltene Sitzung des Exekutiv⸗Comités wird dem Das Exekutiv⸗Comité hält wenn die beabsichtigten Konferenzen zur Regelung der Verhältnisse in Sprachenverhältnisse Schlesiens und anderer Länder Oesterreichs gerecht geordnet Die czechischen Delegirten werden in diesem Sinne wirken. Das Exekutiv⸗Comité beantragt, die Konferenzen zu Es wurde eine Kommission qhur Erwägung der

jungezechischen E11I1I1““ es für richtig und

mitgetheilt: zweckentsprechend, daß,

Oesterreich führen solln, auch die

werden.

beschicken. Sprachen⸗ und anderer Forderungen der

Großbritannien und Irland.

Lartei gewählt.

In der St. George⸗Kapelle zu Windsor fand, wie

„W. T. B.“ meldet, am Sonnabend Vormittag die Bei⸗ setzung des Herzogs von Deck statt. Der Feierlichkeit wohnten der Prinz von Wales, die Herzoge von Cam⸗ bridge, von York und von Connaught und der Prinz Carl von Dänemark bei.

Am Sonnabend Nachmittag wurde eine Versammlung der dem Landesvertheidigungs⸗Comité angehörigen Mitglieder des Kabinets abgehalten. Unter den Ministern befanden sich der Erste Lord des Schatzamts Balfour, der Staatssekretär des Krieges Marquis of Lans⸗ downe, der Schatzkanzler Sir Michael Hicks Beach und der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain.

Dem „W. T. B.“ zufolge sind Befehle ergangen, durch welche zwei weitere Miliz⸗Bataillvne und eine Abtheilung der Miliz⸗Artillerie einberufen werden.

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8 Frankreich. 1“

sich bisher auf 70 Republikaner, 17 Radikale, 6 sozialistische Radikale, 5 Konservative. Das Endergebniß ist, dem „W. T. B.“ zufolge, folgendes: 46 Republikaner wieder⸗, 15 neugewählt; 1 liberaler Republikaner wieder⸗, 5 neugewählt; 8 Radikale wieder⸗, 10 neugewählt; 5 sozia⸗ bee Radikale wieder⸗, 2 sozialistische Republikaner neu⸗ gewählt; 3 Nationalisten gewählt, 4 Konservative wieder⸗ gevabl Die Zahl der erforderlichen Stichwahlen beträgt 27. In Nantes wurde der General Mercier (Nationalist) gewählt. Unter den unterlegenen Kandidaten befinden sich ahlreiche frühere Offiziere, darunter der General de France, der Oberst Ravaut, der Major Parenty, der Hauptmann Partz (Departement Pas de Calais), der Oberstleutnant Monteil Hautes Pyrénées), der General Rebillot (De⸗ partement Haute Saône), der General Laveuve, der General Prax, der Admiral Galliber (Departement Tarn), der General Cluseret (Departement Var), der General Pothier und der Major Picot (Departement Vosges). 1 Die Pariser Blätter melden, der Kardinal Richard habe dem Minister⸗Präsidenten Waldeck⸗Rousseau erwidert, daß er mit seinem Besuche bei den Assumptionisten keinerlei politische Kundgebung oder Auflehnung gegen das gerichtliche Urtheil beabsichtigt habe.

8 Rußland.

Seine Majestät der Kaiser hat, wie „W. T. B.“ meldet, aus Anlaß des Hinscheidens Ihrer Hoheit der Herzogin Friedrich zu Schleswig⸗Holstein eine sechstägige Hof⸗

trauer angeordnet.

Wie „Ritzau's Bureau“ aus Helsingfors meldet, wurde der finische Landtag am Sonnabend mit Verlesung folgender Kaiserlicher Thronrede eröffnet:

„Ich habe Euch zur Behandlung verschiedener Gesetzentwürfe,

betreffend die lokalen Verhältnisse des Großfürstenthums Finland, ein⸗ berufen, deren Zweck es ist, das Wohl des Landes zu fördern. Das Land hat in der letzten Zeit verschiedenes Ungemach erlitten; so wurde ein Theil desselben von Mißwachs deimnesag wodurch eine stärkere Auewanderung hervorgerufen wurde. Ich hoffe, daß durch die vorliegenden Gesetzentwürfe in Verbindung mit der pri⸗ paten Woblthätigkeit die Bevölkerung in den Stand gesetzt wird, die von Gott gesandte Prüfung zu ertragen. Ich habe ferner den Befehl zur Vorlegung eines Gesetzentwurfs gegeben, nach welchem die Uebungen der Reserve in diesem Jahre nicht stattfinden sollen, sodaß

Sitze vertheilten liberalen Republikaner,

guee Im Ganzen waren 99 Wahlen vorzunehmen adiese 1

ddie betreffenden Mannschaften bei ihrer gewöhnlichen Beschäftigung

verbleiben können. Die alljährliche Auswanderung von Landarbeitern, die hauptsächlich der allgemeinen wirthschaftlichen Lage zuzuschrerben ist, erfordert eine genaue Untersuchung und Maßregeln zmu ihrer Ver⸗ hinderung. Unter letzteren müssen in erster Reihe die Bestrebungen genannt werden, durch welche es der besitzlosen Landbevölkerung ermöglicht werden soll, in den Besitz von Land zu gelangen. Die richtige Lösung der

dem Landtage vorgelegten Fragen, betreffend die Landbesitzverhältnisse,

und der Fragen des Landeshaushalts wird dazu beitragen, meine Ab⸗

sichten in dieser Hinsicht zu verwirklichen. Auslassungen, welche nicht

mit obigen Fragen in Verbindung stehen oder welche Fragen von all⸗ emeinem Verhandlung kommen.

Landtage zu Worte g

Auslassungen dieser Art sind auf dem letzten

Wiederholung dieses Vorgangs wird Zweifel hervorrufen, ob die In⸗ stitution der Staͤnde mit den jetzigen Verhältnissen vereinbar sei. Gott um Segen für Eure Arbeit anflehend, erkläre ich hiermit den Landtag für eröffnrtt. MNitkolai.

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ren Mirt oürgern Mittheilung

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eichsinteresse betreffen, dürfen auf dem Landtage nicht zur

ekommen und haben in der Bevölkerung ein drückendes und vvC etene Gefühl der Unruhe erweckt. Eine

Nach Verlesung der Thronrede hielt jeder der Präsidenten der vier Stände eine Antwortrede. Der Landmarschall als Wortführer des Adels hob die große Bedeutung regel⸗ mäßigen Zusammenarbeitens der Regierung und der Stände hervor, wovon auch Fortschritte amf allen Gebieten Zeugniß ablegten. Das Volk betrachte daher die Selbstregierung als Lebensbedingung; es habe das Recht auf dieselbe nie verscherzt und bewahre die Hoffnung, daß die dunklen Wolken sich zertheilen würden. Namens der Geistlichkeit führte der Erzbischof Johannsson aus, Gott lohne jedes Volk nach seinen Thaten, wovon viele Völker in unseren Tagen Zeugniß gäben. Das Schicksal wechsele schnell. Möchten die Kulturvölker sich von leerem Größenkultus und Machtbegierde bald der Arbeit für Wahrheit und Recht zuwenden, damit das Verderben sie nicht treffe. Die mit Sehnsucht erwartete Zeit des Friedens werde erst dann erscheinen, wenn die Ge⸗ rechtigkeit gesiegt habe. Der Wortführer des Bürger⸗ standes sagte, die Heiligkeit des Gesetzes wurzle tief im Ge⸗ wissen des finischen Volkes, und dem Gesetze würden alle vom Höchsten bis zum Geringsten sich fügen. Im Vertrauen auf Recht und Gesetz habe das finische Volk sich bestrebt, die Kultur weiter nordwärts zu tragen, und diese Arbeit sei segensreich gewesen. Man habe auch geglaubt, daß die Pflicht gegen das russische Reich so am besten erfüllt werde. Gerechtigkeit und gegenseitige Achtung näherten die Völker einander, während rechtswidrige Maßregeln die Völker von einander entfernten und die Entwickelung hemmten. Der Sprecher des Bauernstandes sprach über den Mißwachs und die Ueberschwemmungen. Das Volk sei derart an Unglücks⸗ fälle gewöhnt, daß es dadurch abgehärtet sei. Die Zunahme der Auswanderung sei den drückenden Verhältnissen zuzu⸗ schreiben. Der Bauernstand sei darauf eingegangen, die Militärlasten zu verdoppeln, unter der Voraussetzung, daß freie gesellschaftliche Institutionen gewährt würden. Die Erfüllung dieser Voraussetzung sei die nöthige Vorbedingung, wenn das finische Volk seine Lasten solle ertragen können. Der Redner beklagte schließlich, daß die Angeiegenheiten Finlands dem Land⸗ tage von einem Nicht⸗Finen vorgetragen worden seien.

Spanien.

Bei einem Einwohner von Placencia (Provinz Guipuzcoa) sind, wie dem „W. T. B.“ berichtet wird, von der Gendarmerie 100 000 Patronen sowie eine große Menge

ündhütchen und Gewehre aufgefunden worden. Die Nach⸗ orschungen dauern fort. Bisher sind sechs durch dieselben

loßgestellte Karlistenführer ins Ausland gegangen. 8

Türkei.

Wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel meldet hat

Seine Majestät der Sultan aus Anlaß des Ablebens Ihrer Hoheit der Herzogin Friedrich zu Schleswig⸗Holstein an Ihre Majestäten den Deutschen Kaiser und die Deutsche Kaiserin Beileids⸗Telegramme gerichtet. 1 Dem Wiener „Telegr.⸗Korresp⸗Bureau“ zufolge ist in einer am Freitag abgehaltenen Konferenz der Botschafter beschlossen worden, an die Pforte aufs neue eine Note, be⸗ treffend die Belästigungen im Handelsverkehr, zu richten, welche sich aus den von den Zollbehörden vorgenom⸗ menen chemischen Analysen ergeben. Ferner wurde beschlossen, die Forderung der Pforte, betreffend das Recht, Waffen zu Sv als den Verträgen und dem internationalen Recht

widersprechend abzulehnen. v“

Rumänien

Wie amtlich bekannt gemacht wird, ist anläßlich des Ablebens Ihrer Hoheit der Herzogin Friedrich zu Schleswig⸗Holstein eine zehntägige, bis zum 5. Februar dauernde Hoftrauer angeordnet worden. Ihre Majestäten der König und die Königin sandten, wie „W. T. B.“ meldet, an Ihre Majestäten den Deutschen Kaiser und die Deutsche Kaiserin Beileids⸗Telegramme. Der rumänische Gesandte in Berlin Dr. Beldiman wurde beauftragt, das Beileid der rumänischen Regierung auszudrücken.

Bulgarien.

Die Sobranje hat viertägiger eingehender Debatte mit großer Majorität einen Gesetzentwurf angenommen, durch welchen die Grundsteuer in eine Zehntabgabe um⸗ gewandelt wird, die in gedroschenen Körnern erhoben werden soll.

Schweden und Norwegen.

In der Zweiten Kammer des schwedischen Reichs⸗ tags brachte, wie „W. T. B.“ berichtet, vorgestern der Ab⸗ geordnete S. H. Hadin einen Gesetzentwurf ein, nach welchem die Regierung ersucht werden soll, Verhandlungen einzuleiten. über die Ueberlassung desjenigen Gebietes in Deutschland an Mecklenburg⸗Schwerin, das 1803 von Schweden an Mecklenburg⸗Schwerin auf 100 Jahre verpfändet worden ist. Diese Ueberlassung solle in Kraft treten, fobald ein Ueberein⸗ kommen zwischen Dänemark und Deutschland, betreffend die Abtretung Nordschleswigs an Dänemark, abgeschlossen sei. 8

Amerika. Der Staatssekretär Hay hat, wie „W. T. B.“ aus

Washington meldet, dem Sprecher des Re präsen⸗ tantenhauses Abschriften der von dem deutschen Botschafter Dr. von Holleben übermittelten deutschen Beschwerden über die bei der Einfuhr von Waaren aus Deutschland in den Vereinigten Staaten angewandten Zollbestimmungen zur Vorlage an das Haus zugehen lassen. Deutschland führt darin Klage darüber, daß die Beglaubigung der Ursprungs⸗ eugnisse durch die amerikanischen Konsularbeamten die⸗ felten in den Stand setze, Informationen zu erlangen, welche um Schaden des deutschen Handels ausgenutzt werden önnten, wenn sie der amerikanischen Konkurrenz be⸗ kannt würden; ferner darüber, daß die amerikanischen Zoll⸗ taxatoren diese Zeugnisse nicht beachteten, sondern ihre Ent⸗ scheidungen auf angebliche Thatsachen basierten, von denen den Exporteuren nichts bekannt sei. Der Schatzsekretär Gage bemerkt in seinem Begleitschreiben zu diesen deutschen Beschwerden, daß das zur Zeit beobachtete Ver⸗ fahren durch Gesetz von 1890 angeordnet sei und für alle fremden Länder in gleicher Weise Geltung habe. Der deutsche Botschafter Dr. von Holleben hält in einem Schreiben an den Staatssekretär Hay daran fest, daß das amerikanische Verfahren in hohem Maße geeignet sei, den deutschen Export⸗ handel zu schädigen, und ersucht ihn, die Beschwerden in Er⸗ wägung zu ziehen entsprechend den zwischen beiden Ländern bestehenden freundschaftlichen Beziehungen. Aus Buenos Aires wird dem „Reuter'schen Bureau“ meldet, der Rosa habe erklärt, daß das efizit des

udgets sich auf 15 Millionen Piaster be⸗ 8

laufen werde. Der Ministerrath habe entschieden, daß große Ersparnisse nöthig seien, um für 1901 die Wiederaufnahme des vollständigen Dienstes der äußeren Schuld vorzubereiten

Asien.

In Kalkutta fand, wie „W. T. B.“ erfährt, vorgestern unter dem Vorsitz des Maharadscha von Darbhanga eine Massenversammlung von Hindus und Mohamedanern statt. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen die alle Klassen der Unterthanen beseelende, tiefe und dauernde Ergebenheit gegen die Königin Victoria zum Ausdruck gebracht wird. Auch wurde beschlossen, daß in allen Tempeln und Moscheen für den Erfolg der britischen Waffen gebetet werden folle. In der Versammlung wurden 63000 Rupien auf⸗ gebracht, die dem vom Lord⸗Mayor gesammelten Kriegsfonds werden zugeführt werden.

Der „Times“ wird aus Shanghai vom 28. Januar ge⸗ meldet, eine einheimische Gesellschaft, welche offenkundig die Fortschrittspartei in S ansi und anderen Provinzen vertrete, suche durch die Missionsgesellschaften und auf andere Weise die Unterstützung der britischen Regierung zu Gunsten des Kaisers Kwangsu zu erlangen. Die habe keine politische Bedeutung, aber die einheimischen hristen seien offenbar beunruhigt. Der Direktor der Telegraphenver⸗ waltung in Shanghai habe von Peking aus den Befehl erhalten, die Beförderung von Petitionen bezüglich der Abdankung des Kaisers abzulehnen. 8 1“

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Aus Lourengo Marques vom 26. d. M. meldet das

„Reuter'sche Bureau“, es verlaute daselbst von guter Seite, daß Mafeking am 23. d. M. entsetzt worden sei.

Das britische Kriegsamt veröffentlicht eine Depesche des General⸗Feldmarschalls Lord Roberts aus Kapstadt vom 27. Jaunar, welche besagt, der General French habe am 25. Januar die Stellung der Buren rekognosziert und den Feind bei Pietfontein stark verschanzt gefunden. Die Lage sei unverändert.

Aus dem Orte Modderspruit am oberen Tugela ist, wie das „Reuter'sche Bureau“ berichtet, folgende, vom 23. d. M. datierte Meldung in Pretoria eingetroffen: Die Engländer bemühen sich jetzt, mit 40 000 Mann auf der Spionkop⸗Route den Weg nach Ladysmith zu erzwingen. Das gestern, Montag, gegen die Stellung Botha's gerichtete Feuer war furchtbar. Der Kampf blieb jedoch ein einseitiger, von seiten der verbündeten Buren wurden nur 30 Schuüͤsse abgegeben. Bei Einbruch der Dunkelheit hörte das Feuer auf. (Dienstag) Morgen wurde das Feuer von den britischen Truppen in Ladysmith wieder aufgenommen und von den Buren erwidert; es war aber bis Mittag nicht besonders stark.

Dasfelbe Bureau meldet vom 24. d. M. aus dem Buren⸗ lager am Modderspruit: Nach Berichten der Buren über die Einnahme des Spionkop durch die Engländer wurden die Buren überrascht. Die Verbündeten wurden verstärkt und besetzten zwei in der Nähe liegende Hügel. Die Engländer machten, von Geschützfeuer unterstützt, einen Bajonettangriff und besetzten einen Ausläufer des Berg⸗ rückens; aber sie wurden dann niedergemäht. Inzwischen stürmten die Buren das Hauptkopje, wo die Engländer sich verschanzt hatten. Hundertfünfzig Engländer in der vordersten Verschanzung ergaben sich, in den anderen Verschanzungen leisteten die Engländer heftigen Widerstand, wurden aber zuletzt doch aus denselben vertrieben. Sehr viele Lyddit⸗ Geschosse krepierten nicht. Die Engländer ließen 1500 Todte auf dem Schlachtfelde zurück. Der Bericht fügt noch hinzu: Auch wir hatten bedeutende Verluste.

Von dem General Sir Redvers Buller ist, wie „W. T. B.“ meldet, folgende Depesche in London eingetroffen: Am 20. Januar trieb der General Warren den Feind zurück und besetzte den südlichen Kamm des Tafellandes, das sich von Acton Homes nach den westlich von Ladysmith liegenden Hügeln ausdehnt. Er blieb in enger Fühlung mit dem Feinde, der auf einem Zuge kleiner Kopjes eine starke Stellung ein⸗ nahm. Diese Stellung des Generals Warren war durchaus zu halten, aber sie eignete sich nicht zum weiteren Vormarsch, da die südlichen Abhänge sehr steil ind; ferner konnte General Warren für seine Artillerie keine wirksame Stellung gewinnen, und es fehlte an Wasser. Nur schwer entschloß ich mich, am 23. d. M. meine Zustimmung dazu zu geben, daß ein Angriff auf den Spionkop gemacht werde, der offenbar der Schlüssel der Burenstellung ist, aber vom Norden her zugänglicher ist als vom Süden. General Warren bemächtigte sich in der Nacht zum Mittwoch des Spionkop, fand es aber schwierig, sich zu halten, da der Umkreis des Spionkop zu groß ist und es an Wasser fehlt. Die Gipfel des Höhenzuges wurden dann den ganzen Tag über gegenüber einem heftigen Granat⸗ feuer des Feindes gehalten. Unsere Mannschaften fochten mit großer Tapf erkeit. General Woodgate, der die Truppen auf dem Spionkop befehligte, wurde verwundet; der nach ihm den Befehl übernehmende Offizier beschloß in der Nacht zum 25. d. M., die Stellung aufzugeben, und zog die Truppen vor Tagesanbruch zurück. Ich erreichte das Lager des Generals Warren am Morgen des 25. früh 5 Uhr und kam zu der Ansicht, daß ein zweiter Angriff nutzlos sei, denn der rechte Flügel der Buren war zu stark, um von uns forciert zu werden. Ich beschloß demnach, die Truppen südlich des Tugela zurückzuziehen. Die Streitkräfte des Generals Warren waren am 27. d. M. 8 Uhr Morgens südlich des Tugela, ohne Verlust auch nur eines Mannes oder eines Pfundes 1e Vor⸗ räthe, zusammengezogen. Die Thatsache, daß die Truppen so zurückgezogen werden konnten, und die vortreffliche Art, wie sich unsere Truppen schlugen, ist ein genü ender Beweis von ihrer guten Haltung, und daß wir mit unserem eee gen Train unbelaͤstigt über den Fluß gehen konnten, beweist daß dem Fnnbe vor der Kriegstüchtigkeit unserer Soldaten Respekt eingeflößt worden ist.

Die Londoner Blätter öö noch folgendes Tele⸗ gramm aus Colenso vom 24. Januar uͤber Lourenco Marques: Das Kommando von Lukas Meyer überfiel und umzingelte eine große Truppenabtheilung der unter Bethune stehenden Infanterie, welcher hierbei wansig Mann an Todten und Verwundeten, fünfzehn Mann an Gefangenen verlor.

Aus Port Elizabeth wird gemeldet, daß die Bark „Hans Wagner“ in dieser Woche ihre Fahrt fortsetzen werde. Das Zollamt habe sich bereit erklärt, die gelöschten Güter gegen die Erklärung auszuliefern, daß sie für den Ver⸗ brauch in der Kolonie bestimmt seien. Die Ladung war frei⸗ willig zur Vermeidung aller Gefahr gelandet worden.

das ist eine Verkennung

Parlamentarische Nachrichten.

Die heutige (137.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Reichs⸗Postamts von Podbielski und der Staatssekretär des Reichs⸗Schatzamts Dr. Freiherr von Thielmann beiwohnten, eröffnete der Präsident Graf von Ballestrem mit folgenden Mittheil ungen:

Ihre Majestät die Kaiserin hat dem Reichstage folgendes Tele⸗

gramm gesandt: „Berlin, Schloß, den 28. Januar 1900. Dem Präsidium und den Mitgliedern des Reichstages spreche Ich für ihre Theilnahme an dem Verlust, der Meine Familie durch den Tod der geliebten Mutter getroffen, Meinen aufrichtigen

Dank aus. Auguste Viktoria.“ Seine Majestät der Kaiser hat mich beauftragt, dem Reichstage Allerhöchstseinen aufrichtigen Dank für das aus Veranlassung des Heim⸗ ganges der Herzogin Friedrich zu Schleswig⸗Holstein vom Reichstage ausgesprochene Beileid kundzugeben, welches Ulerhöchstderselbe mit be⸗ sonderer Befriedigung angenommen hat.

Auf der Tagesordnung steht die Forisetzung der zweiten Berathung des Reichshaushalts⸗Etats für 1900 bei dem Etat der Postverwaltung und der Reichsdruckerei. Vorher wurde der besondere neue Etat für die Ein⸗ führung des Scheckverkehrs im. Reichs⸗Postgebiet berathen.

In der Debatte nahmen bis zum Schluß des Blattes der Abg. Dr. Roesicke⸗Kaiserslautern (b. k. F.) und der Staats⸗ sekretär des Reichs⸗Postamts von Podbielski das Wort.

Das

Haus der Abgeordneten setzte in der

8 heutigen (12.) Sitzung, welcher der Minister für Landwirth⸗

schaft ꝛc. Freiherr von Hammerstein beiwohnte, die zweite Berathung des Staatshaushalts⸗Etats für 1900 im Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung fort.

Von den Abgg. Dr. Barth (freis. Vgg.), Dr. Crüger (freis. Vp.) und Genossen war dazu der Antrag gestellt: die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, die Geschäfts⸗ berichte der aus Staatsmitteln subventionierten Korn⸗ hausgenossenschaften in Verbindung mit einer spezialisierten Angabe der Umsätze der von den einzelnen Genossenschaften ge⸗ handelten Waaren (insbesondere Getreidearten, Dung⸗ und Futter⸗ mittel) vorzulegen.

Abg. Dr. Crüger: Nach unserer Ansicht muß jetzt Material genug darüber vorliegen, in welchem Umfange und mit welchem Erfolge die ausgeworfenen Staatsgelder verwandt worden sind. Die betreffenden Genossenschaften müssen nach der mit der Regierung getroffenen Ver⸗ einbarung ihre Geschäftsberichte der Regierung zur Verfügung stellen. Verschiedene Genossenschaften werden mit einer Veröffentlichung ihrer Geschäftsberichte allerdings kaum einverstanden sein, da sie sich zu Versuchen haben benutzen lassen, ob durch sie die Getreidepreise in die Höhe getrieben werden könnten. Damit haben sie aber auch die Ver⸗ pflichtung übernommen, die Art ihrer Geschäftsführung und den Erfolg der Oeffentlichkeit mitzutheilen. Die Herren, welche die Errichtung von Kornhäusern befürwortet haben, müssen selbst wünschen, daß deren Ergebnisse veröffentlicht werden. Es muß zugegeben werden, daß ein großer Handel mit Dünge⸗ und Futtermitteln von den staͤatlich subventionierten Kornhäusern getrieben wird, zum Schaden der übrigen Händler. Die Kornhausgenossenschaften genießen bei ihren

MNiitgliedern infolge der staatlichen Subvpention natürlich ein großes Insehen, und die Mitglieder denken, wenn der Staat sie subventioniert, wird

auch bei ihnen ganz besonders Gutes zu haben sein. Mittelstands⸗ politik ist es jedoch nicht, wenn man dem Mittelstand seine Einnahmen entzieht. Die Konsumvereine wollen die Herren auf der Rechten be⸗ schränken, aber die Konsumvereine nehmen keine staatlichen Mittel für sich in Anspruch. Wir wollen objektive Geschäftsberichte haben, um die Lage der Kornhausgenossenschaften beurtheilen und sehen zu können, ob das Experiment gelungen ist. Die Kornhausgenossenschaften haben den Handel mit Dung⸗ und Futtermitteln an sich gezogen, um dadurch indirekt für ihre Mitglieder höhere Getreidepreise zu erzielen. Das ist doch nicht möglich, von Ursache und Wirkung. Die Landwirthschaft erhebt den Anspruch, in ihrem Besitzstand er⸗ halten zu werden; damit steht aber in Widerspruch, daß man mit Hilfe von Staatssubventionen anderen Erwerbszweigen das Ihrige fortnimmt. Herr von Erffa hat im vorigen Jabre die Richtigkeit meiner Angaben über das Kornhaus in Halle bestritten; wenn die Herren den Geschäftsabschluß dieses Kornhauses vorhergesehen hätten, wären sie wohl etwas vorsichtiger gewesen. Die Nemesis ist schneller ekommen, als ich selbst annahm. Die Kornhausgenossenschaft in Halle hat im letzten Jahre mit einem Verlust von 55 000 abgeschlossen, wovon nur ein Theil durch Reserven gedeckt ist, sodaß noch 28 000 von den Mitgliedern zu decken sind, wenn die nächsten Jahre nicht bessere Resultate ergeben. Man hat darum ein Ver⸗ tuschungssystem beliebt und den Mitgliedern gesagt, daß sie durch die Genossenschaft höhere Getreidepreise erztelt hätten. Ich will hier nicht den Polizeikommissar gegenüber einer einzelnen Ge⸗ nossenschaft spielen, es handelt sich für mich nur um den Fehler im System. Der Aufsichtsrath in Halle hat wiederholt den Vorstand der Senosensekaft anhalten müssen, satzungsgemäß zu ver⸗ fahren; hoffentlich hat er bald Macht genug, um dies vee ensehes Herr von Mendel hat im vorigen Jahre gesagt, die Genossenschaft hat gar nicht den billigen Zinsfuß des Staats in Anspruch genommen. Allerdings bei einer solchen Wirthschaft kommt es auf ein paar Tausend Mark füͤr Zinsen nicht an. Die Genossenschaft hat die Aufnahme von Dung, und Futtermitteln ausdrücklich zu dem Zweck beschlossen, damit Ueberschüsse zu erzielen. Die Mitglieder sollen also die hohen Getreide⸗ preise, die für sie angeblich durch die Genossenschaft erzielt werden, wieder bezahlen durch Abnahme von Dung⸗ und Futtermitteln, an denen die Genossenschaft recht viel verdienen will. Dieses System macht Schule. Wir wollen aus den Geschäftsberichten ersehen, ob die Genossenschaften auf dem Prinzip aufgebaut sind, die höchsten Tages⸗ preise zu erztelen Wir sind nicht grundsätzlich Gegner der Kornhaus⸗ genossenschaften, aber wir wollen ihre Mängel aufgedeckt haben. Sie können auch segensreich wirken, doch dürfen sie nicht nach verkehrten Geschäftsprinzipien handeln. Sie machen es wie die Bazare, sie wollen bei niedrigem Preis mancher Artikel desto mehr an anderen verdienen. Auf diese Weise bleibt der Landwirth nicht mehr Landwirth, sodern wird zum großen Getreidehändler. Zur Verwaltung der Kornhäuser gehören tüchtige Kaufleute, solche würden sich aber nicht auf dieses Gebiet begeben. Die Landwirthe belasten sich hier mit einem großen Risiko, um vielleicht einen kleinen Vortheil herauszuziehen. Wenn die Landwirthe sich ihre Schulden vom Halse schaffen wollen, müssen sie vor allen Dingen das weitere Schuldenmachen lassen. Die Vorlegung der Geschäftsberichte liegt im Interesse der Landwirth⸗ schaft und der Entwickelung der Kornhausgenossenschaften; je länger man damit zögert, desto mehr kann eine Kalamität daraus für die Kornhausgenossenschaften entstehen. Vielleicht besitzt die Regierung schon das Material; warum veröffentlicht sie es nicht? Die Kornhausgenossenschaften, die ihren Geschäftsbericht zurück⸗ halten, bieten doch die Möglichkeit für Schlußfolgerungen, die ihnen selbst nachtheilig sein können. Ich bitte, nehmen Sie den Antrag an; ich hoffe die Regierung wird bereit sein, diesem Wunsche Folge zu sten.

Landrath Dr. Kapp: Ich bitte um Ablehnung des Antrages, aber nicht etwa, weil die Kornhausgenossenschaften die Vor⸗ sepung der Geschäftsberichte zu fürchten haben. Es handelte sich bei der Gründung der Kornhäuser von Anfang an um einen Versuch. Die Regierung wird der Volksvertretung auch weiter so erschöpfende Mittheilungen über diese Genofsenschaften machen, daß die Volksvertretung über sie zu urtheilen in der Lage ist.

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Aber die Regierung kann das Material nur in zusammengefaßter

Form vorlegen, ohne auf die einzelne Genossenschaft zurückzugreifen, und zwar aus Rücksichten, die auf den Geschäftsbetrieb dieser Genossenschaftem genommen werden müssen, und die, wie bei jedem anderen Geschäft, spezialisierte Angaben verbieten. Die von den Kornhausgenossenschaften einzureichenden Geschäftsberichte sind nur für die Zwecke der Regierung bestimmt, nicht aber für die Veröffentlichung. Der Vertrieb von Futter⸗ und Dungmitteln ist den Kornhausgenossenschaften bei der Berathung über den 5 Millionen⸗ Fonds ausdrücklich zugestanden worden. 8

Abg. Dr. Friedberg (nl.): Wir haben seinerieit die Begrün⸗ dung der Kornhäuser mit Freuden begrüßt. Die Verluste, welche die Kornhäuser erleiden, gehen in erster Linie diejenigen an, welche sie zu tragen haben; sie sind ein Internum der Genossenschaften. Ich glaube auch, daß die Regierung die nöthige Kontrole ausüben wird. Aus dem Handelsstand sind mir aber doch manche Beschwerden über die Konkurrenz der Kornhäuser zugegangen. Man wirft ihnen vor, daß sie Kommissionsgeschäfte machen, auch mit ausländischem Ge⸗ treide handeln und Mahlgänge im Kornhause selbst aufgestellt haben. Die Kornhausgenossenschaft in Halle hat nicht nur Mais und andere ausländische Produkte in ihren Geschäftsbereich gezozen, sondern überhaupt alle Bedürfnißartikel für die Landwirthschaft. Ich bitte die Regierung um Auskunft, ob wirklich ein so ausgedehnter Ge⸗ stattfindet, wie nach meinen Informationen angenommen werden muß. I

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Arbeitseinstellungen in Oesterreich während des Jahres 1898.

Während für das Gebiet des Deutschen Reichs erst seit dem 1. Januar v. J. auf Grund eines Bundesrathsbeschlusses vom 10. Juni 1898 amtliche Erhebungen über Arbeitseinstellungen und Aussperrungen stattfinden, durch welche die Unterlagen für eine fort⸗ laufende Statistik dieser vom volkswirthschaftlichen und sozialpolitischen Standpunkt aus so bedeutsamen Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschaffen werden sollen, ist in Oesterreich schon vor einer Reihe von Jahren ein regelmäßiger statistischer Dienst über die Störungen im gewerblichen Frieden eingerichtet und alljährlich ein umfassender Bericht darüber veröffentlicht worden. Die jüngste Publikation dieser Art,*) verfaßt von dem bekannten National⸗ zkonomen Viktor Mataja, jetzt Ministerialrath und Vor⸗ stand des Arbeitsstatistischen Amts im österreichischen Handels⸗ Ministerium, giebt eine Uebersicht und nach Ursachen, terri⸗ torialen Gesichtspunkten und EI1“ getrennte Klassi⸗ fizierung der während des Jahres 1898 vorgekommenen Strikes. Danach fanden im Gewerbebetriebe einschließlich des Bergbaues der im österreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder im Jahre 1398 insgesammt 255 Arbeitseinstellungen (1897 246, 1896 305, 1895 209, 1894 172) statt. Von diesen wurden 885 Betriebe (in den vier Vorjahren 851 bezw. 1499, 874 und 2542), darunter 342 Großbetriebe, betroffen; in zwölf Betrieben bezw. Betriebs⸗ gruppen kamen im Laufe des Jahres zwei, in einem Betriebe drei und in einem anderen vier Ausstände vor. Die Zabl der strikenden Arbeiter betrug 39 658 (38 467 bezw. 66 234, 28 652, 67 061), das sind ,59,86 % der in den betheiligten Betrieben überhaupt Beschäftigtee. Von den Ausständen entfielen 35,30 % auf Böhmen, 27,06 % auf Nieder⸗Oesterreich, 8,24 % auf Steiermark, 7,06 % auf Mähren, 5.88 % auf Tirol und Vorarlberg, 4,31 % auf Galizien, 3,53 % auf Schlesien, 3,14 % auf das Küstenland, 5,48 % auf die übrigen Länder Oesterreichs. Bezüglich der strikenden Arbeiter sind im Jahre 1898 Böhmen, Steiermark, Tirol und Vorarlberg mit größeren Ziffern als 1897 vertreten, was seine Ursache namentlich in den grohen Strikes in den Baugewerben dieser Länder hat. Auf eine Arbeitseinstellung entfielen durchschnittlich 156 strikende Arbeiter. 52 Ausstände oder 20,39 % der Gesammtzahl betrafen mehrere Uater⸗ nehmungen, waren also sog. Gruppenstrikes, bei denen 17 227 oder 43,44 % aller ausständigen Arbeiter betheiligt waren. Den be⸗ deutendsten Antheil an der Ausstandsbewegung hatten die Baugewerbe mit 49 Strikes und 13 961 Ausständigen, dann folgen der Bergbau mit 29 Arbeitseinstellungen und 7046 Ausständigen, die Textilindustrie mit 28 Strikes und 3171 Ausständigen, die Industrie in Holz⸗ und Schnitzwaaren und Kautschuk mit gleichfalls 28 Arbeitseinstellungen und 1318 Ausständigen, die Industrie in Steinen, Erden, Thon und Glas mit 27 Strikes und 4491 Ausständigen, die Metallverarbeitung mit 26 Arbeitseinstellungen und 991 Ausständigen. Bergarbeiter, Glas⸗ schleifer, Stein⸗, Waffenarbeiter, Tischler, Weber und Spinner, Schmiede, Buchbinder, Bäcker und Bauarbeiter hatten den Haupt⸗ antheil an den Ausständen. Von 39 658 im Jahre 1898 aus⸗ ständig gewesenen Arbeitern waren 80,93 % männlichen und 19,07 % weiblichen Geschlechts. An den 255 vorgekommenen Strikes haben 188 mal nur männliche, 9 mal nur weibliche und 58 mal männliche und weihbliche Arbeiter theilgenommen. Sowohl unter den männlichen wie unter den weiblichen strikenden Arbeitern Fewsee⸗ die gelernten; die männlichen Lehrlinge machten 1,77 %, die weiblichen 0,41 % aller in Industriebetrieben Ausständigen aus. Die Arbeiter unter 16 Jahren bildeten 2,29 %, die über 16 Jahre 97,71 % aller Strikenden. In 5 Fällen nahmen am Ausstande auch Heimarbeiter theil.

„Ihrem Beginne nach fielen 108 Ausstände mit 16 631 strikenden Arbeitern in das Frühjahr, 74 mit 13 028 Arbeitern in den Sommer, 35 mit 6237 Arbeitern in den Herbst und 38 Aus⸗ stände 3762 strikenden Arbeitern in den Winter. Mehr als die Hälfte, nämlich 55,69 %. aller Ausstände dauerten nur 1—5 Tage, 16,47 % 6 10, 9,81 % 11 15, 4,71 % 16 20, 1,96 % 21 25, 1,18 % 26 30, 9,79 % 31 100 und 0,39 % über 100 Tage. Zu den kürzer dauernden Ausständen gehörten die zahlreichen Arbeitseinstellungen in den Baugewerben und die im Bergbau vorgekommenen Strikes. Die durchschnittliche Dauer betrug 11,18 Tage. Die hauptsächlichsten Veranlassungen zu den Strikes bildeten Unzufriedenheit mit den Löhnen (124 mal) und mit der Arbeitsdauer (54 mal), Entlassung von Arbeitern (36 mal), Lohnreduktion (33 mal) und Mitzliebigkeit von Vorgesetzten (21 mal). Dementsprechend wurden unter den Forderungen der Strikenden im Jahre 1898 wie in den Vorjabren am häufigsten, nämlich bei 177 Arbeitseinstellungen mit 31 708 strikenden Arbeitern, Lohnforderungen gestellt, bei 75 Aus⸗ ständen mit 15 068 strikenden Arbeitern Forderungen in Betreff der Arbeitszeit, bei 134 Ausständen mit 29 012 strikenden Arbeitern andere Forderungen. Unter den Lohnforderungen stehen die auf Erhöhung der Tagelöhne und Accordsätze gerichteten obenan, die bei 140 Ausständen von 29 065 strikenden Arbeitern erhoben wurden. Von den übrigen Lohnforderungen treten nur noch die der Aufrechthaltung bestehender Löhne, sowie der Bezahlung der Feiertage, höherer Bezahlung der Ueberstunden ꝛc. hervor; erstere wurde 31 mal ron 3173, die zweite Forderung 28 mal von 6319 strikenden Arbeitern gestellt. Unter den die Arbeitszeit betreffenden Forderungen ist jene auf Kürzung der täglichen Arbeitszeit abzielende die häufigste; sie wurde 66 mal von 13 899 strikenden Arbeitern erhoben. Piehen tritt die Forderung der Kürzung der Arbeitszeit an Sonnabenden und Montagen, sowie die Forderung der Erbaltung der bestehenden Arbeitszeit häufiger hervor, erstere in 10 Fällen mit 2869, letztere in 5 Fällen mit 837 strikenden Arbeitern.

Eine Zusammenstellung der Erfolge der Ausstände im Jahre 1898 zeigt folgendes Bild: Es endeten 48 Fälle (18,82 % aller Ausstände) für 3315 strikende Arbeiter (8,36 % aller Ausständigen)

*) Die Arbeitseinstellungen und Aussperrungen in Oesterreich während des Jahres 1898. Herausgegeben vom Arbeitsstatistischen Amte im K. K. Handels⸗Ministerium. 486 Seiten. Verlag von

Alfred Hölder, K. u. K. Hof⸗ und Universitäts⸗Buchhandlung in Wien.

1““ 9 11“

mit vollem Erfolg, 102 (40 %) Fälle für 9987 (25,18 %) Strikende

ohne Erfolg und 105 (41,18 %) Fälle für 26 356 (66,46 %) Aus⸗ ständige mit theilweisem Erfolg, darunter 96 (37,65 0%) Fälle für 24 459 (61,68 %) Ausständige mit Erfolg, der die Lohn⸗ höhe oder die Arbeitszeit oder beides betraf. Die Prozent⸗ zahl der Strikes mit vollem Erfolge übersteigt diejenige der auf sie entfallenden ausständigen Arbeiter beträchtlich, woraus folgt, daß diese Arbeitseinstellungen durchschnittlich nur geringen Umfang hatten. Bei den Strikes ohne Ecfolg ist dieselbe Erscheinung festzustellen, während bei den Ausständen mit theilweisem Erfolge durchweg wieder das umgekehrte Verhältniß zum Ausdruck gelangt. Hinsichtlich der ausständigen Arbeiter weist die Statistik Folgendes nach: 3276 oder 8,26 % der Strikenden nahmen die Arbeit nach voller Durchsetzung der gestellten Forderungen wieder auf, 25 619 oder 64,60 % nach theilweiser Durchsetzung der gestellten Forderungen und 8421 oder 21,23 % ohne Durchsetzung ihrer Forderungen; 1284 oder 3,24 % wurden entlassen, 1044 oder 2,63 % verließen den Betrieb freiwillig. Was endlich den Erfolg anbelangt, welcher sich hin⸗ sichtlich der einzelnen Forderungen ergab, so wurde der 31 mal von zusammen 3173 Arbeitern begonnene Kampf um die Aufrechterhaltung der bestehenden Löhne 10 mal mit Pollem, 7 mal mit 1 weisem und 14 mal ohne Erfolg geführt. Eine Erhöbung der Tage⸗ 8 löhne oder Accordsätze 140 mal von 29 065 Ausständigen gefordert

wurde 28 mal mit vollem, 57 mal mit theilweisem und 55 mal

ohne Erfolg angestrebt. Die 66 mal von 13 899 Arbeitern esee

Verkürzung der täglichen Arbeitszeit erscheint 20 mal mit vollem und 17 mal mit theilweisem Erfolg von zusammen 9590 Ausständigen 29 mal von 4309 Strikenden ohne Erfolg gefordert. Die im Wege von Ausständen durchgesetzten Lohnerhöhungen variieren zwische 1 und 50 %. Die erzielte Kürzung der täglichen Arbeitszeit machte bis 5 Stunden aus; bei derselben handelte es sich vornehmlich um die Erringung einer neun⸗ bis zehnstündigen Arbeitszeit (in einem Falle um Herabsetzung von 17 auf 12 Stunden täglich). 1

Eine wichtige Frage, die bei Betrachtung der Ausstände auf⸗ taucht, ist die nach den Verlusten und Opfern, welche die Arbeits⸗ einstellungen den Unternehmern und den Arbeitern verursacht haben. Den feiernden Arbeitern gingen im Jahre 1898 durch Strikes 352 873 Arbeitstage verloren. Die Berechnung des hierdurch ver⸗ ursachten Lohnausfalls ergiebt unter Berücksichtigung der Anzahl der betheiligten Arbeiter in den einzelnen Strikephasen bei Arbeitseinstellungen mit wechselnder Betheiligung für alle strikenden Arbeiter den Betrag von rund 470 000 Gulden, wovon ca. 29 000 Gulden auf die mit vollem Erfolg beendeten, 293 000 Gulden auf die theilweise erfolgreichen und 148 000 Gulden auf die erfolglosen Ausstände ent⸗ fallen. Bei 66 unter den 255 vorgefallenen Arbeitseinstellungen fanden Arbeiterentlassungen statt. Die Anzahl der Entlassenen beträgt 1284, diejenige der aus anderen Gründen Ausgeschiedenen 1058, die Zahl der neu Aufgenommenen 1343. Der aus Anlaß der Ausstände eingetretene Arbeiterwechsel, welcher nicht nur als die Interessen der Strikenden schädigend gelten kann, sondern auch als eine dem Industriebetrieb erwachsene Benachtheiligung in Betracht kommt, war demnach nicht unbedeutend. In 73 Fällen waren Arbeiter infolge der Arbeitseinstellung anderer zum Feiern ge⸗ nöthigt. Ihre Gesammtzahl beträgt 5458, ihr Lohnverlust unter Außerachtlassung jenes Arbeitsentganges, für welchen der Arbeitgeber freiwillig oder infolge gesetzlicher Bestimmung aufkam beziffert sich auf rund 21 000 Gulden; in 32 Fällen erlitten dieselben keinen Lohnverlust, da ihnen die Feierzeit vergütet wurde. Ueber den durch Produktionsausfall u. s. w. den Unternehmern entstandenen Schaden finden sich in der amtlichen Statistik keine Mittheilungen; diese weist nur nach, daß im Jahre 1898 45 Ausstände vorfielen, bei denen die gesammte Arbeiterschaft der betheiligten Betriebe die Arbeit einstellte, und 39 Ausstände, bei welchen die Einstellung der Arbeit feitens der Strikenden die gesammte übrige Arbeiterschaft zum Feiern nöthigte. Insgesammt waren es also 84 Fälle, in denen eine vollständige 2 etriebsunterbrechung stattfand. Außerdem gab es zahl⸗ reiche Fälle, in denen eine ganze Arbeiterkategorie in Ausstand trat und somit eine mehr oder minder beträchtliche Betriebsstörung durch Unterbrechung der Arbeit in einzelnen Dienstzweigen anzunehmen ist.

Aussperrungen kamen im Jahre 1898 nicht vor; es ist hierbei zu beachten, daß die Hauptursache der Aussperrungen in Oesterreich bisher die Maifeier gebildet hat, im Jahre 898 aber der 1. Mai

auf einen Sonntag fiel. 8 3

Zur Arbeiterbewegung.

In Mariaweiler bei Düren haben, der h.⸗Westf. Ztg.“ 3 folge, die ausständigen Weber, nachdem eine Einigung erzielt worden varng gn 26. d. M. die Arbeit wieder aufgenommen (vergl. Nr. 25

Zum Ausstande in den böhmisch⸗mährischen Kohlen⸗ revieren meldet „W. T. B.“ aus Prag unterm 27. d. M.: In Kaaden, Falkenau, Rokyczan, Prestiz und Mies ist die Lage unverändert. Im daler und Brüxer Bezirk wird in drei Schächten gearbeitet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde gegen die in den Ausstand getretenen Kesselwärter und Maschinisten das Strafverfahren eingeleite. In Ko motau beginnt sich die Lage zu bessern, in Teplitz ist dieselbe unverändert; in einigen Schächten wird mit neu angeworbenen Arbeitern gearbeitet. Iäm Duxer Bezirk wurden 1100 Arbeiter für ent⸗ lassen erklärt. Im Troppauer Ausstandsgebiet ist die Lage unverändert; im östlichen Revier ist der Ausstand fast erloschen; im westlichen dauert er in gleicher Stärke fort. In Pilsen ist die Sitzung des Einigungsamtes erfolglos verlaufen, da nur Vertreter der Arbeiter, aber nicht die der Werkbesitzer erschienen waren. Letztere erklärten schriftlich, mit den Arbeitern, die als Ausständige den Boden des Gesetzes verlassen hätten, nicht verhandeln zu wollen. Auch in 8 8 56* ist der Verständigungsversuch gescheitert. (Vergl.

Aus Paris berichtet dasselbe Bureau, daß ungefähr hundert ausständige Zimmerleute am 27. d. M. in die Arbeitsplätze der Weltausstellung eindrangen. Die Polizei trieb sie zurück.

Kunst und Wissenschaft.

Dem Gesammtverein der deutschen Geschichts⸗und Alterthumsvereine sind, wie das Korrespondenzblatt“ desselben mit⸗

theilt, neu beigetreten: die „Gesellschaft für Beförderung der Geschichts⸗, Alterthums⸗ und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften⸗ (Vorsitzender: Geheimer Hofrath Professor Dr. F. X. Kraus zu Freiburg B.); der „Alterthumsverein füͤr Mühl⸗ hausen in Thüringen und Umgegend“ (Vorsitzender: Erster Bürger⸗ meister Trenckmann zu Mühlhausen); die „Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen“ (Vorsitzender: Hofmarschall Freiherr von Budden⸗ brock in Berlin); der „Rügisch⸗Pommersche Geschichtsverein“ (Vor⸗ sitzender: Professor Dr. Frommhold in Greifswald). Ausgeschieden ist der Verein der Alterthumsfreunde zu Genthin.

Der Maler Hubert von Hatomef wird am 20. Februar in Berlin eintreffen, um hier einige Porträtaufträge auszuführen und seine große vee; in Eduard Schultes Kunstsalon (U. d. Linden 1) für Anfang März zusammenzustellen. Diese Ausstellung

wird fünfzehn Porträts in Oel (darunter die „Dame in Weiß“, die

„Dame in Schwarz“ und das Bildniß John Ruskin's), acht Aquarell⸗ porträts englischer Künstler, drei große Oelgemälde, zehn Aquarelle, neun Radierungen, fünf Maler⸗Radierungen und sechs Werke in Emaillekunst umfassen.

Land⸗ und Forstwirthschaft. Saatenstand in der Türkei.

Der Kaiserliche General⸗Konsul in Konstantinopel meldet unter dem 20. d. M., daß die türkische Regierung im Monat De⸗

zember v. J. an die ärmeren Getreidebauer des Adrianopeler Bezirks,