die Vornahme einer Volkszählung, für die land⸗ und forst⸗ wirthschaftlichen Aufnahmen und für die Vornahme ein r Viehzählung im Jahre 1900, sowie der Entwurf eines Gesetz s über die militärische Sssee eheh im Kiautschougebi t den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Vorlage, be⸗ treffend die Verleihung von Korporationsrechten an die Neu⸗ Guinea⸗Compagnie, und dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß⸗Lothringen wegen ausnahmsweiser Berechnung der Pensionen von Landesbeamten während der Durchführung des Dienstaltersstufensystems wurde die Zustimmung ertheilt. Außerdem wurde über den Seiner Majestät zu unterbreitenden Vorschlag wegen Besetzung einer Rathsstelle beim Reichsgericht sowie über verschiedene Eingaben Beschluß gefaßt.
Heute hielten die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Zoll⸗ und Steuerwesen und für Rechnungswesen sowie de vereinigten Ausschüsse für Zoll⸗ und Steuerwesen und für
Handel und Verkehr Sitzungen.
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Die gestern ausgegebene Nummer des „Armee⸗Verordnungs⸗ blatts“ veröffentlicht folgende Allerhöchste Kabinets⸗ Ordre, betreffend die größeren Truppenübungen im Jahre 1900:
Auf den Mir gehaltenen Vortrag bestimme Ih:
1) Das Garde⸗Korps, verstärkt aus den III. Armee⸗Korpz, und das II., verstärkt aus dem XVII. Armes⸗Korps, halten, Manoöͤver gegeneinander vor Mir, gemäß Felddienst⸗Ordnung Nr. 557, ab. Die — 3. Absatz dieser Nummer erwähnte nähere Bestimmung ereht päter.
2) Beide Armee⸗Korps bilden fe 3 Infanterie⸗Diyvisionen (Kriegsgliederung siehe Anlagen 1 und 2.) 1
3) Beim II. und IV. Armee Korps werden Kavallerie⸗ Divisionen aufgestellt. Eeergegliederenc siehe Anlaqge 3.)
Die Bestimmung der Divistonsführer behalte Ich Mir vor. Soweit Ich alsdann nicht über Bilduag von Div sionsstäben verfüge, veranlassen diese die genannten General⸗Kommandos. .
4) Die Garde⸗Kavallerie⸗Dioision und die Kavallerie⸗Divisionen A und B halten die besonderen Kavallerie⸗Uebungen gemäß Felodienst⸗ Ordnung Nr. 565 bis 567 auf den Truppenübungsplätzen ab. Das Kriegs⸗Ministerium regelt das Erforderliche auf Grund der Truppen⸗ übungsplatz⸗Vorschrift. 8
5) Ueber Besichtigung von Kavallerie⸗Divisionen werde Ich be⸗ sonders verfügen. 1
6) Bei der 39. Division finden Dieisionz⸗Manöver auch an Stelle der Brigade⸗Mandöver statt.
7) Ein Kavallerie⸗Regiment des XVIII. Armee⸗Korpz wird der 38. Division für die ganze Dauer der Minöper überwiesen. .
8) Dem Garde⸗ und dem II Armes⸗Korps wird je eine Luft⸗ schiffer⸗Abtheilung zugetheilt 8
9) Bei der Zeiteintheilung für die en 1 eeeeept sind die Ernteverhältnisse möglichst zu berück⸗
igen.
10) Wo besondere Umstände gesonderte Manöver der In⸗ fanterie⸗Brigaden zu vier Bataillonen (Felddienst. Ordnung Nr. 5521) wünschenswerth machen, ermächtige Ich das Kriegs⸗ Ministerium zur Genehmiqung auf Antrag des General⸗Kommandos.
11) Beim IV. und XVI. Armee⸗Korps finden Uebungen im An⸗ Lrneg äauf befestigte Feldstellungen unter Betheiligung schwerer
rtillerie des Feldheeres, und zwar ohne scharfes Schießen, statt. Bei einem dritten Armee⸗Korps, welches Mir das Kriegs Ministeriam noch vorzuschlagen hat, soll eine derartige Uebung in der bisherigen Weise, unter Scharfschießen der Artillerie, abgebalten werden.
12) Bei Auswahl des Geländes und Durchführung aller Uebungen ist auf Einschränkung des Flurschadens Bedacht zu nehmen. Ueber Fälle hoher Flurschäden erwarte Ich den Vortrag des Kriegs⸗ Ministers.
13) Beim Garde⸗Korps, dem IV., VII., ITX., X., XV., WII. und XVIII. Armee⸗Korps finden Kavallerie⸗Uebungsreisen gemäß In⸗ struktion vom 23. Januar 1879 statt.
14) Groͤßere Pionier⸗Uebungen werden an der unteren Weichsel und Nogat. am Oberrhein bei Neu⸗Breisach und in der Gegend von Düren, Jülich, Köln abgehalten. Näheres bestimmt di⸗ General⸗Inspektion des Ingenieur⸗ und Pionier⸗Korps und der Festungen.
15) Die Fußtruppen müssen bis zum 29. September 1900, dem
spätesten Entlassungstage, in ihre Standorte zurückgekehrt sein. Berlin, den 1. Februar 1900. Wilhelm.
Uebungen der anderen
von Goßler.
6 8 “ 2
Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Schwalbe“, Kommandant: Korvetten⸗Kapitän Boerner, am 7. Februar in Port Elizabeth eingetroffen.
S. M. S. „Stosch“, Kommandant: Fregatten⸗Kapitän Ehrlich, ist am 8. Februar in Horta (Fayal) angekommen i2n beabsichtigt, am 23. Februar nach Nieuwediep in See zu gehen.
S. M. S. „Hertha“, Kommandant: Kapitän zur See von Usedom, ist 15 in Singapore eingetroffen.
S. M. S. „Gefion“, Kommandant: Fregatten⸗Kapitän Rollmann, ist heute in Hongkong angekommen.
Sachsen⸗Meiningen. Der Landtag hat in seiner vorgestrigen Sitzung den Etat mit dem von der Regierung vorgeschlagenen Steuer⸗ erlaß angenommen und ist sodann auf unbestimmte Zeit
voertagt worde
Sesterreich⸗Ungarlrn.
Die Ankunft Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen in Wien erfolgt, wie die „Wiener Ztg.“ meldet, am 11. d. M., um 5 Uhr 55 Minuten Nach⸗ mittags, im Südbahnhofe. Im Bahnhof wird der Prinz empfangen werden von Seiner Majestät dem Kaiser, Ihren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten den Erzherzogen, dem Korps⸗Kommandanten, General der Kavallerie Grafen Uexküll⸗Gyllenband, dem Statthalter Grafen Kielmansegg, dem Polizei⸗Praͤsidenten Habrda, den zugetheilten Ehrenkavalieren, Vize⸗Admiral Freiherrn von Minutillo und Korvetten⸗Kapitän Ritter von Höhnel, und einer Ehren⸗Kompagnie; in der Hofburg an der Botschafterstiege von dem Ersten Obersthofmeister, Feldmarschall⸗Leutnant Fürsten Rudolph zu Liechtenstein und dem Ober⸗Zeremonlenmeister, General der Kavallerie Grafen Hunyady. Am 12. d. M. um 12 Uhr Mittags findet ein Dejeuner bei dem deutschen Botschafter Fürsten zu Eulen⸗ burg und um 6 Uhr Abends Tafel im neuen Saal der Hofburg statt. An demselben Abend um 9 ½ Uhr tritt Seine
. Hoheit mit der Nordwestbahn die Weiterreise nach erlin an.
An der gestrigen zweiten Sitzung der “ Abkheilung der Ausgleichs⸗Konferenz nahmen, wie „W. T. B.“ berichtet, sämmtliche Vertreter aus Böhmen theil. Zur Erörterung gelangte die Wahl⸗ ordnungsreform für den böhmischen Landtag. Die Konferenz wählte ein aus 10 Mitgliedern bestehendes Subcomité zur Vorberathung folgender sechs unkte: Abänderung des Listenskrutiniums bei der Wahl des nicht fideikommissa⸗ rischen Großgrundbesitzes; Vermehrung der Landtagsmandate für Städte, Landgemeinden und Handelskammern; Ein⸗ führung direkter Wahlen in den Landgemeinden sowie Herab⸗ setzung des Zensus; Einführung einer allgemeinen Wähler⸗ klasse; Errichtung von Wahlkurien; Errichtung von Vetokurien.
Das ungarische Unterhaus setzie gestern die Debatte über das Budget fort. Der Minister⸗Präsident von Szell sah sich dabei veranlaßt, mehrfache Vorwürfe der Opposition in eingehender Rede zu widerlegen. Dem Abg. Komjathi gegenüber, welcher ihn mattherziger Politik in nationalen Dingen und schlaffer Unthätigkeit gegenüber der staatsfeind⸗ lichen Agitation beschuldigt hatte, führte der Minister⸗Präsident aus, daß die vorgebrachten einzelnen Fälle theils als auf irr⸗ thümlicher Information beruhend sich erwiesen hätten, theils, insoweit sie thatsächlich vorzekommen, auch geahndet worden seien. Spuren einer cvchisch s ovakischen Propaganda seien leider wahrnehmbar, würden jedoch mit Aufmerksamkeit ver⸗ folgt. Was die Behauptung einer ungarnfeindlichen Demon⸗ stration siebenbürgisch⸗deutscher Universitätshörer am Grabe Bismarck's betreffe, so habe die Uatersuchung ergeben, daß kein Hörer der Klausenburger Universität an der Demonstration thei genommen habe. Es sei auch nicht erwiesen worden, daß der Huldigung für den großen deutschen Staatsmann eine gegen Ungaecn gerichtete Pointe gegeben worden sei, denn an und für sich sei der Bismarckkultus mit gut ungarischer Gesinnung wohl vereinbar. Staatsfeindliche Aspirationen müßten wohl unterdrückt werden, allein Energie dort an⸗ zuwenden, wo sie nicht nothwendig erscheine, sei Gewalt⸗ that. Die ungarische Politik würde durch ein derartiges Ver⸗ halten Unsicherheit und Nervosität verrathen, auch diej nigen in einen gereizten Zust nd versetzen, mit denen sich Ungarn seicht verständigen könn. Dec ungarische Stagt habe es gottlob nicht nöthig, so voll kleinlicher Aengstlichkeit zu ver⸗ fahren. „Mein Ziel ist der Ausbau und die Kräftigung des einheitlichen ungarische, Staates, der dadurch seine Kraft vermehrt, daß er allen seinen Bürgern ohne Unterschied des Stammes und der Nationalität, wie seit Jahrhunderten, eine wohnliche Heimstätte gewährt. Unsere Aufgabe ist, Achtung und Liebe für den ung nrischen Staat zu erwecken. Wir müssen die anziehenden, nicht die abstoßenden Kräfte entw ckeln und all⸗ Bäarger ohne Unterschied durch ihre Interessen an den Staat fesseln, der ihnen Schutz gewährt. Das ist wahre ungarische Politik. Wir treiben keine Rassenpolitik. Es wird bei uns niemand verfolgt oder wegen seiner Eigenart verletzt. Andererseits möchten wir, daß der ungarische Staat imponiere und daß er Sympathie und An⸗ hänglichkeit genieße. In diesem Sinne acceptiere ich die Er⸗ kläung des Abg. Wilhelm Melczec, daß die Sachsen nichts Ungarnfeindliches anstreben. Ich bin der zuv ersichtlichen Hoff⸗ nung, daß dies thatsaͤchlich der Fall ist.“
In einer gestern abgehaltenen Konferenz der liheralen Partei beantragte Graf Albert Apponyi, dem Minister⸗ Präsidenten von Szell für dessen von staatsmännischer Weisheit durchorungene Rede im Unterhause Dank und An⸗ erkennung auszudrücken. Der Antrag wurde unter begeisterten Eljenrufen zum Beschluß erhoben. Der Minister⸗Präsident von Szell dankte und gab seiner Freude Ausdruck, daß es ihm gelungen sei, in einer schwierigen Frage die ungetheilte Zustimmung der Partei zu erriagen.
Großbritannien uud Irland. In der gesteigen Sitzung des Unterhauses wurde, wie
„W. T. B.“ meldet, die Debatte über die Adresse fortgesetzt.
Im Verlaufe derselben erk ärte der Unter⸗Staatssekretär des Aeußern Brodrick, die Weigerung des Marschalls des Prisengerichts in Durban, den deutschen Dampfer „ erzog“ seinerzeit in Obhut zu nehmen, sei nicht auf einer An⸗ weisung der britischen Regierung basiert gewesen, sondern darauf zurückzuführen, daß das Schiff noch nicht im Hafen gewesen sei Nachdem mehrere Unteranträge zur Adresse be⸗ rathen und abgelehnt waren, bsantragte der Erste Lord des Schatzamts Balfour den Schluß der Debatte; der Antrag wurde mit 215 gegen 64 Stimmen angenommen und die Adresse alsdann mit 229 gepen 39 Stimmen genehmigt. Die Minorität, bestand aus Irländern. Im weiteren Verlauf der Sitzung erklärte der Erste Lord des Schaans Balfour: „Unsere Information vom Kriegsschauplatz weist auf die Thatsache hin, daß Sir Redv rs Buller den Vormarsch aus der Stellung, die er am Mittwoch eingahm, nicht beeile. Wir haben es nicht für Recht gehalten, in ihn wegen detaillierter Angaben über seine Operationen zu dringen; auch würden wir, falls er uns solche Angaben machte, sie zu veröffentlichen nicht früher ür geeignet halten, als bis die Operationen vollendet sind.“ Auf die Anfrage, ob der General Macdonald zurückbeordert sei, erwiderte Balfour, er habe hierüber keine Informationen.
Dem Parlament ist ein Nachtrags⸗Etat zugegangen, in welchem 13 Millionen Pfd. Sterl. verlangt werden zur Be⸗ streitung der Kosten für die 120 000 Mann, welche infolge des Krieges in dem mit dem 31. März d. J. schließenden Finanz⸗ jahre mehr ausgehoben wurden, sowie zur Bestreitung anderer einschlägiger Ausgaben für militärische Zwecke.
Frankreich.
Der sozialistische Deputirte Rouanet hat, wie „W. T. B.“ meldet, an den Minister⸗Präsidenten Waldeck⸗Rousseau ein Schreiben gerichtet, in welchem er ankündigt, er werde ihn am kommenden Montag über die antir ublikanischen Kund⸗ gebungen und die ungehörige Sprache kirchlicher Würdenträger interpellieren.
Dem „Figaro“ zufolge hat der Präsident Loubet den Marine⸗Ingenieur Leubeuf zu den glänzenden Erfolgen beglück⸗ wünscht, welche die jüngsten Versuche mit dem von Leubeuf erfundenen Unterseeboot „Narval“ gehabt hätten. Die Ver⸗ suche sollen ergeben haben, daß der „Narval“ somohe als Torpedo⸗ boot wie auch als Unterseeboot gute Dienste leisten werde.
2
Bei der Berathung des Budgets des Ministeriums des Auswärtigen im Senat stellte, dem „W. T. B.“ zu⸗ folge, der Minister des Auswärtigen Visconti⸗Venosta
8*
gestern bei der Beantwortung einer Anfrage des Senators Vitelleschi⸗Nobili fest, daß die Beziehungen Italiens zu Großbritannien stets den Charakter gegenseitiger Freundschaft und gegenseitigen Vertrauens behalten hätten. Der Minister ferner die Zuversicht aus, daß die Ereignisse in Süd⸗ Afrika keine allgemeineren Verwickelungen nach sich ziehen würden. Die italienische Regierung ihrerseits sei weit davon entfernt, eine Politik des Verzichtens zu treiben. Sie werde nicht aufhören, über die wichtigsten Interessen des Landes zu wachen. Diese Aufgabe werde ihr üͤbrigens erleichtert durch ihre guten Beziehungen zu den anderen Mächten. Spanien.
Wie dem „W. T. B.“ aus Madrid berichtet wird, stellte der Finanz⸗Minister Villaverde in der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer bei der Berathung des Einnahme⸗ budgets aus Anlaß eines Abänderungsantrages, betreffend den Zuschlag zum Oktroi, die Vertrauensfrage. Für den Antrag wurden 88, gegen denselben ebenfalls 88 Stimmen abgegeben. Die Opposition erhob Protest, der Finanz⸗Minister wurde heftig angegriffen, und es entstand ein großer Tumult.
Türkei.
Der montenegrinische Gesandte hat, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel meldet, bei der Pforte Vorstellungen wegen des Einfalls einer Albanesenbande erhoben, welche einen Montenegriner getödtet und einen Gendarmen verwundet haben solle. “
Afrika.
Ein in London eingetroffenes marschalls Lord Roberts vom 8. d. M. bestätigt, wie „W. T. B.“ meldet, daß die Buren von dem General Gatacre am 3. d. M. bei Penhoek und am Vogelfluß zurückgeworfen worden seien. Der General Gatacre habe seiner Meldung an Lord Roberts noch hinzugefügt, daß beide Außenposten völlig gesichert seien. Lord Roberts legt sodann dar, der Zweck der Bewegung des Generals Macdonald nach dem Koodoosberge sei der gewesen, den Feind ab⸗ uschneiden, welcher die Bahnlinie bei Belmont be⸗ sich aber vor den Hochländern unter Oberst Bradwood zurückgezogen habe. Die Stellung beherrsche die Furt über den Riet⸗Fluß. Der Feind habe vergebens versucht, die Hoch⸗ länder aus ihrer Stellung zu drängen. Auf das Ansuchen des Generals Macdonald habe der General Babington am 7. d. M. Verstärkungen gebracht, um die Hochländer sn unterstützen. Der Feind sei zurückgetrieben worden und habe später seine Stellung geräumt.
Die „Times“ meldet aus Kimberley vom 8. d. M.: Die Buren beschossen gestern den ganzen Tag mit ihren schweren Geschützen die Stadt. Gegen Abend brachte die britische Artillerie die Burengeschütze zum Schweigen. Es wurden drei Personen verwundet.
Das „Reuter'sche Bureau“ berichtet aus dem Haupt⸗ quartier der Buren vor Ladysmith vom 7. d. M.: Die Buren feuerten gestern auf einen Panzerzug, der sich von Chieveley in der Richtung nach Colenso begab. Der Zug, in welchem sich 2000 Mann befanden, war infolge des An⸗ griffs genöthigt, nach Chieveley zurückzukehren. — Ein weiteres Telegramm desselben Bureaus vom 8. d. M. 9 Uhr Morgens besagt: Die britischen Truppen, die im Besitz des Molenspruit⸗Kopjes waren, haben die Position heute früh aufgegeben, nachdem die Artillerie der Buren das Kopje bombardiert hatte. Die Engländer haben sich über den Tugela⸗Fluß in ihre alten Stellungen zurückgezogen. Heute Morgen wurde am Tugela⸗Fluß mit Unterbrechungen eine Kanonade unterhalten. 1
Dem britischen Kriegsamt lag bis gestern Abend 6 ¾ Uhr keine Bestätigung der Buren⸗Meldung vom Rückzug Sir Redvers Buller's über den Tugela vokr.
Parlamentarische Nachrichten.
Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs⸗ tages und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.
— In der heutigen (145.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. Graf von Posadowsky, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats⸗Minister Graf von Bülow, der Staatssekretär des Reichs⸗Marineamts, Staats⸗Minister, Vize⸗Admiral Tirpitz und der Staatssekretär des Reichs⸗Schatzamts Dr. Freiherr von Thielmann beiwohnten, wurde die erste Berathung des Entwurfs einer Novelle zum Gesetz, betreffend die deutsche Flotte, faageche.
In der Debatte nahmen bis zum. Schluß des Blattes die Abgg. Graf von Schwerin⸗L öwitz (d. kons.) und Bebel (Soz.) das Wort. E“
— Das Haus der Ab
8 “ 6 EEE1e“ geordneten hörte in der heutigen (21.) Sitzung, in welcher der Justiz⸗Minister S öͤnstedt zugegen war, zunächst die Verlesung eines Handschreibens Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich an, in welchem Höchstderselbe von Neapel aus für die Glück⸗ wünsche des Hauses aus Anlaß der Geburt eines Sohnes dankt, und setzte dann -Nen Berathung des Staats⸗ ö für 1. im Etat der Hustizverwal⸗ tung fort.
An der Debatte betheiligten sich bis zum Schluß des Blattes der 8C Dr. Rewoldt (frkons.), der Geheime Ober Jufüraeh Vierhaus, der Abg. Dr. Lotichius (nl.), der Justiz⸗Minister Schönstedt, die Abgg. Hoheisel (Zentr.), Pleß (Zentr., von Pappenheim (kons.) und von Korn (kons.).
Dem Reichstage ist der nachstehende Entwurf eines Ge⸗ setzes, betreffend die Freundschaftsverträge mit Foßg⸗ und Soͤmoa und den Freundschafts⸗, Handels⸗ und Schiff⸗ fahrtsvertrag mit Sansibar, nebst Begründung zugegangen:
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen ꝛc. 1 verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages, was 2 Durch eine mit Zustimmung des Bundesraths zu erlassende Kaiserliche Verordnung können: 1) die Vorschriften des Freundschaftsvertrags mit Tonga vom 18 1. November 1876 (Reichs⸗Gesetzbl. 1877 S. 517), 2) die Vorschriften des enadschästirees mit Samoa vom 24. Januar 1879 (Reichs⸗Gesetzbl. 1881 S. 29), ““
1“
11““ “ elegramm des Feld⸗
EFrrichtung von
z) die auf Exterritorialitätsrechte bezüglichen Vorschriften des
dschafts⸗, Handels⸗ und Schiffahrtevertrags mit n 20 Dezember 1885 (Reichs⸗Gesetzbl. 1886 S. 261)
oder theilweise außer Anwendung gesetzt werden.
Sansibar
Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
—
Nr. 6 des „Centralblatts für das Deu herausgegeben im Reichsamt des Innern, vom 9. folgenden Inhalt: 1) ile zur Vornahme von Zivilstandzakten. —
zur Vornahme von Zivilstandsakten
tsche Reich“, Februar, bat
1) Konsulatwesen: Ernennung; — Ermächtigung 2) Kolonialwesen: Ermäch⸗ im Schutzgebiete von
eutsch. Ostafrika. — 3) Bankwesen: Status der deutschen Notenbanken
Ende Januar 1900. — 4) Zoll⸗ und Steuerwesen: Ausfübrungsvorschiften zum Reichs⸗Stempelgesetz; —
Ergänzung der Veränderungen
in dem Stande oder den Befugnissen der Zoll⸗ und Steuerstellen. —
5) Marine und Schiffahrt: Erscheinen eines weiteren
Heftes der Ent⸗
scheidungen des Ober⸗Seramts und der Seeämter. — 6) Polizei⸗ wesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiet.
Nr. 6 des „Eisenbahn⸗Verordnungs bla
tts“, heraus⸗
eben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 7. Februar,
bat folgenden Inbalt: Erlasse des
Ministers der öffentlichen Ar⸗
beiten: vom 30. Januar 1900, betr. Bezirkseisenbahnräthe in Berlin, Hannover und Frankeurt a. M.; vom 31. Januar 1900, betr. Allge⸗
meine Bedingungen bahnstationen; vom 31. Januar 1900, betr. Sammli der Privateisenbahnen; von meinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller
Bürgerlichen Gesetzbuchs. — Näachrichten.
für die Einführung von Kleinbahnen in Staats⸗
ung von Plänen
vom 31. Januar 1900, betr. § 14 der ge⸗ Dienstzweige der
Preußischen Staatseisenbahnverwaltung nach dem Inkrafttreten des
88
Statistik und Volkswirthschaft.
Großherzogthum Hessen.
Auf die Initiative Ihrer Königlichen Hohe herzogin fand gestern im Residenzschloß zu D Gründung eines Vereins zur Besserung der verhältnisse Minderbemittelter in den Stä dem Lande statt. Vertreter der Gemeinde⸗Verwaltungen, der Industrie wirthschaft, Handwerker und Arbeiter Einladungen Eeedohche h gett begrüßte dieselben nach der „Dar folgender Ansprache:
„In angelegentlicher Fürsorge für die Hebung de
Wohnstätten für Minderbemittelte im
it der Groß⸗ armstadt die Wohnungs⸗ dten und auf
Zu der konstituierenden Versammlung hatten
und der Land⸗ erhalten. Ihre mst Zig.“ mit
r sozialen Lage
der wit Glücksgütern wenig gesegneten Familien in Stadt und Land
hat sich in Mir die Ueberzeugung gefestigt, daß die
Wohnungswesens
Besserung des
ein bedeutendes, vielleicht eines der folgenreichsten
und wirkungsvollsten Mitiel sein wird, um für das Wohlergehen der
Minderbegüterten den Grund zu legen. Eine ges
liche Wohnung begründet das
körperliche Wohlbefinden,
annehm⸗ die Freude
unde,
am häuslichen Herd und befestigt die Liebe zur Familie, in welcher
die wesentlichsse Grundlage einer sittlichen Leb erblicken ist. Dem gleichen Gedanken ist der Ende
ensführung zu Dezember 1899
bei Eröffnung des Landtages gestellte Antrag entsprungen, der die Mithilfe des Staats und der Gemeinden zur Förderung dieser wich· tigsten sozialen Aufgabe in Anspruch nehmen will. Aber neben dem
Staat und den Gemeindea aufzurufen.
Uefeher Berathungen, die Begründung
sind die einzelnen zu gleicher Fürsocge Deshalb habe Ich, in Fortsetzung früherer eifrig ge⸗ eines Landesvereins zur
esserung der Wohnungsverhältnisse Miaderbemittelter ins Auge
gefaßt. Meine Anregung fällt, der Bereitwilligkeit, mit der Sie Meinem Ruf gefolg auf frachtbaren Boden. Der Hessische Zentralverein, baldiger Bildung Ich Sie zusammenutreten bitte,
wie Ich mit Befriedigung aus
t sind, schließe,
zu dessen als⸗
soll sich das Ziel
setzen, alle Kräfte des Landes zu gemeinsamer Arbeit zu sammeln.
Es wird sich zunächst darum handeln, überall im Land für die große Bedeutung des Werks, für die hobe
e das Interesse Aufgabe zu er⸗
wecken und dabei in erster Linie die Fürsorge auch auf die länd⸗
liche Bevölkerung zu erstrecken, damit überall in
Stadt und Land
die Liebe zur Heimath, zum vaterländischen Boden, das Wohlbefinden im eigenen gesunden Heim, Wohlstand und Sittlichkeit gefestigt
werde. Der Verein wird nicht aus dem Auge lassen,
thunlich, bei der Errichtung von Wohnstätten auch
daß, soweit der Sinn für
schöne, insbesondere für überlieferte und aus den Bedürfnissen der ein⸗
zelnen Gegenden herausgewachsene eigenartige und erhalten werde, er wid durch und Baumpflanzungen in bevölkerten städtischen Ge
Formen gärtnerische
geweckt Anlagen
bieten, wie in
ländlichen Gegenden, die Freude an der Natur zu erhalten suchen. In der weiteren Entwickelung wird er Wohlfahrtseinrichtungen schaffen
helfen, welche zur geistigen Bildung und Mit großer Genngthuung und Freude werde Ich es die Errichtung des Hessischen Zentralvereins zur Wohnungsver
ttlichen Förderung dienen
begrüßen, wenn Besserung der
ltnisse Minderbemittelter zu einem raschen Abschluß
gebracht werden kann, und gern werde Ich das Protektorat über den
Verein übernehmen, um Meine unablässige Fürsorge u Interesse für das Wohl Unseres Landes und haupt⸗ minderbegüterten Kreise zu bekunden und zu bethätigen
nd Mein tiefes ächlich für die
Der Reichstass⸗Abgeordnete Freiherr Heyl zu Herrns heim sprach
alsdann im Namen der Eingeladenen Ihrer Königliche
n Hoheit seinen
Dank aus, worauf der Verein für konstituiert erklärt und den An⸗ wesenden ein Statutenentwurf vorgelegt wurde, in dem die Inten⸗
i der Großberzogin ziegespegg⸗ “ 8
8 8 88
Zur Arbeiterbewegung.
. 82 82 89 8 111“
8
Zum Bergarbeiter⸗Ausstand im Wurmrevier theilt die „Germ.“ aus Aachen mit, daß vorgestern auf allen Gruben der
„Vereinigungsgesellschaft“ die Belegschaft Pllssbrig Auf Grube „Maria“ fehlten noch 37, auf Grube „An weiler Bergwerksverein gehörig, 35 Mann. der Firma Honigmann gehörend, fuhr die Belegs (Vergl. Nr. 35 d. Bl)
n Barmen⸗Rittershausen ist, der „Rhei zufolge, am 8. d.
M. ein neuer Ausstand in der Eisen⸗ und
eingefahren ist. na“*, dem Esch⸗
Auf nch⸗ „Nordstern“, aft vollzählig ein.
n.⸗Westf. Ztg.“
Zink⸗
schmelzerei der Firma Weißkopf u. Co. ausgebrochen. Die Arbeiter fordern Verkürzung des Arbeitstags von 10 ½ auf 10 Stunden und
Erhöhung des Ueberstundenlohns von 30 auf 50 ₰, ablehnte. (Vergl. Nr. 37 d. Bl.) 8
was die Firma
In der letzten Versammlung des christlichen Gewerkvereins der Schuhmachergesellen von Dortmund wurde der Beschluß ge⸗
faßt, in eine Lohnbewegung einzutreten.
Es wurde eine besondere
Kommission gewählt, welche den Meistern die Wünsche der Gesellen
unterbreiten soll.
„Die Rauchwaarenzurichter von Leipzig (Rötha, Markranstädt, Schkeuditz ) haben, wie die richtet, soweit sie keine Kündigungsfrist einzuhalten hatt
und Umgegend „Lpz. Ztg.“ be⸗ ten, am 6. d. M.
die Arbeit niedergelegt, während die an eine Kündigungsfrist ge⸗
bundenen Gehilfen, falls bis dahin eine Ein Prinzipalität und Gehilfenschaft nicht zu stande am 14. Februar in den Ausstand treten 7. d and eine von 400 Personen besuchte
igung zwischen kommen sollte, wollen. Am Versammlung
statt, in der die Lohnkommission den Situationsbericht erstattete.
Hiernach soll die Zahl der an der allgemeinen Lohnbewegung be⸗ theiligten devezsehütfen weit über 600 betragen. Es wurden fol⸗
1) Da, wo die geforderten
5 Beschlüsse gefaßt: sind,
eistern bewilligt worden
Löhne von den
ist die Arbeit wieder auf⸗
zunehmen. 2) Die Arbeiter sind verpflichtet, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß jeder in seiner Werkstelle wieder in Arbeit tritt und
ßregelungen stattfinden dürfen. 3) Diejenigen
lche arbeiten
dürfen und 25 ℳ pro Woche verdienen, haben mindestens 2 ℳ pro Woche an die Verbandskasse abzuliefern. 4) Aller Zuzug auswärtiger Arbeiter nach Leipzig ist streng zu vermeiden. (Vergl. Nr. 32 d. Bl.)
Zum Ausstand in den böhmisch⸗mährischen Kohlen⸗ revieren meldet „W. T. B.“ aus Teschen vom gestrigen Tage, daß in der wieder aufgenommenen Verhandlung vor dem Einigungs⸗ amt die Zugeständnisse bekannt gegeben wurden, welche die Ver⸗ treter der ewerke den Arbeitern zu machen bereit sind,
darunter außer der bereits am 10. Januar bewilligten Lohn⸗
erböhung eine weitere Erhöbung des Bruttoverdienstes um 7 %. Dies könne jedoch nur unter der Voraussetzung der Beilegung des Ausstands durch die Wiederaufnahme der Arbeit elörs werden. — Von 88 — wFeen 2 sgnene 8 Encig. os. aren gestern im Betriebe. Waggons Kohle wurden gefördert. (Vergl. Nr. 37 d. Bl.) 3 8 In Reschitza bei Budapest wurden, wie dasselbe Bureau be⸗ richtet, in einer von 2000 ausständigen Eisenarbeitern abge⸗ haltenen Versammlung folgende Fokderungen aufgestellt: Einführung der Sonntagsruhe, zehnstündige Arbeitszeit, Entscheidung von Fach⸗ genossen über die Abschätzung der Accordarbeiten, Lohnminimum von 160 Heller nach dreijähriger Beschäftigung, entsprechende Lohn⸗ erhöhung je nach der Branche und humane Behandlung durch die Vorgesetzten. “ 8
Kunst und Wissenschaft.
In der Sitzung der philosophisch⸗historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften vom 1. Februar gab Herr Kekule von Stradonitz einen vorläufigen Bericht über die Ergebnisse der von den Königlichen Museen in Milet begonnenen Ausgrabungen. Er theilte dabei eine lateinische und eine grfrchische Inschrift mit; die erstere aus dem Jahre 100 n. Chr., beziebt sich auf die Herstellung der hei⸗ ligen Straße von Milet nach Didyma durch den Kaiser Trajan. die zweit⸗, aus dem Anfang des vierten Jahrhunderts v. Chr., auf einen Rechtsstreit zwischen Milet und Myus und dessen Entscheidung durch den persischen Satrapen Struses. — Herr Hirschfeld überreichte im Auftrage des Verfassers das Werk: Musée Calvet, Inscriptions TesJlngs⸗ par le Capitaine Emile Espérandieu. Avignon,
In der Sitzung der physikalisch⸗mathematischen Klasse der Akademie von demselben Tage las Herr Fuchs „über eine besondere Gattung von rationalen Kurven mit imaginären Doppel⸗ punkten. Die Notiz handelt von der Aufgabe: eine ratio⸗ nale Funktion 2 = Ft), unter gewissen vegenh. über ihre Unendlichkeitsstellen, so zu bestimmen, daß die der realen Axe t entsprechende Kurve 2 vorgeschriebene Punkte in sich aufnimmt, und daß keinem Werthe 2 zwei verschiedene oder zusammenfallende reale Lösungen t entsprechen. — Herr Fuchs legte ferner vor: eine Mittheilung des Herrn Professors Fr. Költer hierselbt „über die von Steklow und Liapunow ent⸗ deckten integrabelen Fälle der Bewegung eines starren Körpers in einer Flüssigkeit“. Diese Arbeit weist zunächst auf die Bedeutsamkeit der Fälle din, in welchen außer den drei allgemeinen ein viertes be⸗ fonderes Integral existiert, zu welchem die Fälle von Steklow und Liapunow gehsren. Dann werden unter Hinweis auf die Analogien mit anderen Problemen der Mechanik die wesentlichen Scheitte an⸗ gegeben, welche zur endgültigen Lösung führen. Zum Schlusse werden die Formeln mitgetheilt, welche die Elemente des Problems als Funktionen der Zeit darstellen. Es ergiebt sich, daß die Lösung dem allgemeinen Typus von Formeln angehört, welche der Verfasser früher aufgestellt hat. — Herr voa Bezold überreichte zwei Veröffentlichungen des Königlichen Meteorologischen Instituts: 1) Ergebnisse der Beob⸗ achtungen an den Stationen II. und III. Ordnung im Jahre 1895, Berlin 1899, 2) Ergebnisse der Niederschlags⸗Beobachtungen in den Jahren 1895 und 1896, Berlin 1899. — Herr Engler überreichte die folgenden Fortsetzungen der mit Unterstützung der Akademie bearbeiteten Werke: Monographien ostafrikanischer Pflanzen⸗Familien und Gattungen. IV. Combretaceae excl. Combretum, bearbeitet von A. Engler und L. Diels. Leipzig 1900; und P. Ascherson und P. Graebner, Synopsis der mitteleuropäͤtschen Flora. 8. und 9. Lieferung. Leipzig 1899.
Da der Lichthof des Kunstgewerbe⸗Museums für andere Zwecke erforderlich wird, ist eine fernere Verlängerung der Aus⸗ stellung der Schülerarbeiten der Unterrichtsanstalt, deren reger Besuch dauernd anhält, nicht mehr angängig. Die Aus⸗ stellung wird daher morgen, Sonntag, in den Stunden von 12 bis 4 Uhr zum letzten Mal geöffnet sein. Die in dem oberen Vestibül des Museums vorgeführte Kollektion von Naturstudien aus dem Aquarium von dem Maler Paul Flanderky bleibt einstweilen noch weiter ausgestellt.
Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs⸗ Maßregeln.
Der Ausbruch der Maul⸗ und Klauenseuche in der Abtheilung für Schweine ist dem Kaiserlichen Gesundheitsamt ge⸗ meldet worden vom lacht⸗Viehhofe zu Nürnberg am 3. Februar.
Verkehrs⸗Anstalten.
Laut Telegramm von Köln (Rhein) hat die zweite englische Post über Ostende vom 9. Februar in Köln den Anschluß an Zug 31 nach Berlin über Hildesheim wegen Zugverspätung in Belgien nicht errechht!.
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Bremen, 9. Februar. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Dampfer „Pfalz“, v. d. La Plata kommend, 8. Febr. v. Vigo n. Bremen abgeg. „Weimar“, n. Ost⸗Asien best., 8. Febr. in Antwerpen
angekommen. —
Hamdurg, 9. Februar. (W. T. B.) Hamburg⸗Amerika⸗ Linie. Dampfer „Pretoria“, v. New York n. Hamburg, 8. sebe Dover passiert. „Sardinia“ 8. Febr. in Hamburg, „Hereynia“ 8 ebr. in Kingston, „Spria“ 8. Febr. in Havanna, „Teutonia“ 9. Febr. in Hamburg, „Alesia“ 7. Febr. in Pokohama, „Andalusia“, v. Ost⸗Asien n. Hamburg, 8. Febr. in Havre angek. „Sibiria“, v. Hamburg n. Ost⸗Asien, 8. Febr. Gibraltar passiert. 1
London, 9. Februar. (W. T. B.) Castle⸗Linie. Dampfer „Braemar Castle“ gestern auf Ausreise in Durban (Natal) angek. „Arundel Castle“ heute auf Ausreise v. London abgegangen.
Theater und Mausik.
Siller⸗Theater. “
Ein Familiendrama, welchem der letzte große deutsch⸗französische Krieg als wirksamer geschschtlicher Hintergrund dient, ist „Frösch⸗ weiler“, ein Schauspiel in vier Aufzügen von Hans von Wentzel und Ferdinand Runkel, welches gestern im Schiller⸗ Theater seine erste erfolgreiche Aufführung erlebte. Der Konflikt ergiebt sich von selbst aus den gegensätzlichen Charakteren der handelnden Personen, insbesondere der beiden Brüder Claude und Erneste. Söhne des Pfarrers von Fröschweiler, von denen der erstere als Hauptmann in französischen Diensten steht, während der letztere als Gelehrter Deutschland zum Vaterland erkoren hat, für dessen Sache er bei Ausbruch des Krieges ebenfalls zu den Waffen greift. Aber es ist nicht allein diezer patriotische Gegensatz. welcher die Schicksale der während des Feldzugs in ihrer Heimath wieder zusammengeführten Brüder fesselnd gestaltet, sondern als erschwerendes Moment tritt hinzu, daß beide ihre Iugend⸗ gefährtin, die schöne Komtesse Antoinette lieben, die ihrerseits Erneste, dem als Reserveoffizier für sein erwähltes Vaterland kämpfenden jungen Gelehrten, den Vorzug giebt. Das Schicksal fügt es nun, daß Erneste in die Gewalt Claude⸗
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geräth. Um ihn zu retten, verspricht Komtesse
Antoinette, Clande angehören zu wollen, wenn er Erneste zur Flucht verhelfe. Aber der Plan wird entdeckt und vereitelt. Claude sucht und findet auf dem Schlachifelde den Tod, während Erneste durch die siegreichen deutschen Truppen schließlich gerettet wird. Mit der Aussicht auf die Vereinigung der Liebenden schliegt das Stück. — Dasselbe war mit großer Sorgfalt in Secene gesetzt, doch machte es hie und da den Eindruck, als habe die Regie mehr gestrichen, als noth⸗ wendig sönesge wäre; einige Sprünge in der Handlung ließen wenigstens darauf schließen. Gespielt wurde vortrefflich, namentlich von den Vertretern der drei Hauptrollen, den Herren Gregori (Erneste), Bach (Faände) und Fräulein Wulf (Komtesse Antoinette). In anderen
ollen zeichneten sich Herr Pategg als Pfarrer, Frau Werner (Haus⸗ hälterin Babette) und Herr Köstlin (Wüstnertoni) besonders aus. Der Beifall nach den Aktschlüssen war stark und herzlich und rief neben den Darstellern die anwesenden Autoren mehrmals vor den
Vorhang. 2 Theater des Westens.
„Gestern fand die erstmalige Aufführung der Oper „Der Bären⸗ häuter“ von Arnold Menbels soön statt⸗ Denselben Stoff hat bekanntlich Siegfried Wagner gleichfalls musikalisch verarbeitet. Wer das künstlerisch bedeutendere Werk geschaffen hat, wird indeß erst der Vergleich Hürn zu dem wohl die demnächstige Aufführun des Wagner'schen Werks an der Königlichen Oper Gele enbeit bieten dürfte. Das von Hermann Wette, dem Schwager
umperdinck's, verfaßte Textbuch zu der Mendelssohn schen Oper ucht den Stoff zweier Grimm'schen Märchen, „Der Bären⸗
äuter“ und „Des Teufels rußiger Bruder“, psychologisch zu vertiefen und dramatisch lebendig zu gestalten, doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als habe der Versaffer mehr gewollt, als er zu bieten im stande war. Er ist aus dem naiven Ton des Märchens, welcher unbedingt hätte festgehalten werden müssen, in das Gebiet der für musikalische Verwerthung wenig geeigneten Reflexion gerathen. Der Komponist ist hier bereits aus dem Konzertsaal bekannt. Seine Musik weist Einflüsse des Bayreuther Tonmeisters auf, allein es fehlt ihr an melodischen Glanzstellen, wofür die vielen angewendeten Motive nicht entschädigen können, obwohl ihnen viel Schönheit eigen ist, und sie, in äußerst kunstvoller Weise in einander verschlungen, Wirkungen von großem Klangreiz hervorbringen. Die zu den
einzelnen Akten hinüberleitende Zwischenmusik bereitet in angemessener
Weise das Kommende vor und zeigt den Komponisten zwar nicht als be⸗ rufenen Dramatiker, aber als vornehmen und fein empfindenden
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Musiker; sie wöchte man als den gelungeneren Theil des Werkes be-
zeichnen, dem leider der dramatische Nerv fehlt. Der Tonsetzer sucht den Vorgängen zwar in der Stimmung gerecht zu werden, muß aber dabei auf das leidenschaftliche Mitempfinden des Zuhörers verzichten. — Die Aufführung war mit großer Sorgfalt vorbereitet worden und nahm unter Kavpellmeister Sänger’s energischer und umsichtiger Leitung einen schönen Verlauf. Die Hauptrollen, welche in den Händen der Damen vom
Scheidt und Brackenhammer, der Herren Schwabe, Leonhardt und Holy
lagen, wurden vortrefflich wiedergegeben. Die ungemein schwierige Inscenierung war mit großem Geschick angeordnet. Das Publikum
nahm das Werk mit lebhaftem Beifall auf und rief mit den Dar-
stellern auch den Komponisten und den Textdichter mehrmals auf die
Bühne.
Georg Lehfels' elangte gestern mit Frau Carlsen, als
Neues Theater.
ttilie zur Aufführung. Der köstliche Humor
lustig⸗harmloser Schwank „Nackte Kunst“ rau Nuscha Butze, an Stelle der erkrankten
der Frau Butze, verbunden mit ihrer vollendeten mimischen Dar⸗
stellung, verlieh dieser Schwiegermutter⸗Rolle ganz neue Reize und ver-⸗
setzte die Besucher dauernd in die heiterste Stimmung; stürmischer Beifall bei offener Scene Fensni. Die anderen Mitwirkenden trugen durch ihr frisches. dem
eist ihrer Rollen fein angepaßtes Spiel gleichfalls das Ihrige zu diesem erneuten Erfolge des erst unlängst dem Spielplan einver⸗ leibten Stücks bei.
Im Königlichen Opernhause wird morgen Meyerbeer's
Oper „Die Afrikanerin“ in nachstehender Besetzung gegeben: Vasco
de Gama: Herr Sylva; Ines: Frau Herzog; Selica: Fräulein Reinl; Nelusco: HK Berger (zum 59 Mal). — Am Montag geht Georges Bizet's Oper „Carmen“ mit Frau Marie Schoder⸗Gutheil aus Weimar als Gast in der Titelrolle in Scene. Den Don José singt Herr Philipp.
Im. Königlichen Schauspielhause findet morgen eine 1
Aufführung von Goethe's Faust“, der Tragödie erster Theil, mit der Musik vom Füͤrsten Radztwill und von Lindpaintner statt. Die Besetzung lautet: Faust: Herr Matkowsky; Mephistopheles: Herr Peile, Wagner: Herr Heine; Schüler: Herr
ertzer; Margarethe: Fräulein Lindner; Valentin: Herr Christians Martha: Frau Schramm; Erdgeist: Herr Molenar; Hexe: Herr Link — Am Montag gelangt Carl Niemann's Luftspiel 8 die Alten sungen“ in folgender Besetzung zur Aufführung: Hanne: Frau Schramm; Fütst Leopold: Herr Molenar; Annalise: Fräulein Abich; Erbprinz Gustav: Herr Boettcher; Sophia: Fräulein Sperr 8 Fräulein Hausner; Melde: Herr Hartmann; Herre
r Heine.
Im Neuen Königlichen Opern⸗Theater wird morgen zu ermäßigten Preisen Brachvogel's Trauerspiel „Narciß“ gegeben.
8 Deutsche Theater bringt in der nächsten Woche Wieder bolungen von Gerhart Hauptmann's neuem Possenspiel „Schluck un Jau“ außer morgen Abend noch am Dienstag, Donnerstag und Zonnabend; an den übrigen Tagen der Woche, also am Montag, Mittwoch und Freitag, sowie am nächstfolgenden Sonntag Aben kommt „Der Vorstellungen sind für morgen „Kollege Crampton“, für den nächst folgenden Sonntag „Johannes“ angesetzt.
Im Berliner Theater wird Grillparzer's Trauerspiel „Libussa’“ am Mittwoch und Freitag (23. Abonnements⸗Vorstellung) nächster Woche wiederholt. Morgen Sonntag geht Ernst von Wildenbruch's Drama „Koͤnig Heinrich“, am Montag und Donnerstag „Der golden Käfig“, am Dienstag „Das deutsche Jahrhundert“ in Scene., Am Sonnabend wird zum ersten Male „Harold“, Trauerspiel in fün Akten von Ernst von Wildenbruch, gegeben, und am nächsten Sonntag wiederholt. Für morgen Nachmittag ist Zaza“, für nächsten Sonn⸗- tag Nachmittag „Der Pfarrer von Kirchfeld⸗ angesetzt.
Im Schiller⸗Töaeater wird morgen ena es vorletzte 8
Vorstellung im Schillen⸗ Cyclus „Die Jungfrau von Orleans“ ge geven, Abends geht das Dreyer'sche Lustspiel „In Behandlung“ in Scene. Am Montag und Fretaß wird „Der zerbrochene Krug“ und „Amphitryon“, Mittwoch das Volk 8 Dienstag, Donnerstag und Sonnabend die Novikät „Fröschweiler“ wiederholt. — Im Bürgersaale des Rathhauses findet morgen ein „Gottfried Keller⸗Abend“ statt.
„Im Theater des Westens geht morgen Nachmittag un nächsten Sonnabend Ahend zu halben Preisen Lortzing's Oper „Undine in Scene. Morgen Abend, am Dienstag und Donnersta wird die Strauß'sche Operette „Der Zigeunerbaron“, am Montag, Mettce c. und Freitag „Der Bärenhäuter“ von Arnold Mendelssoh wiederholt. 2
Im Lessing⸗Theater setzt sich der Spielplan der kommende Woche folgendermaßen zusammen: Morgen geht Anzengruber’'s Schau spiel „Der Pfarrer von Kirchfeld“, am Montag das Lustspiel „Im weißen Rößl“ in Scene. Am Dienstag findet die Premisre von Eugsne Brieux' Schauspiel „Die drei Töchter des Herrn Dupont⸗ statt. Wiederholt wird dieses Stück am Donnerstag, Sonnabend und nächsten Sonntag Abend. Am Mittwoch und Freitag wird das Lustspiel „Als Wich wiederkam“ aufgeführt. 8
Im Neuen Theater finden an allen Abenden nächster Woche Wiederbolungen des Schwanks „Nackte Kunst“ von Georg Lebfels mit Frau Direktor Nuscha Butze als Ottilie Tornau statt. Morgen, sowie nächsten Sonntag Nachmsttag geht zu halben Preisen Thilo vo Trotba's Lustspiel „Hofgunst“ in Scene. 1
Im Thalia⸗Theater bleibt die
“ 1.“
und nach jedem Aktschluß sab davon
robekandidat“ zur Aufführung; als Nachmittags⸗
gstück „Freudvoll und leidvoll“, am
1 n. ten Ausstattungsvosse „Im Himmelhof“ auch in der nächsten Woche auf dem Spielplan.