1900 / 81 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 02 Apr 1900 18:00:01 GMT) scan diff

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Bemerkungen. Ein liegender Strich (—) in den S

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14 00 14 00 1300 13,63 13,98

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14,90 15,00 14,20 16,00 15 50 13,50

15,00 16,00 13 52 14,77 14,50 14,70 15,60 15,48 15,20

15,00 13,80 16,00

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12,20 12,00 11 60 11,00

12,00 10,40 12,00 12,00

11,70 11,00 11,70 12,20 12,20 12,80

12,00 14,50 11,20

13,70 14,25 14,00 13,50 13,60 12,67 13 00 14 00 14,50 14,25 17,00 14,40 14 65 15,05 13 2) 13,00

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auf volle Doppelzentner und der Verkaufswert ten für Preise hat die Bedeutung, daß der beran de 2

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15,80 16 93 16,13 13,70 14,00 13,80

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eetheilt. Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet. unkt (.) in den letzten sechs Spalten, daß entsprechender Bericht fe hlt. 11“ 88 b

Preußischer Landtag. 8 Herrenhaus. 7. Sitzung vom 30. März 1900, 1 Uhr. Nachtrag.

Die Rede, welche bei Berathung des Etats des Mini⸗ steriums der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗ Angelegenheiten nach den Ausführungen des Professors Dr. Slaby über das Berechtigungswesen der höheren Schulen der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Studt gehalten hat, lautete, wie folgt:

Meine Herren! Die große Zahl der verschiedenartigsten Fragen auf dem Gebiete des höheren Unterrichtswesens, welche der geehrte Herr Vorredner zur Sprache gehracht hat, nöthigen mich zu der Bitte, mir trotz der vorgerückten Zeit noch eine kurze Bemerkung zu gestatten.

Ich muß zunächst zur Erläuterung der sehr kurzen Ausführung in dem Berichte der Finanz⸗ und Etatskommission des hohen Hauses Folgendes hervorheben. Es wurde die Frage an mich gerichtet, wie die Unterrichtsverwaltung zu den humanistischen Gymnasien stände, und ich habe Folgendes erwidert: Es wären von mir seit mehreren Monaten Verhandlungen eingeleitet worden zur Erörterung der Frage, inwieweit die Erfahrungen, die man seit Erlaß der Normalpläne von 1892 auf dem Gebiet des höheren Schul⸗ wesens gemacht hat, verwerthet werden können. Ich habe ferner darauf hingewiesen, daß die mittlerweile ins Leben getretenen Reformschulen, die hauptsächlich ihre Entstehung in Frank⸗ furt a. M. gefunden haben und seit der Zeit auch an einigen anderen Stellen gegründet worden sind, und ebenso die sogenannten Schulen des Altonaer Systems inwieweit also diese besonderen Einrichtungen für eine etwaige spätere Gestaltung der Pläne für die höheren Unter⸗ richtsanstalten zu verwerthen seien. Ich habe daran noch die Erklärung geknüpft, daß bei der bevorstehenden Erörterung dieser Fragen, die zunächst einer Begutachtung seitens Sachverständiger unterzogen worden seien, auch selbstverständlich das humanistische Gymnasium in Erwägung gezogen werden müsse, und daß es nicht die Absicht der Unterrichtsverwaltung sei, an den wesentlichen Grundlagen des humanistischen Gymnasiums zu rütteln. Ich muß dies zur Erklärung derjenigen Ausfüh⸗ rungen betonen, die nun der Herr Vorredner an die kurze Notiz des vorliegenden Kommissionsberichts angeknüpft hat. Meine Herren, weder nach dem Kommissionsbericht noch nach dem⸗ jenigen, was ich soeben auszuführen die Ehre hatte, liegt meiner Auffassung nach die geringste Veranlassung vor, diese Frage in nahen Zusammenhang zu bringen mit den technischen Hochschulen. Dasz ist ein vollständig anderes Gebiet, welches nur in losem Zusammenhang mit der Frage der Gestaltung des humanistischen Unterrichts steht, und ich glaube auch darin die Ueberzeugung der Herren des hohen Hauses theilen zu können, daß mit aller Fürsorge für die Fortentwick⸗ lung unseres höheren technischen Unterrichtswesens und für die Fort⸗ entwickelung unserer technischen Hochschulen immerhin eine Fürsorge für unsere humanistischen Gymnasien sich wohl vereinbart.

Meine Herren, ich komme nun zu den Aeußerungen des Herrn Vorredners hinsichtlich der Beurtheilung der Frage, welchen Einfluß der Besuch von Gymnasiasten auf die technischen Hochschulen übe, und da muß ich dem Herrn Vorredner entgegenhalten, daß im Winter 1898/99 nach einer mir vorliegenden Zusammenstellung von der Zahl von 2425 immatrikulierten Studierenden der Berliner Technischen Hoch⸗ schule, 647 Hospitanten und 356 sonstigen Zuhörern, also von einer Gesammtzahl von 3428 Studierenden der Hochschule, nur 954 mit dem Reifezeugniß vom Gymnasium Vorlesungen hörten. Dagegen betrug die Zahl der Zuhörer, die aus dem Realzymnasium hervorgegangen sind, 733, die aus der Realschule 173 und die Zahl derjenigen Schüler, welche mit dem Zeugniß eines siebenklassigen Schulbesuchs, der sog. Primareife versehen sind, 292. An Ausländern mit entsprechenden Zeugnissen studierten 2723. Nun kommt die große Zahl der Hospitanten hinzu: aus dem Deutschen Reich 618, aus dem Auslande 29; es sind also annähernd 700 Hospitanten an der hiesigen Technischen Hochschule vorhanden. Die Zahl von 954 spielt jedenfalls in der Hauptsumme der Studierenden der Technischen Hochschule, mit der Hauptsumme von 3428 verglichen, keine so große Rolle, daß man daraus den Schluß ziehen könnte, daß gerade die humanistische Gymnasialbildung gewissermaßen ein Hinderniß für die angemessene

Erfüllung der Aufgaben der Lehrer an der Technischen Hochschule und

für die Gleichwerthigkeit der Zuhörerschaft wäre, während diese Gleich⸗ werthigkeit ungleich mehr durch die Immaturi, die Hospitanten und die Ausländer, gestört wird. Der Prozentsatz der Gymnasial⸗ Abiturienten reicht dazu nicht aus, und ich vermisse auch den Nach⸗ weis, daß die aus den bumanistischen Gymnasien hervorgegangenen Studierenden eine besondere Erschwerung für die Erledigung der den technischen Hochschulen obliegenden Aufgabe gewesen seien.

Die übrigen Fragen, welche der Herr Vorredner angeschnitten hat, werden anderweitig noch zum Gegenstande der Erörterungen ge⸗ macht werden. Ich möchte nur die Unterrichtsverwaltung gegen den Vorwurf verwahren, als ob bisher eine Politik der Beunruhigung Platz gegriffen hätte, und es ist doch von dem Herrn Vorredner als Beweis für diese vermeintliche Beunruhigung nur eine ganz vorübergehende Erscheinung angeführt worden. Im ühbrigen

hält die Unterrichtsverwaltung an der Anschauung fest, daß

die sogenannten Reformpläne von 1892 eine angemessene Grundlage

für die weitere Entwickelung unseres höheren Unterrichtswesens bilden, daß es aber nothwendig ist, bei der Lage der bisher gesar melten Er⸗

fahrungen die Frage, wie vorhin schon erwähnt, dahin zu prüfen, ob nicht eine größere Vereinfachung in unserem gesammten Unterrichts⸗ wesen erzielt werden kann, damit die Spezialanstalten, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben, in eine einheitliche Form geleitet werden können. Auch diese Frage bildet den Gegenstand

eingehender Erwägung. Ich glaube aber immer von neuem darauf

zurückkommen zu müssen, daß durchaus nicht etwa eine Folge jener Reform die Beseitigung der humanistischen Gymnasien oder derjenigen Grundsätze ist, die bisher die Eigenart und den Stolz unseres deutschen Unterrichts gebildet haben. (Bravo!)

Nun noch einige Worte über die Göttinger Vorgänge, die der

Herr Vorredner berührt hat. Ich möchte auf dieselben hier nicht näher eingehen, ich bin darüber nicht so genau unterrichtet. Aber ich

habe doch den Eindruck, daß der Herr Vorredner zu weitgehende

Konsequenzen aus den Göltinger Einrichtungen gezogen hat. Wie soll

man die Schlußfolgerung rechtfertigen, daß darum, weil dort 10 oder

20 Praktikanten beschaͤftigt sind, sich daraus ein wissenschaftliches

Proletariat bilden soll? Das heißt doch eine minimale Zahl zu allzu großen Konsequenzen aufbauschen.

Ich schließe mit der Erklärung, daß die Wünsche, die heute der Herr Vorredner geäußert hat, von der Unterrichtsverwaltung der sorg⸗ fältigsten Prüfung fortgesetzt unterzogen werden sollen. Aber ich kann zugleich erklären, daß all' die Gesichtspunkte, welche heute hier zur Sprache gebracht sind, die Unterrichtsverwaltung auch schon lange beschäftigen. Es ist das ja eine sehr schwierige Aufgabe, die der aller⸗ sorgfältigsten und vorsichtigsten Wägung bedarf, und ich glaube, die Unterrichtsverwaltung handelt richtig, wenn sie dabei vorsichtig in langsamer und nicht mit Ueberstürzung vorgeht. (Bravo!)

8. Sitzung vom 31. März 1900, 10 Uhr.

Ueber den Beginn der Sitzung ist in der vorgestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden.

Das Haus setzt die Berathung des Staatshaushalts⸗ Etats für das Etatsjahr 1900 im Etat des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗An⸗ gelegenheiten fort.

Professor Dr. Slaby: Die von mir angeführten Zahlen über die Betheiligung der Gymnasial⸗Abiturienten bei der Technischen Hochschule in ö stammen von der Technischen Hochschule selbst. Es hat mir nichts ferner gelegen, als den Werth der huma⸗ nistischen Bildung herabzusetzen. Nur über die Ueberzahl der huma⸗ nistischen Gymnasien habe ich mich beschwert. Zu diesem Zweck habe ich die Aufhebung der Vorrechte der humanistischen Gymnasien be⸗ fürwortet. Leider ist der Unterrichts⸗Minister auf diese Frage nicht eingegangen. Welche Absichten hat die Unterrichtsverwaltung in dieser Beziehung für vie Zukunft?

Ober⸗Bürgermeister Dr. Adickes⸗Frankfurt a M.: Die Frank⸗ furter Reformschule stebt nicht im Widerspruch mit den Bestrebungen nach humanistischer Bildung. Der Plan des Reformgymnasiums rührt von Altphilologen her. Man ging davon aus, daß in unseren Gymnasien nicht alles so ist, wie man es wünschte. Man klagte über Ueberbürdung und stellte desbalb einen neuen Plan auf. Die erste fremde Unterrichtssprache ist nicht die lateinische, sondern die französische Auf diesem Unterbau setzt in Tertia das Latein ein. Das Reform⸗Realgymnasium in Altona leistet ebenfalls Hervor⸗ ragendes. Die Erfahrungen in Frankfurt sind noch nicht ab⸗ geschlossen, weil bisher noch keine Maturitätsprüfung statt⸗ gefunden hat. Die bisherigen Erfahrungen sprechen aber für diese Unterrichtsmethode. Ich bitte die Unterrichtsverwaltung, dasselbe Wohlwollen, das sie bisher bewiesen hat, uns fernerhin zu bewahren. Ich bin gar nicht dafür, daß diese Reformgymnasien durch stürmischen Gang über das ganze Land verbreitet werden. Es müssen zunächst die Lehrer vorhanden sein, die den nöthigen Glauben für diese Sache haben. In den ersten drei Jahren finden fortwährend Uebertritte von einer Schule in die andere statt. Die Kinder, die Begabung für Latein und einen gelehrten Beruf haben, können sich mit vollendetem 12. Lebensjahre für einen solchen entscheiden. Auf diese Weise werden die gelehrten Berufe von einem Ballast befreit. Die Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland zeigt, daß fortwährend Schwankungen in den Anforderungen an die Schulen stattgefunden hbaben. Sobald man einen Schritt nach der modernen Bildung macht, klagt man über die Zurückorängung des Lateinischen und Griechischen, und umgekehrt. Welche Bedeutung hat denn das Griechische für uns? Die Zuwendung zum Griechenthum im vorigen Jahrhundert bedeutete eine Abkehr vom nationalen Wesen. Wir müssen uns auf das Roth⸗ wendige beschränken. ie Kenntniß der griechischen Sprache ist höchstens nothwendig, um in die griechische Kultur einzudringen. Die bervorragenden Dichter des vorigen Jahrhunderts kannten aber kein Griechisch. Selbst mein hochverehrter Landsmann Goethe war nicht sehr tief in die griechische Sprache eingedrungen. Die Hauptsache ist doch die Kenntniß der griechischen bildenden Kunst; die Sprache thut dabei nichts. Wir sind alle in den Geist und in die Theorie der Hebräer eingedrungen ohne Kenntniß des Hebräischen. Und wie viele bringen es wirklich fertig, die Ursprache fließend zu sprechen und zu verstehen? Für das Gros der Minder⸗ begabten ist es nicht mehr nothwendig, das Griechische zu lehren und zu lernen. Ein Bruch mit dem Lateinischen wäre allerdings ver⸗ hängnißvoll, aber darum wünsche ich gerade, daß für das Lateinische und ebenso für das Englische Platz geschaffen wird. Man sagt, die Realsymnasien leisten nicht soviel im Latein wie die Gymnasien. Es fragt sich, muß ein Jurist Griechisch gelernt haben 2 Man verlangt heute nur noch eine Nachprüfung. Diese hat aber gar keinen Zweck Wir in Frankfurt haben gebeten, den Zwang, Griechisch zu lernen, für die Juristen aufzuheben. Große Kreise sind der Meinung, daß die Berechtigung aller neunklassigen Schulen die gleiche sein soll. Noch besser wäre es, wenn der obligatorische Unterricht im Griechischen aufgehoben würde. Wir wollen die Schülec mit einer idealen Lebensanschauung entlassen. Diese läßt sich aber auch ohne Kenntniß der griechischen Sprache erwerben, mit dem Unterricht in Deutsch, Geschichte und mit Hilfe einer lebendigen Persönlichkeit. Die bloße Schablone, in die Lehrer und Schüler eingezwängt werden, tödtet alles Leben. Die Bildung zur Selbständigkeit, zur Individualität ist noth⸗ wendig. Wir lelden heute zu sehr an der Schablone. In den meisten Fällen sind die Schüler der alten Gymnasien übersättigt, während die Schüler der anderen Anstalten nach ihrem Abgange nun erst recht anfangen zu lernen. 1

Professor Dr. Reinke⸗Kiel: Die humanistischen Gymnasien sollen ein Gegengewicht gegen den Realismus bilden, welchen wir nur allzu oft in ein ödes Banausenthum umschlagen sehen. Eine andere Frage ist aber, ob die Privilegien der ersteren unter allen Umständen unangetastet bestehen bleiben sollen, obwozl neuere, jüngere Formen der pädagogischen Methodik immer ungestümer Beach ung fordern. Jeden⸗ falls können die Philologen allein darüber nicht entscheiden, ob nur die jetzige Gymnasialvorbildung die zur Wahrnehmung des gesammten Staatsdienstes erforderliche Ausbildung der Henk⸗ und Verstandes⸗ kräfte gewährt. Es kommt darauf an, ob unsere Jünglinge auch auf den Realgymnasien geistig arbeiten lernen können. Darüber würden vergleichende statistische Erhebungen über die Leistungen der Stu⸗ dierenden der Naturwissenschaften, sowie über die Leistungen der aus den Gymnasien und aus den Kadettenhäusern hervorgegangenen höheren Offiziere Licht verbreiten. Wenn ich auch die Rechte der heutigen humanistischen Gymnasien nicht be⸗ schränken will, so trete ich doch andererseits für die Eiweiterung der Berechtigungen der Realgymnasien bezüglich des Universitätsstudiums ein. Der Redner führt dann aus, daß dem Vor⸗ gehen des Professors Klein in Göttingen nichts ferner gelegen habe als eine aggressioe Tendenz gegen die Technischen Hochschulen. Man dürfe immerhin nicht vergessen, daß an den Technischen Hochschulen eine etwas andere Luft wehe als an den Universitäten; der letzteren oberstes Gebot sei: Suche Wahrhbeit, aber frage nicht, was sie nützt. Die Universitäten seien die Stätten des Idealismus.

Professor Dr. Schmoller: Ich traue mir kein abschließendes Urtheil zu; soweit ich orientiert bin, möchte ich Herrn Adickes zustimmen. Herrn Slaby kann ich aber in vielen Punkten ebenfalls zustimmen. Auch nach meiner Meinung hängt die wirthschaftliche Entwickelung Deutschlands von dem Fortschritt unserer Technik ab. Wenn er aber hinzufüat, daß auch die landwirthschaftliche Technik an die Technischen Hochschulen angegliedert werden soll, so muß ich dazu ein großes Fragezeichen machen. Die den Universitäten angegliederten landwirthschaftlichen Institute haben wirklich den Vergleich mit den technischen Hochschulen nicht zu scheuen; ich deute nur auf das landwirthschaftliche Institut in Halle hin. Ich gönne den technischen Hochschulen ihre landwirthschaftlichen Abtheilungen, aber lassen wir doch die Konkurrenz. Die Angriffe auf Göttingen scheinen auch mir nicht hinlänglich motiviert zu sein. Ich habe mit

zahlreichen Naturforschern mich über die Frage unterhalten; den springenden Punkt hat Herr Slaby garnicht berührt. Die großen Fortschritte der Technik sind herbeigeführt worden von den Vertretern der drei naturwissenschaftlichen Grundwissen⸗ schaften Mathematik, Chemie und Physik; diese Wissen⸗ schaften müssen wie bieher im Vordergrunde stehen, und dazu gehört die weitere freie Entwickelung der naturwissenschaftlichen Institute der Universitäten. Die großen Erfindungen und die großen technischen Fortschritte sind nur von denen zu machen, die zugleich große Mathematiker, große Pbysiker, große Chemiker sind. Die deutsche chemische Industrie ist die erste der Welt. Waren nicht Liebig, Hofmann, Baeyer Universitäts⸗Professoren? Also: freie Bahn für Alle! Es wird die Frage ventiliert, ob man nicht an den deutschen Universitäten technische Fakultäten errichten soll; Straßburg und Breslau sollen dies dringend wünsche

Wird nicht darüber Herr Slaby in Entrüstung gerathen? Meine Ueberzeugung in aller Pädagogik geht dahin, daß wir nicht durch doktrinäre Feststellungen, sondern nur durch praktische Versuche vorwärts kommen. Wir wollen nebeneinander hergehen, demselbe

Ziele entgegen.

Minister der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗ Angelegenheiten Dr. Studt:

Meine Herren! Die das Gebiet des höheren Unterrichtswesens betreffenden, vielseitigen Ausführungen der Herren Vorredner sind sehr dankenswerth und in hohem Maße beachtenswerth. Aber so beachtens⸗ werth sie auch sind, sie bieten für die staatliche Unterrichtsverwaltung in der Hauptsache nichts Neues. Sie sind sämmtlich in den Kreis der Erörterungen gezogen, deren ich gestern in diesem hohen Hause Er⸗ wähnung zu thun die Ehre hatte und die darauf hinausgehen, da die wichtigen grundlegenden Fragen einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, inwieweit ein Ausbau der Reform⸗ pläne von 1890 und 1891 erforderlich ist. Ich will das hohe Haus nicht ermüden mit der nochmaligen Ausführung, inwieweit diese Reform eines weiteren Ausbaues bedarf. Ich gestatte mir aber noch hervorzuheben, daß, wenn ich gestern der Berechtigungsfrage nicht ausdrück ich Erwähnung gethan habe, dies mit Rücksicht auf die vor geschrittene Zeit geschehen war, und diese Unterlassung durchaus nicht etwa bedeuten soll, als ob dieses wichtige Gebiet nicht in den Kreis der Erörterungen, die bei der staatlichen Unterrichtsverwaltung augenblicklich schweben, gezogen werden würde. Im Gegen⸗ theil, gerade diese Seite der schwebenden Verhandlungen bildet einen sehr wichtigen Gegenstand. Ich muß es mir aber umsomehr versagen, hierauf jetzt im einzelnen einzugehen, und namentlich auf die von Herrn Dr. Slaby an mich gerichtete Frage eine nähere Auskunft zu geben, als die preußische Unterrichtsverwaltung auf diesem Gebiet zum theil nicht selbständige Entschließungen fassen kann, sondern einzelne Berechtigungsfragen auch zur Zuständigkeit der Reichsbehörden gehören. Die Versicherung kann ich geben, daß die heutigen Erörterungen im Schoße der Unterrichtsverwaltung einer erneuten und eingehenden Prüfung werden unterzogen werden.

Ober⸗Bürgermeister Becker⸗Köln: Für Verbesserungen der Unterrichtsmethode kann man sich doch nur aussprechen, wenn im Publikum, vor allem bei den betbeiligten Berufsgenossen, einigermaßen eine übereinstimmende Meinung sich gebildet hat. Daran fehlt es aber noch gänzlich. In Frankfurt haben sich hervorragende Juristen Herrn Adickes angeschlossen, in Essen hat dies einen Nachklang ge⸗ funden, aber die juristische Welt im Ganzen steht der Anregung noch fern. Bei den Medizinern hat sich wenigstens außerhalb der eigentlichen Fachkreise eine solche Uebereinstimmung herausgestellt; es scheint, als ob bei den Medizinern selbst mehr Standesinteressen, als Zweckmäßigleitsgründe mitsprechen. Ich freus mich, daß der Kultus, Minister über die Berechtigungen in Verhandlungen eintreten will; aber eine übereilte Erledigung der Frage würde die schwersten Nach⸗ theile herbeiführen. .

Herzog von Ratibor: Die Frage der Errichtung einer technischen Hochschule in Breslau ist nicht nur für Breslau und für Schlesien, sondern auch für Preußen und Deutschland von großer Bedeutung, Charlottenburg ist bereits so überfüllt, daß in manchen Fächern, so im Maschinenbau, ein ordnungsmäßiger Unterricht gar nicht mehr ertheilt werden kann; ebenso soll es in Hannover bezüglich der Elektro⸗ technik liegen. Wir bedürfen in Preußen mindestens zwei neuer tech⸗ nischer Hochschulen. Ob die in der Entstehung begriffene technische Hochschule in Danzig dem Bedürfniß Rechnung tragen wird, darf bereits als in verneinendem Sinne entschieden gelten. Wir brauchen also eine solche Anstalt, und da ist Schlesien zunächst und somit Breslau in Betracht zu ziehen. Nicht bloß aus Preußen, auch aus Böhmen, Galizien, Russisch⸗Polen werden die Studierenden herbei⸗ strömen. Die schlesische Industrie wird durch den Rückhalt der technischen Hochschule nur gewinnen können. Ganz Schlesien hat an dieser neuen technischen Hochschule das lebhafteste Interesse; es sind reichliche Mittel zur HGründung derselben gezeichnet, auch der Provinzial⸗Landtag hat sie als dringendes Bedürfniß erklärt. Der einzige Geund, der gegen die baldige Errichtung ins Feld geführt wird, ist die Gründung einer solchen Hochschule in Danzig; es ist abzuwarten, wie die dortige Hochschule wirken wird. Wir müssen aber schaell vorgehen, weil überall in Deutschland Bestrebungen hervortreten, neue Hochschulen zu errichten; Bayern und Württemberg haben eine dahin gehende Absicht geäußert, heute hören wir, daß man auch in Straßburg Aehnliches plant. Gehen wir niche schnell vor, so hat die Industrie allein davon den Schaden. Das andere Haus hat einen empfehlenden Antrag in dieser Be⸗ ziehung angenommen; ich bringe einen gleichen Antrag nicht ein, weil ein Zweifel darüber nicht bestehen kann, daß alle Maß⸗ nahmen, die den technischen Unterricht zu fördern und dem Osten zu nützen bestimmt sind, in diesem Hause ohnehin vollster Theilnahme gewiß sind. Ich bitte nur die Regierung, diese Darlegung wooyl⸗ wollend aufzunehmen und die schwebende Erwägung zu beschleunigen. Es würde nur der altpreußischen Tradition entsprechen, wenn in Schlesien eine solche Anstalt errichtet wird.

Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Studt:

Meine Herren! Die von Seiner Durchlaucht dem Herzog von Ratibor für die Errichtung einer Technischen Hochschule in Breslau gemachten Argumente sind fast durchweg sehr wohlbegründet und begegnen, was meine Person betrifft, meiner vollsten Sympathie. Ich bitte aber nicht außer Acht zu lassen, daß die Frage, ob eine neue Technische Hochschule innerhalb der preußischen Monarchie errichtet werden soll, erst vor zwei Jahren zu Gunsten von Danzig entschieden ist, und daß die Staatsregierung die Aufgabe hat, zunächst das von dem Landtage genehmigte Projekt durch⸗ zuführen. Es wird nunmehr seitens der Regierung einer eingehenden Erwägung bedürfen, ob der Zeitpunkt schon jetzt gekommen ist, für Schlesien eine Technische Hochschule zu errichten. Dabei werden die heute in diesem hohen Hause sowie die seiner Zeit im Hause der Abgeordneten dargelegten Gründe einer sorgfältigen Prüfung unter⸗ liegen. Ich kann die Versicherung abgeben, daß die Angelegenheit mit Wohlwollen behandelt werden wird. Sehr ins Gewicht fallen werden dabei diejenigen Opfer, welche sowohl die Provinz Schlesien in dankenswerther Weise durch ihre Provinzialvertretung, wie auch einzelne Interessentengruppen für die gute Sache zu bringen sich bereit erklärt haben. 5*