.“
inweis auf § 65 Absatz 5 der aubzeugvertilgung anzuhalten. evierverwalter, die ein
machen.
verpflichtet sind, kann ihnen füllung dieser Dienstpflicht nicht zugesichert werden.
Ich würde aber nichts dagegen einzuwenden finden, es vielmehr für wünschenswert halten, wenn die Revierverwalter
den Schutzbeamten hierfür bestimmte Prämien zuwendeten.
Auch stelle ich der Königlichen Regierung anheim, den⸗ semige Schutzbeamten, welche mit besonderem Eifer und Erfolg
ich die Raubzeugvertilgung angelegen sein lassen, Remune⸗ 3 1353 Regierung zur Verfügung
rationen aus den der Königlichen gestellten Fonds zu gewähren. Berlin, den 5. Juli 1904. 8 8 Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. von Podbielski. An sämtliche Königlichen Regierungen mit Ausnahme 1— von Sigmaringen. b
Bekanntimachung 5
Gemäß § 46 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 (Gesetzsammlung Seite 152) wird zur ö entlichen Kenntnis gebracht, daß aus dem Betriebe der preu ischen Strecke Salzbergen — Landesgrenze der Almelo⸗Salz⸗ bergener Eisenbahn im Jahre 1903, soweit dabei die holläͤndische Eisenbahngesellschaft berührt wird, ein kommunal⸗ abgabepflichtiger Reinertrag nicht erzielt worden ist. Muͤnster, den 13. Juli 1904. 8 Der Königliche Eisenbahnkommissar.
Pannenberg.
öE 11““
Gemäß § 46 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 (Gesetzsammlung Seite 152) wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß aus dem Betriebe der preußischen Strecke Ahaus —Landesgrenze der Ahaus⸗Enscheder Eisenbahn im Jahre 1903, soweit dabei die holländische Eisenbahngesellschaft berührt wird, ein kommunalabgabepflichtiger Reinertrag nicht erzielt worden ist. 8
Münster, den 13. Juli 1904. 1 Der Königliche Eisenbahnkommissar. Pannenberg.
8 Abgereist:
8 der Präsident des Reichsversicherungsamts Gaebel, mit Mrlaub nach der Schweiz:
der Direktor im Reichsj ffmann,
8*
Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 18. Juli.
Der Königliche Gesandte in Dresden, Wirkliche Geheime Rat Graf von Dönhoff hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit werden die Geschäfte der Gesandtschaft von dem Legationssekretär Grafen Georg von Wedel geführt.
Der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat im Reichsschatz⸗ amt Rauschning ist mit Urlaub abgereist.
1 Der Königlich sächsische Gesandte Graf von Hohenthal und Bergen hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesen⸗ heit führt der Legationssekretär von Nostitz⸗Wallwitz die Geschäfte der Gesandtschaft. Der Königlich dänische Gesandte von Hegermann⸗ Lindencrone ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Ge⸗ chäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.
Laut Meldung des „W. T. B.“ sind S. M. J. „Hohen⸗ — M. S. „Hamburg“ und S. M. Tpdbt. „Sleipner“ am 15. Juli in Molde eingetroffen. b 1 S. M. S. „Fürst Bismarck“ mit dem Chef des Kreuzer⸗ geschwaders an Bord und S. M. S. „Hertha“ sind am 15. Juli in Nanking eingetroffen und am 16. Juli von dort
ach Wusung abgegangen. . 1
8 S. M. S. „Jaguar“ ist am 15. Juli in Nanking ein⸗ getroffen. 3 8 S. M. S. „Luchs“ ist am 15. Juli von Wusung nach Tsingtau in See gegangen. 1
S. M. S. „Iltis“ ist am 16. Juli in Tschifu ein⸗ etroffen und an demselben Tage von dort nach Tsingtau in Eee gegangen.
Egan S. „Seeadler“ geht am 18. Juli von Chemulpo nach Tsingtau in See. H
Der Dampfer „Rhein“ mit dem Ablösungstransport für die Ostasiatische Besatzungsbrigade ist auf der Ausreise am 15. Juli in Schanghat eingetroffen und am selben Tage nach Tsingtau weitergegangen.
Oesterreich⸗Ungarn.
Wie die „Neue Freie Presse“ aus Triest meldet, wurden dort am Sonnabend der Vorstand und 6 Mitglieder des italienischen Turnvereins verhaftet, nachdem bei einer
aussuchung im Vereinsgebäude 2 Bomben, Föö Frnss⸗ Kapseln und ¼ kg weißes Pulver gefunden worden waren. Die Polizei war von Görz aus von dem Vorhanden⸗ sein der Bomben benachrichtigt worden.
Försterdienstinstruktion zur
so geringes Interesse für die Pflege der ihnen verpachteten staatlichen Niederjagd zeigen, daß sie die erforderliche Verminderung des Raubzeugs vernachlässigen und dadurch zu Klagen Anlaß geben, sind mir namhaft zu
Da die Forstschutzbeamten zur Vertilgung des Raubzeugs E11.“““ 9 besondere Gebühr für Er⸗
“ Großbritannien und Irland.
Die Regierung hat genehmigt, daß der frühere Präsident
Paul Krüger in Transvaal beerdigt wird. Frankreich.
An Stelle Lagraves ist der Sektionschef im Staatsrat Picard zum französischen Generalkommissar bei der
Weltausstellung in St. Louis ernannt worden. Rußland.
Der Kaiser ist nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus St. Petersburg vorgestern wieder in Peterhof eingetroffen.
In Agdschakent ist gestern abend der Vizegouverneur des Gouvernements Jelissawetpol (Elisabethpol) Andrejemw Der Mordanschlag wurde auf offener, Andrejew wurde durch sechs Schüsse. in den Rücken getroffen und verschied auf der Stelle.
ermordet worden. belebter Straße unternommen.
Der Mörder ist entkommen.
Niederlande. Zu Ehren des Chefs des vor
8 15
Vlissingen vor
Melvil von Lynden sowie die Spitzen der
Marinebehörden beiwohnten.
der deutschen mit einem Hoch auf die große hollindische Marine. gegeben.
Asien.
Ein Telegramm des Statthakters Alexejew an den Kaiser von Rußland vom 14. d. N. berichtet über die Lage um Port Arthur; es heißt darin den „W. T. B.“ zufolge: Wie gemeldet wird, erfolgten in Dalni zandungen japanischer
Truppen, und zwar sind daselbs bis zum 2. d. M. gegen 20 000 Mann und 50 Geschütze geandet worden. Der Feind bessert die Docks und die elektrisch Zentralstation aus. Auch die Eisenbahn wird wiederhergestellt da aber keine Lokomotiven vorhanden sind, werden die LVagen von Chinesen ge⸗ choben. Am 9. Juli stellten die apaner den Vormarsch ein; ie befestigen seitdem ihre Stellugen stark. Tägliche Schar⸗ mützel erschweren ihnen die Arbiten. Regengüsse haben die Wege sehr verdorben. Die Stinnung der Truppen ist vor⸗ trefflich. Gegenüber dem amtlichen Beicht des Generals Oku über das Gefecht bei Kaitschou vom9. Juli, das er als einen Sieg über die russische Armee hrstellt, meldet der Stab der russischen Mandschurei⸗Armee, wie der Generalleutnant Sacharow dem Generalstabe zu St. Petersburg mitteilt, folgende Einzelheiten dieses Arrilegarde⸗Gefechts:
In der Nacht auf den 8. Ju nahmen kleine russische Ab⸗ teilungen Stellungen 1 Werst nörzich von Kaitschou sowie den V““ die Stat Kaitschu und Tsiaotsiatun ein. Um 4 Uhr Morgens eröffnete er Gegne eine Kanonade und ging auf Meif wr, indem er bestrebt war,
der ganzen Linie zum den linken Flügel der tellung bei Kaitschou zu umgehen.
Seine Streitkräfte betrugen etwa vie Divisionen. Die russische Nachhut begann auf Befehl des Abteizungschefs, sich langsam von Kaitschou auf die Stellung beim Schuanlunsipaß zurückzuziehen. Nachdem der Paß erreicht war, erhielten auch die Truppen, die die Station Kaitschou und Tsiaotsiatun besetzt hieltg, den Befehl, sich zurück⸗ zuziehen. Um den Rückzug der Nachhu zu decken, wurde auf den Höhen bei Mahuntsuitsa eine Stellung hesetzt. Unter dem Schutze dieser Abteilung zog sich die gesamte Nachhut nordwärts zurück. Ein irgendwie ernsteres Gefecht hatte nur ein Bataillon. Alle Truppenabteilungen veranlaßten, den 89 rechtzeitig gegebenen Be⸗ fehlen gemäß, den Feind, sich zu entwicken, und zogen sich hierauf, ohne sich in einen Kampf einzulassen, in voller Ordnung auf die ihnen für die Nacht angewiesenen Stellugen und Biwaks zurück.
Wie der Generalleutnant Sachabw in einem Telegramm vom 16. d. M. dem Generalstabe wäcer meldet, besetzten nach einem Scharmützel mit einer russischenFreiwilligenabteilung am 15. Juli zwei japanische Kompagnien S Pchanlinpaß. Nach den Aussagen von ae stelk am Dalinpaß gegen 3000 Japaner und bei Wandsiapudꝛ gegen 4000 Mann In⸗ fanterie. Die Japaner fahren fort, die Pässe zwischen dem Fenschuilin- und dem Modulin Motien⸗) Paß zu be⸗ festigen. Den Sigoulinpaß hält einellbteilung der japanischen Vorhut besetzt. . b
Der reßische Agent in Tientsin erklärte, einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ vom gestrigen Tage zufolge, Niutschwang sei von den Japanen (noch nicht besetzt worden: die Russen beherrschten den Hafen nch wie vor.
Bei dem Zusammenstoße, dr, wie bereits berichtet, am Donnerstag in Schanhaikwanzwischen betrunkenen französischen und japanischen Soldaten erfolgte, wurden, nach einer in Paris einggangenen Meldung, auf französischer Seite drei Mann gettet und fünf verwundet, während auf der Seite der Japanersieben Mann getötet und zwölf verwundet wurden. W“
Einer Mitteilung des „Reuterschn Bureaus“ aus Tientsin vom gestrigen Tage zufolge telegrohierte der chinesische Ge⸗ sandte in Tokio an das chinesihe Auswärtige Amt, die japanische Regierung habe einen vschlag für die Ver⸗ waltung der Mandschurei guacht, der eine japanische Leitung, unterstützt durch chinesische uppen, vorsehe.
Im Süden von China will Fankreich, wie das ge⸗ nannte Bureau weiter meldet, nacheiner der chinesischen Re⸗ gierung ausgesprochenen Drohung Puppen landen, falls China nicht den Aufruhr an der Grenze von Tongking unterdrücke. Die chinesische Regierug befinde sich infolgedessen in großer Aufregung. 1
In Korea hat sich ein japcisches Syndikat um aus⸗ gedehnte Holzfällprivilegien beworbe. Wie die „Times“ aus Tokio berichtet, wurde die Bewchung in Korea von der öffentlichen Meinung lebhaft bekämft. Das Ministerium des Innern ließ sich hierdurch beeinfluen, wies die Bewerbung der Japaner ab und erteilte eine, Einheimischen Gesellschaft das Monopol, die sich unter dem stheren Minister des Aus⸗ wärtigen Lidachai in aller Eile gelbet hatte.
Wie „W. T. B.“ aus Ade meldet, wurde der am Sonnabend früh dort angekommer heutsche Postdampfer Pr nn Heinrich“ am Freitagrchmittag 2 Uhr von dem russischen Hilfskreuzer „Smolens, angehalten und ge⸗ zwungen, 31 Säcke Briefpost, 24Säcke und Kisten Paketpost abzugeben, die für Japan bestimm waren.
Anker liegenden deutschen Geschwaders, Admirals von Köster, gab der deutsche Gesandte im Haag von Schlözer am Sonnabend ein Festmahl, dem auch der Mnister des Aeußern Baron holländischen Do deutsche Gesandte brachte ein Hoch auf die Königin der Nederlande und den Deutschen Kaiser sowie auf die Flotten ihre: Länder aus. In Vlissingen gab am Abend vorher der deutsche Konsul den Schiffs⸗ kommandanten sowie den Armees und Marinebehörden ein Festmahl, bei dem der holländishe Marineminister auf das Wohl des Deutschen Kaisers, der Königin Wilhelmina und lotte trank. Der Wmiral von Köster erwiderte Auch in Scheveningen wurde zu Ehren der deutschen Gäste ein Diner
Der des Hauses der Abgeordneten für den 5. Wahlbezirk (Hattingen, Gelsenkirchen, Bochum, Witten, Dortmund, Hörde) im Regierungsbezirk Arnsberg (nl.), ist nach einer Meldung des „W. T. B.“ vom gestrigen Tage in Wildbad gestorben.
Statistik und Volkswirtschaft.
Die deutsche überseeische Auswanderung im Monat Juni 1904 und in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Es wurden befördert deutsche Auswanderer im Monat Juni über 1904 1903 Bremen . 1043 1244 “ 681 849 deutsche Häfen zusammen . 1724 2093 fremde Häfen (soweit ermittelt, 883 819 überhaupt 2¹⁰⁷ 2912.
1 Aus deutschen Häfen wurden im Monat Juni 1904 neben den
1724 deutschen Auswanderern noch 20 886 Angehörige fremder Staaten
befördert; davon gingen über Bremen 10 222, über Hamburg 10 664.
Die Ergebnisse der Warenhaussteuer⸗Veranlagung in Preußen in den Jahren 1901 —1903.
Die „Zeitschrift des Königlich preußischen Statistischen Bureaus enthält im zweiten Heft des Jahrgangs 1904 eine von Regierungsrat Dr. Kühnert gegebene Darstellung der Ergebnisse der preußischen Warenhaussteuer⸗Veranlagung in den drei ersten Steuerjahren seit dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 18. Juli 1900 bis auf die Regierungsbezirke herab, für die Jahre 1902 und 1903 auch nach Stadt und Land getrennt. Einer tabellarischen Nachweisung des Soll⸗ aufkommens an Warenhaussteuer entnehmen wir die folgenden Zahlen⸗
angaben: Anzahl der steuer⸗ pflichtigen Betriebe im Jahre ℳ 1901 1902 1903 1901 .109 861) 73¹) 3 073 905
2 11 500 — 24 000 15 1 342 953 7 131 25 4 59 000 — 4 000 7²) 223 902 3 97 400
3 64 600 76 500 53 600
Jahresbetrag der veranlagten Steuer ℳ ℳ 1902 1903³ 1 913 270¹) 1 933 250 *)
25 220 16 360
4 000 — 803 592 950 733 113 300
134 500 51 047
74 000 169 300*)
4 000 151 800²)
29 500:) 60 000
76 300³) 37 039
66 500 43 830⁴)
Staat.. Provinzen: Ostpreußen. Westpreußen Berlin Brandenburg Pommern Posen. Schlesien Sachsen Schleswig⸗ Holstein. Hannover.. 3 1 66 560 Westfalen... 6) 8¹) 32 350⁴) Hessen⸗Nassau. 5 5 121 000 97 005 94 941 Rheinland. 37 20) 185) 865 100 377 443³) 367 200).
Danach hat sich im Zeitraum 1901 bis 1903 die schon von Anfang an nicht gerade bedeutende Gesamtzahl der Steuerpflichtigen um ein Drittel verringert. Noch mehr ist deren Veranlagungssoll gesunken. Von 1902 auf 1903 hat es sich 21. ungeachtet der weiteren Verminderung der steuerpflichtigen Betriebe wieder etwas gehoben, und zwar im einzelnen hauptsächlich in Berlin, sonst nur noch in den Regierungsbezirken Breslau, Arnsberg und Düsseldorf. Zwei Provinzen Seseee. und Posen) und fast die Hälfte aller Regierungsbezirke (17) wiesen im Jahre 1903 überhaupt keine steuerpflichtigen Warenhausbetriebe auf, während 1901 solche in sämtlichen Provinzen vorhanden und nur in 13 Regierungs⸗ bezirken nicht vertreten waren. Anderseits ist der Regierungsbezirk Liegnitz seit 1902 zu den Landesteilen mit Warenhaussteuerzensiten hinzugetreten. Außerdem war im letzten Berichtsjahre in Königsberg der veranlagte Steuerbetrag und in Stettin sowie namentlich in Arnsberg die Zahl, der veranlagten Betriebe (nicht aber auch die Steuer) höher als im ersten. Im übrigen findet man 1903 gegen 1901, auch abgesehen von den Landesteilen, in denen eine Veran⸗ lagung zur Warenhaussteuer überhaupt nicht mehr stattgefunden hat (Danzig, Marienwerder, Posen, Hildesheim und Koblenz), durchwe eine Abnahme der veranlagten Steuersumme und größtenteils au der Steuerpflichtigen. Am bedeutendsten war sie im Regie⸗ rungsbezirk Merseburg. Hier sank die veranlagte Steuer um 92,2 vom Hundert, ferner in Düsseldorf um 72,7, in Aachen um 66,1, in Trier um 54,5, in Hannover um 43,9, in Cöln um 35,3, in Breslau um 30,2, in Berlin um 29,2, in Wiesbaden um 21,5, in Arnsberg um 20,3 und in Oppeln um 19,7 Hundertteile. Mit alleiniger Aus⸗ nahme von Arnsberg hat sich in diesen Bezirken zugleich die Zensiten⸗ zahl um mindestens ein bis (in Merseburg) drei Viertel verringert. Absolut ist gegen das erste Veranlagungsjahr das Steuersoll weit⸗ aus am meisten in Berlin (bei einem Abgange von 5 Steuer⸗ pflichtigen um 392 220 ℳ) und demnächst im Regierungsbezirk Düsseldorf (bei einem Abgange von 8 Steuerpflichtigen um 324 111 ℳ) zurückgegangen. Immerhin war auch im Jahre 1903 noch die Warenhaussteuer Berlins um ein meIhrfaches höher als die eines jeden anderen Landesteiles (Provinz oder Regierungs⸗ bezirk), während der anfänglich an zweiter Stelle stehende Regierungs⸗ bezirk Düsseldorf bereits im zweiten Berichtsjahre bezüglich der ver⸗ anlagten Steuersumme hinter den Regierungsbezirk Cöln und sogar auch hinter den Bezirk Potsdam, welchen letzteren er allerdings 1903 wieder überholt hat, zurückgetreten ist.
Was die Ursache der rückläufigen Bewegung der Zensitenzahl wie des Sollaufkommens der Warenhaussteuer betrifft, so läßt sich zunächst eine der ungehinderten weiteren Entwickelung der Waren⸗ häuser entgegenstehende Wirkung des Gesetzes — zumal bei dessen bis⸗ heriger kurzer Geltungsdauer — nicht feststellen. Möglicherweise hat aber die Steuer hin und wieder von der Gründung neuer Unternehmungen im Sinne des Warenhaussteuergesetzes abgehalten. Mehrfach haben, um der Steuerpflicht zu entgehen, Warenhäuser, namentlich solche geringeren deen. ihren Betrieb auf eine der im §6 des Gesetzes vorgesehenen, weit begrenzten Warengruppen beschränkt und vereinzelt wohl auch Warenhausunternehmungen sich in der Form einer Mehrheit von Spezialgeschäften verschiedener Inhaber aufgetan 6). Im ganzen schieden wegen Beschränkung auf Waren einer Gruppe aus der Zahl der bisher Steuerpflichtigen 1902 19 Warenhäuser mit einem Umsatze
2
1, —+ — 2Svrbo — 902g
200— 0 882 — —
282
¹) Davon waren im Jahre 1902 9 Betriebe mit einem Jahres⸗ betrage von 102 000 ℳ veranlagter Warenhaussteuer, i. J. 1903 6 Betriebe mit einem Jahresbetrage von 73 500 ℳ auf dem Lande, die übrigen in Städten. ²) Davon auf dem Lande i. J. 1902 3 Betriebe mit 58 000 ℳ, i. J. 1903 ebenfalls 3 Betriebe mit 60 000 ℳ veranlagter Waren⸗ haussteuer. ³²) Davon auf dem Lande i. J. 1902 1 Betrieb mit 4000 ℳ, 3 J. 1903 ebenfalls 1 Betrieb mit 5500 ℳ veranlagter Warenhaus⸗ euer. ⁴) Davon auf dem Lande i. J. 1902 2 Betriebe mit 8000 ℳ, i. J. 1903 1 Betrieb mit 4000 ℳ veranlagter Warenhaussteuer. .9)) Davon auf dem Lande i. J. 1902 3 Betriebe mit 32 000 ℳ, i. J. 1903 1 Betrieb mit 4000 ℳ veranlagter Warenhaussteuer.
6) Soweit es sich allerdings um die Zerlegung eines T. Warenhausbetriebes in mehrere gesonderte selbständige Betriebe handelt und die begleitenden Umstände erkennen lassen, daß diese behufs Ver⸗
Inach § 7 des Gesetzes bestehen.
deckung des Warenhausbetriebes erfolgt ist, bleibt die Steuerpflicht
8 8 8
8
Geheime Bergrat Dr. Schultz⸗Bochum, Mitglied
hängte
290 550 ℳ, 1903 deren 9 mit einem Umsatze von 6 758 087 ℳ Sodann haben aber auch die auf Beschwerden von anlagten Warenhausinhabern ergangenen Entscheidungen des berverwaltungsgerichts von grundsätzlicher Bedeutung, nach denen ⸗B. die von einem Gewerbetreibenden ohne Gewinnabsicht Nebenbetriebe unterhaltene Konsumanstalt oder der durch Verkauf IWaren (Futterstoffen, Besatzstücken, Bändern usw.) zur weiteren 8 bsmäßigen Verwendung und Verwertung an Schneiderinnen
emeKonfektionsgeschäfte erzielte Umsatz nicht als steuerpflichtig anzu⸗
bn 17
eben ist, zur Verminderung der Zensitenzahl wie des Veranlagungs⸗
ells beigetragen. “
Demgemäß ist zwar die Gesamtzahl der steuerpflichtigen Waren⸗ auser angaltee gesunken und auch die Steuersumme des ersten Be⸗ ichtsjahres bei weitem noch nicht wieder erreicht worden; ebenso steht rgesamte, der Warenhaussteuer⸗Veranlagung zu Grunde gelegte Umsatz es Jahres 1903 von 143 257 798 ℳ hinter demjenigen von 178 562 326 ℳ
Jahre 1901 noch sehr erheblich, und zwar um 35 304 528 ℳ, d. s. und 20 vom zurück. Wenn man aber den durchschnittlich auf inen Waren ausbetrieb entfallenden Steuerbetrag und Jahresumsatz etrachtet, so stellt sich das Verhältnis wesentlich günstiger. ie Purchschnittssteuer bezifferte sich nämlich im Gesamtstaate 1901 f 28 201 ℳ, ging im folgenden Jahre auf 22 247 ℳ zurück, um 603 wieder auf 26 483 ℳ zu steigen. Steht hiernach der Betrag ez letzten hinter demjenigen des ersten Berichtsjahres nur noch um wa ’1 undertteile, also nicht mehr wesentlich zurück, so hat sich ander⸗ sts der durchschnittliche Umsatz von 1 638 186 ℳ im Jahre 1901 auf 962 4386 ℳ i. J. 1903, d. i. fast um ein Fünftel, gehoben.
Diese Ziffern ergeben mithin im allgemeinen für die nach Lage er Gesetzgebung und Rechtsprechung steuerpflichtig gebliebenen Barenhäuser keinen erkennbaren Rückschritt in ihrer Betriebs⸗ usdehnung, vielmehr im letzten Berichtsjahre einen offenbaren Aufschwung, der um so bemerkenswerter ist, als im übrigen tije wirtschaftlichen Konjunkturen des dem Umsatze nach für sje Steuerveranlagung maßgebenden Jahres 1902 viel zu wünschen brig ließen. Eine Anzahl von Landesteilen zeigt allerdings auch ine zweifellos ungünstige Entwickelung der Warenhausbetriebe, so dor allem der Regierungsbezirk Merseburg, wo der Durchschnitts⸗ teuerbetrag von 17 625 ℳ im Jahre 1901 auf 5550 ℳ im ahre 1903, ferner der Bezirk Arnsberg, wo er von 12 000 auf 8464 ℳ, der Bezirk Düsseldorf, wo er von 29 717 auf 17 377 ℳ. der Zezirk Stettin, wo er von 19 667 auf 12 762 ℳ sank, usw. Selbst
Berlin blieb 1903 die durchschnittliche Steuer der Warenhäuser tt 63 382 ℳ noch um 3766 ℳ gegen diejenige des ersten Berichts⸗ üahres zurück. Die bedeutendste Zunahme er uhr der Durchschnitts⸗ etrag der Warenhaussteuer in den Regierungsbezirken Breslau und gäiln. In ersterem stieg er von 32 876 ℳ im Jahre 1901 auf 65 900 ℳ i. J. 1903, in letzterem von 29 795 auf 38 562 % Außer⸗ iem erhöhte er sich noch in den Bezirken Oppeln, Magdeburg, chleswig, Hannover und Wiesbaden je zum etwa 3000 bis 4000 ℳ id endlich im Bezirk Königsberg von 5750 auf 8180 ℳ
Auf dem Lande wurden
für 1901 sind die entsprechenden Ziffern nicht bekannt) auch inner⸗ balb des Regierungsbezirkes Trier veranlagt. Es handelte sich hierbei zutschließlich um die Industriebezirke Oberschlesiens und an ber Saar. In obiger Tabelle ist in den häufigen Fällen, in denen ein steuer⸗ bllchtiger Warenhausbetrieb sich über mehrere Kommunalbezirke er⸗ vck, die Steuer stets bei demjenigen Landesteile aufgeführt, in dem je Veranlagung der Betriebsgesamtheit stattfand, also da, vo die Geschäftsleitung des Unternehmens ihren Sitz hat dder bei ausländischen Unternehmungen, die in Preußen Perkaufsstätten (Zweigniederlassungen, Filialen) unterhalten,
wo der gesetzlich zu bestellende Vertreter seinen Wohn⸗
iz hat. In solchen 5* ist aber, wie bei der Gewerbesteuer, der
Fteuersatz in die auf die einzelnen Betriebsorte entfallenden Teil⸗
räge zu zerlegen. Wie sich nach entsprechender Ab⸗ und Zuschreibung
son solchen Teilbeträagen das tatsächliche Sollaufkommen in den
Inzelnen Landesteilen stellt, zeigt die nachstehende Uebersicht. Es ent⸗ len an Warenhaussteuer
— im Jahre 1901 / im Jahre 1902 im Jahre 1903
auf L11““ 111 11“
den Staat 3 073 905 100 1 913 270 1 1 933 250 100
die Provinz stpreußen 10 022 19 780 0 18 557 Bestpreußen . 25 478 9 440 6 208 786 147 4 934 900
˙1 284— Brandenburg. 110 848 112 619 101 252 91 114 62 319
Pommern. 76 755
E111“ 13 524 7 086 6 160
Schlesien 216 278 151 114 140 720
Sachsen 106 455 74 322 43 515
Schleswig⸗Holst. 67 898 69 776 64 271
Hannover. . 98 700 85 760 58 039 39 687 55 342
Westfalen . . 82 748 Hessen⸗Nassau. 120 004 3, 99 205 V 94 941 Rheinland.. 818 911 26,6 367 220 19,2 347 026 18,0. Die Ziffern dieser Uebersicht unterscheiden sich mithin nicht un⸗ wesentlich von denen der ersten Tabelle. Auf Berlin kamen schon in den beiden ersten Berichtsjahren allein etwas über zwei Fünftel, 1903 sogar fast die Hälfte der gesamten Warenhaussteuer in Preußen. Da⸗ gegen ist der Anteil des Regierungsbezirks Düsseldorf am Sollaufkommen on annähernd einem Sechstel im Jahre 1901 auf rund ein Fünfzehntel in den beiden folgenden Jahren gesunken. Wenn schon die im Regierungs⸗ bezirk Cöln veranlagte Steuer 1902 und 1903 viel bedeutender als die von Düsseldorf war, stand letzterer Bezirk bei der Ab, und Zuschreibung von Teilbeträgen der Warenhaussteuer nur im ahre 1902 etwas hinter Cöln zurück, während er 1903 wieder wie im Jahre 1901 die zweite Stelle unter den Landesteilen einnahm. Außer in Berlin, Düsseldorf und Cöln treten einigermaßen be⸗ merkenswerte Anteile an der Gesamtsumme der Warenhaus⸗ teuer nur noch im Regierungsbezirk Potsdam mit über nd in den Bezirken Wiesbaden und Oppeln mit an⸗ ähernd einem Zwanzigstel hervor. Während, wie schon bemerkt, im Jahre 1901 in 13, i. J. 1902 in 14 und i. J. 1903 ogar in 17 Regierungsbezirken Warenhaussteuerpflichtige nicht ver⸗ anlagt wurden, hatten gleichwohl 1901 und 1902 nur je 8 und 1903 ur 11 Bezirke tatsächlich keinen Anteil am Steuerertrage; es kamen so im ersten Steuerjahre 5, im zweiten und dritten je 6 Bezirken usschließlich infolge Zerlegung von Steuersätzen Teilbeträge von olchen zugute. b “
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Zur Arbeiterbewegung.
urde in Essen a. d. Ruhr, wie „W. T. B.“ meldet, der dKangreß der christlichen Gewerkschaften Deutsch⸗ ands durch eine Versammlung eröffnet. Vorsitzender Schiffer⸗ Crefeld sprach über die Bestrebungen der Arbeiter im Kampfe um Bleichberechtigung, Generalsekretär Behrens⸗Berlin über die Frage: Warum müssen sich die evangelischen Arbeiter den christlichen Gewerk⸗ chaften anschließen?
In Bremen ist, wie die „Frkf. Ztg.“ erfährt, der seit 14 Wochen N Gewerkschaftskartell über sämtliche dortigen Brauereien ver⸗ Boykott am Sonnabend aufgehoben worden. Die Zenereibesitze bewilligten die Wiederanstellung der ausständigen 8 tchen und eine kleine Lohnerhöhung. 8e Aus Marseille wird dem „W. T. B.⸗ telegraphiert: Da die üch der Messageries Maritimes infolge von Streitigkeiten 9 87 dem Dockarbeitersyndikat und den Arbeitgebern enss ble gestellt sind, haben die Offiziere der Handelsmarine be⸗ D vsen ihre Schiffe zu verlassen, wenn die Offiziere der Messageries San imes nicht bis zum 18. Juli Anweisung erhalten haben, ihre
ffe wieder in Dienst zu stellen.
erheblichere Warenhaussteuererträge ur innerhalb des Regierungsbezirkes Oppeln und im Jahre 1902
“ “ “ 88
Aus dem Boryslawer Ausstandsgebiet (vgl. Nr. 165 d. Bl.) wird dem „W. T. B.“ vennah 8 am 51 eine ;. Ausständiger einen Schacht der Karpathen⸗Petroleumgesell⸗ schaft überfiel und versuchte, die Arbeiten zur Ableitung des Rohöls in die Behälter zu verhindern. Militär hinderte die Ausständigen daran. Auch in Weglowka sind die Naphthagruben⸗Arbeiter in den Ausstand getreten. In Rowno, Rogi und Weg⸗ lowka haben die Unternehmer die Ausständigen aufgefordert, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen, weil sonst der Dienstvertrag als gebrochen gelten müsse. Wegen der Ausbreitung des Ausstandes im westgalizischen Erdölrevier ist das Militär dort noch weiter verstärkt worden.
In Chicago wurden, wie dasselbe Bureau mitteilt, am Freitag nach einer vierstündigen Besprechung die Verhandlungen zwischen den ausständigen Packhausangestellten und dem Vollzugsausschuß der Vereinigung der Fleischer abgebrochen. (Vgl. Nr. 162 d. Bl.)
Kunst und Wissenschaft. Große Berliner Kunstausstellung.
8 III
Nachdem wir die Hauptsäle rhschritten, sei ein kurzer Gang durch die Kabinette und Nebensäle gemacht. In dem sogenannten „Schlauch“, den beiden rund, angelegten Gängen (Nr. 31 und 33), fesselt zuerst das Knabenbildnis von Carl Wakelhan, das einen kleinen stämmigen Burschen mit entschlossenem Gesicht zeigt. Eugenie Dillmanns „Herbsttag in Rheinsberg“ leidet unter der trockenen Auffassung und der wenig überzeugenden Wiedergabe des Gegenständlichen. Ein stimmungsvolles Seestück die „Brandung bei Vlissingen“ hat Fritz Fenner eingesandt, Abenddämmerung liegt auf den hellgelblichen Fluten, die in breiten Wogen an das Mauerwerk schlagen, ebenso ist Erich Riemeyers „Fischkutter“ unter Sturmsegel von guter Wirkung in der Darstellung des mit den Wellen kämpfenden Schiffes. An die Auffassung Zieglers gemahnt Hans Wislicenus' „Bildnis meiner Frau', das die Dame in roter Taille mit großem schwarzen Hut zeigt, eine in der Farbenzusammen⸗ stimmung ähnliche Toilette, wie bei dem weiblichen Porträt Paul Halkes, das wiederum an französische Vorbilder, etwa an die Art Blanches, erinnert. Selbständiger ist Halke in dem „Kartoffelfeld“, namentlich in den beiden kräftigen Frauengestalten, auf die ver⸗ einzelt Sonnenflecke fallen, während der Erdboden weniger gut gelungen ist. Im hellen Sonnenschein liegt das Städtchen der Unterharzlandschaft“ von Richard Thierbach, deren rote Dächer nur etwas kalt im Ton geraten sind. Trübe November⸗ stimmung lagert auf dem Herbsttag Adolf Kaufmanns, der Sturm hat die Bäume entlaubt, hinter denen öde Häusermassen hervortauchen. Jan Kleintzes „Letzte Andacht“ ist von recht unwahrscheinlicher Perspektive, die tote Mutter in dem Wandbett scheint allzu weit ent⸗ fernt von dem nahe bei ihr sitzenden Sohn. Ein äußerst malerisches Sujet hat sich Louise Begas⸗Parmentier gewählt, allerlei buntbemalte Heiligenstatuen, die verstaubt und vergessen in der Ecke des winkligen Dachbodens lehnen. „Rumpelkammer einer Tiroler Kirche’ ist das Bild benannt. Von einer wenig erfreulichen Seite zeigt sich Franz Courtens in dem „Sonnenuntergang“ mit der seltsamen süßlichen und unnatürlichen Beleuchtung, auch Hendrik Mesdags „Landschaft in Gelderland“ mit ihren unklaren grauen und gelben Tönen enttäuscht ein wenig. Ebenfalls ein farbiger Beleuchtung zeigt Hans Lichts „Abend“, eine Mecklenburger Landschaft, deren weite Flächen in ein lichtes Blau gehüllt sind; auch hier ist dem Künstler nicht alles gleich gut gelungen, wenn auch manches Hübsche an dem Bilde ist. Eulalie Sieburgks alter Arbeiter“ scheint mit besonderer Betonung des blauen Hemdes und des kahlen Kopfes gemalt zu sein. Anmutiger ist die Farbenzusammenstellung bei der mit blauem Kleid und roter Schleife bekleideten Japanerin Vicky Zaeslein⸗Bendas, wobei dahingestellt sein mag, ob das Leblose des Ausdrucks Eigentümlichkeit der Rasse oder auf Rechnung der Malerin zu schreiben ist. Dagegen macht das als Bauer kostümierte Kind Adalbert Rogges doch einen recht puppigen Eindruck und ist flach gemalt. Friß ehrkes Französin mit einem etwas herausfordernden Ausdruck ist ein wenig allzu hart in der Zeichnung. Die Musik wählt Ernst Nelson zum Stimmungsträger seiner Herbstsonne, ein recht lang⸗ weiliges Interieur mit Klavier spielender Dame. Stephan Walters „Salon oder Parkfontäne“, die in dem kleinen Raum Platz gefunden hat, ist von unruhiger Silhouette und kleinlicher Wirkung, sie steht nicht nur quantitativ, auch künstlerisch weit hinter seinem „Seehandel“ zurück, der im Original an einem öffentlichen Gebäude Berlins aufgestellt ist und dort einen weit prächtigeren deko⸗ rativen Eindruck macht als hier in der Wiederholung in Gips.
Eine elegante Farbenwahl in blau und gelb und dazu die zarten Töne der Chrysanthemen zeigt Franz Wobrings Damenbildnis. Die alte Kiefer an der Ostseeküste von Julius Wenlicher macht einen geradezu plastischen Eindruck, nur schade, daß die Darstellung des Wassers und des Strandes darunter hat leiden müssen. Eine schwächliche Variante von Böcklins Heimkehr ist Eugen Heims „Lied“, das durch ein giftiges Grün nicht an Reiz gewinnt. Theodor Wedepohls Damenbildnis vereinigt in sich nur helle graue und blaue Töne, die zusammen doch sehr flau wirken. Ernst Freiherr von Stenglin stellt das Bild des Freiherrn von Z. aus, eines Jägers im Walde in tüchtiger, ein wenig trockener Zeichnung. Von ganz konventioneller Auf⸗ fassung ist Max Hoenows „im Buchenwald.“ Eine wahre Ver⸗ schwendung mit Grün treibt Charlotte Roland in ihrem „Unkenteich“; zu den schlechtgemalten Genrebildern gehört Jeanna Baucks „Brief“, namentlich der rote Stoff der Draperie ist mit Hintansetzung aller Wirklichkeit gemalt; energisch aufgefaßt, nicht gerade sehr elegant aber scheinbar äußerst ähnlich wirkt das Porträt Alfred Hammachers, den Professor Dr. H. darstellend, auch Oscar Hellers Porträt des Vaters vor dem grünen Hintergrund zeigt koloristisches Geschick. Bei Reinhold Gromanns „Häuser am Wasser“ ist die Betonung des Rots der Häuser doch allzu krätig. Als eigenartiges Talent zeigt sich Richard Hagn in der sonnigen nordfriesischen Bauernstube, bei aller Grelligkeit der Farben der blauen Stube und des roten Vorhangs und der starken Betonung der Einzelheiten macht das Ganze doch einen einheitlichen, durchaus nicht unharmonischen Eindruck. Ein trübes Bild mit Gestalten, die des statischen Halts zu entbehren scheinen, sandte August von Brandis unter dem Titel „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage“ ein; besser gelungen sind die niederrheinischen Interieurs desselben Künstlers, in den „Spielkameraden“ macht der Hund die beste Figur, während das Fleisch des Kindes wie aus Holz geschnitzt erscheint. Als gute Aktfigur präsentiert sich der Hirte von Paul Wilhelm Harnisch, ein kräftiger junger Mann, der einen mächtigen Stier an den Hörnern packt. Gut gelungen ist die trübe Stimmung in der „Brandung im Kattegat“ von Schleich, weniger überzeugend erscheint das Wasser in Theodor Sanders „graue Stadt am Meer“ und bei dem dritten Seestück b. Raumes, der letzten Zuflucht von Poppe Folkerts, vermag das norellistische Motiv nicht über die Schwächen der Ausführung hinwegzuhelfen. Die Staffage von Adolf Obsts „Am Bergeshang“ erinnert an ein berühmteres Bild, nur vermag diese Frau mit den Ziegen nicht mit jenem an Lebendigkeit der Darstellung zu konkurrieren. Beliebte Motive vereinigt Augst Kahle in seinem „Teich aus (2) Ilsenburg“, und die glatte Wasserfläche mit den Bäumen am Ufer, deren Blätter transparent im Licht der Sonne erglühen, wird manchen Besucher er⸗ freuen. Von nüchterner Wirklichkeitsliebe zeugen Fritz Grotemeyvers zwei Reiter, wäre die Dame nur auch etwas mehr in diesem Sinn behandelt worden! einrich Basedows Frühling zeigt uns gelbe Blumen an einem indigoblauen Bächlein, dessen Färbung auf nicht natürlichem Wege zustande gekommen zu sein scheint; eine drollige Idee, einen dem Schatten des Herrn nachlaufenden Hund, stellt Albert Klingner dar, und ist hier, wo er auf menschliche Staffage Pün⸗ verzichtet, glücklicher als in seinem schon erwähnten Bild. Schanse
eobachtung hat Karl Wagner bei der Zeichnung der Tiere „im Gemsgebirg' die Hand geführt; Carl Beckers Leibhusaren bei Artenay
stellung der Darmstädter Ludwighause zu Darmstadt von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge eröffnet. Höchstderselbe hielt, dem „W. T. B. zufolge, eine Ansprache, in der er ausführte, ein neues Geschlecht sei sich seines Rechts und seiner Pflicht bewußt geworden, nicht nur in den Formen der Vergangenheit, sondern auch seinem eigenen Künstlerempfinden ge⸗ mäß frei und zweckmäßig zu gestalten. und neuen Gestaltens offenbare sich die der Gegenwart eigene kultur⸗ schaffende Kraft, in deren Dienst er die Künstlerkolonie gestellt habe.
gehalten werden. tember, erste Sitzung Morgens 9 Uhr. stituierung. Ausschusses. der Steinerhaltung. 4) Verhandlung über die Vorbildung zur Denk⸗
festgesetzt worden.
*) Vergl. Nrn. 104, 115, 121, 133, 147, 151 und 159 d. Bl.
1870 wirken trotz aller gewaltsamen Bewegung etwas leblos, Clara von Sievers betitelt ihr Stilleben „Blumen“ und vergißt dabei den besseren Teil des Bildes, die gut ausgeführten Reineclauden. Der chon so oft beobachtete Einfluß Leistikows auf unsere Landschafter läßt sich in Adolf Liedtkes Bild „Am Griebnitzsee“ deutlich er⸗ kennen; in Wilhelm Teetz „Rettung naht“ sind wohl das Beste an Malerei die während William Krauses „Sommernachmittag“ recht erscheint. schadet das Kleidung der schwarzer Kleidung, Hildebrand vermag uns von dem Eindruck des Kostümierten nicht zu befreien. wenig echten Eindruck, dazu ist die Farbe trübe und schwer. Friedrich Mewes Tauwetter und landschaft, doch von betitelt Ernst Otto die im Grau daliegende Flußlandschaft, in deren Fluten ein gewaltiges Stück Hochwild schwimmt. Diehles beinahe s
von 88 angeblich dort herrschenden Temperatur keinen rechten Eindru zu geben. Akt Gottlieb Biermanns Koners Bildnis des Professors K. würde ohne die allzu absichtliche Betonung der Schädelpartie vielleicht einheitlicher wirken.
ihrer breiten Höftencc. zahm Bei einem „Holländischen Mädchen“ Rudolf Possins Blau des Hintergrundes dem Blau in der
Dargestellten. Ein derber Ratsherr in
„ein niederländischer Patrizier“ von Paul
gelben Wogen in
Wilhelm Wrages Raritäten“ machen leider einen
schildert nicht ohne Geschick regennasse Straßen im 1 Hermann Frobenius sandte eine Berg⸗ die bei scharfer Trennung der verschiedenen Gründe einheitlicher farbiger Stimmung ist. November“
Alwin ymmetrisch gezeichneter „heißer Vormittag“ verma
Gewaltige Formen zeigt der von der Rückseite gesehene liegende „nach dem Bade“ und Sophie
S-M.
Am Sonnabendvormittag um 10 Uhr wurde die zweite Aus⸗ Künstlerkolonie im Ernst
In diesem Drange des freien
Literatur. In Badenweiler ist, wie „W. T. B.“ meldet, der russische
Dichter Anton Tschechow in der Nacht vom Freitag zum Sonn⸗ abend infolge von Tschechow wurde im als Sohn eines Kaufmanns geboren, besuchte in seiner Vaterstadt das Gymnasium und studierte in Moskau Medizin. veröffentlichte er eine Anzahl kleinerer Werke in erzählender Form, zumeist humoristischen Inhalts, in denen die scharfe Beobachtungsgabe, die seine späteren Werke auszeichnet, bereits deutlich hervortritt. Von seinen
Zweikampf“ Leute“ (1890) genannt. „Onkel Wanja, „Drei Schwestern“ (1901) und „Der Kindergarten“ (1904) in Rußland vielfach mit Erfolg aufgeführt. 1900 gehörte Tschechow zu den zwölf Ehren
erzschwäche verstorben. Anton Pawlowitsch ahre 1859 in Taganrog am Asowschen Meer
Schon als Student
Novellen aus neuerer Zeit seien „Die Steppe“, „Ein die Sammlung von Erzählungen „Mürrische Von seinen Dramen wurden „Die Möwe“,
sowie
Seit dem Jahre akademikern. ö
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Der fünfte Tag für Denkmalpflege wird am 26. und September d. J. in Mainz im Kasino Hof zum Gutenberg ab⸗ Die Tagesordnung ist folgende: Montag, 26. Sep⸗
1) Söe,n,g und Kon⸗ 2) Bericht des Vorsitzenden des geschäftsführenden 3) Bericht des Ausschusses für Behandlung der Frage
malpflege. Berichterstatter Regierungs⸗ und Baurat Tornow und Geheimer Hofrat, Professor von Oechelhaeuser. 5) Verhandlung über die mit der Erhaltung des Berliner Opernhauses zusammenhängenden
Fragen. Berichterstatter Professor Wallé. 6) Vorschläge für die Be⸗
zeichnung von wiederhergestellten Teilen eines Bauwerkes. Bericht⸗ erstatter Architekt Ebhardt. 7) Berichte über die den Denkmalschutz betreffende Gesetzgebung. Abends 7 Uhr: Bericht von Professor Rathgen über die Erhaltung von Altertumsfunden aus Metall (mit Lichtbildern). — Dienstag, 27. September, zweite Sitzung Morgens 9 Uhr. 1) Bericht über das Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, erstattet vom Geheimen Hofrat, Professor von Oechelhaeuser. 2) Verhandlung über die Verzeichnung von beweglichen Kunst⸗ egenständen im Privatbesitz. Berichterstatter Geheimer Hofrat, brzfeser Gurlitt. 3) Verhandlung über Aufnahme, Sammlung und rhaltung der Kleinbürgerhäuser mittelalterlicher Städte. Bericht⸗ erstatter Stadtbauinspektor Stiehl. 4) Verhandlungen über die städtischen Bauordnungen im Dienste der Denkmalpflege. Bericht⸗ erstatter Prof. Frentzen und Geheimer Baurat, Oberbaurat Stübben. 5) Beschlußfassung uͤber den nächsten Tag für Denkmalpflege. Wahl eines geschäftsführenden — Für Mittwoch, den 28. Sep⸗ tember ist ein Ausflug nach Oppenheim und Worms in Aussicht ge⸗ nommen. Die Teilnehmer werden gebeten, sich am Sonntag, den 25. September, Abends 8 Uhr, im Kasino Hof zum Gutenberg, Große Bleiche 29, einfinden zu wollen.
Seitens des rumänischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten und Erziehung ist, einer den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin zugegangenen Mitteilung zufolge, die Ausschreibung von drei Preisen zu 3200 ℳ, 2400 ℳ und 1200 ℳ für die Lieferung der besten Ent⸗ würfe zu einer neuen Kathedrale in Galatz erfolgt. Als Endtermin für die Annahme von Entwürfen ist der 25. August d. J.
8 Theater und Musik.
Theater des Westens.
Am Sonnabend brachte das Ensemblegastspiel des Berliner Theaters auf der Charlottenburger Bühne „Liebeshandel“, Fofe 1 mit Gesang in 3 Aufzügen von Paul Stark und Richard Wilde, Musik von Gustav Wanda, zur erstmaligen Aufführung. Den Inhalt des Stückes hildet die auf Spekulation begründete Heirat einer amerikanischen Millionärin. Durch schlaue Verbindung ihres heimatlichen und des deutschen Eherechts sucht sie ursprünglich nur eine Scheinehe herbeizuführen. Durch diese bringt sie ein dem Gatten wertvolles Patent an sich und beeinflußt dadurch den Börsen⸗ urs gewisser Aktien. kalte Spekulantin zum liebenden Weibe, und die Posse schließt in schönster Harmonie. Diese in großen Zügen angedeuteten Vorgänge werden von mancherlei drastischen Episoden und zahlreichen, an⸗ sprechend vertonten Couplets durchsetzt. Auch an der Ausstattung ist nicht gespart worden: das Strandleben eines kleinen Badeortes, das romenadendeck einer amerikanischen Lustjacht, ein mit allen modernen Einrichtungen versehenes Junggesellenheim werden dabei vorgeführt. Ohne dieses Beiwerk wuͤrde der etwas dürftige Stoff freilich auch kaum zur Füllung dreier Akte ausgereicht haben. Das flotte Zusammenspiel und die vortreffliche Regie des Herrn Alfred Halm taten ebenfalls das ihrige, um dem Stücke zu einer recht freundlichen Aufnahme zu verhelfen. Von den Mitwirkenden sind vornehmlich Fräulein Dalberg als die spekulative Amerikanerin und Fräulein Bötticher als deren frühreifer, gleichgearteter Bruder sowie die Damen Waldmann und Weeren als gute Vertreterinnen besonders komischer Rollen zu erwähnen. Ebenso waren Herr Senius als der auf Spekulation geheiratete Ehemann sowie die Herren Kuhnert und Herrmann durchaus an ihrem Platze und ernteten ins⸗ gesamt wohlverdienten Beifall des recht gut besetzten Hauses.
Im Verlaufe der Handlung aber wird die 4