Keich gese met seien die Stunden, welche Eure Kaiserliche und Königliche Majestät in dieser Stadt verweilen! Reich gesegnet für die Fürsten! Reich gesegnet für die Völker!
Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph erwiderte hierauf: 1 3 “
„Ich danke Ihnen, Herr Bürgermeister, für die herzliche Be⸗ grüßung und bin hocherfreut über den prächtigen Empfang, den Mir die Stadt Berlin durch ihre Vertreter bereitet hat. 4
Ich sehe darin einen neuen Beweis, daß die unverbrüchliche
Freundschaft, die Mich mit Ihrem erhabenen Herrscher vereint, auch hier 8en uns in der Bevölkerung vollen Widerhall findet. Ich bitte Sie, der Bürgerschaft der Reichshauptstadt Meinen
herzlichen Dank und Gruß zu entbieten.“
Beide Kaiserliche Majestäten verließen nunmehr den Wagen. Seine Majestät der Faüser Franz Joseph reichte dem Ober⸗ Bürgermeister die Hand. . “
Leieneist naberden sich die drei Ehrendamen, Fräulein Ma⸗ thilde Kirschner, Tochter des Ober⸗Bürgermeisters, Fräulein Grete Knoblauch, die Enkelin des Stadtverordneten⸗Vorstehers Dr. Langerhans, und Fräulein Lotte Jacobi, die Tochter des Stadtverordneten, dem Kaiserlichen Wagen. Erstere überreichte dem Erlauchten Gast einen mit Schleifen in den österreichischen und ungarischen Farben geschmückten Blumen⸗ strauß aus zartblühenden Prunuszweigen und weißen Blumen und sprach 8 folgendes, von Ernst von Wildenbruch ver⸗ faßtes Gedicht:
“ Durch unsrer Thore hochgebaute Hallen Ziehst, Hoher Herr, gebietend Du berein; Laß einen zweiten Willkomm Dir gefallen, In unsre Herzen, lieber Herr, tritt ein. Wir möchten Dir ein Wort, ein einges sagen, Das man nicht laut, nur leise sagen darf, Daß Lust und Leid, was jemals Du getragen, Den Widerhall in unsre Herzen warf. Doch weil die Herzen schweigen, wenn sie lieben, So sei die stumme Blume unser Mund, “ Du kommst zu uns, und wir sind Dein geblieben, Der Fruͤhling Gottes segne diesen Bund.
G Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph dankte den Damen herzlich und bestieg dann mit Seiner Maäjestät dem Kaiser Wilhelm wieder den Wagen zur Weiterfahrt nach dem Schlosse durch die Straße Unter den Linden. Fanfarenbläser intonierten die österreichische ee brausende Hochs ertönten, die Spalier bildenden Truppen präsentierten. Alle Fenster, selbst die Dächer der reich geschmückten .e waren von jubelnden Menschen besetzt, und auf den Trottoirs stand eine dichtgedrängte Menge. In der russischen Botschaft hatte sich das diplomatische Korps versammelt, um Zeuge des Einzugs zu sein. 8 dem Schlosse nächstgelegene Theil der Linden bot ebenfalls ein farbenprächtiges Bild: Laubgewinde um⸗
reankten die Säulen des Opernhauses bis zu dem figuren⸗
reichen Friese, auch der Balkon des Palais Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich prangte in reichem Laubschmuck. An der Universität hatten sich in ihren farbenreichen Trachten die studentischen Abordnungen aufgestellt. Das Denkmal Kaiser Wilhelm's des Großen war mit Tannengewinden verziert. Als der Wagen der Kaiserlichen Majestäten am Den mai Friedrich’s des Großen vorüberfuhr, gab die Leib⸗Batterie des ersten Garde⸗Feld⸗Artillerie⸗Regiments im Lustgarten den ersten Salutschuß ab, und die Truppen präsentierten. An der Schloßbrücke, wo das Kaiser Alexander Garde⸗Grenadier⸗Regiment aufgestellt war, verließen Ihre Majestäten den Wagen und schritten die Front dieses sowie des Kaiser Franz Fütde e ö ab, welches vor dem Hauptportale des Schlosses als Ehrenwache stand. So⸗ dann folgte der Vorbeimarsch dieser beiden Regimenter und des Königin Augusta Garde⸗Grenadier⸗Regiments, dem sich die Leib⸗Eskadron des Regiments der Gardes du Corps und die Salut⸗Batterie anschlofseg. Alsdann begaben Sich Beide Majestäten unter den Hurrahrufen der Anywesen⸗ den um 11 ¼ Uhr in das Schloß, wo Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und den Prinzessinnen des Königlichen Hauses empfangen wurde. ‚Als der Erlauchte Gast das Schloßportal betrat, wurde die Standarte des Kaisers von Oesterreich, Königs von Ungarn uf dem Schlosse gehißt.
“
8 8
Seine Majestät der Kaiser und König haben, wie „W. T. B.“ meldet, an den Präsidenten der Ver⸗ einigten Staaten von Brastlien gestern folgendes Telegramm gerichtet: 1 »Am heutigen, dem Gedächtniß der Entdeckung Brasiliens ge⸗ weibten Festtage übersende Ich Eurer Excellenz den Ausdruck Meiner aufrichtigen Sympathien und Meiner herzlichen Wünsche für das Glück und das Gedeihen der befreundeten Nation, die Sie so würdig repräsentieren. Wilhelm, I. R.“
In der am 3. d. M. unter dem Vorsitz des Staats⸗ sekretärs des Innern, Staats⸗Ministers Dr. Grafen von Posadowsky⸗Wehner abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Patent⸗ anwälte, in der vom Reichstag beschlossenen Fassung an⸗ genommen. Die Reichstagsbeschlüsse zu der von den Abgg. Rembold und Genossen eingebrachten Resolution, betreffend die Re⸗ vision der Vorschriften zur Bekämpfung der Maul⸗ und Klauen⸗ euche, und zu Petitionen, betreffend die Einführung einer Maximal⸗ arbeitszeit in der Textilindustrie, und betresfend den Schutz von Photographien gegen unbefugte Nachbildung, wurden
em Reichskanzler, der Reichstagsbeschluß zu einer Petition, betreffend Einführung achtstündiger Arbeitszeit auf Berg⸗ und Hüttenwerken, und ein Antrag Hessens, betreffend Aus⸗ saenne des § 45 des Invalidenversicherungsgesetzes, den zu⸗ ständigen Ausschüͤssen überwiesen. Ferner wurde über Ausschuß⸗ Ttrch⸗ in Zoll⸗ und Steuerangelegenheiten, über die Seiner Majestät dem Kaiser zu unterbreitenden Vorschläge wegen Be⸗
tzung der Stellen eines Mitglieds des Bundesamts für das Heimathwesen und eines ständigen richterlichen Beisitzers des Reichs⸗Versicherungsamts, sowie über Eingaben Beschluß
1 fürst⸗ e General⸗Vikariatsamtes wird, der
Schlesischen Volkszeitung“ zufolge, am nächsten Sonntag 88 allgemeinen Kirchengebet nach der Fürbitte für
Breslau, 4. Mai. Auf Anordnung des
das Kaiserhaus folgender Passus eingeschaltet: „Segne
auch den heutigen Tag, an welchem sich unserem
geliebten Kronprinzen die Schranken des Lebens öffnen, und
8 66 seinem ferneren Lebenswege ihm stets nahe mit Deiner nade.“
Köln, 3. Mai. Die Torpedoboots⸗Flottille traf heute Nachmittag um 1 Uhr 15 Min. hier ein. Sämmtliche Gebäude an Rheinufer sowie die vor Anker liegenden Schiffe, darunter auch niederländische, hatten Flaggenschmuck angelegt. Bald nach der Ankunft wurde, dem „W. T. B.“ zufolge, eine 8 der Offiziere und Mannschaften der Torpedoboots⸗Division auf der „Hansa“ stromaufwärts bis Lülsdorf unternommen, welche vom schönsten Wetter begünstigt war. Während der Fahrt fand ein Fest⸗ mahl statt, für die Offiziere im Salon, für die Mannschaften auf Deck. Der Gouverneur, General Freiherr von Wilczeck, brachte einen Toast auf Seine Majestät den Kaiser und König aus und gab der Freude Ausdruck über die in der Reichstags⸗ kommission für die Flottenvorlage erzielte Einigung. Der Kapitän⸗ leutnant Funke toastete auf die Vertreter des gastfreien Köln und der Festung. Um 6 Uhr Abends traf die „Hansa“ wieder in Köln ein. Die Offiziere und Mannschaften begaben sich alsbald nach dem Stadttheater, in welchem als Festvor⸗ stellung zu Ehren der Gäste „Die Meistersinger“ von Richard Wagner zur Aufführung gelangten.
Der Gouverneur Freiherr von Wilczeck und der Ober⸗ Bürgermeister Becker haben, wie die „Köln. 8t9. mittheilt, folgendes Telegramm an Seine Majestät den Kaiser und König gesandt:
„Eurer v die allerunterthänigste Meldung, daß die auf Eurer Majestät Allerhöchsten Befehl zum Rhein entsandte Torpedo⸗ boots⸗Division festlich eingeholt und, vom stürmischen Jubel der Bevölkerung empfangen, soeben glücklich in Köln vor Anker gegangen ist. Freiherr von Wilczeck, General der Infanterie. Becker,
Ober⸗Bürgermeister.“
Sigmaringen, 4. Mai. Seine Königliche Hoheit der Fürst von Hohenzollern ist heute zur Feier der Groß⸗ jährigkeits⸗Erklärung Seiner Kaiserlichen und Königlichen
Hoheit des Kronprinzen von hier nach Berlin abgereist.
Sachsen⸗Coburg⸗Gotha.
Seine Königliche Hoheit der Herzog ist am Mittwoch von München wieder in Coburg eingetroffen. Höchstderselbe wird sich, der „Goth. Ztg.“ zufolge, am Montag zur Kur nach Herkulesbad in Ungarn begeben. 11“
Schwarzburg⸗Sondershausen.
Seine Durchlaucht der Fürst hat, wie die Zeitung „Der Deutsche“ meldet, Seine Durchlaucht den Prinzen Leopold mit seiner Vertretung bei der Großjährigkeitserklärung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen beauftragt. Der Prinz Leopold wird sich am Sonnabend nach Berlin begeben.
Deutsche Kolonien.
Ueber eine Expedition im Hinterlande von
⸗»Wilhelmshafen und Stephansort in
eutsch⸗Neu⸗Guineg berichtet der Kaiserliche Gouverneur von Bennigsen im „Deutschen Kolonialblatt“ Folgendes:
Anfang Februar traf der Dampfer, Johann Albrecht“der Neu⸗Guinea⸗ Kompagnie, der in Neu⸗Hannover und Neu⸗Mecklenburg Arbeiter ab⸗ gesetzt und angeworben hatte, in Herbertshöhe ein, und der an Bord befindliche Plantagenleiter, Herr Loag aus Friedrich⸗Wilhelmshafen, theilte mir mit, daß sie voraussichtlich am 4. über die Frensh⸗Inseln nach Neu⸗Guinea zurückfahren würden. Ich benutzte diese günstige und, da ich mit der „Stettin“ Ende Februar zurückfahren konnte, auch nicht sehr zeitraubende Gelegenheit, um am 4. mit dem „Johann Albrecht“ abzudampfen zwecks Besuchs der für den Handel wichtigen Frensh⸗ Inseln und Eftedigung dringender Angelegenheiten in Friedrich⸗ Wilhelmshafen, sowie im Hinterlande von Friedrich⸗Wilhelmshafen und Stephansort. Leider war die Fahrt bis zu den Frensh⸗Inseln wegen widriger Winde und Strömung sehr langsam. Erst am 8. Mittags trafen wir daselbst im Peterhafen (Insel Deslacs) ein. Die dort auf einer vorspringenden Landzunge befiadliche Fandebetatzon der Neu⸗Guinea⸗Kompagnie, Händler Peter Hansen, dänischer Nationalität, liegt außerordentlich günstig, da große Schiffe in voll⸗ ständig geschützter Lage bis dicht an Land gehen können. Bisher wird in den Frensh⸗Inseln ausschließlich Kopra produziert. In letzter Zeit hat aber die Kompagnie begonnen, zum Exvort werthvollere Hölzer, wie Affcelia bijuga (Neu⸗Guinea⸗Eisenholz) und Calophyllum inophyllum (Neu⸗Guinea⸗Rosenholz), schlagen zu lassen. Der S hat im letzten Geschäftslahre 250 Tons Kopra an die
ompagnie abgeführt. Er hofft, diese Ausfuhr in der nächsten Zeit sicher beizubehalten und, falls er sich, wie beabsichtigt, ein kleines Dampffahrzeug beschafft hat, dieselbe auf 300 Tons pro Jahr zu teigern. Der Boden der Insel Vidu (Deslacz) ist anscheinend in den nicht steinigen, ebenen Partien sehr fruchtbar und ist mit dichtem, urwaldartigem, riesige Stämme enthaltendem Busch bestanden. Die Bewohner der Gruppe sind vollständig nackt umherlaufende, auf der niedrigsten Kulturstufe stehende Kanaken, welche mit den Usiai (Be⸗ wohner des Janern) der Admiralitäts⸗Inseln gewisse Aehnlichkeit haben. Nachdem 1894 und 1895 die Pocken stark hier gewüthet haben, ist die Bevölkerung in der Abnahme begriffen, zu der ins⸗ besondere auch der geübte Kindesmord viel beiträgt. Die beiden Inseln Vidu und Ningjaii (Mundua) sind im Jahre 1897 von der Kompagnie unter Auslegung von Eingeborenen⸗Reservationen gekauft, ohne jedoch bisher im Grundbuche eingetragen zu sein.
Am 9. Mittags fuhren wir, fortwährend mit widrigem Winde und Strome kämpfend, bei dem der „Johann Albrecht“ durchschnittlich nur zwei bis drei Meilen machen konnte, nach Neu⸗Gatnea weiter. Wir hielten uns ziemlich nahe der Küste Neu⸗Pommerns, dessen herrliche Berge bläulich zu uns herüber schimmerten. Long⸗Eiland wurde für kurze Zeit, ohne Anker zu werfen, angelaufen, da Herr Loag dort durch . ge. mit den Eingeborenen eine spätere Anwerbung vorbereiten wollte. Ein Kanu mit zwei Männern im Kriegsschmuck kam längsseits, und die Leute wurden mit Geschenken reichlich bedacht unter dem Bedeuten, daß wir bald wiederkommen würden. Die anscheinend fruchtbare und gut bewaldete Iasel ist nur schwach von einem Stamm bevölkert, dessen Typus auf seine Verwandtschaft mit den Papuas hinweist. Wir nahmen jetzt südlichen Kurs und steuerten zwischen Long⸗Eiland und der unbewohnten, bizarr geformten Kronen⸗ S bnenc weiter nach Friedrich⸗Wilhelmshafen, welches wir am
. erreichten.
Nach Erledigung einiger Amtsgeschäfte brach ich am 13. Mittags in Begleitung des Kaiserlichen Richters, Assessors Boether, des Flgnoengitenf Loag, einer Polizeitruppe von 10 Mann unter
ührung des Polizeimeisters Fitsch und einer Trägerkolonne von 30 Mann über Jomba nach dem Hinterland von Friedrich⸗Wilhelms⸗ hafen und Stephansort auf in der Absicht, die Trace des Weges zwischen Friedrich Wilhelmshafen und Stephansort, dessen Bau seitens des Gouvernements beabsichtigt wird, zu erkunden und in den Dörfern der Tamuls (Eingeborenen) die Herausgabe der bei ihnen als Arbeiter festgehaltenen, weggelaufenen Chinesen der Neu⸗Guinea⸗Kompagnie zu erreichen. In Jomba war früher seitens der Kompagnie mit gutem Erfolge Tabackbau getrieben. Leider hat derselbe einige Zeit wegen Arbeitermangels geruht, soll aber jetzt unter Leitung eines älteren Sumatra Pflanzers wieder auf⸗ genommen werden. Augenblicklich geschehen dort nur die nothwendigsten
Arbeiten, um eine kleine Kokospalmen⸗ und Kakaopflanzung in Ord⸗
nung zu halten. Von Jomba gingen wir immer durch sehr frucht
bares Gelände und dichten jungen Urwald bis zu dem kleinen Orte übernachteten. . Stunde Weges der Marienfluß überschritten. Assessor Boether war in dieser chneisenschlagen und Ver⸗ breiterung der Eingeborenen⸗Pfade thätig gewesen und hatte bei dieser
nicht, wie auf der Lauter⸗ bach'schen Kacte eingezeichnet ist, in stark südlicher Richtung entspringt, Westen in einem anderen Bebirgsthale, dem Flusse Gogol siemlich parallel, verläuft. Der Marienfluß hat in der Regenzeit eine sehr starke Strömung und ein
herrlichem Mondscheine
Jessup, wo wir bei wurde nach einer halben
Am anderen Morgen Gegend schon einige Zeit vorher mit Gelegenheit festgestellt, daß der Marienflu
sondern daß er anscheinend genau nach
sehr breites Bett, so daß seine Ueberbrückung einige Schwierigkeit haben wird, aber umgangen kann er nicht werden. flusses berührten wir, bergauf, bergab in sechsstündigem beschwer⸗ lichen Marsche, die nur je aus einigen Hütten bestehenden Ort⸗ schaften Mala, vnee hene Kabal⸗Kabal.
da wir den dort hausenden Chinesen nicht dingfest machen konnten, ein älterer, anscheinend angesehener Mann als Geisel fin die Auslieferung des Chinesen mitgenommen. Gegen 4 Uhr chlugen wir in der Nähe des Gogol, in dem Dorfe Ajeb Lager auf und traten mit den hier wohnenden Tamuls in Verkehr. Am
anderen Morgen brach ich mit drei Jungen etwas früher als die übrige Karawane auf in der Richtung auf den Gogol, an 1 8
en Der Signalschuß wurde später gehört und von mir er⸗ widert, aber in dem wilden, unwegsamen Gelände gelang ein Zu-
Ufer wir nach Verständigung durch Signalschuß zusammentre wollten.
sammentreffen nicht. Ich versuchte zuerst in stark westlicher Richtung den Gogol izu erreichen und gerieth hierbei in einen Nebenfluß desselben, dessen Bett in Korallen⸗ felsen mit wundervollen Kaskadenbildungen gehöhlt war. Be⸗ sonders auffallend in dieser Gegend, dessen Boden durchweg. vorzüglicher Kulturgrund ist, ist die Erscheinung, daß der Korallen⸗ fels auch an den Bergspitzen von Zeit zu Zeit zu Tage tritt. In
dem Korallenbette des Flusses wanderte ich thalwärts möglichst
lange hinab, in der Hoffsung, 8b diese Weise den Gogol zu er⸗ reichen. Ich mußte aber das Flußbett, als es zu tief und reißend und die Korallenwände links und rechts steil abfallend wurden, ver⸗ lassen, um, eine etwas langsamer ansteigende Stelle des Ufers zum Anstiege wählend, wieder steil bergauf, bergab meinen hane fortzu⸗ setzen. Gegen Mittag verlor ich die Hoffnung, den übrigen Theil der
Erpedition wiederzufinden, und wendete mich nun nach Osten, um
eventuell noch am Abend die Küste zu erreichen und mich dort zu orientieren. Gegen 2 Uhr kam ich, nachdem ich bis dahin im Ganzen sechs Dörfer paßfiert hatte, deren Bewohner geflohen waren, weil sie jedenfalls von unserem Vorgehen in Mala durch Trommel⸗ fanche verständigt waren, in einem kleinen, aus sechs Hütten bestehenden
rte an. Hier traf ich einen älteren, zutraulichen Mann, der sich mir als Führer bis zur näͤchsten Octschaft anbot. Von dort erhielt ich weitere Führer und marschierte darauf im sumpfigen, theilweise mit Sago⸗ palmen 8 Flußgebiet des Gogol der Küste zu, die ich der Insel Bili⸗Bili gegenüber in der Nähe des Dorfes Koning erreichte. Zehn Minuten den Strand entlang gehend, befand ich mich alsdann an dem weiten, mächtigen, Baumstämme fortwirbelnden Auslaufe des Gogol. Kanus waren nicht aufzufinden. Der mich be⸗ leitende Spießjunge Lagum wagte schließlich, auf einem Baum⸗ n sich fortrudernd, den Fluß zu überschreiten, in der Absicht, baldmöglichst von Erimahafen ein Boot herbeizu⸗ schaffen. Vollständig durchgeregnet, ging ich dann nach Koning zurück und legte mich in einer offenen, rauchdurchzogenen Tamulhütte in den nassen Kleidern auf einem Brette zum Schlafen nieder. en. Nahrung bestand an diesem Tage aus einigen Kokosnüssen und
ananen. ’
Am folgenden Morgen hatte ich das Glück, vom Strande aus ein Kanu der Bili⸗Bili⸗Leute zu bemerken, welche auf meinen Wink herankamen und mich trotz des hohen Wogenganges bereitwilligst über die Mündung des Gogol hinüberbrachten. ie Kanus der Bili⸗Bili⸗Leute, die als Seefahrer berühmt sind, sind sehr tiefgehend gebaut und mit weitem Ausleger versehen und daher sehr seetüchtig. Am Strande entlang wandernd, traf ich halb⸗ wegs zwischen dem Gogol und Exvimahafen das dortige Boot der Neu⸗Guinea⸗Kompagnie und erreichte mit ihm Mittags Erimahafen. Dort war für alle Fälle ein Zusammentreffen mit der übrigen Ex⸗ pedition verabredet worden. Als dieselbe aber bis Abend noch nicht angekommen war, beschloß ich, verstärkt durch den Kompagnie⸗ beamten Kleinschmidt und einige bewaffnete Farbitze, am anderen Morgen drei in der Richtung auf Stephanzort liegende Tamulsdörfer auf Chinesenhaltung zu untersuchen. In Erimahafen besichtigte ich das neu aufgestellte Säge werk der Kompagnie und die bisher ver⸗ arbeiteten bezw. geschlagenen Stämme. Auf der am folgenden Morgen angetretenen Fanderncg berührte ich die Ortschaften Balama, westsüdwestlich von Erimahafen, mit 12 Hütten, dann, von Balama südlich, Erima mit 24 Hütten und südlich von Erima Zenadge mit 15 Hütten. Ich bemerkte keine Spuren, die auf die Anwesenheit der seitens der Kompagnieverwaltung, insbesondere in Zenadge ver⸗ mutheten Chinesen schließen ließen. Die Leute blieben bei ihren Hütten und waren durchaus nicht tneftlig, sodaß sie sich wohl eines guten Gewissens erfreuten. Ich ließ dieselben darauf aufmerksam machen, daß sie keine Weglänser beherbergen dürften und für Rück⸗ bringung solcher Belohnung erhalten würden. Vor Stephansort mußte ich, nachdem wir schon den ganzen Tag über in Sumpf und Wasser
ewatet hatten, weil das Schienengleise der Neu⸗Guinea⸗Kompagnie ortgerissen war, den stark angeschwollenen Gogol im heftigen Kampfe mit der reißenden Strömung, bis an die Brust im Wasser, durch⸗ schreiten. In Stephansort traf ich Herrn Geheimrath Koch und seinen Assistenten, Stabsarzt Dr. Ollwig beim besten Wohlsein an. Mit den bisherigen Ergebnissen seiner Malariaforschung in Neu⸗Guineg war Herr Geheimrath Koch außerordentlich zufrieden. Frau Geheimrath war leider nach einem schweren Fieberanfall so leidend geworden, daß ihre Rücktehr nach Deutschland mit dem nächsten Dampfer beschlossen war. Am anderen Tage trafen Assessor Boether und Plantagenleiter Loag mit den übrigen Leuten in Stephansort ein. Auch sie hatten mancherlei Irrfahrten mangels guter Führer zu überstehen gehabt. Ueber die Wegeanlage waren beide Herren derselben Ansicht wie ich geworden, nämlich, daß man den Marienfluß und Gogol, über Jomba hinaufgehend, ziemlich weit west⸗ lich überscheiten muß, um die nach der Küste zu in weiter Ausdehnung sumpfigen Flußgebiete zu vermeiden. Am anderen Morgen singen Boether und ich in südwestlicher Richtung mit einer zehn Mann starken Folttaeepge⸗ Polizeimeister Fitsch und Kompagniebeamter Klein⸗ chmidt der Octschaft Bauo zu. Wir kamen dort unbemeckt an, und es elang uns daher, zwei Leute festzunehmen. Bauo besteht aus drei Biedelungen mit zusammen 30 Hütten. In den Hütten wurden so viele Chinesen gehörige Sachen oder der Kompagnie gestohlene Werkzeuge und aus den Fermentierscheunen entwendeter Taback gefunden, daß ersichtlich war, daß hier ein richtiges Chinesennest aufgefunden war. Chinesen selbst fanden wir nicht und nahmen daher die beiden ergriffenen Männer als Geiseln für die spätere Herausgabe der Chinesen mit. Von Bauo marschierten wir auf das südlich von Stephansort auf einem etwa 300 m hohen steilen Berge gelegene Dorf Wange. Zunächst war der sehr stark angeschwollene Minjin z passieren, was besonders für die Europäer und für die schwere Laste tragenden Leute eine schwierige Aufgabe war. Der Weg führte weiter meist durch dichten Urwald mit sehr fruchtbarem Untergrund un reichlichen Wasseradern. Wange wurde nach beschwerliche Marsche erst gegen 6 Uhr Abends erreicht und in dem Unterdorfe mit 17 Hütten Halt gemacht.
sie wo auch hier den sicheren Beweis der Beherbergung folgenden Tage in aller Frühe wurde durch Assessor Boether das Oberdorf, aus sieben Hütten bestehend, durchsucht und hierbei zu Strafe eine einzelnstehende Hütte, die ihrer Einrichtung nach ent schieden lediglich zum Aufenthalt von Chinesen diente, abgebrannt.
. einer anderen Stelle mit vieler Mübe überschritten war,
Jenseits des Marien⸗
In Mala wurde,
Die Eingeborenen wurden anfangs sichtbaar, ließen 1 durch kein Zureden bewegen, näher zu kommen, da 3
hl Strafe fürchteten, denn eine Durchsuchung ihrer Hütten er ab von Chinesen. AU12
nachdem der Minjin no Hmals erreicht. Es wurde alsdann in dem bei Stephansort belegenen Dorfe Bogadjim mit den Bewohnern desselben, die eine weitgehende Gewalt über die Innendörfer ausüben, verbandelt und ihnen aufgegeben, binnen einer bestimmten Zeit die Auslieferung von fortgelaufenen Chinesen durchzusetzen. Erfüllten sie diese Aufgabe nicht, so würden ein halbes Dutzend angesehener Bogadjimleute als Geiseln nach Friedrich⸗Wilhelmzhafen gebracht werden. Ich hoffe mit den Beamten der Neu⸗Guinea⸗Kompagnie zuversichtlich, daß als Erfolg dDdieser Expedition der größte Theil der fortgelaufenen Chinesen angebracht und auch für die Zukunft die Wegläufer nicht mehr Unterkommen in in den Tamuldörfern finden werden. Bei meiner Abreise am 23. waren schon vier chinesische Ausreißer durch die Bogadjimleute ange⸗ bracht worden. In Stephanzort wird eifrig an den Saatbeeten und dem Auspflanzen der kleinen Tabackpflänzlinge für die diesjäh rigen Tabackfelder gearbeitet. Nebenher werden die Palmen⸗ und Keaffee⸗ pflanzung und die Pflanzgräben gereinigt. An Taback sollen in diesem Jahre 140 Felder ausgepflanzt werden. Der zum Tabackbau bereitete Boden und die jungen Pflänzlinge sehen ausgezeichnet aus.
Der Gesundheitszustand unter den Europäern und Farbigen war, obwohl der Monat Februar zu den ungesundesten gehört und dieses Jahr den Witterungsverhältnissen nach besonders ungesund sein müßfe, wohl infolge des energischen Vorgehens des Geheimraths Koch und seines Afsistenten gegen die Malaria, ein ausgezeichnetes.
Um 2 Uhr ward Stephansoet,
Oesterreich⸗Ungarn.
Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph ist gestern Abend 6 Uhr 40 Minuten mit der Nordbahn von Wien nach Berlin abgereist. Allerhöchstdenselben begleiten der Minister des Auswärtigen Graf Goluchowski und der Chef des Generalstabs, Feldzeugmeister Freiherr von Beck. Die vor dem Bahnhof angesammelte Menschenmenge bereitete Seiner Majestät begeisterte Huldigungen.
In der gestrigen Sitzung des ungarischen Unter⸗ hauses hielt, wie „W. T. B.“ berichtet, der Minister⸗Prä⸗ sident von Szell eine Ansprache, in welcher er in seinem Namen wie in dem der gesammten Regierung dem Genius des dahingeschiedenen alers Michael von Munkaesy
huldigte. Der Minister⸗Präsident 8g hinzu, daß der Unter⸗ er b
richts⸗Minister heute bezüglich eerdigung Murn⸗ kacsy's auf Staatskosten seine Anträge stellen werde. Es wurde hierauf ein Antrag angenommen, wonach in das Pro⸗ tokoll aufgenommen werden soll, daß das Fahne dem ihm durch den Tod des großen Künstlers verursachten Schmerz Ausdruck gegeben habe. Das Haus begann sodann die Be⸗ rathung der Vorlage, betreffend die Inartikulierung des mit Deutschland abgeschlossenen Vertrags über den wechselseitigen Schutz des Urheberrechts. m Verlauf der Berathung erklärie der Justiz⸗-Minister Dr. Plösz es für eine Pflicht internationaler Höflichkeit, dem ausländischen Eigenthum den⸗ selben Schutz angedeihen zu lassen wie dem inländischen. Den vorgebrachten staatsrechtlichen Bedenken gegenüber verwies der Minster auf das Ausgleichsgesetz, nach welchem der Minister des Auswärtigen im internationalen Verkehr berechtigt sei, im Namen beider Staaten vorzugehen. Daß in dem Vertrage „Im Namen des Deutschen Reichs“ stehe, sei eine Forderung der deutschen Verfassung. In OesterreichUngarn würden Verträge nur durch den Monarchen in seiner Eigenschaft als Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn abgeschlossen, was die gleichzeitige Vertretung Oesterreichs und Ungarns in sich schließe. Nielg⸗ der Beschlußunfähigkeit des Hauses wurde dann die Abstimmung auf heute vertagt.
Großbritannien und Irland. 8
Der Herzog von York ist, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Abend von London nach Berlin abgereist.
Wie das „Reuter'sche Bureau“ berichtet, ist dem Parla⸗ ment die telegraphische Korrespondenz über die Veröffent⸗ lichung des Depeschenwechsels, betreffkend die Kämpfe am Spionskop, zugegangen. Der Staatssekretär des Kriegs⸗ amts Marquis of Lansdowne telegraphierte an den Feld⸗ marschall Lord Roberts am 28. März, daß es unmöglich sei, die betreffenden Dokumente alle zu veröffentlichen, von denen die Depesche Lord Robertse’, betreffend den Spionskop, begleitet sei, und schlug vor, entwweder eine Auswahl aus den⸗ selben zu veröffentlichen (wie sie nachher am 17. April in der „London Gfees. veröffentlich worden ist) oder die Depeschen, welche bis dahin eingegangenseien, als vertraulichzu behandeln und den General Sir Redvers Buller eine neue Depesche abfassen zu lassen, welcher Lord Roberts alle Bemerkungen, deren Publi⸗ kation er wünsche, beifügen änne. Sir Redvers Buller weigerte sich, eine zweite Depesche zum Zweck der Veröffent⸗ lichung zu verfassen, was zur Folge hatte, daß Lord Lansdowne'’s erster Vorschlag angenommen wurde.
Bei der gestern in Portsmouth vorgenommenen Er⸗ satzwahl zum Parlament wurde Bramsdon (liberal) mit 10301 Stimmen gegen Majendie (konservativ) gewählt, welcher 9691 Stimmen erhielt. Der bisherige Vertreter, welcher sein Mandat niedergelegt hatte, gehörte gleichfalls der liberalen Partei an. .“ E111“”
Frankreich.
Bei dem Handels⸗Minister Millerand fand, wie dem „W. T. B.“ berichtet wird, gestern Abend ein Diner zu Ehren der fremdländischen Kommissare und Delegirten für die Aus⸗ stellung statt. An das Diner schloß sich ein Empfang. “
Rußland. 18 Der Kaiser besuchte, wie „W. T. B.“ aus Moskau meldet, gestern in Begleitung des Großfürsten Sergius das Militär⸗Hospital und richtete an verschiedene Patienten huldvolle Ansprachen. Nachdem der Kaiser einem kurzen Gottesdientt in der Hospitalskirche beigewohnt hatte, kehrte Allerhöchstderselbe unter den jubelnden Rufen der Be⸗ völkerung nach dem Kreml zurück. Die Kaiserin besuchte inzwischen in Begleiuung der Großfürstin Sergius das städtische Waisenasyl. 1 Seine Kaiserliche Hoheit der Großfürst Konstantin Konstantinowitsch ist gestern von St. Petersburg nach Berlin abgereist. In seiner Begleitung befinden sich der General⸗Adjutant Richter, der Hof⸗Marschall Seljenoj, der General Bibikow und der Flügel⸗Adjutant Fürst Obolenski. Zur Verabschiedung waren auf dem Bahnhofe der deutsche Geschäftsträger Graf von Brockdorff⸗Rantzau und die übrigen Mitglieder der deutschen Botschaft erschienen. Die Es gchn des Garde⸗Grenadier⸗Regiments König Friedrich Wilhelm III., dessen Chef Seine Majestät der Deutsche Kaiser ist und à la suite dessen Seine Kaisersiche und Königliche Foheit der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen steht, begiebt sich direkt von Warschau nach Berlin.
Der außerordentlichen Buren⸗Mission wurde, dem W. T. B.“ zufolge, bei der gestern erfolgten Ankunft in Rotterdam ein warmer Empfang bereitet. Am Nachmittag fuhr die Mission, nachdem einige Empfänge stattgefunden hatten, nach dem Hafen, wo sie sch an Bord des Dampfers „Maasdam“ zur Fahrt nach Amerlka einschiffte. Die Schiffe auf der Maas und im Hafen hatten Flaggenschmuck in den Farben Transvaals, des Oranje⸗Freistaats und der Niederlande angelegt. Am Einschiffungsplatz hatten zahlreiche Korporationen mit Musikkapellen Aufstellung genommen, welche nationale Weisen spielten. Eine der Korporationen sang einen Psalm, in den das Publikum einstimmte. Dr. Leyds begleitet die Ab⸗ ordnung an Bord des „Maasdam“ bis Boulogne. Gegen 4 Uhr ging der „Maasdam“ in See.
Bulgarien.
Wie die „Agence Bulgare“ meldet, hat die Agitation der Opposition gegen die neue Zehntsteuer in drei Ortschaften in der Umgebung von Rustschuck zu Aufstandsversuchen ge⸗ führt. In Trstenik griffen die Bauern den Unterpräfekten an. Das dorthin entsandte Militär versuchte, die Bauern zu beruhigen, welche indessen Schüsse gegen dasselbe abgaben. Zwei Offiziere und zwei Mann wurden verwundet. Die Truppen erwiderten das Feuer; zwei Bauern wurden getödtet und zehn verwundet; hierauf trat Ruhe eiin.
Amerika. 1A4“
Der Botschafter der Vereinigten Staaten White ist, wie „W. T. B.“ erfährt, beauftragt worden, Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser die Glückwünsche des Präsidenten MeKinley zur Feier der Volljährigkeit Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reichs und von Preußen auszudrücken.
Die republikanischen Konventionen von Nord⸗ Karolina und Nebraska haben ihre Delegirten beauftragt, für MeKinley als Kandidaten für die Präͤstdentschaft zu stimmen. Die demokratischen Delegirten von Virginia werden für Bryan eintreten.
Der „New York Herald“ veröffentlicht folgende Depesche aus Panama: Die Regierung von Columbien hat die Hafenabgaben und Seezölle für ausländische Schiffe dadurch auf etwa 150 % gesteigert, daß sie die Zahlung in der Währung des Landes, aus dem das betreffende Schiff kommt, oder öö der gleichen Summe in columbischem Silber verlangt.
In New York ist, wie das „Reuter'sche Bureau“ be⸗ richtet, gestern nachstehende Depesche aus Lima eingegangen: Telegramme aus La Paz berichten, daß der chilenische Gesandte in Bolivia der Regierung eine Art Ulti⸗ matum unterbreitet habe, in welchem Chile eine Regelung der wischen beiden Staaten schwebenden Fragen verlangt, ohne
aß es einen Hafen an der Küste des Stillen Ozeans an Bolivia abtrete.
Aus Buenos Aires berichtet das einten sch Bureau“,
Berduc habe das Portefeuille des Finanz⸗Ministeriums über⸗
nommen. 8 Afrika.
Aus Pretoria vom 1. Mai meldet das „Reuter'sche
7
Bureau“, nach einer dort veröffentlichten amtlichen Mittheilung haben die Buren am 28. v. M. östlich von Thabanchu neun Gefangene gemacht und zehn Pferde erbeutet. Am 30. April zeigte sich eine britische berittene Abtheilung in der Nähe von Brandfort, die Buren griffen dieselbe von zwei Seiten an und zwangen sie zum Rückzug. Auf Seiten der Buren, die elf Gefangene machten, wurden zwei Mann leicht verwundet. — Einer anderen Meldung zufolge hatten die Kommandos von Wakkerstroom und Ermelo ein Gefecht bei Brandfort. Nach einem scharfen Kampf wurden 11 Gefangene gemacht. Die Eng⸗ länder ließen 19 Todte auf dem Platze zurück, darunter den Kapitän Lid dy.
Der „Daily Telegraph“ meldet aus Bloemfontein vom 2. d. M.: Die Kavallerie⸗Brigade des Obersten Broad⸗ woods traf in Isabelfontein, etwa 28 englische Meilen nördlich von Thabanchu, ein und stieß auf nur geringen Widerstand.
Der Feldmarschall Lord Roberts meldet aus Bloem⸗ fontein vom gestrigen Tage, daß der General Hamilton am 1. d. M. einen beträchtlichen Erfolg gehabt und den helnh mit einem verhältnißmäßig kleinen Verlust aus einer tarken Stellung bei Houtnek vertrieben habe. Die Buren hätten sich ostwärts und nordwärts zerstreut. Die Engländer hätten 26 Gefangene gemacht, unter denen sich ein Komman⸗ dant und sechzehn verwundete Buren befänden. Der General Hamilton befinde sich jetzt in Jakobsrust, wo er sich einen Tag aufhalte, um seine Truppen nach dem sieben⸗ tägigen Kampfe ausruhen zu lassen. Wie der Feind zugestehe, habe er zwölf Todte und vierzig Verwundete gehabt, von denen einundzwanzig dem Ausländerkorps angehörten. Der russische Kommandeur des Ausländerkorps Maximew sei verwundet worden. Unter den Todten befänden sich angeblich ein Deutscher Namens Günther und zwei Franzosen.
Wie das „Reuter'sche Bureau“ meldet, ist Brandfort gestern infolge einer kombinierten Bewegung der Divisionen der Generale Tucker und Pole Carew im Osten und im
Zentrum und der berittenen Infanterie des Generals Hutton
im Westen von den Engländern genommen worden. Die Buren, die durch diese Bewegung überrascht wurden, zogen sich zurück. Viertausend Buren waren in der Nacht vorher auf dem Wege nach Brandfort, um den Vormarsch der britischen Truppen zu verhindern. Die Artillerie des Generals Tucker hat in einem heftigen Artilleriekampf zwei Geschütze der Buren außer Aktion gesetzt.
Aus Ladysmith erfährt das „Reuter'sche Bureau“, daß eine Abtheilung von 200 Buren vorgestern den Sunday River überschritten habe, am Abend jedoch wieder über den Fluß zurückgegangen sei. .
Dasselbe Bureau meldet aus Pietermaritzburg, bei der gestern erfolgten Eröffnung des Parlaments von Natal habe der Gouverneur erkläͤrt, wegen der infolge des Krieges eingetretenen Abnahme der Einnahmen und Zunahme der Ausgaben sei es nothwendig gewesen, die öffentlichen Arbeiten einzustellen und sich an die Reichsregierung mit der Bitte um zeitweilige finanzielle Hilfe zu wenden, welche auch sofort
ewährt worden sei. Weiter * der Gouverneur die Ein⸗ einer Vorlage angekündigt, welche es ermöglichen solle, in wirksamerer Weise das Verbre 8 Verraths zu ahnden.
Ausstellungen, wie
Parlamentarische Nachrichten.
Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs tages und des Hauses der Abgeordneten besinden sich in der Ersten Beilage.
— In der heutigen (186.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. Graf von Posadowsky beiwohnte, wurde die zweite Be⸗ rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ab⸗ änderung der Unfallversicherungsgesetze, bei dem § 6 des Gewerbe⸗Unfallversicherungs gesetzes fortgesetzt.
Bis zum Schluß des Blattes nahmen die Abgg. Füxer h ünh (Rp.) und Roesicke⸗Dessau (b. k. F.) das
ort. 16“ 89 5* ö
Zur Arbeiterbewegung. 2 Wie der „Rh.⸗Westf. Ztg.“ aus Halle berichtet wird, haben dortige Maschinenfabriken etwa 600 Arbeiter ausgesperrt, weil dieselben am 1. Mai nicht zur Arbeit erschienen sind. In Tourcoing (franz. Depart. Nord) sind, nach einer Meldung des „W. T. B.“ vom gestrigen Tage, infolge von Lohnstreitigkeiten, welche durch die Einführung des elfstündigen Arbeitstags verursacht worden, 2600 Spinner ausständig. Auch in anderen Fabrikzeatren des Norddepartements nimmt die Ausstandsbewegung zu. .
Kunst und Wissenschaft.
In der Gesammtsitzung der Akademie der Wissen⸗ schaften vom 26. April (vorsitzender Sekretar: Herr Auwers) las
err Frobenius „über die Charaktere der symmetrischen Gruppe“.
n der Abhandlung werden die Charaktere der symmetrischen Gruppe eines beliebigen Grades berechnet, indem mit Hilfe von passend ge⸗ wählten Untergruppen gewisse Systeme von Zahlen bestimmt werden, die lineare 1 der Charaktere mit ganzzahligen Cosöfficienten sind. Aus diesen Verbindungen werden die Charaktere selbst mittels der zwischen ihnen bestehenden bilinearen Relationen abgeleitet. Die Betrachtung der alternierenden Untergruppe führt zu dem Begriffe der cflhellerfen Charaktere und zur Bestimmung der Charaktere, die sich selbst assozitert sind. — Herr Hatzidakis, korrespondierendes Mitglied, übersandte eine Mittheilung Jur Betonung der griechischen Composita, deren zweiter Theil ein Verbaladjektiv trochäischer Messung ist.“ Die Betonung wird darin als ursprünglich auf der drittletzten Silbe liegend angenommen. — Herr Dümmler überreichte den Jahresbericht der Zentral⸗Direktion der Monumenta Germaniae historica. — ein Exemplar des zweiten Theils der englischen Ausgabe seiner Vor⸗ lesungen an der Berliner Uaiversität (Lectures on Theoretical and Physical Chemistry. Translated by Dr. R. Lehfeldt. Part II: Chemical Statics).
Zu wissenschaftlichen Unternehmungen sind von der philosophisch⸗historischen Klasse der Akademie bewilligt: Herrn Professor Dr. Leopold Cohn in Breslau zu einer Reise nach Italien zum Zweck der Vergleichung von Handschriften des Philo 850 ℳ; Herrn Oberlehrer Dr. Johannes Kromayer in Straß⸗ burg i. E. zur kartographischen Aufnahme griechischer Schlachtfelder, namentlich der Caesarischen und Triumviral⸗Epoche, 1800 ℳ; Herrn Oberlehrer Dr. Wilhelm Schmidt in Helmstedt zu einer Reise nach Italien zum Zweck der Vergleichung von Handschriften des Heron von Alexandria 700 ℳ ö1“X“
Große Berliner Kunstausstellung 1900. (Vorbericht.)
L. K. — Trotz der wenig günstigen Konstellation des Welt⸗ ausstellungsjahres darf der Eindruck der Großen Berliner Kunst⸗ ausstellung am Lehrter Bahnhof für günstiger gelten als im Vorjahre. Bei aller Reichhaltigkeit des Gebotenen ist Ueberfüllung vermieden, und es sind glückliche Sammelpunkte des Interesses geschaffen. Die Struktur der Anordnung, die sich gerade bei einem schnellen Durchwandern der Säle am Tage der Vorbesichtigung deutlicher erkennen läßt als später, wo einzelne Eindrücke die Ueber⸗ sicht hemmen, ist glücklich. Sogleich der erste Bilder⸗ saal hinter der Skulpturenhalle wirkt durch die großen Verhältnisse der hier ausgestellten Malereien — der Wandbilder Ludwig Dett⸗ mann'’'s für den Rathhaussaal zu Altona und des Kolossalgemäldes von Emile Wauters: „Sobiesky am Kahlenberge“ — imponierend. Die darauf folgenden Mittelsäle 3—5 enthalten Werke Berliner Künstler, welche das nicht allzu hohe Niveau unserer Alltagskunst kaum sonderlich überragen. Einige Porträts von Max Koner und Karl Ziegler sowie Landschaften von Hans Herrmann und Louis Lejeune fallen vorthetlhaft auf. In Saal 6 sind die Werke französischer Aussteller vereinigt, darunter interessante Arbeiten von Fantin⸗Latour, René Billotte Blauche, Jules Lefébure, Aman⸗Jean, L. Simon und Charles Cottet. Mit Genugthuung ist die reiche Beschickung unserer Aus⸗ stellung durch die Franzosen gerade in diesem Jahre zu begrüßen. Noch immer wirkt die elegaante Technik und der Geschmack unserer westlichen Nachbarn achtunggebietend, wenn auch wieklich fascinirende Leistungen fehlen.
Unter den Augstellern der Düsseldorfer Künstlergenossen⸗ schaft, deren Bilder Saal 7 und 8 füllen, ragen nur wenige, wie Olaf Jernburg, A. Dirks, H. Herrmanns und Eugen Kampf hervor. Der große Schlußraum der Mittelachse ist, wie im Vorjahr, dem Verband deutscher Illustratoren eingeräumt. Der Aufschwung unserer Illustrationstechnik mag vielleicht eine solche Massenkundgebung rechtfertigen, an sich bleibt das für den Buchk⸗ schmuck bestimmte Kunstwerk, aus der organischen Verbindung mit seinem Träger gerissen, ein wenig erfreuliches Ausstellungsobjekt.
Die Nebenräume auf der südlichen Abseite des Ausstellungs⸗ gebäudes bieten neben einer sehr ausgezeichneten Vereinigung von dänischen Kunsterzeugnissen — außer den wohlbekannten Schöpfungen der Maler Viggo Johan 8 Julius Paulsen, Hammershoy, Anna Ancher und Viggo Petersen sei mit besonderer Anerkennung des keramischen Kunstgewerbes der Kopenhagener Manufakturen gedacht — einige Porträts von Olga Boznanska, ein Tripelbildniß von E. Heilemann, Sonder⸗ Ausstellungen der Berliner Landschaftsmaler Rummelspacher und Vorgang, eine sehr reichhaltige Kollektion von Bildern des Amerikaners G. Melchers und des Düsseldorfer Altmeisters Oswald Achenbach. Sehr rückständig wirkt bisher die Ausstellung der Münchener Künstler genossenschaft, die ebenfalls auf dieser Seite untergebracht ist, vortheilhafter dagegen die kleine Aus⸗ wahl von Porträts und Studien des schon genannten Belgiers Emile Wauters, sowie einige Neulinge auf Berliner Bendrat, aul Meyer⸗Mainz und C. Albrecht. Selten ist einem Künstler auf unseren Jahres⸗ ausstellungen eine so ausgiebige und vortheilhafte Gelegenheit ge⸗ boten worden, sein Lebenswerk vorzuführen, wie Hugo Vogel, der von dem großen Oberlichtsaal 35 Besitz ergriffen hat. Seine großen Wandbilder für das Ständehaus zu Merseburg nehmen die Südwand des Saales ein: in lichten Tönen gehalten und ohne die bei solchen historischen Vorwürfen schwer zu ver⸗ meidende Ueberladung der Komposition, wirken die Darstellungen aus der Geschichte der niedersächsischen Stadt ungemein vornehm und repräsentativ. Etwa vierzig Oelbilder aus den verschiedenen Ent⸗ wickelungsstadien des talentvollen Malers vervollständigen den Abriß seiner Lebensarbeit. Unter den Ueberraschungen, die den Besucher der Nordsäle erwarten, sei vor allem der sehr geschigt zusammengestellten
“
Herr van't Hoff übergab