1901 / 23 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 26 Jan 1901 18:00:01 GMT) scan diff

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Handels⸗Ministeriums.

d. Kauf⸗ und sonstige Anschaffungsgeschäfte 10 525773 (s— 494 505 ℳ), c. Loose zu: Privatlotterien 3 434 512

I1X+ 283 449 ℳ), Staatslotterien 12 332 745 (+ 1 425 381 ℳ),

Schiffsfrachturkunden 438 135 (+ 438 135 ℳ), Spiel⸗ artenstempel 1 144 606 (+ 25 171 ℳ), Wechselstempel⸗ euer 9 732 257 (+ 911 076 ℳ), Post⸗ und Telegraphen⸗

Verwaltung 296 414 566 (+ 16 776 391 ℳ), Reichs⸗ eisenbahn⸗Verwaltung 69 252 000 (+ 3383 000 ℳ).. Die zur Reichskasse gelangte Ist⸗Einnahme, b der Ausfuhrvergütungen und Verwaltungskosten, beträgt bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 339 689 965 (+ 5 479 127 ℳ), Tabacksteuer 9 404 024 (— 120 180 ℳ), uckersteuer und Zuschlag zu derselben 94 497 958 + 18 025 623 ℳ), Salzsteuer 35 177 980 (+ 805 277 ℳ), Maischbottich⸗ und Branntwein⸗Materialsteuer 7 823 486 + 631 232 ℳ), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zu⸗ chlag zu derselben 84 483 346 (— 1 853 566 ℳ), Brenn⸗ teuer 1 515 035 (— 106 594 ℳ), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 23 133 933 (+ 589 223 ℳ), Summe 592 695 657 (+ 23 450 142 ℳ). Spielkarte stempel 1 071 566 (+ 51 096 ℳ)).

Der Regierungs⸗Assessor Dr. Schmieder in Gelnhausen ist der Königlichen Regierung zu Königsberg und der Re⸗ gierungs⸗Assessor Rastell in Ragnit der Königlichen Regierung zu Guͤmbinnen zur weiteren dienstlichen Verwendung über⸗ wiesen worden. 8

Der Regierungs⸗Assessor von Platen, zur Zeit in

Wismar i. M., ist dem Landrath des Kreises Herzogthum

Lauenburg zu Ratzeburg zur Hilfeleistung in den landräth⸗ lichen Geschaͤften zugetheilt worden.

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Kiel, 26. Januar. Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich ist heute früh aus Cronberg hier wieder ein⸗ getroffen.

Sachsen.

Wie das „Dresdner Journal“ meldet, hat Seine Majestät der König anläßlich des Ablebens der Königin Viktoria an Seine Majestät den König Eduard VII. ein Beileids⸗ Telegramm gerichtet, welches von Allerhöchstdemselben in der herzlichsten Weise erwidert wurde.. e“

Demselben Blatt zufolge wird sich Seine Königliche Hoheit der Prinz Georg im Auftrage Seiner Majestät zu

Beisetzungsfeierlichkeiten nach England begeben.

Mecklenburg⸗Schwerin. Bei Seiner Hoheit dem Herzog⸗Regenten sind, wie „W. T. B.“ erfaͤhrt, die Erscheinungen der Masernkrankheit im Rückgang begriffen, doch leidet Seine Hoheit noch an Mattigkeit, Schlafunterbrechungen und Hustenanfällen.

8 Oesterreich⸗Ungarn. Das ungarische Unterhaus begann gestern, wie W. T. B.“ meldet, mit der Berathung des Budgets des Zu der Nachtragsforderung ve. die Betheiligung an der Pariser Weltausstellung bemerkte der Handels⸗Minister von Hegedues, das ganze Land sei davon uͤberzeugt, daß die ungarische Abtheilung auf der Ausstellung die fortschrittliche Entwickelung und die Selbständigkeit Ungarns würdig dargestellt habe. Die allgemeine An⸗ erkennung, welche die ungarische Abtheilung gefunden, gehe daraus hervor, daß von 3028 ungarischen Ausstellern 1280 prämiiert woͤrden seien. Unvergeßliche Verdienste habe der verstorbene General⸗Kommissar Bela Lukacs sich erworben. Was die Gerüchte von Unregelmäßigkeiten betreffe, die drei Angestellte des General⸗Kommissariats begangen haben sollten, und die sodann gegen den General⸗Kommissar aus⸗ gebeutet worden seien und ihn zur Verzweiflung getrieben haben sollten, so habe die gegen jene drei Beamte eingeleitete Untersuchung die Grundlosigkeit der Anklage ergeben. Der Minister schloß, es erscheine ihm als heilige Pflicht, den hohen

Verdiensten des unglücklichen, dahingeschiedenen General⸗

Kkommissars jene Anerkennung zu zollen, auf die er so be⸗ rechtigten Anspruch gehabt habe, und die bei Lebzeiten zu

genießen ihm leider nicht vergönnt gewesen sei.

Großbritannien und Irland.

Gestern Vormittag wurde in Osborne, wie dem „W. T. B.“ berichtet wird, am Sarge weiland Ihrer Majestät der Königin Viktoria ein Gottesdienst abgehalten, welchem alle Mitglieder der Königlichen Familie beiwohnten. Die Leiche wurde dann nach der Kapelle von Osborne gebracht.

Es ist nunmehr bestimmt worden, daß die Leiche der Königin Viktoria in der Nacht vom 1. zum 2. Februar auf der NYacht „Alberta“ in Portsmouth verbleiben und am Sonnabend, den 2. Februar, nach London und von dort nach Windsor gebracht werden, und daß an demselben Tage die Beisetzung in Frogmore stattfinden soll. Eine öffentliche Ausstellung der Leiche erfolgt nicht, doch wird einer gewissen Anzahl von Personen der Eintritt in die provisorische Trauer⸗ kapelle in Osborne gestattet werden. 1

Der Lord Mayor von London begab sich gestern Nachmittag nach der deutschen Botschaft, um im Namen der gesammten City Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser sein tiefstes Beileid auszusprechen und hinzuzufügen, daß es alle Bürger der City aufs Tiefste bewegt habe, als sie er⸗

feahren hätten, daß der Kaiser aus freien Stücken an das NKrankenbett Seiner erhabenen Großmutter geeilt sei.

Der Präsident des Handelsamts Gerald Balfour ist

. ernstlich erkrankt.

In der gestrigen 1ö. des Unterhauses verlas der Sprecher zunächst die Beileids⸗Telegramme der Präsidenten der griechischen, rumänischen und serbischen Kammer, welche vom Hause mit Beifall aufgenommen wurden. Der Erste Lord des Schatzes Balfour legte dann die Botschaft des Königs vor, worauf alle Mitglieder des Hauses das Haupt entblößten. Der Sprecher verlas die Botschaft, in welcher es heißt: der König sei fest überzeugt, das Land werde an seinem schweren Verlust Antheil nehmen, und das Wirken der verewigten Königin für die Wohlfahrt ihres Landes und ihres Volkes sowie ihre weise Regierung würden bei den Unterthanen des britischen Reiches immer in dankbarer Erinnerung bleiben. Der Erste Lord Schatzamts Balfour beantragte dann, das Haus solle

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ügte er hinzu, sei lang und ereignißreich, aber er glaube, es niemals unter traurigeren Umständen zusammen⸗ getreten sei als jetzt. Niemals habe es auch mehr als jetzt die Pflicht gehabt, der allgemeinen Trauer Ausdruck zu eben, welche in den Herzen aller Bürger des britischen Reiches herrsche, die den Tod der Königin nicht nur als einen nationalen, sondern als einen persönlichen Verlust empfänden. Die Trauer werde noch durch das allgemein sich geltend machende Gefühl, daß eine große Epoche zu Ende ge⸗ gangen sei. Im Laufe der Regierungszeit der Königin Viktoria habe der Einfluß der Krone nicht abgenommen, sondern zu⸗ genommen. Der Einfluß der Krone habe zunehmen müssen mit dem Wachsen und der Entwickelung der großen, sich selbst regierenden Gemeinwesen jenseits der Meere, welche mit Großbritannien durch die Person des Herrschers ver⸗ bunden seien, der das lebendige Symbol der Einheit des Reiches sei. Ein konstitutioneller Monarch könne nur nach und nach seinen Einfluß geltend machen. Er übe diesen vor allem durch das große Beispiel aus, welches er seinem Volke gebe. In dieser Hinsicht habe die Königin Viktoria als die erste aller konstitutionellen Monarchen dagestanden. Als Gattin und Mutter sei sie mit großen Eigenschaften ausgestattet gewesen. Sie sei, umgeben von ihren Kindern und Enkeln, verschieden und habe in der Welt keinen Feind gehabt; denn selbst diejenigen, die England nicht liebten, hätten für sie die größte Zuneigung gehabt. Bezüglich des Königs fügte Balfour noch hinzu, es würde wie Hohn klingen, wollte er ihn beglückwünschen, denn im ganzen Königreiche gebe es keinen Menschen, der von größerer Trauer erfüllt sei. Dennoch müsse der König beglück⸗ wünscht werden, weil er, der Pflicht gehorchend, die große Last von Verantwortlichkeiten übernommen habe und von der ernsten Absicht erfüllt sei, diese Pflichten bis an sein Lebensende zu erfüllen. Balfour brachte dann die Adresse ein, in welcher das Haus den König seiner tiefen Antheil⸗ nahme an der Trauer über das Ableben der Königin versichert und Allerhöchstdemselben seine Glückwünsche zur Thronbesteigung darbringt. Es verspricht dem König weiter seine Ergebenheit und giebt der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß Allerhöchs 2 derselbe während seiner Regierung bemüht sein werde, die Gesetze seines aufrechtzuerhalten und für die Wohlfahrt und Freiheit seiner Unterthanen einzutreten. Sir Henry Campbell Bannerman unterstützte die beantragte Adresse und fügte hinzu, daß der König in der von dem Volke geliebten jetzigen Königin eine werthvolle Stütze finden werde. Der Sprecher erklärte die Adresse fuüͤr angenommen, wogegen sich kein Widerspruch erhob. Auf den Antrag des Ersten Lords des Schatzamts Balfour vertagte sich dann das Haus bis zum 14. Februar. 3

Im Oberhause legte der Premier⸗Minister Lord Salisbury dieselbe Botschaft des Königs vor, welche dem Unterhause unterbreitet wurde. Er beantragte ferner die Annahme einer ähnlichen Adresse wie die des Unterhauses. Lord Salisbury zollte den persönlichen Eigenschaften der verewigten Königin warme Anerkennung und betonte besonders Allerhöchstderen Beziehungen zu ihren Ministern, die ihre große Einsicht stets bewundert hätten, und ihren Ansichten stets Rechnung hätten tragen müssen. Bezüglich des Königs fügte Lord Salisbury hinzu, Allerhöchstderselbe habe bei seiner Thron⸗ besteigung einen großen Vortheil. Er habe das größte Bei⸗ spiel vor sich gehabt, das er haben konnte; er habe sich mit em politischen und sozialen Leben seines Landes vertraut gemacht; er sei außerordentlich populär und sei im Auslande fast ebenso beliebt. Das Haus bringe ihm seine Glückwünsche dar und sei von der Ueberzeugung durchdrungen, daß er kein unwürdiger Rachfolger der Königin Viktoria sein werde. Lord Kimberley und der Erzbischof von Canterbury unter⸗ stützten die beantragte Adresse, die sodann einstimmig an⸗ genommen wurde.

sige⸗ Beileid Ausdruck geben. Die Geschichte dieses Hauses,

Frankreich.

Die Deputirtenkammer nahm gestern, wie „W. T. B.“ berichtet, die Berathung der Interpellation Morel, be⸗ treffend die mißliche Lage der Seidenwebereien, wieder auf. Der Deputirte Noel stellte fest, daß die schweizerische Konkurrenz einen bedeutenden Niedergang der Preise und Löhne herbeiführe, und verlangte eine Erhöhung der Ein⸗ gangszölle. Andere Deputirte äußerten sich in demselben Sinne. Das Haus nahm dann eine von dem Handels⸗ Minister Millerand gebilligte Tagesordnung an, in welcher die Regierung aufgefordert wird, bei der Erneuerung der Verträge mit den mitteleuropäischen Staaten die nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um den reinen Seidengeweben Zoll⸗ garantien zu sichern, die den auf andere Artikel zur An⸗ wendung kommenden entsprechen.

Rußland. 8 88

Der Kaiser und die Kaiserin sind, wie dem „W. T. B.“ gemeldet wird, gestern Nachmittag in Moskau eingetroffen und haben in Begleitung des Großfürsten und der Sroß⸗ fürstin Sergius sowie des Großherzogs und der Gro herzogin von Hessen die Reise nach St. Petersburg fort⸗ esetzt. B *l Großfürst⸗Thronfolger ist von seiner Reise in das Innere von Rußland gestern nach St. Petersburg zurück⸗ gekehrt. Der Kardinal Galeati, Erzbischof von Ravenna, ist gestern Abend, wie in Ravenna gestorben. uh 2 1.“

. 1“ E111“ ““ Die Pairskammer nahm gestern einen Antrag an, dem König Eduard VII. von Großbritannien und Irland den großen Schmerz über den Tod der Königin Viktoria sowie zugleich die Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß die Allianz des englischen und des portugiesi —2. Volkes aufrecht erhalten bleibe. Nach den Reden des Ministers des Auswärtigen und der Parteiführer wurde, wie „W. T. B.“ berichtet, die Sitzung aufgehoben und das Haus bis nach der Beisetzung der Königin Viktoria vertagt.

Niederlande.

Wie „W. T. B.“ aus dem Haag meldet, hat gestern Vormittag um 11 Uhr ein Vertreter des Justiz⸗Ministeriums dem Standesbeamten im Rathhause eine von der Königin Wilhelmina und dem Herzog Heinrich zu Mecklenburg unterzeichnete Urkunde übergeben, in welcher Allerhöchstdieselben erklären, daß sie gewillt seien, die Ehe mit einander einzugehen.

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Unmittelbar darauf wurde auf dem Rathhause die Fahne auf⸗ ezogen, die Kirchen und andere Gebäude x82 ten diesem Beispiel An Sonntag wird das erste öffentliche Aufgebot stattfinden.

Der Professor Snellen und Dr. Heymans untersuchten gestern in Utrecht das operierte Auge des Präsidenten Krüger Der Zustand desselben ist günstig und die Genesung innerhald weniger Tage zu erwarten.

Belgien.

Der frühere Minister Woeste hat gestern in der Re⸗

präsentantenkammer einen neuen Mititgi gese zentwur eingebracht, nach welchem, wie „W. T. B.“ erfährt, militärische hee eing eführt werden soll. Die Freiwilligen sollen Löhnung erhalten wie die Miliz und hei ihren Eltern wohnen dürfen.

Türkei.

Ar s Konstantinopel meldet „W. T. B.“, daß die be⸗

e⸗ sondere deutsche Mission, welche an der Feierlichkeit der Enthüllung des von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser gestifteten Brunnens auf dem Atmeidanplatze theilnehmen soll, gestern dort eingetroffen ist. Auch die Offiziere des Schulschiffs „Moltke“ sind dort an⸗ gekommen, um an der Feierlichkeit theilzunehmen. Die Mitglieder der besonderen Mission sind: der General⸗ Adjutant, Generalleutnant von Kessel, der Generalmajor Heintze von Krenski, der Oberst von der Lancken, der Oberleutnant von Hahnke und der Kammerherr Graf von Mülinen. Die Mitglieder der Mission und die Offiziere des „Moltke“ wurden gestern in Gegenwart des deutschen Bot⸗ schafters von dem Sultan in feierlicher Audienz empfangen.

Griechenland. Der wird sich, dem „W. T. B.“ zufolge, heute von Athen nach London begeben; voraussichtlich wird der Kronprinz Allerhöchstdenselben dorthin begleiten.

Bulgarien.

Das neue Kabinet ist, wie die „Agence Bulgare“ meldet, nunmehr gebildet. Petrof übernimmt den Vorsit, das Ministerium des Innern und interimistisch dasjenige des Aeußern. Der General⸗Sekretär des Finanz⸗Ministeriums Bontschef ist mit der Leitung dieses Ministeriums betraut worden. Die übrigen Minister verbleiben auf ihren Posten; der Justiz⸗Minister Dantschof übernimmt interimistisch auch das Handels⸗Ministerium.

Amerika.

Das Repräsentantenhaus hat gestern eine Vorlage angenommen, nach der die Marine um zwei Panzerschiffe und zwei Kreuzer vermehrt werden soll.

Asien.

Von dem General⸗Feldmarschall Grafen von Walders ist, wie „W. T. B.“ erfährt, folgende Meldung aus Peking vom 24. d. M. in Berlin eingetroffen: Die Kolonne des

auptmanns Feeiterhe von Wangenheim ist ohne Zwischen⸗ all von Schaho zurückgekommen. Die Eisenbahn Schanhaikwan —Peking ist gestern von den Russen übernommen worden.

Die „Agence Havas“ meldet aus Schanghai vom gestrigen Tage: Das diplomatische Korps beschloh einstimmig, an den Prinzen Tsching und an Li⸗Hung Tschang einen Brief zu richten, in welchem es heißt, die Maßnahmen der Mächte, betreffend die militärischen Fragen, würden von der Raschheit abhängen, mit welcher die chinesische Regierung die übrigen Verbindlichkeiten er⸗ küllen werde. Das diplomatische Korps verlange die Todes⸗ sasfe für vier hohe chinesische Würdenträger, darunter für Tschuang und Jinglien; ferner werde die nachträgliche Todesstrafe für den bereits verstorbenen Kangyi verlangt; schließlich werde auch einstimmig die Todesstrafe für Tung⸗

uhsiang gefordert, unter Vorbehalt eines nothwendigen Aufschubes, um sich der Person des Generals zu versichern.

Der Vize⸗König von Indien berichtet, dem „W. T. B.“ zufolge, unterm 24. d. M. an den Staatssekretär für Indien in London, daß im Hochlande von Indien, im Rajputana⸗ bezirk und in den von Mittelindien die Winterregen reichlicher als gewöhnlich niedergegangen seien und für die Landwirthschaft äußerst günstig zu wirken versprächen. Im Dekhan, in den Kerhatak⸗ und Bombay⸗Distrikten dagegen stehe infolge zu frühen Auf⸗ hörens des Monsuns und mangelnden Regens eine schlechn Ernte in Aussicht; man befürchte, daß noch vor dem Monat August große Noth eintreten werde. Es würden Hiff⸗ maßregeln nothwendig sein, und die für diesen Zweck im nächsten Finanzjahr erforderlichen Ausgaben seien auf 10 Millionen Rupien zu schätzen.

. Afrika.

Aus Pretoria vom 24. d. M. meldet das „Reuter'sche Bureau“, daß am Tage zuvor ein Eisenbahnzug mit Lord Kitchener und einer Anzahl Truppen in der Richtung auf Middelburg abgegangen sei. Eine gepanzerte Lokomotive, die diesem Zug vorausfuhr, sei in der Nähe von Balmoral durch Dynamit zum Entgleisen gebracht worden. Der Zug sei bald darauf an diesem Ort angekommen, woselbst zahlreiche Buren erschienen seien und das Feuer eröffnet hätten. Die britischen Truppen hätten sofort Stellung in der Nachbarschaft genommen und, nachdem auch sie zu feuern begonnen, den Feind ver⸗ trieben, welcher Verluste gehabt habe; die Engländer seien ohne Verluste davongekommen. .

Eine Depesche Lord Kitchener’'s aus Pretoria vom 24. d. M. meldet, der General Cunningham sei auf dem Marsch von Olifantsnek nach Süden und habe während des Marsches 17 rhs. gemacht. Am 24. d. M. sei derselbe bei Middelfontein in ein Gefecht ver⸗ wickelt worden. Der General Knox habe Haasebrocks Lager angegriffen, den Feldkornet und 4 Mann gefangen 3 nommen und 20 Pferde erbeutet. Lord Methuen’s Kolonne sel, nachdem sie die Buren aus Griqualand und Kuruman vertrieben, nach dem Westen der Kapkolonie zurückgekehrt. Die britischen Truppen rückten durch Clanwilliam nach Norden vor⸗ während das Kommando der Midland⸗Linie sich westlich von Uniondale befinde und von den Truppen des Obersten dar s scharf verfolgt werde. Im Osten sei alles ruhig.

ie Buren richteten in der Kolonie nur wenig Schaden an und würden bei den Einwohnern, die sich ihnen nicht an⸗ schlössen, täglich unpopulärer.

Laut einer dem Sekretär der „Nand Central Elextric Works“ von dem Betriebsleiter in Jo annesburg g. ber Morgen zugegangenen Kabelmeldung haben die Buren in

Nacht vom letzten Sonnabend zum Sonntag die Werke a

aicht beschädigt worden. Der Betrieb habe eingestellt we müssen. Von den Angestellten sei keiner verletzt worden

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riffen. Drei Dynamomaschinen seien durch Dynamit beträchtlich

beschädigt worden. Der Gesammtschaden, den die An⸗ lage erlitten habe, sei noch nicht genau bekannt Kessel, Kon⸗ densatoren, Transformatoren, Vorräthe und Gebäude 5 rden

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sitzungen des Reichs⸗ tages und des Hauses der Abgeordneten befinden sich in der Ersten und Zweiten Beilage.

In der heutigen (34.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär des Innern, Staats⸗Minister Dr. Graf von Posadowsky beiwohnte, wurde die zweite Be⸗ rathung des Reichshaushalts⸗Etats für 1901 bei dem Spezial⸗Ekat des Reichsamts des Innern, und zwar bei dem Titel „Gehalt des Staatssekretärs“, fortgesetzt.

Bis zum Schluß des Blattes nahmen die Abgg. Dr. Hitze (Zentr.) und Stadthagen (Soz.) das Wort.

Das Haus der Abgeordneten nahm in der eutigen (12.) Sitzung, welcher der Präsident des Staats⸗ heunigfertuns Reichskanzler Graf von Bülow, der Vize⸗Präsident des Staats⸗Ministeriums, Finanz⸗Minister Dr. von Miquel und der Minister für Landwirthschaft ꝛc. Freiherr von Hammerstein beiwohnten, zunächst in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Ergänzung der Gesetze über die Errichtung von Marksteinen vom 7. Oktober 1865 und vom 7. April 1869, an und setzte dann die zweite Berathung des Staatshaushalts⸗Etats für 1901 bei dem Etat der landwirthschaftlichen Ver⸗ waltung fort.

Bis zum Schluß des Blattes nahmen die Abgg. Freiherr von Zedlitz und Neukirch (fr. 89 und Dr. von Heydebrand und der Lasa (kons.), der Präsident des Staats⸗Ministeriums, Reichskanzler Graf von Bülow und der Abg. Dr. Sattler (nl.) das Wort.

Kunst und Wissenschaft.

Die Akademie der Wissenschaften hielt ihre statuten⸗ mäßige öffentliche Sitzung zur Feier des Geburts⸗ Seiner Majestät des Kaisers und Königs und es Jahrestages König Friedrich's II. am Donnerstag, den 24. Januar, um 5 Uhr Nachmittags. Der vorgeordnete Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten Dr. Studt nahm an derselben theil. Den Vorsitz führte der beständige Sekretar der Akademie, Geheime Medizinalrath Professor Dr. Waldeyer. Derselbe hielt auch die Festrede, worin, unter Bezugnahme auf das Geburtsfest Seiner Majestät und auf die Zweihundertjahr⸗Feier der Erhebung Preußens zum König⸗ reich, die Frage von dem Einflusse dieser Erhebung auf die Entwickelung der Akademie der Wissenschaften behandelt wurde. Daran schlossen sich die Berichte über die Arbeiten der Akademie und der mit ihr verbundenen Stiftungen und Institute im Jahre 1900, sowie die Mittheilungen der seit dem letzten Friedrichstage eingetretenen Personalveränderungen. Endlich wurde verkündet, daß die Akademie ihre Helmholtz⸗ Medaille dem Professor an der Universität Cambridge (Eng⸗ land) Sir George Gabriel Stokes verliehen habe.

Handel und Gewerbe. Der Zentral⸗Ausschuß der Reichsbankwar auf heute Vor⸗

mittag 10 Uhr zu einer Sitzung berufen. Nach Vortrag der

neuen Wochenübersicht bemerkte der Vorsitzende, Präsident des Reichsbank⸗Direktoriums, Wirkliche Geheime Ratl Dr. Koch, daß nach der großen Anspannung am Jahresschluß, welche die des vorigen Jahres noch bei weitem überstiegen habe, zwar ein Rückgang der Anlagen um 363 Millionen, eine Verstärkung des Metallvorraths allerdings nur um 36 Millionen un⸗

ggeachtet der inzwischen erfolgten Kapitalserhöhung eingetreten

sei. Indessen sei die Anlage noch immer hoch, und zwar 79 Millionen höher als 1900, 237 Millionen höher als 1899, 302 Millionen höher als 1898. Die Geldbedürfnisse des

Neeichs seien unvermindert, die Emissionsthätigkeit fortwährend ziemlich rege, die politische Lage nicht völlig geklärt. Die

fremden Wechselkurse seien nicht niedrig, bei dem Kurse auf Paris

der Goldpunkt sogar überschritten. Die Bank von England beharre

einstweilen bei ihrem Diskont von 5 Prozent. Trotz des bei uns bis auf 3 Prozent am offenen Markt gefallenen Privatdiskonts entspreche es der Vorsicht, mit einer Ermäßigung des offiziellen Diskonts noch nicht vorzugehen. Der Zentral⸗Ausschuß, aus

essen Mitte Zustimmung zu dieser Haltung geäußert wurde,

war hiermit ohne Widerspruch einverstanden. Hierauf wurden

noch einige Gattungen von Schuldverschreibungen auf be⸗ schränktem Gebiet zur Beleihung im Lombardverkehr der

8 Reichsbank zugelassen.

„MNiach der Wochenübersicht der Reichsbank vom 23. Januar 1901 betrug der gesammte Kassenbestand 900 163000 (1899: 850 861 000,

1898: 885 323 000) ℳ. d. i. der Vorwoche gegenüber mehr

51 130 000 (1899 + 37 753 000, 1898 + 41 090 000) Der Metallbestand von 865 168 000 (1899: 817 720 00), 1898: 852 480 000) allein hat zugenommen um 52 429 000 (1899 + 41 875 000, 1898 + 42 181 000) Der Bestand an Wechseln von 809 112 000 (1899: 789 626 000, 1898: 630 328 000) zeigt eine Verminderung um 57 229 000 (1899

60 059 000, 1898 43 080 000) und der Bestand an Lombardforderungen mit 61 032 000 (1899: 74 731 000, 1898: 74 133 000) ℳ, eine solche um 14 257 000 L1c 9 749 000, 1898 15 954 000) Auf diesen beiden Anlagekonten zusammen ist also ein Abgang um 71 486 000 (1899 69 808 000, 1898 59 034 000) erfolgt. Die Position „Sonstige Aktiva“ stellt sich um 1 022 000 niedriger. ; passiver Seite zeigt der Betrag der umlaufenden Noten mit 1 127 822 000 (1899: 1 084 271 000, 1898: 1 097 016 000) der Vorwoche gegenüber eine Abnahme um 77 226 000 (1899 69 937 000, 1898 74 702 000) ℳ, und die sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten (Giroguthaben) erscheinen mit 577 096 000 (1899: 523 959 000, 1898: 436 247 000) höher um 45 323 000 (1899 + 20 845 000, 1898 + 31 457 000)

re Nachrichten über „Handel und Gewerbe“ s. i. d. Zweiten Beilage.) Theater und Mufik.

Theater des Westens. Am gestrigen dritten Gastspielabend der Königlich norwegischen

mersängerin Frau Oselio Bjößnson gelangte Bizet’s Oper

„Carmen“ zur Aufführung. Die genannte Künstlerin, welche die Titelpartie sang, vermochte, trotz ihrer klangvollen, umfangreichen und trefflich geschulten Stimme, deren Vorzüge bereits gelegentlich ihres ersten hiesigen luftretens am 15. d. M. als Margarethe gewürdigt worden sind, nicht sonderlich zu erwärmen. Ihr Spiel blieb allzu sehr hinter den gesanglichen Leistungan zurück; es fehlte ihm an hinreißendem Tempe⸗ rament und dämonischer Macht, ohne welche Eigenschaften eine Carmen undenkbar ist. Dementsprechend nahm Frau Björnson auch die Tempi wiederum durchweg so langsam, daß dadurch dem anzen Ensemble die Aufgabe erschwert wurde, wozu noch kam, daß se in italienischer Sprache sang. Der ihr gespendete lebhafte Beifall galt daher wohl auch größtentheils ihrer so außerordentlich ansprechenden, edlen Gesangsart. Von den anderen Mitwirkenden boten die Damen Goetzel (Micaöla), Untsch (Frasquita) und Brackenhammer (Mercédss), sowie die Herren Walter (Don José) und Steffens (Leutnant) in jeder Beziehung recht annehmbare Leistungen, während Herr Waschow den Escamillo etwas temperamentvoller hätte spielen können. Auch die Chöre machten im allgemeinen einen guten Eindruck und der dirigierende Kapellmeister, Herr Sänger, suchte durch zielbewußte und sichere Leitung die verschiedentlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Nachträglich sei noch die fünfundzwanzigste Aufführung von Offenbach's phantastischer Oper „Hoffmann's Erzählungen“ erwähnt, welche am Mittwoch auf der Charlottenburger Bühne statt⸗ fand. Wie dankenswerth der Versuch gewesen ist, dieses fast ver⸗ essene Tonwerk des genialen Operetten⸗Komponisten wieder neu zu beleben, beweist die in Anbetracht des abwechselungsreichen Spiel⸗ plans dieses Theaters immerhin große Zahl von Wiederholungen, welche es in verhältnißmäßig kurzer Zeit erfahren sowie auch das bei der Jubiläums⸗Vorstellung zahlreich erschienene Publikum. Dasselbe konnte sich auch diesmal an der trefflichen Wiedergabe der in gesanglicher wie darstellerischer Hinsicht vielfach nicht geringe Anforderungen stellenden, melodienreichen Tonschöpfung erfreuen und sich dem trefflich zur Wirkung gebrachten Zauber von Märchenstimmung und Mystik erfüllten Hand⸗ ung hingeben. Die einzelnen Partien waren wie bei der ersten Auf⸗ führung besetzt, bis auf diejenige der Giulietta, welche anstatt Fräulein Götzel Fräulein Engelke sang, und fanden eine durchaus zufrieden⸗ stellende Durchführung. Wohlverdienter Beifall wurde sowohl den Mitwirkenden wie der Leitung zu theil, und auch zahlreiche Blumen⸗ spenden brachten die allgemeine Anerkennung zum Ausdruck.

Konzerte.

Der Geiger Herr Michael Banner gab am Sonnabend v. W. mit dem Philharmonischen Orchester im Beethoven⸗Saal ein Konzert. Der hier wohlbekannte Künstler spielte die Violinkonzerte in D-dur (op. 61) von Beethoven und in E-moll (op. 64) von Mendels⸗ sohn, sowie den ersten Satz desjenigen in D-dur (op. 77) von Brahms mit anerkennenswerther technischer Fertigkeit. Bei dem Allegro jedes Konzerts ließ jedoch die Intonation bisweilen zu wünschen. Auch mit der Auffassung konnte man sich nicht immer einverstanden erklären, beispielsweise bei der allzu virtuos behandelten Wiedergabe des erstgenannten Tonwerkes. Auch einzelne ein⸗ gefügte Cadenzen müssen als stilwidrig bezeichnet werden. Ebenfalls am Sonnabend gaben die Damen Teresa und Julie Terba im Saal Bechstein einen Lieder⸗ und Duett⸗Abend, der sich eines zahlreichen Besuchs zu erfreuen hatte. Die erstgenannte Sängerin besitzt einen gutgeschulten, wohlklingenden Mezzosopran, Fräulein Julie Terba dagegen eine helle, aber wenig ausgiebige Sopran⸗ simme, die auch hinsichtlich der Schulung noch zu wünschen läßt. Das Programm wies zahlreiche französische und deutsche Kompositionen für zweistimmigen Gesang auf. Die französischen Duette e. Charakters wurden am besten wiedergegeben und von den Zuhörern auch am beifälligsten aufgenommen. Fräulein Teresa sang außerdem vier Lieder von Brahms, denen später solche von Wagner, Hugo Wolf, Grieg und Godard folgten, mit beseeltem Vortrag, sodaß ühr freundlicher Beifall zu theil wurde.

„Die Sängerin Fräulein Jeanne Golz, deren Vorzüge zu würdigen sich schon wiederholt Gelegenheit geboten hat, gab am Dienstag in der Sing⸗Akademie einen wohlgelungenen Lieder⸗ Abend. Eine anfänglich hindernde, leichte Heiserkeit wich bald, und die nicht sehr große, aber sympathische Stimme der Künstlerin kam schließlich außerordentlich vortheilhaft zur Geltung. Ein besonderer Reiz liegt in ihrem einschmeichelnden Pianoton, welcher dem zarten Liede „Wie glänzt der helle Mond“ von Hugo Wolf ganz besonders zu statten kam. In sechs weiteren Tondichtungen desselben Komponisten wirkte die Sängerin durch ihre dramatisch be⸗ lebte Vortragskunst, ohne welche freilich ein Erfolg dieser eigenartigen, modernen Liederkompositionen kaum denkbar ist. Herr Eduard Behm begleitete die Künstlerin und wurde da⸗ bei auch den verwöhntesten Ansprüchen gerecht. An dem⸗ selben Abend gab im Beethoven⸗Saal Herr Dayid Ffrangcon⸗ Davies vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft einen Lieder⸗Abend, unter Mitwirkung des Pianisten Herrn Alfred Reisenauer, welcher die Klavierbegleitung übernommen hatte und feinfühlig durch⸗ füchete Herr Davies, ein 8 bestens bekannter Künstler, sang mit einer wohlklingenden, vollen und ausgeglichenen Baritonstimme zuerst eine Arie aus „Deborah“ und dann „Warum entbrennen die Heiden“ aus dem „Messias“ von Händel, die letztere mit geradezu erstaunlicher Kehlfertigkeit. Der zweite Theil des Programms wies außer mehreren Gesängen von Schubert, welche der Sänger mit seinem ganzen künstlerischen Empfinden wiedergab, verschiedene Lieder eiteren Charakters von Jensen auf, die durch die Lebendigkeit des Vortrags nicht minder ansprachen. Von den anderen moderneren Kompositionen gefielen „Mondeszauber“ von Fuhrmeister und „Berg⸗ stimme“ von Weingartner am besten. Den letzten Theil des Pro⸗ gramms bildeten vier Balladen von Loewe, welche von dem Konzert⸗ geber so meisterhaft vorgetragen wurden, daß der hier gespendete stürmische Beifall den vorhergehenden noch übertraf. Der französische Pianist Herr Raoul Pugno, welcher in einem am 12. Januar im Beethoven⸗Saal mit dem Philharmonischen Orchester gegebenen zweiten Konzert die hohe Meinung von seinem Können, die man sogleich am ersten Abend von ihm gewann, durch den vollendeten Vortrag des Es-dur⸗Konzerts von Mozart und der „Wanderer“⸗Phantasie von Schubert⸗Liszt bestätigte, ließ sich am Dienstag im Saal Bechstein noch in einem Klavier⸗Abend hören. Auch bei der Ausführung der Solostücke dieses Programms, welches die Namen Bach, Händel, Scarlatti, Beethoven, Schumann, Chopin und Liszt aufwies, entfaltete der Künstler seine reife Meisterschaft und erfreute, im Gegensatz zu der weichlichen Ma nier vieler jüngeren Virtuosen, durch die männliche Tüchtigkeit und obiektive, jeder bloßen Effekthascherei abholde Vortragsweise. Die große Wirkung, die er trotzdem erreicht, ergiebt sich aus der völligen Beherrschung der Technik im Verein mit musterhaft klarer, von sorgfältiger Vertiefung in den Stil und musikalischen Inhalt zeugender Wiedergabe. Das „italienische Konzert“ von Bach Wund die Stücke von Händel (G-dur-Gavotte) und Scarlatti (Klavierstück in A-dur) hat man wohl selten so vollendet hier zu Gehör bekommen; auch der Vortrag der Cis-moll- Sonate von Beethoven zeugte von ernstem Eindringen, wenn man bei diesem viel umstrittenen Tonstück auch an manchen Stellen anderer Meinung sein durfte. Fast an das Wunderbare grenzte die Technik des Künstlers in der Es-dur-Polonaise von Chopin und der 11. Rhapsodie von Liszt, welche letztere er schon beim zweiten Konzert unter ebenso stürmischem Beifall als Zugabe gespendet hatte. Als Komponist gewann Herr Pugno wie im zweiten mit einem Konzertstück in E-moll so an diesem Abend mit zwei romantischen Stücken für Klavier von interessanter, ganz moderner Faktur, einen

Achtungserfolg.

Im siebenten Sympbonie⸗Abend der Koͤniglichen Kapelle, welcher am Mittwoch im Koͤniglichen Opernhause stattfand, wurde gegen die sonstige Gepflogenbeit keine Novitat zu Gehör gebracht, aber dafür ein sehr ansprechendes, interessantes, nur selten gespieltes altes Werk, eine Svmpbenie in edur in einem Satze von Philipp Emannel Bach, einem Sohne des großen Tondichters Johann Sebastian Bach, dem sogenannten Berliner Bach,

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„Hofcembalisten und Accompagnateur“ des Königs Friedrich II. Das Tonstück ist sehr einfach, aber fein und jerlich gearbeitet und trägt im Ganzen mehr den Charakter einer Ouvertüre von frischer Fröhlichkeit und Anmuth als den einer Symphonie. Herrn Wein⸗ gartner gebührt ganz besonderer Dank für die vollendete Vorführung dieses Werkes. Weiterhin wurde ebenso vollkommen und fesselnd besonders gilt das von dem Streichorchester die Symphonie in C-dur mit der Fuge (die sogenannte „Jupiter⸗Symphonie“) von Mozart wiedergegeben. Da war nichts von Afeektiertheit oder Künstelei, sondern lauter Schlichtheit und Natürlichkeit, und das eerade wirkte ungemein lvnrpashisc und erquickend. Gleichen Eindruck interließ auch der zweite Theil des Programms, welcher die Symphonie pastorale Nr. 6 von Beethoven und zum Abschluß des Abends die Ouvertüre zur Oper „Oberon“ von Weber brachte. Beide Tonwerke wurden völlig einwandfrei, ja meisterhaft ausgeführt, wofür der Dirigent wie auch die Künstlerschaar reichen und ungetheilten Beifall ernteten. In der Sing⸗Akademie veranstaltete, ebenfalls am Mittwoch, Frau Flora Scherres⸗Friedenthal einen Klavier⸗ Abend, der dem musikliebenden Publikum einen hohen Genuß zu bereiten wohl geeignet war. Die bekannte Künstlerin verfügt über eine ausgezeichnete, flüssige Technik und bekundete im Vortrag eine fein⸗- sinnige Auffassung; nur wäre bisweilen ein etwas vorsichtigerer Gebrauch des Pedals wünschenswerth gewesen, der in den tiefen Oktaven die sonst so klaren Gänge zu verwischen geeignet war. Die Wahl des Programms war eine sorgfältige und glückliche und ließ das Können der Künstlerin in vollem Licht erscheinen; namentlich sei die Wiedergabe der As-dur⸗ Sonate von Beethoven (op. 110) hervorgehoben, welche an den Vor⸗ tragenden große Anforderungen stellt und der Künstlerin be⸗ sonders gut gelungen war. Ebenso formvollendet wurden eine Etude und ein Walzer von Chopin zu Gehör gebracht. Den Abend schloß die mit Temperament und ge⸗ spielte zweite Rhapsodie von Liszt wirkungsvoll ab. Einen vollen Kunstgenuß bereitete an demselben Abend einem zahl⸗ reich erschienenen Publikum im Beethoven⸗Saal das „Böh⸗ mische Streichquartett“ der Herren Hoff mann, Suk, Nedbal und Professor Wihan unter Mitwirkung des Pianisten Herrn Eugen d'Albert. Die trefflichen Künstler brachten mit ihrer bewunderungs⸗ werthen Präͤäzision und Sicherheit zunächst Beethoven’s F-dur-Quartett zu Gehör. Dann folgte ein solches in Es-dur sop. 11) von d’Albert, dessen zweiter „Allegro vivace“ überschriebener Satz besonders gefiel, und den Schluß bildete das Quintett in F-moll von Brahms. In diesem hatte Herr d'Albert den Klavierpart über⸗ nommen und spielte ihn mit außerordentlich weichem Anschlag und dem ganzen Empfinden eines großen Künstlers. Das an demselben Tage im Saal Bechstein veranstaltete dritte Abonnements⸗Konzert des „Holländischen Trio“ der Herren Bos (Klavier), van Veen (Violine) und van Lier (Viöoloncello) bot lediglich Tonwerke nordischer Komponisten, von denen das hier wohl noch unbekannte A-dur⸗Trio (op. 12) von Victor Bendix ganz besonderes Interesse erregte. Dasselbe zeichnet sich durch Gedankenreichthum und Natürlichkeit aus, läßt es aber freilich andererseits bisweilen an einheitlicher Gestaltung fehlen. Der Erfolg dieser Neuheit war jedoch unbestritten, was namentlich wohl auch der anerkannt trefflichen Vor⸗ führung seitens der drei Künstler zuzuschreiben ist, denen die Wieder⸗ gabe des Satzes „Danza e scena d'amore“ ganz be⸗ sonders gut gelang. Die an diesem Konzert⸗Abend mitwirkende Sopranistin Frau Marta Gulbrandsen⸗Sandal, welche hier bereits wiederholt aufgetreten ist, sang in skandinavischer Sprache Lieder von Kjerulf, Grieg und Lie mit ihrer umfangreichen, Vaneng

geschulten, aber auch diesmal in der Mittellage etwas heiseren, sonst aber wohllautenden Stimme und erntete, gleich den Konzertgebern, lebhaften Beifall des zahlreichen Auditoriums.

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Im Königlichen Opernhause wird morgen Weber's Oper „Der Freischütz gegeben. Am Montag geht Richard Wagner's Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ in folgender Besetzung in Scene: Hans Sachs: Herr Bachmann; Pogner: Herr Wittekopf; Beckmesser: Herr Nebe; Kothner: Herr Berger; Walther Stolzing: Herr Kraus; David: Herr Lieban; Eva: Fräulein Hiedler; Magdalena: Frau Goetze. Kapellmeister Strauß dirigiert.

Im Königlichen Schauspielhause gelangt morgen Gustav zu Putlitz’ Schauspiel „Das Testament des Großen Kurfürsten“ zur Aufführung. Die Besetzung lautet: Kurfürst Friedrich III.: Herr Matkowsky; Sophie Charlotte: Frau von Hochenburger; Dorothea von Holstein: Fräulein Poppe; Markgraf Philipp Wilhelm: Herr Christians; Feldmarschall von Derffling: Herr Pohl; von Dankelmann: Herr Nesper; Prinzessin Radziwill: Fräulein von Mayburg. Am Montag gehen die drei Schwänke von Gustav Kadelburg „Das schwache Geschlecht“, „Das Pulverfaß’ und „Der neue Vormund“ in der bekannten Besetzung in Scene.

Im Neuen Königlichen Opern⸗Theater findet morgen zu ermäßigten Preisen eine Aufführung von Ernst Wichert’'s vater⸗ ländischem Schauspiel „Aus eigenem Recht“ statt. b

Das Deutsche Theater hat für nächste Woche folgenden Spielplan aufgestellt: morgen Abend, Montag, Mittwoch und Freitag „Rosenmontag“; Dienstag: „Der Biberpelz“; Donnerstag: „Unans von Bergerac“; Sonnabend: „Michael Kramer“; nächstfolgenden Sonntag Abend: „Die Macht der Finsterniß“; morgen Nachmittag: „Die versunkene Glocke“; nächstfolgenden Sonntag Nachmittag: „Der Meister von Palmyra“.

Im Berliner Theater gelangen in nächster Woche beide Theile von Björnson’s Schauspiel 2* unsere Kraft“ zur Darstellung, und zwar morgen sowie am Montag, Mittwoch, Freitag (21. Abonne⸗ ments⸗Vorstellung) und nächsten Sonntag der zweite Theil, am Donnerstag und Sonnabend der erste Theil. Am Dienstag werden „Die beiden Leonoren“ gegeben. Morgen Nachmittag wird das Lustspiel „Die strengen Herren“, nächsten Sonntag Nachmittags Schiller’'s Schauspiel „Die Räuber“ (Karl Moor Herr Rittig a. G.) aufgeführt. Am Sonnabend, 2. Februar, Nachmittags 3 Uhr, findet die erste Sondervorstellung zweiter Serie statt. Zur Darstellung gelangt: „Meister Oelze“, Volksstück in drei Aufzügen von Johannes Schlaf.

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Im Schiller⸗Theater wird morgen [Nachmittag das

Pailleron'sche Lustspiel „Die Welt, in der man sich langweilt“, morgen Abend sowie am Montag, Mittwoch und Sonnabend das v. Schönthan⸗Kadelburg'sche Lustspiel „Der Herr Senator“ gegeben. Am Dienstag wird die Posse „Die Maschinenbauer“, am Donners⸗ tag das Schauspiel „Freiwild“, Freitag das Schauspiel „Ephraim’s Breite“ wiederholt.

Im Theater des Westens geht morgen Nachmittag zu halben Preisen Weber’s Oper „Der Freischütz“ in Scene; Abends gastiert Frau Oselio Björnson zum letzten Male in der Oper „Carmen“. Am Montag gelangt „Alessandro Stradella“, am Dienstag „Der Bettelstudent“, am Mittwoch die Oper „Hoffmann's Erzäbl Donnerstag „Undine“ und am Freitag „Der Zigeunerbaron“ zur Auf⸗ führung. Als Vorstellung zu halben Preisen wird am Sonnabend Verdi's Oper „Der Troubadour“ gegeben.

Im Lessing⸗Theater wird „Flachsmann als Erzieher-..—

morgen, sowie am Montag. Mittwoch und Freitag. „Wie die Blätter“ am Dienstag, „Johannisfeuer“ am Uenmenftag Sonn 1 abend und nächsten Sonntag (mit Fran Sorma als „Marikkte) gegeben. In der morgigen Nachmittags⸗Vorstell wird Ibsens Schauspiel „Bund der Jugend“, nächsten Seonnkas La mnct „Der Sklavin“ von Fulda wiederbolt.

Im Neuen Theater bleibt auch in der kommenden Woche

Th. v. Trotha’s und Jul. Freund’s Schwank „Die Liebemprobe“ auff dem Spielplan. Dem Schwanke solgt alladendlich Henri Bersup d einaktiges Mimodrama „Die Hand. Morgen sewer am unes 8 Sonntag Nachmittag geht u dalden Kassenpreden Georg Ledels Schwank „Nackte Kunst“ in Scene. 8 Im Zentral⸗Theater dt morgen Nachmittag dei dal Preisen die Operette „Die Geisda“ in Scenc. Monges Abdend semee allen übrben Abenden Weche Nlamt die Operette „De ne von New Peork“ zur b

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