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Zur Ausgabe b en: 8 1“ a. 350 Stück Schuldverschreibungen zu je 2000 ℳ b. g8 „ — „ „ „ 1000 C. 2 2 22 2 2
88 3 1 Die Auszahlung der Zinsen geschieht halbjährlich zum 2. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres. Die Schuld⸗ erschreibungen sind seitens der Inhaber unkündbar. 8 — Oldenburg, den 13. August 1901.
Großherzoglich oldenburgisches Staats⸗Ministerium. Ruhstrat. 8
Königreich Preußen.
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: die Regierungs⸗Assessoren Dr. jur. Wunsch in Stettin, Frommann in Magdeburg und Dr. jur. Hecker in Breslau zu Regierungsräthen zu ernennen.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten.
Der bisherige Lektor der französischen Sprache Dr. Eugen zu Bonn ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Bonn ernannt worden.
Ministerium für Landwirthschaft, Domäner und Forsten.
Die Oberförsterstellen Sadlowo im Regierungsbezir Königsberg, Ludwigsb 1t im Regierungsbezirk Posen, Sege⸗ berg im Regierungsbezirk Schleswig, Wardböhmen im Regierungsbezirk Lüneburg und Dhronecken im Regierungs⸗ bezirk Trier sind voraussichtlich zum 1. Oktober 1901 ander⸗
16“ 8 ulden.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsoli⸗ dierten 3prozentigen Staats⸗Anleihe von 1891 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Oktober 1901 bis 30. Sep⸗ tember 1911 nebst Erneuerungsscheinen (Anweisungen auf die folgende Reihe) werden vom 2. September 1901 ab von der Kontrole der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94, geöffnet Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn⸗ und Festtage und der lietzten drei Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrole der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungs⸗Hauptkassen sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrole selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Rethe berechtigenden Erneuerungs⸗ scheine (Zinsschein⸗Anweisungen) mit einem Verzeichnisse zu äbergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamt Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerierte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vor⸗ zulegen. Die Marte oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrole nicht einzusenden.
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten
Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Erneuerungs⸗ scheine mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbes einigung ver⸗ sehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeich⸗ nissen sind bei den gedachten Provinzlalkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeich⸗ nenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er⸗ neuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrole der Staats⸗ papiere oder an eine der genannten Provinzialkassen mittels beso nderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 12. August 1901.
Hauptverwaltung der Staatsschulden. Zwicker.
— Evangelischer Ober⸗Kirchenrath. 1
Der in die Pfarrstelle zu Teltow berufene Konsistorial⸗
rath, Superintendent und Pfarrer Schaper, bisher in
Wotllaff, Diözese Danziger Werder, ist zum Suverintendenten der Diözese Cöln⸗Land IJ,⸗Regierungsbezirk Potsdam, bestellt worden. .
Angekommen:
Seine Excellenz der Staats⸗Minister und Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten von Podbielski, “ “ vö—
IEe“ Seine * Unter⸗Staatssekretär im Ministerium für Handel und rbe, Wirkliche Geheime Rath Loh⸗ mann, mit Urlaub; „Seine Excellenz der Unter⸗Staatssekretär im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Wirkliche Geheime Rath Sterneberg, mit Urlaub.
Preußen. Berlin, 17. August.
Seine Majestät der Kaiser und König hörten im Schlosse Wilhelmshöhe gestern Vormittag den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten von Tschirschky und Bögendorff.
In der Zeit vom 1. April 1901 bis zum Schluß des Monats Juli sind im Deutschen Reich folgende Einnahmen (einschließlich der kreditierten Beträge) an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern sowie andere Einnahmen zur Anschreibung gelangt:
Zölle 168 588 109 ℳ (gegen das Vorjahr + 6 755 509 ℳ), Tabacksteuer 3 594 446 ℳ (— 5273 ℳ), Zuckersteuer und Zuschlag 31 058 230 ℳ (— 10 161 133 ℳ), Salzsteuer 13 976 444 ℳ (— 143 853 ℳ), Maischbottichsteuer 2 003 218 ℳ 8a 241 641 ℳ), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 40 873 720 ℳ (+ 564 086 ℳ), Brennsteuer — 1309 ℳ (—. 327 021 ℳ), Brausteuer 12 014 375 ℳ (+ 278 550 ℳ), Uebergangsabgabe von Bier 1 245 645 ℳ (— 121 233 ℳ), Summe 273 352 878 ℳ (— 3 402 009 ℳ). Stempelsteuer für: a. Werthpapiere 5 018 573 ℳ (— 8 080 319 ℳ), b. Kauf⸗ und sonstige Anschaffungsgeschäfte 4 788 613 ℳ (s— 198 813 ℳ), c. Loose zu: Privatlotterien 2 127 656 ℳ (+ 489 063 ℳ), Staatslotterien 8 200 499 ℳ (+ 3 996 990 ℳ), d. Schiffsfrachturkunden 252 856 ℳ (+ 159 875 ℳ); Spielkartenstempel 383 874 ℳ (— 23 888 ℳ). Wechselstempelsteuer 4 449 061 ℳ (+ 170 067 ℳ).
Die zur Reichskasse gelangte Ist⸗Einnahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen und Verwaltungskosten, beträgt bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 152 383 756 ℳ (+ 3 549 561 ℳ), Tabacksteuer 3 527 782 ℳ (+ 36 725 ℳ), Zuckersteuer und Zuschlag 30 877 727 ℳ (— 7 639 314 ℳ), Salzsteuer 14 933 707 ℳ (— 342 337 ℳ), Maischbottichsteuer 4 253 669 ℳ (— 1 155 636 ℳ), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 39 219 899 ℳ (+ 3 502 852 ℳ), Brennsteuer — 1 308 ℳ (— 327 020 ℳ), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 11 268 323 ℳ (+ 132 421 ℳ), Summe 256 463 555 ℳ (s— 2 242 748 ℳ). — Spielkarten⸗ stempel 531 430 ℳ (
+ 493 ℳ). “
Der Präsident des Hauses der Abgeordneten von Kröcher ist nach Vinzelberg zurückgelehrelt.
8 4 8
Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Wolf“, Kommandant: Kapitänleutnant Louran, am 15. August in Loanda angekommen.
S. M. Schiffe „Irene“, Kommandant: Fregatten⸗ Kapitän Gildemeister, und „Gefion“, stellvertretender
aKommandant: Kapitänleutnant Weniger, sind am 15. August
in Aden eingetroffen.
S. M. S. „Iltis“, Kommandant: Korvetten⸗Kapitän Sthamer, ist gestern in Macao angekommen.
S. M. Flußkanonenboot „Vorwärts“, Kommandant: Oberleutnant zur See von Weise, ist am 5. August in
Itschang eingetroffen und am 10. August weitergegangen. “
“X“X““ Sachsen⸗Meiningen.
Seine Hoheit der Herzog ist mit Gemahlin am 15. August von Meiningen zu längerem Aufenthalt nach der Salett⸗Alpe am Königsee abgereist.
Hamburg.
Ihre Majestät die Königin von Großbritannien und Irland traf mit Ihren Königlichen Hoheiten der Prin⸗ zessin Victoria von Großbritannien und dem Prinzen Nicolaus von Griechenland gestern Abend in Hamburg ein und reiste mit Höchstdenselben nach einer Meldung des „W. T. B.“, heute Vormittag auf der Nacht „Osborne“ durch den Kaiser Wilhelm⸗Kanal nach Kopenhagen weiter. 4766
Deutsche Kolonien.
Der Regierungsrath Dr. Stuhlmann ist, dem „Deutschen Kolonialblatt“ efolge. nach 6 % monatiger Abwesenheit, von seiner Studienreise nach Niederländisch⸗ und Britisch⸗Indien zurückkehrend, mit dem Reichs⸗Postdampfer „König“ in Dar⸗ es⸗Saluͤm eingetroffen und hat die leitenden Geschäfte bei der Kulturabtheilung des Gouvernements von Deutsch⸗Ost⸗ afrika wieder übernommen. 1
Der Oberleutnant Förster ist am 10. Juni d. J. in Campo (Kamerun) — und hat an Stelle des er⸗ krankten Hauptmanns Engelhardt die Leitung der astronomischen Beobachtungsarbeiten der Südkamerun⸗Grenzexpedition übernommen.
Der Kaiserliche Gouverneur von Samoa hat an die Missionen des Schutzgebiets das folgende, im „Samoanischen Gouvernementsblait“ vom 15. Juni d. J. veröffentlichte Rundschreiben erlassen:
„Den Missionen des ebiets habe ich kurz nach der Fflagoenhissung im März v. J. zu erkennen gegeben, daß es das Be⸗ ireben des Geouvernements sein mässe, dem Uebelstande entgegen⸗ marbeiten, daß in einer deutschen Kolonie in den Schulen für Fin. geborene fremde europäische Sprachen der deutschen vorgezogen
würden. Mit Rücksicht auf die alige gemischt⸗nationale Verwaltung igkeit einen sofortigen
der Inseln habe ich aus inden der Wechsel in dem Lehrplan der samoanischen Schulen nicht eintreten
lassen. Nachdem den Missionen Anpassung an die bveränderten Verhältnisse ein Jahr Frist rerüig worden bestimme ich nun⸗ n vom 1. Juli d. J. ab die Unterricht in den
r b t die samoanische ist und im — r deutschen eine andere europälsche Sprache in den Leh Schulen nicht a mmen werden darf.
Von der 2 entlichung dieser Bestimmung in Form einer Verordnung und von der Feftseheee von S ’2
Ae —,1 ich — UAbstand. Ich Kens Kuaem die 2— den hfehten ErebeerLeie egeer
thun werden. een Ausl des Begriffs „Schulen für die Ein⸗ * ie Auffass dabin bekannt, EE1““]
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Maristenschule in Mulivai und der Schwesternschule für weis Mädchen chn Savalalo sämmtliche gegenwärtig in Samoa 88 haltenen Schulen unter diesen Behriff allen.
stůt Den Empfang dieses Rundschreibens bitte ich ergebenst zu be⸗ ätigen.“
Am 1. Juli d. J. ist im Schutzgebiet von Samoag
deutsche Reichsmarkwährung eingeführt worden.
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Oesterreich⸗Ungarn.
In Prag wurde vorgestern eine Sitzung des Vollzugs⸗ Ausschusses der deutsch⸗fortschrittlichen Landtags⸗ Abgeordneten abgehalten. Ein über deren Verlauf aus⸗ gegebenes Communiqus besagt, wie die „Wiener Abendpost berichtet, Folgendes: Der Vollzugs⸗Ausschuß der deutsch fortschrittlichen Landtags⸗Abgeordneten faßte, nachdem er die inner⸗ staatliche Lage und die für die Deutschen in Böhmen maßgebenden Verhältnisse einer eingehenden Erörterung unterzogen hatte einmüthig den Beschluß, daß die Partei die Bet n an der Landtagswahlbewegung ohne Rücksicht auf eine etwaige Einbuße einzelner Mandate mit allem Nachdruck fortzusetzen habe. Die Verpflichtung hierzu liege der Partei in um so höherem Grade ob, als die in jüngster Zeit von alldeutscher Seite ausgegebene Losung, das Verlangen nach administrativer Zweitheilung fallen zu lassen und durch die Germanisierung der czechischen Bevölke⸗ rungsmehrheit die Bahnen zu einem Anschlusse an das Deutsche Reich zu ebnen, sich nicht nur als praktisch undurchführbar er⸗ weise, sondern auch die Stellung des Deutschthums sowohl im Lande als auch im Reiche dringend zu gefährden geeignet sei und daher eine möglichst ausgiebige Vertretung jener durch die Fort⸗ schrittspartei stets hochgehaltenen und bisher von allen Stammesgenossen gebilligten Grundsätze doppelt nothwendig erscheinen lasse, nach welchen eine Besserung der der⸗ zeitigen Lage der Deutschen in Böhmen nur durch thunlichste Sonderung und Selbstverwaltung zu erzielen sei. Hierauf wurden die ahlaussichten für alle einzelnen deutschen Landtags⸗Wahlbezirke der Reihe nach unter Berücksichtigung der eingezogenen Erkundigungen und eingelangten Berichte geprüft und wurde festgestellt, daß dieselben durchaus nicht so ungünstig ständen, wie sie hier und da in den letzten Tagen dargestellt worden seien. Für 25 von den gegenwärtig im Be⸗ sitz der Fortschrittspartei befindlichen 41 Landtagsmandaten wurden die Kandidaten als bereits feststehend erachtet, und bezüglich anderer Wahlbezirke wurde die Fortsetzung der ein⸗ geleiteten Verhandlungen beschlossen. 1
Großbritannien und Irland.
Der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen ist, nach einer Meldung des „W. T. B.“, gestern früh in London eingetroffen. Zum Empfange waren auf der Victoria⸗Station Mitglieder der deutschen Botschaft er⸗ chienen. Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit stattete im
aufe des Tages mehrere Besuche rein privaten Charakters ab und besichtigte den Tower und die Westminsterabtei.
In der gestrigen Sitzung des Unterhauses erschienen der Redakteur und der Verleger des „Globe“, die wegen des in diesem Blatte gegen die irischen Mitglieder des Hauses er⸗ hobenen Vorwurfs der Bestechlichkeit auf Grund eines vor⸗ gestern gefaßten Beschlusses vor die Schranken des Hauses ge⸗ laden worden waren. Sie sprachen ihr Bedauern aus und thaten Abbitte für jene Bezichtigung. Auf Verlangen John Redmond’s, dem die Abbitte nicht genügte, widerriefen sie noch die Beschuldigung. Dann beschloß das Haus auf Ar⸗ trag des Chef⸗Sekretärs des Lord⸗Leutnants von Irland Gerald Balfour einstimmig, 8 die Vorgeladenen, da sie die Privilegien des Hauses verletzt hätten, vom Sprecher ver⸗ warnt werden sollten. Dies geschah, und damit war der Gegenstand erledigt. — Der Unter⸗Staatssekretär des Aus⸗ waͤrtigen Amts Cranbourne theilte darauf mit, daß, wie die Regierung vernehme, das Abkommen, welches die Gesandten in Pekin den chinesischen Bevoll⸗ mächtigten vorzuschlagen beschlossen, bestimme, daß der Zolltarif mit dem Satze von 5 Prozent nicht vor zwei Monaten nach der Unterzeichnung des Protoko 8 in Kraft treten soll, und daß Waaren, die innerhalb 10 Tagen nach dem Datum der Unterzeichnung nach China abgegangen sind, von der Zollerhöhung noch nicht betroffen werden 2 Falls dieses Abkommen zu Beschwerden Anlaß geben sollte, werde die bee Regierung erwägen, ob man nicht durch ein weiteres Abkommen solchen Beschwerden gerecht werden könnte. — Sodann legie der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton das Budget für Indien vor und führte aus, der Ueberschuß des Rechnungsjahres 1900/01 betrage 4 500 000 Pfd. Sterl., der Ueberschuß des Jahres 1901/02 werde auf 1 800 000 Pfd. Sterl. geschätzt; diese Ziffern bewiesen die Solidität der Finanzen und die Fähigkeit Indiens, sich von der Hungersnoth zu erholen, und seien auch ein Beweis für den wirthschaftlichen und materiellen Fortschritt des Landecs. Das Ziel der Politik der Regierung von Indien sei die Ver⸗ mehrung der produktiven Quellen des Landes; er hoffe, in wenigen Jahren der Ertrag der Kohlenproduktion sich ver⸗ doppeln werde. Die Regierung habe es sich auch zur Aufgabe gemacht, das Eisenbahnnetz und die Bewässerungsarbeiten so weit wie möglich zu entwickeln. — Im weiteren Verlaufe der Sitzung genehmigte das Haus die dritte Lesung der Militär⸗ bauten⸗ und der Marinebauten⸗Bill.
Frankreich. . Das „Amtsblatt“ veröffentlicht heute, wie dem „W. T. B. aus Paris gemeldet wird, die Dekrete, betreffend die geist⸗ lichen Genossenschaften. Diese Dekrete sind von einem Restript an den Praͤsidenten der Republik begleitet und von⸗ dem Minister des Unterrichts Leygues in Vertretung des wesenden Minister⸗Präsidenten und Ministers des Innern Waldeck⸗Rousseau unterzeichnet. * Zum Nachfolger des am 18. September in den Ruhestand tretenden General⸗Gouverneurs von Paris Florenti⸗ ist nach dem „Echo de Paris“ der General Duchesne au ersehen. Dieser werde bis zum 70. Lebensjahre im aktivfr Dienst bleiben können, da er die gesehüüche ingung, qher hene Feinde kommandiert zu haben, in dagaskar erft
Bulgarien.
Die „Agence Bulgare“ erklärt, wie „W. T. B.“ ens 8 0 8 — * — — 8 2 rüchte von Meinungsverschiedenhe zw „ räsidenten — und dem düha sne cen Aus new für unbegründet. Zwischen Kabinets herrsche volle Einigkeit.
Amerika. .
88 Chicago hielten gestern Nachmittag 4000 Iren eine Versammlung ab, in der, wie das „Reuter sche Bureau“ berichtet, heftige Reden für die Freiheit Irlands ehalten wurden. Michael Davitt erklärte, für jeden Dollar, er in den Vereinigten Staaten von Amerika fuͤr die irische Sache gezeichnet sei, werde Irland in der Heimath fünf geben.
Der Redner sagte ferner, er halte die Buren für unüberwind⸗
lich. In einer anderen, am Abend abgehaltenen Versammlung wurde eine Resolution gefaßt, in welcher das Vertrauen zu dem Patriotismus der Vertreter der irischen Sache in Vrland sowie Bewunderung und Theilnahme für die Buren ausgesprochen werden. O'Donovan Rossa und andere Redner befürworteten Gewaltmaßregeln zur Sicherung der Freiheit Irlands. Man sollte die bedeutendsten Städte Englands in Brand stecken, um eine günstige Gelegenheit für eine Erhebung Irlands zu schaffen d man solle seine Rechte nit den Waffen vertheidigen 1 8* “
Einer Meldung der „Times“ aus Peking vom gestrigen Tage zufolge ist, wie „W. T. B.“ aus London berichtet, das
Friedensprotokoll in der Nacht vom 15. zum 16. d. M. unterzeichnet worden. Drei Edikte seien noch zur Ver⸗ vollständigung des Protokolls erforderlich, und zwar ein Edikt über die Bestrafung der Beamten, welche in der von den Ge⸗ sandten aufgestellten Liste namhaft gemacht sind, ein zweites über die vorläufige Einstellung der Prüfungen und ein drittes, welches für zwei Jahre die Einfuhr von Waffen und Munition verbietet.
Aus Tientsin meldet der „Standard“, daß ein bir⸗ manisches Regiment bereit sei, nach Peking abzu⸗ ihen⸗ um die nach Indien zurückkehrenden Radschputs zu ersetzen.
Der General Voyron und die Offiziere des fran⸗ ösischen Expeditionskorps in China hielten sich auf der Ruckreise nach Frankreich einige Tage in Tokio auf. Sie waren dort, wie „W. T. B.“ berichtet, während dieser Zeit die Gäste der japanischen Regierung, welche ihnen zu Ehren
glänzende Empfänge und Festlichkeiten veranstaltete. Afrika.
Der marokkanische Kriegs⸗Minister, Kaid Mehedi el
Menebhi, der als außerordentlicher Botschafter nach Groß⸗ britannien und Deutschland entsandt worden war, hat, wie der „Times“ aus Tanger vom 12. d. M. berichtet wird, nominell wieder seine Amtsgewalt übernommen. Doch scheine es nicht zweifelhaft zu sein, daß er seinen früheren großen Einfluß auf den Sultan nicht mehr habe. Daß er in Ungnade falle, sei nur eine Frage der Zeit. Es würde jetzt schon der Fall gewesen sein, wenn der Sultan nicht davor zurückgeschreckt wäre, Großbritannien und Deutschland dadurch zu beleidigen, daß er ihn so bald nach seiner Rückkehr aus London und Berlin verhaftete.
Eine Depesche des britischen Ober⸗Befehlshabers in Süd⸗ Afrika Lord Kitchener aus Pretoria vom gestrigen Tage meldet, wie „W. T. B.“ aus London berichtet: Der Oberst Gorringe hat am 13. August die unter Kruitzinger stehenden Kommandos nördlich von Steijnsburg angegriffen und in Un⸗ adnung bis nahe von Ventersdorp getrieben. Die Kom⸗ nandanten Cachet und Erasmus sind gefangen ge⸗ nommen, ersterer ist tödtlich verwundet. Andere Ab⸗ cheilungen unter dem General French drängen den Feind chrittweise nach Norden. Britische Aufklärungsmann⸗ chaften von French wurden in den Bergen bei Bethesda von einer überlegenen Burenmacht unter Theron umzingelt und waren gezwungen, sich zu ergeben. Ein Mann 8 drei wurden verwundet; unter den letzteren be⸗ findet sich der Führer, Kapitän Bettelheim. Die Gefangenen wurden von den Buren wieder freigelassen.
Dem „Reuter'schen Bureau“ sind noch folgende Meldungen aus Bloemfontein vom 15. d. M. zugegangen: Der zu Jacobsdal’s Kommando gehörende Feldkornet Oosthuizen ist gefallen. — Die sü daustralischen Buschmänner hatten bei einer Farm ein Gefecht mit 50 Buren; 5 Buren fielen, 17 wurden verwundet, von denen jedoch 8 entkamen. — Am 11. August verwickelte die Kap⸗Polizei nördlich vom Modderfluß 40 Buren in ein Gefecht; die Buren ver⸗ loren 3 Todte und verschiedene Verwundete; 6 wurden ge⸗ ngen genommen. Die Engländer hatten 2 Todte und
erwundete.
Aus Durban erfährt dasselbe Bureau, das Buren⸗ Kommando des Generals Botha befinde sich in der Umgebun von Mondweni 2 Eine Streitmacht unter dem Genera Kitchener marschiere gegen ihn. Man glaube, daß der Feind durch diese Bewegung nach dem Zululand gedrängt werde.
Statistik und Volkswirthschaft.
öö Zur Arbeiterbewegung.
Der christliche Tertilarbeiter⸗Verband in Lrefeld dclof⸗ nach Mittheilung der „Rh.⸗Westf. Ztg.“, in einer vorgestern tenen Versammlung, folgende Lohnforderungen zu stellen:
stufen bis zu 18 Jahren 15 ℳ wächentlich, von 18— 21 Jahren 18 ℳ, von 21 — 24 Jahren 21,50 ℳ, von 24— 30 Jahren 24 ℳ Ferner wurde beschlossen, den nur drei Stunden arbeitenden Sammetwebern des Verbandes wöchentlich 6 ℳ, sowie den Schererinnen 5 ℳ., sofern sie unverheirathet, und
ee verheirathet oder Wittwen sind, auszuzahlen. —
stellten heute etwa 50 in einer Appreturfabrik be⸗
sc figte rbeiterinnen ihre Thätigkeit ein, weil die von ihnen
ellie Forderung einer 15 % gen Lohnerhöhung sowie der Ent⸗
ung der arbeitswilligen Sammetscherer nicht bewilligt worden wat gl. Nr. 194 d. „
In Rom lehnten, dem „W. T. B.“ zufolge, die digen serdebatmb fte teten (vergl. Nr. dü gs. Bl. ihnen der Direktion gemachten Zugeständnisse ab und beharrten im
Aus Joliet (Illincis) meldet dasselbe Bureau vom gestrigen
daß 4 8 —— 13426 2 fferg, usstand zu treten, Folge geleis
Heeders 1n Personen betroffen sind ( Nr. 194
Int rna ionaler Zoologen⸗Kongreß, Berlin 1901.
IV. A. F. Der Donnerstag⸗Vormittag war den Selktions⸗ Sitzungen gewidmet.
„In der Sektion für Allgemeine Zoologie (Plenarsaal im Reichstagsgebäude) sprach Professor Dr. L. Schenk⸗Wien uͤber das in den letzten Jahren viel erörterte Thema: „Die Methode der Geschlechtsbestim⸗ mung bei dem Menschen“. Der Redner las seinen Vortrag ab, indem er einleitend betonte, es komme ihm bei der starken Anfeindung, die er erlitten, darauf an, den Wortlaut seiner Mittheilungen zu fixieren. Die Grundlage seiner Ansichten wurde, wie er ausführte, durch That⸗ sachen geschaffen, welche er in langjährigen Beobachtungen an Thieren gesammelt habe, zuerst schon im Beginn der 1860 er Jahre an selbst gezüchteten Seidenschmetterlingen, deren Brut bei mangelhafter Er⸗ nährung immer mehr männliche, als weibliche Individuen ergab, so⸗ daß wegen Mangels an Eiern die Zucht eingehen mußte. Diese Er⸗ scheinung war dem Vortragenden lange räthselhaft, bis er in einem Buch von Gerhard Rohlfs las, daß in Afrika in von Hungersnoth heimgesuchten Gegenden bei den Geburten das männliche Geschlecht stets überwiege. Gleiche Beobachtungen würden ebendort nach Kriegen gemacht, wo wegen Mangels an Männern die Frauen härter als gewöhnlich arbeiten müssen, körperlich herunterkommen und dann überwiegend Knaben gebären. Daß in Wahrheit die Erzeugung männlicher Individuen bei nicht zu reichlicher Ernährung der Mutter erfolge, will der Vortragende dann an zahlreichen Thierversuchen und endlich auch in befreundeten Familien, beim Menschen in 39 Fällen, von denen nur zwei versagten, festgestellt haben. Seine Methode der Beeinflussung des Geschlechts des künftigen Individuums baut sich deshalb auf einer Beeinflussung des Stoffwechsels bei der Mutter auf. Die theoretische Frage, ob jedes Ei im Ovarium schon auf ein bestimmtes Geschlecht veranlagt sei oder nicht, bleibt dabei ganz aus dem Spiele. Im ersteren Falle wäre anzunehmen, daß bei geeigneter Ernährung der Mutter nur männliche Eichen der Befruchtung zugäng⸗ lich seien, im anderen, daß Befruchtung gegebenen Falls nur im männ⸗ lichen Sinne erfolgen könne. Wichtig ist, wie immer man die Frage ansieht, die Forderung, die Ernährung der Frau durch Minderzufuhr eiweißhaltiger Substanzen schon zwei bis drei Monate vor der Konzeption zu beeinflussen und sie bis in die ersten zwei Monate der Schwangerschaft fortzusetzen. Das Verfahren stellt daher eine Art von Abmagerungs⸗, nicht Entfettungs⸗Kur dar.
ur Förderung des Eiweißzerfalles im Körper können auch therapeutische Mittel, wie Schilddrüsen⸗Extrakt, dienen. Eine Beantwortung der Frage, ob eine Einflußnahme auch auf die Bildung weiblicher Individuen möglich sei, lehnt Professor Schenk vor der Hand ab. Der Vortrag schloß mit Mittheilungen über eine große Reihe von Versuchen an Thieren und Menschen, die bei den zuhörenden Fachgenossen lebhaftes Interesse erweckten. — In der sich anschließenden, sehr angeregten Diskussion wurden schwerwiegende Einwände gegen die Ansicht Schenk's erhoben und namentlich an der Fortsetzung jener Abmagerungs⸗ kur in den ersten zwei Monaten der Schwangerschaft scharfe Kritik geüht. Alle angeblichen Erfahrungen über das Geheimniß der Be⸗ fruchtung, z. B. daß die größere physische Tüchtigkeit der Mutter im Vergleich zum Vater der Geburt von Knaben zu Statten komme und umgekehrt, daß bedeutende Altersunterschiede zwischen den Ehe⸗ gatten der Erzeugung von Mädchen förderlich seien und dergleichen, seien unhaltbar vor der wissenschaftlichen Prüfung und würden durch die überwiegende Zahl der Ausnahmen erdrückt. So werde es auch der Schenk'schen Theorie ergehen. Dagegen bleibe richtig, was Darwin über diese Frage gesagt hat: daß sich auf unbekannten Wegen die Natur in großem Umfange selbst helfe, um das Gleichmaß wieder herzu⸗ stellen, wenn aus irgend einem Grunde das Verhältniß zwischen männlichen und weiblichen Geburten gestört sei. Die mangelhafte Ernährung der Mütter, welche vom Vortragenden zu einem System erhoben werde, F. ein höchst gefährliches Experiment und werde, wenn sie je Aussicht hätte, in größerem Umfange ausgeführt zu werden, in noch höherem Verhältniß nexvenkranke Frauen ergeben, als sie jetzt schon vorhanden seien. Dem Nutzen, den im Fall seiner Richtigkeit Professor Schenk’s System in Fragen der Thronfolge oder für Majorate haben könnte, stehe eine furchtbare Gefahr gegenüber bei Einführung der Theorie in die Praxis. Professor Schenk verwahrte sich diesen letzteren Bemerkungen gegenüber zwar da⸗ gegen, daß die Wissenschaft bei Ergründung der Wahrheit vor etwaigen unliebsamen, sozialen Folgen Halt zu machen habe; aber einer seiner Gegner antwortete ihm mit der Frage, ob die Wissenschaft wohl ein Recht zu so gewagten Experimenten an Menschen habe. Professor Schenk möge erst an Thieren, wie Hunden und Affen, seine Ermitte⸗ lungen auf eine andere Basis stellen als die jetzige, durchaus unge⸗ nügende. — Zu einer Spezialdiskussion führte noch die aufgeworfene
rage, ob an der Raupe das künftige Geschlecht des ausgebildeten
nsekts erkennbar sei. Durch Professor Eckstein⸗Eberswalde und Dr. Staudinger wurde die Frage für eine große Anzahl von Raupen bejaht.
Ein verwandtes Thema behandelte der nächste Redner, Herr Wedekind⸗Berlin, der über Parthenogenese (Jungfernzeugung) eine bei Krebsen und Insekten häufig beobachtete Entwickelung des Eies ohne vorhergehende Befruchtung, sprach. Zwar wird das Fak⸗ tum neuerdings überhaupt bezweifelt und angenommen, daß, wo sich Befruchtung nicht nachweisen lasse, sie doch in Form eines sekundären, aus der geschlechtlichen Fortpflanzung ver⸗ bliebenen Anreizes vorhanden sei. Der Vortragende sieht in dieser Annahme nur eine un bare Vermuthung und hält die Partheno⸗ genese für die ursprüngliche Zeugungsform, von der Anschauung aus⸗ gehend, daß die Geschlechtsstoffe schon im Ei vorhanden seien. In den Urzeiten, als die niederen Thiere entstanden seien, habe die Erde beim Ueberwiegen ihrer eigenen Wärme gegen die Einstrahlung von der Sonne nur den Sommer gekannt, und Parthenogenese finde außerhalb des Sommers überhaupt nicht statt. Für diese Ansicht spreche auch, daß die im Wege dieser Feucung en uden Thiere bei den niedrigsten Thierklassen ausschlieftich das Geschlecht der Mutter hätten, während erst bei Ameisen. Wespen, Fliegen beide Geschlechter vorkämen, also eine aufsteigende Entwickelung erkennbar sei. — „Ueber die Höhe des Vogelzuges auf Grund aöëronautischer Beob⸗ achtungen“ sprach sodann der Leutnant im 2. Garde⸗Ulanen⸗Regiment
von Lucanus. Der Redner hat sich der dankenswerthen ufgabe un en, die deutschen Lufschiffer⸗Vereine und asronautischen nstitute zur Beobachtung des Vogelfluges bei ihren Ballonfahrten aufzufordern. Er fand bereitwilliges Ent⸗ kommen und hat im weiteren eine Anleitung zur Beobachtung mit beigefügtem Fragebogen ausgearbeitet und die betreffenden Köͤrper⸗ schaften geneigt gefunden, die letzteren von Fall zu Fall auszufüllen. Um für diese Untersuchungen Feisernzaße eine historische Basis zu t der Vortragende ferner bei namhaften Luftschiffern Um⸗ ts vorhandenen Erfahrungen und Beobachtungen gehalten und folgende interessante Thatsachen gesammelt: Professor Hergesell⸗ Straßburg sah bei? m Erhebung — Adler unterhalb des Ballons und nete bei einer zweiten Fahrt in geringerer Höhe zwei Stö und einem Bussard. — Hauptmann eer sah bei 1900 m eine Lerche, Dr. Süring bei 1400 m einen Zug Krähen oder Raben. en vienan Vove aad er indessen stets in der relativ nied Höbe bis zu m einer Fahrt im Februar wurden vier Grünfinken mitgenommen, um sie in verschierdenen Höhen lücgen zu lassen. Der erste bei 800 m eessctzte Vogel - nell hinab, der zweite, bei 1000 m auf den Korbrand gesetzt, umkreiste den Vallon mehrfach und ging dann im Zichnaffflufe zur Erde. Zwei bei 900 und 1100 m Vögel benahmen sich wie der erste. Vier Wochen später zwei Bluthänflinge und eine Heidelerche mit genommen und die erstere bei 1200 m, die ketztere bei 3000 m fl gelassen. Da sich der Ballon in allen Fällen über dicken Wolken befand, umkreisten 1.3—-2, eine Zeit lan wobei der erste eine kurze Strecke weit Ee iud flog, bis durch eine Lücke in den Wolken die schossen. Ebenso that die Lerche. E0 gebt daraus
“
Aö or, daß Kolossvar, Bütsch
oberhalb einer Wolkendecke die Vögel hilflos sind und
zu ihrer Orientierung des Ueberblicks über die Erde be⸗ dürfen. Ganz ähnliche Beobachtungen hat der Hauptmann von Sigsfeld an dem Verhalten der Brieftauben gemacht, welche in Nebel und unsichtigem Wetter ganz unsicher sind und das ihnen nach⸗ gerühmte Ahnungsvermögen nicht besitzen, sondern sich an der Gestalt der Erdoberfläche orientieren. Die beste Fernsicht besitzen sie, wie auch die Luftschiffer, bei 1000 m, wo die Gegenstände auf der Erde noch deutlich erkennbar sind; deshalb gehen sie auch nicht über 1000 m hinaus. Bei 1600 m ließ Hauptmann von Sigsfeld vier Brieftauben fliegen. Sie waren vom Ballonrande nur mit Gewalt zu vertreiben und ließen sich dann mehrere hundert Meter herabfallen, ehe sie die Flügel entfalteten. Wahrscheinlich war bei 1600 m die Luft schon zu dünn, um den Tauben das Fliegen zu gestatten. Der Vortragende schließt aus allen diesen Mittheilungen, daß sich mit geringen Aus⸗ nahmen der Vogelflug nicht über 800 — 1000 m erhebt, daß aber noch weitere Beobachtungen nöthig sind, um über die Einflüsse der Tem⸗ peraturverhältnisse und manches Andere klar zu sehen, so auch über die Ge⸗ wohnheit vieler Vögel, ihre Züge nur in der Nacht zu machen. — In der sich anknüpfenden Debatte empfahl der Professor 1) r. Blasius, als Versuchsthiere so ausgezeichnete Flieger wie die Schwalben mit⸗ zunehmen, und schlug eine Resolution im Sinne der Bestrebungen des Leutnants von Lucanus vor, wonach der V. Internationale Zoologen⸗ Kongreß diese Untersuchungen für sehr werthvoll erachtet und sie ein⸗ schließlich des Fluges von Insektenschwärmen den Luftschiffern und der Helgolander biologischen Anstalt, der letzteren namentlich um die Zugzeit, anzustellen empfiehlt. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Auch wurde ein Wunsch geäußert, die Luftschiffer möchten Versuche darüber anstellen, bei welcher Luftwärme die Vögel über⸗ haupt noch fliegen können.
Aus den sehr vortragsreichen Sitzungen der anderen Sektionen sind folgende Mittheilungen von allgemeinerem Interesse: Herr Blaauw⸗Haag sprach über die Zucht der Eiderente. — Herr Ijima⸗Tokio schilderte ein in Japan ausgebildetes System von Grundangeln zum Fang von Grundthieren der japanischen Meere, die an echten Tiefseethieren sehr reich sind. — Aus einem Vortrage des Königlichen Forstmeisters a. D. A. Rörig⸗ Frankfurt a. M. über Hirschgeweihe ging hervor, daß die Vorfahren unserer Hirsche geweihlos waren, wie die neugeborenen Hirschkälber es noch heute sind. Ihnen dienten im Sexualkampf die starken Ober⸗ kiefer⸗Eckzähne. Eine neue Kampfmethode erzeugte Stirnbeinfortsätze und unmittelbar folgend das Geweih. Dieser Vorgang spielte sich in der jüngeren Tertiärzeit ab.
Die dritte allgemeine Sitzung fand am Donnerstag, Nach⸗ mittags um 2 Uhr, im I. Chemischen Institut statt. Der Geheime Regierungsrath, Professor Dr. Möbius eröffnete die Sitzung mit der Verlesung mehrerer, von den Sektionen angenommener Resolutionen, die einmüthig vom Kongreß gutgeheißen wurden. Den Vorsitz übernahm darauf Professor Seage. pars. als Vize⸗Präsidenten fungierten die Herren Antipa⸗Bukarest, Blanc⸗Lausanne, Ehlers⸗ Göttingen, Jjima⸗Tokio, Mac Murrich aus Ann Arbor (Michigan), Pelseneer⸗Gent und Stirling⸗Adelaide. Den ersten Vortrag hielt Pro⸗ fessor E. Poulton⸗Orford über „Mimiery und natürliche Auswahl“. Die vorgeführten ausgezeichneten Lichtbilder gaben eine höchst anschau⸗ liche Vorstellung von den Aenderungen, welche die Schmetterlinge einer und derselben Gattung erfahren haben, um sie mit solchen Schutzfarben zu versehen, die sie in der besonderen Umgebung und gegen besondere Feinde unsichtbar machen. Be⸗ kanntlich wird diese Erscheinung dadurch erklärt, daß sich nur die so geschützten Individuen im Kampf ums Dasein zu behaupten wußten. Ist die Erklärung zutreffend, dann hat die Natur, nach diesen Serien von Bildern zu schließen, eine höchst eingehende un liebevolle Auswahl zur Erhaltung der besonderen Arten getroffen. Ein eindrucksvolles Pendant dazu gab eine Tafel mit Schmetterlingen, die in ihrem glänzenden Farbenschmuck der Vortheile dieser Ver⸗ mummung nicht theilhaftig sind und sich deshalb in zerfetztem Flügel⸗ gewande zeigten. — Zweiter Vortragender war Professor W. Patten aus Hannover in den Vereinigten Staaten, der über den Ursprung der Wirbelthiere sprach. Der Redner suchte durch einen Vergleich im Einzelnen zwischen den festen Theilen einer Anzahl von Gliederthieren mit solchen der Wirbelthiere den Uebergang von der einen zu der anderen Gruppe von Thieren zu erläutern. Die betreffenden Bilder waren vortrefflich gewählt und manchmal frappan 4 in den Aehnlichkeiten zwischen den in Vergleich gestellten Thieren. — Sodann gab Professor Dr. N. von Zograf aus Moskau eine durch gute Photographie veranschaulichte Darstellung der hydrobiologischen Forschungen und der vier biologischen Stationen Rußlands. In der Diskussion nahm der Geheime Regierungsrath, Professor Dr. Möbius das Wort, um auf den hohen Werth gerade dieser Forschungen hinzuweisen und eine Resolution zu empsfehlen die der russischen Regierung die gründliche Fortsetzung dieser Unter⸗ suchungen im Interesse der Wissenschaft empfiehlt. Die Resolution fand einstimmige Annahme. — Professor Dr. A. Pizon⸗ Paris gab eine von interessanten Bildern begleitete Darstellung seiner Methode zur Erforschung und Begleitung der Lebensvorgänge gewisser, nur in Kolonien zusammenwohnender Meerthiere, der Bo⸗ trwylliden, Distaglien und Diplosomen. Die Methode besteht in der Züchtung solcher Thiere auf gläsernen Platten oder in Gläsern und in deren alle 3 oder 4 Tage erfolgender Pbetograpbiernß. Diese Methode hat eine Kolonie von Botrylliden vom 1. Februar bis zum 8. Mai begleitet, in welcher Zeit 8 Generationen auf⸗ einanderfolgten und die Zahl der dividuen sich von 12 auf 182 vermehrte. Darch die —, dieser Bilder bekommt man eine deutliche Vorstellung von dem Leben dieser merk⸗ würdigen Thiere, ihrem Entstehen und Vergehen. — Alsdann führte Herr C. G. Schillings⸗Düren, der bekannte Sportsmann und Jäger auf den Gefilden von Deutsch⸗Ostafrika, seine den Berlinern schon mehrfach gezeigten, prächtigen Reise⸗- und Jagd⸗ bilder vor. — Endlich sprach der vor kurzem erst aus Zentral⸗Afrika heimgekehrte Dr. O. Neumann über das Thema: „Einige Ergebnisse meiner Reise vom Rothen Meer zum Weißen Iag⸗ Die ausführliche 1 der mit dem Freiherrn von Erlanger unternommenen Reise steht im Herbst in der Gesellschaft für Erdkunde bevor. Seiner aus
oologen bestehenden Zuhödrerschaft entrollte der Vortragende deshalb nur ein farbenfrisches Bild der Fauna jener zum Theil noch von keinem Weißen betreten enen Gegenden. Von allgemeinem iuteresse war die Vemerkung, daß die Meinung, als ob die Wasser⸗ cheiden auch für die Fauna eine Grenze bilden, nur sehr bedingt richtig sei. ie Regel bilde ein ganz allmählicher, nur mit großer Aufmerksamkeit bemerklicher Uebergang der Arten. Nur für einzelne Arten seien Gebirge, selbst breite Flußthäler in Wahrbeit Grenz⸗ scheiden. Die Sammlungen, welche angelegt werden konnten, gehören zu den umfangreichsten, die wohl je aus dem Prer. Afrita nach Europa gekommen sind. Sie enthalten allein 20 Insekten und von manchen Thiergattungen bis 40 Exemplare, da die Sammler von der Absicht aus gen sear, ein großes Vergleichsmaterial zusammen⸗ zubringen. Die Sammlungen sind noch nicht eingetroffen. Es wird aber gehofft, daß sie unpersehrt anlangen werden, nachdem sie im Innern A beinahe in Verlust gerathen wären, weil die Last⸗ thiere ansteckenden Krankheiten erlagen. Wäre nicht im Augenbllick der höchsten Noth gangz 442 Slatin Pascha auf einem Dampfer angelangt, so hätten die mlungen zurückgelassen werden müssen.
Die vierte und letzte allgemeine Sitzung begann am Fheltse Morgen um 8 ½ Uhr. Der Gebheime nn ath, Pro⸗
or Dr. Möbtus croöffnete dieselhe mit geschäftlichen Mittheilungen, deren wichtigste die Empfeblung der alsbald einstimmig gewährten An⸗ nahme der sorgfältig erwogenen Veorschläge war, welche die während der letzten Tage am ene Kommission für Terminologie entworsen batte. Die t sehr h klar und hestimmt gefaßten Vorschlage waren in t Aller Händen. — Das Präsidium übernahm dann Blanchard⸗Paris. Vize⸗Präsidenten waren die
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