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Graf Waldersee (Schleswig.) Nr. 9, unter Belassung in dem Kom⸗ mando zum kombinierten Jägerregt. zu Pferde, Bruhn, Bureau⸗ diätar 8 der Intend. des XVIII. Armeekorps, zu der der 21. Div., — versetzt. 29. Juni. Wodarg, Oberveterinär der Gardelandw. 1. Auf⸗ gebots (Rawitsch), der Aeschied bewilligt.
Abgereist: Seine Exzellenz der Staats⸗ und Justizminister Dr. Sch ön⸗ stedt, mit Urlaub nach Tirol. Angekommen:
Seeine Erzellenz der Königliche Staatsminister und Minister des Innern Freiherr von Hammerstein, aus der Provinz
Nichtamtliches.
—8
Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 12. Juli.
Der Bevollmächtigte zum Bundesrat, Königlich bayerische Ministerialdirektor Ritter von Geiger ist von Berlin ab⸗
gereist. 8 P.
Laut Meldung des „W. . UB. ist S. M. Fltis am 9. Juli auf Takureede eingetroffen. 8 S. M. S. „Luchs“ ist am 10. Juli in Wusung ein⸗ getroffen und geht heute nach Tsingtau in See,
S. M. S. „Jaguar“ ist gestern in Wusung eingetroffen
ind geht am 14. Juli nach Nanking in See.
S. M. S. „Falke“ geht morgen von Port of Spain nach Marasithao (S. Luiz) in See.
Das erste Geschwader ist am 10. Juli in Plymouth eingetroffen und geht morgen von dort wieder in See.
S. M. S. „Zieten“ ist am 22. Juni in Reykjawik (Jsland) eingetroffken und am 30. Juni wieder in See ge⸗ gangen.
S. M. S. „Hohenzollern“, S. M. S. „Hamburg“ und S. M. Tpdbt. „Sleipner“ sind am 8. Juli in Christiansand eingetroffen und am 9. Juli nach Bergen ge⸗
Bayern.
Die Kammer der Abgeordneten begann heute die vorläufige Beratung des Antrags Hammerschmidt (liberal) auf Einführung des direkten Landtagswahlrechts unter Zugrundelegung des Proportionalwahlsystems sowie des Antrags Andreae (liberal, der die Staatsregierung ersucht, die endgültige Beratung des Antrags Hammerschmidt noch im Laufe der jetzigen Landtagssession zu ermöglichen. Der Präsident von Orterer erklärte, wie „W. (C aahheebe-e unter Beobachtung der für diese Anträge geltenden Verfassungs⸗ bestimmungen doch eine Debatte im weitesten Umfange zulassen werde. Der Abg. Hammerschmidt begründete darauf seinen Antrag und be⸗ tonte, daß die Proportionalwahl schon seit 1869 wiederholt in der Kammer empfohlen, und daß 1897 auch ein Mehrheitsbeschluß der Kammer der Abgeordneten zu Gunsten dieses Systems gefaßt worden sei. Der Redner schilderte das System als das gerechteste und legte die Einzelheiten der von ihm in der Form eines vollständigen Gesetz⸗ entwurfs beantragten Verhältniswahl dar, die sich durchwegs den in der Schweiz und in Belgien bewährten Grundsätzen anschlössen. Der Abg. Hammerschmidt begründete sodann auch den Antrag Andreae. x (Zentr.) machte gegen die endgültige Beratung des Antrags
ammerschmidt verfassungsrechtliche Bedenken geltend. Die Verfassung bestimme, daß Gegenstände, über die beide Häuser des Land⸗ tags sich nicht einigten, in derselben Sitzungsperiode nicht wieder verhandelt werden dürfen. Eine endgültige Beratung des Antrags Hammerschmidt se veber 88 a .b bei der Beratung des ngst abgelehnten Wahlgesetzes auch über das Proportio hl⸗ system verhandelt worden sei. p v Dadoenu. b
IJnvn der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte, wie „W. T. B.“ meldet, der Staatsminister von Brauer über die Fraghe der Verfassungsrevision, die Regierung sei mit den letzten eschlüssen der Verfassungskommission einverstanden. Die Beschlüsse wurden darauf mit 48 gegen 14 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Freisinnigen angenommen. Die letzte Entscheidung hängt von dem Votum der Ersten Kammer ab. a die noch vor⸗ handenen strittigen Punkte, wie Staatsminister von Brauer ausführte,
von geringer Bedeutung sind, hofft man auf da Be erhansse par⸗ , hoff f das Zustandekommen der
1 Sachsen⸗Altenburg.
Seine Hoheit der Herzog Ernst von Sachsen⸗Alten⸗ burg hat sich zum Gebrauch einer vierwöchigen Badekur nach Gastein begeben. 11XA“
“ 8 8 “
“ . Der Senat hat, „W. T. B.“ zufolge, gestern für den Rest des Jahres 1904 und für das Jahe 1905 den fünr den meister Dr. Mönckeberg zum Ersten und den Senator Dr. Burchard zum Zweiten Bürgermeister gewählt. “
Deutsche Kolonien.
Aus dem Hauptquartier des Generalleutnants von Trotha ist gestern, „W. T. B.“ zufolge, die telegraphische Meldung eingetroffen, daß der Gefreite Otto Hoffmann aus Läßwitz, Kreis Liegnitz, am 8. Juli im Lazarett Okahandja an Darmtyphus verstorben ist.
Ueber die Ergebnisse einer Expedition in die gesunden Hochländer an und hinter dem he “ Fr.S. 88 Regierungsarzt Dr. Ziemann,
as „Deutsche Kolonialblatt“ mitteilt, kurz zu digendaen z zusammenfassend
I. Allgemeines. Es gelang, einen Vorstoß in 1 bekannte Plateau hinter dem 11“ 88 diese Weise auf dem kürzesten Wege das Grasland zu erreichen welches bei einer durchschnittlichen Höhe von 1200 — 1500 m völlig malariafrei und für jeden Europäer be⸗ wohnbar ist. Bei Benutzung des zweitägigen Wasser⸗ weges von Duala bis Nyanga 6 das Grasland in weiteren 2 ½ Tagen Fußmarsch bequem zu erreichen. Der Zugang zur Station Fontem dürfte durch diese Route um mindestens 2 ½ Tage abgekürzt werden, noch mehr der Zugang zum eigentlichen Adamaua; der Zugang zu dem wichtigen Bamum höchstwahrscheinlich um etwa
*) Der ausführliche Bericht erscheint im nächsten Heft der „Mit⸗
fünf Tage. Bei einem event. Eisenbahnbau von Jabassi nach Bamum wären sieben Tage Urwald zu passieren. Dagegen ist der Aufstieg zum Plateau auf der Route Nyanga- Ninong ein überraschend allmählicher, auch der Abstieg nach dem Mungo⸗ bezw. Kidetal mit einer Ausnahme bei Ngambo ein allmäͤhlicher Die Wege, trotzdem noch gar keine Kunststraße angelegt ist, sind me sehr gute. Der Boden von einer erstaunlichen Fruchtbarkeit, tiefgründig, fast ganz ohne Steine, kurz, durchschnittlich dem des Kamerungehirges weit überlegen, da die Verwitterung der Lavasteine viel weiter vorgeschritten. Die volkreichen Stämme des hochgelegenen Hinterlandes, zum Teil durch Mangel an guten Verkehrsmitteln mit der Küste und durch Feindseligkeit abgeschlossen, könnten in bessere Verbindung zur Küste gebracht werden. Sie brauchten, was sere wesentlich ist, nur wenige Tage, um das ihnen Malaria bringende, tiefgelegene Land zu passieren, bei Benutzung der viel tiefer gelegenen, viel längeren, malariaverseuchten Balistraße das Doppelte und Drei⸗ fache an Zeit. Die meisten Teile des durchreisten Gebiets von Nyanga bis Ninong (event. auch Elong usw.) dürften sich für Einführung von Singeboren. wie Erdnüsse, Baumwolle, zum Teil vor⸗ trefflich eignen. Die Anlage einer Station in Ninong, der auch das Gebiet von Nyanga unterstände, ist dringend zu empfehlen, um mög⸗ lichst 111-. die Verbindung zwischen Fontem, Bamenda und Bakossi herzustellen, da zum Viehtransport usw: aus dem Innern meine Route die beste sein dürfte. Hier müßte auch Chinin an die Ge⸗ birgssöhne abgegeben werden können, welche in die Malarialänder der Küste gehen wollen.
II. Spezielles. A. Bezüglich der Bevölkerung. Die Bevölkerung der Urwaldgegend ist, wie im ganzen westafrikanischen Urwald, zum Teil zu dünn und zu unkultiviert, um die oft ko⸗ lossalen Reichtümer an Oel und Kernen im Urwalde richtig ausnutzen zu können. Die Gründe liegen zum Teil in der Natur des Landes, anderseits in äußeren, sehr wohl der Beseitigung fähigen Gründen. Wir müssen alles tun, um die Bevpölkerung zu vermehren; nur dadurch kann die Kauf⸗ und Konsumtionskraft des Landes gesteigert werden. Diese Forderung kann nicht oft und intensiv genug an jedes Bezirksamt und jede Station gerichtet werden. Was nützen uns Hunderttausende der herrlichsten Oelpalmen, wenn die Früchte nutzlos vermodern.
Gründe für den Bevölkerungsmangel: a. Natur des Landes (dichter Urwald). Der Urwald hemmt rein w die Ausbreitung der Bevölkerung, welche mit ihren primitiven Werkzeugen nur schwer die Urwaldbäume bezwingen kann. b. Krankheiten der Eingeborenen: Malaria, Pocken, Dysenterie, Lepra usw. Durch Aus⸗ rottung von Sümpfen, Freischlagen der Vegetation in den Dörfern, immer wiederholte Belehrung der Eingeborenen über Wesen und Bekämpfung der Malaria läßt sich, wie in Duala sich zeigt, Außerordentliches erreichen. Schaffung gefaßter Brunnen oder Quellen, um Verunreinigungen des Wassers zu verhüten, am besten allgemeine Wasserleitung, ist nötig. Massen⸗ impfungen im Hinterlande müssen den Pocken begegnen, und habe ich sämtliche Missionen dafür interessiert. Lanzetten und Lymphe werden übersandt, damit dann später von Arm zu Arm geimpft werden kann. Diese Massenimpfungen sind in viel größerem Maßstabe als hisher durchzuführen. In Duala sind bis jetzt in einem halben Jahre bereits etwa 20 000 Neger von mir geimpft. Regelung der Bestattung außerhalb der Dörfer. Regelung des Straßennetzes, Entfernen der unnützen Vegetation aus den Ort⸗ schaften. Mit der Anlegung von Geburts⸗ und Sterbelisten müßte an Henk der Steuerlisten möglichst umgehend begonnen werden in Duala, Viktoria, Kribi. Der Kampf gegen die Lepra ist bereits jetzt eröffnet. Die Frage des Alkoholismus hat durch⸗ aus nicht die große Bedeutung, die ihr von einigen Seiten beigemessen wird, da besonders im „Busch“ der importierte Alkohol durch die Händler immer mehr verdünnt wird. Außerdem könnten an allen größeren Plätzen, wie in Busa und Duala auf meine An⸗ regung bereits geschehen, Sodawasser und Limonaden künstlich erzeugt werden; der Neger trinkt Limonade sehr gern. c. Mißbräuche bei Eheschließungen und Inzucht. Aberglaube, daß nie natürlicher Tod möglich. Heiraten oft mit sechs bis sieben Jahren (Bakundus). Künstliche Aborte in Bakossi und Ninong sind abzustellen durch Belehrung und schärfste Strafen. Ständiges Vor⸗ gehen gegen die ausschließliche Frauenarbeit. Hinweise auf die zahlreichen Togoneger, wo die Frauen die leichtere Arbeit verrichten. d. Mißstände bei der Ernährung der Kinder. Einführung der Suppenernährung für Kinder: Kassada⸗, und Maissuppe, nachdem die Entwöhnung von der
kutterbrust stattgefunden, während jetzt der kindliche Magen mit großen Mengen fester Kassada vollgestopft wird, bezw. mit Bananen oder Pisang, welche leicht Verstopfung herbeiführen. Bei den Bakossis systematisches literweises Einpumpen von Wasser in den Magen der kleinen Kinder, um ihn „stark“ zu machen. Weitergehend Einführung neuer Kulturen und Früchte, wo solche noch nicht vorhanden. Z. B. systematische weitere Einführung der europäi⸗ schen Kartoffel im Graslande, wo dieses möglich, Einführung der Erd⸗ nuß und Baumwolle als Eingeborenenkultur. An vielen Orten fehlen noch Papayas, Mangos, Ananas, Orangen usw. In Orten, wo, wie z. B. in Bombe am Mungo, die Buschneger trotz fruchtbarster Gegend Heenger leiden wegen Faulheit bei Anlage von Kulturen, könnten dieselben gezwungen werden, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Planten, Oelpalmen usw. neu zu pflanzen, was zur Hebung der Steuer⸗ bert beiträgt. Die von mir in Suellaba eingeführte venezuelanische Busch⸗ bohne dürfte ebenfalls wegen ihrer außerordentlichen Bedürfnislosigkeit — 69 wächst wie Unkraut — eine Zukunft haben. Weiterführung des
orschlages, die Heerstraßen mit Planten, Ananas und Papayas, die sich selbst weiter vermehren, zu bepflanzen, um die Eingeborenen bei der Verpflegung durchziehender Soldaten usw. zu entlasten. Vgl. Bericht über systematisches Sammeln aller den einzelnen Stämmen bekannten Vegetabilien und Früchte. e. Weitere Beaufsichtigung der Arbeiteranwerbungen durch die Stationen, damit nicht dünn be⸗ völkerten Landstrichen arbeitsfähige Männer entzogen werden. Vor allem keine Gebirgsneger in die Niederungen senden als Arbeiter wegen der Malariagefahr. f. Uebergriffe gegen friedliche Eingeborene, durch gelegentliche Wegelagerei, Verbannung der Duala aus dem ganzen Lande von Nyanga bis Bakossi und dem linken Mungoufer, wo die⸗ selben eine direkte Landplage für die Buschneger sind. Ferner syste⸗ matische allmähliche Besektigung des Prinzips der Missionen, die Dualasprache immer mehr im Innern einzuführen, was den Einfluß dieses verkommenen, ausschließlichen Handelsvolkes nur stärken hilft. Verbot, einzelne farbige Soldaten in Uniform durch friedliches Ge⸗ biet ziehen zu lassen. Strengste Gerechtigkeit beim Ausheben von Trägerkolonnen. B. Ergebnisse bezüglich Viehhaltung und Viehkrank⸗ heiten. Die große Vieharmut des westafrikanischen Urwaldes wird bedingt 1) durch die Natur des Landes, Urwald, welcher keine genügende Weide gibt; 2) durch die dünne Bevölkerung. Mittel gegen die Entvölkerung werden auch zum Teil gegen die Tierarmut helfen 3) durch Raubtiere. Leoparden sind in den meisten Gegenden, wie Nyanga, Bakosst und Mungo eine große Landplage, der auch piele Rinder zum Opfer fallen. Der . ist sehr gering. Ich empfehle dringend, in jedem Bezirk eine Raubtierfalle zur Verfügung zu stellen, welche bei den periodischen Häuptlingsversammlungen den Häuptlingen gezeigt wird. Der starke Nachahmungssinn der Neger wird ganz vortreffliche Fallen zutage fördern, wie ich selber in Old Calabar sah. Schießprämien für jeden Leoparden zu zahlen in Geld oder Geldeswert. In Suellaba wurden durch einen einzigen Leoparden in acht Tagen 16 Schafe getötet; 4) durch das sinnlose, Massenmorden von Tieren bei Totenfeiern bei den Bakwiri und Bakossi. Diese kaufen für die Totenfeiern zu ganz wahnsinnigen Preisen überall die Tiere auf. Die Duala z. B. bringen neuerdings viel Vieh nach Tiko für die Bakwiri. Hier müßten strenge Strafen auf diese Tieropfer gesetzt werden; 5) durch die sinn⸗ lose Art des Weideganges bei den Bakossi, indem das Vieh auch in der Regenzeit ohne Unterstände im Freien bleibt,
teilungen von Forschungsreisenden aus den deutschen Schutzgebieten“.
wodurch über 50 % der jungen Zucht eingeht. Durch Be⸗
einer Aenderung hierin gebracht werden. Allmähliche Einführun von Gemeindehirten 1“ von viehkundigen hansech — empfehlenswert ist auch, durch eindringliche Belehrung die Einführung von Salzkrippen für das Vieh bei den Eingeborenen zu erwirken; 6) durch Viehkrankheiten. Diese Tierkrankheiten sind: a. Räude, Klauenkrankheit des Kleinviehs, Nasenkrankheit der Pferde und Maultiere, welch letztere ich bis jetzt nur im Kamerungebirge fand, eine Art Frambösia der Rinder, bis jetzt nur einmal gesehen. Von diesen Krankheiten kommen die beiden erstgenannten scheinbar äußerst verbreitet im ganzen Urwaldgebiet bis an die Graslandzone hinauf vor und sind, wenn rechtzeitig behandelt, nicht zu fürchten. Betreffs der Räude nd rhebungen über ein angeblich äußerst wirksames flanzenheilmittel der Eingeborenen in Lolodorf eingeleitet. Auch oft wiederholte Waschungen mit 5 % Lysollösung sind sehr wirksam. Die beste Prophylaxe gegen die Klauen⸗ krankheit sind absolut trockene Ställe, die das Abfließen der Jauche gestatten. Die Bakossi haben daher für Kleinvieh erhöhte Ställe. — b. Tiermalaria: a. bei Schafen und Ziegen, hauptsächlich bei den Lämmern, bis ins Grasland hinein vorkommend, indes ohne erhebliche
eeh. Negs wird. 8 8 in der Ebene vorkommend, unter Krämpfen und Lähmungen öfter zum Tode führend, namentlich bei Katzen. Insbesondere sind bei 8- Katzen die Blutparasiten denen der menschlichen tropischen Malaria zum Teil sehr ähnlich. Die Malaria der Rinder, Schweine, Esel, Maultiere und Pferde, bis ins Grasland hinein verbreitet. Malaria der einheimischen Rinder relativ sehr ungefährlich, da die Tiere meist in der Jugend bereits hochgradige Immunität erlangen. Es kommt bei dem hier einheimischen Vieh auch nie zum Blutharnen, wie ich es in Deutschland und Italien gesehen, in Venezuela bei dem Texasfieber der Rinder, dort Lomadera genannt. Der Import jungen europäischen Rindviehs kann in tsetsefreier Gegend unbedenklich erfolgen bei Befolgung der von mir als erstem in Deutschland bereits geübten Immunisierungsmethode. Die Krankheitserreger schmarotzen als kleinste hrptehoen in den roten Blutzellen und zeigen sich in den Jugend⸗ tadien meist als helle winzige, oft lebhaft bewegliche Pünktchen, ent⸗ weder zu einem oder mehreren. Die für das echte Texasfieber typische Birnenform wurde nur einmal gesehen. Die größeren Formen waren rundlich, oval, zuweilen auch ringförmig, größter Durchmesser 1-2⁄1e00% mm. Die Malaria der Esel verläuft bei weitem am bösartigsten, soweit das bisherige Beobachtungsmaterial ergibt, besonders in der Regenzeit. Charakteristisch waren bei den Eseln außer Krämpfen Lungenerscheinungen wie Husten und bei der Sektion vereinzelte kleine pneunomische Herde in den Lungen. Diese Verbreitung der Tiermalaria, die ich bei allen Haustieren, speziell bei den Jungen, feststellte, findet eine beachtens⸗ werte Parallele in der menschlichen Malaria. Diese be⸗ fällt bekanntlich auch in erster Linie die Kinder der Ein⸗ geborenen. — c. Tsetsekrankheit. Hier mit Ausnahme der Schweine bis jetzt bei sämtlichen Haustieren von mir ge⸗ funden, sowohl in Togo, wie in Lagos bis nach Abeokuta, wie in Kamerun im ganzen mächtigen Urwaldgebiet, besonders in der Nähe der großen Flüsse also im Tale des Croß⸗ fluse des Mungo⸗, Wuri⸗, Kribi⸗, Nyong⸗, Sanaga, im Süden auch in Batta (spanisches Gebiet). Grenze der Krankheit nach dem Hinterlande zu lag auf meiner Tour bei Lum, in 230 m Höhe. Sie kommt aber nach meinen früheren Beobachtungen auch in Lolodorf und in Jaunde vor. Das ganze Kamerungebirge ist sicherlich von einer Höhe von 650 m an tsetsefrei, desgleichen das Bakossigebirge und das Grasland. Die Krankheit tritt chronisch und akut auf In ersterem Falle kann es zur Heilung kommen oder auch zum erneuten akuten Auftreten bei Zutritt von äußeren Schädlichkeiten wie Erkältung usw. Das an Ort und Stelle geborene Vieh zeigt zum Teil eine erworbene relative Immunität, be⸗ sonders die Schafe und Ziegen. Als Erreger waren hier zwei verschiedene Trypanosomen zu beschuldigen, eine seltener vor⸗ kommende, plumpere, weniger bewegliche Art, welche dem aus Süd⸗ afrika schon bekannten und von mir vr. in Togo gefundenen Nagana⸗ parasiten entsprechen dürfte, und eine äußerst schlanke, ungemein be⸗ wegliche Art, welch letztere meines Wissen noch nicht beschrieben worden ist und die wir vorläufig trypanosoma vivax nennen wollen. Beim “ bis jetzt noch nicht gefunden. Dieselbe ähnelt in Gestalt und Beweglichkeit im lebenden Präparat den Rattentrypanosomen und schießt wie ein Fisch durch die Blutflüssigkeit. Während indes beim Rattentrypanosoma im gefärbten Präparat das hintere Chro⸗ matinkorn (Centrosoma) typisch etwa ⅛ bis ¼ der Körperlänge vom Körperende entfernt liegt, liegt dasselbe bei trypanosoma vivax im hinteren Körperviertel, meist ziemlich oder ganz in der Nähe des Körperendes. Wie schon früher berichtet, Breg ich bei dem plumpen Naganaparasiten männliche und weibliche Formen unterschieden zu haben, welch letztere sich durch dunklere Färbung im gefärbten Präparat von den ersteren unterscheiden. Nach weiteren Beobachtungen haben wir, wie ich glaube, auch indifferente ungeschlechtliche Formen zu unterscheiden. Wir hätten dann eine Parallele zu den Parasiten der menschlichen Malaria. Wie im Anopheles die Kopulation der männ⸗ lichen und weiblichen Malariaparasiten stattfindet, würde Se mög⸗ licherweise auch im Körper bestimmter Stechfliegen bezüglich der Naganaparasiten stattfinden. Beim Rattentrypanosoma und trypa⸗ nosoma vivax konnte ich dagegen bis jetzt noch keine Differenzierung nach Geschlechtern im Tierblut feststellen. Es erkrankten nun Schafe an Infektion mit den schlankeren Trypanosomen, nach⸗ dem sie eine Infektion mit den plumperen Trypanosomen bereits überstanden. Es ist diese Feststellung von der allergrößten Bedeutung. Sie bedeutet nichts anderes, als daß in einem Lande, in welchem zwei verschiedene Trypanosomen vorkommen, gegen beide immunisiert werden müßte, wenn praktische Resultate erzielt werden
““ “
Oesterreich⸗Ungarn.
Gestern abend sammelten sich in Triest mehrere Hundert junge Leute vor einem Kaffeehause an, veranstalteten eine Kundgebung gegen die Innsbrucker Vorgänge und stießen deutschfeindliche sowie österreichischfeindliche Rige aus und schrien: Wir wollen eine italienische Universität in Triest. Die Polizei trieb, wie „W. T. B.“ meldet, die Menge aus⸗ einander, wobei 13 Verhaftungen vorgenommen wurden. Nach zwei Stunden wurde die Ruhe wieder hergestellt. Großbritannien und Irland. 8 Im Unterhause erwiderte gestern auf eine An ag Regierung über das jüngst erfolgte E1 Postdampfert im Roten Meer durch ein russisches Kriegsschiff rkundigungen eingezogen habe, der Unterstaatssekretär des Aeußern Earl Peche die Regierung habe hierüber keine Nachricht erhalten. Im ebruar seien drei Dampfer durch ein russisches Geschwader im Roten Meere angehalten und äin zwei Fällen die Dampfer durchsucht und die Schiffspapiere geprüft worden, aber in allen Fällen sei den Dampfern nach kurzer Zeit gestattet worden, ihre Reise fortzusetzen. Die Fälle hätten der englischen Regierung kein Recht zu einem Ein⸗ ruche gegeben. — Hierauf fragte Gibson Bowles an, ob die Regierung erwogen habe, unter welchen Bedingungen den Schiffen der Eö1 Mächte während der Dauer des Krieges erlaubt ein solle, an britischen Kohlenstationen Kohlen zu nehmen, und ob die Vorbedingung für eine solche Erlaubniserteilung die Uebernahme einer ausreichenden Verpflichtung sei, daß das kriegführende Schiff, nachdem es mit einer hin⸗ reichenden Kohlenmenge versehen ist, um damit in den nächsten Hafen seiner Nation zu gelangen, tatsächlich nach diesem Hafen gehe und die Kohlen nicht zu Fahrten zu Kriegszwecken verwende. Der Premier⸗
ob die
lehrung und gewissen sanften Zwang müßten die Bakossi zu
minister Balfour erwiderte, die Regierung habe diesen Fragen ihre
G Bedeutung, da eine hochgradige Immunität bereits in der bei Katzen und Hunden im Gebirge und
Die
MHMAeber die Kämpfe bei Kaiping
Aufmerksamkeit geschenkt und stets entsprechende Anweisungen gegeben. Auf eine weitere Anfrage erwiderte der Premierminister, die Regierung beabsichtige, in der nächsten Session die Vorlage über die Ein⸗ wanderung von Fremden wieder einzubringen. 8
Frankreich. “
In der Deputiertenkammer wünschte Chaumet (radik. Republik.) die Regierung über die Organisation der Marine zu interpellieren, um dabei nachzuweisen, daß Minister Pelletan Fehler und grobe Nachlässigkeiten begangen habe. Der Ministerpräsident Combes forderte die Vertagung der Interpellation; seinem Verlangen wurde mit 315 gegen 242 Stimmen entsprochen.
Rußland. 9
Der Kaiser und der Großfürst⸗Thronfolger nahmen, wie dem „W. T. B.“ aus St. Petersburg berichtet wird, gestern vormittag kurzen Aufenthalt in Pensa. Auf dem Bahnhofe erwiderte der Kaiser auf eine Ansprache des Adelsmarschalls, er weile jetzt hier, um die in den Krieg ziehenden Truppen zu segnen, damit der Krieg zu einem günstigen und Ruß⸗ lands würdigen Ergebnisse führe. Später nahm der Kaiser auf dem Exerzierplatze eine Parade über die Truppen ab. Darauf trat Allerhöchstderselbe vor die Front der Soldaten, wünschte ihnen glückliche Fahrt und segnete sie mit Heiligenbildern, indem er den Mannschaften wünschte, sie möchten gesund und wohlbehalten zu ihren Heimstätten zurück⸗ kehren. — Am Nachmittag trafen der Kaiser und der Großfürst⸗ Thronfolger in Kusnezk (Gouvernement Saratow) ein und setzten nach kurzem Aufenthalte unter begeisterten Kundgebungen der Bevölkerung die Reise fort.
Nach einer in Kopenhagen eingegangenen brieflichen Mit⸗ teilung aus Helsingfors wurde der verordnete Emil Schybergson, nachdem eine Haussuchung bei ihm abgehalten worden war, am 7. Juli verhaftet und über Wyborg nach St. Petersburg deportiert. Bei dem Professor für vergleichende Sprachforschung Otto Donner, bei dessen Eltern und bei dem Professor der Astronomie Anders Donner wurden in der Nacht vom 4. Juli ebenfalls Haussuchungen
in St. Petersburg in strenger Untersuchungshaft gehalten.
8 Italien.
Anuf gerichtliche Anordnung ist, „W. T. B.“ zufolge, der frühere Bersaglierihauptmann Mancinelli unter dem Verdacht, ein Mitschuldiger des wegen Spionage verhafteten Kapitäns Ercolessi zu sein, in Rom festgenommen worden.
Schweiz.
Nach Meldung der „Schweizerischen Depeschenagentur“ hat der Bundesrat die schweizerische Militärmission bei der russischen Armee in Ostasien, bestehend aus dem Obersten Audeoud und dem Haupt mann Bardet, abberufen.
Asien.
(Kaitschou) wird, einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus Tokio ufolge, von japanischer Seite noch berichtet, daß erst nach erbittertem Kampfe und verzweifelten Stürmen, denen die Russen hart⸗ näckigen Widerstand geleistet hätten, es dem General Oku gelungen sei, am Sonnabendmittag Kaiping zu nehmen und die Russen zum Rückzuge auf Haitscheng zu zwingen. Die Russen hätten die Anhöhen halbkreisartig stark befestigt und mehr als 30 000 Mann an Ort und Stelle gehabt.
Der General Sacharow meldet dem russischen General⸗ stabe, 82 „W. T. B.“ aus St. Petersburg erfährt, vom 10. d. M.:
Am 9. Juli zogen sich unsere Truppen in voller Ordnung nach Kaitschou zurück, wobei sie den Feind aufhielten, der mit etwa 4 Divisionen vorrückte. Die Verluste sind noch nicht genau festgestellt, betragen aber nicht mehr als 200 Mann an Toten und Verwundeten. Unter den Verwundeten befinden sich 5 Offiziere. Am Abend des 9. Juli blieb der Feind auf den Höhen im Norden Kaitschous. Die folgende Nacht verlief ruhig. Am Morgen wurde festgestellt, daß be⸗ deutende feindliche Streitkräfte in der Umgegend von Maolingou, 8 Werst nordöstlich von Kaitschou, zusammengezogen worden waren. Bis zum Mittage des 10. Juli unternahm der Feind keinen Angriff.
Am Morgen des 9. Juli stellte ferner eine russische Streifwache in einem Tale südöstlich von dem Paß, der sich auf dem Wege Siaohotan—Siandian befindet, fest, daß mehrere japanische Kompagnien dort vorrückten. Gegen Mittag wurde weiter bemerkt, daß eine japanische Abteilung in einer Stärke von sechs Kympagnien und zwei Geschützen im Süden der Schwarzen Berge in der Umgebung von Siandian vorrückte. Der Feind ging in einer Stärke von etwa einer Brigade Infanterie und zwe Batterien vom Indalinpaß und von Erldagou konzentrisch auf Siandian vor. Am Nachmittage begann ein Gefecht, das bis zum Eintritt der Dunkelheit dauerte. Hierauf zogen sich die russischen Truppen um 6 Uhr Abends nach Westen in einen Paß zurück. Auf b Seite wurden 2 Offiziere und 15 Mann verwundet und 4 Mann getötet. Auf der Linie Haitscheng —Siujan sind keine Veränderungen eingetreten. — Einer Sotnie gelang es auf einer Rekognoszierung bei Siheian auf der Linie Liaujang —Saimatsi eine feindliche Eskadron in einen Hinterhalt zu locken. Die Japaner verloren an Toten und Ver⸗ wundeten gegen 20 Mann; ein Mann wurde gefangen genommen.
Die fremden Militärattachés bei den Gesandtschaften in Tokio und die Kriegskorrespondenten haben nach einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus Söul jetzt zum ersten Male seit dem Ausbruch des Krieges die Erlaubnis erhalten, an dem Vormarsch der japanischen Truppen teilzunehmen, während sie bisher beim Hauptquartier des Generals Kuroki zurückbleiben mußten. 8
Von dem japanischen Geschwader bei Port Arthur ist, wie „W. T. B.“ aus Tokio berichtet, dort die Meldung ein⸗ getroffen, daß am Sonnabend die russischen Kreuzer
„Bajan“, „Diana“, „Pallada“ und „Nowik“ mit zwei Kanonen⸗
booten und sieben Torpedobootszerstörern aus dem Hafen von Port Arthur herausgefahren sind. eine größere Anzahl Dampfer
angegriffen und zog sich Nachmittags in den Der Admiral Togo berichtet, daß die japanische Beschädigungen erlitten hat.
Das Prisengericht in
„Cheltenham“ für rechtmäßig erklärt. bereits von den Japanern angekauft gewesen sein. hätten sich nur vier Engländer befunden.
Afrika. Nach einer Meldung
fallen würden, wenn der Bau fortgesetzt werde. dessen wurden die Arbeiten eingestellt.
Stamm einen Raubzug Stammes unternommen. — blieb Raisuli siegreich und raubte eine große Menge Vieh.
Infolge⸗
Nachrichten aus dem Innern zufolge hat Raisulis in das Gebiet eines anderen
Nach zweitägigem heftigen Kampfe
herausgegeben im Inhalt: 1) Konsulatwesen:
ta Henea ene . in dem Stande oder den Befugnissen der 3.
Bankdirektor und Stadt⸗
vorgenommen. Professor Homen und Dozent Estlander werden liegen.
Das Geschwader, dem zur Minenbeseitigung vorauf⸗ fuhr, wurde von der japanischen Torpedobootsflottille
Hafen zurück. Flottille keine
Wladiwostok hat, der „Nowoje Wremja“ zufolge, die Beschlagnahme des Dampfers ü Der BW“
des „Reuterschen Bureaus“ aus
ger hatte die marokkanische Regierung dort⸗ gerade mit dem Bau eines neuen Zollamts bei der den Hafen be⸗ herrschenden Batterie begonnen, als Briefe von den um⸗ wohnenden Stämmen und, wie verlautet, auch von
Nr. 30 des „Zentralblatts für das Deutsche Reich“, eichsamt des Innern, vom 8. Juli, hat folgenden Ermächtigung zur Vornahme von Zivil⸗ ndsakten; — Exequaturerteilung. — 2) Zoll⸗ und Iöu“ oll⸗ un Steuerstellen; — Aufnahme der Ladebäume in die Nachemeistung der zu den gewöhnlichen Schiffsutensilien zu rechnenden Inventarienstücke. — 3) Auswanderungswesen: Erweiterung der der Sociésté Anonyme de Navigation Belge-Américaine (Red Star Line) in Antwerpen erteilten Erlaubnis zur Beförderung von Auswanderern. — 4) Marine und Schiffahrt: Feststellung der Formulare zu Prüfungs⸗ und Be⸗ fähigungszeugnissen der Führer von Hochseefischereifahrzeugen. — 5) Poltzeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.
1“
Statistik und Volkswirtschaft.
Lebensmittelpreise im Kleinverkauf. Es herrscht gegenwärtig ein lebhafter Streit über die Bezugs⸗ preise der Lebensmittel aus den verschiedenen Arten von Laden⸗ geschäften. Einerseits hat zu diesen Erörterungen der Kampf der Krämer gegen die Konsumvereine, anderseits die Frage nach der Zweckmäßigkeit der Warenhausbesteuerung Anla ge⸗ geben. Die Entscheidung darüber, welche Geschäftsform wohl am zweckmäßigsten, d. h. am wohlfeilsten und besten die Versorgung der Konsumenten mit Lebensmitteln bewerk⸗ stelligt, läßt sich nun schon von allgemeinen Gesichtspunkten aus be⸗ antworten; aber lehrreich und interessant ist es, wenn auch Sonder⸗ untersuchungen, auf allerhand systematisch gesammelte Daten gestützt, überall da angestellt werden, wo die Ansichten miteinander im Streite Denn örtliche Einflüsse wirken allerdings wesentlich mit⸗ bestimmend auf das Ürteil der öffentlichen Meinung ein.
Nun hat F. Wetzlar⸗Kilzer in Frankfurt a. M. sich der Mühe unterzogen, eine kleine Probeerhebung anzustellen, die sich freilich nicht auf Massenbeobachtung stützen kann, aber den Weg zu zeigen versucht, auf dem durch größere Enqueten unanfechtbare Ergebnisse gewonnen werden könnten. Der Verfasser veröffentlicht die gewonnenen Zahlen mit Erläuterungen im letzten Heft des „Archivs für Sozial⸗ wissenschaft und Sozialpolitik“ (XIX. Band, 2. Heft; Ver⸗ lag von J. C. B. Mohr, Tübingen). Er hat von 9 Warengattungen (Gerste, Linsen, Sago, grüne und gelbe Erbsen, weiße Bohnen, ge⸗ mahlener Zucker, Hafergrütze, Grieß und Reis) je ¼ oder ½ kg aus den Läden von drei Krämern verschiedener Stadtgegenden, einem vornehmen Großdetaillisten ohne Filialbetrieb, einer Filiale eines anderen Großdetaillisten, einem Universalbasar und einem Konsum⸗ verein durch Dritte in unauffälliger Weise bezogen. Alle Lieferungen sind dann genau brutto und netto (mit und ohne Papierhülle) gewogen, die Preise vermerkt und darauf von einem gewiegten Sachverständigen auf ihre Qualität und Preiswürdigkeit geprüft worden. Die Zahlen hat dann der Verfasser tabellarisch verarbeitet. Hinsichtlich des durchschnittlichen Gewichts ergab sich, daß bis auf einen Kleinhändler, der bei allen Lieferungen ein kleines Uebergewicht gab (durchschnittlich 8,7 g auf 250 g), alle zu knapp gewogen hatten, und zwar um ½ bis 7 %; der Konsumverein hielt mit etwa 3 % gerade die Mitte. Am preis⸗ wertesten wurden die Artikel aus dem Warenhaus befunden. Sie kosteten nur 88,5 % des Normalpreises; der Großdetaillist mit Filialen lieferte ebenfalls etwas unter dem Normalpreis (zu 98,5 %), der Konsumverein etwas über demselben (zu 103 %); die anderen Klein⸗ händler waren alle erheblich teurer (115 bis 138 %). Alle Waren der sieben Lieferanten auf eine Werteinheit für das halbe Pfund ge⸗ bracht zeigten folgende Skala, zu der bemerkt sei, daß die Geschäfte der Kleinhändler I und II in unmittelbarer Nähe des Konsumsvereins⸗
10,35 10,50 11,20 11,40 11,50 11,66 15,25 „
beim Warenhaus . . . Großdetaillisten mit
Konsumverein Kleinhändle 1 . . . .. Kleinhändler in der Altstadt eeee¹“; “ 1“ Die scheinbar eigentümliche Tatsache, daß der Großdetaillist der teuerste war, erklärt sich aus dem Umstande, daß er einen sehr eleganten Laden hat und nur Geschäfte mit feiner Kundschaft sich an⸗ gelegen sein läßt, die besonderes Gewicht auf patente Bedienung und Ausstattung legt. Im übrigen zeigt sich aber sehr deutlich, daß der Großbetrieb und das Filialgeschäft viel leistungsfähiger sind, als der Kleinbetrieb der Krämer. Betreffs des Waren⸗ hauses wird man allerdings einräumen können, daß es vielleicht die betreffenden Artikel ohne angemessenen Gewinn verkauft und sich an anderen Waren dafür schadlos hält. Die Fübaüfirme und der Konsumverein, der natürlich auch durch Zweig⸗ geschäfte seinen Umsatz macht, unterbieten aber die Krämer in fast allen Punkten. Dabei ist in obiger Aufstellung die Dividende des Konsumvereins noch nicht in Betracht gezogen; freilich ist diese nicht sonderlich hoch, sie betrug im letzten Jahre nur 3 %. Ueberhaupt treten die Vorteile, die ein Konsumberein seinen Mitgliedern zu bieten vermag, in der Frankfurter Erhebung nicht recht deutlich zu Tage, da die dortige Konsumgenossenschaft noch zu jung ist und daher noch nicht ausgedehnt und noch nicht erfahren genug ist. (Sie zählt nur 3500 Mitglieder und erzielte 1903 erst einen Umsatz von 377 000 ℳ) Es wäre sehr wünschenswert, wenn auch an anderen Orten ähn⸗ liche Untersuchungen, womöglich auf breiterer Grundlage, veranstaltet würden, damit man ein klares Bild über die Preis⸗ und Qualitäts⸗ unterschiede in den verschiedenen Ladenkategorien erhalten könnte. Die Frankfurter Erhebung leidet daran, daß sie nur aus einmal ent⸗ nommenen Stichproben einzelner Waren besteht. Das Ergebnis trifft aber so ziemlich mit dem zusammen, was der unbefangene Beobachter auch anderwärts vorzufinden vermutet. 1
Filtalen
Gelehrten⸗ und realistische Schulen sowie Eleme schulen (höhere Knaben⸗ und Vorschulen) in rttem⸗ berg im Schuljahre 1903/04*).
Am 1. Januar 1904 gab es in Württemberg 90 „Ge⸗ lehrtenschulen“, d. h. Schulen mit lateinischem Unterricht, und zwar 4 niedere evangelisch⸗theologische Seminare, welche den oberen Klassen eines Gymnasiums entsprechen, 14 Gymnasien mit je 10 aufsteigenden Klassen, 1 Progymnasium, 3 Realgymnasien, 5 Real⸗ progymnasien, 61 Lateinschulen, 1 Reallateinschule und 1 Latein⸗ abteilung einer Realschule. Davon zählten die 27 Schulen mit Ober⸗ klassen, welche allein den höheren Schulen in Preußen gleichgesetzt werden können, zusammen 7036 Schüler, nämlich die niederen Seminare 166, die Gymnasien 4262, das Progymnasium 133, die Realgymnasien 1682 und die Realprogymnasien 793, während die übrigen 63 Schulen ohne Oberklassen, Lateinschulen usw., von denen 53 nur 1 und 2 Unterrichtsklassen aufweisen, von 2337 Schülern be⸗ sucht wurden. — Von den insgesamt 9373 Schülern der Gelehrten⸗ schulen gehören 2148 den Klassen der Oberstufe an, sodaß für die Mittel⸗ und Unterstufe zusammen 7225 übrig bleiben. Dem Religions⸗ bekenntnis nach befinden sich unter den Sthaler 6169 Evangelische,
2906 Katholiken, 278 Israeliten und 20 Angehörige sonstiger Kon⸗
58 9
8 fession. — Die Zahl der Lehrerstellen an sämtlichen Gelehrtenschulen betrug 481 ohne Einbeziehung von 18 Vikars⸗
Davon waren 447 Haupt⸗ Kandidaten für das humanistische Lehramt waren am 1. Januar 1904
57 vorhanden, davon gelangten 45 zur Verwendung.
und Repetentenstellen.
und 34 Hilfslehrerstellen. Geprüfte
Realistische Schulen zählte man in Württemberg während des Schuljahres 1903/04 88. Sie zerfallen in 10. Oberrealschulen, 6 Realschulen mit 2 Oberklassen, 7 Realschulen mit 1 Obertlasse, 64 Realschulen ohne Oberklassen, von denen 55 nur 1 oder 2 Unter⸗ richtsklassen aufweisen, und 1 ees Davon wurden die 23 Real⸗ bezw. Oberrealschulen mit Oberklassen von 8338 Schülern, die 64 Realschulen ohne Oberklassen und die Bürgerschule von 4331 Schülern besucht. Sämtliche realistische Schulen zählten demnach 12 669 Schüler, von welchen nur 1488 auf die Klassen der Oberstufe entfallen. Dem Bekenntnis nach gehörten 10 035 Schüler zu den Evangelischen, 2307 zu den Katholiken, 303 zu den Irraeliten und 24 einer sonstigen Konfession an. — Lehrerstellen ohne Ein⸗ rechnung von 15 Mikarsstellen gab es an den realistischen Schulen 434, darunter 373 Hauptlehrerstellen und 61 Hilfslehrerstellen. Ge⸗ prüfte Kandidaten des realistischen Lehramts gab es 105; davon wurden an Realschulen 71 verwendet Die sogenannten „Elementarschulen“ bereiten Knaben zum Eintritt in die höheren Schulen vor. Sie umfassen nur 2 Jahrgänge, da diejenige Klasse, welche in Preußen als 1. Vorschulklasse gilt, in Württemberg bereits als unterste Klasse den höheren Schulen zuge⸗ rechnet wird. Solcher Elementarschulen zählte man am 1. Januar 1904 in Württemberg 18 mit 3393 Schülern und 84 Lehrerstellen, darunter 19 provisorischen. Unter den Schülern befanden sich 2846 Evangelische, 451 Katholiken, 87 Israeliten und 9 einem sonstigen Bekenntnisse Angehörige. (Stat. Korr.) “ E““
v“ 86 .“ Zur Arbeiterbewegung. b Der Ausstand der Boryslawer Petroleumarbeiter (vergl. Nr. 161 d. Bl.) nimmt, „W. T. B.“ zufolge, einen ruhigen Verlauf. Ein Teil der Erdwachsarbeiter hat sich den Ausständigen ange⸗ sceaüsen Unterhandlungen zum Zwecke eines Ausgleichs sind eingeleitet worden. In Chicago ist, wie „W. T. B.“ meldet, von 50 000 Pack⸗ hausangestellten der Ausstand über das ganze Land erklärt worden, um das Inkrafttreten eines neuen Lohntarifs sicher zu stellen, da der alte am 28. Mai abgelaufen ist. 1
8
Land⸗ und Forstwirtschaft.
Die russische Holzausfuhr im Jahre 1903
Für die russische Holzausfuhr war das Jahr 1903 nicht ungünstig. Mit einem Ausfuhrwert von 65,3 Millionen Rubel wurde das bisher an der Spitze stehende Exportjahr 1900, in welchem für 58,4 Millionen Rubel Holz ausgeführt wurde, um rund 7 Millionen Rubel übertroffen. Die Einnahmen des Kaiserlich russischen Forstfiskus beliefen sich 1903 auf etwa 65 Millionen Rubel oder rund 10 % mehr als im Vorjahre Die Ausfuhr über Archangelsk verringerte sich gegen das Jahr 1902 um ca 14,5 %. Mit rund 135 000 Standard (von 165 cbf.) war die Ausfuhrmenge in gesägter Ware der von 1901 gleich. Der Ausfuhrwert für letztere Ware stellte sich im Jahre 1903 auf 7,1 gegen 7,4 Millionen Rbl. im Jahre 1901. Den ersten Platz unter den Sägewerken hat vorläufig mit 20 000 Standard das Werk der Apanagenverwaltung inne. Die Ausfuhr von Rundholz und Schwellen nimmt langsam zu. Im Jahre 1903 wurden etwa 116 000 Stämme und 107 000 Schwellen verschifft. Von dem ge⸗
sägten Holz nahm England rund 62 % gegen 67 % im Vorjahre auf.
den Sägemühlen das Geschäft mit England zu erleichtern. ü St. Petersburg uud Kronstadt verluden 1903 in gesägter Ware 149 000 Standard gegen 147 000 im Vorjahre und 156 000 im Jahre 1901. Hiervon entfielen auf Kiefern rund 35 %, Fichten etwa 60 % und auf verschiedene andere Holzsorten 5 %. war mit 8,4 Millionen Rbl. dem des Jahres 1901 gleich. Von der Ausfuhr 1903 gingen rund 62 % nach England, vor allem nach Hull und London. Rotterdam empfing etwa 22 000 Standard, Lübeck und Bremen zusammen etwa die Hälfte. 2
Die Ausfuhr über Riga hielt sich annähernd in denselben Grenzen wie im Vorjahre. Auffallend stark ging der Export von eichenen Dauben zurück. Der Wert des ausgeführten gesägten Holzes
8 ie Holzausfuhr Finnlands
v“ 1 Bearbeitetes Holz Brennholz .
erreichte in den letzten drei Jahre
1901 1902 1903 8 Tausend Festmeter
1249 1013 1973
2096 2382 2414
945 925 1095.
ländische Ausfuhr von Grubenhölzern. englischen Einfuhr an bearbeitetem Holz waren d in den Jahren 1902 und 1903 mit rund 30 % beteiligt.
auf den englischen Markt. (Bericht des landwirtschaftli verständigen beim Kaiserlichen Generalkonsulat in St. Petersburg.)
Staaten von Amerika.
Weizen die wichtigste Getreideart; Mais wird dort zwar in be⸗ deutend größerer Menge als Weizen gewonnen, er wird jedoch zum
Auslande. In den letzten zwanzig J 1 b der Ausfuhr von der Produktion bei Mais zwischen 2 und wenig über 10 %, während er im Durchschnitt nicht über 6 % stieg. Die
anderen Getreidesorten aufweist. Weizen, ist das Verhältnis des Exports zur kleiner. Dagegen wurden von der
Produktion noch Ende Juni 1903 waren es 30,28 % und 1900/01 41,36 %. wonnenen Menge
maßgebend für Vergrößerung das nächste Jahr. Eine sich die Ausdehnung des Weizenanbaus von Jahr zu Jahr annähern megleichen Verhältnis wie der Weizenpreis verändert. Zum Bei spiel war im Jahre 1883 die Ernte klein; von 36 455 595 Acres Weizenland wurden nur 421 086 160 Bushels
als 27 % der Ernte. auf 65,5 Cent herabging. Das Jahr darauf fiel wieder fläche auf 34 189 246 Acres, wurden nur 360 Millionen Bushels geerntet. t lassen sich aus den letzten zwanzig Jahren noch mehrere anführen.
Wechselwirkung S. Angebot und Nachfrage. Wichtiger ist die Frage, ob mit
Bedarfs und der
Union Schritt gehalten hat.
*) Statistik des Unterrichts⸗ und Erziehungswesens im Königreich
Raisuli eingingen, wonach diese Stämme Tanger über⸗
Württemberg für das Schuljahr 1902/703. Stuttgart 1904.
Weizenanbaufläche der
Durch erhebliche Zahlungsverfristungen suchte der russische Forstfiskus
Der Ausfuhrwert
betrug rund 12,0 Millionen Rbl. gegen 10,2 in jedem der beiden
Eine besonders große Zunahme zeigte im Jahre 1903 die finn⸗ An dem Gesamtwert der Rußland und Finnland Rohholz brachten diese Länder ebenfalls etwa 30 % der gesamten Einfobegenge 8
en ach⸗
Erzeugung und Ausfuhr von Weizen in den Vereinigten
Für die Ausfuhr der Vereinigten Staaten von Amerika ist
großen Teil im Inlande verbraucht und gelangt erst mittelbar in lebendem Vieh oder in Fleischprodukten zur Versendung nach dem Jahren schwankte der Prozentsatz
Größe der Maisausfuhr wurde von dem Ausfall der Ernte stark be⸗ einflußt, der gerade bei Mais wesentlich größere Abweichungen als bei Bei den übrigen Brotstoffen, außer
Weizenernte seit 1883 zwischen 21,31 und 41,47 % nach dem Auslande verkauft; im Fiskaljahre 1 ie statistischen Zusammenstellungen beweisen, daß eine gute Ernte nicht nur eine absolut größere, sondern auch eine im Verhältnis zur ge⸗ bedeutendere Ausfuhr zur Folge hat, als ein weniger günstiger Herbst, und zwar wegen der Abnahme des Preises bei großem Ertrag. Der Verdienst aus jeder Ernte ist wiederum oder Einschränkung der Anbaufläche für rüfung der Statistik läßt erkennen, 8. b
eerntet, der Preis
stand im Dezember auf 91,1 Cent, und zur Ausfuhr gelangten weniger Im nächsten Jahre stieg die Saatfläche auf
39 475 885 Acres, der Ertrag auf 512 765 000 Bushels, sodaß der Preis die Anbau-
und weil das Wetter ungünstig war, Derartige Beispiele
Diese Erscheinung ist aber eine einfache Folge des Gesetzes der
der Zunahme des inländischen
Nachfrage vom Ausland die Vergrößerung der Im Leinn 1884
stand die Einwohnerzahl auf 54 911 000 Seelen, und die Weizen⸗